— are ne ae ae PRESENTED J I THE UNIVERSITY OF TORONTO BY Stadt Bibliothek, Bremen. Wr he 12 | " * | x | 9. Karl Friedrih Pauli des Staatsrechts und der Gefhichtfunde öffentlihen Lehrers und der koͤnigl. deutfhen Gefellfhaft zu Königsberg: Mitgliedes allgemeine preußiſche Sidats Geſchichtt des dazu gehoͤrigen Koͤnigreichs, Churfuͤrſtenthums und aller Herzogthuͤmer, Fuͤrſtenthuͤmer, Graf⸗ und Herrſchaften bewaͤhrten Schriftſtellern und Urkunden bis auf gegenwaͤrtige Regierung. Dritter Band. TEEN, =: Sa. > 0 HALLE, 1762. Berlag und Druck Chriftoph Peter Franckens. 5 — Le ern 0 a 0 a Zu Pr FR un nen Er UT KA EN —⸗ Ar und ein fechsjähriger blutiger Krieg, der gegen daſſelbe von A dem gröften Theil Europa geführet worden, hat feine SS, Machtnicht zerfplittern fonnen. Durch die Standhaftigfeit de jetzigen Monarchen, durch deffen Weisheit und Tapfers ki f nd feine Länder auf eine folche Art befchüiget, daß die Nachwelt ſolches nicht genug wird bewundern koͤnnen. Der Regierer der Welten fängt an, uns Ausfichten zueigen, wie diefer Dauptfrieg ohne merflichen Schaden der preußifchen Länder ſich feinem Ende nähert. : Der neue rußifche Monarch Deter 3 und das Koͤnigreich Schwe, den gehen andern Feinden mit einem rühmlichen Beiſpiel vor, dem ohne Noth an⸗ gefangenen Blutvergieſſen ein Ende zu machen. Selbſt die jegigen Unruhen wer⸗ den die Geſchichte des Föniglichen Ehurhaufes und feiner Länder noch leſenswuͤrdi⸗ —— 2 ger Vorrede. ger machen, und die ſpaͤteſten Bewohner der Erden werden begierig ſeyn, die Be⸗ gebenheiten der brandenburgiſchen Regenten und derer Länder, welche unter ihr nen ftehen, in ihrem ganzen Zufammenhange zu wiſſen. Diefes ift hinreichend, mich anzufeuren, die angefangene Geſchichte der koͤniglich preußiſchen Staaten und feiner Beherrfcher mit Eifer fortzufegen, Sch liefere davon nunmehro den dritten Band. e Es enthält felbiger Seite ı biß 201 die Geſchichte Churfürft Joachims 2, Es wird diefelbe wegen der in der Mark Brandenburg eingeführten Kirchenver⸗ befferung ſowol, als auch wegen der Art, wie folches geſchehen, merfwürdig bleis ben. Sein Betragen im ſchmalkaldiſchen Kriege erhielt fein Sand in Rebe, und feine Verträge mit Polen und Liegnitz find in den folgenden Zeiten feinen Nachkommen fehr nuͤtzlich geworden. Da diefer Churfürft einen Theil feiner Länder, vermöge des väterlichen legten Willens, feinem Bruder Johann von Cuͤſtrin überlaffen hatte, fo ift in einem Anhange Seite 202 bis 212 die Geſchichte diefes Marggrafens Johann von Cü- ſtrin abgehandelt. Die Regierung des Churfürften Johann Georgs ift Seite 213 bis 304 vorgetragen. Die vielen Ausgaben unter feinem Herrn Vater, der ohnedies nicht die ganze Mark Brandenburg inne gehabt, und mit fchlechten Kammerbediens ten verfehen geweſen; die Menge feiner eigenen Kinder und feine eigene Neigung - machten ihn zum guten Wirth. Seine Erbftanten blieben unter ihm in Ruhe, obgleich feine Kriegsvoͤlker anderwärts, fonderlich zum Beften der Droteftanten, gefochten haben. Unter ihm wurden die Landesftifter Brandenburg, Savel- berg und Lebus auf immer zur churfürftlichen Kammer gezogen. Daher enthält ein erfter Anhang Se ite 305 bis 324 die Geſchichte des Sufts Savelberg. In einem zweiten Anhange Seite 325 bis 340 iſt die Geſchichte des Biſchof⸗ thums Brandenburg vorgetragen. Und in einem dritten Anhange Seite 341 bis 350 ſind die — der Biſchoͤfe von Lebus erzehlet worden. Seite DBorrede. Seite 351 bi8 418 folget die Regierung des Churfürften Joachim Friedrichs, dem die preußifchen Angelegenheiten und die Bifchofswahl feines Sohnes in Strasburg viele Bemühungen gemacht. Diefer Prinz Tieß ſchon verfchiedenes von der Strenge der eifrigen Lutheraner gegen die Reformirten fahren. Er regierete feine Staaten in Ruhe, Er errichtete das geraiſche Grundgeſetz, und ererbte von der fraͤnkiſchen Linie das Herzogthum Jaͤgerndorf, womit er feinen Sohn Johann Georg abfand. Weil unter ihm die Ältere Linie der Marggrafen in Franken ausgeftorben, fo ift in einem Anhange von Seite 419 bis 488 die Geſchichte diefer Herren erzehlet worden. Die Thaten Friedrichs des ältern, Caſimirs, Albrecht des deut, fchen Alcibiades, Georgs des Frommen und Beorg Friedrichs in Staates Kriegs und Religionsfachen find viel zu merkwuͤrdig, als daß ſolche nicht de Auf⸗ merkſamkeit unſerer Leſer auf ſich ziehen ſolten. Des Churfuͤrſten Johann Sigismunds Regierung erfuͤllet den Raum von Seite 489 bis 594. Unter ihm fieng die Mark Brandenburg an ein meh⸗ reres Gewicht zu befommen, da er das Herzogthum Dreuffen mit dem Churlande verfnüpfte, und durch feine Gemalin ein Recht auf die ganze jülichfche Erbfchaft erhielt, aus welcher ihm nach verfchiedenen Veränderungen der Befiz vom Herzog. thum Lleve, der Grafſchaft Mark, Ravensberg und andern Herrfchaften zu Theil wurde. Die Veränderung feiner Religion, die nad) und nad) bewirkt wur- de, da er fich vom Lutherthum zur veformirten Kirche wandte, macht feine Ges fchichte gleichfals merkwürdig. Beil feit der Ausgabe des vorigen Bandes verfchiedene merkwuͤrdige Urkun⸗ den and Licht gebracht worden, welche die Geſchichte derer Churfürften, die im vos rigen zweiten Bande abgehandelt worden, merflich erläutert, fo habe ich. von Sei; te 595 bis zu Ende dieſes Bandes folche in einem Anhange meinen Lefern vorlegen wollen. Ob ich gleich überhaupt in Abficht der Beweiſe mich auf die in der Einleitung der brandenburgifchen Sefchichte angeführte Stellen beziehen fönte, fo habe ich doch durch diefen ganzen Band Fürzlich diejenigen Schriftfteller namhaft gemacht, 3 aus Borrede aus welchen ich die Begebenheiten genommen, die in diefem Bande vorkommen. | Insbeſondere habe ich mich in den brandenburgifchen Sandesbegebenheiten des Herrn von Bundlings Auszug der brandenburgiſchen Sefchichte, der Schrif⸗ ten Leuthingers, Lernitii, Rentſchen und Kentfchels, des Herrn Doctor Oelrichs Beiträge zue brandenburgifchen Gefchichte und des Herrn Geri⸗ ckens Urfundenfommlung, auch dee Handfhriften Saftitii und Creufings vor züglich bedienet. In denen Stiftsgefihichten von Savelberg, Brandenburg und Lebus find die brauchbaren Abhandlungen des Herrn Hofraths Lentz und des Heren Doctor Michaelis zum Grunde geleget worden. Aufferdem find die allgemeinen deutfchen auch fremden. Quellen nicht auffer Acht gelaffen worden. Die wichtigſten Urkunden, welche die Regenten oder das ganze Land betroffen, find, meinem einmal vorgeſetzten Entwurf gemäß, mit eingeruͤckt. | Im kuͤnftigen Bande werde ich mit der Gefchichte des Königreichs Dreuffen, - bis felbiges an die Churmark Brandenburg verknüpft worden, den Anfang machen. Diefer foll die Erzählung des Dreißigjährigen Krieges, folglich die Regie⸗ ‚rung Churfürft Beorge Wilhelms und des geoffen Churfürften Sriedrich ‚Wilhelms bis zum weſtphaͤliſchen Srieden folgen. Sch werde hierauf den Beſchluß mit der Gefchichte dererjenigen Staaten machen , welche durch den weſt⸗ ‚phölifchen Frieden an das Haus Brandenburg gelanget find. In Abficht der Erdhefchreibung des Churfürftenthums habe ich die Vorſtellung derer gegründet gefunden, welche davor halten, daß man Fieber foldhe fo lange anftehen laſſen fol te, bi die ganze Gefchichte beendiget worden, Es kann im der That die Erdbes ſchreibung aller brandenburgifchen Länder füglicher nebft denen dazu gehörigen Charten in einen Band zufammen gebracht werden. . Selle auf der koͤniglich preußiſchen Friedrichsuniverſitaͤt den 24ften April 1762. D. Earl Friedrich Pauli, | Der Der neuern Geſhehe von Brandenburg. Sechſtes Hauptftüd, Von der Kegierung | | des 8 Ehurfürften Joahimd a h PD. allg. preuß. Gefch. 3Th. 4 r — * — En re * are ‚2 RL — —X * x t * Ehitfirn Zoacim dei mweite ie Veraͤnderungen in der Kirche haben jederzeit den groͤſten Einfluß Die veraͤnde⸗ 3 indie Begebenheiten der Staaten gehabt. : Die alte und neuere ee Geſchichte zeigt folches durch unzählige Beifpiele. Auch das Tor qufdie ftaaten heſte Herz nimme an Dingen, welche die Religion betreffen, Ans wichtigen ein: theil. Es nimmt ſolche wenigſtens zum Vorwande feiner Hand» An kungen. . Der Abergläubige fucht feine Meinungen bald mit Ge Be auszubtekten, bald zu vertheidigen, Er führt Neligionskriege, die ganze Staa - sen zerftören, und andere gründen; die groffe Derter zu Grunde richten, und andere aufführen; ganze Gegenden veroden und init ganz andern Völkern befegen: und nennt bey. dem allen feine Handlungen Folgen eines ‚heiligen Krieges. Die Photier Famen ihrem gänzfichen Untergange nahe, weil fie einen Kirchenvaub begangen. Die Mei nungen des Muhammeds und des Papſts haben Staaten umgeſtuͤrzt, und neue an ihre Stelle gebracht. Was wären Mecca und Medina, was wären unzaͤhlige Orte, welche durch Wallfahrten berühmt worden, vor unerhebliche Pläge, wenn fie ihrem Wohlſtand nicht der Religion zu verdanken haͤtten, die dagegen andere Staͤdte faſt in ein Nichts verändert hat? Durch die Religion find Die Wenden und Slaven in ‚ganzen Gegenden PROSEROENE und ihre Stellen durch Deutſche befeget worden. Nur 42 die 3%. 6 Hauptft. Neuere Öefehichte von Brandenburg. die wahre Kirche braucht Feine Gewalt, fich zu gründen und zu erhalten. Die Mache der Wahrheit verfchaft ihr Anhänger ohne Zwang, und erhäft fie unter dem groͤſten Druck. Die Dorfiche ſelbſt verfchaft ihr Gelegenheit, eingefehen und erkannt zu wers den, und ihr Glanz erleuchtet ohne alles freinde Feuer, Ben dem allen ziehet fie eben⸗ fals geoffe Veränderungen nach ſich. Da man fie niemals finden kann, ohne den Ver⸗ ftand zu gebrauchen; fo Tegt fie eine‘ Kenntniß der Wiffenfchaften und die Aufflärung - und richtigen Gebrauch der Seelenkräfte zum Grunde. Sie ziehet die Menfchen aus einer Sclaveren, die ihm alle Arbeitſamkeit vergallee. Sie beffert die Sitten eines Volks, und macht es blühende. Sie bevölfert den Staat durch Ertheilung der Gewiß fensfreiheit. - Sie fest die Regierung wieder in den Beſitz desjenigen, was fronime Betruͤgereien demſelben entzogen hatten; kurz fie verändert die Länder zu ihrem Vortheil. Bisher hatte die Mark die Gewalt des Papſtthums mehr als zur Gnuͤge gefühlee. Selbſt die fünf erften Ehurfürften aus dem hohenzollerifchen Haufe konten mit aller ihrer Sorgfalt die Ausgelaffenheit der Sitten nicht bändigen, und die Habſucht und Herrſucht der Geiftlichen nicht zaͤhmen. Jetzt aber folte eine gereinigte Religion dasjes nige verrichten, was der Negentenarm zu thun nicht vermögend war. Cie folte aber. ſich in der Mark blos durch ihre eigene Vollkommenheit, ſelbſt unter dem Druck, Eins > gang verfchaffen. Dies gefchahe zu Joachims 1 Zeiten. ., Endlich ſolte fie nach und nach ohne Zwang eingeführt werden. Dies Gefihäft war von der — den Joachim 2 und feinen Bruder Johann auserſchen. | ; 2. goachims⸗ Chuffluſt Joachim L von Brandenburg hatte von feiner Seinafin der nd * und er⸗ ſchen Prinzeßin Eliſabeth den Zoachim 2.1505 erhalten. Der Geburtstag dieſes — Prinzen wird verſchieden angefuͤhret. Cernitius, der aus dem Urkundenbehaͤltniß Nachricht haben konte, aber erſt im vorigen Jahrhundert gefhrieben , ‚ führe den gten Januar an, womit auch Rentſch und andere übereinftunmen. Leuthinger hat den ızten Febr. und Garzaͤus den zten Januar angegeben. Paul Eber in ine Ca - Tender, welcher unter Joachims 2 Regierung 1550 gedruckt worden, D. W. Juſt und die Handfchrift vom Creuſig aber kommen darinnen überein, daß Joachim 2 ten ızten Jan. 1505 zue Welt geboren worden. Der erftere diefer letztern Schriftfteller beſtim⸗ inet fogar die gte Stunde und. die 24ffe Minute dieſes Tages. Ich werde bey deflen Meinung bleiben, bis man mit Gründe vorlegt, warum Gernitio mehr zu glauben Leuthinger hat fich nie in dem Monat, und vermuthlich aus Schuld der Druckerpreſſe, verfehen.. Eben dies mag auch im Aboruc des Garzaͤus aus dem ızten Januar, wie deffen Handfchrift gelautet haben-mag, den sten falfch gefeßt haben, ob folcher a auch in.der näheren Zeitbeftimmung vom Paul Ebero abweichet, da er ſaget, 00 chims 2 Geburt fey halb 2 Uhr Nachmittags geſchehen. Da der Herr Vater," Chur fuͤrſt Joachim 1, diefen feinen Prinzen in die Augen befam, urtheilte er aus deſſen glücklicher Geſichtsbildung, daß man einen großmüchigen Herrn von ihm hoffen koͤnne. Hier hat wenigßend der Ausgang die — der Wahrſagung gerechtfertiget. Es war ” Churfuͤrſt Zoachin 2. 5 wat zu biefen Zeiten: bie Vorherſagung kuͤnftiger Begebenheiten aus denen Geſichtszuͤgen i und aus denen Linien der Hände, fo wie die Sterndeutung ganz gewöhnlich, Die vors nehmften Herren legten fich drauf, oder hielten doc) viel darauf. Erſt in ganz neuern Zeiten hat man das Unbeftimmte, das Grundlofe „das Ungewiſſe in diefer Kunft eins gefehen. Joachim ı glaubte zu feiner Zeit darin fehr ſtark zu feyn, und felbft Joa⸗ chim 2 hat fich nachher damit abgegeben. Meberhaupt ward in feiner Erziehung, nach damaliger Art, nichts verabfäumet. Schon 1510 ward er aus den Händen des Frauens zimmers genommen, und D. Johann Fund, ein geſchickter Rechtsgelehrter, zu fet nem $ehrer in den Wiffenfchaften, und fonderlich der Iateinifchen Sprachfunde, erklaͤ⸗ ret. Es arbeitete diefer Mann unter der Aufficht des gelehrten Cardinal Albrechts Erzbifchofs von Mainz und Magdeburg. Dem legtern ift es zu verdanfen, daß - der Prinz zu einer groffen Kenntniß der heiligen Schrift gelangte. Er konte die wich, tigften Sprüche auswendig, und befand ſich im Stande, fogleich zu bemerfen, wenn, bey Anführung einer biblifchen Stelle, entweder Worte ausgelaſſen, oder nur verſetzt wurden. Es war folches zu feiner Zeit um fo nöthiger, da die Kirchenverbefferer ihre * Beweiſe aus der Schrift hernahmen. Eben dieſer Vetter unſers Prinzen brachte ihm auch einen Geſchmack an praͤchtigen Kirchengebraͤuchen bey, welche er in den folgenden Zeiten, fo viel möglich, beizubehalten ſuchte. Nebſt allem, was zur Einficht und “ Ausübung der Religion gehörte, ward ihm die Gefchichte und die lateinifche Sprache beigebracht. Er lernte feine Gedanken ordentlich entwerfen und geſchickt einkleiden, ſo daß ſchon Arbillg deswegen von diefem jungen Herrn viele Lobeserhebungen macht, und daß folche gegründet, hat Joachim 2 nachher öfters bewiefen. Auch was zum Sol⸗ datenweſen gehörete, wurde ihm gelehret. Um davon einige Kenntniß im; Ganzen au erlangen, hielt der Herr Vater 1512 die prächtigen Nitterfpiele zu Ruͤppin. Bey Joachim ı und deſſen Bruder dem Cardinal Iernte er alles, was zum Hofleben gehörte, En war noch jung, als ihn fein Here Dater an des Kaifer Marimiliand ı Hof mit nahm, wo er fich bereits die Bewunderung diefes gelehrten, artigen und fapfern Herrn . erwarb, Der Kaifer gewann ihn fo lieb, daß er ihn, nach dem Leuthinger, mit einer - Enkelin zu vereheligen gedachte. Aber diefe Prinzeßin, fagt er, farb 1519, und vereis telte alfo dieſe Vorſchlaͤge. Ich habe jedoch Feine Enkelin des Kaifers auffinden Fon, en anf welche fich dieſe Umftände — 3. RBorzäglich füchte man unferm Meisten die Vortheile feines Haus, des ganzen Er wurde zu Reichs und anderer Staaten, und die Negierungskunft in- ihrem Umfange beizubringen. — Der Herr Vater nahm ihn bereits ısıg auf den Wahltag nach Frankfurt, und 1521 geogen. auf den Reichstag nach Worms mit, wo er Luthern perfönlich fich vertheidigen hoͤ⸗ tete, der jchon vor ihm eine Predigt von der würdigen Empfahung des heiligen wahren geichnams Chriſti in diefem Jahre ablegre. Ex befuchte feit der Zeit noch mehrere Keichstage, wo, auffer andern Staarsfachen, die Tuͤrkenhuͤlfe und die Kirchenverbeſ⸗ ſerung beftändig Hauptgegenſtaͤnde waren. Sonderlich war er auch 1530 zu Augſpurg 43 gegens Steinberg, Briedrich von Berefheim, Chriftoph von Erummenfee, Cafpar von, Barfuß, Balthafar von Doͤberitz, Zohann von Thun, Chriftoph von Itzen⸗ - Gregorius Krumel, Joaͤchim von Schwarzkopf, Zoachim von Slanf, Eumd - von Bröficke, Joachim Filrock, Anton Klösen.,, Sonſt harte ſich der Chun ⸗ Mas er als churprinz ‚vor religionsmei; nungen 98 „habt, 6 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, gegenwärtig, als daſelbſt das evangelifche Gfaubensbefäntniß verleſen wurde. Um zu wiſſen, wer zu diefer merkwuͤrdigen Zeit im Gefolge des Churfuͤrſten Joachims ı ges wefen, will ich deren Namen aus dem Salig beibringen. Bey dem Ehurfürften Joa⸗ chim ı waren fein Churprinz Joachim, Johann Fuͤrſt von Anhalt, Bernhard Graf und Herr von Negenftein, Henrich Graf von Schwarzburg, Sohann und Chriſtoph von Puttlitz, Balthafar von Bieberftein, Siegmund von Leippa. Seine Näthe, abeliche undunadeliche: Chriftoph von Scheidingen Hofmarſchall, Gebhard vom Jagow, Melchior von Barfuß, D. Wolfgang Netwig Kanzler, Balthaſar Buch Amtmann zu Eotbus und Peis, Buffo von ver Schulenburg, Johann von Arnim, Conrad von Metfch, D. Georg von Tfchien, Siegmund von Lins denau Dechant zu Merfeburg. Seine Hofbedienee: Adam von Trotha, Levin von der Schulenburg, Franz von Bredow, Wolfganz von Wedel, Wolfgang Fronhover, Jacob Schilling, Georg Bofe, Ehriftoph Pfuel, Nicolaus Schlegel f Ernſt Melwig, Jacob von Tolle, Matthäus von Quaſt, Ehriftoph von Sihlieben, Hieronymus von Köcerig, Sacob von Arnim, Chriftoph von plis, Wolfgang von Schlegel, Chriftoph Schweithel, Georg von Glaubitz prinz auch bereits in Regierungs / und Kriegsgeſchaͤften gezeigt. Er hatte den Auflauf,‘ der in ver Stadt Stendal vorgefallen, Faum vernommen, als er mit vieler Klugheit den in biefem Orte entftandenen Lerm glücklich daͤmpfte. Er führte mit eben fo vieler Klugheit, als Muth und Gluͤck, einen anfehnlichen Haufen Kriegsvolfer gegen bie . Tuͤrken 1532 an, und Fam mic der ertheilten Ritterwuͤrde, ımit Sieg und Ehre zum Vergnügen des Hofes und Landes zurück, ke / ar 2. fi In Abſicht der Religion beobachtete der Churprinz, ſo lange ber Here Vater leb⸗ ke, ein zweideutiges Berragen. Es ift ſchon erwehnet, daß fein Here Vetter der Cars dinal Albrecht ben feiner‘ Erziehung nichts verabſaͤumet, was zu der Erfäntniß des rundes des damals herrfihenden Glaubens etwas beitragen Fonnen. Zum Glück war er auch mit der Schrift bekandter gemacht, als es damals wol uͤblich geweſen. Unzäßs fige Geiſtliche felöft waren darin nicht fo belefen, als unſer Joachim 2. DieZweifel, die Luther gegen die römische Kirche vorteug, und welche Immer mehr anwuchſen, und zu feht wichtigen Steeitigfeiten in Staats» und Neligionsfachen Gelegenheit gaben, giengen unter des Bischofs von Brandenburg des weltklugen Hieronymi von Gram⸗ ſchuͤtz Rirchenfprengel an. Die vom Cardinal Albrecht berechtigre Ablaßverfündigung Tetzels hatte fie veranfaflet, und die neu errichtete hohe Schule zu Frankfurt, fonders lich Wimpina, hatte ſich dem Luther am heftigften bisher widerſetzet. Churfuͤrſt : ö 1 o& ; VIba⸗ — cChurfuͤrſt Zoahim 2 | 7 im ı hatte an dem Verfahren Luthers, aus verfchiedenen Urfachen, ein Miss fallen. "Alles diefes machte unfern Prinzen fehr aufmerkſam. Er hatte Luthern von dem Genuß des Rachtmahls des HErrn predigen und aus der Schrift beweifen hören, daß auch denen taten der gefegnete Kelch nicht verweigert werden Fönte. Er hatte dies fen Mann auf dem Neichstage zu Worms mit einer hefdenmächigen Standhaftigfeit feine Sehrfäge behaupten, und auf dem Neichstage zu Augfpurg das Glaubensbekaͤntniß der Proteftanten ablegen und vertheidigen gehoͤret. Die Nothwendigkeit einer Kirchens verbeſſerung wurde felbft von päpftlichen Borfchaftern und allen Vernuͤnftigen erkannt. Der Beifall, den Luther bey Bornehmen und Geringen, Gelehrten und Ungelehrten er⸗ hielt, verurfachte Nachdenken. Des Churprinzen Frau Mutter felbft nahm die gereinigte - $ehre ſowol, als verſchiedene Vettern im ver franfifchen kinie an, darunter Georg der Fromme und Albrecht Herzog von Preuffen fich fonderlich unter den Proteftanten bervorthaten. Unfer Prinz fand wirklich, daß einige vorzüglich beftrittene Säge von den Geiftlichen der herrfchenden Kirche nur ſehr ſchwach vertheidiget wurden. Wenn Luther, zu Behauptung des allgemeinen Gebrauchs des Kelchs im Abendmahl ſich auf die Worte bezog: und trinket alle daraus; ſo wolten die roͤmiſchen Geiſtlichen unter dem Wort alle nur die Juͤnger Chriſti und die durch ſolche vorgeſtellte Cleriſey verſte⸗ ben. Joachim 2 erfannte das Unrichtige in dieſer Auslegung, und fragte dieſe Geiſtli⸗ - chen, ob denn in dem Spruch: ihr feyd rein, aber nicht alle, auch durch das Wort alle nur die Geiſtlichkeit zu verftehen fey. Es Fonte alfo nicht fehlen, er mufte Luthern in verfehiedenen tehren beipflichten, ob er gleich fich nicht Überzeugen Fonte, daß diefer Mann eben nöthig gehabt, fo weit zu gehen. Im Jahr 1532 befragte er fich ben Luther 5 ro durch einen feiner Bertrauten: ob der Gebrauch des Kelchs bey denen Laien unents behrlich ſey; und als er vor feinem Tuͤrkenzuge feine Frau Mutter in Sachfen befuchs te, hatte er ebenfals Gelegenheit, mit Luthero von Glaubensfachen fich zu unterreden. ® Allein die Zeitumftände erforderten, daß er feine wahren. Geſinnungen nicht öffentlich gu verflehen gab. Die Kirchenverbefferung hatte doch noch mehr Widerſacher als Vers j theidiger. Sie war mehr als einmal verdammt, und ihre Annehmung durch den Wormſer Reichsfhluß zum Verbrechen gemacht. Der Kaifer fuchte noch beftändig die Vollziehung der Acht gegen Luthern und feine Anhänger werfftellig zu machen. Da Joachim 2 zur Regierung geboren; ſo mufte er als Churprinz alle Behurfamfeic brauchen. Hierzu kam der Eifer, den fein Herr Vater vor die Beibehaltung der roͤ⸗ mifchen Kirche, fo lange folcher Iebte, bewies. Solcher hatte auf dem Neichstage zu Worms dem Luther ıs21 das fichere Geleit nicht gönnen wollen, und war darüber mit dem Churfürften von der Pfalz in folchen heftigen Streit gerathen, daß beyde zu Mefleen gegriffen. Er hatte feiner eigenen Gemalin nicht gefchonet, und felbige in folche Furcht gefeget, daß fie fich mic der Flucht zu retten vor nörhig gefunden. Scuk tetus erzähfet, daß er die evangelifchen Prediger aus Juͤterbock gelocket, und denfelben übel begegnet habe. Seine eifrigen Berordnungen, die er gegen alle Neligionsverändes zungen in feinen Staaten herausgab, und Aber die er forgfältig hielt, find aus dem vori⸗ 8 3 Th. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. vorigen Bande unferer Gefhichte befandt. Er hatte fic in Buͤndniſſe zur Verthei Bi gung der römifchen Kirche eingelaffen,, und wurde vom D. Otto von Pack beſchul⸗ diger, daß er fonderlich an dem breslauifchen Bunde Theil genommen. Sonderlich bewies er fich ben Gelegenheit des merkwuͤrdigen Yugfpurger Reichstages ſehr ſtrenge. Er reiſte dem Kaiſer nach Inſpruck entgegen, um ihm gegen Lutheri Anhänger eins zunehmen, Er war auf dem Reichstage anfänglich nebſt Herzog Georg von Sachſen der Meinung, daß die Neichsacht gegen fie ausgeführet werden folte. Er uͤbern * geben wolte, daß die Lutheraner Artikel des Glaubens verabſaͤumten, und wolte ‚gern die Antufung der Heiligen zum Ölaubensartifef machen. Er bedienete fich gegen ‚die Proteftanten fo Higiger Drohworte, daß der Kaifer folche ſelbſt zu mildern vor gut befand. Er gab fich alle Mühe, die Gegner zu bewegen, zu der roͤmiſchen Kirche wieder zuruͤck zu treten. Er hatte fogar denen anhältifchen Prinzen, deren Bormund er war, die Annehmung des Lutherthums ernfilich abgerathen. Wie hätte alfo bier fer Churfürft es ertragen Fonnen, wenn fein Churprinz fich öffentlich ınetfen laffen, daß ‚er die Kirchenverbeſſerung anzunehmen geneigt fey. Ben dem allen fand Joachim ı ben feinem Churprinzen nicht den Eifer, der ihn frieb, und den er auch bey demſelben zu entdecken wuͤnſchte. Er fuchte folchen bey allen Gelegenheiten anzufeuren. Er vew mälte ihn mit einer Prinzeßin Herzog Georgs von Dresden, des gröften Feindes Lutheri. Diefe Verbindung verurfachte wenigftens, daß Joachim 2 fehr behutſam gehen muſte. Da die erfte Schtwiegertochter verftorben, "verlobte er den Churprinzen mit einer anderweitigen roͤmiſchen Prinzegin, Sigismundi Königs von Polen Toch⸗ ter, damit ja fünftig eine von Luthers Meinungen eingenommene neue Gemalin fein Gemuͤth nicht beveftigen moͤchte. Ja, als der Churfürft mit Tode abgieng, ließ er ſich von feinen Herren Söhnen das verbindlichfte Berfprechen ablegen, daß fie ben ver römifchen Kirche vefthalten wolten. Der Churprinz entſchlug fich diefer Verficherung um fo weniger, da er wirklich glaubte, Luther fen in einigen Stuͤcken, fonderlich iin Abftellung der Kirchengebraͤuche, zu weit gegangen; und es fey noch nicht alle Hof⸗ nung verloren, daß die römifche Kirche ihre Misbräuche ablegen werde. | A — Zuſtand der Zur Zeit des Todes Churfürft Joachims 1 ffund Brandenburg mit. allen fer fahen, da er nen Nachbarn. in Frieden, und mit denen meiften in Vertraulichkeit, Der groffe pol⸗ die regierung angetreten. niſche König Sigismundus hatte feine Prinzeßin dem neuen Churfuͤrſten verlobt, und man konte bey allen Vorfällen auf ihn. Rechnung machen. Es zog das Churhaus Brandenburg, wie wir nachgehends fehen werden, aus dieſer Freundſchaft, in Abs fiche Preuffens, wirklich anfehnliche Vortheile, wo Herzog Albrecht, unfers Goas chims 2 Better, mir der neuen bergoglichen Würde ‚auch das Lutherthum eingeführee hate. Pommern, Mecklenburg, Churfachfen, Lüneburg, Heſſen und die meiften ſchleſiſchen Herzoge hatten fich zum turherchum gewandt, oder machten alle | | Ar Churfuͤrſt Zoahim 2. Ar 9 Anſtalten, ſoſches zu thun. Sie hatten bisher wegen Joachims 1 Neligionshärte ger ‚gen das Haus Brandenburg mehr auf ver Hut ſeyn müffen, als daß fie nicht alles anzuwenden bemühet feyn folten, die gute Freundfchaft des neuen Churfürften zu fr chen. Braunſchweig, Magdeburg und Georg von Dresden waren theils durch Bande ver Verwandtſchaft, theils durch die ebereinftimmung der Religion mit Bram denburg verknüpft, und bemuͤheten fich, den neuen Negenten Joachim 2 in denen Gefinnungen des Heren Baters zu erhalten. Es Tiebfoferen dem Churfürften überhaupt ſowol die römifche als evangelifche Chriſtenheit, jene um ihre Partey zu erhalten, dieſe um ſolche zu vermehren. Guſtav Wafı, König von Schweden, und Chris ſtian 3, König von Dännemarf, Hatten in ihren eigenen Reichen genung zu thun. Ehriftian 2 lebte noch, und Dännemarf ſowol als Schweden ſuchte die Grafenfehs de zu beendigen. Die Verwandtſchaft Joachims 2 mit Chrijtian 2 machte beyde Kronen bereitwillig, des neuen Churfürften Freundfchaft zu ſuchen. ‘Der Kaifer Earl s, der römifche König Ferdinand ı und der Papft waren theils aus Staats theils aus Neligionsabfichten eben fo geneigt, fich um des Joachims 2 Freundſchaft zu bewerben, als Franz ı in Frankreich und Henrich 8 in England, davon der letztere wegen feiner Ehefiheidungsfache mit dem Papft und Kaifer, der erftere aber wegen Mailand mit Earl 5 zerfielen. Ganz; Europa ,- fonderlich aber Deutfchland, und am allermeis ſten die brandenburgifchen Unterthanen, ftanden zwifchen Furcht und Hofnung, weh ehe Partey Joachim 2, nach) angetretener Regierung, in Abficht der Religion, ers greifen würde. Die Staatsfunft erforderte aber, daß der Churfürft gleich Anfangs. Feine entfcheidende Aufführung annehmen konte, da überdies fein Herz ſelbſt zu Feinem veſten Entfchluß gefommen war. Die tiebe zu feinen Unterthanen rechtfertigte einiger maſſen fein zweideutiges Betragen um ſich die . —— en | eigen zu machen. | 06 Der Tod goachims wſetzte feine Söhne in den Befis * ——— Staaten - 1535. Denn nad) der väterlichen Verordnung folgte ihm Joachim 2 in der Churwuͤrde und Erſte verrich— Erzamt, und in der alten Mark, Mittelmarf, Priegnig und Uckermark. Dies" — neuen Neumark, nebſt Croſſen, und was dem Churhauſe Brandenburg in der Lauſitz fuͤrſten. zuſtaͤndig, fiel auf den Marggrafen Johann, der hierauf in Cuͤſtrin feinen Wohnſitz auffchlug. Nach gewiſſen deshalb geſchloſſenen Vertraͤgen erkannte Marggraf Johann ſich verbunden, ſich nach dem Churfuͤrſten, als Haupt des Hauſes, in den erheblich, ſten Regierungsftücken zu richten, und fonderlich ohne ihn Fein Buͤndniß zu fehläffen. Wir wollen von diefes letztern Thaten in einem Anhange zur Regierung des Churfürs ften Joachims 2 handeln. Nur das muß ich bemerfen, daß, fo wie ehemals die alte Mark, zur Zeit des Churfürften Friedrichs 2, von der Chur getrenner geweſen, jegt die Neumark eben diefes Schickfal erfahren mufte. Es wird dadurch der von mit im erften Bande diefer Gefchichte angenommene Sag beftätiget, daß die Churwuͤrde eigent- lich. auf dem ehemaligen wendifchen Königreiche, — durch — Schenkung Prallg. — Geſch. 3Th. an 1535. 10 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. an Albrecht ven Bär gekommen, hafte, und unzertrennlich verbunden fey. Dazu ges höreren aber hauptfächlich die zwifthen der Elbe und Oder befegenen Provinzen. Joa⸗ chim 2 beforgte vorzüglich die Beftattung zur Gruft des verfiorbenen Herrn Vaters in Lehnin, und begleitete deffen keichnam bis an die cölnifchen Weinberge. "Er nahm von Präfaten, Herren, Nittern und Stäpten die Huldigung ein. So wie er ſich in. Heſſen bemuͤ⸗ het ſich, den churfuͤrſten zur erklaͤrung Für die prote— fianten zu bes wegen, denen gröffern Städten ſelbſt einfand; fo ſchickten die Fleinern Abgeordnete nach den . gröffern, um dem neuen tandesheren den Eid ber Treue abzulegen. Der Antritt der Regierung fowol, als das Ableben des Joachims 1, wurden an allen Höfen befande gemacht, und überall fieß der neue Churfürft Die Veſthaltung guter Freundſchaft ver - fichern. Aber fogleich giengen auch bie Bemühungen. der- beiden Religionsparteien da⸗ hin, ſich unfers Prinzen zu verfichern. Sonderlich gab fich der andgraf Philip der Großmuͤthige von Heffen alle Mühe, ihn zu Annehmung der proteftantifchen Kirche zu bewegen. Er ließ den ıgten Sul, ein Troftfchreiben wegen des Aofterbens des Heren Baters an ihn ergehen. In demſelben fagte der fandgraf: „Er wolle treulich und fleißig gebeten haben, daß ſich der neue Churfürft von dem Ruf GOttes, und ſon⸗ verlich von der Erkaͤntniß goͤttlicher Sachen, weder Durch Verwandte, gute Freunde, _ noch fonft irgend etwas in der Belt, abwendig machen Tieffe. Dem Ehurfürften ſey befandt, daß wir alle fterben muͤſſen; aber die Stunde des Todes fey ungewiß. Er - wiſſe den Ausfpruch des Heilandes: Was hilfes dem Menfchen, fo er die ganze Welt . gewoͤnne, und nähıne doch Schaben-an feiner Seele a). Der tandgraf befürchte, daß , wafnen, und er würde die Ehre GOttes höher, als alle Erbietungen der Welt ſchaͤtzen. einige, oder-doch jemand, den der Churfürft fehr wohl Fenne, alles anwenden wuͤrde, ihn von det evangelifchen Wahrheit abzulenfen. Er habe.aber die Hofnung, des Chur⸗ fürften Standhaftigfeit würde ihn gegen Drohungen und Schmeicheleien gleich ftark Eine gegentheilige Aufführung wuͤrde den tandgrafen Fränfen und ihm nachtheilig feyn, der bisher bey jedermann von dem Chutfürften die gröften fobeserhebungen gemacht. Es fey nichts zu befürchten), da bereits fo viele und fo groffe Herren der evangelifchen Sache ſich annähmen, daß folche gegen alle ungerechte Gewalt beftehen Fonne, und die alle ihre Kräfte, felbft ihr teben daran wagen wuͤrden, folche zu erhalten: Ueberdies fen es beffer, vor die Wahrheit, wenn es GOtt alſo gefällig, zu leiden, denmum ber Unwahrheit willen zu herrſchen und darnach ewiglich verdammt .zu ſeyn. Es fen dem $andgrafen beigebracht, der Churfürft habe eidlich angeloben müffen, ſich niemals wor - das Lutherthum zu erflären. Doch fehade folches gar nicht, denn die Evangelifchen - insgefamt hangen und haften nicht an gewiffen Perfonen oder Namen. Der Churfürft habe nicht eidlich angelober, zu verhindern, daß das Evangelitum rein und lauter geleh⸗ ret würde, und hierzu Eönne ihn auch niemand verbinden, Der Einwurf, den man ihm etwa machen würde: er habe fein Berfprechen gebrochen, fen Teiche fo zu beantwors ten: der Churfürft wolle nicht dem Luther anhängen, fondern nur das Evangelium - verfindigen laſſen, und er habe hie verfehtoren, dem: Evangelio zu glauben und zu { folgen. #) Math. 16, 26. Ä Churfuͤrſt Foachim 2. BT 0 folgen. Der landgraf führte unter andern dem Churfürften die ſchwere Sünde wider den heiligen Geift zu Gemüthe, die er dadurch begienge, wenn er ber erfannten Wahr⸗ heit ſich widerſetze. Er führte die Sprüche an: Wehe euch Schriftgelehrten und Pharifäer, ihr Heuchler, die ihr das Dimmelreich zufchlieffet vor den Mens ſchen; ihr fommet nicht hinein, und die hinein wollen, laſſet ihr nicht hinein gehen 5). Wer mich verleugnet vor den Mienfchen, den will ich auch verleugs nen vor meinem himmlifchen Bater co). Des Ehurfürften guter Name fey in Ber trachtung zu ziehen, da es ja jedermann befande fey, daß er die evangelifche lehre lieb⸗ gewonnen. Der kandgraf zeigte ihm der Seelen Seligkeit, eine beglückte Regierung, ein langes teben, ‘Ehre und Gfückfeligfeit als Vortheile an, die er bey oͤffentlicher An⸗ nehmung diefer tehre Hoffen fonne, und erfuchte ihn, die von ihm geſchoͤpfte Hofnung zu erfüllen, damit folche nicht zu einer Teeren Schelle würde. Zuletzt bittet er den Ehurfürften, diefes wohl aufzunehmen, weil er alles aus treuem Herzen und aus froms ° mer Pflicht gefchrieben, wodurch jedermann verbunden fey, andere in einer fo wichtigen und GOttes Ehre betreffenden Sache zu ftärfen.,, Es hatte. der fandgraf eine Abe fehrife diefes Schreibens an ven Churfürften von Sachfen geſchickt. Doch diefer urs theilte fofort, daß,” fo lobenswürdig auch des Landgrafen Abficht fey, fo wäre doch auf den Beitritt Joachims 2 nicht zu bauen. Es fehlen auch diefem Churfürften in der That nicht rathſam zu ſeyn, fich fogleich blos zu geben. Der mächtige Kaifer wurde in feinem africanifchen Kriege gegen ven berufenen Haradin Barbaroffa mit lauter Sieg begleitet, und Fonte alfo Franfreich genugfam die Wage halten, welches, nach dem Tode des legten Herzogs von Mailand Franz Sfortia, wegen diefes Herzogs thums nothwendig mit dem Kaifer zerfallen mufte. Frankreich trug denen Prote⸗ ſtanten ein Buͤndniß an, und eben diefes begehrte Henrich 8 von England, der, we⸗ gen feiner Ehefcheivung mit der Catharina von Spanien, ſich vom Kaifer nichts Gu⸗ tes verinuchete. Die Proteflanten wolten aber. im Buͤndniß mie England, den Kaiſer und das Neich ausgenommen haben, und von Frankreich verlangten fie, daß der König das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß annehmen, und auf einer freien Kies chenverfammfung vertheidigen folte. Ohnerachtet num diefes eben fo viel hieß, als das Buͤndniß mic beiden ausſchlagen; fo wuchs doch der Much der Proteftanten. Ein päpftficher Borfehafter, der fih in Sachſen eingefunden, Hatte ihnen verfündiget, daß Paul 3 eine Kirchenverfammlung nah Mantua auszufchreiben vorhaͤtte. Er bes kam aber zur Antwort, daß fie in Feine Kirchenverfammlung willigen würden, die den letztern Reichsabſchieden nicht gemäß wäre. Unter fich machten fie aus; alle, die GOtt und fein Evangelium rein, frey und öffentlich befennen, den Frieden lieben, und, als ehrlichen teuten gebührer, Ieben, in den Bund aufzunehmen; zu gemeinfchaftlicher Bes ſchuͤtzung 12000 Mann in Kriegsbereiefchaft zu halten, und den Bundesgenoffen, wenn man Kammergerichtsurtheile gegen fie ausführen wolte, Huͤlfe zu leiften. Der Kaifer war hiemit nicht zufrieden. Nach der Eroberung von Tunis war er nach Neapel ges B 2 eh foms b) Matth. 33, 13. ) Math. 10, 33 1535. 12 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1535. kommen. Bon hier ließ er ein hartes Schreiben an die Proteftanten ergehen. Handlungen derſelben feit letzterem Kirchenfrieden wurden darin uͤbel ausgelegt, und J nen vorgeworfen, daß ſie geiſtliche Guͤter geraubet, und den Befehlen des Kammerge⸗ richts, welches ſich der Beraubten angenommen, mit unguͤltiger Vorſchuͤtzung des nuͤrnbergiſchen Friedens keinen Gehorſam geleiſtet hätten. König Siegmund von Polen Herzog Georg von Dresden und der Cardinal Albrecht bedieneten ſich aller möglichen Gründe, Joachim 2 von der Parten der Proteftanten abzuhalten. - Bey diefen Umftänden war es wol vor Ehurbrandenburg nicht rathſam, fich fogleich item | lich vor die Proteftanten zu erflären. - Soahim 2 Vielmehr bemühere fich der neue Churfuͤrſt, die bereits verabrebete anbertmeitige; vermält ſich Vermaͤlung zum Stande zu bringen. Er reifete' mit anfehnlicher Begleitung zum Koͤ⸗ sagte nige Siegmund von Polen nad) Cracau. Er ward von diefem Monarchen mie 6000 Pferden eingeholet. Euſtach von Schlieben churfuͤrſtlicher Landrath und Hauptmann zu Zoſſen, hielt die Anrede im Namen Joachims 2 an ben König im lateiniſcher Sprache mic groffer Beredtſamkeit. Den zten September erfolgte hier⸗ auf das wirkliche Beilager mie der. polniſchen Prinzeßin Hedwig. Beide Neuver⸗ maͤlte langten hierauf glücklich in dee Mark Brandenburg wieder an. een Bringt den Seine Bermälung hinderte ihm aber nicht, eine Aenderung in Berlin vorzus ——— nehmen. Er hatte ſich vorgeſetzt, das Erbbegraͤbniß der Prinzen feines Churhauſes de. ! .. nach Berlin zu'verlegen, da es bisher zu Lehnin gewefen. Ob nun gleich‘ fein Here‘ Vater noch im jegtbenannten Kloſter beigefege worden; fo folte deffen Leichnam doch nach Berlin abgeführee werden. Das fihwarze Klofter zu Coͤln an ver Spree ward! hiezu erſehen. Die Altäre wurden darin auf Befehl des Churfürften eingeriffen, die Mönche nach Brandenburg geſchickt, und eim hohes Domftift aus dem bisherigen‘ Kiofter errichtet. In diefer Domfirche find nachher wirklich die teichen des husfürfle Tichen Haufes in eine im Chor dazu erbauete Grufe gebracht worden. Churfürft Jo⸗ Bun und Joachim ı find, — ſolche fern; juerft darin in beigefeßt, $. us ; | | RN Schlechter ° Des Ehurfürften Sorgen giengen hierauf theils auf das Beſte feines landes 2 9 theils auf die Ruhe ſeiner Nachbarn. Seine erſte Sorge gieng auf die hohe Schule hohen fhufe. zu Frankfurt, welche ſeit ihrer Stiftung in ziemlichen Verfall gekommen war. Der Eifer derer bisherigen Gottesgelehrten gegen ven Luther hatte ihr. viele kernende entzo⸗ gen, und unter den Lehrern felbft viele Streitigfeiten erreget, weil verſchiedene der Kirs chenverbeflerung nicht abgeneigt waren. Wie Fonte die hohe Schule bey folchen Ums Ä ftänden wachfen, da Die tehrer nicht zuſammenhielten und auf Einen Zweck arbeiteten? 1536. Ein beſonderer Zufall, der fich 1536 ereignete, machte zu Frankfurt an der Oder ein“ Vorgehen von groffes Aufſehen. Eine aus Lebus gebürtige Mag, Gertrud Fifcherin, bekam in’ * Veſeſſe Frankfurt, wo fie dienete, kleine Scheivemünzen in die Hand, ſo oft ſie an ihre Klei⸗ der faſte. Sie ſteckte ſolche ſogleich in den u, und verſchluckte felbige allem Ans fen Churfürft Joachim 2 13 fehen nach. Sie fraß nachher, als ihr vielleicht die kleine Muͤnze fehlte, Stecknadeln 156. mic vieler Begierde, und trieb ein Geſpoͤtte, wenn man fie in die Kirche brachte. Sie brauchte bey ihrem Geld⸗ und Stecknadelnfchlucken groffe Gefchwindigfeit. Mur zus weilen bemächtigeen fich Umftehende ihrer Fauft, brachen ihr das Geld aus, und denn hatte fie nicht die Macht, folches aus anderer Leute Hand wieder herauszubringen: Man fehrie diefes Menfch vor eine Teiblich vom Teufel befeffene Perfon aus, und die römifchen -Geiftlichen verfuchten, obwol ohne Nutzen, allen Eroreifmum, um den Teufel auszutreiben. Endlich wandte fich ein evangelifcher Prediger des Orts Ans dreas Ebert, von Geburt aus Grünberg in Schlefien, der mic Genehmhaltung des CHurfürften vom Nach der Stadt angenommen war, an Luthern. Dieſer Fluge Mann vermuthere wirklich eine verborgene Schelmerey, und nach feiner Meinung, die er in einem Schreiben vom sten May erdfnete, folte man ſich nur bemühen, Gre⸗ the Fifcherin in der Religion zu unterrichten, Abrigens aber aus der ganzen Sache Fein fonderlich Aufhebens machen. Dieſes geſchahe; und diefes Mittel Half mehr als aller Eroreifinus. In der That feheinet mir die Betruͤgerey fehr begreiflich. Das for genannte befeffene Menſch holte alles Geld aus ihren Kleidern; es waren lauter Fleine Scheidemuͤnzen; fie brachte folches in der gröften Gefchwindigfeit dem Scheine nach zum Munde, oder befier zu fagen, ließ fie folches in der behenden Handlung wieder in die Kleider fallen, woraus fie es hergenommen. Gig fieng zuleßt mit Stechnadeln, weil man ihr vieleicht nach und nach das Geld aus den Händen geriffen, eben diefe Tas fihenfpielerey an. Sie trieb es fo lange, als man daraus ein Aufheben machte. Ders achtung und Unterricht brachten fie auf andere Gedanken. Daß fie zu allem Bofen aufs gelegt, ift daher zu beweifen, daß fie zulegt einen unfeufchen Wandel geführer, und nach Garzaͤo gefchwächt worden. Die Gefchichte ver Lohmannin, welche zu unfern Tagen aus Kemberg fo viel Auffehens gemacht, hat mit der Gefchichte ver Grethe Fifcherin in Frankfurt viel ähnliches. Bald ſpielet der Betrug Streiche, bald bringe eine Schwermuch Dinge zum Vorſchein, die nur denen eine leibliche Beftgung des Sa⸗ tans zu feyn fiheinen, die den Grund der Sache entweder nicht einfehen koͤnnen, oder aus oft frommen Vorurtheilen nicht fehen wollen. Es ift vor unfer Weltalter gewiß Keine Ehre, daß wir uns fo leicht, als vor ein paar hundert Zahren, hintergehen Taf fen, und heilige Gebräuche bald erfinden, bald nachmachen, eine Sache zu heben, über deren Dafeyn noch geftritten wird. Mur der Gebrauch der Vernunft kann dergleichen Fabeln entfernen. Wie nöthig fehien es alfo zu ſeyn, daß vor das beffere — — der Wiſſenſchaften auf der hohen Schule zu Frankfurt geſorget wurde! Ueberdies alles wolte der Churfuͤrſt den Churprinzen Johann Georg ſelbſt auf Schickt zween dieſe hohe Schule ſchicken. Es war derſelbe bisher, nach dem väterlichen Befehl, vom er — M Nicolao Meiſner in der Grundlehre des Chriſtenthums, in der Kenntniß der Di furt. bel, in der lateiniſchen Sprache, Redekunſt und Vernunftlehre, Alterthuͤmern und Geſchichten angefuͤhret. Barthol. Rademann hatte angefangen, ihm einen Begrif von der Nechtsgelahrtheit beizubringen. Der zweite churfürftliche Prinz Friedrich und | 3 ein 14 3 Th. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1536. ein mecklenburgiſcher Prinz waren biöher mic dem Churprinzen zugleich unterwieſen und verbeffert worden. Jetzt folten felbige auf die hohe Schule gehen. Der Ehurfürft nahın daher. dieſe hohe ſchu nit dem Cardinal Albrecht ſowol, als dem gelehrten Chriſtoph Turck Abrede, wie sa die hohe Schule in einen blühenden Zuftand zu. feßen. Georg Sabinus und Jodo⸗ cus Willich) führten feine Maaßregeln glücklich aus. Man rief gelehrte Männer nad) Frankfurt, durch deren Ruhm diefer Mufenfig wieder zahlreich wurde. Sobald die Prinzen hinkamen, übernahm der Churprinz den Ehrennamen des Nectoris der Arcade mie, und gab dadurch) felbiger einen neuen Glanz. Es fteht wirklich allemal in ver Gewalt der. tandesherren, ihre -Univerfitäten blühend zu machen und zu erhalten. Man forge nur vor berühmte fehrer, man ziehe folche mit zu Rathe, die den. Dre Fennen, felöft, wenn ich fo reden darf, das Handwerk verſtehen, „und ſchlage den guten Ruf nicht fel6ft dadurch nieder, daß man die vornehmfte Jugend aufferhalb Landes ſchickt. Aber man forge zugleich davor, daß die Gelehrten. nicht einen. Det feheuen, oder fih von da. wegfehnen, wo fie Hunger zu leiden. gezwungen find. Diefe Ießtere Sorge übernahm ebenfals der Churfürft für Frankfurt, und wir werden im folgenden zeigen, auf was für eine Art folches geſchehen. ri — | En | gg "ie "oh — Jagdvertraig Die Ruhe beizubehalten war unſers Churfuͤrſten Hauptſorge, weil alle feine Ans mit Magde⸗ ſtalten zur Beförderung der Wiflenfchaften fonft leichtlich unnüglich werden Fonten, * In dieſer Abſicht ſchloß er mit ſeinem Herrn Vetter dem Cardinal Albrecht Erzbiſchof von Mainz und Magdeburg, wegen der Jagd und Wildbahn an den maͤrkiſchen und magdeburgiſchen Grenzen, den zten November einen Vertrag. ” Deschurfür , MWeit. erheblicher waren des Churfürften Bemühungen, Daͤnnemark zu beruhis ar * gen. Seit 1533 war dieſer Staat ein Schauplatz groſſer Unruhen geweſen. Denn ann: ag als König Friedrich I von Dännemarf mit Tode abgegangen, Fam es: in dieſem Rei⸗ gelegenheiten. che zu einer trauervollen Zwifchenvegierung. Die römifchreatholifchen Bifchöfe Hatten hieran wol die meifte Schuld, „weil fie fich von dem Erbpringen Friedrichs, dem Chri⸗ ftian 3, in Abficht ihrer Religion, nicht viel Gutes verfprachen. Chriſtian 3 brauch⸗ te die gröfte Gemuͤthsmaͤßigung hiebey, und. begnügte ſich nur, mit der damals noch nicht erblichen dänischen Krone in fo genauer Verbindung zu bleiben, als möglich. Zu - dem Ende fihloß er eine ewige Verein zwiſchen dem daͤniſchen Staate und feinen Erb⸗ landen. Zu feinem Gluͤck verfiel Daͤnnemark mit ver Stadt Luͤbeck in groffe Weir laͤufigkeit, deren Feldherr Graf Ehriftoph von Oldenburg fich von einem geoffen Theil des dänifchen Neiche bemächtigte. Dies Unglück bewog die juͤtlaͤndiſchen Stände, dem Herzog Ehriftian 3 von Holftein die koͤnigliche Würde 1534 aufjucras gen. Diefer fperrete hierauf zwar Luͤbeck ziemlich enge ein, aber es gieng auch dage⸗ gen die Inſel Fuͤhnen an den Grafen Ehriftoph von Oldenburg über, und ein bes rufener Seeräuber, Clemens, bemächtigte fich eines groſſen Theils von Juͤtland Beide Theile verglichen fich hierauf, daß die deutſchen laͤnder parteilos bfeiben ſolten. Chri⸗ 4 a ee ET re | | Churfuͤrſt ahinn 7 15 Chriſtian 3 grif ſodenn erft Zütland an, befam den Clemens in Aalburg gefangen, und beftrafte ihn nach Verdienſt, weil felbft diefer Seeräuber vor fic) von dem gemeis nen Mann die Huldigung einzunehmen fich unterflanden hatte. König Guſtav von Schweden, der eben ſo viel Ancheil am Kriege gegen Lübeck, als Daͤnnemark, hass te, ſchlug die Luͤbecker 1535 bey Helfingburg, und befam den unruhigen Burgermei⸗ ſter von Luͤbeck, Marx Meyer, gefangen. Auch das koͤniglich daͤniſche Heer war fo glücklich, den groſſen Sieg bey Affens in Fühnen gegen die Anführer der luͤbecki⸗ Bölker, Albrecht Herzog von Mecklenburg, Graf Johann von Hoya und Graf Nickel von Tecklenburg zu gewinnen. Die beiden letztern blieben auf dem MWahlplage. Hierauf wurde Wardberg erobert. Es mifchte ſich zwar auch Churs fürft Friedrich 2 von der Pfalz in diefe Händel, und ſuchte dabey vor feinen Schwies gervater, den noch immer gefangen ſitzenden gewefenen Konig Chriftian 2, etwas aus⸗ zueichten. Doch die pfälzifchen Bemühungen waren ohne Erfolg. Die meiften daͤ⸗ nifchen Städre, fonderlih Malmoe, unterwarfen fich Chriftian 3, der nunmehr auch Eoppenhagen ſelbſt Belagerte, wofelbft der Herzog Albrecht von Mecklenburg fich fo viel möglich zur Wehre ſetzte. Diefer Prinz harte fich von denen Luͤbeckern mir der Hofnung einer Foniglichen Krone gewinnen laffen, ihre Partey zu verfechten. Un⸗ fer Ehurfürft Joachim 2 wünfchte dieſen ungluͤckſeligen Krieg beigelegt zu fehen. Er fagen, wie unmöglich) es feyn würde, fich in Dännemarf zu behaupten, und rieth ihm daher wohlmeinend, die Hofnung einer Foniglichen Krone fahren zu laffen d). Er erbot fich überdies, feine Bermittelung bey Chriſtian 3 anzuwenden, um den Herzog Albrecht von Mecklenburg und ven Grafen Ehriftoph von Oldenburg mit Dännes marf auszufögnen. Er fand Beifall, und es ward vom Ehurfürften der Palmfontag 1536 angefest, zu Eoppenhagen an einem Vergleich zu arbeiten. Er gab fich auch wirklich alle Mühe, die Erledigung der in Eopperihagen eingefperrten mecklenburgi⸗ Be fehen Herrfchaften, Herzog Albrechts und deffen Semalin, vom König Ehriftian 3 zu bewirken, und erhielt dazu alle Vertroͤſtung. Bey dem allen hielt es ſchwer, ven Hers zog Albrecht zu gewinnen. Er wandte zwar vor, daß die Lebergabe von Eoppenhas Vorwande feines Betragens brauchte, gefangen ſaͤſſe. In ver That aber fiel es ihm nur zu fehwer, alle feine gefafte Hofnungen aufzugeben. Er mufte fich aber doc) ends lich bequemen. Alle Hofnung, von Earl 5 Huͤlfe zu erhalten, ſchlug ihm fehl, Alle Bölfer und lebensmittel, welche ihm die Lübecker zuführen wolten, wurden von Chris ftian 3 aufgefangen. Herzog Albrecht ergab alſo das ganz ansgehungerte Coppenha⸗ gen auf Bedingungen den zoften Zul, Während der Belagerung hatte er dem Gras fen Ehriftoph von Oldenburg 7000 rheinifche Goldgulden gelehnt. Weil nun fol cher ben denen märfifchen Ständen 36000 Ducaten ſtehen hatte; fo erfuchte Herzog - Albrecht den Churfuͤrſten, darauf Befchlag zu Tegen, worein auch Joachim 2 wils — ligte. 2) Lengnich preußiſche Geſchichte X. 1 ©. 160, 1536, ‚zeigte Daher feinem Schwager dem Herzog Albrecht 1536, wie ſchwer, oder, beffer zu gen ihm fo Tange zu Feiner Ehre gereichen koͤnte, als König Chriſtian 2, den er zum 16° 38%6 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. 1536. ligte. Lübeck ſchloß auch mie Chriſtian 3 Frieden, welcher ſodenn die Kirchenvers befferung in Daͤnnemark einführte. Was Bran⸗ Ehen dies that auch Marggraf Johann von Kuͤſtrin in feinem Antheil Sandes ———— oͤffentlich. Der Churfuͤrſt Joachim 2 Hinderte zwar niemand, zu der evangeliſchen genheiten ges Kirche zu treten, jedoch fand er noch nicht, rathſam, durch oͤffentliche Annehmung Cham des augfpurgifchen Glaubensbefäntniffes fich und feine Unterthanen manchen Gefaͤhr⸗ fichEeiten blos zu ftellen. Die Proteftanten waren vor dem Kaifer in ziemlichen Sor⸗ gen. Sie Hielten daher zu Frauffurt eine Zufammenfunft, um fo viel eifriger wer gen ihrer Sicherheit Berathfihlagungen anzuftellen, weil fie von des Kaifers geheimen Unterredungen mit dem Papft Nachricht erhalten. Es traten wirklich verfhiedene Proteftanten dem fehmalfaldifchen Bunde von neuem bey, welcher auf einer neuen Berfammlung zu Schmalfalden noch weiter erlaͤutert, auf zehn Jahr verlängert, und der Churfürft von Sachfen und Landgraf von Heffen zu Häuptern deſſelben ers nennet wurden. Doch wolte man fich weder mit England noch mie Frankreich vers binden. Der Kaifer war wirklich mit Frankreich in Krieg geraten. Er hielt alfo bey der ſtandhaften Gegenverfaflung ver Proteftanten vor beffer, fich gegen fie gelins der zu bezeigen. Er verficherte daher folche der Ruhe, und verfprach, Die Religions ſache blos in Güte, nicht aber mic Gewalt zu behandeln. Hieruͤber bezeigten die Pros teftanten ihre Zufriedenheit durch eine eigene Geſandtſchaft an den Kaifer nach Waͤlſch⸗ land, die zugleich wider das Kaypnergericht allerley Befchwerden übergab, und wegen der Kirchenverfammlung, die zu Mantua eröfnet werden folte, bat, daß folche nach den Neichsadfchieden und laut dem nürnbergifchen Religionsfrieden, nicht in Ita⸗ .» bien, ſondern in Deutfchland gehalten werden möchte: Der Kaifer fertigte Hierauf feinen Vicekanzler D. Held nach Deutfchland ab. Es war ebenfals ein päpftlicher bu Borfchafter Vorſtius dahin auf dem Wege, um wegen ber bereits nad) Mantua auf das folgende Jahr ausgefchriebenen Kirchenverfammlung mit denen Proteſtanten zu 1537. Handeln. Diefe liefen daher ihre Gottesgelehrten 1537 Bedenken und Sehrfage abfaffen.; Sonderlich gefehahe folches auf einer Zufammenfunfe zu Schmalfalden, wo: die lehr⸗ © fäge unter dem Namen der fehmalfaldifchen Artifel übergeben wurden, die bey einer gefegmäßigen Kirchenverfammlung zum Gfaubensbefäntniß der Proteſtanten dienen: foften. Sie wurden von den Gottesgelehrten der Proteftanten, und befonders von Seiten der Marggrafen von Brandenburg in Sranfen, von Stephan Agricola und Simon Schneeweiß unterfehrieben, auch nachher unter die Unterfcheidungsbücher „ der Jutherifihen Kirche gerechnet. Nach unterfchiedenen Berathfehlagungen verwarfen die Proteftanten die mantuanifche Kiechenverfammlung, theils, weil ber Ort vor die Deutfchen fehr ungelegen, theils, weil der Papft Nichter der Religionsſtreitigkeiten zu feyn begehrte, den fie doch als Beklagten angefehen wiffenwolten. Die Handlungen mit. dem Eaiferlichen Dicefanzler waren von Feinem beffern Erfolg. Diefer vertheidigte die Rechts⸗ ee Ba: TE I — — — (hurfuͤrſt Joachin ··· 17 Rechtshandlungen des Kammergerichts mit vielem Eifer, und legte die Aufnahme Inch, rerer Bundesgenoffen als eine dem nuͤrnbergiſchen Frieden zuwiderfaufende Sache aus. Die Proteftanten woltenfich hingegen zu Feiner Hülfe wider Frankreich anders verftes ben, als wenn zuvor der innerliche Friede beveftigee wuͤrde, und maninihre Forderungen wegen der Einftellung der Kammergerichtsrechtshändel und wegen Annehmung mehrer ver Bundesgenoffen einwilligee. Es zerfchlug ſich alfo die Hofnung eines fichern Reli⸗ gionsfriedens auf einmal, und die Proteftanten fingen an, fich in die befte Kriegs verfaſſung zu feßen, und Kriegsbefehlshaber zu ernennen. Es -zweifelten zwar einige, ob denen Ständen erlaubt fey, fich dein Kaifer mic Gewalt zu widerfegen. Allein verſchledene Bundesgenoffen, worunter ſonderlich Herzog Albrecht von Preuffen fich befand, zeigten aus der heifigen Schrift fowol, als der Staatsverfaffung des deutſchen Reichs, fo wie aus den kehren der Staatsrechtsfundigen, daß ſolches in dieſem Fall allerdings erlaubt fey, da hier nicht ſowol die Rede von demjenigen ſey: gebet dem Kai⸗ fer, was des Kaifers iſt: fondern vielmehr: gebet GOtt, was GOttes ift. DerKaie fer fen nicht berechtiget, weder die Gewiffen der Stände zu beherrfehen, noch ihre Unters thanen zu einer Neligion zu zwingen. Dieſes fand faft durchgehends Eingang und Beifall. Die Schrift, worin die Proteftanten die mantuanifche Kirchenverſamm⸗ lung verworfen, wurde von Churſachſen denen Koͤnigen von England, Schottland, Polen, Ungarn, an die Churfuͤrſten von Mainz und Brandenburg und an die Stände des boͤhmiſchen Reichs, vom fandgrafen von Heffen aber an die Könige von Portugal, Daͤnnemark und Schweden, an die Sreiftaaten Venedig und Schweiß und an die Churfürften von Trier, Coͤln und Pfalz geſchickt. Der Cavinal Albrecht. antwortete ziemlich gelinde: „Wollen E. bden freundlicher Meinung nicht bergen, daß, wo wir dabey ſeyn werden, da von der Reformation und guter Ordnung der chriſtli⸗ „hen Kirche, icht was ſoll geredet, vorgenommen oder gehandelt werden, wollen wie „uns, als viel GOtt der allmächtige feine Gnade verleyhet, dermaffen halten und er „„öeigen, wie wir folches gegen GOtt, unſre Obrigfeit und allermänniglich mit gutem Gewiffen getrauen zu verantworten. „Faſt auf eben die Arc war des Churfürften Joachims Antwort eingerichtet. Die Proteftanten nahmen Hierauf neue Bundes verwandte auf. Unter andern fiengen fie deswegen mit dem Bruder des Churfürften von Brandenburg, dem Marggrafen Johann von Kuͤſtrin, Unterhandlungen an, _ Es war dieſer Herr hiezu bereitwillig. Man Fonte anfänglich nicht gleich über deſſen Beitrag einig werden. Doc) ward folcher noch endlich beſtimmt. Der wirkliche Beis “ grict ward aber noch eine Zeitlang aufgefchoben. Georg Herzog von Sachfen und Henrich Herzog von Braunfchweig füchten folches, fo wie der Churfuͤrſt Joachim 2, ju hintertreiben. Jene beriefen ſich auf das Buͤndniß, das fein Herr Vater Chur⸗ fürft Soachim 1 zu Halle im Magdeburgiſchen mir dem Erzbiſchof von Magdeburg und mit Georg von Dresden und Henrich von Braunſchweig, zu Beibehaltung der römifcheatholifchen Religion, gefehloffen. Aber Marggraf Johann zeigte, daß er daran nicht gebunden, wozu fein gang anders denfender Herr Vater zu Dale fich ans Poallg. preuß. Geſch. 3 Th. € | hei⸗ 1537. Zoachim 2 er⸗ neuert die erb⸗ vertraͤge mit Sachſen und Heſſen. 18 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. heiſchig gemacht. Joachim 2 hatte einen wichtigern Grund. Er hatte gleich bey An⸗ eretung der Regierung fich mit feinem Heren Bruder dahin verglichen, daß der letztere fich zu feinem Bündniffe verftehen folte, was dem Churfürften nachtheilig wäre. Nun ‚glaubte Joachim 2, daß der Beitritt feines Heren Bruders zum ſchmalkaldiſchen Bunde nothivendig auch die Mark Brandenburg in Unruhen verwiceln koͤnte. Der Marggraf Zohann aber glaubte, daß er; feinen äfteren Verbindungen unbeſchadet, noch neuere eingehen koͤnte, wofern er nur ausdrücklich fic) ausbedinge, daß er gegen feinen Bruder, den Ehurfürften, nichts unternehmen wuͤrde. Marggraf Georg der Fromme von Anfpach Hatte zwar auch feine Gefandten zu Schmalfalden ‚welche, was die Religionspunfte betraf, mit denen übrigen Proteftanten völlig vereiniger blie⸗ ben. An Abficht des Biindniffes aber trugen fie Bedenken, folches zu unterzeichnen, theils weil ſie es nicht vor erlaubt hielten, gegen den Kaifer und römifchen König ein Buͤndniß zu machen, theils weil Brandenburg ohnedies fehufdig fen, denen Haͤuſern Sachfen und Heffen, wegen ver Erbeinigung, DBeiftand zu leiſten. TIER. RR Be Bi, Wegen Erneuerung diefer Erbeinigung und Erbverbruͤderung derer Häufer Sach⸗ fen, Brandenburg und Heffen wurden jegt viele Unterhandlungen gepflogen. Der Umftand, daß einige Glieder diefer Haͤuſer zur Kirchenverbefferung ſich befannten, an⸗ dere aber bey der römifchen Kirche eifrig beharreten, Teste der Sache manche Hinder ⸗ niffe in den Weg. Zu Juͤterbock erfuchte zwar Churfachfen und Heffen unfern Chur⸗ fürften, fich öffentlich vor die evangelifche Wahrheit zu erklären. Ob er aber gleich zugegeben hafte, daß Georg Buchholtzer, evangelifcher Prediger zu Arenswalde, nach Berlin berufen worden; fo fand er doch noch immer Bedenken, vor feine Perfon zum Beitritt der proteftantifchen Kirche zu ſchreiten. Doch wünfchte er die Erneues zung der Erbverträge berichtiget zu fehen. Der Ehurfürft Joachim 2 brachte endlich zuwege, daß deswegen zu Zeit eine Zufammenfunft aller Perfonen diefer dreier Hauke beliebt wurde. Hieſelbſt e) brachten die proteftantifihen Glieder, welche imfchmalz Faldifchen Bunde fanden, unter denen die Marggrafen Georg und Albrecht von Brandenburg waren, eine Aenderung der Worte diefer Erbverträge in Vorſchlag. Es fiel ihnen beſchwerlich, Daß folche Einung der römifchen Kirchen zu gut n ar EEE e) Der fel. Herr Limnaͤus hat zwar T.ı Ad- dit. ad Ius Publ. N. 25 p. 619 vorgegeben, als ob. diefe Verträge allen Gliedern der fächfifchen und heßiſchen Häufer ganz unbefandt geworden, daß aber das Haus Brandenburg Abfchriften der ehemals geſchloſſenen Verträge vorgezeigt, und die übrigen befchloffen: ein jeder folte die Urkunden in feinen Behältniffen auffuchen laſſen, und ſolche denen andern mittheilen; daß die urfundlichen Schriften 1538 auf einer andern Zufammenfunft zu Zerbſt von Brandenburg denen Nörigen mit: getheilet ſeyn, und daß Ehurfachfen damals Mon⸗ tags nach Matthiaͤ vorgewandt, daß man erſt ei⸗ nige Hinderniſſe heben muͤſte, ehe die Erneuerung geſchehen koͤnte. Es iſt jedoch ſehr unglaublich, daß dieſe Verträge niemand mehr. bekandt gewe⸗ fen feyn folten, vielmehr erweistich, daß Herzog - Georg, der fehon einmal diefe Verträge befchwo: ten, am Leben gewefen. Ich werde alfo die. Sa⸗ che fo erzehlen, wie fie der fel. Herr Muͤller aus dem Archiv uns im Neichstagstheatro aim, z Th. 2 ©, 356 f. vorgetragen hat, * Churfürſt Joachim 2.0 19 macht wäre, daß der Papft und Kaifer ausgenommen fey, und daß die Glie, der zu den Heiligen fehmweren folten. Von denen, die im ſchmalkaldiſchen Bunde noch niche befindlich, bezeigte Churfürft Joachim 2 und fein Herr Bruder bey den vors ‚gefchlagenen Beränderungen viele Gleichgültigkeit, weil diefer ſchon ein Proteftante, “und jener beinahe ein Proteftante war. Herzog Henrich von Sachſen war eben ſo geſinnt. Aber veffen Bruder Herzog Georg wolte durchaus nicht zugeben, daß ein einziges Wort geaͤndert würde. Er wandte vor, daß es ihm nicht anftändig wäre, in ‚einige Beränderung eines Dertrages zu willigen, den er allen Worten nach bereits eins mal beſchworen. Idachim 2 und Marggraf Johann wandten alle Mühe vergebens . San, ihn zum Nachgeben zu bewegen. » Georg von Carlowitz des Herzogs Georg - Rath fehlug zwar vor, ſtatt der Worte: der römifchen Kirche, fich folgender zu be⸗ ‚dienen: der heiligen chriftlichen Kirche zu Ehren. Berner, daß der Papſt zwar ausgenommen, aber dagegen von denen Proteſtanten ein feierlicher Widerſpruch ein, gelegt werde. Und endlich, daß der Eid zu GOtt mit Auslaſſung der Heiligen geſchwo⸗ von werde. Allein Churfachfen glaube, daß durch einen feierlichen Widerfpruch ges ‚gen die Ausnahme des Papfts der ſtrittige Punkt um fo weniger gehoben werden koͤnte, weil der eingelegte Widerfpruch eher, als die Urfunde der Exbverein, ins Dergeffen kommen möchte. Er meinte, daß zwar der Papft ausgenommen. werden koͤnte, es folte aber eingeruͤckt werden, daß folches, von Geiten der Proteftanten, der Antivore Aunnachtheilig ſeyn müßte, fo dem D. Held in Schmalfalden gegeben worden. Her⸗ zog Georg reifete unter dem Vorwande von Zeit ab, ſich zuvor mit feinen Freunden und Ständen zu berathen; und verbat alle Huülfsleiftung, auffer vor den tandgrafen, dem er, vermöge der Erbeinigung, fehon vorher zur Hülfe fich verpflichtee hielt. Die leßtere Bedingung gab zu mehrerem Streit zwifchen Churfachfen und dem Herzog Georg Gelegenheit. Der letztere reifete wirflich ab. Alle übrige aber erneuerten bie Erbverträge, und fegten die fteittigen Worte fo: daß fie ſich von neuem, dem all mächtigen GOtt zu Lobe, der heiligen gemeinen chriftlichen Kirchen und dem heiligen vömifihen Reich zu Ehren, diefer Erbeinung mit einander verglichen, und gegen einander zu GOtt geſchworen. Wie die Derbundenen den ftrictigen Punfe wegen der Ausnahme des Papfts eingerichtet, bezeuget folgender Beibrief: „Bon Gots Gnaden Wir Johans Friedrich Hergog zu Sachſen des Heil. Römifchen Reichs Erg Marſchalck, Joachim Marggraf zu Brandenburg des Heil. Roͤmiſchen Reichs Ertzkaͤmmerer, beide Ehurfürften u... Heinrich und Johans Ernſt auch Hertzoge zu Sachſen, tandgraven zu Doringen vnd Marggraven zu Meiſſen, Gebrüder und Bertern, Georg, Johanns und Albrecht, auch Marggrafen zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der Caffuben um Wenden Hertzoge, Burggraffen zu Rornberg und Fürften zu Nügen, auch Gebrüder vnd Vettern, vnd Philips Sandgraf zu Heſſen, Graf zu Catzenelenbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda; Als fich bisher zwifchen Vnſer allerſeits loblichen Voreltern vnd Vorfahrn, auch Bis vnd dadurch zu Erhaltung Frid vnd Einigkeit der dreyer Chur / vnd Fuͤrſtlichen * C 2 Heuſ⸗ 17. 1937. io 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Heuffer Sachfen, Brandenburg vnd Heſſen ein Erbeinigung erhalten, darinne vnt⸗ ter anderm vorſehen, wenn fich mit etzlichen Chur / vnd Fuͤrſten, derſelbigen Erbeini⸗ gung vorwandt, todes⸗ Felle zutruͤgen, wie es mit derſelben Erben vnd Nachkommen ‚zu Vornewrung derſelben gehalten vnd volzogen werden ſol; Vnd demnach als ſich der⸗ wegen itzo Vnſer aller Vorſamlung begeben, ſeint ezliche Beſchwerung vormerckt vnd befunden darumb man vor Leiſtung vnd Volziehung derſelbigen zu allerley Vnterredung vnd Handlung kommen, ſonderlich vntter andern auch von wegen des Babſts Ausneh⸗ mens, darin der hochgeborne Fuͤrſt, Herr Georg, Herzog zu Sachßen, Landgraf in Doringen und Marggraf zu Meiffen, vnſer freuͤndtlicher lieber Vetter, Ohaim, Schwager, Bruder und Schweher, als vnſer Miteinigungs ⸗Vorwanter, Nachlaſſung zu thun bedencken gehabt, Wir aber dargegen aus allerley Vrſachen daſſelbig alßo fers ner zugeſtatten vnd zuzulaſſen, nach Geſtalt vnd Gelegenheit iziger Zeit vnd Leuffte, nicht weniger Beſchwerung getragen; Bekennen hiemit vor Vns, Vnſer Erben vnd Nachkommen, öffentlich, vnd thun das in Krafft ditz Brieffs gein jedermeniglich, Dies weil des Babſts Ausnemens halber aus beruͤrter Spaltung in Vornewerung der Erbei⸗ nigung ein’ Aetickel Inhalts derfelben vorblieben, vnd gelaffen, daß doch Wir, die andern obgemelten Chur- vnd Fürften der Erbeinigung vorwandt, vnſer, vnſer Er ben und Nachkommen halben, darin nicht-gehelet noch gewilligt, fondern darüber Bns dermaffen mit einander vorglichen vnd voreinige haben, daß vnſernt halben und zwi⸗ fchen uns, auch vnſern Erben, vnd Nachkommen, auſſerhalb obgedachts vnſers freuͤnt⸗ lichen lieben Vettern, Ohaimen, Schwagers, Bruders und Schwehers Herzog Georgen zu Sachßen u. ꝛc. des Babſts halb gethanen Fechtungen vnd Vorbe— haltungen, ſonſt deſſelben halben kein Außnemen verſtanden, noch ſtat haben ſol. Allermaſſen vnd nicht weniger dan als ob von des Babſts Außnemen in voriger Erbeinigung vnd derſelbigen izigen Vornewerung nye mit keinem einichem Wort Mels dung geſcheen were, alßo, daß Wir die obgemeldte Erbeinigungs Verwandte, Chir vnd Fürften, mit und gegen deinfelden, nicht allein ganz vnd gar onvorgriffen ftehen, fondern auch dermaſſen gegen vnd unter einander fein des Bapfts Halben vnvorhindert vorpflichtet fein vnd bleiben wollen, einander getrewlich zu fürdern, zu helffen, zu ras then und beyzuftehen, wie fi) nach Inhalt und Ausweiffung der Erbeinigung gebüret. Wir Haben Uns auch vor Vns, Vnſer Erben vnd Nachfommen, noch darüber des ferner mir einander vorgliechen und beredt, daß unfer Feiner der obgemelten Erbeini» gungs Verwandten Chur / vnd Fürften des andern Feind werden fol, vmb niemands noch umb Feinerfey Sachen willen, die betref die Religion oder ichts anders, wie man des erdencken möcht, auch vnſer hedes Religion» Berwandten von Sachen wegen ber Religion nicht überziehen und vergewaltigen helffen, auch Feiner dem andern vor fich noch) ymands anders wegen, wer der fen, niemands aufgenommen vnd waſſerley Wege ſolchs konte oder möchte vorgenommen werden, überziehen oder zu uͤberziehen geſtatten, noch Ine befchedigen laſſen, oder vnſern Mannen, Dienern und Vntterthanen, die in vnſern oder andern Sanden gefeflen kin, das Eng geftatten zu thun in keinerley Weiß, ſondern A A nr A a a nn hr Hoadhim and. > ©; 21 ‚wir ſollen und wollen einander getrewlich behulffen vnd berathen fein, nach a» 1537: en beften Bermögen, van Geverd. Sonſten vnd aufferhalb ditz alles fol es wer Rom. Kaiſerl. und Khönigl. Maj. halben auch mit allen andern Artickeln bey iziger Vornewrung der Exrbeinigung , wie die allenthalben gefeßt, vorbrieffet, befiegelt, ges lobt vnd geſchworen iſt, bleiben, vnd das alles alfo von uns ſaͤmptlich und. fonderlid). flert, veſt vnd vnverbrochenlich bey Vnſern Fürftl. Eren, Wirden und Trewen, vnd ber geleifteten Huldigung vnd Pflicht gehalten vnd volnzogen werden, alles getrewlich und on Geverde. Wie Wir das auch alßo ein ander mit Handgebenden Treien an Eddes ftatt zugefagt und gelobt. Vnd des zu Befunde fo haben Wir dieffe Vorſchrei⸗ bung vnd Borpflichtung mit vnſern Henden ontterzeichner, vnd mit unfern anhangens - hen Jnſiegeln vnd Secreten vorfiegelt, Die gegeben vnd gefcheen ſein zu Zeyts, am Sonnabendt nach Letare, im Jare nach Chriſti vnſers lieben HERN Geburt tauſend en und fieben vud dreißig. ' u: jede, . "Soachim. Senti, Georg. 30. Krnft, Sans. EN gehe ei. an; PR uber Herzog zu Marggr. — Landg. zu Marggr. * Sachſen. — Heffen. ars —— —— ſich auf dem landtage zu deipig daß fin Gewiſſen und ‚Ehre ihm nicht erlaubt hätten, von der ſchon beſchwornen Verein im mindeſten abzu⸗ gehen; da doch dergleichen Veraͤnderungen vorzunehmen nirgend verboten, auch wol ſchon vorgegangen waren. Man ſchloß daraus salfo, daß Herzog Georg vielleicht ſſchon Nachricht haben muͤſte, daß der Kaiſer gegen Die, Proteſtanten etwas vorzuneh⸗ men willens ſey, und blos ſich nicht verbinden wollen, um dem Halliſchen mit Mag⸗ deburg gegen die Proteſtanten geſchloſſenem Bunde nachkommen zu koͤnnen, da er in denen Unterhandlungen zu Juͤterbock, Zerbſt und Deſſau alles, was er konte, zur Unterdruͤckung der Proteſtanten beigetragen. Doch befreiete der Tod dieſes Her⸗ 3098 Georg nachher die Proteſtanten won denen Sorgen, Die man ſich ſeinetwegen machte: u Abſicht des Kaiſers, der ſonſt in denen Erbvereinen ausgenommen zu ‚werben pflegte, feßte es ebenfals inanche Ueberlegung. Endlich beliebte man, wie fonf, Sen Raifer und roͤmiſchen König ausjunehmen. Weil aber Sachſen die roͤ⸗ koͤnigliche Würde Ferdinands noch nicht anerkannte, fo wolte der Ehurfürft von Sachſen Johann Friedrich und deſſen Bruder Johann Ernſt an die Ausnah—⸗ me des Ferdinands roͤmiſchen Koͤniges ſich nicht gebunden halten. Die Uebrigen ev klaͤreten aber in dem obigen Beibrief: „daß die Ausnahme des Kaiſers keinen berechti⸗ „gen * dem andern Deswegen feindlich zu behandeln, oder behandeln zu laflen. „, | RR j i Noch — Schwierigkeiten machte eine anderweitige Erbvereinigung und Erb Brandenburg ——* welche Churfuͤrſt Joachim 2 mit Friedrich 2 Herzog von Liegnitz, —— Brieg und Wohlau zum Stande brachte. Der letztere Prinz hatte eine — rung mit dieg⸗ € 3 , burgi⸗ nie» 1937. 22 3%. 6 Hauptft. Neuere Gefchichte von Brandenburg. burgifche Prinzeßin Sophiam, aus der fränfifchen einie, zur Gemalin,welche ihm diefes Fahr verftarb. Er hatte bisher mit dem Churhauſe Brandenburg in ver groͤſten Vertraulichkeit gelebet. So wie die Prinzen aus dem Haufe Brandenburg fich feines Haufes zu den Zeiten des Herzogs Friedrichs ı in der mislichften Zeit ange⸗ nommen, da man ihn. aus Liegnit verdrängen wollen; fo hatte Herzog Friedrich 2 alles: mögliche beigerragen, Preuſſen feinem Schwager dem Marggrafen Albrecht zu fichern. Jetzt füchte man durch neue Bande diefe Freundfchaft veſter zu Emüpfen. . Friedrich 2 hatte die Kirchenverbefferung angenommen, und war in dieſem Jahr dem ſchmalkaldiſchen Buͤndniß beigetreten. ; Er Kielt bey diefen Umftänden vor noͤthig, fich noch näher mit dem Churhauſe Brandenburg zu verknuͤpfen. Seine Vorfahren hatten, als piaftifche Nachfommen und koͤniglich polniſche Prinzen; eine voͤllig freie und unumfchränfte Regierung gehabt. Am Jahr 1329 hatten fie fich aber in eine behns⸗ verbindung mis Böhmen eingelaffen, und ihr Land dieſer Krone zu einem rechten Erb⸗ lehn aufgetragen. ., Der tehnsherr, hatte hier nichts gegeben, fondern muſte alles vom fehnmann empfangen und erwarten. Eben dieſes beweiſet auch der Gunftbrief, den der böhmifihe König Bladislaus dem Haufe Liegnitz ısır ertheilet, worin bezeiget wird, daß die Herzoge von Liegnitz ihre fand und feute, ein Theil oder gar, auf dem Todbette oder Teftamentsweife, wie fie am beften zu Rath worden, vergeben, verfaus fen, verfegen, verſchaffen und verwechfeln mögen. Eben diefes Recht beftätigte König Ludwig von Böhmen 1522 und 1524, Selbſt Ferdinandı hatte 1529 noch alle Nechtedem Haufe Hegnig beftätiget. Dieſes Rechts gemäß ward nicht nur zwifchen dem Chur⸗ ‚Haufe Brandenburg und dem Haufe Liegnig eine Wechſelheirat beliebt, fondern beide fehloffen auch mit Einwilligung irer Stände eine genaue Erbvereinigung und Erbvers brüderung, welche fowol von den fchlüffenden Theilen, als auch den Unterthanen bes- ſchworen iſt. Dieſe Handlung ift in unfern Tagen zu wichtig geworden, als daß wir die aufgeſetzte Urfunde nicht unfern Leſern nach ihrem völligen Inhalt vorlegen folten.. Bon GHOrtes Gnaden Wir Joachim Marggraf zu Brandenburg des Heil. Roͤmiſchen Reichs Erz Cimmerer und Churfürft, zu Stettin, Pommern, ver Caſſuben und Wenden Herzog, Burggraf zu Nürnberg und Fuͤrſt zu Rügen zear. Und Wir Friedrich von denfelben Gnaden, Herzog in Schlefien, zur Liegnis und Brieg, vor Uns, alle Unfere Erben und Nachkommen oͤffentlich hiemit befennen. Nachdem Wir Marggraf Joachim Churfürft auf Unfers freundfichen Lieben Oheim⸗ ben und Schwagers Herzog Friedrichs zur Liegnig 36. freundliches Erſuchen bewilll⸗ get haben, die Hochgebohrne Zürftin, Unſere freundliche liebſte Tochter, Fräulein Barbara, gebohrne Marggräfin zu Brandenburg, dent Hochgebörnen Fürften, Vnſerm freundfichen Tieben Ogeimen, Herren Georgen Herzogen in Schleſien, zur Liegnitz und Brieg, Seiner tiebden ehelichem Sohne, zu einer zukünfftigen ehelichen Gemahl zu geben. Und Wir Herzog Friedrich dagegen zu mehrer Befeftigung der jtzo fürhabenden angefangenen Freundfchaffe, auch auf freundliches Anfuchen Unfers lieben Herren Oheimben und Schwagers Marggrafen Joachims Churfürften, hinwiederum ; verſpro⸗ | Churfuͤrſt Joachim 2. 23 we A haben, die Hochgebohrne Fuͤrſtin Seäufein Sophia unfere freundliche liebe Tochter, Seiner liebden ehelichem elteften Sohne, dem; Hochgebohr⸗ nen Fürften und Herren Johanns Georgen, Marggrafen zu Brandenburg zu ei ner zukuͤnfftigen ehelichen Gemahl zu geben ‚alles nach faut und Junhalt zweyer dar⸗ über abgehandelten, volzogenen, beſiegelten und. angenommenen Heyrarhs -Beredun⸗ gen. Und nachdem diefe hin und wieder gezwenfachte aufgerichtete Heyrath und Freunds —* dem Allmaͤchtigen Gott vornehmlich zu Ehren, allen Theilen zu Gedey, Heil und Seeligkeit, auch Unſer beederſeits Landen und Leuten zu Troſt, Nutz und Aufneh⸗ men auch Ruhe und allem Gutten angefangen; haben Wir Uns, (wo auch gleich aus Berhängniß des Allmaͤchtigen, Diefelben bende, oder. auch eine Heyrath nicht fortgaͤn⸗ gig feyn würden) mit wohlbedachtem Muche, gutem vorgehabtem zeitigen Nathe und Dorwiflen Unferer Söhne, Raͤthe, Praelaten, Herren, Ritterſchafft, Mann und Städte, auch aus befonderer Erlaubniß, Gunft, Zulaffung und Begnadigung Unfes, rer alten Privilegien und. zuförderft etwan der Durchlauchtigften Färften und Herren Bladislai und Herren Ludwigs, beyden Königen zu Hungarn und Böheimb , Uns ferer gnädigen freundlichen lieben Herren Oheimen und Schwegere, Seliger milder und loͤblicher Gedaͤchtniß dahero gegebenen Briefe Dato fauten, Königs Uladislai Mons tags nach) dem Palınen : Sontag zu Breslau nach Chrifti Geburth taufend fünff hun _ bert im. eifften Jahre, und König Ludwigs zu Ofen Montags nach vifitationis Ma- riae im funffjehenden Hundert und vier und zwanzigſten Jahre, welche Begnadungen und gnädige Zulaffungen auch nachfolglich durch) den Allerdurchlauchtigften Großmaͤch⸗ tigften Fürften und Herren Herren Ferdinanden, Roͤmiſchen, Hungariſchen und Böheimifchen Könige, Unfern Allergnädigften Herren, - als einen König zu Bohr men, aus Böhaimifcher Macht und Gewalt, neben allen andern Unfern Freyheiten, aufs neue beveſtet und confirmiret, laut Ihrer Fonigl. Maieftär darüber gegebenen Brieff und Siegel, zu dem allem und aus fondern Unferm und Gemeinen der Kron Boͤhaim⸗ bei eingeleibten und zugethanen fanden, denn allen insgemein und Uns jeden gegebes men Freyheiten, Begnadungen und Privilegien, von angebohrner tieb und Treu, und befonderer Sreundfihaft wegen, auch wie obſtehet, beyderſeits Unfer fanden und Uns terthanen zu Nutz, DBefferung und im Beſten mit, nachfolgenden Unfern fanden und Gütern erblich verbrüdert, gürlich vereinigt, zufammengethan und geſetzet haben; Berbrüdern, vereinen, ſetzen und thun Uns alfo zufammen, verordnen und difponiren gegenwärtlich und mit Krafft diefes Briefes, folgender Meynung, und in maffen, wie hernach gefchrieben ftehet, ‚alfo: Zum Erften, daß Wir, Unfer Erben und Nady kommen, für und für, alle Unſere tebtage einander bruͤderlich, freundlich meinen, ch» ven, fordern, verantworten, Unfer einer bed andern Schaden warnen, und. fein Des ftes mit Worten und Werfen ungefährlich und getreulich werwehren follen und wollen, gleicherweis, ob es Unſer jeglicher feloft antref, ohne, Gefaͤhrte. Und mo fich nach dem Willen GOttes des Allmächtigen zutragen und Gegeben werde, daß Wir Friedrich Senns | in Schlefien zur Liegnitz, oder Unfere Männliche Erin teibes tehns Exben, von 1537. — 24 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1537. von Erben mit Tode verfallen und abgehen, und derſelben mäniche Eheliche teibes Lehns Erben Feiner Unſers Stammes und Gebluͤths im Leben mehr vorhanden ſeyn wird; fo ſollen affodann, nad) Abfterben des Tegten Unfers und Unſerer männlichen Epelichen geibes Lehus Erben Unfers Stammes, alle Unfere Fürftenthihner, fand und Keute, Schloffe, Amte, Voigtayen, Staͤdte der Fuͤrſtenthuͤmer Liegnitz und Brieg, ſamt allen denen zugehörenden Aembtern / dergleichen die Aembter, Schloß, Städt und Weichbilder Haynau, Goldberg, Grögberg, Luͤben, Wohlan, Stein, Rauden, Wienzig, Hernftadt, Rügen, Ohlau/ Strehlen/ Nimptfeh, den Halt aufm Teiche, Creutzberg und Pitſchen zuſambt Trebnig und Conſtadt, welche zwey Weichbilder Wir vor fünf und zwanzigſthalb tauſend hungariſche Gulden wieberfäuflich inne haben, mit allen und jeden Wildbahnen, Zöllen, Geleiten, Ger richten, Vrälaten, Grafen, Herren, Mannſchafften, lehnſchafften, Obrigkeiten, Gerechtigfeiten, und allen andern Zugehörigen,' Geiftfichen und Weltfichen, nichts’ davon ausgefehfoffen, wie wir ſie jego In Befegung und Gebrauch Haben, und Fünfftig' Wir oder Unſre Erben für und für zu Uns Erblich ‚und Wiederkaͤuflich bringen, und. nach Unferm, Unferer Erben und Nachkommen, von Erben zu Erben, bis auf den legten Unfers Stammes und Geſchlechts Tode Hinter uns verlaffen werden, an obge⸗ meften Unfern freundlichen fieben Herren, Oheimen und Schwagern, Marggraf Joa⸗ chim Churfuͤrſten, deſſelben männlichen beibes lehus Erben für und für. zu jederzeit re⸗ gierenden Churfürften zu Brandenburg, und wo die nicht mehr am eben, "alle mit‘ Tode abgegangen wären; alsdenn an Sr. 6b. Bruders ven Hochgebornen Fuͤrſten Herren Johannſen Marggrafen zu Brandenburg und deffen männlichen teibs behns Erben; oder wo Dero auch Feine mehr vorhanden, welcher aus den andern Ihrer bbden Bettern, der Marggrafen zu Francken, zu jederzeit der beider Stämme, das Fürs’ ftenchum der Marken zu Brandenburg befisen, inne haben, und vegierender Chur⸗ fuͤrſt darinnen feyn wuͤrd, gänzlich und gar ungefondert zu erbeigen, in aller maß als diefelbigen Unfere fand und $eute, alle und jede, fo Wirjego haben, auch Wir und. Unſere Erben für und für in folgenden Zeiten, erblich oder Pfandsweife erlangen und bekommen mögten, von natürlicher angeborner Sipſchafft, nach gemeinen befchriebenen - Gefegen, geordnet, und fonft üblichen tandläuftigen Rechten, Gewohnheiten und Be gnadungen an Ihro LWbon vorerſt angeflorben und gefallen wären; bey hr !bon und derſelben Erben für und für, "welcher von Ahnen den Todesfall und die Verledigung Unfer Fuͤrſtenthuͤmer Liegnig und Brieg mit den zugehörigen Prälaten, Herren, Rit⸗ terſchafft, Schloffen, Städten und Yemtern, nichts ausgenommen, erleben würden, als den rechten Erbherren Erblich und ewiglich bleiben follen, doch befeheidentlich und alfo- So ferh Unfer Tieber Oheimb und Schwager Marggraf Johanns zu Branden⸗ burg sc. dieſe Unfere beiverfeits aufgerichtete Verträge und Erbverbrüderung dermaffen, wie Die aufgericht, abgeredt, verbrieft und befiegelt, auch infonderheit vor fich und feis ner $bon Erben zu Erben beroillige, annehme, beliebe, ratificire, und darüber Uns fonderliche Verſchreibung ausrichte und zuſtelle. Wo aber Sr. bon denfelben zwiſchen is, dieß Shurfürf Joachim 2. | | 25 3 dieß und * Monats Friſten, nechſt nach dato folgend, die nicht belieben, anneh⸗ men noch ratificiren wuͤrden, fo ſoll auch Sr. ton und Ihre Erben aus dieſem Vertra⸗ ge ausgeſchloſſen, und diefes Anfalles an Unfern fanden und teuten, wie vorftehet, nicht gewärtig ſeyn, fondern en uns und-unfern Erben damit, wo Unſer lieber Herr Ohelin und Schwager Marggraf Joachim, Churfuͤrſt, und Sr. WBdn Erben oder derſelben Er⸗ ben, ober auch Sr. bon Vettern der Marggrafen zu Francken und ihre männliche kei⸗ bes behns Erben nimmer feyn werden, zu gebahren frey flehen, und diefes Vertrags halben weiter unverbunden bleiben. Aber mic dem Churfürften und Sr. Eon Vettern den Marggrafen zu Francken und Ihr aller männlichen teibes tehns Erben von Erben zu Erben für und für, foll es nichts deftoweniger, da auch von Marggraf Johannſen zu Brandenburg die Natification nicht beſchehe, mit Uns, Unſern Erben, Ihre bon und Ihr aller Erben für und für in alle Wege, in obangezeigter Erblichen Verbruͤde⸗ zung ftehen und bleiben, auch die oberzehlte Unfte Lande und feute, da Wir, und Unfere männliche Eheliche teibes tehns Erben, von Exben zu Erben, alle mit Tode abgehen und verfallen würden, an gemelten Churfürften zu Brandenburg , Se. ton Ehelis chen männlichen teibes Lehns Erben, oder wo die nicht mehr vorhanden, an die Margs grafen zu Francken und ihr aller männlichen teibes Lehns Erben für und für, von Er⸗ ben zu Erben, ob einer unter Ihnen des Stammes regierender Churfürft ver Marken zu Brandenburg feyn würde, oder fonften, wo fie den Fall erlebten, und Unfer Brus der bierein nicht bewilliger, als vorftehet, gleichwohl Fommen und fallen. -. Doch vorbehalten und unbegeben, eines jeden regierenden Königs zu Böhmen Dienft, Dicht und Obrigkeit, welche in alle Wege, wo der Fall an Uns oder Unſer Er⸗ ben, von Erben zu Erben, befcheh, und diefelben Unfere ande und Fuͤrſtenthumb don unſern lieben Herren Oheimen und Schwägern, Marggraf Joachim zu Bram: denburg 36. und Sr. ton Erben, "von Erben zu Erben, für um für, eingenommen würden, wie jtzo von’ Uns befchicht, auch gethan und gefeiftet werben follen; wel - ches wir Marggraf Joachim, Churfuͤrſt ꝛc. vor Uns, Unſer Erben, für und fuͤr, von Erben zu Erben, wann es, wie oben vermeldet, zu Fall kommet, auch dermaſſen zu hal⸗ ten und zu thun bewilligen. Heviwiederum aber, zu Erſtattung folcher oberzehften Unfers lieben Oheimen und Schwagers Herzogs Friedrichs zur Liegnig und Brieg freundlicher Vererb⸗ Verbruͤderung und Zuſchreibung Sr. Lodn Lande und Fuͤrſtenthuͤ⸗ mer, bewilligen Wir Marggraf Joachim, Churfuͤrſt ꝛc. hiermit vor Uns, Unſer Er⸗ ben und Nachkommen, von Erben zu Erben, für und für, Sr. Idn und Ihren maͤnnli⸗ chen $eibes und Lehns Erben, auch für und für, zu einem Gegen» Anfalle und Anwartung, ob ſichs zutrüge, oder im Zufünftigen begebe, daß der Hochgebohrne Fuͤrſt Unfer freund» ficher lieber. Bruder, Herr Sohannes Marggraf zu Brandenburg, und St. bon Er ben, für und für, an maͤnnlichen Ehelichen Leibes tehns Erben, und folgend Wir Marg⸗ graf Joachim, Churfürft, dergleichen und Unfer beederſeits männlich Ehelich Leibes sehns Erben für und für, von Erben zu Erben, ohn männliche Leibes Erben verfallen, - P.allg. preuß. Gefch. 3 Th. D abge⸗ 1537. 1537: 26 3 Th. 6 Hauptft.- Neuere Geſchichte von Brandenburg. abgehen und diefelßen nimmer feyn würden. So ſollen alsdenn Unfere Fuͤrſten⸗ thuͤmer, Herrſchafften und Güter, als nemlich Croſſen, Zuͤllch, Sommerfeld, ſamt dem Bobersbergiſchen Laͤndchen Die Herrſchafft Cottbuß, Peitz, Zoffen, Teupzke, Beerwalde und der Hof Groß⸗Liebenau in aller Maß, Unſer gnediger ‚Herr und Better der Churfürft und deffelden Vorfahren ſeeliger und loͤblicher Gedaͤcht⸗ niß, diefelben inne gehabt, gebraucht, an obbemeldten unfern lieben Bruder und Uns geſtammet und vererber, Wir diefelben inne haben, befigen, genüffen, und von einem regierenden Könige der Krohn Boͤheim zu Lehn und Pfandfchafft ragen und haben, oder was Wir oder Unfer Erben in zufünfftigen Zeiten, umter einem regierenden Koͤni⸗ ‘ge der Chron zu Bohaimb erblich oder Pfandsweife Haben und. uͤberkommen werden; an obgenannten Unfern freundfichen fieben Oheimen und Schwagern , Herren Friede richen Herzogen zur Liegnitz, Sr. Lodn Erben und derfelben männlichen Ehelichen eis bes Lehns Erben gänzlich und gar zu Erbeigen in aller Maß, als diefelbigen Unfere fand und feute, wie obgemelt, von natürlicher angeborner. Sipſchafft, auch gemeinen bes fehriebenen Gefegen, geordneten und fonft gewöhnlichen Landlaͤufftigen Rechten, Frey beiten, Gewohnheiten, Begnadungen und Herkommen, an Ihr $bd vererbt; ange⸗ florben und gefallen wären, auch erblich und ewiglich bey Ihr Lbdn und derfelben maͤnn⸗ lichen Ehelichen teibes tehns Erben von Erben zu Erben, als den rechten Erbherren, erblich bleiben follen. Und damit dieſe Unfere erbliche ewige und unwiderrufliche Berträge und Erbverbräderung defto mehr bey Macht erhalten; So habenwir Margs graf Joachim Churfuͤrſt, gewilliget und zugeſagt, willigen und zuſagen, daß hiemit in Kraft dieß Unſers Briefes vor Uns Unſer männliche Eheliche beibes tehns Erben fiir und fuͤr, von Erben zu Erben, wann ſich ein Fall an Uns oder Ihnen beguͤbe, ſo offt ſolches geſchicht, ſo ſollen Wir und Sie verpflicht und verhafft ſeyn, in den nechſten vier Wochen darnach folgend, dieſe Erbvertraͤge wiederum zu ratificiren, zu bewilligen und anzunehmen, bey Fuͤrſtlichen Wuͤrden und Treuen mit einem rechten geſchwornen Ei⸗ de, den Wir und Sie mit leiblichen aufgereckten Fingern zu GOtt geſchworen und ſchweren ſollen, zu halten geloben. Truͤge ſich dann auch zu, daß Unſer Bruder Marggraf Johanns oder deſſelben männliche Eheliche Leibes Lehns Erben zuvor, ehe dann Wir oder Unſer Erben mit Tode verfallen und abgehen, und Seine Lande an Vns oder Unfre Erben Fommen würden; So follen alsdenn alle Praelaten, Herren, Rit⸗ terfchafft, Mann und Städte der obberuͤhmten Fuͤrſtenthumbe, Herrfihafften und Guͤt⸗ ter, als Eroffen, Zuͤllch, Sommerfeldt, Bobersberg, Cottbus, Peis, Zoſ⸗ fen, Teupzka, Beerwalde und der Befiger des Hofes Groß Liebenau auch alle ans dre Ambtleuthe, Hauptleuthe, Verweſer, Caftner und Pfleger, Unfern Oheimen und Schwagern denen Herzogen zur Liegnitz, oder aber Sr. Lbon männlichen Ehelichen teibes Lehns Erben für und für auf einen jeden Fall eines regierenden Churfürftens oder Marsgrafen zu Brandenburg, der zu jederzeit derfelben Sande und Fürftenrhum inne Baben würde, .eine rechte Erbhuldigung thun umd ſchweren nach Unſern und Unſerer — — Dr Erben, - Churfuͤrſt Joachim und 3 27 PR ‚oder derfelßen Erben, von Erben zu Erben, für und für, Abgange niemand ans ders, dann obgedachten Herzogen zur Liegnig und Brieg welche des Gebluͤts und Stammes den Fall erleben, vor ihren fandes Fürften und Erbherren zu Haben, zu er⸗ kennen und anzunehmen. Alſo auch geloben, willigen, zufagen,. verfprechen Wir, obgemeldter Herzog Friedrich zur Liegnitz ꝛc. vor Uns alle Unfere Erben für und für von Erben zu Erben, daß auch einem jeden regierenden Churfürften zu Branden⸗ burg 36. auf einen jeden Fall, der Uns oder Unfern Erben auch derſelben Erben für und für von Erben zu Erben regierenden Herzogen zur Liegnitz und Brieg befchehen wuͤr⸗ de, dieſe Berträge bey Ihren Fuͤrſtl. Treuen, Würden und mit einem rechten geſchwor⸗ nen Eyde, dehn Wir und Sie mit Teiblichen aufgereckten Fingern zu GOtt gefehworen amd ſchweren follen, verneuert, verbrieffe, verfiegele und tiederumb angelobet worden. Wir follen und wollen auch unfern lieben Herren Oheimen und Schwagern Marsgraf Joachim Churfuͤrſt zu Brandenburg, fo bald Unſer Contract und Verbruͤderung vor ſich und in ihr Krafft gehen würde, neben Ueberreichung des Unfern obenberuͤhrten Bes gnadigungs und Erlaubnig, König Uladiſlai und König Ludwigs zu Hungarn und Böheim feeliger Gedaͤchtniß, auch zugleich dazu ein’ glaublich transumt oder vidimus von jziger Römifcher, Dungarifcher und Böhmifcher Majeſtaet König Ferdinan⸗ den Bewilligung Briefes, weil darin aufferhalb dieſer Vergunſt, mehr Begnadiguns gen und Privilegia begriffen ‚unter: glaubwuͤrdiger $eute Namen und Siegel übergeben und zu Handen ftellen. Desgleichen fo Haben auch Unſern fieben Herren Oheimen und Schwagern Marggrafen Joachimen Churfürften zu Brandenburg ꝛc. alle Unſere Prae⸗ laten, Herren, Manne und Staͤdte, Hauptleuthe, Verweſer, Pfleger und Befehlighaber über oberzehlter Unſerer tande, Fuͤrſtenthuͤmer, Herrſchafften, Schloſſe, Städte, Flecken; Guͤtter und teuche eine rechte Erbhuldigung auf den Neunzehenten Tag des Monats Octo⸗ bris dißlaͤufftigen Jahres, darzu Wir fie verfchrieben und erfordert, Unferer geftalten und verglichenen Notul nach, auf die Folgegethan, in Form und Geftalt, wie hernach von Wort zu Wort befchriebenift. Wir huldigen, geloben, fehwerenund tun dem Durchlauchtigen Sochgebohrnen Fürften und Herrn, Herrn Friedrichen dem aͤltern in Schlefien zur Liege nitz und Brieg Herzogen und Seiner Fürftlichen Gnaden männlichen ehelichen teibes behns Erben von Erben zu Erben fuͤr und für zuvoraus, als unferm natuͤrlichem regierenden Erb⸗ Herren und tandesfürften, und wo fein fürftl. Gnad nicht mehr wäre, auch Feine männliche eheliche Leibes Lehns Erben hinter fich verließ, alsdann dem Durchlauchtigften Hochges bohrnen Zürften und Heren Herrn Joachim Marggrafen zu Brandenburg und Chur fuͤrſten ꝛc. Seiner Churfürftlichen Gnaden männlichen ehelichen teibes tehns Erben für und für zw jederzeit regierenden Churfürften, und ob Seine Churfürftliche Gnad nim⸗ mer wäre, auch Feine männliche eheliche Leibes Lehns Erben Hinter’ ſich verlieſſe, als⸗ dann dem Durchlauchtigen Hochgebohenen Fürften und Herrn, Herrn Johanſen Marggrafen zu Brandenburg und Seiner Zürftlichen Gnaden männlichen ehelichen lei⸗ bes * Erben von Erben zu Erben für und fürs. wo aber Sein ir Gnad die Di. - auch 1537. 3537: 08 3Th. 6 Hauprft. Neuere Gefchichte von Brandenburg. auch Hinter fich nicht verließ, den andern Ihrer Churfürftlichen Gnaden Vettern Marge. grafen zu Brandenburg und in Francken , auch ver beyden Stämme zu jederzeit res gierenden Churfürften; doch fo fern Hochgeachter Marggraf Ssohanns diefe aufriche tige Verträge annehmen, vatificiven und befiegeln würde, fonftiaber, wie folches vers bleibt, ‚allein den obbemeldten Ablauff nach dem Ehurfürften und Seiner Ehurfürftlis chen Gnaden Erben, und wo fein Churfuͤrſtliche Gnad nicht mehr wäre, ‘auch feine männliche eheliche Leibes Lehns Erben hinter ſich nicht verließ, alsdann Ihrer Churfuͤrſt⸗ lichen Gnaden Vettern allein Marggrafen zu Brandenburg und zu Francken und Ihe aller Zürftlichen Gnaden männlichen teibes tehns Erben für und für, von Erben zu Er ben, welche die Zeit vegierender Churfuͤrſt ſeyn wuͤrde. Wo aber Marggraf Johanns dieſe Erbverbruͤderung nicht ratificiret, und das Churfuͤrſtenthumb auf Ihn und Seine Erben kaͤme, alsdann dem regierenden Aelteſten Marggrafen zu Francken und Ihr al⸗ lerſeits Fuͤrſtlichen Gnaden maͤnnlichen ehelichen teibes Lehns Erben eine rechte Erbtzul⸗ digung, nach taut: zwiſchen allerſeits Ihrer Churfuͤrſtlichen und: Fuͤrſtlichen Gnaden aufgerichteten Erbvertraͤgen und Verbruͤderungen, dem vorgenandten Herrn Frieder⸗⸗ chen dem aͤltern, Herzoge zu Liegnitz und Brieg, und Seiner Fuͤrſtlichen Gnaden maͤnnlichen ehelichen teibes Leyns Erben, von Erben zu Erben, fuͤr und fuͤr, zu vor⸗ aus, und wann Seine Fuͤrſtliche Gnad nicht mehr waͤre, ober keinen ehelichen maͤnn⸗ lichen Leibes Lehns Erben von Erben zu Erben fuͤr und fuͤr hinter ſich nicht verließ, dem vorgenannten Herrn Marggrafen Joachim zu Brandenburg ꝛc. Churfuͤrſten, und Seiner Churfürftlichen Gnaden männlichen ehelichen Leibes Lehns Erben, und Er. auch nicht wären, oder Sein Churfürftliche Gnaden die hinter fich nicht verlieffen, obgebachten Marggrafen Sohannfen und Seiner Fürftlich Gnaden männlichen J— chen Leibes $ehns Erben, fo weit Sein Fuͤrſtlich Gnad dieſe Vertraͤge, wie obſteht, var tifieire, wo aber Sein Fürftlich Gnad ohne männliche eheliche beibes Leyns Erben auch verfiel , alsdann den andern Ihrer Churfürftlichen und. Fürftlichen Gnaden Vettern den Marggrafen zu Francken, und Ihr aller Fuͤrſtlichen Gnaden männliche eheliche lei⸗ bes Lehns Geben für und für, von Erben zu Erben, wie obberuͤhrt, auch‘ von tehnd- wegen und fonft getreu, gewärtig und gehorfam zu feyn, Ihren Frommen zu werben, und Schaden abwenden, auch die Lehn zu verdienen, und auf jede Fälle feine andere, dann diefe Huldigung geloben und ſchwehren, und alles das zu chun, das getreue lehn⸗ . manne und Unterthanen Ihren Lehn / und Erbherren zu thun ſchuldig und pflichtig feyn, ger treulich und ohngefährde, als Uns GOtt helfe durch Chriſtum ſeinen einigen Sohn. Der⸗ geſtalt alſo und nicht anders ſollen zu jederzeit von einem jedem Herzoge zu Liegnitz und Brieg die Erbhuldigung und Pflicht von Ihren tanden und Leuten genommen werden, und, fo oft ein Fall an einem regierenden Herzoge zu Liegnit und Brieg gefchehen würde, fo follen alsdann die andern, fo noch tm Leben, zu jederzeit einem regierenden Churfuͤrſt zu Brandenburg des Geſipß den Verſtorbenen vermelden ; ihn vier Wochen zuvor, und ehe die Erbhuldigung genommen, darzu erfordern, alsdann und nicht eher, - auch fons a . ! ’ ders Er erh AD — —— —— J re a a rg Or * a ‚ 7 EShurfürſt Joachim 231... 29 derlich im Beiſein des Churfuͤrſten oder in ſeiner Geſandten Käthe gegenwärtig die Huls digung, sie oben begriffen, von ihren fanden und Leuthen nehmen. So aber Marg⸗ graf Zohanns und deſſen Erben alleabgegangen, die Sande an Uns Marggraf Joa⸗ chim, Churfuͤrſten ꝛe. oder Unfere Erben, von Erben zu Erben, gereichen und kom⸗ men, oder Marggraf Johanns dieſe Verträge ratifieiren würde, fo ſoll es auch in als ler Maag von Uns, und beyden Unſern Erben für und für und mit der Erbhuldigung derſelben Unfer. obbenandten verbrüderten Lande und feufe wiederumb, wie von den Herz ‚zogen zur Liegnitz und Brieg zu jeglichen Fällen: jede Zeit auch in vier Wochen gehalten ‚werden „ı wie es dann oben auch berühret, . +. So follen und; wollen Wir Marggrafe Soachim ‚ Churfürft:2c von Römifcher König, Majeftät als Könige zu Bohaimb und Herzogen in Schleſien, über diefe obbemelte Unfere verbruͤderte Guͤtter, Ihrer Koͤnigl. Majeftär Conſens bey Roͤmiſcher Königlichen Majeftär erhalten; und Unfer Bruder Johanns dieſe Unfere Verträge, wie obftehet, beliebet und annimbt, ober aber anımännlichıteibs tehns Erben vor Unferm Tode, oder. Abfterben Unferer teibs Lehns ‚Erben, vorſiel; fo follen alsdann in beyden Fällen, in vier Wochen nechft folgendt, die⸗ ſelben Unterthanen der bemeldten verbrüderten erblichen Lehn ⸗ und Pfandt ⸗Staͤtten an Uns Herzog Friedrichen und an Uns maͤnnlich ehelich teibs Lehns Erben, und derſelben ‚Erben, von Erben: zu Erben, für und für, mit der Erb⸗Huldigung, Enden und Mflichten,»wiesobgemeldt, geweiſet werden. Was aber die vorbemeldte Erb» Ber bruͤderung von Unfern Herzog Friedrichs fanden meldet, foll nichts deftoweniger, in Ermangelung und: Weigerung der Roͤmiſchen Königlichen Majeftät Confens, Uns ſerm lieben Herren Dheimen und Schwagern dem: Churfürften zu Brandenburg ꝛc. und Seiner Siebden Erben, für und für, von Erben zu Erben, in allen. Arti⸗ ckeln und Stuͤcken, wie diefelbigen innehalten, unverruͤckt bey Krafft bleiben und unverbruͤchlich, ohne Wiederrede, oder Anfechtung gehalten werden. Es ſoll auch ‚alle dieweil von Uns obbenandten Fuͤrſten ein männlich ehelich Leibs⸗ Lehns⸗ Erbe vor⸗ handen/ die andere Partey ſich der Erbſchaft auf dieſen Vertrag nicht anmaſſen, ſon⸗ dern denſelbigen letzten Erben, bis zu endlichem Abgange, und dem Falle, ohne Ars zung und Eintrag bey Seinen andern Leuthen und Regiment ohne Hinderung. bleiben laſſen. Stuͤnde aber auch) Unfer einem aus Feld- Zügen, Kriegs Läufften, und Unſer ſelbſt eigenen Gefaͤngniſſen, die unvermeidtliche anliegende Noch zu, daß Wir Unfer Schloß, Städte und Ambts zu verpfänden, oder zu verfauffen gedrungen: Go ſoll Uns das auf die Fälle mic Vorwiſſen des andern Theils frey und zugelaffen ſeyn. Wuͤrde aber aufferhalb der obgemeldeten dreyer Artickel irgende Unſer einem fonft eine Summe Geldes auf Seine Aembter oder, Dörfer zu Seiner hohen ‚anliegenden Norhs durfft aufzubringen, von noͤthen, das foll einem ieden unter Uns zu iederzeit frey vors behalten ſeyn; dennoch alfo, daß diefelben Aembter und Dörfer von den Fuͤrſtenthuͤm⸗ ‚bern oder Herrfchaffeen nicht: füllen abgeſondert werden. Trüge ſich auch zit, daß ir gendt einer unter Uns zu Ausbreitung obgemelter Fuͤrſtenthuͤmber, oder Herrſchaff⸗ — D J ten 1537. 1537. * 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ten andere fand nnd teuthe erblichen oder Pfandweiſe zu und an fich bringen wolten und ihme wäre von nöthen etliche Flecke oden Weichbilder, welche geringer’ wären, alsdie, - fo Er zu ſich brächte, zu verpfänden, oder erbfich zu verfauffen, das foll ein jener in einem folchen Falle auch zu thun Mache haben; doch dag wir im alle Wege einer dem andern in folchen allen obgefihriebenen: zuſtehenden Fällen)‘ diefeldigen Gicher, fo wir zu Unferm Nutzen oder fonft, tote vorſtehet, zugelaffen, gedungen, zuvor anbitten, und vor andern Ihm ſelbigen Kauffe oder Verpfaͤndung zukommen laſſen. So auch, nach Unſer benandten Fuͤrſten oder Unſerer Erben für und für, von Erben’ zu Erben, Durch) tödliche Verleidigung ſolche verbruͤderte Erblande dem andern heimfallen und zu⸗ kommen würden; was alsdann in deſſelben abgegangenen Lande verleibgedingt und ver⸗ wittumbt wäre, ſoll in alle Wege unangefochten, und wie leibgedings ⸗ Recht und Ges wohnheit iſt, bleiben und gehalten werden. "Dergleichen ob dem Sräulichem Gefchlecht hr verfchrieben und zugefagtes Heyrarh+ Geld, nach gewöhnlicher Ausfteurung beeder Theil nicht entrichtet, oder abgegeben, oder die ſonſten ausgeſtattet wären, ſoll ihnen, was nachftändig ift, ohne Weigerung vergnuͤgt und abgelegt, und fie auch nach ihrem Stande ausgefteuert werden. Es foll auch Unfer ieder und aller Erben, für und fiir von Erben zu Erben, welcher nach göttlichen Willen des andern Todes Fall ohne : Hinterlaffung Männticher teibss Lehns+ Erben erlebt, und feine kand und feuthe auf dies fe Erb» Berbrüderung überfomt, " diefelbigen Unterthanen, des verledigten Fuͤrſten⸗ thumbs, Geiftfich und Weltlich, bey allen ihren Privilegien, Freyheiten, und gutten Gewohnheiten bleiben laſſen, fie darüber nicht beſchweren noch bedraͤngen, fondern ih» nen diefelben wiederumb confiemiven, und fie darüber ſchuͤtzen, verrheidigen und hands haben. Alle diefe obbefchriebene Stuͤck, Punckt und Articel, haben wir obgenans - te Chursund Fürften an ein ander bey Unſern Fürftlichen Handgebenden Treuen, Wuͤrden, Ehren, und mit einem rechten geſchwornem Eyde, dehn wir mit leiblichen aufgereckten Fingern zu GOtt geſchworen, gelobt, geredt und zugeſagt, ſtatt, feft und unverbruͤchlich zu halten. Sollen noch wollen die auch nicht artieuliren noch anders auslegen noch verfiehen, fondern der nach Ihrer fhlechten Form, Worten und Inhale getreulich nachkommen ohne allerley Behelf, Eintrag und Auszige, und fonder aller Argelift und Gefehrde. Des. alles zu wahren Uhrfund und ewiger Bekaͤnntniß auch ſteter Befeftigung haben Wir Marggraf Joachim Churfuͤrſt, und Wir Friedrich der aͤltere Herzog zu Liegnitz und Brieg vor Unß, Unſer Erben von Erben zu Erben, fuͤr und fuͤr, dieſe Erbverbruͤderung mit eigenen Haͤnden unterſchrieben und anhangen⸗ den Inſiegeln verſiegelt, auch Wir Herzog Friedrich Unſere beyden Söhne Herzog Friedrichen der jünger, und Herzog George dieſelbige zu mehrer Befeſtigung, neben ‘Uns mit ihren eigenen Händen unterfchrieben und befchwöhren laſſen. Desgleichen Wir Joachim, Marsgraf zu Brandenburg Churfuͤrſt auch bewilligt, wann behde Unfere Söhne Marggraf Johanns Georg und Marggraf Friedrich ein ieder zu feis nen muͤndigen Jahren Fome, fich auf — und Beſchicken Unſers lieben Oheim und Schwa⸗ un A A En ki t > ——— * F 4 r . .. dk Ehurfuͤrſt Joachiiũn i at Schwagers/ Herzog Friedrichs zur Liegnitz, oder Seiner lieben Exben mic Ihren eis 1537. | genen Händen auch zu unterfehreiben und: dieſelbe zu befehweren: Alles: getreulich fons der Gefehrde. · Geſchehen und gegeben zur Liegnitz am Freytage nach Galli, Ehrifti Unfers Herrn Geburth, taufend fünfpundert und im fieben und dreyßigſten Jahre, RAR sans Mm Zoachim Churfürft | 5 Friedrich Herzog zu Liegnitz. | | | Friedrich der jüngere Herzog zu Liegnitz. Rn nn Georg Herzog zu Liegnitz Alſo wie hiernach von Wort zu Wort gefehrieben ftehet, Haben die Ehursund Fürften in Perfon diefe Erb» Einigung einander zu halten gefehworen: Dieſe Erb⸗ - Berbrüderung und Einigung, wie diefelbe in allen ihren Anhalt von Artikel zu Artikel und von Wort zu Wort begriffen gelobe und ſchwere Sich alfo ftätt, feft und unvers F brochen und unmiederruflich zu halten und verfelben nachzukommen, getreulich und ohn > Alles Gefehrde, als mir GOtt helfe und das heilige Evangelium. * PETE ee e 4; KETTE vi" Das Herʒogthum Eroffen war zu Churfürft Mbrechts Zeiten wegen derer An⸗Joachim ev; forderungen feiner- Tochter Barbara auf die glogauiſchen tänder, an das Haus Bran⸗ Bar denburg gegen eine verſchriebene Geldſumme unterpfaͤndlich eingeräumet worden. Auf auf Croſſen. das Eigenthum und Wiedereinlöfungsrecht machten die Herzoge von Muͤnſterberg eis nen Anſpruch. Der König von Böhmen Bladislaus Hatte wirklich zu Dfen am Nicolaitage 1514 dem Herzog Earl von Münfterberg, einem Schwiegerfohn des Herzog Hans von Sagan, folche Rechte in folgenden Worten beftätiger: „Wir ges ben und eignen ihm alle das Necht, fo viel Uns als Kunige zu Beheimb und Herzoge in Schlefien an ven anden, Herfehafften und Gütern Croſſen, Zuͤlich, Sommers feld. und Bobersberg allen Einsund Zugehörungen an Eigenthumb, Erbſchafften und ‚Gerechtigkeit zuftändig geweft und gebührer hat. + + Und befehlen euch Praelaten, Herren, Nitterfchafften, Mannfchafften und Städten diefer ande ernftlich, daß ihr itztgenanntem Fürften, feinen Erben und Nachfommen Erbholdunge, Erbliche Eid und Pflicht, wie gewöhnlich, ohn alles Vorziehen gelobt und ſchweret, Ihn feine Er⸗ ben und Nachkommen forthin vor natürliche rechte Exben zu halten und haben, deffen nimmer zu wegern u. f 1. ,, Diefer Herzog Earl von Muͤnſterberg war 1536 vers ftorben, und hatte den Joachim, Henrich 2, Johann und Georg 2 verlaffen. Mie diefen Prinzen ließ der Churfürft Joachim 2 wegen Ueberlaffung ihres Eigenthums des Herzogthums Eroffen Unterhandlungen pflegen. Der Churfürft bot eine Geldfunune, und verfprach in einem zu Berlin ausgefertigtem Schreiben, dem einen diefer Prinzen Joachim Fünftig das Biſchofthum Brandenburg und Lebus zu verfihaffen. Gegen diefe Bortheile Fonre diefer feinen Sandesantheil feinen Brüdern Aberlaffen, und folche ae a: dage⸗ 22 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1537. dagegen alle Anſpruͤche auf Croſſen dem Ehurfürften abtreten, da fie ohnedies zu Einfofung des fandes Feine Gelder befaflen. Der Freiherr von Malzan und Standesherr von Mis litſch und Wartenberg Joachim gab fich alle Muͤhe, die Sache zum Stande zu bringen, Endlich kam Herzog Henrich mit gehörigen Vollmachten von feinen: uͤbrigen Brüdern zum Ehurfürften, welcher alles Eigenthum und andere dem Haufe Münfterberg' und Deld an das Herzogehum Croffen zuftehende Nechte dem Churhaufe Brandenz burg völlig. als ein boͤhmiſches tehn überließ, dagegen der Churfürft denen Herzogen die verglichene Geldſumme auszahlen Tieß, ‚und durch eine Urfunde die Berficherung gab, daß Herzog Joachim bey fich ereignender Gelegenheit die Biſchofthuͤmer Bran⸗ denburg und Lebus erhalten ſolte. Es ward von denen Herzogen hierauf ihr Mars ſchall der Melchior von Puftern ernannt, dieſe Sache am Foniglich böhmifchen Hofe völlig zur Endſchaft zu bringen f). Hierauf nahm das Churhaus den Ehrennamen eines Herzogs in Schlefien zu Eroffen an, und fügte das Wappen diefes Sandes feis nen übrigen Wappen bey. nr a und der herr; Ebenfals gelung es dem Ehurfürften, durch die treuen Dienfte des Euftachii ſchaft goſen. von Schlieben eo dahin zu bringen, daß Friedrich von Stein gegen einen jaͤhrlichen | Gehalt und anfehnliche teibrenten , die folcher nachher in Berlin verzehrte, dem Chur⸗ hauſe Brandenburg alle feine Rechte auf die Herrſchaft Zoffen abtrat. Der Chur⸗ fürft vergaft dem von Schlieben feine dabey gehabte Mühe damit, daß er ihn zum Hauptmann diefer Herrſchaft ernannte. NG Der hurfürft Der römifche König Ferdinand wolte 1538 feine boͤhmiſchen Länder perfönlich ee befuchen, und der Churfürft fich dieſer Gelegenheit bedienen, aller Reichs / und boͤhm⸗ 5 böhmifchen fehen tehnftücke wegen, die fehn zu empfangen. » Ferdinand war über Pragund Dress tehnftücken be· den nach) Bauten angekommen. Hieſelbſt fand fich auch der Churfuͤrſt Joachim 2 — und fein Herr Bruder und unter andern auch der herzoglich muͤnſterbergiſche Bevor mächtigte Marſchall Melchior von Puſtern ein, um das nörhige wegen des dem Haus fe Brandenburg überlaffenen Eigenthums des Herzogthums Eroffenzu beforgen. Ich will die vorgegangene BelehnungsfeierlichFeiten mit den Worten befchreiben, die ich in einer gelehrten Wochenfihrift g) gefunden, welche die Erzählung aus einer alten Hands ſchrift hergenommen. „Den zoften May 1538 war der römifche König Ferdinand zu Bautzen angelanget. Weil nun auch diefen Tag der durchlauchtigfte, hochgebohrne Fürft und Herr, Herr Joachim der andere, Marggraf zu Brandenburg); des heil. römifchen Reichs Erzfämmerer und Churfürft, nebft feinem Heren Bruder Marggraf Hanfen in Cuͤſtrin gleichfals in Budißin ihren Einzug halten wolten, als find die von fand und Städten des Marggrafthums Oberlaufig, von dem Schloß Orten | burg, f) de Sommersb. Ser. Rer, Sisf, T. ı p. 225 und 361. g) Dresdner gelehrte Anzeigen vom Jahr 1753 ©t. 15. we Churfürft Joachim ꝛ 33 burg, wohin fie Königl. Majeftät begleitet, ab, und denen brandenburgifchen Hers 1538. von Marggrafen entgegen geritten, fie empfangen und mit vieler Feierlichkeit in Bu⸗ dißin, um 8 Upreingeführer. So bald Königl. Majeftät vernommen, daß ſich Churs fuͤrſtl. Durchlauchtigkeit der Stadt nähere, haben fie ſich, nebft dem Herrn Landvoigt in Oberlaufig, zu Pferde gefeget, und find bis an das Neichenthor Sr. Churfuͤrſtl. Durchlauchtigkeit entgegen geritten, die andern Herren und Hofleuce aber find in Ord⸗ nung dem Könige zu Zuß gefolget. An gemeldten Thor empfingen Königl. Majeftät den Churfürften mit Hand und Mund, und zogen in diefer Ordnung ein. Anfänglich kam die kandfchaft, und dann die Städte diefes Marggrafthums zu Pferde, denen des landvoigts und der Hauptmänner von Budißin und Görlig Diener folgten. Dars auf Famen des Churfürften von Brandenburg Gefolg, in grauer Kleidung. Und dann Ihro Könige. Majeft. Ferdinandus, und neben ihnen dev Churfürft zu Bran⸗ | denburg zur linken Hand, denen zu beyden Seiten Ihro Majeft. Bedienten zu Fuß giengen. letztlich folgten die Churfürftt. Brandenburgifchen Reuter. Dem Chur⸗ fürften war zur Wohnung der Frau Johann Dollmen Haus angewiefen, als wohin Ihro Könige. Majeft. ven Churfürften begleiteten, von dar aber, nach genommenen Abſchied, wieder auf das Schloß ritten. Folgenden Dienftags und Mittewoch haben Koͤnigl. Maj. ſowohl denen Ständen von Dberlaufig in dem Mönchenftofter einen und den anderen Vortrag thun, und deswegen Handlung pflegen: als auch mit dem Churs - fürften ver bevorftehenden behnsverleypung wegen Unterredung halten laſſen. Und if zu folcher Seyerlichfeit der Donnerftag nach Cantate ausgefeget worden. Der Churs fkuͤrſt Hatte neben feinem Herrn Bruder Hanfen ben fich den Bifchof Georg von Blu⸗ 5 menthal 3. U. D. von Lebus und Rageburg, Fürften Hanfen von Anhalt Bis enburg, viele Grafen und Herren, und beftund fein Gefolge aus mehr als zweyhun⸗ derten. Die Stade Budißin beſchenkte nicht allein Ihro Maj. und Dero hohe Bes dienten, fondern auc) den Churfürften und die Geinigen. Denn fie verehrten dem Churfuͤrſten einen Ochfen, eine tage Malvafier, eine tage Rheinifch Wein, ein Faß Freyberger Bier. Angleichen Marggrafen Hanfen einen Ochfen, eine tage Malva⸗ ſier und eine Sage Rheiniſch Wein. Dem Bifchof von Lebus und Fürften Hanfen von Anhalt eine tage Nheinifch Wein. Als nun der Donnerftag angebrochen (den 2sſten May) haben ſich Ehurfürftliche Durchlauchtigfeit Joachim und Dero Herr Bruder Marggraf Hans, mit ihren bey fich habenden Herren auf das Schloß Orten⸗ burg begeben, alwo die fehensverrichtung gefchehen folte. Hier war auf dem groffen ‚Saale ein Thron, drey Stufen hoc), vor Ihro Könige. Majeftät Ferdinanden ge bauer und mit Foftbahren Tapeten gezieret. Dahin begaben fich) aus ihrem Zimmer unter Trompeten und Paucken Schall Ihro Königl. Majeftär Ferdinand, Roͤmiſch⸗ Hungar ⸗ und Böhmifcher König, in groffer Pracht. Sie hatten ein golden Stücken Kleid an, einen Foftbahren Königl. Mantel um, und eine mit herrlichen Evelfteinen befeßte Erone, deren Werth hoͤher als 300000 Florenen gefchäger wurde. Vorher giengen zwey Herolde in weis und rothen Atlaß gekleidet, als die Leibfarbe des Haufes P. allg. preuß. Befch. 3 Th. € Oeſter⸗ ‚1538. ? 34 3 Ch. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Defterreich8, mic weiffen Stäben. Denen folgten Herr Wilhelm von Rengen⸗ dorf, oberfter Hofmeifter, Wolff von der Kreibe, (andere fehreiben ihn von er de, noch andere von Creyde.) Der Cron Behaim oberfter Cangler, Herr George Zschiepke, Rath und Vicecanzler, Joachim von Maltzan auf Wartenberg; M Graf von Eicha, Graf Niclas von Solm, R. von Schaumburg, Andreas Ungnad, Hans Fronsperger, und andere mehr; ferner Fam der Abe von Ples⸗ nig, Johannes Biſchoff zu Meiſſen. D. Johann Faber, Bifchoff zu Wien, der Benetianifche Gefandte und der Päbftliche Bothſchafter, Johannes Morenus Epifcopus Mutinenfis. Bor Ihro Majeftär gieng Herr Ztislaus von Berefa, Herr von der Taube auf Meichftadt und Leippa, Oberſter Sandhoffmeifter der Cron Beheim, tandveigt in Oberlauſitz, und vor dem, Hans. von Schellendorff, und » trug den Scepter, Leonhard von Feld, Oberſter Marſchal und Hauptinan ver Graf . ſchaft Tyrol, welcher ein bloffes Schwere, fo einen güfdenen Heft hatte, und ein Graf von Plauen, der den goldenen Neichsapfel trug. Alsdenn erfihien Ihro Rs nigl. Majeftät in obangeführten Königl. Herrlichkeit, und begaben ſich auf den Thron, woſelbſt Sie fich niederlieffen, die bemeldten ‚Herren aber: fich zu beiden) Seiten dar ftellten, hinter denen die Trabanten ſtunden. Auf diefeschaben fich ſechs welſche Trommeter und ein Heerpaufer auf dem Saale hören laffen, und, wie die Worte in . gedachter Schrift lauten, ‚auf der Heerpaucken gefchlagen, und Treeher auf welfch gedrommelt, Dann wurde denen Brandenburgifinen gemeldet, daß fie um die Ber Tehnung werden ſolten. Worauf der Biſchoff von Lebus, der Hand von Anhalt neben andern brandenburgifchen Herren auf dem Saal erfchienen, und ohngefähres Schrift vor dem Throne auf die Knie niederfielen, wiederaufftunden, etliche Schritte fortgin⸗ gen und ein gleiches thaten, da Ihro Königl. Majeftär die Hand an die. Crone legten, umd fich etwas neigten. Der Bifchof, der Fürft von Anhalt und die andern branden⸗ burgifchen Herren ftunden abermals auf, näherten ſich zum Königlichen Throne, und. knieten wiederum nieder. Der Bifhof von Lebus fing darauf an, erſtlich den Churs fuͤrſten Joachim, und dann ven Marggrafen Hans von Brandenburg ben Ihro Köoͤnigl. Majeftät, (wie die Worte lauten,) anzudingen, und um die Lehen zu werben ; Es wären nämlich Churfürft Joachim und Marggraf Dans von Brandenburg zus gegen, welche unterchänigft baͤten, Koͤnigl. Majeſtaͤt wolten ihnen die, fehen vom Heil, Römfchen Reich und ver Eron zu Behaimb rührend, ertheilen, fie wären; bereit, fol ches um Ihro Könige. Majeftät, das Heil. Nömifche Reich und die löbliche Cron Behaimb zu verſchulden, und zu bereitem und beftändigem Gehorfam und. Dienften ſich allezeit willig finden zu laſſen. Koͤnigl. Majeftäc redete auf -diefen Vortrag mit dem obriften Canzler, welcher denen brandenburgifchen Anwerbern die Antwort gab: Es waͤre Koͤnigl. Majeftär geneigt, dem Churfürften und dem -Marggrafen, wegen ih⸗ ver Treue nnd Dienfien.gegen Königl. Majeftät, das Heil, Nömifche Reich und die Cron Behaimb, und des gefchehenen fernern Exbietens, ihnen die geſuchte behen zu reichen, wo fie felbften Darum bieten wuͤrden. Auf ſolche erhaltene Antwort ſtun⸗ + | e®%; ; oe — den u u La ee, 1 0160; —* ui — — 35 — Biſchof, Fuͤrſt und Herren, auf, neigten ſich, traten den Saal ruͤck⸗ waͤrts auf die Weiſe mit knien, wie fie kommen waren, wieder. ab. ie binterbrachs ten alſo ihren Herren Obern die allergnädigfte Königl. Antwort und Befcheid: Welche denn unverzüglich fich auf ven Saal machten, und zwar der Churfuͤrſt Joachim zuerſt, und dann hinter ihm Dero Here Bruder Marggraf Hand. Im Hingang zu König. Majeſtaͤt haben die Fürften fich dreymal aufs tieffte geneiget, und auf ein Knie nieder⸗ ‚gefallen, alsbald aber wieder aufgeſtanden, und ſich zu dem Throne genaͤhert: und hat Koͤnigl. Majeftät bey dem andern Beugung der Fürften an die Cron gegriffen und fich geneiget. Churfürft Joachim fieng hierauf an, bey Könige: Majeftar um die Beleh—⸗ nung anzubalten, und verfprach feine allezeit gehorfame Dienfte, und ſich in allen als einen gefreuen fehenmann zu erweifen und aufzuführen. Der König Ferdinand wands te fich zum DBicecanzler ‚welcher auf. beyde Knie fiel, als der König mit ihm redete, und befahl ihm, dem Churfuͤrſten gnädigfte Antwort und Willfäprung feines: Anſu⸗ chens zu ertheilen, dem der Vicecanzler unverzuͤglich nachkam, und mit lauter Stim⸗ mie ſolches Churfuͤrſtliche Durchlauchtigkeit vermeldte. Der Churfuͤrſt ſtieg hierauf auf den Thron vor Koͤnigl. Majeſtaͤt, und der oberſte Marſchal Leonhard von Felß gab Ihro Koͤnigl. Majeſtaͤt das bloſſe Schwerd. Der Churfuͤrſt kniete nieder, und der Dicecanzler las die gewöhnliche tehns» Pflicht vor, welche der Churfuͤrſt mit aufgereck⸗ ten Fingern und einem Forperlichen Eyd der Treufeiftung ablegte. Als Dies gefchehen, reichte Koͤnigl. Majeftät ven Knopf des Schwerdts dar zu kuͤſſen, zum Zeichen der Ges walt des Königes Ken feine Lehenleute, die Frommen zu fihügen, und die Ungehorfas men zu ſtrafen: Solches that der Churfürft, Füffete den Knopf, bedanckte fich gegen Kbuigl. Majeftät vor die Gnade der Lehens / Reichung/ welche von dem heiligen Roͤ⸗ miſchen Reich und der Eron Behaimb ruͤhreten: und: traten mit Meigen wieder. von: dem Throne ab. Auf gleiche Weiſe brachte Marggraf Hans zu Brandenburg ſeine Bitte bey Koͤnigl. Majeſtaͤt an, und es erfolgete alles auf. vorerzaͤhlte Weiſe, wie bey feinem Herrn Bruder, alſo bey ihm. Wobey noch dies zu mercken, daß, wenn im Eyde Koͤnigl. Majeftät hoher Nahme vorfam, die Zürften das Haupt neigeten. Als die tehenss Handlung vollendet war, bat man wiederum angefangen zu trommeten und. zu paucken. Worauf Königl. Majeftät aufgeftanden, dem Churfürften Gluͤck gewuͤn⸗ fhet, und die Hand gereichet, wie auch Marggraf Hanfen. Alsdenn giengen die Herolde wieder voran, und trugen Königl. Majeftät Wapen vor, ingleichen wurden Die zwey Scepter, Reichs / Apffel und das Schwerd vorgetragen. Denen folgte Margs graf Hanf, alsvenn kam Ihro Majeftär ver König. Hinterfelden der Churfürft und endlich alle geiftliche und weltliche Herren: welche alle Ihro Majeſtaͤt in Dero Koͤnigl. Zimmer begleiteten, bald hernach ward die Tafel bereitet, zu derſelben geblafen und ſich geſetzet, und haben mit Ihro Koͤnigl. Majeftät fo wohl dev Churfürft als der Marge graf geſpeiſet. Mach aufgehobener Tafel haben fich der Churfürft und Marggraf wies derum im ihre Wohnung begeben. So wohl der Churfürft, als auch veflen Herr Bru⸗ der der a haben denen Herolden, Trommetern und andern des Koniges Bes & 2 dien⸗ 1538: 36 3 7h. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1538. dienten groſſe Geſchenke gethan. Worinnen die Canceley / Taxe beſtanden, finde ich nicht beſonders gemeldet. Es ſtehen aber in oft gedachter Machricht uͤberhaupt von der Erlegung in die koͤnigliche Canceley dieſe Worte: Vnd des Koͤniges Cantzeley hatt al⸗ fein vor je Gebühr bis in die drey tauſend Florenen fordern duͤrffen. Freytags haben ſich nochmals Churfuͤrſt Joachim und Marggraf Hanß zu Ihro Koͤnigl. Majeſtaͤt Ferdinanden auf das Schloß Ortenburg begeben, ſich bey Ihro Majeſtaͤt vor die geſchehene Belehnung bedancket, alsdenn beurlaubet und von Ihr Abſchied genommen Der Koͤnig Ferdinand brach Sonnabends des Morgens fruͤh zwiſchen zwey und drey Uhr halben Zeigers zu Budißin auf, und zogen bey für geführten Fackeln in Beglei⸗ tung eines Faͤhnlein Knechte derer Budißnier aus, auf Goͤrlitz zu, wofelbfifie auch zu Veſper eingelangten. Imgleichen machten fic) der Churfürft und der Marggraf mit ihrem bey fich habenden Volke auf den Weg, und Eehreten wieder nach Berlin und Euftrin.,, | Gon er nee : 4. 14. en Der hurfürft Zu Bauzen hatte der römifche König ven Churfuͤrſten um Huͤlfe gegen die Tuͤr⸗ — ken erſucht; Joachim 2 hatte auch verſprochen, alle Bewegungsgruͤnde denen Prote⸗ Andalfe, und ſtanten vorzulegen, Tuͤrkenhuͤlfe zu leiften. Ex ſchickte zu dem Ende den Euſtach denen prote yon Schlieben als Geſandten an Churſachſen, der ein Schreiben vom zten Junius eekpafen, De8 Inhoits mitbrachte: „Siegmund Rönigvon Polenund Johann von Zapolia habe feinem Hofe berichtet, daß die Türfen, nach der Eroberung der Stadt Dfen, aller groffen Anftalten nach, einen Einfall in Deutfchland im Sinne hätten. Der Groß⸗ herr habe folches felbft dem Woiwoden Johann von Zapolia befandt gemacht. Nun habe das ganze Reich fehon zu Joachims ı Zeit ven brandenburgifchen Hof erfucht, die vom Vorhaben ver Tuͤrken eingezogene Nachrichten feinen Mitſtaͤnden mitzutheifen. Ferdinand habe dem Ehurfürften ſelbſt zu verftehen gegeben, daß er gleichfals einen Einfall der Türfen befürchte. Es koͤnte folchen in denen: fruchtbaren Ländern Maͤh⸗ ren und Schlefien nichts aufhalten, wo nur Breslau und Liegniß beveftiget wären. Er habe zwar Hülfe zugeſagt. Aber die Gefahr feyzugroß, wofern nicht ganz Deutſch⸗ land auf dem Reichstage folche fehfeunig bewillige, und alle feine innere Streitigfeiten beilege. Ferdinand hätte auf brandenburgifche Vorſtellung auch fich fehr geneigt: bezeigt, alles beizutragen, daß in Deutfchland ein ficherer Friede zum Stande kaͤme, und hätte verfprochen, diefe Sache dem Kaifer beftens zu empfehlen. Nur müftendie Proteftanten ihre Forderungen angeben. Er bäte daher, die fehmalfaldifchen Bun⸗ desgenoſſen möchten ihm felbige befandt machen. Er wolle alsdenn ven römifchen Koͤ⸗ nig bewegen, bey dem Kaifer ihr Berlangen zu unterftüßen, und fen wirklich alle Hof⸗ nung vorhanden, daß diefe Unterhandlung zum erwünfchten Ende fäme. Da Yerdis Hand. mic dem Woiwoden unter der Hand fich ausgefühnet, und ganz Ungarn alſo vereis niget fey; fo müffe man diefe Zeic nicht ungebraucht Iaffen, denen Türken Grenzen zu fegen. Er bäte daher, die Bundesgenoffen möchten fich alfo das Beſte ver Chriſtenheit zu Herzen gehen laffen.,„, Alles diefes unterſtuͤtzte der brandenburgifche Sefandte, | und er Churfuͤrſt Joachim 2, 0’ 37 and verficherte, daß, wen die Proteftanten zum Frieden geneigt wären, Joachim auch den Churfürften von der Malz bewegen wolle, hiezu mit zu wirfen. Der Chur fuͤrſt von Sachſen gab hiervon dem kLandgrafen von Heffen Nachricht, und beide ante worteren unſerm Joachim unter dem rzten Sun: Seine DVorfchläge wären fo wich⸗ . tig, daß man folche norhwendig denen Bundesgenoflen befandt machen müffen. We⸗ gem der dringenden Türfengefahr wolten fie Feine Zeit verlieren, vorläufig ihre Mei⸗ nung an den Tag zu legen. Die Gefahr fey freylich groß. Es würde ihnen aber zu verdenken ſeyn, wenn fie ihre Keiegsvölfer gegen die Türken abſchicken und fich ſelbſt indeffen der Gefahr ausfegen wolten, von ihren Nachbarn überfallen zu werden, und ehe fie vafür durch einen ehrlichen, wahren, dauerhaften und ungezweifelten Frieden verſichert wären. Sowol eines folchen Friedens, als einer fruchtbarlichen Tuͤrkenhuͤlfe wegen, muͤſte ein Reichstag gehalten werden, den der römifche König durch genugfam Bevollmächtigte halten laſſen koͤnte. Schiene auch diefes zu weitläufig, fo wolten die Proteſtanten zwar fich wol zum Beiftand gegen die Ungläubigen verftehen, wenn Fer⸗ dinand ihnen vom Kaifer einen dauerhaften und ungezweifelten Frieden, den die ca—⸗ tholiſchen Stände genehmigten, verfchafte. Sobald das Kammergericht feine Rechter haͤndel einftellen würde, fo folten ihre Kriegsvolfer aufbrechen. Solte der Kaifer in der Gefehtwindigfeit nicht alle roͤmiſcheatholiſche Stände zur Genehmigung bewegen koͤnnen, ſo muͤſte folches wenigftens von denen Herzogen Wilhelm und Ludwig von Baiern, Georg von Sachfen, denen Erzbifchdfen von Mainz, Coͤln, Trier, J Salzburg, Magdeburg und Bremen, und denen Biſchofen von Bamberg, Wuͤrz⸗ burg, Muͤnſter, Augſpurg und Aichſtaͤdt verſchaffet werden. Wäre ſolches nicht bald zu erhalten, ſo muͤſten der Kaiſer und der roͤmiſche Koͤnig dieſen Frieden in allen ihren Erblanden bekandt machen und daruͤber halten; wegen des Beitritts anderer Staͤn⸗ de ſich alle Muͤhe geben; niemals davon abgehen, und dieſerhalb ſowol, als wegen an⸗ derer Sachen, bald einen Neichstag halten. In dieſen Frieden muͤſten alle gegenwaͤr⸗ tige und fünftige ſchmalkaldiſche Bundesgenoffen in und auffer dem Neiche, fonderlich auch Dännemarf, eingefehloffen werden. Damit man aber wahrnaͤhme, daß es die Proteftanten ernftlich meinen, fo wolten fie eine Verſammlung den 2aſten Zul, zu Eiſenach haften, und den Churfürften Joachim ermahnen, ‚es dahin zu bringen, daß auf diefer Verſammlung ſich des Kaifers, des roͤmiſchen Königes, auch churpfälzis fche und churbrandenburgifche Sefandten einfinden möchten. ,, Die Proteftanten überfandten unferm Churfürften zugleich alle Schriften, die ihre Unterhandlungen mie dem Faiferlichen Geſandten, D. Held, betrafen. Der brandenburgifche Hof verlor feine Zeit, dem Ferdinando davon Nachricht zu geben, und zugleich felbigem anzulies gen, daß folcher ven Kaifer dazu vermöge, ehe derfelbe aus Italien nach Spanien abreife. Der Papft erfuhr ebenfals des Churfürften Bemuͤhung, umd fobte folche in einem Briefe vom sten Sul. an den Cardinal Alerander, weil er fich eben fo verdient, als fein Anherr Friedrich, mache, der, zu Beilegung der Streitigkeiten mit der boͤh⸗ miſchen Kirche, allen Fleiß angewendet. Raynaldus glaubt, daß der Papft ſchon | | E 3 damals 1538. 1538. 38 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. damals Joachims. Hang zur Kirchenverbeſſerung oemertc und ſich nur fo gut geſtellet, um ihn bey der roͤmiſchen Kirche zu erhalten. Auch der Churfuͤrſt von der Pfalz ward vom Joachim eingeladen, dieſer heilſamen Sach⸗ einen Frieden bewirken zu hel⸗ fen, ſich zu unterziehen. Der heidelbergiſche Hof erklaͤrete ſich/ daß die Proteftans lung der Proteſtanten zu Eiſenach beizuwohnen, wenn ſolches vor noͤthig gefunden werden ſoite. Joachim beſchickte daher ſolche durch den Adam von Trothe und den Euſtach von Schlieben. Sein Herr Bruder Marggraf Johann hatte feinen Kane / ler D. Eonrad vom Metſch ebenfals dahin abgefertiget, und ließ durch ſelbigen jetzt zum erſtenmal, als ein Bundesgenoſſe, Sig und Stimme nehmen. Er hatte Mitt⸗ wochs Exaudi den Bund unterſchrieben und beſiegelt. Die churfuͤrſtlichen Geſandten ten ſelbſt ihn zwar hierum nicht erſucht; doch wolle er ſich nicht entziehen, der Berſamm⸗ jeigten, was ihr Herr bisher gethan, und verlangten, daß die Proteſtanten den Chur⸗ fuͤrſten von der Pfalz erſuchen ſolten, ſich als Mittelsperſon ‚brauchen zu laſſen, und eine anderweitige Verſammlung anſtellen möchten, damit in der Zeit des Kaiſers Ger nehmigung einlaufen koͤnte; ſie moͤchten fo viel nachgeben, als es, ohne das Ge⸗ wiſſen zu verlegen, ſich thun lieſſez Ferdinand werde ſich ebenfals, den Frieden zum Stande zu bringen, alle Muͤhe geben, und ſelbſt der Kaiſer ſey hierzu nicht abge⸗ neigt. Es antworteten die ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen dem Ehurfürften unter dem sten Auguſt: „wie fie zum Frieden fehr geneigt wären, wenn nur der Kaifer zu denen Friedensunterhandlungen: Befehl erteilen würde. Ohnerachtet Churpfalznicht abgeneige feyn würde, ungebeten feine guten Dienfte anzuwenden, ‚oder auch einem dahin zielenden Auftrage ſich gemäß zu verhalten; fo wolten fie doch auch, beyifmdarum! anhalten, auch ſofort zu denen Unterhandlungen eine neue Berfammlung mit Borwiffen der Churfürften von Pfalz und Brandenburg anfegen, fobald nur der Kaifer ſolches verlangen werde. ,,. ‘Der heidelbergifche Hof erbot den 23ſten Auguſt fich ſelbſt bey \ den Proteftanten, mit Zusiehung des berlinifehen ‚am Frieden arbeiten zu helfen Joachim gab von allem dieſem dem xoͤmiſchen Könige durch feinen Gefandten, Jacob Schilling Hauptmann zu Saarmund, Nachricht: - Ferdinand brachte es bey dem: Kaifer wirklich dahin, ‚daß Carl 5 in.einem Schreiben aus: Toledo vom :22ften Nov,’ an unſern Ehurfürften Joachim bezeugte: „es fen ihm lieb, daß er nebft Ludivigvon) der Pfalz ſich des Mittleramts unterzogen, und er —* nichts eifriger, als eine zu wiſſen, ſich ſtellte; fo habe er doch den Lundenſchen Erzbiſchf Johann von Weſel und den D. Held befehliget, und ſeinen Bruder erſucht, eine Zeit zu den Unterhand⸗ lungen anzuſetzen. Er erſuchte den Churfuͤrſten ſamt Pfalz ſelbſt, oder durch Ges; Religionsvereinigung zu ſehen. Ob er nun wol die Vorſchlaͤge der Proteſtanten nicht ſandte, ſolchen beizuwohnen, und alles anzuwenden, daß der Friede gemacht, und eine» Tuͤrkenhuͤlfe bewilliget werde. Der Churfuͤrſt wuͤrde ihn nebſt Pfalz entſchuldigen, daß er fie nicht ordentlich in ſeinem Namenbevollmächrige, weil ſolches aus keinem Mangel des Zutrauens, fondern aus andern wichtigen Urfachen und zu ihrem — geſchehen ſey. . In der That aber war es dem Kaiſer Fein rechter Ernſt; und Sons chim u 4 a ER Et —— Ra eng ze — * Ka) „>> i v2 —— *2 x 2 EN DB A en et ee er EZ ENENEEE Tl en SE, —— EN > zur Zoch ag: 39 chim war ihm in der ve Sefigion; fo wie dem Papft, weit zu verdächtig, obgleich der le 1538, teve fich ftellte, als wenn er glaubte, daß der Churfürft eben den Eifer vor die roͤmi⸗ ſche Kirche beibehalten würde, den fein Herr Vater bewiefen. Cr ftellte fich aber nur for damit er-unfern —** — * moͤchte, ſich öffenefich zur — —— befennen bh). \; | NN a —— "Dann es war — die Rede, daß der Churfuͤrſt ſch bey —— Sein verhal⸗ "ale Kirchenordnung, des Raths Philippi Melanchthons bediene. Ge ng gen den Luther hatte der Churfürft einigen Widerwillen gefaßt, weil verfelbe, feiner ‚etigionsver; ſchon vor zwey Jahren geſchehenen Abmahnung unerachtet, ſich ſehr harter und gegen wandten, regierende Herren unſchicklicher Ausdruͤcke gegen ſeinen Vetter den Churfuͤrſten von Mainz bedienet, worüber er ſich auch, fo wie alle übrige Prinzen des brandenburgis a en Haufes, bey Sachfen beſchwerete, und, Luthern Einhalt zu thun, verlangte. elanchthon aber Fonte gegen den Churfürften von Sachfen nicht leugnen, daß er mie Joachim gefprochen, und daß ihm der Entwurf einer Kirchenordnung, den der churfuͤrſtliche Beichtvater aufgefest, vorgelegt fey. Er habe aber darin viel unrichtis ges gefunden. - Syoachim habe ſelbſt fehon manches darin durch) eigenhändige an ven Rand gefehriebene Anmerkungen verbeffert. Sonderlich habe der Verfaſſer, in ver $chre von der Rechtfertigung, des rechten Weges verfehlet. Dieferhalb habe er dem Joachim gerathen, dieſen Entwurf zu unterdruͤcken, und feinen kandftänden muͤndlich vorzutragen, daß er die Predigt des Evangelii und den rechten Gebrauch der Sacra⸗ menten öffentlich verftatten wolle. Wenn der Ehurfürft die Meffe nicht abſchaffen wolle; ſo moͤchte er nur erlauben, daß deren Ungrund öffentlich auf der Kanzel vorgetragen werden dürfe: und wenn er Bedenfen habe, die Priefterehe zu verſtatten; fo möchteer es nur Feinem Geiftlichen verwehren, in den Stand der Ehe zu treten.,,„ Mielanche e- -thon urrheilete, in einem Schreiben an Juſtum 3 Jonam, von dem Religionszuſtan⸗ Pe * de in der Marf ganz richtig: „die Einwohner harten nach der Kirchenverbefferung ein: groffes Verlangen; ein guter Theil des brandenburgifchen Adels fehne fich darnach, ‚und der Churfürft felbft fey dazu geneigt; der fehr vernünftig uetheife ‚ und feinen Uns terthanen alle Hofnung zu einer Kirchenverbeſſerung gebe. Nur lege die groſſe Anzahl der Pfaffen noch Hinderniſſe in den Weg, welche ungelehrt, närrifih, bochmüchig, halsſtarrig und von ihrer Weisheit und Lehre über alle Maaſſe eingenommen wären, und mit ft und Gewalt der Wahrheit wiverftrebten, „Aus diefem allen ergiebt fich, daß Churfuͤrſt Joachim die Nothwendigkeit einer Kirchenverbeſſerung vollkommen eingeſe⸗ hen, daß er auch die Wahrheit vieler lehren, die Luther ans licht gezogen, erkannt, daß er aber von der Wahrheit einiger andern noch nicht uͤberzeugt geweſen, und in Sas chen „welche ven‘ Grund des Glaubens nicht betreffen, ſich ohne Noth von der bisheri⸗ J gen herrſchenden Minung nicht entfernen wollen. Er wolte daher behutſam verfahren, aber — keinen neuen ie RN wenn er den andern verlieffe, J— * 5 Seckendorf Hiſt. Lusber, 40 3 Th. 6 Hauptft- Neuere Gefthichte son Brandenburg. 1538. ſondern erft von der Nothwendigkeit der Veränderung eines jeden Stücks gruͤndlich überzeuge fern. Sein eigener Neligionszuftand war daher fo vortreflich, als möglich. Zugleich aber iſt nicht zu leugnen, daß er etwas Furchtfamfeit verrieth, durch völlige Annehmung der Kirchenverbeflerung und des augfpurgifchen Glaubensbefänrniffes ven Zorn des Kaifers zu reißen, den er doch gegen die Proteftanten zu mildern fich alle Mühe gab. Er fuchte noch) immer die öffentliche Ruhe zwifchen beiverfeitigen Glau⸗ - benögenoffen zu erhalten, und alle Schritte waren ihm entgegen, welche, um folche zu entfernen, gemacht wurden, Er bezeigte daher mehr ala einmal. fchriftlich fein Miss j fallen über das harte Betragen des Kammergerichts gegen die Proteftanten, fonde /⸗ fich da ſolches die Stade Minden mic der Reichsacht belegte; und benachrichtige ud die Proteſtanten, daß. der römische König ſolche eben fo wenig billige. Vielwenige war er mit dem Anſuchen des D. Helds zufrieden, der nach) Berlin Fam, und ihn in ‚ein Buͤndniß gegen die Pryteftanten zu ziehen füchte, da folches dem übernommenen Mictleramt zwifchen beiden Theilen ohnedies gerades Weges entgegenlief. Erbefhihe vielmehr die Zufammenfunft der Proteftanten zu Gelnhaufen, und brachte esduch unabläßige Bemuͤhung fo weit, daß eine Zuſammenkunft nach Frankfurt am Main beliebt wurde, um unter feiner und churpfälzifcher Vermittelung die Bedingungen auszumachen, unter welchen die öffentliche Ruhe zwiſchen Proteftanten und Roͤmiſch⸗ catholifchen veftgeftellet werden koͤnte. Die erfteren erfuchten ihn daher, auch bey dem römifchen König es dahin zu bringen, daß folcher durch ven Kaifer dem Herzoge von Braunſchweig unterfage,_gegen die Stadt Goslar die Kammergerichtsbefehle | mit Gewalt durchzuſetzen, weil fie fich ſonſt bemüßiget fanden, dieſer bedrängten | Stadt fi) anzunehmen. Ä ; a Heiliger bund. Jedoch wären des Churfürften eifrige Bemühungen durch den fogenannten heilis gen Bund, der zu Nuͤrnberg gefchloffen ward, beinahe unnig gemacht worden. Es— hatten folchen, auf Anftiften des Vicekanzlers D. Helds, die Erzbifchdfe, von Magdes burg und Salzburg, und die Herzoge Wilhelm und Ludwig von Baiern, Georg von Sachfen und Eric) und Henrich von Braunſchweig , folglich die eifrigften Ca⸗ tholifen, auf eilf Jahre gefehloffen. Der: gefhloffene fehmalfaldifche Bund, ver, ohnerachtet des letztern nürnbergifchen Neligionsfriedens, zum Stande gefommen, mufte den Vorwand hiezu abgeben. Die Catholiken befchloffen öffentlich, aus Beiforge einiger Unruhen, zu Exhaltung des bemelderen Friedens und der Neichsabfchiede fic zu vereis nigen; fich einander wider alle Anfälle beyzuftehen , und fich bey ihrer Religion, Ges bräuchen und geiftfichen Gütern, bis zu einer Kirchenverfammlung, zu erhalten; jedoch die Proteftanten Feinesweges feindlich, oder dem Neligionsfrieden entgegen, zubehans deln. Es Fam aber bald ans Licht, daß diefer Bund zu Unterdrückung der Prote⸗ fianten gefchloffen ſey. Es Hatte der Landgraf von Helfen einen Geheimfchreiber, der ſich anfänglich vor einen hurbrandenburgifchen Hofbedienten ausgegeben, aufgefan⸗ gen, und war hiedurch hinter die Wahrheit gefommen, Er: berichtete folches auch uns fern Churfürften. Die Beiforge ver Proteftanten war um fogröffer, da der-Kaifer, - unter Churfünft Zoadhin DI gr unter bes Papfts Bermirtefung, mie Frankreich einen Stillſtand auf gehn Jahr ges | 1538. a ee a ſchloſſen, und der Papft die Kirchenverfammlung auf bequemere Zeit verſchoben hatte. Da fie alfo ſchon zu Braunſchweig übereingefommen waren, ſich denen Rammerges richtsurtheilen zu widerfegen; fo befchloffen fie zu Zerbft, Gefandte nach Franfeeich zu ſchicken, um zu vernehmen, weſſen fie fich zu diefer Krone, auf den Fall eines Uns % grifs, zu verſehen hätten. Cs gefchahe ſolches eben zu der Zeit, da Franz und Kais fer Carl zu Aigues mortes eine Zuſammenkunft Hieften. Frankreich verfprach wirks lich, den Proteftanten beizuftehen. Weil aber ver Kaiſer noch nicht nach Deutſch⸗ land kommen Eonte, fondern nach Spanien abreifen mufte, die Tuͤrkengefahr auch Äberhand nahm; fo willigte er in die Unterhandlungen, welche, zu Beibehaltung des Friedens, zu Sranffurt angeftellet werden folten. Die Proteftanten blieben auch bey diefem Vorſatz, ohnerachtet zwifchen dem fandgrafen von Heffen und Herzog Hen⸗ rich von Braunſchweig bereits ein bitterer Briefwechſel angegangen war, auch zu Eras cow über einen Stillftand mic den Türfen und Buͤndniß gegen die Proteftanten ges Handelt wurde. Unſer Churfürft aber verhinderte deſſen Schluß dadurch, daß er feb nem Schwiegervater dem Könige von Polen Nachricht gab, wie er, durch feine Ver⸗ mittelung, den Frieden zu Sranffurt zu beveftigen verhofte 7). = 16 — Zooachim eitete daher um fo mehr, durch feine Vermittelung einem Ausbruch _ 1sa9. des Krieges vorzufommen, und befuchte die Frankfurter Zufammenfunft gleich mit Er vermittelt Zt RL 1 TR — eh ai Köhler ic den Sranffurs dem Anfange des ıszoften Jahres. Den 24ften Febr. giengen die Unrerhandlungen an, und .,, veligionds wach llee De, die fi) Die Ehutfürften von Pfalz und Brandenburg gegeben, Fans fieen R endlich den roten April A) zum Friedensſchluß. Nach deinfelben ſolte zwiſchen dem Kaifer ' amd den fihmalfaldifchen Bundesverwandten altes ruhig bfeiben ; Fein Theif gegen ven andern in den folgenden 15 Monaten etwas feindliches unternehmen; in folcher Zeit fol N ten bie Kammetgerichtsrechtshändel gegen Die Proteftanten aufhören; Fein Theil folte mehrere Bundesgenoffen annehmen; der nuͤrnbergiſche 1532 gefchloffene Religionsfrie⸗ den fofte indeß bey Kräften bleiben; man folte ein Neligionsgefchpräch zu Nürnberg Halten, don ſolchem aber alle päpftfiche Geſandte ausgeſchloſſen ſeyn; die Fatferliche Ges nehmigung dieſes Friedens folte innerhalb ſechs Monaten erfolgen, und im Entftehungs- ; fall Doch alles auf dem Fuß des nuͤrnbergiſchen Religionsfriedens verbleiben; endlich ſplten die Proteſtanten bey dem Tuͤrkenkriege das ihrige thun. Dieſer Friede ward unterfehrieben, und die Churfuͤrſten von Pfalz und Brandenburg lieſſen, als Mit der, gleich nach dem Faiferlichen Geſandten, noch vor Sachſen, ſolchen beſiegeln. Bey dem allen zeigte dieſer Friede nicht die erwuͤnſchten Folgen. Der Churfuͤrſt Warum fot von Sachſen hatte, wegen nicht gehaltenen cadanſchen Vergleichs, den Ferdinand * ohne fol für feinen rümifchen König erfennen wollen. Das verabredete Nefigionsgefpräch Hatte N BIN R: feis D) Setkendorf Hift. Luther. L. 3 fe. 19 9.73 p. 230. K) Der Friede ſteht im Hortleder vom deutſchen Kriege. hr ’ r P. allg. preuß, Geſch. 3Th. ER 42 3 Th. 6 Hauptſi Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1539. feinen Fortgang. Der Katfer wolte den gefchloffenen Frieden nicht genehmigen, Er entfepulsigte fich in einem Schreiben an unfern Churfuͤrſten aus Madrit vom sten Zul. worin er ihm für feine angewandte Bemuͤhung dankte, damit, daß feine Gemalin JIſa⸗ bella geftorben , und er jegt mit andern Gefchäften überhäufe fey. Der Erzbiſchof von Lunden folte, als Faiferlicher Gefandter, Carls Meinung erdfnen. Eben dies mel: dete ver roͤmiſche König unferm Churfürften. - Der Gefandte kam im Herbft nach Deutfchland, brachte aber Feine Beſtaͤtigung mit. Er ließ vielmehr an das Capitel zu Bremen einen Befehl ergehen, dem heiligen Bunde beizutreten. Das Kammer⸗ gericht fuhr mit feinen Rechtshaͤndeln, inſonderheit wider die Stadt Minden, fort: Endlich kamen noch andere Dinge dazu, welche Die Gemuͤther erbitterten. Hieher ge⸗ Höret fonderlich der Todesfall Herzog. Georgs von Sachſen, des eifrigften Catholis fen und eines der vornchmften Glieder. des heiligen Bundes. Es hatte folcher zwar ſei⸗ nen Bruder Herzog Henrich, dem es ohnedies von Nechtswegen gehörete, zum Erben der fächfifhen tänder ver albertinifchen Linie eingefegt, aber doc unter der Bevingung, wenn folcher in der Religion alles beim Alten laſſen wolle. Im entgegen ſtehenden Fall ſolte der Kaiſer und der roͤmiſche König fo lange die Laͤnder im Beſitz behalten, bis Her⸗ zog Henrich oder ſeine Erben ſich zur Veſthaltung dieſer Bedingung verſtehen wuͤrden. Herzog Henrich ſchlug dieſe Bedingung, zu der ihn ſein Bruder ohnedies von Rechts⸗ wegen nicht verbinden konte, wirklich aus. ‚Ehe aber Henrichs Antwort dem Herzog Georg noch bekandt geworden, gieng dieſer mit Tode ab. Henrich nahm ſofort die ihm zuſtehenden kaͤnder in Beſitz, und fuͤhrete darin wirklich, mit Huͤlfe des Churfuůr⸗ ſten von Sachſen, die Kirchenverbeſſerung durchgehends ein. Joachim misfiel zwar der Rath des churſaͤchſiſchen Hofes, den letzten Willen Herzog Georgs in Zweifel zu ziehen, ob er wol einfahe, daß folcher gegen das Erbgangsrecht, und auch gegen die Erbvereinigung und Exbverbrüderung, dem Haufe Deflerreich Fein Recht verfchaffen fonte, die Länder der albertinifchen linie in Befig zu nehmen, wenn Herzog Henrich in der Religion etwas ändern würde. Indeſſen fehmerzte es die Catholiken unges i | Pi A * » E; “ 4: mein, daß fo anfepnliche Gegenden an Proteftanten Famen. Ihr Bervrugaberward = gar, fehr vermehret, als bald darauf ſich auch Brandenburg zur evangeliſchen tehre bekannte D.. gro opt Ecdhe ich aber von der Einfuͤhrung der Kirchenversefferung in ‚ber Mark Bran⸗ verbräderung. denburg fpreche, will ich nur noch zuvor gedenfen, daß Herzog Friedrich ! von Liegnitz ® in feinem feßten Willen, den er in diefem Jahre errichtete, verordnet m), daß die mit Ehurbrandenburg errichtete Erbverbruͤderung von feinen Söhnen und derſelben teibes tehnserben für und für, von ee zu Wort, zu — Be ae ann werden ſolle. a Me | KERRTE Deschufüe Nunmehro find wir bis zu dem merfwärdigen Zeitpunkt gefommen, in welchen n urfachen, , WERE ci — — ie —— nicht nur der Landesgottesdienſt, ſondern mit demſelben ſich zugleich der ganze Zuſtand D Seckendorf, - Sleidanns. m) Thebefi Annal, Lign..ad hi a. pi 40, der Churfuͤrſt Joachim 2. dr 43 x Bir Mark Brandenburg, r geändert hat; da die Wiffenfchaften ein anderes Anfe - 1539: hen gewonnen, die Sitten verbeffere, der Verſtand der gemeinften Einwohner aufge: tiſchen kirche ‚heitert, die Künfte und alle Arten der Handarbeitenin die Höhe gefommen, die fan,d" tkreten. deseinkuͤnfte vermehret, und die Macht des Staats erweitert worden. Denn alle diefe Folgen Hat nach und nach die eingeführte Kirchenverbefferung nach fich gezogen, teelche Ehurfürft Joachim 2 in diefem Jahre in feinem ande einführere. Wir wollen aber zuerſt von denen Triebfedern fprechen, die ihn hiezu gebracht. Sein Grund war fein War nicht N.» F bloſſer Hang zu Neuerungen. Dieſer war feinen Gemuͤthsneigungen ganz’ entgegen. hr; zu Er war mehr, als ſonſt ein Prinz, vor die Beibehaltung des Alten geneigt; und ſelbſt = bey der Einführung der Lehren des augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniſſes behielt er die —— Gebraͤuche, ſo viel moͤglich, bey. | Es geſchahe folches nach einer —— reifen Ueberlegung. Er ward niche Nicht eingar * einen bloſſen Anſchein des Guten uͤberraſcht, ſondern er hatte, theils vor, theils zu geſchwinder nach Antritt ſeiner Regierung, ſich Zeit genug genommen, alles zu prüfen, und, nach⸗ epfall. dem erſt ſolches geſchehen, einen Entſchluß zu faſſen. War jemand in ven Begriffen der roͤmiſchen Kirche wohl unterrichtet und eifrig erzogen; fo war gewiß unfer Chur⸗ a tn Sea — — x — — I .. faͤrſt dahin zu rechnen. Sein Vater, ver öfrigfte catholifche Prinz, und deffen Bru⸗ der Cardinal Albrecht, einer ver gelehrreften Geiftlichen feiner Kirchen, hatten ihm, bey angegangenen Roligionsſtreitigkeiten, keinen einzigen Grund verhehfet, womit die ehemals herrſchende Kirche unterftüßt, und gegen die vorgetragene Befchuldigungen der Kirchenverbefferer vertheidiget werden Fonte Man ließ Fein Mittel unverfucht, ihn zu Beibehaltung der rümifchen Kirche zu bewegen, wobeyman nebft den Gründen, die man ſeinem Verſtande vorlegte, auch andere brauchte, die auf den Willen diefes Prinzen vorzüglich wirfen Fonten. Sein Here Vater bezeigte fich gegen die Prote⸗ ſtoanten ausnehmend ftrenge, und verjchonte feiner eigenen Gemalin nicht, um feinem: — Prinzen zu zeigen , was er zu befürchten Habe, wenn er fich eine Zuneigung vor das verhaſte kutherthum merken lieſſe. Er fürchte ihn Durch einen Eid davon abzuhalten, der ihn zu allem vermocht haben würde, was nur nicht gegen feine Einfichten und gegen. fein Gewiflen Tief. Nach angetretener Regierung fuchten feine beiden Schwiegerväter, der Herzog Georg von Sachſen und der König von Polen Siegmund, eben fowie fein Better der Cardinal Albrecht, ihm alles lebhaft vorzuftellen, was ihn bey der rbmiſchen Kirche beveftigen koͤnte. Es vereinigten fich alfo folche Perfonen, die in ſei⸗ nen Yugen die verehrungswuͤrdigſten zu nennen, und fie wiederholten dieſe Borftelluns gen öfters, und vergaffen nichts, wodurch der befte Redner feine Zuhoͤrer überreden, J wo nicht uͤberzeugen kann. Georg hatte noch kurz vor ſeinem Tode in einem Schrei⸗ ben, deſſen Inhalt Leuthinger angefuͤhret, alles hieher gehörige erſchoͤpfft. Er ers mahnete ihn, die unſichere und verachtungswuͤrdige Reformation, welche von frommen und klugen leuten verabſcheuet werde, der altvaͤterlichen Religion nicht vorzuziehen. Er babe wol am wenigften. zu der Zeit, da er feine Prinzegin an ihn vermaͤlet, fich einge * * er faͤhig ſey, ſein durchlauchtiges Haus ſo zu beflecken, oder ſeinem Schwie⸗ F52 | ger⸗ 1559. 44 3%. 6 Hauptft: Neuere Geſchichte son Brandenburg. gervater einen folchen Gram zu verurfachen. Er habe ſich immer von ihm das Beſte vorgeſtellt, und ſey über alles, was der Churfuͤrſt bisher gethan, hocherfreut geweſen. Beſonders habe ſeine erhabene Wuͤrde Georgio immer die groͤſte Hofnung gemacht, daß dadurch der Zwieſpalt der Kirche auf eine geſchickte und nutzbare Art gehoben wer⸗ den wuͤrde. Dieſe Bemuͤhung mache feinen Vetter den Cardinal Albrecht bey der ganzen Welt berühmt; und eben das habe er vom Ippachim vermuthet. Es beccäße ihn ausnehmend, daß feine gefaßte Hofnung fehlzuſchlagen ſchiene, ſo wie ſolche Georgs übrige naͤchſte Verwandte ebenfals vereitelt haͤtten. Vom Herzoge fer; keine Religions⸗ veraͤnderung zu vermuthen. Er wuͤrde, fo lange er beben und fand und Leute behielte, bei der altvaͤterlichen fo viele Jahrhunderte beibehaltenen Religion, die Papſt, Kaiſer, roͤmiſcher König und die vornehmſten europaͤiſchen Monarchen ſich gefallen lieſſen, verharren. Der Churfuͤrſt würde ebenfals dabey ſicherer gehen, als wenn er, durch ungewiſſenhafte Abweichung, Gott, den Kaiſer, und alle Wohlgeſinnte zum Unwillen reitzen werde. Es waͤre zwar zu loben, daß der Churfuͤrſt nicht in der Zuſammenver⸗ ſchwoͤrung derer mit begriffen ſey, die nicht Glauben gehalten; doch bedaure er, daß ihm ſolche tehren gefielen, welche beinahe die groͤbſte Ketzerey zu nennen. Wie ihm num des Churfürften Wohl und Ehre zu Herzen gehe; ſo bäte er, fo hoch er Fünne, eine Kirche, Die fein Vater vor recht gehalten, nicht zu verlaſſen, und ſeinen Vater in der Erde dadurch nicht zu verdammen, ſondern ſolche als ein theures Pfand, das ihm ſein Vater hinterlaſſen, beizubehalten. Hiedurch wuͤrde der Churfuͤrſt dem Willen Gottes gemaͤß handeln, den letzten Willen ſeines Vaters erfuͤllen, und dem Kaiſer und roͤmi⸗ ſchen Könige, deren Freundſchaft dem Churfuͤrſten ſehr am Herzen laͤge, einen Gefal⸗ len erweiſen. Hiedurch wuͤrde er Gelegenheit finden, ſeine Staaten zu erweitern, und feine Lande mit gutem Gewiſſen in guter Ruhe zu behalten. Dem Herzoge koͤnte durch nichts mehr Freude gemacht werden, der dagegen auf ſeiner Seite gern ſich und ſein ganz Vermögen dem Churfuͤrſten aufopfern wolle. „Der Cardinal Albrecht und der König von Polen brauchten gleiche Leberredungsmittel, nur daß der erftere noch übers dies anführete, wie der Kaifer durch den Cardinal diefe Vorftellung thue, und daß der legtere insbefondere anführte, wie ihn die Seligkeit feiner Tochter befonders antreibe, entweder den Churfürften von der Neligionsveränderung abzuhalten, oder wenigſtens zu bewegen, den Ausſpruch der Kirchenverfammlung abzuwarten. Allein alle dieſe Vor⸗ ſtellungen waren gegen die Gruͤnde, die Joachim 2 zur Einfügrung der. Korhemerß ſerung hatte, unkraͤftig. | Nicht Luthers Eben fo wenig war Luthers Perfon und Anſehen dasjenige, was den — anſehen. zu Annehmung der Hauptlehren brachte, die Luther vertheidigte. Der Churfuͤrſt war eben zu der Zeit am wenigſten mit der Auffuͤhrung diefes Gottesgelehrten zufrieden, als er zur proteftantifchen Kirche trat. Syoachim Hatte fehon oft deffen harte, Ausdrücke: gegen ven Cardinal Albrecht gemisbilliger, und fich fogar Darüber beſchweret. Jetzt hatte aber Luther, ohne Nückjicht der churfürfttichen Ermahnungen, feinen Eifer fich verleiten laſſen, einen unftreitigen Fehltritt zu thun. Der Eardinal hatte vor kurzem ſei⸗ ü LE re EN ne Zn ⸗ De BL 2er A ne Churfuͤrſt Joachim 2. 45 finen, ‚Kämmerer En Schenitz, wegen beſchuldigter Untreue, ‚ohne borbergegan- 1539. J genen langwierigen Rechtshandel, aufhaͤngen und deſſen Guͤter einziehen laſſen. Su bieſe der Religion nichts angehende Sache hatte ſich Luther gemiſchet, und gegen * Cardinal eine Schrift in ſehr unehrerbietigen Ausdruͤcken ans licht treten laffen. un wohin dem Eingange derfelben enthalten war, daß Luther gegen das — — giſche Haus alle moͤgliche Ehrfurcht hege; ſo enthielt doch wirklich die Abhandlung ſelbſt einen Widerſpruch dieſer Erklaͤrung in ſich. Unſer Churfuͤrſt fowol, als die ſaͤmtlichen Verwandten des Cardinals, beſchwereten ſich alſo uͤber Luthers unbedachtſames hitziges Verfahren, und da der churſaͤchſiſche Hof ſolches ſelbſt nicht billigen konte, brachten die Klagen des brandenburgiſchen Hauſes ſo viel zuwege, daß dem Luther verboten wurde, etwas, ſo die Religion nicht betreffe, ohne vorhergehende Erlaubniß des Ho⸗ fes zu ſchreiben. Selbſt in der Kirchenverbeſſerung folgte der Churfuͤrſt in man⸗ chen — ſeinen eigenen Einſichten, nicht aber durchgehends denen Borfchlägen des = Dem ohnerachtet aber ließ ſich Joachim 2: auch durch die Schwachheiten Lutheri he abHalten, feines ehren ‚gründlich zu unterfuchen, alles zu prüfen, und dasjenige zu behalten, was er gut fand: Eben fo wenig war das Anfehen des Me⸗ lanchthons, oder Vicelii, nach Cochlai Meinung, an der Kirchenverbeſſerung der Mark ſchuld, obgleich der Churfürft fonft vieles auf fie hielt. Niemals kann aber die Befchuldigung , die unferm Herrn der Vater Manbug Nicht das ver⸗ vorwirft, und / die aus ſolchem Ehytraͤus nachſaget, erwieſen werden. Er ſagt, der ſprechen der Churfuͤrſt habe anſehnliche Schulden gehabt. Die Staͤnde haͤtten, ſolche zu tilgen, — unter der Bedingung ſich erboten, wenn Joachim 2 die proteſtantiſche Lehre einführ zapteı. zen wolle. Diefes habe ihn wirklich dazu beftimmt. Allein ver Vater Maimburg hat darin feine Unwiſſenheit oder Parteilichkeit verrathen. Daß der Cardinal Albrecht, den er bis in den Himmel erhebt, vor Geld zu Calbe und. Halle die freie Religionss Übung denen Ptoteftanten erlaube, iſt nicht zu feugnen. Daß aber Churfürft Joa⸗ him diefen Bernegungsgrund gehabt, laͤſſet fich mit nichts darthun. Wir wollen gleich: erweiſen, daß in diefer ganzen Sache feine Schritte fehr bevächtlich eingerichtet gewefen, und es ihm viel Kampf gefofter, cheer zum wirklichen Beitritt zur evangelijchen Kir he ſich beſtimmen konte. Es ift mir noch nicht bekandt, daß zu diefer Zeit ein Land⸗ aag gehalten fen, wielmeniger, daß ihm von Den Staͤuden eine Erflärung diefer Art ge⸗ ſchehen ſey. Nachmals werden wir finden, daß der Churfuͤrſt die Staͤnde zu Rathe 309, nicht aber vorher. Wenn er feine Religion nach weltlichen Vortheilen abmeſſen ! wolte ; fo mufte ex bey ber roͤmiſchen Kirche bleiben. Dies ftellte ihin Herzog Georg deutlich vor, fo wie man ihm im Gegentheil alle Gefahr und den nachdruͤcklichen Scha⸗ den zeigte, dem: er ſich, Durch Beitritt zur proteftantifchen Kirche, blosftelle. Die Bezahlung derer fandesfchufden Tagen ohnedies denen Ständen aufs warum wolte er ſich folche mit einer Religion erfaufen, deren Nichtigfeit. er nicht eingefehen?. Konte er, im Neigerungsfall, die Stände durch den Beiftand der römifchen Mitglieder und des J — Hofes nicht noͤthigen, feine Schulden zu bezahlen? Hatten feine Schul 53 den Dee > neh 2 b os ' id P T * * — —— * —8 1539. 46 3% 6 Hauptſt. Neuere Geſhichten von Brandenburg. den wol ein Verhaͤltniß mit ganzen ändern, zu denen ihm Georg Hofnung gemacht | wenn er bey der altväterlichen Religion bliebe? Oder init dem Verluſt ver tand und w feute, ‚womit man damals’ die Proteſtanten bedrohete? Es fehlet dem Worgeden Maimburgs fogar alle innere Wahrſcheinlichkeit. Moch weniger‘ iſt Raynalds Be⸗ ſchuldigung gegründet, daß er blos lutheriſch geworden, um die Faſten nicht halten zu duͤrfen. Raynald wirft dieſes faſt allen Proteftanten ı vor, ‚und faft niemals weiß) er einen andern Grund von. der Neligionsveränderung der Proteftanten anzuführen, als die Freyheit, Fleiſch zu eſſen, oder, wie man die Worte: ad carnis licentiam Lutheranam, verſtehen kann: fleiſchlich geſinnet zu ſeyn. uns das hen - diefer Beſchuldigung entkraͤftet ſchon Raynalds Ungeben. Seine uͤber⸗ zeugung von der wahrheit ® der proteſtan⸗ tiſchen lehre war die wahre triebfeder. 8 Ye „Seine Ueberzeugung von der Wahrheit derer Schrfäge, — die Proteſtanten annahmen, brachte ihn einzig und allein zu Annehmung ihrer Religion, ſobald er alle Hofuung zu einer chriſtlichen Bereinigung verſchwinden ſahe. Er hatte ſchon in der Jugend von Luthern ſelbſt und von ſeiner Frau Mutter dasjenige gelernet, was man an der roͤmiſchen Kirche auszuſetzen faͤnde, und was man im Gegentheil vor wahr halte. Der einſichtsvolle Herr Vater konte ſelbſt die Rothwendigkeit einer Kirchenverbeſſerung nicht leugnen, nur glaubte ſolcher, daß dieſelbe auf einer Kirchenverſammlung, nicht aber durch einzelne Kirchenlehrer, geſchehen koͤnne, und daß dieſe letzteren unſtreitig zu weit giengen. Eben dieſe Meinung ward dem Gemuͤth des Joachims 2 eingepraͤget, fo daß er von Zeit zu Zeit auf eine Kirchenverfummlung hoffete, und die Proteftans $ tet immer erfuchte, fich nicht ohre Noch zu weit: von den: Roͤmiſchen zu trennen, ſondern vielmehr in ſolchen Stuͤcken nachzugeben, welche den Grund des Glaubens nicht betraͤfen. Dies war feine Meinung, als er ſeinem ſterbenden Herrn Vater angelobte⸗ ſich von der herrſchenden Kirche nicht zu trennen. Er blieb auch, aller erlangten Eins ſichten ohnerachtet, bey ſeinem Vorſatz, ſo lange er nur noch einen Schimmer der So nung haben Fonte, daß eine Kirchenverſammlung an eine chriſtliche Vereinigung und noͤthige Kirchenverbeſſerung denken wuͤrde. Er glaubte ſchuldig zu ſeyn, ohne die drin⸗ gendeſte Noth fein Land und Leute denen Gefahren nicht auszufegen, welche man den ⸗ jenigen zu bereiten ſchien, welche bey der Kirchenverbeſſerung voͤllig einzelnen Geiſtli⸗ chen folgten. Aus dieſem Grunde war ihm der Schritt feines Herrn Bruders nicht lieb, als folcher ſich oͤffentlich für die evangelifche Wahrheit, ohne länger eine Kirchen⸗ verfanmlung abzuwarten, erklaͤrete. Noch mehr aber misfiel. ihm deffen Berragen, als fich folder in den ſchmalkaldiſchen Bund begab, weil er folchen als eine Hinderniß einer chriftlichen Bereinigung anfahe, und richtig urtheilte, daß folches die Beſitzungen feines Heren Bruders in unglücliche Weiterungen ziehen würde, in welche auch. die! übrigen brandenburgifchen Staaten verwickelt werden koͤnten. Er trat daher fo wer nig dem fchmalfaldifchen als heiligen Bunde bey, welche nur einen Krieg zu veranlaſ⸗ fen fehienen. Er füchte zwar deren Ausbruch nach allen Kräften zu verhindern, und | gab fich alle Mühe, die Ruhe beider Kirchen zu re um — den Weg zu einer | chriſt⸗ A u EEE ED" Be 1 A - — — Äh —— — cchriſtlichen Vereinigung zu erleichtern. Er ließ ſich gefallen, daß man ſolches durch 1539. n Religionsgeſpraͤch verfüche, und es gelung ihm wirklich, zu Frankfurt erſt in die | ſem Jahre den Ausbruch) eines Kriegesfeuers aufzuhalten. Er hielt fi) noch damals parteilosy und ließ fich, wie der Churfürft von Sachfen ſchreibet, noch zu Frankfurt nicht Heraus, zu welcher Religion er fich Fünftig halten würde. Doch wolte er feinen Unterthanen bey dem allen nicht den Weg benehmen, ebenfals nach) Einfichten zu uns ttheilen. Gleich nach angetvetener Negierung hielt er es zu hart, Leute deswegen mit Srtrafen zu belegen, weil ſie in Neligionsfachen anders dachten, als es bisher Mode gewefen.; und die ihres Glaubens zu leben wuͤnſchten. Nach und nach gab er aud) de nenjenigen ſogar Erlaubniß, ewangelifche tchrer-zu berufen, die ihn darum erfüchten. Sonderlich konte ſich Berlin diefer churfuͤrſtlichen Gnade ruͤhmen, als fie den geweſe⸗ Sen Prediger von Arendswalde, Georg Buchholzer, zu ihrem Lehrer fich ausbaten, welcher am ısten Sonntage nach dem Feſte der Dreicinigfeit dieſes Jahres die erfte ev⸗ aangeliſche Predigt in der berlinifchen Domfirche ablegte, und darauf zum erſten evan⸗ geliſchen Drobft beftellet wurde: Allein endlich mufte alle Hofnung, fein Gewiffen auf andere Art, als durch Beitritt zur evangelifchen Kicche, zu beruhigen, wegfallen, da er Flar erkannte, daß man damit umgienge, Die Proteftanten zu unterdrücken, und lihre lehren, auch die beften darunter, zu verwerfen, nicht aber zu unterfuchen, und ſiich chriſtlich mic ihnen zu. vereinigen. Alle Hofnung einer Kirchenverſammlung, wo die Wahrheit ducchbrechen Fonte, ‚war weggefallen. Der Kaiſer beftätigte den ges ſchloſſenen Frankfurter Frieden fo wenig, daß er fowol, als die Roͤmiſcheatholiſchen Überhaupt) und. das Sammergericht insbefondere, ſolchem vielmehr öffentlich zuwider handelten. Es blieb ihm daher num nichts mehr übrig, als öffentlich an den Tag zu legen, worin. Die. Kirche einer Verbeſſerung nöchig habe, und in wie weit er mit andern Deoteftanten-isereinfimumeno fey. Er glaubte folches jetzt mit fo viel weniger Ges faͤhr thun zu koͤnnen, da der heilige Bund durch ven Tod des Herzogs Georg ein wich⸗ tiges Mitglied verloren ser ſelbſt durch die Lehnsempfahung und andere Verträge mit den roͤmiſchen Könige fich folchen zum Freunde und Beſchuͤtzer gemacht; überdies ſchon faßt alle Nachbarn diefe Lehre öffentlich eingeführet hatten; und der gröfte. Theil feiner ande und Unterthanen faft.ein allgemeines unwiderſtehliches Verlangen darnach bes —— $. 19. Der Churfuͤrſt hat feine Bemegungsgründe in einem Schreiben an den König Was er ſelbſt bon Polen ſelbſt bekandt gemacht. Siegmund war ſehr aufgebracht, daß ınan feis davon geſaget. ne Tochter verfuͤhre. Er.verlangte, daß diefe Berführer vom Churfürften ſo geftraft werden möchten, als die Herzoge Georg von Sachſen und Henrich von Brauns ſchweig zu thun gewohnt geweſen. Wofern ſolches der Churfuͤrſt nicht vor gur faͤnde, ſlte er die Kicchenverfammlung, welche Paul 3 auf Carls 5 Anſuchen bald ausſchrei⸗ ben würde, abwarten. Der König wolle ſelbſt alles mögliche beitragen, daß ſolche aufs ſchleunigſte gehalten werde, Hierauf antwortete Joachim im October diefes Jah⸗ res 1539. Pr: 3 %h. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. res durch ein Schreiben, welches uns Seckendorf aufbehalten, und wovon auch Leuthin⸗ ger einen Auszug geliefert hat. „Es wuͤſte der Churfuͤrſt,, ſchrieb er, „daß ver König nebfb andern Helvdentugenden auch Die befige, daß er fromm fey, und die Wahrheit fiebe. om chim nehme alfo feinen Anftand, ihm zu berichten, daß er, auf frommes Anrathen und in den Schranken, die einem chriſtlichen Fürften geſetzt find, diejenigen öffentlichen Gebrechen abzuändern worhabe, welche in denen Kirchen feines tandes anzutreffen waͤ⸗ von. Er fehe hieben fo wenig auf das Verlangen der Unterthanen, als auf die Bei⸗ ſpiele anderer, fondern glaube, daß es die Pflichten der Oberherren mic fid) bringen, die Kirchen in Aufficht, fonderlich-denn, zu behalten, went, bey entſtandenem Reli⸗ gionsziviefpalt, es vorzüglich nöthig fey, geſchickte Lehrer zu verordnen und u uͤberle⸗ gen ſey, daß das Anſehen des Gottesdienſtes und die Kirchenzucht auf die Hi aufrecht erhalten werden. In diefen Schranken habe er zu bleiben befehloffen, und Bu vorgefeßt, nichts gegen die Lehren der allgemeinen Kirche Ehrifti, von welchen ihn Feis ne Gewalt abbringen folle, anzunehmen ‚ auch dem Anfehen ver Bifchöfe ee ent⸗ ziehen. Dieſen Vorſatz habe er zwar bereits dem Könige in feinem vorigen abe gefaßten Schreiben berichtet; er erfehe aber aus der Antwort des Koͤniges, sie in ſol⸗ chen Ausdruͤcken abgefaſſet wäre, welche der Churfuͤrſt nicht vermuthet, daß man ſei⸗ nen vorigen Brief vielleicht härter —* wenigſtens die eigentliche Abſicht des Chur⸗ fürften nicht genau vorgetragen habe, Cr verehre den König mir kindlicher Ergebenheit und wuͤnſche aus diefer Urfache, daß auch in Polen, ſowol alle feine Fünftige Hand⸗ fungen als Nathfehläge, gut geheiſſen wuͤrden. Er wolle daher fich weitlaͤufiger erfläs ven, und ſich von dem Berdacht der Unbeftändigkeit und einer veränderten Denfungs art zu reinigen fuchen. Der König möchte alfo diefes Schreiben mit einerväterfichen Gefinnung durchlefen, und gewiß verfichert feyn, daß der Churfuͤrſt nie von den Pflich⸗ ten eines Sohnes abweichen werde. Joachim habe bisher allezeit die hoͤchſte ‚Ehre in der wahren Religion und In der Beſtaͤndigkeit eines wahren Gottesdienſtes geſucht. Das habe er ſich fo veſt eingeprägt, daß er alle Heuchelen verabſcheuet/ und bie Aus⸗ — uͤbung einer chriſtlichen Frömmigkeit vor unumgaͤnglich noͤthig gehalten. Er beklage daher zu mehrern malen die Gebrechen, welche theils ehemals, theils neuerlich, ſich in die Kirche eingeſchlichen, und wuͤnſche deren Verbeſſerung von ganzem Herzen. Daß fehon alte Gebrechen vorhanden, ſey gar nicht in Zweifel zu ziehen. Die alte Kirchen, zucht liege darnieder. Die erffaunende Nachlaͤßigkeit der Päpfte und Unwiſſenheit der Geiſtlichkeit habe vielem Aberglauben Thuͤr und Thor geoͤfnet. Auch die jetzigen Strei⸗ j tigfeiten hätten die Kirchen erſchuůttert. Bisher habe der Churfuͤrſt ſein Verhalten ſo eingerichtet, daß er weder die Misbraͤuche gut geheiffen, noch mit Grauſamkeit, wie folches wol von andern gefehehen, vertheidiget. Er *— aber auch den ſchwaͤrmeriſchen Neigungen in ſeinem Lande Einhalt gethan. Die Urſachen dieſes Verhaltens wären fo Billig, erheblich und gerecht, daß er feinen Entſchluß nicht Andern koͤnne. "Er ſehe, wie noͤthig es ſey, die Kirchenzucht wieder herzuſtellen/ und den Gemeinden rechtſchaf⸗ fene Lehrer vorzuſtellen. Er habe ſich dieſer Bemuͤhung unterzogen, damit auch der gemeine Te TE —— Fa Bu — TE le KoN % — — —— 8 > ER — bi 2* Sn Ehirfiſ Joachim 2. 49 — Mann in ce Zwiftigkeiten unterrichtet werde was er RS ober verwerfen foll. Er fuche fich aber dabey fo zu verhalten, daß, er weder von der allgemeinen Kirche Chriſti abweiche, ‚noch den Rechten ver Bifchöfe was vergebe. En- gere Schranken koͤnne er fich nicht fegen, wofern er nicht bekandte Gottloſigkeiten gut 1539. heiſſen und auf ungerechte Art grauſam ſeyn wolle. Beydes waͤren Dinge, die zwar mit der Heucheley, nie aber mit dem wahren Gottesdienſt beſtehen koͤnten. Dieſes Berhalten muͤſſe alſo nothwendig feine Beſtaͤndigkeit bey allen rechtſchaffenen und froms men Menfchen rechtfertigen. Niemals werde er von feinem Endzweck, den Lehren der allgemeinen Kirche Ehrifti zu folgen, abweichen. ‚Der König Habe ihm Beifpiele folcher Ger nachbarten Fürften vorgelegt, welche durchaus Feine Aenderungen verflatten wollen, Er habe ſelbſt fowol mit Georg von Sachfen, als mit Henrich von Braunſchweig, fich öfters vom ganzen Religionszuftande unterredet, und bey beiden ein Derlangen wahrgenommen, daß der Papft die Eintracht der Kirche auf billige Art beforgen und manche Misbräuche abfchaffen möchte. Der erftere hätte Furz vor feinem Tode diefers halb ſehr wichtige Unterhandlungen gepflogen. Er erkannte, daß feine Kirchen wüfte würden, "wenn er nicht eine ungerechte Graufamfeit ausüben wolle, dazu aber hätte er, als ein Gerechtigkeit. liebender Herr, Feinen Hang: Er fahe felöft ein, daß die vom Churfürften angeführten eingefchränften Aenderungen weder ein Abfall von der Kirche, nad) eine Abfonderung von den Vorfahren derfelben, am wenigften eine Ver⸗ leugnung des chriftlichen Namens zu nennen. Hieraus Fonne der König erfehen, tote der Ehurfürft allerdings die Urtheile und Beifpiele guter Fürften zu Rathe gezogen habe, Es gebe freilich, doch nur wenigere, ſtrengere Zürften, welche alle Gebrechen ohne Unters ſcheid, alle Irthuͤmer mit Feuer und Schwerdt unterftüßten. Doch diefen Beifpielen ‚Habe der Churfürft niemals: gefolget, und werde fich auch nie diefelben zur Richtſchnur nehmen. Nach ſeiner Meinung beſtehe die Uebereinſtimmung der Kirche nicht in einer Verſchwoͤrung, mit ungerechter Grauſamkeit zu wuͤten. Ob er alſo gleich einigen zu gelinde ſchiene, ſo habe er ſich dadurch doch weder von der Kirche, noch vom Chriſten⸗ thum uͤberhaupt, getrennet. Cr bekenne ſich zu den uͤbereinſtimmenden wahren $ehren der allgemeinen chriſtlichen Kirche, welche in der heiligen Schrift, in denen Schluͤſſen der aͤltern Kirchenverſammlungen, und in den Schriften rechtglaͤubiger Kirchenvaͤter enthalten find, Er verſpreche, ſich nach dem Ausſpruche einer Kirchenverſammlung zu richten, wenn ſolche auf gehoͤrige Art gehalten wuͤrde. Er werde ſich alle moͤgliche Muͤhe geben, in allen Stuͤcken die allgemeine Ruhe beizubehalten. Er biete alle feine Macht zu einem Buͤndniß an, das Ehriffenthum gegen die Ungläubigen zu vertheidi⸗ ‚gen, und, fo wie er bereits vormals perfünlich gegen die Tuͤrken zu Felde gegangen, . fo wolle er folches auch Fünftig, wenn es gefordert würde, thun. Er habe fich.folches ſo veſt vorgefeget, daß er niemals davon abweichen werde. Aus diefem Grunde hoffe er, der König werde fich die Meinung eines Schwiegerfohnes gefallen laſſen, der mit Gottes Hülfe die chriftliche Neligion liebe, die Eintracht der Chriftenheit wünfche, den Schlüffen der Kirchenverfammlungen beitrete, fehwärmerifche Meinungen, welche die P.allg. preuß. Gefch. 3 Th. 6G als 1539. * 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. allgemeine chriſtliche Kirche verdammt, von ganzem Herzen verabſcheue, und vor die Chriſtenheit willig zu Felde gehe; beſonders, da Siegmund die dem Churfuͤrſten fo angenehme und ehrenvolle Zreundfchaft und Verwandtſchaft fich bisher habe gefallen laſſen. Könte man wol den, der des Churfürften Meinung hege, eines Abfalls bes ſchuldigen? Der wären diejenigen mit beſſerem Nechte Glieder der Kirche zu-nennen, welche neuerliche Misbräuche, die der erften Kirche unbefandt , vercheidigen ? "welche gegen Fromme fo. graufam, wie Nero, verfahren? » Der Churfürft halre-fih und . diejenigen, welche mit einiger Gefahr die wahren Lehren der Kirche ſich gefallen laſſen, die davor forgen, daß das Volk eine richtige Erkentniß des Gottesdienſtes erlange, und die alle ungerechte Graufamfeit verabfcheuen, vor wirfliche Glieder ver Kirche. Dies - mache ihm Hofnung, daß fowol der König, als die Kırchenverfammlung, billiger ur⸗ theilen werde, als daß man ihn einer übertriebenen Gelindigfeit und eines gar zu geop fen Nachgebens beſchuldigen Fonne, Der König ermahne zwar den Churfürften, eine Kirchenverfammfung abzuwarten, und Joachim geftehe, daß er fein Vorhaben eine- Zeitlang, einer zu hoffenden Kirchenverfammlung wegen, aufgeſchoben, weil zu bee allgemeinen Eintracht nichts erwuͤnſchter feyn koͤnte. Bey dem Auffchnb der Kirchen⸗ verfammlung würde jedoch die Trennung der Kicche immer geöffer, und wenn der Churfürft feinen Vorſatz auszuführen verzögere, würden feine Kirchen indeffen wuͤſte und oͤde werden. Es fey ihm befande, daß der Kaifer bey den Päpften Clemens und Paul z um eine Kirchenverfanntung mit vielem Eifer angehalten, um darauf, nad) einer gründlichen Unterfuchung, die Einigfeit wieder Herzuftellen. Er fände aber bie Paͤpſte nicht fonderlich geneigt, eine Kirchenverfammlung auszufchreiben, weil ſie viel⸗ leicht befürchteten, daß ihnen das nicht lieb feyn möchte, worauf die Monarchen beftes hen würden. Er vor feine Perfon wolle fich niemals einer Kirchenverfammlung, wo felbige auch immer gehalten würde, entziehen, . Dieſes habe der Churfürft alles zu ſei⸗ ner Rechtfertigung, und zu Bezeigung feines: unwandelbaren Willens, dem Könige vortragen müffen. Es fehmerze ihn ungemein, Daß der König das churfürftliche Ans ſinnen vor ungeziemend gehalten, weil man feinen Brief nicht recht, verſtanden. So⸗ wol zuvor, als befonders nachdem er fein Schwiegerfohn geworden, "habe er nie unters laffen, die Großmuth und Standhaftigfeit des Königes zu bewundern. Doc) dies wären nicht allein Die Föniglichen Tugenden, die er an ihn wahrgenommen. Die Tus gendliebe, die Gottesfurcht, die Gerechtigfeit, die Langmuth des Königes, wären dem ‚Churfürften ebenfals-befandt. Aus dem Grunde hoffe er, daß der König fein Bow - haben nicht misdeuten werde, diejenigen Misbräuche abzuſchaffen, welche viebranden; burgifchen Kirchen zerruͤtten müften, wofern man öffentliche Mängel vertheidigen soolte. Damit aber die zartliche tiebe, die zwifchen ihm und feiner Gemalin bisher ſtatt gefunden, und mit der Hülfe Gottes Fein Ende nehmen folte, durch nichts unters brochen wuͤrde; fo Habe er dieferhalb gebeten, daß man feiner Gemalin die Gruͤnde ſei⸗ nes Dorhabens befandt mache, da fie. ohnedies verfichere ſey, daß die Religion ihm am Herzen liege, und er alle ungerechte Rathſchlaͤge verabfehene. Da er in feinem Ehe⸗ — | Churfuͤrſt Zoahim an... Se Edbeſtande Gottes Ehre nicht aus den Augen fee; fo habe er fich oft mic feiner Gema⸗ 1539. Un im Geber vereiniget, und mic ihr, von Gottes Rathſchluß, von der Hofnung des ewigen febens, und von denen ducch Chriſtum erhaltenen Wohlthaten fich unterreder, wo⸗ ben er jederzeit ven Troſt gehabt, daß er bey feiner Gemalin eine wahre Froͤmmigkeit wahrgenommen. Weil nun der Churfürft wuͤnſche, noch fernerhin einen angenehmen amd feligen Eheftand zu führen; ſo wolle er ihr gern-erlauben, diejenigen Kirchenges braͤuche beizubehalten, deren Gebrauch ihr annehmlich fhiene. Er bete inbrünftig. zu Gott, daß er beider Gemuͤther zu feinen Ehren Ienfe und führe. Er erfüche zus. leich den König, diefes nicht ungätig zu nehmen, und fo, wie er bisher ſich jederzeit vaͤterlich liebreich bezeige, alſo auch Eünftig fich hierin durch nichts ändern zu laſſen. Er wolle fichs im Gegentheil zur hoͤchſten Pflicht machen, fich fo zu betragen, wie es einem Kinde gegen ven allerbeiten Vater gezieme. Zugleich erfuche er den König, je⸗ manden an ihn abzuſchicken, dem er feine Meinung in diefen Sachen ausführlicher ent, decken fönne, und der zugleich feiner liebſten Gemalin bezeuge, daß der König feine, guͤtige Denkungsart vor den Churfürften in nichts geändert habe, . Schließlich wuͤn⸗ ſche er dem Könige, daß ihn Gott noch lange Jahre bey allem Wohlſeyn erhalten mös ge Eben diefes alles eröfnete der Churfürft auch dem Kaifer, um ihm von feinem WVorhaben Nachricht zu ertheilen. On ira ” Aus dieſen vorgefragenen Gruͤnden legte nun der Churfürft endlich, nähere Hand Der Hurfürk and Werk. Er hatte ſchon hin und. wieder in feinen fanden die Erlaubniß ertheilet, tkit der evan⸗ A die chriſtliche Lehre nach den Begriffen der Proteftanten öffentlich vorzutragen. Mach — Haftitii Bericht war Spandow der erſte Ort in den brandenburgifchen Beſitzun ganze Mark gen, wo die-evangelifche Wahrheit gepredigee worden, zu deren Anhörung die Eins lolget. wohner Berlins Haufenweife dahin geeilet, bis folchen ebenfals Georg Buchholger im Dom zu Berlin öffentlich ven proteftantifchen Lehrbegrif vortragen durfte. Als: _ nun der Ehurfürft den Schluß faffere, feloft das Abendmahl des Herrn nach der. Eins fesung Ehrifti zu genuͤſſen; foserwählte ex hierzu die Stadt Spandow. Es wurden alle Prediger aus der Mark Brandenburg dahin befchieden, und in deren Gegenwart genoß Churfürft Joachim am Tage aller- Heiligen ven ıften November 7), an einem Sonnabend, das Abendmahl, nach Chriſti Einfegung, unter beiderley Geftalt aus den Händen des Biſchofs von Brandenburg Matthias von Jagow, und verordnes te, wie es insfünftige in vem Genuß des Abendmahls, nad) der Ordnung und Einfes Kung Ehrifti, gehalten werden folte. Es hat zwar der felige Herr von Seckendorf behauptet, daß der Beitritt des Churfürften zur evangelifchen Kicche zu Coͤln an der Spree geſchehen fen. Diefer in der Geſchichte der Kirchenverbefferung unvergleichliche Schriftſteller geſtehet aber felbft, daß-er von. der brandenburgifchen Kirchenverbeffe rung niche genugfame Nachrichten gehabt, Auſſer Haftitii Erzehlung, daß folcher in Spandow geſchehen, kann man bie naͤhern Beweiſe dieſer Wahrheit in dem Alten | 62 md. nn) In denen Zubelpredigten, die 1640 gehalten wurden, wird der ziſte October angegeben. 1539. 52 3%. 6 Hauptff. Neuere Gefthichte son Brandenburg. und neuen Berlin 0) finden. Das’ Verhalten ves Churfürften war eine Glocke, die alle übrige Einwohner der Mark Brandenburg nach und nach zur evangelifchen Kies’ che zog. Die Nacheperfonen der berlinifchen Städte folgten gleich den folgenden Sonntag, nebft einer groffen Menge anderer Einwohner, den Beiſpiel des Churfuͤr⸗ ffen in dem Genuß des Abendmahls unter beiderley Geſtalt. Es ift diefes aber Fein Blinder Beifall geweſen. Die Unterthanen waren bereits von denen dehren der Kir— ehenverbefferung unterrichtet, und hatten ein Verlangen bezeigt, fie: öffentlich befennen - zu dürfen. Die noch) nicht aufgehöbenen Befehle des’ vorigen Churfürften Hielten fie) aber, obgleich darüber nicht nach der Aufferften Strenge gehalten wurde, davon ab.) - Das Beifpiel des jegigen tandesheren hob nunmehro die vorigen Befehle auf, und erthei⸗ lete nur den Unterthanen die Erlaubniß, das thun zu dürfen, was fie ſchon laͤngſt bey ſich befehloffen harten. Da ich Feine eigentliche Kirchengefehichte der Marf Branz denburg fehreibe, fondern die weitere Ausführung deffen, was Here Schmid hierin: ‚geleiftet, andern gefchicktern Männern überlaffen muß; fo werden meine tefer von mir Feine umftändlichere Erzehlung verlangen, wie und auf was Are und Weiſe das ı licht des Evangelii in denen einzelnen churbrandenburgiſchen Orten aufgegangen und ein⸗ gefuͤhret ſey. Es genuͤget mir, anzufuͤhren, daß ſolches überall geſchehen. Doch kann ich mich aber nicht entbrechen, die beſondere Anmerkung zu machen, daß die Mark Brandenburg vielleicht das erſte fand geweſen, in welchem der evangeliſche lehrbegrif "ohne allen Widerfprüch, und zwar durch den Oberherrn, aus landesherrlicher Macht/ mit Beiſtimmung der geſamten Staͤnde und Einwohner, ausgebreitet worden, da in diger und Gottesgelehrten geweſen, und nicht mit voͤlliger Uebereinſtimmung und ohne allen Widerſpruch bewirket worden. In dem Churfuͤrſtenthum Brandenburg folgte man nicht durchgehends der Vorſchrift Luthers, oder eines andern beruͤhmten einzelnen lehrers, ſondern Joachim 2hielt redlich fein dem Könige von Polen und dem Kaifer: gegebenes Wort. Er ward ein eigener Kirchenverbefferer feiner fande. Er fehafte die: Irthuͤmer und eingefchlichenen Misbraͤuche in der Religion. ab, ohne folche Kirchenges. braͤuche zu veraͤndern, von welchen er glaubte, daß ſie dem Grunde des Heils nicht nach ⸗ theilig waͤren. Er behielt ſo viel von denen bisherigen Gebraͤuchen bey ‚ als, nur dem wahren Chriſtenthum unbeſchadet, gefchehen Eonte, theils um fehwache Brüder, die ſich an diefe Gebräuche gewoͤhnet, und deren Beibehaltung wünfcheen, in ihrem Gewiſſen nicht irre zu machen, theils ganz Deutſchland ein Beiſpiel zu geben, wie eine Kirchen verbefferung ohne Aergerniß der Schwachgläubigen vorzunehmen ſey. Endlich wolte er niemand zur Kirchenverbefferung zwingen, fondern verfprach, diejenigen, welche bey der römifchen Kirche verblieben, und fich nur ruhig verhalten wolten, in feinem fans de ferner zu dulden, wenn fie wegziehen wolten, ihnen folches zu erlauben, und denen römifchen Geiftlichen, welche ruhig verblieben, Zeirlebens ihren Unterhalt zu laſſen. Churfuͤrſt Joachim war alfo vor feinen Staat das, was Eliſabeth vor England ge⸗ wein, 0%. 18,39 120 | ⁊ ER e andern fändern die Kirchenverbefferung, wenigftens anfänglich, das Werf einzener Pre⸗ | Ce Zah 53 & weſen/ und bewies bey der Kirchenverbeſſerung eben die Mäßigung und Klugheit, weh 1539, che dieſe groſſe Königin von England gezeiget. Beſonders zogen die Wiffenfchaften Yale erheblichen Vortheil, da er der hohen Schule zu Frankfurt verfehiedene Kloſter⸗ gauͤter ſchenkte, oder diefe zu Unterhaltung armer Studenten p) beſtimmte. Die Kids FR, a K ſter waren ehedem hauptfächlich zu Ausbreitung der Wiffenfchaften und einer guten Er⸗ kentniß der Religion! errichtet, aber ſeit langen Zeiten der Sitz einer tiefen Unwiſſen⸗ heit geworven., » Auch in diefem Stück: richtete. alfo der Churfürft feine Verbeſſerung > nach der Abficht der Stifter diefer Stiftungen ein, und fchafte nur die entſtandenen Muisbraͤuche ab. | I un 68 a turn sic 21. | | | Pt | Damit aber Fünftig in alten brandenburgifchen Kirchen die Religion auf gleiche Er laͤſet die Art gelehret ," und der Gottesdienſt auf eine durchgehends gleiche Art gehalten werden erfte Ficchen: ordnung ver: moͤchte; ſo ließ der Churfuͤrſt einen kurzen Begrif der lehre in Frage und. Antwort, fertigen. Da 5 Fr Inu Z —— * ET * IE e 2 —— — — DEP rer Fi — A den berühmteften | aber auch eine Kirchenoronung vor das Churfürftenehum der Marfen zu Brandens & Burg, wie man fich beyde mic der fehr vnd Eeremonien halten foll, auflegen. Ges ckendorf behauptet, daß der anfpachifche Gottesgelehrte, Jacob Stratner, ver ſchon zu der Berfertigung der Kirchenordnung in den brandenburg: fraͤnkiſchen Lan⸗ den gebraucht worden, und der Probft zu Berlin, Georg Buchholzer, den Ent wurf der erften märfifchen Kirchenordnung gemacht. Leuthinger Hingegen hält den nachmaligen brandenburgifchen Oberhofprediger Syohann Agricola, aus Eisleben, vor deren DBerfaffer, obwol letzterer vielleicht nur den neuen Abdruck derfelben nach zwey Sahren beforgt haben mag. Den Entwurf diefer Kirchenordnung theilte der Churfuͤrſt nn die dem augfpurgifchen Glaubensbefäntniß beige than waren, mit, und unterfuchte die ihm überfchriebenen Meinungen Lutheri, Mes lanchthons, Fund, Regii und Bugenhagii, welche insgefamt an diefer Kirchen: ordnung niche viel erhebliches auszufegen fanden. Luther hatte bisher gezweifelt, ob der Churfürft die groffen Hinderniffe einer Neligionsveränderung Überfteigen würde, und Daher dieſen Prinzen zum Beitritt zur evangelifchen Kirche zu ermahnen unterlaffen, ‚ind lobte Gott, daß er überfehrwänglich gegen alle Hofnung gethan habe. Ueber vie Kirchenordnung eröfnere feldiger feine Gedanken in einem Schreiben vom 4ten Decems . ber nad) feiner gessöhnlichen Freimuͤthigkeit fehr beftimmt. „Weil der Churfürft in derfelben verſchiedene in Sachſen abgefchafte Kirchengebräuche beibehalten; fo fihmedke . felbige nach den Meinungen Vicelii. Er habe denen Abgeordneten ves Churfürften feine Gedanfen darüber mündlich eröfnet. Daß Joachim die letzte Oelung und die feierlichen Umgaͤnge mit dem Hochheiligen beibehalten habe, koͤnne er nach feinen Eins fichten nicht billigen. Würde das Sacrament unter Einer Geftalt herum getragen, fo fen folches nur ein halbes, oder, beffer zu fagen, gar Fein Sacrament und Gottesſpott. Wuͤrde es unter beiderlen Geſtalt herumgetragen ; fo würde folches die Augen der gans zen Welt auf fich ziehen, und nur über diefe Neuerung zu reden, denen Roͤmiſchen © 3 aber p) Was er nachher dieferhald 1541 vor eine fehöne Verordnung gemacht, lehret Garzaͤus ©, 259, 1539. 54 3 Ch. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. aber zu fpotten Gelegenheit geben. «Er erfüchte folglich ven Churfuͤrſten, der fehon in) den wichtigften und Hauptſtuͤcken die Wahrheit angenommen, und die Widerſetzung des Teufels überwunden, auch in diefem Stuͤck durchzubrechen, damit die Kirchenver⸗ beſſerung nicht zum Geſpoͤtt und Gelächter des Teufels Anlaß gebe. Er faͤnde darin, daß die Kranken die legte Delung und das Sacrament-empfiengen, zwar nichts anſtoͤßi⸗ ges, nur muͤſte ſolches nicht fo geſchehen, wie es bey den Papiſten uͤblich ſey. Der: Churfuͤrſt koͤnte dieſes zwar geſchehen laſſen, nur hielte er nicht vor gut, daß ſolches in der Kirchenordnung anbefohlen wuͤrde. Denn in der Vorrede derſelben war ſolches als eine Sache angeſehen, welche aus der heiligen Schrift hergenommen, und dem Ge⸗ Brauch der erſten chriſtlichen Kirche gemäß ſey. Luther ſagte, die Kirchenordnung fey zu tabeln, wenn fie gegen Gottes Wort etwas veſtſetze. Die erſte hriftliche Kirche "habe viele Gebräuche gehabt, die nicht mehr in Uebung wären. - Die legte Delung fey von Chriſto nicht eingefegt, und. man habe in der Kirchenordnung die orte des Apo⸗ ftets Sjacobi nicht fo beibehalten, wie felbiger fie angefuͤhret. Nicht die Delung, ſon⸗ dern das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen 4). Das Abendmahl koͤnte zwar dem Kranken gebracht werden, nur müffe das Brodt nicht aus dem Eibario, fons dern von demjenigen genommen werben, welches bey Austheilung des Abendmahls cons- feerivet fey. Die übrigen beibehaltenen Kirchengebräuche hielt Luther, wie fiees wirk⸗ lich waren, vor Mitteldinge. Daher er. auch dem Probft Buchholer von Meßge⸗ wanden und feierlichen Umgängen feine Meinung fo entdeckte: wofern der Churfuͤrſt erlaube, daß das Evangelium lauter und ohne menfchliche Zufäge gelehret, und das. Sacrament des Altars und der Taufe nach Ehrifti Einfegung gebraucht werde; wann. er die Anrufung der Heiligen um ihr Mittleramt und Vorbitten, Die Herumtragung des Sacraments, die. täglichen Meflen, das Seelenamt, die Weihung des Waffers, Saljes, der Kräuter u. f. w. abſchafte; wenn er bey denen feierlichen Umgängen vers befferte vechtgläubige deutſche oder lateiniſche Lieder fingen Tieffes fo Fonne Buchhol⸗ zer in des HEren Namen mitgehen, und, nach des Churfürften Gefallen, ein filbers nes oder guͤldenes Kreuß tragen, ‚ein feidenes oder leinenes Meßgewand anhaben, auch zwey oder drey berfelben über einander ziehen. Der Hohepriefter des alten Bundes has, be ein dreifaches Gewand angehabt, wenn er in das Allerheiligfte-gegangen, und davon: hätte das Papſtthum die Kirchenkleidung entlehnet. Wenn der Churfürft: an einem: Umgang um die Kirche noch nicht genug hätte; fo-folle er fiebenmal herum gehen, denn, fiebenmal fey Joſua und die Iſraeliten um Jericho herum gegangen. Ja wenn der Churfuͤrſt, bey folchen feierlichen Umgangen, feloft nach) dem Schall der Werkzeuge der Tonfunft, wie es David gemacht, tanzen wolles fo ftehe ihm folches frey. Durch dergleichen Dinge koͤnne dem Evangelio nichts. zuwachfen und nichts abgehen, wenn nur aller Misbrauch vermieden werde, und dergleichen Dinge nicht als zur Seligfeit. nothwendig angefehen würden. Er wolle Gott unendlich danfen, wenn der Papſt mit feinem Anhange erſt fo weit gebracht wäre. Die Erhebung des Hochheiligen in dem | | Nacht⸗ a) Aacob, 5, 14. i85. Marc. 6, 13. — Churfuͤrſt Joachim TREE ss Nachtmahl en ‚eine gleichguͤltige Feierlichkeit, die dem chriſtlichen Glauben nicht nach» 1539. ; theilig wäre, und die alfo fo lange fortgefeßt werden koͤnne, als es beliebig fey. Die ſaͤchſiſchen Kirchen haͤtten beſondere Urſachen gehabt, ſolche Dinge abzuſchaffen. Und da in der Mark Brandenburg dieſe beſondern Umſtaͤnde nicht wären; fo dürfe die ſachſi ſche Einrichtung in der Mark nicht zu einem nothwendigen Muſter angenommen werden. Man wuͤrde dieſe Dinge auch in Sachſen ohne die aͤuſſerſte Nothwendig⸗ keit nicht wieder einfuͤhren, weil ſie Mitteldinge waͤren, welche Menſchen erfunden, — von Gott aber nicht befohlen worden. „, Im einem andern Schreiben an den Prediger ; in Tangermünde, Gregorium Solinum;, drückte fich Luther im Jahr 1540 über 1540, : — FOREN diefe Sache folgender geſtalt aus: Er genehmige die brandenburgifche Kirchenord⸗ nung in allen Glaubens» und Lehrpunkten. Man koͤnne alfo auch die letzte Delung und die Beftätigung der Erwachfenen, oder die Firmelung, weil folche nicht als Sacramente anbefohlen, fondern als bloſſe Seierlichfeiten angefehen werden, nach feinem Gefallen beibehalten. Solte Solinus Hierzu zu gewiſſenhaft ſeyn; fo rathe ihm Luther, fich ® reset; wie der Prediger, welchen der Ehurfürft von Zerbft nach Spandow berufen, und der den Ruf nicht eher angenommen, als bis ihm der Churfürft freiges ige, diefe Gebräuche wegzulaflen. Dergleichen Zufage würden überdies nicht lange mehr währen. Die weitläufigen Feierlichfeiten bey der Meffe wuͤrden, nebft andern dergleichen Dingen, in Verachtung fommen, und eins würde nach dem andern weg⸗ fallen. Man müfle bey-dergleichen Mitteldingen ſich darnach richten, wie e8 dem See lenheil dee Menfchen am zuträglichften fen.,, Ueberhaupt war Luthers Meinung fchon vorher von unferm Churfürften ſehr vortheilhaft Buchholzer hat von ihm einige . Norte beibehalten, die werth find, daß ich fie meinen Leſern mictheile „Er wolte wuͤnſchen,„ſagte er: „daß Ihro Churfürftliche Gnaden möchten Papft zu Nom fern, denn folte es mic der Neligion wol beffer zugehen, und Ihro —— Gnaden — die fEmbindie und * recht muſtern. | 3 Stats der Surfärft die Meinung der vornehmſten Gottesgelehrten Wer die Die erſte fir: m ehe = ai. = U Fr ı a u ; > * — — * 2 entworfene Kirchenordnung genugfam in Erwegung gezogen, ließ er die fäntlichen fans en. “ wi deeſtaͤnde nach Berlin befchreiben, und legte folchen die gemachte Kirchenordnung vor. — Er wolte in Sachen, die das Gewiſſen betreffen, ſeinem Lande nichts aufdringen, und ſahe mit Vergnügen, daß das ganze fand mit feiner Denkungsart in Glaubensſachen 2 übereinftimmte. Hierauf ward die erfte Kirchenordnung öffentlich befandt gemacht r). In dem Eingange fagte der Churfürft, wie fich feit ſangen Zeiten viele Srehimer, Mis— ' Bräuche und Streitigfeiten eingefehfichen und vermehrer hätten. _ Der Kaifer ſowol, als er, hätten fich bisher alle Mühe gegeben, folche zu. heben. Die beften Abfichten aber waͤren von denen vereitelt, welche folche beförbern folten. ine allgemeine Kirchens verſammlung waͤre gar nicht, oder doc) ſehr ſpaͤt, zu hoffen. Ihm ſey die Sorge vor ſeine 5 Die Erlaubniß zum Druck hat der ka eigenhändig ancerſchtieben Dienſtag * Jubilate, 2 oder den zoften April 1540. 1540, 56 | 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. feine Unterthanen von Gott aufgetragen. Die Todesſtunde rückte herbey, und fe vielleicht näher, als die Fünftige Kicchenverbefferung: Weil nun die geiftlichen hohen x Häupter zu der hriftlichen Kirchenverbeflerung, Vergleich und Bereinigung ſaumſelig und nachläßig wären, auch folche zu fliehen fehienen ; fo Habe er, nach, gehaltenen Bes rathfchlagungen mit den beften Gottesgelehrten und feinen vornehmften Praͤlaten und Ständen, eine Kirchenorbnung, die dem göttlichen Worte gemäß, verfaffer. Er wolle niemand dadurch, der fich chriſtlich, ehrlich und mic ſchuldigem Gehorfam betra⸗ gen würde, beirren, noch jemand das Seinige nehmen, fondern nut abſcheuliche Miss Bräuche abfchaffen, gute Kirchengebräuche aber, als bloffe Mitteldinge, beibehalten, Hiedurch frenne er fi) von der wahren Kirche nicht, bey der er vielmehr bis an fin Ende verharren wolle, Er verfpreche gegründeten Unterricht anzunehmen, und fo we⸗ nig dem Ausſpruch einer allgemeinen, freien, unparceifihen, in Deutſchland zu Hab . tenden Kirchenverſammlung, oder Verſammlung der deutſchen Kirchenvaͤter, oder eir nem Religionsgeſpraͤche ſich zu widerſetzen, daß er vielmehr ſolchen Ausſpruch nach al⸗ lem Vermoͤgen zu befördern ſuchen wolle. Die Kirchenordnung ſelbſt war in dreien Theilen verfaſſet. In dem erſten wird gezeiget, daß der Grund des chriſtlichen Glau⸗ bens die Rechtfertigung ſey, die durch den Glauben, aus bloſſer Gnade, und zwar allein durch das Verdienſt Chriſti erhalten werde; und dieſe Unterſcheidungslehre der Chri⸗ ſten ſolte von denen Predigern rein gelehret, und die dagegen ſtreitende Irthuͤmer be ſcheiden, fo oft es noͤthig und nuͤtzlich, vorgetragen, zugleich aber dem Einwurf ber gegnet werden, als ob mangute Werke nicht als Früchte des Glaubens anfehe; 2) Wird vom nüglichen Gebrauch des alten und neuen Teftaments, und dem Unterſchied zwiſchen Geſetz und Evangelio, gehandelt. 3) Wird die Buffe, der Nusen der Anfündigung der Vergebung der Sünden und der Beichte angegeiget, welche leßtere vornemlic, Gore abgelegt, denn aber auch gegen den Prediger befannt werden müffe, dag man über haupt ein Sünder fey. 4) Die Beichte wird vom jedem erfordert, der zum Mache mahl gehen will, und zugleich die Kraft der Anfändigung der Vergebung gezeiger. 5) Wird die Lehre vom Gcfes weitläufig vorgetragen. Hiezu gehöre blos das, was das Necht der Natur, oder Chriftus und feine Apoftel, von.uns fordern. 6) Wird vom Evangelio geredet. - 7) Wird vom Kreug der Chriften gehandelt, welches gedul⸗ dig zu ertragen, und von Gott allein Erlöfung zu bitten fey. Man muͤſſe aljo weder beim Teufel und Unholden, noch bey Heiligen, Huͤlfe fuchen, und denenfelben Ge Tübde hun. Namentlich wurden bie vermeintlichen ABunder zu Sternberg y Wils⸗ nack, Cruſſow und Nykammer in ver Mark als Teufelswerke betrachtet. 8) Wird vom Gebet geredet, und den Geiſtlichen anbefohlen, die Leute fein ſaͤuberlich von den ‚ Heiligen wieder zu Gott zu führen, ohne die Heiligen zu fehwächen. Sie folten lehren, daß aus dem oft wiederholten Gebet des Vater Unſers und. des englifchen Gruſſes Fein Vers dienft entftehe. 9) Wird vom freien Willen der Menfchen, 10) von. der chriftlichen Sreiheit gehandelt; und ift diefer ganze erfte Theil mit der Kirchenordnung, die Marg⸗ geaf Georg 1533 in Franken befande gemacht, ſehr übereinftimmend. Der andere | 5 | Theil vr Ss Chunfürft Doachiin og dt: 57 ee EEE mie des Churfürften Vorrede in fih. Der dritte Theil 1540: — von Kirchengebräuchen, von deren Nutzen und eingefuͤhrtem Misbrauch. Der Churfuͤrſt fage, daß er alle Gebräuche, die Gottes Wort zuwider, abfchaffe, andere beibehalte ; und daß nicht nothwendig fen, daß die ganze proteftantifche Kirche einer⸗ Fey Gebräuche haben muͤſſe. Es ſolte alſo nicht jeder nach feinem Willen im tande Ge⸗ braͤuche einführen "oder weglaſſen, niemand aber folche zur Seligkeit nöchig halten. Er ſelbſt behalte fich das Necht vor, nach Befinden der Umftände ſolche zu ändern. Wenn ein Prediger Gewiſſenszweifel hege, folte er fich damit melden. Wer hierin ach) eigenem Gutduͤnken handeln wolte, folte wegziehen. Sodenn beftimmt der Churs 3 fuͤrſt die Gebräuche, 1) bey-der Taufe, wo er das Chrisma und andere Umſtaͤnde beis ° behielt, die im Sachfen abgefchaffe waren; 2) bey der Firmelung, die aber als eine bloſſe Feierlichkeit anzufehen feys 3) bey der Beicht; 4) beim Abendmal. 5) Die . Meſſe ward abgefehaft. 6) Die Kichter beibehalten. 7) Die Brüverfchaften abges ie ſtellet. 8) Das Singen zu gewiflen Zeiten im Chor zwar beibehalten, aber von vielen —— Misbraͤuchen gereiniget. 9) Das, was die Geiſtlichen vorſingen ſolten, beſtimmt. Ei; 10) Die Kranken folten von beftellten Predigern, nicht von Mönchen befucht, von ers J ſteren vor die Kranken/ ſonderlich zur Peſtzeit, geſorget, und das Abendmahl ihnen im feierlichen Umgange hingebracht werden, wobey die Einſegnung in der Kirche, oder auch wol in den Krankenhaͤuſern geſchehen koͤnte. Der Oelung ward aber nicht beſon⸗ ders erwehnet. 1n) Es wurden die Gebräuche bey Begraͤbniſſen; 12) bey Trauungen; 5) bey, Einweihung der Prediger und Bifchöfe veſtgeſetzt, und der letztern Gewalt bes ſtimmt. 14) Es wurden Feiertage und Faften verordnet, und 15) gezeigt, wie hoch⸗ nöthig gute Schulanftalten wären. ' Zufegt bezeugt ver Churfürft abermals, was ihn zu Einführung —* Ordnung gedrungen. Endlich folget ein Hirtenbrief des frommen Matthias von Jagow Biſchofs zu Brandenburg, worin er ſelbige genehmiget, und, ſolche zu beobachten, die Geiftlichen feines Kirchenfprengels ermahnet. Eben diefe Kits chenordnung iſt nachmals 1542. und 1549 0der 1550 wieder aufgelegt, aber nichts darin geändert worden. Hierauf forgte auch der Churfürft vor eine gute Sammlung deut ſcher Kicchengefänge, wozu er felbft die Vorrede gemacht, und die — nr na⸗ uͤͤrlicher Bruder Achatius von Brandenburg wieder auflegen ließ. IS Er ordnete eine allgemeine‘ tandesficchenbefichtigung und Unterfichung am, die Die kirchen⸗ er würdigen Männern auftrug, durch welche auch wirklich, unter dem Vorſitz feines verbeſſerung Kanzlers Johann Weinleben, iin ven folgenden Jahren die Kirchenverbefferung nad BE rag ſeinem Willen in der ganzen Mark Brandenburg eingeführer worden, - Befonders wurden die Kföfter Hierdurch nach des Churfürften Abfichten eingerichtet. Diele Klo— Sy ge verlieffen die Mark, wodurch die meiften Klöfter verbdet, aber zugleich berau⸗ bet wurden, weil die Weggehenden alles mitnahmen, was fie fortbringen konten. Die wenigen Zuruͤckgebliebenen ließ ver Churfuͤrſt auf Zeitlebens aus den Kloſterguͤtern ums terhalten, mach ihrem toͤdtlichen Abgang aber Durch Feine neue Ordensbrüber ihre Stel⸗ F —* beſetzen. Einige von ihnen bequemten ſich zur ——— und die ge⸗ RR allg. preuß. Dh — ſchick⸗ Eben ee Kane RE Pr ne — [a ee ar * — 5 > 583%. 6 Hauptfk. Meuere Geſchichte von Brandenburg. fehickteften davon wurden hin und wieder auf dem Sande. als Prediger angenommen! Andere fehritten zu einem andern ehrlichen Gewerbe, worin fie, auf ihr Anfuchen, fo viel möglich, unterftügt wurden, . Ben diefer Veränderung find auch faſt alle Buͤcher⸗ ſammlungen, welche fonverlich in Klöftern aufbehalten wurden, verloren gegangen, wo⸗ durch unter andern die tandesgefchichte, wie Leuthinger klagt, einen unerſchlichen Vers a luſt erlitten. Die Bifchofrhümer, die Canonicate und die Klöfter aufferhalb den Staͤ ⸗·· ten wurden beibehalten, und ihnen freigeſtellet, zu welcher Kirche ſie ſich bekennen wol⸗ ten, nur daß ihren unterworfenen feuten die evangelifche'tehre von ihnen nicht verweh⸗ get werden ſolte. Ihre Einkünfte wurden ihnen nicht ſonderlich geſchmaͤlert, und de⸗ nen Biſchoͤfen ſogar ferner das Recht gelaſſen, durch Auflegung der Haͤnde neu berufe⸗ ne evangeliſche tehrer zum Predigtamt einzuweihen. ¶ Weil aber einige derſelben ſich deſſen weigerten; ſo uͤbertrug nachher der Churfuͤrſt ſeinem Oberhofprediger Johann Agricola das Recht, nach den churfuͤrſtlichen Verordnungen die voͤllige Einrichtung der Kirchen zu beſorgen, der ſodenn auch wirklich —— die von —* — * tamen als Lehrer und — einſetzte. — —— Paar | — — Wort auch die — der Gerechtigkeit 4 — 4 — bieſe Ki —* Veränderungen, nicht verabſaͤumet werde, und Joachim 2 auch in dieſem Stück die unterthanen, ſchweren Pflichten eines andesherrn erfüllen möchte; »fo wurde auf dem zu Berlin ans geftellten fandtage eine Verbefferung des brandenburgifchen Kammergerichts in Vor⸗ ſchlag und zum Stande gebracht, auch Montags nach kätare die neue — | ordnung zu jedermanns Wiffenfchaft gebracht. * BE und für feine Um auch die ehurfürftlichen Exbrechte auf Pommern zu n ichern, ——— | rechte RR denburgifche Geſandtſchaft an ven Herzog Philipp von Pommern abgehen. Dieſe ae fie fich von Städten und Ständen im Namen des Ehurfürften die Huldigung auf den Fall feiften, wenn die Herzoge von Pommern ohne männliche Erben abgehen foltem Denn in diefem Fall: war, wie meine Sefer bereits wiſſen, dem Churhauſe Branden ⸗ burg durch feierliche Vertraͤge die — in dem Herzogthum Pommern —* er -ben worden, u Nimmt den Zu eben diefer Zeit ließ Soachim 2 zu Coln an der Spree nach dem Zeugniß — in Haftini eines Zeitgenoſſen, den Anfang zum Bau des churfuͤrſtlichen — — mache‘, welches nachher mit vielen Koſten prächtig fortgefeger wurde. 0% Iſt mit dem Auſſer der Sorgfalt, die der Churfuͤrſt in ſeinem Lande anwandte, — ee er Feine Gelegenheit, das Beſte feiner Glaubensgenoſſen in Deutfchland überhaupt zu nicht zufrie, Beobachten. Der tandgraf Philipp der Großmuͤthige von Heffen hatte fich im vorl⸗ den. gen Zahre indie Margaretha von Sala, die ev als Kammerfraͤulein bey feine Schwer | ſter der verwitweten Herzogin von Sachſen, Eliſabeth, geſehen, verliebet, und ſei⸗ ne Leidenſchaft wuchs ſelbſt durch die Hinderniffe, Die fie vor fi) fand. Sein: Gewiß fen wolte ihm nicht erlauben, da feine Gemalin Ehriftina Herzog Georgs von Sach⸗ ſen Tochter as lebte, einen Ebebruch zu begehen; und doch fand er ſich zu ſchwach, aa 1540. Churfuͤrſt Joachim — 59 ſeine leidenſchaft zu uͤberwinden. Er fiel endlich auf die Gebanfen, FT in einem ganz 1540, befondern Fall nicht erlaubt fen, bey Lebzeiten feiner Gemalin noch eine anderweitige Heirat zu treffen. Die priefterliche Einfegnung folte dasjenige guet machen, was er ohne diefelbe vorzunehmen fich nicht getrauete. Er fand Mittel, die Einwilligung fets er Gemalin zu erhalten. Luther und Melanchthon, welden er feine Schwachheit gebeichtet, konten zwar eine anderweitige Bermälung nicht anrathen, fanden aber Fein Binlängliches Mittel, den tandgrafen davon abzubringen; jedoch hielten fie zulegt vor beſſer, daß fich der Landgraf den Vorwurf feiner Leidenſchaft antrauen lieſſe, als daß er. mit demſelben in Ehebruch lebte. Es wurde unter den Mitwiffenden verabredet, die Sache fo geheim, als möglich, zu halten ; und die eheliche Verbindung des Landgrafen gefchahe wirklich, doc) fo, daß diefe Mebenfrau ihm nur zur linken, Hand’ angetrauee wurde. Aller Borficht aber ohnerachtet Fam das Geheimniß nach) und nach durch den Mund der Mutter ver Margaretha unter die feute. - Das Gerüchte breitete fich auch bis zu unſerm Churfürften aus. Weil nun die andgräfin Chriftina feiner erften Ges malin Schwefter war, er auch aus dem Betragen des Landgrafen viele Unbequemlichfeis ten von Seiten der Catholifen gegen die Evangelifihen beſorgte; fo ließ er, nebſt dem Herzog Henrich von Sachfen dem tandgrafen in dieſem Jahre vorftellen: daß fomwol die nahe Verwandtſchaft, als die Erbverbruͤderung ihn verpflichte, vor die Ehre und das Beſte des Sandgrafen mit. zu ſorgen. Er baͤte ſolchen um. der allgemeinen Wohlfahrt des Evangelii-willen, feine Verwandten nicht zu befchimpfen, und das Ges ruͤcht von einer anderweitig getroffenen Heirat durch ein entgegen ftehendes Betragen zu entkräften, ‚die dadurch begangene Suͤnde zu: verlaffen, und ſich nicht den Zorn Gots tes und des Kaifers auf den Hals zu laden. Der fandgraf war zwar darüber empfind⸗ lich geworden, dag man ihm in folchen Sachen Vorftellung that, von welchen allein ſein eigenes Gewiſſen Rechenfchaft ablegen muͤſſe; jedoch behielt er in feiner Antwort am ben Ehurfücften vom zrften Auguſt nur allgemeine Ausdruͤcke bey. Er fagte: daß feine Beftändigkeit in der Religion, feine Freundſchaft und Geneigtheit gegen den Chur⸗ fuͤrſten Joachim und Herzog Henrich), und die heiligfte Beobachtung der gefchloffenen Derträge auffer allem Zweifel ſtuͤnden. Er führe feine Ehe fo, daß er deswegen von Gott und finem Gewiſſen nichts zu befürchten habe. Er bediene ſich des Nachtmahls des Hexen, lebe chriſtlich, und richte ſein ganzes Betragen fo ein, daß er dabey einen gnaͤdigen Gott zu haben hoffe. Seine Gemalin Chriſtina fey mic ihm zufrieden, Ce lebe mit ihe in Eintracht, und feine Beichtväter hielten ihn nicht vor gottlos. Cs fey nichts vorgegangen, was feiner Gemalin, Kindern und Erbnehmern fchädfich feyn koͤn⸗ ne, und es koͤnne ihm in diefer Abſicht nichts mit Beſtand der Wahrheit vorgeruͤcket werden. Er erſuche daher den —T alle dagegen —— — ‚, fo viel 9 mdolch/ zu unterdruͤcken. x Zoiſhen Luthern und dem Johann Agricola aus Eisleben harten fich Über den Der Suefüc — und den Gebrauch des re ſchwere — erhoben, ſo ſich gi © emiher, vi 60 3%. Hauptſt, Nee Geſchichte von Brandenbug ·· 1540. ftreitigfeiten der gottesge⸗ lebrten - Streitigkeiten erhoben. Agricola fpreche von Luthero und andern wittenbergifchen geglaubt, daß Luther in dieſer Streitſache alle Gegenfchrifcen auf feine Rechnung allen gefehrieben. - Er’verfpreche, feine Meinung fahren zu laſſen, und das: Gegentheil zu Vertheidigen. Der Churfürft'bitre alfo den Melanchthon/ die Einigfeie'widefn® zuſtellen; denn Agricola, feine Predigten und Geſpraͤche gefallen ihn. Der Chur⸗ J daß wir mit hoͤchſtem Fleiß alle Zwietracht gern verhuͤtet und hingelegt ſehen/ in Betrachtung, daß es ein graͤuliches Aergerniß ogiebet, ſo die Lehrer in der Kirche uneinig und zwieſpaltig ſeyn folten, wir auch Leute bedürfen, die’ die heilfame Lehre des Evangeliums in unfern Landen und Ehurfürftenthum für dern amd fortfegen moͤchten. Item / dieweil uns unfer Herr ſelbſt lehret, daß und der ſtrei⸗ tenden kirchen guͤtlich zu be; ben. der letztere heimlich aus Wittenberg entfernte, nach Berlin fan, und auf fein An ⸗ füchen von unfeem Churfürften in Dienftegenommen wurde Um diefen Streit bed zulegen, ſchrieb der Churfuͤrſt ven ızten Sept: an den Melanchthon JEr Haben den Agricola berufen, vernehme aber ungern, daß zwifchen ihm und Luthern ſich Gottesgelehrten das beſte, und es gereue ihn, daß er mir Luthero in Zankgerachem, und darin zu weit gelaufen. Er würde ſolches nicht · gethan haben, wenn nicht fücft fee Hinzu: Wir ſind aus Gottes des Almächtigen Gnade und Exleuche tung der rechtſchaffenen göttlichen Wahrheit berichter und dermaſſen J wir einander verzeihen und vergeben ſollen. Des gleichen pflegt — 3— ſagen: die Kirche verſchluͤſſe ihren Schooß niemals denen ‚welche wieder ih umkehren 9. Wir haben, ohne Ruhm zur reden, feinevgröffere Freud auf Erden, denn nad) unferm höchften Vermögen zu fordern und fortfegen zuhels fen, "das zu Ausbreitung göttlichen Namens und Ehre, zu Erweiterung des Evangeliums ‚amd zu Bermehrung des chriftlichen Glaubens 'gereihen und gedeien möge, Melanchthon uͤberſchrieb zu der Wereinigung zween Neger daß Agricola feinen Streit entweder rechtlich entſchelden Taffen; " oder’ feine Irchumer in der lehre und feine Beſchuldigungen gegen den Luther bey denen Eiglebern öffentlich widerrufen ſolte. Agricola wählte das letztere, obgleich feit der Zeit zwifchen beiten Männern, Agricola ud Luthero, beſtaͤndig ein heimlicher Widerwille ftate fand.” © Durch die vom Churfuͤr ſten eingeführte Kiechenverbefferung hatte er feinen Ab⸗ fichten nach, nur den Weg zu einem Reſigionsvergleich zwiſchen Papiſten und Pros teſtanten erleichtern wollen. ¶Er blieb alſo ſtandhaft bey feinem Entſchluß alles nbg , liche zu verſuchen, ſolchen zum Stande zu bringen. Euſtach von Schlieben muſte $ daher, im Namen Joachims, mit dem fächfifchen Nach Carlewitz die Borfhläge) die roͤmiſche und proteftantifche Kirche zu'vereinigen, in Weberlegung kichen "Dee Hof ſchickte fodann den'aten Febr. feinen Hofmarſchall Adam bon Trothe uns den: Hauptmann von Saarmund Jacob von Schilling an: den Churfuͤrſten von Sach ⸗/⸗ fen, mit dem Erfuchen, die DBereinigungsvorfehläge auf dem Churfürftentage zu ßeh 7 1.4: haufen, derden roten Merz in der jülichfhen und geldernfehen Sache gehalten werben a —— ii er en ae —— VWod ecclefia non claudat gremium reuertentibus. ER ET? —— Re. ee Churfuͤrſt Roahin 2. en — 61 -- — ſolte/ denen rheiniſchen Churfuͤrſten vorzulegen. Der Churfuͤſt rieth, daß man ſich alle Mühe geben folte, mit den rheiniſchen Churfuͤrſten und den Herzogen von Baiern nd Braunſchweig, der Religion wegen einen vorläufigen Vergleich zu treffen, und Bi. hierdurch den kaiſerlichen Abſichten zuvor zu kommen. Seit einiger Zeit fieng der Churfuͤrſt zu zweifeln an, daß der Kaiſer die Religionsſtreitigkeiten guͤtlich gehoben zu ſehen wuͤnſche beſonders, da ſolcher denen proteſtantiſchen Geſandten ; die bey ihm zu Gent, y wo er mit Stillung und Beſtrafung eines Aufruhrs ſich beſchaͤftigte, eine unbeſtimmte Antwort gegeben. Der Vorſchlag des Churfuͤrſten war aber ohne sen; weil der Churfuͤrſt von Mainz zuwider war, daß zuı Selnhaufen an -einem VBerglelch gearbeitet würde. Es ward zwar in eben diefer Abficht eine Zuſammenkunft der römifcheatholifchen und proteftantifihen Stände im Julio in Hagenow gehal— ten. Die churfuͤrſtlichen Gefandten kamen daſelbſt den ten Zul. an, konten aber — — = AR nn Gau 3 — — unter dem Vorwande nicht zulaſſen weil ſie zu ſpaͤt angekommen in der That aber, weil man ihnen nicht mehr trauete. Von denen proteſtantiſchen Berathſchlagungen aber enthielten ſich die brandenburgiſchen Geſandten von ſelbſt, damit es nicht das Anſehen habe, als haͤtte ſich der Churfuͤrſt von der roͤmiſchen Kirche ſchon gaͤnzlich ges Horner, und ſey der proteſtantiſchen in allem beigetreten. Allein es ward auch hie⸗ ſelbſt nichts fruchtbarliches beſchloſſen, auſſer daß in eben dieſer Abſicht eine neue Zw Befehl, ſie folten ihm in dem Artikel vonder Rechtfertigung durchaus nichts nachges ben, und ihm das Woͤrtlein: allein 7), wieder mitbringen ‚oder ſelbſt nicht wieder Folien. Der Ehurfürft wurde damals noch, weil er dem fchmalfaldifchen Bunde nicht beigetreten, unter die römifchen Mitglieder gerechnet. Churſachſen konte da⸗ her mit Recht von den brandenburgiſchen Geſandten hoffen, daß ſolche in feine Säge willigen würden, welche dem augfpurgifehen Glaubensbekaͤntniß zuwider fiefen. Ben dem allen glaubte Sachſen daß die ſaͤchſiſchen Geſandten auf alles genau Achtung zu ges ben noͤthig haͤtten. Unter den eilf romiſcheatholiſchen Ständen, die dieſer Zuſammen⸗ kumft zu Ende dieſes Jahres beiwohneten, befanden ſich die pfaͤlziſchen, brandenbur⸗ diſchen und juͤlichſchen Geſandten, welche aber mit denen übrigen Römifcheatholis = piften die vom Churfuͤrſten gemachte Kirchenordnung, mit dem Bezeugen, daß darin nichts befindlich ſey, was Gottes Ehre oder der ewigen Wahrheit wider ſpreche. Der roͤmiſche Koͤnig Ferdinand, der perſoͤnlich da war, fas fie ſelber durch." Allein nuns muiehro traueten die Gatholifen unferm Ehurfürften nicht weiter. Sie machten ſogar OR BR Sr, 3° — V ei da Hi 0 09 2 >) Sol i nichts zur Ruhe beitragen, Die KRömifchen wolten fie zu ihren Berathfehlagungen a. ſammenkunft in Worms gehalten werden ſolte. Auch dieſe beſchickte unſer Churfuͤrſt bdurch den D. Leonhard Keller Probſt des Stifts Havelberg, Alexander Aleſium einen Schottlaͤnder und kehrer auf der Hohen Schule zu Frankfurt, und Johann Luͤdeke churfuͤrſtlichen Hofprediger. Er gab diefen feinen Gefandten den gemeſſenſten ſchen wenig übereinftimmig waren. Die brandenburgiichen überreichten denen Paz | rn eye o% ne sk unter fi — a befonders, 1540, 62 3%. 6 Hauptft. Neuere Gefhichte von Brandenburg. 1540. da der D. Keller fic) verheiratet hatte. Doch diefer erElärete fich kurz und gut: Wenn man ihn von Seiten ber Catholifen ausſchlieſſen wolte; ſo wuͤſte er eine Gegenpartey, die ihn gerne aufnehmen würde, Selbſt am kaiſerlichen Hofe war die bisherige Ach ⸗ tung gegen unfern Churfürften auch fehr gefallen, ſeitdem folcher die Beränderung in der Religion vorgenommen hatte. Sein Gefandter am Faiferlichen Hofe, — von Maltzan / wurde nicht viel beſſer, als der fächfifche Geſandte von Planitz, und diefer als ein Türke oder Heide, angeſehen. Bey folcher Bewandniß fonte man von dem Ausgange der Unterhandlungen zu Worms fich nichts. fonderliches verfprechen D. Eck hatte ſehr unannehmliche Vorfchläge zum Vergleich vorgelegt, welchediebram ⸗ denburgiſchen Geſandten fo wenig, als die pfälzifchen und jülichjchen, anzunehmen 1541. Suft hatten. Der Kaifer hob foldye endlich 1541, ohne daß die Abficht erreicht wäre, wirklich auf, und verfchob die e fernern Unterhandlungen ns den Reichstag zu Re⸗ genſpurg. Bi | Ser G. 025 Joachim Die einzige — zu einem ‚gätlichen Vergleich — noch auf dieſem Reiche⸗ ——— tage. Sie war um fo viel groͤſſer, da der Kaiſer ſelber groſſe Neigung dazu bezeigte, fhen reicheta- Auf ber Reife, die er aus den Niederlanden über Metz, Speier und Nürnberg, . ee perſoͤnlich woſelbſt er prächtig empfangen wurde, nach Regenfpurg anftellte, machte er eine * Verordnung bekandt. In dieſer wurden alle Rechtshaͤndel des Kammergerichts, in Sachen des Glaubens, und was dem anhaͤngig, beſonders die Achtserklaͤrung der Staͤdte Minden und Goslar, aufgefehoben ‚ und zugleich befohlen, daß dem Frieden nichts - nachtheiliges oder: neuerliches inzwifchen vorgenommen werden ſolte. Endlich ward darin allen Ständen, ihren Nähen und Gottesgelehrten, ein ſicheres Geleite verfprochen, Dem Churfürften Joachim war ein Entwurf vorgelegt, nach! welchen der Zwieſpalt der. Religion beigelegt werden koͤnte. Es ift noch nicht: ausgemacht, ob Vicelius, oder Groperus, ober Bucerus, einer oder mehrere, Verfaſſer deſſelben gewefen: Dem Churfürften fehien es, daß diefer Entwurf‘ wol zum Grunde einer guͤtlichen Unter⸗ handlung gelegt werden koͤnte. Um nun ſolche deſto mehr zu unterſtuͤtzen, entſchloß ſich der Churfuͤrſt, perſoͤnlich dem regenſpurgiſchen Reichstage beizuwohnen, da fein Herr Bruder Johann nur einen Geſandten, D. George Metſch, dazu abfertigte. Joachim beſprach ſich unterweges mit dem Churfuͤrſten von Sachſen und dem D. Lu⸗ ther, und zeigte ihnen den mitgenommenen Entwurf, von welchem Luther urtheilete, daß ſolcher eben derjenige ſey, welcher kurz vor dem Tode Georgs Herzogs von Sach⸗ ſen am meißniſchen Hofe gemacht worden, Auf dem Reichstage ſelbſt begleiteten zwar feine Räthe den Kaifer am Palmfontage den roten April in die Kirche, enthielten fich aber doch des feierlichen Zuges, der zur Vorftellung der Beerdigung des Heilandes ans geftellet wurde. Es wurde mie einem Nefigionsgefpräch der Anfang der Berathſchla⸗ gungen gemacht. Die Proteſtanten drungen anfangs auf die Fortſetzung des zu Wornms angefangenen Geſpraͤchs. Sie waren jedoch nachmals zufrieden, daß der Kaiſer auf roͤmiſcher Seite den Julius Pflug, ©. Eck um ** r⸗ Churfuͤrſt Joachim 3° 6 Groperum, und auf enangelifcher Seite ven Melanchthon, Zohan Piftorium und Bucerum zu der Linterredung ernannte. Pfalzgraf Friedrich, Granvella, Graf Dietrich von Manderſcheid colniſcher Geſandter, Eberhardt Ruden meinis ſcher Hofmeiſter, Henvich Hafle, Franz Burkhardt und Johann Feige, pfaͤl⸗ iiſche, fächfifche und heßiſche Canzlere, wie auch Jacob Sturm ferasburgifcher Geſandter, wurden theils als Vorfteher, theils als Zeugen diefes Gefprächs ernannt, Den ꝛeſten April ließ jelbige der Kaifer vorfommen, und ermahnete fie, alle Furcht und andere keidenſchaften bey Seite zu ſetzen. Den 27ſten April ward das Geſpraͤch mit einer Anrede Pfalzgraf Friedrichs eröfnet. Es war. zwar von den Papiften ein Entwurf von 17 Artikeln übergeben, um folchen zum Grunde zu legen, Aber Gran⸗ vella brachte ven vom Churfürften Soachim mitgebrachten Entwurf, den einige das erſte Interim nennen, zum Borfchein. Die Papiften billigten eg meiftens bis auf den D. Eck. Die Proteftanten nahmen einiges’an, : andere Säge wolten fienicht ein⸗ räumen; und feßten daher Gegenartifel und Berbefferungsanmerfungen zu dem bran⸗ denburgifchen Entwurf auf, und erfläreren ſich, daß fie die verglichenen Artifel nach dem augſpurgiſchen Glaubensbefäneniß und deſſen Vertheidigung verftanden wiſſen wolten, weil die Worte des Entwurfs allerdings weitere Erklärungen gebrauchten. Die verglichenen Artifel betrafen den freien Willen, die Erbfünde, Rechtfertigung und Wiedergeburt. Der Churfürft von Sachſen bezeigte fich aber. bald fehe unzufrieden, daß man nicht das quafpurgifche Glaubensbefäntniß bey der Unterredung zum Grunde gelegt, und daß die Proteftanten nur bey der Meinung, nicht aber bey ven Worten des augſpurgiſchen Ölaubensbefäntniffes geblieben. Eben fo wenig war der auch) abs. weſende Luther mit dem, was gefchehen, zufrieden, weil ſolches zu weitlaͤufig und ein von der Rechtfertigung weiter ausgebreitet, und die eingeriſſenen Misbraͤuche abgeſchaft geflickt Ding fey, Unſerm Churfuͤrſten lag die Bereinigung am meiſten am Herzen, underthat, mit Vorbewuſt des Kaiſers, einen Schritt, der in der Geſchichte nicht viele feines gleichen hat. Er und fein’ Vetter Marggraf Georg der Fromme wuſten, daß alle Muͤhwaltung vergebens fen, wenn Luther der Vereinigung ſich widerſetzte. Sie ſchickten daher an diefen Gottesgelehrten eine eigene Gefandrichaft, ‚welche Fürft Johann von Anhaltin Begleitung des churfürftlichen Raths Matthias von der Schus lenburg und des brandenburgifchen Gottesgelehrten des Schottlaͤnders Alefius . über fich nahm. Dieſe fehr anfehnliche Abgeordnete erfüchten erft ven Churfürften von Sachfen um die Erlaubniß, mit Luthern fprechen zu dürfen. Der churfächfifche * Hof erlaubte ſolches, bezeigte aber zum Vergleich mit den Papiften weniges Belieben, und ließ ſich deutlich gnug merken, daß er mit dem Churfuͤrſten Joachim nicht zufrie⸗ den ſey, weil ſolcher zu viel nachgebe, und dem Gegentheil zu viel traue, Die Ges. fandefehaft befprach fich den zoten Junius mit Luthern, erzählte folchem den Vor⸗ sang der Sachen, und erfuchte ihn im Namen des Churfürften und Marggrafen, als den erften Anfänger der Kirchenverbefferung, daß er vorzüglich fich bemühen möchte, die Kirchenvereinigung zu Stande zu bringen, damit dadurch die feligmachende Lehre weis 1541. I5AT. 64 3%. 6 Hauptſt· Neuere Geſchichte son Brandenburg. werben Eönten. "Sie ftellten ihm die Gefahr vor, welche bey nicht erfolgter Vereini⸗ gung unvermeidlich ſey/ und vor allen andern wuͤrde man ſodenn dem Tuͤrken keinen Widerſtand leiſten koͤnnen, deſſen grauſame Handlungen doch weltberufen waͤren. Koͤn⸗ te man ſich gleich jetzt nicht über alle Stücke einigen, ſo muͤſſe man, nach dem Beiſpiel Unterricht hätten. Dem Kaiſer ſey es unmöglich, bey ven Papiften fogleich alle Miss Bräuche abzufchaffen, weil felbige noch nicht überführee wären, und daher den faiferle chen Befehlen auch: nicht gehorfam feyn würden. Carl 5 wiirde aber gewiß, nach eins geführter Vereinigung oder Duldung, an der Abſchaffung der übrigen Misbräuche ar⸗ beiten. Selbſt Venedig fen aufmerkſam, ob die Vereinigung zum Stande Fänge, und es wäre alſo eine weitere Ausbreitung des Evangelit zu Hoffen, Luther habe ja ſelbſt ehedem die Meinung gehegt: daß, wenn.die Lehre von der Nechtfertigung rein und frey veſtgeſetzt, und den kaien der Gebrauch des Abendmahls unter beiderlen Geſtalt vers - gönnet würde, bie übrigen Artikel geduldet werden fönten. Er möchte alfo mit dem Churfürften Joachim und andern Friedfertigen ſich vereinigen, daß die verglichenen J— Lehrſaͤtze beibehalten, und die übrigen vor der Hand ausgeſetzt und aufgeſchoben wurden. Es ſey wirklich zu beſorgen, daß, wo ſolches nicht geſchehe, der Reichstag zum Schre⸗ cken vieler Menſchen fruchtlos zerriſſen werden, und ſowol Unruhen im Reich, als auch Trennungen unter den Evangeliſchen entſtehen möchten. Wenigſtens ſolte Luther Rath und Wege vorſchlagen, wie die ſtrittigen Punkte ſo weit beizulegen waͤren, als es ohne Aergerniß, und ohne Gottes Wort was zu vergeben; geſchehen Fontes Doch auch‘ diefes fonderbare Mittel, zu nich Endzweck zu kommen, fehfug unferm Chur⸗ fuͤrſten fehl. Er hatte indeſſen den-rıten Jun. neue Vorſchlaͤge zum Vergleich in Re⸗ genſpurg mitgetheilet, welche voller Umſchreibungen und gemilderter Ausdruͤcke wa⸗ ren. Zum Beiſpiel ſagte er: einer Kirchenverſammlung ſtuͤnde das Recht zu, Glau⸗ bensſtreitigkeiten dem goͤttlichen Worte gemäß zu entſcheiden Man konne den Papſt, wenn er das Evangelium nicht verfolge, als den oberſten Patriarchen wol erkennen u. f w. Und um diefe Vorſchlaͤge annehmlich zu machen, hielt er an die Gottesgelehr⸗ ten eine ſehr nachdruͤckliche Rede. Da ſie, ſagte er, der Gefahr, welche aus dieſen ſchweren Uneinigfeiten bevorſtuͤnden, am erſten ausgeſetzt waͤren; ſo glaubte er wohl, ne zeigen, was die Streitigkeiten ihm vor Seelenangſt machen, und wie bereitwillig er ſey, um die Chriſtenheit ſo gluͤcklich zu ſehen, als moͤglich, alles beizutragen, was man von einem fein Vaterland liebenden Churfuͤrſten nur immer erwarten Fönne, des ven Eifer anzufeuren, die der Bereinigung die Hand bören, und feine Kräfte zu verei⸗ nigen, wofern er irgend dabey was thun Fonne. Er wolte folches um fo lieber thun, weil er wahrnehme, daß andere ſchaͤdliche Rathſchlaͤge gaͤben. Was koͤnne bie: Unbiege ſamkeit wol fruchten? Was vor Uebel entſpringe nicht aus Streitigkeiten? Und was ſey im Gegentheil angenehmer und erwuͤnſchter, als die Eintracht? "Er brauche ihnen, als frommen, weiſen in den Geſchichten — leuten und welche die Bni ———— des alten und neuen Bundes, Diejenigen aus Liebe dulden, welche keinen genugſamen J — I Pr Pe — —— — ö rn Aa ER ——— nr * N ern daß ſie das Beſte der Chriſtenheit beherzigen würden. Allein er wolte ihnen auch ger⸗ R Churfuͤrſt Joachim 2. 65 = " Seifligteiten öfters bedauret, diefe fraurigen Bilder nicht weiter vorzuhalten. Aber * feinen Schmerz, koͤnne er nicht bergen. Das wenige, was er bisher gefagt, rühre ihn, Bi: ers da er fehe, was verfchiedene vor Rathſchlaͤge geben, und befürchten müffe, e. daß aus der jeigen Hitze ein Brand entſtuͤnde, der ganz Deutfchland in die Afche les NüUich jegiger Zeit folches vorzüglich hun, da es noch erlaube fey, gütliche Unterhandfuns ‘2 gen zu pflegen, um die Ruhe beizubehalten, gefegt, daß folches mie Schaden gefchehen. mauͤſte, weil folcher mie den Unbequemlichfeiten des Krieges in Feinen Vergleich zu zies 7 ben. HF Gott! wie würde es ausfehen, wenn der Krieg, wie zu befürchten fen, wirklich ausbreche. Was vor ein Elend würde im Neiche und im deutfchen Vater⸗ Sande eneftehen! Die nächften Verwandten würden fich die Hälfe brechen. Ein Theil verlaſſe fich auf ein ziemlich wichtiges Bündniß, der andere Theil auf die Neichsmacht, welche in der That nicht fehiwächer ſey. Jeder Theil glaube Necht zu haben, jeder hoffe auf Gottes Hülfe. Er wolle nicht vorſchnell urrheilen. Es habe aber der Ausgang mehr als zu off gezeiget, wie mislich e8 um Bundesgenoffen ſtehe. Hingegen fey der Kaifer auch ohne Deutfchland der mächtigfte europäifche Monarch, deffen Weisheit, durch Vereinigung der tapfern fpanifchen, welfchen und deutfchen Kriegesheere, auch Bam Ueberwindern den Sieg wieder entreiffen fonte. Diefe Ausficht ftelle dem Churs fuͤrſten einen Zuſtand dar, wo entweder Feine oder die Religion ſtatt finden werde, wel⸗ che der Kaifer vorfchriebe. Alsdenn würde das Schwerd ohne Unterlaß freffen, die wuͤrden unter die Fuͤſſe getreten, alle gute Ordnungen und Sitten vergeſſen, und einer ausgelaſſenen erſchrecklichen unerhoͤrten Frechheit Thuͤr und Thor geoͤfnet wer⸗ den. Der Feind werde in unſern fanden und Mauren wuͤten, und die Städte voller Empprungen feyn. Kein Ort werde von den Uebeln, von den Verwuͤſtungen, Vers jagungen, Zerftörungen feiner Häufer, Veraͤnderungen in feinem bürgerlichen Zuftans be befreiet bleiben, und es werde feloft unter ihnen fo viel Mistrauen einreiffen, daß ben. Einer würde dies, der andere das vathen; ein jeder thun, was ihm beliebte, das Seinige lieber verlieren und dem Feinde gönnen, als feine Mitbürger damit unters erſchreckliches zu erdenfen, dem nicht der Schuldige mit dem Unfchuldigen ausgefegt ſeyn wuͤrde. Und alles viefes Elend würde aus der Unbiegſamkeit der Gottesgelehrten entftes 3 hen, und dadurch erhalten werden. Es fen daher rathfamer, etwas von feinen Mei⸗ mungen, fonderlich im äufferfichen Gottesdienft und den Kirchengebräuchen, dem Ger 8, gentheil, welcher dagegen in Glaubenspunkten fich gewierig erkläret habe, nachzugeben ; bdeſnn es ſey zutraͤglicher, einige mittelmaͤßige Gemeinden zu behalten, als alle zu verlie⸗ ren. Man werde es ihnen am wenigſten verdenken, wenn ſie jetziger Zeit einige ob geld nicht völlig gegründete Meinungen Auguſtini und anderer Kicchenväter beibehiels 0 Prallg. preuf. Befch.3 Th. S ——— J gen koͤnte. Waͤre es jemals noͤthig geweſen, etwas nachzugeben, ſo muͤſte man wahr⸗ man ſich mehr vor den Seinigen, als vor den Feinden, werde in Acht zu nehmen has und Faum ein Mittel übrig bleiben, die Gemuͤther zu vereinigen. Der Reiche wuͤrde ſtuͤtzen. Der Arme wuͤrde mehr darauf denken, fremdes Gut an ſich zu bringen, als. ‚das feinige zu erhalten. Man würde unfehuldiges Blut vergieffen, und es fey nichts I5AL. - 1541. 66 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. | ten, weil viele Staaten deren Beibehaltung Fünftig als etwas ganz wilführliches anf hen würden. Niemand denfe gemäßigter, als der Kaifer. Er allein halte ven = Bruch des Krieges zurück, und fey enſſchloſſen, nicht nur uͤber das, was die Deutſchen, in Abſicht einer Vereinigung beſchlieſſen wuͤrden, zu halten, ſondern auch die vereinig⸗ ten Artikel von der Rechtfertigung u. ſw. auch in den entlegenſten Staaten auszubreis ten, ohne des Papfts Willen darinnen blindlings zu folgen. Hiedurch würde dem Ges wiſſen dererjenigen gerathen,; welche die Abſchaffung einiger Mishräuche wänfchten. > Hiedurch würde die ganze Chriftenheit wieder vereinigee werden. Mimmermehr koͤnne dern das Wohl der Kirchen am Herzen liegen, welcher diefes Cute verhindere. Mar wuͤrde folches dadurch ungemein erleichtern, wenn man dem Papft und den Bifchöfen ihre Hoheit lieſſe. Die Beibehaltung guter Ordnung der Kirchenzegierung und Kirchens zucht erfordere folches. Was vor Berwirrung würde man erleben, wenn die Züchtie gungen und Strafen der Kirche das Lafter nicht im Zaum hielten. Es fey zwar wahr, daß die Kirche, aus Schuld der Papiften, ganz unfenntlich geworden. Man habe vie reinen Quellen zur Seligfeit verunreiniget. Die Mönche hätten unnatücliche und naͤr⸗ riſche lehren eingefuͤhret, welche theils aus falſchen Gruͤnden der Weltweisheit, theils aus phariſaͤiſchem Aberglauben entſtanden wären. Die Fehler der Kirchenordnung lägen am Tage. Die Biſchoͤfe wären darin zu weit gegangen, daß fie fich faft einer unbeſchraͤnkten Herrſchaft angemaſſet. Die Pracht in denen Stiftungen ſey zuboh geftiegen.. Bey dem allen müffe man folches lieber dulden, als daß alle Ordnung, alles Kirchenregiment uͤber den Haufen fiele, welches wirklich unter allen Uebeln das groͤſte ſey. Der päpftfiche Borfchafter Contarenus habe noch übersies die Verbefferung dies fer Stürfe auf das ernftlichjte zugefage. Der Churfürft biece daher, um: dem Streit einmal ein Ende zu machen, daß die Goftesgelehrten Durch Unbiegfamfeit dem Guten - Feine Hinderniffe in ven Weg legen, welches die bereits verglichenen Artikel nad) fih ziehen würden; daß fie dem unendlichen Elend. nicht Thür und Thor ofnen, fondern, fo viel ihnen möglich, zum Vergleich die Hand bieten; den Kaifer und alle Sriedliebende von ihren Beforgniffen befreien, und den Vorwurf abwenden möchten: fie wären allein ſchuld daran, daß das Mistrauen nicht gehoben und die vorige Ruhe nicht wieder hergeftellet | worden. Sie folten bedenken, daß eine übertriebene Freiheit dfters die Ketten zur Sclaverey geſchmiedet. Die groffen Weltförper beugten fich felbft einander aus, und erhielten dadurch ihren Zufammenhang. Es fen daher Menfchen nicht zu verbenfen, wenn fie durch dulden, nachgeben und gelinden WWiderfpruch ihren Lauf vollendeten, bis beffere Zeiten Famen. Die Oottesgelehrren würden fich dadurch das Lob aller derer vers fehaffen, welche auf den Ausgang diefer Verſammlung und ihr Bezeugen warteten. Was fie jetzt aus Pflicht oder freiem Willen thaͤten, wuͤrde ihnen von vielen Voͤlkern verdanfet werden. . Ihre eigene Gemeinden wünfchten ihre Sicherheit und Ruhe durch - ben Enefchluß der Gottesgelehrten zu erhalten. Dem Kaifer wuͤrde dadurch der groͤſte Gefallen gefehehen. Sie folten fich dadurch aus ihrer und der ihrigen Aufferften Gefahr reiſſen. Würden fie aber-igre Unbiegſamkeit nicht. brechen ;_ ſo Fonte man nicht anders - um 5 er nr Churfuͤrſt Joachim ·· 67 als dafs fie mie Vorſatz Streitigkeiten haben wolten.,, Ohnerachtet aber 1541. ie , befonders Bucerus, des Churfürften Meinung beitraten, und die unverglichenen Säge vor nicht gar zu erheblich erfläreten; fo waren doc) die uͤbrigen anderer Meinung. Sie traueten theils denen Papiften nicht zu, daß fie ehrlich zu Werke giengen, theils wolten fie fich nicht von einander frennen. Denn Sachfen ‚und Luther hatten einmal befchloffen, nichts nachzugeben. Die Antwort der Gottes⸗ gelehrten an unfern Churfuͤrſten gieng alfo dahin, daß man den Verfuch, die übrigen ſtrittigen Punkte zu vergleichen, auf andere Zeit ausfegen ſolte; welches unfer Churs —5 — dem Kaiſer hinterbrachte, und woruͤber auch Jvachim „wie Leuthinger bezeugt, ee zufrieden war, befonders da er aus der baierifchen Erklärung wahrnahm, daß es der roͤmiſchen Kirche kein wahrer Ernſt ſey, die groben Fehler und Misbraͤuche der Dan abzufchaffen, und eine Kirchenverbefferung einzuführen. Ä u . 26. Wecil nun das Retgionoeſprich auf dieſe Art meiſt fruchtlos ſich zerſchlagen, auch getage — Theil ſelbſt unter fich, im Abſicht der verglichenen Artikel, nicht völlig eis abſchied. nig war; fo ward endlich vom Kaifer, mit Zuftimmung der Stände, befchloffen: „Earl 5 wolle, dem Begehren der Stände zufolge, auf feiner italiänifchen Neife ven Re Papſt vermögen; nächftens auf deutfchen Boden eine allgemeine Kirchenverfammlung, bobder wenigftens eine Verſammlung der deutſchen Kirche, auszuſchreiben. In deren 2 Ermangelung wolle der Kaiſer in 18 Monaten einen Keichstag ausfchreiben, um die ſtrittigen Religions ſachen darauf zur endlichen Vergleichung zu bringen. Doch ſolten die Proteſtanten über und wider die bereits auf dieſem Neichstage verglichenen Arti⸗ kel nicht ferner fehreiben. Alle geiftliche Praͤlaten folten indeffen eine Kirchenverbeffes rung vornehmen, die dem Beften der Kirche förderlich fey. Der nuͤrnbergiſche Reli⸗ gionsfriede folle bis auf eine Kirchenverſammlung, oder, in deren Ermangelung, bis auf den naͤchſten Neichstag in allen Stücken unverbruͤchlich gehalten werden. Alle Tpärlichfeiten und Entfegungen der geiftlichen Perfonen von ihren Gütern wurden bey Strafe des tandfriedensbruchs verboten. Die Nechtshändel des Kammergerichts in Religionss und dahin gehörigen Sachen wurden aufgefchoben. Jedoch folte in allen ‚andern Artikeln dem augfpurgifchen Neichstage nichts benommen feyn. - Der Kaifer bes hielt ſich das Nechtvor, über den Neligionsfrieden fowol, als über Die Frage, welche Hands > Yangen Religionsſachen wären, oder nicht, eine Erflärung zu geben. Da der Kaifer das Kammergericht etliche Jahre unterhalten; fo übernahmen die Stände, in denen drey folgenden Jahren folches zu thun. Zum Tuͤrkenkriege ward eine eifende Hülfe, nemlich der halbe Anſchlag des Rümerzuges, auf drey oder vier Monate verwilliget, auch wegen einer behartlichen Hülfe einige Verordnungen‘ gemacht. , In Religionsfachen gab wirffich ver Kaifer noch eine Erklärung heraus, „daß die Protefkanten die in dem 5 Religionsgeſpraͤch verglichenen Artikel nicht uͤberſchreiten ſolten. In den uͤbrigen un⸗ verglichenen Artikeln ſey ihnen Feine Maaſſe gegeben. Daß die Entſetzung von geiftlis - Gütern und Einkänften beiden Theilen gleichmäßig unterfagt fey. Daß den Unters 34 thanen > — — BE BETEN 68 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. 1541; thanen frey ftehe, vor ſich ſelbſt auf eigenen Betrieb fich zu einer Neligion zu begeben: wie fie wollen. Bey dem Kammergericht follen Feine Beifiger, die dem augfpurgifchen Slaubensbefäntniß zugethan, abgewiefen werden, Und der Artikel, fo von dem auge hurgii ‚hen Neichsabfehied handelt, fen von andern Sachen } — der Reuclen⸗ zu verjiehen. „, Der chutfuͤrſt Auffer diefen allgemeinen Reichsſachen hatte unſer Churfuͤrſt auf FR —— nimmt ſich des gufchen Reichstage noch mancherley andere Angelegenheiten zu beforgen. Der Kaiſer —— nahin ſich noch immer der Anſpruͤche des deutſchen Ordens auf das Herzogthum Preuß fen, gegen des Churfuͤrſten Better den Marggrafen Albrecht, an. Der König vom Polen, Siegmund, unterftägte aber durch eine Gefandrfchaft den rechtmäßigen Bes fiß des leßtern, und Soachim 2 nahm gleichfals die Partey Herzog Albrechtd von - Preuffen. Doc) aller Bemuͤhung ohnerachtet Fonte man den Kaifer nicht — den deutſchen Orden mit ſeinem Geſuch abzuweiſen. Auch des Unnter den weltlichen Fuͤrſten hatten die aus churfuͤrſtlichen Haͤuſern abſtannmend⸗ Pr Prinzen den unftreitigen Rang vor andern Reichsfuͤrſten. Auf diefem Reichstage wolte Stanten, aber Herzog Henrich von Braunſchweig in Perfon über des Marggrafen Geprgvom Brandenburg Gefandte, die derfelbe vor feiner perfönlichen Ankunft abgeſchickt hats te, den Vorrang behaupten. Unſer Churfuͤrſt nahm ſich der Nechte feines Hauſes an, und ohnerachtet der Kaifer, der dem Herzog Henrich nicht abgeneige war, als ein: Mittel zu Ausmachung diefes Streits: vorfihlug, daß man ummechfeln folte; fo wolte doch unfer Churfürft, zum Nachtheil fünes Hauſes und der churfürftlichen Vorrechte, nicht darein vwoilligen, fo daß den 22ften un. die Zufammenfunft der Stände darüber zerriffen wurde. Das Haus Brandenburg vertheidigte fich auch glücklich bey dem Befig feines Nechts, fo daß auch im Reichsabſchiede Georgs Marggrafens von Bran⸗ denburg Name vor dem Namen Henrichs von Braunfchweig unterfehrieben wurdes * herzog Herzog Henrich von Braunſchweig hatte überhaupt wenige Freunde, woran ran, theils fein vor die römifche Kirche bezeigter Eifer, theils feine Herrſch / und Eprfucht, ſchweig. theils fein hitziges Betragen vorzuͤglich ſchuld war. Unter andern hatte er feinem Bru⸗ der Wilhelm einen Vergleich, durch eine lange Gefangenſchaft, abgedrungen, nach welchem ſolcher ſich aller Rechte auf die Regierung von Land und Leuten, gegen geringe jährliche Leibrenten, begeben muͤſſen. Dieſerwegen thaten Churfuͤrſt Joachim, die Marggrafen Georg und Albrecht in Franken, Churfuͤrſt Johann Friedrich von Sachſen, Pfalzgraf Philipp und das Haus Anhalt, dem Kaifer auf dieſem Reichs⸗ tage, zum Beften Herzog Wilhelms, allerhand BVorftellungen, und erfuchten den Kaifer, den abgedrungenen Vergleich vor nichtig zu erflären. Aber auch hier zeigte Earl 5, wie gut Herzog Henrich bey ihm angeſchrieben ſey, weil alle Vorſprache bey ihm vergebens angebracht wurde. Er erhält die Der Kaifer unterließ jedennoch nicht, unferm Spurfärften dasjenige zu ertheilen, itbefehnung Fr was felbigem von Nechtswegen gebührete. Herzog Philipp von Pommern ward mit mern. feinen fanden vom Kaifer belieben. Beil nun dem — a: durch Ver⸗ \ träge, 4 u Fr a hr ae Fa u A ET 2 sein * — Sat a zer Churfürft Joachim 2) 69. they bie ie Kalſet befärige Gatten, das fünftige Etbſchafterecht in dieſem fande Ian, zuftand; fo ernannte der Churfürft Joachim Gefandte, welche bey der feierlichen Bes lehnungshandlung im Namen des Churhaufes Brandenburg die Mitbelehnung ſuch⸗ ten und erhielten. | | | RT nein $. 27. Es war wirklich noͤthig, daß auf den Neichstägen die Stände zu einer Hilfe ges Die Türken: gen die Tuͤrken fich vereinigten. Nach dem Tode Johannis von Zips füchte der roͤ⸗ gefahr nimmt miſche König Ferdinand diejenige ungarifche Parten, die esmit felbigem gehalten, voͤl- uͤberhand. lig zu unterdruͤcken. Er machte daher Anftalten, veflen hinterlaffene Witwe und uns mündigen Prinzen Johann, welche fich in Dfen aufbielten, in feine Hände zu bes kommen. Voller Berzweifelung riefen diejenigen Ungarn, welche fich der üfterreis chifchen Regierung nicht unterwerfen wolten, die Türfen zu Hülfe Suleiman lockte mit &ift den Hinterlaffenen Sohn des Eronenmitbuhlers Ferdinandi im fein tager, und chat nunmehr ven Antrag, daß man ihm die Veſtung Dfen einräumen folte. Man mufte folches, um den jungen Prinzen in Freiheit zu bringen, einwilligen. Und über Diefes fehlugen die Tuͤrken des Ferdinandi Feldheren Grafen von Roggendorf bey Dfen, und bemächtigten fich der Veſtung Peſt zu einer Zeit, da die Gemuͤther in Deutfchland in der Religion nicht vereiniget werden Finnen. Der Kaifer war, nach geendigtem Neichstage, nach Italien und fo weiter nad) Spanien abgegangen, wo er, wider den Math der Seeverftändigen, der unbequemen Jahreszeit ohnerachtet zu einem Kriegeszuge gegen Algier, um die Sicherheit der fpanifchen und italiänifchen Küften berzuftellen, Anftalten machte. Doch hatte er unterwegens zu Lucca fih mit dem. a @ Papft wegen einer Kirchenverſammlung befprochen, welcher hierauf Moronum nach Deutfchland fhiette, um ſich deshalb mit denen Ständen zu befprechen. Der Zug des Kaiſers in Africa lief ſehr unglücklich ab. Seine. Flotte litte in feinem Angefichte Schifbruch, und es entſtand fogar das Gerücht, daß ſelbſt der Kaifer in denen Fluthen umgefommen, ob er fich gleich nach Spanien gerettet hatte. Diefes Unglück vergrößs ferte die Tuͤrkengefahr, daß dieſerhalb 1542 ein Reichstag nach Speier ausgefehrieben 1542, . wurde. Unſer Churfuͤrſt befuchte denſelben perfönlich. Es wurden hierauf einige Städte Reichstag zu in Stalien, Cambray in ven Niederlanden und Trident in Deutichland zum Ore Speier. der Fünftigen Kirchenverſammlung vorgefchlagen, Den legtern lieſſen fich die catholis fihen Stände gefallen. Die Proteftanten aber wolten weder zu Trident folche ge⸗ halten wiſſen, noch dem Papft die Gewalt, fie auszufchreiben, einräumen, fondern beftunden darauf, daß der Kaifer eine Kirchenverfammlung zufanmen berufen müfte, der fie fich unterwerfen ſolten. Im Neichsabfchiede ward alfo verordner: die catholis fihen Stände fieffen fich gefallen, daß eine Kirchenverfammlung nächftens nach Tri⸗ dent guögefehrieben werde, wogegen aber diejenigen einen Widerſpruch eingelegt , mel che das augfpuraifche Staubensbefäntnig annehmen. Die auf vorigem regenfpurgis ſchen Reichstage vefigefegte Ruhe, und die Ausfegung der Rechtshändel des Kammers : es gerichts 1542. 70 3Th. 6 Hauptſt. Meuere Geſchichte von Brandenburg. gerichts in Religionsſachen ſolte noch auf fuͤnf Jahre, vom Ausgange des naͤchſten Tuͤrkenzuges an zu rechnen, verlaͤngert ſeyn. Vor allen andern ward ein Tuͤrkenzug beſchloſſen, wozu die Staͤnde des Reichs, nach Iſthuanffii Rechnung, gegen 7000 ſchwere Reuter und 30000 Mann Fußvolf zu ſtellen, zu unterhalten, und mit den be⸗ Nnoͤthigten Kriegesbeduͤrfniſſen und Geſchuͤtz zu verſehen fich anheifihig machten. Es Famen verſchiedene anfehnliche Churfürften und Stände zur höchften Feldherruwuͤrde diefer Neichsmacht in Vorfchlag, worunter fich, nebft dem Herzog Albrecht von Preufe fen und Marggrafen Georg von Brandenburg, auch unfer Churfürft, ver bereits - als Churpring mit vielem Ruhm gegen die Tiirfen gefochten, befand, ' Die meiften Stände glaubten, daß dies Amt niemand würdiger, als Joachim 2, bekleiden koͤnte. Er ſelbſt aber ſahe alle Schwierigkeiten, die ſich dem guten Ausgange eines Tuͤrkenzuges entgegen ſetzen wuͤrden, vollkommen ein, und entſchuldigte ſich, daß ſei⸗ ne wenige Kriegeserfahrung dieſe Stelle anzunehmen nicht erlauben wolle. Churſach⸗ ſen nahm dieſe hoͤfliche Entſchuldigung zur Gelegenheit, ſich ſelbſt zur Uebernehmung der oberſten Reichsfeldherrnwuͤrde zu erbieten, wenn die übrigen Stände, ihm ſolches anzuvertrauen, geneigt wären. Weil aber der roͤmiſche Koͤnig ſowol, als die meiſten Staͤnde, ſich von der Anfuͤhrung unſers Churfuͤrſten Joachim das allerbeſte verſpra⸗ chen; ſo ward derſelbe endlich bewogen, ſich nicht ferner zu weigern, und daher im Reichsabſchiede folgendes beſchloſſen: „Als nun aber von Churfuͤrſten, Fuͤrſten und ge⸗ meinen Staͤnden auf juͤngſtem zu Regenſpurg gehaltenen Reichstage des Kayſers Ma⸗ jeſtaͤt vndertheniglich ergeben und heimgeſtellet worden, aus etlichen damaln fuͤrgeſchla⸗ genen Churfuͤrſten und Fuͤrſten einen Oberſten Feldhauptmann vber obbemelt Krieges - volk zu erwehlen; alſo Haben wir aus ſondern jrer kayſerllchen Majeſtaͤt Befelch mit vnd neben jrer kayſerlichen Majeſtaͤt verordneten Commiſſarien, den Hochgebohrnen Joachim Marggraffen zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der Caſſuben, Wen⸗ den und Schleſien, zu Croſſen Hertzogen, Burggraffen zu Nuͤrnberg vnd Fuͤrſten zu Ruͤgen, des H. Reichs Ertzcaͤmmerer vnd Churfuͤrſten, unſern lieben Oheym, zum oͤberſten Feldhauptmann erwehlt und benennet, welcher ſich auch auf vnſer und gemei⸗ ner Staͤnde Erſuchen vnnd Bitte der kayſerlichen Majeſtaͤt vnnd vns zu gehorſamen und freundlichen gefallen, auch dem Reich zum Guten vnnd in Anſehung dieſes chriſtlichen nothwendigen Werks der Oberſten Hauptmannſchafft vber obbemelt Kriegsvolck zu Roſſz vnnd Fuß vndernommen, mit dem man der Beſoldung ſeiner Hauptmannſchafft vnd anders verglichen und vereinigt iſt, wie das feiner liebde Beſtellungs⸗Brieff innhelt Doch wurden unferm Churfürften aus den zehen Kreifen zehen z) dem Reich. verpflich- tete Rriegesräthe zugeordnet, um fich nach derfelben meiften Stimmen bey allen Kris ge&begebenheiten zu richten. Unter ihn ſolten zwey Generals das Fußvolk, und einer die Reuterey befehligen, deren jedem noch ein anderer nachgeordnet, und aufferdem ein 3 oberſter Mufterherr, ein obrifter Pfennigmeifter,; oder Kriegszahlmeiſter, und andere Krie⸗ u) Iſthuanffius weiß nur von acht Kriegesraͤthen, und vielleicht waren zwey von dem Zuge weg⸗ geblieben. — ee — DE Bee ER dh 25 Pr BET he BER * een Er al ee RT * Churfürf Joachim ⸗ I Kriegebeamten verordnet wurden. Den obriſten Feldherrn fowol, als all übrige 1542; ; Kriegesbeamte folte das geſamte Neich befolden, und alle Koſten beſtreiten, die * Kundſchaft u. ſ. w. darauf gehen würden. Sonſt fertigte auch der römifche König zum Vortheil der Proteftanten eine Erklaͤrung des J Erklaͤrung aus; daß durch dieſen Reichsabſchied der vorige regenſpurgiſche Friedſtand roͤmiſchen koͤ⸗ und die darauf erfolgte kaiſerliche Erklaͤrung nicht aufgehoben ſey, ſondern ſo lange als —— * die jetzige zu Speier veſtgeſetzte Ruhe dauret, auch währen folle. Die Kammerge⸗ richtsunterſuchung ſolle ebenfals, vermoͤge des regenſpurgiſchen Abſchiedes, vorgenom⸗ —— men werden, und, im Fall ſolches nicht geſchehe, haͤtten ſich gedachte Stände vorbe⸗ halten, die Gerechtigkeitspflege des KRammergerichts nicht nur in Neligionss fondern auch in allen andern Sachen von fich abzulehnen. Inſonderheit folle die wider die Stadt Goslar ergangene und zur Ausführung an den Herzog Henrich von Braun | 1 ſchweig uͤbertragene Acht aufgehoben ſeyn, und die Sache vor dem Kaiſer und roͤmi⸗ — ſchen Könige innerhalb einem Jahre, fo kurz als moglich, ausgemacht werden. Auf eben dieſem Reichstage unterſtuͤtzte Joachim feinen Schwager den Herzog von Meck⸗ } lenburg, da derſelbe um eine Vorftellung an feine Landſtaͤnde anhielt, daß folche die Bes “ zahlung feiner Schulden übernehmen folten; und war in dieſem Geſuch gluͤcklich x). ar — —* 28 J Es ſchien in Deutſchland wenigſtens auf etliche Jahre die Ruhe ziemlich beve⸗ Nachricht | Mic su fm Altes befchäftigte fich mit der Zuräftung zum Tuͤrkenkriege. Selbſt om: Türken; die Proteſtanten machten hierzu alle Anftalt. Auch Luther hatte einen eigenen Kries PR gesbrief befandt gemacht, worinnen er die Rechtmäßigkeit eines Tuͤrkenkrieges zeigte, _ und jedermann dazu aufmunterte. Unfer Churfuͤrſt Joachim Hatte daher alle Hof⸗ nung, baß unter feinem Oberbefehl von dem Heer der Chriften was erhebliches: verrich, eet werden würde, weil zu der Reichsmacht fpanifche, päpftliche, mailändifche, böhmifche, Öfterreichifche und ungariſche Kriegesvölfer ftoffen folten. Er gab da her endlich feinen eigenen Völkern zum Aufbruch) Befehl." "Zu feiner teibwache hatte er fich einen Haufen ſchwerer Reuter ausgefucht, welche insgeſamt einen fhwarzen Pan⸗ zer trugen, weches nachher denen Ungarn Gelegenheit gab, unſern Churfuͤrſten von feiner leibwache den ſchwarzen Feldherrn zu nennen. Er empfahl ſich vor feiner Abreiſe * beſonders dem Gebet Luthers und Melanchthons, und gieng endlich nach Wien ab, welcher Ort zum Sammelplatz der chriſtlichen Macht beſtimmet war. Hier fanden fich nach und nach einige verfprochene Neichsvölfer ein. Um nicht die befte Jahreszeit init - Erwartung der übrigen verftreichen zu laſſen, hätte er gern, dem Vorfchlage Medigis ni zufolge, der die mailandifchen Völfer anführete, Dfen zu uͤberrumpeln gefücht, wenn ihn nicht die Saumfeligfeit, die am Hofe des römifchen Königes und bey des nen Ständen herrfihte, davon abgehalten. Endlich gab der Churfürft Befehl zum Aufbruch nach Ungarn. Die Ungarn und Welſchen machten ven erften Haufen, und u; — bey denen ſich der ER befand, den andern Haufen, das Gepaͤcke aber E machte x) von Baͤr Res Mikkab, Ri 742 1542: 72 3 Th. 6 Hauptft: Meere Geſchichte von Brandenburg. machte den Nachzug aus. Um die. Bölfer nicht zu ermüden, wurden Fleine Tagereid £ fen zurückgelegt, das Lager des zweiten Zuges aber allemal mit ihrer eigenen Wagenburg eingefchloffen. Diefe Behutfamfeit verurfachte das Gericht von dem Anzuge einer flarfen tuͤrkiſchen Macht. Endlich ward zu Gran der Kriegesrarh zuſammen berufen. Mediginus fehlug zwar wieder vor: daß man gerade auf Ofen Tosgehen folce. Pe⸗ renius, der die Ungarn anführete, und Ungnad, der vie Defkerveicher befepligte, waren eben diefer Meinung. Die deutfchen Kriegesräthe aber Hielten davor, daß man bie Veftung Peft erft angreifen müfte. Dieſer Ort, der nicht foveft, als Dfen, wuͤrde vermuthlich leichter übergehen, und dadurch der Much der Soldaten wachfen, - nachher bey Dfen alles mögliche zu verſuchen. Weil der Zug auf der rechten Geite der Donau geſchahe; fo mufte man, Waitzen gegen über, über die Donau gehen Hier aber machen zwey Arme diefes Fluffes die Ardreasinfel, und folglich war. ein doppelter Brückenbau nöthig, der um fo viel fehwerer fehien, da man nothwendig glas ben mufte, daß die Stadt Waigen mit feindlichen Völfeen befege fey. Der Churs fürft ſchickte alſo den päpftlichen Seldheren Bitellium mit einigen Völkern voraus, den Feind zu beobachten, und verfprach, den Tag darauf mit dem ganzen Heer zu folgen. Vitellius fand aber Waigen unbefest, worauf das Heer der Bundesgenoſſen wirk⸗ fich über die gefchlagenen Brücken gieng. -Peft wurde ſowol von der fand» als Flußs feite eingefchloffen.' Die türfifche ftarfe Befagung hatte Befehl, ſich bis auf den letz⸗ ten Mann zu wehren. Sie that verfchiedene Ausfälle, in denen der Churfürft den Ditellium und Perenium, die mir ihren Völkern meiftens den erften Anfall auszus fiehen Hatten, durch Deutſche unterftügen ließ. In einem der ftärfften Ausfälle hielt ſich vorzüglich Herzog Morig von Sachfen, albertinifcher tinie, der feinem Vater Henrich in der Regierung gefölget war, und auf eigene Koften 1000 Reuter zum Heer der Chriſten nach Ungarn abfügrete, vortreflich. Er verlor ein Pferd unter dem kei⸗ be, und half die feindliche Mache glücklich zuruͤck fehlagen. Hierauf lieg Joachim mit dem Feuer aus 40 Stücken ſchweren Gefchüges den Anfang machen, - Anfänglich hatte folches Feine fonderliche Wirkung, weil die Feuerwerfer ihre Kunft nicht verftan- den. Doch nach und nach) ward dadurch in der alten Mauer eine Defnung zum Stan: de gebracht. Es ward alfo ein allgemeiner Sturm beliebet, Moritz aber indeffen das verfchanzte Lager zu bedecken beftimmt. In der Stadt war alles fo flille, als wenn die Befagung fich heimlich nach Ofen geflüchter Hätte. Der Befehlshaber hatte aber in aller Stille die vortreflichften Öegenanftalten vorgekehret. Bor die Defnung der Mauer war fchon innerhalb der Stadt eine neue Mauer gezogen, und in der Nacht hatten ſich frifche Völfer aus Ofen in die Stadt Peſt geworfen. Es war alles fertig gemacht, um die Stürmenden aufs beſte zu empfangen. Der Sturm gieng vor fich. Vitellius mic denen Staliänern hatte den erſten Angrif. Die Deutfchen und Un⸗ garn waren zur Unterftügung befehliget. Allein der Sturm mislung, und die Wel⸗ fchen fehoben die Schuld aufdie Deutfihen und Ungarn, daß folche nicht zu gehoͤri⸗ ger Zeit das ihrige gerhan. Der Ehurfürft, der mic denen Kriegesrächen und dem Un⸗ an gnad er I re ee re Fr —— gnad in der Nähe fich befand, mufte erfahren, daß diefer Sturm vieles Blut gefoftet, 1542, und biele in der folgenden Macht einen Kriegesrach, ob die Belagerung fortgefegt, oder aufgehoben werden ſolte. Die meiften Stimmen fielen für das letztere aus, und Joa⸗ chim war viel zwfehe gebunden, als daß er fich nicht nach) den Stimmen der. meiften haͤtte richten muͤſſen. Er gab alfo den folgenden Tag den Befehl, die Belagerung aufs zubeben. Die Nacht darauf wurde das fihwere Geſchuͤtz und Gepaͤcke abgeführer, wors auf das Heer ſelbſt folgte, und wieder über die Donau zurück gieng. Der Feind grif den Nachzug von Dfen aus an, wo Bitellius, Perenius und Herzog Moritz von a Sachſen befehligten. Es feste hieben oft blutige Köpfe, und befonders verlor Jacob Graf Truchfes von NBaldburg da er. das andere- Pferd: befteigen wolte, fein Leben, Berfchiedene, die dem Heer nicht folgen Fonten, buͤßten Leben oder Sreiheit ein. Das Geſchuͤtz und die Kranfen wurden zu Wafler abgefuͤhret. Das Heer aber nahm feinen Zug wieder zu fande nah Wien. In Gran ließ der Churfürft, auf Befehl des Serdinandi, den Perenium veſtmachen, der theils vor diefem- Feldzuge ſich mans ‚ches zu Schulden kommen laſſen, theils in diefem in. den Verdacht gerathen, daß. er mic dem Feinde einen Briefwechfel unterhalten, und verhindert hätte, daß vor Peſt alles übel gelaufen. Es ward folcher gefangen nach Wien gebracht, wo er im Ges fängniß in der Neuftadt mit Tode abgegangen. er | Wenn Sachen nach Lunfe) ausfallen, fo will ein jeder an dem erhaltenen Ruhm Beſchulbigun⸗ Antheil nehmen, die Schuld aber von mislungenen Anſchlaͤgen will niemand gerne trar gen des cur: gen. Bey dem fruchtlos abgelaufenen Türfenzuge füchte eine jede Nation die Schuld En - - auf andere zu wälgen. Die Staliäner fowol, als die Ungarn, fuchten fie denen tungenen feib Deutfchen , und-insbefondere unferm Churfürften Joachim, aufzubuͤrden. Es iſt zuge. die Pflicht eines unparteiiſchen Gefchichtfchreibers, alles das denen Leſern befande zu mar chen, was nicht nur zum Lobe, fondern auch zum Nachtheil desjenigen gefage worden, von welchen man redet. Paul Jovius hat unter den welfchen Geſchichtſchreibern am heftigften auf unfern Churfürften losgezogen. Er fagt: Joachim habe mit einem ſchoͤnen Heer nichts ausgerichtet. Er habe mehr auf Schmaufereien, als den Krieg, ‚gehalten, und fey von dem Mufter feiner Vorfahren weit abgewichen. Er fey dem übernäßigen Trunk und der Voͤllerey ergeben gewefen, und habe in derfel- ben die beften Gelegenheiten, etwas auszurichten, ungebraucht vorbeigelaſſen. Iſthuanffius, ein ungarifcher Geſchichtſchreiber, ſcheint ebenfals mit ihm nicht zw frieden zu ſeyn. Er fagt: unfer Ehurfürft habe weder die gehörigen Kriegeseinfichten noch Erfahrung gehabt, ohnerachtet er bereits ehemals gegen die Tuͤrken zu Felde ger wefen. Man habe ihm blos das oberfte Feldherrnamt deswegen aufgetragen, weil er von ſehr vornehmer Abkunft und vortreflichem Ausſehen geweſen. Endlich weil er durch freigebige Ausgaben und koſtbare Tafel allein im Stande geweſen, ſein Amt mit Anſehen zu fuͤhren. Auf dem Zuge nach Ungarn habe er ſich immer bey dem letzten Haufen, mitten unter feiner teibwache,. aufgehalten. Ex habe den Rath, Ofen am -P. allg. preuß. Geſch. 3Th. 8 | zu⸗ — 1 1542, #4 3%. 6 Hauptfi Melere Geſchſchte von RR zugreifen, jeboch aus erheßfichen Urſachen und nach den meiften Stimmen des Kein raths, ‚nicht befolgt. Bey dem Sturm anf Peft Habe er, nebſt dem Ungnad und den deutſchen Kriegesräthen, ſich nicht unter den Stärmenden befunden, ſondern ſchuß ⸗ frey gehalten, welches ihm einige vornehme Befehlshaber verdacht. Er habe ohne Noth die Belagerung aufgehoben⸗ weil er entweder den Krieg gu fuͤhren nicht verflanden, oder fich gar zu genau nachdem Willen feines Kriegesrachs richten müffen. Endlich habe er auf feinem Zuruͤckzuge den Perenium welcher alle Schuld tragen muͤſſen, ge⸗ fangen nad) Wien geliefert. Gegen dieſe Beſchuldigungen haben unſern Churfuͤrſten ſchon zu feiner Zeit Sabinus, Leuthinger, und ſelbſt der roͤmiſche Koͤnig Ferdi⸗ nand gerettet: Es iſt daher billig, daß ich auch dasjenige erzehle, was das Betragen Zoachims rechtfertigen Fan. govius hat bekandtermaſſen in der Geſchichte ſich uͤber⸗ Haupt ſehr parteliſch bewieſen. Sein Haß gegen bie Deutſchen und beſonders dieje⸗ nigen, welche nicht bey der roͤmiſchen Kirche geblieben, leuchtet aus allen Zügen her⸗ vor. Seine Beſchuldigung iſt theils allgemein, theils gehet fie. die Sache ſelbſt, wo⸗ von die Rede iſt, nicht an Stheils wirklich und erweislich falfch · Hat Joachim gleich mit einem ſchoͤnen Heer nichts ausgerichtet; fo folge daraus noch nicht, daß die Schuld an ihn gelegen... Geſetzt daß der Churfüeſt eine leckerhafte Tafel gehalten, und daß an derſelben ſtark getrunken ſey, welches Jovius doch dem Churfuͤrſten blos deswegen vorzuwerfen ſcheint, weil er die Voͤllerey als ein Laſter anſiehet, daß einem jeden Deutfchen weſentlich eigen iſt; fo folge daraus noch nicht, daß der Churfürft _ das mindefte verfehen habe. Daß. er aber endlich währendem Nachtſturm auf Peft fich verſteckt Habe, und in der Zeit an der Tafel ben ſaͤchſiſchen beckerbiſſen ſich aufges haften, ſtreitet wider. die Ausfage Iſthuanffii, welcher behauptet, daß er mit dem Ungnad und feinen Kriegesrächen dem Sturm ſchußfrey zugefehens Jovius verdient alfo feiner weitern Widerlegung. Iſthuanffius Hat in feiner ungarifchen Geſchichte ebenfals durchgehende eine ziemliche Parteilichfeit gegen die Deutſchen uͤberhanpt ver⸗ rathen. Doch ſind ſeine Beſchuldigungen gegen unſern Churfuͤrſten gemaͤßigter einge⸗ richtet, und Verdienen daher noch eher eine Unterfuchung. Er ſpricht demſelben die noͤ⸗ thige Kriegswiffenfhaft und Erfahrung ab. Er widerſpricht ſich aber ſelbſt, da er nicht leugnen kann, daß Joachim bereits mit Ruhm gegen die Tuͤrken ehemals ge⸗ fochten. Er ſcheint fein Urtheil aus dem fruchtloſen Ausgange dieſes Feldzuges herzu⸗ nehmen, der doch, wie wir bald ſehen werden, aus ganz andern Urſachen herzuleiten iſt. Daß der Churfuͤrſt eine praͤchtige Tafel gehalten, war allerdings, wie dieſer Schriftſteller ſelbſt erweiſet, mehr zu loben, als zu tadeln. Soachim wolte, als ein anſehnlicher Churfuͤrſt des Reichs, in Ungarn durch Kargheit Feine Schaͤtze — * ſondern ließ vielmehr auf feine eigene Koſten, ohnerachtet er ſich und fein Sand, wie Leuthinger gezeiget, dadurch in Schulden geſtuͤrzt, alles prächtig zugehen, — Wuͤrde ein Anſehen zu geben. Iſthuanffius geſtehet, daß, wenn der Churfuͤrſt alle verſprochene Kriegesvoͤlker und Beduͤrfniſſe erſt haͤtte abwarten wollen/ aus die ſein Feld⸗ zuge vielleicht gar nichts geworden wäre, Um * die * * gs: verſtreichen sl i ELITE * RER v Bi * N? DE. Er * DE De 2 Zn EN Sr Ben An ae * ee * a a Ze — — EEE DEREN * ee 4 1 ne ea * £ Be > DE —8 er —* —* — EcEhuufliſt Joachim IE ER ER 75 ee der — ohne dies alles abzuwarten, eidlich ins Feld. Da der ungariſche Geſchichtſchreiber ſelbſt die Gruͤnde an die Hand giebet, welche den Churfuͤrſten vermochte, nicht Ofen, ſondern vielmehr Peſt, anzugreifen; da er gegen Gründe nichts einzuwenden weiß; fo kann dies Feine eigentliche Beſchuldigung heiſ⸗ fen. Konte Peſt nicht erobert werden; ſo konte man ſich noch vielweniger von einer Belagerung der ſtaͤrkern Beſtung Ofen verſprechen. Wenn Iſthuanffius es dem Chur⸗ fuͤrſten verdenkt, daß er ſich nebſt dem oͤſterreichiſchen Feldherrn von Ungnad nicht mit unter den Stuͤrmenden befunden, ſondern ſchußfrey gehalten; fo en jolches bie natuͤrliche Hige des Volks, unter welchem diefer Schriftſteller geboren. ‚Es iſt den groͤ⸗ ſten Helden mehr zur Tollkuͤhnheit als Tapferkeit ausgelegt/ wenn: ſie ihre Perſon in einen Sturm gewaget, an deren Erhaltung dem ganzen Heer ſo viel gelegen iſt. Man fordert von dem Kopf eines oberften Feldherrn mehr, als von feiner Fauſt. Genug, daß Joachim fich da befand ‚ wo er von allen Nachricht befommen und die beften Am ordnungen treffen konte. Es ſtund nicht einmal in feinem Willkuͤhr, ſich ins Feuer zu woagen. Da, nach dem ſpeierſchen Reichsabſchiede, alle feine Befehle von den Stim⸗ men der Kriegsraͤthe abhiengen; ſo muſte er ſich vor feine Perſon da befinden, soo ſich die Kriegsraͤthe aufhielten. Haͤtte der ſeel. Herr von Gundling in dem Auszuge der brandenburgiſchen Geſchichte die Begebenheiten erwieſen; ſo konte man ſogar darthun, en fich der Aufferften Lebensgefahr ausgeſetzt; daß er ein Pferd unter dem teibe 5. daß er bey dieſem Fall’ gewiß fein Leben eingebüft haben wuͤrde, wofern fich je nicht einer feiner Diener über ihn hergeworfen, und die Verlegung des Churfürften } mit eigenen Wunden fo fange verhindert hätte, "bis Die churfürftlichen Trabanten dazu et, welche die Feinde verjage, obwol der treue Diener den dritten Tag an feis nen Wunden flerben müffen. "Daß die Belagerung’ aufgehoben wurde, iſt wirklich den meiften Stimmen des Kriegsraths, wie Iſthuanffius ſelbſt geſtehet, zuzuſchrei⸗ ben Die Gefangennehmung des Perenii haͤngte von den Befehlen des roͤmiſchen und ungarifchen Königs Ferdinands ab, und eben dieſer Umſtand feheint zubeweifen, daß man wenigſtens bey Hofe überzeugend geglaubt babe, Perenius / nicht aber ver _ Churfurſt Soachim , fen an dem mislungenen Feldzuge ſchuld geweſen. Es möchte jemand vielleicht noch einwerfen, der Churfürft von Sachſen habe anfangfich feine Stimme zur Feldherrnwuͤrde unferm Guachimmnichk:geben wollen, da felbiger ſelbſt dieſes Ant Deswegen von fich abzulehnen gefücht, weil‘ er nicht genugfame Erfahrung habe." Allein auch diefer Grund will nichts fagen.' Da verfchiedene Mitwerber zu der Feldherrnſtelle in Vorſchlag gekommen; ‘fo würde es unhöflich von unferm Churfürften | — wenn ſolcher ſich nicht wenigſtens anfaͤnglich geweigert, dieſe Stelle ans n unehmen, und ſeine wenige Erfahrung zur Urſache dieſer Weigerung angegeben haͤtte. Man muͤſte ſehr ſchlecht von dem Herzen der Menſchen urtheilen, wenn man glauben wolte, daß der Churfuͤrſt won feiner Einwendung ſelbſt überzeugt geweſen. Daß aber der Ehurfürft von Sachſen diefes als eine Grundurſache angenommen, warum er ats — auf ginge niche ſtimmen wollen, ohnerachtet Ehurfachfen ſelbſt vielleicht 2 eines 1942; 76 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. 154% eines andern überzeugt geweſen, iſt ebenfals leicht einzuſehen. Johann Friedrich von Sachſen hatte zu dem Churfuͤrſten Joachim von Brandenburg kein ſonderliches Zutrauen/ theils weil ſich der letztere des ſchmalkaldiſchen Buͤndniſſes enthielt, theils gar zu groſſe Freundſchaft gegen den Kaiſer, den roͤmiſchen König und den Herzog Moritz von Sachſen blicken ließ, mit denen Churſachſen in feinem ſonderlichen Ber, nehmen ftand. Endlich aber bot fih Johann Friedrich felöft zum Feldherrn gegen die Tuͤrken an, welches ebenfals beweifet, warum er eigentlich anfangs bey fich an⸗ ftund, unferm Joachim feine Stimme zur Feldherrnwuͤrde zu geben 7 01° Wahre urſa⸗Ohne nöthig zu haben, die Schuld des mislungenen Feldzuges auf die Rechnung —* vera unſers Churfuͤrſten zu ſchreiben, find Urſachen genug vorhanden, warum nichts frucht⸗ gegen die Tür, bares ausgerichtet werden Eonnen. Dem oberſten Feldherrn waren durch die zugeord⸗ fen ausgerich: neten Kriegesräthe die Hände viel zu fehr gebunden, als daß er nach feinen Einfichten, lung die vielleicht weiter, als die Einfichten der Kriegsräthe giengen, verfahren durfte. Die Geſchwindigkeit und Verſchwiegenheit, welche zum gluͤcklichen Yusgange, befondersim Kriege, nothwendig find, Taffen fich felten anbringen, wo man die Rathſchlaͤge mit mehrern theilen muß. Es feheint ferner, daß. die Zürfen von allen vorhabenden Handlungen der chriftlichen Macht zeitig unterrichtet worden, und daher immer folche Maaßregeln nehmen Fonnen, wodurch alles Vorhaben der Chriften nothwendig vereis tele werden muͤſſen. Vielleicht war Perenius nicht fo unſchuldig, als ihn Zfthuanffius in dieſem Feldzuge vorzuftellen fuchte. Das Heer der Chriften war ferner ausden Krie⸗ gesvölfern mehrerer Bundesgenoffen zuſammen gefegt. Ungarn, Welfihe, Böhs men und Deutfche fochten neben einander, deren Eiferfucht gegen einander mehr als zu befandt ift, und Iſthuanffius kann felbft nicht leugnen, wie verfchieden die Meis nungen derer Anführer diefer verſchiedenen Voͤlker, fowol in: ihren Rathſchlaͤgen, als in der Unterftügung bey wirklichen Kriegshandlungen, fonderlich bey dem Sturm auf Peft; gewefen. Eben dieſer Schriftfteller belehret uns, daß damals eine anſteckende Seuche in Ungarn unzähliche Menfchen aufgerieben. Was folche vor einen Abgang ben dem Heer nothwendig nach fich ziehen muͤſſen, iſt leicht begreiflich, da ohnedies Un⸗ garn beftändig als der Kirchhof der. Deutfchen angefehen wird, und da noch überdies viele das Schwerdt gefreffen, ohne was der Kriegszug auf andere Art aufgerieben. Ueber diefes alles fehlete dem Heer, welches unfer Churfürft befehligte, ‘fo zu fagen, alles Nochwendige. Die auf dem fpeierfchen Neichstage befchloffene Mannfchaft wurs de von einigen Ständen gar nicht, oder nur zum The, abgefchickt. Das Geld zur Unterhaltung der hohen Neichsbefehlshaber und anderer Kriegsbeamten blieb aus. ‚Dies ; machte es nothwendig, daß der Ehurfürft mit allen denen fchweren Koften, die er aufs gewendet, und wobey er fich und fein fand fogar in Schulden geftürgt, den daraus ent⸗ ftandenen Schaden nicht. erfegen Fonnen. Es fehlte das bewilligte Feldgeſchuͤtz und Pulver. ° Und alles diefes machte, daß Joachim erft ſpaͤt ins Feld rücken, ven gans zen Feldzug durch nichts rechts ausrichten, und denfelben endlich fo zeitig befchlieffen : “ ” müffen. — en — - 4 Churfinft Joachim 2. 7 - miffen. Der römifche König ſelbſt erfannte, daß diefe Umſtaͤnde, nicht aber unfer Chufürft, an allen ſich ereigneten Uebeln ſchuld geweſen. Er ftellte darüber zu Ende des Jahres auf dem, Neichstage zu Nuͤrnberg ein Zeugniß aus, welches mehr, als die 3 Beſchuldigungen Jovii und Iſthuanffii, gelten muß. Ich will ſolches mit den ei⸗ genen Worten des roͤmiſchen Koͤniges aus dem nuͤrnbergiſchen Reichsabſchiede, um den Schein aller Parteilichkeit zu vermeiden, meinen Leſern vorlegen. Ferdinand ſagt darin: „Ferner haben wir auch gemeinen Ständen freundlicher und gnädiger Meis nung fürhalten faffen, daß wir uns mit ven anfehnlichen trefflichen Kriegsftücen, fo _ 2 vns auf obbemeldetem Speierfchen Neichstag von wegen vnſerer Königreich vnd fand» sen in obbeftimpte beharrlich Tuͤrkenhuͤlff zu leiften aufferlege tworden, nit ohn groffen bberſchwenglichen Koften in Bereitfehafft geſchickt, und damit alfo zeitlich gefaft geweft, daß derfelbigen Halb zum Anzug Fein mangel erfchienen feyn ſolt. Wie dann follichs —J— dero oberſt Feldthauptmann, der Hochgeborn Joachim Marggraff zu Brandenburg, u Stettin, Pommern, der Caſſuben, Wenden, vnnd in Schleſien zu Croſ⸗ fen, Hersog, Burggraff zu Nürnberg vnd Fuͤrſt zu Nügen, des H. Roͤmiſchen Reichs Ergeämmerer vnnd Churfürft, onfer lieber Oheym fampt den verordneren Kries ges ⸗Raͤthen aus den Kreyffen augenfcheinlich gefehen vnd lautern Bericht empfangen. Wir haben aber bey bemeltem oͤberſten Feldthauptmann vnnd verordneten Kriegs + Raͤ⸗ then im Bericht befunden, vnd ſelbſt geſehen, wie auch die Kayſerlichen Commiſſarii deſſelben gleicher weiß in gute Erfahrung kommen, daß in Abfertigung der Kreyßſten⸗ ; den Kriegsvolck, zu diefem nothwendigen chriftlichen Werk, groffe ungleichheit gehals ten worden, fürnemlich daß etliche von ven Ständen noch) gar niemandt zu Roſſz und Fuß, auc) etliche die gange anzahl Kriegsvolcks nicht geſchickt, fondern deffelben einen treffendtlichen Abgang erfeheinen laſſen, zu dem daß etlich ihr Kriegsvolck mit der Bes zahlung nicht abgefertiger, und etliche zu vnderhaltung des Oberften Feldthauptmanns vnnd hohen ämptern, laut des Speyerfchen Neichsabfchiedts, gar Fein gelt verordnet, und daß bey etlichen am bewilligten Feldgeſchuͤtz vnd Pulver abgang und mangel erfcheis net, Auß wellicher ungleichen abfertigung und erzelten mängeln erfolget, daß des Heichs ankommend Kriegßvolck in Feinen anzug gebracht, vnnd ein gute zeit ungefchaff- ter Ding mit befchwehrlichen der Reichßſtaͤnden Foften ftill gelegen. _Wiewol deßhal⸗ ben, an des oberften Feldthauptmanns, vnd der. verordneten Kriegs-Raͤthe perfonen nicht gemangelt, fonder wir haben dieſelben zu diefer Chriftenlichen Expedition allweg gang freundlich, willig vnd wol geneigt befunden, y).. Unſer Churfürft ift alfo ges nugſam entfehuldiger, da der Kriegsherr ſelbſt mit ihm und feinem geführten Oberbes fehl zufrieden zu feyn befennet, und die Schuld des fruchtlofen Feldzuges auf den Mans el des Geldes, des Gefchüßes, des Pulvers und der Mannfehaft wirft. Den dem Abgang dieſer Stuͤcke wuͤrde Pr ein ee nicht mehr ausgerichtet haben, als Joachim | | 83: de gr. » enger Reichsabſchied vom Jahr 1542, 1542. 1542. Innerliche unruhen in Deutſchland. Naumburgi⸗ ſche zwiſtige ſtiftswahl. Fladenkrieg. Verjagung des herzogs von . Braut: fchweig., 3 3%. 6 Kar Deut —⸗ Brandenburg u © Br * mislungene Feldzug war groſſenthells auch denen Irrungen ſchoſcheetce die um dieſe Zeit theils zwiſchen den Proteſtanten unter ſich, theils zwiſchen den Prote⸗ | ftanten und Eatholifen vorgefallen waren. Dahin gehdrete unter andern dasjenige, was wegen der neuen Biſchofs wahl im Stift Naumburg ſich zugetragen. Bereits | im vorigen Jahre hatten die Domherren Julium Pflug ; ‚der fich bey dem letztern Re⸗ figionsgefpräch von Seiten der Catholiken vieler Maͤßigung bedienet, zum Biſchof er wählet. Der Ehurfürft von Sachfen hielt diefe Wahl vor ungültig, weil felbige theifs denen alten Verträgen und churfürftlichen Nechten zuwider, indein fie ohne fine, als des Schußheren, Einwilligung vorgenommen, theils weil Julius Pflug dem auge ſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß nicht beigetreten ſey · Der Churfürft feste alſo in dies fen Zahre einen Lutheraner, Nicolaum Amsdorf, alles Widerſoruchs bes Doms ° capitels ohnerachtet, zum Biſchof ein. Er ſchuͤtzte den letztern im Beſitz, und Pflug muſte wirklich damals zuruͤck ſtehen. Es erregte aber dieſe Sache bey denen Latholi⸗ fen den aͤuſſerſten Widerwillen gegen die Proteſtanten 2). Auch zwifchen dem Herzog Morig von Sachfen und dem Churfurſten Johann Friedrich von Sachſen ereigneten fid) Streitigkeiten, die beinahe zum bffenklichen Kriege ausgebrochen wären. Auf dem fpeierfihen Neichstage war eine allgemeine Kopfſteuer zum Tuͤrkenkriege beſchloſſen, und denen Landesherren aufgegeben)" folche von ihren Unterthanen zu erheben. Diefes Necht wolte ſowol der Churfuͤrſt als auch der Herzog Moritz, in der Stadt, Schloß und Amt Wurtzen ausüben, "weil beide —— dazu, der eine als Landesherr, der andere als Schutzherr des Stifte Meiffen, berech⸗ tiget ſeyn wolten. Johann Friedrich nahm den Ort wirklich ein. Keiner von beis ben wolte fein vermeintliches Necht fahren laſſen, und beide glaubten es jich ſelbſt ſchul⸗ dig zu fen, die habende Nechte zu vertheidigen. Auf’ beiden Seiten wurden berelts Kriegsvolker zufammen gezogen, und die Feindfeltgfeiten folcen eben ihren Anfang neh⸗ men, als der Landgraf von Heſſen perſoͤnlich nach Sachſen eilte, und den Ausbruch eines Krieges durch einen Vergleich verhinderte, den man in der Geſchichte den Fla⸗ | —E ag En en ee N # de = + En ⁊ nn er er ee ——— denkrieg zu nennen pflegt, weil die bereits zuſammen gezogenen Soldaten, ftatt anderet — Thaten, die damals gebackenen Oſterfladen ſich wohlſchmecken lieſſen. Dey alle dem blieb in den Gemürhern beider Vettern ein heimlicher Groll, der in den — Sets ten beträchtliche Folgen hatte a). Es war von dem Kaifer ein Befehl angefommen, daß die Unterſuchung des Kammer gerichts bis auf feine Wiederkuuft nad) Deutfchland ausgefegt bleiben ſolte. Dieſer Befehl ſetzte die Proteſtanten in die groͤſte Verlegenheit. Er widerſprach den beiden letztern Reichsabſchieden geradesweges. Das Kammergericht nahm davon Anlaß, fir. ne a ig der Proteſtanten unaufhoͤrlich fortzuſetzen. In ſonderheit bedlenete = Hortleder vom benfien DB. 5 K. ı4f. Boͤhlers Deineeufigigen Th: 48: 2 ' a) Hortleder d. 5 K Den gröften terın verurfachte jedoch) ohne Streit der Braitfehndatge Keieg. fe a PRETEENON — — 2, 7. J — Henrich von Braunfchweig- Wolffenbittel, feinen Haß gegen 1542. Sean denenfelben füßlbar zu machen. Cr hatte ſchon lange gegen den ; a 4 ri F n von Heſſen eine perſoͤnliche Feindſchaft bewieſen. Man wolte ihn beſchul—⸗ digen, daß er in die benachbarten proteſtantiſchen Staaten, zu denen Haftitius auch er Brandenburg zählet, Häufige Mordbrenner ausgefchieft, welcher Umſtand jedoch gegen den Herzog niemals Flat bewieſen werden koͤnnen. Am eifrigften aber bes zeigte fich Henrich gegen die Neichsftant Goslar, unter dem Nechtsvorwande, daß ihm bie Ausführung der. Neichsache gegen diefen Ort von dem Kammergericht aufgetra⸗ gen fer. Die ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen Hielcen ſich verpflichtet, fich der. im Bunde ſtehenden Stadt Goslar anzunehmen, und den Herzog Henrich. auſſer Stand ſetzen, Fünftig denen Proteftanten gu fhaden. Sie zogen 20000 Mann zuſam⸗ — men, nahmen zur Zeit des Türfenkrieges Wolffenbuͤttel ein, verjagten den Herzog ; fand imo feuten, und führten in dem ganzen Herzogthum die Kicchenverbefferung din. ‚in welchen 'bie weiſten Einwohner ohnedies der lutheriſchen Lehre zugethan waren * ———— dieſe Ießtere Unternehmung F Abſchickung und Bollzähfigmar Reichstag zu dong ves beutfhen ‚Heeres gegen die Tuͤrken ungemein behindert worden, und dieſer⸗ Nürnberg. halb der Feldzug fruchtlos ausgefallen ; fo ſchrieb Der roͤmiſche König nach Nürnberg einen Reichstag aus, der von Seiten des Churfürften und feines Herrn Bruders durch Leonhard Keller ver Rechte licentiat Domprobft zu Hävelberg, und Conrad Metfch der Rechter Doctor; befchickt wurde. Man zog anf demſelben die. — 7 Sache in Ueberlegung. Der römifche König fand aber vor nöchig, denen fchmals Falsifchen Bundesverwandten alle Sicherheit zu verfprechen, daß fie des wolffenbuͤt⸗ telſchen Krieges wegen guͤtlich gehöret werden folten c). In dem Reichgabfchiede wurs de eine beffere Einrichtung der Tuͤrkenhuͤlfe veftgefegt, ſonſt aber nichts beſchloſen, ſon⸗ dern alles Übrige auf den naͤchſten Reichstag verſchoben d). Doch muß ich eines Vergleichs gedenken/ der. damals — dem deutſchen Veigleich mit Reiche und Lothringen errichtet wurde "Nach demſelben ſolte diefes Herzogthum, die Lothringen. . Bazungehörigen Reichslehne ausgenommen, kuͤnftig nicht als ein dem deutſchen Reiche | einverleißtes fand. angeſehen werben, jedoch unter des deutſchen Reichs Schuß fte ben, und der Herzog deswegen fchuldig ſeyn, zwey Drittheile eines churfürftlichen Uns ſchhlages zu entrichten· "Den Nusen, den die Freundfehaft des Herzogs von Lothrin⸗ w dem Kalſer in finen franzoͤſiſchen Kriegen verfihafte, war ohnſtreitig fehufo, daß das Reich im dieſem Vertrage feine ehemaligen Rechte verfannte, und eine ewige laſt, ſolches zu beſchuͤtzen, ſich aufbuͤrdete, ohnerachtet BERN zu einer gar — — — den Meche ſtaun fi ch anheiſchis machte — — en rn ” . As RE N A 6. 32. * % Ü Se Etlarung des — Königes pöngeachtet nf das ——— Die Prote⸗ wegen ſtanten wollen d ) Zorıleder D. 4 Er Nuͤrnbergiſcher Reichsabſchied von 1542. fe gerichto⸗ ) Bortleder B. 4 8. 43 | ec) du Mont Corps Diplom. T. 4 p. 2. ’ Ei z 4 Me = j v 80 3%: 6. Hauptfk- Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1542. wegen ber braunſchweigiſchen Sache, bie ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen in Ana pflege des fpruch, und befahl ihnen, unter Bedrohungen der Acht, dem vertriebenen Herzog ſei⸗ kammerger ¶ e fanbe wieber einzuräumen, Dies bewog die Proteftanten, zu Schweinfurt fih - et zu verfammlen. Sie befchloffen hieſelbſt, weil die Unterfuchung des Kammergerichts noch nicht gefchehen, nach der ihnen vom römifchen Könige ertheilten Erlaubniß, ſich zu weigern, die Verordnungen des Kammergerichts zu befolgen. Sie thaten folches in einer eigenen Schrift, doch erboten fie fich, denen Kindern des vertriebenen Herzog Henrichs das Herzogthum Molffenbüttel wieder einzuräumen, wenn ihnen die aufs gewandten Kriegskoften mit einer Million Gulden wieder erftattet würden f). | Und der her ·Unſer Churfürft, der fid) noch immer mic guten Einrichtungen, die zur Kirchen⸗ Be, verbeſſerung gehöreten, in feinen fanden befchäftigee g), war wegen des Schickſals, Geldern zu welches auf die Proteftanten wartere, ungemein beforgt ; befonders da auf der andern ſchuͤtzen. Seite der Herzog Wilhelm von Eleve, welcher auch Die Religion verändert hatte, ziemlich in die Enge gefommen. Dieſer Prinz war bereits 1537 von den gelderifchen Ständen zum fandesnachfolger des damaligen Herzogs von Geldern, Carl von Egs - mont ‚ angenommen. Er hatte auch wirflich den Befi von Geldern ergriffen, war aber mit dem Kaifer Earl 5 daruͤber in Streit gerathen. Weil nun Frankreich we⸗ gen feiner Anfprüche auf Mlailand ; ‚England wegen feiner neu eingeführten Religion ; und Dännemarf aus Beiforge, daß der Kaifer, den Chriftian 2 wieder auf den Thron _ zu ſetzen, fuchen werde, dem Kaifer den Krieg angefündiger: fo ließ fich der Herzog von Eleve, in Hofnung franzöfifcher Huͤlfe und glücklicher Folgen, zu einem Buͤnd⸗ niß gegen Carl 5 verleiten. « Er fiel in Brabant ein, war aber gegen ven Kaifer zu fehwach, deſſen Kriegsvölfer den Herzog vieler wichtigen Pläge in Juͤlich und Cleve beraubten. Dieſes erweckte bey den Proteſtanten allerley Bedenken, welches fie auf dem nürnbergifchen Neichstage nicht bergen Eonten 5). Ä | 1543. Diefen hielt der römifche König 1543 gleich zu Anfang des Jahres. Die Staͤn⸗ Reichstag zu de des Reichs zogen darauf die gelderifche Streitigfeit in Berathfehlagung, und trugen Nuͤrnberg, sim Mittel vor, folche güclich zu heben. Der Kaifer folte nemlic Geldern als ein Keichsiehn haben, und dem Herzog von Eleve ſolches als ein Afterlehn überlaffen. Doch Granvella, der Eaiferliche Bevollmächtigte, verwarf diefen Vorſchlag, und der Kaifer machte vielmehr Anftalt, Geldern dem Herzoge mit Gewalt zu entreiffen. Auch die beaunfchmeigifche Sache ward auf diefem Neichstage vorgetragen, und mit groß fer Heftigfeit und Erbitterung beider Neligioneverwandten behandelt. Man konte fich darin Feines andern Schluffes einigen, als daß die Sache auf des Kaifers Ankunft im deutſchen Reich ausgefegt bleiben, in fechs Monaten aber gewiß entfchieden werben ſolte. Im Reichsabfehiede ward. hauptfächlich eine fernere Verordnung wegen der Tuͤr⸗ kenhuͤlfe gemacht, und fogar veſtgeſetzt: daß die Stände, fo an diefer Huͤlfe fich 5 ſaum⸗ f) Hortleder DB. 7 K. au g) Sekt kam die andere Ausgabe der Kirchenordnung ans Licht, und mit der Kirchenvifitation ward fortgefahren. b) Memoires de Guillaume da Bellai. Pontanus Hift. Geldr, Lib. ı1. Be EN rw Churfürſt Zoadim > gr ſaumfel erweiſen wuͤrden, hierdurch alſobald in die Reichsacht verfallen ſeyn ſolten. 1543. Der Religionsfriede ward in ſofern beſtaͤtiget: daß kein Theil dem andern, ohne in die Strafe des gebrochenen fandfriedens zu verfallen, der Religion wegen Gewalt thun folte. Man befchloß, die Unterfuchung des Kammergerichts wirklich vorzunehmen, und es ward hiezu bereits ein gewiffer Tag angeſetzt. Man verordnete, daß mit den Staͤnden des augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniſſes, welche ihren Antheil zur Unter⸗ haltung des Kammergerichts noch nicht erlegt, in dieſer Zeit Geduld getragen, und die gegen ſie angeſtellte Rechtshaͤndel bis zur RN der Kammergerichtsunterfuchung ie werden folten 7). Demohnerachtet legten die Stände des augfpurgifchen Glaubensbekaͤntniſſes ger dem die prote. gen diefen Reichsabfehied einen feierlichen Widerſpruch ein, und verweigerten folglich Kanten wider⸗ alle Tuͤrkenhuͤlfe. Da ihnen der Kaifer durch ein Schreiben darüber feinen Unwillen — zu erkennen gab; fo beſchloſſen fie auf der Verſammlung zu Schmalkalden, durch eine eigene Geſandtſchaft an Carl 5 ihr Betragen zu rechtfertigen k). Dieſer war aus Spanien in Genua angelanger, und hatte ſich zu Buſſeto Des kaiſers mit dem Papft unterredet, wobey der Papſt ziemlich misvergnägt geworden. Denn sam dm it dem dieſer hatte weder die geſuchte Belehnung mit Mailand vor feinen Sohn ethal⸗ papft, ten, noch Nachricht von dem Dündniffe befommen, welches Carl mit dem Koͤni⸗ ge von England gegen Frankreich gefehloffen. Der Papft befchwerete fich über das leßtere, weil fi) Henrich) 8 König von England von ver römifchen Kirche ges trennet, Doch der Kaifer glaubte zu einem Buͤndniſſe mit Henrich 8 mwenigftens eben fo viel berechtiget zu feyn, als Frankreich zu einem Buͤndniſſe mie ven Tuͤrken )). Als der Kaifer nach Speier gefommen, trafen. ihn dafelbft die Öefandten der und den pro⸗ urgifchen Glaubensgenoffen an. Cr misbilligee zwar ihren Widerfpruch gegen keſtanten. Neichsabfehied und Verweigerung der Tuͤrkenhuͤlfe, bezeigte fich aber doch ganz —* Er verſprach eine Verbeſſerung des Kammergerichts, und * alles uͤbrige ‚auf den naͤchſten Reichstag m). Bon Hier gieng Earl 5 nach ven Niederlanden. Hier zwang er den Herzog S Sein gluͤck Wilhelm von Cleve, zu Venlo ſich zu unterwerfen, und auf Geldern Verzicht zu thun. Sodenn brach er mit einem ſtarken Heere, in Geſellſchaft des Koͤniges von England, auf Frankreich los rn), gegen welches er auch mic vielem Gluͤck fochte. . Um folches durch nichts zu hindern, ward vom Kaifer aud) der verſprochene — verſchoben. Hingegen ward die fo lange verſchobene Unterſuchung des Kammergerichts ange Kammerge— ſtellet. Die hierzu gevollmächtigten catholifchen und protefrantifchen Mitglieder ge de J riethen aber dabey in vielfachen Streit und gun fo daß fich endlich diefe 105 ganze i) Sleidanus Lib. 15. » Ebendaſelbſt. D) Pietro Soave Hift. del Conc. Tridene. Rymer Act. Angl. T. iq. du moni Le. T.4p. 2. m) Sleidanus Lib. i5. Seckendorf Lib. 3. M Pontanus Hift. Geldr. Lib. 12. Sleidanus und Sedendorfl,c, P. allg preuß. Gefch. 3 Th. rs 82 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1543. ganze Unterfuchung, nachdem: fie bereits über ein Vierteljahr * fe ſchlug 0). —T Er 2». ;. 4 Joachim mas Der Shurfärft ſorgte indeffen — * Aa ag / was finen —— ger allerhand nen nuͤtzlich ſeyn konte. Er gab gegen den Diebſtahl und die Räuberey geſchaͤrfte Ber re: fehle heraus, und hielt darüber genau. Er ließ eine neue Kleiderordnung bekandt ma⸗ nem lande. chen, und ſchraͤnkte durch dieſelbe den allzugroſſen Aufwand derer ein, die ſich ſelbſt in Armuth zu bringen keinen Scheu trugen. Die Unterſuchung der Kirchen und Kloͤſter ward, unter der Aufſicht feines Kanzlers Johann Weinlebens eifrig fortge Der Churfuͤrſt zierete die Domkirche mit den koſtbarſten Bildſaͤulen und Kirchengerät Der Schloßbau ward. weiter getrieben, und zu Berlin nochüberdem ein Zeugbau ih ein Gebäude vors Kamınergericht erbauet. Er ließ auch fonft in der Mark viele vers fallene Schlöffer aufs neue in den Stand fegen, und zum Beſten der, Menſchen und des Wildes, fowol auf den Feldern als in den Waldungen, viele Waſſergraben ziehen. Weil in feinem tande ſtarke Waldungen beſindlich, und das darin haͤufige Wild dem Landmann an feiner Saat manchen Schaden zufügte; fo hielt fich der Churfürft- öfters auf feinen Jagdhaͤuſern zu Grimnitz, Schoͤnebeck, Koͤppenick, Nesling, Rus dorp, Potsdam, Zoffen u. fw. auf, flellte groſſe Jagden an, um feine Unterthas nen auch von der Unbequemlichfeit zu befreien, welches das häufige . Wild verurfachte, Auſſerdem erhielt ex in dem Thiergasten zu Berlin töwen, Bären und andere. auslaͤn ⸗ diſche Thiere, mit denen er zuweilen ein Thiergefecht anſtellen ließ. Zu Koͤppenick ließ er in dieſem Jahre einen Baͤr und einen Wolf mit einem Auerochſen ſtreiten, wo⸗ bey aber der Churfuͤrſt ſelbſt in Lebensgefahr gerieth. Denn der vom Auerochſen ver⸗ folgte Baͤr brach eben auf der Seite die Schranken durch, wo der Churfuͤrſt dem Ge⸗ fechte zuſahe, und wurde erſt mit vieler Muͤhe von der Wache umgebracht. In Ber⸗ Jin veroronete Soachim ein jährliches Wettrennen, und feßte vor diejenigen Ins und Ausländer, welche fich darin am beften hielten, verſchiedene Preife aus. ° Alle dieſe und aͤhnliche Schauſpiele verſchaften den Unterthanen eine Ergoͤtzung, und, wegen der haͤufig herzukommenden Fremden, auch Nutzen. Doch alles dieſes erforderte Aufwand, da ohnedies bey dein letzten ungariſchen Feldzuge ſchwere Koſten darauf gegangen wa⸗ zen. Der Churfuͤrſt muſte alſo auf Mittel denken, neue Quellen der Einkuͤnfte aus⸗ fündig zu machen. Er fiel darauf, zu Lenzen in der Priegnitz einen Elbzoll anzufes gen, wogegen der Faiferliche Hof um fo weniger etwas einzuwenden hatte, da dem Churhauſe Brandenburg fehon feit 1456 das Necht zuftand, neue Zölle zu errichten, alte zu erhöhen, an andere Orte zu verlegen, und alle Beränderungen damit vorzuneh⸗ men, welche der Churfürft vor gut befinde, Der Zoll in Lenzen foll auch bald anfaͤng⸗ lich jährlich auf 25000 Ducaten.abgeworfen haben, — 4. | 1544. Gfeich mit dem Anfange des Kahres 1544 befuchte der Ehurfuͤrſt neh fire — zu Herrn Bruder den vom Kaiſer nach Speier s Reichstag, wo er, ſich peier. 0) Sedendorf 1, c ; * —E ‚mit * Churfuͤrſt Soachim 2 ee mit dem Kalſer ei zu befprechen, Gelegenheit Harte. Carl s füchte die Stände zu 1544; einem Neichsfriege gegen Frankreich zu bewegen. ° Dies brachte ihn dahin, -gegen die - Droteftanten eine befondere Freundlichkeit blicken zu laſſen. Der Neichsabfchied war alſo auch, dem Auffern Scheine nach, ihnen und ihrer Religion ganz günftig. Es ward. darin verordnet, daß der vorher aufgerichtete Friede unverbrüchlich gehalten werben, und Feiner dem andern, der Religion wegen, Gewalt anthun ſolte. Der Zwieſpalt der Religion ſolte durch eine Kirchenverſammlung, oder durch einen Reichstag, vermoͤ⸗ ge der vorigen Reichsabſchiede und Friedenshandlungen, eroͤrtert werden. Man wolte auf dem naͤchſten Reichstage ſich uͤber eine anzuſtellende Kirchenverbeſſerung berathſchla⸗ gen. Die Kirchenguͤter und andere Einkuͤnfte ſolten den Stiftern und Kloͤſtern, dem regenſpurgiſchen Reichabſchiede zufolge, gelaſſen und nicht ferner entriſſen werden. Der augſpurgiſche Reichsabſchied/ und was ſonſt dieſem Ruheſtande zuwidet lief, wurde, fo wie die Rechtshaͤndel des Kammergerichts in Glaubensſachen gegen diejeni⸗ gen, welche das augſpurgiſche Glaubensbekaͤntniß annahmen, ſonderlich gegen Gos⸗ N lar und Minden, ausgeſetzt. Bey alleı dein waren die worcheilhaften Norte auf - Er ben geſetzt. Die Proteftanten hatten zwar eifrig begehrt, daß die damaligen. er. Kammergerichtsbeift iger abgefchaft werden ſolten. Sie wurden aber noch auf drey Jahr beibehalten, und man befchloß,; auf dem nächften Neichstage von der Unterfuchung dies ſes Gerichts einen, Rathſchluß zu faſſen. Bis dahin ſolten aber keine Beiſitzer, der Re⸗ * R ligion ‚wegen, verweigert werden. Zum Türfenfriege ward die bisher verwilligte eilens, de Hülfe noch ferner bey Strafe der Acht anbefohlen, und zu einer beharrlichen Huͤlfe die Anlage eines gemeinen Pfennigs angeſetzt. Der. Kaiſer hatte den Bund Frank⸗ reichs mit den Tuͤrken ſo gehäßig vorgeftelle, daß auch Frankreich vor einen Feind ber gefamten Chriftenheit erfläret, und gegen denſelben Hülfe verfprochen wurde p). Den Streit ‚ den Churſachſen dem roͤmiſchen Könige, wegen feiner Wahl, erregt hatte, wurde Hier gänzlich beigelegt g) Die wolffenbüttelfche Sache, welche mic groͤſtem Zanf getrieben wurde, konte nicht entfihieden werden. Der Kaifer wolte das fand gern durch einen dritten verwalten laffen, und feßte daher die Sache auf weitere Hands lungen aus, welche auch nachher durch Gefandte, währendem Feldzuge des Katfers wi⸗ Der. Frankreich, angeſtellet wurden... Um dieſen Krieg mit deſto mehrerer Macht fuͤh⸗ zen zu fonnen, ſchloß der Kaiſer mit Daͤnnemark Frieden r). Der Herzog von Braunſchweig war mit dem, was auf diefem Reichs tage vor⸗ —— gegangen, eben ſo wenig, als der Papſt, zufrieden. Dieſer wuͤnſchte, daß die Macht der proteſtan⸗ des Kaiſers lieber zu Ausrottung der Ketzer, als gegen Frankreich, gebraucht wuͤrde ʒen ns der Herzog aber machte allerhand Bewegungen und Zurüftungen, fein fand mit Gewalt ey Henrich, wieder zurück zwerobern. Die ſchmalkaldiſchen Bundesverwandten waren diefer Sache wegen unter fich felbfinicht eins, und wurden alfo um fo mehr in. beftändiger Furcht erhalten. Es —— ſich auch ſolche, da der Krieg des Kaiſers mit Frankreich zu Ende ie t2 Earl 5 pP) a vom Jahr MER 7) Horeloder T. ꝛ B. 3 K. u. Gleidanus 1. 15. r) Sleidanusl, 15» ou Mont T.4p% 1:2.) ser Ad a a TE 1 . Mn kai⸗ daß feine Kriegsvölfer ſich fehon Paris näherten, und diefe Stadt mit Schredfen ers fer. Der churfuͤrſt zieht ſeinen bruder aus dem ſchmal⸗ 84 3%. 6 Hauptfk, Neuere Geſchichte von Brandenburg. Carl 5 harte den Krieg gegen den Franz mit fo gluͤcklichem Erfolg fortg de fülleten. Che man fichs aber verfahe, kam zwifchen beiden Friegführenden Mächten der Friede zu Erefpi en Laonnois zum Stande, Es war berfelbe vielen Neichsftäns den fehon deswegen bedenklich, weil Dadurch ein Neichöfrieg, ohne Zuziehung der Stäns de, beendiget wurde, da man fich doch zue Mitwirkung des Friedens berechtiget hielt, Ueberdies Fonten die Proteftanten fich nach demfelben befonders nicht viel Gutes vers muthen, weil fie den weitausfehenden Abfichten des Kaifers gegen Frankreich undgegen die Tuͤrken die meifte Hinderniß verurfachet Hatten. Der Papft fhrieb gleich darauf vom neuem eine Kirchenverfammlung nach Trident aus, und die Proteftanten beſorg⸗ ten, weil fie felbige zu befuchen weder vor rathſam noch ſich verbunden hielten, daß ' diefe Verweigerung Urfache an bie u geben möchte, allen —“ —* zuheben s). | — 3 — Bey dieſen bedenklichen Umftänden fihien ein Fünftiger Religionskrieg faft unver meidlich. Der hurbrandenburgifche Hof hatte an allen denen Umftänden, die die Gemuͤther beiderfeitiger Neligionsverwandten erbittert, fonderfich an der naumburgis — bun⸗ ſchen Stiftswahl und der Verjagung Herzog Henrichs, keinen Antheil genommen. 1545. Der Ehurfürft hatte zwar in feinem kande die Kirchenverbefferung beforgt, aber aufeine ſolche gemäßigte Art, daß der Kaifer, der felber eine Kirchenverbefferung vor noͤthig hielt, deswegen um ſo weniger, gegen den Churfuͤrſten Gewalt zu brauchen, einen Vorwand hatte, da Joachim bey allen Neuerungen immer ſich erklaͤret, die Schluͤſſe einer wohleingerichteten Kirchenverſammlung anzunehmen, oder mit der roͤmiſchen Kirche ſich auf andere Art guͤtlich zu vergleichen. Cr hatte ſich nie in den ſchmalkaldi⸗ fihen Bund eingefaffen, welcher dem Kaifer hauptſaͤchlich zuwider zu feyn fehlen. Weil äber fein Herr Bruder Marggraf Johann von Cuͤſtrin ſowol in der Kirchenverbeſ⸗ ſerung feiner Beſitzungen, als auch in feinen Verbindungen mir den ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen, weiter gegangen; fd war der Churfürft nicht ohne Grund beforgt, daß diefes die Mark Brandenburg ebenfals in Unruhen verwickeln koͤnte. Er gab ſich daher die aͤuſſerſte Mühe, dieſen Herrn zu vermögen, den ſchmalkaldiſchen Bund zu verlaſſen. Im Jahr 1545 gelung es wirklich dem Churfuͤrſten, ſolches zum Stande zu bringen. Herzog Henrich von Braunſchweig war des Marggrafen Johann von Cuͤſtrin Schwiegervater. Es gieng ihn alſo deſſen Unglück, ‘fo nahe als möglich, an.’ Er wuͤnſchte die Wiedereinfegung diefes Herrn, wovon die fehmalfaldifchen Bundes ‚genoffen nichts wiſſen wolten. Diefes brauchte der Churfürft zu der Haupttriebfeder, feinen Herrn Bruder von denen Verbindungen mit den fehmalfaldifchen Bundesges noffen abzuziehen, befonders da Sachſen und Heffen die auf den braunfchweigifchen Krieg verwandte Koften auf die Bundesgenoffen vertheilen, und folglich auch den Marge grafen gewiffeemaffen zu Sprinegmung‘ an dem erfahren gegen feinen Schwiegervater vo 5) du mont Tea p. 2 Piter. Soave J e. rd Churfürft Joachim 2. 85 | ziehen wolten. Die Zeit, auf welche die Bundesgenoffen fich eingelaffen, war ohne, 1545. dies verftrichen. Als alſo ſolche, wegen Verlaͤngerung der Verbindung, zu Frankfurt zu Rathe giengen, erklaͤreten ſich des Marggrafen Geſandten ganz deutlich: die Um— ſtaͤnde ihres Herrn litten es nicht, daß ſolcher laͤnger in dieſem Buͤndniß bliebe. Er wvauͤrde jedoch unwandelbar bey der evangeliſchen Wahrheit verharren, und nicht wie⸗ der zur roͤmiſchen Kirche treten. Ex hoffe, der Kaifer werde einen Religlonsfrieden zum Stande bringen. Uebrigens Fonten fie fich zu ihm alles Gutes verſehen, und er zweifele nicht, daß er ſich kuͤnftig von ihnen eben daſſelbe verſprechen koͤnne 7). Die Verſuche der fehmalfaldifchen Bundesgenoffen, auch fogar den Churfürs Der churfuͤrſt ſten auf ihre Seite zu ziehen, muften dahero nothwendig fruchtlos ausfallen. Dien, will ſich nicht ſtags nad) Cantate Iangte der fandgraf von Heffen zu Juͤterbock an, um fich mit —— Zoachim 2 dieſerhalb zu beſprechen. Der Churfuͤrſt Fam Mitwochs darauf vom Klo⸗ ſier Zinne zu dieſer Unterredung. Hier ſtellte der landgraf alle Bewegungsgruͤnde vor, die Staatsfunft und Religion an die Hand gaben, um den Churfuͤrſten zu vers mögen, an den Buͤndniſſe gegen den Kaifer Theil zu nehmen. Joachim gab fic) im Gegentheil alle Mühe, dem tandgrafen die Gefahr vorzuftellen, deren man fich auss ſetze, da des Kaiſers Macht, Erfahrung und Gluͤck jedermann befandt ſey. Er fey noch nicht überzeugt, daß der Kaifer das Abfehen habe, die evangelifche Religion mit Gewalt zu unterdruͤcken. Es würde den Bundesgenoffen zuträglicher feyn, wenn er parteilos bliebe. Es fhinde ihm fodenn der Weg offen, auf den Fall, daß der Kais fer glücklich bliebe, durch feine Vermittelung denen Ueberwundenen einen Frieden zu verſchaffen. Gleich nach eingenommener Mittagstafel reifete der Landgraf, ohne feis nen Zweck erreicht zu haben, nad) Torgau wieder ab, um den Ehurfürften von Sachs ſen von feiner Unterredung zu benachrichtigen u). Da der Ehurfürft von dei Kaifer noch immer die gute Meinung hegte, daß Will aber ein derfelbe gegen die evangeliſche Religion Überhaupt Feine Gewalt brauchen würde; fo — ſetzte er feine Bemühungen fort, alle Einrichtungen zu treffen, die vor fein Land dien, — lich ſeyn koͤnten. Unter andern entſchloß er ſich, ein Conſiſtorium oder ein geiſtlich Gericht, zu Ausuͤbung der geiſtlichen Gerichtsbarkeit, in feinen tanden zu errichten. Er ſcickte in diefer Abficht x) den Probft zu Berlin, George Buchholzer,- an Lu⸗ therum nach Wittenberg, um von demſelben die Einrichtung des churfächfifchen Kirchenraths abzuholen. Luther willigte gern in des Churfürften Begehren, und nach diefem Mufter warb auch der brandenburgifche Kirchenrath nachmals einge⸗ richtet. Dieſe ganze Zeit über waren die Umſtaͤnde vor den Marggrafen Johann hoͤchſt be⸗ Marggraſ denklich. Er war von denen Bemuͤhungen feines Schwiegervaters, ſich den Beſitz ſeines Johann aͤſſet landes wieder zu verſchaffen, zur Gnuͤge verſichert, und wuſte, daß ſolches zu blutigen —— * Auftritten Gelegenheit geben wuͤrde. Um num feine fande für allem Anfall zu fichern, nahm er mit dem Churfürften Joachim 2 Abrede, in feinen Befisungen eine gute Ph 2, Des #) Reutbinger. u) Haftitius. x) Herr Küfter in Bibl, Brand, p. 189. € * Be ee re k * 86 Th. 6 Hauptft: Neuere Geſchichte son Brandenburg. — — Veſtung, nach damaliger Art, anzulegen. Es ward hiezu feine Wohnftabt Cuͤſtrin/ ihrer Lage wegen, wo Oder und Warte ſich vereinigen, am gefchickteften gehalten, und mit der Anlage der Veftungswerfe wirklich der Anfang gemacht. Nach Haftitii Bericht war fehon vor ein paar Jahren das Geſchuͤtz von Königsberg in der neuen ‚Mark nach Eüftrin gebracht, welches ein Beweis ift, daß ſchon damals Marggraf Johann Cuͤſtrin zur Veftung auserſehen. Wie vorcheilhaft diefes Vorhaben denen brandenburgifehen Staaten ausgefallen, bezeuget die Gegenwehr, welche zu unſern Tagen feit 1758 biefer Ort denen Ruſſen gethan. Durch die Erhaltung dieſes Orts war ithren Streifereien in die Mark Brandenburg glücklich Einhalt gethan ). Wechſelheirat Eben dieſes Jahr ward auch durch ein doppeltes Beilager merkwuͤrdig, welches zu Berlin. ur Zeit der Faſtnacht in Berlin mit der groͤſten Pracht gefeiret wurde: Schon feit 1537 war eine Bermälung des brandenburgifchen Churprinzen Johann George mit der Fignigifchen Prinzein Sophia und der brandenburgifchen Prinzefin Bars - bara mit dem Fignisifchen Prinzen Georg verabredet, wegen alzuzarten Alters dies fer Herrſchaften aber bis jegt das Beilager felbft verfchoben worden, Diefes Feft ward von allen Zeierlichfeiten, die damaliger Zeit uͤblich, begleitet. Unter andern ward ein Scharfrennen zu Pferde gehalten, welches beinahe einen traurigen Ausgang ge winnen fönnen. Marggraf Johann von Cuͤſtrin gieng auf den Herzog Wilhelm von Braunſchweig los. Sie trafen ſo heftig auf einander, daß beider Pferde ſich in die Hoͤhe baͤumeten. Doch blieb ein jeder auf ſeinem Pferde ſitzen. Nur ſtieß hiebey Herzog Wilhelm dem Marggrafen mit ſolcher Stärke auf den Schild, daß ſol⸗ cher in Stuͤcken brach, und das Speer dem Johann von Cuͤſtrin beinahe in den: Hals durchgedrungen wäre. Ehe man wuſte, daß dem Marggrafen dadurch fein Schaden zugefüget worden, verurfachte diefer Zufall bey der Menge ver Zufehauer die äufferfte Beſtuͤtzung. Die Zürften und Herren, welche in groſſer Anzahl gegenwaͤr⸗ tig, warfen ſich von ihren Pferden, und eilten ſogleich herbey. Es legte ſich ber! die Beftürzung, als man fand, daß alles ohne Schaden abgelaufen. Das Turnier ward alfo von andern Standesperfonen fortgeſetzet. Am Afchermittwoch jeigten 60. \ Paar zu Roß in Küraffen auf einmal gegen einander ihre Geſchicklichkeit, und es gieng alles zum ‚gröften Dergnügen des Hofes bey dem ftärkften ‘Zulauf von Fremden zu. Unter andern ließ fich damals in Berlin ein Menfeh fehen, ver Feine Arme hatte, aber mit den Füffen einen Löffel Halten, und damit effen, einen Faden in eine Nehnadel bringen, mit dem Halfe Holz hauen, und mit feinem Spigbart einen Thaler an der Wand treffen Fonnen. Sch führe folches nur darum an, weil man zu unfern Tagen dergleichen Leute noch zu bewundern pflegt’ z). — Sonſt iſt anmerkenswerth, daß in dieſem Jahr der Cardiel Albrecht, welcher fivbe, _ _ im Der Geſchichte der Kivchenverbefferung eine wichtige Rolle gefpielet, und als ein brandenburgifcher Prinz auch in den Angelegenheiten der Mark Brandenburg ers heblichen Einfluß gehabt, den 26ſten September mit Tode abgieng. In den Stifs | R tern, 3) Leuthinger. Haftitius. z) Leuthinger. Haftitius. Ehuiflrft Joachim 2. | 57 | - dem Magdeburg und Halberftadt folgte ihm fein Vetter aus der franfifchen linie, 1545, Warggraf Zohann Albrecht, welcher in denen nachmals in Deutfchland el gten F zn‘ allerhand San erfahren müffen a). ur — TR — Der Kaiſer hielt endlich einen Reichstag zu Worms, den unſer Churfuͤrſt durch Reichstag zu Zacob Schilling, Hauptmann zu Saarmund, und Doctor Johann Falck vor ſich Worms. md feinen Herrn Bruder beſchickte. Die Proteſtanten ſtellten auf dieſem Reichs— stage vor, daß fie jederzeit einer Kirchenverfammlung vwiderfprächen, welche ver Papft 5 ausſchriebe und die zu Trident gehalten werden ſolte. Sie glaubten alſo nicht, daß durch die neue Ausſchreibung einer Kirchenverſammlung nach Trident der Friede in 9 Deutſchland aufgehoben werden Fonne. ie baten, da in dem Reichsabſchiede aus⸗ druͤcklich die Dauer des Friedens, ohne Abficht auf eine Kirchenverfammlung, bis auf einen völligen Vergleich der Religion, veftgeftellet werde. Das Anfüchen ver Pros lieſtanten war aber vergeblich. Der Kaifer hatte bereits wirklich die Abſicht gefaft, die ſchmalkaldiſchen Bundesgenoſſen uͤber den Haufen zu werfen. Er ſuchte nur Zeit zu gewinnen, die Bundesgenoſſen zu trennen, und mit ſeinen Kriegsruͤſtungen fertig uu werden. Cr wolte mit Fleiß Feine rechte Entſcheidung thun, damit die Gelegenheit u Screitigkeiten nicht aufhoͤren möchte. Dis bewog ihn, die Proteſtanten mit der Hofnung eines Friedens noch einige Zeit aufzuhalten. Die wichtigften Sachen wurs J den alſo auf einen Reichstag verſchoben, der im folgenden Jahr zu Regenſpurg gehal⸗ ten werden ſolte. Vor deſſen Erofnung ſolte ebenfals zu Regenſpurg ein Religions⸗ geſpraͤch vorgenommen, und, wie weit man darin gekommen, auf dem Reichstage Bericht abgeſtattet, auch ſodenn wegen eines Vergleichs ferner gehandelt werden.” Zirs Arien folte der Neligionsfriede nach dem Inhalt der vorigen Neichsabchtede und uͤbri⸗ gem Faiferlichen Verotdnungen beſtaͤtiget feyn. Dieſem Reichsabſchiede wurden zwey F & Öffentlich eingelegte Widerfprüche angehaͤngt, daß nemlich die Catholifchen in das Res - Tigionsgefpräch nicht willigten, und daß die Proteſtanten von dem Testen ſpeierſchen Br fich, nichts begeben wolten b). | Es wurden auf dieſem Neichstage noch andere Sache ER Die Vers Was wegen jo asting des Herzogs Henrich von Braunfihweig war der Vorwurf ernftficher Unter: der —* andfungen. Zur Verhuͤtung groͤſſerer Ungelegenheiten ließ ſich Churſachſen und Her — ————— ſen gefallen, deſſen fand zur Verwaltung in kaiſerliche Hände zu liefern. Herzog Hen⸗ | 4 R rich aber war zu der Einwilligung nicht zu bewegen, ohnerachtet der Kaiſer ihn dazu durch Bedrohung der Acht noͤthigen wolte. Es behielt daher dieſer Prinz beſtaͤndige | : Gelegenheit, die innerlichen Unruhen zum Ausbruch zu bringen c). Die naumburgiſe he Sache nahm der Kaifer ſehr hoch auf, und wolte durchaus, — daß Zulius Pflug in den Beſitz des Sure sepest werde, Es ward nur mit genauer ſchen N Noth = — u von Dreyhaupt Hiftorie des ee ' b) Keichsabfchied von 1545 c) BHortleder B. 4. Sleidanus lJ. 15, 88 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte vom Brandenburg. 1545. Noth abgewandt, daß der Kaifer diefem rn ‚Herrn die —— uͤber vo | Biſchofthum reichte d). und coͤlniſchen Vorzüglich machten die cölnifchen Streitigkeiten geoffes Auffehen. — he geſch an geiher ein geborner Graf von Wied Churfürft von Coͤln war nicht nur der — tehre oͤffentlich beigetreten, ſondern ſuchte auch mit vielem Eifer in feinem Erzſtift eine Verbeſſerung der tehre und der Sitten einzuführen. Er gerieth aber daruͤber mit fi nem Domcapitel in Streit, welches ihn bey dem Papft und Kaifer verklagte. Der | [4 erftere ließ ihn vor fich laden, wogegen fich der Churfürft auf den Ausfpruch einer Kir | chenverfammluug berief. Der Kalfer hatte ebenfals_ das Domca pitel, unter angedros heter Strafe wider alle, die es in der Religion und Gütern flören — in Schutz genommen, Cr hatte auch den Erzbiſchof vor ſich geladen, der aber nicht perſoͤnlich erſchien, ſondern durch ſeine Geſandten ſein Unternehmen damit vertheidigen ließ, daß in dem regenſpurgiſchen Reichsabſchiede von 1541 denen Praͤlaten aufgetragen waͤre, eine chriſtliche Kirchenverbeſſerung vorzunehmen e). Der papſt Der paͤpſtliche Botſchafter Cardinal von Farneſe wolte ſich dieſer Umftände trägt dem kai⸗ - fer ein btimd, ZUM Beften feines Herrn bedienen. Er trug fehon damals dem Kaifer Garls ein niß an. Buͤndniß mit dem Papft an, um vie Proteftanten mit Gewalt zu zwingen, ver vis miſchen Kirche wieder beizutreten f). Churſachſen Alte dieſe Umſtaͤnde bewieſen ven Proteſtanten genugſam, in was vor Gefehr ei fei ann u keinen fie ſchwebten. Sie hielten dahero auf diefem Neichstage allerhand Unterhandlungen, neuen verbin: dungen ge: Noch ein genaueres Buͤndniß zu fhlieffen. Es that ſich aber im Gegentheil unter ihnen | bracht wers gäglich mehr Zwieſpalt hervor. Der tandgraf von Helfen füchte den Chur vn Sachſen zu einem Bündniffe mit denen ——— ae Gnaland eh reich, oder zu einem geheimen breifachen Buͤndniß mic dem Herzog Moritz von Sach⸗ ſen zu bewegen. Aber der Churfuͤrſt Johann Friedrich von Sachſen konte ſich zu keinem dieſer Vorſchlaͤge entſchluͤſſen. Man ſchickte zwar an England und Srankreich eine Geſandtſchaft ab, die aber ohne Mugen ablief g). | 9 57 — Du Nach geendigtem Reichetage reiſete der Kaiſer nach den Niederlanden und — ſchickte dem Churfuͤrſten von Coͤln aufs neue eine Ladung zu, vor ihm zu Brüffel zu men ſich des ufürften erfcheinen. Die Proteſtanten fahen das Faiferliche Betragen als eine Sache an, wels von Coͤln an. che der Neichefreiheit und denen Verbindungen zuwider fen, die der Kaifer bey feiner ® Wahl eingegangen. Der Churfürft Hermann gieng aber ven gelindeften Weg, und ſchickte wirklich einen Anwald nach Bruͤſſel, ſein bisheriges N fiel, fein bish ge Verfahren zu rechtfer⸗ Und nehmen Saar ‚Sets u ei Braunſchweig hatte indeſſen mit franzoͤſiſchem Gelde sic) gefangen. ann Kriegsvoͤlker ——— um damit ſeine Lande zuruͤck zu erobern. —— 1.3. Bortleder T. 1, B. 5. K. 12 fegg. e) Sedendorfl: 3. Sleidanus 1. 16. f) Sedendorf. Pietro g) Seckendorf. Sleidanus. b) Sedendorf. 1 Bieeo gen Sein | en ni 1 | * Fr Churfuͤrſt Joachim 2. ‚89 Sin’Zuggieng durche Vehrdiſche und Bremiſche, und er that unterweges ben ſchmal⸗ 1545. Faldifchen Bundesgenoffen groffen Schaden. Er bemächtigte fich einiger Schlöffer - feines landes, und befagerte Wolffenbüttel; hob diefe Belagerung aber wieder-auf, J „und lagerte ſich bey Kalefeld, als er von dem Anzuge eines proteſtantiſchen Hee⸗ J res Nachricht erhalten, Denn der Churfuͤrſt von Sachſen, der Landgraf von Heß fen und der Herzog Moritz von Sachen, welcher Iegtere nicht als Bundesgenoffe, ſondern wegen feiner Erbverbrüderung perfonlich zu Felde gieng, hatten 25005 Mann J zuſammen gezogen, welche über Nordheim anruͤckten. Herzog Erich von Braun— ee Fam, nebſt deffen Frau Mutter der, brandenburgifchen Prinzefs fin Elifabsth, fo wie der letztern Bruder, Marggraf Johann von Cuͤſtrin, in dem ager des Herzogs an, und gaben ſich, wiewol vergebens, alle moͤgliche Muͤhe, einen Vergleich zu bewirken. Den zoften October Fam es zur wirklichen Schlacht, die vor den Herzog fo übel ausfiel, daß fich felbiger nebft feinem Prinzen Carl gefangen und indie Verwahrung des landgrafen genommen ſahe. — * Dieſes vermehrete unter beyden Religionsverwandten die Verbitterung. Die Halten auch eifrigen Catholiken verſuchten beſtaͤndig, den Kaiſer zum Kriege zu verhetzen. Earl 5 eine zuſam⸗ tte einige feiner Völker in Oeſterreich gelegt, und feine übrige Macht ſtund in Lo— — * ſhringen und in den Niederlanden, folglich in der Naͤhe. Man muſte beſorgen, dee die coͤlniſche oder braunſchweigiſche Sache ihm Gelegenheit zum Ausbruch des Krieges geben moͤchte. Der allgemeine Ruf von ſeinem feindlichen Vorhaben vermehrete ch täglich und wurde auch dadurch wahrſcheinlich, daß der Kaiſer mit den Tuͤrken nen Stiliſtand getroffen. Die Proteſtanten ſahen ſich in die Nothwendigkeit geſetzt, kn zu machen. Diefes. und die von Churpfalz vorgenommene Kirchen, verbeſſerung gab ihnen Gelegenheit, 1546 eine Zuſammenkunft in Frankfurt am Main 1546. “ u halten. Sie Fonten ſich aber daſelbſt über eine Verlängerung und Verftärkung des. ſchmalkaldiſchen Bundes, ver diefes Jahr zu Ende gieng, nicht vereinigen. Doch efchloffen fie, fich des Churfürften von Coln anzunehmen, welchen der päpftfiche Bot⸗ ſchafter zu Maſtricht feiner Würde entſetzt Hatte. Sie ſchickten zu dem Ende eine H eſandtſchaft an den Kaiſer, der ſich auch endlich erbitten ließ, die Sache bis auf J den naͤchſten Neichstag aufzuſchieben. Sonſt beſchloſſen die Proteſtanten, naͤchſtens Worms ſich zu verſammlen, die Annehmung einer Kicchenverfammfung aber von ſch abzulehnen, welches auch in einer eigenen Schrift geſchahe. Dicilie beiden Herren Brüder in dee Mark Brandenburg ſuchten bey dieſen weit Croſſen uns ausſehenden Umſtaͤnden die Eintracht ihrer beiderfeitigen Unterthanen zu erhalten, Srankfurt h, Schon 1534 hatte Joachim ı einen Vergleich mie Croſſen gemacht, wie es mic der —— Schiffarth der Stadt Croſſen auf der Oder gehalten werden ſolte. Am Jahr 1539 verglichen. hatten deſſen Söhne einen brüderlichen Dertrag gemacht, und darin ihres Vaters Bew · gleich beftätiger, den Hans von Knobelsdorf Verweſer zu Eroffen, und D. Lorenz Schrecker Syndicus der hohen Schule zu Frankfurt," zum Stande gebracht. Don P. sllg. preuß. Gefch. 3 Th. M dies — —— go . 3%. 6 Hauptfl: Neuere Sahihe von Veandenbun 1546, diefem Vergleich lieſſen beide Herren Brüder denen Städten zu ihrer Nadeicht Ba a ſchriften mircheilen 7), und erFläreten ſolchen in einigen Punkten. 38. Religionsge⸗ Das auf dem vorigen Heichetäge verabredete Religionsgeſpraͤch hatte indeffnt wirk⸗ ſpraͤch und lich feinen Anfang zu Regenſpurg genommen. Aller Fortgang, den man ſich davon — verſprochen, wurde aber vereitelt. ‘Denn weil ſonderlich Julius Pflug der entſetzte Biſchof von Naumburg , auf Faiferlichen Befehl, ebenfals dazu gezogen wurde; fo teifeten die von Churfachfen zu diefem Geſpraͤch verordneten Perfonen, und fodenn auch die übrigen Proteftanten, unwillig ab, und machten dadurch dem Gefpräch ſelbſt ein fruchtiofes Ende, Der Kaifer warf alle Schuld auf Churfachfen, und nahm daher den Vorwand, folches zu unterdrücen. Den Anfang hierzu machte er dadurch, daß er deffen Bundesgenoffen von ihm abzuziehen, fich felbft aber Beiftände zu feinem Bors haben zu verfchaffen füchte. Auf der Reife nach Megenfpurg erfuchte er den fandgra fen von Heffen, ihn zu Speier zu befuchen. Der Kaifer begegnete ſolchem auf das allerfreundlichfte, fuchte ihn aber vergebens zu dem Verfprechen zu bringen, den Reiches tag perfönlich zu befuchen, doch erfuhr der Kaiſer bey diefer Gelegenheit, daß auf dee Berfammlung der Proteftanten zu Frankfurt nichts fonderfiches zum Stande gefoms men. Er fegte hierauf feine Reife nach) Negenfpurg fort. _ Die Proteftanten ie men dagegen zu Worms zufammen. Sie berathfchlagten fi ch über die Erneuerung des Bundes, und über die Bermehrung deffelben durch die Aufnahme ver. Ehurfürften ‚ von Coͤln und Pfalz, des Bifchofs von Muͤnſter und anderer. Weil aber die mes. ſten den Erfolg des Neichstages abwarten wolten; fo Fonte man faft in nichts zum Schluffe fominen. Der indeffen eröfnete Reichstag wurde aber ein Vorbote eines blu⸗ g tigen Krieges. Der Katfer bezeigte über das abgebrochene Religionsgefpräch groſſen Unwillen. Er warf die Schuld, ſowol davon, als auch aller bisherigen Unruhen, auf etliche ungehorfame Fürften. Er erflärete fich öffentlich: „daß er mit venenfelbenlans _ ge Zeit Geduld getragen; weil aber folches nichts geholfen, indem fie fich vielmehr von aller Gerichtbarkeit foszumachen gefucht, anderer Fürften und Bifchdfe Güter gemalt ſamer Weiſe an fich geriffen, feine treue Abfichten verleumet und anderen Unfug getries ben: fo fen es Zeit, diefelden zum Gehorfam zu bringen.,, Er Tieß jedoch die vornehms ften proteftantifchen Neichsftände, und unter andern auch) den Churfuͤrſten Joachim von Brandenburg, - fehriftlich verfichern, daß er wider ihre Neligion nichts böfes vors Habe. Die wenigen proteftantifchen Fuͤrſten/ welche ſich perſoͤnlich auf dem Reiches tage eingefunden, behandelte er ſehr gnaͤdig. Unſer Churfuͤrſt hatte aus ſonderbaren Urſachen dieſen Reichstag durch eine Geſandtſchaft beſchickt. Es war aber aus feinem Haufe Marggraf Albrecht in Franken den sten Day, und Marggraf Sohann von - Cuͤſtrin den 1zten May in Negenfpurg angefommen. Der Kaijer füchte fo vie Proteftanten, als möglich, auf feine Seite zu ziehen. Befonders gelung es ihm, den Herzog Morig von Sachfen, und die beiden Marggrafen von Brandenburg, Als brecht =D Herr D, Oelrichs Beiträge zur brandenburgifchen Geſchichte ©, 195. Re — I an Me a re 5 EEE EN EEE — * ⸗ * * u 7, Der J — * 94*8 * | Ehurfürft Joachim 2. | gr 2 Brecht und Johann, zu gewinnen. Er gab denen letzteren fonderfich die Verſiche— rung, daß es ihm gar nicht um den Umfturz der evangelifchen Lehre, fondern blos darum zu thun ſey, einige ungehorfame Fürften zu ſtrafen. Sleidan merft als einen Sauptbeſtimmungsgrund des Marggrafen Johann von Cuͤſtrin an, daß derfelbe des gefangenen Herzog Henrichd von Braunſchweig Schwiegerfohn gewefen, der alſo mit dem Verfahren ver fchmalfaldifchen Bundesgenoffen unmöglich zufrieden feym Fonnen. Es fehloß derfelbe daher mit dem Kaifer ein Schuß: und Trugbündnig, und machte fich anheifchig, einige Schwadronen Reuter vor den Kaifer anzuwerben. Auch mic dem Papft Fam das Faiferliche Bündnig zur Nichtigkeit, ohnerachtet des Kaifers Wahlvertrag ausdrücklich enchiele: Wir follen und wollen als römifiher König in - den Reichshändeln fein Buͤndniß oder Einigung mit fremden Nationen noch) onſt im Reich machen u. fw Wir follen und wollen fein Geänf, Fehde, auch Krieg in oder aufferhalb des Reichs von deffelben wegen anfahen, oder 1546. unternehmen, noch einig fremd Kriegesvolf ind Reich führen, ohne Vorwiſ⸗ A fen, Rath und Bewilligung der Reichsftände u.few. Carl verpflichtete fich, die Proteftanten ; weil fie fich der ausgefchriebenen Kirchenverfammlung nicht unters werfen wolten, mit Gewalt zum vorigen Glauben zu bringen. Der Papft hingegen verſprach zu dieſem Endzweck zweihundert taufend Kronen an baarem Gelde, 12000 “ Mann italiänifcher Kriegsvölfer, den halben Theil aller Kircheneinkuͤnfte, die in Eis nem Sabre in Spanien erhoben würden, und die Beräufferung fpanifcher geiftlicher Güter, bis aufeine Summe von fünfpunderttaufend Kronen. Die Reichstagsberath⸗ ſchlagungen wurden ohne alle Wirfung und in groffer Verwirrung angeftelle. An ver - Gefellfehaft der Churfürften erenneten fih Mainz und Trier der Religion wegen von . Eoln, Pfalz, Sachfen und Brandenburg. In der DVerfammlung der Fürften geſchahe eine ebenmäßige Trennung der Proteftanten und der Catholifen. Endlich zeifeten der Proteſtanten Gevollmächtigte nach und nach heimlich) ab. Dem ohngeach- tet ward ein Neichsabfchied verfaffee, worin faft alle Sachen auf einen nächft zu hals eenden Reichstag verfchoben und nur verordnet wurde, daß das Kammergericht noch ‚ferner dauren folte. | | er 39. | — Lutheri Tod ward der Zeitpunkt eines ausbrechenden Religionskrieges, zu wel chem man von beiden Theilen nunmehr die fehleunigften Anftalten vorkehrete. Marg— graf Johann war Faum von dem Neichstage zurück gefommen, als er, feinen mit dem Kaiſer gefchloffenen Verbindungen gemäß, bereits Werbungen veranftaltere. Deſſen Frau Mutter die verwitwete Churfürftin von Brandenburg mahnete ihn zwar in den beweglichſten Ausdruͤcken ab, dem Kaifer Hülfe zu leiften, damit der Marggraf die evangelifche Lehre nicht unterdruͤcke, und feine nächften Verwandten nicht verfols gen hälfe k). Weil aber Johann von Cuͤſtrin verfichere zu feyn glaubte, daß der bevorſtehende Krieg als Fein Neligionsfrieg anzufehen fey; fo Tieß er die Werbungen 9 M 2 fort⸗ BSortleder Ti 2 p. 300. Des marg⸗ grafen So: hann krieges⸗ ruͤſtungen. - 92 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1546. fortfegen. Churſachſen und Heffen, die nunmehr wohl einſahen/ daß’ die Falferle | chen Nüftungen gegen fie abzieleten, ſchrieben ebenfals aus: Schtershaufen ven stm Jul. an ven Marggrafen, die Eaiferfiche Beſtallung aufzugeben,» weil ein Krieg gegen fie und die ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen ſowol mic der. Erbeinigung, als auch mit dem Beitritt des Marggeafen zum ſchmalkaldiſchen Bunde ſtreite. Der Sanpgraf er innerte ihn in einer Nachfchrift eigenhändig an das, was er vor Speier mit ihm.ge forochen )). Doch der Marggraf antwortete aus Cothus den gen Zulii: er fey gar wohl, eine Faiferliche Beftallung anzunehmen, berechtiget geweſen, da Earl 5 fich erflär tet, der Religion wegen Feinen zu überziehen, um ſo mehr, da in ber Erbeinigungteer Kaiſer ausdruͤcklich ausgenommen fer. Ja er halte ſich auch ohne Beſtallung verbun ⸗ den, als ein Reichsſtand dem Kaiſer feinem Herrn Huͤlfe zu leiſten. Wegen der Er innerung des Landgrafen bezog er ſich auf die in der Unterredung vor Speier gegebene Antwort m). Gleich darauf gaben Churſachſen und Heſſen oucchein öffenliches Aus | ſchreiben an alle Neichsftände, worinnen fie die bieher angeführten Briefe bekandt mache ten, zu verftehen: daß die beiden Marggrafen, ZJohann von Cuͤſtrin und Albrecht — in Franken, allerdings durch die dem Kaiſer zu leiſtende Huͤlfe ihre Verbindungen brächen, welche theils fie, bey der Erbeinigung zwifchen Brandenburg, Sahfen und Heffen, theils Marggraf Johann, bey Annehmung des fehmalfaldifchen Bun ⸗· des, eingegangen. Die Faiferfiche Verficherung, daß Earl 5 die Neligion nicht um . H terbrücken wolle, ſey blos zum Schein ausgeftelle. Wenn in der Erbverein der Kaffee ausgenommen wäre, fo verftehe fich folches nur von den Fällen, wenn der Kaifer nicht - gegen Gottes Wort, gegen den gefegmäßigen Gebrauch des faiferlichen Amts, undge gen die Zufäße und Verträge feiner Wahl, handele. : Zudem habe Marggraf Johann, 4 als er dem ſchmalkaldiſchen Bunde beigetreten, Beiſtand verſprochen, wenn die Bun ⸗ desgenoſſen ihres Glaubens, oder auch einer andern Scheinurſache wegen, wie es an ⸗ jetzo geſchehe, angegriffen würden. Aus dieſem allen ſey klar, daß niemand die ange⸗ nommene Beſtallung Marggraf Hanſens billigen, vielweniger jemand ſich zu ſeinen Kriegsdienſten verpflichten wuͤrde 7). Gegen dieſe Schrift: gaben die Marggrafen Jo⸗ hann und Albrecht ven 29ſten Jul. zu Regenſpurg eine Gegenſchrift heraus, und erklaͤreten, daß folches nicht, um ein den Zürften ungeziemtes Gezaͤnk zu unterhalten, fondern zum Beweife gefehehe, wie man nichts gegen Verbindung, Ehre und Gewiffen unternommen habe. Aus denen beiderfeitigen Briefen wäre Elar, daß Marggraf Jo⸗ hann bereits gegen die ihn gemachten Befchuldigungen zur Genüge geantwortet. Zus dem bejeuge ihre fehriftliche Beftallung,; daß fie nicht ausdrücklich gegen Churfachfen und Heſſen, fondern überhaupt gegen: die Feinde des Kaifers, in deſſen Dienfte ges treten. _ Gefest daß folches, wie doch erweislich falfch, gefchehen, ſo koͤnte man esihnen - doch nicht verbenfen, da der Kaifer, zur Behauptung: feiner Hoheit und Wiederherfich fung der Ruhe und der Gerechtigfeit, nicht aber zur Unterdruͤckung der Religion, die Waffen. ergreife. Die Erbeinigung. enthielte ohnedies nur ein Vertheidigungsbändnig, i | A und D Hortleder T. 2 ©. 320, m) Ebendaſelbſt &; 320, zaus © n) Ebend. ©. 304 f. We RER — # —— — Churfuͤrſt Joachim 2, 93 — und wire in dieſem Fall nicht anzuziehen, da der Kaiſer nicht der angreifende Theil ſey. ynicht nur Amts⸗ fondern auch feiner Perfon wegen darin ausgenommen, and fie ER dem Kaifer ihrem Lehnsherrn, ale Neichsftände, zu hoch verpflichtet, Als daß ihnen, in deſſen Dienfte zu treten, verarget werden koͤnte. Gegen den Kaifer zu dienen ſey ihnen ohnedies unerlaubt gewefen, wenn gleich jolcher in der Erbeinigung nicht ausdrücklich ausgenommen wäre. Die Auslegung der Gegner, daß die Ausnah—⸗ me des Kaifers nur alsdenn ſtatt finde, wenn folcher nicht gegen Gottes Wort, gegen Ar Amt und gegen feine Verträge handele, fey zweifelhaft. Des Kaifers Krieg fey x diesmal von Amtswegen unternommen, Ihre aus der. Erbeinigung flieffende icht gehe nicht dahin, Sachfen und Heſſen, ‚wenn fie andern das ihrige entzogen J —8 eroberten, wie in der braunſchweigiſchen Sache geſchehen, ſolches erhalten zu helfen. Beſonders da in der Erbeinigung ausdrücklich verfehen, daß ein Bundesge⸗ noffe den andern in einem unvechtmäßigen Kriege beizuftehen nicht ſchuldig ſey. Der Kaiſer habe Churfachfen und Heffen geächtet, und in der ergangenen Acht unter ans dern die Marggrafen von allen gegen ſie habenden Verpflichtungen losgezaͤhlet. Sie wären dem Kaifer länger, kraͤftiger und mehr, als Churſachſen und Heſſen, ver } E: rc Es ſchicke fich vor Die Gegner nicht, fich jegt fo Hoch auf die Erbeinigung zu berufen, da fie-fich eben nicht willig bezeugt harten, wenn Marggraf Johann fie in andern Fällen darauf verwiefen, folche in andern Stücken zu erfüllen. Die Marggras fen wolten fich nicht zu Richtern aufwerfen, ob Churfachfen und Heffen fich, wirklich ale ungehorfame Fürften betragen hätten... Da aber des Kaifers Kriegeszug nicht ges gen die Religion gerichtet, ihre Beftallung ver Exbeinigung, von der fie ohnedies waͤh⸗ render Acht entbunden, nicht zumider ſey; ſo folge daraus der Ungrund der Beſchuldi⸗ gungen des Gegentheils, den ſie gegen jedermaͤnniglich erweiſen wolten 0). Indeſſen muß dem leſer das Urtheil uͤberlaſſen werden, ob Marggraf Johann hierbey etwas ge⸗ than, was mit feinen Verbindungen wirklich, ſtritte. Er war vom Kaiſer, fo wie Marggraf Albrecht, zum Kriegsrath und Feldherrn der Neuterey angenommen p); Die Werbungen beider Herren giengen wohl von ſtatten. Marggraf Johann errich⸗ tete 700 Neuter, ‚die eine Meile von Landshut in Baiern zum erflenmal gemuftert "wurden, Dieſer Haufen war ſo getheiler, daß zoo unter der Anfuͤhrung Dietrich von Quitzow des Marggrafen Lieutenant, als Lanthierer oder Sperreuter, 400 Mann aber, unter dem Befehl Achims von Rieben, als Archibuſirer fechten fol. Es fochten, ohne den brandenburgifchen Adel, drey Fürften unter Marggraf Jo⸗ a hanns Fahnen, nemlich Georg Herzog von Braunſchweig Domprobft von Coͤln, 8 Albrecht Herzog von Medlenburg und Georg Herzog von Mecklenburg: J In feinen Fahnen bedienete der Marggraf fich der Worte: Gebet dem Kaiſer, was des Kaifers ift, und Gott, was Ben iſt Der Marggraf Albrecht Hatte, einen 05 Hortleder T. 2 ©. 18 f. ; — und der — Johann Georg mit p) Ebendaſelbſt ©. 376. soo Mann zugezogen. - Doch glaube ich, daß der ) Ebendafelbft SG. 384. aftitius fagt, der letztere erft im folgenden Jahre im Lager des Kai— Marggraf Johann jey dem Kaiſer mit 1000 fers in Sachſen angelangt ey, 1546. 94 1546. Betragen des hauſes Bran⸗ denburg bey den kriegesruͤ⸗ ſtungen. 3— * 2 burgiſchen und benachbartem Adel, die bey Marggraf Johanns Voͤlkern nicht mehr angenommen werden konten, nahmen bey dem Marggrafen Albrecht Dienſte r). Den ısten September ftieffen fowol Marggraf Johann, als Marsgraf Albrecht, zum Heer des Kaifere. : — 6 40. un Ass y Churfuͤrſt Joachim hingegen hatte ſich weder von dem einen noch dem andern Theil bewegen faffen, Antheil zunehmen. Er blieb beftändig ben der ergriffenen Par⸗ teifofigfeit ftandhaft, um jederzeit im Stande zu ſeyn, zwiſchen beiden Theilen eine Mitrelsperfon abzugeben. die fchmalfaldifchen Bundesgenoffen verſichert war, arbeitete er an einigen Vergleichs⸗ punkten, die er den fehmalfaldifchen Bundesgenoffen vorlegen ließ. Nach feiner Meis nung folten beiderfeitige Buͤndniſſe getrennet, und fein Theil von dem andern wider die Reichsgeſetze angegriffen; die Neligionsftreitigfeiten der Vorſorge Gottes überlaffen und durch guͤtliche Unterhandlungen entſchieden; alle Gemeinſchaft der Proteftanten mit den Zwinglianern und Wiedertäufern aufgehoben; die Gerichtbarfeit des Kammer⸗ gerichts, welches wohl zu beftellen ſey, und veffen Urthelsfprüche, auffer in Religions⸗ 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenbug. einen weit ſtaͤrkern Haufen zu ſtellen, auf fich genommen, Diele von dem branden /⸗ fachen, anerkannt; Herzog Henrich, nach einer Berficherung an Sachfen und Heß - r) Um nur einige namentlich zu erwehnen, fo ftand bey des Marggrafen Leibfehwadron der Hans Andreas von Brand, Krasmus von Blanfen: burg u.a. Bey ber Schwadron des Werner von Bülow dieneten unter andern Jacob von Zedlitz, Sriedeich und Wilhelm Gebrüder von Waldow, Conrad, Robert und Albrechrvon Zedwitz, Eafpar von Zedlitz. Beyder Schwa: dron des Johann von der Affeburg war von in unſerer Gegend befandten Gefchlechtern: Joachim von Velchein:, Georg von Bülow, Valentin von Marenholz, Philipp von der Schulen» burg, Albrecht von Schend, Joachim von Bartensleben, Bernhard von Bülow, Hart wig von Schaden, Chriſtian von Schenck, Ernſt von Marenholz, Günther von Bartens: leben, Wolf von der Schulenburg, Andreas von Bülow, Marx von Moͤllendorf, Eon: rad Hand, Hans von Slans u. a. Bey der Schwadron des Georg von Haerden waren: Dierrich und Franz von Bredow, Eonrad von der Schulenburg, Ludolph und Hans von Borgk oder Burch u.a. Bey der Schwadron des von Bernichhaufen ftanden: Gerhard Bre⸗ de , vielleicht Bredow, Reinhard und Arnold von Riedefel, Arnold won Schorlemmier, Bernhard von Spiegel, Ludwig von ade, Hans von Bredow U. A. ey Johann von Falckenbergs Schwadron: Vilcke von Bülow, fen, Matthias von Asgen, Joachim und Levin von Reden, einer von Itzenplitz, Burchard von. Brunn, Sebaftian von Srandenberg u. a. Bey Büngels von der Gruͤn Schwadron : Hans von Burg und Hans Suche. Bey Hermann von Gladebeds Schwadron: Ehriftoph von Anefebe und Conrad von Barleben. Bey der Schwadron des Joſt von Altem: Dietrich von Bock, Maximilian von Kneſebeck, Jen: rich von Kneſebeck. Schwadron: Joſt von Haus. Othrav von Ders fen, Ioft und Julius von Hagen, Friedrich von Plettenberg, Hans von Plettenberg. Bey des Hans Walhard Schwadron: Reinhard und Sobald er von dem gewiffen Vorhaben des en we Bey Franz von Dalwigs Nicolaus von Thenem, vielleicht Chiemen. Sonſt dienete Henrich von der Aſſeburg in die⸗ fem Kriege dem Deutſchmeiſter als Rittmeiſter, Burchard von Muͤnchhauſen, “ans von AMinchhaufen, Seiedrich von der Schulen: burg, Hans Boud, Hans von Wingerat, Adrian von Steinberg, als Nittmeifter unter den Völkern des Wiarimilian Grafen von Bir ven in Weftphalen und YIiederdeutfchland. Alfer diefer Herren Gefihlechter haben nachmals dem Haufe Brandenburg gute Dienfte gethan, und ift es Schade, daß diejenigen, die eigentlich dem Marggrafen Hans gediener, nicht namentlich angeführet find. ; BR Churfuͤrſt Joachim 2. 95 fern, ſich nicht zu rächen, auf freien Fuß geftelle; die goslarſche und braunſchweigi⸗ 1546. ſche Sache dem Ausfpruc) des Kammergerichts, oder wen es fonft der Kaifer übertrü- ge, überlaffen; dem Herzog und feinen tehnleuten alles Entriffene wieder gegeben; die Kirchengürer, bis zu anderweitiger Beftimmung, blos zu Gottes Ehren und zum Un: | 5 terhalt der Kirchendiener, der Armen und der Wiffenfchaften angewendet; alle anzüglis che Schriften verboten; und endlich von Ehurfachfen und Heffen dem Kaifer eine Abbitte geleiftee werden, worinnen fie bezeugen folten: fie hätten anfänglich erfahren und geglaubt, daß der Kaifer ihre Religion und die Freiheit Deutfchlandes unterdris den wollen, nachmals aber. wären fie durch den Kaifer felbft überzeugt worden, daß folcher wider ihre Religion und Freiheit nichts übels vorhabe. Weil aber von ihnen blos zur Beſchuͤtzung ihres Gortespienftes verfchiedenes gefchehen, welches ihnen die ſchwere Ungnade des Kaifers zugezogen ; fo bäte das geſamte Neich den Kaifer, feinen Zorn gegen Churfachfen, Heffen und ihre Anhänger fallen zu laſſen, und fie wieder zu Gnaden anzunehmen. Sie wolten dagegen fich Fünftig beftändig treu und gehorfam bezeigen, auch ihm gegen alle feine und des Reichs Feinde beiftehen, auch fich alles gefallen laſſen, was von gefamten Neichswegen befchloffen werden würde. ,, Die. ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen fehlugen aber die von imſerm Churfürften gemachten. Entwuͤrfe eines Bergleichs aus. Dem ohnerachrer fegte folcher feine Bemühungen eifrig fort, und ließ feine Gefandten dem Churfürften von Sachſen fogar bis nach Wuͤrzburg nachfolgen, um denfelben zu bewegen, feine Vermittlung anzunehmen, AR: ub bey dem Kaifer Gnade zu ſuchen. Doch alle feine Bemühungen waren vergebens angewandt. Selbſt einige brandenburgijche tehnleure nahmen bey Churſachſen Dienfte s). Eben diefe Parteifofigfeit fand aber auch dem Kaiſer und dem roͤmiſchen Könige nicht an. Der Ießtere ließ daher zu Prag den brandenburgifchen Erbver⸗ gleich mit Liegnitz vor nichtig erklären. Da aber Ferdinand nicht berechtiget war, dem Haufe Brandenburg rechtmäßig erworbene Nechte zu nehmen; fo bezeugte folches unſer Churfürft, und widerfprach auf das feierlichfte, als man ihm widerrechtlich zus muthen wolte, den gefchloffenen Vertrag in der Urfchrift heraus zu geben. Dagegen beſtaͤtigte er die auf feine Ernennung ausgefallene Wahl im Stife Brandenburg auf den Herzog Joachim von Münfterberg. | | | 4 | Mit denen Zurüftungen zum Kriege war es von beiden Theifen bereits zu weit Schmalkaldi— ‚gekommen. Der Kaifer hatte an Ehurcöln Befehl gegeben, feinen Unterthanen alleſcher Fries. andere auffer die Faifetlichen Kriegsdienſte zu verbieten, der auch darin Gehorſam leiſtete. Die übrigen fehmalfaldifchen Bundesgenoffen Hatten aber, aller gebrauchten Künfte ohnerachtet, fich noch eher, als Carl 5, in Verfaffung gefest. Sie machten auch mit den wirklichen Ausuͤbungen der Zeindfeligkeiten den Anfang. Auf den Ruf, daß bie 5) Reuthinger. Zu denen brandenburgi: Glafenapp, Dietrich Wichmann, Otto Spän, ſchen Bafallen, die unter Churſach ſen Dienfte Dierrich von Winterfeld u. ſ.w. Chriftian genommen, gehöreten die Hauptleute Michael Manteuffel und andere waren auch dabey. 96 3 Ch. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. Bi 1546. die päpftfichen Voller aus Sstalien nad) Deutfchland ihren Zug vornoͤhmen erhiele 5 Sebaftian Schertlin von den ſchmalkaldiſchen Bunvesgenoffen Befehl, ſolches nach Möglichfeit zu verhindern. Ob nun gleich demſelben fein Vorhaben, einige vor dom Kaifer gewordene Fahnen Deutfchlandes aufzuheben, mislung; fo war er dohäßte gens ziemlich gluͤcklich. Er nahm Fuͤſſen und nie Ehvenbergerclaufe weg, und rückte gegen die tridentinifche Platte an. Es hinderte ihm aber der Befehl fine Obern, den aus Italien ankommenden Völkern auch diefen Leg zu verlegen. De Proteſtanten befegeen auch Dillingen und Donauwerth. Churfachfen und Hefe fern lieffen vor dem Ausbruch der Feindfeligkeiten an den Kaifer Schreiben ergehen, worin fie ihr Betragen entſchuldigten, und fich von dem vorgeworfenen Ungehorfam in rechtfertigen fuchten. - Statt der Antivort aber erfolgte von Seiten des Kaifers eine J Achtserklaͤrung, da er doch in feinem Wahlvertrage verſprochen: Wir follenundwok „en auch fürfommen, und keinesweges geffatten, daß Churfürften, Fürften oder am „dere, ohne Urfachen, auch) unverhört, in die Acht oder Oberacht gerhan und erflärer „werden; fondern in folchem ordentlichen Proce und des Keil: Roͤmiſchen Reichs vor „aufgerichtete Sagungen in dem gehalten und vollzogen werden. „Earl ertheilete hierauf dem Herzog Morig von Sachſen, welcher ſich bereits mic dem vömifehen Könige in Prag unterreder hatte, Befehl, gegen die Geächteten Toszubrechen, und derſelben fande darauf er, als Berwandter und Erbvereinigter, berechtiger ſey, einzu nehmen, widrigenfals folte er nicht allein ſeiner Nechte darauf verluftig feyn, und fh che einem andern zugefprochen, fondern er ſelbſt fogar beftraft werden. Die geächtetem Fuͤrſten rückten fodenn durch Franken nach ver Donau, ohne ſich im Ruͤcken genug ' fame Sicherheit verfchaft zu Haben. Sie vereinigten ſich mic dem oberländifihen Kris - gesvolf, und hatten eine Macht von 80000 Mann beifammen, wogegen des Kaifers Kriegsvolfer fich anfänglich Faum bey Regenfpurg auf 10000 Mann beliefen. Die⸗ ſerhalb verlegte Carl fein tager von Regenſpurg nach Landshut, um ſich deſto ſiche ⸗ rer mit den herbeiruͤckenden italiänifchen und andern Voͤlkern vereinigen zu Eonnen. Die Bundesverwandten folgten, und fehickten ihm eine Kriegeserflärung zu. Dody Carl wandte fich wieder nach. Negenfpurg, und von da nach Ingolſtadt, um den aus den Piederlanden anrücenden Grafen Marimilian von Büren an ſich zu ziehen. Die Proteftanten hinderten zwar deſſen Anfehlag auf Nördlingen, aber die unter ihnen eingeriffene Uneinigfeit. hatte verhindert, denſelben bey Regenfpurg, Ingol⸗ ſtadt, Nördlingen, Giengen und ſonſt mit Vortheil anzugreifen, wobon doch ach ⸗ mals niemand die Schuld auf ſich nehmen wolte. Der ganze Krieg bekam aber ein ganz anderes Anfehen, als eben damals Herzog Morig von Sachfen unter dem Bors wande, fich der fande feines Vetters des Churfürften anzunehmen, in diefelben einbrach. - Diefes wurde eine der erheblichften Urfachen, daß fich die Bundesvermwandten trenneten. \ Hierdurch bekam aber auch der Katfer Gelegenheit, die erwarteten Voͤlker an fih u ziehen, worauf er in Oberdeutſchland den Meifter fpielete, weil die Bundesverwand ⸗ ten daſelbſt gänzlich verfaffen wurden. Der Churfürft von Sachen gieng feinem eig —— nen h Churfuͤrſt Zoahin 2, 97 nen Sande zu. Hilfe Der tandgraf fuchte feine eigene Sande zu Decken, und fonderte 1546, > fich von jenem ab. Ulm ergab ſich der Gnade des Kaifers, und erfaufte fie mit einer | Geldſumme; Darmſtadt ward mit Gewalt, und Frankfurt am Main durch frei⸗ e Uebergebung von den Kaiſerlichen eingenommen. Moritz bemaͤchtigte ſich an⸗ aͤngüch faſt dee ganzen ehurfächfifchen Sande, und, da er ſich heimlich mit dem Erg biſchof von Miagdeburg, Johann Albrecht, wohl verftund, auch ver Stadt Halle, und mafte fic) aus kaiſerlichem Auftrage der Schußgerechtigfeit des Hochſtifts an. Der Churfuͤrſt Fam noch vor Ende des Jahres nach Sachſen zurück, erklaͤtete gegen Mo⸗ ritz und den Erzbiſchof Johann Albrecht den Krieg, nahm am neuen Jahrstage 1547 1547. Halle ein, und zwang den Erzbifchof, daß ihm folcher Die Stadt nebft dem ganzen Erg ife und das Biſchofthum KHalberftadt abtreten, und fich aus Halle entfernen muſte. Der Churfürft gieng ſodenn auf feinen Vetter los, und belagerte Leipzig, obwol vers gebens, nahm aber doch dem Moritz, auffer Leipzig und Dresden, alles fand ab, Der Kaifer fuchte dieſem feinen Bunbesgenoffeny fo viel möglich, Luft zu machen. Zu > den Ende ließ er aus Ulm vom legten Januar auch Schreiben 2) an den Churfürften Zaoachim von Brandenburg und an deffen fantftände ergehen, dem Herzoge Morig von Sachen gegen feinen Vetter ven Churfürften fehleunige Huͤlfe zuleiften. Er ſelbſt ſchickte den Marggrafen Albrecht zum voraus nach Sachſen, um dem Herzog Moritz beizuſtehen. Es ward aber Albrecht von dem Churfuͤrſten zu Sachſen zu Roch⸗ - Fi überrumpele und gefangen. Dies nöthigte den Kaifer, feloft nach Sachfen zu gehen, um denen Sachen dafelbft eine andere Geftalt zu geben, weil der Churfürft bes reits Meiffen belagert hatte, und auch die Böhmen, deren gröfter Theil noch Huſ⸗ ſiten waren, ſich Churfachfen zu unterwerfen Miene machen. Der Kaifer hatte ohnedies in Oberdeutichland alles mögliche Gluͤkk. Der Herzog von Wuͤrtemberg füchte und fand, durch eine groffe Geldfumme und unter verfchiedenen harten Bedin⸗ gungen, Gnade. Eben diefes wiederfuhr denen übrigen ſchwaͤbiſchen Städten, nach⸗ dem fie harte Gelobuffen erlege, und dem ſchmalkaldiſchen Bunde entſaget hatten, Ehurfürft Hermann von Cöln mufte, einem päpftlichen Urtheil zufolge, deſſen Aus führung dem Kaifer aufgetragen war, feine Würde und tänder an feinen bereits evs wählten Coadjutor Adolph abtreten. Der Kaifer gieng mit der Hauptmacht nad) Böhmen, nöthigte daſelbſt die Misvergnuͤgten, fich feinem Bruder Ferdinand zu unterwerfen, und rückte hierauf ins Meißnifche ein. Der Churfürft+hob deswegen die Belagerung von Meiffen auf, und zog fich bis Muͤhlberg an der Elbe zurück, wo er zwiſchen Wittenberg und Torgau ein Lager bezog. Der Kaifer folgte ihm auf dein Fuffe nach, gieng den 24ften April über die Elbe, befochte den befandten Sieg ben Mühlberg, und befam den Churfuͤrſten von Sachfen feloft gefangen #). In Der Gurprin; biefem Treffen muß fich der brandenburgifche Churprinz Johann George fonderlich * Branden: hervor gethan haben, weil ihn der Kaiſer im tager an der Elbe mit einem feierlichen a; — Ritterſchlage beehrte x). $. 42. Sortleder T.2©.548 fe ) Hortleder T. 2. mMencken Script, ven Gem, T, 3 x) Leuthinger ©. zı2. P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. N J——— ©. 6 Hauptſt. Rene Geſchichte 9 son Brabebung, | 15 4. 42. Pr x i ind Bisher hatte Spachim 2 2 vor. feine Perſon, aller — Reitzungen von bel⸗ e verhalten nach den Theilen ohnerachtet, fich parteilos gehalten, auffer daß er feinem Herrn Sohn die. BR Dosen Erlaubniß gegeben, mit 500 Mann unter dem Faiferlichen Heer als Freiwilliger. zu die⸗ nen. Vor dem Muͤhlberger Treffen war die Mark Brandenburg allerdings vie⸗ ler Gefahr ausgeſetzt. Die ſchmalkaldiſchen Bundesgenoſſen wuͤrden, wenn ches für fie glücklich ausgefallen, ſich an dem Marggrafen Johann von Cuͤſtrin und ‚den Ehurfürften felbft zu reiben, nicht ermangelt haben. Und in der That bewiefen die - brandenburgiſchen Prinzen, theils öffentlich, cheils unter der Hand, mehrere Zune gung zum Kaifer, als zur Partey der ſchmalkaldiſchen Bundesgenoſſen. Die Muͤhl⸗ berger Niederlage entfernte aber alle Beſorgniſſe vor den ſchmalkaldiſchen Bundesge⸗ noffen in Abfiche der Mark. Denn durch dieſelbe ward der ganze Bund zertruͤmmett. Jetzt hatte der Churfuͤrſt Joachim eine andere Sorge, bey dem groffen Gluͤck des Kat ſers die Freiheit Deutfihlandes nicht unterdrücken zu. laffen. Dies war der Zeitpunft, wo er ducch feine Vermittelung der Sache der Proteſtanten mehr Nutzen ſchaffen konte, als wenn er zuvor ſich mit ihnen Öffentlich gegen den Kaiſer erklaͤret hätte, Auf die Nachricht, daß der Kaifer Wittenberg belagere, eilte der Churfuͤrſt perſoͤnlich in diefe Gegend, um die ausgebrochene Kriegesflamme nach Vermoͤgen zu dämpfen und aus⸗ zulöfchen.: Er fand den Kaifer gegen den gefangenen Churfürften in folchen Geſinnun⸗ gen; die den Übrigen Mitchurfuͤrſten nothwendig bedenklich ſeyn muſten. Es war auf Angeben der ſpaniſchen Näche ein Faiferliches Urthel abgefaſſet, daß der gefangene Chur⸗ fürft öffentlich enthauptet werden folte.: Dagegen aber that Joachim 2 bey dem Kai⸗ ſer die triftigſte Gegenvorſtellung. Er erwies, „daß das Todesurtheil mehr Schaden als Vortheil bringen werde. Der Papſt, die Spanier und Welſchen riethen es an, und vielleicht ſey es auch einigen Deutſchen nicht entgegen. Der Kaiſer habe zu Beweiſung der aͤuſſern Strenge erhebliche Urſachen. Allein wofern man der Verfol⸗ gung ſeines Rechts keine Schranken ſetze, ſo ſey das Ende des Krieges unabſehlig. Die groͤſten Helden hätten ihre Siege mit Maͤßigung gebraucht, und daraus den Vorthell gezogen, daß fie fich die bitterften Feinde zu vertraulichen Freunden gemacht. Meran ⸗ der der Groſſe habe dem uͤberwundenen Poro weder teben noch Reich entriffen, ſon ⸗ dern ihn blos unterwuͤrfig gemacht. Maximilian 1 babe den Churfuͤrſten von dee Pfalz gefchlagen, aber denn fich mit ihm ausgeſt oͤhnet, und ihm Wuͤrde und land ge⸗ laſſen. Selbſt an Carl 5 habe man bisher nichts fo ſehr, als feine Gnade, bewundert... Nach der Gefangenfihaft des Koͤniges von Frankreich und der Einſchlieſſung Bes Pap⸗ ſtes habe er ſich zum allgemeinen Herrn machen koͤnnen, und doch habe er hiebey Die gröfte Mäßigung bewieſen. Ob er gleich ftrenger mit ihnen verfahren Fonnen, fofey er doch zufrieden gewefen, fie fich durch Wohlthun zu verpflichten. Seinen Zorn bes fiegen, und an Gnade feine Feinde übertreffen, fen die rechte Eigenfchaft des Kaifers, da bey gewonnenen Schlachten er mit gemeinen Soldaten den Ruhm theilen müffen. Wenn bie Bezwingung deö Seindes dem Kriegemanne zum Lobe gereicht, fo beftünde der is Ehnfir Joachim 2. ER 99 se geöfte Ruhm des Kriegsherrn in der Erhaltung der feinigen. Je groͤſſer die Belei⸗ hieran eben fo vielen Antheil, als die Ehre des Kaiſers. Nichts koͤnne dem Reichs⸗ oberhaupte ruͤhmlicher feyn, als Feinde überwinden, fodenn ihrer ſchonen, und fie uns — ter gewiſſen Bedingungen ſich verpflichten. Ein bürgerlicher Krieg habe betruͤbte Fol⸗ R gen ; aber es fey noch weit Härter, Diejenigen ohne Mäfigung zu.beftrafen, welche um Gnade flehen. Es fey nicht nöchig, alles das Unheil anzuführen, welches hieraus für & ben er und das ganze Neich erwachfen forme. Einen, Churfürften hinrichten zu laaſſen, fe Yin der. deutfchen Geſchichte ohne Beiſbiel. Gefegt, daß es einigen: gefiele, fo müfte man von dem gröften Theil ver Deutſchen ein ganz anderes: ſagen. Die Aue Freiheit erfordere in diefem Fall die Einwilligung des geſamten Reichs, und man ſtelle den Einſichten des Kaiſers anheim, wie es die Staͤnde aufnehmen wuͤrden, wenn er ohne ſie einen ſolchen Entſchluß ausfuͤhrte. Bisher habe man ihn geliebt, als⸗ 8 denn würde jedermann vor ihm zittern. Koͤnte er bey folcher Geſinnung fich wol eine — —— $ | gemacht. Deutſchland würde durch ein fo ſtrenges Verfahren des Kaifers nicht nur — gegen ihn, fondern auch gegen das ganze Erzhaus Oeſterreich aufs aͤuſſerſte aufgebracht werden. Zohann Friedrich von Sachſen habe viele oͤffentliche Anhänger, und die meiften Stände, die mit feinem Beträgen gegen den Kaiſer ibel zufrieden, Tiebten feis i ne Perfon, und verehrten feinen fürftfichen Stand. Was Härte man ſich von feinen Söhnen zu verfprechen? Ihre Rachſucht würde ganz Deutfchland in langwierige J Kriege verwickeln, die durch eine Beweiſung kaiſerlicher Gnade, nach des geſamten Reiches Wunſch und zu deſſen Mutzen ſowol, als des Kaiſers Ehre, mit einemmale abs geſchnitten werden Enten. Den ganzen deutſchen Staatsförper ſchmerze nach feinem Bau eine jede Wunde, die einem einzelnen Gliede geſchlagen werde. Der Raifer ſelbſt habe alles zu befürchten, weil der Thron nicht durch Waffen und teibwachen, fondern 3 durch die Treue der Unterthanen ficherer erhalten werde. Dieſe letztere fey in Deutſch⸗ land nicht durch Sraufamfeit, fondern durch Gnade und Mäßigung zu erhalten. Man haſſe die ausfehweifende Härte, und habe eine ungemeine Zuneigung zu einer gelinden * Regierung. Ueberdies fey der Kaifer dem Haufe Sachfen vielen Danf ſchuldig. Hers zog Albrecht Habe durch feine Fauſt dem Kaifer Friedrich Defterreich, und dem Mia; rximilian die Niederlande erhalten. Churfuͤrſt Friedrich ver Weife wäre gewiß Kai⸗ fer geworden, wenn er nicht großmuͤthiger Weife fich vor Earl 5 bearbeitet hätte. Als les diefes folte, der Billigkeit nach, Sachſen in ſeinem Elende zu genuͤſſen haben. Was der Papſt und andere anrathen, gienge den Churfuͤrſten nichts an. Sein Rath ſey, des Sieges ſich mit ſolcher Maͤßigung zu bedienen, als nur immer zum Vortheil —— es geſchehen koͤnne Mach) Bezwingung der Feinde ſey es nothwendig, ſcch und die uͤbeln Anſchlaͤge der Rathgeber zu zaͤhmen. Es fey nicht glaublich, daß Br der Dun ad dem Er 1 zu allem berechtiget halte, “Der legte Sieg fey vom — — digung, je groͤſſer ſey der Ruhm der Vergebung. Die ganze Reichsverfaſſung nehme. geruhige Negieting verfprechen?. Man haſſe den, vor welchem man ſich füschte, und man fen vor das Leben deffen unbeforge, den man einmal zum Vorwurf feines Haffes DELEM 4 | HErrn 1547. . — 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1547. HErrn gekommen, und Carl 5 würde ſolches nicht in Abrede feyn, da er ſonſt zu fan | gen pflege: ich Fam, fahe den Feind, und Gott gab ihn in meine Hände. Der Chur⸗ fürft wolle nicht erivehnen, daß das Kriegäheer zu dem Siege ein groſſes beigetragen. ee: So wie der Kaifer demſelben niemals erlauben würde, die feindfeligen Handlungen ins unendliche fortzufegen, fo ſey es auch billig, dag der Kaifer feinem Zorn Grenzen ſetze. Der Gefangene bitte um Gnade, und uͤberlaſſe ſich auf Gnade und Ungnade. Dem Kaiſer ſey bekandt, daß es die Großmuth nicht erlaube, einen tapfern aber ungluͤckſ hen Mann zu befchimpfen, geſchweige am Leben zu ſtrafen. Eben diefes verhoffe ver n Churfuͤrſt von Earl 5, weil es die Eigenſchaft aller groffen Feldherren ſey, ihren. Zorn‘ zu mäßigen, und ihren Feinden gnäbig zu begegnen. „, Auf diefe Art Hat uns wenig ftens Leuthinger y) die Vorftellungen vorgetragen, welche unfer Churfürft dem Kai⸗ fer, zum Beften des gefangenen Johann Friedrichs, gemacht. Er begleitete deffem Gemalin, als folche fich zum Kaifer, für Johann Friedrich einen Fußfall zu hun begeben, Die Veſte Wittenberg ward endlich. den Faiferlichen Völkern eröfnet, der harte Entfehluß des Kaifers gemifdert, und mit dem Öefangenen ein Dergleich getrof⸗ fer, worin folcher vor ſich und feine Kinder auf die Churwuͤrde Verzicht that, die noch in Händen habende Pläge dem Kaifer übergab, den Marggrafen Albrecht auf freien Zuß fegte, alle Anfprüche gegen Herzog Henrich von Braunſchweig und dep fen Sande fahren ließ, allen Buͤndniſſen wider den Kaifer und römifchen Rönigabfage, alle feine aͤnder dem letztern und feinem Vetter dem Herzog Mori, mit Vorbehalte 50000 Gulden jährlicher Einkünfte vor feine Kinder, wozu gewiſſe Aemter ausgefege: wurden, überlieferte, und vor feine Perfon, bis auf anderweitige Faiferliche Verordnung, in der Gefangenfchaft blieb. Hiedurch Fam die Chur Sachſen von der erneftinis fehen an die albertinifche finie, und die erftere Hat feit der Zeit nichts, als das ſchmerz⸗ liche Andenfen einer ehemals genoſſenen Churwürde, behalten. est befam auch der Erzbiſchef Johann Albrecht feine Stifter Magdeburg und Halberſtadt wieder 4 zuruͤck 2). | | 1. ra 1 Tue wo Anhalt Cpurfürft Joachim bemuͤhete ſich aufs Aufferfte, auch andern fehmalfaldifchen: Bundesgenoffen Ruhe zu verfehaffen. Das Faiferliche Heer breitete fich im Anhältis fehen aus. , Durch unfers Churfürften Vorftellungen aber ward: Diefes fand noch von | dent äufferften Untergange errettet a). Der Kaifer fehrieb einen Reichstag nach Ulm: aus, wo er durch feine Bevollmaͤchtigte den Ständen vorftellen ließ, daß er fich bisher: alle Mühe gegeben, zu des ganzen Reichs und der benachbarten Stände Vortheil vie rebellifchen Zürften zum Gehorfam zu bringen. Er wünfche daher, daß man durch ein allgemeines Buͤndniß den Frieden zu beveftigen füche. Eine einreiffende Peft aber hin⸗ derte die Berarhfehlagungen diefer Neichsverfammlung, welche nach: Augſpurg verlegt wurde. Jedermann war begierig zu wiſſen, wo fich der Kaifer mit feinen fiegenden | Waffen hinwenden würde. Die Mark Brandenburg hatte zwar nichts zu befürche und Preuſſen. ten; aber der Herzog in Preuffen Albrecht beforgte,. vaß, auf Anftiften des Hoch⸗ A und: 2 S. 208 f z) »orılever T, 2. 4) Keuthinger ©, zı2 Churfuͤrſt Joachim 2. | 167 und Deutſchmeiſters Wolfgangs, der Kaifer gegen fein fand etwas zu unternehmen 1547, Borhabens feyn möchte. . Der Preuſſen einzige Hofnung beruhere auf dem Churfürs = fien Joachim, daß folcher durch feine Vorſtellungen den Einbruch) der Faiferlichen Voͤl⸗ — verhindern werde 5). ANY $. 43. Der Kaiſer aber, ber ſein Hauptlager nach Halle verlegt, machte vielmehr alle Sein verhat: Anftalten, den fandgrafen von Heffen zu unterdrücken, ob gleich die Stadt Magde, ten in abſicht des landgrafen | burg fich dem Kaifer noch nicht unterworfen hatte, Um aber vem Kriegsfeuer Gren „,, Helen, ‚in ihr Sand, wobey die Mark Brandenburg auf mehr als eine Art leiden müfte, a — Yy KEN" - — ade ee — WEBER —* * Ir, Bi 5 * * Pe a in — EN zen zu feßen, vereinigte Churfürft Joachim 2 alle feine Bemühungen mit dem neuen Ehurfürften Moris vor den fandgrafen von Heffen, ben dem Kaifer Gnade auszu⸗ wirken. Gleich nach dem Zurüczuge ver Proteflanten im vorigen Jahre von Gin⸗ gen Harte ſich Moritz von Sachfen darum, obwol vergeblich, bemuͤhet. Man ent warf im Sager vor Wittenberg einige Vergleichspunfte, und erfuchte den tandgrafen, nach Leipzig zu Fommen, woſelbſt fie denifelben ihre Vermittelung anboten. Weil aber der Landgraf fich nicht auf Gnad und Ungnad dem Kaifer ergeben, noch alle feine Beftungen, Geſchuͤtz und Kriegsbedürfniffe ausliefern wolte ; foreifeteder Landgraf über Weiſſenfels ſchon wieder zurück, ſchickte aber den Ehriftoph von Ebeleben mit neuen Vorſchlaͤgen in das fager von Wittenberg. Beide Churfürften bearbeiteten fich des⸗ wegen bey dem Kaifer, und machten ſich anheifchig, felbft davor zu ſtehen, daß der tandgraf alles, worüber man eins werden würde, treulich erfüllen werde. Sie erfuns digten fich, wie weit die Ungnade des Kaifers, welcher fich der fandgraf unterwerfen fols te, gehen würde. Sie erhielten hierauf im Vertrauen die Antwort: daß ſolche Erz - gebung dem Landgraffen zur Leibftraff, ewiger Gefaͤngniß und Confiſcirung feiner Guͤther, der denn in den vorgeftelten Artickeln begriffen, nicht reichen, vnd aber der Landgraf folches nicht wiffen, fondern fich fehlechts und frey ers ‚geben folte. Schon den sten Zunius wurde Ebeleben wieder an den landgrafen abs gefchicht. Die beiden Churfürften Moritz und Joachim erfuchten folchen, die vorges fehlagenen Bergleichspunfte anzunehmen, und verfprachen ihm: daß er vber die Ar⸗ ‚tiefel weder an Leib und Gut mit Gefängnis Beſtrickung oder Schmählerung feines Landes nicht folte befehwehret werden. Sie verpflichteten fich ferner mir fölgenden Worten: Vnd damit vns defto ftattlicher zu glauben, fo verpflichten wir ons mit diefer vnſer Schrift, wo E. L. über folche Artickel, wenn fich — E8 auf Gnad und Ungnad ftellen wird, einige Beſchwerung begegnen wür- de, des wir feines weges verfehen, daß wir vns alsdenm auf E. 2, Kinder er⸗ fordern, perfonlich wollen eynftellen, vnnd des erwarten, daß E. 2 ober die. Arlickel auff folche eynſtellung wuͤrde auferlegt. So follen E. & der Religion halben gleich uns und Marggraff Sohanfen unfers Fieben Bruders und Oheims verfichert werden. Dieweil wir denn gar nicht zweifeln, E. 2. Sad) — | | —— | ; M 3 5) Herrn Lengnich preußifche Geſchichte Th. ı ©, 294: 1597 102 32h. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. men, vnd von ihrer May. Wolfahrt zu gewarten haben. So bitten und: er⸗ mahnen wir E; 2. freundlich und fleißig, fie wolt an ihn Fein Mangel laffen, fondern fich forderlich,, wie der von Ebeleben €. 2. wird anzeigen, vnd wie ob⸗ gemelt.eynftellen, Auch den Derzogen von Braunſchweig ond feinen Sohn mit ſich bringen, die Artickel annehmen und hirinnen vns freundlich folgen. &o | verfprechen wir E. 2. hiermit, daß derfelb H. Heinrich und fein Sohn €. 8 nicht follen abgedrungen, vnnd E. L. fol mit lebendigen Gleit genugfam ver ⸗ fehen werden. Solche gereicht Teutfiher Nation zu Ruhe, Frieden und . E. 2. auch ihren Landen und Leuten zum beften. Vnd ift-bey der Kayf. May, - nichts weiter zu erhalten, denn ihre May. ſtracks hierauf beruhen. Darumb laß E. L. an ihn den Fried nicht erwinden. Vnd wir find EL freundlich ä ‚dienen gan willig. Eben diefe beiden Herren gaben dem Ebeleben, mit Erfaubnig des Kaifers, vor den tandgrafen und diejenigen, welche er mitbringen würde, ein fiher Geleit mit, ungehindert zum Kaifer zu fommen, und wieder abzureiſen. Den 12ten - Sunius fehrieb Churfürft Moritz und die bey fich Habende churbrandenburgiſchen Käthe an den kandgrafen von Heflen, fich eilends nach Halfe zu verfügen, wohin auch Churfürft Joachim nächftens eintreffen werde. Der Landgraf folte nah Naum burg kommen, und die gefangenen Herzog Henrich von Braunfchweig und feinen Sohn mitbringen, von da wolte man ihn bis Halle geleiten. Der tandgraf verfügte durch diefen weg fich dahin rechten, daß diefelben Kayferl. May. Gnad kom⸗ ſich ſodenn wirklich nach Halle. Der Kaiſer war daſelbſt den zoten Zunius ange ⸗ fommen. Dein tandgtafen reiſeten Moritz und Joachim entgegen. Ehe fie abgiens gen, befprach ſich der Ießtere mit dem Kaifer, und begeigte: man hoffe nicht, daß dee gandgraf über den verabredeten Vertrag befehweret werben folle. Ziehet bin, antwor tete der Kaifer: es ift unfer Gebrauch nicht, jemand über die abgeredte Berbindung zu beſchweren. Der tandgraf Fam alfo den ıgten Junius zwifchen beiden Churfuͤrſten zu Halle von Naumburg an, und nahın bey Churfürft Moritz feiner Tochter Mann, feine Wohnung. Eine Stunde nad) ihm traf auch der nunmehro in Freiheit geſetzte Herzog Henrich von Braunfchweig famt feinem äfteften Prinzen Earl Victor ein. _ Den ıgten Junius Nachmittage hatten beide Churfürften mit dem von Ebeleben viele Bemuͤhungen, um die Ausfohnung des fandgrafen zu Stande zu bringen, und bega⸗ ben ſich daher zum öfteren bald zum Kaifer, bald zu Philipp dem Großmüthigen. Der Bertrag ward endlich vom tandgrafen und. beiden Churfürften, ald Buͤrgen, unters fihrieben und beſiegelt. Sonderlich verlangte Sfoachim zu wiffen, 06 der Kaifer, nach gefehehener Abbitte, wie es fonft in ähnlichen Fällen gewöhnlich gewefen, dem land⸗ Hrafen zufprechen und die Hand geben würde. Er erhielt aber die Antwort? daß fich folches mitlerweile und bis er gänzlich erlege nicht wolle gebühren; beide Churfürften würden aber aus der Antwort, die der. Kaifer geben wolle, genugfam erfehen; daß der bereits. im Vertrauen ertheilten Erflärung nachgegangen ‘werden folle, doch ſolte der tandgraf gewiß von der Achtserklärung Tosgefprochen werden.’ Hierauf führten beide | : Chur⸗ er re R ip — ER Fe Best, * —— BB "FR *8 — u Eva Pine i Churfuͤrſt Joachim 2, 103 Churfuͤrſten den Sandgrafen vor den Kaiſer. Der letztere ſprach bey feinem Eintritt in den Saal etwas mit dem Churfürften, und lächelte. Der Kaifer gab daben aber durch x eine zornige Miene zu verflehen, daß ihm biefes misfalle. Der tandgraf Eniete hier⸗ auf mebft feinem. Eanzler Tilmann von Guͤnderode vor dem Faiferlichen Thron nie, der, und ber Canzler las eine demuͤthige aufgefegte Abbitte her. Der tandgraf foll daruͤber ſpoͤttiſch gelacht, der Kaifer ihm aber mit dem Finger gewinkt, und dazu ges ſſprochen haben: Del if fol die lachen lehren. Auf die Abbitte Tieß der Kaifer fol⸗ gende Erklärung thunz daß er nach feiner Milde auf erfolgte fußfällige Abbitte des tandgrafen und Fuͤrſprache einiger vornehmen Stände die Acht aufhebe, die wohlver⸗ diente lebensſtrafe nachlieſſe, und den fandgrafen weder mie ewiger c) Gefaͤngniß noch Eutſetung ſeiner Sande welter beſchweren wolle, als die bewilligten Vergleichspunkte mit fich braͤchten; doch daß die letztern der Landgraf aufs genauefte erfülle. Der tands ; graf ſtand ſodenn, ohne Dankſagung zu thun, ungeheiſſen auf, woruͤber der Kaiſer ſauer gefehen, ihm die Hand nicht gegeben, noch vielweniger mit ihm gefprochen, ob⸗ dleich, nach einiger Bericht, der heßiſche Kanzler die Dankſagung abgelegt. Nach— her wurden die beiden Churfürften, der Landgraf und der Faiferliche Staatsbediente - Anton Perenot Bifhof von Arras von dem Feldgeren Herzog Ferdinand von Als ba zur Abendmahlzeit gebeten. Mach der Tafel füchte man den tandgrafen durchs Bretſpiel aufzuhalten, Endlich gab der Herzog von Alba und ver Biſchof von Arras beiden Churfürften zu verftehen, daß ihnen der Kaifer Befehl gegeben, den tandgrafen in Verhaft zu behalten. Dies verurſachte eine groſſe Beſtuͤrzung. Beide Churfuͤrſten lieſſen dem Landgrafen durch den Euſtach von Schlieben von dieſem unvermutheten Vorfall Nachricht geben und ihm bezeigen, wie fie als Fuͤrſten, die Treu und Glau—⸗ ben zu halten gewohnt wären, auch ſolche bey andern gefucht hätten. Es fiel ihnen daher ſehr fehmerzlich, daß der Landgraf in dieſe Umſtaͤnde kommen ſolte. Sie wols ten dieſerhalb bey dem Kaiſer Vorſtellung thun, und hoften, dadurch ſeine Befreiung zu bewirken. Der landgraf, welcher indeſſen eine ſpaniſche Wache bekommen, ließ den Ehurfürften melden: Sie wüften, daß er auf ihr gegebenes More ſich verlaffen = md angefommen. Sie wüften, wie hoch fie fich gegen ihn und feine Söhne verpflich /⸗ tet. Er verlange alfo von ihnen, daß fie ihr gegebenes Wort heilig Halten folten. Da er nun viel zu fpät in die Nacht war, als daß die Churfuͤrſten bey dem Kaifer Gehör Ra es erhalten Eonten; ſo muſte der Landgraf zwar in feiner Haft bleiben, Moritz und eini⸗ - ge churbrandenburgifche Raͤthe aber blieben die folgende Macht bey ihm. Es hatten. - beide Ehurfürften, um den tandgrafen zu befreien, allerhand Buͤrgſchaft, und unter andern vergeblich angeboten, daß fie beide nebſt dom Pfalzgraf Wolfgang vor die Erfuͤl⸗ lung des Vertrags haften wolten. Gleich den folgenden Tag thaten beide Churfürften beim Kaiſer Vorſtellungen daß ſie ſich von dem Kaiſer ein ganz anderes — ver⸗ mu⸗ So wenig das Mafeuhe Aufſtehen, noch er das Wort einige ——— und davor ewige das Lachen des Landgrafen die wahre Urſache ſei- Gefangenſchaft in des Kaifers Verficherungsfhrift ner Gefangenſchaft gewefen, fo wenig kann man gefegt, oder das Wort einig fo ſchreiben laffen, aud) den Granvella mit Hecht befchuldigen, daß daß man es auch ewig habe leſen koͤnnen. 1547. 1547. 104 3 Th 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. muthet, und in dieſer Hofnung allein den tandgrafen uͤberredet hätten, auf ihr gege⸗ benes Wort zum Kaiſer zu kommen. Daher erſuchten fie denſeiden um des Sandgea fen Erledigung. Carl 5 gab. ihnen aber zu verſtehen, daß fein Berfprechen, den Sands grafen nicht mit ewiger Gefangenfchaft zu belegen, ihm das Necht nicht nehme, den landgrafen ſo lange in ſeiner Haft zu behalten, bis alle eingegangene Punkte erfuͤllet waͤren. Wenn ſolches aber geſchehen; ſo wolle er auf Bitte der Churfuͤrſten ſich ſo entſchluͤſſen daß fie mie ihm zufrieden ſeyn ſolten. Eben fo wenig war bey den Fais blöftem GSeitengewehr zu teibe gieng, und ihn vermuthlich niedergeſtoſſen hätte, wenn der churfürftliche Marfchall Adam von Trotha ber ältere. ihm nicht in die Arme gefal⸗ fen, und dadurch geöfferes Ungluͤck verhindert wäre. . Die Churfuͤrſten konten gegen die Macht des Kaiſers nichts ausrichten, und muſten ihre Bitten blos dahin einſchraͤn⸗ ken, daß die Haft, fo viel möglich, verkuͤrzt wuͤrde. Sie erſuchten daher den land⸗ grafen inſtaͤndig, zu ſeinem eigenen Beſten die Erfuͤllung der Vertragspunkte ſo ſchleu⸗ nig, als möglich, ins Werk zu ſetzen. Es beſtunden dieſelbigen hauptſaͤchlich darin? „daß der Landgraf ſich und fein ganzes fand dem Kaiſer auf Gnade und Ungnade erge⸗ „ben, und in eigener Perfon fußfällig um Vergebung bitten, dem fihmalfaldifchen „Bunde abfagen, und hinführo fic) in feinen Bund, ohne den Kaifer nnd römifchen „König einzufchlüffen, fich einlaffen, vor Die Kriegsfoften 1so000 Gulden bezahlen, alle „Veftungen, ausgenommen Ziegenhayn oder Caſſel, fehleifen, und Feine hinfuͤhro, „ohne Faiferliche Einwilligung , ‚aufbauen, alles Gefchüs und Kriegesrüftungen, bis „auf fo viel, als er zu der ihm verwilligten Veſtung noͤthig Haben würde, ausliefern, ferlichen Raͤthen auszurichten. Der Churfuͤrſt Joachim, welcher dem Bifchof von Arras d) alle Schuld beimaß, ward auch im folche Hige gebracht, daß er im mitne „Herzog Henrich von Braunfchweig freilaffen, und zu Haltung aller diefer Punfe „Churbrandenburg, Sachſen und der Pfalgraf Wolfgang fich verbinden folten, „daß, wenn der tandgraf davon abgienge, fie ihn mit Gewalt dazu zwingen wmolten. Der Ehurfürft Joachim fafte aber fogleich. bey ſich den Entſchluß, dem Sandgrafen; es Eofte, was es wolle, und wenn es nicht anders möglich, mit Öewalt, die Freiheit zu verſchaffen, ohnerachtet er ‚gleich damals feinen Endzweck nicht erreichen Fonte: Earl 5 füchte aber übrigens bey aller Gelegenheit, unſerm Churfürften öffentliche Merkr male feines Wohlwollens zu geben, und zu zeigen, daß, ob folcher gleich in Abſicht der Religion verfehiedene Meinungen habe, er doc) beim Kaifer ſowol, als dem roͤmi⸗ fehen Könige in ſonderbarem Anſehen ſtuͤnde. Unter andern ſtellete Carl dem Stift Quedlinburg den zoften Junius einen Schutzbrief aus, und befahl nebſt unſerm Churfuͤrſten Joachim 2.dem Churfürften Moritz von Sachfen Johann Georg Grafen von Mansfeld, denen Grafen zu Stolberg und Ulrich Grafen von Rein ag ; das Stift bey diefem Schuß fünf Jahr lang zu handhaben * Endlich gieng das d) Gundling und Saftitius fagen diefes vom m Herzog von 1 Alba. Sieleidt hielt der Shurfürt fie beide in gleicher Verdammniß, und war gegen beide gleich aufgebracht. e) Keitner Antigu. — p. 618, Churfuͤrſt Joachim a 105 das Faiferliche Heer unter dem Herzoge von Alba mit denen vornehmen Oefangenen 1547. Den’ 22ften Syunius aus Halle. Der tandgraf wolte anfänglich nicht mitgeben, man fihleppe ihn denn: init Gewalt fort. Doch Moritz und Joachim beredeten ihn, zu Vermeidung aller Hblen Folgen, eines andern, und gaben ihm die Hand darauf, daß fie ven Kaiſer nicht verlaffen wolten, bis fie feine Befreiung bewuͤrkt Härten. Gie gas ben ihm bis Naumburg das Geleite, und Fehrten ſodenn, ihr Derfprechen zu erfüßs Ten, zum Kaifer zurück. Der Kaifer. ſelbſt folgte den 23ſten Junius über Naum⸗ * burg, Würzburg und Nuͤrnberg nach Augſpurg dem Heer nach. Den 26ſten Junius ſchickten Moritz und Joachim 2 den von Carlewitz an den fandgrafen ab, und lieſſen ihm melden, der Kaifer habe ihnen das Mitreifen unter der Bedrohung uns eerſagt, daß er fonft den Öefangenen nach Spanien abführen laſſen wolte. Sie wol, 0 ten fich aber auf dem bevorftehenden Neichstage, wohin fienächftens abreifen würden, alle mögliche Mühe zu feiner Befreiung geben. Auf diefe vor die fihmalfaldifchen Bun- desgenoffen unglückliche Art endigte fich der Neligionsfrieg in Deutfchland, in welchem der Kaifer allein vor fich an buarem Gelde über 16 Tonnen Goldes gewonnen, ohne des vielen ſchweren Gefchüges, daß er nad) Italien und den Niederlanden abführen ließ, und ohne des Nachdrucks zu erwehnen, den er feit diefer Zeit allen feinen Befeh⸗ ben in Deutfchland zu geben fich im Stande fahe. Das Ehurfürftenehum und die WMWMarken Brandenburg waren aber durch die weife Aufführung des Churfürften und feines Heren Bruders ruhig geblieben, und ihre Einwohner hatten Feinen Feind im Lande gefehen. Alles, was die Nachbarn dahin geflüchtet, war unangetaftet geblieben. Selbſt die dem Reich wieder gefihenfte Ruhe war des Churfürften Dermittelung und deſſen Friedensbemuͤhungen zujufchreiben f). ; Unter allen ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen widerſetzte fich den Faiferlichen Befehlen _ und wegen nur noch Die Stadt Magdeburg allein. - Churfürft Joachim hatte fehon ven sten Zum, Magdeburg. den Burgermeiftern diefes Orts, um den Verluſt aller Freiheiten und Nechte zuvermeis den, angerathen, fich ebenfals dem Kaifer zu unterwerfen. Cs entfchuldigte ſich aber ver Stadtrath damit, daß folches nicht in feinen Kräften ftehe, fondern die ganze Bürgers haft Hiezu einwilligen müfte. Den ısten Jun. that der Churfürft dieſerhalb noch mals bey Magdeburg Anfuchung, ohne folches geneigter zu finden. Der Kaifer ers | Flärete daher die Stadt in die Neichsacht, und ftellte den zoften Jun. an unfern Churs ” fürften eine Urfunde aus, worin er alle denen Magdeburgern bisher zugeftandene Handlungs Meß Stapel und Mieberlagsgerechtigfeit an Churbrandenburg über ſieß. Joachim 2 fahe ſich um fo mehr in diefe Sache verwicelt, da die Stadt Mag⸗ deburg durchaus ihrem Erzbifchof nicht gehorfam ſeyn wolte. Sie hatte in diefem Sabre dem hohen Dormcapitel den Krieg angefündiget, und wolte, ohnerachtet der Erz⸗ re biſchof — Leuthinger. Haftitius. Hortleder T. 2. Kerr von Dreyhaupt Hiſtorie des Saalkrei⸗ ſes Sleidan J. i9. Schoͤttgen Nachleſe der Hiſtorie von Oberſachſen Th. 6 St. 2. Chy- eraei Saxonia. P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. 8 106 38h. 6 Hauptfk; Neuere Gefchichte von Brandenburg. 1547. biſchof Sohann Albrecht nach der Mühlberger Schlacht wieder: in Befig der Hoch /⸗ ſtifter Magdeburg und Halberſtadt eingeſetzt war, von der Unterwerfung unter die⸗ fen hart catholifchen Prinzen nichts wiſſen. Das Domeapitel waͤhlte zwar den zweiten churbrandenburgiſchen Prinzen Friedrich zum kuͤnftigen Nachfolger in dem Erzbi⸗ ſchofthum; aber auch dieſes hatte die Magdeburger noch nicht auf andere Gedanken bringen koͤnnen. Churfuͤrſt Joachim beſchloß daher, die von dem Kaiſer ihm geſchenk⸗ te Handlungsrechte ver Stade Tangermünde zu ertheilen, weil bereits Kaiſer Earl} zu feinen Zeiten diefe Stadt zu einem Haupthandelsort zu machen willens geiwefen, und ihre natürliche tage fich ſehr wohl dazu ſchickte mn. nr | RE a ne. Was auf dem Sodenn erhob fic) ver Churfürft ſowol, als fein Herr Bruder Johann von Cu⸗ ne ſtrin, ‚auf den nunmehr in Augfpurg angegangenen Neichstag, welchen ver Kaifer, vorgegangen, Mitten unter den Waffen feiner darum verlegten Kriegsvolker, erofnet hatte. Hier durch meinete Carl 5 am allerleichteften den geiftlichen und weltlichen Frieden im Reich herzuftellen, die aufgewandten Kriegesunfoften vom Reich zu erpreffen, feinem Sohn Philipp die römifche Koͤnigswuͤrde zu verfihaffen, und das ganze Neich in Schreden zu feßen, um fich in Feinem Stück feinem Willen zu widerfegen. Der Reichstag wur⸗ de, auffer dem Kaifer und dem römifchen Könige, von allen Churfürften, worunter die beiden neuen von Coͤln und Sachfen fich befanden, nebſt vielen Fürften und Bi⸗ wregen des fhöfen, perfünlich befücht. Der gefangene Churfürft von Sachfen ward ebenfals das ale hin gebracht, der Landgraf von Heſſen aber zu Donauwerth gelaffen, daſelbſt von den Spaniern enge bewacht, und endlich nach Nördlingen gefuͤhret. Weil wegen - Gefangennehmung diefes Herrn manche Gerichte Tiefen; fo Tieß der Kaiferden Vorgang diefer Sache in einer eigenen Schrift an die Stände gelangen, worin er fich auf das Zeugnig der beiden Churfürften Morig und. Joachim berief. Dieſe beiden Herren. gaben daher ebenfals eine Schrift. heraus, im welcher fie bezeugten, daß fie dem Kaifer in diefer Sache nicht widerfprechen , noch in ihrer Treue wanfend werden wolten, 100% ben fie aber verhoften, daß, wegen ihres an den kandgrafen gegebenen Worts, deſſen wiegen der Sefangenfchaft nicht Tange dauren würde. Auf diefem Neichstage ward vor allen Dins —— gen von der Kirchenverſammlung geredet. Selbige verſammlete ſich kurz vor dem Aus⸗ bruch des Krieges in Trident. Wegen des Geraͤuſches der Waffen und der Kriegsge⸗ fahr hatte fie ver Papſt aber nach Bonvnien verlegt. Nun verlangte ver Kaifer, ver doch bisher nicht den Vorwurf haben wolte, als ob feine Waffen der Neligionder Pro⸗ teſtanten ſchaden folten, daß fich alles im deutſchen Reiche diefer Kirchenverſammlung unterweifen müfte. Es feßte ſolches zwar, befonders von Seiten der Proteftanten, vielen Widerfpruch. Die hurbrandenburgifchen Gefandten, welche noch vor des Churfuͤrſten perfönlicher Ankunft in Yugfpurg erfchienen waren, fanden in dieſer Su che. mie Churpfalz und Moritz von Sachfen in vertraulichen Vernehmen. - Nach ihrer Meinung folte man fi) zwar den Ausfprüchen der Kirchenverfammlung Überlaffen, — aber O) Herr von Dreyhaupt Hiſtorie des Saalkreiſes. Leuthinger. | nn" &hrfürft Zoachim © 107 Aber nur, wenn es fren und chriftlich wäre, der Papft darauf fich Feiner vorfigenden 1547. Gewalt anmaffen y denen Bifchöfen ihre Eide erlaffen, auch denen proteftantifchen 5 Gottesgelehrten ein Stimmrecht ertheile, und endlich alle bereits darauf verhandelte Sachen zu nochmaliger Unterfuchung gezogen würden. Endlich aber ward jedoch, aus Beiſorge vor des Kaifers Waffen, befchloffen, daß man fich derſelben unterwerfen und den Papſt bieten folte, fie. wieder nach. Trident zu verlegen. In diefer Abſicht gieng eine eigene Gefandtfchaft.an ven Papft ab. Es war aber felbiger dazu nicht zu bewe⸗ gen. Carl 5-unterjog fich daher 1548 der Sorge, eine Erklärung verfaffen zu ap 1548. fen, wie es inzwifchen im deutfchen Neich gehalten ‚werden folte, bis eine kuͤnftige wegen bes Kirchenverſammlung, der ftvittigen Neligionspunfte wegen, einen Ausfpruc) gethan. Interims. Hiezu brauchte der Kaiſer den Julium Pflug, welcher nach ver Muͤhlberger Schlacht zum Befis des Stifts Naumburg gelanget war, den Michael Helding, insgemein Michael Sydonius genannt, weil er damals die Ehrenbenennung eines Bifchofs von Sydon fuͤhrete, eigentlich aber Weihbiſchof von Mainz war, und, zur Vergeltung x feiner Arbeit, nachmals das Stift Merſeburg erhielt, und ven Johann Agris cola Zslebius unſers Churfuͤrſten von Brandenburg Hofprediger, welcher nachmals, wegen feiner Bemuͤhung, vom Kaiſer und dem römifihen Könige reichlich beſchenkt wurde. Diefe Männer verfertigten fehr geheim eine fogenannte Neligionsordnung von 26 Arti⸗ keln, welche wuexbeflen: dis zum Ausfpruch der Kirchenverfammlung gelten folte, und .. die auch daher das Interim genennet wird, Churfuͤrſt Joachim, der. von feinem | Hofprediger eine grofle Meinung hatte, vor die Beibehaltung alter Gebräuche fehr eins ‚genommen war, umd. jederzeit eine unmandelbare Neigung zum Neligionsvergleid und | Frieden blicken ließ, war dieſem Interim nicht abgeneigt. Er erſuchte die Strasbur⸗ ger, nachdem er bereits den Jacob Sturm zu Rathe gezogen, ihm den Bucerum zuzuſchicken, und fuchte denſelben, obwol vergeblich, zu Annehmung des Interims zu bewegen. In der That war ſolches vor die proteſtantiſche Religion ſehr nachthei⸗ Mg abgefaffer, und dem augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß, bis auf die Zulaſſung Ber Priefterehe und des Gebrauchs des Kelchs im heiligen Abendmahl, "gänzlich zuwi⸗ der. Der Papſt verweigerte feine Einwilligung, eben fo, wie die drey geiftlichen Churs fünften Die Eatholifen folten, laut der Vorrede des Interims, bey dem alten Glau⸗ ben verharren. Bey alle dem ward folches vom Kaifer endlich, als eine Richefchnue des Glaubens, öffentlich befandt gemacht, und von den Proteftanten verlangt, ſich darnach pünktlich zu richten. - Einige derfelben nahınen ſolches, aus Furcht der Faifers > Fchen Macht, ohne Bedingung an, andere wolten fich erft deswegen mit ihren Geiſtli⸗ chen befprechen, noch andere aber widerfegten ſich demfelden aus allen Kräften. Hie⸗ her gehörete fonderlich des Churfürften Joachims Herr Bruder, Johann von Cuͤſtrin. Selbiger erfüchte den Kaifer in Gegenwart desrömifchen Königes, in dieſem Stück feiner zu fehonen. Er habe im letztern Kriege vor den Kaifer alles mögliche gethan, und wuͤrde fich nie nik ihm in ein Buͤndniß eingelaffen haben, wenn Carl 5 ihm nicht die Verſcherung gegeben, daß die evangeliſche Religion dadurch keiner Gefahr ausgeſetzt O 2 wer⸗ sun re — a * * * — * — re u en ut, ar ” EEE EEE TREE 1548. - beifallen. Weil nun der Kaifer die Staudhaftigfeit des Marggrafen durch nichts er⸗ 168 3%. 6 Hauptſt. Meuere Geſchichte von Brandenburg. werben ſolte. Der Kaifer ſchuͤtzte zwar vor, daß das Interim durch den Schluß des E ganzen Reichs genehmiget fey, und daher niemand davon abgehen koöͤnne. Aber Jo—⸗ hann hielt dagegen dem Kater fein ehemals gegebenes Wort vor, und zeigte, daß nicht alle Reichöftände eingewilliget. Er fonne mit gutem Gewiſſen dieſem Reichsſchluß nicht ſchuͤttern konte, verlangte er, daß folcher nur vom Neichstage abreifen möchte, weiler glaubte, daß des Marggrafen Beifpiel noch mehrere Stände zu einer ebenmäßigen Wi⸗ derfeglichfeit vermögen möchte. Bremen, Eoftnig und Magdeburg waren eben ſo wenig zu Annehmung des Interims zu bewegen, worüber dieſe Orte fih des Kaifers Ungnade zugogen. Dies gab Gelegenheit, daß die Reichsſtadt Coftnig vom Haufe Defterreich unterdrücft worden. Gegen die Stadt Magdeburg war ver Kaifer fon » derlich erbictert. Er gab daher den zoften un. an alle Neichsftände Befehl, die Acht gegen diefe Stadt ausführen zu Helfen, dergleichen auch fonderlich an Churbranden⸗ burg ergieng. Der Churfuͤrſt Joachim war ebenfals nicht willene, von feiner eins mal gemachten Kirchenordnung abzuweichen, und ließ felbige, nach. Cernitii Bericht, Mehrere ver: ordnungen dieſes reichs— tages. Moritz wird Unter denen Reichshandlungen gieng die Belehnung des neuen Chuefleſten * vom Kaiſer auf dieſem Reichstage abermals beſtaͤtigen. Ce gab dadurch genugſam zu verftehen, daß er das Interim nicht weiter annehme, als in fo fern ſolches mit ſeiner Kirchenverbeſſerung beſtehen koͤnte. —— Uebrigens ward denen geiſtlichen Fuͤrſten zu der Zeit, als das Interim bekandt gemacht wurde, auch ein Begrif einer Kirchenverbeſſerung vorgeſchrieben, nach welchem fie ſich, bis zur Erörterung einer allgemeinen Kirchenverſammlung, verhalten ſolten Es ward auch eine Erneuerung des fandfriedens, eine Polleey⸗ eine Kammergerichts⸗ und noch einige andere Verordnungen kund gemacht; und im dem Reichsabſchiede von beſſerer Einrichtung des Kammergerichts, von Ergaͤnzung der Kreiſe, von Derichtis gung der Neichsanfchläge, vom Miünzwefen, von der Tuͤrkenhuͤlfe und — Vorſehung gemacht. a wit Sacken Sachfen, Mauritii, mit groffen Beierlichfeiten zu Augſpurg vor fich, welche der beliehen. bisherige Churfuͤrſt Johann Friedrich zu feiner aͤuſſerſten Kraͤnkung mit anſehen Fontes Unfer Churfürft war, als Erzfämmerer, ebenfals bey diefer merfwärbigen Handlung. Preußiſche Der Koͤnig von Polen hatte ebenfals auf dieſen Reichstag ſeine Geſandten ge⸗ ſachen nicht ausgemacht. Die Nieder: lande ſollen zum reich ‚ge: hoͤren. ſchickt, um bie Rechte feines lehnstraͤgers des Herzog Albrechts von Preuſſen gegen . die. Unfprüche des deutſchen Ordens zu verteidigen, und um Abfhaffung derunbefuge ten Acht, welche das Kammergericht gegen den Herzög hatte ergehen laffen, anzuhalten. Ehurfürft Joachim 2 unterftägte die polnifche Geſandtſchaft nach allen Kräften. Es Fonte aber auf dieſem Neichstage diefe Sache nicht entſchleden werden, weil der * ſich mit ſolchen Dingen beſchaͤftigte, die ihn weit naͤher anglengen. Er hatte endlich begriffen, was die Kaiſerwuͤrde allen ſeinen — Kos SR gierungsverrichtungen vor ein Gewicht gebe, und nun bedauerte er, daß er or die roͤmiſche Konigewahl vor feinen Herrn Bruder Ferdinand um Stande gebracht. Er wuͤnſchte —— RS Churfuͤrſt goechin⸗ 2ue EN 19 waͤnſchte feinen Sohn Philipp 2 auch auf dem Kalſerthron zum Nächfolger zu haben 1548: Um nun demſelben eine gröffere Gemeinſchaft mit dem deutfchen Neiche zu verfchaffen, und ihm folglich ven Weg zur Kaiferwürde zu bahnen, ſchloß Carl'5 wegen der Nies derlande mic dem deutſchen Reiche einen fonderbaren Vertrag. Er verknuͤpfte diefels ben , als wenn fie niche bereits vorhin zu Deutfchland gehöret hätten, mit deinfelben unter dem Namen eines burgumdifchen Kreifes. Sie folten Fünftig zu den Reiches anlagen einen doppelten Churfürftenanfchlag entrichten; und gegen dieſen in Feiner Abs ficht verhaͤltnißmaͤßigen Anfchlag uͤbernahm das Neich die aufferordentfich groſſe daſt, die Miederlande gegen jedermann zu ſchuͤtzen, und folglich die Nothwendigkeit, fich in alle Kriege zu mifchen, welche die Befiger der Niederlande Haben würden. "Der Herr der Niederlande folte jederzeit wegen derſelben Sitz und Stimme auf den Neichstägen J nehmen, folglich in die allgemeinen und beſondern Vortheile ſeiner Mitſtaͤnde einen Einfluß Haben, ohne daß die Niederlande jemals die Gerichtbarfeit des Reiche anzuer⸗ — ſchuldig ſeyn ſolten. Die um Augſpurg herum gepflanzte Waffen des Kaiſers hatten allein die Ein Das veich ift —* des Reichs zu dieſem Vertrage bewirkt. Die meiſten Verordnungen des mitt — ganzen Reichstages zieften auf eine Veraͤnderung der deutſchen Staatsverfaſſung ab. rs unzufrie Selbſt des Kaifers bisherige Anhänger waren übel zufrieden, daß er feine Kriegsvölfer den. nicht abführte, die Stände mit groffen Geldanlagen befchtwerete, in Glaubensfachen = fich einer allzugroffen Gewalt — ; und bey dem Kammergericht alle Beiſitzer aus— jufehfieffen füchte, welche das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß annahmen. Des roͤ⸗ — miſchen Königs Prinz Erzherzog Maximilian muſte, nach den Abſichten des Kaiſers, nach Spanien gehen, mogegen der fpatifche Anfane Philipp über Italien und Deutfchland nach) ven Niederlanden reifen muſte. Earl 5 lief fogar feinem Bruder Ferdinand den formlichen Antrag thun / daß ſolcher die römifche Fonigfiche Würde zu Philipps Vortheil niederlegen folte. Aber alle Muͤhe des Kaifers war vergebens, und der roͤmiſche König zu den Abfichten des Kaiſers nicht zu bewegen. Es find alfo mit Hecht gegen diefen unter den Waffen gehaltenen Reichstag zu alten und neuern Zeiten "bittere Klagen geführee, und die Berbindlichfeit derer darauf verhandelten Sachen in Zweifel gezogen worden. Auch nach) Endigung diefes Reichstages bewies fic) der Kai⸗ ſer ſehr unmnnſchraͤnkt. Er nahm die beiden gefangenen Fuͤrſten, aller Vorbitten ohn⸗ erachtet," nach den Niederlanden mit, und ließ ſonderlich dem landgtafen nicht zum —— begegnen ). * §. 45. Marggraf Johann aͤnderte nach feiner Zuruͤckkunft in Religionsſachen nicht das Religionsan⸗ mindefte, und da er ſelbſt auf dem Reichstage ſich dem Interim herzhaft widerfetzet re hatte; ſo machte er nicht die geringfte Miene, folches in feinen fanden einzuführen, beſonders da Melanchthon auf fein Befragen fin Misfallen darüber zu erfennen ger geben, Unſerm Churfuͤrſten aber; der das Vergnügen hatte, daß fein zweiter Prinz 83 Fries 5) Reichs abſchied. Sleidanus. Heuterus. Hortleder. Pietro Soave. du Mont T. 4. 1548. 110 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. | Friedrich zum Bifchof zu Havelberg, ‚auf churfürftliche Ernennung, erwaͤhlet wor | den, waren bie in dieſem Buch„enthaltene Säge ‚als, lauter Mittelvinge von feinem Hofprediger Agricola, vorgeftellet... Hiezu kam, daß dieſer friedfertige Herr von des ® Kaifers Mache neue Unruhen befuͤrchtete, wenn man Earl.s, durch Ri feines Willens hierzu Gelegenheit, an die Hand gaͤbe Joachim 2 ließ alſo feine ge⸗ ſamte Geiſtuchkeit in. Berlin verſammlen, «und ihr das Interim zur — 5 gen. Die meiſten derſelben waren jedoch hiezu abgeneigt, und erſuchten den Churfuͤr⸗ ſten, in der erkannten Wahrheit ohne Menſchenfurcht zu bleiben. Der Churfuͤrſt befahl ihnen. aber, gruͤndlich zn unterfuchen,. ob. bey, der. einmal angenommenen Rell⸗ gion in. Auffern, Gebraͤuchen ‚nichts geändert werden koͤnte, und ermahnete fie, durch Halsftarriges Widerſtreben in Sadıen, bie den Grund der Religion nicht beträfen, und an und vor fich nicht gottlos wären, des Kaifers Zorn nicht zu reißen, und zu feinem neuen Kriege Gelegenheit zu. geben... Das Interim theilte Die Meinungen: der proteftantifchen Geiftfichen, fo wie in Dentichland überhaupt, .alfo-auc in. dee art Brandenburg. Einige, welche man die Adiaphoriften nannte, hielten dar vor, daß man fich in die Zeit ſchicken, und, um nicht die ganze Religion ‚du verlieren, in einigen Stücen nachgeben müfte. Andere wiberfprachen dieſer Meinung, aufs eis tigfte, und leugneten, daß das Interim nur Mitteldinge betreffe. D es au frigſte, $ ‚gab es au Gottesgelehrte die eine Mictelftraffe erwählten, und das Interim zum. Theil anneh⸗ men, zum Theil verwerfen wolten. Der Churfuͤrſt wolte in dieſer Sache alle Der 2237) hutſamkeit gebrauchen, und. hielt deswegen im December mit dem Churfürften von Sachſen Moris, mit dem Fuͤrſten Georg von Anhalt und mie dem Biſchof Ju⸗ lio Pflug von Naumburg eine Zufammenkunft zu Züterbocf. Unter den Gottes, gelehrten fand fich auch vorzüglich Philippus Melanchthon hieſelbſt ein. Die Uns terhandlung betraf die Frage: ob man das Interim mit einigen Milderungen und Aen⸗ derungen nicht annehmen koͤnne? Melanchthon gieng den Mittelweg, den er auch denen brandenburgifchen Geiftlichen auf ihr Befragen vorfehlug. Eben dieſen lieſſen ſich die beiden Churfuͤrſten gefallen, und ſchloſſen den zten December unter ſich eine Verein, wie ſie es mit dem Interim halten wolten. Von der Rechtfertigung ſolte ge⸗ lehret werden, daß ſolche aus Gnaden ohne Verdienſt umſonſt durch Chriſtum erlangt werde, daß aber dieſer Glaube auch gute Werke wirke. Weil eine Kirchenverſamm⸗ lung wider die heilige Schrift nichts ordnen ſoll und kann, fo muͤſſe man ihre Berord⸗ nungen annehmen, die Mitteldinge aber beibehalten. Man fell gelehrte und gottess. fürchtige Leute zu Kirchenämtern befürdern, dem Papft und andern Bifchöfen, wenn fie in ihren Schranfen bfeiben, gehorfamen, Kirchenbeamte aber, die einen ungeiſt⸗ lichen Wandel führen, auf.ordentliche Art beſtrafen. Die Taufe foll mit allen alten Gebraͤuchen beibehalten werden. Eben biefesgilt von der Firmung. Die Buffe, Beich⸗ te, Vergebung der Sünden, Gebet, Almofen und Faften follen, fo wie der rechte "Gebrauch des heiligen Abendmahls, unter beiderley Geftalt, denen Zuhörern gelehrer, auch niemand zu Empfabung des Nachtmahls, der nicht vorher gebeichter, gelaffen wer⸗ | Cpunfife Joachin ir erden. Die letzte Delung folte ohne Aberglauben und Misverftand beibehalten wer, 1548, den. Niemand, der nicht auf rechtmaͤßige Art berufen, und von dem Biſchof gepruͤ⸗ fet und beſtellet worden, ſolte ins lehramt kommen. Die Ehe blieb allen Staͤnden ers iaubt Die Meſſe ſolte nach alten Gebraͤuchen gehalten, in den ©tiftern die vorge⸗ ſchriebene lateiniſche Geſaͤnge gefüngen, und die erheblichſten nachher dem Volke deutſch borgeleſen, in Pfarrkirchen aber, nach Beſchaffenheit ver Feſte, auch deutſche einge⸗ fuͤhrte Ueder geſungen werden. Die Bilder und Gemaͤhlde ſolten, aber blos zur Erin⸗ nerung / ohne Verehrung oder anzuſtellende Wallfahrten, beibehalten werden. Was von Gefängen überhaupt hie und da uͤblich gewefen, ſoll ferner bleiben, und bey den Begraͤbniſſen die Seelenmeſſe denjenigen gefüngen werden, die es verlangten. Zu feiern wurden verordnee der Gontag, Weinachten, Stephanistag, das Feſt ver Beſchneidung und der Erſcheinung Chriſti, dreitägige Oftern, das Fronleichnamss feſt, das Feſt Johannis des Täufers, Mariaͤ Magdalenaͤ, Michaelis, Pauli Belehrung, ZJohannis Enthäuptung und die drey letzten Tage in der Stillen⸗ oder Charwoche. Freitags und Sonnabends und in denen Faſten folte man fich des Fleiſch⸗ eſſens enthalten, ‘doch blos als eine Aufferliche Ordnung, die auf Befehl des Kaifers eingeführet ſey, ohne jedoch harte Arbeiter, Wandersleute, Schwangere, Kindbette⸗ innen, alte und ſchwache teite und Kinder hiezu zu verbinden. Die Kirchendiener folten nach Nach der Biſchoͤfe oder geiftlichen Gerichte eine von den taten unterfchievene Kleidung tragen, und alle Mängel der Kirchendiener in tehr und Wandel dem Bifchof oder geiſtlichem Gericht zur Abänderung ängezeiget werden. Was aber in Abficht des Canons in der Meffe veftzuftellen fen, daruͤber wolten beide Churfürften noch erft Fünfs ig einen Enefehluß faffen. ,, Diefem Vergleich zu Folge ward der geiftfichen Vers ſammlung in Berlin von dem churfürftlichen Hofprediger Agricola deren Annehmung angerathen, Ob ſich nun gleich derſelbe deshalb alle Mühe gab, fo war es ihm doc) unmöglich, einen allgemeinen Beifall zu erhalten. Der Churfürft befahl jedoch, das Interim unter denen zu Juͤterbock verabredeten Milderungen anzunehmen, ob fich gleich; verſchiedene Geiftliche ftandhaft widerfegten, und Joachim alle Mäßigung ges brauchte. Die Furcht vor des Kaiſers Waffen hatte ven Churfürften abfonderlich Hies zu bewogen, bis Fünftige beffere Zeiten auch in diefem Stuͤck Befferungen nach fich jies Bemwärden d). nn ' | ua I * §. 46. Damals ſuchte wirklich der Kaiſer das Interim nach aller Strenge durchzutrei⸗ Betragen des ben, wobey zugleich die Proteſtanten durch allerhand Umſtaͤnde in Furcht erhalten kaiſers. wurden. Zwiſchen den Haͤuſern Heſſen und Naſſau war wegen der Grafſchaft Katzenellenbogen ein after Erbſchaftsſtreit. Der Kaifer ſuchte denſelben aufs neue hervor, und kraͤnkte den Sandgrafen durch einen Ausfpruch, den er vor das Haus Naſ⸗ ſau chat. Bald darauf fieng 1549 auch der Herzog Henrich von Braunfchweig we 1549. der den Sandgrafen und die übrigen fchmalfaldifchen Bundesgenoffen einen Rechtshandel - por #) Hortleder. Leuthinger. Becmanni Meditationes Politic, p. 631, 1549. 112 3 3%. 6 Hauptfks Reue Geſhicht won Brandenburg. 9 vor dem Kammergericht an. Selbiger forderte wegen des in ſeinen WER ——— — Schadens Erfegung,. ohnerachtet ex bey. feiner Befreiung ſich dieſes Anſpruchs begeben hatte. Vor allen andern ſchwebte die Stadt Magdeburg in der gröften Furcht, we⸗ "gen, ber gegen fie. ergangenen Achtserflärung. Sie hatte ihre Sache: noch ſchlimmer gemacht, als fie, bey denen faft überall damals gehinderten Druckereien , beinahe alle harte Schriften, ‚die gegen den-Kaifer und das Interim: gefchrieben waren, zu drucken J erlaubte, und ſich vorzuͤglich dem Interim widerſetzte. Hiezu kam der blinde einiger magdeburgiſchen Einwohner gegen die Juden. Solche hatten unter andern ei⸗ | nen reichen Hofjuden des Churfuͤrſten Michael, der bey Zoachim in ſonderbaren Gnaden ſtand, auf feiner Reiſe aufgefangen, um von demſelden ein ſchweres Loͤſungs⸗ geld zu erzwingen. US fie aber denſelben ungebunden durch Crotdorf führten, rief der wohlgekleidete Jude die Bauren zu Huͤlfe, welche ihn wirklich mie Gewalt befreien ⸗ ten, und die Magdeburger gefangen nahınen, Der Churfürft beſchwerete fich beim römifchen Könige, über diefe Handlung als einen Landfriedensbruch, ‚der denen Thätern den Kopf. abfprach,. und dem, Churfürften von Sachſen die Ausführungsdes Urthels auftrug, ‚welches auch den izten Many an 7 adlichen und anfehnlichen teuten zu Tora - gau vollzogen wurde; und war. des Churfürften Fuͤrbitte zu fpät angefommen. et giengen fogar bereits die Feindfeligfeiten gegen das geächtete Magdeburg an. Die Einwohner von Tangermünde fielen in das Stadtgebiet, und trieben von. des Buͤr⸗ —i germeiſters Heine Alemanns Vorwerk Koͤnigsborn das Vieh weg. Aber die Mag⸗ a deburger jagten ihnen das Vieh bey Ziefar wieder ab. Aus Nache nahmen ſie ver ⸗ ſchiedene Tangermünder gefangen, und lieffen ſolche erſt nach. bezahltem ſtarken Lofer - geld los, ſtreiften auch bis vor die Stadtthore, und trieben ebenfals das Vieh weg / ohne fich an den Schimpfnamen der Kuhdiebe zu kehren, welchen ihnen dietangermün diſche Jugend beilegte. Aber fie reisten hiedurch ven Churfürften noch] ftärfer zum, Zorn, welchem der Kaiſer ohnedies unter dem ıgten May bereits abermals aufgerrm — gen, die Vollſtreckung der Reichsacht mic bewirken zu helfen, und den: 26ſten Junius Des churkuͤr⸗ ſten ungluͤckli⸗ cher fall. den magdeburgiſchen Schoͤppenſtuhl, um ſolchen mit der hohen Schule zu Frank⸗ furt ju vereinigen, geſchenkt hatte k). Ehe aber der Churfürft dem Faiferlichen Auftrage ein Genuͤge feiften konte ge⸗ rieth er in die aͤuſſerſte Lebensgefahr. Er hielt ſich der Jagd wegen zu Grimnitz eine Zeitlang auf, und ließ, um feiner Gemalin eine Veraͤnderung zu machen, ſolche ebens fals dahin fommen, Eines Tages giengen beide Dermälte auf dem alten Haufe in einem obern Zimmer zur Bewegung auf und ab. Von ohngefehr Famen fie auf eine Gegend des Fußbodens, der ganz verfaulet war. Selbiger brach entzwey, und der. Churfürft fiel mit feiner Gemalin durch, unten in die Hofftube, wo an der Wand viele Hirſchgeweihe beveftiget waren. Die Ehurfürftin chat den übelften Fall, zwis fehen den Hirfehgeweihen durch auf eine Schnbanf, und verlegte fich dergeſtalt, daß man an ihrer völligen Geneſung verzweifelte. Es wurden zwar die beften Aerzte und | Wund⸗ k) Ebendaſelbſt, und Herr von Dreyhaupt. { | Ehurfürft Zoahim 2° 113 Wundaͤrzte ihr vorgeſtellt. Sie ſchlug aber deren Huͤlfe, aus einer uͤbertriebenen Schamhaftigkeit aus. Ob num wohl nach und nach die Wunden wieder zuheileten; po war fie doch ſo krumm zufammengewachfen, daß fie von diefer Zeic bis an ihren Tod ſich beftändig der Krücken bedienen mufte. Der Fall des Ehurfürften gerierh nicht ſo © übel, Er blieb mit den Armen auf denen Balken, zwifchen welchen er durchfiel, han⸗ — — —— Il Tu = er m, m: AR 7 — J — eg $ # a J — — — 2 ef — — EN J ia. ‚gen, und ward nachmals durch Beihuͤlfe der Dazu iss are ar — —— berunter ochogen ). —— er war alfo im Stande ‚ feine Bemühungen zum Beſten des Keichs und — — zu 1549. gina fortzufegen. Der Kaifer hatte wegen der Fortdauer der tridentinift ben Augfpurg. | Kirchenverſammlung, Beilegung der Religionsſtreitigkeiten und Bezaͤhmung der Wi⸗ derſpenſtigen einen Reichstag nach Augſpurg 1550 ausgeſchrieben. Unſer Churfuͤrſt hatte ſeine Urſachen, ſelbigen ſo wenig als ſein Herr Bruder in Perſon zu beſuchen, weil die Macht des Kaiſers noch eben ſo furchtbar, als auf dem vorigen Reichstage, war. DZoachim 2 ſchickte daher den Domprobſt von Havelberg und Domherrn von Magdeburg und Halberftadt Johann von Walwitz, den erften Sehrer ver Rechte ** hohen Schule zu Frankfurt D. Chriſtoph von der Straſſen und den Timo⸗ theus Zung als feine Geſandte auf dieſen Reichstag. Der Kaiſer beſuchte ihn in Perſon und brachte feinen Infanten Philipp mit nach Augſpurg, um ſolchen denen Staͤnden bekandter zu machen. Er verſuchte abermals, ſeinen Bruder Ferdinand Niederlegung der romiſchen koͤniglichen Wuͤrde, zum Vortheil Philippi, zu be wegen. Allein weder Ferdinand noch die churfuͤrſtlichen Höfe lieſſen vor den kaiſer⸗ ichen Prinzen eine fonderfiche Neigung ſpuͤren. Carl 5 ward feit dem letzten Kriege von dem Reich mehr gefürchtet als geliebet, und der proteftantifche Theil Hatte mehr Zutrauen zum Ferdinand, als den Nachkommen Carls. Sonſt ward auf dieſem Reichstage die Erörterung der ſtrittigen Religion, dem vorigen Reichsabſchiede zu Fol⸗ ge, nochmals einer freien Kirchenverſammlung überlaffen. Es ward zugleich verords net, daß fich jedermann den Ausfprüchen derfelben unterwerfen folte. Der Chur⸗ fürt Moritz von Sachfen wolte diefe Verordnung nicht ohne Bedingungen annehs men. Seine Gefandten beftunden darauf, daß der Papft ſelbſt fich der Kirchenver- ſammlung unterwerfen, nicht aber Nichterftelle vertreten, daß die proteftantifchen Gottesgelehrten eine gleiche Entfcheidungsmacht, als die Bifchöfe, darauf haben, und daß alle Handlungen der Kirchenverfunmlung wieder vom Anfang angefangen werden ſolten. Diefe Einwendungen wurden aber nicht angenommen. Man machte übers - Dies noch andere Verordnungen, fonderlic, wegen des deutfchen Muͤnzweſens. Die vornehmſten Berathfehlagungen betrafen aber die Bezwingung der Stadt Magdeburg. Es ward en ‚ daß ern Drt Bar / und dabey der Ehurfürft Moritz von Sach⸗ ) FEN Baftitins. Cernitius. P.allg. preuß. Geſch. 3Th. P 1550, 1550. Magdeburgi⸗ ſche belage⸗ rung. 114 3%h. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Sachſen den Oberbefehl führen folte. Ihm wurde zur Beftveitung der erforderlichen Unfoften eine anfehnliche Geldſumme verwilliget 7m). ' Be. ES Noch während dem Reichstage waren bie Feindſeligkeiten mit diefer Stadt ev reits angegangen. Herzog Henrich von Braunfchweig erfehien zuerft mit einem flie⸗ genden Haufen vor Magdeburg, und verherere das fand zwey Monat mit Raub und Brand, toorauf felbiger feine Kriegsvölfer beurlaubte. Hierauf Fam Herzog Gegrg yon Mecklenburg, welcher dem Herzog Henrich in der Belagerung der Stadt Brauns ſchweig beigeftanden, aber auf Faiferlichen Befehl abziehen muͤſſen, mit 3 bis 4000 Mann durchs Halberftädtifche in Magdeburgifchen an,. wo verfchiedene Pläge von der Stade Magdeburg dem Domcapitel abgenommen waren. Die-herjoglichen Böb Fer hauſeten ſehr übel, pluͤnderten Wansleben, und fehfugen die entgegengerächee Macht der Magdeburger bey Klofter Hillersleben. Endlich mufte fi) auch der Ehurfürft Soachim von Brandenburg, fo wie der Churfürft orig von Sachſe in die.magdeburgifche Sache näher einlaffen. . Joachims 2 anderer Prinz Friedrich war, wie bereits vorhin gedacht, ſchon 1547 zum Nachfolger des damaligen Erzbifchofs 5 Johann Albrecht erwählet worden. In dem jegigen Jahr. ısso gieng Johann Ye brecht mit Tode ab. Ob nun alfo gleich der brandenburgifche Prinz Friedrich die Beſlaͤtigung der erzbifchöflichen Würde, weil fein Herr Dater das Lutherthum ange nommen, vom Papft noch nicht erhalten hatte, fo fahe venfelben doch jedermann iv reits als den wahren fandesherrn Des Hochſtifts Magdeburg an... Ehurfürft Joa⸗ chim Fonte daher nicht geſchehen laffen, daß Herzog Georg von Mecklenburg ein Sand verwuͤſten folte, das feinem Sohn zugehörete. Er nahm alfo die vom Hergog 4 Henrich von Braunſchweig entlaffene Kriegsvölfer meiftens in feinen Gold, und bes fteilce ven Georg von Blanckenburg zum oberften Feldherrn feiner Macht. Diefe folten nebft den Völkern des Churfüriten Morisens theild den Herzog Georg von J— Mecklenburg zum Abzuge noͤthigen, theils die Stadt Magdeburg, ſich zu unterwer⸗ fen, zwingen. Weil der legtere Ort auf die Aufforderung der Churfürften fich nicht ergeben wolte; fo wurde verfelbe den gten October berennet. Auf dem Kreistage zu Juͤterbock Hatten beide Churfürften wegen diefer Sache vertraute Unterredung gehal -/ ten. Beide fehloffen mit dem Erzbifchof Friedrich einen merkwürdigen Vergleich, ‚daß die Stadt Magdeburg allen dreien erblich zugehören und verwandt feyn folte. Don denen churmärfifchen Ständen waren zu dem magdeburgifchen Kriege sooos uk den bewilliget, und der Marggraf Albrecht aus Franken dienete ebenfals mic feinen Voͤlkern gegen diefe Stadt. Des Churfürften Here Bruder Marggraf Johann von Cuͤſtrin ſchien anfänglich mit diefem Kriege nicht zufrieden zu feyn. Er fahe die Mag⸗ deburger als Märtyrer an, deren Leiden blos daher ruͤhrten, daß ſie eben fo wie er das Interim nicht annehmen wollen. Er war fogar nicht abgeneigt, ihnen zu Hülfe zu Eommen. Churfürft Joachim aber fahe die Sache auf einer andern Seite an. Er zog die Widerfeglichfeit der Stadt gegen die Faiferlichen Befehle und gegen ihren | | | | Erzbi⸗ an) Reichsabſchied. Sleidanus - Thuanup. I a. en ee Joachim 2 115 Ersbifchof in Erwegung, und hatte zugleich die Vortheile feines Sohnes Friedrichs und feines Hauſes zum Augenmerk. Cr glaubte folche befördern zu koͤnnen, ohne die Stadt eben zu Orunde zu richten. Gr beſprach fich aljo mic feinem Heren Bruder zu ee) und brachte folchen auf andere Gedanken. Er Tieß durch den Grafen Ludwig von Stolberg der Stadt etlichemal Vergleichsbedingungen antragen. Doch wurden ſolche noch zur Zeit von ver Stadt ausgeſchlagen. Sie verließ ſich auf aus— waͤrtige Höfe, aber vergebens. Ihr zu gut hatten ſich zwar, unter Aufuͤhrung des Zoohann von Heideck und Volrads Grafens von Mangfeld, einige 1000 Mann zu⸗ ſammen gezogen. Es wurden aber diefe Dölfer bey Verden aufgefangen, und nahmen - ‚ Meiftens unter dem Heer der Berbundenen Dienfte. Unſer Churfürft wohnete der Bes lagerung nicht beftändig perfönfich bey, fondern 509, fo wie ver Churfuͤrſt Moritz und der Herzog Henrich, ab und zu. Den zoften October gieng er aus dem kager, die - Stadt vorbey, nach Wolmerftädt. Bey dem Pulverhofe nahe an der Stadt begegs nele ihm eine Notre Hackenfchügen, die von Goslar Fam, und ſich zum Dienft der Stadt hatte anwerben laffen, Der Churfürft fieß folche ſofort durch feine teibmache 1550. Ken. Maar EREEREEZRN “u = A gen mit 3 Pferden, Wilich oder Fricke von Vele: heim mit 4 Pferden, Sacharias Röbel mit 8 Pferden, Henrich von Kart Hanſens Sohn mit 4 Dferden, Martin Rohr mit 2 ‘Pferden, Joa: chim von der Kühe mit 2, Ehriftoph Schend mit 7, Eafpar und Morig von Arnim mit 6 Pferden, auch Andreas Arnftäde, Hans Schle; "Es rette⸗d gel, Ehriftoph von Schleinig u. a. ten fi) unter andern: Johann von der Affeburg, Atmeißet, mitıg, Matthias von der Schulen: Igenplig mit 5, Joachim Isenplig mit 4, Reinhard von Alvensleben mit 5, Levin von Mahrenholz mit 5, Claus von Arnim mit 6, Hans von Loſſow mit 7, Henrich Schilling mit 6, Stephan Wilde von Tangernninde mit 4 Pferden. Georg von Bismard, Eonrad —* Buͤlow, Guͤnther von Veltheim und anz a Merckel. — — Ceu⸗ tcinger. angreifen, und, des Feuers aus der Stadt unerachtet, bis auf zwey niederhauen. Die — Magdebinger wehreten fich indeffen herzhaft genug, und thaten durch Ausfälle mans chen Schaden. Sonderlich glücte e8 ihnen, den ıgten December das Reuterlager zu Großottersleben zu uͤberfallen, und 125 Mann gefangen zu nehmen, Es waren 2, verfchiedene befandte von Adel darunter, obgleich noch einige andere doch glücklich da von famen n). Den zoften December bekamen die Magdeburger fogar ven Herzog Georg von Mecklenburg nebft einigen von Adel, als Levin von Winterfeld, en Hi * Flans ee von ber Schulenburg u. fi. gefangen 0). B 2.8 J Woer Shurfärft Norik von Sachen, noch Churfuͤrſt Joachim von Bran / Die ſtadt ee; denburg ‚ jeigten gegen die Stadt einen rechten Ernft. Sie wolten durch den Unter⸗ giebt ſich. 4 ‚gang dieſee Orts die Gefahr nicht vermehren, in Dre: die proteftantifche Are — PD. das — = Unter denen, die gefangen — waren: burg), Fehaeih, mit 22, Chriſtoph von der unter andern: Afcbe von Kram mit 6 Pferden, Schulenburg Hanfens Sohn mit 3, Joſt von Buffo von der Schulenburg mit 9 Pferden, Veltheim auf Zangenleben mit ı2, Geb: Caſpar von der Schulenburg mit 4 Pferden, hard Edler von. Platen mit 7, Günther von Andreas Haacke mit 6 Pferden, Melchior von Veltheim mit 6, Fritz von Möllendorf mit 8, J Loͤben mit 7 Pferden, Georg Edler von Plas Joachim von Bismarck mit 6, Joſt von Bis⸗ gen mit 8 Pferden, Wolfgang Edler.von Pla: mard mit 2, Hans Igenplig mit 6, Jacob 1550, 1551, 116 3Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. damals ſchwebte. Das Interim hatte dieſelbe untergraben, und die Kirchenverſamm⸗ fung zu Trident drohete ihr den gaͤnzlichen Einſturz · Der neue Papft Zuliusz willigte in die Erneuerung der tridentinifchen Kicchenverfammlung. Seine deswer gen ausgefertigte Bulle aber war weder dem: Kaifer noch) denen deutfchen Ständen. . gefällig. Sonderlich Eonten die Proteftanten den Fortgang derſelben nicht wuͤnſchen. Hiezu kam des Kaiſers gegen den Landgrafen von Heſſen fortdaurende Strenge. Bey⸗ de Churfuͤrſten hatten öfters um deſſen Befreiung angehalten, ſolche aber fo wenig bes - wirfen Fonnen, daß der Gefangene zu Oudenarde und Mecheln vielmehr noch hats ter gehalten wurde, Der Churfürft Moritz von Sachfen und Joachim 2 von Bran⸗ denburg fahen alfo Fein ander Mittel mehr vor fi, die Religion zu fichern und den tandgrafen zu befreien, als folches mit Gewalt zu verfuchen. Sie muften aber hiebey die gröfte Behutfamfeit gebrauchen, um fich mic hinlänglichen Bundesgenoffen und Mitteln zu verfehen, ohne beim Kaifer Verdacht zu erweden. Sie trugen Daher des nen Söhnen des gefangenen Churfürften Sohann Friedrichs von Sachen die Er⸗ neuerung der Erbverträge an. Doch war die Munde des erneftinifchen Haufes zu neu, und die Zucht, das Schickſal ihres Vaters noch härter zu machen, zu groß, als daß fie fich dazu hätten bewegen laſſen. Um Geld zu befommen, ſuchte des Reichs oberfter Feldherr, Churfürft Moritz, bey denen zu Nürnberg verſammleten Abgeord⸗ neten der Neichsftände anfehnliche Summen, unter dem Vorwande, folche gegen die Stade Magdeburg anzuwenden. Es wurden diefe Gelder 1551 wirklich bewilliget. Doch ihre Bezahlung gieng fo langſam von ſtatten/ Daß man dadurch einen guten Vor⸗ wand hatte, der Stade Magdeburg nicht fonderlich zuzuſetzen. Es entſtund ſogar im Sager, wegen nicht erfolgter Bezahlung des Kriegsvolks, ein Aufſtand, den jedoch die beiden Churfürften, welche fich perf onlich ins fager erhoben, wieder ftilleten. Die Stade fehickte den Henrich Märfel an verfehiedene fürftliche Höfe, um Beiftand zu erhalten. Es Fam derfelbe auch zum Marggrafen Johann von Cuͤſtrin, konte aber nirgend mehr, als nur Vorbitten, erhalten. Bey alle dem nutzte dieſe Abſchickung ſo viel, daß Churfuͤrſt Moritz mit der Stadt Unterhandlungen zu pflegen Gelegenheit hatte. Ob nun wol dabey fo viel Behutſamkeit, als möglich, gebraucht wurde; ſo entgiengen die Abſichten der Churfuͤrſten doch der ſcharfſi innigen Aufmerkſamkeit des La⸗ zarus von Schwendi nicht gänzlich, welchen der Kaiſer, vielleicht den Churfuͤrſten Ms ritz zu beobachten, demfelben in der Belagerung zugefeller hatte. Beil aber der Kafe dem Moritz völlig freigeftellet, unter was vor Bedingungen er mic Magdeburg ha deln wolte, wenn nur das Faiferliche Anfehen dabey nicht Titte; fo ward endlich den zten November mir der Stadt ein Vergleich getroffen. Sie verfprach, fich dem Kai⸗ ſer zu unterwerfen, dem Schluß des augſpurgiſchen Reichstages Gehorſam zu leiſten, ihre Beveſtigungswerke, wenn der Kaiſer darauf beſtuͤnde, nieder zu reiſſen, dem Kal⸗ fer. eine ſchwere Summe Strafgelder zu erlegen, und ihr beſtes Geſchuͤtz zu uͤberlieferm Sodenn beſetzte Moritz die Stadt, und ließ folche — dem Kaiſer und ſich huldigen P). In p) Ebendaſelbſt. A Rn. ü Churfirft Joachin >. am: 8 Indeffen Hatte Churfuͤrſt Moritz mic verfehiedenen deutfchen Fürften, zum Be⸗ 1551, ſten der Freiheit des Reichs und der Religion fowol, als auch) insbefondere des fandgras Bey neuen fen, mie des festen Sohn Wilhelm, dem Herzoge Johann Albrecht von Mech, verbindungen gegen den kai⸗ “ * * — —— 7 Pre ‘ — wu Tre — — —F ie nehmen würden, nicht gänzlich nieder g). | nn Zu derſelben Hatte der Kaifer die Proteflanten eingeladen, und einein jeden Beſchickt die = | Venburg und Albrecht Marggrafen von Brandenburg, ein Buͤndniß getroffen. fer bleibt Joa⸗ Churfuͤrſt Joachim behielt aber feine einmal genommenen Maaßregeln bey. Ohner⸗ chim partei achtet er von den neuen Verbindungen gegen den Kaiſer gute Nachricht hatte; fo blieb 08, er doch aus verſchiedenen triftigen Gruͤnden parteilos. Er wolte es mit dem Papft, wegen der Beftätigung des Hochftifts Magdeburg vor feinen Prinzen, nichtverderben, and, durch die Ergreifung einer Partey, fic) zu Führung des Mittleramts nicht unges ſchickt machen, deffen er fich feit dem Autritt feiner Regierung beftändig unterzogen hatte. Die gemeldeten Bundesgenoffen aber hatten ‚auch den König von Frankreich ° Henrich 2 an fich gezogen. Diefer war mit dem Kaifer wegen der parmefanifchen Händel in Streit gerathien, und fehloß Daher zu Locha mit denen verbundenen Prote⸗ ſtanten einen Vertrag: Er ſolte ihnen, zu Unterhaltung eines ſtarken Heeres, das ers fie Vierteljahr alle Monate 80000, und nachher monatlid) 60000 Thaler bezahlen; er ſolte ſich ver Städte Cambray, Toul, Dies und Verdun bemächtigen, und folche, denen Rechten des Neichs unbeſchadet, als Neichöverwefer behalten. Der herannahens de Winter unterbrach jedoch vor der Hand die Kriegesverrichtungen zu einer Zeit, da . Mori dem Kaifer bereits verdächtig zu werden anfieng. Zum Glück glaubte Carl, daß die Furcht einer Befreiung des gefangenen alten Churfürften die Unternepmungen des neuen genugfam im Zaum halten und hindern koͤnte. Er ließ ſich überdies durch das Fluge Betragen des Moritz hintergehen. Um das Heer beibehalten zu koͤnnen, “ welches künftig gegen den Kaifer gebraucht werben folte, verlegte er folches in Thuͤrin⸗ gen in die AWinterläger, und bebienete fich des Vorwandes, daß er ſolchem feinen Sold noch ſchuldig fey, und es daher nicht abdanfen koͤnne. Er ſchlug überdies: die Hofnung des Kaiſers, daß die Proteſtanten die Kirchenverſammlung zu Trident ans ſicher Geleit und die Freiheit verſprochen, alles vorzubringen, was man zur Sicherung feines Gewiſſens für noͤthig erachten wuͤrde ¶ Moritz ließ hierauf durch den Melanch⸗ thon eine Schrift won den proteſtantiſchen tehrfügen verfaſſen. Eben dieſes mufte Brentius, auf Befehl des Herzogs Chriſtophs von Würtemberg, thun. Es ſol⸗ ten diefe Schriften der Kirchenverfammlung übergeben werden. Die Väter zu Tri⸗ dent ertheilten auch wirklich den Proteſtanten einige Sicherheit, und dies vermochte beſonders den Churfuͤrſten Joachim 2 von Brandenburg, mic Beſchickung dieſer tri⸗ dentiniſchen Kirchenverſammlung unter allen Proteſtanten den Anfang zu machen. Diezu bewog ihm mehr als eine lleſache· Er war immer geneigt gewefen, die Ausfpris che einer freien und chriftlichen Kiechenverfammlung in den Neligionsftreitigfeiten ans zunehmen. Die proteftantifchen Gottesgelehrten waren unter ſich ſelbſt in manche 7 3 | Zwi⸗ M Leuthinger. Hortleder. Recueil des Traites Ti 2, — tridentiniſche kirchenver⸗ ſammlung. 4 ” 118 3 Th. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1551. Zwiftigfeiten gerathen, die, nach des Churfuͤrſten Meinung, nicht beſſer, als durch eine Kirchenverſammlung, geſtillet werden koͤnten. Insbeſondere war Doctor Oſian⸗ der in Preuſſen mit denen dortigen Gottesgelehrten in einen heftigen Streit uͤber den rechten Begrif der Rechtfertigung ſowol als des Ebenbildes Gottes gerathen, am wel⸗ chem auch die meiſten proteſtantiſchen Gottesgelehrten in Deutſchland Theil nah⸗ men. Hiezu Fam das churfuͤrſtliche Verlangen, feinem Prinzen Friedrich die Bell tigung des Hochftifes Magdeburg zu verfchaffen, um die er bey dem Papft in Rom anhielt, und die theils nach feiner Meinung, theils nachdem Interim nothwendig war. Er erhielt diefelbe auch endlich, welches aber nicht gefchehen wäre, wenn ver Part gewuſt, Daß der Churfürft die Kirchenverfammlung nicht hätte annehmen wollen Dies hatte den Ehurfürften hauptſaͤchlich bewogen, den D. Ehriftoph von ver&trae fen, einen ziemlich eifrigen Catholifen x), und Hohmannen als feine Gefansten wirklich nad) Trident zu ſchicken, welche auch ven Ausfpruch der Kirchenverſammlung anzunehmen verfprachen. Man verlangte zwar, daß der neue Erzbifchof von Mage deburg Friedrich, zu Bezeugung feines Gehorſams, fich perfönlich auf der Kirchen⸗ verfammlung einfinden folte. Doch die nachmals veränderten lmftände machten, daß - dieſes unterblieb. Hingegen erfchienen zu Trident auch wirtembergifche Gefandten, fo. wie im Namen etlicher Neichsftädte der groffe Geſchichtſchreiber feiner Zeie Gohann Sleidanus. Alle diefe machten zu baldiger Ankunft proteftantifcher Gottesgelehr ⸗ ten Hofnung , vor welche ſie um mehrere Sicherheit anhielten. Der Kaifer ſelbſt war von Augſpurg nach Inſpruck gegangen, um, feinem Berfprechen gemäß, durch feir ne Annäherung die Kirchenverſammlung zu befördern. Selbſt des römifchen Königs Ferdinands ältefter Prinz Fam nach Trident, weil man nunmehr gewiß vermeint, endlich zu dem völligen Vergleich ver Religion zu gelangen. Auch Churfuͤrſt Morig hatte dem Kaifer Hofnung gemacht, ihn zu Inſpruck zu befuchen. Seine Gottes⸗ 155% gelehrten langten 1352 bereits in Miirnberg, und die wirrtembergifchen gar zu ru dent an. Nach Inſpruck Fam eine churfächfifche Geſandtſchaft, welche vor vem Ehurfürften Moritz eine Wohnung beftellte. Der Ehurfürft ſelbſt trat zum Schein die Reife dahin an, Fehrete aber bald, unter vorgefchügter Unpäslichfeit, wieder zus ruͤck. Mit viefen Mitteln war der Kaifer vollig ficher gemacht, fo daß er die von als len Orten her anfommende Warnungen als Berleumdungen und Kunftgriffe der Feinde Churfuͤrſt Moritzens anfahe s). | a an 49. torz “Der, neue Die gegen den Kaifer verbundene deutſche Fürften hatten ife mie Franfreich — —— geſchloſſenes Buͤndniß zu Chambord durch Schertlin beſchwoͤren laſſen, und von allen bricht aus. Seiten Zeit gewonnen, ſich zum Kriege zu ruͤſten. Moritz hielt noch zuletzt einen andtag zu Torgau, woſelbſt Churfuͤrſt Joachim bey ihm zum Schein einen Beſuch ablegte. Es war aber folches mic des kandgrafen Philippi aͤlteſtem Prinzen Wilhelm bereits verabredet. Der Ießtere verlangte nun von beiden Churfürften, daß fie ihr | fuͤrſt⸗ r) von Ludwig Rel. Manufr-T. p. 354. s) Sleidan Leuthinger. —* * Churfurſt Joachim 2 fuͤrſtliches Wort halten, und beide, da der fandgraf noch immer in der Öefangens fhaft gehalten würde, jo lange das Einlager in Caſſel Halten, oder fich daſelbſt, deut, licher zu reden, als Gefangene aufhalten folten, bis der Landgraf wieder in Freiheit geſetzt wäre. Dieſes gab beiden Churfürften zu den bitterften Klagen gegen den Kai⸗ fer die geöfte Gelegenheit. Sie harten fich freilich zum Einlager gegen den Landgra⸗ ‚fen und feine Söhne verpflichtet. Sie hatten theils vor, theils nach) der Gefangen, u nehmung Philippi des Großmuͤthigen vor Denfelben alles mögliche gethan. Sie hat ; N u. — N * er * en, —J — > — — [4 > By v — ‘ten die Erfüllung des zwiſchen dem landgrafen und dem Kaiſer geſchloſſenen Vertrages befördert. Sie hatten bey dem Kaifer bald perfönlich, bald durch) ihre Gefandten, bald durch Vorbitten Hoher Perfonen, beiverley Gefchlechts, um des kandgrafen Bes ‚freiung, aber allemal vergeblich, angehalten. Sie waren ſchon verfchiedentlich. vom J Landgrafen Wilhelm um die Erfüllung ihrer Buͤrgſchaft angegangen, und ihre Ehre verſtattete nicht, zuzugeben, daß der Kaifer, feinem Erbieten nach, fie davon loszeh— lete. Nunmehr ftellete fich Churfürft Mori gegen feine Landſtaͤnde, als ob er-fich a wirklich, um Wort zu halten, nach) Caſſel begeben müfte, und. verwies fogar auf dieſen Fall diefelben an feinen Bruder Auguſtum. Der kaiſerliche Geſandte in Ber⸗ lin Wilhelm Boͤcklein ſchrieb zwar an die ſaͤchſiſchen Stände, daß der Churfuͤrſt Moritz ſich nur ruhig verhalten, und wegen Befreiung feines Schwiegervaters die bes ſte Hofnung faffen ſolte. Es war folches aber ein Lied, deffen Weife ſchon zu alt klang, ‚und man war mit den Zurüftungen bereits zu weit gefommen. Die ſaͤchſiſchen Stäns de fonten daher. mit ihrer Vorftellung, wodurch fie einen Kriegszug wider den Kaifer widerriethen, nichts ausrichten. Sie thaten fonft noch den Borfchlag, da ihr Herr in dieſem Gefchäft fich von dem Ehurfürften. von Brandenburg, der in gleicher Ber buͤrgung ſtuͤnde, nicht trennen möchte, und man beim tandgrafen Wilhelm einen Aufſchub füchen müfte, warum fie auch denfelben fehriftlich erfuchten. Doch dies al les hinderte die Bundesgenoflen nicht an der Ausführung ihrer Entwürfe, . Franfreich ‚gab. eine Kriegeserflärung gegen den Kaifer heraus, worin es unter andern deshalb zu den Waffen zu greifen vorgab, weil die Deutfchen mit onträglicher Tyranney vnnd Servitut von dem Kayfer vertruckt, vnnd ewige Dienftbarfeit und Berderben, (onter dem Schein, die Religion zu vergleichen, auch die Nebelles zu gebuͤhr⸗ lichem Gehorſam zu bringen , deßgleichen daß man dem graufamen Gewalt deg Türken wiederftreben wolte) geführt würden. . Zu dem, daß auch die deuts ſchen Fuͤrſten und Stände des Heiligen Reichs durch argliftige und erpracticir⸗ te Bneinigfeit und Faction von ein ander gefondert, aud) ihrer Macht vnd Gelts dermaffen entblöffet würden, daß zu Test daraus nichts gewiffers erfol⸗ fe fönte, als daß eine Monarchia dem Kayfer und dem Haus Defterreich, als es mit ewigem Berluft, teutfcher Nation Freyheit ond vieler Leute Untergang auffgericht vnd erbawet wuͤrde. In der Kriegserflärung des Churfürften Mori von Sachfen, des Herzogs Johann Albrechts von Mecklenburg und des Sands geafen Wilhelms von Hefjen wurden als Urfachen des Krieges angefuͤhret: die Vers | ir Be keh⸗ 1552. 1552. mo 3°. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Fehrung und Aufhebung aller Zufagen der Neligionsvergfeichung und deren Sicheiiit, 8 des tandgrafens beharrliche Haft und allerhand Befchwerden über die Unterdrückung der deutſchen Reichsfreiheit. Die letztern wurden beſonders in der Kriegserklaͤrung des Marggrafen Albrechts von Brandenburg in Franken namentlich angefuͤhret. Er rechnete dahin 1) die tridentiniſche Kirchenverſammlung und deren Verhalten, 2) die blos zum Vortheil des Kaifers und blos zur verderblichen Schagung des Neichs gehale tere Neichsräge, 3) daß die Neichsräthe nicht mehr frey, fondern mit allerley Ueberſetzung und Partheiligfeit unterfpickt wären, 4) daß das Neichsfiegel, is fehwerliche Anlagen zu machen, in fremden Händen, auch die Ausfertigungen fang _ ſam und in fremden Sprachen gefehehen, 5) daß man ven Deutfchen verbiete, in fremde Dienfte zu treten, 6) Stände verpflichte, wider das Haus Defterreich und Burgund niemals auf irgend eine Weiſe zu dienen, und hiedurch ihnen die Neichshie fe gegen das Haus Defterreich benehme ; fie aber dem Haufe verbunden und zugeeignet worden, 7) Unterthanen habe,man geftraft, weil fie ihrem eigenen Landesherrn gedies net, 8) Parteiloſe zur Geldhuͤlſe vor den Kaiſer gezwungen / 9) Rechtshaͤndel über Reiches fande, ohne das geordnete Neichögericht, durch andere entſcheiden laffen, 10) daß man den Ständen verbiete, ihr Bildniß auf Münzen zu fhlagen, 11) den Neichsftädten die Käthe abfege, 12) Freund und Feind mit fremdem Kriegsvolk beſchwere, 13) gegen verdiente Stände fich undanfbar beweife, und 14) ſtatt aller Abfchaffung diefer Beſchwerden die Stände mit Entfehuldigungen und Erbieten einzufchläfern ſuche. Landgraf Wilhelm bs ſchwerete fich in einer befondern Schrift über das Eaiferliche Betragen gegen feinen Bater, - und daß ihm Carl 5 unterfager Habe, fich feines Nechts gegen die verbiirgten Churfuͤr ⸗ ften zu gebrauchen. Zu gleicher Zeit brach der Churfürft Moritz mit feinem Heer in Thüringen auf, vereinigte fich mit den heßifchen und bayreuthifchen Völkern, be mächtigte fich ver Donau, undricte vor Augſpurg. Die Eroberung diefes Platzes und das darin abgefhafte Interim bewog die zu Trident verfammleren Väter zur ſchleu⸗ nigen Flucht nach Sstalien. Die Geſandten der Deutfchen Stände, worunter auch Diejenigen waren, bie Churfuͤrſt Joachim 2 abgeſchickt, verlieffen ebenfals diefen Ort, Der Kaifer, der fich nimmermehr eines fo ftarfen und ſchleunigen Anzuges vermuchend gewefen, war äufferft beftürzt. Er bevienete fich des römiſchen Königs, Friedens — vorſchlaͤge zu thun, welcher aber unter der Hand, wegen der verlangten Niederlegung der roͤmiſchen koͤniglichen Wuͤrde, uͤber den Ausbruch dieſes Krieges nicht misvergnuͤgt war. Moritz hoͤrte zwar zu Lintz Ferdinandi Vorſchlaͤge an, ließ ſich aber vor der Hand von der Fortſetzung des Krieges nicht abhalten, ſondern machte ſich blos anhei⸗ ſchig, Fünftig zu Paffau Unterhandlungen zu pflegen, wozu man aber, auffer dem boͤh⸗ mifchen König, und alfo des roͤmiſchen Königs älteften Prinzen Erzherzog Marimilian, auch andere Chur» und Fürften, worunter au) der Churfuͤrſt Joachim 2 von Bran⸗ denburg und Marggraf Johann von Cuͤſtrin waren, ziehen folte. Der Krieg ward fortgefegt. Frankreich bemächtigte fi) von Meg, Toul und Berdun, füchte bey Strasburg über ven Rhein zu gehen, und in Deutfchland fich mit feinen Bundes | genoſſen Churfuͤrſt EEE DURR ENT: 121 genen zu vereinigen. a ſchlugen zwoͤlf Faͤhnlein kalſerlich Kriegsvolk, und eros 1552, berten die Ehrenberger Clauſe. Beinahe haͤtten fie den Kaiſer zu Inſpruck gefangen bekommen, der, kurz vor der Einnahme dieſes Orts, in groͤſter Eil nach Villach fluͤchtete, und alle Bruͤcken ‚Hinter ſich abwerfen ließ. Er gab zwar auf dieſer Flucht dem geweſe⸗ nen Churfuͤrſten von Sachſen Johann Friedrich die voͤllige Freiheit wieder, und glaubte, daß ſolcher, zu Wiedererlangung ſeiner vorigen Wuͤrde, Rechte und Lande, gegen den Churfuͤrſten Moritz die Waffen ergreifen werde. Es verpflichtete ſich fol cher. aber zu Yugfpurg, ruhig zu-bleiben, und die Chur nebft denen dazu gehörigen landen nicht weiter zu ſuchen, worüber unter andern Marggeaf Johann von Branz denburg die Buͤrgſchaft übernehmen folte. Dagegen verſprach Churfuͤrſt Moritz, ihr . amd feine Erben bey denen der erneftinifchen Linte zugehörigen fanden unbeirret zu Taf fen, weswegen unter andern auch der Churfürft von Brandenburg Joachim 2 Buͤr⸗ ge ſeyn ſolte. Da nun Moritz auf der Seite Sachſens nichts: weiter zu, befürchten hatte, ſo belagerte er mit feinen Bundesgenoffen Frankfurt am Main, worin eine laufe Faiferliche Beſatzung fich befand. ¶ Hiedurch verwahrere er Heſſen vor einem feindfichen Einfall , und verfperrete zugleich den Faiferlichen Bölfern einen Paß, nach Deutfchland zu kommen. "Marggraf Albrecht von Baireuth uͤberzog die kaͤnder ber Biſchoͤſe von Bamberg und Würzburg, des Hochmeifters des deutſchen Ordens und der Stadt Nürnberg, die ſich mic ihm gegen den Kaiſer nicht vereinigen wollen, und legte folchen ſchwere Brandſchatzungen auf. Alles diefes beftimmte den Kaiſer for wol, als den * ARD ber catheiſchen Reichsſtaͤnde, ſich nach einem Frieden zu eg $. 50. k * Ri Die Mieeranbliingen deffelben nahınen zu Paſſau Een Anfang; woſelbſt fich Er wird zu auch brandenburgifche Raͤthe befanden. Morig übergab unter andern die Beſchwer⸗ u beige⸗ den des Reichs gegen die kaiſerliche Regierung. Er ſagte darin: „Das freie Deutfchy N n Be La RE LEER 5 ER De | ER N da ; u — TE ES en al SEE } i 3 i : 1 DE A oh | chris i J land muͤſſe von ſeinem Oberhaupte nach den Reichsgrundgeſetzen, altem Herkommen, mit Wiſſen und Willen der Stände, ſonderlich der Churfuͤrſten, laut des kaiſerlichen Wahlvertrages, regieret werden. Es fen aber ſolches nicht geſchehen. Der Kaiſer R folge fremden Rath; das Neichsfiegel ſey in fremde Hände übergeben, und Neichsfar den in fremden Sprachen behandel. Die Churfürften und ihr Nach fey verachtets ® ohne ihre Bewilligung Neichslande vergeben; nach der Erblichfeit des Neichs getrach⸗ “ tet; bie Churfürften, dem Kaifer Rath zu ertheilen, verhindere, und allerhand Ein⸗ griffe in die Nechte ihrer Unterämter vorgenommen worden; die Öerechrigfeit fen ſchlecht gehandhaber; die Stände Überhaupt wären verachtet; auf den vielen langwierigen und foftbaren Neichstägen hätte man die Neichsfachen fehr weitläufig und fehlecht behandelt. Die Beige der Deutſchen/ in fremde Dienſte zu treten, ſey ihnen benommen. Man Hortleder T. 2. Muͤller Ann. Sax. Belcarius 1.26. a L3 0, Thuanusl.ıo, Leuthinger. P.allg preuß . Geſch. 3Th Q 1552, 122 3Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. | Dan habe Unterthanen beftraft, welche ihren Landes⸗ und tehnsherren gegen ven Kae fer treue und fehuldige Dienfte geleiſtet; die Stände, welche parteilos geblieben wären, mie Hülfss und Gluͤckwuͤnſchungsgeldern belegt, und folches von Gefandten, die es nicht bewilligen wollen, mit angedroheter tebensftrafe und Verhaftung erzwungen. Dee Kaiſer habe, gegen feinen Wahlvertrag, fremde Kriegsvoͤlker ins Neich, zu deſſen groß fer Befchwerung, gebracht; er habe, durch Schleifung der Beftungen und Wegfuͤh⸗ rung des Gefchüges der Stände, das Neich zu entwafnen gefücht; die Faiferlichen Hofe bedienten hätten von der Stände Freiheiten verfleinerfich gefehrieben; man habe fich ale Verhand Practifen bedienet, auf denen Neichstägen in Sachen, die dem Hofe und den Erblanden vortheilhaft, der meiften Stimmen ſich zu verficheen; man habe Teichte Per fonen zu eben dem Ende zu Erz und Bifchöfen befordert; man habe die Berbindlichfeie des ſpeierſchen Neichsabfehiedes vom Jahr 1544 leugnen wollen, weil'man fich damals in die Zeit ſchicken müffen, jeßt aber die Sachen anders befchaffen wären; das Reiches “ gericht ſey mit partelifchen Perfonen beſetzt, und würden folche in denen Neichslanden als Bevollmächtigte gebraucht. „, ° So hart auch vergleichen Bertrag flang; fo war doch wor den Kaifer Fein ander Mittel übrig, als den Frieden durch den: roͤmiſchen König abfehläffen zu laſſen. Es kam derfelbe zu Paſſau, wider Vermuthen des franzoͤſi⸗ ſchen Hofes und des Marggrafen Albrechts, glücklich zum Stande. Die nicht im Kriege befangenen vornehmften Neichsftände hatten die Ehre, Unterhaͤndler zu feyn. Es iſt alfo nichts unerhortes, daß in Neichskriegen gegen den Kaifer ſelbſt, geſchweige gegen Mirftände, Parreilofe das Mittleramt gefucht und ihnen folches nicht verweigert worden. Von Seiten des Churfuͤrſten Joachims 2 waren der Marfchall Adam von h Trotha, D. Ehriftoph von der Straffen, D. Timotheus Yung und D-faım pert Diſtelmeier, von Seiten des Marggrafen Johann von Cuͤſtrin aber fein Kanz⸗ fer Adrian Albin, der D. Andreas Zoch und Barthel von Mandelslo Unterhaͤnd⸗ ker. Der paſſauiſche Friede Fan auf folgende Bedingungen zum Stande. Den $ a2ten Auguſt folte das Heer der Verbimdenen aus einander gehen. An eben den Tage ver fandgraf von Heffen zu Rheinfels, auf freiem Zuß geftelle, ankommen, und den 6ten Auguſt von den Churfärften Moritz von Sachfen, Soachim von Brandenburg und dem Pfalzgrafen Wolfgang eine neue Verſicherung ausgefteller werden, daß der Landgraf und feine Kinder ven hallifchen Vertrag halten, und ſich nicht rächen werde, Des kandgrafen Nechtshändel mic Naſſau und andern folten, wenn Feine gütliche Handlung helfe, durch Die Churfürften, fo viel derfelben an dieſen Sachen feinen Untheif haben, und fechs unparteifche Fuͤrſten, worunter wenigftens drey weltlich ſeyn ſolten, zu Necht erfannt werden. Der Kaifer folte feine Voͤlker ges gen die Stände, welche diefen Vertrag. annehmen, auf Feine Weiſe gebrauchen. In⸗ nerhalb fechs Monaten folte auf einem Reichstage von der Urt gehandele werden, wie die Uneinigkeit in Neftgionsfachen am füglichften beizulegen. In der Zeit folten die Verwandter des. augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniſſes, ihrer Religion wege; nicht vergewaltiget, und die, fo der alten Religion anhängig, bey ihren Guͤtern, Sanden, Zin⸗ Churfuͤrſt Joachim 2 Ber: Zinſen, Gerechtigfeiten und Kirchengebraͤuchen ruhig gelaffen werden. Durch den 1552, Reichsabfehied folte dieſem Frieden gar nichts benommen werden. Auf dem nächften . Reichstage folte in Berachfchlagung kommen, wie durch eine Unterfuchung, oder auf andere Weife, die Parteilichfeic verhuͤtet, umd Feiner wegen des augfpurgifchen Staus bensbefäntniffes- vom Kammergericht ausgefihloffen werden, auch die Mehrheit der Stimmen in Religionsfachen nicht ftatt haben folte. Die Befchwerungen gegen den Kaifer und deffen Raͤthe folten abgethan werden. Diejenigen, fo des vorigen und jes tzigen Krieges wegen in die Acht und kaiſerliche Ungnade gefommen, ſolten zu Gnaden aufgenommen, in ihre Sande und Güter wieder eingefegt, alle Anſpruͤche wegen ber in diefem Kriege verurfachten Schäden aufgehoben, doch die abgenommenen fande wies der abgetreten werden, Marggraf Albrecht folte, wenn er diefen Vertrag annehme, darinnen eingefehloffen ſeyn. "Die Anfprüche Herzog Henrich von Braunſchweig und einiger von Adel gegen einander folten durch die Churfürften von Sachſen und Brandenburg, den Marggrafen Johann von Cuͤſtrin und Herzog Philipp von Pommern innerhalb drey Monaten verglichen, und der vertriebene Adel in das Geis nige wieder eingefeßt werden. Eben diefe Prinzen folten den Herzog Henrich mit ven Stävten Braunfehweig und Goslar aus einander fegen. Zu Veſthaltung diefes Friedens übernahmen der römifche König Ferdinand, der böhmifche König Maris milian und die Unterhändfer, deſſelben Gewähr.,, Mit dem römifchen Könige ward noch ein Debenvertrag verabredet: daß, wenn auch gleich Feine Vergleichung in der eligion auf die verabredere Weiſe erfolgen würde, alsdenn nichts deſto weniger der Friede bey feinen Kräften bleiben folte %). | | Ss gluͤcklich endigte fich vor die Bundesgenoffen ein Krieg, - der nicht, wie der Anmerkune ſchmalkaldiſche blos der Religion wegen, fondern zu Befreiung des fandgrafen, und gen Über dier zu Unterflügung der deutſchen Neichsfreigeie, auch Abſchaffung vieler gegen den kai⸗ ſen krieg. Din“ Hof angebrachten Befehtwerden geführer wurde. Ahnen war man den Danf ſchul⸗ ig, daß damals Carl 5, feiner Abficht nach, die Unterdrückung des Reichs und die Erblich⸗ keit der Kalſerkrone nicht zum Stande bringen Fonte. Proteftantifche und catholıfche Reichsſtaͤnde waren dor ihre und ihrer Nachkommen Rechte viel zu forgfältig, als daß fie ſich in den Krieg einiger Neicheftände gegen den Kaifer Härten miſchen follen. Die mächtiaften unter ihnen unterzogen fich blos des Mitrleramts, und löfchten dadurch ein Kriegesfeuer, welches, wenn fie den Kaiſer unterftügee hätten, mothwendig weit um fich freffen, fange anhalten, und bey Freund und Feind unfägfichen Schaden anrichten imufte. ° Und vielleicht hatten fie fich dadurch ſelbſt eine Geiffel geflochten, vie dem kai⸗ ferfichen Hofe auch in den fpäteften Zeiten nicht wieder aus den Händen wuͤrde has ben geriffen werden Fonnen, Man muß allerdings die Weisheit der meiften deutz fehen Fürften damals bewundern, die Die Gelegenheit, fich bey ihren Nechten zu fichern, niche von fich geftoffen, fondern vielmehr mit der gröften Staarsflugheit ergriffen has ben. Doch ift bey dieſem allen nicht zu leugnen, daß auch Frankreich zu Erhaltung ‚ „2 Ä der a) Hortleder Ih. 2 B. 58. 14, und im Londorpio Goldafto , Aünich und andern, * — 124 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1552, ber Reichsfreiheit viel beigetragen. Waͤre der Kaiſer gegen dieſe Krone gluͤcklicher ge⸗ weſen; ſo wuͤrde es vielleicht um die Fuͤrſten mislich ausgeſehen haben, die ihn zum paſſauiſchen Vertrage gezwungen hatten... Man konte ſolches aus dem Umſtande fhlüffen, daß er zu Augſpurg, wo er den geweſenen Churfuͤrſten Johann Friedrich von Sachſen wieder nach ſeinen Landen zuruͤck gehen ließ, dasjenige veränderte, was von den Bundesgenoffen, in Abſicht der zuͤnftlichen Regierung der. Stadt und in an⸗ dern Dingen, eingeführet worden x). | Ä ” ee | | Aal: Autelsssa lea nenn a rl Berhalten der : - Chuefücft Joachim hatte durch ſeine Parteiloſigkeit vieles zu Beilegung sent brandenburgi: Unruhen gethan. Jedermann Fannte die Vertraulichkeit, in der er mit dem Chur r⸗ (hen erden Gen Moritz ſtand, und den Antheil, den er an der Befreiung des Sandgrafen vom in diefem krie⸗ ; ' „N M a8. Heſſen nehmen mufte, welchem er auf eben die Art, als Churfürft Moritz ‚ vers pflichtet war. Die ausgebrochenen, Unruhen gaben ihm Gelegenheit an die Hand, mans he Bertheidigungsanftalten in. feinen fanden vorzufehren. Hieducch ſchien er die Bun⸗ a desgenoffen im Rücken zu fichern, ‚ohne daß der Churfürft dadurch verhindert mut e, das Mittleramt zwiſchen den ſtreitenden Parteien zu übernehmen, und zum Beſten Deutſchlandes auszufüßren. Sein Herr. Bruder Marggraf Johann von Cüftein mifchte fich ſchon mehr in den damaligen Krieg der Deutfchen. Daft ee I daß / als Marggraf Albrecht Nürnberg feindlich überzogen, 2000 Mann neumar ſcher Kriegsvölfer ihm zu KHülfe gegangen wären. , Marggraf Johann mag. hierbey mehr auf die befondern Streitigkeiten feines 1 mit der Stadt Nürnberg, als auf den Krieg der Bundesgenoffen gegen den Kaifer gefehen, und an jenen, nicht aber an dieſem, Ancheil genommen haben, weil er ebenfals als Mittelsperfon zu Bei⸗ legung des deutſchen Krieges gebraucht worden Yu. un 2 0 Die ftifter Während diefen Unruhen verfäumere aber der Churfuͤrſt nichts, was zum Beften un Baer, ee Haufes und feiner fande gereichen Fonte. Da fein Prinz Friedrich, die paͤpſtli⸗ ade Bleisen she Beftätigung erhalten,. half er denfelben den ıyten Merz in dae Hochſtiſt Magde⸗ bey branden-hurg einführen. An dieſem Tage Fam der Churfuͤrſt Joachim, ber Chung, 00 Sin" ha One nz Baia Be ea Ba Wilhelm von Boͤcklinſau und Graf Albrecht Schlick, nebſt dem Biſchof von Les Ä bus D. Johann Hornburg mit 6 bis 700 Pferden nach Halle, wo der Marggraf Friedrich den zten Merz, P wie nachker im ganzen Hocflift, Die Hufbigung, ein nahm. Auch das Stift Halberſtadt hatte ſich diefen Prinzen zum Biſchof erwaͤhlet. Es gieng derfelbe alfo in einigen Monaten auch nach, Halberftadt, ſtarb aber gleich nach feiner Einführung den sten Nov. im 22ften Jahr feines Alters, entweder an beis gebrachtem Gift, oder. an verſtopftem Naſenbluten. Sein Tod ward anfünglich ju Halberſtadt geheim gehalten, nachnals aber fein Körper daſelbſt begraben 2)... : x) D. Bangenmantel Hiftorie des Negiments in Augſpurg D.3 8.2 y) Leuthinger. Bundling Leben Diftelmeiers. Haftitius. z) Herr von Dreyhaupt. Leuthinger. Haftitius. a ai f 2 | Bu. re ehe Sue uch 125 Im fande ſelbſt befchäftigte fich der Churfürft mie alle dem, was zum Beſten 1552. und zur Ruhe der Kirchen gereichen Fonte, Er ſchenkte der Frankfurter hohen Schule Marienſchule den Dom in Stendal a), forgte vor gute Schulanftalten, und richtete fonderlich. in zu Perlin- diefem Jahre die Schule bey der Marienkirche zu Berlin an, die nad) der Zeit fo Biele wackere Männer der gelehrten Welt geliefert hat b). Weil auch die bifchöflich brandenburgiſchen Gefälle an Soachim Herzog von Münfterberg niche richtig abs getragen wurden; fo befahl der Churfürft, das ruͤckſtaͤndige fowol, als das Fünftige, Aichtiger zu entrichten c), - Wegen der Streitigkeiten des Dfianders mic denen Gots tesgelehrten ward, auf des Churfürften Befehl, am Gontage Seragefimä eine Ber: ſammlung der churbrandenburgifchen Geiſtlichen zu Berlin gehalten. Dfianders ehren wurden hier in einer durch Andreas Mufeulus verfertigten Schrift , wiewol Auf eine grobe und fehlechte Art verdammet. Auch Marggraf Johann von Cuͤſtrin "Hatte eine Verſammlung derer Geiftlichen aus feinen Befisungen zu Cuͤſtrin halten laffen, welche ven Oſiander, jedoch) ordentlicher und befcheidener, widerlegten d). Da alſo der. Churfuͤrſt ſich ſelbſt alle Muͤhe gab, die Kirche zu beruhigen, auch in der Abſicht das geiſtliche Gericht in Berlin anlegte, ſo war es ihm ſehr misfaͤllig, daß über das ſogenannte wilsnackſche Wunderblut in feinen tanden neuer term ent⸗ fund. Wir haben bereits in dem erften Bande diefer Gefchichte e) erzaͤhlet, wie dies ſes Wunderdfur entftanden, und zu der gröbften Abgoͤtterey Gelegenheit gegeben. Man verehrte drey Hoftien mit rothen Flecken, ohne einmal gewiß zu ſeyn, daß folche ge weihet wären. Schon zur Zeit des Papftchums war diefes verfchiedenen Geiftlichen bedenflich vorgekommen, und man hatte zur Zeit der Coſtnitzer und bafelfchen Kir chenverſammlung vor und wider die Wahrheit dieſes Wunderbluts gefteitten. Die Poaͤpſte glaubten endlich den Streit am beten auf die Art zu heben, daß ſie zu den bis, herigen drey Hoftien eine ausdrücklich Dazu gefegnete vierte zu legen befahlen. Denn bisher war es noch zweifelhaft gewefen, ob in Wilsnack was vorhanden fey, welches felöft nach) ven Gründen der Papiften verehrungswürdig fey. Seit der Zeit war. der Streit wegen des wilsnackſchen Wunderbluts ftille gewefen, Irrende Menſchen ka⸗ men aus allen Gegenden herbey, um zu Wilsnack auf eine leichtere Art, als die wahre Religion es verlanget, ihre Stunden los zu werden, und feheinbare Wunder zu erfahren. Bor ihre mitgebrachten reichlichen Gaben befamen fie nichts, als bleierne Kubpfe, in der Geſtalt der wilsnackſchen Hoftien, mit welchen fie auf ihren Huͤthen Pracht zu treiben pflegten. Diefer Aberglaube war noch nicht ganz abgefchaft , ohner⸗ achtet ſelbſt in Wilsnack bereits ewangelifche lehrer angenommen waren, denen der Rath und der groͤſte Theil des Orts beipflichtete. Joachim Ellefeld, ver lutheriſche Pfarrer, ärgerte ſich allemal, wenn nach vollendetem evangeliſchen Gottesdienſt der catholiſche Domdechant Peter Conradi, ein fonft ſehr fleiſchlich gefinneter Mann, | Ä | 3 das va) Kerr Berde Fragm. March. Th. 5 ©. 97. 6)Haftitius. Herrn D. Oelrichs Beiträge zur brandenburgiſchen Geſchichte S. 207. 2 —2 Haftitius, Saligs Hiſtorie der augſpurgiſchen Conſehßion Th. 2. 1552» 1726 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. das fogenannte Wunderblut hervor holete, felbiges göttlich verehrte, dem Volk zeigte, und ſolches zu gleicher Abgoͤtterey anreitzte. Ellefeld zog ven Oberhofprediger Jo⸗ hann Agricola und den Pfarrer zu Kyritz Laurenz Paſcha zu Rath, wie dieſem Uns weſen abzuhelfen ſey. Endlich gieng er den 28ſten May nebſt denen lutheriſchen Pre⸗ digern Johann Weber Prediger zu Rudſtaͤdt, Lucas Lindenberg zu Solendin und ſeinem Kuͤſter Thomas Bremer mit einem Becken voll gluͤender Kohlen in die Kirche. Er oͤfnete das Behaͤltniß des Wunderbluts, zerbrach das Chriſtallglas, worin ſolches eingeſchloſſen war, und verbrannte die drey fleckigten Hoſtien im Mamen Got⸗ tes mit Feuer, die vierte gewiß geſegnete Hoſtie verbrauchte er bey der naͤchſten Aus— theilung des Abendmahls. Die havelbergifchen Domherren empfunden den Verluſt eines Schages, der ihnen bieher überrriebenen Wucher gebracht, mit dein aͤuſſerſten Misvergnügen. Sie fieffen den Ellefeld durch den Caſpar Weller auf das Schloß Plattenburg gefangen ſetzen, und berichteten ſowol dem Churfuͤrſten, als auch dem damaligen Erzbiſchof von Magdeburg und Biſchof von Havelberg Marggraf Frie⸗ drich den ganzen Vorfall. Der Nach in Wilsnack und die geſamten Geiſtlichen der alten Mark und Priegnig, die diefee Cache wegen eine Verſammlung anftellten; fahen den Ellefeld, fo wie er ſich felöft, vor einen Märtyrer und andern Pinehas an, und erfuchten den Churfürften um feine Erlöfung. Joachim 2 befahl daher denen Domberren, welchen die Gerichtöbarfeit zuftand, den Nechtshandel Diefs Mannes zu beſchleunigen. Gie holten durch Johann Topp von den hohen Schulen zu Frank furt und Leipzig und dem Schöppenftul zu Brandenburg Urtheilsfprüche ein, weit folche aber ihnen zu gelinde vorfamen, wolten fie fich, auf Angeben des Domprobfts Johann von Walwitz, vonder catholifchen Hohen Schule Ingolſtadt des Rechten ber iehren laſſen. Indeſſen liefen täglich bey den Domherren vor den Gefangenen Bitt⸗ fehriften ein. Die Edlen von Puttlig, der geöfte Theil des Adels in der alten Marf und Priegnitz ſuchten beim Churfürften, bey Gelegenheit eines fandtages zu Berlin, die endfiche Befreiung Ellefelds zu bewirken. Joachim befahl daher abermals, der: Sache ein Ende zu machen, oder er wuͤrde als fandesher in derfelben verfahren. Hie⸗ durch) lieſſen fich die Domherren zwar bewegen, Ellefelds Amtsgehuͤlfen den Lucas Lindenberg und Küfter Thomas Bremer des gegen fie geführten Rechtshandels zu entbinden. Nur Ellefeld konte nicht loskommen. Der Churfürft teug daher ende lich dem fandeshauptman in der Priegnig und Graffchaft Ruppin Conrad vonf» chow auf, zu Plattenburg in feinem Namen die Sache zu beendigen. Dieſer legte fie in Anweſenheit der Domherren fo bey, daß Ellefeld feiner Haft aber auch feines Amts entfaffen wurde, und angeloben mufte, das tand zu räumen, und die ihm wie⸗ derfahrne Begegnung nicht zu rächen. Man muß hierbey in Erwegung ziehen, daß Ellefeld in feinem Eifer zu weit gegangen, da er ohne landesherrlichen Befehl zuge ⸗ fahren. Zugleich aber muß man bedenken, dag Churfürft Joachim in Religionsſa⸗ chen alle mögliche Behutſamkeit brauchen muͤſſen f); weil man noch nicht einſehen Fonte,. f) Leuthinger. Herrn Hofrath Lenz havelbergiſche Stiftshiftorie ©. 68 f. und Wiashäus : Lu⸗ N GERT m | Churfüuͤrſt Joachim 2 127 Fonte, wie die durch Marggraf Albrecht von Bayreuth fortgefegee Unruhen ablau⸗ fen würden, und was man fich zu dem Kaifer zu verfehen habe, wenn deſſelben Krieg mir Frankreich glücklich ablaufen folte; A vier k ’E 2 = - | yr ber unter den Fahnen der Proteftanten gefochten hatten. Hiemit wolte er dem Koͤ⸗ nige von Frankreich nachgeben, der. vor dem Schluß des paffauifchen Vergleiche fih aus Elfas in Lothringen gegen Luͤtzelburg zurück gezogen, und Verdun wegger nommen: hatte. Mic den Franzofen hielt es damals auch Marggraf Albrecht, der mie feinen Bölfern über den Rhein gieng, und den paffauifchen Frieden nicht anneh⸗ min wolte.- Er hatte verfchiedenen Bifchöfen, fonderlich von Bamberg und Wuͤrz⸗ burg und der Stade Muͤrnberg, vor dem Schluß zu Paſſau verfehiedene Verträge abgeswungen, und, nach feiner Meinung, hatte Moritz bey dem gefehloffenen Fries den die Vortheile feiner Bundesgenoſſen widerrechtlich aus den Augen gefegt. Hierzu Fam, daß der Kaifer die dem Marggrafen gemachte Derfprechungen und gefchloffenen 1552; gert Dieb ver: gebens. Vertraͤge aufhob, welches den Marggrafen Albrecht, ſich näher mit Frankreich zu | ins Aufferfte Ungluͤck geſtuͤrzt g). # verbinden, anreitzte. Cr blieb aber bey dieſer Partey nicht ſtandhaft, und glaubte, eher feinen Endzweck zu erreichen, wenn er fich mit dem Kaiſer ausſoͤhnte. Albrecht bedienete fich hierzu des Vorwandes, daß die Franzofen mit ihm nicht redlich zu Wers ke giengen. Er fhloß mit dem Kaifer zu Diedenhofen einen Vertrag, und erhielt von ihm: daß feine im Kriege gemachten Verträge beftätiget, und die vorigen Vernich⸗ tigungen aufgehoben wurden. Hierauf flieg er, da er, ſtatt der weiſſen Feldbinde, die Faiferfiche angelegt, zu dem Heer des Kaifers, und hiedurch kamen auch die brandens j # burgifchen Völker, welche Marggraf Johann dem Albrecht zu Hülfe gefehickt, im Carls sKriegspienfte. Der Marggraf Albrecht Hiele fich mir feinen teuten vortrefr fi. Er fihlug den Herzog d'Aumale, und befam venfelben nebft vielen andern ges fangen. Da der Kaifer Metz belagerte, fehlug der Marggraf auf feiner Seite die franzofifchen Ausfälle mehr als einmal glücklich zurück, Bey dem allen warb das Eaiferliche Heer durchs Schwerdt der Feinde, noch mehr aber durch Krankheiten, die in ber fpäten Herbftzeit eingeriffen waren, fo ſehr gefchwächt, daß Earl 5 im Anfan« ge des Jahres 1553, die Belagerung von Mes aufzuheben ,< fich genöthiger fahe. Des Kaiſers Unglück ſcheint aber vor einen groffen Theil der proteſtantiſchen Fürften ein Gluͤck gewefen zu feyn. Denn, feiner Denfungsart nach,‘ harte er dem feßten unver, mutheten Angrif wohl noch nicht vergeſſen. Nur Darggraf Albrecht wurde hierdurch Ban Ludecus Hiſtorie von der Erfindung der Wuns 1596. Herr $t, Raſter Bibliorh. -Brand. p, dermwerfen und Zerftörung des vermeinten heil: 170 fegq. | gen Blutes zu Wilsnack, ſamt den hieruͤber und g) Zortleder. Sleidan. Thuan. Heuter. darwieder ergangenen Schreiben. Wittenberg Belcarius. 4 1553 . % $ Denn der Kaifer hatte nach dem paffauifchen Vertrage ein Heer gufammengg Carl 5 bela⸗ zogen, und zum Theif diejenigen Kriegsvölker in feine Dienfte genommen, welche bis 1553. 128 3 Ch. 6 Hauptſt. Neuere Gefhichte von Brandenburg. Bamberg, Würzburg und Nirnberg wolten die durch ihre Verträge J Marsgeaf Marggraf Albrecht abgetretene Lande zuruͤck haben, weil der Kaiſer ſie von dieſen | Albrechts neu Vertraͤgen losgefprochen. Der Marggraf wolte feine erlangten Borcheile nicht fahr er krieg. ren laffen, weil der Kaifer die Bernichtung wieder aufgehoben, und Dagegen die eins mal gefehtoffene Vertraͤge beftätiget habe. Das Kammergericht unterftüßte des Marg- grafen Gegner, und befahl denen Benachbarten an, feinen Rechtsſpruch auszuführen. Der Marggraf verwarf denfelben,: weil er von parteiifchen beftochenen Nichtern her⸗ ruͤhre. Der Kaifer, der die Unruhe in Deutfchland zu erhalten füchte, um vielleicht Fünftig einen Vorwand eines neuen Krieges zu haben, trat dem Ausfpruch des Kama mergerichts bey, und entfehuldigte fic) gegen die Vorftellungen des Marggrafen damit, daß er damals, als er ſich mir dem Marggrafen ausgeföhnet, ſich in die Zeir ſchicken muͤſſen. Doch verordnete er einige Stände, die Sache gütlich beizulegen. Albrecht fand die von feinen Gegnern angebotene Bedingungen nicht annehmlich. Er grif, nach feiner Hißigen Denfungsart, zu den Waffen, worüber es in Franken zu mörberifchen Thätigkeiten Fam, und worein nach und nach faft ganz Dentfchland verwickelt wurde. Churfürft Joachim 2 fuchte zwar feinen Vetter zur Ruhe zu ermahnen, doch alle Bor 4 fiellungen waren vergeblich. Albrecht füchte fich mit feinen Freunden und Bundes ⸗ genoffen zu vereinigen. Er gieng alfo durch Thüringen und Halberftadt ins Braun ſchweigiſche, und ließ fi) in dem Magdeburgifchen und Halberftädtifchen anſehn⸗ fiche Summen auszahlen. In Braunfchweig zog erden Herzog Erich von Braune ſchweig⸗Calenberg ſowol, als verſchiedene von Adel an fich, denen Herzog Henrich von Braunſchweig⸗ Wolfenbüttel ihre Güter eingezogen. Auch die Stadt Braun⸗ ſchweig hielt es mir ihm. Aus einem Verdacht, daß an dieſen Unruhen der Kaifer ſelbſt heimlich Antheil habe, ward der Weg zu neuen Unterhandfungen zwiſchen Frank reich und dem Churfürften Moritz eröfner, die auf nichts weniger, als die Kaifers krone feldft, abzieleren. Der Marggraf war zwar durch Churfürft Moritzens lande ohne alle Beſchaͤdigung gezogen. Demohnerachtet ward diefer Churfürft das Haupt dererjenigen, welche den Marggrafen zur Ruhe zwingen wolten. Er folgte mie fer - nen Kriegsvolfern Albrechten auf dem Fuffe nach, und lieferte ihm das Harte Tre fen bey Sievertöhaufen. Der Churfürft befochte einen ſehr blutigen Sieg b). Sein Bundesgenoffe, Herzog Henrich von Braunſchweig, büfte in’ biefer Schlacht feine ‚beiden älteften Prinzen Carl Victor und Philipp Magnus ein. Herzog Friedrich von Luͤneburg blieb ebenfals auf dem Plage. Der Churfuͤrſt Moritz ſelbſt ward fo ſchwer verwundet, Daß er-den dritten Tag darauf mit Tode abgieng. Abm folgte fein Bruder Auguft in der Chur Sachfen, gegen welchen aber der gewefene Churfuͤrſt Johann Friedrich feine verlorne Nechte wieder hervor zu füchen anfieng. Aus denen 5) Auf des —— Seite blieb unter an: Henning von Luͤderitz und der — Sal: dern het Obrifte Jobſt Haack und Moritz Schle⸗ thafar von Stecbow, und unter denen. vielen gel; Ernſt Weyher ward mit vielen andern ger Verwundeten war auch Johann von Affeburg, fangen. Auf des Churfürften Seite blieben vier Dierrich von Crotha Thielens Vruder, U, te fächfifche von Adel, und unter andern auch von Diesfau. + gar Churflirſt Sahin. RETTEN EA 129 in der Schlacht — Urkunden erhielt man rien vieles licht, daß der Kaifer © Der Marggraf aber kam nad) der Mark, um ſich mit dem Churfaͤrſten und Marggraf Sohann n zu beſprechen. Zu Grimnitz „wo Joachim 2 damals das Jagb⸗ ſioß wieder aufbauen ließ, hielt er mit dem Churfuͤrſten eine Unterredung, welcher * MR feine, Bermittelung anbot, | dem Marggrafen ‚Örieden zu verfihaffen,. weiter niche mit ihm einlaſſen. Bey dem Marggrafen Johann von Cuͤſtrin Se hr en och, ‚weniger. gu hun ; Johanns Gemalin wolte ihn nicht ein⸗ — Be eine Tochter. des Herzogs Henrich. von Braunſchweig und eine mi fer. der. bey Sievertöhaufen erfchlagenen Prinzen war. Idachim hatte fich | 5 ‚wie, — Johann und der Koͤnig von Daͤnnemark hierauf alle Muͤhe gege⸗ 1, feinem Vetter Ruhe zu verſchaffen. Es war ihın und dem Könige gelungen, uns — Montags nach Mari Geburt. einen Frieden in der Stadt Brandenburg zwijchen dem neuen Churfürten Auguft von Sachſen und dem Marge ‚grafen Albrecht. zum Stande zu bringen, worinuen unter andern verſprochen wurde, daß bie alten Exbverträge zwiſchen Sachfen, Brandenburg und Heffen, fo balb = mie, ‚erneuert werben folten.. Allein dieſes konte den Marggrafen noch nicht ret⸗ Men..c „Die, Bemühungen „ ‚welche das Churhaus zum Beſten Albrechts beim römis Jen Könige anwendete, waren vergebens... Albrecht gieng wieder ins Braunſchwei⸗ | giſche ab. Vom Herzog Albrecht i in Preuffen wurde er mit Gelde unterſtuͤtzt wo⸗ A ir ex im Hannoͤverſchen und Mecklenburgiſchen friſche Volker anwarb. Mitten | er in dieſen Zuruͤſtungen kam es den ı2ten September zu einem abermaligen Tref⸗ N; n mit dem Herzog Henrich von Braunſchweig bey der Stadt dieſes Namens. Der Wi. Ba verlor das Feld und feine beften leute, unter denen fein Seldinarfchafl Claus E: ner auf dem Platze blieb. Doch buͤſten auch manche anſehnliche beute auf der "Seite des Herzogs ihr Leben ein z). Albrecht flüchtete Hierauf nach der Stadt —— und gieng von da, nad) feinen fraͤnkiſchen fanden ab, dem aber der —* Denric) dahin nachfolgte. Seine Feinde, der Hochmeiſter des deutfchen J ens, Wigand Biſchof von Bamberg, Melchior Biſchof von Würzburg und her Biſchef von Eichſtaͤdt und. die Stävre Nürnberg, Windsheim und Rothen⸗ burg an ver Tauber, denen, Herzog Henrich von Braunſchweig mit einem Heer u fe Fam, ſetzten nicht nur den Krieg gegen den Marggrafen in Franken ſtand⸗ f a fort, fondern brachten es auch ben dem Kammergericht dahin, daß Marggraf £ * den * —— in die Reichacht erklaͤret wurde —2* * $. 53. ) Unter — waren Abbrech und — von der Sutnbug, Ludwig von Riem, ‚Hartwig Preen, Lorenz von Wöllendorf, u. ſ. w. -Sperling. — Hortleder. Leuthinger. Muͤller Ann, Sax, und Menden Script. ser, Gem, To, _ Paallg. * Geſch. 3Th. RER, *8* J nr Ir mitunter. ber Decke liege ;,‚ohmerachtst: Doctor Geld deffen. Abſichten zu rechtfertigen i erg, Henri die hierauf feinen Vetter Herzog Erich zu, einem Bears 1555 1553 ' 130 3 * 6 Haupt meueri FREIEN bon —— ggg rn ee Brandenburg | —— ba To gen Seen Prinjen Friet he, , der im ——— behaͤlt die ſtifter bey. ſei⸗ nem hauſe. 1554. Kirchenſtrei⸗ - tigkeiten im der Mark. erfolge war, ſtanden jeße die Biſchofthumer Magdeburg, Halberſtadt und Hadel ⸗ "berg erledigt Das letztere/ als ein brandenburgiſches Undeeſnft, ſuchte — Joachim 2 zum Beſten feines Staats zu nutzen Es harte Georg von —— burg ſich durch die Anfuͤhrung der churfuͤrſtlichen Voͤltker bisher ſehr um das fand vi dient gemächt, aber zugleich in feinem Dienſte vieles zugefeßt. Am — ri ‚Diener zu befriedigen und zu belohnen, überließ ihm Churfuͤrſt Joachim waltung des Stifts Havelberg. In dem Er biſchofthum Magdehn ſchlug © Chur fuͤrſt ſeinen Prinzen Sigismund denen Wahlenden vor. Man Sana ' bisher "unter dreien Prinzen des brandenburgiſchen Hauſes im Magdeburgifchen ı nicht be ‘befunden. Am Tage Fabiani Sebaſtiani fieldie Wahl wirklich vor Si hismundum, ſeiner jungen Jahre unerachtet, aus, und das Biſchofthum Halberftadt ‚folgte pr | Beifpiel. Von Seiten des brandenburgifchen Hofes ward das —— | Prinzen um die päpftliche Beſtaͤtigung fo wohl unterſtuͤtzt, daß ſolche auch virklich ers folgte. Hierauf wolte der neue Etzbiſchof von feinen Stiftern fich in Beſitz fegen, und f zu Halle, der damaligen erzbifchöflich magdeburgifchen Wohnftadt, die Huldigung | einnehmen. ' Dahin begfeitete ihn der Churfuͤrſt Zoachim, der Churprinz? George, Fuͤrſt Earl von Anhalt Zerbſt ; der Biſchof von Merſeburg Michael Sydonius, und der von Lebus Gohann Homburg init 300 Pferden „nd al De nem fehr ftarfen Gefolge. Diefe Geſellſchaft langte ven 2ıften Jan 1554 zu Halle an, ward von dem Math befehenfe, und der Erzbifchof nahm den 2ften Jan die Huldi⸗ gung ein, und verfprach, die reine fehre zu erhaften, welchem er auch fo wohl nachges kommen / daß unter feiner Degierung die Kirchenverbefferung in feinen beiden Stifrern faſt durchgehends eingefuͤhret worden. Ju Betrachtung ſeiner verglich ſich auch ſein Herr Vater der Churfuͤrſt Joachim > mit der Stadt Magdeburg den 2aften Jun. auf den Fuß: die Stadt ſolte dem Churfuͤrſten durch einige Rathsverwandte eine Ab⸗ bitte leiſten, und 45000 Gulden erlegen; dagegen trat er ver Stadt die Niederlage, Zölle, Jahrmaͤrkte und den Schöppenftul, die zur Zeit der Acht. ihm der Kaifer ges ſchenkt hatte, wieder ab, und gab ihr afle eingezogene Güter zurück, Es gluͤckte auch den Churpringen Johaun Georg den Verweſer des Stifts Havelberg Georg von Blatikenburg dahin zu vermögen, daß ſolcher, gegen anderweitige Vortheile, das Stift "ven äfteften Prinzen Johann Georgs Marggrafen Joachim Friedrich überkieß, deß fen Herr Vater Hleranf in feines Sohnes —— ſich — — ließ, * die — weſerſchaft deſſelben uͤbernahm D. Um dieſe Zeit erregte Andreas Drufulus einige Kefigionbfteiigeäten ber bie er Rohwendigkeit der Faſten. Marggraf? Johann von Cuͤſtrin bekam mit dem Biſchof von Poſen ebenfals Serungen. Es hatten einige ehemals zu dem pofenfchen Kirchen ⸗ fprengel gehörige brandenburgifihe Kirchen EHRE Einfünfte an den Biſchof, fit ‚ dem 1) Herr von Dreyhaupt.Leuthinger TR Er true. > > BI dem fie an das Haus Brandenburg gekommen, nicht weiter bezahlt, ſondern dieſe 1554. Kirchen waren unter einen andern Kirchenfprengel gefommen. Darüber war in aͤltern Zeiten von dem Bifchof von Poſen bereits Klage erhoben, welche aber eine Zeitlang geruhet hatte» + Iest ſuchte aber der. Bifchof von: Pofen ven alten Rechtshandel wieder hervor, und wolte ‚die Kirchen wieder zu feinem Kirchenfprengel ziehen, machte auch einen Anfpruch auf Santock. Marggraf Johann ließ fich jedoch eben jegtum fo wer uiger irre machen, da fich feit der * der —— — in RR, — — hatte er —X J N agb * — ug. —— —— —— war Ehurfuͤrſt Sonim bedacht, ee — ie en Jaqim hilft Reich vorzubeugen, theils enieftandene- Kriege beifegen zu helfen. Der gemefene Ehursd beide ſachſiſche fuͤrſt von Sachfen Sohann Friedrich harte, nad) dem Tore des Churfürften Mo— Fa HR vitz, des letztern Bruder Auguſtum als Churfürften nicht erkennen wollen/ ſondern feine Anſpruͤche darauf wieder rege gemacht. Weil ſolches aber einen neuen Krieg in & Deutfchland Härte nach fich ziehen koͤnnen; fo gab fich der König von Dännemarf - alle Mühe, beide Vetter zu vergleichen. In denen deshalb zu Naumburg angeftells ten Unterhandlungen kam es auch glücklich "zu einer guͤtlichen WVergleichung. Beide ſaachſiſche tinien verfprachen fich Fünftig alle Freundſchaft, und zu diefem Behuf die ak ten Erbbereinigungs» und Erbverbrüberungsverfräge zu erneuern. Auguſt trat der 7 erneftinifchen kinie verfchiedenes an fand, Leuten und Einfünften ab, und bewilligte dem Gohann Friedrich aufZeitlebens die Chrenbenennung eines gebornen Churfürften. Dagegen verſproch die erneſtiniſche linie, den Auguft und feine Nachkommen als Ery marſchoͤlle/ Churfuͤrſten von Sachfen und Burggrafen von Magdeburg zu erkennen, und die wittenbergiſchen Bedingungen, im fofeen folchedurch diefen Vertrag nicht geändert, genau zu beobachten. Der damals zu Naumburg anwefende Churfürft von Bran⸗ denburg Soachim 2 wurde erfucht, nebſt dem roͤmiſchen Könige Ferdinand, dem Könige Ehriftion von Dünnemarf, den Herzog za Juͤlich, Herzog Philipp von Pommern und dem fandgrafen Philipp von Heffen, diefen Vergleich zu unterfehreis ben und zu Befiegeln, welches’ auch ten z4ften Febr. geſchahe, nachdem der geborne Churfuͤrſt Johann Auguft ſolchen ven Tag vorher, und alſo an feinem Sterbens⸗ tage, noch) eigenhändig unterzeichnet hatte m). © Borzüglich lag aber dem Churfürften die Sache feines Vetters des Marggrafen Kann aber Albrechts am Herzen. Verſchiedene, ſonderlich fraͤnkiſche Reichsſtaͤnde hatten gegen dem marggra— ſelbigen eine Einigung geſchloſſen, und ſuchten dieſelbe mit gewafneter Hand geltend zu Sr Tarp ihachen. Der murhige Albrecht wurde von allen Seiten mit folcher Uebermacht ans ſchaffen. gegriffen, daß ihn feine Feinde, feiner herzhaften Gegenwehr ohnerachtet, unterdruͤck⸗ ten. Vecrgeblich hatten fich die Faiferlichen Bevollmächtigten, um einen Waffenftillftand - zu bewirken, in Rothenburg bemüher. Der Margaraf kam ſelbſt zum Churfürften, - und erſuchte denſelben um Hülfe gegen feine Feinde. "Der brandenburgifche Hof er RR r mabs m) Ceuthinger. oa) Aortleder. * x * A RN — —— 1554. 132 3 Th. 6 Hauptft.. Neuere Gefchichte son Brandenburg. — — mahnete ihn aber zur Ruhe, und zeigte ihm die vom Kaiſer zu Bruͤſſel ausgefertig⸗ te und dem churfuͤrſtlichen Hofe zugeſchickte Urkunde, daß ſeine Sache zu Rothen⸗ burg vorgetragen werden ſolle. ¶Albrecht ließ fich; auch die: fernern Unterhandlungen gefallen. Churfuͤrſt Joachim und Marggraf Johann von Cüftrit erſuchten dahet in einem Schreiben den romiſchen König, Mittwochs in ven Diterfeiertagen‘ feine Nas the nach Rothenburg abzuſchicken, wohin der Churfuͤrſt ſeinen Churprinzen Johann George zu ſchicken Marggraf Johann von Cuͤſtrin aber, perſoͤnlich dahin zu reifen willens waͤren. Der roͤmiſche Koͤnig bewilligte ſolches in ſeiner Antwort von Presburg doch unter der Bedingung, dem Marggrafen in der Zeit Feine Werbungen zu verſtat⸗ .ten, und auf-den Fall „ daß ein Vergleich niche zum Stande kaͤme, die Acht: gegen ihn vollziehen zu helfen. Beide brandenburgifche Bruͤder hatten auch deshalb an den Kai⸗ fer geſchrieben/ welcher, auf ihr Anſuchen, aus Bruͤſſel denen Einigungeverwandten bekandt machte, daß Marggraf Albrecht feine Sache auf gewiffe Schiedsrichter, wor⸗ unter Maärggraf Johann von Eüftrin befindlich, auszuſetzen ſich erboten habe. Der Si Churprinz Marggraf Johann Georg ſowol, als auch Marggraf Johann von Ců⸗ J ſtrin, kamen wirklich zu Rothenburg an, und gaben ſich alle mögliche Mühe, durch ihre Vermittelung dieſen Krieg zu beendigen. Allein das Gluͤck und die Macht der Einigungsverwandten hatten wenigſtens eben ſo viel Schuld, als des Marggrafen Al⸗ brechts Geſinnungen, daß. alle ihre Unterhandlungen fruchtlos abliefen, obwol ein je⸗ der Theil die Schuld von ſich abzuwaͤlzen ſuchte. Das geſamte Churhaus ließ ſodenn ‚eine Schrift bekandt machen, worin es oͤffentlich zu verſtehen gab, daß bie fraͤnkiſchen 9 Einigungsverwandten gegen den Marggrafen Albrecht viel zu weit gegangen. Aber Carl 5 beſtaͤtigte endlich die Achtserflärung des Kammergerichts, und befahl: allen, Heichsftänden, folche vollftrecten zu helfen. Sein eigenes Betragen, da er die Bern ⸗ träge des Marggrafen mit Würzburg, Bamberg und Nuͤrnberg bald aufgehoben, bald beftätiget hatte 0), nachdem es der. Vortheil feines Hofes erforderte, hatte die Brandfackel angeſteckt. Die Einigungsverwandten ruheten nicht eher, als bis ſie dem Elend nach Frankreich zu gehen, gezwungen. Eben ſo gieng es vielen von denen, die ihm in dieſem Kriege Dienſte geleiſtet, worunter Wilhelm von Grumbach befind⸗ lich, welchem Melchior Zobel Biſchof von Würzburg alles Seinige nahın. Beide, Grumbach und der Biſchof, trieben ihre deidenſchaften fo weit gegen einander, daß, wie wie nachmals fehen werden, beide darüber ein ungfückliches Ende nahmen. Ueber⸗ haupt hatte in diefem Kriege ein perfönlicher Haß der fkreitenden Parteien vielen. An⸗ theil;; und eben deswegen ward von beiden Theifen derfelbe ohne Mäßigung, ohne Bes obachtung des Allgemeinen —— und ebne Menſchlichkeit gefuͤhret, auch von beiden — Man erkannte folches ſchon — gi Datnit fein Haar ſchoͤn * bekleidt; einem Gedicht, das zu der Zeit heraus kam, hieß Das Ein caßirt, es vom zweikoͤpfigten Adler: Das Ander confirmirt, Das Ein ſpricht ja, das Ander nein, "Das machen auch die beiden Haupt, Ach Gott, es ſolt ſeyn dern eins allein. Marggrafen alles fand abgenommen, und.ihn, ſolches mit dem Ruͤcken anzufehen und ins rn — IT * Bhf Sonia 13 geben @eiren RR ann und ihre Sande nicht a Selbſt der Chur⸗ 1554. fuͤrſt von Brandenburg und feine Staaten muͤſſen damals gelitten haben, weil Marg⸗ raf Albrecht ven Ehurfürften Joachim mit in das Verzeichniß derer gefegt hat, wel che von den Einigungsverwandten in dieſem Kriege vergewaltiget worden, Diefe Uns rubhen machten den bereits im paffauifchen Vergleich verfprochenen Neichstag nochwen ⸗ ig. Er ſolte anfänglich in Ulm gehalten werden. Aber die fraͤnkiſchen Unruhen, des Kaiſers fehlechte Gefundgeitsumftände und andere DBerhinderungen, die der forts waͤhrende Krieg Carls 5 mit Frankreich verurſachte, waren ſchuld, daß der Reichstag von einer Zeit zur andern verzögert und endlich nach Megenfpurg verleget wurde. Das befte war, daß der Krieg des Kaiſers in den Niederlanden 3* Sr en * —— vor — RR PD) — ai — Dar ah ber af faft alle — A Proteſtanten mit Gewalt zur al⸗ EEE wird | n: che zu bringen, verloren, füchte fie wiederum mit einer Kirchenverfammlung, desen der tri⸗ ch t gehalten werden ſolte, zu koͤrnen, und ſie hierdurch abzuhalten, in Ab, ae A — Religion auf die Erfuͤllung des paſſauiſchen Mebenvergleichs zu dringen. Un ſammlung be ter andern fchickte er den Bifchof von Zazinth Johannem Farneſe dieſerhalb an den chickt. churfuͤrſtlich brandenburgiſchen Hof. Es kam derſelbe den ızten Jan. 1555 nebſt eis 1555: mem Jeſuiten nach Berlin. . Joachim 2 nahm dieſelben wohl auf, und ließ mic ih ⸗ * ‚nen den Magiſter Johann Agricola ; den Magifter Abbias Prätorius und den Magiſter Peter Haftitius ein Neligionsgefpräc) halten, welches aber, wie 9 woͤhn⸗ lich, ‚ohne Nutzen ablief. Der Churfuͤrſt fand auch nicht vor gut; denen paͤpſtlichen Acgeordneten wegen ber tridentiniſchen Kirchenverſammlung eine entſchloſſene Ant⸗ wort zu 3 so ; weil er mit denen Erbverbruͤderten zuvor ſch bieferhalb vereinigen’ wolte q Es war — im n. vorigen af eine Zufammenfu der Chur⸗ und fürftfichen zenen verbindung * Perſonen der Haͤuſer Sachſen, Brandenburg und Heſſen nach Zeitz verabredet, —* die aber keinen Fortgang gehabt. Sodenn wurde eine anderweitige perſoͤnliche Zuſam⸗ fen, Branden⸗ menkunft nad) Naumburg auf dieſes Jahr beliebt. Der Vorſchlag aber, daß vor burg und Heſ⸗ derſelben von allen Häufern Raͤthe zuſammen kommen, und die Verbeſſerung der Erb⸗ er bvereinigung vornehmen folten, ward nicht durchgehende beliebt. Die Ehurfürften und Fuͤrſten bemeldeter Häufer Famen daher wuͤrklich zu Naumburg zufammen, nur daß ‚Herzog Johann Friedrich der jüngere von Sachfen und Marggraf Albrecht von "Bayreuth, der fich noch in Frankreich aufhielt, ſich nicht perfönlich daſelbſt einfanden. Hier ward den 6ten Merz die Erbeinigung und Erbverbrüderung wirflich erneuert, und gewöhnlicher Weife beſchworen. In einem Nebenvergleich, der von den damaligen Kriegsrüftungen, Befehdungen und Plackereien handelte, ward auch insbefondere, ben der einmal erfannten Neligion veft zu beharren, beſchloſſen, und die Mittel in Uebers fegung gezogen, wie man den Beſchwerden gegen das Mmegewähe abhelfen koͤnne. Ba) Der 2) Horileder T. 2. Leuthinger. ) Haftitius. 3 1555. J er { * Di Er . * = De EN Se | dr ER an. Bu De 1734 3%. Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. Der Verweſer des Hochftifee Magdeburg Marggraf Siegmund: ſuchte damals we⸗ gen feins Erzftifts ebenfals die Miteinnahme in die Erbvereinigung Weil mamaber weder den Willen des Domcapitels, noch der magdeburgifchen Landesſtaͤnde wuſte / fo ward diefes Geſchaͤft ausgeſetzt. Die erbvereinigeen und verbrüderten Fürften.gabem dem roͤmiſchen Könige vom ıhren gemachten; oder. beffer, erneuerten Verträgen Mache Joachim forget für ſein haus und land. richt, welches in Faſſung feiner. Entwürfe groffen Einfluß machten)... 000.0 3 Mach der Zurückkunft des Churfuͤrſten ſetzte derſelbe feine Sorgen vor ſein and und fein Haus fort. Wegen Croſſen wurden alle Irrungen mic dem römiſchen Kbe nige Ferdinand, beigeleget. Joachim 2 ließ feine verftorbene Fran Mutter in der Domticche zu Coln begraben. Nach dem Tode des Biſchofs von Lebus Sohannwon Hornburg ward, auf des Churfürften Ernennung, „nachher, Maragraf < den 22ften Auguſt su Berlin feinen Sohn den Erzbifchef Siegmund von Magda Nimmt ſich der fraͤnkiſchen ſachen an. Friedrich, des Churprinzens aͤlteſter Sohn, erwaͤhlet. Der Churfuͤrſt verglich auch E burg und deſſen Domcapitel mit der, Altftadt Magdeburg wegen der geiftti J ter und andern Irrungen. Idachim 2 ſorgte aber, ebenfals, vor die Ruhe feinen, fans de,. und ließ zu biefem Ende einen Edelmann, der zu Wufterhaufen wegen Strafe, J ſenraͤubere ien gefanglich eingebracht war, zu Berlin den Kopf abfhlagen. 0 Indeſſen Hatte der Reichstag in Augſpurg, unter des römifchen Königes Fer⸗ dinands Vorſitz, feinen Anfang genommen, Unſer Churfuͤrſt Joachim beſchickte denſelben durch den Jacob Schilling Hauptmann zu Sarmund und die Nehtege feheten Ehriftoph von ver Straffen, Timotheus Zung und Lampert Diftelmeier. Marggraf Johann von Cuͤſtrin hatte an feiner State ven Berthold von Mandels⸗ lo und den D. Andreas Zoch dahin abgefertiget. Alle Gefandten ver brandenbur⸗ gifihen Prinzen befamen von ihren abgeſchickten Herren den Befehl, auffer den allge⸗ - * MN meinen Neichsfachen auch y- Beſte des Haufes Brandenburg gegen diefränfifchen _ Einigungsverwandten zu befürgen. Der Churfürft, als das Haupt feines Haufes, unterftüßte nebft den übrigen Erbvereinigten und Erbberbruͤderten auch andern Ber wandten die bittern Klagen des Marggrafen Georg Friedrichs von Anſpach Über das Harte Betragen der fränkfifihen Einigungsverwandten.. Diefe Hatten nicht nur ſich aller Lande des vertriebenen Marggraf Aldrechts Gemächtiger, ſondern weigerten fich auch ; folche deffen Vetter Marggraf Georg Friedrich zurück zu gebem Sie Hatten die Veſte Plaffenburg, welche allen ändern des Burggrafthums Nuͤrnberg zum Schuß gereichte, niedergeriffen, und, auffer denen in Marggraf Albrechts Ancheil vorgenommenen Derheerungen, auch den Antheil Georg Friedrichs ſehr mitgenom⸗ men, Damit nun biefe gerechte Klagen des Haufes Brandenburg zu keinem neuen Kriege Anlaß geben möchten ; ſo verfprach der römische König, "folche unterfüchen und guͤtlich beifegen zu laffen s). ; | — | 2 ee, er | | Die r) Cernitius. Haftitiue. Leuthinger. Muͤllers Neichstagscheattum Nagimil,ı Th. ) Beuchinger. a | | N Ger =. s Hätten, Die geiftliche Gerichtsbarfeit in Glaubensſachen der Praͤlaten ſolte bis auf - vn > je‘ 2: Cchurfurſt Zoachin —— 5 aut ER REIN dieſes Reichstages Gere den Neligionspunft, 1555. ‚welcher , dem paffauifchen MNebenvergleich zu Folge, alhier endlich; des Widerſpruchs Religionsfrie: des Cardinals Ottens ohnerachtet zum Stande kam. Es ward der bekannte Reli⸗ ee ‚en - sgionsfrieden glücklich geſchloſſen. Vermoge deffelben folte Feiner von Catholiken und Yugfpurg und denen, die das augfpurgifche Gtaubensbefänmiß annehmen, bey Strafe des randfrie andere reichs⸗ densbruchs mit Gewalt behandelt oder verachtet werden. Alle andere Religionen wur⸗ — "on von dieſem Frieden gänzlich ausgeſchloſſen. Jedermann koͤnte/ feiner Ehre und Rechte ohnbeſchadet, das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß, oder die eatholifche Res ligion annehmen, nur daß ein Geiſtlicher, nach Veränderung der Religion, ſein Stift — Pfruͤnde verlieren ſolte. Alle geiſtliche Guͤter, die die Proteſtanten bis zum Frieden eingezogen, ſolten ihnen verbleiben; fo viel fie deren im Beſitz endliche Vergfeichung der Neligion eingeftellet und aufgehoben feyn. Niemand folte zu einer andern Religion verleitet; jedoch Feinent der freie Abs und Zuzug noch die Vers kaufung der Haab und Güter gegen billigen Abtrag der teibeigenfchaft und Nachfteuer verweigert werden. Der Friede ſolte bis zur guͤtlichen Vergleichung beider Kirchen folglich beharrlich unbedingt und ewig gehalten, die Reichsritterſchaft mit darunter be⸗ 7 —— und die Reichsſtaͤdte, in welchen beide Religionen im Gange geweſen, dabey gelaſſen werden. Man hatte den Proteſtanten, und ſonderlich denen erbvereinigten en Sachſen / „Brandenburg und Heſſen dieſen Frieden nicht abſchlagen Fon, . - | ‚weil. ſich alles nach einem endlichen Frieden ſehnete, und der vielen bisherigen - — Inruhen und Kriegeszügen müde war. Die Proteftanten drungen auf eine. gänzfiche * J uneingeſchraͤnkte Religionsfreiheit, vermoͤge ber ſich jedermann zum augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß mit Beibehaltung aller feiner bisher gehabten Rechte, wenden Fonte. Sie wolten alfo folches ſowol auf die Geiſtlichen, als auch auf die Unterchas nen der Stände gezogen ‚haben. , Beides aber; verweigerten die Gatholifen. Der Streit, wie es init den Stiftern und Pfruͤnden zu halten, wenn ein Geiſtlicher von der alten Religion abtreten würde, machte viele Unterhandlungen noͤthig. Die Pro⸗ teſtanten verlangten, das ein folcher dabey, der Religionsveränderung. unerachtet, bleis ben ſolte. Die Catholiken aber beſtunden darauf, daß ein ſolcher Geiſtlicher ſein Siuift oder Pfruͤnde verlieren ſolte. Endlich uͤberlieſſen die Proteſtanten den Aus⸗ foruch in diefer Sache dem rumifchen Könige. Dieſes gab ſelbigem die Machtsvol⸗ kommenheit, den Ausſpruch nach dem Willen der Catholiken zu thun, und dadurch } den geiftlichen Vorbehalt, oder die Freiſtellung veſtzuſetzen. Denn fo nennet man vie Beſtimmung wie es mit dem Stift oder Pfruͤnde zu halten, ‚wenn deffen Geiftlicher | 4 die Religion veraͤndert. Es machten zwar die Proteſtanten noch vorher dagegen Vor⸗ ſtelungen, weil ihre Geſandten aber den Reichsabſchled, worin die Freiſtellung eben⸗ fals enthalten unterſchrieben haben; fo hat. dieſe Wunde. nachmals nie. wieder gehei⸗ let werden koͤnnen. Ohne ſelbige wäre anjetzt ganz Deutſchland proteſtantiſch, aber _ gen dieſes befuͤrchteten die Catholiken/ un —— Bm ‚A * Bas en eint 155 a tape "We Anafrug gef Keigionsfrichen fieß Yen Reif feine Hof * ab⸗uͤbrig Durch innere Zwiſtigkeiten in Deutſchland feine vorgefaſte Entwürfe zu aleig⸗ zudanken. 136 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ſcheint es in ber That zu viel ‚gefordert zu fenn,. daß der, Diener: der Kirche fein Ant, feiner Keligionsveränderung unerachtet, ‚behalten ſoll. Bey ‚alle dem enthaͤlt der Res ligionsfrieden wirklich ſchon den Saamen zu einem nachher ausgebrochenen blutigen drei ſigjaͤhrigen Kriege, wozu der geiſtliche Vorbehalt, das Misvergnuͤgen der Catholi-⸗ | fen über die erhaltenen VBortheile der Proteftanten, die Dunkelheit und Unzulängs lichfeit des Friedens, die Verdrehungen des wahren Verftandes, die Ausfchlüffung ver | Reformirten und andere dergleichen Dinge die wirkende Haupturſachen geworden. Auſſer dem Religionsfrieden kam die Executionsordnung heraus, in welcher ausdruͤck⸗ Uch nicht allein thaͤtliche Vergewaltigungen, ſondern auch die bevorſtehende Gefahr, wohin Muſterplaͤtze und andere Kriegszuruͤſtungen gerechnet werden, als Landfriedens⸗ bruͤche angeſehen werden. Cs kam eine Kammergerichtsordnung heraus nach welcher auch evangeliſche Beiſitzer ben dieſem Gericht angenommen werden ſolten Es ward ein Befehl wider bie herumſtreifende herrenloſe Kriegeleute befande gemacht und auch von Milderung der Reichsanſchlaͤge gehandelt. Endlich ward auch beliebet, daß we ⸗ gen des Vergleichs in den Religionsſtreitigkeiten naͤchſtens ein Verſuch Beer | ‘ folte 2). In der Zeit diefes Neichstages erlaubte der roͤmiſe he König feinen Untertha- nen den Genuß des Abendmahls unter beiderley Geſtalt, deſſen * hernach ah, i" FR — der Bruns — Sarn folgte, a wg: 56, | ie nt, — J— tern, um feinem Sohn, den Weg zur Nachfolge in der Kaiferfolge zu eröfnen. Er hatte demfelben bereits im vorigen Jahre das Herzogthum Mailand, nach dem Yo gange des Hauſes Sforza, eingeraͤumet, und ihn mit der Koͤnigin Maria von Eng. land vermälet. · Nunmehro faſte der Kaiſer ven Schluß, feinem Prinzen auch die Regierung feiner tande abzutreren. ' Sein herannahendes Alter, feine täglich‘ zuneh⸗ mende leibesſchwachheiten/ fein ſeit dem ft chmalkaldiſchen Kriege faſt gaͤnzlich ver⸗ ſchwundenes Gluͤck und die Luſt, ein ruhiges Leben zu koſten, waren die vornehmſten Triebfedern, die den Kaiſer dazu bewogen, Er handelte aber noch vorher mic ſeinem Bruder Ferdinand, und ſuchte ſelbigen zu bewegen, die Wuͤrde eines römifthen Koͤ⸗ nigs fahren zu laſſen. Weil ihm aber ſolches fehlſchlug; fo verlangte er ‚wenigfteng, B daß der römifche König feinem Sohn die Stelle eines Neichsverwefers in den Nieder landen und Waͤlſchland verfichern ſolte. Aber auch diefes Fonte er nicht erhalten. Es gereichte folglich Deutſchland wirklich zum Beſten, daß der Kaifer ehemals fo vor, ſchnell dte romiſche Fönigliche Würde feinem Bruder verfchaft hatte. Diefes alles hielt aber den Kaifer nicht ab, feinen Vorfag ins Werf zu richten. Er übergab feinem Prinzen Philipp anfänglich die Regierung der Niederlande, und nachher aller pani⸗ * Staaten, und bedung fich zu — Unterhalt jaͤhrlich 100000 Ducaten aus, re *) Keicheabfihieb von 1558. Lehmann Alta publ, et orig. de pace og Burgkard de Avrtc- -· nomia, Compolitio pacis, « Churfuͤrſt Joachim 2 137 womit er bie Äbrige Zeit feines lebens in dem Klofter St. Zufti, in dee ſpaniſchen 1555 robinz Eſtremadura gelegen, zubig zubringen wolte. Um aber auch feinem Sohn beim Antritt deffen Regierung feinen Krieg zu hinterlaſſen; ſo ſchloß der Kaifer 1556, mit 1550. dem Königein Frankreich Henrich 7. zu Vaucelles bey Cambray einen Stillſtand der Waffen auf fünf Jahr. Etliche Tage vor ſeiner Abreiſe nach Spanien benach⸗ ichtigte er die Stände unſers deutſchen Reichs: daß, weil ihm fein Acer und fort daurende Seibesfchwachheiten wicht zulieflen, der Negierung Deutfchlandes ſich hinfuͤh⸗ zo ſelbſt anzunehmen, der roͤmiſche Koͤnig aber ſein unſtreitiger Nachfolger ſey, und um oͤftern an feiner Start die Reichsangelegenheiten ruͤhmlich beſorget habe, fo wolte gr denfelben völlige Macht und Gewalt, als roͤmiſcher König alles das, was ihm als Kaiſer zuftehe, vorzunehmen, übergeben, und allen und jeden anbefohlen haben, ihm ‚gebührenden Gehorſam zu leiften. Die wirkliche Abdankung des Kaifers von feiner deutfchen Regierung: iſt aber ‚durch, dieſes Ausfchreiben noch nicht gefehehen, und hat dich feit der. Zeit, länger als ein Jahr verzogen m). | Diefem Auftrage der Negierung an den römifthen König zufolge hielt Ferdi⸗ Reichstag zu nand den auf dem vorigen Neichstage veftgefegten anderweitigen Reichstag zu Regen⸗ Regenfpurg, purg, den unſer Churfürft Joachim 2 durch Wilhelm Grafen von Hohenftein and Herrn zu Vierraden, und dieD. D. Chriftuph von der Straffen, Cafpar Wie derſtadt, Andreas Zoch und Timotheus Jung, fein Heer Bruder Marggraf Jo⸗ hann von Eüftein aber durch Barthel von Mandelslo beſchickte. Die Religion und die Tuͤrkenhuůlfe waren die vornehmften Gegenftände der allgemeinen Berathſchlagun⸗ gen. 1 Die Proteftanten rhaten nochmals wider den geiftlichen Vorbehalt Vorſtellun⸗ gen, und übergaben deswegen einen feierlichen Widerſpruch. Der römifche König aber wolte in dieſem Stuͤck Feine Aenderung zulaffen, weil es eine Sache betreffe, die ‚bereits verglichen und ohne alle Widerrede in den vorigen Neichsabfchied gebracht wors ven. Das gefamte Haus Brandenburg fuchte auf diefem Neichstage noch immer die ‚Herausgabe derer von den fränfifchen Einigungsverwandten eingenommenen Sande in dem Burggrafchum Nürnberg, und die Wiebererfegung des darin verurfachten Schas wen. Es unterſtuͤtzten alle brandenburgifche Prinzen zugleich das Anfuchen Marg- graf Albrechtd, um wor fich und feine Leute von dem. römifchen Könige ein ficheres Geleite zu erhalten, und nach Deutfchland wieder zurück zu Fommen. Weil Ferdi; nand:einen neuen Ausbruch der Unruhen gerne verhindern wolte; fo ward dem Al⸗ brecht feine Ruͤckkehr erlaubt, der ſich hierauf ben feinem Schwager dem Marggrafen von Banden zu Pforzheim einfand, und mic feinen Gegnern in einen beiffenden Schrift, wechſel ſich einfieß. Der römifche König fehlug den Weg güclicher Vermittelung vor, und hielt vor das befte Mittel, die dem Marggrafen entriffene fande einem dritten un: Darteiifchen, als Berwefer, Bis zu rechtlicher Entſcheidung der Sache einzuräumen. Der Et | ü va) Hafınanns Sammlung ungedruckter Urkunden Th. 5. Wilh. Godelevaͤi Hiftoriola Pr eationis Caroli. Pelle. preuß· Geich.3 Th. ! X ö S 138. 3 Th. 6 Hauptft. Neuere wien von —— 557. im Jahr 1557 erfolgte Tod Marggraf Albrechts erleichterte endlich den Ausgang — Streics. Der römifche König ernannte ven Joachim Grafen von Schlick zu: Verweſer der fändereien, die die fränfifchen Einigungsverwandten in Befiß genor . men, welche dent Faiferlichen Verweſer ſolche auch einräumeren. Zu Beilegung dee, Keligtonsftreitigfeiten und deren gütlichen Vergleichung ward ein freundliches Religlions ⸗ | geſpraͤch fuͤr das bequemſte Mittel gehalten. Im Reichsabſchiede ward alſo verordnet: /· doaß ein Refigionsgejpräch, unter dem Vorſitz eines Foniglichen Bevollmächtigten, an | ſtellen ſey, deſſen Handlungen unverbindlich zu achten, und daruͤber ferner zwiſchen dem römifchen Könige und den Ständen vertraulich Rath gepflogen werde. Zur Tuͤrken⸗ huͤlfe wurden acht doppelte Roͤmermonate verwilliget; bie in vorigem Reie N ie enthaltene Erecutionsordnung ward beftätiget 5 von dem Muͤnzweſen manches verordnet, "auch zur Unterfirchung des Rammergerichts einige Neicheftände bevollmächtiget. Bu ‘ dieſem Gefchäfte der Rammergerichtsunterfüchung ſchickte Churfürft Joachim 2 den D. Timotheus Hung nah Speier, an im Namen des — den ge Ä faßten Abfchied BEN x). $. 57. | — Brabendu Befanbfung der * emeinen geicheſechen binen die — giſche laudes⸗ Prinzen nicht, alles zu chun, was ihren Landen und ihtem Hauſe zum Beſten gerei⸗ chen konte. Serge Johann von Cuͤſtrin lleß das fogenannte Fleine Jeruſalem ſamt dem heiligen Grabe bey Königsberg in der Neumark abbrechen, und davon zum beffern Gebrauch eine Schule erbauen, und durch Magifter Abbiam Praͤtorium ein⸗ richten. Er ſchenkte der Stadt Dramburg ein Kloſter, und erlaubte denen — del, fich darin ein Schloß zu bauen. Dem von Borck zog er aber die Stadt ckenburg ein, weil ſich ſolcher der Aeciſe widerſetzte, welche Marggraf Johann bier einfuͤhrte. Als dieſe Abgabe chemals veſtgeſetzt wurde, hatte Falckenburg dem Chur⸗ hauſe eine Summe vorgeſchoſſen, und es war dafuͤr die Aceiſe darin nicht eingehoben. Der Marggraf Johann aber gab das Geld zuruͤck, und machte diefe Stabt feinen ans dern Orten gleich. Er brauchte wirklich vieles Geld, da er, auffer dem euͤſtriniſchen Veſtungsbau, auch an Beveftigung der Stadt Peitz arbeiten ließ. Zu eben der Zeit faßte auch der Churfürft Joachim 2 den Entſchluß, die Stadt Spandow zu einer Veſtung zu machen. Chriftoph Roͤmer legte dazu den erften Grund. Franz Gra⸗ mella ein waͤlſcher Ritter und Kriegsbauneifter feßte die Arbeit fort, bie — der Graf vorn Lynar unter der folgenden Regierung beendigte y). 4 and hausan⸗ Auſſer denen Bemühungen, die die fraͤnkiſchen Shden dem Churfuůtſten mach» | gelegen heiten. ten, nahm er fich and) des Erzbifchofs von Riga Marsgraf Wilhelms, eines bran⸗ denburgiſchen Prinzen und Bruders des Herzogs von Preuſſen, an. Dieſer war ſogar in die Gefangenſchaft gerathen. Joachim 2unterſtuͤtzte daher das Geſuch des Herzog Albrechts von Preuſſen bey feinem Schwager dem Könige von Polen Sieg. mund x) Reichsabſchied vom ER 1557. Der geiſtliche Vorbehalt aus ſeinen Gruͤnden eroͤrtert. ELLE leder T. 2 N >) Haftitius. Leuthinger. | % Churfuͤrſt Soahim 3.05 139) miund Auguſt, und ſchickte an denfelben in diefer Angelegenheit Gefandten ab, Allein 1557. es hatten diefe Geſandten noch einen andern Auftrag, der die Perfon des churfürftlis chen Prinzen Marggraf Siegmunds Erzbifihofs von Magdeburg und Biſchofs von Halberſtadt betraf, im welches fegtere Stift er dies Jahr mit goo Pferden feinen Eins zug gehalten, nachdem man den Domprodft Poppo von Stolberg, welcher bey der Wahl ebenfals einige Stimmen befommen, durch einen Vergleich abgefunden hatte. Siegmund Auguſt Hatte Feine Kinder, umd lebte fo, daß man ihm fein langes tes ben zutranete. Da mit ihm. der männliche jogellonifihe Stamm in den männlichen Rachkommen zu Grabe gehen ſolte; ſo gaben fid) ſowol verſchiedene Groſſen feines Staats, als auch auswärtige Prinzen, Mühe, noch bey feinen Lebzeiten die Wahl eines polni⸗ ſchen Throufolgers in Vorſchlag zu bringen. Der König Siegmund Auguſt war ie dem Munde nach catholiſch. Von den Groſſen feines Reichs befannte ſich der groͤſte Theil zu der evangeliſchen Lehre. Ob aber gleich der Adel meiſtentheils bey der rxoöoͤmiſchen Kirche geblieben; fo gab es doch auch unter demſelben ſowol Evangeliſche, als. Socinianer. Auf dieſe Religionsparteien muſten diejenigen nothwendig ſehen, welche die Thronfolgerwahl beliebt machen wolten. Churfuͤrſt Jbachim 2 hatte des Sonigs Schwefter Hedwig zur Ösmalin. Von derfelben war der Erzbifchof Sieg⸗ mund geboren, und es gehörete ſelbiger unter die Nachkommen des Jagello, und war überdies feinem Großvater dem in Polen fo beliebten Könige Sigismundo ungemein ähnlich. Der Ehurfürft ließ daher unter der Hand. fich vor diefen feinen Sohn bear⸗ beiten, um ihn denen Polacken zur Thronfolgerwahl vorzufchlagen Oeffentlich er⸗ laubte die polniſche Freiheit nicht, an dieſe Wahl ber Lebzeiten des Koͤniges zu denken. Um allen Religionsparteien ein Genuͤge zu thun, muſten die brandenburgiſchen Ges ſpondten verſichern, Daß dieſer Prinz bey der catholiſchen Religion, allem Vermuthen wnach, bleiben wuͤrde. Der Churfuͤrſt vermuthete, daß der evangeliſche Theil in Po⸗ len ihn ſo verſtehen wuͤrde, tie er verſtanden ſeyn wolte. Es verlangte aber derſelbe damals einen oͤffentlichen Proteſtanten, obwol der Churfuͤrſt einſahe, daß es vor Por. len zutraͤglicher wäre, wenn ihr Regent mit eben fo viel Behutſamkeit die Religionsſa⸗ chen triebe, als Joachim 2 in Deutſchland gethan. Wenn folcher vor feinen, Prim zen die catholifche Religion zuſagen ließ; fo verſtund er darunter Feine andere, als eine foldhe, die in den Grundlehren dem orte Gottes vollig gemäß eingerichtet fey, und nach der er fich fo fange geſehnet. Er hatte ohnedies die Hofnung noch) nicht aufgeger ben, daß die Papiften die helle Wahrheit des Evangelii erfennen, und die Proteſtan⸗ ten in äuffern Kirchengebräuchen inehr nachgeben würden. Auf diefe Art glaubte er, dag unter dem Namen der Catholifen fich noch beide Kirchen vielleicht vereinigen wuͤr⸗ den, befonders weil von Seiten des ganzen Reichs zu dieſem Zweck der Vergleichung ein freumdfchaftliches Neligionsgefpräch beliebt worden war 2). Es nahm folches zu Worms wirklich feinen Anfang, und der Churfürft befchichte Religionsge⸗ es durch Sefandten. Allein die proteſtantiſchen Gottesgelehrten waren unter ſich in ſpraͤch zu F a : \ SS 2 ° . groffe orms. Saftitius. Leuthinger. Kerr von Dreyhaupt. Muͤllers Staatscabinet Ih. 3 S. 1on f. 1537: 140 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. groffe Streitigkeiten verfallen. Einige unter ihnen verlangten, daf, vor der Erbfnumg DE Des. Nefigionsgefprächs mie den Catholiken, alle diejenigen kehren verdammet — ſolten, welche von dem buchſtaͤbſichen Verſtande des augſpurgiſchen Glaubensbekaͤnt - niſſes abzuweichen ſchienen. Hierauf beſtunden vorzuͤglich diejenigen, welche von den Herzogen zu Sachſen zu dieſem Geſpraͤch abgeſchickt waren. Weil aber ſolches noth⸗ wendig den Weg zu groſſen Weiterungen eroͤfnen muſte; fo waren die churſaͤchſiſchen nebft ven übrigen Gottesgelehrten ihrem Anſinnen entgegen, und behaupteten, Daß es genug fen, wenn alle zu diefem Neligionsgefpräch verordnete Gottesgelehrren nur öffene ich ſich erfläreten, daß fie es mit dem augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß hielten. Diefer fegtern Meinung traten auch die brandenburgifchen Gefandren Ley: Doch die herzoglich fachfifchen beſchuldigten die churſaͤchſiſchen und ſonderlich den Philipp Melanchthon / daß fie dem reinen unveränderten qugfpurgifchen Glaubensbekaͤntiiß nicht zugethan wären. Sie fonderten fic) alfo von der Berfammlung ab, und giengen nac Haufe. Der römifche König, der zu der Vereinigung der Religion ſehr geneige war, wuͤnſchte zwar die Fortfeßung des verabrederen Gejprächs zwifchen den Catholi⸗ fen und zurück gebliebenen Proteftanten. Die fegtern hatten fich ohnedies ertlaͤrt⸗ daß fie dem augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß zugethan wären, und alle behren von dammten, ſo derfelben zuwider. Sie hatten ſich erboren, bey jedem Artikel Dies Sfaubensbefäntniffes ihre wahren Meiningen weiter zu eröfnem. Jedoch die‘ catholi⸗ - fehlen Gottesgelehrten wolten ſich an dieſem Erbieren nicht begnügen faffen. Und unter 1558. Ferdinand wird faifer, dem Vorwande, daß die zuriick gebliebenen Proteftanten von ihren eigenen’ Glaubens⸗ brüdern befehufdiget worden, wie fie das veine, unveraͤnderte augſpurgiſche Glaubens ⸗ bekaͤntniß nicht annaͤhmen, hoben ſie das ganze Religionsgeſpraͤch fruchtlos auf. we doch wurden die Zwiftigfeiten der proteftantifchen Gottesgelehrten Inner gröffer , ber ſonders da auch Flacius Illyricus mir Zufto Menio über die Nothwendigkeit der gw ten Werke mit einander zerfielen, woruͤber der —* bey an —— 1558 ungemein beſchwerete 4): $. 58. | ET. Unſer Churfuͤrſt och 2 befüchte ven erhebfichen Churfürftentag zu a furt am Main, welcher dem bisher gewefenen römifchen Könige Ferdinand die Kat ſerwuͤrde verſchafte · Carls 5 Geſandten an die Gefellfchaft der Ehurfürften eröfneren endlich ihe Anbringen... Sie meldeten denen Churfürften, daß des Kaifers hohes und wegen beffändiger Unpäßlichfete beſchwerliches Alter ihn bewege, auch die Reglerung des deutſchen Reichs und die Kaiſerwuͤrde niederzulegen. Sie gaben zu verſtehen dag Carl ſeine Abdankung und Uebertragung der Regierung an ſeinen Bruder, den erwaͤhl⸗ ten roͤmiſchen König, nicht ohne Vorwiſſen der Churfuͤrſten unternehmen wollen. Sie erfläreten fich endlich, daß der Entſchluß des Kaiſers unwiderruflich bleibe. Die Chur⸗ fuͤrſten ſtelleten ſich zwar aͤuſſerlich, als wenn ſie die Fortſetzung der Regierung Carls 5 wuͤnſchten. In der That aber hatte die tiebe zu diefem Prinzen ſeit dem ſchmalkaldi⸗ ſchen a) Leuthinger. * ME rn Ehurfürft Joachin ·· 14 | = Kriege in Deutfchland aufgehört. Die Churfürften nahmen alſo die Abbankung 1558. Garldan. Zene fanden hierauf für gut, den mit Ferdinand bey feiner roͤmiſchen -Rönigeiwahf gemachten Waflvergleich nochmals durchzugehen, und mit einigen Bedin⸗ | Hlingen zu vermehren. ' "Sie verbunden ihn infonderheit, dem vor einigen Jahren errich, teten Religionevergleich zu beſtaͤtigen. Sie erneuerten zu ihrer mehreren Sicherheit die alten Ehurfürfterwereine. Ferdinand nahm den. arifs neue vorgelegten Wahlver⸗ trag an, beſchwor denfelben, ward gefrönet, und mit groffen Feierlichkeiten auf of fentlichem Marfre'gehufdiget Unſer Churfürft Joachim 2Tieß fi) von dem neuen Kalſer den ibten Merz mit feinen Staaten und Reichen, wozu auch der mecklenbur⸗ giſche und pommeriſche Anfall gehörete, belehnen )) Es gab aber dieſer Churfuͤrſtentag noch zu andern ſehr erheblichen Berathſchla / germ über das gungen unter denen proteftantifchen Ehur / und Fuͤrſten Anlaß. Auſſer verfchtedenen veränderte Religionszroiftigkeiten waren die nit denen Meformirten die erhebfichften. Zu eben eg der Zeit, da Luther die Rirchenverbefferung in Deutſchland zu betreiben angefangen, kaͤntniß. cekannte auch Ulrich Zwinglius in der Schweitz deren Mothwendigkeit, und feine Predigten ſowol als nachmalige Schriften legten den Grund zur reformirten Kirche. Da man nicht verlangen kann, daß er mir Luthern einen Erfentnißgrund haben folte, Po darf man fich auch nicht verwundern, wenn beide Ruͤſtzeuge Gottes nicht in allem > amd jedem gleiche Meinungen haben Fonten. Beide befamen Anhänger, und beide glaubten von der Wahrheit ihrer Meinungen fd überzeugt zu ſeyn, daß fie nie wirklich den Vorſatz faſten, ſich zu belehren und fich zu vereinigen. " Zeder glaubte der Nelis gion etwas zw vergeben, wenn er nachgäbes und diefes war hoͤchſt unerfaubt. Das Religionsgefpräch, welches Philipp der Großmuͤthige landgraf zu Heffen zu Mar⸗ purg ſchon vorlaͤngſt angeſtellet, muſte daher fruchtlos ablaufen, Der Zwiefpalt beis derſeitiger Anhänger ward durch den heftigen Johann Calvin noch vermehret. Die evangeliſch Sutherifchen Hatten in allen ihren Glaubensbuͤchern ſich genugfam- von Zwinglii und Ealvini Lehren unterfehieden, welche vorzüglich die Gnadenwahl, den faetamentirlichen Genuß des Leibes und Blutes Ehrifti im Abendmal und Auffere Eins richtung der Kirche betrafen. Der nachgebende Philippus Melanchthon: hatte vers ſchiedenemal einige Veränderungen: des augfpurgifihen Gfaubensbefänntniffes vorge nommen, beſonders aber 1540, denen Schweizern und Dberländern zu gefallen, diejenigen Artifel, welche zwifchen den evangelifch Lutherifchen und ven Zwinglia⸗ nern zwiflig waren , in fo gemilverten und allgemeinen Ausdruͤcken gefaft, daß beide Religionsparteien folche annehmen konten. Solange Luther lebte, fanden diefe Aen⸗ derungen bey denen evangeliich Lutherifchen nicht fonderlichen Beifall. Sobald aber nach Luthers Tode in dem 1355 gefchloffenen Neligionsfrieden’alle andere Religions par⸗ teien von dem Neligionsfrieden ausgeſchloſſen wurden, welche das augſpurgiſche Glau⸗ bensbekaͤntniß nicht annahmen; ſo bekannten ſich, um die Vortheile dieſes Friedens zu | S 3 | ge⸗ DD Hofmann Sammlung ungedruckter Urkunden Th. . Johann Michael Dahm und der hochwohlgeborne Herr von Herzberg de Vnion. Ele, Leuthinger. Haftitius. * i 142 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1558. genuͤſſen, die Reformirten in Deutſchland zu dieſem vom Melanchthon reformie · ten augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß. Die evangeliſch dutheriſchen theilten id in ſolche, welche theils alle vorgenommene Veraͤnderungen des augſpurgiſchen Glau⸗ —— bensbekaͤntniſſes verwarfen, theils Die vorgenommene Veraͤnderung billigten. Die er ⸗ ſteren, welche ſich Rechtglaͤubige nannten, belegten die letztern mit, dem Namen der heimlichen Calviniſten, Philippiſten uf. w. und wolten ſolche vor ine Berwandte des augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniſſes anſehen. Churfuͤrſt Joachim 2 hatte fhon laͤngſt durch den Mund Euſtachii von Schlieben bedauret, daß eine Aenderung vom ⸗ genommen worden. Da ſelbige aber einmal geſchehen, und von vielen angenommen wurde; fo folgte der Churfuͤrſt feinem, einmal veſtgeſetzten Entwurfalle Mittel anzu⸗ ‚wenden, Streitigkeiten Lieber .beizulegen, als zu vermehren, und die, Parteien lieber zu vereinigen, als noch mehr zu trennen. Doch eben dieſes brachte ihn ‚ben den har ⸗ ten Lutheranern in eben den Verdacht, als ob er dem augſpurgiſchen Glaubensbe⸗ kaͤntniß gar nicht zugethan waͤre. Weil nun von der Frage, wer zu den Verwandten des augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniſſes gehoͤre, die Entſcheidung einer andern Frage abhieng, wer den Religionsfrieden genuͤſſen ſolte; fo war dieſe Sache won der aͤuſſer⸗ ſten Wichtigkeit, und konte leichtlich zu neuen Unruhen und Blutvergieſſen Gelegenheit geben. Vernuͤnftigerweiſe wuͤnſchte Churfuͤrſt Joachim die Partey der evangeliſch Lutheriſchen durch, Annehmung der evangeliſch⸗ reformirten Partey zu verftärfen, und verabſcheuete die Verketzerungen derer, welche die Lehre vom Geſetz und Mitteldin⸗ gen, oder ſonſt eine und die andere Lehre nicht ſo beſtimmt vortrugen, als Luther und ſeine eifrigſten Anhaͤnger gethan. In dieſer Abſicht berathſchlagte er auf dem Chur⸗ fuͤrſtentage zu Frankfurt ſich mit dem Churfuͤrſten von der Pfalz, dem Churfuͤrſten von Sachſen, dem Pfalzgrafen von Veldenz, dem Herzoge von Würtemberg, dem tandgrafen zu Heilen und den Marggrafen von Baaden ; tie denen Spaltungen der: Proteftanten zu begegnen ſey. Alle dieſe Herren ſuchten die Beſchuldigung von ſich abzulehnen, als wenn fie dem augſpurgiſchen Glaubensbekaͤnntniß nicht richtig zuge⸗ than wären. . Es gefihahe folches im einer eigenen. Schrift, worinnen ſelbige fich zugleich nochmals. zum augfpurgifcheit Glaubensbefäntniß .befannten und wegen der vier vornehmften Artikel, welche die Rechtfertigung , ‚die gutem Werfe, das Abends mal und die Mitteldinge betrafen ‚.. fich ſo erklaͤreten, wie fie es dem augfpurgifchen Glaubensbekaͤntniß am gemaͤſſeſten bielten.c). BEAT NA GERN kom du. 59 2 BE Durch Joa⸗ Auch die fraͤnkiſchen Unruhen waren bisher ein beſtaͤndiger Gegenſtand der Bes Sims bemi; fehäftigungen Joachims geweſen. Er wiederhofte auf dem Churfürftensage zu Frank⸗ hungen 1er furt bey dem neuen Kaiſer alle dienfiche Vorftellungen, dem brandenburgifchen Haufe deu die fraͤnki⸗ e | Ä G 75 see ch insbefonbe —— ſchen irrungen überhaupt, und feinem Detter Georg vie r ſondere, die rſezung des von Seigelegt. den fraͤnkiſchen Einigungsverwandten erlittenen Schadens und den ruhigen Beſitz der entriſſenen Lande wieder zu verſchaffen. Unter den fraͤnkiſchen Einigung verwandten waren M: 7 = Leuthinger. Haftitius. Salig Hiſtorie der augſpurgiſchen Confeßion. Th, ı. “ | Ehurflaſt Son nd, 3.0 143 — Bifchöfe Wigand von Bamberg und Moelchiee von Wurbun Be mäehtigften und hitzigſten geweſen. Der erſtere war aber indeſſen geſtorben, und chior Zobel Biſchof von Wuͤrzburg nahm zu der Zeit des Churfuͤrſtentages zu urt ein betruͤbtes Ende. Als er den zsten April um neun Uhr Vormittags is der wuͤrzburgiſchen Canzley zu Einne‘ omung des Morgenbrods, in Begleitung eis iger Hofbedienten, nach feinem Schloß veiten wolte, "ward er von einigen Neutern meuchelmorderiſcherweiſe angefalien, durch einen Schuß tbotlich verwundet, einige ſei⸗ net Begleiter ermordet, und andere ebenfals verwundet. Der Biſchof ſtarb, ehe er aufs Schloß gebracht wurde. Jedermann ſahe dieſen Mord als eine Folge der fraͤn⸗ iſchen Unruhen an, und maß alle Schuld dem Wilhelm von Grumbach bey, wel⸗ cher, als ein Anhänger des verſtorbenen Marggrafen Albrechts, ebenfals in die Acht gderathen, und an Ehre und Sürern durch den Bifchof von Wuͤrzburg einen unerfeßs Uchen VBerluſt erlitten hatte. Ein gleiches Betragen gegen verſchiedene andere Anhaͤn⸗ ger Marggraf Albrechts verurſachte die Beiſorge, daß ſolche ihre Rache noch weiter eiben möchten ; befonders wenn die fraͤnkiſchen Einigungsverwändten denen an den ganzen vorigen fern unſchuldigen, jegt lebenden Perfonen des brandenburgifchen Hau fs, mod) ferner alle Genugthuung werfagen wolten. Dies befoͤrderte endlich den vol, Utgen Friedensſchluß zwiſchen dem Geſamthauſe Brandenburg und den fraͤnkiſchen Einigungsverwandten. Kaiſer Ferdinand, welcher bereits auf dem vorigen Reichs⸗ tage zu Regenſpurg die Entſcheidung dieſer ganzen Streitigkeit über ſich genommen, ſttzte zu dieſem Ende eine Verſammlung der Parteien ſowol, als verſchiedener vermit⸗ elnden Fuͤrſten nah Wien an, wo ſich ſolche, nebſt dem Kaiſer und deſſen Prinzen dem boͤhmiſchen Könige Maximilian, wirklich einfanden. Der Churfuͤrſt Joachim ſchickte die Doctores Chriſtoph von der Straſſen und Paul Prußmann, Marggraf Sohann von Cuͤſtrin aber den Berthold von Mandelslo ats Bevollmächtigte da⸗ hin ab. Dieſer letzte Prinz fand ſich nachmals fogar perfonlich ein. Marggraf Sieg mund Erzbifchef von Magdeburg fowof, als Marggraf Georg Friedrich von Bran⸗ denburg in Sranfen hatten eben fo wie die Biſchofe Georg von Bamberg, Fries Deich von Würzburg und die Stadt Nürnberg bevollmaͤchtigte Geſandte gefchickt. Hierzu kamen die Gefandren der Erbeinigungsverwandten des Churfuͤrſten Auaufts von Sachen, der Herzöge Johann Friedrich des mitlern, Johann Wilhelms und Zohann Friedrich des jüngern, erneſtiniſcher fächfifcher tinie, und des Sands ‚grafen Philipps von Heffen. Endlich) hatten au) Friedrich Pfalzgraf beim Rhein, Henrich Herzog zu Braunſchweig und Chriftoph Herzog von Würtemberg zu die . fen Unterhandlungen ihre Näthe abgefchieft. Das Haus Brandenburg ftellte vor: daß es ſich zwar feines von den Einigungsberwandten erfittenen Schadens: durch Gewait wohl hätte erhofen Fonnen. Es habe aber bisher don Weg der Unterhandlungen vorges zogen, fonderlich da fich der Kaifer und Erzherzog Maximilian der Sache unterzogen. Die Einigungsrerwandten haͤtten marggraͤfliche Orte in Franken, ohne Berrachtuns m, ob ſolches Veſtungen waͤren oder er y theils vor, theils nach Marggraf Als brechts 1558. 1558. 144 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. brechts gaͤnzlicher Niederlage, ohne in Erwegung zu ziehen. ob ihuen aus dieſem oder = jenem Drt Gefahr zuwachſen konne in ühre Gewalt gebracht, won. Grund aus. zerſth⸗ vet, die Steine nach andern Orten gebracht, und neue Veſtungen davon erbauet. Die Holzungen und andere herrſchaftliche Einkünfte wären verderbt und geſchmaͤlert, alle Fr Vertheidigungsmittel uͤberſchritten, und blos Rache, Schaden und Schimpf dem Geſamt⸗ Haufe Brandenburg zugezogen. Es waͤre alſo billig, daß die Einigungsverwandt. alles auf ihre Koſten in vorigen Stand wieder ſetzten, und ‚wegen des uͤbrigen gehörige ic Genugthuunggäben. Die Einigungsverwandten fehigten-fich mit det Nothwehr, mir dem Landfriedensbruche Marggraf Albrechts, mit dem von dem Marggrafen ihnen zugefügten Schaben, mit der gegen ben Marggrafen ergangenen Acht. Sie hätten zwar Paffenburg erft nach- der Niederlage Marggraf Albrechts, aber aus gegru deter Beiſorge, zerſtoͤret, daß Albrecht, mit Huͤlfe einer. fremden Macht, zu der er entwichen, dieſe Veſtung wieder einnehmen, und von da aus. ihren fanden Schaden zufuͤgen möchte, · Dieſer ganze Streit gebe den lehnsfolgern und Erbvereinigten nicht an, vielmehr fen Marggraf Georg Friedrich, als alleiniger Erbe Marggraf Als Bamberg alle genommene Urkunden wieder heraus zu geben, und den Einigungsver⸗ wandten überhaupt alle verurfachte Schäden und Kriegsfoften zu erftatten, Sie er⸗ boten fic), wenn dieſe guͤtliche Unterhandlungen ſich fruchtlos zerfchlagen ſolten, daß ſie ſich einem Rechtsſpruch des Kammergerichts, oder andern unparteiiſchen Gevoll⸗ maͤchtigten unterwerfen wolten. Das Haus Brandenburg leugnete, daß Marggraf | Georg Friedrich ein Erbe Marggraf Albrechts fen, fondern ihm als-$ehnfolger das $and zugefallen ; daß Marggraf Albrecht lande den Einigungsverwandten was ſchul⸗ dig fen, ſondern weit mehr ohne Schuld bezahlen muͤſſen, als die gemachte Forderung austräge; daß man von bambergifchen Urkunden Wiffenfehaft Habe; vielmehr behau⸗ ptete e8: Daß es wegen Der tehnsfolge allerdings auf feinen gemachten Forderungen be⸗ fiehen fünne. Die Einigungsverwandten blieben aber bey dem, was fie angebracht. Endlich ward den Öfen October gütlich verglichen. daß die Einigungsverwandten an Marggraf Georg Friedrich und das Haus Brandenburg in ſieben Sihren.r73000 rheiniſche Gulden in der Stadt Rothenburg an ver Tauber bezahlen ſolten, welches Geld das Haus Brandenburg zur Wiebererbauung feiner Veſtungen, oder wie es fonft wolle, anwenden fonne. Dagegen bewilligte das Haus Brandenburg alle der Verträge Marggraf Albrechts mir den Bifchöfen und der Stade Nuͤrnberg ſich "gänzlich zu begeben. Beide Theile folten ſich Fünftig dem Landfrieden gemaͤß verhal⸗ ten, und ihre gegen einander habende Rechtshaͤndel, die diefen Krieg angehen, fahren daffen. Herzog Henrich von Braunſchweig und der Burggraf von Meiſſen folten in diefen Vertrag, wenn fie folchen annehmen wolten, mit eingefchloffen ſeyn, oder ihre Unfprüche an Das Haus Brandenburg durd) den Weg Nechtens-füchen. Die - Einigungsverwandten lieſſen Die Forderung des zu erhebenden Ruͤckſtandes bis auf 3000 Anfprüche und Forderungen, der Kriegsbeſchaͤdigungen halber, fallen zu laffen, und { brechts, ſchuldig, ihnen einen Ruckſtand von 18000. Gulden zu erlegen, dem Stift 4 PEN Joachim 2 IT Kal: 145 "ten fee, Das Haus Brandenburg berfprach, alle zu Handen kommende Ur⸗ 1558. dem Stift wieder zuzuſtellen. Beide Theile ſolten durch dieſen Vergleich völlig zzlich verglichen ſeyn, und der. den Einigungsverwandten auszuſtellende Ber Dei diefes Friedens vom Churfürften Joachim und Marggrafen Johann; derjenige aber, ſo an Churbrandenburg würde ausgeſtellet werden, von den Biſchoͤ⸗ fen und Eopiteln von Bamberg und Würzburg und der Stadt Nürnberg unter⸗ zeichnet werden. Durch diefen DBergleich gelangte endlich Marggraf Georg Sriedrich zu dein völligen und ruhigen Beſitz aller zum Fuͤrſtenthum des Burggrafthums Nuͤrn⸗ berg gehörigen Sande. Er war folches hauptfächlich dem Ehurfürften Joachim 2 und Ä Marggraf Johann von Cuͤſtrin fhuldig. Der erftere hatte fich feiner als Haupt des 2 brandenburgiſchen Haufes, der andere theils als fein Vetter, theils als. kuͤnftiger er angenommen... Bald nach geſchloſſenem wieneriſchen Vertrage kam deswegen Marggraf Georg Friedrich nach Berlin, um bey dem Churfürften fich vor die geleiftete Mähwaltung zu, bedanfen. Von da reiſte er, in Gefellfchaft Joachims 2, zu Vollziehung feines Beilagers, nach Cuͤſtrin ab. Es ward ſolches den 28ſten Des ceember mit aller damaligen gewöhnlichen Pracht gefelert. Unter andern harte Marg⸗ * graf Johann ein Ritterſpiel angeordnet, worin er ſelbſt mit Joachim von Bredow die lanze brach, en * auf den Pferden erhielten — N ER a N gar 4 - | J — Der ——— Sf war ungemein zufrieden, bie Hupe in Deuſthland durch Streitigkei — Ben Hieterifchen Verleih beveftiger zu haben, da er mic dem Papft Paul 4 in »77 »es failers Streitigkeiten gerathen war. Ferdinand hatte dem papftlichen Hofe feine angetretene — kaiſerliche Reglerung, mit Erbietung, bie gewöhnliche Findliche Pflicht dem allgemei⸗ ; er zu bezeigen/ kund gemacht. Aber Paul 4 glaubte, daß Carls 5 Abdan⸗ Ei Füng in päpftfiche Hände gefchehen follen, und daß in dieſem aufferordentlichen Fall +. die Ernennung eines römifchen Kaifers von ihm abhange, folglich alles unguͤltig fey, N was auf d dem Churfuͤrſtentage zu Frankfurt geſchehen ſey. Der Papſt harte noch bes Urſachen, mit Ferdinands Betragen unzufrieden zu ſeyn. Er beſchuldigte Bar daß er feinem Prinzen dem boͤhmiſchen Könige Maximilian verftatter, ſich den Ketzerelen und Secten anhängig zu machen. Er war misvergnügt, daß Ferdi⸗ Hand. Das Neligionsgefpräch zu Worms angeordnet, den Proteftanten die Einzie⸗ Hung geiftticher Güter zugelaffen,; auch verfehtedene andere, der catholifchen Religion nachtheilige, Dinge vorgenommen. Paul 4 verlangte: der Kaiſer Ferdinand ſolte wegen aller diefer beſchuldigten Verbrechen ſich dem Papſt zur Buſſe unterwerfen; der an ihn von feinem Bruder geſchehenen Regierungsabtretung ſich begeben; dem Papft überlaffen, was er der Eaiferlichen Würde wegen verordnen wiirde, und denfelben bit Rd —* er aus Gnaden ihm ſolche ertheilen moͤchte. Allein nunmehro war die Zeit u Ep a Th. 2. Reurhinger, Haftitius. Schardius T. 3. Köhlers PT "gen Th. 12. & P.allg. preuß. Gefch. 3Th. | | - x 1558. 1559. 146 3%. Hauptſt. Neuere Geſchichte don Brandenburg. zu folchen Forderungen des paͤpſtlichen Stuls vorbey. Die Welt war kluͤger gewor ⸗ den. Selbſt durch die Kirchenverbeſſerung und das augſpurgiſche Glaubensbekaͤnnt⸗ niß hatten die bey der roͤmiſchen Kirche gebliebenen Höfe. beſſere Einſichten bekommen, die fie zu ihren Vortheilen angewendet e). "Ferdinand nahm die unbefugte Forderun⸗ gen des Heiligen Vaters fehr übel. Der Eaiferliche Gefandte mufte ſich nach einer drei⸗ tägigen gefegten Zrift vom römifchen Hofe entfernen, und D. Seld des Kaifers und Reichsrechte mit vieler Freiheit fehriftlich vertheivigen. Die Sache gieng die Wahl⸗ freiheit der Churfuͤrſten an, daher ſolche auch vom Ferdinand an die Churfürften ge⸗ bracht wurde. Alle aͤrgerten ſich an dem Betragen des Papſts, und verſicherten den Kaiſer, ſich durch deſſen Betragen gegen Ferdinand nicht irrig machen zu laſſen. Phi⸗ lipp König von Spanien legte vor den Kaiſer feinen Vetter durch feine Geſandten Sranz de Bargas und Johann de Vignetoa beim Papft vergebliche Borbitte ein Selbſt das Abfterben des geweſenen Kaifer Carls 5 Fonte Paul von feinen Forderun⸗ ‚gen nicht abbringen, obgleich nunmehro aller Vorwand, dem Ferdinand die Nach folge zu beftreiten, wirklich benommen war. "Allein dieſer kehrte fich auch an ven paͤpſtlichen Hof nicht'weiter, und hatte alle Gemeinſchaft mit demſelben — die auch, fo lange Paul 4 lebte, nicht wieder hergeſtellet wurde f). ih, In der Regierung von Deutſchland hatte folches Eeinen Einfluß: Der Kaiſer Reichstag zu ſchrieb den Reichstag zu Augſpurg ans, auf welchem 1559 ſehr erhebliche Sachen in Augfpurg, Berathſchlagung kamen. Unfer Churfürft Joachim 2 beſchickte folchen durch 0) Wil⸗ helm: Grafen von Hohenſtein, Heren zu Vierraden und fanbvogt im der Ucker⸗ v 2 wel m a HERE Pr ae u Pr Pr a A — — marf, durch Ehriftoph von der Straſſen und Timotheus ung. Hier äufferte 4 ſich bereits das Misvergnuͤgen beider Religionsverwandten dadurch, daß fie gegen eins ander allerhand Beſchwerden fuͤhreten. Sonderlich wiederholten die Proteſtanten ihre Vorſtellungen wider den geiſtlichen Vorbehalt. Da ſolche nichts halfen, uͤberga⸗ ben ſie einen feierlichen Widerfpruch ‚ ‚daß fie in denfelben nicht willigen. — erklaͤ reten ſich, daß, wenn ein geiſtlicher Stand, wegen angenommenen aug pur Glaubensbekaͤnntniſſes, ſeiner Pfruͤnden entſetzet werden ſolte, ſie denſelben in oder auf ſerhalb Nechtens nicht verdammen, noch thärlic) oder auf andere Weiſe verfolgen bel fen wolten. Seit dem paffauifchen Vertrage hatte, man beftändig um die Berbeffes zung des Naths angefucht, deſſen der Kaifer an feinem Hofe fich bediente. Dies ders mochte den Kaiſer, zu Abhelfung der Befchwerden, eine Reichshofraths⸗ und Reichs⸗ hofcanzleyordnung zu verfertigen. Es ward auf dieſem Reichstage der landfriede und deſſen Vollſtreckung, inſonderheit wider Raͤuberey und Mord, auf Veranlaſſung des an dem Biſchof von Wuͤrzburg geſchehenen Verbrechens geſchaͤrft, und inſonderheit der Religionsfriede aufs neue beſtaͤtiget. Es kamen heilſame Verordnungen, in Ab⸗ ſicht des Kammergerichts und des Muͤnzweſens, heraus. Unter allen chirfurſte hat ons e) Böhner orat. de meritis A. C. in cätholicos. f) PirroSoave, Thuanus, Londorpius in Suppl. T.2. n.8 Soldaſt politiſche Reichehandet p 2. g) Leuthinger nennet den Georg Grafen von Stolberg, ber aber in.der BAHR des Reiches abfihiedeg als beandenburgifcher Geſandter nicht vorkommt. * Churfuͤrſt Joachim · Zoachim 2 nach dem Zeugniß der beſten Muͤnzkundigen den Muͤnzfuß am allergenaue⸗ - 147 1559. ften befolger. "In der Müngordnung wurde auch verfhiedener brandenburgiſchen Münzen, die bisher gegolten Crwebnung gethan, und verordnet, wie es kuͤnftig damit zu halten ſey ). In einem Nebenabſchied ward auf dieſem Reichstage unter andern beſchloſſen, an den König in Frankreich Henrich 2 Geſandte abzuſchicken, um Mes, Toul und Berdun vor das Reich wieder zuruͤck ‚zu fordern ; gleich als ob durch eine Geſandtſchaft dergleichen jemals bewirket worden “wäre. Auch wegen der Provinz d ward eine Gelohülfe von 100000 Gulden, folche gegen die Ruſſen anzuwen⸗ gi den, beſchloſſen. Doch auch dieſer Schluß hatte wenig Wirkung, ohnerachtet den Herzogen von Pommern aufgetragen wurde, von dem wahren Zuſtande der lieflaͤn⸗ diſchen Sachen Erkundigung einzuziehen. Die Ruſſen brauchten aber in Liefland ſolche Gewalt, daß ſich deren der Herrmeiſter von Liefland nicht erwehren Fonte, ſon⸗ ‚dern ſich entfihlieffen mufte, Die dortigen Beſitzungen nach und nach andern — Kane Ha * 6 In der Mark Brandenburg ward nunmehro zur Beveftigung von ih Berathſchla⸗ dow bie Hand ans Werk gelegt. Der Churfuͤrſt erhob ſich ſelbſt an dieſen Ort, — ſtellte dem dortigen Stadtrathe vor: er habe vom Antritt feiner Regierung dahin geſe— - Ben, feinem: Lande Ehrfurcht zu verſchaffen, und deſſen Beſtes zu beſorgen. und Zu die⸗ fen Ende Habe er ſeit feiner Regierung mit allen Nachbarn einen dauerhaften Frieden mit vieler Mühe glücklich unterhalten. Hierauf ſey ſeine Sorge dahin gegangen, die Rirchenverbefferng, obwol nicht ohne Gefahr, im ganzen Sande und in feinen Land— | } ſtiftern einzufuͤhren. Er habe feine Staaten mit Croſſen, Beſeckow und Storckow vermehret, Magdeburg auf gewiſſe Art damit verbunden. den, die Mitbelehnung auf Preuſſen zu erhalten. Die entriſſenen fränfifchen tande wären wieder ang Haus gebracht. Während den blutigften Kriegen habe die Mark Feind gefehen, fordern fich in allen Stuͤcken gebeffert, Dey dem allen müffe er auch auf die Zufunft venfen, und er habe deshalb befchloffen, eine Veſtung anzufes gen. Es fer jetzt nicht die Rede, wie folches auszuführen, meil ein veftgefeßter Ent ſchluß auch die ſchwerſten Sachen werfitellig machen Eonte. "Er habe auch bereits eis nem gefchickten Kriegsbaumeiter die Sache aufgetragen. Nur frage es fich, mo bie Veftungswerfe gen wären, und die hierbey fi ch ereigneten Schtwierigfeiten am » Unter andern Münzen folten die branden⸗ burgifchen Viertheil oder Orter, die auf der ei; nen Seite ein Bruftbild mit‘ einem Scepter und die Umſchrift Ioach. Prin. Elec. March. Bran. und auf der andern Seite die brandenburgifchen Wappen mit der Umſchrift haften: Mone. Nov. Arg: Prin. Electo. Br. in Bezahlung gar nicht, yerdenı Landesherrn aber um vierzehn Kreutzer ge⸗ Otrimen werden. Die bisherigen maͤrkiſchen Gro⸗ fhen wurden anf ein und drey —9 Kreutzer ge⸗ 2 beften Ft, Die beandenbusgtfihe neue goldene Muͤn⸗ zen mit ©. Johann, und die auf der einen Sei: te ©. Paul, auf der andern die beandenburgi; fchen Rappen, in deren Mitte ein, Scepter zu ſehen ‚wäre, hätten, folten nach fechs Monaten verrnfen ſeyn. ) Lehmann Ad. relig. Neichsabfihied von 1559. Wöchentliche onolgbachifche Nachrichten von 1740 n. 44. Köhlers gründliche Nachricht von dem deutſchen Muͤnzweſen in der Vorrede. gungen wegen der veſtung Spandow, Es ſey Hofnung vorhan⸗ 148 3% 6 Hauptft Meuere Geſchihte von ———— 1559. beſten gehoben wuͤrden. Entweder die ganze Stadt ſolte in die Veſtungswerke g gen, oder nur dabey ein veſtes Schloß angeleget werden. Beides habe Vortheile, bei⸗ — Paͤpſtliche ger ſandten in Berlin. " ‚1560, des feine Schwierigkeiten. Diele maͤrkiſche Staͤdte ſchienen zur Beveſtigung bequem zu liegen. Man müffe hierbey auf Waſſer und ‚Berge fehen, und, die Dicken Bahn gen nicht auffer Acht laſſen. Viele Reichs und Landſtaͤdte wären beveſtiget. dom fey fehon bisher. Fein ganz offener Ort gewefen, und ſey fo volfreich, als nöthig, und liege uͤberdies zu dieſem Endzweck fehr bequem. Nur ſchlen der A zu groß, um ihn mit genugfamen Mund und Kriegsbeduͤrfniſſen verſehen zu Fonten, ker in dieſer Abſicht fihien ein blos. beveſtigtes Schloß zuträglicher zu ſeyn, beſonders da mit eben den Koſten, die auf die Beveſtigung der ganzen Stadt giengen, an mehrern Orten vefte Schlöffer ongelegr. werden koͤnnen. Co habe Mecklenburg ı und Braunſchweig durch verfehledene beveſtigte Schlöffer feine Staaten geficherk „,. Eine ge wolten dem Churfürften anrathen, ftatt Spandau Zoffen zu wählen, aber- bie bequeme Sage von Spandau machte, daß die Meinung die Oberhand behielt, das. Anfang gemacht wurde Bi Die aufs neue in Vorſchlag gebrachte tridentiniſche RR. machte unfeem Churfürften neue Sorgen. Paul 4 war geftorben, und harte den Papfe lichen Gevollmächtigten zu erfennen, daß er die Abdankung Carls 5 genehinige, und, _ gegen die Kaiferwürde Ferdinands nichts einzumenben habe. Der Graf von Arco wurde alfo 1560 als Eaiferlicher Gefandter nach Nom geſchickt, welcher ſich a Rath des fpanifchen Gefandten endlich bequemte, im Nainen des Kaifers dem lichen Stul die Findfiche , Pflicht, nach ‚ehemaliger Gewohnheit, zu begeigen. Shen. dieſer Geſandte muſte die Borfteilung hun, „die uunterbrochene Kirchenverfe ung in Deutfehland wieber herzuftellen. Hiezu, erflärete fich der Papft wider, alles Vermu⸗ then geneigt, . weil er ſchon vorher. eben diefen Entſchluß gefaft hatte. Ferdinand wol te aber noch vorher einen Reichstag halten, und verlangte überdies vom Papft für * Unterthanen die Erlaubniß, das Abendmal unter, beiderley Geſtalt zu genuͤſſen, und, die Prieſterehe zu verſtatten. Pius 4 glaubte, aus dem Zwieſpalt der Proteſtan⸗ ten uber das geänderte und ungeaͤnderte augſpurgiſche Glaubensbekaͤntniß auf der Kirchenverſammlung Vortheile zu ziehen. Er ſchickte daher an die vornehmſten auch roteſtantiſche Höfe, ſelbſt an den Herzog von Preuſſen, Geſandte ab. Nach erlin kam Zacharias Delphino und Franz Commendon. "Der Papſt legte un gs Churfürften noch in feinem Schreiben den Namen eines geliebten Sohnes bey., JZoachim 2: blieb noch immer bey ſeiner Meinung, daß auf einer freien chriftlichen Pius 4 zum Nachfolger. ‚Der neue Papſt gab gleich nach feiner Wahl dem kaiſer⸗ — Kirchenverſammlung die Religlonsſtreitigkeiten wohl beigeleget werden koͤnten Allein jetzt beſtritte man dem Papſt das Recht, eine Kirchenverſammlung zu berufen, deſſen Ort und Zeit zu beſtimmen, und ſich der Entſcheidung darauf: anzumaffen, da er von &) Ceuthinger den — Schloß zu Spandau zu einer OHNE zumachen, eg mit dem Don der iflhe 4 - — * er J — J ehe Churfuͤrſt Joachim 2, | m) a Proteftantenn als Beklagter und ihr aͤrgſter Feind angefehen wurde. Der chum 1560, “ et Hof wolte fich Überdies nunmehr nicht weiter von denen Übrigen | nten trennen, ſondern ſonderlich mic dem Churfürften Auguſt von Sach- fein ſich daruͤber vereinigen. Denn mit diefem Herrn unterhielt Soachim die gröfte Bertraulichkeit. Ex hatte den Churfürften von Brandenburg, bey Gelegenheit ber VBermaͤlung ver brandenburgifchen Prinzeßin Hedwig mit dem braunſchweigiſchen Prinzen Zulio, den 25ften Febr. noch in Berlin befucht, und auf demſelben fich die geftellten Seierlichkeiten eines Feuerwerks und Ritterſpieles jo wohl gefallen Taffen, daß Auguſt auch die meiften Spiefle gebrochen. Inder That gereichte diefe Vermaͤ⸗ lung der ganzen proteftantifchen Kirche zum Beſten. Herzog Julius, der ‘einzige Prinz Herzog Henrichs von Braunſchweig, befam eine Neigung zur evangeliſchen . Kirche, haste fich aber deswegen, dem Zorn feines heftigen catholifchen Herrn Bas ters zu entgehen, «nach der Mark Brandenburg in Sicherheit begeben müffen. Durch) - die Bermittelung der brandenburgifchen Prinzen aber ward er mic feinem Herrn Bas ter ausgeföhnet, und dieſe Bermälung mar das Siegel ſowol der Befländigfeit Her⸗ * zogs Julii bey der erkannten tehre, als der Freundſchaft Herzogs Henrich. Um fomehe befamen die päpftlichen Geſandten einen fehlechten Beſcheid. Der Churfürft enflätete ſich, daß er die päpftliche Gevichtbarfeie und Dberherrfchaft nicht erkenne, und daher dem roͤmiſchen Stul das: Necht, Kirchenverfammlungen, auf denen er nach feiner, Willkuͤhr alles veitfegte, «was zu feinen eigenen Vortheil allein gereiche, _ nicht einraͤume. In feinen fanden fen eine fo gure Kirchenverbefferung bereits‘ beforgt, daß man des Papſts Verbeflerung nicht noͤthig habe. Joachim habe das augfpurgis ſche Glaubensbekaͤntniß einmal-angenommen, und Fonne davon nicht abgehen. Cr bverwundere fich, daß der Papft unbefugter Weiſe, regierenden Herren Befehle zuzufchts den, ſich anmaſſe, und-verbäce folches fürs Fünftige. , Wuͤrde der Kaifer: aber, dem das Recht, Kiüchenverfammlungen: auszufchreiben , zuſtuͤnde, fich mit andern Monars chen darüber verftehen, und nach dem Gutachten der Neichsftände eine Verſammlung ausſchreiben, fo würde der Churfürft folches ihm nicht entgegen feyn laffen. Denen Herren, Geſandten, welche aus den beſten venetianifchen Haufern entfproffen waren, Deren erhabene Eigenfchaften und Einfichten der Churfürft wohl erfenne, fey er vor ihre Perfonen zu, allen. Gefälligfeiten geneigt, nicht aber in fofern fie päpftfiche Gefandten in dieſem Gefchäfte wärem,, Eben:eine folche Antwort ertheilte auch Marggraf Jo⸗ hann von Cuͤſtrin D. ME —T | Ka ; $ 62. Ä x - 5 Der Churfürft machte ſich indeſſen auf alle Faͤlle gefaſt. Er ließ ſowol zu Netz⸗ Andere lan: lin ein luſtſchloß erbauen, als die Beveftigungen des Schloffes zu Spandau forrfegen. desangelegen; Er ſchenkte der Neuſtadt Brandenburg das dortige Paulinerffofter zu Errichtung beiten. einer Pfarre und eines Hofpitals. Er fehickte ven Georg Sabinus nach Polen, um auf dem Neichstage zu Warfihau die Gemuͤther zu gewinnen, ihm in feinem Ges T3 ſuh ) Leuthinger. Haftitius. Pietro Soave. 1560. dieſer Neichscag wegen der Krankheit des Koniges Sigismundi Auguſti damals Fir 150 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ſuch wegen ber preußifchen Mitbelehnung Feine Hinderniffe in den Weg zu legen pi Er nen Fortgang hatte, ſchickte der. Churfuͤrſt ven Sabinus an verfihiedene italiänifche aR. Höfe, vermuchlich fichere Nachrichten wegen der Kirchenverfammlung, und was die italiaͤniſchen Staaten in diefer Sache vor Gefinnungen hätten, einzuziehen Sa⸗ tigkeiten Andreaͤ Muſculi und Abdiaͤ Praͤtorii über die behre der chriftfichen Freiheit Churfachfen und Branden⸗ burg jollen die bremifihen ſtreitigkeiten beilegen. Verſamm⸗ lung der pro⸗ teſtanten in Naumburg. 1561. binus hatte fein Geſchaͤfte in Venedig geendiget, und wolte nach Florenz abreifen, ward aber unterwegens zu Ferrara Frank, und ſtarb bald nach feiner Zuriceunfe in Sranffurt an der Oder in eben dem Jahr, in welchen fein Schwiegervater Philip⸗ pus Melanchthon zu Grabe gieng. Die Frankfurter hohe Schule verlor an ihm einen der wuͤrdigſten Männer, und kam in ziemlichen Verfall, ‚befonders da die Streis und der Nothwendigkeit der guten Werke immer Heftige geworden. Marggraf Ganz chim Friedrich war, als Bifchof von Lebus, Kanzler diefer hohen Schule, deffen Herr Vater der Churprinz. Johann George, im Namen feines Prinzen, alles Gr forgte. Der Churprinz ſuchte zwar durch Schreiben beide Theile zur Eintracht zu er⸗ mahnen, und wohnte auch dem dieferhalb angeſtellten Gefpräch perfönlich bey, konte aber dem Schaden, ‚ven die hohe Schule aus dieſen Zwiſtigkeiten hatte, nicht. vors beugen m). | a ; In der Stabt Bremen war es aber wegen Neligionsftreitigkeiten zu wi Unruhen zwifchen ven Evangelifchlutherifchen und Neformirten gefommen. Der Kaifer trug daher von Prag aus denen Churfürften Auguft von Sachfen und Gem _ chim von Brandenburg, als feinen Gevollmächtigten, auf, die Gemücher zu befaͤnf⸗ tigen, und die Ruhe wieder herzuftellen. Es ift aber leichter, ein Feuer anzuzuͤnden, als zu loͤſchen. Hierzu Fan, daß die Neformirten in Bremen fich von denen nicht‘ ausfhlieffen wolten, welche das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß annahmen m). Der Zwiefpalt über das geänderte und ungeänderte augſpurgiſche Glaubensbe⸗ fäntnig, und die aufs neue im Werk feyende tridentinifche Kirchenverſammlung vers’ urfachten eine allgemeine Verſammlung der Proteftanten in Naumburg. Perfon⸗ fich fanden ſich dabey Friedrich Ehurfürft von der Pfalz, Auguſt Churfürft von Sachſen, Wolfgang Pfalsgraf beim Rhein, Johann Friedrich Herzog von Sach» fen, Ernſt und Philipp Herzöge von Braunfchweig, Ulrich Herzog von Meck⸗ lenburg, Chriftoph Herzog von Wuͤrtemberg, Philipp landgraf von Heffen, Carl Marggraf von Banden und Georg Ernſt gefürfteter Graf von Henneberg,' ein. Die -übrigen Proteſtanten erfhienen durch Geſandte. Der Churfuͤrſt Joa⸗ chim 2 hatte Georg Albrecht Grafen von Stolberg, und Marggraf Johann ſinen Kanzler Adrian Albinus nad) Naumburg abgefertiget. Die churbrandenburgi⸗ fehen Geſandten brachten die päpfttichen mit, und es fanden fich auch Faiferliche Ges ji}, a) - "- fandre hieſelbſt ein. Am Jahr 1561 wurden auf diefer merfwürdigen Berfammlüng’ 2 zwey Punkte in Ueberlegung gezogen: Der erſte beftund darin, ob diejenigen als Ver⸗ | ER | | wandte m) Leuthinger. Haftitius. Angelus. ) Leuthinger Al Churfuͤrſt Zoahim 2, =." ist wandte bes augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniſſes angeſehen werden, und folglich den Religionsfrieden mit genuͤſſen koͤnten, die die geaͤnderte Ausgabe dieſes Bekaͤntniſſes annaͤhmen? "Die Aenderung betraf nicht Worte allein, ſondern wirklich auch Sachen. Es kam darauf an, ein Mittel ausfindig zu machen, die beiden Ausgaben des aug⸗ ſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniſſes mit einander zu vergleichen. Det groͤſte Theil der verſammleten Proteſtanten Hatte zu einer ſolchen Vergleichung groſſe tuft. Die mei⸗ ſten hielten daher fuͤr gut, daß zwar das augſpurgiſche Glaubensbekaͤntniß nach ſeiner en Form, ‚wie ſolches 1530 dem Kaiſer übergeben war, unterſchrieben, aber zugleich eine Vorrede voraugefetzt und in derfelben bezeuget werden folte, daß die andere Auss gabe im Grunde von derfelben nicht unterfchieden fey. Es wolte aber Johann Fries >. brich der Mittlere Hierzu feine Einvoilligung nicht geben, und feine Gottesgelehrten be⸗ wieſen gegen andere Proteſtanten mehr Bitterkeit, als die Catholiken felbſt. Die — Uneinigfeit,, die diefe Verſammlung hatte heben follen, wurde dadurch nur vergröffert. | tfürft Joachim 2, der noch nicht alle Hofnung der Vereinigung mit den Catho⸗ -- Krockow theils durch den Georg Albrecht Grafen von Stolberg zu Naumburg inmn Vorſchlag gebracht, ein neues Slaubensbefäntniß zu entwerfen, worin mit Flaren * Worten bezeugt wuͤrde, daß im heiligen Abendmahl ſowol Bekehrte als Unbekehrte den We wirklichen leib und Blut Chriſti geiſtlicher und koͤrperlicher Weiſe genoͤſſen, um das durch ſich von denen Zwinglianern und Calviniſten genau abzuſondern, und den Bors wurf der Papiſten abzulehnen, daß die Proteſtanten ihren Glauben öfters änderten, dennoch) war feine Meinung vor die Duldung dererjenigen, welche einen andern 4 lauben haͤtten. Marggraf Johann von Cuͤſtrin meinte zwar ebenfals, daß es gut eg ausdrücklich zu beftimmen, daß Bekehrte und Unbefehrte den. wahren feib und “ Blut Chriſti genoͤſſen. Er wolte ſich es aber nicht entgegen ſeyn laſſen, wenn gleich dieſe genaue Beſtimmung nicht beigebracht würde, wofern nur ein jeder bekenne, daß er alle Meinungen die dem augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß zuwider, beſonders die Meinungen Zwinglii und Calvini, verwerfe, und bey diefer Meinung beftändig bes harren wolle. Man müffe die ſchmalkaldiſchen Artikel zu Rathe ziehen, und in eis nem Anhange alles genauer beſtimmen. D6 nun wol Marggraf Johann zu Naums ae denen, die das geänderte Bekaͤntniß annahınen, nicht: fonderfich zuwider zu ſeyn ſchien; fo verbot er doch durch ein dffentliches Ausſchreiben venenfelben, feine Lande zu betreten, und ihre Schriften zu leſen. In Abſicht der Kirchenverfanmfung wurden die päpftlichen Gefandten nicht einmal vorgelaſſen. Den Faiferlichen Geſandten gab man bie Erklärung, daß die Proteftanten in ‚Feine Kirchenverfammlung willigen koͤn⸗ ten, als worauf die Entfiheidungsgründe allein -aus. der heiligen Schrift genommen, 2: Be Biſchoͤfe ihres dem Papſt geleiſteten Eides entlaſſen und den proteſtantiſchen Got⸗ tesgelehrten freie Stimmen verſchaffet würden. Weil die vorhabende Kirchenverſamm⸗ lung aber nicht ſo beſchaffen ſey; ſo waͤre an aller guten Wirkung derſelben zu zweifeln, fie wolten jedoch naͤchſtens davon ihre Meinung umſtaͤndlicher eroͤnen. Der Papſt af J ließ verloren, hatte über dieſen Gegenſtand theils ſelbſt dem ſaͤchſiſchen Geſandten 1561. 1561, 152 3% 6 Hauptfi, Neuere Geſchichte von Brandenburg. | fieß fich aber hierdurch an der Ausſchreibung der Kirchenverſammlung nicht hindern Der Kaiſer ſchrieb auch auf das folgende Jahr einen Reichstag nach Frankfurt aus. Seine deshalb an die churfuͤrſtlichen Hoͤfe geſchickten Geſandten erſuchten die Churfr/ ſten, perſoͤnlich darauf zu erſcheinen, um die römifche Konigeswahl feines aͤlteſten Sohnes zum Stande zu bringen. Eben dieſes — that a we ee Streitigfeiz' ten der Neu⸗ mark mit Por len. DJohann theils fehriftlich, heile durch Gefandte Unterhandlungen gepflogen, allein S* ſandte der den zten ehe nach Berlin kam o). rg a. a Beinahe wäre es in Biefeh ab zwiſchen Marggraf MI, von iin und den Polacken zum offenbaren Kriege gefommen. Zwiſchen Falkenburg in der Nei mark und Krone in Polen waren einige Aecker an ber Radewitz ſeit vielen x ten ſtrittig Wenn folche die Marker 'befäcten, erndteten die Polacfen, und die Fuch te, die die Polen beftellten, ſammleten die Miärfer ein. Lucas Gr damal ger Woywode von Pofen, hatte diefer Irrungen wegen ſchon dfters mie Marggra Bemuͤhungen beider Theile waren vergebens ausgefallen, weil Feiner nachgeben wolte. e: Im Frühling diefes Jahres hatten die Polacken die frittigen Aecker in Beſitz genoms 5 ‘men, und fich in ihren Häufern von Danzig aus mit Waffen verfehen, wenn brandenburgifchen Unterthanen fie daran hindern wolten. Melchior Kraufe, des Marggrafen Zohanns Befehlshaber in Falkenburg, gab davon feinem Herrn Nach richt, und erhielt den Befehl, in aller Stille teute zuſammen zu ziehen, und die Po cken, ohne jedoch ven polniſchen Boden zu betreten, wieder aus dem Beſi itz der ſi tigen Aecker zu ſetzen. Dieſes ward puͤnktlich ausgeführer, hätte aber beinahe ein pl ſes Kriegsfeuer entzinden Fonnen. Der Caſtellan von Krone kam bald darauf mie gewafneter Hand in das Dorf Radewitz und auf brandenburgiſchen Boden, und verfuhr völlig feindfich. Es war ſolches um fo vielmehr bedenklich, da zu eben“ der Zeit Marggraf Johann mit dem Churfuͤrſten feinem Herrn Bruder in einige Ver⸗ druͤslichkeiten gerathen. Der erſtere hielt ſich zu Beſeckow auf, und hatte braun⸗ ſchweigiſche Geſandten bey ſich, welche die bruͤderlichen Streitigkeiten zu vermitteln ſuchten. Hier erhielt Marggraf Johann von dem feindlichen Einbruch des Caſtellans von Krone Nachticht. Er ertheilte feinem tandeshauptmann Franz Neumann fr fort Befehl, in ven vorliegenden neumärfifchen Kreifen alle wehrhafte BR fo ftille, als möglich, in einem Walde bey Falkenburg zuſammen zu stehen. "Die Beſatzung von Cuͤſtrin ſtieß dazu, und Melchior Kraufe muſte den ganzen Haufen anführen. Selbiger ruͤckte in der Nacht gegen das zwiſchen Suͤmpfen und Teichen liegende Kron an. Sein Vorderzug muſte alles unterwegens auffangen. So bald des Morgens die Thore gebfnet wurden, ruͤckten die brandenburgiſchen Voͤlker her⸗ bey. Es wurde zwar zeitigterm, Kraufe ſchnitte aber mit feinen Voͤlkern das Schloß von der Stadt ab, worauf fi ch die Stadt ohne alle Gegenwehr ergab. Der Caſtellan aber ‘o) Kullingeii Boldaft politifche Neihshändel S. 13. sin Hiſtorie des naumburgiſchen Convents. Moſers dritter Anhang zur Wohleapumativn Franc. ©. zꝛi. Churfuͤrſt Joachim 2 | h) 153 aber im Schloſſe ſuchte fich hetzhaft zu wehren, jedoch ſhe er ſich bald bemußiget, ſich mit feinen beuten zu Kriegsgefangenen zu ergeben. Alles, was man darin fand, ward breis gegeben, das groͤſtentheils von Holz erbauete Schloß niedergeriſſen, und der Ca⸗ ſtellan gefänglich auf das Schloß nach Falkenburg gebracht. Gorfa berichtete diefen Vorfall dem Könige Sigismundo Auguſto, der ihm auftrug, den Adel feiner Woy⸗ wodſchaft zufammen zu bringen. 500 Mann Tartarn Famen auch zur Befegung der Grenze herbey. Marggraf Johann Tieß dagegen ein Aufgebot an feinen Adel und Scaͤdte ergehen, verftärfte, die Befagung in Falfenburg, und machte alle mögliche Keiegsräftungen. Von beiden Theilen hütete man fich, einander zu nahe zu Fommen. Endlich kamen koͤniglich polniſche Gefandte zu Cuͤſtrin an, die fich befehtwereten, daß man ohne Borbewuft des Königs das polnifche Gebiete feindlich angefallen, einen koͤ⸗ niglichen Beamten feindlich weggeführet, das Schloß erobert und preis gegeben, und hierdurch den bisherigen Frieden gebrochen, die Freundfchaft geftöret, der Verwandt Fon w nahe getreten, und. Unruhe erreget habe. . Die-Gefandten verlangten, daß ' * auf freien Fuß geſtellet, alles in vorigen Stand geſetzt, und uͤberdies —* ei gegeben werben möchte. Man fuchte fogar einen Anfpruch vor len auf Falfenburg hervor, verfprach aber zugleich, daß der König, nach Unters ch an der Sache, den Eaftellan ſtrafen wolle, wenn man ihn ftraffällig finden wuͤr⸗ | — Marsgraf. Johann nahm die polniſche Geſandten mit vieler Hoͤflichkeit auf, bezeigte, daß es ihm ſehr leid ſey, die Sache fo weit gebracht zu ſehen. Des Koͤ⸗ nigs Misfallen ſey ihm nicht gleichgültig, und wuͤnſche er, die bisherige koͤnigliche Freundſchaft noch ferner zu genüffen. Der König möchte alfo feinem falſchen Gerücht oder Anhesungen Öfauben beimeffen. Der Marggraf wünfche nichts, als die Ruhe ferner beizubehalten, fey aber bereit, alle von Gott verlichene Macht gegen alle Anfälle zu gebrauchen. Er danke dem Könige, daß folcher fich nach ven wahren Umſtaͤnden — Falkenburg werde er mit eben dem Recht ferner behalten, wie er ſolches bisher beſeſſen, und fich dabey, wenn es noͤthig ſey, mit Gewalt zu ſchuͤtzen wiſſen. Der Caſtellan von Krone habe ihn durch ſein eigen Betragen gezwungen, ſich ſeiner zu bemaͤchtigen. Seine wirklich feindliche Handlungen lägen am Tage, und er habe noch weit mehrere Drohungen fich verfauten laffen. Durch feinen Einfall in Polen habe er blos das Wieververgeltungsrecht ausgeuͤbet, weil die Polacken zuerft-in feine Staaten feindlic) eingedrungen. Er habe blos dadurch gefucht, feine wi welche er zu ſchuͤtzen verpflichtet, vor gleichmäßigen Fünftigen Unruhen zu ficheen. . habe blos dem Eaftellan gleiches mit gleichem vergolten, und niemand anders — leide gethan. Er ſchlug vor: daß man die Entſcheidung dieſer Sache deutſchen und polniſchen Schiedsrichtern uͤberlaſſen moͤchte. Er ſey von der Zuneigung des Koͤnigs viel zu fehr überzeugt, als daß er dieſerwegen, mit dem König in Krieg zu gerathen, vermuthen folte, Der Eaftellan büffe feiner Sünden Schuld, und müffe andern zum Deifpiel dienen, fid) vor feinem Betragen zu huͤten. Der Marggraf wolle jedoch, dem _ Verlangen des Königs gemäß, — in Freiheit Be ſo bald genugfame Sicherheit Pallg. preuß. Gefch. 3 Th. —X | vor⸗ 1561. 154 3%. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. au. 1561, vorhanden, daß biefer Friedensſtoͤrer den Marggrafen Fünftig unbeirret laſſen wiirde Br: So wie aber übrigens der Marggraf die gute Machbarfchaft bisher aufs genauefte beob⸗ achtet, fo fey er auch erbötig, eben diefes gute Vernehmen, fo viel folches einem deutfchen Reichsfürften nur immer möglich, auf alle Art beizubehalten. „, Der Chur⸗ fuͤrſt Joachim welcher mit feinem Schwager dem Könige von Polen im beſten Bars nehmen ftand, bemühere ſich aufs eifrigfte, durch Gefandre diefe Zerungen zu heben. Georg Herzog von Brieg gab ſich dieſerhalb gleichfals alle Mühe. Es ward ver Eu ftellan auch endlich auf freien Fuß geftellet, nachdem er genugfame Sicherheit, fi nicht zu rächen, verfchaft. Die übrigen Irrungen aber'wurden bey Lebzeiten des Kb⸗ nigs und des Marggrafen nicht entfehieben / und bfieben liegen, ohne daß dieſe Sache weitere Folgen nach fich gezogen hätte 9). Joachim bewies fich aber immer friedfers tig, und fehloß Daher auch mit dem Safe wen wegen der Grafſchaft Lindau won | Vergleich g). Des churprin⸗ Der friedfertige Ehrifliſt ſuchte auch bereits feinem Churprinzen Zohan Cs * —— nach die Freundfchaft der Benachbarten zu verſchaffen. Beide reiſeten daher mit einem ſehnlichen Gefolge nach Leipzig, wo das Beilager des Prinzen Wilhelms von Ora⸗ nien mit Anna, einer Tochter Moritz von Sachſen, vollzogen wurde. Es legte ſolches wirklich den Grund zu der ungemein guten Vertraulichkeit, welche zwiſchen | dem Churfürften Auguſt von Sachſen und Sohann Georg don Pe | nachmals gluͤcklich ſtatt gefunden r). J Joachim hilft ¶ Auch für Magdeburg ſorgte Joachim 2. Dieſe Stadt war noch nich mie nn: dem Faiferlichen Hofe vollig ausgeföhner. Der Berliner Hof hatte aber alle Mühe angewandt, folches zum Stande zu bringen, welches fich wegen der Veränderung: in der Kaiſerwuͤrde und Wiedereinſetzung des Domeapitels fo. lange verzogen hatte. Jetzt 1562. - ward die legte Hand ans Werk gelegt. Magdeburg ſchickte Bevollmächtigte 1562 zum. Kaiſer nach Prag, welche durch Gefandfe vom Erzbifchof Siegmund fowol, als von: unferm Churfürften unterftigt wurden. Huf Vorbitte des letztern erließ der Kaifer denen Bevollinächtigten der Stadt den Fußfall und Abbitte, und zählte fie von der Reichsacht völlig los. Ferdinand erklaͤrete felbft, daß er der Stadt Magdeburg, hauptſaͤchlich auf Vorbitte des Churfürften von Brandenburg, Gnade wgerſacen laſſe 9 Sucht Dim Sdoolcher wuͤnſchte, eben fo glücklich die Ausf oͤhnung zweier — Mächte 9— — zum Stande zu bringen, rich König von Schweden und Friedrich 2 König von Bertsagen, Daͤnnemark machten zu dem blurigften Kriege alle Anftalten, und. beide lieſſen in Deutſchland Völker werben. Ein Wappenſtreit ward, zwar als die Haupturfache ih⸗ rer Irrungen angegeben, in der That aber ſuchten beide Monarchen viel erheblichere Vortheile. Daͤnnemark war unzufrieden/ daß es Schweden wirklich gelungen, unter >) Leuthinger. | » | g) Es ift davon ‚bereits im sten Bande diefer Geſchichte Nachricht ertheilet worden. 7) Leuthinger. Möller Ann, Sax«. 5) Leuthinger. Herr von a Horileder * Cyhurfuͤrſt ZJoachim 2, 155 unter einem eigenen Könige ein von Daͤnnemark abgeſondertes Reich auszumachen, mit dem es die calmarſche Vereinigung auf ewig vormals verbinden ſollen. Schwe⸗ aber ſuchte ganze anſehnliche Provinzen zuruͤck zu erhalten, welche ſonſt wohl zu eden gehoͤret hatten, aber damals in dänifchen Händen fich. befanden. . Zeder ‚Theil glaubte, durch einen Krieg feinem Zweck näher zu Fommen. Eben diefes aber vereitelte alle Mühe derer, welche den Ausbruch eines Krieges zu verhindern fuchten. ‚Der -Churfürft Joachim vereinigte feine Bemühungen mit Marsgraf. Sohann und ‚andern Reichsftaaten vergebens. Die zu Stettin und Colberg deshalb angeſtellten ‚Unterhandlungen Fonten Eeinen glücklichen. Ausgang gewinnen, weil, beide Kronen von ‚einem bevorftehenden Kriege fich alle Hofnung machten, und durch denfelben Vortheile zu erreichen gedachten, auf die fie öffentlich Anfpruch zu machen fich nicht ‚einmal ges traueten. Es brach alfo wirklich in Norden. ein fang anhaltendes Kriegsfeuer ‚au —* zuletzt keine Dasten —— Vortheil davon baue 2 R ge 64. Zoachim ſuchte ſich aber vorzüglich dem Kaiſer gefällig zu beeigen Er *7 Er hilft Ma⸗ ximilian 2 zum roͤ einzufinden, und daß die römifche Königswahl mehr als Die jegt wirklich wie — ga 1562. zur Ferdinand die Churfuͤrſten erfucht Hatte, perfönlich, ſich zu Frankfurt am ayn gungen ſeyn wuͤrde. Marximilian, in Abſi icht der Religion, ſehr gelinde Meinungen hegte, ſogar daß er ben denen Catholifen in groffem Verdacht der Kegeren ftand. Sein Gefolge war: 452 Pferde ſtark. | fi ji fer — Su a * * Braunſchweigiſchen ward der Churfuͤrſt deſſen Wahltag von Berlin ab. 9 ——— 360 * folgendes Verzeich⸗ Der Churfuͤrſt in ſelbſt eigener Perſon, ‚Dohann Georg Graf zu Mansfeld Albrecht Georg Graf zu Stolberg, Graf Wilhelm von Aohenfteim der Mar Brandenburg oberfter Borfieher, Graf Jobſt zu Barby, Chriſtoph ‚Spar Hofmarfhalk, Adam Trotta Hauptmann zu Zehdenick und Himmelpforten, Herr Libo⸗ rius von Bredaw Thumprobſt zu Brandenburg, ‚GBeora von Blandenburg Stiftshauptmann zu velberg, Idachim von der Schulenburg der erfte diß Namens Herrn Reichards (feligen) Sohn, Keuin von der Schulenburg Thumb: prooſt zu Hauelberg, Anßhelmus von Zaſch⸗ ‚wis, Frantz Spare Amtmann zu Koͤpenick, . Heinrich von Saltza Amtmann zu Newendorf, SZans von Buch Amtmann zu Trebin, Ernſt ‚von Wiandelßio, Sladius Boͤcklein, Herr Be: ‚org Plata, Albreche von der Schulenburg, REN Beer = Hauptmann zu HUND. -) Er reifete wirklich auf Es befanden vom Sans Flans Hauptmann zu Balin, "George Slans Hauptmann zu Spandow, Conrad Slans, Jacob von Salvdern, Albrecht vor Sschlaberndorf, Hans von Riefen, KTicel von Arnim, “ans Rohr, Eunrad von Arnim, Elauß von Aenim, Werner von Aenim, Bern: hard von Arnim, Hans von Schlieben, Aans von Bredaw, Matthias von Veldheim, Wolff von Elofter Cammerjunfer, Tobiss Spiegel, Andreas von Rliging Cammerjunfer, Ehriftoph Doride Mundfchende, Elguß von Jagew, Aus dewig Badew, Ebuno von Thumen, Nat—⸗ thias von Vchtenhagen, Heinrich von Schön: bedie, Jobft Brandt, Andreas Karftide, Chriſtoph von Rochaw, Hans von Sronhaw, Wilhelm von Krummenſee, Ehuno von Bar: deleben ,. Diederich von Schulenburg, Mel: chior von Gelhorn, ‚Andreas Kühndarff, David Spi egel;, Gottfried vom Ende, Jacob von Scieftäde, Erasmus von Brettin, Her⸗ re Boch, Heinrich Bongw, Luͤder von 2 der ber angegangene tridentinifche Kirchenverfammlung der Gegenſtand der Berathſchla⸗ len. Der Churfuͤrſt beſchloß, des Kaiſers Verlangen, ſo viel moͤg⸗ lich, en, weil der bereits zum böhmifchen Könige gekroͤnte Erzherzog 1562. 156 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Gefihichte von Brandenburg. vom Herzog Henrich mit Freuden empfangen, und bis an die Weſer begleitet, ſo⸗ denn gieng die Reife nach Caffel, wo tandgraf Philipp den Churfürften mie allen Merkmalen der Freundſchaft aufnahm, Er’ wolte eben von danach Frankfurt abge hen, als er in eine heftige Krankheit verfiel. Ferdinand erfuchte ihn zwar, die Reiſe bis nach Frankfurt fortzufegen, aber fein fehlechter Geſundheitszuſtand erlaubte ihm folches nicht, wofern die Wahl Maximilians 2 durch den Tod eines brandenburgis ſchen Cpurfürften nicht eben fo merkwuͤrdig werden folte, als die Wahl Maximi⸗ Hans x gewefen. Die fehr uͤble Witterung und ausnehmend böfe Wege’ mögen wol die Hauptfächlichen Urſachen diefes hitzigen Fiebers geworden ſeyn Die Nachricht von Feinet Krankheit verbreitete in der ganzen Marf Brandenburg ein ausnehmendes Schrecken. So gefährlich aber fein Zuftand auch war, fo verlangte der Churfuͤrſt dennoch, daß die Aerzte die ftärkften Gegenmittel zuerft und fo fehleunig, als möglich, brauchen möchten, damit durch ein Tangwieriges tager nicht etwas verſaͤumet würde, was zum allgemeinen Beften nothwendig wäre. wol, als anderer, die Krankheit mit Behurfamkeit zu behandeln, waren fruchtlos. Endlich da man an dem Auffommen des Churfürften faft bereits zu zweifeln anfie brach fich die Krankheit. Er hatte fein Gefolge nad) Frankfurt vorausgeſchickt. erhielt aber nachmals vom Kaifer ein Einladungsfehreiben, wo es irgend möglich, feir 1 nie perſoͤnliche Ankunft zu beſchleunigen. So bald er ſich alfo nur einigermaſſen im Stande befand, gieng er nach dem Verſammlungsort ab, und ward vor der Stadt Sranffurt von dem Kaifer und allen Standesperfonen eingeholet. Zu den Teßtern gehoͤreten alle Churfürften, fiebenzehen deutfche Fuͤrſten, die anfehnliche Geſandtſchaf⸗ ten aus Spanien, Frankreich, England, Polen, Dännemarf, Schweden und der ottomannifchen Pforte; die Geſandtſchaften vieler Stände, unter denen Adrian Albinus von Johann von Cuͤſtrin nach Frankfurt gefickt war. Der Alle Borftellungen des Landgrafen für Kaifer erkannte den hohen Werth der perfönlichen Ankunft unſers Churfürften. Ber dinand bejeugte öffentlich, daß zu feinen Tagen Joachims 2 Vortrag und Rathſchla⸗ ge alle übrige übertraf. Er ermahnete das ganze erzherzogliche Haus, unfen Churfuͤr⸗ ſten als ihren Vater zu verehren, wenn es gluͤcklich ſeyn wolle. Zoachim liebe den Staat, und ziehe das allgemeine Beſte und die Ruhe allem übrigen vor. Als die Churfuͤrſten, nad) der Vorſchrift der güfenen Bulle, ſich in dem Wahlgemach vers ſammlet hatten, that Daniel Erzbifchof von Mainz, wegen einer vorfeienden roͤmi⸗ ſchen Königewahl, den erften Antrag. Hierauf erfuchte der Churfürft von Coͤln um der Aumam, Audewig von Vchteritz, Samuel "Sproffsty, George Schwanebed, Friedrich Brigke, Bartholomaͤus Zabetitz. Raͤthe und Gelehrte: Herr Lampertus Diſtelmeyer Do⸗ etor und Canzeler, Andreas Zoch D. und Pro; feſſor zu Frankfart an der Oder, D. Adrian Albinus, D. Paulus Goldſtein, D. Albrecht Thumb, D. Ehriftoph Horneburg, D. Lu⸗ cas Hoffmeiſter, Ulrich Buchner, Chriſtoph Meyenburg pantalion Thum und Sans rerfchneider, Seeretarien. Theologen und Aerzte: Herr Johann Agricola Islebius Su: perintendens, Herr Joachim Pasken, Kerr M. Abdias Praͤtorius, Herr Auguſtinus Stä lin der Arkney D. Es harte aber hochge ter Churfürft und Marggraf zu Brandenburg dazumal zu Frankfurt am Mayn in der ganzen Summa vierhundert und zwey und funfzig Pferde, ee ee 57 fern Cputfärften Joachim , feine Meinung Hieräber zu eröfnen. Solcher befprach vorher mit Auguft Churfürft von Sachſen, und trug fodenn:feine Meinung des Men Micchurfürften in einer Rede vor, deren Inhalt folgender geweſen: das herranna⸗ gende Alter des Kaiſers mache eine roͤmiſche Koͤnigswahl allerdings nothwendig. Ein Zwiſchenreich fönte,; wenn die Churfürften nicht eins wären, ; die ungluͤcklichſten buͤr⸗ gerlichen Kriege nach fich ziehen. Die Zeiten Kaiſer Ludwigs von Baiern gäben hier von ein wichtiges Beifpiel, und damals ſey doch der Zwiefpalt der Religion unbekandt geiwefen, "welcher zu jegigen ‚Zeiten die Gefinnungen der Churfüriten gegen einander fo ſehr getrennet habe. Kaifer Ferdinand fen zwar ‚bisher bemuͤhet gemefen, denen . daraus encfpringenden Liebein, fo viel moͤglich, vorzubeugen, allein es fey demohnerach⸗ = ger nöthig, daß auf fein Verlangen die Ehinfürften: ihn durch eine römifche Königs wahl unterſtuͤtzten. Cr vor feinen Theil wolle alſo gerne dem erfigebornen, Sohne Serdinands die Wahlftimme geben. Deutfehland werde an diefem Prinzen einen TR weifen Gefeßgeber , einen tapfern Anführer haben, Ganz Deutichland fehe bey der vorfeienden römifchen Koͤnigswahl auf Maximilian 2. Er fen ein geborner Deuts ſcher, ein Machfomme Marimiliand r, ein Vetter Carls 5, ein Sohn Ferdi⸗ nands 1, und habe daher in feinem eigenen Haufe die geöften Mufter. Er habe ein teifes Alter, einen vortreflichen Verſtand, ſey vieler Sprachen kundig, habe ein mas jeftätifches Anfehen, eine zulängliche Macht und eine gefeßte Tapferkeit. Seine bis, herige tebensgefchichte beweife, was man von ihm zu ‚Hoffen Habe. An feines Vetters Earl 5 Statt Habe ex bereits seine Zeitlang die Regierung: über Spanien: geführer. Sein Anvenfen fey noch in ganz Spanien im Segen, und man bewundere ſonderlich feinen gefeßten Muth, den er in einer der gröften lebensgefaͤhrlichkeiten bewieſen. Ma⸗ zimilian hatte bey Nachfesung eines Wildes in der Provinz; Granada von feiner Zagdgeſellſchaft fich verirret und verſpaͤtet, bey eingefallener Nacht begegnete ihm | ein Schäfer j ver ihn zwar in: feine Hütte führete, aber, in Hofnung eines reichen Raubes, mit feinem Sohn: und Knecht den verruchten Anfchlag faffere, den Prinzen im Schlaf zu überfallen und zu ermorden. Ein Mädgen, welches der Schäfer zu fer ner Fünftigen Schwiegertochter fi) auserfehen, erfuhr die Verſchwoͤrung, und ent deckte dieſelbe insgeheim dem Prinzen. Solcher fafte auf der Stelle den Entſchluß, ſich gegen die Meuchelmörder aufs herghaftefte zu wehren. Er verriegelte die Thuͤre, 409, einen Kaften vor diefelbe, und ladere das Gewehr. Als die Verſchwornen den Marimilian im Schlaf begraben zu feyn glaubten, kamen fie insgefamt herbey. Der Riegel ver Thuͤre machte feine Aenderung in ihrem Entfchluß, fie flopften mit Unge ſtuͤm an, und verlangten deren Eröfuung, befehmwereten fich aufs heftigfte, als der Prinz, folche aufzuriegeln, ſich weigerte, und fiengen an Gewalt zu brauchen. Hier war nicht zu warten, bis die Mörder eingedrungen. Marimilian entſchloß ſich, ei⸗ ‚nen Schuß zu hun, der ſo wohl gelung, daß der Schäfer auf der Stelle blieb. Nun ‚309 der Prinz den Kaften weg, riß die Thuͤre auf, und gieng den übrigen Mördern ‚mit entbloͤſtem Seitengewehr auf den Hals, hieb den Knecht auf der Stelle nieder, | U3 und 1562. 158 3%. 6 Hauptfte Neutere Geſchichte don Brandenburg. 1562. und noͤthigte den Son, die Flucht zu ergreifen. Des erfchoffenen Schaͤfers Weib hatte indeffen kerm im Dorfe gemacht. Die Bauen liefen zufammen, um des Schu fers Tod zu rächen“ „Der Prinz ladete fein Gewehr. aufs neue, und rettete ſich auf den Boden yimachte auch alle Anftalt , noch‘ ferner Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, Zugleich ſtellete er den zufammengelaufenen Bauren den Hergang der Sache vor. Hie⸗ durch daͤmpfte er ihre erfte Wut, fo daß fie blos verlangten: er folleifich ergeben, Nicht eher, rief der Prinz, als bis es Tag wird, Er hielt fie wirklich ſo lange auf, und denn überließ. er fich ihren Händen. Sie führeten ihn hierauf gebunden zum Bes, fehlshaber in Eordun, wären aber dafelbft beinahe von "denen Soldaten, ‚die den Prinzen erfannten, in’ der Wut ermordet: worden; wofern folches Marimilion nicht verhindert hätte. Er ließ die Landleute laufen, und blos das Schäfermweib und ihren Sohn zur gebührenden Strafe ziehen. "Das Mädgen aber beſchenkte er. reichlich, und nahm fie an feinen Hof, wo er vor Diefe feine Erlöferin auf eine dankbare Art ſorgte. Ein folches Beifpiel, meinte Joachim, fen binlänglich im Stande, die Herzhaftigkeit und andere Eigenfihaften dieſes Prinzen zu ſchildern, ver in ſehr vielem Dingen mie Marimiliatt 113u vergleichen waͤre. Er hoffe daher, daß alle Churfuͤrſten ihm ihte Stimmen um fo mehr geben würden, ba er bereits König von Böhmen ſey, welches in der Mitte von Deutfchland liege, und von wo aus das ganze Reich am bequemſten uͤberſehen werden koͤnte. Zu den fen auch noch die friedliche Gefinnung Mapimilianse weltbefandt. Er habe bereits in denen wichtigften Sachen das Schiedsrichterame mit der gröften Zufriedenheit: der freitenden Parteien gefuͤhret. Er habe! fich oͤfters der Nothleidenden ſowol bey Earl 5, als Ferdinand ı angenommen. Sein Betragen in denen vorigen ‚bürgerlichen Neichsfriegen fen eben ſo bekandt, als feine Aufführung zu der Zeit, da ſich Carl s Mühe gab, die Kaiferfrone vor Philipp von Spanien zu erhalten. Joachim 2 wünfchte daher zuletzt dieſem Maximilian 2 Rudolphs Gluͤckſeligkeit, Albrechts ı Frömmigkeit, Friedrichs des Kaifers Ludwig von Baiern Gegners Burherzigfeit, Albvechts 2 Gnade, Friedrichs 3 Leutſeligkeit, Maximi⸗ lians ı Großmuth, Carls 5 Kriegsgluͤck und. Ferdinands 1 Kingdeit, ſo würde Deutſchland unter feiner Regierung hoͤchſt zufrieden ſeyn koͤnnen. ¶Der Vorſchlag unſers Churfuͤrſten fand bey denen übrigen Churfuͤrſten allgemeinen Beifall. Die Re⸗ ligionsgeſinnungen Maximilians 2 beſtimmten ihren Entſchluß · Pfalz, Sachſen, Brandenburg waren Proteſtanten; und dieſe hatten die Hofnung, daß Maximi⸗ lian 2 niemals ein Verfolger ihrer Kirche werden koͤnte, da er mehr als einmal ſich ſehr geneigt gegen ihre kehren bewiefen. Mainz, Trier und Coͤln glaubten, dag die Krone das befte Mittel ſeyn koͤnte, ihn bey der rümifchen Kirche zu verhalten, da er wirklich zweifelhaft ſchien, zu welcher Kirche er mehrere tiebe habe. Denen Churfürs ften grauete es vor Philipp von Spanien; und fie ficherten Deutfchland wor deffen Bemuͤhungen, die er nach: Ferdinands.ı Tod: vor ſich angewendet haͤtte, durch eine roͤmiſche Koͤnigswahl, welche noch bey-tebzeiten des Kaiſers angeſtellet wurde. · Daß die boͤhmiſche Stimme dem Maximilian 2 nicht gemangelt habe, verſtehet ſich von RN n ſelbſt, are? een: 159 ei, da er ſelbſt König dieſes Reiches war. Den ızten November gieng alſo die: 1562. je Königewahl mit allgemeinem Beifall der Churfürften vor ficy, weil folche der ‚feine gute Regierung: gleichſam verbienier, und fich datum auf! eine: ſehr ee Art: beworben, jedermann auch zu feinem Prinzen Erzherzog Marimilian 2 i —2 Hofnung hatte. In deſſen Wahlvertrage ruͤckten die Churfuͤrſten verſchie⸗ dene neue Bedingungen ein. Die weltlichen Churfuͤrſten ſprachen ihn von dem Schutz des römifchen Stufes frey· Er folte in Wieverherbringung derer vom Neich abge⸗ riſſenen Stüde der Stände Nath einziehen, keinem Stand ‚der. neue‘ Zölle anlegen weolte, Vertroͤſtung oder Vorbitte an die Churfürften — und auf alle Wege vers hindern, daß niemand neue Zölle anlege, ohne das Recht dazu zu haben. So oft Reichslande wieder dem Reiche zufielen, ſolten ſolche die Reichsanlagen bezahlen und andere Neichöpflichten Teiften, gefeßt, daß Maximilian 2 folche ſelbſt befäffe Er ſolte niemand, ohne Vorbewuſt der Churfürften, das Recht zu muͤnzen ertheilen. Er ſplte die römifche Königskrone empfangen, ſich aber Feiner Verwaltung der Reichsre⸗ gierung weiter oder auf andere Art anmaſſen, als fo viel ihm der Kaiſer vergoͤnnen wuͤr⸗ de Der neue römifche König ward hierauf wirklich zu Sranffurt gefrönet , und Churfuͤrſt Zoachim — bey dieſer Gelegenheit das | ” Kurz) J $. 65. a t - eure —* half die Streicigeiit beifegen ) welche Gef Bench Shuifier Streit wegen ſten v ainz und Sachſen wegen der Anſage ausgebrochen war. Ehemals hatte dr anjase efchäfte eines Directors der Reichsverſammlungen Churſachſen beſorgt. Saenn =” } nilians 1 Zeiten hatte aber Sachſen geſchehen laſſen, daß ſich Churmainz derſelben unterzogen. Doch forderte Sachſen ſolche ſchon ſeit vielen Jahren zuruͤck, and bereits 1518 hatte Joachim 1 von Brandenburg wegen eines gürfichen Vergleiche 5 in dieſer Sache ſi ſi ch viele Muͤhe gegeben. Es war zwar 1526 dieſerhalb ein vorlaͤufiger Bergleich, und 1529 ein völliger Vertrag gemacht; aber jetzt zeigten fich wegen der Ars fage neue Zwiftigfeiten, welche jedoch) durch J—— Joachims⸗ durch einen Bi | gleich gehoben wurden ) Auf eben diefem Wahltage Fan die Sache wegen ber Kirchenverfanmlung aufs und die tri⸗ neue in Derarhfehfagung. Die Reformitten in Frankreich hatten damals unter der dentinifhe Regierung Carls 9, oder beffer-unter der Negterung der Frau Mutter deſſelben Ca⸗ en tharina Medices, von denen vielvermögenden Surfen alles zu beforgen. Ohnerach⸗ verworfen. tet der Hof denen franzöfifchen Reformirten Verordnungen gab, welche ihnen die Ruhe verfichern ſolten; fo harte doc) das Blutbad des Herzogs Franz von Guiſe zu einen? Religionskriege einen unglücklichen Anfang gemacht. Als folcher eben von Join⸗ ville mit feinem Bruder. dem Eardinal von Lothringen Earl nach Paris veifere, traf er zu Vaſſh in einer Scheune Hugenotten an, die ihre Pſalmen zum Lobe Gottes r laut en daß der Herzog RR in finem eigenen Gottesdienſt geftöret wurde, JR) Leuthinger. Saftirius. Schardius 38 3. 0 mann Urkund J I) Müller Otaatesabinet Th . mnid Anu, Sax, ad a runden Ih. 2 1562. 1563. 160 3%. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. N alle wurde. Dies brachte ihn ſo auf, daß er durch) feine beute in die fingenden Proteſtan⸗ ten einhauen und dieſelben niedermetzeln ließ. Derer Ermordeten Glaubensbruͤder griffen zu den Waffen, und hieraus entſtund ver. erſte Religionskrieg mit den Huge⸗ notten in Frankreich. Dieſe fuchten bey der Königin Eliſabeth in England Huͤlfe, und raͤumeten ihr Havre de Grace ein. Die Eatholifen belagerten Rouen, wel⸗ chen Ort ver Graf von Montgommery aufs befte vertheidigte. Anton König vom: Navarra ward davor erſchoſſen, aber Rouen dod) endlich mit Sturm eingenommen, Es erfolgte zwiſchen beiden Eriegenden Parteien die Schlacht bey Dreup, worin der, Marechal de St. Andre erſchoſſen, der Eonnetable Annas Herzog von Montmo⸗ rency von denen Hugenotten, der Prinz von Conde aber von denen Eatholifen ges fangen, beide letztere jedoc) gegen einander auögewechfelt wurden. ° Eben — der Prinz Ludwig von Conde kam nach Srankfurt, und gab fich alle Mühe, die deutſchen ‘Proteftanten mic denen Hugenotten: in Frankreich zu vereinigen, um dadurch eine freie Kirchenverfammlung zu erhalten, welche die bisherigen. Handlungen der tridentinifchen Kirchenverfammlung vernichten, und zur Kirchenverbefferung ges . neigter ſeyn würde. Aber alle feine Borftellungen waren vergebens, Eine ſolche Ders einigung würde die Proteftanten in die franzöfifchen Kriege: mit verwickelt haben, deren Ausgang niemand voraus fehen konte. In Deutfchland war man, im Abfiche - ber Religion, durch den Religionsfrieden einmal gefichere, und man fand keine Urſache, ſich den Ausfprüchen einer Kirchenverſammlung zu unterwerfen. Die Proteftant: wolten deswegen vom feiner Kirchenverſammlung etwas wiffen, als unter denen B gungen: ber Kaiſer müffe folche ausfehreibens fie folte in Deutfchland gehalten wer⸗ den; der Papſt darauf ſich keiner Entſcheidung und Vorſitzes anmaſſen, ſondern ſich denen Ausſpruͤchen unterwerfen, welche von den proteſtantiſchen Gottesgelehrten für. wol, als, von. den catholifchen Bifchöfen, abgefaffer würden; die Biſchoͤfe folten des Er des erlaffen werben, ben fie dem Papſt geſchworen; alles. folte, nicht nach der Zahl. der Stimmen, ſondern blos nach Gottes Wort, das allein zum Entſcheidungsgrunde anzunehmen, ausgemacht, auch denen Proteſtanten Verſi cherung gegeben werden, daß, wofern man auf ſolcher Kirchenverſammlung die Religion nicht vergleichen koͤnne, der paſſauiſche Vertrag und der Religionsfrieden dennoch bey Kraft bleiben und La ten werben folte. . AR * genehmigte Churfuͤrſt Joachim 2 2). | 66. — Der Kaiſer Ferdinand hatte die Verfi cherung gegeben, alle — um Der Eaiferli eine folche unparteiiſche Kirchenverſammlung zum Stande zu bringen. Er gieng des⸗ — wegen 1563 ſelbſt nach Inſpruck, und erbot ſich fogar, nach Trident zu Eommen, um. dem papft in die Kirchenverſammlung zu einem erwuͤnſchten Ende zu bringen. In einem Schreiben Kreitigfeiten. am den Papft trug er demfelben die Nothwendigfeit ‚einer: Kirchenverbeſſerung und den fihlechten Eifer vor, den man bisher darin bewiefen. Er zeigte ihm die verkehrte Ark des Verfahrens und die unnüge Verzögerung der Derfammlung zu Trident. Doch Sie x) Goldaſt politiſche Reichshaͤndel Th. 161° Schardius T. 3 Ri Churfuͤrſt Joachim 12 161 in wenig aus, weil er ohnedies mit dem päpftlichen Hofe in neue Sireitigfeiten verwicelt wurde. 0 Der neue, römifche. König Maximilian hatte dem Papft zwar feine Wahl und Kroͤnung befandt gemacht. Er hatte aber durchaus nichts anders, als eine bloſſe Hochachtung, -Feinesweges aber den bisher gewöhnlichen Gehors ſam dem römifchen Stul bezeigen, noch folchen um die Beftätigung feiner Wahl bie ten wollen. Nach und nach Famen noch mehrere Zwiftigfeisen hinzu. Der Kaifer beſchwerete fich, daß der vorige Papft Paul 4 einige Neichsabfchiede in das Verzeich⸗ niß derer Bücher ſetzen laffen, deren Leſung denen Catholiſchen verboten find. Er verlangte, daß bey der nächften Ausgabe diefes Verzeichniffes folches unrerlaffen werde. Er begehrte, daß die Bärer ver tridentinifchen Kirchenverfanmnlung ſich in Feine am dere Reichsfachen mifchen folten, als die blos die Religion betreffen. Er widerſetzte fich dem Vorhaben des Papftes, unter dem Namen einer Kirchenverbefferung die Gewalt ber Geiſtlichkeit in weltlichen Dingen zu erweitern r. und hintertrieb daffelbe wirklich) * feine Standhaftigkeit a). In Deutſchland ſelbſt fiel wahrend bieſem Streit eine Sache vor, die nach —— foͤret den landfrieden. mals zu groſſen Weiterungen Gelegenheit gegeben. Wilhelm von Grumpach war fo wie andere vom Adel, weil folhedem Marggrafen Albrecht von Brandenburg, Baireuth gegen die fränfifchen Einigungsverwandeen Huͤlfe geleifter, in die Reiche acht und groffen Schaden gefommen. Insbeſondere hatte das Stift Würzburg dem Grumpach faft alle feine Guͤter eingezogen, die er auch nicht wieder befommen Fonte, ee die Streitigfeiten mit dem Haufe Brandenburg verglichen waren. Der dem wuͤrzburgiſchen Biſchof Melchior Zobel begangene Meuchelmord, der dem von jedermann beigemeffen wurde, hatte feine Sache noch übler gemacht. | — unruhige Kriegsmann wolte ſich daher ſelbſt Recht verſchaffen. Er grif die Srtadt Wuͤrzburg mit gewafneter Hand an, und uͤberrumpelte dieſen Ort mit Huͤlfe einiger anderer von Adel. Er zwung denen Domherrn einen Vergleich ab. Sie ſolten ihm die eingezogenen Guͤter wieder heraus geben, und an ſeine Beiſtaͤnde groſſe Geld⸗ eu bejahlen. Sie muften fogar eidlich fich anheifchig machen, über die an ihnen bewieſene Gewalt niemals Klage zu erheben. ‘Des allgemeine Gerücht brachte jedoch von diefer Sache dem Kaifer zeitig Nachricht, der den Domberren anbefahl, den Vor⸗ gang der Sache zu berichten, und fie von dem abgedrungenen Eide loszehlete. Es muſte hierauf nothwendig gegen den Grumpach und feine Anhänger die Neichsacht er folgen bi. ‚Herzog Erich ver jüngere -von Braunfchiveig Fam Hingegen blos mit der Ber — — her⸗ zog Erichs von Braun⸗ ſchimpfung weg, womit er, wegen feiner Kriegszuruͤſtungen und übel ausgefallenen 1563. Zuges, von den Zeitgenoffen und der Nachkommenfchaft beleget werden müffen. Dies ſchweig. fer Herr warb auf gut Gluͤck ein Heer an, um folches einem jeden zu überlaffen, ber 28 ihm bezahfen wolte. Bald gab er vor, daß feine Völker zum Beſten Schwedens gegen a) Ebendafeldft. » Böhlers Münzbeluftigungen Th. 4. — Amoenit. ©. ar | x “ D. allg. preuß. Geſch. 3Th. ‚1563, 162 3%. Hauptſt Neuere Geſchichte von Brandenburg, / gegen Daͤnnemark angewvorben waͤren. Bald hieß es; Daß folche der Krone Polen gegen Rußland beiftehen folten.. Der gute Prinz wolte gern einen Helden vorfiellen, ' und das Blut feiner Soldaten andern verkaufen, um. mic dem gelöften Gelde fich feis ner Schulden zu erwehren, Viele ſtanden in der Meinung, daß dieſe Macht gegen feinen eigenen Schwager Herzog Albrecht von Preuffen, nach andern aber, daß 1eb bige gegen den Herzog Magnum, - welchem fin Bruder König Friedrich 2 von Daͤn⸗ nemarf feinem Antheil von Liefland überlaffen hatte, gebraucht werden ſolte. Um meinen $efern verfländlich zu werden, muß ic) bemerken, daß die Befigungen des deutſchen Ordens, welche unter. dem Heermeiſter von Liefland geftanden, bey Gele ‚genheit der rußifchen Kriege in diefen Gegenden feit einigen Jahren ſehr zerriſſen wm zen. Der Bifhof von Defel Johann von Diunchhaufen überließ einen Theil von Liefland an König Friedrich 2 von Dännemarf. Die eſthiſche Ritterſchaft ergab ſich dem Koͤnige Erich von Schweden. Den Ueberreſt von Liefland trat der letzte Heermeiſter Gotthard Kettler dem Könige Sigismundo Auguſto von Polen ab, und behielt Curland und Semgallen als ein polniſches lehnbares Herzogthum für ſich und feine Nachkommen. Friedrich 2 von Daͤnnemark hatte nun feinen Ancheil feinem Bruder Magno abgetreten, gegen welchen Herzog Erich 2 einen befondern Haß gefaft Hatte: Die Gelegenheit dazu giebt Leuthinger fo an > Magnus fey einss mals nach Königsberg in Preuffen gefommen, ‚ohne dem sandeshern Herzog Als brecht davon Nachricht zu geben. Sobald aber diefer jenes Ankunft vernommen, ließ er ihn zu fich auf das Schloß einladen, und gab ein herrliches Gaftgebot.. Man trunf, vielleicht zu viel. Nach der Tafel ward geranzt. Magnus hatte bemerfe, daß Al⸗ brecht8 Gemalin, Herzogs Erichs 2 Schwefter, eine Buͤrgerhaube trug, und fiel auf den Einfall, ihr ſolche im Tanz abzureiffen. Er that es wirklich, und wolte feine aungeziemende Handlung mit einem Spaß entſchuldigen. Allein die Herzogin entfernte ſich aus dem Tanzfaal, und war über diefen groben Scherz hoͤchſt misvergnuͤgt. Sie ſoll folches ihrem Bruder berichtet, und dieſer den Entſchluß gefaſt haben, die feiner Schweſter begegnete Befchimpfung an Magno zu rächen. Da nun Schweden mit Daͤnnemark in offenbarem Kriege. ſtund; der Czaar Ivan Baſilowitz 2 aber mit dem Herzog Magno in ſo gutem Vernehmen lebte, daß er nachmals denſelben ſogar zum Koͤnige von Liefland machte, ſo ſcheinen die meiſten Urſachen der Zuruͤſtungen Erichs uͤberein zu ſtimmen, auſſer daß Herzog Albrecht von Preuſſen deren Gegen⸗ ſtand geweſen ſeyn ſoll. Obwol das letzte gemeinhin angegeben wird, ſo ſcheinet ſol⸗ ches doch noch nicht erwieſen zu ſeyn. Die Eroberung Preuſſens wäre ohnedies ein vollig lächerliches Vorhaben gewefen, weil Eric) Hiebey, auffer der preußifchen Macht, ganz Polen gegen ſich hatte. Geſetzt auch, daß die Herzogin und. einige preußiſche Stände mit ihm im Verſtaͤndniß geftanden, oder der deutſche Orden ihn unterftügen wollen... Geine Kriegsvölfer gaben überall, fonderfich im Muͤnſterſchen, zu groffen Klagen Gelegenheit... Endlich trat er feinen Zug nach Preuffen an. Er mufte die brandenburgifihen Staaten betreten. Auf die erſte Nachricht ließ der Churfürft Churfürft Zoachim a" O9 8. 76 | Joachim 2 durch ein allgemeines Aufgebot feine ganze Macht zuſammen ziehen, weil man niche wufte, was Herzog Erichs wahre Abſicht ſey. Diefer that aber um einen uns fehädlichen Dutchzug Anfuchung, und gab vor: daß er blos dem Könige von Polen zu Hülfe eile. Dies vermochte den Churfürften, ihm die Erfaubniß zu ercheifen, fer - ne Bölker einzeln durch die alte Mark, Priegnis und Uckermark zu führen, wel⸗ ches nicht gefchehen wäre, wenn Erich gegen Preuſſen ein Vorhaben gehabt. Ein unſchaͤdlicher Durchzug Täffer fich aber leichter gedenken, als bewerfftelligen, Marg—⸗ graf Fohann von Cuͤſtrin ward zwar auch um einen freien Durchzug erſucht, befam aber zugleich Nachricht, wie die Sander durch diefe Volker mitgenommen würden. Cr ſchlug daher nicht nur denſelbigen ab, fondern zog auch feine ganze Mache zuſammen, Tieß das ſchwere Geſchuͤtz von Cuͤſtrin anführen, und befegte damit ſowol als mit feinen Boͤlkern die Grenzen feiner Staaten gegen Pommern zu. - Er gieng in Perfon nach Königsberg in der neuen Mark, woſelbſt er einige Werfe anlegen, und vom zıften Auguſt an von Zeit zu Zeit jein fehwer Gefchüß abfeuren ließ, um denen vorbeiziehens den ern zu zeigen, daß er alle Augenblick im Stande ſey, fie zu empfangen, wenn fie Streifereien in fein Gebiet vornehmen wolten. Hiedurch erhielt.er fie in Ehrfurcht, Er ficherte wirklich feine Sande, bis Erichs Heer in Hinterpommern eingetroffen war. Es zog fich folches 12000 Mann zu Fuß und 2000 zu Pferde ſtark in die Ge ! gend von Danzig; und weil diefer Ort den Durchzug ebenfals abgefchlagen, und den Herzog mit einer Summe Geldes als ein Darlehn abgefunden, ruͤckteErich näher ges gen die MWeichfel. Jetzt verlangte er auch vom Herzog Albrecht in Preuffen einen unfchädlichen Durchzug. Allein folher fand ebenfals vor gut, den Durchzug abzu⸗ fhlagen. Er zog vielmehr feine Macht zufammen, und lagerte fich ebenfals an der - Weichſel, fo daß beide Heere nur durch diefen Fluß gefchieden waren. Erich getrane- #e fich nicht, mit Gewalt den Uebergang zu verfüchen, und weil eben die Nüffe reif waren, fo hatten beiderfeitige Sofvaten Zeit, fich mit dem Genuß diefer Frucht die Zeit zu verfürgen. Da nun aus den groffen Zuräftungen Erich endlich nichts weis ter herausfam, fo wurde fein ganzer Zug zuletzt der Nuskrieg genannt. Denn diefer Prinz fahe nicht ein, wie er durchfommen wolte. Die Polen verlangten ihn nicht. Der Mangel des Soldes machte, daß feine Völker haufig auszureiffen anfiengen, wels che überall, wo fie Hingefommen waren, Merfmale nach fich Tieffen, daß Feine Mans zucht beobachtet fey. Der König von Polen verfprach endlich, um den Herzog Erich. nur [08 zu werden, feine Volker Fünftiges Fruͤhjahr gegen die Ruſſen zu brauchen, fie ‚folten aber alsdenn zu Waſſer nach Liefland gefchaffet werden. Der Herzog trat alfo x mie feinen Bölfern-den Nüczug an. Weil. Marggraf Johann ihm jest ebenfals ven Durchzug bermeigerfe, muſte er folchen in verfchiedenen Haufen durch Pommern neh ‚ men, Bey Gare gieng er. über die Oder, und rückte in die Uckermark ein. Cr verlangte in Prenzlau eingelaffen zu werden; weil aber das üble Berragen feiner Voͤl⸗ Fer nod) in friſchem Andenken war, fo geif die Bürgerfchaft zu den Waffen, und wolte ihn ‚nicht einlaffen. Nach eingeholtem Befehl des Churfürften Joachims 2 erlaubte die "X Stadt 1563. 1563. 164 3% 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Stadt Prenzlau zwar dem Herzog, vor ſeine Perſon mit ſeinem Geſchuͤtz und Gepã⸗ cke in die Stadt zu kommen, feine Soldaten muften fich aber. vor dem Thore lagern, Die fegtern wirthſchafteten auf dem platten fande fehr übel, und ſuchten ſich wegen des ruͤckſtaͤndigen Soldes ſelbſt bezahle zu machen, beſonders da Herzog Erich mit eini⸗ gen Kriegsbefehlshabern ſich heimlich nach ſeinen Landen begeben hatte. Der Churfuͤrſi hatte ſolchen zwar zu ſich nach Grimnitz eingeladen, weil Erich aber voraus ſahe, daß ſeiner Mutter Bruder ſein ganzes Betragen auf dieſem Zuge nicht gut heiſſen wuͤrde, entzog ex ſich dieſem Beſuch. Das Betragen der zuruͤckgebliebenen Völker brachte alle Benachbarten in die Waffen: Auf der einen Seite rückte eine pommerifche Mache aus Stettin, Paſewalck und Stargard an, auf der andern rückten die Medlen⸗ burger vor, auf der dritten erſchien ein brandenburgiſches Heer, welches Joachim Farrnholtz anfuͤhrte, und das auf vorlaͤufigen Befehl des Churfuͤrſten in Bereitſchaft geſetzt war. Man fiel von allen Seiten das hraunſchweigiſche tager an, und noͤthigte daducch ven Haufen, der nunmehr, Fein Haupt harte, fich zu trennen, und einzeln durch die Mark zu gehen. . Die braunfihweigifchen Soldaten verkauften daher ihre Waffen um ein Spottgeld, um nur die Zehrungkoften. aufzubringen. - Auf dieſe Ar : enbigte fich alfo der Kriegszug eines Prinzen, der ſich dadurch bey der ———— | Schande als Ruhm erworben hatte c). Andere vers, Unfer Churfürft hatte fonft noch in diefem Jahr, dem Auftrage des Kaifere zu richtungen des churfuͤrſten. ‚Folge; nebſt Churſachſen die: Streitigkeiten der Stadt Bremen beizulegen, ſich alle Muͤhe gegeben. Es war ſolche aber, ohnerachtet zu Goslar ſich von ‚beiden Chun fürften deshalb Geſandten eingefunden, ohne Mutzen. Joachim 2 Hatte in dieſem Jahr mit 400 Pferden in voller Rüftung die Udermarf perfönlich befucht, und in Prenzlau ven Erbvertrag mit Pommern erneuert. , Er hatte nach Ungarn Gefandte geſchickt/ welche der Krönung des roͤmiſchen Königs Marimilian 2 zun Konige von Ungarn in Presburg beiwohnen, und im Namen des Haufes Brandenburg die Gluͤckwuͤnſchung ablegen muſten. Alle die Begebenheiten diefes Jahres hatten fehwere Die tridentis nifche Eirchen: verfammlung wird geendistet Verſammlung gefehen worden, fo wenig erfüllete, daß anſtatt die ftreitige Reli⸗ gionspunkte darauf gehoͤrig hatten unterſucht werden ſollen, nichts als eine Verdammung get. Koſten verurſacht. Um ſolche beſtreiten zu koͤnnen, bewilligte ein groſſer Theil des Adels dem Churfuͤrſten auf dem lLandtage zu Berlin von einem * — 100 Thaler auf etliche Jahre 4). | ' | eg $ — ii irre 5 Dans: tridentinifchen Kirchenverfammlung zu fehen, welche den Endzweck, worauf bey ih⸗ derer lehren erfolgte, welche mic ver roͤmiſchen Kirche nicht uͤbereinſtimmten. Die Bereinigung der Proteſtanten mit den Catholiken, bie auf. einer Kirchenverfammv Der- Katfer Ferdinand verlangte, fo wie der ah Sönig, * das Ende der ung e) Haftitius Leuthinger. Herr Bock Leben Marggraf Albrechts d) Leuthinger. Haftitius. Abel brandenburgiſche Staatsgeſchichte. Gundling Leben Di: „ ftelmeyers. Sr s > 70 Churfürft Joachim 2. 165 fung zu Stande kommen folte, war mehr entfernt, als vorher, weil, die erftern fich 1563. unmoͤglich dem Ausfpruch folcher Väter unterwerfen wolten, deren ganze Mühwaltung blos dahin gieng, die Ohnfehlbarkeit des Papſts zu behaupten, und deſſen Gewalt als den von Gore gefegten Obrigfeiten vorzuziehen. Martin Chemnis, ein lutheriſcher Gottesgelehrter, hat in feiner Unterfuchung deſſen, was zu Trident vorgefallen, gründlich bewieſen: wie fehfecht und parteitfch man bey diefer Kirchenverſammlung verfahren. Nicht einmal alle Catholiken find mic dieſem Betragen der Väter zufrieden geweſen. Frank “reich und Venedig haben folchem öffentlich widerſprochen. Der Papft fehnte fich ſelbſt, das Ende einer Kirchenverfammlung zu einer Zeit zu fehen, da es ohne Abbruch feiner Anſpruͤche gefehehen fonte. Die Kirchenverſammlung frennete ſich auch wirklich 3564, ohne daß fie jemals vor eine allgemeine Kicchenverſammluug erkannt iſt, oder 1564. erlannt werden koͤnnen 2). | Auch der. Streit des Papfts mit dem römifchen Könige ward bald darauf beige, Der ftreit des * Maximilians Geſandten bezeigten dem römifchen Stul blos die Ehrerbietig- wegen keit ihres Heren, worauf der heilige Vater die Wahl beftätigte, ohnerachtet man ihn wird beigele; darum nicht erfücht hatte, und die Gehorfamsbezeigung annahm, Die doc) nicht geleis get. ſtet worden. Er willigte ſogar in den Genuß des heiligen Abendmals unter beiderley Geftalt vor die oͤſterreichiſchen und baieriſchen Unterthanen. Cs hatte zwar der Kai⸗ J und der Herzog von Baiern den Papſt ebenfals erſucht, daß die Prieſterehe in ih⸗ pe ten fanden verſtattet würde. Es ſahe aber ber roͤmiſche Stul den Nachteil, der ipm ke erwachſen koͤnte, zu lebhaft ein, und verweigerte daher hiezu feine Einwilligung A). "Der geächtete Grumpach Hatte mit feinem Anhange bey dem Herzog Ssohann Deputations⸗ Friedrich von Sachſen⸗Gotha einen Aufenthalt gefunden. Dieſer Prinz konte den tag zuWorms. Berluft der churfürftlichen Würde nicht verfhmerzen, und Grumpach hatte ihm mit allerley Moͤglichkeiten geſchmeichelt dasjenige wieder zu erhalten, was die erneſtini⸗ ſche Unie im ſchmalkaldiſchen Kriege verloren. Er hatte ſich hiedurch bey ihn in ſol⸗ de Gunſt gefeßt, daß die Befehle des Faiferlichen Hofes bey ihm nichts fruchteten. Man mufte vielmehr aus allerhand Merkmalen noch mehrere und gröffere Unruhen bes forgen. Deswegen ward ein Neichsdeputationstag zu Worms gehalten, den unfer Cpuefürft ebenfals durch den D. Andreas, Zoch. als feinen Gefandten beſchickte. Uns ter andern Berordnungen, die ben tandfrieden und deſſen Handhabung betrafen, ward hieſelbſt beſchloſſen, daß der Kaiſer, auf der Staͤnde Unkoſten, 1500 geruͤſtete Reuter wider alle unvermuthete Faͤlle bereit halten folte 8). Doch noch in diefem Jahr verftarh — der in ſeiner ganzen Regierung Nach Ferdi: eine beſtaͤndige vertraute Freundſchaft mit unſerm Churfuͤrſten unterhalten, und der lee I feinen Prinzen einfchärfte, diefes Vernehmen mic dem brandenburgifchen Hofe auch De 5— noch kuͤnftig beizubehalten. Der neue e Kaifer Marimilian 2: gab hiezu auch alle mög: kaiſerthum. 3 liche e) Pietro Soave. Chemnitii examen eon· denburg zu, davor er mit einem anfehnlichen Ge: eilii Tridens, Er war ein Maͤrker von Geburt, halt zum churfuͤrſtlichen Rath erkläret wurde. und ſchrieb dieſes fein erhebliches Buch demfolgen: - f) Ebendafelbft. ‚genden Ehurfürften Johann Georg von Bran⸗ era Rad. Gotha Dipl. P.æ. 166 38. 6 Hauptſt. Reuere Geſchichte von Brandenburg. 1564. lie Hofnung. Er war zum Theil in Spanien erzogen, und hatte nachmals für fe nen Schwiegervater ‚und Vetter Carl 5 eine Zeitlang die Regierung gefuͤhret. Ein gurartiges Herz hatte ſich bey ihm mit groſſen Fähigkeiten der Seele verbunden, die ek - in der. That angewandt hatte, sich in vielen: müglichen Dingen eine gute Fertigkeit zu. verſchaffen. Er mar gerecht, gütig und gnaͤdig, ſanftmuͤthig und gelinde, aufge reimt, aber mäßig bey feiner Tafel, eim Liebhaber der Gärten, ordentlich in feinen Berrichtungen und Ausgaben, befonders war er geneigt, Diejenigen zu dulden, Die in der Religion anders, als er, dachten, fo daß der römische Hof felsft in Sorgen ſtand, daß er vielleicht gar zu der. evangelifchen Kirche uͤbertreten möchte. Maximilian verlangte in der That beim. Antritt feiner Regierung ernftlich, daß den Prieſtern die ‚Ehe verftattet werden möchte. Allein zum Unglück fehlte dieſem guten Kaifer das Glück der Waffen und ein gefunder Körper. - Der letztere Umſtand war ſchuld, daß über der Pflege feines teibes nicht alles mis gehörigem Eifer betrieben werden Fonte b), KLirchenverDieſer Gefinnung des Kaifers bedienete fich, auf Anrathen des Churfuͤrſten Sa — hits, der Erzbiſchof von Magdeburg und Halberſtadt Sigismund, die Kirchen und halber: verbefferung in feinen Stiftern, doch mit der gröften Behutſamkeit, einzuführen ), ftadt. © Der Ehurfürft harte den Paul Priefemann, um feine Sachen zu 6frgen, OB ae — er den Hof des neuen Kaifers geſchickt. Joachim 2 war. mit beim Herzoge Su io von wartfhaftauf Braunſchweig einig geworden, daß bas Haus Brandenburg die Faiferliche Anwart⸗ rubenhagen ſchaft auf das Fürſtenthum Grubenhagen füchen möchte. Marimilian > war un ſerm Ehurfürften zu viel ſchuldig, als daß er hiezu nicht ſelbſt die Hand Hätte bieten ſol⸗ fen, da Idachim 2 bey der römifchen Koͤnigswahl alles nach dem Belieben des Fals ferlichen Hofes zum Stande gebracht. . Er ercheilte alfo unter dem zıften Auguſt die Anwartſchaft des Fuͤrſtenthums Grubenhagen dem Churhaufe Brandenburg. Es iſt aber nachmals, wie an gehörigem Orte vorfommen wird, diefe Anwartſchaft auf Das ganze Herzogthum Braunſchweig / Lüneburg ausgedehner A. |. — und Anhalt. Morjegt ertheilte Maximilian 2 unferm Churfürften auch die Anwartſchaft auf verſchiedene Neichslehne, die das fürftlihe Haus Anhalt beſaß. Es war folches aber vielmehr eine Beftätigung alter Rechte des Churhaufes Brandenburg. ‚Denn fchon vor diefer Zeit ſoll felbigem die Anwartſchaft auf die anhältifchen Reichslehne ertheile worden fern. In der Gefhichte des groſſen Churfürften Friedrich Wilhelms wer, den. wir Fünftig fehen, was fonft vor Erbverträge zwiſchen den Häufern Anhalt und Brandenburg gemacht worden find d. J Setzt feine . Die Mitbelehnung über Preuſſen ſuchte Churfuͤrſt Joachim 2 ebenfals zu bes RR treiben; aber die Unruhen, welche Paul Scalich in Preuſſen verurfacher Hacke, von Preufen fegten dieſer Sache damals noch KHinderniffe in den Weg. ir werden in ber Ges fort, fehichte von Preuſſen erzehlen, was es mit diefen Irrungen vor eine Dewandnig ge . habt, b) Ehyträus Saxonia®.636. Thuanusl.62. x) Schweder Theatr. Praet. Gundling I.e, ) Bundling lc, Herr von. Dreyhaupt. ) Abel La Schwer La, 0 Churfuͤrſt So Ü J 167 Kibein)iisen denen unſer Churfürft fi ch ſehr vorſichtig betrug, um weder dem Herzoge Albrecht und feinem Hofe, noch den preußifihen Ständen und der Krone Polen ſich misfällig zu machen. 1564, 0 Er wandte aud) alle Sorgfalt: an, die im Kriege verwickelten Kronen Daͤnne ⸗ und um den mark und Schweden zu beruhigen. Joachim 2 nahm mit dem Churfürften von Srachſen Auguft deshalb Abrede, und beide fuchten, als Mittler, Anträge und Vor ſchlaͤge zum Frieden zu machen. Weil aber Luͤbeck, das Haupt der Hanfe, fich vor ZDaͤnnemark erflärete, und diefe Krone den Krieg nicht unglücklich führete, auch von den Streitigkeiten des Königs Erich von Schweden mit feinem Bruder Johann Vortheile zu ziehen fuchte, Schweden aber felbft zum Frieden noch nicht genug luſt de — fo waren alle Verſuche beider Churfuͤrſten vergebens 7). Ä Be Alle diefe verfchiedene Dinge verurfachten erhebliche Koften. Der Aufwand des H Hofes ‚ward dabey nicht gemindert, fondern vermehrer, Es fehlte zwar nicht an Per ſonen, die allerhand Vorſchlaͤge gaben, die Einkünfte: des Hofes zu vermehren. Es keoſtet Ueberwindung, folche abzumweifen, wenn fie ihre Entwürfe glaubfich vorzuftellen im Stande ſind. Aber ehe ein Hof fich in ſchwere Koften und Vorſchuß ſteckt, folte alles erft genau geprüfet werde Juden und Fremde, fonderlich Jtaliäner, Famen frieden in Norden zu be⸗ wirken. Ein projects macher vers ſchwindet. damals zu unſerm Churfuͤrſten. Der eine prahlte, daß er Gold machen koͤnte, der andere wolte eine Perlenfiſcherey anlegen. Dieſer that dieſen, jener einen andern Vor⸗ ſchlag, und jeder fahe mehr auf fein eigenes als des Landesherrn Beſtes. Unter andern meldete fich ein Italiaͤner, und verfprach, die um Belitz ſich zeigende Salzwerfe zum groſſen Bortheil des Churfürften in guten Stand zu fegen. Allein nach vielen vergebs lich aufgewandten Koften verfehwand der Angeber, und mit ihm alle —— ihn die tandeseinfünfte vermehrt zu fehen ). 7 Der Verluſt eines andern Mannes war erheblicher y der in diefer Zeit mit Tote — „Perle Es ftarb Adam von Trotha, des Ehurfürften Hofmarſchall und ehemalis * ger Feldherr in Ungarn, einer der beften Kriegsleute, zw einer Zeit, da im Neich die gothaifchen Sachen, in Norden der Krieg zwiſchen Schweden und Dännemarf, in Preuffen die fealichifchen Händel, und felbft in der Mark noch einige übrig ges bliebene Soldaten des Erich von Braunfihweig alterhand befürchten Tief fen. Doch es Fonte die Mark noch mehr Helden aufzeigen. Jacob von der Schu⸗ lenburg, Joachim von Möbel, Georg von Blankenburg, Johann von Buch, Henning von Pfuel, Otto von Hagen haben fich um diefe Zeiten bekandt genug ges macht: Befünders trug Marggraf Johann von Cuͤſtrin vor die Sicherheit des fans des gehoͤrige Sorge: Der Beftungsbau wurde in Cuͤſtrin und Peitz fortgeſetzt, und an beiden Drten bie Borrachshäufer gefüklee, auch gegen die Ausreiffer nach den Um⸗ Ränten ihres Verbrechens mit gehöriger Strenge verfahren, und übrigens die Negies zung mit.aller Klugheit gefuͤhret. Nur mit dem Betragen der Stadt Frankfurt war Koh Prinz nicht zufrieden, . Er ließ ſogar 1565 den Buͤrgermeiſter dieſer Stadt R a brecht er Sundling. Leuthinger. n) Leuthinger. Gundling.0) Leuthinger. Gundling. Zuftand der Mark, 1565. 168 3 %h. 6 Hauptft; Neuere Geſchichte von Brandenburg | brecht Wias vogelfrey erflären, ver Ehurfürft aber diejenigen Studenten biefer hohen — Schule gehörig beſtrafen, welche wegen der Streitigkeiten des Abdiaͤ Prätorii und Andres Muſculi einen Auflauf und Unruhen gemacht hatten, ' Die: Domftifter zu - Brandenburg, Havelberg und. Lehus wurden immer mehr und mehr eingefehränft, und zur Öffentlichen Sicherheit der Mark vom Churfürften allerhand Anſtalten vorger fehret. Er ließ aus fremden tanden Waffenſchmiede i in feine Staaten fommen, und befahl feinen Unterthanen, befonders in denen Städten, ſich mit allen Gattungen ber beften Waffen zu verforgen, damit zur Zeit der Noch in feinem Stüc ein Mangel zu verfpüren wäre. Die Tuͤrkengefahr mag diefe Anſtalten nothwendig gemacht haben, indem zu diefer Zeit ein neuer blutiger Krieg zwiſchen ver ‘Pforte und dem neuen Kaifer ausgebrochen war. Er gab feinem Adel die Erlaubniß, als Freiwillige gegen Die Tuͤrken ins: Feld zu gehen, und bezeigte dem Kaijer Maximilian auch dadurch feir ne Ergebenheit, daß er feinen erften Enfel den Marggrafen Joachim Friedrich 8 an den kaiſerlichen Hof abſchickte. Zum Andenken der eingefuͤhrten Kirchenverbeſſe⸗ rung ſtellte der Churfuͤrſt am Tage Mauritii in dee Domficche zu Berlin ein Öffentliches Dankfeft an, wobey er Prediger, Schullehrer, Schulen und Hoſpitaͤler veichlich befchenfte, und diefes Feft, fo lange er Iebte, jährlich wiederholete. Die pommerifchen Prinzen Ernft Ludwig und Barnim der jüngere kehrten durch wie Marf von ver wittenbergifchen hohen Schule nach ihren fanden zurüc. Joachim 2 ließ fie zu Briegen durch ven Euſtach von Schlieben einholen, bewirthete ſie in Ber⸗ Yin mie vieler Pracht, und befehenfte fie bey ver Abreife mit zwey Foftbaren Pr die beim Auffigen ſich auf die Knie re mit Sattel und Zeug pe: | 69. Reichstag zu Der Tuͤrkenkrieg ie dem Kaifer u um fo viel ungelegener, da das gute Verneh⸗ Augſpurg. 1566. men mit dem paͤpſtlichen Stul noch immer ſehr wankend war. In Rom war man nicht geneigt, die vom Marimilian gefuchte Erlaubniß der Priefterehe zu ertheilen, welcher fich insgeheim auch der König von Spanien widerfegte. Man beforgte ſogar vor die catholifche Religion von Seiten des Kaifers allerien Gefahr. Der neue Papſt ſchickte, folche abzuwenden, 1566 den Cardinal Commendon nach Deutfehland, und verfahe denfelben mit drohenden Aufträgen und Vollmachten an den Kaifer. Doch der Geſandte war Flüger, als der ihn gefchiefr hatte. Er bevienete ſich gegen den Kaiſer einer gemaͤßigten Auffuͤhrung und richtete hiedurch mehr aus, als wenn er denen hi⸗ tzigen Maaßregeln gefolget wäre, die feine Aufträge enthielten. Der Kaiſer hatte mes gen des Türfenfrieges, wegen der grummpachifchen Unruhen und denen Religionsbes ſchwerden einen Reichstag: nad) Augſpurg ausgefchrieben. Churfürft Soachim 2 ber ſchickte denſelben durch Wilhelm Grafen von Hohenftein, Herrn zu Schwed und Vierraden und kandvoigt in der Liefermarf, durch Kevin von der Schulenburg und durch die D. D. Andreas Zoch und Albrecht Thuͤm. Marggraf Johann aber ducch feinen — D. Adrian Albin und durch den Serthold von Mandelslo er p) — Gundling. Haftitius. ee Churfürft Joachim 2. eh DE 169 der Epueprin; Johann Georg bar auf eine Zeitlang diefen Reichstag befucht: 8 ward auf demfelben eine fo anfehnliche Tuͤrkenhuͤlfe dem Kaifer bewilliget, als noch iner feiner Vorfahren. erhalten koöͤnnen. Die Proteftanten fowol als die eatholi— em Stände waren hieben aus entgegenftehenden Urſachen gleich eifrig. Jene lieſſen hiezu bewegen, weil der Kaiſer groſſe Neigung vor ihre Religion zu haben fehien, ın weil fie ihn auf diefe Art zu bewegen ſuchten, in ihr Berlangen einzumilligen. Die Abſchaffung des geiftlichen Vorbehalts und die freie Neligionsübung aller mittelbaren Stände und Unterchanen waren die Hauptgegenftände ihrer Wuͤnſche. Um diefe Hof— mungen der Proteftanten-aber zu vereiteln, und den Kaifer auf ihrer Seite zu behal⸗ ten, zeigten fich die Catholifen eben fo freigebig in Abfiche der Tuͤrkenhuͤffe. Sie wurden von dem Cardinal Commendon unterſtuͤtzt. Der Papft felbft verfprach zu dem Kriege der Ungläubigen groffe Geldſummen, um hiedurch zu verhindern, daß - Marimilian das augfpurgifche Glaubensbekaͤnntniß nicht annehmen möchte. Diefe letztere Partey erhielt ihren Endzweck. Denen Proteftanten wurde ihr Begehren ‚abgefihlagen. Die Reformirten wurden ‚von. dem Religionsfrieden ausgefehloffen, ohnerachtet der Churfürft von der Pfalz, der fich zur reformirten Religion gewendet, eifrig verlangte, daß. der. gefchloffene Religionsfrieden auch auf die Neformirten auss gedehnet werden möchte. Selbſt diejenigen Proteftanten, welche dem unveränderten augſpurgiſchen Slaubensbefänntniffe zugethan waren, hinderten den Churfürften von der Pfalz an der Erhaltung feines, Berlangens. Man hatte diefem Herrn wegen feis A. ner Religion fogar das Sitz und Stimmrecht auf dieſem Neichstage ſtreitig zu machen geſucht. Aber er. behauptete folches. gegen die Bemühungen des päpftlichen Borfchafs ‚ters mit merkwürdigen Umſtaͤnden. Selbſt der Churfürft von Sachſen Yuguft gab ihm das ob, daß er froͤmmer, als fie alle, wäre, und. erfuchte ihn, feinen Platz zu behaupten. Jnu dem Neichsabfchied wurden fonft verfchiedene Verordnungen von dem Kammergericht, Ergänzung der Neichskreife, Milderung der Reichganfchläge und dem Muͤnzweſen gemacht: Vorzüglich ſuchte man denen grumpachiſchen Unruhen vorzw beugen. Der Raͤdelsfuͤhrer nebft feinen Helfern ward in die Acht erkläre; allen, - die ihn ſchuͤtzen würden, gleiche Strafe angedrohet; dem ober / und niederfächfifchen, fränfifchen und mweftphälifchen Kreife die Vollſtreckung der Acht aufgetragen, auch überdies noch 1200, Reuter folcher Unruhen wegen auf drey Jahr fang zu unterhalten beſchloſſen. Churfürft Auguft von Sachſen hatte hiebey das meifte zu befürchten, da der Herzog Johann Friedrich von Sachen Gotha ven Grumpach Hauptfächs lich darum in feinen Schuß genommen, weil er durch Huͤlfe des Auhanges dieſes uns higen Mannes die feiner linie entriffene Churwuͤrde wieder zurüc zu erhalten hofte g). Dies beivog eben den Churfürften Auguft, ſich vom Kaifer Marimilian auf dieſem Reichstage mit allen Feierlichkeiten belehnen zu laſſen, wobey Wilhelm Graf von Ho⸗ IE | hen⸗ H Lehmann Ad. relig.1.2c.4. Herr von Senckenberg in der Sammlung der Reichsabſchiede Th. 1. Reichsabſchiede von 1566. Buders Sammlung ungedruckter Nachrichten S. 84. D. allg. preuß. Geſch. 3 Th. 1565. 176 3%. 6 Hauptft:" Neuere Geſchichte von Brandenburg, 1566. henſtein die Stelle unfers Churfürften vertrat, auch der bramdenburgifche Churpring zugegen war, ' | | | — Tuͤrkenkrieg. Der Churfuͤrſt ließ feinen Antheil von Kriegsvblkern Hierauf zwar wirklich nach Ungarn abfuͤhren, wo aber wenig fruchtbarliches ausgerichtet werden konte. Denn an dem Faiferlichen Hofe gieng alles’ ungemein ſchlaͤfrig Her. Die Veſtung Siegeth, welche Nicolaus Serini mit verwundernswuͤrdiger Tapferkeit bis an feinen männlis chen Tod vertheidigte, gieng an die Tuͤrken über, 06 es wol in dem Heer der Chris ſten an tapfern teten nicht fehlete. · Sonderlich that fich ein brandenburgifiher von Adel, aus dem Gefchlecht derer von Trotha, hervor, welcher ſich mic einem Tuͤr⸗ fen, deſſen riefenmäßige Groͤſſe alles in Schrecken feßte, in einen Zweikampf eins ließ, und ſolchem erſtlich den vechten Arm durchbohrte, ihm nachmals fin Schwerd in die Gurgel ſtieß, und mit deſſen Beute befaden ins dager zuruͤck kam. Selbſt der Marggraf Joachim Friedrich Hatte dieſem Feldzuge in Ungarn beigewohner "), ER N. 70, a Es ſtirbt Jo Eine faft allgemeine Peſt wütete damals auch in der Mark Brandenburg,. a befandte oberfte Geiftfiche Magifter Johann Agricola aus Eisleben fm und marograf geraft wurde 5). Weit erheblicher war aber der Tod Marggraf Siegmunds Erzbi⸗ Siegmund. ſchofs von Magdeburg und Biſchofs von Halberftadt, welcher ebenfals in der Nacht vom ızten zum ızten September zu Halle, nach genoffenem Abendmahl unter ber derley Geftafe, mit Tode abgieng. Diefer Tod fiel unferm Churfürften um fo betruͤb⸗ ter, weil er hiedurch abermals einen lobenswuͤrdigen Prinzen im 2gften Jahr, und al fo in der Bluͤthe feines Alters, verlor. Einen Prinzen, der niche nur die Hochflif ser Magdeburg und Halberftadt befeffen, und hiedurch das Beſte des Churhaufes zu unterftüßen völlig im Stande geweſen, fondern der auch. von dem halben Europa als der wirdigfte Mitwerber um die pofnifche Fonigliche Krone, nad) dem Fünftigen Tode Sigismundi Auguſti, angefehen wurde. Die Hofnung, das Königreich Polen in feiner Perſon mit dem Churhauſe Brandenburg noch weit näher, als jemals, zu verbinden, fiel hiedurch groͤſtentheils weg. Das Stift Halberftadt ließ ſich da⸗ mals durch allerhand Vorſchlaͤge bewegen, an bes Verſtorbenen Stelle einen fehr jun⸗ gen braunfehtweigifchen Prinzen Henrich Julium zu ermähfen. Aber das Domes pitel von Magdeburg blieb bey dem Churhaufe Brandenburg ſtandhaft. Cs ber ftand das Capitel aus folgenden Männern: Chriftoph von Möllendorf Dechant, Albrecht von Kracht, Liborius von Bredow, Franz von Königemarf, An⸗ dreas von Holzendorf, Johann von Nandau, Werner von Plotho, Johann von Bothmar, Georg von Platen, Johann von Werder, Wichard von Bre⸗ dom, Levin von der Schulenburg und Buſſo von Brietzke. Alle diefe vereinig ten fich, den Enkel des Churfürften, älteften Sohn des Churpringen, den Joachim Friedrich, der bereits die Derwaltung der Stifter Brandenburg und Lebus hatte, zum Ergbifchof zu 'erwählen 2), Ä en | As r) Reuthinger. Haftitius. Leuthinger ⸗Gundling. Leuthinger. Haftitius. Herr von Dreyhaupt. en Churfuͤrſt Joachim 2 Bi 171 Als des Herzogs Philipps von Pommern Soͤhne die Huldigung in ihren fa 1566. den einnahinen, ward folche auch dens Haufe Brandenburg. auf ven Fall abgelegt, Berfiherung wenn die Herzoge ohne männliche Erben verfterben folten. Die ftrittigen Grenzen der * — in Mark und Pommern wurden auf guͤtliche Unterhandlungen ausgeſetzt, und die von Zoachim 2 an den pommeriſchen Grenzen im der Uckermark errichtete Zölle beibe⸗ halten wo). . | | * Der gothaiſche Krieg gab einen andern Gegenſtand der Beſchaͤftigungen der Gothaiſcher Churfuͤrſten ab. Johann Friedrich Herzog von Sachfen? Gotha ließ ſich ungluͤck-krieg. licherweiſe vom Grumpach und ſeinem Anhange zu allem verleiten. Er wolte durch⸗ ‚aus die Churwuͤrde wieder haben, und war ſogar geneigt, Erſcheinungen zu glauben, wenn folche feiner Hofnung fehmeicheften. Da er überzeugt zu feyn glaubte, es ſey ihm unrecht gefchehen, daß die Churwürde ihm vorenthalten würde, da folche feinen Vor⸗ fahren zuftändig gewefen, und er dasjenige nicht büffen Fönte, was fein Vater verbros chen, geſetzt, daß folcher wirklich ftraffällig gehandelt ;. fo war er auch geneigt, Wun⸗ der zu glauben, wodurch er dasjenige wieber befommen fonte, was ihm, nad), feiner ‚Meinung, gehoͤrete. Die rafende Schwärmereiemeines Kirchenjungens, des fogenanns ten Taufendengelfchön, der zum Vortheil des Herzogs Gefichter und Erſcheinungen zu ſehen vorgab, waren in. der That nichts verwundernswürdiger, als Daß der Herzog fich einbilden Eonte, daß der geächtere Grumpach und feine wenigen in der Irre ges henden Anhänger ihm das wieder verfehaffen koͤnten, was der Kaifer doch nur ganz. neuerlich auf dem augfpurgifchen Reichstage Yugufto zu Lehn gereicht Hate. Um alles zu fügen, was die Einbildungen diefes Herren eutſchuldigen kann, muß ich anfühe ten, daß er fich von der Nechtgläubigkeit in der Iutherifchen tehre auch Nutzen in feis nen zeitlichen Angelegenheiten verſprach. In dem damaligen Streit über das veräns derte und umveränderte augfpurgijche Glaubensbekaͤntniß bildete er ſich ein, ‚daß alle, - ‚Die ben dem letzteren eifrig verbieben, feine Partey gegen Auguſtum nehmen würden, - ‚welcher damals gegen die Meformirten nicht eifrig genug gehalten wurde. Grum⸗ pachs Anhang fol auch wirklich dem Auguft nach dem leben geftanden haben. Jo⸗ hann Friedrich machte in der That Anſtalten, die geächteten Perfonen mit Gewalt zu ſchuͤtzen, und mit Gewalt das zu erlangen, was er wünfchte. Er ließ den Örimmens ‚fein und Gotha Überhaupt ftark beveftigen, und begieng wirklich gegen den Churfürs ften Auguſt allerhand feindfelige Handlungen. Die Abmahnungen des Kaifers, Aus guſts und anderer Höfe, ſelbſt feines Bruders Johann Wilhelms von Sachfens eimar Fonten nicht ſo viel vermögen, als feine Hofnungen. . Joachim 2 that alles ‚mögliche, ihn mit Augufto von Sachfen zu verttagen. Allein alles war vergeblid), da dem gothaifchen Hofe Feine Borfchläge gefchahen, wie er.die Churfuͤrſtenwuͤrde wieder ‚erhalten koͤnte, welche doch feine Borfahren gehabt Hatten. - Auguſt fahe fich daher ges mungen, feine Würde zu ſichern, die Waffen juergreifen, und Gotha ſelbſt zu belagern. - ‚Der Kaifer und das Reich hatten unter andern aud) unfern Ehurfürften zum Beiſtande | Y2 des ., | u) Reushinger, 173 3 Ch. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1566. des Auguſts ermahnet. Dem Churfuͤrſten Zoachim 2 war alles zuwider / was bie aͤuſſere Sicherheit ſtoͤren konte. Er befahl alſo wirklich einigen Kriegsvblkern, unter ſeinem Feldherrn Georg von Blankenburg zu denen churſaͤchſiſchen Volkern zu ſtoß fen. Gundling ſagt, es wären 1606 Mann geweſen/ Haftitiug Hat nut zos Pfer⸗ 1567. 6e angeſetzt. Vielleicht waren das uͤbrige Fußvoͤlker Ein 1567 erfolgter Aufftand in Gotha machte, daß ſich der Ort nach einer vierteljährigen Belagerung an Auguſt ex gab. Joachim 2 rierh dem Herzoge, ſich durch fernere Widerſetzung nicht noch un⸗ gluͤcklicher zu machen. Die Aufruͤhrer warden zu harter Strafe gezogen, und der Herzog gefangen in die Hände des Katfers geltefert, der ihn Zeitlebens gefangen behielt. Dies fes machte die Prinzen des Herzogs von Gotha gleihfam zu Waifen, Unſer Chur⸗ fürft Joachim 2 übernahm uͤber fie nebft dem Herzog von Weimar die Bormund⸗ ſchaft mit väterlicher Sorgfalt, daß folche durch das Ungluͤck ihres Herrn Vaters nicht gar zu kurz Fämen x). Dieſer Ausgang des gothaiſchen Krieges Hefreiere auch die Mark Brandenburg von der Sorge, daß ſich die Unruhen auch dahin ausbreiten möchten. Es ſcheint, daß Marggraf Johann von Cuͤſtrin nicht abgeneige geweſen etwas zum Beſten der erneſtiniſchen ſaͤchſiſchen inte zu unternehmen. erzehlet, daß er in dieſem Jahr auf das ſchleunigſte allerhand Zuruͤſtungen gemacht, vo ven Abſichten man nicht einſehen koͤnnen. Er ließ in Städten und Doͤrfern Ruͤſtwa⸗ gen verfertigen, Soldaten werben, und legte in die Veſte Peitz eine ſtarke Beſatzung Der kaiſerliche Hof aber brachte durch eine Geſandtſchaft und vielleicht auch durch die un⸗ vermuthete Uebergabe von Gotha den Herrn auf andere Gedanken, und zu Abſtellung aller Kriegsruͤſtungen. Da bisher in des Churfuͤrſten Staaten — alles auf — * ſeyn muͤſſen, ſo ward — alles wieder er »- $. Joachim Fries Indeſſen hatte der Enkel des —— Joachim Fadah von FARM * Bei mimme Magdehung Befig geneimnei. x Faı, in Begleitung fine Seren Waters bed Magdeburg brandenburgifchen Churprinzen Marägraf Sohann George , den gten San. nach beſih. Halle. Dieſer bekam vom Rath ein Trinkgeſchirr go T’yaler werth, und der neue - Yandesherr eins 100 Thaler werth geſchenkt. Soachim Friedrich beſchwor ſeinen Wahlvertrag. Cr verſprach darin unter andern: Im Fall aber, daß in zufünftigen Zeiten bie hurfürftliche Wirde und Negierung des Fürftenthums Brandenburg an Uns als den anmwartenden Succeſſorn Fommen und fallen würde, wie folches in des All⸗ mächtigen Gottes Händen ftehet, alsdenn foll durch) folche Unfere erbliche Succeßion in dem Churfuͤrſtenthum die Aominiftration und alle andere Gerechtigfeit und Verwaltung in dem Erzſtift gaͤnzlichen extinguiret, aufgehoben, und ohne alle Widerrede oder Ver⸗ hinderung dem Capitui, wie fonften hiebevor fede vacante gefchehen, wiederinn heim⸗ gefallen ſeyn, und ſoll das Thum» Capitel alsdann einen andern Erzbifchof oder Admi⸗ niftrator des Erz Stifte ohne alle Verhinderung zu erwählen Macht haben; auch die Huldigungepflicht, fo von des Erzſtifts Ständen, Amtleuten und Unterthanen genom ⸗ apa 2) Anftisius. ku u RE, ' . | | Churfürft Joachim 2, { 177 men wird ſich alsdenn weiter nicht erfiredfen, noch genau binden, fondern, vermöge 1567. dieſer Eapitulation, ipfo fadto tobt und fonften verlofchen feyn.,, Der Churpring begeugte ebenfals, daß diefer Wahlvertrag mit feinem Vorwiſſen, Nath und Bewilll⸗ . Hung angenommen worden, und verfprach, „daß er mit Rath, Huͤlf und Zuchin fer . Med gnädigen lieben Herrn und Vaters des Chutfürften zu Brandenburg aud) anderer Herren und Freunde nochmals und zum förderlichfien bey der Roͤmiſch Kanferlichen Majeftät unterehänigft anfirchen, auch hierzu alle Billige und fügliche Mittel und Wege gebrauchen wolle, damit Ihro Majeftät gedachten neuerwählten, mit denen Megalien des Erzftifes Magdeburg, als einen poſtulirten Adminiſtratorn deffelben, belehnen woolle,,, Der Churfuͤrſt Joachim 2 ſchickte wirklich den Albrecht von Thuͤm und Thomas Matthias 2) an den Faiferlichen Hof, woſelbſt er vor fich die Belehnung von Marimilian 2 empfing. Ex brachte zugleich durch fein Anfehen es dahin, daß "Marimilian 2, feinem Enfel die Belehnung über das Hochſtift Magdeburg zu erthei⸗ Ien, wirklich zufagee. Der neue Erzbifchof ließ auch fofort die 20 Jahre lang verſchloſ⸗ fene Domfirche zu Magdeburg eröfnen, und, feinem Verſprechen gemäß, die evan⸗ therifche tehte darin predigen, und das Abendmahl unter beiderley Geftalt aus - theilen. Es ward hieben alles zuvor mit dem Churfürften Joachim 2 in Ueberlegung 7 gezogen, und in allem nach feinem Nach zu Werke gegangen a). | # Cs meldeten fich nunmehr ben diefem Herrn die gewöhnlichen Schwachheiten des Kuittelkrieg. | ters. Er hatte viele fehlaflofe Nächte, doch fand fic die Ruhe nach einiger Zeit wieder. Um fich nun thelis einiges Vergnügen zu fehaffen, theils die berlinifche und ſpandowſche Bürgerfchaft in Waffen zu üben, folten, auf des Churfürften Befehl, beiberfeitige Bürger zu Waſſer und zu Sande ein Treffen mit einander Halten. Zuerſt ſtritten fie auf der Havel unter dem Donner des ſchweren Geſchuͤtzes und dem Klange der MWerfzenge der Tonkunſt. Ueberall waren Fifcherfähne beftellt, um die ins Waffer fallenden aufzufifchen. Der Churfürft und fin Hof fahe auf einem prächtig ausgeruͤ⸗ ſteten Gefäß diefen Streit mit an, und es gab wirklich zu vielem Vergnügen Aulaß, . wenn eine umnöthige Furcht die am Ufer ftehenden Weiber und Kinder zum Weinen und Schregen brachte, befonders da bey dem Anlanden ver Schiffe ein folcher berm ge macht wurde, Als wenn die Stade Spandow in der Aufferfien Gefahr fey. In dem Treffen zu lande waren die Berliner weit ftärfer, als die Bürger von Spandow, und die erftern glaubten daher ſchon wirklich ven Sieg in den-Händen zu haben. Sie hatten zwey Treffen angeordnet. Auf dem rechten Flügel des erften Treffens fochten die anfehnlichften Bürger der eigentlichen Stade Berlin, und auf dem linken der Stadt Eöln an der Spree, Das Hintertreffen beftund aus dem gemeinen Mann der hut fuͤrſtlichen Wopnftädte. Die Spandower Fonten hingegen nur eine einzige Linie aus⸗ machen, weil fie überhaupt nicht ftärfer als ohngefähr goo Mann waren. Zwifchen Y3 beiden 2) Er war churfuͤrſtlicher Rath und berlinifher Bürgermeifter, dem 1561 Buchholzer fein Trau⸗ büchlein zugefchrieben hatte, : #) Leushinger, Gundling. Kerr von Dreyhaupt. 174 3%. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Be Er .- 1567. beiden Haufen bielt der Ehurfürft mie feinen Hofleuten und feiner Leibwache. Die Spandower fahen, daß fie zu. ſchwach waren, und nahmen ihre Zuflucht zu einer Kriegsliſt. Sie zogen fich zuruͤck, Tiefen aber um die Berliner herum, und griffen fie im Ruͤcken ſo lebhaft an, daß fie folche in die Flucht brachten. Der Ehurfürft kam biebey ind Gedränge, fein Pferd wurde fcheu, und es’ Hätte noch ein Ungluͤck geſchehen koͤnnen, wenn Joachim 2 nicht das Zeichen zum Abzuge gegeben, weil der Streit ſich ‚bis in die ſpaͤt⸗ Nacht verzogen hatte. Es ward zwar. bey dieſem Schauſpiel kein Blut vergoſſen, doch waren beide Theile gegen einander ſo erhitzt, daß es derbe Schlaͤge ſette. Der Churfuͤrſt war mit der Auffuͤhrung des ſpandowſchen Buͤrgermeiſters Barthel | Bier ; wegen ber gebrauchten &ift, nicht vollig zufrieden, und beftrafte ihn auf eine Zeitlang mit dem Gefängniß. Weil einige Kugeln während diefem Gefechte ven fehr hohen fpandowfchen Kirchthurm getroffen hatten; . fo gieng die Nede, daß, da bie Einwohner theils als Streiter, theils. als Zufchauer die Stadt verlaffen, der Thurm indeffen eingefehoffen werden-follen, weil zu Kriegszeiten von demfelben dem Schlofe ‚Schaden zugefügt werden Fonte.. Doch nicht lange darauf Afcherte dieſen Thurm das Gewitter ein. Dieſer $uftfrieg ward uͤbrigens ber Knitteltrieg genannt u fein ander — gebraucht worden ). nr 72. RN 2 Heihstaggu. . ' Der — Tuͤrkenkrieg —— den Kaifer ‚um eine Hilfesom eich — Regenſpurg. zu erhalten, ‚einen Reichstag nach Regenfpurg auszufchreiben. Unſer Churfürft ber ſchickte denfelben durch den Werner von ber Schulenburg und den D. Andreas Zoch, welche auch im Namen des Marggrafen Johann von Cüfkrin und des Marg⸗ grafen Georg Friedrichs in Franken gegenwärtig waren... Es ward auf die ſem Rechs⸗ tage auch von dem gothaiſchen Kriege gehandelt, und man beſchloß, daß alle Veſtungs⸗ werke zu Gotha und dem Grimmenſtein niedergeriſſen, auch dem Churfürften von Sachſen Auguft die bey der Belagerung aufgewandten. Koſten erſetzt werden ſolten. Kreistag zu Um den letzten Punkt zu berichtigen, ward eine Verſammlung der Reichskreiſe in Er⸗ Erfurt. furrt beſchloſſen und darauf ſowol diefer Umftand, als auch verſchiedenes zur allgemeis nen Sicherheit, ausgemacht. Unfer Churfürft hatte, als ein vorzüglicher Stand des oberfächfifchen Kreifes, „ven Werner von der Schulenburg und Andreas Zoch nach Erfurt geſchickt, und der letztere dieſer Abgeordneten hatte die Ehre, im Namen des ganzen oberſaͤchſiſchen Kreiſes den erfurtiſchen Kreisabfehied zu unterfiegeln c). 1568. Die oͤſterreichiſchen Stände hatten, bey Gelegenheit des Türfenfrieges, dem | Des kaiſers Kaifer eine anfehnliche Geldhuͤlfe verwilliget. Maximilian 2 ertheilte dafiir diefen — — feinen Unterthanen 1568 bie freie Rellgionsuͤbung des. evangeliſchen Gottesdienſtes dem papft. Hieruͤber aber wurde der Papft Aufferft aufgebracht. Die Sache Fam fo weit, daß man einen gaͤnzlichen Bruch zwiſchen dem roͤmiſchen und kaiſerlichen Hofe befuͤrchtete. Wahrſcheinlicher Weiſe hätte ſolches den Kaiſer bewogen, ſich offentlich zur proteſtan⸗ tiſchen Kirche zu bekennen. Hierzu Fan, daß Die Herzoge von Florenz und Modena in b) Beushinger. Angelus. Reichsabſchied und Kreisabſchied. Churfuͤrſt Joachim 2. | 175 in einen Ranoſtreit verfallen waren, und der Papſt ſowol als der Kaiſer die Entſchei⸗ 1568. dung deffelden fich anmaßten. Blos das Fluge Betragen des Cardinals Commendon, - den der Papft * Wien abgejchickt, verhinderte den Abfall des Kaifers von ber ca⸗ tholiſchen Kirche d) ie»? innerlichere Streitigfeiten der Stadt eh wurden zwar durch die Chur⸗ Maͤrkiſche ſa⸗ fuͤrtſten von Sachſen und Brandenburg guͤtlich beigelegt, aber ſelbſt in der Mark Gen = fanden fich theils alte, theils neue Irrungen. Die hohe Schule zu Frankfurt befam ein neues Anfehen, als Churfürft Joachim 2 ſolche noch immer mie Kirchengätern zu beſchenken fortfuhr wozu vornemlich die Carthauſe in Frankfurt und der Dom in Stendal gehöreten. Allein die Stade Frankfurt Hatte wegen der freien Schiffarth auf der Dder nach der Dftfee mit der Stadt Stettin noch zu feinem Vergleich‘ Fon men Fönnen, wodurch freifich der märfifche Handel nothwendig leiden muſte. Zwi⸗ fehen dem Churfürftenehum Brandenburg und dem Herzogtum Mecklenburg wa ven ebenfals noch verfehiedene Grenzirrungen uneroͤrtert. Der Adel und die Städte ber Mark waren ebenfals wegen der fandesabgaben uneins, da ber erſtere af einem zu erlin gehaltenen tandtage alle Saften denen letztern allein zuzuwaͤlzen fuchte e). Bor allen andern aber machten die Streitigkeiten des Marggrafen Johann von Flucht des ein mit dem Herrnmeifter von Sonnenburg Franz Neumann vieles Auffehen. herrnmeiſters ann hatte fein ganzes bisheriges Gluͤck dieſem Prinzen zu verdanfen. Unter un hi m flieg er von einer Stelle jur anderm Er ward deffen Kanzler. Durch feine Eins e fung ward er in den Sohanniterorden aufgenommen, und in demfelben mit der nthuren Schievelbein verſehen. Im Jahr 1564 ernannte ihn nebft dem Marggras fen Soachim Friedrich der Schutz / und Schirmherr des Ordens Marggraf Johann zum Mitwerber des Herrnmeiſterthums. Vielleicht legte Neumann damals den ers ften Grund zu feiner nachmaligen Ungnade. Prinzen und ihre Verwandten Fonnen es | nicht Teiche verfchmerzen, wenn ihnen andere vorgezogen werden. Vielleicht Hofte Margs graf Johann daß ſich Neumann mic feinem bisherigen Gluͤck begnügen, und auf die Art dem brandenburgifchen Prinzen die Wahl zum Herrnmeiſter erleichtern wuͤr⸗ “de. Und doch nahm er die auf ihn ausgefallene Wahl an. Joachim Friedrich wurs de ein Schwiegerfohn des Marggrafen Johann von Eiftein. Es ift begreiflich, daß fir Si | der Schwiegervater bey aller Gnade gegen Franz Neumann doch ungern fahe, daß folcher dein Joachim Friedrich vorgezogen worden. Der Herrmeiſter zog ſich aber — noch durch andere Umſtaͤnde die voͤllige Ungnade ſeines Herrn zu. Marggraf Johann hatte ſich vorgeſetzt, die dem Johanniterorden gehoͤrige in der Lauſi itz gelegene Stadt Friedland, welche fo wie faſt die ganze Lauſitz damals die Oberhertſchaft der Krone Böhmen tiber ſich erfannte, abzufaufen, Er verfprach dem Orden, den Werth dies fs Drts in verſchiedenen Friften zu erlegen. Neumann war aber dem Marggrafen hierbey zuwider. Er Fannte folhen, und wuſte, daß verfelße, feinen Zweck zu vers fehlen, nicht gewohnt war. Leuthinger ‚geftcher dag Neumann noch mehrere Ur⸗ | ſachen a) Chytraͤus l. 22, Schardius T. IV, ) Leuthinger. 176 3% 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1568. fachen zum Misvergnügen des Marggrafen gegeben habe. _ Sein Landes / und Schu here hatte ihn, nach Cuͤſtrin zu Eommen, eingeladen, er blieb aber ungehorfamiih _ aus. Er verließ fogar feinen Wohnfis Sonnenburg, und gieng aufferhalb Sandes nach Friedland. . Dies war allerdings ein Schritt, der groffe Folgen häste haben Fün, nen, und Marggraf Johann mufte nothwendig auf allerhand Mittel denken, zu vers hüten, daß die Herrnmeiſter, ihren Wohnfis aus der Mark Brandenburg zu vers ruͤcken, feine Gelegenheit befamen. Neumann hatte nicht nur. an dem ofe des Marggrafens feine Anhänger, die ihm von allem, was daſelbſt vorgieng, Nachricht er: ” theilten, fondern da er felbjt Kanzler gewefen, fo waren ihm die geheimften Umftände des fandes vollfommen bekandt. Niemandem war es, dem Marggrafen zu ſchaden, leich⸗ ter, als diefem Praͤlaten, und der Prinz gab auf alle Gelegenheit Achtung, ihm wie⸗ der in ſeine Gewalt zu bekommen. Neumann kam von Zeit zu Zeit aus Friedland nach Rampitz, welches unter brandenburgifcher tandeshoheit ſtand. Johann gab daher feinem Hofmarfchall Johann Seyffertitz, dem Befehlshaber in Cuͤſtrin Ca. ſpar Otterftädt, dem Sigismund von Schlichting und andern von Adel den Bes fehl, den Herrmmeifter in Rampitz aufzuheben. Ehe ſich es Neumann verfahe, wur, de ihm, auf Befehl des Marggrafen, von diefen Herren die Gefangenfchaft angefüns diget. Anſtatt diefelben zum Ungehorfam, wie feine Meinung war, zu verleiten, brachte er. folche nur deftomehr auf, da er ihnen vorzuftellen fuchte, daß fie eine Der richtung über fich genommen, bie ihrem Stande zu unanfländig wäre. Sie lieſſen ihn, ſo wie er war, einen Wagen beſteigen, und in Begleitung eines Edelknabens nach dem gewöhnlichen Herrnmeiſterwohnſitz Sonnenburg abfuͤhren. Sie überlies ferten ihn in die Haͤnde des Befehlshabers Winning, der ihm die Erlaubniß gab, ſei⸗ ne in den Wochen liegende Tochter zu befuchen, übrigens aber ihn in einem wohlverwahr⸗ ten Zimmer gefangen hielt. Neumann fand nichts deſtoweniger durch, feine Tochter Gelegenheit ,. zu entfommen. Er ließ fich in den Abtritt herab, Sein Edelfnabe zog ihn wieder herauf, und fo entfloh er, feines Alters ohnerachtet, Durch, eine fandigte Gegend eine Meile zu Zug. Er ließ fich in einem dem Orden zuftändigen Dorfe fodenn die nöthigen Pferde geben, und begab fich in aller Eil über Droffen, Zilenzig und Lagom nach der fehlefifchen Stadt Schwiebus. Die Nachricht von feiner Gefan⸗ genfchaft und Flucht Fam alſo faft zu. gleicher Zeit in Cuͤſtrin an. Der Marggraf feste ihm. fofort bis Droſſen nach, und erfuhr feinen Aufenthalt. Er ſchickte dar⸗ auf diejenigen von Adel, die ihn vet gemacht, nebſt feinem Befehlshaber Zo⸗ hann von Loͤben und andern angefehenen Perfonen aus Zullichau nach Schwiebus, am den Herenmeifter aller vorigen Gnade, der auf ſich habenden theuren Pflichten zu ‚erinnern, und zur Ruͤckkehr zu bewegen. Uber man. ließ diefe Abgefchickte nicht eins mal in die Stadt, fondern Neumann befprach fich mit ihnen von einem Thurm, und gab feine Furcht als die Urfache feiner Flucht fowol an, als warum er nicht wieder is ‚rück Fommen Fonte. Es fruchtete ben ihm feine Vorftellung, daß er durch eine geh ſame Rückkehr fich nicht nur Vergebung, fondern auch die vorige Gnade wieder ders ſchaffen | Churfuͤrſt Joachin 9.10: 177 fhaffen Fonte. Einer in dieſer Abficht vorgezeigten Schrift des Marggrafen trauete 1558. ‚ereben fo wenig. Der Nath in Schwiebus wolte ihn auch nicht wieder ausfiefern ; ja er fand Mittel, von dem Kaifer Marimilian ein ficheres Geleit und einen Befehl “an die Stadt Schwiebus zu erhalten, ihm zu ſchuͤtzen. Doc) die Stadt befürchtere dasjenige, was vor Furgem in der pulnifchen Stadt. Krone geſchehen. Neumann hielt fich felbft hier nicht ficher, fondern flüchtete nach Prag, und von da nach Wien. Ein folches Betragen fand. der Marggraf beftraffenswerth. Er ließ daher durch das rirferliche Drdenscapitel an die Stelle des verlaufenen Franz Neumann den Graf Martin von Hohenftein und Bierraden zum Herenmeifter wählen. Dieſet wurde der erſte evangelifche Herrmeifter zu Sonnenburg. Diejenigen aber wurden zur ſchwe⸗ ten Derantwortung gezogen, die man verdächtig hielt, daß fie zu Neumanns Flucht behäfflich gewefen. Der Befehlehaber in Sonnenburg Winning fowol als Neu⸗ manns Schwiegerſohn Ehriftoph von Döberig wurden befonders bey dleſer Gelegens > heit unglücklich. Der Marggraf fahe hierbey vor nörhig an, auf alle Fälle in guter Dereitfchaft zu ſtehen. Das Mistrauen des Marggrafen und des ehemaligen Herrn⸗ ‚meifters Franz Neumanns häfte das gute Vernehmen des Marggrafen mit dem Pais ferlichen Hofe unterbrechen, und diefes zu einem Kriege felbft Gelegenheit geben koͤn⸗ nen. Der Marggraf Johann ließ daher neue Werke bey der Beftung Cuͤſtrin ans fegen. Da diefer Dre bieher nur mit einem Wale verfehen gewefen, fo wurden nuns mehr mic dem gröften Eifer Pafteien und Mauren angelegt und vollführe. Doc weil Neumann bald mie Tode abgegangen, fo if deſſen Sache dadurch ohne Weite rungen geblieben. Der Churfürft Joachim 2 aber befchäftigte fich mit andern Sa⸗ chen. Er ließ einen Foftbaren Wafferbau beforgen, durch welchen die Fahre zu Waffer von Zoffen über Miittenwalde und Wufterhaufen nach ‚Berlin glücklich erdfnee wurde P. | | Mi, | $. 73: Ohnerachtet Euftach von Schlieben, den felöft die Ausländer nur den bereds Der hurfürft ten Deutfchen zu nennen gewohnt waren 2), mit Tode abgegangen, dem in der nie mit⸗ Hauptmannſchaft Zoſſen der bisherige churfuͤrſtliche Kämmerer Wolf von Kloſter Sr * aus Weſtphalen folgte; fo fehlete es dem Churfuͤrſten doch nicht an ſehr geſchickten Staatsleuten. Er brauchte diefelben befonders anjego, eine Sache zu Ende zu brins gen, an welcher bereics viele Jahre vorher gearbeitet worden. Weil Joachim 2 mit einer Föniglich polnifchen Prinzeßin vermaͤlet war, und der jagellonifche Manns ſtamm mit dem Könige Sigismundo Augufto auf dem Falle ftand; fo hatte ver Churfuͤrſt fich einige Hofnung gemacht, daß die Polacken Fünftig bey der Wahl auf feinen Prinzen Sigismundum fehen, und denfelben-auf den Thron erheben würden. Diefes gab Gelegenheit, daß der churbrandenburgifche Hof Unterhandlungen in Pos Br | - len - f) Zeuthinger. Haftitius. Angelus. Ditmar vom Johanniterorden. Siehe auch B.ı ©. 376. g) Facundum Alemannum. Haftitius. Angelus. P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. 3 1568. 178 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. len vorgenommen, und fich um die Freundſchaft ver Groffen biefes Neichs auf afle Art beworben hatte. Es war hiemit noch ein anderer Punkt verbunden worden, Das Herzogehum Preuſſen hatte die Krone Polen einem bramdenburgifchen Prinzen Marggraf Albrecht zu techn gegeben, und deſſen Brüdern folglich die alte Fränfifche nie zur Mitbelehnſchaft gelaffen. Churfürft Soachintt, welcher damals lebte, ſtand der Religion wegen mit der fraͤnkiſchen Kine in fo ſchlechtem Vernehmen, daß er darüber, am diefer Mitbelehnung Theil zu nehmen, verabfäumet hatte, Nach und nach war die ganze fränfifche ättere Linie bis auf fehr wenige männliche Perſonen ab⸗ ‚geftorben. Es war möglich, daß folche völfig ausgehen Eonte, und Churfuͤrſt Joa⸗ chim 2 wuͤnſchte nunmehr, daß er und feine männliche Nachfommen an ber Mitbeleh⸗ nung Theil nehmen moͤchten. Der vor einiger Zeit erfolgte Tod ſeines mit der polni⸗ ſchen Hedwig erzielten Prinzen Sigismund vereitelte zwar den Entwurf, dieſen Herrn auf dem polnifchen Thron zu fehen, aber er erleichterte die Unterhandlunger wegen der Mitbeiehnung über Preuffen. Diefe waren fehon feit vielen Jahren ſehr geheim durch Georg von Speth am koͤniglich polnifchen Hofe getrieben. Schon 1548 verlangte Sigismundus Auguftus gleich ben feinem Negierungsanteitt die Mei⸗ nung der polniſch⸗ preußifihen Stände zu vernehmen, ob auf gefchehenes Anfuchen dein Marggrafen Albrecht und dem ganzen Haufe Brandenburg die sehn über das her⸗ zogliche Preuſſen zu reichen. Die Antwort fiel dahin aus: daß hievon am füglichften auf inſtehendem Neichstage önte'geredet werben, weil verſchiedene Umftände zu wiſſen nöthig wären, Die man vielleiche alsdenn von koͤniglicher Majeftät erfahren dilefte, ehe in einer fo wichtigen Sache ein Schluß gefaffet würde. Sonſten fehien es beffer, und auch der Krone anfländiger zu ſeyn, wenn der König bey den klaren Buchftaben des ehemals getroffenen Vergleichs ſtehen bliebe. Jedoch im Fall fich genugfame Hofnung äufferte, die wanfende Ruhe, in Anfehung Deutfchlandes, auf einen veften und bes ſtaͤndigen Fuß zu fegen, wäre dienfich; dem Haufe Brandenburg in feinem Geſuch zu willfahren, amd felbiges, als die Urfache eines ewigen Friedens, mit dee Krone Polen genauer zu verfnüpfen 5). Im Jahr 1559 mufte D. Georg Sabinus, der Hauptmann in der Priegnitz Liborius von Bredow und Abdias Prätorius folche Bemuͤhungen fortfegen. Auch Euſtach von Schlieben war in diefer Sache mit groß fen Nutzen gebraucht worden. Der König, als ein Schwager des Churfürften, war bald zu gewinnen. Von diefer Seite hatte man fihon 1563 auf dem Reichstage zu Peterkow eine fhriftliche DVerficherung vom Könige bb). Es ward feit ver Zeit auch mit dem Herzoge von Preuffen und deffen Sandftänden darüber gehandele. Man fand daſelbſt eben nicht die gröften Schwierigkeiten. Die Stände diefes landes befoͤr⸗ derten die ganze Sache dadurch, daß fie unferm Churfürften auf den Fall die Huldi⸗ gung leifteten, wenn ihr Herzog und damalige Mitbelehnte ohne männliche Erben abs - gegangen ſeyn würden. Sie thaten folches in der Hofnung, daß der König von Polen | als b) Herr Lengnich in der Geſchichte von Preuſſen . ) Die Urkunde ſteht in Luͤnichs Reichsarchiv Part; Spec, Ih. 3 ©. 60, und in Aimmärl, P, T. 4 p. 797: 3 | Churfuͤrſt Joachim 2, 179 als Lehnshert ſolches genehmigen und auch unſerm Ehurfürften die wirkliche Mitbelehnung zeichen würde. Es war alfo nichts weiter übrig, als die Groſſen in Polen zur Ein willigung zu bewegen. Die Sache mufte um fo viel eifriger betrieben werden, da 1568 ber erfte Herzog von Preuſſen Albrecht mie Tode abgieng, und aus der ganzen rar linie keine männliche Erben, auffer dem Sohn diefes Herzogs Albrecht jedeich, und dem Sohn Marggraf Georgs des Frommen Georg Friedrich, weis ter vorhanden war. Der erfte folte nunmehr fich belehnen laſſen, und der andere die Mitbelehnung erhalten. Jetzt war alſo die rechte Zeit, die Mitbelehnung auch vor den Churfuͤrſten völligzu Stande zu bringen.» Alles war bereits gehörig eingeleitet. Der König Hatte ſchon fein Wort von fic) gegeben. Der preußifche Sefandte Jacob Truch⸗ ſes Freiherr von Waldburg unterftüste das Verlangen des Churfürften im Namen des Herzogs und der Stände von Preuffen fowol als dee Marggraf Georg Fries . Deich." Die Freigebigfeit des Churfürften Hatte bereits: verfchiedene Groſſen in Polen auf feine Seite gezogen. Joachim 2 fehickte alfo 1569 den Domprobft und Haupt mann von Fuͤrſtenwalde Levin von der Schulenburg, den Abdias Prätorius den groffen Redner feiner Zeit und den Cafpar von Flans mit einem anfehnlichen Gefolge auf den polniſchen Reichstag nach Lublin. Ihr erfter Antrag war die Beilegung derer gwifchen dem Marggrafen Johann von Cuͤſtrin und der Krone Polen entſtan⸗ denen Verdruͤßlichkeiten. Ihr Hauptgefchäft betraf aber die preußifche Mitbelehnung. Diefer wichtige Punkt Fam endlich zur öffentlichen Ueberlegung des polnifchen Reichs, Nur wenige Polacken glaubten vorcheilhafter zu feyn, wenn man Preuffen, nach dem völligen Abgang der brandenburgifchen fränfifchen tinie, als ein eröfnetes Reiche lehn einöge. "Der gröfte Theil war geneigt, dem Churfürften Joachim 2 die Mit, belehnung einzuräumen. Sonderlich unterftüßte folches der Woywod von Pofen Lu⸗ 008 Gorka, und zeigte, wie eine nähere Verbindung mit der Chur Brandenburg, fowol wegen beren Mache und Anfehen, als auch wegen feiner Nachbarfihaft, det Kro⸗ ne, Polen nothwendig vortheilhaft ſeyn muͤſte. Endlich ward befchloffen, in das Bes gehren unfers Churfürften einzuwilligen. Als nun die feierliche Belehrung über Preuſ⸗ fern vor fich) gehen folte, that Jacob Truchfes Freiherr von Waldburg vor dem Thro⸗ ne des Koͤniges die Anfuchung, fowol vor den neuen Herzog von Preuffen, als auch vor den Marggrafen Georg Friedrich und den Ehurfürften Joachim 2 und ihre ſaͤmt⸗ liche männliche Nachkommen, Der polnifche Kanzler beantwortete folches im Nas men des Koͤniges, und erflärete fich über die Mitbelehnung des Churfürften dahin, daß folche, auf Anfuchen des Churfürften, der König bewillige. Es ward fodenn dem Ser oge Abrecht Friedrich von Preuffen die Fahne diefes Landes überreicht, deren äufferfte Enden der Mitbelehnten Geſandten angriffen 7). Nach geleiftetem tehnseide und erfolgter Danfjagung ward diefe Sache dadurch vollig zur Nichtigkeit gebracht, daß der König den ıgten Julius zu Lublin vor unſern Churfürften und feine männliche | | 2 Mach er) Gundling, Leuthinger, Privilegia Pruf. p. yo und gu. Luͤnich Part. Spec, Th.3 ©,62, Limnaͤi T. P. Tom. 4 p. 789 1569. Darüber an: feſt. u 180 3 Th. 6 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburo. Nachkommen die tehnsurfunde ausfertigen Tief. Des Marggrafens Johann von Cuͤſt rin wurde aber darin nicht gedacht, weil folcher theils wegen feiner Streitigkeiten mic Polen, theils weil er keine maͤnnliche Erben hatte, darum nicht Anſuchung gethan. 74. $. | Diefe glücklich zum Stande gebrachte Sache hat feinen Nachkommen nicht, nur geftelltes dank: den wirklichen Befis des Herzogthums Preuffen, fondern auch in den folgenden Zeis ten die Gelegenheit verfihaft, fich eine koͤnigliche Krone aufzuſetzen. Der Churfuͤrſt Joachim 2 hatte daher die höchfte Urfache, darüber fehr vergnuͤgt zu feyn, Er verans faftete dieſerhalb, daß das von ihm eingeführte jährliche Dankfeſt im September weit herrlicher, als andere Jahre, gefeiert werden folte, wozu der Adel feines Landes bes rufen wurde. Gundling R) hat dieſe Feierlichkeit mic folgenden Worten befehrier ben: „Man hatte auf beftimmten Tag zu dreienmalen alle Glocken in allen Kirchen ger fäutet, unter welchen die Proceßion ihren Anfang genommen, geren zu Pferde, und dann die churfürftliche Reuterey. Erftlich Fam die Jar Menge churfürftlicher Hausbedienren, und dann eine gute Anzahl Jungfern, ſowol aus dem Adel, als auch aus der Zahl der vornehmften Näthe. Sie erfihienen in ſcho⸗ nen weiffen Kleidern und im fchönften Schmuck, davon Die Bornehmften von ‚unters, ſchiedlichen Junkern geführet wurden. gefolget. hatte ein jeder einen Kelch in feinen Händen. Worauf der Magiftrat und der Adel —* Dann kam die auf vier Meilen Wegs herum befindliche Prieſterſchaft, und Es folgte der Domprobſt und nach * * kamen die Trompeter und hr und — der —— — denn k) Er hat ſolche * Haftitio genommen, und ich finde daher vor noͤthig, aus der Handſchrift des Haftitii folgende eigene Worte anzufähren, weit deſſen Erzehlung das, was Sundling Ku ſagt, noch mehr ergänzet und erläutert: „m September hat Marggraf Joachim 2 Ehurfürft zu Brandenburg, nach Erlangung der geſamten Hand an das Herzogthum Preufien vom Sigis/⸗ mundo Yugufto Könige in Polen das feftum gratiarum adtionis viel herrlicher, als nie zuvor, gehalten, und haben alle Jungfrauen beider Städ: te Berlin und Coͤln, fo über zwoͤlf Jahr gemes fen, in weiffen Kleidern und Kütteln mit ausge: fpreuten Haaren, desgleichen alle Pradicanten von Dörfern auf drey Meilen herum, in priefterli: chem DOrnat, und ein jeder einen Kelch und Pa: tinam in Händen tragend in der Procefion gehen müffen, und ift der Ehurfürft in einem güldenen Stuͤck mit Zobeln gefüttert auf einem goldfarbe: nen Gaul, fo ihm der Herzog in Preuſſen beſchie⸗ den, hinter dem Thumprobſt hergeritten, und haben ihn Henrich von Staupig der Oberfte (an den Rande ift dazu geſchrieben: polnifcher Ge: fandter) den ſchwarzen preußifchen Adler auf ei: nem weifen Bret abgemahlt, Herr George Ganß Herr zu Purlig als Erbmarfchalf der Chur ran: 7 der — das — Shucfhnerb, 1 chim Röbel der Dberfte eine weiffe Fahn ne, Datz. auf das preußifche Mappen gemahlt, neben ein⸗ ander veitende fürgeführt, und hat nad) vollendes tem Amt der Meſſe, da es fat drey Uhr Mittage gewefen, der Churfürft ſich af cm hohen aufgerichteten Lehnftuhl auf dem für dem. Chore im Thumſtift gefeßt, das Churſchwerd blos in: die Hand genommen, und nachdem der, Kerr Canzler D. LTampertus Diftelmeier eine Es folgte darauf -eine groſſe ftatliche Ovation faft bey einer Stundenlang von diefer Belehnung des Herzogthums Preuffen ge: than, hat der Churfürft darauf den polnifchen. Gefandten Staupigen, Röbeln, den Canzler D. Albrecht Thuͤm und viel andere Raͤthe mehr zu Rittern gefchlagen, darnach mit fid) an den Hof genommen, herrlich tractivet und mit güßdenen Ketten und Ehrenfleidern — verehret:,, Ans gelus ©. 366 fagt: als man Sr. churfürftlichen Gnaden die preußifche Fahne zugeſchickt, hat er darauf lafen Groſchen fehlagen, die zwar in Cir-. cumferentia nicht gröffer find, als andere Dreier, deren vier einen Silbergrofchen gelten, aber doch find fie viel dicker, und gelten fo viel als fonft ein Silbergrofchen. Auf der einen Seite ftehet ein Scepter, aufrder andern ein Adler. Churfürft Zoachim 2. © 187 der Obrifte Staupitz Föniglich polnifcher Abgeſandter, welcher den gemahlten preuſ⸗ ſiſchen Adler trug. Der Edle Herr von Putlitz trug das Churſchwerd als Erbmar⸗ ſchall, der Obriſt von Möbel aber die preußiſche Lehnſahne, welche beide dem pol⸗ nifchen Abgefandten folgen. Denn Fam Churfürft Joachim 2 auf einem ifabelfars benen Pferde in gäldenem Stüc, fo mit Zobel eingefaft gewefen. Hinter demfelben Fam der Churprinz Johann Georg und der. churfürftliche Enfel Marggraf Joachim Friedrich, Aominiftrator zu Diagdeburg, welchem alle Groffen des Hofes gefolger. Als die Procegion aus dem Schloffe gieng, wurde das fehwere Geſchuͤtz zweimal abs gefeuert ‚ und zu beiden Seiten giengen die Aurfürftlichen Trabanten mitten durch die ‚zu beiten Seiten geftellte Mannfihaft. Da num die ganze Procegion in den ges kommen, begab ſich der Churfürft nach dem Altar, woſelbſt ein Thron aufgerichtee war. Der Edle Herr von Putlig übergab dem Churfürften das Churfchwerd, wel⸗ cher diefes die ganze Zeit Über in Händen hatte. Nicht weit von dem Thron war ein erhabener Stul aufgerichtet, worauf der berühmte Kanzler Diftelmeyer getreten, und fo lange ſtille ſtund, bis die Muſik, das Trompeten und Paucken ſich geendet hatte. Endlich fieng unſer Kanzler, zur Verwunderung aller Menſchen, an zu reden, ſo daß bey ei⸗ ner unzähligen Menge Menſchen alles ſtille worden, und jebermann unfern in lateini⸗ | ſcher Sprache redenden Kanzler mit groͤſter Aufmerkſamkeit angehoͤret. Er ſtellete die Wichtigkeit der erlangten Mitbelehnſchaft des erlangten Preuſſens vor, und zeigte da⸗ bey, wie alle wohlmeinende Patrioten, ſo wie auch die Nachwelt, dermaleinſt die groſſe Sorgfalt des Churfuͤrſten nicht genug zu preiſen wiſſen wuͤrden. Es waren alle Worte | urchdringend, und deſſen angenehme Stimme fiel ſo deutlich und laut, daß ſelbiger ſſatich konte verſtanden werden. Zuletzt aber, nachdem er eine ganze Stunde geſpro⸗ chen, wandte ſich ſelbiger zu dem Churfuͤrſten, dem Churprinzen, und dem Marggra⸗ fen Zoachim Friedrich zu Brandenburg dem churfuͤrſtlichen Enkel, und weilen der⸗ gleichen Gegenwart niemals vorhero auf einmal im Churhauſe geſehen worden, endigte derſelbe ſeine Rede mit einem ſtatlichen Gluͤckwuͤnſch, worauf die Trompeten und Pau⸗ fen giengen, darzwiſchen aber vortreflich mufgeivet wurde. Es hat der glorwuͤrdigſte Churfuͤrſt bey dieſem groſſen Feſtin die groſſen Verdienſte des Kanzlers eingeſehen, wel⸗ cher, zur Erlangung der Mitbelehnſchaft auf Preuſſen, mit ſeinem treflichen Rath alles beigetragen. Solchemnach nahm er ſich vor, dieſe groſſen Verdienſte zu vergelten, und ein beſonderes Kennzeichen feines hohen Vertrauens und feiner Gnade unſerm wei⸗ fr Kanzler zu ertheilen, deswegen er fich entfchloffen, denſelben bey dem fogleich indem om bevorftehenden Nitterfchlag zugleich in den Nitterftand zu erheben. Es wurde folchermaffen ver Obrifte Staupitz als koͤnigl. polnifcher Gefandter, imgleichen der - Sprifte von Möbel und unfer berühmter Kanzler dur) den damaligen Marſchall Chris ftoph Sparren zu dem churfürftlichen Thron geführet, und daſelbſt unter groffen Sos fennitäten zu Rittern gefchlagen. Der Churfürft gab denfelben zugleich eine: groffe koſt⸗ bare güldene Kette, worauf fic) dieſe Ceremonie geendiget, und die ganze Verſamm⸗ fung, unter abermaliger Abfeurung des groben Gefchüßes, auf das churfürftlihe Schloß 33 in 1569, 1569, 192 3 Th. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 4‘ in voriger Ordnung fich begab. Es wurde folglich zu Hofe ein groffes Feftin gehalten, amd folches mit Anwuͤnſchung alles himmliſchen Segens an den Churfürften und. deſſen Durchlauchtigftes Haus beſchloſſen, wobey auch die Gedaͤchtnißmuͤnzen ausgeworfen wurden, davon einige noch) vorhanden feyn füllen. ,, Es har jedoch unfer Churfürft den Ehrennamen eines Herzogs von Preuffen noch nicht gefuͤhret D. Soachim 2 fegt öffentlich fein glaubens: bekaͤntniß ab. {75 —T Ein beſonderer Zufall Hatte indeſſen in ver Mark Brandenburg viel Auffehens gemacht. Johann Musculus, des in der Gefihichte bekandten Andrei Museu Sopmgghatre in der lebuſiſchen Vorſtadt zu Frankfurt aus Unvorfichtigfeie dem ges fegneten Kelch in Gegenwart der ganzen Gemeinde verſchuͤttet, und in der Verwirrung, die daruͤber in feinem Gemuͤth entftand, fogar auf den verſchuͤtteten Wein mit Fuͤſſen getreten. Dhnerachtet nun blos beim Genuß des gefegneten Brod und Weins ein wahr res Sacrament zu finden, fo waren in den damaligen Zeiten die teure Doch zu fehr am die ehemaligen Begriffe des Papſtthums gewöhnet, als daß des jüngeren Musculi Handlung nicht ein ſtarkes Aergerniß nach fich ziehen ſolte. Wlan betrachtete ſolche als eine Sache von der Aufferften Wichtigkeit. Joachim ließ zu dem Ende im Zum, eis ten allgemeinen Landtag halten. Der Churprinz Johann Georg und beffen Aftefter Sohn Joachim Friedrich wohneten demſelben theils als tandjtände wegen ihrer fans nesftifter, theils als die Häupter der Landesgeiſtlichkeit bey, weil fich zugleich die ges ſamte märfifche Geiftlichfeit verſammlen muſte. Vor diefer groſſen Gefellfehaft ſolte Johann Muſculus Rechenſchaft ablegen. Es befuͤrchtete aber ſelbiger eine fo ſchwere Strafe, daß er fich Tieber mit der Zlucht rettete. Dem ohnerachtet ward er auf ewig des fandes verwiefen, jedermann, ihn zu dulden und zu beherbergen, bey ſchwerer Strafe verboten, und dem Geflüchteten angedvohet, daß, wofern er die Mark Bran⸗ denburg'. betreten würde, er fofort vefigemacht, und zu fernerer Strafe gezogen Ks, werben folte. Man glaubte damals in den Berdacht zu gerathen, daß man ein Zwinge lianer ſey, wofern man gegen ein bloffes unachtſames Verſehen Muſculi mehrere Ger Tindigfeit gebrauchte. Eben diefes bewies das Glaubensbekaͤntniß unfers Churfuͤrſten, welches er in Gegenwart feiner Stände uns feiner Sandesgeiftlichfeie ablegte, und auf welches er die Welt verlaffen zu wollen erklaͤrete. Leuthinger har uns folches aufbe⸗ haften. Der Churfürft fagt darin, die damaligen Religionöftreitigfeiten und das haͤu⸗ fig gegebene Aergerniß nöthige ihn, folches abzulegen. Er berufefich auf den allwiffenden Gott, daß deſſen Ehre jederzeit fein Haupraugenmerf gewefen. Darnachhätte er feine ganze Regierung pflichtmäßig abgemeffen, und darnach wolle er ſich bis an fin Ende richten. Er fehe voraus, was nach feinem Tode in der Religion vor Unheil zu befuͤrch⸗ ten fen. Ex fehe feinem Ende bey feinem hohen Alter ſtuͤndlich entgegen, und uͤber⸗ laſſe D In des Herrn D. Oelrichs Beitrag zur gen ertheilet, und ſich in Preuſſen Herzog nen brandenburgiſchen Gefihichte Fommt zwar net. Aber damals: am Tage Uebani regie⸗ ©. 193 eine Urkunde von, 1535 vor, worin rete noch Joachim ı, welcher ſich wol nicht ei⸗ Ehurfürft Joachim den Buͤrgern von Sol⸗ nen Herzog in Preuſſen genannt, oder nennen din wegen erlittenen Brandſchadens Befreiun: koͤnnen. u — * Churfuͤrſt Joachim 2, 183 laſſe es völlig Gottes Schickung, wenn und wie ſolcher über feine Tage gebieten werde. 1569. Dies treibe ihn am, öffentlich zu bezeugen, wie fein Glaube befchaffen ſey. Solte er ‚in einem oder dem andern Stück irren, fo gefihebe diefes nicht aus Vorſatz, under fey bereit, fich eines beflern überzeugen zu laſſen. Aufferdem würde er bey feiner erkann⸗ ten Religion verbleiben, und erfuche zugleich feine gegenwärtige Nachkommen, bey der erkannten Wahrheit ebenfals zu verharren, und Feine Irthuͤmer in die Mark einfchleis chen zu laſſen. Sein Beifpiel muͤſſe jedermann bewegen, den rechten Glauben der Nachkommenſchaft zu uͤberliefern. Er danfe Gott, daß er ihn aus der päpftlichen Ge- fangenfchaft befreiet, und zu einem Werkzeuge gemacht, das Licht des Evangelii auss zubreiten, und befonders bie Kirchenverbeſſerung in der Mark Brandenburg einzu⸗ fuͤhren. Durch feine Bemühungen wäre das Evangelium in den Stiftern Magdes burg Halberftadt, Brandenburg, Havelberg, Lebus und in vielen andern Stifs term und Klöftern eingeführer. Er habe das feinige beigetragen, daß das Herzogthum Braunſchweig folhe angenommen. . In Preuffen babe er die durch den Dfiander ‚gerrüttete Kirche zu beruhigen gefucht. Auf der naumburgifihen Verſammlung der Proteftanten habe er fich vor das unveränderte augſpurgiſche Glaubensbekaͤntniß er- Märet, Den Ehurfürften Friedrich von der Pfalz habe er von der reformirten Kir che abzuziehen, und den undgrafen von Heſſen Dhilipp davon abzurathen gefucht. Auf Neichstägen habe er bey Freund und Feind das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß ‚au vertheidigen fi) Mühe gegeben, und ſolches, ſo wie anderwaͤrts, alſo auch in Bre⸗ ‚men, zu erhalten geſucht. Demſelben gemäß glaube er an den dreyeinigen Gott, und ‚erkläre ſich über die Glaubensartikel völlig nach dem Lehrgebäude der Jutherifchen Kirs che zu bfeiben, und entfage allen denen dagegen vorgerragenen alten und neuen Meinuns- gen.,, Er eröfnete fodenn über jeden einzelnen Artikel feinen Glauben, und beſchloß feine Rede mit der Ermahnung an feinen Sohn und Enkel, in ihrer kuͤnftigen Regie zung, nad) feinem Beifpiel, die Neligion zu ſchuͤtzen, Gerechtigkeit zu handhaben, den Frieden zu erhalten, und das Wohl des Landes zu beherzigen, auch hievon fich durch ‚nichts in der Welt abbringen zu faffen. Die ganze Verſammlung nahm die Rede des Churfuͤrſten mit dem groͤſten Beyfall auf m)! S gnerachtet aber der Churfücft denen Reformirten gar nicht geneigt wars fo Religions⸗ verabſcheuete er doch die Verfolgungen, denen fie in Frankreich und in. denen Nie⸗ friege in derlanden fich ausgefegt fahen. Am erftgenannten Reich war zwar der erfte Religions⸗ Frantreich. krieg 1563 dureh) die Perordnung von Amboiſe beigelegt. Die Hugenotten bekamen hledurch die freie Hebung des Gottesdienſtes in Aemtern, in den Städten und auf den adelichen Höfen, welche die Dbergegichte hatten. Sie hielten ſich nunmehr fo ficher, daß fie foger Havre de Grace denen Engländern wieder entreiffen halfen. - Uber ‚don 1564 wurde die vorige Berordnung von Amboiſe durch eine andere, die zu Rouf ‚fillon gegeben war, auf vielfache Art t eingefchränft, Der König Carl 9 befuichte ſeine Schweſter Iſabella Koͤnigin von Spanien zu Bajonne und ſofort breitete ſich ein m) Leuthinger. 1569. amd in den Niederlan⸗ den. 184 3%. Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ein Gericht aus, daß die Ausrottung der. fogenannten Keger in Frankreich und den Niederlanden der Gegenftand diefer Unterredung gewefen. Das Mistrauen der. Hu⸗ genotten verurfachte 1565 den zweiten Neligionsfrieg, Ihr Anfchlag, den König 1567 zu Monceaug aufzuheben, ward verrachen, undlief fruchtlos ab. ie lieferten den Eatholifen die Schlacht bey St. Denys, in welcher der berühmte Montmorency erfehoflen wurde. Im Jahr 1568 kam zwar der Vertrag zu Lonjumeau zum Stande. Er ward aber noch in dieſem Jahr gebrochen, da man ven Prinzen von Conde zu ’ Noyers aufgubebeir füchte. Der an diefem Heren begangene Meuchelmord nach ber Schlacht bey Jarnae verbitterte die Gemuͤther. Beide Theile fuchten ihre Macht zu verftärken. Den Hugenotten gieng zwar Pfalzgraf Wolfgang von eine 1569 mit einem anfehnlichen Heer zu Hülfes aber fein Tod a la Charite machte die fen Zug faft ganz fruchtlos.. Der wackere Verfechter der reformirten Kefigion in Frankreich Franz d'Andelot ſtarb. Nach der e Schlacht bey Moncontour gieng ber König Carl 9 ſelbſt zu Felde, und eroberte St. Sean D’Angeli, und fuchte durch aus ⸗ wärtige Werbungen fein Heer zu verftärken. Die Neformirten in Frankreich fehweb- ten Daher in groffer Gefahr, die jedoch im folgenden Jahr durch den zu St. Germain en Laye gefchloffenen, vor die Hugenotten vortheilhaften, Frieden gehoben zu ſchien n). Noch weit gefährlicher ftunden die Sachen ber Evangelifchen in denen Nieder, landen. Sie beftunden aus verfchiedenen Provinzen, die ehemals ihre verfchiedene Herren und Nechte gehabt, und nach und nach zufammengefommen waren. Das Haus der Herzöge von Burgund befaß bereits die meiften, und mit der Erbin diefes Haus ſes erheivatete ſolche Mapimilian 1. Dieſer verließ fie feinem Sogn Philipp, der die ſpaniſche Prinzeßin Johannam heiratete. Nach Philip Tode ward deſſen ältefter Prinz Carl 5 Herr von der fpanifchen Monarchie und den Niederlanden. Unter ihm hatten viele Niederländer die evangelifihe Religion angenommen, und Carl ftellete fich meiftens, als ob er folches nicht bemerfe. Er übergab fine Erbſtaa⸗ ten 1555 feinem Sohn dem fpanifchen Könige Philip 2. Diefer Herr wolte aber mur von einer einzigen, newmlich der römifch »catholifihen, Religion in denen Niederlan⸗ den vwiffen. Zu dem Ende hatte er ein befonderes geiftliches Gericht, ein Primat zu Mecheln und neue Erz / und Biſchofthuͤmer in denen Niederlanden errichtet. Aber Alle die Veränderungen waren denen Einwohnern höchft misfällig. Ein zur Freiheit gewoͤhntes Volk Eonte ein geiftliches Gericht nicht fo, als Spanien ‚vertragen. Selbſt die catholifche Geiſtlichkeit beftund auf ihrer aften Einrichtung. Philip 2 gieng end» lich 1560 nad) Spanien, und hinterließ in den Niederlanden feine natürliche Halb- ſchweſter Margaretha Herzogin von Parma als Statthalterin. Das Heft der Re⸗ gierung aber hatten Granvella, don Zwichem und Graf von Barlamont. Leute die #) Memoires de la troifieme Guerre Civile, et des derniers troubles de France, compofees en quatre livres, contenans les caufes, occafions , ouverture et ewigen d’icelle — Charles IX regnant. Churfuͤrſt Joachim 2. | 185 bie zur Unterdruͤckung ber Niederlaͤnder geboren zu ſeyn ſchienen. Granvella raum» 1569, ‚te zwar 1564 diefe Staaten, allein fein Geift blieb zurück, und regierete. Der Graf von Egmont reifete nad) Spanien, hielt aber vergeblich um die Abfchaffung der fans "besbefchwerven an. Dafelbft wolte man gern die Miederländer zum Aufitande bewes gen, um Gelegenheit zu haben, alle ihre Freiheiten zu unterdrüden, und die Provin⸗ zen zu einem Waffenplage zu machen, England und Frankreich zu befriegen. Man erreichte feinen Zweck ohne deffen Folgen. Im Jahr 1565 machte der Adel eine Ver⸗ Bindung gegen die Neuerungen, und viele übergaben deswegen der Statthalterin 1566 zu Brüffel eine Bittſchrift. Davor nennere man fie Geufen oder Betler. Die Statthalterin gab Hofnung, daß es beffer werden folte.: Aber ver fpanifche Hof blieb bey feinem Vorſatz. Der Herzog von Alba, ver undiegfamfte Soldat, folte ihn auss führen. Der unvernünftige Pöbel hatte fich ſchon thätlich vergangen. Der Herzog von Alba Töfete die Prinzeßin Margaretha in der Statthalterſchaft 1567 ab. Wer ihn Fannte, und nicht fein Vaterland hatte unterdrücken laffen wollen, entfloh. Wer fich wegen Verdienſte oder Gerechtigkeit feiner Sache ficher hiele, ward noch ungluͤckli⸗ cher. Alba errichtete gegen alle Misvergnuͤgte ein Blutgericht, und ich zweifle, 06 die Nachrichter jemals befchäftigter geweſen find, als damals. Viele taufend Menſchen büften durch fie ihr Seben ein. Die Entwichenen wurden geächtet, und zur Aufferfter Derzweiflung gebracht. Unter den fegtern waren unter andern der Prinz Wilhelm von Oranien und fein Bruder Ludwig Graf von Naſſau. Diefes wurden die Haͤu⸗ pter derer, die ihre Rechte und Habfeligfeit mit dem Degen verfechten wolten. Graf Ludwig von Naſſau brach 1568 in Friesland ein, ſchlug den Grafen von Arenberg bey Heiligerlee, verlor aber dabey feinen Bruder Adolph von Naffau. Alba rs here ſich auf viele Art. Er fehlug den Graf Ludwig, und nörhigte ihn, mit genauer Noch über die Ems zu entfliehen. Er ließ den unfchuldigen Grafen von Büren äftes ten Prinzen des Wilhelms von Oranien von der hohen Schule zu Löwen als einen Mifferhäter nach Spanien abführen. Er ließ den beiden Grafen von Egmont und Horn zu Brüffel die Köpfe abfehlagen. Er verhinderte alle Bemühungen des Prins zen von Dranien, in Brabant einzubrechen. Won feinem Heer unterſtuͤtzt das er gegen die meiftens evangelifche Misvergnügten brauchte, that er und fein — —7 was ihm wohl gefiel 0). | $. 76. Sowol in diefen franzöfifchen als niederländifchen Unruhen Hatten ſich auch Soadim > brandenburgifche Unterhanen zu Unterdrücfung der Evangelifchen brauchen laſſen verbietet, oe: Churfuͤrſt Joachim 2 gab daher eine Verordnung heraus, worin er fagte: Er habe —— Die glaubwürdig erfahren, daß etliche brandenburgifche behnleute und Unterthanen zu Roß Frankreich und zu Fuß im des Herzogs von Alba und etlicher unruhiger frievhäßiger Leute in den Nie⸗ Frankreich Beftallungen getreten, auch vielleicht kuͤnftig mehrere angenommen werpienen zu den 0) Nicol. Burgundi Hiftoria Belgica ab A. MDLVIII. R P.sllg. preuß. Gefch. 3 Th. Aa 1569. 186 3 Th. 6 Hauptfts Neutere efchichte von Brandenburg. den moͤchten. Man bediene ſich aber nur derer Könige von Spanien und Frankreich Namen, den gemeinen Frieden zu ſtoͤren. Er ſaͤhe es zwar gern, daß feine behnleute und Unterthanen, fo wie anderwärts, alfo auch in ſpaniſchen und franzoͤſi hen Dien⸗ ſten, nach dem Muſter der Deutſchen uͤberhaupt und der Brandenburgiſchen insbe⸗ ſondere, im ehrlichen, aufrichtigen, chriſtlichen Zügen ſich etwas verſuchten. Er wuͤrde auch vorjetzt ſolchen Zug beiden Koͤnigen wol goͤnnen, und ſey nicht geneigt, denenſelben Maß zu ſetzen, wie fie ihre Laͤnder regieren ſolten. Es wären aber bie gegens wärtigen Kriege zu Unterdrückung der wahren chriftlichen Religion. und der Freiheit ‚angefangen, woraus auch eine Unterdruͤckung der Reichsfreiheit entftehen Fonte. Uns ‚ruhige Köpfe misbrauchten beider Könige Namen, ihr tyrannifches Vorhaben gegen beide Reiche, und zum Theil des Deutichen Neichs zugehörige Glieder, arme und uns ſchuldige Chriften und Unterthanen auszuführen. Der Kaifer habe unter dem gten Dctober. allen Ständen anbefohlen, gegen alle unvermurhere Fälle in guter Bereitfchaft zu ftehen, Auf dem oberfächfifchen Kreistage fen auch befchloffen, alle behnleute und Unterthanen, die fic) zu Pferd oder zu Fuß in albanifche und Franzöfifche Beſtallun⸗ gen eingelaffen, wieder abzufordern, und andere dafür zu warnen, Der Ehurfürft befehle alfo allen feinen Lehnleuten und Unterchanen, die bereits albanifche und fran⸗ zöfifche Dienfte, ſowol zu Pferd als zu Fuß, genommen, Opriften, Rittmeiſtern, Befehls. auch gemeinen Kriegsleuten bey ihren Eidespflichten, bey Verluſt aller ihrer ‚gehn, Erb und Güter, ihrer Anwartfehaften und ben fonft gebührenden Strafen, daß fie famt ihren Pferden und Knechten innerhalb zwey Monaten gewiß und unweigerlich abs und anheim ziehen, allen übrigen aber bey gleichen Strafen, daß fie fich, ohne churfuͤrſtliches Vorwiſſen, in folche Dienfte nicht einlaffen folten. Dieſer Befehl folte öffentlich im tande angefchlagen , und von ven nächften Derwandten und Freunden, bey gleichmäßts ger Strafe, denen Abwefenden befandt gemacht werden. Zugleich wurde allen fans besbeamten, darüber zu halten, befohlen, und ihnen aufgetragen, nicht zu geſtatten, daß man einzeln oder in Haufen fich aus dem Sande fehleiche, fondern fich vielmehr ge nau zu erkundigen: wer bereits in dieſer Abfiche aus dem Lande gegangen, oder noch au gehen willens fey, und folches dem Churfürften ungefaume zu berichten 2). Maragrafgos Der König von Spanien Philip 2 Hatte zwar kurz zuvor den Marggeafen Jo⸗ yann nimmt hann von Cuͤſtrin in feine befondere Dienfte genommen. . Es hatte aber dieſer Mary fpanifche dien: fie an. graf zugleich fich ausdrüclich ausbedungen, daß feine Dienfte niemals zum Nachtheil Ber Religion gebraucht werben folten. In dem Beftallungsbrief Philips 2 vom zoten Julius fagt der König von Spanien: „daß er den Marggrafen, wegen befandter befonderer Gefchicklichfeie, Erfahrung und Derftands und der erheblichen Dienfte ‚, die er bisher Kaifer Earl 5 und dem Erzhaufe Defterreich geleiftet, zu feinem Nath von Haus aus beftelle und angenommen habe. Dagegen verfchreibe er dem Marggrafen einen jährlichen Gehalt von sooo Thafern, jeden zu 30 Stüber brabantiſcher Waͤh⸗ rung, welche alle Jahr von dem Statthalter der Niederlande zu Andorf am Mi⸗ | hr | / chaelis⸗ p) Herrn D. Gelrichs Beitraͤge zur brandenburgiſchen Geſchichte ©, 229 wir | Churfürft Zoahim a 8 1% chaelistoge ausgezahlet, und den 2often September dieſes Jahtes damit der Anfang 1589. gemacht werden ſolte. Würde aber der Marggraf in koͤniglichen Gefchäften auſſerhalb Andes verreiſen, und auf Reichs + oder andern Verſammlungen erſcheinen; fo ſolte er überdies monatlid), von dem Tage feiner Ausreiſe bis an den Tag feiner Wiederkunft, noch 300 Kronen Tafelgelder, und auf jedes Pferd, fo er ben fich haben würde, mo⸗ natlich ı2 Gulden rheiniſch genuͤſſen. Würde er mit Neutern oder Knechten in Kries gesſachen gebraucht werden; fo würde man ſich mic ihm befonders vergleichen, was ihm davor gezahlet werden folte. Solte er in fpanifchen Dienften gefangen werden ; fo wolte der König zu feiner Entledigung alles mögliche anwenden, und ohne. diefelbe niemals Frieden fehläffen. Würden des Marggrafen kaͤnder, feiner ſpaniſchen Diens ſte wegen, feindlich überzogen; fo verfprach der König, ihm wieder zu dem Beſitz ders felden und Erftartung aller Schäden zu verhelfen. So oft der Marggraf in Krieges dienften aufferhalb tandes feyn würde, folte auf Fonigliche Koften in Cuͤſtrin ein ſtark Faͤhnlein Knechte zur Defagung bleiben, Würde der Marggraf wegen wichtiger Abs baltungen nicht in Perfon dem Feldzuge beiwohnen koͤnnen, und an feiner Stelle ven Oberbefehl feiner Kriegsleute einem Zürften oder andern- erfahrnen Kriegsherrn anders trauen; fo verfprach der König, wegen des letztern ftandesmäßigen Unterhalt fich zu dergleichen. Wenn Marggraf Johann mit feinem Heer perfönlic) fich eingeſtellt; fo folte ihm vor feine Perfon auf fein Begehren mit etlichen Pferden Urlaub gegeben wers den, ohne daß davor an der ausgemachten Beſoldung etwas abgezogen würde, Er folte auch nicht ſchuldig feyn, ſich wider die Religion des augfpurgifchen Glaubensbekaͤnt⸗ niffes, oder derfelben verwandte Stände, diefer Religion wegen, auch Feinen andern Stand des heiligen Reichs, am wenigften aber wider die Erbeinigungsverwandten, fich gebrauchen zu faffen, wofern folche nicht der angreifende Theil ſeyn wuͤrden. Weil er auch dem Kaiſer und Reiche mit Pflichten verwandt; fo ſolte er in der Zeit, da er pers ſoͤnlich vom Kaifer und Neich gebraucht wuͤrde, dem Könige zu dienen nicht ſchuldig ſeyn Hingegen folte in diefem Fall der Marggraf, wofern es nöthig, den Befehl ſei⸗ ner Völker einem andern Fürften, oder einem fonfterfahrnen und geſchickten Feldherrn, anvertrauen. Alle dieſe Bedingungen verſprach ver Koͤnig ben feiner koͤniglichen Wuͤr⸗ de und dem Wort der Wahrheit veſt und unverbrüchlich zu halten q). Man ſiehet hieraus, daß Marggraf Johann befonders die niederländifchen Unruhen aus einem ander Gefichespunft, als der Churfürft, betrachtet, daß er aber zugleich in feiner Berbindung mit S Spanien nichts eingegangen, was der Religion, der Ruhe des Neichs, - und feinen eigenen Pflichten nachtheilig fey. Er forgte vielmehr in feinen fanden vor alles, was das Befte der Religion befördern Fonte, und ernannte dieferwegen den bis⸗ heerrigen Probſt zu Coͤln an der Spree, Georg Coͤleſtin, zum Oberaufſeher aller Kirs chen feines Antheils 7). a Fl, | | Die Ruhe des deutfchen Reichs ſchien überhaupt nicht dauerhaft zu fegn. Der Deutfhe Yan P apſt reichsſachen. H Herr D. Osleichs Beiträge zur brandenburgifchen Geſchichte ©. 2ar. r) Leuthinger · 1569. öl Alles diefes bewog den. Kaifer, auf Erſuchen erlicher zu Eüln verſammleten Kreiſe, tag zu Iran furt, 1570. 38 38% 6 Hauptſt. Neuere Gefehichte von Brandenburg. Papſt Hatte den Herzog vom Florenz zum Großherzog erklaͤret, wogegen fih der Rab fer mit, vieler Heftigkeit feßte, weil ihm hierdurch ein Eingrif in feine Nechte gefches hen s). Wider den Sandfrieden waren, ſonderlich an Rheinſtrom, feitetlichen Jahren allerhand Gewaltrhätigkeiten vorgenommen worden. Die von einigen Proteſtanten den Hugenotten in Frankreich zugeſchickte Hülfe hatte bey ihren Durchzügen nicht uͤber⸗ all die beſte Mannszucht beobachtet, und ven franzöfifchen Bölfern zum Einfall ins verfammlet, und in die Niederlande einzubrechen geſucht, war aber zuruͤck geſchlagen worden. Hierdurch) wurden die Reichslande an den niederländifchen Grenzen ein Zummelplaß der Kriegspölfer des Herzogs von. Alba und des Prinzen von Dranien. durch den Churfürften zu Mainz einen Depurationstag nach Frankfurt berufen zu laſſen. Der Churfuͤrſt Joachim 2 beſchickte folchen durch Werner von der Schu⸗ — Elſaßiſche Gelegenheit gegeben. Der Prinz von Oranien hatte ein deutſches Heer lenburg und duch D. Albrecht Thuͤm. Dean berarhfihlagte ſich auf demſelben theils über die Mittel, wie diefen Befchwerlichkeiten vorzubeugen, theils über die Kriegsko⸗ ften, welche ver Churfürft von Sachfen wegen des gothaifchen Zuges noch zu fordern hatte 2). Der Kaifer felbjt hielt 1570 aller diefer Sachen wegen einen Reichstag zu Reichstag zu Worms, welchen unfer Churfuͤrſt durch Georg Gang edlen Herrn zu Putlis, durch Worms. Joachim il Churfuͤrſt Joachim 2 gehörete beſonders zu denenjenigen, welche dem augſpur⸗ D. Albrecht Thuͤm Domprobſt zu Brandenburg, den Obriſten Heinrich von Stau⸗ pitz und Detlof von Winterfeld, Marggraf Johann von Cuͤſtrin aber durch Barthel von Mandelslo, D. Adrian Albin uno Sigismund von Schlichting beſchickten. Auf diefem Neichstage wurde die Freiheit, auswärtigen Mächten Krieges - dienfte zu Teiften, eingefchränft, wegen des Münzwefens und wegen Ergänzung und Berichtigung der Neichsanfchläge ein eigener Deputationstag aufs folgende Zahr nad) Frankfurt angefegt. Die Stände reformirter Religion gaben ſich zwar aufs neue alle Mühe, eine Erflärung zu erhalten. daß fie in den Religionsfrieden mit eingefchlof fen wären. Doc) alles war vergebens, befonders weil die Jutherifchen Staͤnde ih⸗ nen felbft zuwider waren, und, um den Reformirten allen Vorwand zu benehmen, als 06 fie es mic dem augfpurgifchen Glaubensbefäntniß hielten, fehon damals an der nachmals zum Borfchein gefommenen Eintrachtsformul arbeiten Tiefen. "Zum groffen _ Gluͤck der Reformirten bezeigte der Kaifer in Neligionsfachen groffe Gelindigkeit. Sei⸗ ne Neigung vor die Proteftanten , feine laugſamkeit und Liebe zur Ruhe, feine immer zunehmende feibesfchwachheit verhütete ziwar den Ausbruch öffentlicher Unruhen der. Res ligion wegen. Aber die Eiferfucht und Feindfehaft der verfchiedenen Religionsverwand⸗ ten nahm täglich zu, befonders weil man die damaligen wittenbergifchen Gottesgelehr⸗ ten im Verdacht hatte, daß fie es heimlich mit denen Reformirten hielten a). gifchen Glaubensbefäntniß eifrig zugerhan waren. Er überlegte alfo mit feinen Got en laſſen. : tes⸗ s) Maſcov de iure Imperii, in M. Hetruriae Duc. 2) Deputationsabfchied von 1569. #) Reichsabſchied vom Jahr 1570. Hutteri Concordia concors, FR = Churfuͤrſt Joachim 2. x 189 eesgelehrten, wie ein Begrif der evangelifchen lehre zu verfertigen fey, welcher ohne 1570. Nücenhalt das unveränderte augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß, und befonders diejes nigen Artikel deffelben, deren wahrer Verſtand verfchiedentlich erklärt worden, aus Lutheri Schriften erörtere. Hiernach folten fich Fünftig die fehrer in ihren Predigten md in der Ausuͤbung des Gottesdienſtes genau richten. Es ward alfo dem Andreaͤ Musculo aufgetragen, mit andern Gottesgelehrten die Hand an diefes Werk zu le⸗ gen. Zugleich befamen olle brandenburgifche Kirchen ven Befehl, von den Kirchen⸗ geldern Lutheri ſaͤmtliche Schriften anzufchaffen, und bey ihren Kirchen verwahrlich aufzubehalten x). | | — Dabehy vergaß der Churfuͤrſt aber nicht, dasjenige zu beſorgen, was die aͤuſſere Hilft den frie⸗ Ruhe beveftigen und: die Wohlfarth feines Haufes befördern koͤnte. Der zwoifchen rg Schweden und Dännemarf ausgebrochene Krieg war bisher noch immer fortgeſetzet und Schwe: worden. König Erich von Schweden ward zwar von feinen Brüdern 1568 gezwun ⸗ —— ap e dringen, m gen, ben Thron mit dem Gefängniß zu verwechfeln. Worauf Herzog Johann 1569 zum Könige dieſes Neichs angenommen worden. Dies hatte Gelegenheit gegeben, da Schweden mie Daͤnnemark zu Rofchild Frieden fehlog. Aber der König von Schwe⸗ den Johann hatte venfelbennicht gehalten. Weil jedoch der Czaar van Baſilowitz eebenfals gegen Schweden zu den Waffen grif, ſo wurden in dieſem Jahr zu Stet⸗ tin neue Unterhandlungen, Schweden mic Daͤnnemark zu vergleichen, gepflogen. Die Ehurfürften von Sachfen und Brandenburg hatten die Ehre, die Mittelspers fonen zu ſeyn. Unfer Churfürft fhickte daher den Georg von Blankenburg und Chris ſtoph Maienburg zu der Friedensverſammlung ab, worauf aber erft in dem folgen, ben Zahe die Unterhandlungen zum glücklichen Schluß gekommen y). Das allererheblichfte, was in dieſem Jahr noch) vorkam, betraf die Vermaͤlung Vermaͤlt fer feines älteften Enfels Joachim Friedrichs. Das Churhaus Brandenburg war damen enkel. mals ſehr ſchwach, und es fehien norhwendig, bey Zeiten an deſſen fernere Fortpflan« zung zu denfen. Der Churfürft hielt nebft dem Churprinzen vor gut, den Joachim Friedrich mit des Marggrafens Johann von Cuͤſtrin Prinzeßin Catharina zu vers mälen. Das Beilager ward wirflich zu Cuͤſtrin gleich zu Anfang diefes Jahres mit Pracht und Vergnuͤgen volzogen. Die Magdeburger nahmen dies neue Ehepaar theils zu Wolmirftädt, theils zu Magdeburg ‚teils zu Halle mic vielen Freudens⸗ bejeigungen auf. Joachim Friedrich war der erfte unmittelbare Neichsprälat, wels cher das Herz hatte, mic feinem Beiſpiel zu erweifen, Daß die fehre von dem ehelofen teben der Geiſtlichen eine von Menfchen auferlegte Laſt ſey, die auch die Vorfahren nicht erfragen koͤnnen. GoOtt felbft der Stifter des Eheftandes fagte: es fey nicht gut, daß : der Menfch alleine ey. Die Priefter und Leviten des alten Bundes feßten den Stamm | Levi durch ehelich gezeugte Kinder fort. Kephas führte zur Zeitdes neuen Bundes ein Weib bey feiner Apoftelbefchäftigung mit fidy herum. Paulus fehrieb dem Timotheo vor: der Difchof foll feyn eines Weibes Mann. Die erfte Kirche glaubte, es fen befe | | Aas ſer x) Leuthinger. 2) Leuthinger. | 156 38h. 6.Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1570, fer freien, als Brunft leiden, Sie wich wirklich bereits von ihrer erften lauterkeit ab, als einige wenige fich von denen Zwecken entfernten, zu denen fie beftimme waren, das gefellfchaftliche teben flohen, und ven Mönchftand, folglich ein muͤßiges leben, wähls - ten, und darin was verdienftfiches ſuchten, daß fie fich blos mie Auffern gottesdienftls chen Handlungen befehäftigten ‚ in ver Welt aber, in welche fie von Sort geſetzt was ten, fich als unnüge Glieder und Weltbürger aufführeen. Ahr Verhalten fiel andern in die Augen, und fand nac) und nach mehr und mehr Nachfolger, je heiliger man _ Diejenigen hielt, welche ven ehelofen Stand ſich gefallen lieſſen. Doch lange Zeit war ihr Beifall nicht allgemein. Rom fünftelte die tehre aus, daß die Meffe ein wahres Opfer fen, obgleich Chriſtus nur einmal geopfert ift Z), und daß aus diefem Grunde die täglich meßlefende Priefter ſich alles ehelichen lebens enthalten müften, weil die Pries fter des alten Bundes zu der Zeit fich ihrer Weiber zu enthalten fchuldig waren, wenn ihre Ordnung fie zu Abwartung des Gottesdienftes und Opfer berief. Doch ſelbſt in der catholifchen Kirche wurde der ehelofe Stand der Priefter erft zur Zeit der Regie⸗ rung Kaiſer Henrichd 4 mit dem Widerſtreben vieler Geiftlichen in der Abficht völlig eingeführet, um biefe von allen Verbindungen mie denen taten zu trennen, und dem römifchen Stul völlig allein ergebene Anhänger zu verfchaffen. Die Kiechenverbeffes rer hatten Daher die von Gott gefegte Drdnung wieder hergeftellee, aber in Deutſch⸗ land hatte ſich noch fein unmittelbarer hoher Geiſtlicher in den Eheſtand zu treten ges wagt. Damit auch Fünftig fich nicht niemand getrauen folte, in diefem Stuͤck von der römifchen behre abzuweichen, befunden die Catholifen fo eifrig auf den geiftfichen Borbehalt oder der Freiftellung. Die Proteftanten hatten aber dagegen beftändig feit dem Neligionsfrieden widerſprochen, und der damalige Erzbifchof von Magdeburg Joachim Friedrich war der erfte, welcher fich zu verheiraten, und doc) das. Hoch⸗ flife beizubehalten, entſchloß. Die Geſinnung des Kaiſers Maximilians 2 der ſelbſt von dem Papſt die Erlaubniß geſucht, daß feine, Landgeiſtlichen ſich verheiraten duͤrf⸗ ten, kam ihm zu ſtatten. Was aber uͤber dieſer Sache dem Marggrafen Joachim Friedrich in den naͤchſtfolgenden Zeiten vor Streitigkeiten erreget worben, werden wir in der folgenden Regierung bemerken a). ... 78. re: Joachims 2 Die jeßige Negierung Soachims 2 nahete fich nunmehr ihrem Ende. Das letzte begeben: Weinachtsfeſt feierte diefer Prinz mit groffer Andacht. Er bedienete fich des Nachts vn u mahls des Heren, wohnte dem oͤffentlichen Gottesdienſt bey, und Tieß fich zu Haufe Lutheri Predigten, deſſen Schriften er feinen Seelenſchatz zu nennen pflegte, vorlefen. Mach Ereufings Handſchrift Hielt er darauf in Berlin eine Schlittenfahre, bey wel cher er umgeworfen wurde. Er felbft fagte vabey: Hier Tieat das Haus zu Bram denburg, und thut einen groſſen Fall. Es gieng folches bald auf eine merkwuͤr⸗ dige Art an feiner Perfon in Erfüllung. Den z7ften December machte er fich eine Veränderung, und veifete nach Köpenick. Da er bisher immer freundlich und ſcherzhaft ewe⸗ 2) Hebr. 9, 28. a) Leuthinger, Gundling, Haftitius. Ba Churfuͤrſt Joachim 2. 191 geweſen; ſo entdeckte man in den jetzigen Tagen in jeder Miene, in jeder Handlung 1570. lauter ernſthafte Beſchaͤftigungen der Froͤmmigkeit. Am Neuenjahrstage 1571 ließ er 1577. . Sich nach) öffentlichem abgewarteten Gottesdienfte über der Tafel von einem Edelfnaben eine Neujahrspredige Lutheri vorlefen.. Als der Hof dem Ehurfürften feine Gluͤckwuͤn⸗ ſche ablegte, antwortete ver Herr: Gott lob! ich habe mein 66ſtes Jahr vollig zurück ges legt, wer weiß, ob mich Got das jet angegangene Jahr überleben laͤſt, und nicht vielmehr meinem eben ein Ziel feßen wird. Deffen Wille, in deſſen Händen alle Dins ge ftehen, gefchehe! Wenn ich meine Jahre Überzähle, fo habe ich Tange genug gelebt, wenn ich aber mich ſelbſt und die jeßigen Zeiten betrachte, fo wünfchte ich, wol, einige ‚gute Sachen noch erft ausführen zu koͤnnen, nicht als ob ich Tänger zu leben und zu res - ‚gieren uft hätte, fondern weil ich mich gern mit Sachen befchäftigen wolte, die der wachfenden evangelifchen Kirche zum Beſten gereichten. „Den zten Januar gieng er zum letztenmal auf tie Jagd, und Fam ungemein aufgewect gegen 5 Uhr Nachmits tags zurück. Er ſetzte fich zur Tafel, zu welcher diesmal Chriſtoph von Sparr, Matthias von Saldern, Lampert Diftelmeier, Albrecht Thuͤm Thomas Mat⸗ tthias und Andreas Musculus gezogen waren. Ohne ein Wort von weltlichen Sa⸗ chen zu wechfeln, wurden durch einen Edelfnaben Lutheri Predigten über die Weiſſa⸗ gung des alten Simeons, über die Befchneidung und die Taufe Chriſti vorgelefen, welches über drey Stunden mwährete. Der Churfürft befprach fich hiebey von dem Geiſt Lutheri, von deffen fonderbaren Gaben und Schriften. Er machte aus dem Angehörten allerhand Nusanmwendungen, und erläuterte die vorgefommenen Sachen, wie er denn, nach Haftitii Worten, ein fehr gelehrter, belefener ,. in Gotteshaͤndeln wohlerfahrner und geuͤbter Herr geweſen. Er redete von der Taufe, vom Tode und von der Auferſtehung, von Chriſti Niederſteigen zur Hoͤllen, deſſen ſieghaftem Triumph und Ueberwindung der Sünden, Todes, Teufels, Hoͤllen und aller Feinde der Kirs chen. Er bezeugte, was er glaubte, und hofte, daß er fich und feine Seligkeit Chris ſto ganzfich und treulich befolen hätte. Bis um zwey Uhr in die Nacht brachte er mit ſolchen Gefprächen zu. Als er in feine Schlaffammer gefommen, und noch immer mit den Gedanfen des leidenden und fterbenden Chriſti befchäftiget war, mahlte er felöft mit Kreide, weil Fein Mahler zur Hand war, das Bild des gefreuzigten Heilans des an Die Tapete der Kammerthuͤr. In diefen guten Betrachtungen legte er fich zur Ruhe. Doch daurete folche nicht viel über eine Stunde. Ein heftiger Huften wech te ihn auf, Er beffagte fich über gewaltiges Herzenprücen. Bald darauf überfiel ihn ein heftiger Froft. Sein Geficht ward mit einer blaffen Todesfarbe überzogen, und fein ganzer Körper erftarrere. Seine Kammerbedienten eiften, die Aerzte herbeizus fhaffen. Durch) ihren Beiftand Fam der Herr wieder zu fich ſelbſt, fein Achem ward freier, er fhlug die Augen wieder auf, und fieng zu fprechen an. Doch waren dieſe gute Anzeigen von kurzer Dauer. Kaum harte er die Worte geſprochen 5): Das iſt je gewißlich wahr, und ein theures werthes Wort, daß Chriſnus JEſus kom⸗ men b) ı Timoth. 1, 15.16 * 192 3 Th. 6 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. izer. men iſt in die Welt, die Sünder felig zu machen, unter welchen ich der fur | nehmſte bin. Aber darum iſt mir Barmherzigkeit widerfahren, aufdaßanmie : vornemlidy JEſus Ehriftus erzeigete alle Gedult, zum Erempel denen, Dieam > | ihn glauben folten zum ewigen Leben; als ihn ver anhaltende Huften zu erftiden ſchien. Einer der Hofleute rief ihm zu, ob et in dem Glauben an JEſum Chriſtum verbleiben wolte. Der ſchwache Herr antwortete mit ja, und gab, weil ihm die Sum me weiter gebrach, mit Winken und andern Geberden zu —— ‚ daß er bey ſeinen Glauben und kurz —— Bekaͤntniß bliebe. Und ſo gab er zwiſchen und 5 Uhr des Morgens den ten Tyan. feinen Geift auf, da er, auffer wenigen Stunden, über Feine vorhergegangene Krankheit fich befchweret harte. Eben dieſer Umſtand gab zu mancherley Reden, wie Ereufing in feiner Handſchrift erzaͤhlet, Anlaß, beſonders | fiel fein Arzt der Jude Lippold in den fehweren Verdacht, als ob er des Churfü - Ende mit Gift in einem Malvaſirtrank befördert habe. Wir werden in der Gefehiht - des folgenden Ehurfürften von dem Verbrechen und der Beftrafung diefes Menfchen ein mehreres erzählen. Der entfeelte Körper wurde von Köppenick nach Berlin gebracht, und in der Schloßcapelle bis zum 26ften Span. von der churfürftlichen teibwache bewacht. An diefen Tage erfolgte endlich die feierliche Beerdigung in dem von ihm erbaueten churfuͤrſtlichen Erbbegräbnig in der RR r it Andreas Musculus * VDE: PN 6). em Wir Haben bereits angemerkt, daß nach Leuthingers und Renſchels ei, Churfürft Joachim 2 mit einer Enkelin des Kaiſers Maximilians verlobt geweſen ſeyn ſoll, welche aber 1519 vor dem Beilager verftorben. ch bin aber nicht im Stans de, hievon nähere Nachrichten zu geben d). Er vermälte fich aber wirklich 1524 e) mit Magdalena einer Prinzein Tochter des Herzogs Georg von Sachfen albertis niſcher inte. Sie ftarb im Wochenbette, da fie den Tod ihrer Frau Murter Bars bara betrauerte, und wegen einer Feuersbrunft in heftiges Schrecken geſetzt worden, _ | den 29ſten December f) 1534, wie eine eigene Urfunde davon Nachricht giebt, und aljo den Streit über den Todestag diefer Churfürftin vors Fünftige auffer Zwefel ſetzt. | Sie ward Mutter folgender Kinder: 1», Johann Georg, nachmaliger Churfürft von Brandenburg, — den ırten September 1525, von welchem wir in dem WigrAbeR — mit meh⸗ rerem reden werden. 2. Bar⸗ Von ſeinen gemalinnen und kindern. c) Leuthinger, Haftitius, Angelus, Creu⸗ fing, Cernitius. d) Renſchels brandenburgiſcher Stamm: baum ©. 40. e) So feßt es Eernitius aus Nachrichten des Urkundenbehältnifies. Leuthinger hat faljch das Jahr 1521 angegeben. F) Diefen Tag beſtimmen faſt alle maͤrkiſche Geſchichtſchreiber, und die ausdruͤckliche Nach⸗ richt von ihrem Tode in Lauenſteins Neformas tionsgeihichte in Helmſtaͤdt ©. 34. Es ift alfo weder im Merz, wie Cernitius berichtet, noch den 27ſten Dec. gewefen. Die Urfachen ihres Todes, die von den Schriftftellern verfchieden anz gegeben werden, koͤnnen alle zufammen ihren Tod befördert haben, x® Churfuͤrſt Joachim 2, 193 2. Barbara, geboren ven zoten Auguft 1527. Sie ward bey Gelegenheit der Erbverbruͤderung der Häufer Brandenburg und Lirgnig Freitags nad) Galli oder den ısten Detober dem liegnisifchen Prinzen Georg zugefagt, und vers maͤlte fich in Faftnacht 1545 mit Herzog Georg 2 von Brieg. Die priefterli che Einfegnung fell den ısten Febr. und das Beilager den ı7ten Febr, volzogen feyn.g). Sie ftarb den zten Jan. 1595 5). — Eliſabeth, geboren 1528, ſtarb aber bereits den zoften Auguſt 1529 7). 4 Friedrich, geboren den ızten Der. k) 1530. Es wird weitläufiger von ihm in der Gefihichte des Hochftifes Magdeburg gehandelt werden, 5 Mbrecht und 6. Georg, Zwillingsfinder, find bald nach ihrer Geburt geftorben 7). 7. Paul, geboren den zgften December 1534, farb aber, da er kaum die Taufe empfangen, nebft feiner Frau Mutter m). Nach dem Tode der erfien Gemalin vermälte ſich Churfuͤrſt Joachim 2 mit Hed⸗ wig des Königs Sigismundi ı von Polen und ver Barbara von Zips Tochter. Weil die Barbara eine Tochter des Stephani von Zip, Woywoden von Sieben: bürgen, und eine Schwefter Syohannis von Zapolia gewefen, welcher von einigen Ungarn zum Kbnige erwählet worden, fo war der Prinzegin Hedwig: die Erbfolge ber Grafſchaft Zips auf den Fall zugefagt, wenn der männliche Stamm der Grafen diefes Namens erlofchen wäre. Es wurde ihr aber folches nicht gehalten, da 1571 die Grafen von Zips wirklich ausgeftorben. Hedwig war geboren i513. Unſer Churs fürft volzog die Bermälung zu Cracau 1535 den ıften oder zten September. Er fol das erfte Beilager im völligen Cuͤraß gehalten haben ; eine Gewonheit, deren Wieder⸗ auflebung unfer jegiges Frauenzimmer fich niche wünfchen wird. Ahrentwegen füchte König Sigismund unſern Churfürften vergeblich von der Kirchenverbefferung abzus halten. Sie nahm aber wirklich nebft ihrem Gemal das Abendmal unter beider Ges ftalt. Durch fie hatte man Hofnung, die Krone Polen an einen brandenburgis fehen Prinzen zwbringen. Durch fie ward der Weg ungemein erleichtert, die Mit belehnung über Preuffen dem Churhauſe zu verfehaffen. Der von uns bereits befchrier bene ſchwere Fall zu Grimnitz 1549 hatte fie am-Unterleibe fo befchädiget, daß, weil fie fich aus Schamhaftigfeie der Wundärzte nicht bedienen wolte, fie nachher gekruͤmt an 2) Auffer dem brandenburgifchen Schrift: ftelleen, von denen Cernitius den Tag der prie ſterlichen Einfegnung aus Lrfunden genommen, find davon nachzulefen Thebefüi liegnitziſche Jahr: bücher P. 3 p. 46. wefelbft auch von ihrem Hei: ratsgut © 30 und 52 gehandelt wird. 5) Thebeſius hat ihren Todestag aus einer Urkunde erwiejen 1. c. p. 258. i) Cernitius p. 54. Rentſch p a6. Ren⸗ ſchel p. 42. P. allg. preuß. Gefch. 3 Th. k) Baftitius fagt den zıten December, kann aber mit Cernitio fo verglichen werden, daß er in der Nacht zwifchen dem zıten und ı2ten gebe: ten fey. D Cernitius, Rentſch Renſchel. ”) So ſagt Haftitius. Aber Cernitius, Rentſch, Renſchel ſagen, er ſey den ꝛoſten Merz geboren, und nach der Taufe bald nach dev Fran Mutter geſtorben. Bb 157. 194 3 Th. 6 Hauptfl Neuere Geſchichte von Brandenburg. an Krücen gehen mufte, und zu aller ehelichen Beiwohnung ungefchickt wurde, Nah — dem erfolgten Ableben des Churfuͤrſten ihres Gemals ward ihr die Grafſchaft Ruppin zum Witthum eingeraͤumet. Sie ſtarb an einer Auszehrung auf dem Schloß zu Alt⸗ ruppin 1573 den zten Februar ohngefehr im 6oſten Kahr ihres Alters, und: ward in | der Domkirche zu Coͤln an der Spree beerdiget 7), Ihre Kinder waren: 1. Eliſabeth Magdalena, geboren: ven bten November 1537. Der Eardinel | Albrecht verrichtere re Taufhandlung in Perfon. Sie ward in der Faſtnacht 3559 an den Herzog Franz Otto von Braunfchweig-Limebürg vermaͤlt. Mon⸗ tags nach Duafimodogeniti gefehahe ihre Heimfuͤhrung zu Zelle, aber bereits den 2often April ward fie durch den Tod ihres Gemals in den Witwenſtand ver fest. Ob ihe nun gleich das Amt Lochau zum Witthum verfehrieben wat, f . lebte fie doch feit der Zeit in Berlin, ſchlug alle ihr ferner angetragene eheliche WVerbindungen aus, ergab fich-völlig denen Uebungen der Andacht, farb den eſten Auguſt 1595, und ward den zten September 0) in dem churfuͤrſtlchen Erbbegraͤbniß beigeſetzt. 2. Sigismund, geboren 1538. Haftitius ſetzt den Tag ſeiner Geburt auf den 2ten September halb 7 Uhr des Abende. Cernitius auf den arten December. Abel auf den uten December und Renſchel auf den 12ten December diefes Jahres. Er foll mit feinem Herrn Grosvater Könige Sigismundo viele Aen⸗ lichkeit gehabt haben. Er ward Erzbiſchof von Magdeburg und Biſchof von Halberftadt. Der Tod verhinderte ihn an der ziemlich ftarfen Hofnung, der⸗ einft König von Polen zu werden. Wir handeln Fänfeig von dieſem Herrn unter den Erzbiſchofen von Magdeburg und Biſchoͤfen von Halberſtadt p). 2: Hedwig, ; geboren den eten Merz 1540. Gie ward vermält zu Berlin den 25ften Febr. 1560 mie Herzog Zulio zu Braunfehweig- Wolfenbüttel, hatte hten Witwenſitz auf dem Schloß Heffen, und ſtarb zu Wolfenbuͤttel den zıften Detober 1602 9). 4: Sophia, geboren 1s4t, vermaͤlte fich 1561 den 24ften December an Wilhelm Freiherrn von Nofenberg, Oberburggrafen des Königreichs Böhmen, und - verließ die Welt 1564. Cernitius fee ihren Tod richtiger auf den ıgten Der, und Menfchel auf den 24ften Dee. als. Rentſch auf den ıgten Febr. diefes Jahr res. Leuthinger ſagt ausdrücklich, fie ſey zu Ende dieſes Jahres geflorben 7). Nach dem der Ehurfürftin Hedwig begegneren Ungfüc zu Grimnitz war fie, wie wir beveits erwehnet, zu aller ehelichen Beiwohnung untüchtig. Dieſes entſchul⸗ diget allerdings den Churfürften, der fich feit der Zeit des nähern Umgangs mit andern Frauenzimmern bedienete. Unter ſolchen wird uns theils eine gewiffe Bendelin, web he Here D. Oelrichs Berdela in feiner Safe gelefen, und fonderlich — 17 ") Abel. Cernitius. Rentſch. Renſchel. 5 Ebendaſelbſt. —* 0) Renutſch. Renſchel. Cernitius. Haftitius. 4) Ebendaſelbſt und Abel. Der letzte hat ihr Begraͤbniß auf den Sept geſetzt. 7) Ebendaſelbſt und Abel, = Dieterichs Witwe Anna Sydow, namentlich angefuͤhret s). z Churfurſt Joachim = 195 Mit ihrem Mann ‚Hatte die Teßtere fehon einen Sogn Nicolaum Dietrich. erzielet, dem der Churfürft Zoachim 2 das Gut Rofenthal zu gehn gereicher, und einen gewiſſen Joachim Taſch mitbelehnet 7). Mit diefer Anna Sydow verwitweten Dieterich mag der Churfuͤrſt derfchiedene natürliche Kinder gezeuger haben, davon eine Tochter aber nur erwachſen. Es war ſolches Magdalena von Brandenburg Gräfin von Arneburg, vor deren. kuͤnftigen Unterhalt der Churfürft värerliche Sorge trug. Schon 1561 machte fich der Ehurprinz Johann Georg zu Zechlin Sonnabends nach Pfingften anheifhig,- die Anna Sydow, Michael Dieterichs Gieffers nachgelaffene Witwe, nach Joachims 2 Tode in feinen fonderlichen Schuß zu nehmen, und ihr und ihren Kindern alles das zu laffen, was felbiger von dem Ehurfürften gegeben worden, nur daß folches Feine Aem⸗ ter, Städte und Flecken ausmachte. Im Zahr 1562 den ı4ten Octobr. verordnete Soachim 2 in Wolfenbüttel, wo er fich damals aufhielt, daß, weil feine natürliche Tochter Magdalena, die er mir Anna Sydow gezeuget, von ihm noch unverforgt fen; er auf den Fall, wenn er, ohne fie verforgt zu haben, verſtuͤrbe, befchle: es ſol⸗ ten feine Nachkommen 4000 Rthfr. vor fie auf Zinfen thun, und die letztern bis zu ih⸗ gefänglich geleget worden. x TEN — * bereits Herr D. Oelrichs aus Creu⸗ Handſchrift die hieher gehoͤrige Worte in "Beiträgen zur brandenburgiſchen Ge; ſcichte ©. 209 fs hat abdrucken laſſen, fo will ich ſolche meinen Leſern aus der Handſchrift, die ich beſthze, ebenfals vorlegen: Se. churfuͤrſtliche Gna⸗ den haben mit vielen Concubinen Haus gehalten, ſonderlich mit einer, die Bendelin genannt, (dev Herr D. Oelrichs liefet Berdela) welche vom jun: gen Herrn Johann Beorgio hernach verjager wor: ‚den. St. miteiner, die Gieſſerin geheiffen, wel: are fager, Sr. churfuͤrſtlichen Gnaden u geweſen iſt, und mir Ihr etzliche Kinder gezeuget, aus welchen ein Fräulein zur Gräfin gemacht ift. Diefe Giefferin, als Johann Geor⸗ ge ins Regiment kommen, iſt gegen Spandow Auf eine Zeit, als Se churfuͤrſtliche Gnaden Sie öffentlich mit fich führete gegen Beelig auf die Jagd, und in die Heyde, haben die Bauren, ſo um Sr. churfuͤrſt⸗ lichen Gnaden nahe herum geſtanden, ein ander gefraget: Iſt die Unfer Gnedigſten Herrn unech⸗ te Frau? fein das die unechten Kinder? wie daß ers thut und wir nicht muͤſſen? Dis haben fie getrieben, und hat es Se. churfuͤrſtliche Gnaden ‚wohl gehöret, aber ſich nichts böfes vermerfen fafien, fondern allein zur Gieſſerin gefagt : kanſt dir nicht bey Seite gehen. Haec mihi funt nar- rataabiis, quifuisauribus audiuerunt anno 68. ,, Hiezu hat in meiner Handſchrift eine andere Hand ter Ausſteuer felbiger auszahlen laſſen, bey ihrer Verehelichung aber den Hauptſtul Mr} Hr ff. : * Dh 2 ihr eins an den Rand folgende Worte gefihrieben : „Als Anno 1541 die Churfürftinzu Grimnig durch den Boden fiel, und an heimlichen Orten fehr befcha; diget wurde, aber als eine ſchamhafte Fürftin kei⸗ nen Chirurgum admittiren wolte, fo ward fie dar: über ad cohabitandum ganz untüchtig. Welches dem Ehurfürften Anlaß gegeben, fich zu diefer An; nen von Sydow, vulgo die Biefferin, zu hal ten. Sie hat aber den Namen daher bekommen, weil ihr Mahn, natione ein Burgundier,, von dem Stücfgieffen und Arriflerie gute Wiffenfchaft gehabt, auch des VNicolai Tartaglid Brigiani difeipulus geweſen, welches der Zeit am Hofe hoch Aftimiree worden. Mit diefer Frauen hat bejagter Churfürft eine Tochter Wiggdaleng von Brandenburg gezeuget, fo an einen Grafen von Sberſtein vermäler werden follen, aber hernach, als der Churfürft darüber geftorben, an Herrn Andream Rchlen churfürftlihen Amts:Cammer; Secretarium, zur Erfparung der Ausftartungss foften, und damit fie die ihrer Mutter abgenom⸗ mene geſchenkte Sachen deftoweniger repetiren fünte, verheiratet, Diele Magdalena, die Rob: oft lin genant, nachdem fie bald Witwe worden, hat bis in den Tod ein unfträfliches Leben gefuͤhret, auch Kirchen und Schulen zu Berlin anſehnliche Legata und Stipendia vermacht. —— 2) Herrn Di Oelrichs Beiträge zur branden⸗ burgifchen Geſchichte ©; 28. BYE - BTL. 196 3 Th. 6 Hauptft: Neuere Gefthichte son Brandenburg. einräumen. Weil der Churfürft auch davor hielte, daß vorgemeldere Anna Sy⸗ * dow jetzo abermals von ihm ſchwanger ſey, fo wolle und verordne er hiemit, daß, wenn folches Kind, dem der allmächtige Gore feinen Gegen gnädiglich verleihen wolle, ze Welt geboren wird, demſelbigen, es fen gleich ein Sohn ‚oder Tochter, eben wie ſei⸗ ner Tochter Magdalena 4000 Rthlr. auch angelegt und zugewendet werden follen. Zwiſchen diefer Zeit und dem Sontage am Tage Mariaͤ Heimfuchung 1570 muß der Ehurfürft die Magdalena von Brandenburg zut Gräfin von Yrneburg erhoben ha⸗ ben. Denn an diefem Tage giebt er ihr felbft diefe Benennung, und verordnet: da, da er ihr 10000 Rthlr. nebft andern gräflichen Kleinodien und Schmuck bey der Stadt - Brandenburg anf Zinfen gethan, fie diefe Zinfen bis zu ihrer Berehelichung genäffen, _ den Hauptflul aber zum Heiratsgeld befommen foll; ſtuͤrbe fie vor ihrer Vermälung, fo folte die Hälfte dieſes Geldes an ihre Mutter, und die andere Hälfte an den regies senden Herrn wieder zurück fallen. Wofern fie aber nach getroffener Berehelichung, jedoch ohne Kinder, verftürbe, fo folte dieſes Geld ſowol, als ihre: übrige Erbſchaft, halb an ihren Gemal fallen, die andere Hälfte aber gerheile, und davon ein Theil dem regierenden Churfürften von Brandenburg, der andere Theil aber ihrer Mutter oder deren Erben-ausgeliefert werden, Der Churfürft gab feiner natürlichen Tochter über dies auch die Anwareſchaft auf das Gut Roſenthal, und wolte ſie an einen Grafen von Eberſtein vermaͤlen. Weil er aber darüber verſtarb; fo gieng hiemit eine erheblis he Beränderung vor. Die Gräfin von Arneburg ward an Andream Kohlen, Hof rentheifchreiber in Berlin, verheiratet, hinterließ aber Feine. Erben, und — 1610 mit dem —— eines wohlgefuͤhrten frommen Wandels a, == u) Bon ihr handeln mie mehrerem Herr Ne: etor Kiſter in der Erläuterung der ſeidliſchen Sammlung gelehrter Maͤrker &. 72 und. 75, und. Here Dr. Oelrichs in den Beiträgen zur brandenburgifeben Geſchichte S. 209 f. woſeibſt ©. 219.05 heifiet: Bey dieſem allen bar der da⸗ malige churfürftliche Rath ımd Archivarius Ehriftian Soͤneberg nad;folgende Worte mit eigener Hand geſchrieben: Dieſes betrift die Vermachung Fraͤulein Magdalenen von Bran⸗ denburg Graͤfin von Arneburg, welche Chur fuͤrſt Joachimus 2 aus der Anna Sydow, Zeug: meiſters und. Gieſſers nachgelaffenen: Witwe, ge⸗ zeuget, und hernach Ehurfürft Johann Georg an Anderam Bohlen Hofrentheyſchreibern alhier in Berlin verheyrathet habe, weichen, als. er füch dem Churfuͤrſten präfentiret hat, der Churfürft alſo angeredet: wilſt du mein Schwager wer den? ex Relat. Dinn. Vicecancellarii Andrese Koblen, Affinis Domini Seidelü. Es hat aber die ſe WTagdalena feine, Erben hinterlaſſen, fie iſt Anno 1610 geftorben, hat gewohnet in deren +8 Sebaft. Striepens, hurfürfttich —— giſchen geheimen Raths, Hauſe, welches ſie an den von Schies ko verkaufet hat. Zur Ausſteuer hat dieſes Fraͤulein Magdalena von Branden⸗ burg Graͤfin von Arneburg empfangen: An Sil⸗ bergeſchirr, ſo viel als ihr Stand und kuͤnftige Heyrath erfordert. An Rleinodien, Hals⸗ baͤnder, einen guͤldenen Halsband mit Edelgeſtein. Noch ein guͤlden geſchmalt Halsband auch mit Edelſtein, 5 Kleynotten und Gehaͤnge mit Edek geftein gezieret, einen güldenen Armband mit Edel; gejteinen, goldene Ketten glat und Fraus, wie die einer Gräfin eigen, 16 güldene Ringe, wie. die einer Öräfingebühten. An Sticflein, 5 Dußend guͤldene Stieflein, 9 Barrith von Perlen, fambt au, die Tuch geſtickt und mit Stieflein, allerley Farben, wie einer Graͤfin eigen. Hauben: guͤl⸗ dene Hauben mir Perlen geſtickt oder ſonſten das mit beheftet, 10 guͤldene und ſilberne Hauben geflindert, zkurze Guͤrtel mir Glantzborthen, 3 fürs ze Guͤrtel mit gezogenem Golde, 2 ange Gürtel von Glantzborthen. Churfurſt Joachim 22° . 197 nf $. 80. 1571. a Ehurfleſt Zoachim 2 war mehr großials klein zu nennen, ziemlich voͤllig und Seine leibes⸗ von ſtarken Musfeln, Ex hatte feinen Verftand wohl ausgebilber, und befonders —— ſich in der Gottesgelahrheit eine groſſe Kenntniß erworben. Er war von Natur ein Redner, der einnehmend feine Sachen vortrug. In der lateiniſchen Sprache war er fertig, und in den deutfchen Stäatsfachen gewiegt. Sonderlich liebte er die ſchoͤnen Wiſſenſchaften. Er hielt viel auf die Tonfunft, fang ofe ſelbſt mit lauter Stimme, und ‚regierete das Chor. Vor niedere und hohe Schulen war er fehr beſorgt, und die mei ſten eingegogenen Kloͤſterguͤter wurden zu dieſen wuͤrdigen Anſtalten verwendet. Alles, was in die Sinnen fiel, konte ihn reißen, - Er liebte eine prächtige Tafel; und ſelbſt im Feldzuge mufte derfelben tweber an Speife und Trank, noch an Dinge | der Säfte etwas abgehen. Daß er den Trunf übermäßig geliebet, beruhet blos auf Jovii Zeugs niß, derdoch das; wovon er eine Kenntniß gehabt, nicht befchrieben, ſondern nur ihm uns bekandte auswärtige Sachen aufgezeichnet, und dabey: beftändig ein gehäßiges Gemuͤth gegen Deutjche, beſonders Proteftariten, verrathen. Der Churfürft liebte den Auf fern Pracht, und fein Gefolge war meiftens zahlreich: Er Hielt viel von öffentlichen Aufzügen bey geiftlichen und weltlichen Gelegenheiten. Er ordnete neue Fefttage an, und wohnte ihren Umgaͤngen bey. Er verehrte die einmal eingeführten Gebräuche mic einer groſſen Standhaftigkeit, wenn er gleich einfahe, daß folche nicht eben nothwendig waren. Er Forte, nach Creuſings Bericht, ungehalten werden, als ihm ben feiner — Ankunft in Beelitz die dortige Schule, wie es in andern Orten gebräuchlich, nicht ans | gen hatte. Allen Neuerungen war er feind, und befchämte diejenigen, nach Haf⸗ | i Bericht, welche neumodiſche weite Beinfleiver trugen. Er eiferte dagegen eben > fofehr, als die Geiftlichen feiner Zeit. Er Tiebte die Mahlerkunſt, und war ſelbſt darin nicht unerfahren 5 einige ‚Stunden vor feinem: Tode zeichnete er noch ein Crucifix an die Thuͤre feines Schlafgemachs. Er’ feherjte gern bis in fein hohes Alter, Er liebte das Frauenziminer. Da ler anfänglich gegen den landgrafen von Heffen, Phi⸗ lipp, ; geeifert, daß ſolcher neben feiner Gemalin fich ein ander Frauengimmer beigeles get, mufte er nach dem Unfall feiner zweiten Gemalin zu eben dem Mittel fehreiten, Zu Ende feiner Regierung raͤumte er feinen Guͤnſtlingen, fonderlich der Anna Sy⸗ Don, zuviel ein. Er wohnte prächtig, und ließ viel im Bauen drauf gehen, Der Schlo ßbau Bi die Aufbauung verfehtedener Luft» und Jagdhaͤuſer, der chur⸗ fuͤrſtlichen Gruft und eines Zeughaufes ‚ der Veſtung Spandow und der Waſſergra⸗ ben, nahmen alle groffe Summen weg. Gr gab Leuten Teicht Gehör, welche allerhand x Vorſchlaͤge thaten, feine Einkünfte durch Bergwerke, Salzſiedereien und Perlenfiſchen un vermehren, die doch in der That ſolche vielmehr verminderten. Seinen bLieblingen trauete er zu viel, und feine Freigebigkeit war ohne Grenzen. Er ſtuͤrzte ſich daher in Schulten: Sein Erbprinz war damit unzufrieden, und ſuchte ſolches dadurch zu zei⸗ gen, daß er ſich meiſtens ſparſam behalf, und zu Zechlin aufhielt. Unter den Guͤnſt⸗ — war — der Jude ug: der ſo gar mächtig war, an er allen denen Db 3 die 198 3%. Haupiſt. Meere Geſhichte von Brandenbug. die Thuͤre zum churfuͤrſtlichen Gemach verſperrete, von denen er muthmaſſete, daß ſie den Churfuͤrſten auf andere Gedanken zu bringen ſuchen wuͤrden. Wer einmal in Joachims Gnade ſtand, der war fuͤr aller Unterſuchung feiner Handlungen, und. das her auch fuͤr ſeinem Fall geſichert. Er hatte ſchon als Churprinz mit Ruhm gegen die Tuͤrken gefochten. Das ganze Reich erklaͤrete ihn deswegen als Churfuͤrſt zum ober⸗ ſten Feldherrn des Reichs gegen die Pforte. Wir koͤnnen aber nicht ſagen, daß der ſchlechte Ausgang dieſes Zuges ihm beizumeſſen ſey. Doch liebte er den Frieden auf eine ausnehmende Art. Er ſicherte die Mark vor aͤuſſern Feinden durch Anlegung der Veſte Spandow und eines Zeughauſes, durch Uebung ſeiner Unterthanen in den Waffen, wie davon die Turniere und der Knittelkrieg einen Beweis ablegen; am mei⸗ ften aber durch feine friedliche Gefinnung. - Daraus floffen fine Bemühungen, bie Proteftanten und Catholifen zu vereinigen. . Er nahm weder am ſchmalkaldiſchen | Kriege, noch denen interimiftifchen Unruhen, öffentlich Ancheil. Alles fein Trachten gieng darauf, Deutfchland und denen kriegenden Parteien die Ruhe wieder zu ver ⸗ fihaffen. Dies bewog ihn, gegen Magdeburg und Gotha zu fechten. Dies vers mochte ihn, die Streifereien zu überfehen, welche fowol Carls 5 Soldaten, als auch Herzog Henrich! Mierhsvölfer, die. gegen den Marggeafen Albrecht fochten, und ‚Herzog Erichs Schaaren, die zweimal durch feine fande zogen, vornahmen. Im letz⸗ tern Falle zog er fein Heer zufammen, blos. mehr Unheil zu verhuͤten. Im Kriege feis nes Betters Fam fogar fein Haus in die Gefahr; vieles in Franken zu verlieren, wenn - nicht Ferdinand ı und Marimilian 2 die friedfertigen. Anſtalten Joachims unter⸗ ſtuͤtzt Hätten. Im ſchmalkaldiſchen Kriege nahm er. die mächtigfte Partey, weil fie die ficherfte war, fo weit, daß er feinem Erbprinzen, vor den Kaiſer zu fechten, erlaubte. Er felöft gab ſich um die Ausfohnung des Churfuͤrſten Johann Friedrichs fo: groſſe Muͤhe, daß ige, ‚wie Creufing fagt, die Eaiferlichen Soldaten darüber, läjterten ; und den fandgrafen von, Heffen ſoͤhnte er aus, ohne am. Kaiſer zu ahnden, daß folcher fein Berfprechen nicht hielt, ohnerachtet der, Churfürft den. Degen gegen den Herzog von Alba und Granvella deswegen ‚aber ohne Blur zu vergieſſen, zuckte. Er war. im⸗ mer beforgt, daß fein. Herr Bruder die Mark durch feine Hise in Krieg verwiceln möchte. Daher ruhete der Churfürft nicht eher, bis er denſelben zu Verlaſſung des fehmalfaldifchen: Bundes bewogen. Er hielt ihn ad, die Partey der Stadt Mag⸗ deburg, des Marggrafen Albrechts und des Herzogs Johann Friedrichs des. mit- lern in Gotha zu nehmen. ‚Er. befürchtete, daß feine, Zwiftigfeiten mit denn Franz Neumann und dem Eaftellan zu Crone weitere Folgen haben möchten, Auch Die Benachbarten fuchre der Churfürft in Nuhe zu erhalten, oder wieder auszuföhnen. Er half den Neligionsfrieven mehr als einmal zum Stande bringen. Erf oͤhnte die fraͤn⸗ kiſchen Einigungsverwandten mit feinem Vetter Georg Friedrich aus. Er vermittelte einen Vergleich zwiſchen der Sachſen⸗albertiniſchen und erneſtiniſchen linie. Er ver⸗ glich Magdeburg mit dem Kaiſer und dem Erzbiſchof. Er ſtellte die Ruhe in Bre⸗ mei wieder her. Er ſuchte die Streitigkeiten Herzog Henrichs von Braunſchweig, ſonder⸗ & Fa ee Churfürft Joachim 2, SE ce 199 fonderlich mic feinem Bruder Wilhelm, beizufegen. Er brachte den Herzog Julium bey deffen Vater wieder in Gnade. Er gab fich alle Mühe, fowol Polen mit dem - Marggrafen Johann von Cuͤſtrin, als auch Schweden mic Dännemarf zu beruhi⸗ * ‚gen. Eben dieſe friedfertige Geſinnung leuchtete insbeſondere bey ven damaligen Nelis gionzflreitigfeiten hervor. Eo lange als ev nur eine Möglichkeit vor fich fahe, daß eine freie Kiechenverfammfung eine nothwendige Verbeſſerung vornehmen würde, behielt er nicht nur die ererbte Religion bey,‘ ſondern füchte auch die Proteftanten abzumahnen, fich von der römifchen Kirche nicht fo weis zu entfernen. Da aber alle diefe Hofnung verſchwunden, unterzog er ſich der Verbeſſerung feiner Sandesfirchen. Doch alle feine Schritte bewiefen, wie ungern er eine völlige Trennung beider Kirchenfahe. Theils dies ſes cheils fein natürlicher Hang zu allem, was in die Sinnen fiel, waren die Urfachen, daß er viele von Menfchen eingeführte Gebräuche und Feierlichfeiten im Gottesdienſt bei⸗ ei behielt. Durch das doppelte Interim fuchte er fich der roͤmiſchen Kirche wieder zu nähern, unmnd die Catholiken waren ſelbſt ſchuld, daß ſonderlich Joachim 2 endlich, durch den erhal⸗ tenen augſpurgiſchen Religionsfrieden, auf immer dem roͤmiſchen Stul einen Scheide⸗ brief gab, weil alle ſeine Mittel, zu einem guͤtlichen Vergleich zu gelangen, fruchtlos abge⸗ laufen waren. Die von ihm beibehaltenen Kirchengebraͤuche kamen erſt nach und nach aufs fer Hebung, oder wurden nach und nach abgeſchafft. Die bey dieſer Gelegenheit eingezogene Kirchengüter wurden groͤſtentheils zum Beſten der Kirchen, der Schulen, der Armenhaͤu⸗ ſer, wenige aber auf andere Art zum Beſten des Staats verwendet, theils find felbige zum - £ £ Vortheil unverheicateter Frauensperfonen beibehalten. Nach einmal angenommenem aug⸗ 2 ſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß verharrete er dabey aufs eifrigſte, und ſahe mit Verdruß, daß ſich einige Proteſtanten, nach dem behrgebaͤude Zwinglii und Calvins, anders erklaͤ⸗ roten. Die mit dieſem Bekaͤntniß vorgenommene Aenderung war ihm misfaͤllig, und er hat ſchon bey feinem Leben zur nachmaligen Verfertigung der Eintrachtsformul den Grund gelegt. Bey dem allen trieb ihn Fein Verfolgungẽgeiſt. Er druckte nicht die Luthera⸗ one, da er noch ein Papift war. Er Fränfte nicht die Papiften, da er lutheriſch gewor⸗ den. Er verabfihenete die Verfolgung der Neformirten auch fogar in Frankreich und in den Niederlanden, und verbor feinem Adel und feinen Unteschanen, fich als Werks zeuge der Tyranney brauchen zu laſſen. | wi ee =. gr. 19J1, Diefes alles brachte ihm die Hochachtung und Freundfchaft der gefrönten Haͤu⸗ Fortſetzung. J pter und feiner Mitſtaͤnde zuwege. Nicht einmal der Papſt konte ihn bey denen behut⸗ ſamen abgemeſſenen Schritten haſſen. Sonderlich ſchaͤtzten ihn vie Kaifer, die er ers beebt hat, ungemein hoch. Marimilian ı half ihn erziehen, und war geneigt, durch eine Bermälung ihn näher am fein Haus zu verfnüpfen. Carls 5 Kaiferfrone half Joachim 2 im fehmalfaldifchen Kriege auf deſſen Haupt erhalten; und diefer Kaiſer bat ihm mehr als einmal das Mitleramt zwifchen dem Kaifer und einigen misvergnuͤg⸗ ten Ständen anvertrauet. Der Churfuͤrſt erhielt den römifchen König Ferdinand 1 auf dem Thron, von welchem ihn fein Bruder Earl s herunterfegen wolte. Ferdi⸗ nand 171. 200 327h 6 Hauptſt· Neuere Geſchichte von Brandenburg. nand erkannte ſolches, und prägte feinen Kindern als einen Grundſatz der Staats⸗ kunſt ein, unſern Churfürften als Vater zu verehren, und deſſen Wohlchaten aufiiee Nachkommen zu bringen. Joachim 2 war. hauptfäcjlich Urfache, daß Marimis lian 2 den Thron feines Vaters beftieg. Der König von Polen Sigismund war Joachims Schwiegervater, und Sigismund Auguft fein Schwager. - Mit beiven unterhielt der churbrandenburgifche Hof ein Verneymen, das diefer Verwandtſchaft gemäß und dem Churhauſe ſowol als denen Übrigen Gliedern erſprieslich wurde. Mit Daͤnnemark war der Churfuͤrſt nahe verwandt, und ſtand beſtaͤndig mit dieſer Krone in dem beſten Vernehmen. Mit Sachſen, ſonderlich dem Churfuͤrſten Auguſto, Pommern, Mecklenburg, Braunſchweig, Anhalt, Heſſen, denen Herzogen von Liegnitz und Muͤnſterberg ward eine Freundſchaft beibehalten, die bald auf Vers wandtfchaft, bald auf Lebereinftimmung der Religion, bald perfönlicher Zuneigung und bald auf verfchtedene Erbverträgefihgründete. Miemandfchiendem Zoachimabyg feinen friedlichen Gefinnungen eine Vergröfferung zu beneiden, vielmehr waren ihm die _ meiften hierzu beförderlich; nur daß die Krone Böhmen feine Erbverträge mit dem "Haufe Liegni nicht genehmigen wolte. Cs glückte dem Ehurfürften daher, Croſſen und die Herrfchaft Zoffen auf ungertrennliche Art mic feinen übrigen Staaten zu vers Enüpfen, die Erbverträge mit Sachfen und Heffen zu erneuern, und neue mit dem Haufe Liegnitz zu errichten, die Anwartſchaft auf das Fuͤrſtenthum Grubenhagen zu befommen, die Anfpräche feines Haufes auf Anhalt zu unterſtuͤtzen, und vornemlich die Mitbelehnung über Preuſſen auf ſich und feine Nachfommen zu bringen. Er legs te den Grund zu ber Einziehung der Bifchofehämer Brandenburg, Havelberg und Lebus dadurch, daß er theils feinen Churprinzen, theils feinen Enkel zum Berwefer diefer Stifter erwählen ließ. Man Fann fogar Magdeburg und die meifte Zeit feis ner Regierung über Halberftadt gewiffermaffen zu feinen Staaten rechnen, da- diefe Hochſtifter fich Prinzen aus dem Haufe Brandenburg wählten, welche die Borcheile des Churhauſes mit beforgen halfen. Hiedurch ſowol, als durch das befandte Tripars fie in Magdeburg bahnte er feinem Haufe den Weg, in ven folgenden Zeiten das Hochftife Magdeburg mit andern brandenburgifchen Staaten auf beftändig zu ver- knuͤpfen. Seine Unterthanen genoffen der. beftändigen Ruhe und der Aufklärung des Verſtandes mit groffem Bortheil. Die vornehmfte Wohlthat aber, die unter feiner Regierung dem Sande wieberfahren ift, macht -ohnftreitig die Kirchenverbefferung aus, die er mic vieler Vorſichtigkeit und Gelindigfeic in feinen Staaten einführte. Er trem nete fich erft nach und: nach von der römifchen Kirche. Ex behielt anfänglich fo viel. von den Äuffern Kirchengebräuchen bey, als ohne öffentliche und unzweifelhafte Verla gung des Grundes der chriftlichen Religion nur immer gefchehen Fonte, und ließ fol che nur erft nach und nach auffer Uebung kommen. Er bevienete ſich des Naths der. angeſehenſten Gottesgelehrten, ohne ihnen auch in Kiechenfachen eine Gewalt einzuraͤu⸗ men, die mit der Regierung unzertrennlich verbunden iſt, Er liebte die Auffere Pracht, und beftimmte Gebräuche im Gottesdienſt, £heils weil folcher vor Menfchen, nichtaber dor ! Churfuͤrſt Joachim 2. 201 vor Engel einzurichten war, theils weil er ſelbſt ſich vor alles dasjenige erklaͤrete, was in die Sinnen fiel. Dieſe Denkungsart ‚jest ihn mit König Jacob r von England in eine Bergleichung, und entfernte Joachim 2 von den Grundregeln ver Reformirten. Diefe ſowol als feine friedliebende Gefinnung, waren die Triebfedern feines Betragens gegen die Catholiken, fonderlich zur Zeit des Interims, aber auch gegen die Meforz mirten. Auſſer der Wohlthat eines gereinigten Gottesdienſtes verſchafte er feinen Un⸗ terthanen nochmehrere. Er hielt ſtreng über die Ausuͤbung der Gerechtigkeit, fonders lich gegen diejenigen, welche die öffentliche Ruhe företen, und folglich der menfchlichen Geſellſchaft am fehädlichften waren. Er machte und hielt über Kfeiderordnungen. Geis ne Münzen waren die beften imganzen Reich. Er unterftügte ven Handel der Frank furter auf der Oder, und füchte den Handel überhaupt durch) Zufammenführung vers fihiedener Gewaͤſſer zu verbeffern. Es iſt zu bedauten, daß der zwiſchen Joachim 2 und dem Kaifer Ferdinand ı verabrebeter Entwurf, die Spree mit der Oder zu vers einigen, damals Hinderniffe gefunden. - Seine Nachfolger in der Regierung haben den Nußen der verſchiedenen Verträge unfers Churfürften wirflich eingeerndter, zu deren Beſten er auch 1562 einen Aufſatz entworfen haben foll, nach was vor Grundregeln der Staat am beften zu regieren fen, und der 1686 von ohngefehr nebſt einigen ſilbernen Gefäffen in ———— zu Cuͤſtrin aufgefunden worden ſeyn fol, Das Anſehen, welches Chur⸗ eit den Guͤtigen y) nannte... Der letztere Beinamen kam ihm mit Necht zu, und dee urfuͤrſt hätte wohl gethan, wenn er bey Verdienung deſſelben meht die Einfünfte feines fandes zu Rathe gejogen hätte. Cernitius legt ihm noch über dieſes das t06 ben, daß er kuͤnftige Dinge vorher gefehen, und fonderlich gewiſſe Ahndungen derer Todesfälle feiner rwandten und Befandten gehabt. Daß er aber, nachdem Berichteines pommeriſchen jefchichtichreibers, von einem Erzböfersicht und Franciscanermöndh, der zu Landsberg Ka 1 € gewohnet, die fehwarze Kunſt erlerner, und fich derſelben in’ verfchtedenen a dlungen bedienet denen tandtägen unſichtbarer Weiſe beigewohnet, und alles, was jeder gethan und geſagt, gewuſt habe, iſt ein Maͤhrgen, welchem bereits Leuthinger wider⸗ fprochen. Sch brauche ſolches ben jehigen aufgeklaͤrten Zeiten nicht zu beſtreiten. Joachims 2 Tugenden überftiegen alfo bey weitem feine Schwachheiten, und feine Regierungsgeſchichte beſchaͤmet wirklich die fäfterungen des Sfthuaniffii, eines unbeſonnenen Catholiken Jovii, Maimburgs und des Ichninifchen fügenpropheten 2). Der Tegrere hat erſt lange nach feinem Tode ihn wegen feiner Neligionsveränderung mit denen haͤßlichſten Farben abge mahlet. Wir würden jetzt gleich zuder Regierung feines Nachfolgers Churfürft Johann Georgs fortgehen, wenn wir nicht noch vor nöthig hielten, bie Regierung des Marg⸗ - grafene Johann von Cuͤſtrin in einem Anhange unfern $efern in einem Fürzen Begrif vorzulegen, da das meifte bereits in Syoachims Befchreisung beigebracht worden. 0) Giovanni Germ.Princ. ‘Abel. a.im. Bruder Hermanns von Lehnin gefagt, gehöret 9) Aafritius. ) Auffer dem, was; wie noch hieher, was in Hrn. D. Oelrichs Beiträgen ſchon im erſten Bande ©. 264 vonder Weiffagung zur brandenb. Geſch. davon vorkommt, P.allg. preuß. Geſch. 3 Th. Ce ſt Zoachim 2 in Europa gehabt, verſchafte ihm den Beinamen des deutſchen eft rs x), und tie Gnade, die er jedermann erwies, machte, daß man ihn zu ſeiner I5S7I. u sc Me — — —— | Aubang er Merggrafen Sodann von Cüſtin a ze DEE fi‘ 2 82. Marggraf - KU Der Matggraf Sohann von Cuͤſtrin Sat i in dee Gefchichte feiner Zeie ei einen Sohanns ge: ERST erheblichen Einfluß. Ein groffee Theil der brandenburgifchen Staus burt und erzie⸗ RS: a ten verdankt ihm die eingeführte Kirchenverbefferung, und bey allen Reichs ſten Handlungen in der Geſchichte Joachims 2, wegen der genauen Verbindung ders felben mit der Regierung feines Herrn Bruders, unſern fefern bekandt gemacht; ſo ſcheinet es doch noͤthig zu ſeyn, dasjenige, was den Marggrafen Johann betrift, noch⸗ mals kuͤrzlich zuſammen vorzutragen. Dieſer Prinz war ein Sohn Churfuͤrſt Joa⸗ chims ı von Brandenburg und der koͤniglich daͤniſchen Prinzeßin Elifabeth. Ber ward zu Angermünde-an der Oder den zten Auguſt 1sı3 zwifchen drey und. vier Uhr Bormittags geboren. Er genoß. mit feinem Bruder dem Churprinzen die befte Erzies hung. Sowol in den Wiffenfehaften als in ven Waffenäbungen hatte er die beften tchrmeifter. Selbſt fein Here Vater Churfürft Joachim ı und deſſen Bruder der Cardinal Albrecht unterzogen, fid) der Bildung Diefes Prinzen. . Seine Frau Mutter Eliſabeth gab ihm die erften Eindruͤcke von dem Lehrbegrif des Luthers. Er ward früh zu Staatsfachen gezogen. Schon 1521 nahm ihn fein Herr Vater auf den Reichs⸗ tag nach Worms mit. Im Jahr 1530 half er die Unruhen in Stendal beilegen. Im Jahr 1532 begleitete er den Herrn Vater, als ſolcher den Churprinzen nach deſſen ruͤhmlichem Feldzuge gegen die Tuͤrken triumphirend in Berlin einholte. Churfuͤrſt Joachim ı bewies feine tiebe gegen ihn. nicht nur dadurch, daß er ihm bie ‚Regierung der Meumarf, des Herzogtums Eroffen und ver brandenburgifchen Befisungen in der Lauſitz vermachte, fondern ihm auch auf, feinem Todtenbette 1535 eben den legten. Seegen ertheilte, welchen er. vem Churprinzen gegeben, und ihn mit demfelben auf gleiche Are zu Beibehaltung der roͤmiſch⸗catholiſchen Religion verband. % 83. Seine vegie: Im Jahr 1535 erbfnete der Tod feines Herrn Vaters unſerm Matgorafen Jo⸗ hann den Weg zum Antritt der Regierung in denenjenigen Laͤndereien, die der gez, Darer ihm zugedacht. . Es wurden zu dem Ende mic dem neuen Churfuͤrſten Joa⸗ im 2 diejenigen Unterhandlungen angeſtellet, welche bey dieſem Umſtande noͤthig wa⸗ ren. angelegenheiten ſtellte er eine erhebliche Perſon vor. Ohnerachtet wir ſeine vornehm⸗ ne RN Andhang vom Marggrafen Johann von Cifkeit. 203 sen. Marggraf Johann machte ſich unter andern anheiſchig, ſich in den etheblichſten Scuͤcken nach dem Churfuͤrſten, als dem Haupt des Hauſes, zu richten, und ohne ſelbigen ſich in Fein Buͤndniß einzulaſſen. Hierauf kam er 1536 am Abend Fabiani und Se⸗ * baſtiani nach Königsberg in der Neumark, und ließ ſich Tages darauf daſelbſt von denen dahin befchiedenen neumärkifchen Ständen die Huldigung ablegen; fo wie folches Bereits am heil. drey Königsrage zu Eotbus von denen laufisifchen Ständen gefchehen, die dem Haufe Brandenburg unterworfen find. Seine Hauptſorge gieng fofort auf die Neligionsverbefferung in feinen tanden, welche er, ohne Ruͤckſicht auf eine Kirchenverfammlung ober deren Sprüche, nach dem Rath der fächfifchen Gottes⸗ gelehrten und dem Mufter der fächfifchen Kirchen, in feinem Antheil beforgte, ohne ſich durch Menfchenfurcht daran hindern zu laſſen, und ohne folche Gebräuche beizubes halten, die die fachfifche Kirche bereit verworfen hatte. Es ift jedoch hiebey freilich von Seiten einiger catholifchen Geiftlichen nicht one alles Murren abgegangen, wie x folches unter andern das Schreiben eines foldinifchen Priefters Erdmanns beweiſet, welches uns Herr D. Oelrichs aufbehalten a). Nach und nach nahmen alle feine Kirs chen das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß an, und eben diefe Neligionsangelegenheis ten befchäftigten unſern Marggrafen in denen folgenden Jahren. Unter andern füchte er bereits 1537 auf der fehmalfaldifchen Verſammlung mit denen Proteftanten wegen der Bedingungen einig zu werden, unter welchen er in den fehmalfaldifchen Bund aufzunehmen fey. Doch wurde dev wirfliche Beitritt noch etwas aufgehalten, weil Georg Herzog von Sachfen, Henrich Herzog von Braunſchweig, und ſelbſt Churs fürft Joachim 2 folches zu hindern ſich bemuͤheten. Die beiden erften beriefen fich auf das halliſche Buͤndniß feines Herrn Vaters, die roͤmiſcheatholiſche Religion beis zubehalten, wozu fich aber Marggraf Johann darum unverbindlich hielt, weil fein Herr Bater von der Wahrheit des ganzen proteftantifchen tehrgebäudes nicht überzeuge geweſen. Joachim 2 berief fich auf ven Vertrag, dag Marggraf Johann Fein Buͤnd⸗ niß zum Nachtheil des Ehurfürften eingehen würde. Dagegen aber antwortete der Marggraf, daß feine Ältern Verbindungen ihn an neuern nicht hindern koͤnten, wofern er fich nur ausdrücklich ausbeduͤnge, gegen den Churfürften feinen Heren Bruder nichts nachtheiliges zu unternehmen. Zu Zeit trat jedoch Marggraf Johann der Erneues tung dee Erbverträge unter den Haͤuſern Sachfen, Brandenburg und Heffen bey. Er fand aber Bedenken, fich in eine neue Erbverbrüdernng, die der Churfürft mit dem Haufe Liegnitz gefchloffen, einzulaffen. Hingegen vereinigte er feine Bemühungen mit Joachim 2, die Rechte des Churhauſes auf Eroffen und die Herrſchaft Zoffen zu fichern, Die auch fo gut von Statten giengen,- daß, da bisher beide nur als ein Un⸗ terpfand bey dem brandenburgifchen Haufe geweſen, folche nunmehro dem Churhaufe Brandenburg eigenthämlich überlaffen wurden. Der Marggraf konte alfo 1538 von denen böhmifchen lehnſtuͤcken ſowol, als auch von denen Neichslehnen fich von Ferdi⸗ wand dem römifchen und böhmifchen Könige belehnen laſſen, welches auch zu Baus Cc2 gen a) Beitraͤge zur beandenburgifchen Geſchichte ©. 20% 204.3 Th. 5 Hauptſt. Neuste Geſchichte von Brandenburg. tzen mit vieler Pracht geſchahe. Nunmehr nahm Johann auf der Verſammlung ven | Proteſtanten zu Eifenach unter denfelben durch feinen: Oefandten zuerſt Sitz und - Stimme, und unterſtuͤtzte Joachims angewandte Mühe, zwifchen beiverfeitigen Reli⸗ gionsverwandten einen: Vergleich zu bewirken, welcher auch 1539 zu Frankfurt zu Stande fam. Die in eben diefem Jahr von dem Churfürften Sonchim 2 angenom ⸗ mene Neligionsverbefferung muſte dem Marggrafen Johann notwendig zu einer wahe ren Beruhigung gereichen, da 1540 „beiderfeitige Kirchen, ſtatt nöger zuſammen zu £reten, ſich in der. That immer: entfernten. Der Neichstag zu Regenfsurg ‚den Marggraf Johann ıs4r beſchickte, hatte Feine beſſere Folgen; ohnerachtet die Aber hand nehmende Tuͤrkengefahr eine beſſere Eintracht der Reichsſtaͤnde erforderte. Marg⸗ Fortſetzung. in die Waffen, um ſolches zu hintertreiben. Marggraf Johann flog deswegen in das graf Johann unterſtuͤtzte den auf dem ſpeieriſchen Reichstage 1542 beſchloſſenen Tuͤr⸗ kenzug nach feinem beſten Vermoͤgen, welcher aber wegen der Uneinigkeiten in Deutſch⸗ land ohne den gehoften Nutzen ablief. Sonderlich war die Verjagung Herzogs Hen⸗ rich von Braunſchweig eine Sache, bie unſerm Marggrafen um fo weniger gefällig feyn Fonte, da er ein Schwiegerfohn diefes Prinzen war. Um fich ſelbſt in Finftige Seiten gegen fo geſchwinde Rriegszüge ficher zu felen, beſchloßz er), in feinem Sande vefte Piäge anzulegen. Er ließ zu dem Ende bereits 1543, nach Haftitii Bericht, von Königsberg in der Neumark fein Geſchuͤtz nach Cuͤſtrin bringen, welchen Ort er zum Veftungsbau am bequemften anſahe. Weil nun die Proteftanten fich ver Wiedereinſetzung Herzog Henrichs 1544 eifrigft widerfegten, und fogar einen Theil ber Koften des gegen den Herzog unternommenen Krieges auch auf Marggraf Johann vertheilen wolten, fo gab dieſer Prinz denen Borftellungen feines Herrn Bruders Ges hör, und verließ 1545 den fihmalfäldifchen Bund. Mic dem cüftrinifchen Beftungs _ bau ward wirklich der Anfang gemacht. Der Marggraf hätte aber. diefes Jahr ber nahe ungluͤcklich ſeyn Fonnen, Er wohnte der brandenburgifchen und liegnitziſchen Wechſelheirat zu Berlin bey, und hielt ben: dieſer Gelegenheit mic Herzog © von Braunfchweig ein Scharfrennen zu Pferde, Beide trafen fo heftig auf einan⸗ der, daß beider Pferde fich in die Hohe baͤumeten. Doch blieb ein jeder auf feinem Pferde figen. Mur fließ hiebey Herzog Wilhelm dem Marggrafen mit folcher Stärs Fe auf den Schild, daß folcher in Stuͤcken brach, und das Speer dem Johann von Cuͤſtrin beinahe in den Hals durchgedrungen wäre. Ehe man wufte, daß dem Marge gtafen dadurch Fein Schaben zugefüget worden, verurſachte dieſer Fall ben der Menge der Zufchauer die äufferfte Beſtuͤrzung. Die Fürften und Herren, welche in grofee Anzahl gegenwärtig, warfen ſich von ihren Pferden, und eilten fogleich herbey, Es legte fich aber die Beftürzung, als man fand, daß alles one Schaben abgelaufen. In denen hierauf erfolgten Kriegeunruhen Fam Marggraf Johann in erhebliche Betrachtung. Sein Schwiegervater Herzog Henrich wagte einen Verſuch, ſich wie⸗ der von feinen fanden zu bemächtigen. Sachſen und Heffen Famen darüber ebenfals kager + Anhang som Marggrafen Johann von Cüfkeit. 205 $ager feines Schwiegervaters, und war eifrigft bemuͤhet, die ausgebrochene Krieges | flamme Durch einen Vergleich zu loͤſchen. eine Bemühungen fielen aber‘ fruchtlos aus. Es kam zur Schlacht worin der Herzog ſelbſt gefangen wurde. Dies war die Sturmglode zu weit geöfferen Unruhen in Deutfchland, wovon jedoch die Mark "Brandenburg befreiet geblieben. In derſelben verglichen ſich beide vegierende Bruͤ⸗ der 1546 wegen der Schiffarth "und Handlung der Staͤdte Frankfurt und Eroffen. Beide befuchten den Reichstag zu Regenſpurg, wofelöft Marggraf Johann den ı2ten May anlangre, Hier bemuͤhete ſich der Kaiſer Earl’s, denfelben völlig auf feine Seite zu ziehen. Er gab ihm die fehriftliche Verficherung, daß er einen Heerszug, blos einige ungehorfame Fuͤrſten zu firafen, vorhabe, wobey aber die proteftantifche Kirche Feiner Gefahr ausgefegt feyn folte. Auf diefe Verficherung ließ fich der Marge graf mit dem Kaifer in nähere DBerbindungen ein. - Er ward Faiferficher Nach und E Feldherr, und machte fich anheifchig, zum Dienft Carls 5 einige Schwadronen News ter zu werben, weil er befonders die Hofnung bekommen, hiedurch zugleich feinem - Schwiegervater die Freiheit verſchaffen zu koͤnnen. Die Gegenvorftellungen feiner Frau Mutter, den Umſturz der Neligion nicht bewirken zu helfen, fanden Deswegen bey ihm Feinen Eindruck, weil er fid) auf das theure Verſprechen des Kaifers — | Die der Gefahr ausgeſetzten fehmalfaldifchen Bundesgenoffen gaben zwar Marggraf Jo⸗ ins Zuruͤſtungen als widerrechtlich an, weil folche gegen feinen Beitritt zum ſchmal⸗ aldifchen : Bunde und gegen die Erbverbrüderung ſtritten. Doc Marggraf Johann ertheidigte fich in öffentlichen Schriften damit: daß der Kaifer feinen Neligionskrieg vorhabe und in der Erbverbruͤderung der Kaiſer ausgenommen fey. Seine Werbun⸗ gen hatten alſo ihren Fortgang. Er errichtete 700 Reuter, die mit dem dazu gehoͤri⸗ gen Troß ſich wol, wie Haftitius berichtet, auf 1000 Mann belaufen haben moͤgen. Hiemit ruͤckte der Marggraf nach Landshut in Baiern, wo ſeine Mannſchaft zum erſtenmal gemuſtert wurde. 300 Mann derſelben dieneten unter Anführung Dietrichs von Quitzow, des Marggrafen Generallieutenants, als Sperreuter. 400 Mann aber unter dem Befehl Achim von Rieben als Archibußirer. Ohne den branden⸗ burgiſchen Adel fochten drey Zürften Georg Herzog von Braunfihteig und Albrecht and Georg Herzoge von Mecklenburg unter Marggraf Johanns Fahnen, in wels chen fich die Worte befanden: gebet dem Kaifer, was des Kaijers iſt, und Gotte, was Gottes it. Seine Völker flieffen den ısten September zum Faiferlichen Heer, wel es aber zu ſchwach fich befand, anfänglich gegen die weit färfere proteftantifche Macht etwas erhebliches auszurichten. Das Gluͤck der Tegtern brachte fogar 1547 bie nder des Marggrafen in ziemliche Gefahr, bis die Schlacht bey Muͤhlberg die Ges falt der Sachen gänzlich veränderte. Durch den vom Katfer hier erhaltenen Sieg ſahe fich) der tandgraf von Heffen unter andern genöthiget, des Marggrafen Schwie⸗ gerbater Herzog Henrich von Braunſchweig auf freien Fuß zu fegen. Jedoch der 3 Kaifer war nunmehro zu übermächtig geworden. Er that auf dem Neichstage zu Mes gepurs welchen Marggraf Johann in Perſon beſuchte, was er wolte. Unter Ce⸗ andern 206 3%. 6 Hauptft: Neuere Geſchichte son Brandenburg. andern glaubte er 1548 Im Stande zu fen, denen Proteſtanten das Interim aufzudringem Marsgraf Johann widerfegte fich jedoch dieſem Anſinnen auf das ſtandhafteſte, und erfuchte den Kaifer, in Gegenwart bes römifchen Königes, im dieſem Stück feiner zu ſchonen. Er habe, fügte Johann, im letztern Kriege vor den Kaiſer alles moͤgliche ge than, und wuͤrde ſich ‚nie mic ihm in ein Buͤndniß eingelaſſen haben, wenn Carl 5 ihm nicht die Verſicherung gegeben, daß die evangeliſche Religion keiner Gefahr aus geſetzt werden ſolte. Der Kaiſer ſchuͤtzte zwar vor: daß das Interim durch den Sch us des ganzen Neichs genehmiget fey, und daher niemand davon abgehen koͤnne Aber der Marggraf hielt dagegen dem Garl fein ehemals gegebenes Wort vor, und zeigte, - daß nicht alle Neichsftände eingewilligee hätten. Wenn der Herr von Ludwig b) ſich in ſeiner Erzaͤhlung keiner redneriſchen Schmuͤcke bedienet hat, fo ergrif er eine a m dem Tiſch liegende Feder, und brach in die Worte aus: Tieber Blut als Dinte, Dir fe Standhaftigfeit, die durch nichts erfchlittere werden Fonte, machte daß der Kaifer ihm ſelbſt, abzureiſen, anrieth, damit ſein Beiſpiel mehrere Staͤnde nicht zu gleicher Widerſetzlichkeit vermögen möchte. Marggraf Johann machte wirklich nach feiner Zuruͤckkunft Feine Anftalt, das Interim in feinen fanden einzuführen, beſonders da auf fein Befragen auch Melanchthon fein Misfallen darüber zu erfennen gegeben 0). b) Orat. Iubil. | c Rentſch hat im Cedernhayn ©. 446 davon “folgenden merkwürdigen Bericht: „Im Jahr 1540 (folte 1548 heiffen) hat er, wegen der vom Kaifer Esel s und eömifchen Könige Serdinand 1 zugemutheten Accommodirung zu dem Interim, von Mitwoch nach Judica an, bis den erſten Son; tag nach Trinitatis, mit guten und rauhen Wor⸗ ten grofle Anfechtung gehabt, und feynd noch uns terfchiedene zufammen . getragene. nachdenkliche, wohi und gruͤndlich ausgeführte Schriften und ver⸗ wahrende Proteſtationes vorhanden, die damalen zwiſchen beeden Maj. Maj. und dieſem Herrn Marggrafen gewechſelt worden. Vornemlich iſt durch Johann Eisleben churbrandenburgi⸗ ſchen Hofpredigern, als Unterhaͤndlern, dis fals ſehr an ihn geſetzet worden, der ſich operofe hier⸗ unter bemuͤhet, aber endlich mit diefer Antwort abgefertiget worden: Seine Hochfuͤrſtliche Gna⸗ den koͤnten in Ihrem Gewiſſen nicht ſchlieſſen, daß es recht waͤre, was darinnen enthalten, worbey Sie einen und andern Artickul in ſpecie ſehr wohl beruͤhret und beſchloſſen: Er (der Eisleben) haͤtte bisher Chriſtum geprediget, ſey ber Schrift gewaltig und genugſam verſtaͤndig. Wolte ihn ermahnet haben, daß er ſich zum Abfall, weder Reichthum, Gnade, Gunſt, noch anders nicht wolle bewegen laſſen, ſondern ſeinen Chriſtum oͤffentlich bekennen. Denn es ſtuͤnde geſchrieben, wer mich bekennet vor den Leuten, den will ich auch bekennen vor Gott meinem himmliſchen Bas ter. Wer mic) aber verleugnet vor dem Leuten, den will ich auch verleugnen vor Gott meinem himmlifhen Vater. Ingleichen. Wer Bater und Mutter lieber hat denn mich, der ift mein nicht, werth. Solte fich vorfehen, daß ihn der Spruch nicht treffe, daß Gott das verwahrlofete Blut aus feinen Händen fordern werde. König Ferdinand ı hatte deswegen unterfchiedliche münds liche Borträge im Namen Kaiferl. Maj. gethan; Allein der beftändige Bekenner antwortete theils mündlich, theils in Schriften. Er wolte nicht gern das einräumen und willigen, welches wider Sort, fein H. Wort und Gewiſſen wäre, - Ihro, da fie zu Kaiferl. Maj. Kriegsdienften ſich beftellen laſſen, die hohe Zufag gefchehen, daßman - fie bey ihrer Religion wolle bleiben laſſen. Sei— ne Hochfuͤrſtliche Gnaden vermochten oder koͤnten su diefer Zeit, auch zu Errettung ihrer Confeienz und Gewiſſen, ja nicht weiter. Solten fie nur darüber, daß Sie über Ihr Gewiffen zu diem: mahl zu_folhem Interim nicht weiter fehreiten fönten, damit Ihr Kaiferl. und Koͤnigl. Maj. Unhuld auf fic) geladen haben, muͤſten fie es Gott Befehlen, und fich darneben Ihrer Unſchuld und Unverdienftes getröften. Es wäre eine Sache, x die Seel und Seeligfeit betreffe, daruͤber nicht der Welt, ſondern Gott allein zu urtheifen und zu richten zuftünde. Es fey eine Sache, die Sei; ner Fürftlichen Gnaden nicht das Zeitliche, ſon⸗ dern Anhang vom Marggrafen Zohan von Cüftein. 207 Das 1549 fich nähernde Ungewitter Über die Stadt Magdeburg gieng ihm ungemein zu Herzen, und er wiirde 1550 diefem Ort vielleicht Huͤlfe geleifter Haben, wenn ihn der Churfürft bey einer Zufammenfunft zu Angermünde davon nicht abgehalten Hätte. Doch war er muthig genug, nad) dem Tode George von Blumenthal die geoffe Walk fahre nach Goritz, im fternbergifchen Bezirk, völlig abzufchaffen und zu unterfagen, Die Stadt Magdeburg erfuchte ihn noch ısst, ſich ihrer anzunehmen, und genoß- dadurch feiner Borfprache mit Nutzen. In dem neuen gegen den Katfer 1552 ausger brochenem Kriege erflärete fich der Marggraf nicht öffentlich gegen den Kaifer, feine wahren Geſinnungen aber blieben nicht zweifelhaft. Churfürft Mori von Sachfen nahm ihn daher als Buͤrgen vor den gewefenen Churfuͤrſten Johann Friedrich an, da beide Herren zu Augfpurg einen Dergleich machten. Marggraf Albrecht hatte fogar 2000 Mann neumärfifcher Kriegsvölfer unter feinem Dberbefehl, deren er ſich befonders gegen die Stadt Nürnberg bediente. Er half alfo in ver That auf eine doppelte Art den paflauifihen Vertrag bewirfen. Seine Völker flöfferen in Felde den herteften Catholiken Sriedensgedanfen ein, deren Bedingungen feine Gefandren in Paſſau vorteugen. Er felbft kam nachmals an diefen Unterhandlungsort, und ges noß nebft einigen andern die Ehre, die Mittelsperfon eines Vergleichs zu werden, wo⸗ durch die Freiheit und die Religion gefichert wurden. In diefem Frieden wurde ihm nebſt andern auch das Mitleramt zwifchen dem Herzog Henrich von Braunſchweig und feinem Adel fowol, als den Städten Braunſchweig und Goslar aufgetragen. Er ſuchte auch auf einer Verſammlung der Geiftlichen, die er zu Cuͤſtrin Halten lief, Oſia erregte Streitigkeiten zu eroͤrtern. Seine Voͤlker, die bey Marggraf Al⸗ brecht auch nach dem paſſauiſchen Vergleich geblieben, kamen nachher, da ſich dieſer Prinz mit dem Kaiſer verglichen, in Carls 5 Dienfte, und wurden in der ungluͤckli⸗ chen Belagerung von Meg gebraucht. Doch auch Marggraf Albrecht ſtuͤrzte fich in Unglück, da er 1553 in Deutfchland neue Unruhen erregte. Weil in der Schlacht. bey Sievertshaufen zwey Schwäger Marggraf Johanns auf dem Platz geblieben, fo war.der erfehlagenen braunfchweigifchen Prinzen Schwefter nicht zu bewegen, den - Marggraf Albrecht vor ſich zu laſſen, als fich folcher bey Marggraf Johann einfand, um neue Unterftüßung gegen feine Feinde zu befommen. Alles, was Marggraf Jo⸗ hann vor ihn. chum Fonte, ‚beftund darin, ihm Nuhe zu verfchaffen. Es gelung fol ches aber nur zum Theil, Johann Half den neuen Churfürften von Sachfen mie dem Marggrafen ausföhnen, die übrigen Feinde vertrieben jedoch den Marggrafen 1554 von and. und feuten, welches Johann um fo weniger Hindern Fonte, da ihm durch die dern das Emige und Hoͤchſte anlangete, als nem⸗ gen nicht, gegen wen Ste. ihr Gewiſſen und Sees lich Ihre Seel und Seeligkeit. Und nicht allein len⸗Heil ſonſten zu verrechten hätten, dann allein Ihre ſondern auch zu forderſt Ihrer armen Uns gegen Gott. Mit welchem Heldenmuth Sie denn terthanen, zugleich mit betreffe. Seiner Fuͤrſt⸗ dero Vettern Marggraf Georgen nachgeahmet, und lichen Gnaden wären alda, derer Leib und Vers, nicht weniger Ruhm, als ſelbiger, verdienet Hierauf mögen zu Ihrer Majeft. Händen, und deffen Sie haben Sie durch Ihren Rath D. Albums (beffer Als zu jederzeit mächtig, darüber Ste auch mit hoͤch⸗ binum) eine Proteftation: Schriftan das gefamte, ſten Treuen gehorfamen wolten, Wüften im uͤbri⸗ Reich übergeben, und den Ausgang Gott befohlen, ” Beſchluß. 508 32h.6 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. bie Reichsacht und die kaiſerlichen Abmahnungeſchreiben die Hände gebunden waren { Er Half aber durch eifriges Bemühen beim Kaiſer und roͤmiſchen Könige es dahin beim gen, daß diefer Sachen wegen zu Rothenburg Unterhandlungen geflogen wurden Er wohnte denenfelben nebft dem Churprinzen perfünlich bey. Sie zerfehlugen fich aber fruchtlos. In eben diem Jahre hatte er Streitigkeiten mit dem Bifchof von Po⸗ fen, der verlegene Anſpruͤche hervor füchte. "Dagegen half er die Erbverbindungen zwiſchen Brandenburg, Sachfen und Heffen 1555 erneuern, und die Irrungen mit den roͤmiſchen Könige Ferdinand wegen Eroffen völlig aus einander fegen. Im Stift Lebus ward durch feine Mitwirkung fein nachmaliger Schwiegerſohn Marggraf Joachim Friedrich zum Biſchof erwaͤhlt. Den augfpurgifchen Reichstag beſchickte er durch Gefandte, durch welche er ſowol den Religionsfrieden fehlieffen, als die Rechte feines Haufes gegen die fränfifchen Einigungsverwandten vertheidigen half. ben dieſes feßtere gefehahe 1556 von ihm durch Gefandte auf dem Neichetage zu — * worauf 1557 der Marggraf Albrecht mit Tode abgieng. Der Veſtungsbau zu Euſtr : wurde fortgeſetzt. Marggraf Johann lieg auch Peitz in haltbaren Stand fegen. Alles diefes verurfachte Koften. Cr mufte folglich auf die Beibehaltung und Vermeh⸗ rung feiner Einkünfte bedacht feyn. Beil ſich nun Matzke von Borck der Aceiſe in der Stadt Falckenburg feyon feit einigen Jahren widerſetzte; fo 509 der Marggraf dies fen Dre ein. Als diefe Abgabe ehemals veftgefegt wurde, hatte die Neumark dem Ehurhaufe eine Summe vorgefchoffen, und es war die Acciſe deswegen in dieſer Pros vinz nicht gehoben. Marggraf Johann zahlte das vorgefchoffene Geld davor wieder aus, und führete die in der ganzen Mark veſtgeſetzte Acciſe wieder ein. Der von Borck wurde alfo durch feine Widerfeglichfeit ftraffällig., Gegen Gehorfame beivies ſich der Marggraf gnädig. Das fogenannte neue Jeruſalem ſamt dem Heiligen Grabe ben Königsberg in der Neumark ließ er abbrechen, und davon zu beſſerm Gebrauch eine Schule erbauen. Der Stadt Dramburg fehenfte er ein’ Klofter, und erlaubte denen von Wedel, fich darin ein Schloß aufzufuͤhren. Im Jahr 1558 wurden endlich ie fraͤnkiſchen Unruhen durch den Vergleich zu Wien beigelegt, wozu Marggraf Jo⸗ hann anfänglich durch Bevollmächtigee, nachmals aber in eigener Perfon mitwirken half. Cr vermälte ſodenn feine aͤlteſte Prinzepin an den Märggrafen in Franken Georg Friedrich, wobey er mit Joachim von Bredow ein Scharfrennen hielt, Si: Re | Julius, der einzige Äbrige Prinz Herzog Henrichs von Braunfchiweig, hatte nach angeneinmenem Lutherthum fich nicht ferner getrauet, an dem Hofe feines Herrn Baters zu bleiben. Er flüchtete zu feiner Fran Schwefter nach Cuͤſtrin, doch ver» fehafte ihin Marggraf Johann 1560 die Gnade feines Vaters wieder. Im Jahr 1s6r beſchickte er die Berfammlung der Proteftanten zu Naumburg, wo er fie) in denen Streitigkeiten der evangelifchen Gottesgelehrten zwar gut lutheriſch erklaͤren ließ, jedoch alle diejenigen zugleich vor gute Lutheraner anfehen wolte, welche fich öffentlich zum auge ſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß hielten. Bey dem allen wolte er aber in feinem lande r — —— er 5 y Anhang vom Marggrafen Johann som Cuͤſtrin. 209 dnps ‚Reformirten dulden: Er bekam in dieſem Jahr ſchwere Verdruͤßlichkeiten mit Denn weil der Caſtellan von Krone mit gewafneter Hand in feine Lande ge⸗ fallen, ſo ließ er ſolchen ebenfals mic Gewalt aus feinem Wohnfchloffe gefaͤnglich abho⸗ Jen. Um jeboch den Ausbruch eines Krieges: zu hindern, ſchenkte er dem Gefanges nen, nach * Berficherung; Die Serie wieder, und die nahe Berwanvefchaft des Ebniglich polnifchen und churbrandenburgifchen Hofes machte, daß dieſe Streis tigfeiten liegen blieben. ı Den Wahltag Marimiliong 2 beſchickte der Marggraf 1562 | durch feinen Kanzler. Dem Heer Herzog Erichs von Braunſchweig fehlug er den ER - gefüchten Durchzug durch feine tande 1563 ab. Um der Sache einen Nachdruck zu ges ben, 309 Johann feine’ ganze Macht zuſammen, und ließ das ſchwere Geſchuͤtz von Cuͤ⸗ ſtrin nach denen pommeriſchen Grenzen abfuͤhren. Er kam in Perſon nach Koͤnigs⸗ berg in der Neumark, woſelbſt er einige Werke anlegen, und ſeit dem zıften Aug. das ſchwere Geſchuͤtz von Zeit. zu Zeit abfeuert ließ, um denen vorbeiziehenden Voͤlkern zu zeigen, daß er. beftändig;. fie: zu empfangen, im Stande ſey, wenn ſie in fein Gebiet Streifereien vornehmen wolten. Er ſicherte hiedurch feine Lande, bis Erichs Heer in Dinterpommern eingetroffen. > Eben fo verhielt er ſich auch bey. dem Zurückjuge dieſer Kriegsvölker. 1564 ließ erden Beftungsbau in Cuͤſtrin und Peis fortſetzen, an beiden Or sen die Borrachshäufer füllen, und gegen die Ausreiſſer nach den Umftänden ihres Verbre⸗ chens mit gehdriger Strenge verfahren. Mic dem Betragen der Stadt Franffurtwarer misvergnuͤgt: und weil er folches dem Bürgermeifter Albrecht Wins zuſchrieb; ſo ward ſelbiger 1565 von ihm vogelfrey gemacht. Dem Herzoge Johann Albrecht von Mecklen⸗ burg rieth erpgegen die Stadt Roſtock Gewalt zu brauchen, wie ſolcher wirflich that. Ges gen den Herzog Johann Friedrich den mittlern von Gotha verfuhr man 1566, nach feiner Meinung, mil gar zu groffem Eifer, und er fchien nicht abgeneigt zu ſeyn, etwas zum Beften der erneſtiniſchen linie zu unternehmen. Ex ließ daher 1567 ſchleunig allerhand Zuruͤſtungen machen, in den Städten und Dörfern Ruͤſtwagen verfertigen, Soldaten werben, und Peitz mit einer ſtaͤrkern Befagung verſehen. © Doch brachte ihn eine Fais ferliche Gefandefchaft und die unvermuthete lebergabe von Gotha auf andere Gedanken. Er beſchickte daher den diefes Krieges wegen gehaltenen Reichstag zu Regenſpurg. Bei⸗ nahe aber wäre er 1768 mit dem Faiferlichen Hofe zerfallen. Wir haben bereits weicläufig Berichtet, daß der ungehorfame Heermeifter von Sonnenburg, Fran; Neumann, zu jiweienmalen ausgetreten, und die Flucht in des Kaifers Erblande genommen. Margs graf Johann beſtrafte diejenigen mit vieler Strenge, welche ſich verdaͤchtig gemacht, daß fie zu dieſer Flucht behuͤlflich geweſen. Vom Kaiſer verlangte er die Auslieferung des Franz Neumanns, und weil man nicht voraus ſehen konte, zu was vor Irrungen dieſe Sache Gelegenheit geben fönte, fo ließ der Marggraf zu Cuͤſtrin allerhand neue Beveſtigungswerke von Steinen auffuͤhren. Es ſchien ſolches um ſo viel noͤthiger zu feyn, da an den bisherigen Werken das Waſſer manchen Schaden gethan 7). Seine Klug⸗ 9* — hat davon S. 443 ſolgendes WRgepüheet: „Anne 1537 hat er he reifer Ueberle⸗ "PD. allg. preuß-Befch. 3 Th. \ Dd gung; 210 3 %.'6 Haupeft: Neuere Geſchichte von Brandenburg, — Klugheit und fein bewieſener Kriegsruhm gab Gelegenheit, daß der Marggraf 1569: vor | Könige Philipp 2 die Beftallung eines Raths von Haus aus annahm, wobeny er aber ſowol vor die Sicherheit feiner tande, als auch feiner Bundesgenoffen, feines Kaifers und feiner Religion beforgt war. Um nichts bey der Tegtern zu verabfäumen, ernannte er den Georg Chleftin zum Dberaufjeper aller Kirchen feiner‘ Sande. ¶ Im Yabe sro beſchickte er den Reichstag zu Speier, und vermälte feine jüngere Prinzegin Cathari⸗ na mic feines Bruders Enkel Joachim Friedrich) Marggrafen von Brandenburg. % N ar BR rt un, RT a en Sein tod und Marggraf Johann hatte bereits lange vorher ſich zu dem Abſchiede aus der Welt begraͤbniß · vorbereitet. Er hatte ſich ſelbſt feinen Begraͤbnißort in der Pfarrkirche zu Cuſtrin vor vielen Jahren erbauen faffen, und in feinem letzten Willen diefem Gorteshaufe ein am ſehnliches Vermaͤchtniß beftimme. Er hatte bereits einige Jahre eine Fiſtel an dem linfen Schenkel gehabt, Dieſe verftopfte fih 1570. Um denen daraus zu beforgenden Uebeln vorzufommen, bedienete er fic) eines Geſundbrunnens. Der Churfürft Zoa⸗ chim 2 misrierh ihn diefes Huͤlfsmittel, und verfprach vier Tage vor dem Ableben des Ehurfürften, daß er den Marggrafen in der folgenden Woche befuchen wolte · Johann antwortete dem Churfürften, daß er den ızten Jan. 571 ihm zufprechen würde. Allein in der Zeit änderten fich die Sachen ungemein. Der Ehurfürft ſtarb den zten Jan. gang unvermuthet. Die traurige Botfchaft Diefes Todes mag die nächfte Urfache gewe⸗ fen feyn, daß auch Marggraf Johann gleich darauf das Bette zu hüten gezwungen wur ve. Seine Gefiundheitsumftände verfchlimmerten fich zufehends, er merkte die Anna herung feines Endes, und bereitete fich unter dem Beiftande des Georg Coͤleſtins mie vielem Eifer. Er bedienete fich zufeßt des MNachtmahls des HErrn, und unterhielt feis ne troftreiche Hofnung durch verfehiedene Sprüche der heiligen Schrift, fonderlich durch den zuften Palm, Endlich befchloß er. den 1zten Jan. fruͤh zwifchen s und 6 Uhr an einem Stecfluß, unter dem Ausruf: HErr, in deine Hände befehle ich dir meinen Geiſt; fein geben. Bey der Defnung feines entfeelten Körpers fanden die Aerzte einen 1 — ſar⸗ an die Veſtung zaͤhlet, und hat Leuthinger ſolche er In sung, vie viel in Kriegeszeiten an groſſen Waſſer⸗ flüffen gelegen, und wie Freund oder Feind folche zu ihrem Vortheil gebrauchen Eönnen, die hochvor⸗ treflihe Veſtung Eiftein zu bauen angefangen. Nachdem er aber wahrgenommen, nie das Waf: fer die von Erde geführte Werkejährlich befchädige, bar er gar Elüglich befohlen, daß die Werke auffen mit Dauerfteinen aufgeführet, und das Fundament fo ſtark angeleget worden , daß die Bruſtwehren oben von 15 bis 16 Schuh dicke feyn koͤnnen. Ge gen das Land fehen ſtarke Bollwerfe heraus. Die Oderfeite ift mit ausgebrochenen Flanguen- ver: wahrer: alles ift mit Contraminen und die Bolk werke in’ denen Flanquen mit Caſamatten, oben aber, wo e8 noth gewefen, mit Cavalliren verfehen. Bon Frankfurt her ift ein-Damm, drey Viertel einer Meilen lang, auf dem man 36 Brücken bis gefchtsftihe Anordnung ‚opus aeternum, ein ewi⸗ ges Verf, zunennen gewürdiget, Vorher ift Ei: ftzin eine neumärkifche Landftadt gemefen, und hohen Cuͤſtrĩn genennet, auch Anno 1373 von Kai⸗ fer Carls 4 Herrn Sohn, König Wenceslao, ale damaligem Marggrafen zu Brandenburg, zu Strausberg am Tage Auguftini mit neuer Con: firmation der, Privilegien begnadiget worden, un: ‚ter denen fich abjonderlich befindet: Priuilegium de non auocando, und Daß die Bürger nicht aus der Stadt vors Gericht geladen werden dörfen, Aber diefer kluge Fürst hat feine Reſidenz noch mehr verherrlichet, und, wie erft erzahlet worden, die Be: fungsgebäude, auch inwendig ein herrliches Nefi: denzichloß, jo ganz mit Kupfer gedecket, dann drey anſehnliche Zeugheuſer mit groſſen Koften erbauet. — Anhang vom Marggrafen Johann won Chfkei © zur en Blaſenſtein von der Gröffe einer Bohne. ' Das Herz war eingefehtumpft, und & en Oefnung floß ein ſehr ſchwarzes Blur Heraus. Sein Vetter md Nachfolger in finemStaaren, Churfuͤrſt Johann Georg; ließ feinen teichnam mic aller en | re * Br in die von ihm erbauete Gruft zu Cuͤſtrin beifegen ey Y — 30 fer 4. 87. un@pgatte ſich * mie e Catharina, Herzog Henrichs des jüngern von Braun⸗ Seinegema; Khıneig, Wolfenbüttel Prinzeßin Tochter, vermäle. . Nach) ihres Gemals Tode befam fir und kinder. fe Croſſen zum Witwenfis, woſelbſt fie im 'sgften Jahre ihres Alters den ı6ten May \ 2524 geftorben iſt · Der Churfürft Johann Georg ließ fie. von da durch Frankfurt, wofelöft ihre Seiche mit vieler Pracht eingeholet wurde, nach Cuͤſtrin bringen, und ihre Gebeine an die Seite ihres Cheheren beifegen. ihre anfehnliche Säge und Koſtbar⸗ keiten erbten ihre beiden Prinzeßinnen f). Es waren ſolche: 7. Elifabeth, geboren den ꝛoſten Auguſt 1540. Sie ward vermaͤlt nach den: Weih⸗ wethtsfelertagen 21558 den 2gften Dec. an Marggraf Georg Friedrich in Franken. Sie ſtarb ohne Erben i578 den sten Merz ohnweit Warſchau auf ihrer Reiſe nach Preuſſen, und ihre Gebeine wurden in der ——— zu —— in Preuſſen den egten Merz beigefest g). 28) Eatharina, geboren den soten Aug. s I541, vermäle dengten J Sant, 1570 mit Joa⸗ him Friedrich nachmaligem Ay u —* en —* zit * J Ain den zoften September un *— re ee. SE * * Marggraf Johann iersarbfich durch ———— Sie —— des ee Weifhr Seine eigen: —— auch Deutſchlands Auge und Rath. "Von feinem Wohnſitz wird er mei⸗ ſchaften. von Cuͤſtrin genannt, Er war in den Waffen geist, und pflegte‘ rn ch ner zu turnieren. Sem Tapferkeit bewies er fonderlich im ſchmalkaldiſchen Kriege, und durch ſelbige ſetzte er ſich bey allen Benachbarten in Achtung. ich von Braunſchweig getrauete ſich nicht/ feine Sande mit einem Kriegsheer zu befreren. Polen unterſtand ſich nicht, die Gefangennehmung des Caſtellans von Krone A rächen, und jedermann war zufrieden, daß et in dem magdeburgiſchen und gothai⸗ hen Kriege nicht zu den Waffen grif, auch die Irrungen mic dem Käifee Maximilian 2, wegen der Aufnahme Franz Neunanns, nicht zum’ Kriege ausfehlugen. Croſſen und‘ Peitz Haben hin ihre Veſtungswerke zu danken. Er überlegte alle Sachen reiflich und weislich/ und fuͤhrete feine Rathſchlaͤge ſodenn ohne alle Furcht init Standhaftigkeit aus. Franz Neumann und fine Anhaͤnger forvol, als Matthias Borck und andere, erfuhr 20 feine Sfeengejidie er in manchen Stücken uͤbertrieb. Er war ein ſparſamer Hauss hälter der Stäatseinfünfte, und ſammlete erhebliche Schaͤtze. Er bedienete fich der ge’ men wa eines Hieronymi von Buchholz, J Siegundsan von Schlichting — a Yun Wolf e) ——— ie Rentſch Kenfihil, ſtellt zu Eäftein — — Bapti⸗ f) Leuthinger. ſtaͤ 1588. Im Leuthinger p. 731 iſt fie falſch Rentſch. Renſchel. Herr Jung Miſe. Catharina genannt. p. Pr349. Er ſagt: der Heiratsbrief iftausge: 5) Garzaͤus. eg 212. 33.5 Hauptſt. Neuste Geſchichte won Br erben Wolfgangs von: Benckendorf und anderer mehr,. vegierete-aber durch ſich ſelbſt. E R beförderte verdienſtvolle Leute, ohne darauf insbefondere zu ſehen/ ob jemand von. Adel ſey, oder nicht. Sein Auge ſahe, fein Ohr hoͤrete alles ſelbſt an. Er pflegte: verkleidet herum zu reiſen/ um hinter die Wahrheit zu kommen. Einsmals kam er un⸗ bekandter Weiſe im ſternbergiſchen Bezirk in ein Wirthshaus. Hier ließ er ſich mit der Wirthin in ein Geſpraͤch ein, und erkundigte ſich, wie fie mit dem tandesheren zufrie⸗ den waͤre? Da ſolche ihn nicht kannte, fo beſchwerete ſie ſich ſehr uͤber die koſtbaren Gebaͤude, die er auffuͤhren ließ, und uͤber deſſen Habſucht. Sie klagte, daß ſonderlich durch die Acciſe der Unterthan ſehr mitgenommen wuͤrde · Ohne einen Verdruß mer⸗ ken zu laſſen, ließ er den Edelmann des Orts einen Herrn von Loben, ‚u ſich rufen. Wie heftig erſchrack die Wirthin, da ſie bey deffen Ankunft wahrnahm, daß fie mit ih⸗ sem Landesherrn ſelbſt geſyrochen. Sie befuͤrchtete das uͤbelſte fiel dem Marggrafen zu Fuͤſſen, und bat um Gnade. Der Prinz war aber viel zu großmuͤthig * als daß er fie ihre Unbeſonnenheit ſolte empfinden laſſen. Er richtete ſie vielmehr auf, und ließ ſich verlauten: ſo deutſch, als fie, habe noch keiner von: ſeinen Raͤthen geſprochen. Der | Marggeaf hoͤrete alſo ſeinen gemeinſten Unterthan eben ‚fowol, als ſeine Staatsleute/ an. Er gab denen fremden Geſandten Gehoͤr und Antwort, und wohnete auch dem Gericht bey, wo er die Gerechtigkeit ſchleunig und; eifrig handhabte. Seine Zeit hatte er ſehr ſorgfoͤltig eingetheilt. Etliche Stunden brachte er mit Gebet und keſung der heiligen Schrift zu; in andern beſchaͤftigte er ſich mit ſeinen tandesregierungsangelegenheiten ; | und nod) andere widmete er den auswärtigen Staatsgefchäften. Leuthinger gefteher, daß er überall geliebt und ‚gefürchtet. worden ‚und daß ihn feine Unterthanen erſt recht vermißt, da ſie ihn verloren hatten. Er vermehrete feine lande mit den Herrſchaften Beſeckow und Storckow, welche von ihren. Beſitzern am die Biſchi terpfaͤndlich abgetreten, und von diefen dem Marggrafen J waren. Beide Herrſchaften ſind nachmals mit der Mark Brandenburg vereiniget wor⸗ den. Die groͤſte Wohlthat, fo Marggraf Johann ſeinen banden erwies war bie Ein⸗ führung der Kirchenverbefferung, worinnen er fihleuniger, . als fein Herr Bruder, zu Werke gieng. Die Denkungsart beider Brüder; war ſehr verſchieden. Der Chunleft liebte, Pracht und Aufwand, der Marggraf-die Sparſamkeit; der Churfoeſ war freigebig bis zur Verſchwendung / der Marggraf ein genauer Wirthʒ der Churfuͤrſt bes | hutfam/ der Matggrof Higigs. der Churfürfk biegſam, der Marggraf aumveränperlich? der Churfuͤrſt ließ ſich von feinen Lieblingen, beſonders zuletzt, regieren der Marggraf war fein eigener Rath; der Churfuͤrſt ſahe mehr, auf das Aeuſſerliche der Marggraf auf das Weſentliche. Dieſe verfchiederie Denkungsart verurſachte zu manchen Zeiten Kaltſinnigkeit unter beiden Herren, welche doch niemals in eine Feindſchaft ausbrach 5 Rn vielmehr auf einen Ziveck; ı Welcher das Wohl des Landes und der Nach⸗ | * folge * — auf verſchiedenen —* er wu Vortheil. | ! ni Det neuern Gbecſchichte von elite ee Haupt ſtuͤck. Von der Regierung 4 des Churfürſen Johann George. Dd 3 zum) HN l — u ES A 2 ewe: Shurfüch Zohan Se 16 6. 809. Bi: Dir den doppelten Todesfall des Churfürften Joachims 2 und Johann Ge⸗ Marggrafens Johann von Cuͤſtrin kamen die ſaͤmtlich a —— urnar Brandenburg gehörige Sande an ven bisherigen richtungen. Churprinzen Johann Georg. Joachims 2 erfte Gemalin | Magdalena von Sachfen' brachte felbigen den ırten Sept, Ar 1525 um ein Uhr Nachmittage zur Welt. Im arten Jahre — werd dihm Magiſter Nicolaus Meifter zum tehrmeifter verordnet, und vom Churfürften dem Tegtern aufgetragen, den Prinzen in der Grundlehre des Chris ſtenthums zu unterrichten, zur $efung der heiligen Schrift anzubalten, die damals in Staatsfachen nothwendige lateinifche Sprache ihn beizubringen, ihn in der Vernunft⸗ lehre, Beredtſamkeit, den Alterthuͤmern und der Geſchichte zu unterrichten. Bald darauf ward Barthel Rademann vom Churfuͤrſten befehliget, dem Prinzen fo vi _ Unterricht in der Nechtsgelehrfamfeit zu geben, als er nöthig habe. Zu gleicher Zeit . | 2 ward ber folgende brandenburgifche Prinz Friedrich und ein medlenburgifcher Prinz J wit dem Churprinzen erzogen, auch alle drey auf die hohe Schule nach Frankfurt ge⸗ ſchickt, wo ſie unter der Aufſicht der groſſen Maͤnner ihrer Zeit Georgii Sabini und ve die Wiffenfchaften trieben. Der Churprinz erwies der hohen Schule die x 216 3 Ch. 7 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 9— die Ehre, das ihm angebotene Rectoramt zu uͤbernehmen. Mit feinem Herrn Vater nahm er zugleich das augſpurgiſche Glaubensbekaͤntniß an. Im Jahr 1545 vermälte er fich zum erfienmal mit. der liegnitziſchen Prinzeßin Barbara. Im fchmalfaldisr - fihen Kriege 1546 that er als Freiwilliger bey dem Eaiferlichen Heer Kriegsdienfte, wo er in dem fager an der Elbe 1547 von Earl 5 zum Nitter gefchlagen wurde. Noch in diefem Jahr fehritte er zur zweiten Vermaͤlung mit Sabina, Marggraf Georgs des Feommen von Anſpach Tochter. Im Jahr 1552 begleitete er feinen Bruder Fries drich, als folcher vom Hochftift Magdeburg Befis nahm, und als nad) Friedrichs Zope fein jüngfter Bender Marggraf Siegmund gewählet war, begleitete er auch dies - fen in fein Stift. In eben dem Jahr verfchafte er feinem älteften Prinzen < chin Friedrich das Stift Havelberg, und 1555 befam folcher auch) das Stift Lebus. Weil aber der Prinz noch) minderjährig war, fo führte in beiden Stiftern der Churprin; Johann Georg die vormundfehaftliche Regierung, Philip 2 König von Spanien ernannte ihn 1556 zu feinem geheimen Rath und Feldherrn, welche Stelle er a ich bey Marimilian 2 bis zu angetretener churfürftlichen Negierung bekleidete. Zu eben ver Zeit gab er fich ſelbſt alle Mühe, feinem Vetter dem Marggrafen Albrecht die fränfifchen Sande wieder zu verfehaffen, welche aber erſt dem Schwager des Ehurprins zen Marggraf Georg Friedrich‘ 1558 eingeräumee wurden. Bey dem Kaifer Ferdis nand ı war er im groffer Achtung. Im Fahr 1560 ſuchte er als Verweſer des Stifte Lebus die Streitigkeiten auf der hohen Schule zu Frankfurt beizulegen. Er felbft aber ward zum Bifchof von Brandenburg erwähle. Am Jahr — ee, Churfuͤrſten Auguft von Sachen in Leipzig, mit dem er eine genaue Freundfehaft ſchloß. Im Jahr 1566 wohnte er dem Neichstage zu Augfpurg bey, und im folgen, den 1sözften Jahr half er feinen: Herrn Sohn: Joachim Friedrich in das Hochſtift Magdeburg einfuͤhren. Im Jahr 1569 wohnte er als Churprinz ſowol, als auch in Betrachtung feines Stifts Brandenburg der Kirchenverſammlung in Berlin bey. Uebrigens hatte er als Churpring meiftens zu Zechlin und zu Wittſtock feine Hofhals . tung, und unterhielt ſolche von den Gtiftseinfünften, dabey er gute Wirchfchaft zu fernen Gelegenheit hatte. Mit dem Aufwand-an dem Hofe Joachims 2 war er nicht allerdings zufrieden. Er ließ zwar nichts an feinen Pflichten ermangeln, die er dem regierenden Churfürften und Vater ſchuldig war, aber diejenigen: Hofleute, welche“ Joachims 2 Zutrauen und Gnade misbrauchten, merkten allerdings, daß der Chur prinz ihre Wirthſchaft nicht billige. In der That fand er nach dem Tode feines Herrn Vaters und feines Herrn Vetters, denen er in der Regierung ihrer Lande 1571 folgte, eine groffe Verſchiedenheit. Der Hof des Churfürften war: verſchuldet, die neumaͤr⸗ fifche Regierung aber von allem Schulden frey. Die letztere hatte fogar baares Geld ges ſammlet, welches jedoch an Marggraf Johanns Töchter, als deſſen Erben, fallen mufte: j 90. * (sehr i Zuſtand von Churfuͤrſt Johann Georg trat feine Regierung an,. da faft alle Staaten ver Europa dama: Religion wegen in einer Gaͤhrung waren. , In Portugall herrfchere Schaftian, ein it. tiger ai Dein, #2 ® Churfuͤrſt Johann Geig ide SE SEE 17 pi, der von * Großvaters Bruder dem Cardinal Henrich ſchlecht genug erzo⸗ en worden, und der die Vortheile feines Staats der ungegruͤndeten Ehre aufopferte, | ſtenthum in andern Welttheilen auszubreiten, und fich dadurch als den allers geborfänften Sohn des Papfts aufzuführen. Philipp 2 von Spanien verfnüpfte feinen Religionseifer mit einer ungezaͤhmten Ehrfucht. Weil die Tuͤrken Cypern er obert, ſo hatte er ein gewaltiges Buͤndniß mit den italiaͤniſchen Seeſtaaten gegen die Unglaͤubigen geſchloſſen. Er ſchickte eben damals ſeinen natuͤrlichen Bruder Don Juan ab Auſtria als oberſten Befehlshaber der Seemacht der Verbundenen aus, der auch bey Lepanto die tuͤrkiſche Seemacht faſt zu Grunde richtete, ohne daß Philipp 2 dieſen Sieg zum Beſten der Bundesgenoſſen zu verfolgen vor gut befand. Hingegen ließ dieſer Monarch durch feinen ftrengen Statthalter inden Niederlanden Ferdinand von Toledo Herzog von Alba gegen feine eigene Unterthanen in den Niederlanden die Aufferfte Wut beweifen, um feine.Abfichten zu erreichen, die Freiheiten der Nie⸗ derlaͤnder unter die Fuͤſſe zu bringen, und die Proteſtanten gaͤnzlich auszurotten. An ſeinem Hofe wurde der Anſchlag, die Hugenotten in Frankreich auf einmal aus⸗ — uurotten, gebilliget, wozu der franzoͤſiſche König Earl 9, oder noch mehr feine Mut⸗ ter Catharina Medices bereits die Anſtalten vorkehrte, und die armen Proteſtan⸗ tem durch glatte Worte ins Garn zu locken ſuchte. Die kluge Elifabeth von England j 4* * SE: — — or Br muſte ſowol gegen die ihr. befandten fpanifchen Anfchläge, als auch gegen die misvers gnuͤgten Catholifen unter ihren Unterchanen auf guter Huf feyn, ob ſie gleich von Shetland nichts zu befürchten hatte. Die Königin diefes letztern Staats Maria wvar in England in gefänglicher Haft, und die Negenten des jungen fihottifchen Kb⸗ nigs Jacobs hatten nicht Macht genug, ihr eigen feben zu beſchuͤtzen. Friedrich 2 König von Daͤnnemark war eben im Begrif, durch Mitwirkung des churbranden⸗ | burgiſchen Hofes, mir Schweden den ſtettiniſchen Frieden zu ſchluͤſſen. Der Rös nig Johann in Schweden war durch feine Gemalin, nod) mehr aber durch die Hof⸗ nung, Polen mit feinem Erbftaat zu verfnüpfen , bewogen worden, fich auf die Seite ber Cathulifen zu lenken, welches nachmals fowol in Schweden, als in andern - Staaten groffe Veränderungen und die —— Auftritte nach ſich gezogen. In Rußland herrſchete noch der fuͤrchterliche Ivan Baſilowitz 2, der ſich wechſelsweiſe mit feinen Nachbarn herumſchlug. Ein dreijaͤhriger 1571 geſchloſſener Stillſtand zwi⸗ ſchen Rußland und Polen konte jedoch die Beſorgniſſe der polniſchen Nachbarn nicht heben, daß im kurzen der Tod des auf der Grube ſtehenden polniſchen Monarchen Siegmund Auguſts, welcher der letzte von dem maͤnnlichen jagelloniſchen Stamm war, bie Gemuͤther der Groſſen und des Adels dieſes Landes trennen, und groſſe Uns ruhen nach fich ziehen wiirde. In Deutfchland feloft Herrfchere zwar eine Ruhe, vie durch die friedfertige Öefinnung des Kaifers unterhalten wurde; aber in einem Staats | förper, der aus fo vielen Gliedern beſtehet, die fo.verfchiedene Vortheile haben, kann - man auf die Dauer der Ruhe Feine groffe Rechnung machen. Befonders aber waren die Catholifen mit denen augfpurgifchen Glaubensverwandten, wegen des Streits P. allg. preuß. Gefch. 3 Th. Ee ber 218 3 Ch. 7 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. über ven geiftfichen Vorbehalt, nicht zufrieden, und dieſe zanften fich mit denen‘ Ru 9 formirten über der. Frage: ob fie als folche angefehen werden Fonten, die das augſpur⸗ giſche Glaubensbekaͤntniß annaͤhmen, und ob fie folglich ſich den Genuß des Religions⸗ friedens zueignen koͤnten. Von allen Seiten war man bereits aufmerkſam und voller Mistrauen, und jedermann ſahe zum voraus, daß ſolches zum Ausbruch neuer Mora ben den Weg bahnen würde, | §. 91. J— er Ben diefer Befchaffenfeit von Europa kam Churfürft ook Georg 1571 zur Regierungs · Regierung des Churfürftenthums und ber Länder, welche Marggraf Johann von Er ae ſtrin befeffen. Als das Abfterben Joachims 2 in Berlin bekandt wurde, ſtand Jo⸗ hann Georg eben im Begrif, nach Zechlin abzureifen.- Diefe Reife ward fofort eins geftellet 2). In der Hauptftade wurden die Thore gejperret, und in den Käufern de ver, die ben ber vorigen Negierung viel gegolten, alles verfiegele. Der Jude Lip⸗ pold machte fich darunter am meiften verdächtig, da er die Flucht ergreifen wolte. Er ward aber zur Haft gebracht, und fein Haus, worin alles verfiegele worden, mt Buͤrgerwache befegt. Der Pobel Fam darüber ebenfals zufammen, fiel die Juden⸗ ſchule auf der Kloſterſtraſſe an, erbrach, pluͤnderte und zerſtoͤrte dieſelbe, und trieb gegen das ganze judifche Volk folchen Muthwillen, daß fich niemand aus demſelben auf der Straffe fehen Taffen durfte. Doch war dieſes dem neuen Churfürften Aufferft miss fällig. Er machte folche Anftalten, daß die Ruhe bald wieder hergeftellee wurde. Lippold fand fich einer ſchweren Unterſuchung unterworfen. Schon in Prag hatte er wegen befihnittenen Geldes Brandgeichen befommen. Dem unerachtet wufte er ſich bey dem Churfürften Soachim 2 unentbehrlich zu machen. Gr hatte einen eigenen Schlüffel zu des Herrn Gemach, um, fo oft erwolte, den Eintrice zu haben. Die Raͤthe ließ er öfters vor der Thuͤre ſtehen, und er felbft hielt des Churfürften Perfon belagert. Er war deffen Münzmeifter, aber zugleich deſſen Schagmeifter. Diebe fen Rleinodien waren in feiner Berwahrung, von denen niemand wufte, wo fie hinges fommen waren. Noch vor dem letztern Weinachtsfeſt hatte er dem Churfürften eine goldene Kette 15 Pfund ſchwer abgeſchwatzt, Portugaleſer daraus gemuͤnzet, und zum Theil ſolche zum neuen Jahrsgeſchenk ausgegeben, zum Theil auf andere Art veräuß ſert. Zu der Beſchuldigung der uͤblen Verwaltung der Staatsgelder Fam noch der Ders ‚dacht, daß er den verftorbenen Herrn mit Gift. hingerichtet, weil er hiezu, als deflen teibarzt, Gelegenheit erfehen. Auffer ihm verloren noch mehrere Perfonen, als Thor mas Matthias, Albrecht Thuͤm und Grieben ihre Bedienungen, welche der neue. Regent andern auftrug, zu welchen er mehreres Zutrauen hatte. Sonderlich uͤber⸗ trug er die Aufficht der Kirchenfachen dem Andrea Musculo, und die übrigen Re _ gierungegefchäfte dem Kanzler Lampert Diftelmeier. Er Tieß die $eiche des Herrn Vaters nach Berlin bringen, einbalfamiren, und prächtig. befleidet in ver Schloßkir⸗ che a) So erzählt e8 Haftitius äh aber berichtet, Johann Georg babe den Tod des Churfuͤrſten zu Sechlin erfahren, und fey daranf ſchleunig nach) Berlin gekommen, * ehe bie zut feierlichen Beerdigung bewachen. Der Todesfall ward dem Sande ſowol, als fremden Höfen befand gemacht, und verfchiedene benachbarte Prinzen eingeladen, der Gruftbeſtattung beizuwohnen. Bon denen berlinifchen Einwohnern ward ſchon den soten Yan. die Huldigung eingenommen. Die Eivesformul war folgenden Ins halts: „Ich huldige, gelobe, ſchwere und thue dem Durchlauchtigften Hochgebohrnen Fuaͤrſten und Herren, Heren Johanfen Georgen Marggrafen zu Brandenburg, des heiligen römifchen Reichs Erzkaͤmmerer und Churfürft, in Preuffen, zu Stetz tin, Pommern, dee Caſſuben, Wenden, in Schleften, zu Eroffen Serzogen, Durggrafen zu Nürnberg und Fuͤrſten za Ruͤgen, meinem gnädigften Herren und Seiner Churfürftlichen Durchlaucht männlichen teibes tehns Erben, als meinen natuͤr⸗ lichen Erb und techn Herren, und wo die nicht mehr wären, oder Ahr Churfürftlichen Gnaden die Hinter fich nicht verliefen, dem Durchlauchtigen Hochgebohrnen Fuͤrſten und Herin, Heren Georgen Friedrichen Marggrafen zu Brandenburg, in Preuf fen, zu Stettin, Pommern, der Caffuben, Wenden und in Schlefien, zu Zägerndorf Herzogen, Burggrafen zuMürnberg und Fuͤrſten zu Rügen, und Sets er Fürftlichen Gnaden männlichen leibes tehns Erben, und wenn die auch nicht mehr wären, dem auch Durchlauchtigen Hochgebohrnen Färften und Herren Herrn Albrech⸗ ten Friedrichen Margsrafen zu Brandenburg und Herzogen in Preuffen und Sei⸗ mer Fuͤrſtlichen Gnaden männlichen feibes tehns Erben, meinen gnädigen Herren eine — wer * - zechte Erbhuldigunge nach Sande vaͤterliches Vertrages, Fayferlicher und Föniglicher Berfamlunge und Churfürftlicher Beftättigunge, dem hochgenannten Herren Johan | Georgen als Ehurfürften und Seiner Churfürftlichen Gnaden männlichen teibes Lehns Erben zu voraus, und wenn die nicht wären, oder Seiner churfürftlichen Gnaden die hintet fich nicht verlieſſen, dem Hochermeldten Herrn Georgen Friedrichen als Or. Ehurfürftlichen Gnaden näheftem Vetter, und Sr. Fürftlichen Gnaden männlichen geibes tehns Erben, und wenn die auch nicht mehr wären, dem auch Hochgenannten Herrn Albrechten Friedrichen Marggrafen zu Brandenburg und Herzogen in Preufs fen und Sr. Fürftlichen Gnaden männlichen teibes lehns Erben von Unterthänigkeie s Megen, getreu, gewärtig und gehorfam zu feyn, Sr. Ehurfürftlichen Gnaden From⸗ mien und Beſtes zu werben, Schaden und Nachtheil zu wenden, und alles das zu thun, als getreue Fromme Unterthanen ihren Erbherrn und fandesfürften zu thun ſchuldig und pflichtig ſeyn, alles getreulich und ungefährlich, als mir Gott helfe und fein heili⸗ ‚ges Work. „ Den ızten Fan. fiel auch die Neumark, das Herzogthum Croffen ebſt denen Befigungen des Haufes Brandenburg in der Lauſitz an den neuen Churs fürften zurück. Auch unter denen Bedienten des verftorbenen Marggrafens Sohann iengen Veränderungen vor. DBefonders ward Siegmund von Schlichting verab⸗ — ſchiedet; und Hieronymus Birckholz zum Vorſteher der Neumark gemacht, unter dem der Kanzler Adrian Albinusarbeitete. Den zöften Fan. erfolgte die feierliche Bei⸗ feßung des Ehurfürften Joachims 2, umd eben diefe letzte Ehre ward den zten Febr. dem — Marggrafen Johann geleiſtet. Der Churfuͤrſt beſtellte das tandgericht zu Stendal und ven RE a ach: Schoͤp⸗ Churfuͤrſt Johann Georg.. — de zen 220 3%. 7 Hauptſt. Neue Geſchichte vom Brandenburg. 1571. Schoͤppenſtul zu Brandenburg mic tuͤchtigen Maͤnnern. Ueberall wurden gehörige Boten angenommen, damit der Churfürft alles, mas vorgienge,' zeitig erfahren kͤn ⸗ fe, weil die Poſten damals noch nicht eingeführee waren. Johann Georg beſuchte 74 den Hof zu Deſſau bey Gelegenheit‘ der anderweitigen Bermäling des Fuͤrſten Joa⸗ chim Ernſts, und nahm hierauf überall die Huldigung ein: Der allgemeine Haß gegen’ die Juden, die man unter der vorigen Regierung nur das Hamansgeſindlein zu nennen pflegte, hatte fich aus dem Betragen des Pöbels bey der Gefangennehmung des Lippolds deutlich genug geaͤuſſert. Selbſt der Churfürft war gegen fie fehr eins. genommen. Man hatte ihm vorgeftellet,. daß fie Chriftum und Mariam läfterten, den Gottesdienſt der, Chriften verhöhneten, und denenjenigen ſchwere Buffen auflegs ten, welche nur einen Fuß in ein chriffliches Bethaus ſetzten; daß fie ein müßiges geben führten, übermäßigen Wucher trieben, im Handel Betrug ausüben, den Vor⸗ kauf hätten, und von vielen Abgaben frey wären, welche doch andere arbeitfame Eins wohner entrichteten; daß fie endlich weder: zu Friedens noch) zu Kriegszeiten dem lande nußbar wären. Ich weiß aber nicht, ob man zugleic) dem Churfürften vorgefteller, daß ihr Betragen gegen die Religion der Chriften aus ihrem Erkaͤntnißgrunde floß, daß 5 man ihnen in wenig chriftlichen fanden andere Gewerbe, als den Handel erlaube, und “daß man durch übertriebene Abgaben fie faft zwinge, ja gar frey gebe, Wucher zu treis ben und zu bevortheilen. Kurz, Zohann Georg fafte ven Entſchluß, ſie aus feinen fanden zu vertreiben. Sie fuchten vergebens, diefes Ungewitter durch Anerbietung . groffer Summen und noch mehrerer Abgaben zu zertheifen. Des Churfürften Schluß war unmiderruflich. Wer nicht das Ehriftenthum annehmen -wolte, mufte das Seis nige verkaufen, die Abzugsgelder bezahlen, und das fand räumen. Sie nahmen meis ftens ihre Zuflucht nach Polen und Böhmen, in welchen tändern fie bis auf dieſes Jahrhundert fehr zahlreich in ziemlicher Ruhe fich aufgehalten ‚haben, Nachher haben fie aufs neue die Erlaubniß bekommen, ‚in den brandenburgifchen kanden fich nieder - zulaſſen. Weil auch die churfürftlichen Staaten damals por ‚die Unterthanen Fein zus - reichendes Salz hatten; ſo erlaubte Johann Georg der Stade Liineburg, ihe Satz durch die Mark Brandenburg fo lange zu verfaufen, bis man diefe Freiheit wieder aufzuheben für gut finden wuͤrde. Borzüglich bedienete ſich der neue Negent der Ans ſchlaͤge feines geheimen Rarhs Johann Cope, der bey ihm: in’ fonderbaren Gnaden ftand. Doch war auch der märfifche Adel bey ihm in ausnehmendem Anſehen, mit welchem er die wichtigften Sandesbedienungen befegte. Dietrich von der Schulen; burg ward Hauptmann der Altenmark, Georg von Blandenburg inder Priegnis und Graffhafe Ruppin, Conrad und nachher Bernhard von Arnim in der Ucker⸗ mark, Detlof von Winterfeld.in ver -Meumarf, Abraham von Gruͤneberg in Eroffen, und Zacharias von Grüneberg in Cuͤſtrin. Um diejungen von Adel fruͤh— zeitig zum: Hofleben geſchickt zu. machen, ftellte er öfters Hin und wieder Jagden an, wo die jungen Edelleute aus denen benachbarten Gegenden fich einfinden, und den Churfürs jten als feine teibwache bedienen muften b). * ME $. 92 b) Leuthinger. Angelus. Haftitius. Garzaͤus. Kerr Gercke Fragm, March. P.2. chufürſ Johann George. = 4 92° | GR 1571. en — der Surf feine Aufmerkſamkeit auch auf auswärtige Ange⸗ Der hurfürft legenheiten. Er bemuͤhete fich vor allen Dingen, feine tehnsangelegenheiten zu berich⸗ tigen, So wie der Abt des Kiofters Zelle wegen feiner im Branbenburgifthen fies eine Gefändrfchaft nach Prag, welche im Maymonat die Belehnung des kaiſerlichen und boͤhmiſchen Hofes beſorgte. Andere Geſandten giengen zum Koͤnige von Polen, welche auch wirklich daſelbſt die Mitbelehnung uͤber Preuſſen, und zugleich eine Erklaͤ⸗ rung erhielten, daß, da der Churfuͤrſt ſchon mit feinem Herrn Vater über dieſes Her⸗ zogthum die geſamte Hand erhalten, ſolcher weiter nicht verpflichtet werden koͤnne. Das gute Bernehmen mit Polen ward alfo beibehalten, -obgleich noch beftändig Polen auf einige Orte der Neumark, und der Bifchof von Pofen auf die geiſtliche Gericht barfeit verlegene Anfprüche aufwärniten. Der Stettiner Friede hatte Schweden „ und Daͤnnemark beruhiger, und nun füchte der hurfürftliche Hof auch die Neichsfas "den berathen zu helfen. Um die auf dem vorigen Neichstage zu Speier anngem ten Geſchaͤfte zu berichtigen, ward ein Deputationstag zu Frankfurt gehalten. Jo⸗ hann Georg fihiekre feine Raͤthe Detlof von Winterfeld und Chriſtoph Meienburg dahin ab, die auch den Abſchied in ſeinem Namen unterzeichneten. Am allermeiſten lag ihm die Bereinigung der in ihren Meinungen getrennten Proteftanten am Herzen. | [berg auch nach angetretener Negierung beibehalten, fo wie der Churprinz Marg⸗ Aa Joachim Friedrich Erzbifchof von Magdeburg und Bifhof von Brandenburg - and Lebus war. In allen diefen Stiftern blieben, bis auf das zu Lebus, die Doms ſtifter bey ihrer ehemaligen Derfaffung. Auf des Churfürften Gutbefinden und Koften reifete Georg Eöleftin Probſt ver Domfirche in Berlin nah Mainz, und fahe bie: ige Urfunde von dem augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß dafelbft nach, welche die rotefanten 1530 dem Laiſer Carl 5 uͤberreichet Hatten. Nach derſelben gab er eine neue Ausgabe diefes Befäntniffes fowol, als eine neue Ausgabe der deutfchen Bibel, heraus, obgleich die wittenbergifchen Gottesgelehrten folches ungern fahen, weil fie ſich allein vor die Befiger.der Bibelausgaben hielten. Es zielete folches alles auf die Verfercigung einer Eintrachtöformel ab, Johann Georg fahe, wie hiebey befonders die Eintracht der erbvereinigeen Häufer noͤthig ſey. Er gab alfo, zu Erneuerung diefer Vertraͤge, fich alle Mühe. Zu Schönebeck ward deshalb eine Verſamnlung der erbvers einigten Häufer gehalten, und darauf unter andern vorzüglich berathfchlaget, auf was Art das Haus Brandenburg mit denen erbvereinigeen Häufern Sachſen und Heffen auch zur Erbverbrüderung und kandesfolge zuzulaflen fey. _ Noch Eonte man aber diefe Sache nicht völlig zum Stande bringen, obgleich das befte Bernehmen unter allen dreien Haus fern ſtatt fand, und fonderlich Churfürft Auguſt von Sachfen folches auf alle möglis che Art bewies. Als folcher in dieſem Jahre die Erbeinigung mit Böhmen erneuerte, ward, wie ke pol gewohnlich/ ausdruͤcklich ausbedungen, daß Sachſen niemals, Boͤh⸗ Ee 3 men muſte ſich hiebey um ſo mehr Muͤhe geben, da er ſelbſt die Verwaltung des Stifts beſorget die auswaͤrtigen angelegenhei⸗ genden Grundſtuͤcke die Lehn beim Churfuͤrſten ſuchte; fo ſchickte Johann Georg auch ten. | 222 3 Ch. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1571. men wider os Haus Brandenburg Beten zu Liften, verpflichter feyn fit, Ef fürft Yu fanı (ago u ten lin, wo beide Herren ihre zu einander habende Freundfchaft beveftigten. Auch der Freiſtaat Venedig ſchickte zu Ende des Jahres eine Geſandtſchaft an ihn ab, um ihm von dem herrlichen Siege zur See über die Türken bey Lepanto Nachricht zu ercheilen, zugleich aber um feine Beihülfe zu Verfolgung diefes Sieges anzubalten. Der Churfuͤrſt gab denen Gefandten feine Freude über das Glück der chriftlichen Macht zu erfennen, und verfprach, in Abficht der Hülfe, alles zu hun, was mit feinen Pflichten, Die er als ein anfehnlicher Reichsftand Habe, beftehen Fönte c). $. 9. | A EEE Neue erb⸗ Das Haus Brandenburg hatte zwar bereits ungezweifelte Erbfolgsrechte auf verbruͤderung Mommern. Weil aber die bisherige Erbfolge nur einſeitig veſtgeſetzt war, Chur⸗ ahnt CR fürft Johann Georg aber feine Prinzegin Erdmuth an Johann Friedrich Herzog und, Por von Pommern verlobte; fo ertheilte er und die übrigen Marggrafen von Brandens men burg, mit Beftätigung ihres Erbfolgsrechts in Pommern, denen KHerzogen von Pommern ebenfals das Recht, daß, wenn alle Marggrafen von Brandenburg eher, als fie, ausgiengen, auf den Fall die Neumarf, das fand Sternberg, die Here ſchaften Bierraden und Löcenig an Pommern fallen folten. Die erbverbrüberten Häufer Sachfen und Heffen willigten hierin ein, und die darüber ausgeſtellte Urfuns : de ift fehr wichtig, Sie beweifer: 1. daß damals die brandenburgifche Prinzeßin Erdmuth ſchon dem pommerifchen Hergoge Johann Friedrich verlobt gemwefen, 2. daß zwifchen Sachſen, Brandenburg und Helfen ſchon feit mehr als 100 Jahren nicht nur eine Erbvereinigung, fondern auch Erbverbruͤderung ſtatt gefunden, obgleich noch nicht beſtimmt gewefen feyn mag, was auf den Fall, wenn ein Theil verſtuͤrbe, die andern haben folten, 3. daß mit diefer Erbverbrüderten Vorwiſſen diefe neue mit Pommern gefehloffen fey, 4. daß von Nechtsmegen nach den Abgang der Herzoge von ‚Pommern Fein weiterer Anfall auf die Neumark, Sternberg, VBierraden und Loͤckenitz an Pommern ftatt finden ſolte. Die Urkunde ift fo abgefaft: „Wir Johann Georg von Gottes Gnaden, Marggraf zu Brandenburg, des Heiligen Roͤmiſchen Reichs Erseämmerer und Churfürft, in Preuffen, zu Stettin, Pom⸗ mern, der Caffuben und Wenden und in Schleften zu Eroffen Herzog, Burg⸗ graf zu Nürnberg und Fürft zu Rügen ic. Bekennen hiemit und thun Fund, für Uns, unfere Erben und Nachkommen, Marggrafen und Churfürften zu Branden⸗ * li 3 burg, Nachdem Wir und unfere Erben und Nachfommen, die für und für Chur fürften zu Brandenburg feyn werden, laut aufgerichter und von Roͤmiſchen Kay fern c) Leuthinger. Cernitius. Muͤller Neiche: deıszı. Declaratio Sigismundi Augufli-Regis tagstheatrum Maximilians 2. Kimmäi Iur. Electorem Io. Georgium poft obitum Domini Publ. Tom, Addit. p. 620. Bodinus de pacto Parentis Ieachimi Ele. cum antea fimulta- confraternitatis Saxomico - Brandenburgico Haffi- nes inueftitus fit, ad alia praeftanda obli- cae. Renouatio fimultaneae inueftiturae poft gatum non efle, Deputationcabſchied vom mortem Ioachimi Il. in Electorem Io. Georgium. Jahr 1571. Churfuͤrſt Johann Gere 223 | fern und Koͤnigen iederzeit confirmirter Verträge an ber Hochgebohrnen Fuͤrſten unſerer freundlichen lieben Oheimen, Schwaͤger und Sohns, aller Herzogen zu Stettin, amern zꝛc. Landen und feuten, die geſamte Hand und Anwartung haben, und ders ji halben von Ihren der Herzogen tiebden vor dieſer Zeit freundlichen find erfucht worden, A daß Wir zu pflanzung mehrer Sieb, freundfchaft und wahres freundlichen vertrauens x . 4 Ja | ES Rn EN a! Idhtr liebden zu gleichmäßiger Gegenanmwartung an unſern Churfürftenehum und Lande freundlichen wollen befordern. Wir aber von deßwegen, daß fich weyland unfere loͤb⸗ liche Vorfahren länger als vor hundert Jahren mit denen Chur» und Zürften zu Sad) fen und fandgrafen zu Heffen, mic Ihren allerfeits Churfuͤrſtenthumen, Fuͤrſtenthu— men, landen und feuten durch eine erhebliche und mit einem leiblichen End bewährte Berbrüderung freundlichen zufammengefest. Ihren tiebden darin, wie Wir fonften der fondern freundlichen neigung und Verwandnuͤß nach, damie Wir Ihren liebden zus gethan, freundlichen zu thun geneigt, durchaus mic allen unfern fanden nicht wilfah⸗ ren koͤnnen: Und Uns doch Ihren Liebden zu Freundſchaft in ietzo vorgelauffener Hands Jung der Verneuerung der obbemeldten Erbverbrüderung, zwifchen denen Chur / und Fürftlichen Häufern, Sachfen, Brandenburg und Heffen, freundfichen bemuͤhet, daß Wir Shren kiebden, unfern freundlichen zugethanen willen mit etwas beweiſen moͤch⸗ ten, auch darauf die Hochgebohrne Fuͤrſten, Herrn Auguften, des Heylichen Roͤ⸗ miſchen Reichs Ertzmarſchalln und Ehurfürften, und Herrn Johanns Wilhelmen, beede Herzogen zu Sachſen, Sandgrafen in Thüringen, und Marggrafen zu Mleife fen, Heren Georg Friederichen, Marggrafen zu Brandenburg, in Preuffen, zu _ Stettin, Pommern, ver Eaffuben und Wenden Herzogen, Burggrafen zu Nuͤrn⸗ berg und Fürften zu Rügen, auch Herrn Wilhelmen Ludwigen Philippfen und Georgen, tandgrafen zu Heffen, Grafen zu Catzenellenbogen, Dies, Ziegen hain und Nidda, unfere freundliche lieben Oheimen, Better, Schwager, Brüder und Gevartern, freundlichen vermöcht, daß Sie Uns zu fondern Ehren und Gefallen, ‚freundlichen bewilliget, daß Wir unfer tand, fo über der Oder gelegen, als die Neu⸗ E marf und kand zu Sternberg, deßgfeichen auch die tehenfchaften über die Käufer Lofenig und Bierraden ſampt derfelben zubehörigen Gütern, fo viel der über die maͤr⸗ Fifche tandgräng in Pommern gelegen, von gedachter Erbverbrüderung dermaffen auss sieben möchten, daß folches alles auf den Fall, wann das Haus Brandenburg, weh ches der Allmaͤchtige Gore gnädig zu verhlten geruhe, ganz und gar abginge, ausgezo⸗ gen ſeyn, und neben andern unferntanden an die Chur / und Fürften der Haͤuſer Sachs fen und Heflen nicht mitfommen noch fallen fol, daß Wir darauf zu Bezeugung unfer freundfichen gutherzigen und gnädigen neigung und Willens, den Wir zu gemeldtem F unſerm freundlichen lieben Sohn, Oheimen und Schwägern, denen Herzogen zu Stets J ſer beederſeits Unterthanen, mit des Allerdurchlaͤuchtigſten, Großmaͤchtigſten Fuͤrſten tin, Pommern ic. und derſelben Unterthanen tragen, Ihren tiebven und derſelben fanden und teuten zu Troft, freundfchaft und gutem, auch Vermehrung, tieb, Freunds ſchaft und Berwandten, ‚guter Nachbarfchaft zwifchen Ihren tiebden und Uns, und ums und 1571. - 034. 3%. 7 Hauptfl- Neuere Geſchichte von Brandenburg, > 1571. und Herrn, Herrn Maximilian des Andern, als Roͤmiſchen Kayſers rc. ꝛc. Unſers " | gnädigften und lieben Herrn, allergnädigfter Bewilligung, die Wir neben Ihren der Herzogen zu Pommern tiebden bey Ihro Kanferliche Majeftät 2c. ꝛc. hierzu erlangen, allen müglichen Fleiß anwenden wollen, auch mie Vorwiſſen und freundlicher Zulaffung der Hochgebohenen Fuͤrſten, unfers freundlichen lieben Sohns und Vettern, Heren Joa⸗ chimi Friderici Adminiſtrators des Primats und Exzftifes Magdeburg, Heren Gegrg Friedrichen und Heren Albrecht Friedrichen , aller Marggrafen zu Brandenburg, inPreuffen, zu Stettin, Pommern, der Caffuben und Wenden Herzogen, Burg grafen zu Nuͤrnberg und Fuͤrſten zu Rügen, das obbemeldte unfer fand ver Neuen Marcke und tands zu Sternberg über der Oder gelegen, desgleichen auch die Lehen⸗ ſchaft über die Haͤuſer Lockenitz und Vierraden ſampt derſelben zugehörigen Gütern, fo viel der uͤber die Markiſche Landgraͤnze in Pommern gelegen, vorgemeldten unſern freundlichen lieben Sohn, Oheim und Schwagern denen Herzogen zu Stettin, Pom⸗ mern und ihren männlichen teibs behens + Erben für und für, vor Uns und unſere Er⸗ ben und Nachkommen, Marggrafen und Churfürften zu Brandenburg, zu einer rech⸗ ten Anwartung, Angefäll und gefampter tehenfchaft, bewilligt, zugefagt, verſprochen ‘und übergeben haben alfo befcheidentlich., Wann Wir und unfere männliche feibs tes hens» Erben für und für mit Tode abgiengen, und Fein Marggraf zu Brandenburg mehr am $eben wäre, und durch folchen tödelichen Abgang des ganzen Marggräfifchen: Brandenburgifchen Stammes, unfer Churfürftentfum und Sande an unfere erbverbrüs dere Chur: und Fürften der Haͤuſer Sachſen und Heffen, oder deren eine Parthey, welche alsdann noch am teben wäre, fallen und kommen würde, daß alsdann die obge⸗ meldete unfere Neue Mark und fand zu Sternberg über ver Oder gelegen, desglei⸗ chen auch die tehenfchaft Über die Häufer Lockenitz und Bierraden ſampt derfelben zu⸗ behörigen Gütern, fo viel der über die Märfifche tandgränz in Pommern gelegen, erftfichen an unfern freundlichen lieben Sohn Herzogen Johanns Friedrichen zu Pom⸗ mern und Seiner tiebden Männliche teibs behens Erben für und für, ſo Tange derſel⸗ ben einer im feben, und warn ©. L, Feine männliche teibs + Lehens + Erben verlieffen, oder die ©. L. verlieffen, auch für und für ohne männliche beibs / Lehens ⸗Erben abftürben, alsdann an die andern unfere freundliche Tiebe Oheim und Schwägere, Herrn Ernft Ludwigen, Herrn Bugislaven, Herrn Barnim und Heren Caſimirn Gebruͤdere, zu Stettin, Pommern, Herzogen, welche unter Ihre tiebden zu derſelben Zeit, zu Stettin und Wollgaft regierende Herren und tandesfürften feyn werden, und derſel⸗ ben männliche teibes» Lehens⸗ Erben, und wann Diefelben auch mit Tode. abgiengen, auf die nachfolgende regierende Herzogen zu Stettin, Pommern und derfelben männliche teibs+ behens Erben, vermoͤg des zwifchen: allerfeits Ihrer Liebden in jüngft verfchienen 69 Jahres aufgerichten Vertrags, für und für gänzlich und gar zu erbeigen, in alles / maffen als die von natürlicher angeborner Sippſchaft nach Kayfer» Rechte an Ihren lieb ⸗ den vererbet und angeftorben wären, gefallen, kommen und erblich bey Ihrer tiebden und derfelben Erben, als ihren rechten Erbherren, bleiben: ſollen. Dieweil aber einer * von Tee 9J — 75 2 Be BBUEN — u Churfürft Johann Georg. 225 von den Marggrafen zu Brandenburg am geben ift, füllen die Hergoge zu Stettin, Pommern ſich folder Anwartung und Erbſchaft nicht gebrauchen, ſondern denſelben gerubiglich ohne alle Irrung und Eintrag bey feinen fanden, Leuten und Regiment bleis ‚den laffen, behuͤlflich feyn, fehügen und fehirmen, wie folches bie zwifchen denen Chur⸗ und Zürftlichen Haufen Brandenburg und Pommern aufgerichte erbliche Verträge und Einigung allenthalben weiter inhalten und mitbringen. Und zu mehrer Bekraͤfti⸗ gung diefer unferer freundlichen Uebergabe und Berfammlung, wollen und follen Wir und unfere Erben und Nachkommen Marggrafen und Ehurfürften zu Brandenburg für und für, fo bald folche Uebergabe von ver hoͤchſtgedachten Faiferlichen Majeſtaͤt be williget und beftäriget wird, wann oder fo oft einer oder mehr unferer Lehenleute in uns fer Neuen Marcke und fand zu Sternberg, auch ein Graf von Hohenfteinzu Vier⸗ raden, und ein Schulenburg zu Lockenitz, Lehenspflicht thun, Herzog Johanns Friedrichen zu Pommern und ©. L. männlichen feibs behens Erben, und wann die nicht mehr weren, den andern ©. L. Brüdern, welche jederzeit regierende tandsfürften zu Stettin und Wollgaft werden feyn, und derfelben männliche Leibs tehens » Erben, wie oben. gemeldt, jedesmals aus obbemeldtem Zall zugleich mit fehweren und Huldi⸗ gung thun laſſen. Gfeichergeftalt wollen Wir auch), fo oft in Unfern Stäften einer oder mehr Nathsherren oder Bürger aufgenommen werden, von denfelben den Raths⸗ oder Bürgereid mit gleichformigem Anhang nehmen laffen, und ob es zu Fällen kaͤme, daß in unfer Neuen Marcke und Sande zu Sternberg über der Oder gelegen, von unſern Mannen und Srätten eine gemeine Erbhuldigung genommen wuͤrde, foll diefels be alſo auch. befihehen, und den Herzogen zu Stettin» Pommern auf dem Fall, wenn fein Marggraf mehr im feben, in obbemeldter Ordnung jedesmals mitgehuldige und ges fhworen, und es zur Bekantnuß von gemeldten unfern Mannen vnd Städten Ahrer Uebden ziemliche briefliche Befunde geben werden, Dargegen Ihre Liebden dieſelben vnſern Vnterthanen von Mannen vnd Städten, mit Ihrer tiebden fürftlichen Brie⸗ fen hinwiederumb nohtduͤrftig follen verfichern und verforgen, ob der marggräfifche Stamm alſo verfiele, vnd vnſere Neue Marck und fand zu Sternberg desgleichen auch die Schenfchaft Uber die Haͤuſer Lockenitz vnd Vierraden, famt derfelbigen zube hörigen Gütern, fo viel der vber die maͤrkiſche Graͤnz in Pommern gelegen, an Ihr b. Fame, daß Ihre liebden und derfelben Erben, alsdann alle derfelben Mannſchaft, fie feind Grafen, Herren, Nitter, oder Knechte, Burckmanne, Burger und gemeinig⸗ lich Burge, Städte, Land und Leute, Geiftlich und Weltlich, bey allen Ihren Rech⸗ ten, Ehren, Würden, Freyheiten , alten guten Gewohnheiten, darbey ſchuͤtzen, fehirs men, handhaben und behalten follen und wollen. Vnd daß diefes alles, fo obftehet, wann es zu Fällen fommt, vor uns, vnſere Erben und Machkommen, Marggrafen vnd Churfürften zu Brandenburg, gegen gedachten unfern freundlichen lieben Sohn, Ohei⸗ men vnd Schwägern den Herzogen zu Stettin, Pommern ic. ir. alle Stäte veft und vnverbruͤchenlich foll gebalten werden, haben Wir des zu Vrkund diefen Brief mit eiges nen Handen unterfihrieben, vnd vnſer Inſiegel wiffentlich daran laſſen hangen. Und D. allg. preug, Gefch: 3Th. Sf ir - 1571. Ä * 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſhiht von Brandenburg. Wir Zoachim Friedrich von Gottes Gnaden Adminiftrator des Primats ond Ergſtifts —— Magdenburg vnd George Friedrich beede Marggrafen zu Brandenburg und Her⸗ | zögen in Preuſſen ꝛc. 20. Bekennen in deinfelben Briefe, daß von dem Hochgebornen 1571: Landesanges Tegenbeiten. 1572, Fuͤrſten Johanns Georgen, Marggrafen vnd Churfuͤrſten zu Brandenburg, vn⸗ ſerm gnaͤdigen vnd freundlichen lieben Herren Vattern vnd Vettern die ——— willigung der Anwartung vnd Vbergabe der. Neuen Marck vnd and zu S über der Oder gelegen, auch der lehenſchaft vber die Haͤuſer Lockenitz und Derrden ſampt derſelben zubehoͤrigen Guͤtern in Pommern gelegen, auf vnſer aller vnd vnſerer Maͤunlichen teibs Sehenss Erben für vnd für toͤdtlichen Abgang, welchen der Allmaͤchti⸗ ge nach feinem gnaͤdigen Willen zu friſten geruhe, mit vnſerm guten Wiſſen und Wil⸗ len geſchehen vnd ergangen, vnd haben des zu Vrkund denſelben auch mit eigener Hand vnterſchrieben vnd vnſer Inſiegel wiſſentlich daran laſſen bangen, Geſchehen vnd geben Montags nach Jacobi Apoſtoli nach Chriſti vnſers einigen Erloͤſers und Selen Geburt, Im eintaufend, fünfhundere, ſiebenzig und ein Jahr d). | Hans Georg Churfürft, Manu propria. a: Joachim Friedrich Marggraf zu Brandenburg, Manu propria; — George Friedrich Marggraf zu Brandenburg Manu propria. %9 i & war fralich de * Churfuͤrſten —— „bey dem groſſen Geldmangel a ven fandesfchulden an Ausführung erheblicher Sachen zu gedenken. Seine Hauptforge gieng alſo dahin, die Schuldenlaſt zu tilgen, und neue Quellen feiner Einkünfte zu erbfnen. Zu dem Ende wurden die Landesſtaͤnde derer Staaten, welche Joachim 2 befeffen, - nach Berlin berufen, die fich 1572 auch daſelbſt verfammleten. Lampert Diftelmeier mufte den fandtag durch einen Vortrag eröfnen, worin die Stände, Anſtalten die fans desſchulden zu bezahlen zu machen, erinnert wurden. Da einmal das Liebel da war, _ fo waren die Klagen über die Urfachen deffelben unnügfich angewendet. Die vernuͤnf⸗ tigen Stände erfannten die Nothwendigkeit, das Uebel zu heben, und machten wirklich die beften Anftalten, den Churfürften von feinen Schulden zu befreyen. Die hiebey getroffenen Einrichtungen hat man lange Zeit hernach, wie Gernitius berichtet, zum Fuß der nachmaligen tandesabgaben gebraucht. Dor die Willfährigfeit hoften die Stände, daß Johann Georg vor das Befte der Hohen Schule zu Frankfurt forgen, _ und die Stipendia an kandesfinder vergeben; eine allgemeine Kirchenunterfuchung vors nehmen; bey dem unveränderten augſpurgiſchen Glaubensbefäntniß verharren; Fels nen Auffauf der tebensmittel und Ausfchlieffungsrechte im Verkauf diefer oder jener Waaren jemand verftatten; Feine aufferordentliche Abgaben auflegen ; den unndthigen Aufwand des Hofes mindern; die fandeseinfünfte gehörig anwenden; und befonders vor das Aufnehmen der Städte als ein rechtfehaffener Landesvarer beforge feyn würde. Hierauf thaten der Adel und die Städte alles mögliche, um nach und nad) die bewillig⸗ ten ® Limnaͤi J p. Tom, 4p. at, adnich Reichsarchiv Part, Spec, von Brandenburg. p. 65 — Churfuͤrſt Johann Gesrg. | 227 —— aufzubringen. Der Churfuͤrſt ließ fic) dagegen von den redlichſten Maͤnnern der hohen Schule zu Frankfurt ein Gutachten ftellen, wie tiefem Muſenſitze aufzuhelfen fr. Shre Meinungen giengen theils auf die Verbeflerung einiger Gefege, theils auf 7 Bermehrung der Gehalte der Lehrenden und Beſtimmung einiger Wohlthaten vor Sarıne Sandesfinder, die gute Fähigfeiten befäffen. Diefem zufolge fie der Churfürft neue Gefege vor die hohe Schule entwerfen und bekandt madjen. Es wurde fonderfich auf ein fleißiges Schren gedrungen, und die Tage eingefchränft, an welchen diefes Ges fihäfte bisher ausgefegt wurde. Denen Lehrern wurden ihre Gehalte verbeffert, und fie von allen Arten der Abgaben Tosgezählet. Bor hundert arme Studenten ward mei: ſtens auf des Churfuͤrſten Koſten ein gemeinſchaftlicher Freitiſch errichtet, und vor die⸗ jenigen, ſo dieſe Wohlthat zu genieſſen hatten, gute Geſetze gemacht. Damit dieſe hohe Schufe, wie eine Zeit her geſchehen, nicht blos von armen Studenten beſucht wuͤrde; ſo muſten, laut einer churfuͤrſtlichen Verordnung/ alle Landeskinder, welche zu Wittenberg, Leipzig, Roſtock und andern auswärtigen hohen Schulen, die Wiſſenſchaften trieben, von da zurück. nach Frankfurt fommen, wofern fie zu einer fandesbedienung gelangen wolten. Uebrigens folte diefes insbefondere alle diejenigen ans aehen, welche auf Koften ver Städte oder des Adels denen Wiſſenſchaften oblagen. Denn die Städte Brandenburg, Bernau, Stendal, Soltwedel, Cotbus und Croſſen nebft andern, hatten bereits ſchon damals ſowol, als berfchiebene von Adel, wo⸗ _ zu insbefondere Friedrich von der Schulenburg und deſſen Gematin susähfen, anſehn⸗ üche Gelder zum Unterhalt armer Studenten ausgeſetzt. Im Junio dieſes Jahres ‚waren die Stände derer kaͤnder, welche durch den Tod Marggraf Johanns an unſern Churfuͤrſten gefallen, zu Cuͤſtrin auf einem Landtage verſammlet, denen der neumaͤr⸗ kiſche Eanjler Adrian Albin den Vortrag that, zu Bezahlung der landſchulden eben⸗ fals das ihrige beizurengen. Der Churfürft gab ihnen auf ihr Verlangen das Necht, daß die einmal zu Cuͤſtrin eingerichtete Regierung auch Fünftig daſelbſt verbleiben folte. Er ließ ihnen worftellen, daß die Stände ber dies / und jenfeit der. Oder belegenen brandenburgiſchen ande unzertrennlich ſich einander unterflügen muͤſten, und erhielt dadurch ſo viel, daß auch auf dieſem Landtage, zur Bezahlung der churfuͤrſtlichen Schul⸗ den, auf zehn Jahre von jeder adelichen Hufe zwey, und von jeder Bauerhufe ein Tha⸗ ler bewilliget wurde. Einige zwiſchen ſeinen Staaten und Mecklenburg entſtandene Grenzirrungen wurden auf guͤtliche Unterhandlungen ausgeſetzt. Es gieng dem Chur⸗ fuͤrſten daher alles nach Wunſch, wozu noch das Vergnuͤgen kam, daß er von ſeinem Churprinzen die Nachricht erhielt, wie ſelbigem zu Wolmirſtaͤdt den sten Nov, fein erſter Prinz zur Welt geboren worden, eben zu einer Zeit, da die Sternfundigen in der Caßiopea einen noch nie bemerften Stern wahrgenommen hatten. Hingegen ſtarb noch * Een Fahre — der verſuchte —— Joachim Rebl e) bey feinem Bruder f2 Zacha⸗ — an Angelus . Anfritius. Benbingen Bund: ſpaͤt an. Nach feiner Grabſchrift ſtarb er 1572, ling. Beuthinger feßt des groffen Helden Joa: fein Bruder Zacharias von Röbel Befehlshaber chim von Roͤbels Tod bey dem Jahte 1574 zu zu Spandow aber 1575. 1572, Tod des koͤni⸗ ges vu Po— len. 228 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Zacharia in Spandow, als auch der groffe Gelehrte Abdias Praͤtorius, ber vot⸗ mals am brandenburgiſchen Hofe die wichtigſten Sachen betrieben hatte. . Ag | Noch weit erheblicher war der Tod des Königs von Polen Sigismundi A gufti. Es verftarh felbiger zu Knifchin einem koͤniglichen tuftfehloffe in Podlachien den zten Zul. Mit ihm verloſch der männliche Stamın der Zagellonen. Denn 06 er wol fich dreimal vermält, fo hatte er doch von diefen dreien Gemalinnen feine Ki der verlaffen. Seine legte Gemalin Gatharina, Kaifer Ferdinands ı Tochter, war ihm fehon 1553 beigelegt. Allein wenige Zeit nach vollzogener Vermaͤlung merfte man -an dem Könige eine Kaltfinnigkeit gegen die Königin, die ſich allmählig in einen Haß verwandelte, auf welchen eine offenbare Trennung folgte. Der König gab zur Urfas che feiner twidrigen Gefinnung an: weil die Gemalin mic einer gewiffen Krankheit ber haftet, bey der fie ganz ſinnlos den teib gräßlich zu verdrehen pflegte; fo fen esihm uns möglich, fie nicht nur in einem folchen Zuftande zu fehen, fondern das bloffe Andenfen verurfache ihm ein Grauen. Sie hielt feit der Zeit fich ziemlich einfam zu Radom auf. Der König wolte fich völlig von ihr fheiden laſſen; doch wuſte der päpftliche Botſchaf⸗ ter Commendon bey feiner Ankunft nach Polen 1566 diefes Vorhaben rückgängig zu machen. Commendon ſprach zu dem Ende die Königin, erkundigte fich ihres unglücklichen Zuftandes, und verficherte fie feiner. Huͤlfe. Wie hernach im folgenden Jahre die Sache auf dem peterkauiſchen Neichstage zum Vortrag gerterh, wuſte er die Geiftlichfeit in einer befondern Berfammlung dermaffen einzunchmen, daß fi e fich eins muͤthig wider Die Ehefeheidung erklaͤrete. Der König ließ den päpftlichen Borfchafter zu fich rufen. Er entdeckte ihm feinen Zuftand mit Thränen, und bezeugete, daß er. fieber alle Marter ausftehen, und feine Ehre, fein teben und feine Sande verlieren wol _ te, als fich gezwungen fehen, mit der Königin vertraulich zu leben. Commendon bes muͤhete fich, ihn von diefen Gedanfen durch allerfey Vorſtellungen abzubringen, die der König mit diefen beweglichen Klagen unterbrach : ich will lieber fterben, als mit ihr les ben. Ach! ift wol jemals ein Mann, er mag fonft fo elend ſeyn, wie er will, fo uns. : glücklich als ich, in feinem Hausſtande gewefen? ch habe Feine Frau, und ich) muß eben fo gebunden leben, als wenn ich eine hätte. Es ift von dem Stamm fo vieler Kö⸗ nige, die Polen regieret haben, niemand auffer mir übrig geblieben, und in -einem annoch frifchen After, und bey einer ungefränften Gefundheit, benimmt man mir die Hofnung, Erben zu zeugen. Dieſes war der einzige Troſt, den ich in meinem feben haben, und das gröfte Gut, fo meinem Haufe und meinem Lande wieverfahren koͤnte; und dennoch muß es anjeßo gefchehen, daß mein Name und der Stamm fo vieler Koͤ⸗ nige mit mir aufhoret. Ich bin ver einzige in der Welt, der ich für mein unertraͤg⸗ liches Ungluͤck weder Mittel, noch Erleichterung, noch ein Ende deſſelben finde. Ich bin gezwungen, ſelbſt im Eheſtande unvereheliget zu leben. Mit einem Worte: ich bin ein Ehemann ohne Frau, und ich werde Zeit meines febens ein gewiſſes zuſammen⸗ geſetztes Weſen aus einem Witwer und einem ——— feyn, und wie eine Misges | burt | Ehurfürft Johann Georg. | 229 Kine im gemeinen feben angeſehen werden. Der König bar alfo inftandigft, daß, wo 1572. der Borfchafter etwas ausfinden koͤnte, er mit ihm und dem Königreiche ein Mitleiden Haben möchte. Denn auffer feinem eigenen Unglück folce er in Betrachtung ziehen, daß die Unterthanen, Prinzen aus feinem Gebluͤt nach) ihm zu fehen, eifrigft wuͤnſchten, und doaß er, der. König, deswegen oft verdrüßliche Dinge anhören müffen. Commendon fuhr fort, die gefährlichen Folgen diefer wichtigen Sache Ihro Majeftat vor Augen zu ftellen , wie das Neich voller Misvergnuͤgten und mit Feinden gleichfam umgeben wäre, denen es blos an Gelegenheit zu fehlen fehiene, Polen öffentlich anzugreifen. Solte die Ehefiheidung ihren Fortgang haben, fo würde der Kaifer die Beſchimpfung, welche feiner Schwefter und dem ganzen Haufe Oeſterreich wiederfahren, nachdruͤcklichſt zu raͤchen ſuchen, und dadurch denen andern gleichſam ein Zeichen zum aͤllgemeinen Anfall geben, welches das Königreich in die groͤſte Gefahr fegen koͤnte. Sigismundus Auguftus fand im diefen Wahrheiten nichts zu feiner Beruhigung. Die Furcht eines ungluͤckli⸗ chen Ausganges, und das eifrige Verlangen, feiner Gemalin los zu werden, feßten Ah in die aͤuſſerſte Verwirrung. Jedennoch erholte er fich in etwas, und nachdem er feinem Schmerze gleichfam Gewalt gethan, ſprach er: wohlan denn, man muß ſich niemals bemühen, dasjenige zu thun, fo unmöglich fälle. Dieſes ift mein Verhaͤng⸗ niß, ich muß ihm folgen, weil es die Nochwendigfeit alſo haben will. Nach diefer Unterredung ward die Ehefiheidung gleichfam vergeffen, und Commendon wolte den König glaubend machen, daß feiner Gemalin Krankheit weder immerwaͤhrend noch uns heilbar wäre, um ihn aus diefem Grunde zum Umgange mit der Königin zu überreden, Allein er fand des Königes Gemuͤth wegen des erftern dermaffen eingenommen, daß et des letztern nur zu erwehnen nicht für rathjam hielt. Die Königin Catharina‘, ver ftoffen von ihrem Gemal, verachtet von ihren Unterthanen und von jedermann verlaſſen, gieng hernach heimlich aus dem fande, und nahm ihre Zuflucht zum Kaifer Maximi⸗ lian als ihrem Heren Bruder, der ihr Linz zur Wohnſtadt einräumere. Sigismun⸗ dus Auguſtus gerieth wieder auf die vorigen Gedanken der Eheſcheidung, wozu die Flucht und Abweſenheit der Königin dienlich zu ſeyn ſchien. Er hatte ſchon deswegen an den Papſt gefihrieben, und Gefandte ernenner, die denſelben durch verfchiedene Gruͤn⸗ de zur Einwilligung bewegen ei Commendon der hievon benachrichtiget ward, eilete nach Polen, und kam im Januario 1572 zu Warſchau an. Seine Vorſtel⸗ Jungen hielten des Königes Vorhaben abermals zurück, und der Königin zu Limz in Oecſterreich ven legten Febr. erfolgter Tod zernichtere e8 vollends. Da nun bald dar⸗ af Siegmund Auguſt ebenfals verſtarb, ſo war der jagelloniſche Stamm er⸗ Mh Ä 6 r Um bie hierdurch erledigte polni che Krone bewarben ſich viele Prinzen. Ivan Wahl Ken: 2 Saılawig Craar von Rußland, Iohann König bon Schmieden, Ersberjog Ernſt "tt J Ff3 ein 5 Hert Lenanich in der preußifchen Geſchichte unter der Regierung Siegmund Auguſts S.409 f. und 419 redet davon RR ‚ deilen Worte wir uns bedienet haben, 1572. 1573 0 3% 7 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Bruder, waren die auswärtigen Mitwerber der koͤnlglichen Würde, wovon die beiden letztern unter denen Polacken viele Anhänger fanden. Jedoch fand fich auch eine pia⸗ ſtiſche Partey, in welcher einige den Herzog von Preuſſen Albrecht Friedrich der Krone wuͤrdig hielten. Dem Churfuͤrſten Johann Georg konte, wegen ſeines Rechts auf Preuſſen, die polniſche Wahl nicht gleichguͤltig ſeyn. Er’ hätte freilich am lieb⸗ ſten geſehen, wenn fein Vetter in Preuſſen, mic dem er in gutem Vernehmen ſtand, und an welchen er ſchon zu Anfang dieſes Jahres Geſandten geſchickt, den Thron‘ bes ſtiegen. Es kam ihm aber zu unwahrſcheinlich vor, daß dieſes geſchehen wuͤrde, da fich die meiſten Polacken entweder vor den oͤſterreichiſchen oder. franzoͤſiſchen Prin⸗ "gen geneigt bezeugten. Der berliniſche Hof zog den erftern dem legrernvor, befonders da die Parifer Blurhochzeit, welche auf ewig ein Schandfleck vor Frankreich bleiben wird, bey den Proteſtanten vor Henricum Valeſium Feine worcheifgafte Geſinnung verftattete. Der Ehurfürft beſchickte ven polnifchen Wahltag 1573 durch ven Doms ‚grobft von Havelberg Levin von der Schulenburg und durch ven Detlof von Wins terfeld, welcher letztere das Wort führete. Sle muften fowol das Verlangen des Her⸗ zogs von Preuſſen, eine Wahlſtimme zu haben, unterſtuͤtzen, als auch den Erzherzog Ernſt denen Polacken anpreiſen. Sie erreichten aber in beiden Stuͤcken ihren End» zweck nicht. Henrich von Valois, der denen Polacken vom Johann von Craſoski angeprieſen worden, deſſen Partey der franzoͤſiſche Geſandte Jean de Monlur Biſchof von Valence zu verſtaͤrken ſich bemuͤhete, welcher auch Johann Franz Commendon vaͤpſtlicher Botſchafter, un Johann Sarius Samoſcius beitrat, ward von denen Po⸗ Jacken, ohne dem Herzoge von Preuſſen eine Wahlſtimme einzuräumen, durch bie meiften Stimmen erwaͤhlt. Die Polacken ſchickten an ihren neuerwählcen König eine groffe Geſandtſchaft ab, um felbigen zu Annehmung der Krone nad) Polen einzuladen. Sie fanden felbigen in der Belagerung von Rochelle begriffen; denn die Hugenotten hatten, den Meuchelmord ihrer Brüder zu rächen und ſich ſelbſt beim geben zu erhalten, Die Waffen ergriffen. Der franzöfifche Hof nahm jegt Gelegenheit, mit denen Pro⸗ teftanten feines Neichs einen Frieden zu ſchlieſſen, und denenfelben die Religionsuͤbung zu verftatten. Henrich ward von feinem Bruder Carl 9 bis Vitry begleitet, woſelbſt er den franzöfifchen König Frank zuruͤck laſſen muſte. Etr veifete durch die Pfalz, da ihm Churfuͤrft Friedrich 3 auf eine fonderdare und nicht allzu angenehme Art be gegnete. - Der churbrandenburgifche Hof muſte jedennoch fich fo freundlich, als mögs lich, ftellen. _ Als daher König Henrich durch Heffen und Thuͤringen nah Halle "gekommen, tward er dafelbft vom Marggrafen und Erzbifchof Joachim Friedrich. mie groffer Pracht aufgenommen, und mit einem vortreflichen Pferde befchenfe. Des Kö⸗ niges Neiße gieng ſodann durch Sachſen und die Lauſitz nach Befecfow. Auf hurs fürftlichen Befehl wurde er Hiefelöft durch Staatsbediente und, den marfifihen Adel feierlich empfangen, mic der churfürftlichen Küche verpflege, und ihm zu Ehren eine Jagd angeftelle. In Frankfurt an der Oder ruhete der König erliche Tage aus, und | > hatte te IN ein Sohn des Kayſers Maximilians, und Henrich des Königs von Frankreich Carls 9 ig * Churfuͤrſt Johann Georg." IE | * abermals Urſache, mit feiner Aufnahme zufrieden zu ſeyn. Sabſtda Egurfüfe 1573: fand fich, jedoch) unbefandter Weife, um den König zu fehen, an diefem Orte ein. Bon bier gieng er endlich durch den fternbergifchen Bezirk nach Polen ab, wo ihn ! feine neuen Unterthanen zu Meſeritz empfiengen. Der brandenburgifche Hof Hatte bey-ihm um die zuftehende Micbelehnung von Preuffen angehalten, und von dem * nige Henrich Be alle Hoftung belommen FI — — Indeſſen ward die peinliche Unterſuchung gegen den ehemaligen Hofjuben Lippold Das urtheil —— Er war eine Zeitlang in ſeinem kleinen Hauſe auf der Stralauer Straſſe u. —— 4 von Bürgern bisher bewacht worden. Als ihn aber fein Weib im Zanke Zauberen vor Are, * warf, und ſich ein Buch fand, welches er zu dieſem Behuf gebraucht hatte, ward er aufs neue ins Gefängniß gelegt, und zur peinlichen Frage gezogen. Es ift nicht aus⸗ | gemacht, ob man die Ermordung des verftorbenen Ehurfürften mic Wahrheit auf ihn bringen koͤnnen. Er ward aber wichtiger Bubenſtuͤcke uͤberfuͤhrt, befonders daß er mit | en Weibern Unzu getriehen, und unter der vorigen Regierung den Schatz bes ſtohlen Er ward nach maͤrkiſchen Rechten verurtheilet, und das peinliche Urtheil an ihm den zgften Jan. vollzogen. Er ward mit gluͤenden Zangen gezwickt, auf einem hiezu erbaueten Geruͤſte auf dem Neumarkt lebendig geraͤdert, nachher geviertheilt, ſein weide nebſt dem Zauberbuche verbrannt, die Stuͤcke feines Körpers dffenclich aufs gehangen, und fein Kopf auf dem Georgenthore auf einen Pfahl geſteckt. Der ges meine Mann wolte ihn dutchaus zum Herenmeifter machen, und fihlog aus dem Um⸗ flande, daß eine Ratte in das Feuer gelaufen, welches zur Verbrennung des Eingewei⸗ des beſtimmt war, es ſey folches fein Zaubergeift gewefen. Dies ift das erfte Beiſpiel in der brandenburgifchen Geſchichte von dem Verdachte eines Hochverraths gegen bie, achan Perſon eines tandesheren ). So nothwendig die in dieſem Fall bewieſene Strenge des Churfuͤrſten eweſch — — - fo verdienete ein anderer Betruͤger eine faſt eben fo groſſe Strafe, der aber derſelben betruͤger ent, durch feine Flucht entgieng. Es war ſolcher Leonhard Turnhaͤuſer ein Mann, der klehet. wirklich viel Geſchicklichkeit beſaß, und beſonders in der Naturlehre eine tiefe Erkaͤnnt⸗ niß bekommen. Es fiel derſelbe ungluͤcklicher Weiſe aufs Goldmachen, und verleitete unſern Churfurſten, ihm nicht nur mit groſſen Geſchenken zu begaben, ſondern auch) mit ſtarkem Vorſchuß zu unterſtuͤtzen. Ehe man ſichs aber verſahe, entfernte ſich Turnhaͤuſer, gleag nach Italien, und ſicherte ſich durch Annehmung der papiſtiſchen Religion. Der betrogene Chutfuͤrſt ſahe nunmehro wohl ein, daß die Goſdmacherey der rechte Weg nicht fen, feine Einkuͤnfte zu vermehren 7), Die Vorficht hatte andere Wege beſtimmt, feine Einkuͤnfte zu verbeflerm. Der Der churflißt Tod der verwitweten Churfuͤrſtin Hedwig brachte hm den a des Witthums die⸗ iſt gluͤcklich. 2) Gunpling. Keushinger. Gratiani Vita Commendonis. Bielsti Kronika Polska. fr denſtein Rex. Polon. ab exceltu Sigism. Aug. $redro Gefta populi Polon. fab Henriso Ya- lefio, b) Angelus. Haftitius. ) Leuthinger. 1573. 032: 38. 7 Hauptfi Meuere Geſchichte von Brandenburg. fer Prinzeßin der Grafſchaft Ruppin zuwege. Johann Georg bewies fich Dagegen: zum Aufnehmen der Wiſſenſchaften freigebig, ‚da er der ‚open Schule zu Frankfurt die Schenkung feines Herrn Vaters beftätigte, und. ihr. die Hoſpitalitaͤt oder ‚den Ab fager, ‚fo feine Vorfahren auf der Dechaney zu Stendal gehabt, erließ. Die.gerrofe fene eheliche Verbindung des Herzogs Albrechts Friedrichs von Preuffen mit der al⸗ teſten Prinzegin Wilhelms Herzogs von Eleve Maria Eleonora gab, wie wir im folgenden fehen werden, Gelegenheit zur Vermehrung der churfürftlichen Staaten. Hers 509 Wilhelm begleitete diefe Braut zu ihrem -Beilager. Er Fan mit einem anfehnlis chen Gefolge über Gardeleben, Tangermünde, Rathenau, Spandow nach Frank furt, von wo die Prinepin weiter nach Preuffen abgieng, obwol ihrem Eünfeigen Gemal unterbeffen ein groftes Unglück zugeftoffen. Er wurde bloͤdſinnig, wovon tir . 1574. die angegebene Urfachen Fünftig in der Geſchichte des Königreichs Preuffen beibringen wollen. Auch das Herzogthum Croſſen fiel 1574, nach dem Tode ver Witwe Marge graf Johanns von Cuͤſtrin, an den Churfürften zuruͤck A). m 00 WEINE; Sa Sr $. 98. ee Die beleh Der neu erwählte polnifche König Henrich wurde wirklich zu Cracau gefrönet, rung über Preuſſen wird durch koͤnig Henrichs flucht gehin⸗ dert. und der Churfuͤrſt wohnte dieſer Feierlichkeit durch ſeine Geſandten den Herzog Joa⸗ chim von Liegnitz und Chriſtoph von Maienburg bey, Man glaubte, daß Hen⸗ rich von Balois. beftändig auf dem polniſchen Thron bieiben würde, und das Haus Brandenburg wolte nunmehro bey ihm. die Belepnung über Preuffen ſuchen. Uns fer Johann Georg befehligte zu dieſem Ende den Detlof von Winterfeld und Chri⸗ ſtoph von Maienburg, nach Polen zu geben, in feinem und feiner Nachfolger Nas men die Mitbelehnfehaft zu empfangen, Allein die Flucht des Königs Henrichs aus Polen vereitelte dieſe Anftalten. König Carl 9 von Frankreich war ohne Exben mit Tode abgegangen, und die Silienfrone fiel dadurch nach Erbgangsrecht auf feinen Bru⸗ der den polniſchen König Henrich. Dieſer letztere befürchtete, daß feine Abweſen⸗ heit aus Frankreich ihm zum Nachtheil gereichen koͤnte. Weil die Einwilligung der Po⸗ lacken zu feiner Abreiſe aus Polen ſehr weit ausſehend war, fo entſchloß er fich, Heims lich abzugehen, und feßte folches wirklich ins Werk. Der ihm nachgeſchickte polni⸗ fehe Oberkammerherr Graf Johann von Tentfchin Fonte ihn nicht eher, als auf dem fehlefifchen Boden, erreichen. Ale Bieten. deſſelben, den Henrich zur Ruͤckkehr zu bewegen, fielen vergebens aus. Der König fegte über Wien und Venedig feine Reife nach Frankreich fort, und bezeigte in feinem Schreiben nicht übele buſt, beide Kronen zufammen zu behalten. Die Polacken aber wolten. hiervon nichts, wiffen. Sie festen dem König Henrich eine Zeit veſt, in welcher er wieder nach Polen zu: ruͤck kommen müfte, wofern fie nicht den Thron vor erlediget erklaͤren folten. Weil aber. die Ruͤckkehr des Königs gar nicht zu vermuchen, fo dachte man ſchon damals an diejenigen, aus welchen durch eine neue Wahl der Thron wieder zu befegen fen )). | Der kr): Bundling. Keuthinger. Haftitius. Herrn Oelrichs Beitraͤge zur brandenbu en —S ner Lengnich. Keuthinger. Gundling. Ka Churfürft Sohann Georg 2 233 Der Kaiſer Maximilian 2 fahe dies vor den bequemſten Zeitpunkt an, die por 1574. nifche Krone auf fein Haus zu bringen, und unterhielt in diefer Abſicht befonders mit Johann Se, denen Prinzen des brandenburgifchen Haufes ein vertrautes Vernehmen. Borzüg- Ver lich brauchte er aber die Hülfe unfers Churfürften bey einer andern ſchon vorher beſchloſ ver erbuertr‘ - fenen Sache. Er wolte gern feinen älteften Prinzen Rudolph zum römifchen Könige mie Pam ge wählen laffen, welches er ohne Einwilligung des berlinifchen Hofes nicht thunlich mern, fand. Um ihm mehr Anfehen zu verfchaffen, ließ er demfelben die ungarifche Krone zu Presburg auffesen. Dieſer Feierlichkeit wohnte als brandenburgifcher Geſandter Detlof von Winterfeld bey, welcher von feinem Hofe Anleitung befommen, wie er zu Wien die gefuchten Vortheile des Faiferfichen Hofes mit denen brandenburgifchen Dortheilen verbinden folte. Es gelung diefem Flugen Staatsmann wirklich faft in als ten Stüden. _ Der Kaifer beftätigte ven ıgten Merz die 1571 mic Pommern gefehlof fenen Erbverträge. Da nun in denfelben der groffen Erbverbruͤderung zwifchen Bran⸗ denburg, Sachſen und Heffen Erwehnung gefehehen, fo ift dadurch auch) folche vom Kaiſer beftätiget m). E - Schon 1564 war dem Haufe Brandenburg von dem Kaifer die Antwartſchaft und die an— auf das Fürftenchum Grubenhagen ertheilee. Es wünfchte der Churfürft, daß diefe Perla i & Anwartſchaft auf das ganze Herzogthum Braunſchweig und Lüneburg mit allen da und Lüneburg, zu gehörigen landen und Rechten ausgedehner würde. Der Faiferliche-Hof ließ fich hie, zu wilfährig finden, und ließ den roten Sun. diefes Jahres eine Urfunde ausfertigen, ‚worin dem Churfuͤrſten Johann Georg und feinen männlichen Nachfommen die Ans wartſchaft auf die ſaͤmtlichen braunfchweigifchen und lüneburgifchen tande und Rech⸗ te auf den Fall ertheifet wurde, "wenn das Haus Braunfchweig ; Lüneburg in feinen männlichen Erben erlofehen feyn würde. Die römifche Koͤnigswahl folce in dem fol⸗ - genden Jahr zu ihrer Neife Fommen. Unſer Churfürft beforgte indeffen Sachen, die ihm näher angiengen n). | Die Krankheit des Herzogs von Preuffen Albrechts Friedrichs nahm mehr Der Gurfürt zu, als ab, Man bemerkte, daß felbiger der Regierung ſelbſt vorzuftehen Fünftig um: beſpricht fie fähig feyn würde. Nur fragte es fich, wer in dieſem Fall an feiner Statt die Regie — zung führen ſolte. Seine Gemalin Maria Eleonora glaubte, daß man fie hiebey Georg Frie nicht übergehen fönte, und doch hielt ſich Hierzu Marggraf Georg Friedrich in Frans drich. fen, als nächfter Better und Mitbelehnter, allein’ berechtiger. Um nun felöft zu fes beit, wie weit es mit der Krankheit des Herzogs gefommen, und auf den Fall, daß eine vormundfchaftliche Negierung dieſes Landes noͤthig, feine Vortheile zu beforgen, reiſete Marggraf Georg Friedrich in Perfon nach Preuſſen. Unterweges befprach er fich zu Croſſen mit unferm Churfürften, der ihn zu unterffligen fich anheiſchig mach» te. ©) Limnäil. P. Tom. 4 p. 621. Luͤnichs Reichsarchiv Part. Spec. von Brandenburg p. 65. „a, Schweder Theatr. Praet, Gundling. 0) Leuthinger. P.allg. preuß. Geſch. 3Ch, Gg FcıaB$ir 17 —— —— De 234 3%. 7 Hauptſt. Neuere Öefchichte von Brandenburg. 1574. te. Es waren auch die Herzoge von Pommern hier gegenwärtig 0), mit welchen das Churhaus Brandenburg die 1577 gefehloffene Erbverträge völlig berichtigte . Moͤrkiſche kir⸗ Vor allen andern Dingen ſorgte Johann Georg vor die Schulen und Kirchen ſeines chenviſitation. zandes. Da der letzte Mönch im grauen Kloſter zu Berlin verſtorben, ließ Johann Georg darin eine Schule anlegen, und dadurch die Nicolai / und Marienſchule zus ſammenziehen. Diefe neue Schule ward den 22ften Nov. eroͤfnet. Er ftellte das Anſehen des geiftlichen Gerichts in Berlin wieder her, und ernannte den Andream Musculum und den Barthel Rademann, eine Unterfuchung aller maͤrkiſchen Kir, ehen anzuftellen,, und deren Öebrechen, fo viel möglich, zu heben. Weil ‚bisher in den fändern feines Herrn Vaters und in den Befisungen des. Marggrafen Johanns von Cuͤſtrin in denen Kirchengebräuchen ein groſſer Unterſchied bemerfe worden, ſo ward eine allgemeine Kirchenordnung vor das ganze fand, vorgefihrieben , und dadurch diefer Unterfchied, fo-viel möglich, gehoben. - Bey Gelegenheit diefer Kirchenunterfis 1575. chung wurde 1575 allen Predigern ein Eid vorgelegt, wodurch fie fich anheifthig mach ⸗ ten, in ber $ehre vom heiligen Abendmahl, bey dem unveränderten augfpurgifihen lau bensbefäntniß zu bleiben, und viele Klöfter auf dem Lande zur Kammer gezogen, wodurch allerdings die Einfüünfte des fandesheren um ein berrächtliches vermehrer wurden q). | — ie Der churfürft Die Flucht des Königs Henrichs aus Polen hatte des Kaiſers Maximilians beſpricht fie) Hofnung, Polen an fein Haus zu bringen, aufs neue belebt, Dieferwegen fowol, — sa‘ ei, als auch befonders die vorhabende rümifche Koͤnigswahl feines Prinzen Rudolphs zu 5 Stande zu bringen, wolte fi) Maximilian 2 befonders mic denen Churfürften von Sachſen und Brandenburg beſprechen. Er kam daher mir feinen vier Prinzen Rw dolph, Ernſt, Matthia und Maximilian in Perfon nach Dresden, wohin fih unſer Churfuͤrſt, auf Faiferliches Erſuchen, nebſt ſeiner Gemalin und einem anſehnli⸗ chen Gefolge ebenfals im April dieſes Jahres erhob. Johann Georg verſprach, in beiden Stuͤcken das Beſte des kaiſerlichen Hofes nach allem Vermoͤgen zu befordern, und erhielt dagegen vom Kaiſer die Verſicherung, auch die Vortheile des Hauſes Bra ⸗ 1 Bringt in denburg zu befördern. Der Churfürft willigte daher in das Begehren des Kaifers, ee der böhmifchen Krönung Erzherzog Rudolphs beizumohnen, und verfügte fich daher | Verecom und in Perfon im Sept. nach Prag. Hieſelbſt brachte das Haus Brandenburg es fo Storkow zum weit, daß felbigem von der Krone Böhmen den ıoten Sept. die Herrichaften Beſe⸗ fiande, om und Storckow wirklich zu behn gereicher wurden. Man verlangte zwar boh⸗ mifcher Seits, daß diefes tehn jederzeit durch einen ans dem Herruſtande geſucht wer⸗ den ſolte. Es iſt ſolches aber niemals in Hebung gekommen, und ben der erſten Pr lehnung waren Detlof yon Winterfeld und Ehriftoph von Maienburg die churfürfts, ⸗ fichen Geſandten. Beſeckow und Storckow gehöreten ſonſt als buhmifihe hus ⸗ ſtuͤcke 0) Leuthinger. pP) Gaſtel de ſtatu puhli · und Frankfurt aber konten nicht entſchleden wer: 66 Enröpaec, 6 p. 200. Stettiniicher Srenzre⸗ den. Fid b en Sees Chron. p % 25065 ceß art, 29, Die Streitigkeiten zwiſchen Srestin mann von Frankf. c 10 F. 2. g) Aeus,inger, Churfuͤrſt Johann Gear. 235 fihete Snen Herren won Biberftein, die fie fchon ehemals an Sachſen verfeßten, 1575. ‚aber tvieder einlöfeten, nachher an das Biſchofthum Lebus verpfändeten, von welchem E. das darauf haftende Pfandrecht dem Marggrafen Johann von Cuͤſtrin uͤberlaſſen war. Dach dem Tode des Marggrafens fielen diefe Herrfehaften zwar an deſſen Schwieger⸗ Pohn Marggraf Zoachim Friedrich von Brandenburg, welcher fie aber zum Beften feines Haufes unferm Churfürften feinem Heren Vater abtrat, der nunmehro durch die erhaltene boͤhmiſche Belehnung die Rechte feines Haufes auf diefe Herrfchaften bes veftigee. Maximilian 2 ernannte hierauf den Landvoigt in der Niederlaufig Ja⸗ roslaum Herrn von Collowrat, um im Namen der Krone die Herrfihaften an das Ehurhaus Brandenburg zu verweifen, welches auch) den 22ften Febr. des folgenden Sahres mit vielen Feierlichkeiten gefehahe s). Indeſſen hatte ſich der Churfuͤrſt Johann Georg auf den Wahltag nad) Re⸗ Hilft im dte genſpurg erhoben, woſelbſt Rudolph 2 twirflich zum roͤmiſchen Könige erwaͤhlt und genſpurg Ru: 3 gekroͤnet wurde. In denen Wahlberathſchlagungen verlangten zwar die evangeliſchen resp CHurfürften, dag man dem Wahlvertrage die Erklärung des Kaifers Ferdinand eins nige wählen. verfeiben folte, konten aber nichts weiter erhalten, als daß diefe Sache durch einen bes fondern Vergleich zwifchen dem Kaifer und Churfachfen für diesmal ausgeftellet wurde. F Der Wahlvertrag feloft, der dem Könige von Böhmen zu feiner Einficht uͤberreicht wurde, war von dem letztern nicht fonderlich verfihieten 7). Bey der bevorftehenden polniſchen Wahl härte das Churhaus Brandenburg er Unterfügtin ‚nen Öfterreichifchen Prinzen gerne zur Krone befördert gefehen, weil der Faiferliche Hof Polenbiepazs € — es . 4 e x j Y des 7 beſonders ſchon vorläufig verfprochen, die Streitigkeiten zwifchen dem römifchen Reis * a che und Preuſſen, zum Vortheil der letztern zu beendigen, da ohnedies Polen Eeine Anfprüche der Deutfchen auf Preuffen erfennen wolte. Auf vem Wahltage ſelbſt, ben die Polacken, weil König Henrich den ihm gefegten Tag zur Wiederfehe nicht gehalten, veitgefegt, wurden den ızten November und in den folgenden Tagen des Kaiſers, des Erzherzogs Ferdinandi, des Königs von Schweden, des Herjogs von Ferrara, der fürftlich preußifche, der Churfürften des roͤmiſchen Reichs, und des - Büeften, den man insgemein einen Woywoden nannte, von Siebenbürgen, Bor fehaftere auf dem Wahlplage öffentlich gehoret. Die Faiferlichen und churfürftfichen empfolen den Prinzen Ernſt; der erzherzogliche Ferdinandum des Kaifers Bruder, der Tyrol umd einige andere Ofterreichifche Lande befaß, im Fall die Polacken zudem. Prinzen Ernft fein Belieben tragen möchten; der ferrarifche Alphonſum 2 Herzogen von Ferrara und Modena; der ſchwediſche ven König Johannem, oder die Prins zeßin Anna, und zum Mitregenten des Königs Johannis einzigen Prinzen Sigigs mundun; der fibenbürgifche den regierenden Fürften Stephanum Batory, doch daß er Feinesweges dem Faiferfichen und öfterreichifchen Haufe in Erlangung der Kros ne hinderlich zu feyn gebächte. Die Werbung des fürftlich preußifchen Sefandten war eines andern Inhalts. Er beklagte fich, daß man. feinem Herrn Sitz und Stimme ‚©sg 2 | im 5) Leuthinger. Gundling. ) Ebendaſelbſt. 236 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg, 1575: 1576, Johann Ger arg wird vor: mund in Mecklenburg. teichstan zu im Neichsfenat nicht verftatten wolte, und widerfprach dawider feierlichſt. Die mei⸗ fien Stimmen fielen. auf den Kaifer Marimilian ſelbſt, ob er gleich. für fich um, ‚die Krone nicht geworben hatte, und auf den Erzherzog Ernſt. Die andern waren zwi⸗ ſchen dem Koͤnige von Schweden, dem Herzoge von Ferrara und einem Piaſten ger theilt. Sonderlich war die Ritterſchaft vor einen Eingebornen eingenommen, und ſchlug die Woywoden von Sendomir und Bels, Johann Koſtka und Andreas Tentfihindiyg vor, welche aber diefe Würde von fich ablehneten. Weil mun feine Einigfeit zu hof ⸗ fen, ſo ward den ieten Dec. Kaiſer Maximilian von dem Reichsprimas zum Könige ausgerufen; aber die Gegenpartey rief den 14ten Dec. die polniſche Prinzeßin Anna - Königs Sigismundi Tochter zur Königin, und den Fürjten von Siebenbürgen Ste phanum Batory, zu ihrem Gemal und Könige aus. An beide wurden Gefandten geſchickt. Maximilian 2 war zu Tangfam. Er kam nicht gleich nad) Polen, um - der Gegenparten Zeit zu laſſen, fich zu befinnen. Stephanus war. hurtiger. Er _ kam 1576 nad) Polen, ließ fich Erönen, und fein Anhang. vermehrete ſich zufehends.. Der Herzog von Preuffen erflärere fid), daß er erſt abwarten wolle, wer von. beiden die Polacken zu vereinigen das Gluͤck haben wiirde. , Der gröfte Theil vom polnifchen Preuſſen, und fonderlic) die Stadt Danzig, blieben dem Kaiſer am längften zuge⸗ than, baten ſolchen ‚aber vergeblich um feine Huͤlfe q). Sohann Albrecht Herzog von Mecklenburg hatte bereits 1573, in einen — * Willen, feinen Soͤhnen Zuhann und Siegmund Auguſt, den Churfuͤrſten Auguſt von Sachfen, unfern Churfuͤrſten Johann Georg von Brandenburg und feinen Bru⸗ derden Herzog Ulrich zu Vormuͤndern verordnet. Als nun Johann Albrecht mir Tode abgieng, unterzog ſich unfer Churfürft diefer Bormundfehaft, und führete fie etliche Tabre, zum, Beften des mecklenburgifchen Standes 7), nebft dem Churfürften Auguft von Sachfen und dem Herjog Ulrich, welche deshalb im folgenden Jahte zu Schwerin eine Zuſammenkunft ihrer Raͤthe halten laffen s). | Marimilian 2 hielt in der Zeit, um gegen die Zürfen ver Hülfe des Reichs Regenſpurg. ſich zu verſichern, einen Neichstag in Regenſpurg. Der Churfuͤrſt ſchickte George Gans Herrn zu Putlitz, Detlof von Winterfeld, Andreas Zoch und Chriſtoph Maienburg als feine Geſandten auf dieſe Neichsverfammlung. Es ward dem Kaiſer wirklich eine Hülfe gegen die Tuͤrken verfprochen, zugleich aber von der Hanthabung des kandfriedens, von dem aha vom Neichsanfchlage, von dem Min; und Policeymwefen mancherley verordnet. Die Reformirten fuchten hieſelbſt mit vielem Eifer, daß der Religionsfrienen auch auf fie ausgedehnet würde. Sie bemüheren fich nebft vielen lutheriſchen Ständen, die Abftellung verſchiedener Religionsbefchwernen zu bewirken, fonderlich verlangte man die Abſchaffung des geiftlichen Vorbehalts, und die Beobachtung der Erklärung 24 Ferdinands fuͤr die Ber Religionsäbung der mittels g) Heren Lengnich Geſchichte von Preuſſe n. r) Cernitius ©. 73. Luͤnich Reichsarchiv Part. Spec. Cont. 2 von Medlenburg p. 502. s) von Beehr Res Mecklenb. Li 5 e. 5 p. 815. —— me en a a \ — se — — — Churfuͤrſt Johann Georg. — mittelbaten Unterthanen, weil an verſchiedenen Orten die proteſtantiſchen Untertha⸗ nen von catholiſchen landesherren nicht geduldet wurden, und deshalb mancherley Bes n entſtanden waren. Allein der Kaiſer wolte in Feine Aenderung des Religions⸗ liedens willigen. Churſachſen ſonderte ſich, da die Proteſtanten einen gemeinſchaft⸗ lichen Schluß zu ihrem Vortheil abgefaßt, von feinen Glaubensgenoſſen, ſonderlich aber von denen Neformirten, ab. Der Reichstag endigte fich alfo in groffer Bewegung ber. Gemüther 7). Siezu Fam die Beftürzung über den Tod des Kaiſers. Marimilian 2 hatte Eu vor feinem Ende feinem Sopn Rudolph insbefondere eingebunden, mit denen Chun N häufen Sachfen und Brandenburg zum Vortheil feines Erzhaufes das bisher beobs achtete gute Bernehmen beizubehalten. Er ftarb fodenn den ı2ten Oct. an eben dem Tage, da der Neichsabfehied unterfchrieben wurde. Abm folgte in der Regierung der = nunmehrige Kaifee Rudolph 2. Es war folcher in Spanien erzogen, und er hatte, ſich in feiner Jugend eine ungemeine Fertigkeit in ricterlichen Uebungen zumege gebracht. Er war gelehrter, als es dem Neiche zuträglich war. Er liebte die Maturlehre, die J Mahlerey, Mechanic, die Werke ver Kunſt, die edlen Steine, die Sternkunde, die Scerndeuterey, wohlgebildete Gefichter und ſchoͤne Pferde, Uebrigens war er faft ges gen jedermann voller Mistrauen. Er flohe die Menfchen, und befuchte ven Marftall, Seine reizende Befchäftigungen raubten denen Hffentlichen Angelegenheiten viele Zeit, die durch Staatsbediente verwaltet wurden. Daher Fam es, "daß feine Regierung den —— Sauptgeum zu dem — zojaͤhrigen Kriege geleget hat u). 100. Churfuͤrſt Johann Georg von Bratiberibuig war noch immer ſegfältig be/ Vergleich mit — alles zu entfernen, was die Ruhe und Sicherheit ſeiner Staaten ſtoͤren konte. den er 4 Er ſchloß zu dem Ende mit dem adelichen Haufe derer Borcken, unter der Vermitte— lung des Churfürften von Sachfen Auguſts, des Herzogs von Braunfchweig Julii und eines Faiferlichen Bevollmächtigten, . zu Torgau einen Vergleich x). R An eben diefem Orte wurde eine Verſammlung verfchiedener Gottesgelehrten ges Eintrachts⸗ halten. Die Proteſtanten waren jetzt mehr als jemals unter einander uneinig. Die eifrigſten Lutheraner haßten insbeſondere diejenigen, welche ſich zwar oͤffentlich zum augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß rechneten, heimlich aber der Lehre Calvins bei⸗ pflichteten. Sie fielen auf den Anſchlag, ein neues Glaubensbekaͤntniß zu verfertigen, welches denen Reformirten gerade entgegen geſetzt waͤre, um die echten Lutheraner an der Annehmung deſſelben erkennen zu koͤnnen. Ohnerachtet dieſes eben das Mittel war, eine Trennung unter denen zu verurſachen, welche wenigſtens aͤuſſerlich zu einer Kicche zu gehören vorgaben; fo nannte man dieſen Aufſatz doch eine Eintrachtsformul. Es arbeiteten zu Torgau hutherifche Gottesgelehrte verfehiedener Reichsſtaͤnde an dies ſem Werke. Unſer Churfürft hatte ven Andream Musculum und Ehriftoph Cor⸗ | ©g 3 nerum 5) Keichsabfhied von 1576. Datt de pace relig. “) Dan. Eremita Itiner Germ. x) Herrn D. Öelrichs Beitrage zur brandenburgiſchen Geſchichte. formul. 1577. Bermält feine Chu in und dein Herzoge von Pommern Yohann. Friedrich, fondern er hielt auch felbft im ich ſelbſt. 238 3 Ch. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. herum von feiner Seite dahin abgeſchickt. Die verfaßte Eintrachtsformuf ward aber 1577 zu Klofterbergen bey Magdeburg aufs neue überfehen, völlig berichtiget und fodenn befandt gemacht. Es hat diefe Schrift endlich) die wirkliche Trennung der Lu⸗ . theraner und Reformirten nach) fich gezogen, da bisher die legtern eben fo, wie die erftern, "das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß anzunehmen bezeugten. Man pflegt die Eintrachtsformul gemeinhin unter die Unterfcheidungsbücher ver Jutherifchen Kirche zu rechnen, ohnerachtet man nicht erweifen kann, daß jemals alle Jutherifche Gemeinden, ob es wol die meiftengethan, folche öffentlich davor angenommen hätten. Daͤnnemark, Braune ſchweig/ Pommern, Holftein, Heffen, Anhalt, Nuͤrnberg, Strasburg verweigern theils anfänglich, theils nachher, ihre Unterſchrift; auch in Preuſſen wurde fie anfangswon denen Geiftlichen nicht unterfihrieben. Obgleich heutiges Tages die zurJutherifchen Kir⸗ che fich befennende Lehrer gegen die Nichtigkeit der in der Eintrachtsformul enthaltenen Säge nichts einwenden; fo wird doch noch jetzo in verſchiedenen lutheriſchen aͤndern nicht darauf gedrungen, daß nur derjenige zur Jutherifchen Kirche gehöre, welcher die Eintrachtsformul als ein Unterfcheidungsbuch der Iutherifchen Kirche annimmt, In dem Churfürftenehum Brandenburg ift diefe Formula concordiae öffentlich anges nommen. Die Kirchenlehrer diefleits dee Oder unterfehrieben ſelbige an verfihiedenen Drten, befonders aber den. 22ften Jul. y) zu Berlin. Die Unterfchrife derer Geiſtli⸗ chen jenfeit der Oder erfolgte den sten Aug. zu Cuͤſtrin. Man nahm fie an, weil brandenburgifche Gottesgelehrte an derfelben arbeiten helfen. Seit diefer Zeit wur den die Meformirten genöthiget, einen eigenen Religionshaufen auszumachen, weil fie die Eintrachtsformul nicht annehmen, und die eifrigften Lutheraner keinen vor eis nen folchen anfehen wolten, der das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß annehme, folg⸗ lich des Neligionsfriedens fich zu erfreuen habe, als der zugleich fich zu der Eintrachts⸗ formul mit Herz, Mund und Hand befenne, In der That war diefe Formul mehr ein Trennungs / als Dereinigungemittel zZ). E Um diefe Zeit vermäfte nicht nur unfer Churfürft feine Prinzeßin Erdmuth mie Detober auf dem Schloß Neglingen bey Gardeleben fein chelich Beilager mie feiner dritten Gemalin Elifabeth des Fuͤrſten Joachim Ernft von Anhalt Prinzeßin Giebt Lindau Ohne fonderlichen Pracht a). Diefe Bermälung dienete dem Haufe Anhalt zu ſonder⸗ an Anhalt zu batem Vortheil. Es waren über die Grafſchaft Lindau feie dem Abgang der Grafen Lehn. von Ruppin zwiſchen den Haͤuſern Brandenburg und Anhalt noch immer Streitig⸗ Feiten gewefen. est wurden folche aber aus dem Grunde gehoben, da der Churfürft ' Johann Georg diefe Grafſchaft dem Haufe Anhalt, jedoch als ein brandenburgis ſches Mannslehn, völlig überließ b). Der 9) Leuthinger fagt den 2often Jul. FJ z) Leuthinger. Angelus. Haftitius. Gundling. Arnold Kirchen⸗ und Ketzerhiſtorie T. Hutteri Concordia concors. Hoſpiniani Concordia difcors. | a) Leurhinger. Angelus. Haftitius. Gundling. b) Becmanns anhaͤltiſche Geſchichte. Churfürft Johann Georg. .239 Der Churfuͤrſt hatte bereits durch Georg Gang edlen Herrn von Wutlig und 1577, Chriſtoph von Maienburg von dem Kaiſer Rudolph 2 die Reichs/ und böhmifche Wird von Kur Belehnung empfangen. Er hatte durch feine Gefandten den Reichsdeputationstag zu Ev — Frankfurt beſchickt, und daſelbſt die neueſte Policeiordnung verfertigen helfen. Nun: Veſchickt den mehr war der Kaiſer nebſt feinen Brüdern nad) Bautzen gekommen, und wuͤnſchte, deputations⸗ ſich dafelbft mic den Churfürften von Sachfen und Brandenburg zuunterreden. Yo ae befprice hann Georg reifete daher gleich nach feinem Beilager dahin ab, und jedermann fafte fi mit dem die Hofnung, daß die Unterredung dieſer groflen Herren die Beibehaltung der Ruhe kaiſer. in Deutfchland bewirken werde c). | | — $. 101 Unſer Epurfürft war auch vor die Wiederherftellung der Ruhe in Polen äufferft Soͤhnt Dan⸗ beſorgt. Die Stade Danzig hatte die Partey des Öfterreichifchen Hofes bis auf den sis mit_dem Tod Marimilians 2 gehalten, Sie machte auch nach demfelben Schwierigkeiten, =. — ſich dem Könige Stephani Bathori zu unterwerfen, bis derſelbe ihren Beſchwerden len aus. abhelfen und ihre Freiheiten beftätigen würde. Darüber ward die Stade in die Acht ers klaͤret, und ein polnifcyer Neichsfrieg gegen fie befchloffen. Stephanus belagerte den Ort, und fuchte bey feinem Geldmangel durch einen Gefandten Johann Buſens⸗ fy a Buziena ein Darlehn vom berlinifchen Hofe zu erhalten. Weil nun der Churs fürft die Stadt nicht gern unterdrückt fehen wolte, ex auch mit dem Könige, theils wer gen der Belehnungsfache über Preuffen ; befonders aber wegen der vormundfchaftlichen Degierung des Herzogehums Preuſſen vor feinen Vetter Georg Friedrich in Frans ken zu handeln hatte, fo wurden von ipm Abraham von Grüneberg, DVerwefer zu Croſſen, und Chriftoph Maienburg an Stephanum nach Marienburg abge ſchickt, wo fich der König nebft vielen Groffen feines Neichs damals aufhielt. Zu den brandenburgifchen Gefandten gefelleten fich die Gefandten des Churfürften von Sachs fen, des Erzftifes Magdeburg, des Marggrafens von Anfpach, des Herzogs von Wuͤrtemberg, der tandgrafen zu Heffen und der Herzoge in Pommern d). Da fie ſaͤmtlich um ihre Bermittelung vor Die Stade Danzig erfucht wurden, bezeigten fie, daß ihre Herren ihnen diefes Gefchäft bereits aufgetragen. -Sie unterzogen fich diefer Sache auch mit fo vielem Gluͤck, daß den bten Des, die Stade mit dem Könige wirk⸗ lich) ausgeſoͤhnet wurde e). | Auch in der andern Sache gieng alles nach Wunſch. Seit dem Albrecht Fries Erhaͤlt biere— drich Herzog von Preuſſen in eine Bloͤdſinnigkeit verfallen, hatte er bis hicher die —“ —— Regie Georg $rier sum Zoff, Georg von Wambach und D. Caſ drich, Cernitius. Gundling. Leuthinger. d) Die Geſandten waren von Churſach ſen: > bie Köche Abraham Bokund D Andtras Paii: U; von Ehurbrandenburg, Abtaham von Bruneberg Verweſer zu Ce-flen und Comthur auf ago, und viftsph Naienburg churfuͤrſt⸗ licher Rath; von wegen Mardeburg, Otto von min; von Anfpach, Wil ſelm ser zu Hei⸗ deck, Hans Paul von Schomberg Hauptmann per Brantner; von Wuͤrtemberg, Albrecht Sraf zu Löwenftein ; von Zellen, Burckhard von Ealenbera und D. Nicolaus Theophilus Raͤthe; aus Pommern, Teilen Rleift Haupt: mann auf Srerein und Belgard, und D. 09 chim Erger. Herrn Lengnich ptrufifche Ge⸗ ſchichte na) Sieamund Auguſts Tode ©, 281, e) Herr Lengnich ebendajelbit, 1577: 1578. 240 3%7 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Regierung ſelbſt gefuͤhret. Da aber zu feiner W.cvergenefung alle Hofnung ſich ent⸗ fernre, fand man vor nöthig, die Regierung einem Vormunde aufzutragen. ' Schwiegervater der Herzog Wilhelm von Cleve ſuchte dieſe Vormundſchaft vor ſich zu erhalten. Georg Friedrich Marggraf von Brandenburg in Franken hatte aber, als nächfter Verwandter und Micbelehnter,, hiezu unſtreitig das befte Recht. Um fol - ches. in Polen zu unterftügen hatte unfer Churfürft bereits den Caſpar Flanß und Chriſtoph Maienburg, fo wie der Churprinz Joachim Friedrich den Otto von Ramin als Geſandten abgeſchickt, und es dahin gebracht, daß ſchon dem ziſten May polniſche Sefandten in Anſpach anfamen , und dem Marggrafen Georg Friedrich die Negierung in Preuffen auftrugen. Den 25iten Sun. veifeten folche wieder ab, und der Marggraf ſchickte den Wilhelm Freiherrn von Heydeck, Georg Paulvon Schaumberg, Georg von Wambach und feinen Kanzler Caſpar Brandner zum Könige. Die auf dem tandtage zu Raſtenburg verfammlecen preußifchen dandſtaͤn⸗ de hatten den Marggrafen bereits erſucht, nach Preuffen zu kommen, und die Res gierung zu uͤbernehmen. Marggraf Georg Friedrich Fam alfo wirklich aus feinen fanden nach Berlin, befprach ſich mir dem churfürftfichen Hofe, und erfuchte den Johann Georg, feiner Länder ſich anzunehmen, werin in feiner Abweſenheit Sachen von Wichtigkeit darinnen vorfielen. Von bier reifete er nach Warſchau auf den Keichstag, und Fam dafelbft den geen Febr. 1578 an. Die churfürfklichen Gefands und vor ſich ten haften fich auch dahin eingefunden. Den 27jten Febr. erfolgte mit gewöhnlichen bie mitbeleh⸗ geierlichkeiten vor der Stadt bey dem Barfuͤſſerkloſter auf einem Platz, der mit ro⸗ nung. them Tuch beleget war, die Belehnung. Der König überreichte dem Georg Fries drich, ala Vormund des blöden Herzogs Albrecht Friedrichs und zugleich als wirk⸗ lichein Herzoge von Preuffen, die Sahne, welche die Geſandten des Churfürften und des Ehurprinzen, zum Zeichen der Mitbelehnung, an den äufferften Enden 'anfaffeten. Gegen die legte Handlung legten zwar als eine ungewöhnliche Sache die landboten eis nen Wiperfpruch ein. Da aber vie Mirbelehnung dem Churhaufe Brandenburg ob ne allen Widerſpruch auf öffentlichem Reichstage zu Lublin mie Genehmhaltung ver Stände ertheilet worden; fo erflärete der König ſelbſt, daß diefer Widerſpruch Feinen Grund habe, und ließ. dem Churhaufe Brandenburg die Lehnsurkunde ausfertigen f). ; 102, ; Br Sieben nie So glücklich der Churfürft bey Polen alle vorgefegte Abfichten erreicht Hatte ; fo derlandiſche behielt er auch die Angelegenheiten der Niederländer immer vor Augen. Daſelbſt ya 3 war es ſchon fo weit gefommen, daß die Stände dem von dem Könige Philipp 2 ge Spanien los. feßten Statthalter ven Krieg anzukuͤndigen öffentlich befchloffen. Die Misvergnügten hatten des Kaifers Bruder Erzherzog Matthiam zum oberften Befehlshaber ihrer Kriegs⸗ völfer ernannt, der fehon im vorigen Zahr heimlich, und gleichfam ohne Borwiffen des Kais f) Herr Lenanich. Gundling. Refponfun tam, in quo refellitur falta proteftatio. Di- et recognitio Regis Srepbani ad petitionem peti- ploma infeudationis regis Szephani 1578. Hei- tionis fimultaneae inueftiturae 1577. Alterum denftein rerum Polon, a morte Sigismundi Au- refponlum regis Srephani pofb inueftituram da- guſti p. 100 ſq. Kaifers; ; dahin abgegangen. Die bedrängten Stände fuchten überall, ſonderlich bey 1578. Per: Johann Georg. | — Frankreich und England, Huͤlfe. Matthias wandte ſich in eben dieſer Abſicht an das deutſche Reich. Der Kaifer übernahm mic gutem Willen des fpanifchen Hofes und der Stände die Bermittelung zwifchen beiden Theilen, und veranläfte eine Fri densverſammlung zu Coͤln. Unfer Churfürft wuͤnſchte, daß hiedurch die Ruhe hew deſtellet werden möchte, wozu aber fehr wenig Hofnung übrig blieb. Denn nachdem der ſpaniſche Statthalter Don Jean ab Aufkria unvermuthet mit Tode abgegan ⸗ gen, ward vom Madriter Hofe der Herzog Alerander von Parma an feine Stelle verordnnef, der fich mit denen der alten Religion eifrigft ergebenen Wallonen aufs > genauefte verband. Johann Georg, welcher den ıgten May den deffauifchen Hof . befüche hatte, erlaubte feinem Adel, in die Dienfte der vor Religion und Freiheit ſtrei⸗ tenden Stände zu gehen, und Johann von Buch hatte einen anfehnlichen Haufen in der Mark vor vie Niederländer angeworben. Diefe verfprachen fich von denen Fries densunterhandlungen zu Coͤln Feine groffen Vortheile. Sieben Provinzen fehloffen aus dieſem Grunde 1579 die berufene ewige Verein zu Utrecht wodurch zu der allgemeis 1579. nen Berfaffung der Niederlande ein vefter und beftändiger Grund geleget wurde. Die Friedensunterhandlungen zu Cöln giengen alfo fruchtlos zu Ende, und die vereinigten Miederlande rüfteren fich, ihre Freiheit mit aller Gewalt zu behaupten. Man Eonte alſo hieraus die blutigften Auftritte zuvor fehen, die nothwendig folgen müften, und worin Deutfchland auf mehr als eine Weife nachher verwickelt wurde 6), obwol die “ Marf hiebey unmittelbar nichts gelitten, woſelbſt auch endlich das Kiofter Neuendorf in der alten Mark, welches bisher noch catholifch geweſen / ſich zur Annehmung der proteſtantiſchen tehre bequemte ). Die verſchiedenen in Deutſchland befindlichen Mündſorten veranlaſſeten vor um —— fern Churfuͤrſten andere Beſorgungen. Da die Freiheit zu muͤnzen in Deutſchland Jorge vor das fo ungemein vielen Mächtigen und Mindermächtigen zufteher, fo haben auch die beften muͤnzweſen, Muͤnverordnungen die groſſe Verſchiedenheit der Münzen nach ihrem innern Werth nicht verhindern koͤnnen. Seit vielen Jahren hatte man auf den oberſaͤchſiſchen Kreistagen auf Mittel gedacht, das geringhaltige Geld zu entfernen. Anjetzt wurde zu eben biefem Behuf befchloffen, daß zu Leipzig und Frankfurt an der Oder wechſels⸗ weife zu Unterfuchung der umlaufenden Münzen Berfammlungen gehalten werden fol ten. Aber auch die beften Anftalten waren nicht hinreichend, das gute Geld im kande zu erhalten, und das geringhaltige zu entfernen 7). Mit mehrerem Gluͤck unterzog fich der Churfürft denen magdeburgifchen Ange und Hilfe die begenheiten. Der Churfürft von Sachfen hatte in dieſem Hochftift theils von alten magdeburgi; fchen fachen Zeiten das Burggrafthum und Grävefchaft zu Halle ‚ theils allerhand Gerechtigkeiten berathen, „ben Gelegenheic der im ſchmalkaldiſchen Kriege vorgenommenen Belagerung von Mag—⸗ deburg g) Cheodoricus Graminaeus Relation an die Kaiſerliche Majeſtaͤt. ) Angelus ad h. a. ) Gundling. P.allg. preuß · Geſch 3 Th. 2 1579. 242 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. deburg und des damals gefehloffenen Tripartits befommen. Die Ausuͤbung der fach fifchen Rechte im Hochftift war allerdings dem Erzbifchof hochft beſchwerlich, und man. | hatte, fich folcher zu entledigen, bereits viele Unterhandlungen gepflogen. Nunmehro aber unterzog fich unfer Churfürft nebft dem Sandgrafen Wilhelm von Heflen der Bermittelung diefer Sache, und brachte zu Eisleben zwifchen Churſachſen und Mag⸗ deburg den roten Jun. einen fehr merkwuͤrdigen Taufchvertrag zu Stande, Auguſt von Sachfen trat an das Hochſtift das Burggrafthum Magdeburg und die Graͤve⸗ ſchaft zu Halle gegen Beibehaltung des burggräflichen Titels und Wapens und gegen Ueberlaffung der Aemter Gommern, Elbenau, Ranis und Gottau völlig ab. Churſachſen that auf alle Gerechtigkeit auf Magdeburg Verzicht, welche es aus dem Tripartit erlanger, und erhielt dagegen die Landeshoheit auf verfchiedene mangfeldis file Aemter. In Abſicht der dem Churhaufe Brandenburg aus dem Tripartit zus ſtehenden Nechte wurde in dieſem Vertrage folgendes verordnet: Dieweil aber weis land der Hochgeborne Färft, Herr Joachim Marggraff und Churfürft zu Brandens burg ic. Unſer des Churfürften zu Brandenburg Herr Vater Chriftfeel. Gedaͤchtniß in der Tripartit Handelunge, auch auf eine gewiffe Maffe mit eingezogen, alfo daß. Se. t0d. oder derfelben Erben und Nachkommen, wenn fie dem Churfürften zu Sachs fen, nach Inhalt der Se. 860. darüber zugeftelten Verficherung, Fünff und Neungig taufend Gulden erlegen würden, von Sr. des Churfürften von Sachſen &bp. die alte Stade Magdeburg zum dritten Theil mic folte überwiefen werden, nach weitern In⸗ halt ver Verträge, So hat der Churfürft zu Sachfen, was Se. 1bd. nach Uberweis funge des dritten Theils der alten Stave Magdeburg derowegen bey Uns, dem Chur⸗ fürften zu Brandenburg, zu fordern haben möchte, dem Aominiftratorn und Doms Capitul freundlichen mit übergeben, und wollen Wir der Churfürft zu Brandenburg Uns derowegen mit Unferm freundlichen lieben Sohn, den Aominiftratorn und Sr. „260. Dom» Eapitul, weil die alte Stadt Magdeburg dem Ertzſtifft nur allein zuföme, ferner värerfich und gnaͤdiglich wiffen zu vergleichen, und foll zu dem Behuff der Chur⸗ fürft zu Sachen, Unfers des Churfürften zu Brandenburg Herrn Vaters Verſiche⸗ zung Über die Zünff und Neuntzig taufend Gulden bey Uberantwortung derer zu der Tripartit Handlung gehöriger Urfunden, dem Aominiftratorn und dem Doms Capis tul mit überantworsen laſſen K). ,,. An eben dem Tage. wurde durch einen Nebenvers gleich ausgemacht: daß Churfachfen, Ehurbrandenburg und der Erzbiſchof die Wiedererſtattung der auf die Belagerung der Stadt Magdeburg verwandten Koften bey dem gefamten Deich fuchen ſolte. Unfer Ehurfürft bedienete fich bey diefen Handlungen des Georgs von Blanfenburg, Lamperts Diftelmeier und Detlofs von Winterfeld D. Nachdem nun diefer eislebifche Vertrag ven gten Auguſt vom Kaiſer beftätiget worden m), folte Joachim Friedrich in der Stade Magdeburg die Hul⸗ %) Luͤnich Reichsarchiv Part. Spee. von Sach⸗ D Luͤnich Part. Spec, Cont. 2 p. 376. von fen p.10g. Electa luris Publ T.1p.534. Herr Dreybaupe ©. 317. | von Dreyhaupt Hiſtorie des Sgalkreiſes T,r m) Luͤnich Part, Spee. Cont, 2 p.377. Kerr p. 310, | von Dreyhaupt ©, 318, 1: Churfirſt Johann Georg. 243 Huldigung einnehmen, welches ſeit 65 Jahren nicht geſchehen war. An Wolmir⸗ 1573. ſtaͤdt verſammlete ſich der magdeburgifche Adel. Der Churfürft von Brandenburg, Henrich Julius Herzog von Braunſchweig⸗ Wolfenbüttel, Otto Herzog zu Lür neburg, Joachim Ernſt Fuͤrſt von Anhalt begleiteten insgeſamt den Erzbiſchof mit einem anſehnlichen Gefolge 72). Alles war mit groſſer Pracht veranſtaltet, und nach— | & dem Churſachſen dein z6ften October ven Rath und der Buͤrgerſchaft ihrer Pflicht ers dlaaſſen, und an den Erzbifchof verwiefen, erfolgte die Huldigung zu allerfeirigem Ders 'gnügen 0). Auch die Irrungen, welche zwifchen dem Erzbiſchof und dem Domcapis tel von Magdeburg fich ereignet hatten, ſuchte unſer Churfürft güclich beizulegen. ‚Er brachte durch) ſchon bemeldte Näthe, zu denen noch Joachim von der Schulen burg gefellet wurde, den sten Zul. 1580 einen gütlichen Vergieich zum Stande p). 1580, Der Graf von Stolberg Albrecht, ein brandenburgifcher tehnemann, der und dem gra; Änfonderheit bey Beſitzuehmung der Stadt Magdeburg dem Marggrafen Zuachim f" von Stol— berg feine frei: Friedrich Dienfte geleiftet, war, weil er ſich feiner Schwefter der Aebtißin zu Qued⸗ Heic verſchaf⸗ Tinburg mit gar zu vielem Eifer angenommen, in die Ungnade des Churfuͤrſten von fen. Sachfen gefallen. Er wurde, mit Vorwiſſen des Kaifers, von Churfachfen und — Churbrandenburg zu Quedlinburg in Verhaft genommen, nach Dresden und von Ba auf das Schloß Hohenſtem als Gefangener abgefuͤhret. Der Churfuͤrſt von Bran⸗ denburg nahm fich aber feiner an, und bedienete fich aller Freundfchaft, die er mit dem Churfürften von Sachfen unterhielt, um deflen Befreiung zu bewirken. Cs gelung ihm auch wirflich, Auguſtum zu vermögen, den Grafen wieder auf freien _ Fuß zu ftellen, der zu groffer Freude feiner Unterchanen zu Wernigerode wieder an⸗ langte q). Me he 102. Der Czaar Ivan Baſilowitz 2 war bereits im vorigen Jahr mit dem Könige Riga ſucht ‚von Polen Stephang:in öffentlichen Krieg gerathen. Die Furcht vor den Waffen Dilfe gegen des erftern brachte die Stadt Riga dahin } daß ſie ſich an verſchledenen Orten um Schutz — und Beiſtand bewarb. Unter andern kamen ihre Abgeordnete in Trauerkleidern quch nach Berlin, und ſtelleten dem Churfürften ihre Beſorgniſſe vor. Der Hof fand aber nicht rathfam, im dieſe weitauffehende Sache ſich zu mifchen, fondern wies die Abgeordnete an den König Stephan von Polen. Dieſem Herrn ließ Johann Georg soooo Thfr. zu befferer Fortſetzung des Krieges auszahlen vr). © 2 Die niederländifchen Angelegenheiten giengen den Berliner Hof näher an. Defien betra⸗ Die Königin von England Elifabeth fahe bereits unter der Hand die vereinigen Pro, 9 in denen niederländi; binzen mit Vergnuͤgen fich von Spanien trennen, da fie dem fpanifchen Hofe nicht jenen amgeie: ſonderlich trauen Fonte. Sie ſchickte an die vornehmften Höfe Gefandten, um folchen senheiten. die Befchaffenheit der Sache vorzulegen. Der berlinifche Hof kam hieben ehenfals “ wg bey "n) Kerr von Dreyhaupe fagt mit 1:00 Pfer; p) Herr von Dreybaupt ©.220. Loͤnich Part. den. Haftitius und Angelus geben bey 2000 an. Spec. Cont.2 Fortjekung von Magdeburg p: 376» 0) Herr von Dreyhaupt. Bundling. Arf: 4) Bundling. Keushinger, titius. Angelus. Keuchinger, ) Ebendafeldft. | 1580. | ren würde. ie fieng wirklich bereits an einigen Orten zu wanfen an 2). Aackenſche unruhen. 1581. Der branden⸗ burgiſche und ſaͤchſiſche hof 044 3%. 7.Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. | bey ihr in Betrachtung, Es war der Churfürft Johann Georg in einem folchen Ans ſehen, daß ſelbſt Muley Hameth Kaifer von Marocco ihm in einem Schreiben die fes Jahres den Brudertitel beilegte s). Allein unfer Churfürft mufte damals in Abs. ficht der Niederlande mic vieler Behutfamfeit zu Werke gehen, Er verbot fogar dem brandenburgifchen Adel, aufferhalb tandes Kriegspienfte, ohne feinen Vorbewuſt, an⸗ zunehmen, da man nicht wiffen Fonte, wie lange die Ruhe Deutfchlandes fortdau⸗ Sonderlich machte das, was in der Reichsſtadt Nacken vorgefallen, vieles Auf fehen. In diefem Ort ward 1559 ein Schluß verfaft, verimöge deſſen alle Perfonen, die nicht der roͤmiſch⸗ catholiſchen Neligion beipflichteten, von Raths und andern Stadtämtern ausgefchloffen feyn folten. Nachdem aber viele aus den Niederlanden flüchtende Proteftanten fich in diefer Reichsſtadt niebergelaffen, fo hatte die evange⸗ lifche Partey einen folchen Zuwachs befommen, daß felbiger, vermöge eines andern Schluffes im Jahr 1574, ebenfals dffentliche Aemter zu erlangen, verftattet wurde. Hier⸗ über waren zwifchen den Catholifen und Proteftanten dieſes Orcs folche Streitigkeiten erwachfen, daß der Kaifer vor nöthig fand, dem Bifchof von Lüttich und dem Herzoge von Juͤlich, denen noch Philip Graf von Naffau und Philip von Winneberg zw geordnet wurden, bie Unterfuchung diefer Sache aufzutragen. Als nun Philip von Naſſau nebft andern abgefchickten Raͤthen wegen einer bevorfichenden Rathswahl 1581 fich in der Stadt einfand, und fich den Evangelifchen abgeneigt bezeigte, kam es zum Öffentlichen Auflauf. Die Catholifchen fanden fich zu fehwach, und ein geoffer Theil des alten Raths nebft denen Domherren fahen fich bemuͤßiget, die Stadt zu vers laffen. Diejenigen, welchen der Kaifer die Unterſuchung aufgetragen, brachten des⸗ halb ein Heer zuſammen, und belagerten Aacken. Die Sache wurde jedennod) vor ⸗ jest durch einen Vergleich auf die Entſcheidung des Katfers ausgefegt u). Diefe Weiterungen zwiſchen Gatholifen und Proteftanten machten die Freund⸗ ſchaft des churbrandenburgiſchen und churfächfifchen Hofes um fo viel nothwendiger, haften veſt zu, weswegen fie bey Gelegenheit der Taufe des neugebornen Prinzen Ehriftians in Berlin Yammen. vertrauliche Untervedungen hielten, und, in Betrachtung der niederländifchen Angele: genheiten, gemeinfchaftlich zu handeln befehloffen. Weil dafeldft ver König von Spar nien auf den Kopf des Prinzen von Dranien im vorigen Jahre eine groffe Summe Geldes geſetzt; fo hatte diefer durch eine feharfe Schutzſchrift fich verantwortet. Die fieben vereinigten Provinzen Fündigten dem Könige in einer öffentlichen Schrift den Gehorfam auf, und erfläreten ihn aller über fie gehabten Nechte verluftig. Des Kais . fers Bruder Eczherzog Matthias war feines Amts eines oberften Befehlshabers entlaf fen, und aus ven Niederlanden zurück gefommen. Der Prinz von Dranien ſchickte unfer andern feine Schugfchrift auch unferm Churfürften zu, und erfuchte denfelben, fich der Angelegenheiten des Haufes Naffau mie dem Haufe Heffen anzunehmen. Der. Chur⸗ s) von Ludwig in Rel. Manufer. T. 9 p. 589. 2) Gundling. Leuthinger. u) Noppii Aachner Chronik DB, 2 Hofmanns Sammlung Th. PR: FE, . * Ehurfürft Johann Gr 245 Churfuͤrſt Johann Georg gab dem Geſandten zur Antwort, daß ihm das Wohl des 1581. ‚Prinzen jederzeit zu Herzen gehen würde. Unter der Hand ließ fich der Churfürft mers ‚Een, daß er nebft andern Proteftanten, fonderlich Churfachfen, dahin fehen wolte, daß gegen die vereinigten Niederlande von Neichswegen nichts unternommen werden - flex). Der Ehurfürft von Sachfen und unfer Sohann Georg, welche auch dem Serʒoge Ulrich von Mecklenburg feine Streitigkeiten mit der Stadt Wismar beis legen halfen y), Fonten damals faft alles ausrichten, da 1582 deſſen Prinzeßin Sophia 1582. dem Churprinzen von Sachſen Chriftian zu Dresden, in Gegenwart beider churfürft, lichen Höfe, ehelich beigeleget wurde, deren Schwefter Anna Maria in diefem Silke au Berlin an ven Herzog Barnim von Pommern vermält worden z). | aaa © Baar Der Papft Gregorius 13 hatte mic dem bisher üblichen julianifchen Calender Gregoriani— eine groffe Beränderung vorgenommen, und durch gefchickte feute den fogenannten gre⸗ ſcher calender. gorianifchen Calender verfertigen laffen. : Da die Berechnung und Beſtimmung der Feſttage ein ungertrennliches Stüd des Calenderwefens ift; fo glaube. der päpftliche Stul ein Recht zu haben, der ganzen Chriftenheic die Annehmung feines neuen Calen- ders anzubefehlen. Die catholifchen Staaten lieſſen fich folches gefallen; und unter andern verlangte der König von Polen Stephan von dem nach Preuffen wieder abs gegangenen Marggrafen Georg Friedrich deſſen Annahme in diefem Herzogthum. Um ihn auch zum allgemeinen Gebrauch in Deutfchland einzuführen, hatte der Kaifer Reichstag zn Rudolph 2 einen Reichstag nach Augfpurg ausgefehrieben, Es war folches aber niche Augſpurg. die einzige Urfache diefer Reichsverſammlung. Die Türken fehienen Luſt zu bezeigen, den mit dem Kaifer eingegangenen Stillftand zu brechen, und Rudolph 2 wolte ſich dagegen bey Zeiten um Reichshuͤlfe bewerben. Die niederländifchen Unruhen; bie Beförderung der Gerechtigfeitspfleges der NReichsanfchlag und deffen Ergänzung; die Unterredung in Muͤnzſachen, waren lauter Gegenftände der Berathfchlagungen des Reiche. Unſer Churfuͤrſt Johann Georg hatte auf den Reichstag Gefandten gefchickt. Es waren felbige, "George Gans edler Herr zu Putlig, Detlof von Binterfeld, Chriſtoph Maienburg und Ehriftian Diftelmeier. Der Churpeinz Joachim Friedrich fand fich ebenfals in Augſpurg ein, um das Stimmrecht wegen feines Hoch⸗ 3 ftifes Magdeburg auszuiben. Dieſer legtere fand aber erhebliche Hinderniffe. Er war evangelifch, hatte fich vermält, und dieferwwegen Feine päpftliche Betätigung ers halten. Salzburg machte ihm den Vorſitz und das Stimmrecht auf der. geiftlichen Bank aus diefen bemeldeten Urfachen ftrittig. Der Kaifer fiel Salzburg ben, fo fehr fi) auch) Churfachfen und die brandenburgifchen Geſandten des Joachim Friedrichs annahınen. Rudolph 2 verlangte, daß Jvachim Friedrich feines Herrn Vaters Stims me, als deflen erfter Borfchafter, führen, Salzburg aber die erfte Stimme auf der geiſt⸗ lichen Banf im Särftenrar ablegen ſolte. Foachim Friedrich — ſich die Rechte ſei⸗ 53 nes x) Se Ceuthinger. Haftitius. ) von Beehr Res Mecklenb. Lis cs p. zug. 2) Öundling. Leuthinger. 7946. 38%. 7 Hauptit: Neuere Sefchichte von Brandenburg. 1582. ichm beſucht. Dem Kaiſer verwilligte man zur Tuͤrkenhuͤlfe 40 Roͤmermonate in 5 Jah⸗ ren zu bezahlen· Wegen der niederlaͤndiſchen Unruhen wurden die Werbungen einge fehränfe, "und eine Vertheivigung der angränzenden Neicheländer angeordnet. · Wegen der Ergänzung und befferer Einrichtung des Neichsanfchlages wurden einige Vorſehungen getroffen, die Verbeſſerung ver Gerechtigkeitspflege aber auf einen eigenen Deputationstag verwiefen. Wegen des Calenderwefens fonte man zu feinem allgemeinen Schluffe kom⸗ men. Die evangelifchen Stände weigeeten ſich aus guten Gründen, folchen anzumehs ‘men, und behielten feit der Zeit ven julianifchen Calender bey, obgleich die Catholi⸗ nes Hochftifts vor, hat aber nachmals wegen Magdeburg die Reichstage nicht weiter | fen den beffeen gregorianifchen einführten. Die Proteftanten ſahen ven neuen u lender als einen feinen Grif des päpftlichen Stuls an, ſich über ven Kaiſer ein Anſehen zu verfchaffen, und befonders die Macht eines Befehlshabers über die Protefranten dadurch auffer Streit zu ſetzen. Die Verſchiedenheit der Zeitrechnungen, deren ſich alfo nachmals die Catholifen und Proteftanten bedieneten, gab niche nur zu Under quemlichkeiten, fondeen felbft zu manchen Screitigfeiten Anlaß. Die Abftellung des geiftfichen Vorbehalts, die Ernennung aller Faiferlichen Bevollmächtigten von beider Religionen ,: die Freiheit des Goftesdienftes vor mittelbare Unterchanen, wurden zwar von denen Proteftantern auf diefem Neichetage begehret, aber ihre Religlonsbeſchwer⸗ den wurden nicht erledige. Eben fo blieben die aachenfchen und cölnifchen Religions» handel unausgemacht, Won denen erftern habe ich bereits’ einen kurzen Begrif ges macht. Meine kefer müffen aber auch von denen coͤlniſchen Angelegenheiten unters tichtet werden 4). — Ve a ee Im eoͤlniſchen Es fielen in diefem Hochftift zwey unterfchiebfiche Sachen vor, die die Aufmerk⸗ — 52 ſamkeit beider Religionsparteien auf ſich zogen. Seit den Zeiten des ehrlichen Erʒbi⸗ religionsfreis ſchofs Herrmann Grafens von Wied, der 1543 eine Religionsverbeſſerung in feinem heit verſtattet. Stift zu unternehmen füchte, befanden in der Reichsſtadt Coͤln ſowol als indem Hoch⸗ ftife diefes Namens fich noch verſchiedene Proteftanten. Ihre Anzapt vermehrete fich durch miederländifche Flüchtlinge anfehnlich. Sie Hatten aber, aller" Bemühungen ohnerachtet ‚, bisher feine Religionsfreiheit erhalten Fonnen. Jetzt thaten fie ben der rReichsſtadt Eon darum Anfuchung, und wurden von verfchiedenen proteftantifch en Ständen durch Vorbitten unterſtuͤßt. Doch auch dieſes ſchlug fehl." Sie wandten ſich daher an den damaligen Erzbiſchof von Coͤln Gebhard Truchſes von Waldburg, und erhielten von demſelben, was fie verlangten. Uber der Nach der Reichsſtadt for wol, als das Domecapitel, molten dasjenige, was der Erzbifchof verordnet, nicht gel⸗ ten laſſen, beſonders da mit dieſem Herrn eine erhebliche Veraͤnderung vorfiel ). Krieg wegen ¶Als der vorige Erzbiſchof Salentin von Iſenburg 1577 freiwillig abbantte, war der religions ⸗ — 4: — dee ren Ernſt Herzog von Baiern Biſchof von Lüttich, Friedrich Herzog von Sach⸗ a) Reichsabſchied von 1582" Bundling. Leuthinger. ya b) Böhler Diff, de Adtis er Fatis Gebbardi Archiep. Col, $. 8 p. az fi Churfürft Zohan Georg 2 30: 247 fen» Lauenburg Chorbifchof von Coͤln und Gebhard Truchfed von Waldburg als 1582. Micwerber zur erzbijchöflichen Würde vorgefommen. Der Ietere hatte das Gluͤck, die des churfuͤr⸗ meiften Stummen und dadurch die Erzbifchofswärde zu erhalten. Im Zahr us7g.be, ſten von Coln. ſtaͤtigte ihn der Papft, aber. fehon 1579 legte er den Grund: zur nachmaligen Veraͤnde⸗ zung feiner Gluͤcksumſtaͤnde. Er fahe zu Coͤln die Agnes Graf Johann Georgs von Mansfeld Tochter» Die Schönheit diefer girrifchheimifchen Stiftsfräufein wurde ihn fo gefährlich, daß er fehon zu Ende diefes Jahres einen unerlaubten Liebes⸗ handel mit felbiger zu treiben anfieng. Sie hielt fich ſeit der Zeit in verſchiedenen churfuͤrſtlichen Häufern auf, und, ward, von dem Churfürften fleißig befucht. Das - Gerlicht dieſer heimlichen tiebe wurde immer flärfer: Der Agnes Brüder Hoyer Chriſtoph 1, Peter Ernſt 2 und Joſt 2 erfuhren fie, und. wolten ihre Schwefter in diefer Schande nicht länger leben laflen. Sie droheten ihr und dem Erzbiſchof den Tod, wenn er durch eine eheliche Verbindung den Flecken nicht wieder abwafchen wols te. ı Gebhard wählte zu Anfang diefes Jahres das letztere, und hatte anfaͤnglich nicht übele tuft, feine Würde aufzugeben. Machher aber glaubte er, die ſchoͤne Agnes als feine Gemalin und das Hochftift. zufammen beizubehalten, wenn er zur. proteſtanti⸗ fihen Religion träte, und fic) des Widerſpruchs bebienete, den die Evangelifchen biss ber gegen den geiftlichen Vorbehalt erklärer hatten. Er that folches wirflich, und gab feinen Gefandten auf dem ‚augfpurgifchen Neichstage den Befehl, davor zu. forgen, daß er mach, volzogener, Vermaͤlung und Veraͤnderung der: Religion das Hochftift auf Zeitlebens behalten koͤnte. Dieſem Begehren widerfegte fich.aber das Domkapitel aus allen Kraͤften. Der Chorbiſchof Friedrich Herzog von Sachfen Lauenburg ſuchte auf dem RNeichstage fein Begehren zu hintertreiben. Das Domkapitel bat den Herzog Wilhelm von ‚Eleve gegen den Erzbifchof um Beiftand, und Ylerander Farneſe Herzog von Parma verfprach, gegen diefen Herrn fpanifche Hülfe aus den Nieder⸗ landen zuguführen. Gebhard befeßte Dagegen: ven sten November mit feinen in Weſtphalen geworbenen Kriegsvölfeen die Beftung Bonn, und machte Anftalten, ſich mit Gewalt bey feiner Würde zu vertheidigen, welche das Domcapitef ihm zu ents zeiffen ſuchte. Beide Theile hatten Beiftände. Gebhard ward durch Johann Ca⸗ ſimir Dfal;graf beim Rhein, durch die Ehurfürften von Brandenburg und Sachs fen, durch den Erzbifchof von Bremen und einige Grafen, worunter die von Naſſau und Mevenar die vornehmften waren, unterſtuͤtzt. Er Hatte auch) einige, obgleich fehr wenige, Domberren auf feiner Seite. Vielleicht glaubte er auch, daß Frank reich aus Staatsabfichten ſich feiner annehmen werde. Aber das Eapitel war. weit mächtiger, Der Papft Gregorius 13, der Kaifer Rudolph 2, Ernft Bifchof von Lüttich, der Herzog Wilhelm von Eleve und der Herzog Alerander von Parma waren nebft der Reicheftane-Cüln gegen ven Erzbifchof eingenommen, Als nun den ı6ten Der. Gebhard fich öffentlich zur evangelifchen Religion bekannt, und den ı6ten Jan. 1583 eine Verordnung wegen der Neligionsfreiheit herausgegeben, gieng das 1588. Domcapitel, welches ihm beſchuldigte, daß er das Erzſtift ben feinen Nachkommen erb⸗ | 1 — 832h.7 HGauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. lich zu behalten vorhaͤtte, mit feiner Abſetzung, der Abmahnungen verſchiedener pro⸗ teſtantiſchen Reichsſtaͤnde unerachtet/ ſchwanger. "Es trug dem Churtbiſchof Fries To drich auf, Kriegsvoͤlker zu werben, und das Stift gegen alle Meuerlingen zu fchügen. Dieſer zog mit Hälfe der Spanier ein Heer zuſammen, erhob die Gtiftseinfünfte, verhinderte alle Zufuhre nach Bonn, und nahm Kaiferswerth und Bruͤl in Befg. Die Proteftanten hielten diefer Sache wegen zu Heilbronn und Worms Zufams menkuͤnfte, und verfprachen, dem Gebhard Hülfe zu leiſten. So bald unfer Chur⸗ fürft von allem dieſem benachrichtiget worben, beſchickte ee die deshalb zu Erfurt ans geftellte Berſammlung. Er ſchrieb den zoften Jan an das Capitel: „‚es möchte bes Herzigen, daß durch) den Ausbruch des Krieges denen ſpaniſchen Soldaten in ven Nie derlanden, welche nur auf eine Gelegenheit Taureten, hiedurch die Thuͤre nach Deutſch⸗ land gedfnet würde. Das Erzftift fen ohmedies diefer Gefahr am meiften ausgefeßt, Man möchte die Beibehaltung der Ruhe vorziehen. So bald ſpaniſche Wölfer gegen Gebhard anrücten, wuͤrde er Huͤlfe fuchen, wo er ſolche nur erhalten koͤnte Ganz Deutfchland fonte darüber in die Waffen kommen, und die Tuͤrken würden daben die meifte Seide fpinnen. Wäre der Erzbifchof zu weit gegangen, fo ſolte man fols ches durch guͤtliche Wege auszumachen fuchen, und es verfpräche der Churfürft alles zu folchem Ende dienliches beizutragen. „ Dem Churfürften fehlen es billig zu ſeyn, den Gebhard die Neligionsveränderung frey zu ftellen, dagegen auch davor zu forgen, daß auch die Catholifchen nicht beeintraͤchtiget, und ſonderlich dem Domeapicel die frete Wahl erhalten werde. In allem diefen war Churfachfen einftünmig. Beide Churfürften von Sachfen und Brandenburg fehrieben nebſt dem Churfuͤrſten von der Pfalz auch an ven Kaifer, an den fie in diefer Sache Gefandten ſchickten. Der Ins Halt ihrer Vorftellungen gieng dahin: „Seit der Zeit Gebhard feinen Unterthanen die Religionsfreiheit verſtattet, wären in deffen Hochſtift ſchwere Unruhen entſtanden; fol ‚ten folche zum Kriege ausbrechen, fo Fonte derſelbe fich Teicht über den Rhein in das Herz Deutſchlandes ziehen, wofern man nicht bey Zeiten dagegen Maafregeln neh⸗ me. Die Churfürften hielten es ihres Amts zu feyn, den Kaifer hievon zu benachriche tigen, und fie hoften, er würde die Beobachtung ihrer Pflicht fich nicht misfallen laſ⸗ fen. Würde das Domcapitel fich dem Churfürften ferner widerſetzen, fo muͤſte ſich Gebhard nach anderer Huͤlfe umſehen. Beide Theile wuͤrden zu den Waffen greifen, und die in den Niederlanden fechtende Heere, zum aͤuſſerſten Schaden der benach⸗ barten Stände, ins Reich ziehen. Die entferntſten wuͤrden ihre Mache zur Verthei⸗ digung ihrer ande brauchen, und folglich Feine Tuͤrkenhuͤlfe Teiften Fonnen. Geb⸗ hard verfpreche, einem jedem frey zu laſſen, ob er bey der catholifchen Religion blei⸗ ben wolle, und überdies dem Capitel die völlige Wahlfreiheit zu laſſen, auch darüber die befte Sicherheit zu ftellen. Den fo geffalten Sachen fähen fie nicht ab, daß Gebr hard etwas ftrafbares begangen, und befonders etwas dem Kaiſer und dem Neich nach / theiliges unternommen. Es feuchte vielmehr aus allen Umftänden die fehon oft vorge £ragene Wahrheit hervor, daß die Neligionöfteibeit der Unterhanen das einzige Mittel fen, Churfürſt Johann Georg. 249 ir bie Ruhe zwiſchen Catholifen und Proteftanten zu erhaften. Griffe man. den Gebhard der Religion wegen feindlich an, fo müften die Proteſtanten Diefen Ums ſtand ſo betrachten, ala wenn man’ zu ihrer Unterdruͤckung hiemit den Anfang mache. Nach der Schrift wäre der Kaifer verbunden, dem Könige der Ehren eine offene —* zu verſchaffen. Sie baͤten ihn alſo, auf den Gebhard nicht ungnaͤdig zu ſeyn, und dem Domcapitel anzubefehlen, daß man folchen Fünftig nicht weiter beunruhige, fondern daß ein jeder feine Pflicht beobachte, weil niemand in feiner Wahl oder andern Ges techtigfeiten und Freiheiten gefränft werden folte. Die Churfürften wolten an ihrem Theil nichts verabſaͤumen, was zu Beibehaltung der Ruhe etwas beitragen Fünte. „, Aber die Catholifen wuften wohl, daß von Seiten: der Proteſtanten fo viel nicht zu a befürchten fey, die fich noch über die Eintrachtsformul ſehr hitzig herumſtritten. Im San. wurde wegen derfelben und deren Vertheidigung ein Neligionsgefpräch zu Qued⸗ linburg gehalten, wozu Pfalz, Sachſen, Brandenburg und Braunſchweig Got⸗ tesgelehrte und Raͤthe abgefchickt harten. Aber bey alle dem waren bie — die ie 22 allgemein beliebt zu machen, vergebens BERN $. 106. © Der Kaifer — mit Fleiß, dieſe Streitigkeiten bey Zeiten Bee gen. Er munterte vielmehr das Domcapitel zu fernerer Widerfeglichfeit auf, daher ſolches auch unſerm Churfuͤrſten antwortete: „Gebhard habe durch die Verlaſſung der tatholifchen Religion, durch die eingeführte Veränderungen, durch die Kriegsanftals ten und durch gemachte Schulden die Grundeinrichtung des Stifts, die er beizubehals — ten beſchworen, angegriffen; daher fie ihn vor ihren Erzbifchof nicht weiter erfennen | Fonten. „ in päpftlicher Botſchafter erflärete hierauf den Erzbifchof und alle ibm anhangende Domherren den iſten April in den Kirchenbann. Die proteſtantiſchen Ehurf tften und. Stände beflagten fich zwar darüber beim Kaifer, da der Papft folches ‚ohne 9 zorwiſſen deſſelben und der Churfuͤrſten gethan. Er moͤchte alſo eine aufs neue anzuſtellende Wahl verbieten. Doch der Kaiſer entſchuldigte den Papſt, daß deſſen Abſetzung nur die geiſtliche erzbiſchoͤfliche, nicht aber die churfuͤrſtliche Wuͤrde betreffe. Da die Abſetzung einmal geſchehen, ſo waͤre die Sache nicht leicht mehr zu aͤndern, 1583. Fortſetzung ‚doch wolle er darüber mit den Churfuͤrſten ſich ferner berathen. Gebhard hatte ſich mit ſeiner Gemalin den gten Febr. nach Dillenburg begeben, und gieng von da nach dem Herzogehum MWeftphalen ad. Sein Bruder Earl befehligte die zuruͤckgebliebene Beſatzung in Bonn. . Der Pfalzgraf Johann Caſimir ließ wirklich zu feiner Uns terſtuͤtzung einige Kriegsvoͤlker ins Hochſtift einrücen. Der Hurbrandenburgiſche Hof ließ einige Schwadronen Neuter unter der Anfuͤhrung Johann von Bud) d), der ſich bereits in Frankreich, Lothringen, Niederlanden und Ungarn durch fei ne Thaten bekandt gemacht, dazu ftoffen, Aber diefe Kriegsvblfer reichten niche hin, ; i die e) —— quedlinburgiſche Rircien; und Neformationshiftorie S. 219, d) Bundling nennet hingegen|den Johann von Pfuel. P.alg. preuß. Geſch. 3Th- Ji Pr 1533. 1584. 250 3 Ch. 7 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. die verfallenen Sachen Gebhards wieder herzuftellen. Der Kaifet verbot, ‚gegen das 0 Domcapitel zu fechten. Solches ftellte den a3ften May eine neue Wahl an, beaf Ernft Biſchof von Freifingen, Hildesheim und Lüttich, einen Prinzen aus dem mächtigen Haufe Baiern ausfiel. Da man. bisher mie gleichem Gluͤck gefochten, ſo traten nach vorgenommenee Wahl viele auf Erneſti Seite, Die Befasung in Bonn. machte aus Geldmangel einen Aufſtand, und übergab diefen wichtigen Ort dem neuen Erzbiſchof. Die Kriegevölfer der Proteftanten zogen nach und nach ab, und über lieſſen den Gebhard feinem Schickſal, der nur noch einige weriige Orte in Weſtpha⸗ ‚Jen übrig Hatte. Die Churfürften: hielten zwar durch Gefandte eine Zufammenfunft nach Miainz, die nachher nad) Frankfurt verlegt wurde, um den alten und neuen ‚Erzbifehof zu vertragen. Churtrier fehlug vor, daß Gebhard das Stift feinem Geg ner Ernſt überfaffen, Dagegen aber Zeitlebens-einige Einkünfte genieflen ſolte. Doch feiner von beiden Theifen hielt diefen Antrag genehm, und man gieng den ızten Sept. fruchtlos aus einander. , Zum. Unglück wat der Ehurfürft von Sachſen damals noch mit andern Sachen befchäftiget, welche ihn verhinderten, ſich mit, mehrerem Eifer in ‚die cölnifchen Angelegenheiten zu mifehen. Nach dem Tode des letzten gefürfteten Örafen von Henneberg waren deffen Neichslehne, Fraft einer Erbverbrüderung, an die erneſtiniſche fächfiiche Linie gefallen. Weil aber Ehurfachfen wegen des gothais ſchen Krieges noch allerhand Anfprüche machte, fo gelung es dem Churfärften, einen ‚erheblichen Theil dieſer Länder an fich zu bringen. Der Churfürft von der Pfalz Lud⸗ wig gieng 1534 zu Grabe, und deſſen Bruder Johann Caſimir, der vornehmſte Beiſtand Gebhards, uͤberkam die vormundſchaftliche Regierung vor den hinterlaſſenen Chur⸗ prinzen Friedrich. Selbiger zog alſo feine Kriegsvoͤlker aus dem Coͤlniſchen zuruͤck, und ließ feine aͤuſſerſte Sorge ſeyn, die reformirte Religion dem Churprinzen beizus bringen, ſelbige im Sande, einzuführen, und die Eintrachtsformul in der Pfalz abzu⸗ fhaffen. Cs war. alfo dem, Erzbifihof Ernſt von Coͤln ſehr feicht, fich der noch uͤbrigen Pläge in Weftphalen zu bemächtigen. _ Gebhard mufte mit feiner Gemalin nach Holland entfliehen, um von dem Prinzen von Oranien feine Unterhaltung zu fuchen. Es war feinetwegen, und wegen des gregorianifihen Calenders einen Vergleich zu treffen, vom Kaifer und Churfürften noch eine Zuſammenkunft zu Rothenburg an ver Tauber beliebt. Unſer Churfärft von Brandenburg ſchickte den Detlof von Winterfeld und Lampert Diftelmeier, als feine Gefandten dahin ab. Der erftere jeigte, wie nothwendig die. cölnifehe Unruhe beigeleget werden muͤſſe. Gebhards "Sache gehe ihn wirflich nicht allein an, und es fen doch nicht rachfam, folche zur allgemeinen Neichsfache zu machen. Er thäte am beften, wenn er feine Würde freis willig nieverlege, da feine eigene Kräfte nicht hinreichend wären, folche beizubehalten, und der Beiſtand der Fremden allezeit gefährlich und mislich bliebe. Noch habe er die befte Gelegenheit, mit Ehren aus dem Spiel zu kommen, wenn er das Erzflift gleich, ſam freiwillig ſeinem Gegner überfieffe, und dagegen mit einigen ihm angewie ſenen Eins kuͤnften fich begnügte.,, Doch auch diefer Vorſchlag fehlug, zum Ungluͤck Gebhards, = | TIERED 0 U 2 ee; # * Pe: — — hurfurſt Johann Gegen le agı fehl, welcher ſeit der Zeit fich von aller Hilfe verlaffen fahe. Die Proteftanten ver 1584, abfäumeten alfo seine Gelegenheit, ihren Wiberfpruch gegen den geiftlichen Vorbehalt geltend zu machen. Der fel. Herr, Köhler Hat bereits angemerkt, daß hauptſaͤchlich äweierlen Umftände diefen Gebhard ungluͤcklich gemacht. Jedermann erfannte, daß feine Sache nicht ſowol eine Sache der Kirche, als feiner fleifchlichen Abſicht fen. Zu dem trat er den Glaubenslehren der Reformirten bey y welche damals weit ſchwoͤcher, als diejenigen in Deutichland waren; Die dem unveränderten augſpurgiſchen Glau⸗ bensbekaͤntniſſe anhiengen. Die Ießtern hatten Feine: fonderliche &uft, fich feiner anzu⸗ nehmen, und die Hälfe der: erftern war unzulaͤnglich. Die Streitigfeiten ver Ars ttheraner und Neformirten waren alſo hauptfächlich ſchuld, daß die Gatholifen in diefer cölnifchen Sache ven Sieg behielten. Die Spanier fingen jest an, fich, uns ter dem Namen burgunmdifcher Kreisvölfer, zum Vortheil ver Catholifen, in die deutſchen Reichshaͤndel zu mifchen. Gebhard gieng aus Holland nach England: über, Fonfe aber daſelbſt die Königin Elifabeth zu Feiner Hütfleiftung bewegen. Er fam zuletzt von da nach Strasburg zurück, woſelbſt er Dechant des Domcapitels war. In dieſer Wuͤrde iſt er auch zu Strasburg mit Tode abgegangen e). os "Seine Ankunft in Strasburg verurſachte auch bafelbft erhebliche Streitigkeiten; Streitigkei⸗ Debft isn. beftand der. gröfte Theil der andern Domherren dieſes Hochftifts aus Prote⸗ Aue in Stras⸗ flanten. Der catholiſche Theil des ftrasburgifihen Capitels wolte felige nicht ferner ois unter fich dulden, und befonders den Dechanten Gebhard wegen des päpftlichen Ban nes nicht weiter — erkennen. Die Proteſtanten behielten den Bruͤderhof im Ber ſitz/ die Catholiken aber, denen die Stadt Strasburg zuwider war, entferneten ſich nach Zabern. Diefes verurfachte unter ihnen eine Trennung, welche, wie wir nach⸗ u ſehen werden / auch in dem Hochſtift Strasburg erhebliche Folgen gehabt )). In Mecklenburg find oͤfters zwiſchen den Herzogen und Sandftänden Streitig⸗ in Mecklen⸗ — vorgefallen. Herzog Ulrich war zwar bereits vor 10 Jahren mit der Stadt burg, Roſtock wegen verſchiedener Irrungen durch Churſachſen und Churbrandenburg vertragen. Es brachen ſolche aber von neuem aus; und, um allen Weiterungen vor⸗ zubeugen, hatte der, Kaiſer denen beiden Churfuͤrſten die Beilegung derſelben aufs neue aufgetragen. ZJohann Georg ſchickte deswegen den von Putlitz nah Mecklenburg ab, und half daſelbſt durch einen neuen Vergleich zwiſchen dem Herzoge und der Stadt die Ruhe beveſtigen 0). | Br Die — hatten noch immer Urſache, uͤber die Parteilichkeit des Reichs im Kammer, Fammergerichts fich gu beſchweren. Es waren zwar zu deffen Unterfuchung Näthenach Lericht, Speier abgegangen. Unfer Churfuͤrſt hatte eben den Georg Gans Edlen Herrn von — vun abgefchitt. Uber die Abgeorbneten Fonten ſich wegen eines Schluffes iin nicht e) Ab Sfele de bello Colonienf. Köhler de attis et fatis Gebbardi Truchf eff i und a | haftigungen Th... Waranmundi admonitio in anathemat, Gregorii XIII. Beuthinger, ie Gundling. f) Ehyträus Lib. XXVII. A g) von Beehr Res Mecklenb,ip: 83%. Bundling. Keuthinger, u. . en — 052 38h 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1584. nicht vereinigen. Der brandenburgiſche Geſandte muſte alſo det fernern Gerichtspflege des Kammergerichts aus dem Grunde widerſprechen, weil die Beiſitzer bey demſelben nicht von beiden Religionen in gleicher Anzahl befindlich, und daher vor bie ——— keine unparteliſche Gerechtigkeitspflege zu hoffen ſey DJ. er Ä —E in Augſpurg, Ueberhaupt ſahe es mit denen Proteſtanten je laͤnger je misficher —— ‚Se wurden in Coͤln verfolge, im Stift Strasburg ihre Nechte angefochten, - und man mufte befürchten, daß in der Stadt Augſpurg ihnen ebenfals ein groffer Nachtheil ers wachfen koͤnte. In diefer Stadt war der Rath, der Religion nach, getheilt. Die Proteftanten feierten die Fefte nach dem julignifchen , und die @atholifen nach dem gregorianifchen Calender. Die legtern verlangten, daß ſich die evangeliſchen Predi⸗ ger nach ihnen richten ſolten. Georg Mylius wolte ſolches nicht thun, und ward da⸗ her von dem catholiſchen Theil aus der Stadt verwieſen. Als ſolcher aber bereits mit ſeinen Angehoͤrigbn zu ſeiner Abreiſe einen Wagen beſtiegen, erregten die Proteſtan⸗ ten einen Aufſtand ihres Predigers wegen, und befreieten Mylium. Dieſes ward ihnen ſehr uͤbel ausgelegt, - Weil fich nun die Stadt desivegen von dem Kaifer nichts - gutes verfahe, nahm folche öffentlich den gregorianifchen Ealender, doch. mit der Er⸗ klaͤrung, an, daß folches nicht auf Befehl des Papftes, fondern aus Achtung gegen den Kaifer gefehehe. Der Churfuͤrſt war hiebey auf alles aufmerkſam, was die Prote⸗ ſtanten überhaupt betraf. Er ſchickte zudem Ende Geſandten nad) Coͤln/ nach Stras⸗ burg und nad) Augſpurg⸗ um an allen Orten for die. Feng — u thun / ee, N ua in Frankreich. In Franfreich war der König — 3 bee Meinungber eifeigen Gathor liken nicht eifrig genug, die Hugenotten ansjurotten, da er fehon verſchledene mal die ausgebrochenen Unruhen durch geſchloſſene Frieden beigeleget hatte. -. Dies! bewog die ſtrengſten Anhänger des Papſtthums bereits 1576, denen Proteſtanten in dieſem Rs 9) nigreiche durch "eine geſchloſſene Verbindung. den‘ Untergang, zu ſchwoͤren. Der Zop Franeiſei von Alencon des Bruders Henrichs 3 belebte die Werbundenen aufs neue. Denn weil der König Feine Kinder hatte, fo fiel die Lilienkrone, nach den Grundgeſetzen des franzoͤſiſchen Reichs/ an das Haus Bourbon. In demſelben waren die naͤch⸗ ſten Erben der Krone, König Henrich von Navarra und ſein Vetter, der Prinz von Eunde, öffentliche Proteftanten, ; 06 fie wol ehemals, bey Gelegenheit der. Pariſer Bluthochzeit/ die catholifche Religion mit dem Munde auf eine Zeitlang angenommen Hatten. Es war jedoch ein Prinz dieſer koͤniglich franzoͤſiſchen Unie, Carl Cardinat ” Yon Bourbon, der aber bereits ben hohen Jahren war, und bon dem man Feine ſonder⸗ liche Hofnung fernerer Vererbung hatte, ein Papiſt. Die Catholiken befuͤrchteten affe, daß ihr Thron kuͤnftig mit einem Proteſtanten beſetzt werden möchte Die maͤch⸗ tigen Prinzen aus dem Hauſe Guiſe ; die bereits unter einigen’ Regierungen in groſſem Anfehen geftanden , und die Häupter der Verbindung gegen Die Proteflanten waren, hielten diefes vor die bequsmfte Zeit, das Haus Bourbon vom föniglichen Thromzu un DOES b) Gundling. N Yugfpurgifehe Handel. ————— ——— sr £\ 4 = er — — RAR k E en | Ehurfürft Zohan Georg, .253 verdringen, und fich felbft die Krone zu verfehaffen. Sie brachten die Verbindung ihrer Glaubensgenoſſen von neuem in Bewegung: Der Papft Gregorius 13 unters fügte fie, und auch deffen Nachfolger Sixtus 5 ließ es an Bannfluͤchen gegen die Häupter der Proteftanten nicht fehlen. Spanien unterhielt die Verwirrung, in welche hledurch das Königreich Frankreich fallen mufte, aus Staatsabfichten.. Man wolte, unter dem Vorwande der Religion, die nächften Prinzen den König Henrich von Navarra und den Prinzen von Condé von dem Thron ausfchlieffen, und den abgelebten Cardinal Carl darauf erheben, damit indeffen das Haus Guife Zeit gewins ne, feine Ubfichten zu erreichen. * Der König Henrich von Navarra fam dadurch in die Aufferfte Verlegenheit. Er bewarb fich in, diefen mislichen Umftänden gegen die Ligiften um auswärtige Hilfe. Er glaubte folche von denen proteftantifchen Staa⸗ ten aus England, Daͤnnemark und Deutfchland hoffen zu fonnen: An die prote⸗ ftantifchen Höfe in Deutfchland Hatte er den Syacob de Segure als Gefandten abs gefehickt. Der Kaifer Rudolph fahe folchen wegen feiner Bercraufichfeit mit Spanien 3J ungern, und verlangte vom baieriſchen Hofe, daß er den Segure unter dem Vor⸗ SEEN 2. wande anhalten folte, weil er ohne des Kaifers Erlaubnig nach Deutfchland gefoms men, und nur Unruhen darin zur erregen «fuche. Unſer Ehurfürft vercheidigte aber fehriftlich die Rechte ver Neichsftände, von auswärtigen Mächten Gefandten anzunehs men / wenn felbige fehon nicht zugleich an den Kaifer geſchickt wären. : Segure fand ſich aud) wirklich in Berlin bey unfeem Churfürften ein, und bat um deſſen Beiftand, Johann Georg wolte fich deshalb, ohne fich mit andern proteftantifchen Staaten zu verabreden, nicht gleich anfänglich) in eine genaue Verbindung einlaffen. Er gab dem Öefandten die allgemeine Antwort, daß er, nad) allen feinen Kräften,, das Beſte der Religion zu befördern bemuͤhet feyn werde. Da aber diefe Sache weitausfehend. und Yon etheblichen Folgen fey, fo würde der Gefandte wohlthun, wenn er fein Anbringen vorher denen übrigen proteftantifchen Höfen in Deutfchland mittheile; der Churfürft naͤhme ſodenn Feinen Anftand, demjenigen beizutreten, was man gemeinfchaftlich bes fehlüffen würde, Uebrigens koͤnne König Henrich von Navarra von ihm alle freunds ſchaftliche Sefinnungen erwarten. Segure reifete wirflich an. den deutfchen Höfen herum. Er fand in feinem Gefchäfte die gröften Schwierigkeiten in dem Zwiefpalt der Lutheraner und Meformirten. Um folche zu heben, trug er eine Vereinigung beider . Kirchen vor, die, nach ſeiner Meinung, durch ein Neligionsgefpräch am beften zu bes wirken ware; ohnerachtet Martin Chemnitius, auf Befragen unfers Churfürften, dieſen Weg vor unzulänglich hiele, die Vereinigung zum Stande zu bringen. , Der Ehurfürft Fam feinem Verfprechen nach, da auch die Königin Elifabeth von England in einem Schreiben an ihn 1585 die Sache ver Hugengtten beſtens empfal. Er unterzeichnete alfb ebenfals das Antworrfehreiben, welches verſchiedene Proteſtan⸗ ten an den Koͤnig Henrich von Navarra ſchickten, und ihn auf einen Beiftand ver troͤſteten A). — sn ! öi Si-3 $. 108. - DH Sundling. Lenbinger nn” On UT ae | 1584. 1585. 4 3% 7 Hauptſt. Neuere Gefhichte von Brandenburg. 1588. | — —0 J 108. re Der churfuͤrſt Johann Georg muſte ſich noch in einige Irrungen miſchen, die die Prinzen vergleicht die ſeines Hauſes näher betrafen Der Churprinz und Erzbiſchof von Magdeburg oa ſtadt Magde:!, a er S Pe 9 PR burg mit. ih, chim Friedrich hatte mie der Stadt Magdeburg über die Firchlichen Eineichtungen vom erzbiſchof. dieſes Orts einige Streitigkeiten, die aber auch verfhiedene andere weltliche Nechte ber trafen. Unſer Churfürft Iegte fich aber ins Mittel, und verglich beide Theile zu ge⸗ meinſchaftlichem Vergnuͤgen )). Yin 2 — Er nimmt ſich Auch Marggraf Georg Friedrich bekam mit einigen aus der preußiſchen fand» Georg Frie ſchaft Verdruͤslichkeiten. Es ſtund den letztern nicht an, daß ihr Regent Ausländer zu Bes ———— dienungen befoͤrderte, und ſtrenger als Herzog Albrecht und Herzog Albrecht Friedrich len an. ee vegierete. Beſonders waren Friedrich von Aulack und Nicolaus von Ereugen viejes nigen, welche ſich am meiften widerfeßten. Sie wurden als ungehorfame Untertha⸗ nen geächtet. Aulack gieng nad) Polen, um den König Stephan in diefe Angeles genheiten zu ziehen. Doch unfer Churfürft nahm fich feines Vettern beim Könige an, * und vermochte denſelben, ſich in dieſe preußiſche Angelegenheiten nicht zu mifchen, | Georg Friedrich behauptete daher fein Anfehen gegen die Misvergnägten. Bill ein land: Zu dieſer Zeit fiel der Churfürft auf den weiſen Anfchlag, zum Beſten feiner — Unterthanen die Rechte in allen Faͤllen näher zu beſtimmen, und ein allgemeines Sands recht verfaſſen zu laſſen. Er trug ſolches Geſchaͤft dem Chriſtian Diftelmeier, einem Sohn des brandenburgiſchen geſchickten Kanzlers, auf. Es unterzog ſich derſelbe zwar dieſer Arbeit, wurde aber nachmals zu anderweitigen wichtigen Sachen gebraucht, und muſte die Verfertigung des kandrechts einem andern uͤberlaſſen, ohne daß jedoch diefe Bemuͤhung zu einem erwünfchten Ende gefommen m). | Befucht Aus Die Religionsangelegenbeiten in Deutfchland ſowol als in ven Niederlanden en vonSach und Frankreich und die Vertraulichkeit zwiſchen ven churfächfifchen und churbran⸗ Anſuchen fortzuſetzen, einfand. Hier verlobte ſich der Churfuͤrſt von Sachſen Au⸗ guſt mit einer Schweſter der Churfürftin von Brandenburg Agnes Hedwig, einer Tochter des Fuͤrſten Joachim Ernſts von Anhalt. Beide Churfürften nahmen hier über verſchiedene wichtige Sachen Abrede. Beſonders wolte man dem noch gefangen figenden Herzog Johann Friedrich dem mitlern von Sachſen / Gotha unter einigen Bedingungen feine Freiheit bewirken, welche aber diefer Prinz anzunehmen ausfchlug. Beide Churfürften Famen fodenn nach Deſſau, woſelbſt fich auch der Erzbifchof von Magdeburg Joachim Friedrich einfand, um dem Beilager des Churfürften Au⸗ 2586, guſts, welches den 8ten San. 1586 volzogen wurde, beizumohnen. Diefer neuen | Churfuͤrſtin von Sachfen und ihrer Vorbitte Hatte der berufene Arzt Caſpar Peuce⸗ rus feine Freiheit zu verdanken. Er war besgroffen Philip Melanchthung Schwies gerfohn. Anfänglich hatte er beim Churfürften Auguft in groffen Gnaden geftanden, | RAR Un 6 ) Gundling. Leuthinger. m) Ebendaſelbſt. denburgiſchen Höfen vermochten Johann Georg, den 6ten Nov. eine Reife nach | Torgau zu thun, woſelbſt ſich auch der Geſandte des Königs von Navarra, um fein Churfürft Zohan * 255 = daß dieſer ihn ſogar bey einem ſeiner Prinzen zum Taufzeugen ernannt. Sobald 1586, aber dee Churfürft die Meinungen derer Gottesgelehrten fich gefallen laſſen, welche die — Eintrachtsformul zu einem Entſcheidungsbuch der Jutherifih en Kirche angenommen, fiel der andersdenfende Peucerus in Ungnade, und war darüber ins Gefängnig gefoms men, woraus ihn jedoch die Vorbitte der neuen Churfürftin befreiete. Johann e f Georg war aber Faum nach feinen Staaten wieder zurück gefommen, fo erfuhr er ſchon 7 die betruͤbte Nachricht von dein Ableben feines beſten Freundes des Churfuͤrſten Au⸗ guſts von Sachſen, der Furz nach feinem Beilager den zıten Febr. mit Tode abgieng. Ä Chrikian 1 folgte feinem Heren Vater in der Regierung, und da felbiger. ein Schtwie: Dem fein foßn -gerfohn des Churfürften von Brandenburg war, fo konte man damals nicht anders —2 fol vermuthen, als daß das gute Vernehmen beider churfürftlichen Höfe durch Auguſts => feinen ae feiden würde m). Hi $. 109. Es war felbiges i in der That von groffen Folgen , indem beide ehunfäeftice Hs Sohann Ger ; fe im allen wichtigen Sachen gemeinfchaftliche Rathſchlaͤge faften. Es zeigte ſich fol org beſchickt ches auf dem Neichsbeputationstage zu Worms, der durch die cölnifchen Unruhen — —— bis jetzt verſchoben worden war. Auf demſelben wurde von verſchiedenen Sachen ges Worms. AM handelt. Man uͤberlegte uͤber die Art, das Kammergericht ſo einzurichten, daß jeder⸗ mann eine unparteliſche Gerechtigkeit von demſelben zu hoffen habe. Man zog die beſ⸗ e Einrichtung des Reichsanſchlages ſowol, als das Muͤnzweſen in Berathſchlagung. Borg wurde von den niederländifchen Unruhen gehandelt, weil bey Gelegenheit — die naͤchſtanſtoſſende Reichskreiſe durch die ſpaniſchen und niederlaͤndiſchen Voͤlker groſſe Beſchwerlichkeit gelitten, ohne daß des Kaiſers an den Herzog von Par⸗ ma und die Niederlaͤnder, die ſich bereits von England öffentlich unterſtuͤtzt ſahen, ergangene Abmahnungen, noch die in dem legten Reichsabſchiede gemachte Verfaſſung, folchem abzuhelfen, hinfänglic) gewefen. Man befehloß, daß, neben der gewoͤhnlichen Kreishuͤlfe, d ie zu Augſpurg verordnete zweimonatliche Gelder auf den einfachen Roͤ⸗ mierzug zu den Gegenanftalten wider die ferneren — verwendet werden ſolten 0). Unm die Sachen der Proteſtanten ins und auſſerhalb Deutſchlandes ref zu Anfehnliche überlegen und gemeinſchaftlich dieſelben zu berathen, — Churfuͤrſt ven Zuſpruch zuſammen⸗ bverſchiedener Reichsfuͤrſten in Cuͤſtrin fich ausgebeten. ien hieſelbſt den ziten — in Ei K September P) Dfaligraf Johann Cafimir, haftet € hriſtian ı von Sachfen, cChurfuͤrſt Johann Georg von Brandenburg Johann Friedrich Erzbiſchof von Magdeburg, Friedrich Wilhelm Herzog fen» Altenburg, Henrich Ju⸗ lius Herzog von Braunſchweig Johann — und Barnim Herzoge von Pommern und Soachim Ernſt Fuͤrſt von Anhalt. Auſſer denen Berathſchlagun⸗ gen uͤber wichtige "Staatsfachen, zu welchen unter andern der legte Wille unfers Churs fürften FE u = —— — a > a f n) Ebendaſelbſt. 0) Deputationdabfhied in Luͤnichs Th. 3. | ) Baftitius fagt denaten September, 556 3 Ch. 7 Hauptft: Neuere Geſchichte von Brandenburg, 1586. N ; ” Bi H — as fuͤrſten zu rechnen, mworinnen er feinem zweiten Prinzen Chriſtian die Regierung der i ” neuen Mark beſtimmte, murden die hohen Gäfte mic vieler Pracht und Abwechſelun⸗ ‚gen alles deſſen, was ein Bergnügen verurfachen Fan, vom Churfürften aufgenonw men. Bald beiuftigte man fich mic der Jagd, bald mit Ritterſpielen, bald mit eis nem Feuerwerk, Unter andern fahe man die Bildniffe des tuͤrkiſchen Sultans des rußifchen Czaaren, des Tartar Chans und des römifchen Papfts g) hm Sei aufgehen. Bald wurde eine mit Fleiß aufgeworfene Schanze beſtuͤrmet, die von ver Der churfürft wird vormund der anhaͤlti⸗ ſchen prinzen. kleideten Spaniern und Ungarn vertheidiget, von Deutſchen aber angegriffen und erobert wurde. Der Churfuͤrſt verwandte zur Bewirthung feiner Gäfte über g000 Ducaten. Es war wirklich eine, fromme Einfalt, wenn ver Hochweife Nach eis ner gewiffen Stadt, nach Leuthingerd Bericht, in der Meinung ſtand, daß biefes Geld lieber zu Wiederaufbauung einer abgebrannten Kirche hätte angewendet werden follen. Die Koften find mäßig genug geweſen, um die Sreundfehaft fo groſſer Herren zu erhalten und zu bevefligen 7). » : f Doch) der Tod machte unter: denſelben einen Riß. Joachim Ernſt Fuͤrſt von Anhalt verließ bafo darauf das Zeitliche, Diefer Prinz wuſte feinen minderjährigen Kindern nicht beffer zu rathen, als daß er den Churfürften nebft feinem Churprinzen den Erzbifchof Joachim Friedrich zu ihrem Vormunde ernannte. Beide führten die Bormundfehaft zum wahren Beften des fürftlichen Haufes, und fehreten alle dienliche ‚Anftalten vor, das mit Schulden befadene Land davon zu befreien 5). i Tod koͤnigs Don weit mehreren Folgen war der Tod des Königs Stephani von Polen, | Stephani von Polen. 1587 · der vor feine Lande viel zu früh den ızten Dec. zu Grodno aus der Welt gieng. Der Eaiferliche Hof fürchte bey diefer Gelegenheit Polen abermals mit feinen übrigen Sta ten zu verfmäpfen. Er gab fich zu dem Ende alle Mühe, auch unfern Churfürften zur Beförderung feines Vortheils zu bewegen. Unter andern langte ven 7ten April 1587 ber tandgraf zu Fürftenberg als Faiferlicher Geſandter in Berlin. an, unter dem Vorwande, mit dem Churfürften über die Zeit eines deutſchen Neichstages Abrede zu nehmen; in der That aber die polnifche Wahlangelegenheiten in Ueberlegung zu zie⸗ - ben, Der polnifchen Stände Zuneigung war unter verfihiedene Kronenmitwerber ges theifet. Die Zborowier wolten den Erzherzog Marimilian des Kaifers Bruder be fordern. . Der Gorka gehörete Hauprfächlich zu dieſer Partey. Die verwitwete Koͤ⸗ nigin arbeitete vor ihrer Schweſter Sohn den Erbprinzen von Schweden Sigismunz dum, als der feiner Frau Mutter-wegen ein Enfel Sigismundiı und der polni⸗ fehen Sprache Fundig, auch zu dem Ende in der catholifchen Religion erzogen wors den war, damit er dermaleins über Schweden und Polen zugleich herrſchen Fönte, Der Eajtellan von Podlachien, den die Königin in den damaligen Angelegenheiten nach Schweden gefandt hatte, wufte auch bey feiner Ruͤckkunft fo viel Gutes von dies fem Prinzen zu ſagen, daß dadurd) feine Partey merFlic) geftärft wurde. _ Der Szaar 4) Bundling ſetzt noch den Herzog von Guiſe dazu. | J r) Gundling. Leuthinger. Haftitius. Cernitius. ä Churfurſt Johann Georg e. 257 % ; von Moskau Fedor Iwan owitz ſchickte feine Geſandten mit einem Schreiben an die Staͤnde, darin er um die Krone anhielt, und die gemeinen Freiheiten nicht mur beizubehalten, ſondern auch zu vermehren verſicherte. Ein groſſer Theil der Lit⸗ thauer ſchien dieſe Vereinigung mit Moskau zu wuͤnſchen / weil fie dadurch einen bes ffändigen Frieden mie einem fo mächtigen und gefährlichen Nachbar zu erlangen hoften. Diejenigen, fo einen Piaſten begehrten, machten eine ſtarke Anzahl aus. Selbſt der Kronkanzler und Feldherr Zamoiski meinte: es koͤnte dem Reich nicht beſſer als durch die Erhebung eines Einzöglings ‚geholfen werden. Wer es aber ſeyn folte, den wuſte man miche zu nennen. Die, fo ſolche Würde fich felbft gegonner hätten, durften fich nicht blos geben, und die übrigen hielten ihre Gedanken an fi, um es bey niemanden is verderben. Diefer Umftand veranlafte, daß diefe ganze Partey fich frennete, und zu denen gefellete, die nicht einen bloffen Namen, fondern eine geroiffe Perfon zum Aus genmerk hatten: "Die Prinzen Batori, des verſtorbenen Königs Vettern, mach» ten ſich auch Hofnung zur Krone, und der Cardinal Batori war deswegen in der groͤ⸗ ſten Geſchwindigkeit von Rom nach Polen gefommen. Allein da ihr Anhang ders maſſen ſchwach war, daß auch die, fo ihnen fonft geneige waren, fich vor fie öffent, lich zu erklären Bedenken trugen, befamen fie auf dem Wahltage nicht einmal eine Stelle unter den Kronmitwerbern. Unter der vorigen polnifchen Regierung harten ſich ſchwere Hausftreitigkeiten zwiſchen den Gebruͤdern Zborowski und dem Krongros⸗ kanzler und Krongrosfeldherrn Johann Sareo Zamoiski ereignet. Die erſtern ſa⸗ hen des letztern Erhebung mit ſchelen Augen am, dagegen hatte Zamoiski ven Sa⸗ muel Zborowski wegen eines, zur Zeit der Wahl Königs Henrichs, an einem pol⸗ nifchen Edelmann Wapowski begangenen Mordes aufheben und enthäupten laſſen. Andreas und Ehriftoph Zborowski wurden Hierauf befehufbiget, daß fie den Tod ihres Bruders an dem Könige Stephano rächen wollen. Chriftoph war darüber nah Mähren entwichen, aber. deswegen in die Acht erkläret, Die Zborowski ſuch⸗ ten nach des Königs Tode fi an dem Zamoiski, als dem vornehmften Beförderer ihres Ungluͤcks, zu rächen, und jogen ihre Sreunde, unter denen Stephanus Graf Gorka Woywod von Pofen der vornehmfte war, ins Spiel. Nach und nach theifte ſich ganz Polen in die Partey derer Zborowski und des Zamoisfi. Beide Theile bes füchten den. Wahltag mit einem Gefolge, welches man. ein Kriegaheer nennen Eonte,. Jeder lagerte fich befonders, und ſie hatten das Wahlfeld in der Micten, auf welchem der Wahlſchoppen abgebrannt, und dfters Mord und Todfchlag verüber wurde: Der Pris “ mas des Reichs Stanislaus Karnfowsfi und die meiften Groffen traten auf die Sets - te Zamvisfi, und vereinigten fich, dem ſchwediſchen Prinzen Siegmund die Krone zu verſchaffen. Der Primas rief wirklich den ıgten Auguſt Sigismundum 3 zum Könige aus. Uber die Partey der Zborowski war damit nicht zufrieden, und ließ durch den Bifchof von Kiow Jacob Woronigfi den 22ften Auguſt ven Erzherzog Mapimilian zum Könige ausrufen. Beide Gewählte fuchten ihre Wahl mit den Aaffen geltend zu machen. Maximilian rückte im Detober mit 6000 Mann in die Pallg preuß Befh.3 Ch. - ' I Ze | cra⸗ 1587. 258 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1587. cracauifche Woymodfchaft, und erſuchte unfern Churfürften, ihm mit 2000 Keuter: Bin | beizuſtehen. Weil fich aber einige polnifche Fahnen an den. maͤrkiſchen Grenzen ver ⸗ ſammlet harten, ſchien es dem Churfuͤrſten bedenklich, ſich in die —— uͤnruhen einzulaſſen, und feine; eigene Staaten der Wut eines Krieges auszuſetzen. Georg lich daher die märfifchen Kriegsvoͤlker gegen die polnifchen Grenzen” verlegen, gab aher zugleich feinem Feldherrn Botho dem Grafen von Regenftein den Befehl, fic) in allen Stücken blos vertheidigungsweiſe zu verhalten. An den Erzherzog Maxi⸗ milian fehrieb der. Churfürft : „fo gern er demſelben Huͤlfe leiſten wolle, fo. ſtuͤnde es doch nicht in feinem Vermoͤgen, ſich vor eine oder die andere Partey zu erflären. So bald. aber. der Erzherzog im ruhigen Befiß feines. Staats feyn würde, wäre der Churfuͤrſt geneigt, "alles, was in feinen Kräften ſtuͤnde, vor ihn zu thun. Bey noch unausgemachter Sache fonte er ihn nur blos mit feinen. guten Wünfchen begleiten. Die Mitbelehnſchaft über. Preuſſen und ‚ein zu beforgender. Einfall ver Polacken in die Mark erfordere durchaus dieſe Aufführung. Magimilion müfte jege mit dem chur⸗ fürftlichen guten Willen zufrieden ſeyn, bis die Geſtalt der Sachen fich ändern wuͤr⸗ de. ,, Der Erfolg zeigte, daß der Churfürft: die, befte Partey erwählt. Dem Mas ximilian fehlug es fehl, feinen nad) Polen gefommenen Gegner aufzuheben. . Der von ihm auf Cracau vorgenommene Sturm ward abgefchlagen, und der Erzherzog ges nörhiget, die Belagerung aufzuheben. Siegmund 3.aber nahm den ‚gten Der. en % Cracau Befig, wo er fich den — Dee. die, Bol Krone a a leß * ea Der churfuͤſt Mit eben ki fo vieler Borficht war der preußifche ofen —— * * ee i drich zu Werfe gegangen. Um nicht in die polniſchen Zwiſtigkeiten verwickelt u ‚Georg Sie; werden, verreifee er nach feinen Deut ſchen Staaten. Unterweges nahm er mit dem zrich. Churfuͤrſten zu Cuͤſtrin diejenigen Maaßregeln, welche man beobachten wolte. Der Marggraf war bemuͤßiget worden, verſchiedene Misvergnügte x) vom Adel aus Preuß fen zu verweifen, welche Johann Georg in feinen Staaten nicht zu dulden verſprach Der Churfuͤrſt ſchrieb auch in eben diefer Abficht an andere evangelifche Neicheftände. Des Marsgrafen Anfunfe in Deutſchland geſchahe eben zur rechten Zeit, weil man damals an die Erneuerung der Erbvertraͤge zwiſchen Sachſen, Brandenburg und- Heften gedachte, und zu diefem Ende eine BIRNEN: derfelben un den zten Sul, nach Naumburg beliebt Hatte x). Erneuert die Der feel, Herr von Gundling hat von dem, was in biefer Seche vorgefalleh, Mg uns folgenden Bericht ertheiler: „An dem beftinmten Tage war Churfürft Johann Po Pr Georg, Marggraf Joachim Friedrich Adminiſtrator zu Magdeburg, und Johann Sigismund Margaraf zu Brandenburg daſelbſt angefanger, als auch wegen Margs graf Georg Sriedrichen im tande Sranfen, Wilhelm Herr zu Heide, Gohann Friedrich Goͤtzmann Oberhauptmann im Gebirge, wie auch, Adam Danzer ſich eins. ) Herr Lengnich Gefchiehte von Preuſſen. Sulicovius. Eundling. Kochen u) von Aula, Buhnheim, Ereugen u. a. m. =) Leuthinger. Gundling Churfuͤrſt Johann Georg. 259 eingeftellet.) Bon dem Churhauſe Sachſen waren Churfuͤrſt Chriſtian zu Sachſen, Friedrich Wilhelm Herzog zu Sachſen⸗ Altenburg, Johannes Herzog zu Weis mar, Zohann Eafimir und Johann Ernſt Herzoge zu Coburg daſelbſten gleichfals F gligegen, als auch die fandgrafen zu Heflen, Wilhelm vorn Eaffel, Ludwig su Mar—⸗ purg, Georg zu Darmftadt, und tandgraf Moris, tandgraf Wilhelms ättefter - ring fich eingefunden. Unſer Canzler Diftelmeyer begleitete gfeichfals den Churfürs ſten dahin, in Hofnung, ob man jet, da Ehurfürft Ehriftian des Churfuͤrſten Dohann Georgs Tochter Mann gewefen, nicht näher treten Fonte, Es traten bald nach der Ankunfe die churfächfifchen, churbrandenburgifchen und fuͤrſtlich hefifchen Canzler und Raͤthe zuſammen, und richteten dieſe Sache, wie fie ehemafen gebrauch, Ulich gewefen, und folgende die Erbeinigungsnotel ein, Den sten Sul. Famen - obbenante Chur sund Fürften auf dem Rathhauſe zu Maumburg zufanmen, und fafs fen beide Churfürften an einer Tänglich viereckigten Taffel, oben am zur Nechten auf ahunnfüchfifher Seiten foffen Herzog Friedrich Wilhehn zu Sachen Altenburg, SZohann Herzog zu Weimar, Joachim Friedrich) Marggraf zu Brandenburg, Wilhelm tandgraf zu Heffen»Eaffel und George tandgraf zu Darmftadt. Auf der hurbrandenburgifchen Seiten aber befanden fich Herzog Johann Caſimir und Herzog Johann Ernft zu Coburg, Johann Sigismund Marggraf zu Bran⸗ denburg, Ludwig andgraf zu Heſſen / Marpurg und Moritz Sandgraf zu Heffen. Der churſachſiſche Canzler Pfeiffer that den Vortrag, und laß die Erbeinigungs / No⸗ tel ab. Dieſe wurde von den Churfürften, Zürften und des abwefenden Marggrafen George Friedrichs in Francken Gefandten unterfihrieben. Hierauf hat der Chur⸗ fuͤrſt von Sachſen mit denen Fürften, fo noch nicht die Erbeinigung beſchworen, dem Churfuͤrſten zu Brandenburg, wie auch denen fandgrafen Wilhelm, Ludewigen — TER und Georgen, vie Handgelobniß und folgends unter fich ſelbſten gethan, worauf Chur fuͤrſt Johann Georg dem Churfürften zu Sachfen und denen fieben Herzogen und Fürften den End vorgehalten, welchen fie mit aufgereckren Fingern abgefehworen. Fol⸗ gends haben die regierende Chur / und Zürften dieſe Notel mit ihren Ringpetſchaften verſiegelt. Machmittages Famen die Churfürftlichen Canzler und Näthe, und unter dieſen unſer Canzlee Diftelmeyer, auf dem Rathhauſe zufamınen, woſelbſten unfer Canzler von der ungleichmaͤßigen Succeßions / Form zu erfigen gebliebenen Borfchlägen weitere Negung gethan, welches vie Canzfer und Näche der beyden Erbverbrüderten Häufer an ihre hohe Principalen wolten gelangen laſſer. Es wurde diefes von denen baſelbſt vorhandenen Canzler und Raͤthen, in Beyſeyn unfers Canzlers, in Ueberlegung gezogen, und wegen Enge der Zeit befchloffen, daß die Erbverbruͤderte durch ihre Raͤthe auf den bten PTov. ſich zu Naumburg einfinden folcen. Dahin ſchickte Johann Georg Detleven von Winterfeld und Earl’ Barth, welche jedoch nichts weiter in der Hauptſa⸗ chegethan. Woranfdie Exemplarien nach den Canzleyen geliefert, und die Anftruction der an den Kayferlichen Hof gehenden Raͤthe auögefertiget und unterfchrieben worden y). — — RER a | ir Der 9) Bundling. Cernitius. Muͤller Ann. Sax. 1587. 1487. Anſehnliche zuſammen⸗ unft zu Luͤ⸗ neburg. 60 3 Ch. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Zohann Caſimirs Vormund des Churfürften Friedrichs 4 von der Pfalz, im Nas Der König von Navarra hatte feine Bemuͤhungen, auswärtige proteſtanti⸗ ſche Huͤlfe zu erlangen, noch immer durch feine Geſandten fortſetzen laſſen. Der Kir pig Friedrich 2 von Daͤnnemark war entichloffen, ſich diefer Sache wegen mit venvor nehmſten proteftantifchen Höfen in Deutfchland muͤndlich zu befprechen, und. es ward auf den ıgten Jul. eine Zuſammenkunft in Lüneburg. befiebet. Der König war bereits dafelbft angelanget, als Churfürft Ehriftian ı von Sachfen, Churfürft Johann Georg zu Brandenburg, Ersbifhof Joachim Friedrich von Magde— burg, Johann Cafimir Herzog zu Sachſen⸗Coburg, Friedrich) Wilhelm . er⸗ og von Sachſen⸗Altenburg und Wilhelm Herzog von Braunſchweig / Lüneburg, nebft ven Gefandten verfchiedener anderer Neichsftände ebenfals daſelbſt eintrafen, Die Bürgerfchaft hatte fich vor den Thoren, mit Feierlichfeit fie einzuholen, verſammlet. Alle diefe Prinzen enefchloffen fich aber, unbemerkt durch, ein ander Thor einzureiten. Sie uͤberfielen alfo den König von Daͤnnemark auf eine unvermuthete, aber angenehr me Are. Churfuͤrſt Johann Georg harte Hiebey feinem Schwiegerfohn dem Chur fürften von Sachſen die Oberftelle gelaſſen. Sein ehrwürbiges After fiel aber fofort dem Könige in die Augen, und feine ganze Geſtalt erweckte bey ihm eine vorzügliche Hochachtung. Er erſuchte daher den Churfürften von Sachfen, in denen Zufammens fünften mit feinem Herrn Schwiegervater nicht nach der Strenge des gewöhnlichen Ce⸗ remoniels fich zu richten. Und ſeit diefer Zeit ließ Chriftian ı dom Churfürften von _ Brandenburgallemaf die Oberhand. Der König nahm hiefelöft die Abrede mit um ferm Churfürften, feinen Prinzen. Chriftian mit der churbrandenburgifchen Prin⸗ zeßin Anna Catharina, einer, Tochter Marggraf Joachim Friedrichs, zu vermaͤ⸗ len. In der Hauptfache biefer Zuſammenkunft Fam man darin überein, daß man den - Könige von Navarra mie Bolf, Kriegsgeraͤthe und Geld beiftehen wolte. Der Koͤ⸗ nig war der Meinung, daß man dieſe Hülfe fogleich abſchicken folte, che die Guiſen, welche in der beften Bereitſchaft ftunden, die Hugenotten unterdrückt, che der kuͤnf⸗ tige Winter den Zug befehtwerlicher mache, und. ehe andere unvermuthete Hinderniffe den ganzen Anfchlag vereiteln möchten. Aber die deutſchen proteftantifchen Fürften waren der Meinung, daß man zuvor eine Gefandtfchaft nach Frankreich an ven Koͤ⸗ nig Henrich 3 abſchicken, und demfelben von diefem Zuge, zu welchem man ſich bes muͤßiget fehe, Nachricht geben muͤſſe. Dieſe folten von denen franzöfifchen Umftäns den genaue Nachricht einziehen, indeſſen aber ein jeder. ſich in gehörige Ruͤſtung ſetzen. Diefes wurde zuleßt befolgt.“ Herzog Friedric) von Würtemberg:Mömpelgard und Wolfgang Graf von Iſenburg waren ſchon im Julio nach Paris gefommen, um zum Vortheil ihrer Glaubensgenoffen mit Henrich 3 Unterhandlungen zu pflegen. Sie veifeten aber unverrichteter Sache, weil ſich der König zu Lion auf hielt, wieder ab. Die Gefandeen der deutfchen proteftantifihen Fürften erwarteten aber Henrichs 3 Wiederkunft zu St. Germain. In aller Namen führte Hilmer von Helmſtaͤdt churpfälzifcher Gefandter das Wort. Er bat den König im Namen des Pfalsgrafen men rn Churfürft Johann Gere 261 wmen des Churfuͤrſten zu Sachfen, Churfürftens von Brandenburg, Erzbifchofs von 1587. Magdeburg, Herzogs von Braunſchweig⸗ Lüneburg, der fandgrafen zu Heffen und der Fürften zu Anhalt, auch im Namen vier deutfcher Reichsſtaͤdte die Verträs ge mit den Proteftanten in Sranfreich heiliger, als bisher, zu beobachten, die Res formirten bey ihrer Religion zu laffen, und dem nächften Erben des Königreichs die ihm zuftehende Nachfolge zu verfichern. Der König von Frankreich fand: fich durch diefen Vortrag beleidiget, und ließ den Gefandten eine offene Schrift einhändigen, worin er diejenigen der Unwahrheit befehuldigte, welche ihm den Bruch einiger Ver⸗ träge vorwuͤrfen, zugleich aber erflärete, daß er den Gefandten Fein ferneres Gehör gen ben wuͤrde. Man Fonte fich von diefer Gefandefchaft wol Feinen andern Erfolg vers ſprechen z)J. J DE Yen & . Die Kriegsvoͤlker der Proteſtanten zogen ſich alſo nach und nach gegen den Mistungener Winter im Elſaß zufammen. Ohngefehr 25000 Mann kamen dafelöft zu ſtehen. Ueber Dem protes die ganze Mache Hatte Pfalzgraf Johann Cafimir den Oberbefehl. Die churfürft- * einig lich brandenburgifchen Völker beftunden aus zı Cornetten oder 6000 Reutern. hr in Navarran Feldherr war der Freiherr Fabian von Dohng, unter dem Johann von Buch viefe Bölker befehligte. Doch diefer ganze Zug lief ungfücklich ab. Allerhand vorgefallene Fehler vereitelcen alle gefafte Abfichten. Der Here von Gundling hat uns hievon - folgende Nachrichten aufgefegt. „Einige haben dem General Fabian Freiheren von Dohna alle Schuld beifegen wollen, wiewol demſelben unrecht geſchiehet. Denn erſt⸗ fich Hatte König Henrich von Navarra diefem General den redlichen franzöfifchen General-Ledar zugeben follen, welcher den Sachen ehrlich rathen Fonnen. Aber es war der zugegebene Michael Hugiere ein Verrärher, welcher vom Herjog Carl von Lothringen fich beftechen laſſen, und angerathen, man folle das fehöne Heer mitten durch Frankreich Bis an die Loire führen, wodurch diefes zu allen Seiten den Fleinen Unfällen des Herzogs von Guife unterworfen gewefen. So war auch König Hens rich von Navarra diefem Heer mit dem feinigen nicht entgegen gezogen, welches er nothwendig beforgen follen, indem es eine unerhörte Sache ift, wenn ein ‘Heer, ohne den geringften Unterhalt zu haben, durch ganz Frankreich ziehen folte; wie denn der Herzog von Guiſe alle läge vorher von allen Mundbeduͤrfniſſen entblöffer, durch wels che das Heer ziehen follen, fo daß er nichts an Mundvorrath und Futter vor die ftarfe Reuterey gefunden. Es war auch) vom König Henrich von Navarra der Zug nicht vorgeſchrieben, und niemand wufte, ob man in Lothringen ftehen bleiben, ober nach der Loire ziehen folte, welches Teßtere zu groffem Schaden endlich beltebet worden. Alfo fam das proteftantifche Heer in Lothringen an, woſelbſt es fehrecklich gehaufet, und alles verbrennet und verdörben, wo es hingefommen, weilen diefer Prinz des Herzogs von Guiſe Vetter gemefen, und an allen Empoͤrungen Theil genommen hatte. Es ‚Nieß fich der Herzog von Guife mit feinen Völkern daſelbſt ſehen; aber endlich gelung Kr e3 23 Leuthinger, Bundling. e | 1587. 262 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. es.dem Herzog Carl von Lothringen, daß er durch Verrath des Hugiere dieſe Gaͤſt⸗ Ya 108 wurde, indem der unglücliche Schluß gefaſſet worden, den. Zug nach der Loire fortzufegen, da man beſſer gerhan, wenn man in Lothringen verblieben, und ven Herzog von Guiſe hiedurch dahin gezogen hätte, fo daß alſo König Henrich von Nas varra gleichfals nad) Lothringen Fommen Fonnen. Aber nunmehr hatten die Deuts fehen fein and mehr im Rüden, welches fie decken Fonte, dannenhero fie um und um ° mie Feinden umgeben waren, welche mit Eleinen Unfällen, Abſchneidung der. Munde beduͤrfniſſe, bald den Vorzug, bald den Nachzug, bald zur Rechten und bald zur kins Een anfielen, diefelben fterig beunrubigten, und alfo dieſe ihre Feinde ungemein: abı h teten." Sie famen nad) Elarovall, woſelbſt der Abt alles hergab, was ‚fie verlangten, nur das fein Klofter unbeſchaͤdiget bliebe. Endlich) kam Monglaß bey dem proteſtan⸗ tiſchen Heer an, welcher den Ort anzeigen ſolte, mo man über die Luire feßen müfte, König Henrich 3 hielt diefen Fluß beſetzt, und endlich fahe man, daß man daruͤber nicht fommen koͤnte. Man mufte endlich zuruͤck kehren. Man muſte nun zwiſchen dreien feindlichen Heeren den Zug fortſetzen, worauf endlich der Feind bey Nacht in den Nachʒug fiel, fo daß die Deutſchen mit denen Franzoſen ins Gefechte Kamen, woßen der General von Dohna verwundet worden, nachdem er den. Herzog von Lothringen mit einer Piftol gefihoffen hatte. Es ward auch bey Aineau in Beauce der churbran⸗ denburgifche Obriſte unvermuthet bey Nacht überfallen und zerſtreuet, wofelbft viele Brave Befehlähaber und Soldaten geblieben. Cs war alſo die Sache verdorben, zus mal als die Schweißer mit König Henrichen dem dritten einen Vertrag fehloffen, daß endlich das proteftantifche Heer gleichfals einen Bertrag eingehen muſte, und von dem von Epernon, König Henrichs des dritten vornehmſten Staatsrath, den freien Abs zug erhielt, welches folgendg durch die Schweitz, wiewol in einem ſchlechten Stand, wiederum zurück gelangte. Es hatte dieſes der Churfuͤrſt ungerne vernommen, anbey aber fich verwundert, warum man auf Seiten des Königs von Navarra nicht beffere Anſtalten gemacht, noch die Loire befegt hatte, damit das proteffantifche Heer fich mit. ihm vereinigen koͤnnen. Nichts befto weniger wurde die churbrandenburgifche Reuterey wiederum in guten Stand. gefeget, und viel Volks angeworben, dein König von Navarra wiederum zu Huͤlfe zu kommen, wiewol der Churfürft ſich gegen König Henrich von Navarra ſehr beſchweret hatte, daß man auf die Bereinigung mit diefem auserlefenen Heer nicht beffer, gedacht hätte. Indeflen wurde dem von Buch ein ee: fes Verfehen von dem General von Dohna beigemeflen, weil er nicht vorſichtig geriug die Feldwachen ausgeſetzt, dannenhero ſelbiger allerhand Nachreden hoͤren müffen: ,, Seuthinger erzäpfer diefen Zug auf folgende Art... Die daͤniſchen, fächfifchen und anderen proteftantifchen Kriegsvölfer wären sooo Reuter und 20000 Zuffnechte fat gewefen: Dies ſchoͤne Heer hätte aber, theils wegen feiner Nachläßigfeir, gar zugroffen Sicherheit und beſonders im Elſaß ſchlecht beobachteten Mannszucht, fich nichts al Schande erworben. Johann von Buch brach zwar mic. vieler. Tapferkeit mit dem Dorberzuge in Lothringen ein, weil er aber bie Regeln ber Dorfichtigfeit niche Geob 5 vba Spenden So =” Churfürft Johann Georg. 2 263 achtet, und befonders Feine Wachen ausgefteller, fo wurden feine unterhabenden Voͤl⸗ 1587. er, die ſich am Martindtage im Trunk übernommen, von dem Herzog von Gufe I. im Schlaf‘ bey der Stade Aineau überfallen, und theils niedergehauen, theils gefan⸗ gen genommen, Der von Bud) entfam mit genauer Noth, fegte aber fein ganzes Feldgeraͤthe dabey zu. Sein Sohn ward bey dieſer Gelegenheit gleichfals gefangen, was ſonſt noch mit der Flucht entkommen, langte wehrlos und in ſchlechtem Zuſtande beny den Seinigen wieder an. Auf gleiche Art, ſagt Leuthinger, wären die übrigen — Eöniglich daͤniſchen, fächfifchen und andere Kriegevölfer ri und nad) angegriffen 2 J * gas zu Grunde gerichtet worden a). u. $. nz \ Nacht per Krönung Sigismundi 3 Königs von Polen war Zamoiski sarauf Siegmund 3 bedacht gewefen, den Erzherzog Maximilian, der fich, nach feinem unglücklichen Ber, bebatt_ in füch auf Eracatı, bis nad) Genſtochow und Vielun an die fchlefifchen Grenzen zu — * rück gezogen, gänzlich aus Polen zu vertreiben. Der Kronfeloherr trieb folchen 1588 1588. wirklich bis Pitfihen im Herzogthum Brieg zurück, und folgte ifm , weil ver Damm nicht beſetzt worden, auf dem Zuffe nach. Bey Pitſchen grif er Maximilians Voͤl⸗ fer an, und ſchlug fie glücklich in die Flucht. Die Flüchtigen warfen fich in das Städt gen, wurden aber fofort darin vom Zamoiski befagert. Es waren fchon alle Anftaften zum Sturm vorgefchret, als der Erzherzog folchen abzuwarten nicht vor rathfam hielt. Er übergab den Ort mit Bedingungen, und er fowol, als die bey ihm befindfichen Po⸗ lacken, muſten ſich zu Kriegesgefangenen ergeben. Siegmund 3 hielt fich aber noch nicht vollig gefichert. Er glaubte, daß der Kaifer alle Bemühungen fortfegen würde, um die polnifche Krone vor fein Haus zu behaupten. . Damit Rudolph 2 bey denen vornehmſten deutſchen Prinzen Feine Huͤlfe erhielte, hatten die Groſſen in Polen des nen churfürftlichen Höfen fehriftlich die Rechtmaͤßigkeit ver Wahl Sigismundi berich⸗ tet, und fie erfüchet, fich dahin zu bearbeiten, daß Erzherzog Maximilian feine Anfprüche auf Polen fahren lieſſe. Sie wolten Feine Schuld haben, wenn bey der Fortdaner des Krieges auch die Grenzen Deutfchlandes mit leiden muͤſten. Beſonders hatten fie den Churfuͤrſten Johann George von Brandenburg erfücht, Oeſterreich auf keine Art beizuſtehen, weil ſonſt ſeine Länder aller Gefahr ausgeſetzt würden. Der Berliner Hof hatte aber auch in der That Feine uft, fich in diefe Weiterungen einzufaffen. Da der gefangene Erzherzog ohnedies Hochmeiſter des deutfchen Ordens war, der auf Preuſſen noch immer feinen unbefugten Anfpruch fortfegte, fo war fehon diefes Hins reichend, den Sigismundo 3 fein Stück zu gönnen. Rudolph 2 Hatte ſich durch feine bisherige Negierung bey denen Proteftanten eben nicht fonderlich beliebt gemacht. Zum Gluͤck fahe der Faiferliche Hof felöft wenige Hofnung mehr übrig, Polen zu bes haupten. Unfer Churfürft ließ alſo bereits im dieſem Jahre durch den Cafpar von Brand bey Sigismundo 3 um die Mitbelehnung von Preuffen anhalten, die ihm auch der König auf Fünftigem Neichstage zu ertheilen verſprach b). | Der 4) — Leuthinger. b) Leuthinger. Gundling. Reſponſum Sigism. III. datum legatus Electoris 1588, Herr Lengnich. er * TEL 2, En re. 2, B%) Et a i J En * 5 w % #, ee 2 zn r * 1588. 264 3 Th. 7 Hauptfl. Neuere Geſhichte von Brandenburg. Der kaiſerliche Hof konte ihm ſolches fo wenig verdenfen, daß Rudolph 2 viels Der hurfürft mehr auf Zohan Georgs Anſuchen das demſelben zuſtehende Recht, vermöge deſſen fäft ſich das recht, de non appeliando, erneuern. niemand von feinen Urtheilen und Yusfprüchen ſich weiter berufen dürfte, mit folgens den Morten beftätigte: „Wir bewilligen, erneuern, beftättigen, befräfftigen, confir⸗ miren S. L. auch dieſelbe von Roͤmiſcher Kayſerlicher Macht Vollkommenheit hiermit wiſſentlich in Krafft dieſes Briefs, alſo daß von keinen Bey / oder End⸗Urtheil, Ers kaͤnntniſſen, Decreten, Abſchieden, fo in des Churfuͤrſten von Brandenburg Namen an dero Hof gefprochen und eröffnet werden, in allen Sachen, durch niemands, in was Würden, Standts oder Wefens der fey, weder an Uns, Unfern Nachkommen am Neich, oder Unfer Kanferliches Cammer» Gericht oder jemand anders appelliret, ſup⸗ pliciret noch reduciret werben ſolle noch möge, in keine Weiſe, ſondern ©, & und deren Nachkommen Erkänntniffen, Urtheilen, Decreten und Abſchieden folen gang Eräffs ig und. mächtig feyn, ftets bleiben und vollftresfet werden. Meynen, feßen, ordnen und wollen auch, daß ſolche der Churfürften zu Brandenburg hergebrachte Gerechtig⸗ keit und diß Unſer gegeben Privilegium des Nichts appellirens kraͤfftig und beſtaͤndig fen und die Churfuͤrſten von Brandenburg Ihre Erben und Nachkommen ſich derſelben erfreuen, genieffen und würkfich gebrauchen mögen, von Uns und Unfern Nachfommen am Reich Römifchen Kayfern und Königen und fonft maͤnnichlich daran ungeirret und Erhält vor⸗ nehmen be: ſuch. ungehindert. ch. * EN Ne | Der Churfürft Hatte. das Bergnügen, die verwitwwete Churfärftin von Sach in nebſt deren Bruder Johann Georg Zürften zu Anhalt in feinen fanden zu fprechen, als die erftere, mit dem Herzoge von Holflein ihr zweites Beilager zu Halten, durch» zeifete, Der König Friedrich 2 von Daͤnnemark war bey dieſem Beilager in Deutſch ⸗ land gegenwärtig, und wolte hierauf unſerm Churfürften einen Zufpruch in Berlin gönnen. Es wurden in des Chusfürften Wohnſtaͤdten zum Empfang diefes gefrönten Haubts alle Anftalten vorgefehret, und demfelben zu Ehren verſchiedene Triumphöogen ‚aufgebauet, Auch der. Churfuͤrſt von Sachſen Chriſtian ı ſolte in Berlin eintreffen, ift aber nicht, wie doch Leuthinger meiner, vwoirklich angefommen. Cs waren zwar . Sontags nad) Oftern bereits verfchiedene Herren des bramdenburgifchen Hofes zu Einholung des Churfürften von Sachſen nach Zoſſen abgereifer, woͤſelbſt auch das fächfifche Gepaͤck bereits anfangte. Aber auf die eingelaufene Nachricht, daß König Friedrich 2 mit Tode abgegangen, unterblieb diefe feierliche Zufanmenfunft, Cs fehlte jedennoch dem brandenburgifchen Hofe nicht an dem Beſuch anfehnlicher Reichs fürften. Zu Anfang des Julii langten Landgraf Wilhelm von Hefjen mir feinen “ Prinzen tandgraf Moritz, imgleichen Zürft Johann Georg zu Anhalt in der Mart an. Mit dieſen Gäften begleitet beehrte unfer Churfürft das Beilager des Grafen von Lynar mit der Margaretha von Thermow, bey welcher Gelegenpeit zu Span⸗ Dow ein fehönes Feuerwerk abgebrammt wurde d). Mae 3 ) Küniche Reichsarchiv. Part, Spec. von Brandenburg S. 312, mo das Jahr 1568 falſch attaer- geben iſt. d) Haftitius. Leuthinger. go das Jahr 1568 ſalſch ang ſich endlich, um feine Freiheit wieder zu erlangen, alles Anfpruchs auf die Krone Po⸗ » Churfürft Johann Georg. 265 ER SR §. 1. — 1588. Der Ehurfürft feßte jedoch die Staatsangelegendeiten niemals aus den Augen. Nimmt ſich Unter denen regierenden Brüdern in Sachfen: Lauenburg waren fehwere Irrungen °*, auendut⸗ Fr . i gifchen angele: entftanden, fonderlich. ward über Herzog Magnum bey dem brandenburgifchen, genpeiten an, Keniben und Fatferlichen Hofe die bitterfte Klage geführe. Mic Erlaubniß des aifers wurde diefer Prinz von feinem Herrn Bruder zu Hamburg in gefängliche Haft gebracht, und nad) Raſſenburg geſetzt. Sein Gefängniß wurde jedoch, auf. Vorbitte des Churfürften von Sachen und Brandenburg, nachher ziemlich ger mildert e). | WMarggraf Georg Friedrich hatte mit der Stadt Nuͤrnberg wieder ſchwere und der ſachen Streitigkeiten befommen. Theils dieferwegen, theils wegen der Unpaͤßlichkeit dieſes feines kranken legten Herrn der Altern fränfifchen kinie, reifete, auf Anvachen des Churfürften, ver he Erzbifchof und Churprinz Joachim Friedrich mit feiner Gemalin und den beiden ältes ſten Prinzen Zohann Sigismund und Zohann Georg nad) Anfpach ab, wo fie fich über allerhand Angelegenheiten mic dem Marggrafen befprachen. Der Churpring ſchickte feine beiden aͤlteſten Söhne auf die damals berühmte ſtrasburgiſche Hohe Schu⸗ fe, und half mit den Gefandten der-Churfürften von Pfalz, Sachfen und Bram denburg, auch anderer befreundeter, Höfe, die Irrungen zwiſchen Marggraf Georg Friedrich) und.der Stadt Nürnberg glücklich beilegen. Der Marggraf ernannte ihn dagegen in feinem legten Willen zum Erben feiner Staaten f). Bor allen Dingen zog der brandenburgifche Hof mic dem Marggrafen Georg Ererhätt die Friedrich die preußifchen Sachen in Ueberfegung. Erzherzog Maximilian hatte Mitbelehnung von Preuffen, len 1589 begeben. Sigismund 3 hatte nach Warfchau einen Reichstag ausgefehries — ben, den ſowol der Regent in Preuſſen Marggraf Georg Friedrich, als auch das Churhaus Brandenburg durch Geſandte beſchickte. Die geaͤchteten preußiſchen von Adel ſuchten auf demſelben zwar das polniſche Reich auf ihre Seite zu ziehen. Es wurde aber auf ihre ungegründete Klagen nicht gehöret, vielmehr ward fowol Georg Friedrich zur Belehnung, als das Churhaus Brandenburg zur Michelehnung über Preuſſen gelaffen 2), + Der Ehurfürft fahe fih um eben diefe Zeit bemuͤßiget, gegen die Stadt Koͤ⸗ und beftraft nigsberg in der Nenmark ſtrenge Verfügung zu machen, - In diefem Ort ward feit Er — * einiger Zeit zwiſchen dem Rath und der Buͤrgerſchaft wegen einiger Aecker am chur⸗ 5. hg fürftlichen Hofe ein Nechtshandel geführee. Die Bürger hatten darin den Rath weis ter befchuldigen wollen, als fie zu erweifen im Stande waren. Der Churfücft ertheis lete deswegen dem Rath ven Befehl, einige Bürger gefänglich einzuziehen. Als fols eher aber ven erhaltenen Auftrag vollftrecken wolte, entftand ein Auflauf der Bürgers ſchaft, fo daß ſowol die Rathsperſonen als Gerichtsdiener ſich mit Ver Flucht nad) Cuͤ⸗ ftrin. _ e) Leuthinger. f) Leuthinger. Herr von Dreyhaupt. g) Cernitius. Ceuthinger · P. allg· preuß. Gef. 3h. 2 | 266 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1589. ſtrin retten muſten. Der Ungehorſam der Buͤrgerſchaft muſte nothwendig beſtraft | werden, um andere von der Nachfolge eines fo vegellofen Betragens abzufchrecken, Auf befondern Befehl des Churfürften watd von dem Befehlshaber zu Cuͤſtrin Thisbeck der herumfiegende Adel, nicht weit von Baͤrwalde zu erfcheinen, aufgeboten. Die ganze Befaßung ‚von Cuͤſtrin, mit den bewafneten Bürgern von Cuͤſtrin und Bir walde deſtartt und mit einem gehörigen Zuge ſchweren Geſchuͤtzes verfehen, Fam den zten Jun. des Morgens um 2 Uhr vor Königsberg in der Neumark am Zum Gluͤck fegte fich niemand zur Gegenwehr. Thisbeck ließ feine Völker in die Stadt einrücen, befeßte damit alle Strafen, Plage und Thore. Der Rath war auf dem Rathhauſe verſammlet, und die Bürgerfihaft wurde zufammen geläutet. Es wurden fodenn achtzehen Anftifter des Auflaufs gefänglich eingezogen, davon bier nach Berlin gefangen abgeführer wurden. Die Bürgerfehaft mufte alles Gewehr aufs Rathhaus abliefern, und man verbot jedermänniglich, ohne befondere Erlaubniß aus der Stadt zu weichen. Hierauf wurden die Rriegsvölfer wieder abgeführet, und gegen die Gefangenen eine Unterfuchung vorgenommen. — Ahr Glück war, Daß der Herzog von Pommern Johann Friedrich fih ins Mittel ſchlug, perſoͤnlich nach Berlin fam, und für die Öefangenen eine Fürbitte ablegte. Diefe bewog ven Ehurfürften, folche zu begnadigen, auf freien Fuß zu flellen, und ihnen ihre — zu vergeben ). $. 114 Sohann Ge⸗ Der Herzog von Braunfchweig Zulius, ein Schwager des Eeunfirften war org beſchickt das Begräßnig mit Tode abgegangen. Johann Georg ſowol, als der Churprinz Joachim Fries herzogs Julii, drich beſchickten deffen Beerdigung durch eine Gefandtfchaft. Von des Churfürften Seite waren Dietrich von der Echulenburg, Adam von Echlieben und Carl Barth die Gefandten. Die fürftliche Wirwe Hedwig ward zu ihrem Troft von des Erzbifchofs Joachim Friedrichs Gemalin Catharina beſucht. Am folgenden Jahre 1590. 1590 hatte ſich der Nachfolger, im Herzogthum Braunfcehweig- Wolfenbüttel mit ra —* des Königs Friedrichs 2 von Daͤnnemark hinterlaſſenen Prinzeßin Eliſabeth vermaͤ⸗ herzogs Hen let. Bey der Heimfuͤhrung derſelben, welche durch die Priegnitz und alte Mark nee von gereifet, waren zu Wolfenbüttel, wie Leuthinger fagt, 49 fürftliche Perfonen beis bi; NO derley Gefehlechts verſammlet. Unſer Chürfürft hatte ſich ebenfals von feinem Schloß Netzlingen dahin erhoben, und zum Hochzeitgeſchenk 400 Hirſche mitgebracht. Die Pracht bey dieſer Zuſammenkunft war nach Beſchaffenheit damaliger Zeiten eingerichtet und auſſerordentlich. Haftitius hat davon einige beſondere Nachrichten gegeben, die id) aber meinen fefern aus feiner Handſchrift in einer Anmerkung vorlegen ** — ſ e die brandenburgiſche Geſchichte nicht unmittelbar betreffen ). Die ) Leuthinger Haftitius. Angelus auf H. Heinrich Julius zu — —— Ge⸗ i) Zeuthinger. Haftitii Erzählung ift fo abge, mahls Heimfuͤhrung gezogen, und Freytags fuͤr faßt: „Im Junio it M. Johans BrorgeChur: S. Johannis Baptiſtaͤ Tag mir H. Chriſtian fuͤrſt zu B. von Netzlingen no DEINER zu RR von H. — Julio und ker: — RE Ehurfürft Johann Georg. 267 m. "Die ſpaniſchen und niederlaͤndiſchen Kriegsvoͤlker verübten noch Iminerfort an 1590. F —* — im Eölnifchen, Cleviſchen und: Weſtphaͤliſchen groſſen Muthwillen. Sucht deutſch⸗ Re; Zu Sranffurt am Main kamen destwegen verfchiedene Neichsftände zufammen,' um — — — J— gegen dieſe Beeintraͤchtigungen ein Mittel ausfindig zu machen. Man fiel darauf, enetedigen, & durch Gefandefchaften den Herzog von Parma fowol, als die Niederländer zu deren ä * ar Abſtelung zu vermoͤgen, damit man nicht genoͤthiget fen, Gewalt mit Gewalt zu vor treiben, Unter andern ward auch unferm Churfürften diefes Geſchaͤft zu beforgen über laaſſen. Es wurden wirklich die Geſandten abgefertiger, die, ſo wie fie bfoffe Worte J vorgetragen, auch leere Worte zurück brachten, ohne daß fie vermögend gewefen, das rege Reich bewafneten Nachbarn ſchreckbar zu machen K), 4 Bor den netten rechtmäßigen Kbnig von Franfreich Henrich 4 baten bie Pro⸗ und teiftet teftanten ein miehreres. Henrich 3 König von Franfreich ſahe 1588 endlich ein, daß Henrich 4 von die verbundenen Bifrigen Catholiken beſonders aber das Haupt derſelben das Haus — der Herzoge von Guiſe, "unter dem Deckmantel der Religion, ſowol gegen feinen techtmäßigen Kronerben ven König von Navarra, als auch gegen fein eigenes Anfes Ben gefährliche Anſchlaͤge verbargen. Spanien lag mit ifnen unter der Dede, ob⸗ * —8 RR DEN vr — SEEN A are a bi — — ———— —V— * ud, dem jungen Keren H. Ul⸗ Bin 5 Fra Philip — Shef zu Ver , und andern anweienden, Zürften, Grafen Edelleuten fratlich eingeholt worden. Des folgenden Tages find Hochgedachte beide Churfür: Eon famaps allen anweſenden Fürften, Grafen und nen von Adelmit H. Heinrich Julio zu Braun: ‚in die 4000 Pferde ftarf, feinem Gemahl ‚geboren aus koͤniglichem Stam: » Ihrer Frauen Mutter, H. Ul⸗ Dännemark entgegen gezogen. Und da fie bis ans erfte Thor im einzuge Eommen, find 2 fchöne Schiff zu beyden Seiten der Brücken mit efchnigten und ausgeftrichenen Soldaten voten ei gelen Kartecken, Siegeln und Faͤhnlein zum erg angezuͤndt, und iſt alles groſſes Ge: Ken zur ingſt um die Feſtung her ſtuͤck bey ſtuͤck abgangen. Und find y Faͤnlein Landsknechte, die beyde Tag und Nacht die Wache gehalten, einer neben dem andern rings auf dem Wal umdie Stad nm Feftung -geftanden, und haben den ganzen inzug über die hacken ⸗ſchuͤtzen immer zu loß geſchoß⸗ fen. Auf den Abend nad) dem eſſen um 9 Uhr ift in groffer Lindwurm mit etlichen hundert Schöf: er desgleichen auch am Sontage ein groſſes vier: ecliges Feuerwerk, darauf eine Leue im Nefte mit feinen Jungen liegende im Schloffe angezundtet worden. Des Montags auf den Abend umb 10 Uhr ift das groffe Feuerwerk auf dem Platz bey der langen Muͤllen angezuͤndt, welches ein so Schloß gleich Ber Krone nad) dem Verluſt feiner fogenannten unuͤberwindlichen Flotte alle 75 N Burn | Kräfte A Se In allen ecken iftein jeſui⸗ tiſcher pfaffe mit einem Buche geſtanden, und ſind ſonſt zurings umbher mit ausgeſchnitzter und in roten und gelen Farbe gemahlter Soldaten, als ſtuͤnden ſie auf der Wache, alles voller Schoͤſſe, umbher geſtanden. Das Feuerwerk hat faſt bey 2 Stunden gewert. "Folgenden Dinftags find hochgedachte beide Churfürften fruͤ Morgens umb 5 Uhr wieder aufgezogen, und hat der. Sachfe ge gen Braunſchweig und der Brandenburger nach Helmſtaͤdt ſeinen Weg genommen. Des Abends aber umb 7 Uhr hat H. Heinrich Julius zu Braunſchweig dem Ehurfürften zu Sachfen zu Verdruß das groſſe Geſchuͤtze allenthalben abgehen laſſen, welches gewert bis umb ı2 Uhr in der Nacht. Denn fie fih wegen des Fechtens am vergangenen Sontag hart mit einander erzuͤrnt hatten. Auf diefer Heimführung find 4r König: liche, Chur⸗ und Fuͤrſtliche perfonen beyderley Sefchlechts geweien, und iſt ſolche ftatliche Aus; richtung und Tractation alda gefchehen, daß man fürs gemeine Gefinde Reinifchen Wein, denifch Medte, Gore und Mumme, und für die Junkern und Rethe Neinfal, Baſtart und Süffen Mein durch die Banck gefpeift hat, daß man glaubwuͤr⸗ dig gefagt hat, daß diefe Heimführung fat zwey Tonnen Goldes geftanden. k) Thuanus 1,100, Khevenhuͤllers Annal, Ferdin, Th. 3. 1590, 1591. 268 F Th. 7 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. Kräfte gegen England brauchte. Henrich 3 Tieß daher zwar den HenrichHergog von Guiſe und deffen unbändigen Bruder den Cardinal Ludwig aus dem Wege ran men. Uber der dritte Bruder Carl Herzog von Mayenne hatte fich gefichert, und brachte die eifrigften Catholiken zu den gröften Ausſchweifungen gegen den König ſelbſt. Um feine Krone zu erhalten mufte Henrich 3 ſich mit dem Könige von Navarra 1589 vereinigen, und in deſſen Geſellſchaft Paris belagern, woſelbſt damals ein rafender Haß wider ihren König herrfchere, der endlich fo weit gieng, daß Henrich 3 zu St Cloud durch den Konigsmord des verruchten Jacob Clemens ums seben gebracht wur⸗ de. Der rechtmäßige Erbe Henrich 4 König: von Frankreich und Navarra muſte die Belagerung aufheben, und ward fogar von dem Herzoge von Mayenne bey Ars ques, ohnweit Dieppe, eingefchloffen. Seine Tapferkeit und Kriegserfahrenheit bes freiete ihn zwar aus diefen mislichen Umſtaͤnden. Er Eonte aber nicht hindern, daß die eifrigen Catholiken den alten Cardinal Carl von Bourbon zum Könige aufgewor⸗ fen hätten, ohnerachtet folcher 1590 in feinem Gefängniß bald darauf verftorben. Der König ſiegte zwar bey Jvry, und fihloß das widerfpänftige Paris ein, aber Herzog Alerander von Parma mufte, auf Befehl des fpanifchen Hofes, 1sg1-diefe Haupts ftadt entfegen. Die Ligiften giengen mic einer neuen Königswahl fehwanger, konten fich, aber nicht einigen. Henrichs 4 Vaters Brudern Sohn Carl Cardinalvon Bour⸗ bon, aus dem Haufe Conde, machte fich einige Hofnung zur Krone. Da aber der junge Herzog Carl von Guife, des ermorderen Henrich! Sohn, aus feinen Gefaͤng⸗ niß entfam, fo wurden die Uneinigfeiten hierdurch um ein groffes vermehret. Bey alle dem fahe es vor den König Henrich 4 ſehr mislich aus. Er bewarb fich alfo bey den proteftantifchen Höfen um Beiftand, Tourenne, welcher zu Anwerbung eis niger Kriegsvolker von der Königin Elifabeth Geld erhalten, fuchte befonders am brandenburgifchen und fächfifchen Hofe den Haß der Lutheraner gegen die Refor⸗ mirten zu mindern. Leuthinger etzählet den Inhalt der von ihm desfals gehaltenen Rede. Am fächfifehen Hofe gelung es dem franzöfifchen Gefandten um fo leichter, weil daſelbſt ver Fürft Ehriftian von Anhalt, ver Kanzler Erell und der wittenbers gifche Gottesgelehrte Pierius denen Reformirten geneigt waren, und den Ehurfürs fien Chriftianı zu deren. Duldung bereits bewogen hatten... Johann Georg von Brandenburg war ebenfals, aber mehr aus Staatsabfichten, geneigt, den König Henrich 4 zu unterftägen. Auf einer Zufommenfunfe zu Torgau befehloffen vers fehiedene proteftantifche Prinzen, in ihren fanden die Werbungen vor Franfreich zu geftatten, und unter Anführung Fuͤrſt Ehriftiand von Anhalt zu deffen Beften ein Heer abgehen zu laffen. Der Churfuͤrſt Johann Georg befuchte Hierauf feinen Herrn Schwiegerfohn zu Dresden , und befahe in deffen Geſellſchaft die neuangelegten Werfe des Königsfteins. Den zıften Fun. zog Fuͤrſt Chriſtian aus Deffau nad) Frank reich. Heinrich von Pfuel war fein Obriſtlieutenant, Statius von Dausberg, - Iſaac Kracht, Friedrich von Buͤlau, Tafpar von Röder und Hans von Muͤt⸗ fhefal, auch Fabian von Dohna und Wolf Ernft von Putlig befanden fich bey dem Churfürft Johann Georg. 469 dem Heer, welches ſich auf 16000 Mann belief. Der obriſte Feldherr berichtete aber 1591. hierauf unſerm Churfuͤrſten aus Champagne, daß wegen auſſenbleibenden Soldes und nicht geſchehener lieferungen die Kriegsvoͤlker zum Fechten ſchlechte buſt bezeigten. Dem Sohann Georg war vom Tourenne ein ganz anderes verſprochen, und der Churfuͤrſt waͤnſchte, daß dadurch) die Ehre der brandenburgifihen Tapferfeit nicht leiden möchte, Er fchrieb daher ſamt feinem Churprinzen den zgften Der. an die bey dem Heer befindfis chen Brandenburger: „Sie würden als benahmte Mann und ftamhafte feute auf‘ das gemeine Werk, welcyes Ehriftlich, Erbar und rechtmäßig wäre, Aufficht Haben, und die loͤbliche deutfche auch der wohlverhaltenen Maͤrcker Neputation, imgfeichen ihrer Borfahren und Gefchlechter guten Nahmen und alles andere (wenn es gleich niche allewege, wie in Feinem Zuge leicht anders gefchehen Fan, nach Begehr hernacher gin⸗ ge) in fehuldige Acht nehmen, und folche Ehre für fie und ihre Nachfomen zu propagis ven und zu vermehren fich befleißigen. „ So löblich aber auch es immer feyn mag, wenn man bey aller Dürftigfeit die Tugend nicht auffer Augen fest; fo fehwer haͤlt es doch, Soldaten beizubringen, daß die äufferften Beſchwerlichkeiten, ſchmerz⸗ hafte Wunden, Verſtuͤmmelung des Körpers und ein Heldentod, auch ohne Sold, durch die zu erlangende Ehre reichlich erfegt werde. Die Sittenlehre ift wenigftens leichter zu faffen, als auszuüben. Die proteftantifchen Kriegsvölfer thaten zwar anfängs lich gute Dienfte, und ein Theil derfelben ward vom Könige Henrich 4 zur Belages ung von Rouen mitgebraucht. Allein das Misvergnügen über den Mangel an Sold und febensmitteln ließ Feine groffe Thaten mehr hoffen. Da bey demſelben verfchiedene aaachſiſche von Adel fich befanden, fo befamen ſolche noch einen andern Vorwand, auf einen Zuruͤckzug zu dringen )). ke §. ng | | ” Ehuefärft Chriftian ı von Sachfen war mit Tode abgegangen. Der Verwe / Johann Ges ſer des Hochftifte Magdeburg Joachim Friedrich traf ihn nicht mehr lebend an, und Kenn —* wohnte ſeinem Begraͤbniß bey. Chriſtian hatte in ſeinem letzten Willen unſern Chur⸗ — fürften Johann Georg und den Herzog Friedrich Wilhelm von Sachſen⸗Alten⸗ | | ' burg, die vormundfchaftliche Regierung über Churfachfen zu uͤbernehmen, erſucht. Der Churfürft von Brandenburg Johann Georg, der in diefem Jahr einen von den Zborowski erfauften Strich tandes zu Driefen in ver Neumark gefehlagen, und deſſen Enfel, der mit ihm einen Namen führete, zum Domprobft von Strasburg -erwählet worden, übernahm die ihm aufgetragene Mitvormundfchaft. Weil aber das deutfche Grundgefeg der güfdenen Bulle denen minderjährigen Churpringen ihren naͤch⸗ # ſten Verwandten väterlicher Seite zum Vormunde beftellet; fo hat folches bey den Staatsrechislehrern einen Ziveifel verurfacht, ob es einem Churfürften freiſtehe, dars in in feinem feßten Willen ‚eine Aenderung zu machen. Der Herzog von Sachſen⸗ Altenburg Friedrich Wilhelm nahm die Meinung derer, die folches vor uneriaubt bielten, anfänglich an. Er ließ fich aber eines beffern belehren, da man brandenburs | 13 gifcher D Thuanus, Cernitius. Leuthinger. Becmann hift, Anl. T. 2. 1598, 1592. > 070 3%. 7 Hauptſt. Neuere Gefchichte son Brandenburg. gifcher Seits zeigte, daß die in der guͤldenen Bulle veſtgeſetzte Vormundſchaft blos die eigentlichen Churſachen, nicht aber alle zur Erziehung der churfuͤrſtlichen Kinder und die Regierung der Churlande betreffende Angelegenheiten angehe. Er verglich ſich daher mit dem Herzoge den sten Nov. zu Zinna, daß in Churſachen Friedrich Wilhelm von Sachfen- Altenburg, als nächfter Verwandter, nach der Verordr nung der güfdenen Bulle, die Vormundſchaft Allein führen, alte übrige Sachen aber von beiden Vormuͤndern mit vorhergehende geſamten Rath und freundficher Verglei⸗ chung abgehandelt werden folten: Den 12ten Nov. wurde zu Dresden verabrede daß Friedrich Wilhelm die wirkliche Verwaltung der Regierung führen)! die Vers ordnungen und Beftallungen in beider Vormuͤnder Namen ergehen, mie den churbran⸗ denburgiſchen Raͤthen, wenn ſich ſolche zur Stelle befinden, alle wichtige Sachen vers “abredet, und mit ihrem Vorwiſſen und Belieben darin gefihloffen und verfahren werden folte. In ausmwärtiger Könige und Potentaten, wie auch Reichs und andern hochan⸗ gelegenen Neichsfachen ſolte des Churfürften zu Brandenburg Bedenken und Rath eingeholet und gebrauchet, und die jährlichen Rechnungen im Beiſeyn der churfuͤrſtlichen Abgeordneten abgenommen werden. Den sten Der. verglich man fich, daß in Reiches oder Faiferlichen Berfammlungen und Schickungen Friedrich Wilhelm wegen Chur⸗ fachfen die Oberftelle Haben, in andern gefamten Schickungen und Schriften aber dem Ehurfürften zu Brandenburg oder deffen Raͤthen die Oberftelle gelaffen werben ſolte Nach Maaßgebung diefer Vergleiche legten die tandftände von Sachſen nebft dem Her zoge Friedrich Wilhelm auch ven churfuͤrſtlichen Abgefandten die Erbhuldigung miteis nem Handſchlage ab, und erhielten den Hten Merz 1592 von beiden Bormündern die Berficherung, daß es beftändig bey diefen Vergleichen bleiben folte. Seit diefer Zeit wurden alle churfächfifche Verordnungen vom Herzog Friedrich Wilhelm vor ſich und vonden Hochgebohrnen Fürften Herrn Johanns George Marggrafen und Ehurfürs fien zu Brandenburg in Gefamter Vormundſchaft Weyland Heren Ehriftiang Her⸗ zogen und Churfürften zu Sachfen chriftiöblicher Gedächtniß nachgelaffener junger Herr⸗ fehaft ausgefertiget. Es gab alfo unfer Churfürft bey der Beftellung des geiftlichen Gerichts, der hohen Schulen, des Kanzlers und der Näthe, auch anderer Bedienten, bey Verlegung der Regierung nad) Torgau, bey Einrichtung des Hofrund Kammers „wefens, bey Erziehung der jungen Herrfchaft und bey Fortfegung der angefangenen Bes ftungen und anderer Gebäude in Sachſen feinen Rath und Einwilligung. Vor allen andern gefchahe aber folches in den Neligionsangelegenheiten diefes Churfuͤrſtenthums Der bisherige Kanzler Erell hatte dem verftorbenen Ehurfürften Chriſtian ı eine;ziems lich gelinde Denkungsart gegen die Meformirten beigebracht. Man hatte durch die - Finger gefehen, daß folche, die in ihrem Herzen der tehre Calvini beipflichteten, in Hof / und tandesämter gekommen waren. Da nun zu Churfürft Auguſts Zeiten die Eintrachtsformuf bereits öffentlich in ganz Sachfen angenommen und beſchworen wors den, fo fahe man von Seiten der Bormünder den Erell, Pierium und andere als fans desverbrecher an, legte fie ins Gefaͤngniß, ftellte gegen fie eine peinliche Unterfuchung | an, Br :n.. | Churfürft Zohan Georg. 271 an, die auch zufeßt dem Kanzler Crell den Kopf gekoſtet. In ganz Sachſen ward 1592. die Eintrachtsformul durchgehends wieder eingeführet und unterzeichnet, und diejens gen, welche folches nicht chun wolten, munften ihre Bedienungen niederlegen und das Sand räumen. Ich überlaffe meinen Leſern das Urtheil, ob man gegen den Kanzler Crell nicht zu ſtrenge verfahren ſey m). Ä ; N — 6 Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt konte, aller Muͤhwaltung ohnerachtet, vom Kdͤ⸗Die deutſchen nige von Frankreich die voͤllige Bezahlung des Soldes vor die unter feinem Befehl ſte⸗ Be bende proteftantifche Kriegsvoͤlker nicht erhalten. Der Herzog Alerander von Parsanser. ma hatte Henrid) 4 durch einen neuen Einbruch in Frankreich zu Aufhebung der Belagerung von Rouen genöthiger, ob er wol diefen Ort, nach Abzug der Spanier, in feine Hände befam. Die gegen ihn verbundenen Eathulifen waren im Begrif, . eine neue Konigswahl zu feinem Nachtheif vorzunehmen. Der Koͤnig fand daher in Gefahr, feine Krone, oder wenigftens die Ruhe feines Neichs, auf ewig zu verlieren. Miemals war alfo die Beibehaltung eines Heeres norhwendiger, als jest, und doch * fand fich Henrich. 4 auffer Stande, das zur Bezahlung der Deutfchen proteftantis ſchen Boͤlker nochwendige Geld herbeizuſchaffen. Fuͤrſt Chriftian berichtete unter ans dern unfern Churfürften durch den von Wutenau von diefen Umftänden. Johann Georg erbot ſich zwar, wenn andere proteftantifche Stände das ihrige thun wolten, einen ganzen Monat Sold zu erlegen, und auch andere Stände dazu zu ermahnen. Im Fall folches von andern nicht zu erhalten, fo fey er erbötig, dem Fuͤrſten Chris ftion eine Fahne Reuter von 300 Mann drey Monat Tang zu erhalten. Er ließ es wirklich an Ermahnungen bey andern Ständen nicht ermangeln, und beffagte fich in einem Briefe von Letzlingen den ıften Zulii, daß, wenn diefer Zug abermals unnuͤtz⸗ lich abgehen folte, Deutfchland davon nichts als Schande und Nachrheil Haben koͤn⸗ te, woben gleichtwol die ehrlichen abelichen feute, die fich dazu gutwillig gebrauchen laſ⸗ fen, mancher fein beftes Vermoͤgen daran gewandt, und bisher teib und Leben ritters lich gewagt und veft gehalten, auch in Acht zu nehinen wären. Weil aber andere Proteftanten, Geld herzugeben, Feine Anftalten machten, und befonders der fächfis ſche Mitvormund Herzog Friedrich) Wilhelm den tandftänden zufagen müffen, mit den franzöfifchen Sachen nichts mehr zu thun zu haben; fo zerriffen die Kriegsvoͤlker ihre Fahnen, und giengen gröftentheils nach Haufe. Fuͤrſt Chriftian von Anhalt muſte fich mit einem Schuldfchein über 73449 Kronen 25 Stüber abfinden laffen, wors über der König den Fürften fowol, als deſſen Obriften, Rittmeiſter, Hauptleuten und Befehlshabern alle Güter, feines Königreichs und aller feiner Unterthanen verpfaͤndete, und doch ift bis jeßo diefes Geld von Franfreich nicht bezahlet m). Unfer Churfürft ftellte in dieſem Jahr groffe Feierlichkeiten, die ich meinen fer —— ſern in der Anmerkung aus dem Angelo vorlegen will, an; wozu die Geburt des — Prin⸗ & m) Eernitius. Leuthinger. Angelus. Muͤller Staatscabinet Th. 7. Der Churfürft ließ " durch den Detlof von Winterfeld in den Jahren 1591, 1592, 1593 und 1505 als feinen Ger ſandten in Dresden die Mitvormundfihaft verwalten. n) Decmanns anhält. Hiſt. T. 2. 1592, 272 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Prinzen Sigismund Gelegenheit gab. Der Geſchmack in denen Vergnuͤgu ngen am den Höfen fieng fich wirklich zu andern an, und da man fich bisher hauptfächlich mit Ritterſpielen und Tournieren beluftiget, fo raten nunmehro kuͤnſtliche Feuerwerke in deren Stelle 0). : 0) Angelus hat fi bey Beſchreibung dieſer Feierlichkeiten folgender Worte bedienet: „Den zwansigften Tag Novenibris, des Morgens vmb drey vhr, iſt zu Coͤln an der Sprew geborn Marg: graf Sigismundus von Brandenburg, Herrn Johannis Georgu, Marggraffen vnd Churfuͤr⸗ ſten zu Brandenburg ꝛc. Sohn. Die Kindtauf⸗ fe aber ift hernach den zehenden Tag des Ehrift: monats dafeldft im Schloß gantz ſtattlich gehalten worden, in gegenwart der dreyen Jungen Herrn von Sachfen Herzog Vleiche von Mechelburg, des Herkogen von Holſtein, Herrn Aadislai Poppel von Prag, Biederichen von der Schw lenburg, Graffen Brunonis von Manßfeld. Item a Ehurfürftin von Sachfen, der Hertzo⸗ gin von Mechelburg, det Graͤffin von der Schawenburg vnd der Graͤffin von Söllern. Nach verrichteter Tauffe find die folgende 4 Tage vber, biß an den funffzehenden Tag gemeldtes Monats, allerley Ritterſpiel auff einer dazu geruͤ— ſien ſchoͤnen Rennbanen, an der Sprew mit Thurnieren, Ringrennen, Schiffen, Fewerwerck vnd Schieſſen gehalten worden. Zufoͤrderſt ward ein Patent ans Schloßthor geſchlagen, darin zween Mandinatores oder Ritter am Churfuͤrſtlichen Burandenburgifchen Hoffe ernennet, welche al: len Rittermeßigen Perſonen mit Ringrennen unnd andern Nitterlichen Spielen im Nahmen der Chur. - Brandenburg vnd nach Inhalt gemeltes Patents wilfahren folten und wolten. Die Rennbahn ward allermeift unter dem Schloße bey dem Waſſer, die Sprew genandt, zugeruͤſtet vnnd mit grünen Laub gezieret. Darauff waren fuͤnff ſchoͤne Schweig⸗ bogen aufgerichtet, vnnd mit ſchoͤnen Gemalden vnd Hiſtorien vorſetzet. Auff jeder Säulen ftun: den zu oberſt zwo Schlangen, ein par Tauben vnd ein Herb in der Wolcken mit gefchloffenen Han: den, welche das’ Herz hielten. Dadurd) denn die Vorſichtigkeit vnnd Liebe oder Trew bedeutet wor: den. Auf den fünfften Bogen, fo mitten auf der Rennbahn gegen dem grünen Judicierhaus vber fiundt, bieng der Ring, darnach man vennete, und darüber eine Königliche Kron. Zuoberft auff diefem Bogen ſtundt die Fortuna, von Holtz ges macht, auff einer runden Kugel, die hielt in der Hand eine Fahne, darin gefchrieben VICTORIA. Zu beyden feiten ſtunden zween Roͤmer vnd zu ihren Füffen ein gemalter Greiff. Es waren aber die gemelte fünff Schweigbugen mit folgenden. deutſchen Reymen befihrieben : tig Zu ehren dem Ehurfürftlihen Stamm, So da glüclich fein fommen an, + _ Damit fie ſich ergeßen mögen Durch Nitterfpiel fi wol bewegen, Zu Gottes Lobe, preis vund ehr, Der ieht gefegnet hat noch mehr Das loͤblich Churhaus Brandenburg Sank wol geziert gemehrt dadurch Mir einem jungen Heren zart > ue Den zwanzigfien October gehoren ward, Darumb Ehurfürftliche Trewe i | Erfrewt wird jeßt wider auffs newe Die Ritterlich Zufammenkunfft se Verurſacht hat die recht Vernunfft, =. Dis Nitterfpiel zu ordnenan, Ehurfürft Hans Goͤrg hat machen lahn. Drumb auch hiezu dis Ritter gut Gelaſſen fein aus freyem muth Zu kempffen ftreitn gegn jederman, So mögen kommen auff den Plan Sein glück zu ſuchen ober mög erlangn Die Kron der Ehen, fo hier thuc hang, Vnd von den beyden Römeen gut Dehalten wird in gutem muth. Fortuna wirdts erleuben mol Be Victori wer fie haben fol Auch Judicirer geordnet ebn, Die achtung follen hiebey gebn, Damit nur gefche keinm unrecht, % Der mags Nitterlich treiben recht. Am eitfften Tage des Chriftmonats fing man an, allgemad; ſich auff der Bahn zu üben und zuuorfüchen. Den folgenden Tag aber, morgens vmb zwölf vhr, find die zween Ritter oder Man- dinatores, als nemlih JOBST von Oppen⸗ damals Churfürftlicher Brandenburgifcher Cam⸗ mer Junker, vnnd Caſpar Schlefier Ehurfuͤrſt⸗ licher Stallmeifter in fehwarzen Sammet vnd mit gegofienen gülden Roſen verbremet, deßgleichen drey Spießjungen auch im ſchwartzen Sammer, vnd mit gülden Ketten gezieret, vnd zween andes re Ritter jeder für fich ſelbſt, fo Patronirer gez nennet worden, auffgezogen. Vor jhnen her rite ten zuforderft vier Trometer mit ſchwartzen und weifien Fahnen : darauff baldt neun Geleitsleute, je drey vnd drey in einem Gliedt gefolget. — ſon he j Ehunfütſt Zohan &eaige 273 — — rs beſchaͤftigten den Churfuͤrſten die Sorgen vor die Wohlfahrt ſeiner —“ — Friedrichs ee des Hochſtifts Magdeburg. — 1 ee —— wi zer neun EN Zuletzt hat man geſattelte vnd verdeckte Pferde an der geleitet, Als nun bie Mandinarores mit Geleit auff den Nennplag Eommen, find die neun Geleitsleute wieder abgezogen: die zwoͤlff J — Pferde aber in zwo darzu auffgeſchlage⸗ zelter gefuͤhret, vnd darinn * die andern ‚ verwahret worden. d ift eine ans ———— wie Tuͤrcken gekleidet, auffgefuͤh⸗ ret worden, welche gegen den zween Rittern ger vennet, und haben fich gemeldte Nitter gegen den vermumbten Herrn fo tapffer gehalten, daß fie den beften Gewinn dauon getragen. Am dreyzehen: den Tage des Chriſtmonats find jetztgedachte Ritz ter oder Mandinatores auff vorgemeldte zeit vnd weife wiederumb auffgezogen, vnnd wurden jhnen rch die Geleitsleute eine Parthey, auf tuͤrkiſche re gekleidet, zugefuͤhret, gegen welche fie fich.rit; terlich gehalten. Nach jhnen ift ein ander Auf zug in ſchwartzen Sammet mit filbernen. firiechen gezieret kommen, welche ſich auff Ringrennen wol verftanden und geübt. Zum dritten Fam auff der Sprew herauff ein wohlgerüftes Schiff mit drey Maftbäumen, alles rot und weis gemahlet, darin ein liebliche und ſchoͤne Mufica-war von Herrn und Edelleuten. So bald die an die Brücken famen, liefen fie ein herrlich Fewerwerck, auch etliche groſſe fihlege, als duppelte Falckenetlein, abgehen, gin: gen darnach in-roten vud weiften Kleidern zu lau: de, zogen mit groffer Herrlichkeit auff, renneten nad) dem Ninglein, vnd fo bald fie das getroffen, ward dem Schiffman ein zeichen gegeben, das er ein gros Stüc los brennen folte, wiedenn auch gefhahe. Im wegfahren lieffen fie auch etliche Frewden Schüffe unnd Fewrwerck abgehen. Zum vierten 508 einer in geftalt eines Moſcowiters auff Meg der ſich aud im Ringrennen wol ge: brauchet. Zum fünfften kam eine Parthey in grün gekleidet, fampt einem Poſt⸗Boten auffdie Bahn, welcher, fo baldte jein Herr getroffen, fein Horn gar lächerlich gebfafen. Der fechite Aufzug war in grün Sammer mit Silber verbremet ſtattlich gekleidet. Die im ſiebenden Auffzug waren in koͤſtlich graw Gewandt gekleidet, vnd mie ſchoͤnen Buͤſchen vnnd grawen Kranichsfedern auff ihren Haͤupten vnd Pferden gezieret. Zum achten zog eine Parthey auff in aller geſtalt wie die Fiſcher ge⸗ kleidet, in graw Gewandt, mit Fiſchers Stieffeln, ledern Schoͤßlein, grawen Fiſchershuͤten, darauff an ſtatt der Federn, die Nadeln, darmit man die P. allg. preuß. Geſch. 3Th. 1562. Mai ggraf Johaun Si: Kſiſchergarn * netz vnd kurze ſtangen, welche fie als Regiment⸗ ſtaͤbe gefuͤhret. Vor jhnen her ritten drey Eins ſpanniger in gleicher Kleidung, welche an ſtatt der dreyen-Neimfparten mit einer Fiſcher Kruͤcke und zween Nuderriemen vor jhnen gerudert. Darauf ein ganger Hauffen Fiſcher gefolget, welche aller; fey fiichergeräthe auff den Achffeln getragen, vnd ein fiſcherliedt mit gleichen Stimmen gefungen, als fie auff den Thurnierplaß: kommen. Es zogen aud) zween Ochſen auff. einem, Schlitten einen fifher Nahen, darin lebendige Fiſche vnd ein ſchiffknecht, welcher fich geftellet, als wenn er vu: derte, waren. Auff dem einen Ochſen fas ein Weib einer Baͤwrin gleich, welche die Ochſen fort: trieb, Fornen auff dem Nachen ſas ein Meer⸗ katze, an einer Ketten gebunden. Sind alſo in guter Ordnung. vnd mit geoffem- Gelächter. des Volcks auff die Rennbahn fommen, und haben etliche gegen den Mandinatoren gerennet, vnnd als fie den Ring getroffen, damit fie denn etliche. Gewin dauon gebracht, haben fie darauf nad) ei: nen Vers von dem vorigen —— geſungen. In dem neunden Auffzug waren Heyducken, jhre Spielleute waren roth vnnd weis gekleidet, hatten Heyduckiſche Knuͤttelpfeiffen und eine kleine Bau: cken, die man auf beyden ſeiten ſchlegt. Darauff drey gefolget, nach Heyduckiſcher Art, in weis gekleidet, ſo die Rennſpies gefuͤhret. Item drey Herrn im rothen Sammet auf Heyduckiſche weis gekleidet, welche, ſich auch im Ringrennen wohl, gehalten. Als nun indeſſen der Abend mit einge⸗ fallen, hat man von dem Ringrennen abgelaſſen, vnd find alle obgemelte Partheyen, fe noch vor: handen gewefen, in guter ordnung alfo vermumbt wieberumb abgezogen, vnd bat eim jeder feinen gewin vorjmgetragen. Zuletzt find auch die Man- dinatores in jhrer ordnung „ wie fie auffgezogen, mit den flattlichfien. gewinnen gefolget. Am 14 tage des Chriftmonats ward nichts ſonderliches auß⸗ gerichtet, allein das man einem Junckern auffm Schloſſe Hochzeit und Beylager gehalten. Gegen abendt aber ward auff der vorgedachten Rennbahn ein Frewdenfewer angeftellet, welches zwifchen vier vnd fünff ohren. angegangen. Erſtlich war bey dem Judicierhaus ein wolgemachter Adeler, wel⸗ cher mit feinem linden Fus auff einem dreyeckich⸗ ten Pfoſten ſtundt, vnd mit dem rechten Klawen des Churfuͤrſten von Brandenburg Kayſerlichen Scepter hielt, alles voller Schuͤſſe, darunter dem Mm Chur⸗ ismund wirt Sie hatten drey kleine fiſcher⸗ se, 274 3%, 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Der aͤlteſte von ihnen, Marggraf Johann Sigismund, hatte Faum das — 1592. Marggraf Jo⸗ hann Georgs ſtrittige bi⸗ ſchofswahl zu Strasburg. ſeines Alters erreichet, ſo dachte der berliniſche Hof ſchon an deſſen Verlobun —* hatte zu dem Ende ihm bereits im vorigen Jahre die aͤlteſte Tochter des Herzogs von Preuſſen Albrecht Friedrichs beſtimmt. Durch eine Fünftige Vermaͤlung biefer bei⸗ den Perſonen konte nicht nur die gewiſſe Nachfolge im Herzogthum Preuſſen fondern auch alle dem Herzoge von Juͤlich zuſtehende Staaten, worauf die He von Preuffen Maria Cleonora, eine geborne elevifche Prinzefin,fich berecheiget: bielt, an das Churhaus Brandenburg gebracht werd Maragraf Johann Sir giönund tar deswegen nach Preuffen verfhict. NA) feiner Zurdctkunfe gieng gu Berlin feine Verlobung in diefeom Jahr mit aller Zufriedenheit feierlich vor fih, und der Bräutigam reifefe fodenn im folgenden Jahr an den Hof feiner fünftigen Schwie⸗ are. gereltern nach Preuſſen wieder ab p). 117. Die erheblichſte Sorge des Ehurfücften WESöR gieng auf feinen zweiten Enfel Johann Georg. Es war derſelbe, wie wir bereits angefuͤhret, von feinem Herrn Vater dem Chur⸗ vnd Fuͤrſtlichem Hauſe Brandenburg zu ehren ein Verß geſchrieben war. Auff der andern ſeiten des Judicierhauſes ſas ein groſſer Held auff einem viereckichten poſtament, alles voller Schuͤſſe vnd außfahrender Fewer, welcher Held in ſeiner lincken Hand die Churfuͤrſtliche Wapen hielt, vnd in der rechten ein Schwerdt fuͤhrete. Vor jm ſtundt ein klein erhaben Poſtament, daraus her⸗ nach das fewer fommen, vnnd die Hand ſampt dem Schwerdt verbrennet. Hiedurch ward die al; te Römifche Hiftorie von dem Eajo Mutio vors gebildet, weicher zu Roms über die Thyber ge: ſchwummen, des genglichen Vorhabens, Den Koͤ⸗ nig Porfennam, fo die Stadt niit gemalt bela: gert, vinzubringen. Weil ihn aber fein Vorneh— men mißgerathen, vnnd er den Canzler an flatt des Königes erſtochen, bat er feine Hand fampt dem Schiverdt in fewer verbrennet. Auf dem rss, darauff der Held fas, ſtunden dieſe Berie: Caſus Mutius der Römifche Held, As Porfenn vor Rom lag zu Feld, Durch die Tyber ſchwam indr Feinde Heer, Erſtach des Königs Cantzeler, Darauff alsbald aus tapfferm muth Sein Hand ſtrecket ins Fewers glut, Weil er Porfenn der Römer Feind Nicht troffen, den er doch gemeint, * Durch ſolche groſſe Mennliche That Den Feind fried zu ſuchen beweget hat, "Für folche Trew die Römer fchon Viel Hecker E Mutio geben zu Lohn. Nicht weit davon waren auch funffzehen Morſel⸗ ſtuͤcklein eingegraben. tem Fewermuͤhlen, Schlag: kugeln, Fewerſtangen, fewrige Duſacken, fewrige Peitſchen vnd elliche hundert Racketten. „Als nun dieſes alles angeordnet, hat der Churfuͤrſt ſelber vngefehrlich vmb g vhren vom Ercker herab geruf⸗ fen: Meiſter Hans, wenn ich ruffe oder pfeif fe, fo las es gehen; welches auch ein wenig vor neun ohren geiihehen. Da nun das Fewerwerd angegangen, vnd Cajo Mutio die Hand vnd Schwerd erſtlich angezuͤndet ward, gab es viel ſchlaͤge, ſchuͤſſe vnd ausfahrende Racketten hin vnd wieder in dem Schloſſe. Darnach kam es u den Adeler, welcher viel fchüffe und fchläge nad, Hierzwiſchen wurden auch allerley Kurtzweilen mie brennenden Nennftangen, Sebeln, Paufianen, - Tartfihen vnd fewrigen Muͤhlwerck getrieben. Als nun diefe Kurtzweil faft eine gange Stunde ges währet, lies man auch die vorgemelte funffjehen Morſchene Stüclein nach einander mit ſolchem Gewalt abgehen, das der Erdboden davon erzit⸗ terte, viel Fenſter im Schloffe zerfprungen, vnd der Schnee von den Dächern herabe fiel, alſo daß die Heer Paucker vnd Trometer, fo im oberften Ercker ſtundten, jhr Ampt vor dem Schnee nicht wol verrichten kundten. Doch iſt durch Gottes guade alles ohn ſchaden vnd mit ſonderlicher kurtz⸗ weil allenthalben abgangen. Endlich find den ı5ten tag des Chriftmonats alle und jede Herrſchafften wieder nah Haus gereifet. Iacob Franc. in hi- ftoricae relationis continuat.„ * pP) Reuthinger. Cernitius. Haftitius fagt, die Verlobung fey geichehen zu Berlin Donneiz | ftags in der dritten Adventwoche ı5gr. Er, reifere nach Preuſſen mit 300 Pferden 1593 im Febr. Seine Frau Mutter begleitete ihn bis Stertin, 7 * | Churfurſt Johann Georg 275 Berrvefer des Hochſtifts Magdeburg Joachim Friedrich auf die Hohe Schule nach Strasburg geſchickt, und dafelbft war er zum Probft des Hohen Stifts erwoͤhlet. Die Streitigkeiten zwiſchen den evangelifchen und catholifchen Domherren dauerten noch) beftändig fort. Die erfteren, welche den gröften Theil ausmachten, hielten in dem Brüderhofe ihre: Verfammlungens dahingegen der catholifche Theil zu Zabern ſich aufhielt. Die Zwiſtigkeiten ftiegen aufs höchfte, da der Bifchof von Strasburg Johann Graf von Manderfiheid mit Tode abgieng. Sowol ver evangelifche als eatholifche Theil der Domherren wolte durch eine Wahl einer Perſon von feiner Nelis gion vor dem andern das Uebergewicht zu erhalten ſuchen. Die Proteſtanten wählt ten an dem gehörigen Ort den 2often May den Domprobſt Marggeafen Johann Georg zum Biſchof. "Sie hoften, daß die gefamten Proteftantenin Deutfchland denfelben unterftügen helfen würden. Beſonders machten fie fich aufden Beiftand der gefainten regierenden Prinzen aus dein Haufe Brandenburg ftarke Rechnung. : Die - satholifchen Domherren lieſſen ſich dadurch aber nicht abfehrecken, den zoten Jul. zu Zabern eine Wahl: vorzunehmen. Es fiel diefelbige auf den Cardinal Carl Biſchof von Met, einen gebornen Herzog von Lothringen. Ob diefer zwar durch den ſchwaͤch⸗ ſten Theil am ungewöhnlichen Orte 'gewählet worden, fo hofte derfelbe doch bey dem einmal beliebten geiftlichen Vorbehalt durch Hülfe des Papfts, durch Gunft des Kais fers, durch Beiftand der Spanier und feines Haufes ſich bey der angetragenen Wuͤr⸗ de zu erhalten. Der Berwefer des Hochftifis Magdeburg erhielt im Carlsbade, wo er ſich ſeiner Geſundheit wegen aufhielt, die erſte Nachricht von der Wahl ſeines Prin⸗ zen. Der Graf von Mansfeld, ven das Domcapitel abgeſchickt, brachte ihm dieſe feierliche Nachricht nach Halle. Hiervon ward ſowol der Churfuͤrſt von Branden⸗ burg als auch der, unpaͤßliche Marggraf Georg Friedrich in Franken und andere proteftantifche Höfe benachrichtiget. Die Freude des Ehurfürften Sohann George ben. Earl von Lothringen ward gleich anfaͤnglich von lothringifchen und fpanis fchen Kriegsvölfern unterſtuͤtzt. Diefe nahmen von dem gröften Theil ver Stiftslande Beſitz. Die Reichsſtadt Strasburg, der Herzog von Würtemberg, der Marge graf von Banden: Durlach, beſonders aber der Marggraf von Brandenburg Georg Friedrich, erboren ſich, dem proteftantifchen Bifchof alle mögliche Huͤlfe zu leiften. Nur fand der Ehurfürft von Brandenburg Bedenken, ſich der Gewalt zus bedienen, um nicht dadurch ganz Deutfchland in neue Flammen zu fegen. Er pflegs te felbft zu fagen, daß er zum Kriege Fein Belieben hätte, brächte ihn aber jemand im den Sattel, fo folte es Mühe genug Foften, ihn wieder heraus zu bringen. Diefer feiner Geſinnung gemäß nahm er fich bald anfangs der Sache feines Enfels nur da durch an, daß er am Faiferlichen Hofe die Wahl- Johann Georgs durch. Gefandten und Schriften unterftüßte, auch fonft, wo es nöthig fehien, an dienfichen Vorftelluns gen es nicht ermangeln ließ. Die Entfernung feiner Staaten vom Stift Stra burg, die Nähe der Hülfe, welche Earl haben Eonte, die Macht, die der letztere auf | ar Mn 2 feiner 1592. maͤßigte fich jedoch durch die Vorſtellung derer daraus nothwendig eneftehenden Unrus -1592. 76 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. feiner Seite hatte, waren Bewegungsgruͤnde des Churfuͤrſten, bey der Unterfkigue der Wahl feines Enfels alle Borficht zu brauchen... Was Fonte dem Churhauſe var ; von vor Vortheil zuwachfen, wenn gleich der brandenburgifche Prinz, welches doch noch zweifelhaft blieb, Pla behalten? Nach feinem Tode ward doch zu einer ander weitigen Wahl gefchritten, die ein ander Haus treffen konte. Am churfuͤrſtlichen Ho fe ſahe man alſo mehr bey dieſer Sache auf die Vortheile des brandenburgiſchen Hau ſes, als der Proteſtanten uͤberhaupt. Marggraf Joachim Friedrich und Marg⸗ graf Georg Friedrich ſuchten aber beide zu verbinden, und die Wahl des brandenz burgifchen Prinzen mit Gewalt geltend zu machen. Die Stadt Strasburg erbor . fih, zum Kriege gegen ven lothringiſchen Cardinal Carl einige Tonnen Goldes hers aufchieffen, und der Berwefer des Hochſtifts Magdeburg fowol als Georg Friedei h nahmen dies Anerbieten. an. Von denen in Frankreich auseinander gegangenen pro⸗ teftantifchen Völfern wurden fo viel, als man Friegen konte, in Beftallung genom⸗ men. Fabian Freiherr von Dohna, einige aus dem Haufe Kottwitz und verſchiede⸗ ne andere brandenburgifche von Adel ſchworen, die Rechte: des proteftantifchen Bis fehofs zu verfechten. Fürft Chriftian von Anhalt erhielt die oberſte Fetopernftelle, Er nahm folche an, ob er fich gleich Anfangs unter andern aus der Urfache bedachte, weil der Churfürft von Brandenburg, feine Macht zu brauchen, ſich nicht erkläree hatte. Den ıöten Yuguft kam er nach Stragburg, und den asften dieſes Monats ſchlug er einen groffen Theil lothringiſcher Reuter. Dem zzften Deck. entfegte er den jüngern von Kottivig, der mit so Mann von dem Feinde überfallen worden. Als fein die proteftantifchen Kriegsvölfer hielten fehlechte Mannszucht, und druͤckten Freund -# und Feind auf gleiche Art. Cs wurden zwar einige Hauptleute deswegen entfeßt, aber das Uebel Hierdurch nicht aus dem Grunde gehoben. Den a7ften Oct ward dem Chris ſtian 1 vom Marggrafen Johann Georg ; dem Domcapitel und der Stade Straße burg die Feldherrubeſtallung auf 3 Monate ausgefertiget. Den zoften Och. vide derfelbe mir der ganzen Macht ins Feld, und wurde damals vom Marggrafen Johann Georg felöft, vom Otto Henrich und Franz Herzogen von Braunſchweig und Liz | neburg, dem neuen Domprobft Carl Herzog von Braunſchweig und andern vorneh⸗ men Herten bey diefem Auszuge begleitet. Der Feldherr machte bie Feinde glaubend, als wenn. es Zabern gelten folte, der den gröften Theil feiner Mache dahin verfegte. Ehriftian ı fehlug den zten November 200 Lothringer in die Flucht, fperete mic ei nem Regiment Fußvolf die Beſatzung von Dachftein ein, und .belagerte den aten No⸗ vernber Mols heim zum andernmal. Der Orc that die herghaftefte Gegenwehr, und‘ ergab fich dem ısten diefes Monats mit Bedingung, ) Der Earvinal Carl flüchtete auf diefe Nachricht von Zabern nach Nancy. - Fürft Chriſtian verfolgte aber fein‘ Gluͤck nicht eifrig genug). Bey Dachftein wurde er mit einiger Bedeckung, die aber mebrencheils trunfen, von einem Haufen Lothringer überfallen, und gerierh ſelbſt in tebensgefahr, bis ihn die Befagung aus Molsheim entſetzte. Der Marggraf * M Beutchinger. edit, Kraufn p. 921. Poftguani igitur aequis conditionibus inter Brandenbur- . gicum Churfuͤrſt Johann Georg. 277 hann Georg füchte ſich auch dadurch beliebt zu machen, daß et durch ein öffentliches Ausfhreiben jedermann verficherte, mie er Feinen in feiner Religion Fränfen und einem jeden die Freiheit laſſen wuͤrde, zu einer Religion überzutreten, zu welcher er wolle. Er verdienete aber hiedurch ben beiden Parteien wenig Danf, davon eine jede lieber die Ausrortung der andern gefehen hätte. Unſer Churfürft Hatte indeffen überall den Weg der Guͤte angerarhen, befonders da die meiften übrigen Proteftanten müßige Zufchauer abgaben. Der Faiferliche Hof ließ den gten December durch einen Herold in Strass burg der Partey Marggraf Johann Georgs und den ı2ten December der Partey des Cardinals von Lothringen einen Stillftand der Waffen gebieten, weil er die Sache Durch gewiſſe ernannte Schiedsrichter erörtern Taffen wolte. Marggraf Georg Frie⸗ drich und andere fehienen zwar nicht abgeneigt, den Krieg wenigftens in Lothringen fortzuſetzen; aber unfer Churfuͤrſt Johann Georg widerrieth folches aufs Aufferfte, Mer gleich der Krieg nach Lothringen gefpiele würde, fo war dadurch die ſtrasbur⸗ | side Sache noch nicht entfhteden. Der Herzog von Lothringen würde dagegen fein uſſerſtes chun. Er konte leicht aus Spanien und Stalien Hülfe befommen, und es war zu beforgen, daß daraus ein weit gröfferes Kriegsfeuer entftehen möchte, welches zu loͤſchen weder Bölfer noch Miteel vorhanden waren. Diefe Borftellungen des Churs eften wirften fo viel, daß nac) hin und wieder gepflogenen Handlungen den 27ften ebr. 1593 zwifchen beiden Parteien beliebt wurde, das Kriegsvolf abzudanfen, Fünf fig ruhig zu verbleiben, und den Hauptſtreit durch fechs Neichöfürften, als Wolfgang Erssifehof von Mainz, Julium Erzbiſchof von Würzburg, den Erzherzog Ferdi Hand von Defterreich, den fandgrafen Ludwig von Heffen, den Pfalzgrafen Phi⸗ Tipp Ludwig und den Herzog von Sachfen Altenburg Friedrich Wilhelm, gie Hd) entfiheiden zu laſſen. Beide Theile folten indeffen im Beſitz eines Antheils der m: Mm 3 ! Stifts⸗ teli iactum breuiſſimam leuiufeuli ſomni volu- ptatem, amara pretiofifimae lucis priwatione commutarent. Immemores, quod nemo com- pertum habeat, quid ferus velper fecum trahat etnemo diuos tam fauentes habeat vt Craftinum 1592. 1593 ig et Lorbaringum de pace eonueniri non pof- Set, ius ſuum vtroque perlequente, ad arma ven- tum et, et, in vrbe aduocato in fubfidium Chri- fbiano Anhaltino, ipfi vniuerfi belli adminiftra- tio permifla eft. Is conducto exercitu equitum et peditum, adiutus a ciuibus, non tantum di- tionem omnem brandenburgico acquirere , fed - etiam Lorharingum pulfum exarmare et profli- gare potuiffet. Cum autem tergiuerfari videre- tür etrapina magis in amicorum quam hoftium agris valeret, a plerisgue non Anhaltinus fed Hinderbaltinus inuidiofe nominatusfuit, Veli- tationibus magis quam bello res acta et praedia _ quacdam cum praefe&turis quasfita, praefidio- que firmata, viam hofti ad irruptiones facien- das intereluferunt Forte ad Dachfteinium in pu- gna tumultuaria ftationarii negligentius cufto dias agebant, fomno vinogue pleni. Id fub- odorantes Lorharingii in fecuros impetum fece- runt, Qui opprefli (piritum cum fomno pofue- sunt, dum extra metum hoftis fed non extra fibi fecure polliceri queat quando guidem non raro lectus fallat et ipfi fidem, In hae pertu- batione multi ex agris petebant clancularia apud ciues Argentinae hofpitia ; re autem per iudicium patefafta peregrini quidem ex vrbe dimiffi fünt, qui vero eos hofpitio excepiflent, multati funt, veteri vrbis conftitutione renouata, vtaduenuae non nifi ad hofpitia publica diuerterent, et praeter eos, qui ex autoritate fenatashofpitii ius haberent, quenquam in ciuitate hofpitio exci- pere, nulli omnium fas eſſet. Exinderecenfiti peregrini et in tabulas relati fünt et inuentus eft colonorum ſaltem qui ex agris pagatim intra moenia formidine belli fe receperant, millium tredeeim quingentorum numerus, i 37h.7 Hauptſt Neuere Geſchichte von Brandenburg. 278 — 1593. Stiftslande verbleiben, Dieſer Vergleich ward den iſten Merz durch Tromperenfehat uͤberall verfündiger #). Es verabfäumeten aljo auch die Proteſtanten in bi fm F all, x ihren Entſchluß wegen der Tichtbefolgung des geiftlichen Vorbehalts durchzutt enen ; woran bie Streitigkeiten unter ſich ſelbſt groſſe Schuld Hatten s). a Ki | m, ee Der churfuͤrſt In Pommern hatten fich ebenfals unter den Gottesgelehrten ſchwere Streitig⸗ J en —*— keiten ereignet. Cs konten die benachbarten brandenburgiſchen Stände ebenfals vers Serubiaen, wickelt werben. Diefer Urfache wegen ſchickte unfer Ehurfürft den Detlof von Win⸗ * terfeld auf die Verſammlung der pommeriſchen Geiſtlichen nach Stettin, dieſe Streitigkeiten gehoben wurden, — Die Proteſtanten erlitten zu dieſer Zeit einen groſſen Verluſt. König Hen⸗ rich 4 von Frankreich ſahe kein ander Mittel vor ſich, ſeine Krone zu beveſtigen, als daß er wenigſtens aͤuſſerlich ſich zu der roͤmiſch⸗catholiſchen Kirche bekannte. Hier ⸗ durch gieng wirklich der Bund der eifrigen Cathöliken zu truͤmmern, und Henrich beruhigte nach und nach feinen Staat. Man hatte von Seiten der auswärtigen Pro⸗ / teffanten in der That zu wenig verfucht, durch genugfamen Beiftand ihm dies Mittel entbehrlich zu machen. Hätte er als Proteftant ſich bey feiner Krone fchügen koͤn⸗ nen, fo würden alle Nebenurſachen, die catholifche Religion anzunehmen, ihn zu dies ſem Schritt nicht vermocht haben. Es ifb wahr, daß feloft ſchoͤne Perfonen des an⸗ dern Geſchlechts ihm die Kirchenthuͤr als den geraden Weg zu ihrer Schlafkammer an⸗ gezeigt. Allein fo verliebt auch immer Henrich 4 geweſen, fo Hätte er doch den Be ruf diefer ſonderbaren Apoſtel in Zweifel gezogen. Sein Hauptbewegungsgrund blieb, J daß eine Krone wol einer Meſſe werth ſey, ohnerachtet er ſelbſt unter die ihm unglaub⸗ lichen Dinge auch nachgehends zu rechnen pflegte, daß Henrich 4 König von Frank⸗ reich ein guter Catholike fyz). RR En | a Den Papiften fchien damals alles nach Wunfch zu gehen. In den Streitigfeis ten der Catholifen und Proteftanten zu Machen Hatten zwar die Churfürften von Trier und Sachfen 1582 bis zur endlichen Entfiheioung des Kaifers einen vorläufigen woſelbſt Henrich 4 wird catho⸗ liſch. Kaiſerliches urtheil in der aachenſchen ſa⸗ che. r) Angelus ©. 411. „Hiezwiſchen ſolte Her: zog Carl Cardinal vnd Biſchof zu Metz behalten Ellſaßzabern, Berfeldt, das Ampt Bernſtein, das Amt Kochersberg, das Ampt Schirmach, die Obern Mundaten als Rufach vnd anders, dem Biſthumb Straßburg daſelbſt herumb zugehörig. Auch ſolte jym die Stadt Moltzheim widerumb von den Steaßburgern eingereumet werden. Hiergegen folte Maragraff Johann Georg von Brandenburg, erwehlter Adminiftrator des. Biſthumbs Straßburg, inhaben und behalten das Ampt Dachftein, fampt dem Schloffe unnd aller Zubehör, darin in die acht und zwantzig Dörffer begriffen find: darnach das Cloſter und Hoff aud) einfommen zu Obern Vehrnheim, vnd in dem: ſelben Städtlein das halbe Marlecheim mit feiner zugehör: Item das Ampt Wentzenaw mit ſei⸗ nem zugehör. Deßgleichen Reichs ſtetter Ampt vnnd Weyersheim zum Thurn; Marckelsheim ſampt feiner zugehoͤr. Das Ampt Oberkirch vbern Rhein: das Ampt Altenheim vnd Graf: fenhauſen. Es ſolte auch der Stadt Straßburg das Schlos Waſſelheim ſamt dem Gefchüse wie der eingereumet vnd erfiattet werden. Hierauf ift der Fried des erften Tags Martij mit beyder Parthey Bewilligung durch geblafen und ausgerufen. ,, s) Thuanus L. 104. Bhevenhüller Th.3.*. Chytraͤus I. 29. ) Leuthinger. drey Trometer aus⸗ einer Hülfe vor den König von Frankreich fich RR) war wol die Haupturjäche, Churfuͤrſt Johann Georg. 229 Vergleich bewirkt. Nachdem aber beide Parteien ihr Recht durch mancherley Schrif⸗ ten zu verfechten gefucht, fo ſprach der Katfer in diefem Jahr endlich ein Urtheil. Den Proteftanten in Yachen wurde bey Strafe der Acht anbefohlen, fich weder einiges “ Hecht zu ven Bedienungen des Nach, noch einer Neligionsubung anzumaffen, fondern alles in denjenigen Zuftande zu laſſen, wie es 1559 und 1560 gewefen. Diefer harte Spruch) folte vermöge Eaiferlicher Vollſtreckungsbefehle wirklich vollzogen werden, ohn⸗ erachtet hierdurch dem Neligionsfrieden wirklich zu nahe getreten, und einer Neichss ſtadt das Recht entzogen war, einer Kirchenverbefferung fich zu unterziehen. "Doch ein neu entftandener Krieg. mit den Türfen war vor diesmal den Proteftanten in Aachen Heitfam. Die evangelifchen Stände in Deutfchland, denen der Churfuͤrſt Johann Georg fich willigft beigefellete, thaten gegen die Vollſtreckung des Faiferlichen Urtheils in Aachen die Fräftigften Gegenvorftellungen, und der Kaifer getrauete fich bey der uͤberhand nehmenden Türfengefahe nicht, gegen bie 1594 an — — Ausſpruch geltend zu machen z). 1593. 1594, "Das Derfahren der römifchen Kirche gegen die Proteftanten muſte — Zuſammen⸗ dig dieſe aufmertſam machen. In Frankreich ſuchten die Jeſuiten durch die verruch te Hand des Jean Chaſtel den Koͤnig Henrich 4 zu ermorden. Doch diesmal wur⸗ de er nur in der Oberlefje verwundet, und der ergriffene Thaͤter nach Wuͤrden beſtraft. Die Jeſuiten wurden auf eine Zeitlang aus Franfreich verwieſen. Um ihren Raͤn⸗ fen ſich auch mit mehrerer Eintracht in Deutfchland zu wiverfegen, ward eine Ber vieler proteftantifcher Höfe zu Heilbvon beliebet. Man berathſchlagte ſich theils uͤber die vielfachen deutſchen Religionsbeſchwerden, und beſchloß, vor de⸗ ren Abſtellung in keine Geldabgaben zu willigen, theils machte man ſich verbindlich, den König von Frankreich mit anſehnlicher Geldhuͤlfe zu unterſtuͤtzen. Das Anſuchen Marggraf Johann Georgs Biſchofs von Straßburg und der Reichsſtadt diefes Nas En mens, mit ihnen ein genaues Buͤndniß zu freffen, ward aber noch ausgeſetzt. Don Seiten des Haufes Brandenburg wohnte Marggraf Georg Friedrich diefer Vers ſammlung perfönlich bey. Der Berwefer des Hochſtifts Magdeburg Marggraf Joa⸗ chim Friedrich hatte nicht perſonlich erfcheinen Fönnen, ließ aber zu allem durch fei men Öefandten und Rath den D. Cafpar Brandner feine Einwilligung geben. Es iſt Fein Zweifel, daß auch der Churfuͤrſt Johann Georg unter der Hand zu Heilbron mit gewirkt, da man hiefelbft auch dasjenige beftimmte, was der Churfürft zu der franzoͤſiſchen “ Gelöhülfe beitragen folte, Er fand aber noch zur Zeit Bedenken, unmittelbar folchen Schluͤſ⸗ fen beizutreten, welche auf eine näßere Verbindung der Proteftanten unter ſich gegen bie Gatholifen, und folglich auf einen innerlichen Krieg in Deutfchland abzweckten. Der Ehurfürft von der Pfalz ordnete ben diefer Verſammlung alles an, fo wie folches ben dergleichen Zufammenfünften ehemals Ehurfachfen gethan. Der Neligionshaß, wel cher in Sachſen gegen die Neformirten berrfehte, und der nicht zuließ, daß man, zu daß ») Nonnii Aachner Chronik, Londorpiü Sleidanu⸗ continuatue Hofmanns Sammlung Th. 1, # kunft zu Heil⸗ bronn. 280 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. - 1594. daß Sachfen zu einer Verſammlung nicht mitwirkte, wo Lutheraner und. Refor⸗ mirten gemeinfchaftliche Sache machten x). | Mn E— Unſer Churfuͤrſt Johann Georg hatte es bey dem Ordenscapitel zu Sonnen⸗ Senne 1. hurg dahin gebracht, daß fein Prinz Joachim Ernſt zum Nachfolger des damaligen nachfolge im Herrnmeiſters Martins Grafen von Hohenftein gewählet worden. war. Dies ber. Serenmeifter: wog unſern Churfürfken, mic dem Herenmeifterchum Sonnenburg wegen verfehiener — ner Irrungen einen Vergleich zu treffen y). ee Marggraf Der-ältefte Enkel des Churfürften Marggraf Johann Sigismund volzog das Sn vor, mals in Preuſſen fein Beilager mit der preußifchen Prinzein Ann. Des Chur mält fich, fürften Gefandten waren bey diefer Hochzeitfeier Fuͤrſt Auguft von Anhalt Sta ⸗ , Dies tius von Schlieben, Curt Dietrich von Burgsdorf, Kerften Schenf trich Flans und Sobft von Bredow. Johann Siegmund erheizatete mit dieſer Anna diejenigen Rechte, welche von ihrer Frau Mutter, der cleviſchen Prinzeßin Maria Eleonora, ihr nothwendig auf die cleviſche Verlaſſenſchaft zufallen muſten. Eben hierdurch beveſtigte er die Rechte ſeines Hauſes auf das Herzogthum Preuſſen, wenn fein Here Schwiegervater Albrecht Friedrich und fein Here Vetter Marggraf Georg. Frriedrich mie Tode abgehen folten. In biefer letzten Abſicht ſuchte das Ehurhaus Brandenburg das gute Vernehmen mit dem Föniglich polnifchen Hofe, fo viel ndgs lich, zu unterhalten. Georg Friedrich ſchickte deswegen Geſandte nach, Warſchau, die in feinem und des geſamten Hauſes Brandenburgs Namen ihre Gluͤckwuͤnſche zu dem Beilager des Königs Sigismundi ablegen, und zu gleicher Zeit anfehnliche Hochs jeitgefehenfe überreichen muften 2). ER | — | | ‘1m. | er Der hurfürft Da auch) das Haus der Herzoge von Cleve wirklich auf ſchwachen Fuͤſſen ſtand, — und ber regierende Herzog Wilhelm in eine tiefe Schwermuth gefallen, fo ſetzten dieſe haͤtfe, Umſtaͤnde bereits diejenigen in groſſe Aufmerkſamkeit, welche ſich nach gaͤnzlichem Ab⸗ gange der Herzoge zu dieſer Verlaſſenſchaft berechtiget hielten. Man muſte noth⸗ wendig hiebey den Faiferlichen Hof zum Freunde haben. Unſer Churfuͤrſt fand alfa vor nöthig, ebenfals feine Schritte fo abzumeffen, daß der Kaifer wenigftens Feine ges gründete Urfachen zum Misvergnügen haben Fonte. Dies feheinet mir der. rechte Grund zu ſeyn, warum er bey der Zufammenfunft der Proteftanten in Heilbron nicht uns mittelbar mitgewirkt hatte, fo wie auch Ehurfachfen ein ebenmaͤßiges Verhalten aus” eben demfelben Grunde beobachte. Beide Herren hielten deswegen eine Unterredung _ mit einander. Am Abend Eftomihi Fam der fÄchfiiche Mitvormund Herzog Fri Deich Wilhelm nach) Berlin, Den folgenden Dienftag war Schlittenfahre und Mummerey bey Hofe, Mitwoch beluſtigten fich die jungen Herrſchaften abermals mit einer Schlittenfahre. Nach der Abrede des brandenburgifihen und fürhfifchen Ho⸗ x) Landorpii Alta publica Th. 3. Luͤnichs Reichsarchiv Part. Spec. p. 251, * ro ) Herrn Delrichs Beiträge zur beandenburgifchen Gefchichte. =) Cernitius. Haftitius. Angelus. Herrn Lenz anhälsifche Hiſtorie. e BE an Er Churfürft Johann Georg. . ' 281 fes zog ein anſehnliches Heer gegen die Tuͤrken nach Ungarn, bey welchem ſich viele Maͤrker befanden. Der Churfuͤrſt trug den Oberbefehl über feine Volker, die 600 u EN 1594. Pferde flarf waren, dem verfüchten Heine von Pfuel auf. Die Sachfen, ein eben fo farfer Haufen, ſtand unter der Anführung des Lenin von Geuſau. Da der Ieß fere auf dem Mufterplas mit Tode abgegangen, übertrug man dem von Pfuel auch dem Oberbefehl über die fächfifchen Völker. Es ward aber auf dieſem Zuge eben nicht viel ausgerichtet. Einige Kriegsbefehlshaber beſchuldigte man der Verraͤtherey, wor⸗ über auch der Graf Ferdinand von Hardeck enthauptet ward. Die Voͤlker Titten an allem Mangel, und abgemattet wurden fie zum Fechten, oder beffer, zu ihrem Tode hingeführer, ‘Der Obrifte von Pfuel beſchwerete fich, daß die Feldherren ihn zu nichts zu Mathe zogen, daß der Gold ausbliebe, daß überall fih Mangel an allen Beduͤrfniſſen zeige, daß alfo der Soldat zum Fechten Feine Luft Habe, und Meutes ten zu beforgen ſey. Er Fam alfo im Herbſt mir feiner noch übrigen Mannfchaft Ach Haufe a). | 0 Beide Churfürften verfaumten Hingegen nicht, den vom Kaifer wegen der Tuͤrkenhuͤlfe nah Regenfpurg ausgefchriebenen Reichstag zu befuchen. Unfer Churfürft Hatte dahin Wolf Ernft Grafen zu Stolberg, Adam von Schlieben, Earl Barth, Sigie mund von der Marwig, Johann Köppen den jüngern und Andream Lindholz abgeſchickt. Marggraf Georg Friedrich hielt ebenfals feine Gefandten auf diefem Reichetage. "Aber der Berwefer des Hochftifes Magdeburg beſchickte denfelben wegen feiner noch unausgemachten Streitigfeiten mie Salzburg fo wenig als der Biſchof von Strasburg Marggraf Johann Georg wegen feiner Streitigkeiten mit feinem Gegner Carl von Lothringen, Dem Kaifer ward auf diefem Neichstage eine Tuͤrkenhuͤlfe bewilliget. Man’ zog die noch fortdaurende niederländifche Unruhen und die dem suitfchen Neich daraus verurfächten Beſchwerden in Uebetlegung. Die dagegen ge nommenen Maafregeln waren jedoch nicht hinlänglich. Die zwei) bereits beftimmten aber nicht bezahlten Roͤmermonate und die ordentliche Kreishuͤlfe Fonten den bedrängs ten Reichsſtaͤnden eben fo wenig Ruhe verfchaffen, als die befehloffene Gefandrfchaft an den damaligen fpanifchen Statthalter und Bruder des Kaiſers Erzherzog Ernft , des gleichen an die vereinigten Niederlande. Es ward übrigens wegen der freinden Wers bungen wegen der Gerechtigkeitspflege, Ergänzung der Reichsanſchlaͤge und Muͤnzwe⸗ ſens noch allerfen verordnet. Vieles davon verſchob man aber auf einen Deputations⸗ tag, der im fulgenden Jahr zu Speier gehalten werden folte. Die wichtigern Reichs⸗ ängelegenheiten aber blieben unerörtert. Es vermehrten fich vielmehr die Beſchwerden gegen den kaiſerlichen Hof und gegen die Partey der Catholifen D). und gefandten aufden reiche: tag zu Regen: fpurg. Dahin gehreten die Frrungen des damaligen Herzogs von Wuͤrtemberg Frie⸗ Würtember; drichs mic dem Haufe Defterreich. Er war aus der mömpelgardfehen tinie, und 99% fein Rachkomme desjenigen Herzogs Ulrichs, welcher durch den ſchwaͤbiſchen Bund | Si fin a) Haftitius. b) Reichsabfchied von 1594. P.sllg. preuß. Geſch. 3 Th. | Mn 282 3Th. 7 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. 1594. fein fand verloren, durch ben tandgrafen von Heſſen ſolches wieder bekommen, ‚aber, um folches zu behalten, fich verpflichtet Hatte, fein fand von dem Haufe Defterreich zu u gehn zu nehmen Herzog Friedrich behauptere auf diefem Neichsrage, daß des Her⸗ zog Ulrichs Vergleich mir dem Erzhaufe nur deſſen Nachkommen verpflichten koͤnte, die doch im vorigen Jahre erlofihen wären, Er ſtamme von dieſem Herrn nicht her, und wolce daher fein fand nur allein vom Reich, nicht aber zugleich von Defterreich zu sehn tragen. Doch alle feine Grunde waren damals unzulänglich, den Kaifer Rudolph 2 zu überzeugen. 3 fi und baddene Zu eben der Zeit machten auch die baadenfchen Angelegenheiten groffes Aufſchen ſche handel, Das Haus der Marggrafen von Baaden war ſchon feit fanger Zeit in zwen Aeſte ges theilet. In der baadenſchen kinie lebte damals Eduardus Fortunatus, in der dur⸗ lachifchen aber Ernft Friedrich. Der erſte, der ſich wieder zur catholifihen Kirche gewandt, lebte aufferhalb Landes in den Dienjten Erzherzog Ernſts von Defterreich Statthalters der Niederlande. Er hegte gegen den Ernſt Friedrich einen befondern Haß. Er hatte fehon demfelben durch Meuchelmörder nach ver Leben geflanden, und bedienete fich folcher bofer Leute, die fich Zauberfünfte rühmeten. Hiezu Fan, daß er übermäßige Schulden machte, und fein fand vom Kaifer denen Herzogen von Baier und Lothringen zu verwalten übergeben, von diefen aber an das Haus Fugger von Augſpurg überlaffen war. Die Durlachifche Linie befürchtete, daß hiedurch folches gar in fremde Hände kommen fonte. Schon 1537 war zwiſchen beiden linien ein Hause vertrag gemacht, daß, im Fall ein Antheil in groffe Schulden verfiele, der Herr des andern Antheils fid) von dem Verſchuldeten beinächtigen und die Schulden bezahlen folte. Diefem Vergleich zu Folge geif Ernſt Friedrich von Banden» Durlach, ein - Proteftante, zu, und entſetzte Eduardum Fortunatum aus dem Beſitz des Ober⸗ theils des Fuͤrſtenthums der Marggraffchaft Baaden. Eduard verließ fich auf Erz⸗ herzog Ernſts Beiſtand, der ihm einiges Volk gab, und wolte fich mit Gewalt ſchuͤtzen. Der, Katfer aber befahl beiden, bie Waffen nieverzulegen, und dem Ernft Friedrich, das beſetzte bandenfche Antheil zu räumen, twelches aber nicht geichahe. Eduard hatte fich überdies in den Niederlanden mic Maria Freyin von Riviere vermaͤlt. Die durlachifche tinie beftrirte denen aus dieſer Ehe erzielten Kindern die Erbfolge, welche aber vom Faijerlichen Hofe unterftäßer wurden. Es fihienen alſo die ganzen Religions⸗ parteien der Proteſtanten und Eatholifen an diefer baadenfihen Sache ſowol, als an der wuͤrtembergiſchen, Theil zu nehmen e). Re Andere far Beide Parteien brachten zwar auf dieſem Reichstage ihre Religionsbeſchwerden eu an, aber es wurden felbige nicht erörtert. , Die evangelifchen Biſchoͤfe wurden vom Sieben. Si und Stimmrecht von denen catholifchen ausgefchloffen. Es fehlete auch nicht _ an geheimen Bemuͤhungen, eine römifche Koͤnigswahl für einen oͤſterreich ſchen Prin⸗ zen zumege zu bringen. Doch audy diejes Fonte nicht zum Stande fommen, weil der Kaiſer ſelbſt einer roͤmiſchen Königswahl heimlich zuwider ward. ae 9 ©) Luͤnich Biblipth, Dedud.. d) Lehmanns ala relig, gr der Neumark gläctich anfommen zu fehen. Er-empfieng die Neuvermälten mit einem Churfuͤrſt Johann Georg. 283 8 — —0 1594. Der Kaiſer hatte den Erzbiſchof von Coͤln Herzog Ernſt von Baiern an die Türkenzug. churfuͤrſtlichen Höfe Dresden und Berlin abgeſchickt. Den aten Dee. traf er mit | 40 Pferden, in einer Sänfte von zwey Maulefeln getragen, in Berlin an. Erbe gab fich hierauf den sten December zum Churfürften, der fih in Grimnig aufhielt. Nach Haftitii Erzehlung konte man nicht auf den rechten Grund fommen, warum er diefe Reife angetreten. Einige glaubten, daß er die Oberfeldherrnmwürde gegen die Tuͤrken gefucht, andere hielten-dafür, daß er heiraten und fein Erzſtift erblich machen wollen. Beides aber ift, feines geiftlichen Standes wegen, zu unmabrfcheinlich, und das Deifpiel feines Vorfahren Gebhards Fonte vor ihn eben nicht reigend ſeyn. Aller Wahrſcheinlichkeit nach mufte er den Zug der Tuͤrkenhuͤlfe zu befehleunigen fich bemuͤ⸗ hen. Der Ehurfürft ließ ihn bis Briegen durch ein anfehnliches Gefolge auf feiner Ruͤckreiſe begleiten. Es befanden ſich Sigismund von der Marwitz, Wolf Ernft Gans edler Herr von Putlig und Wolf von Broͤſecke dabey, die aber alle drey Eur nach ihrer Zuruͤckkunft, noch vor Ende diefes Jahres, mit Tode abgiengen. Die Churs haͤuſer Sachfen und Brandenburg lieffen, nach der auf oberfächfifchen Kreistägen genommenen Abrede, im Frühlinge 1595, unter der Anführung des Heinevon Pfuel 159. ——— wirklich 1200 Pferde nach Ungarn abgehen, welche auch denen Ungläubigen die Bes ftung Gran abnahmen, und gegen die Tuͤrken mit Tapferfeit und ziemlichem Gluͤck fochten e). | Kurz vor Johannis Hatte der Ehurfürft das Vergnügen, feinen äfteften Enfel JohannSieg⸗ den Marggrafen Johann Sigismund mit feiner neuen Gemalin aus Preuffen in een * nach anſehnlichen Gefolge und vielen Freudenbezeigungen zu Cuͤſtrin, woſelbſt er ihnen zu Mark, Ehren ein Fünftliches Feuerwerk abbrennen ließ. Dieſe Freude wurde in etwas durch wo des Chur: den den 22ften Auguſt erfolgten Tod der Schweſter unfers Churfürften, Elifabeth Prag u Miagdalenen verwitweten Herzogin von Lüneburg, unterbrochen, die den ıften Sept, "T ſurbt. in dem churfuͤrſtlichen Erbbegräbniß beigefegt wurde 5). | Churfürft Johann Georg hatte fehon vor vier Jahren das hurfürfkliche Wohn⸗ Der ſchloß⸗ ſchloß zu Berlin zu erweitern anfangen laffen. Der Vordertheil deſſelben wurde in Beer diefem Zahre gegen Michaelis fertig, und zog die Bewunderung der damaligen Zeit enpe, a RE. = i Ä Sn berben hatte der Churfürft noch diefes Jahr das Vergnügen, den König Der koͤnie CEhriftian 4 von Daͤnnemark zu bewirchen. Den 26ften Det. langte derſelbe in Ehriftian 4 } — m. . D Berlin an. Der Churfuͤrſt, der Verweſer des Hochſtifts Magdeburg Joachim marc if in Friedrich, deffen Altefter Sohn Marggraf Johann Sigismund, die hurfürftlichen Berlin. Prinzen Marsgraf Chriſtian und Joachim Ernft, Fuͤrſt Chriftien von Anhalt, die Herzoge von Luͤneburg und Holftein, die. Grafen von Mansfeld, Hohenzol: lern und Lynar, nebſt einem ftarfen Adel, holten diefen Monarchen ein. Es faß * Mn2 der⸗ E) Haftitius. f) Baftitius. g) Baftitius. Cernitius 1595. 284 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. derſelbe in einer ſchwarz ſammetnen mit Seide’ gefticften und mit guͤldenen Scnören befegten Kurſche allein, welche von acht weiffen gefehnittenen Mutterpferden mirfehwarge ſammetnem geſticktem Zeuge und. filbernen Mundſtuͤcken gezogen wurde,” Er fuhr zwi⸗ ſchen der auf zwey Reihen geſtellten berlin» und coͤlniſchen Bürgerfehaft. vom ſpan⸗ dowiſchen Thore bis zum Schloſſe. Und eben diefe Buͤrgerſchaft hatte die: Ehre, den NHaſenhetzen ———— - Den zten November reiſete der Monarch wieder * de | Der churfürkt bekommt ei: en urenkel. Staatsſachen. 196. Andere luſt⸗ barkeiten und beſuche. Konig Tag und Nacht zu bewachen. Dienſtag und Sonnabend darauf wı Ringrennen angeftelle, Am Donnerftäge ward auf dem Werder vor dem: Schloſſe ein i Feuerwerk abgebrannt. Es ward folches von einem Schwan, der von dem neuen Ges baͤude des Schloffes geflogen fam, angezündet. Es ſtellte den Neptun mit feinem dreizackichten Zepter und drey Geepferde , die Fortuna auf einer groffen Schnecke ſte⸗ hend, imgleichen die Staͤrke und —— vor. Freitags. und Sontags war Minmmerey am Hofe, und die Übrigen Tage wurden mit Tanzen Hirſchjagen und Ehurfürft gab ihm das Geleite, und faß beim Könige in deffen KRurfcheb). Noch denſelben Tag brachte die Gemalin Marggraf Johann Sigiemunde: * Churfuͤrſten einen Urenkel zur Welt, der ven ibten Nov. in der Taufe, den Namen Georg Wilhelm befam. Es befanden ſich damals, auſſer dem Churfuͤrſten, Marge graf Joachim Friedrich nebſt feiner Gemalin Catharina und Prinzeßin Anna Ca⸗ tharina, Marggraf Johann Sigismund, die Fürften Johann Georg und Chris ſtian von Anhalt mit ihren Gemalinnen, eine Pfalzgraͤfin und des Churfuͤrſten uͤbri⸗ ge junge Herrſchaft, die Herzoge von Luͤneburg und Holſtein und andere Standes⸗ perfonen bey Hofe. Am Abend der Taufe richtete der Hof dem Joachim von Win⸗ Kr terfeld, der des Hang Zachariaͤ von Rochow Tochter Elifabeth heiratete, und ' den Nicolao von Ketterig, der ſich die Hedwig von Bellin ehelich beilegte, das Beilager aus. Den ızten und.ıgten Mov. bezeigten die Herrfihaften ihr Vergnügen : durch ein Ningrennen, in welchem fich fonderlich Marggrof Johann Sigismund and Fuͤrſt Ehriftian von Anhalt hervorthat. Am erſten Tage geſchahe ver Aufzug in | fhwarzen, am andern in rothſamtenen Reiben: mit filbernen Borten und sefhlar genen Goldroſen 7). Bey dieſen tuftbarfeiten wurden. jedoch die Staatsfachen nicht wc, | Detlof von Winterfeld mufte nicht nur am Faiferlichen Hofe zu Prag folche, als churfuͤrſtllch brandenburgifcher Gefandter, betteiben, fondern Zohann Georg ließ auch 1596 auf oberſaͤchſiſchen Kreistaͤgen alles dasjenige beſorgen, was ſowol die in ⸗ nerlichen —— rn Kreifes, als er die — der — betraf k). 4 Doch auch) diefes ab fielen an den —— Hofe — — und Beſuche vor, In der Woche vor Faſtnacht hielten die Märggrafen Chriſtian und Joachim Ernſt nebſt denen Herſogen von Luͤneburg und Holſtein auch Grafen zu b) Hafıitius, Zaftitius HCernitius. ea Churfüͤrſt Johann Georg. 8⸗ 285 ‚du Mansfeld und Lynar in Berlin eine feierliche Schlittenfahrt mit den churfuͤrſt⸗ lichen Prinzeßinnen Magdalena und Agnes auch anderem Hoffrauenzimmer, worauf die ganze Geſellſchaft bey dem Hofmarſchall Bernd. von Arnim die Mahlzeit einnahm. Bald darauf langte Herzog Wilhelm von Eurland beim Ehurfürften an, welchem ingefallen-die Zeit feines Daſeyns verfchiedene Jagden angeftellet wurden. Unter ans dern ward am Sontage Judica ein Ringrennen vorgenommen, bey dem fich der Mary — graf Chriſtian, die Herzoge von Luͤneburg und Holſtein der Graf Caſimir zu ynar, Richard und Soachim von der Schulenburg, Joachim Flans nebſt ans =. ven von Adel fehen Tiefen, und woben der Teßtgenannte fich befonders hervorthat D, m 2: Den zten Auguſt ließ auf Einladung des Königs von Daͤnnemark der Chur / Beſchickt die aaaͤrſt feine Prinzen Marggraf Chriftian und Joachim Ernft in Geſellſchaft der Her kroͤnung Chri: goge von Lüneburg und Holſtein, der Grafen von Hohenzollern und Lynar, dreier Sun 4 0n" Grafen von Stolberg und dem fuͤrnehmſten Adel, wobey Richard von der Schi Ä 1:3 lenburg ſich als Marſchall befand, mit 400 Pferden der Krönung des Königs von J an SE 4 beizuwohnen, nach Copenhagen abrelfen. Untermweges EM Kia prächtige brandenburgifche Gefandefehaft zum Marggrafen Zuachim Frie⸗ u Brandenburg, der nebſt feiner Gemalin Catharina, Herrn Sopn Mary J ohann Sigismund, deſſen Gemalin und Joachim Friedrichs Prinzeßin J Re auch einem Gefolge von 600 Pferden, ebenfals der Einladung, des J = gemäß, dem Kroͤnungsfeſt beiwohnen wolte. Der König holte ſelbſt diefe ; Kerr aften unter bein Donner des ſchweren Gefchiges von den Wällen und Schiffen ein Am Kroͤnungstage den 2äften Auguſt entſtunden zwar Streitigkeiten wegen der Sberſtelle zwifchen Marggraf Ehriftian als churbrandenburgifchen Gefandten und ber Öefandrfchaft, die im Namen des Churhaufes Sachfen erſchien. Es ward .aber ee. Pie um yoga des Ars EN m) Den. a Auguft ae m. ——— Be the MH a ic rn zubente B wehre — E F.Gond dem Chur⸗ 1596. —* von iſt ber Sr it berfächfißche Ge 14 ei en —— n Muͤllers Staatscabinet Ih. 7 ©. 283 folgender geſtalt abgefaffet: „AB wir nun auf den r Saal kommen vnd nach den "Eönigl. ſchotriſchen Geſandten vnſere gebuͤhrende Stelle einnehmen wollen, iſt Heinrich Rammel beuehen andern zween Reichs⸗Rethen zu vns fommen, vnd hat vns vermelder, ob man wohl dev gentzlichen Hof⸗ nunge geweſen, es würden die Churfürftt. Bean: denburgiſchen, der Stelle halben, die dem Chur; fürftlichen Haufe Sachfen gebührer, nichts mo: viret haben , ſo fönten fie und doch nicht bergen, daß der anwefende Churfürftl. Brandenburgiſche - Gefandte Maragraf Chriſtian zu Brandenburgk | dahevn, wegen ©. F. G. Herren Vaters, der Pra⸗ cedenz vor Er F G. dißmahls befugt fein’ wolle, daß vnſere gnedige junge Herrſchafft noch minderz jherigk vnd alſo der Chur nichtt fehig fein fönten, fuͤrſten zu Brandenburg vnſern gnedigſten Her⸗ ten, hiebevorn eine Vergleichunge uſgerichtet, welche vnter andern klerlich diſponirte, daß E. F. ©. in itziger Dero Churfürftt. Adminiſtration al⸗ feine in Reichs-Sachen Ihrer Churfuͤrſtl. Gm vorgehen ſolte, im Privat⸗Sachen aber, vnd wann es auſſerhalb des Reichs wehre, ſolte dies ſelbige die Dberftelle vor 'E.F.©, haben, Weil es denn an deme, daß wir iko. auſſerhalb des Neichs wehren, ſo wolten fie fich verfehen, wir würden es bey oßberührter Vergfeichunge dißmahls auch beruhen laſſenn. Nun feinde wir in dem uns zugeftelten Memorial, wie wir zu vnſerer defto beffern Berwahrung zwar gerne gefehen het: ten, vf dieſen Fall in ſpecie nicht inſtruirt, fo haben wir auch des meiſten Theils vonn der an⸗ gezogenen Vergleichung keine Wiſſenſchafft, dar⸗ umb wir dein hierinnen nicht wenig ſorgfeltig ger Nn 3 weſen, 1596. ° 286 3 %h. 7 Hauptfk Neuere Geſchichte von Brandenburg. die Gäfte dem Beilager der Schiwefter des Königs Augufta mit dem Herjoge von Hol ftein und Verweſer des Hochjtifts Bremen Johann Adolph bey. Bey diefer Öle genpeit lernte der König die Eigenſchaften der Prinzeßin Zoachim Friedrichs Anna weſen, wann wir vnns aber gleichwohl nichts der oweniger fchuldig erachtet, diefe Dinge fo viel re — gebuͤrliche Achtt zu nehmen; So haben wir zwar nach gehaltener Vnterrede fuͤrge⸗ wendet, daß vnns von beruͤrter Vergleichunge nichts bewuſt, vnd do es gleich umb dieſelbe, wie angezogen wuͤrde, beſchaffen wehre, fo fönte ſolche doch, weil diefer actus für feine Privat⸗Sache zu Halten, wieder & F. ©. allhier nichtt angezogen werden, fo wehre der Brandenburgiſchen be⸗ wuſt, daß fo wohl auſſer als innerhalbenn des Reichs dem Churfürftlichen Haufe Sachßen die Seßion und Dber Stelle vor dem Churfuͤrſtl. Hauſe Brandenburg ohne allen Zweiffel zuſtuͤn⸗ de vnd gebuͤhrete, zudeme ſo koͤnte obbemeldte Ver⸗ gleichung hechſtgedachte vnſere gnedigſte Frau die Churfuͤrſtl. Witbe, Dero Churfuͤrſtlichen Gnadenn Stelle wir dieſesmahls nichts wenigers zu vertret⸗ ten Bevehlich hetten, nichts praͤjudiciren, dahero wir auch den Herren Brandenburgiſchen Abge⸗ ſandten nichts einraͤumen koͤnten. Es „haben aber S. F. G. durch gedachte Königl. Rethe hinwieder repliciren laſſen, weil der Vertrag klerlichen ver; möchtte, daß allein in Reichs: Sachen E. F. G. die Oberſtelle haben ſolten, vnd wir jetzo auſſer⸗ halb des Reichs wehren, auch dieſer actus fuͤr kei⸗ ne Reichs⸗Sache koͤnte angezogen noch gehalten werden, So fünten ©. F. ©. Dero geliebten Herrn Vatern ſolcher Vergleichung zuwider nichts vergeben. Was denn die Churfuͤrſtl. Witbe be⸗ treffe, hetten Ihro Ehurfürjtt. Gnad, als fie vor diefer Zeit des Herzogen zur Liegnitz Beilager be: ſchicket, Dero Abgeſandten felbft bevohlen „daß er ſich der Oberſtelle vor Seiner des Churfuͤrſten zu BrandenburgE Churfuͤrſtl. G. nichtt anmaſſen ſolte, dorum es auch dieſes mahls Ihre Churfuͤrſtl. G. nichtt begehren wuͤrden, vndt wolten deme al⸗ len at fonderlichen ©. Churfürftt. Sn. Herr Sohn, Marggraf Ehriftian: in der Perſon zur Stette wehre, nichtt zweiveln, wir wuͤrden ©: Churfl. ©. die Stelle, fo derſelbigen diefesmahls vermüge der. Vergleichung gebührete, einzureu⸗ men, vm fo vielweniger vnns ferner verweigern. Bann vnns dann die Koͤnigl. Würd. dobey erſu⸗ chen laſſen, daß wir ſelbige mit vielen diſputiren, weil ſie ſonſten allerdinges bereit wehren, gleich zur Kirchen zu ziehenn, vnd allein auf uns war; teten, nichtt wolten aufhalten, vnd dann esliche vnſers Mittels wohl fo. viel verftanden, daß E. F. ©. allerhandts Vmſtenden nach geſchehen laſſen koͤnten, daß vor dieſesmahls Se, Churfuͤrſtl. G. die Oberſtelle haben moͤchtten. So N vns enblichen dahin erkieret, daß wir zu dieſem mahl es dahin ftelleten, daß S. Churfürftl, ©. Abgefandten Herrn Sohne Dinrggraf Chriſtian die Oberſtelle moͤchte eingereumet werden, doch mit der ausdruͤcklichen Proteftatiun, daß dem Chur⸗ fürftt. Haufe Sachfen hierdurch an deffen herge⸗ brachten Hoheit vnd Praͤeminenz im * nichts begeben fein ſolte, darbey iſt es alſo verbliez benn, vndt iſt doruf Ihre Könige. Wird. in fols cher Ordnung, in welcher Ich der Graf zu Blei chen und Kerr von Schoͤnburgk, nechſt den RE van 2 * EN AR zweien Könige, Schortifeben Sefandten und — Marggraf Chriſtian zu Branden tenn, vnd Euer vnd Ihr Chur⸗ vnd Fir. G Stelle gehalten, zur Kirchen gezogen. Nach den verrichteten Ceremonien bey der Khroͤnunge ha— benn Ihre Koͤnigl. Wird. den anweſenden Fürftl. Perſonen und den Abgeſandten anzeigen laſſe „weil es ſich lange verzogen, fo bethe Ihre Königt, Mas jeftät, do mann derfelßigenn eine Gluͤckwuͤnſchun ge zu thun bedacht wehre, daß folches ein jeder in der Perion mit dem Handtſchlage oder wenig Worten thun wolte, wehren Ihre Könige. Majeſt. in Willens, doruf Fürglich felbft zu antworten, Iſt derowegen ein jeder zu Ihrer Könige. Mrd, vor den Stuel getretten, vnd hat derfelbigen conz gratulivet, wie dann auch ich der Graf zu Bleis chen ſolches an Euer und Ihrer Chur: vnd F. ©. ©. ſtatt mir wenig Worten verrichtet. Hierauf ift die Könige. Würde wiederum ing Schloß bes gleitet worden, und als man ferner zur Mahlzeit geichritten, bat man es mit der Seßion alfo ger halten, daß nemlich die Könige. Würd. ſambt der Koͤnigl. Witben die.oberfte Stelle gehabt, nebenn der Königl. Würd, vf der rechten Seiten ift der Herr Adminiftrator zu Halle, gegen über aber: neben der Königl, Wirben die zweene Schottiſche Sefandten, Marggraf Chriſtian zu Branden: burgE, Ich der Graf zu Gleichen vndt Herr von Schoͤnburgk, der Ertz⸗Biſchoff zu Bremen, vnd dann vf beyden Seiten der Koͤnigl. Tafell die andern anweſendenn Fuͤrſtlichen Perſonen geſeſſen, wir andern aber ſeindt zu den jungen Hertzogen zu Hollſtein, Luͤneburgk vnd Anhaltt, fo vber die Koͤnigl. Tafell nichtt gebrachtt werden Eönnen, neben. dem einen Meckelburgiſchen Gejandten an \ Churfuͤrſt Johann Georg. Gr 287 Catharina näher Fennen , welche ihm bereits fein verftorbener Here Vater Sriedrich2 1596, . zue künftigen Gemalin beftimmt hatte 7). u Raum waren die brandenburgifchen Prinzen wieder zurück gefornmen, fo bes gandarafen füchten Sonnabends nad) Martini die Sandgrafen Moritz und Auguſt von Heffen,von Heſſen in deren Öefolg, auffer zwe Grafen von Solms, fich noch) verſchiedene Standesper⸗ nad) fonen befanden, 300 Pferde ftarf unfern Churfürften zu Berlin. Zehen Tage lang wurden fie an diefem Hofe mit allen Arten von Bergnügungen unterhalten. Gegen Top des ger das Ende des Jahres mufte der Churfürft den Tod Rochi Grafen von Lynar bedau. fen Rochi von ven.‘ Es hatte diefer Herr als churfuͤrſtlich brandenburgiſcher geheimer Nach, ober Syn. 3 ſter Feldgeugmeifter und Oberbaumeifter der Beftungen dem Churhaufe ange Die nüßs Tichften Dienfte geleiſtet. Johann Georg zeigte bey deffen den 4ten Jan. 1597 eu 1597. folgtem Begräbniß, wie hoc) er verdienſtvolle Leute zu fchägen wuͤſte. Er ließ veffen eiche durch feinen Enfel Marggraf Johann Sigismund, durch feine Söhne Margs graf Ehriftian und Joachim Ernſt, durch die Herzoge von Lüneburg und Holftein, - durch die Grafen von Mansfeld und Hohenzollern und viele andere Standesperfonen beiderley Gefchlechts zur Gruft begleiten 0). Den 2zften Febr. ftattete der Churfürft mic feiner Gemalin und jungen Herr Der hurfürkt ſchaft bey dem fähfife Den Hofe in Torgau einen Befuch) ad, hob dem Mitvorm unde A Herzog Friedrich Wilhelm einen Prinzen aus der Taufe, und überlegte mir demſel por. . ben cheils die ſaͤchſiſchen Angelegenheiten, theils alles, was zur Wohlfarth der Chris ftenheit gegen die Tuͤrken, zum Beſten des geſamten Reichs und ver Proteftanten insbefondere gereichen konte. Er hatte den ı2ten Jul. das Vergnügen, von feiner Bekommt malin einen Prinzen Johann zu befommen, und bey deſſen Taufandiung, die den serie _ aſten Zul. vor ſich gieng, der Herzog Johann Friedrich von Pommern nebſt feis Br a w > ner Gemalin Erdmuth, der fandgraf Ludwig von ‚Heffen, dem bereits bie churfuͤr ſt⸗ fiche 7 drinzeßin Diagdalena zugefage war, und der Marggraf Zohann Sigismund mit feiner Gemalin in Berlin gewefen. Zu denen dabey vorgefallenen Seierlichfeis tem gehoͤrete vorzüglich die Taufe eines jungen Tuͤrken p). König Chriſtian 4 von Dännemarf hatte bei im Auguſt ducch eine an⸗ Bermätung feßnliche Gefandtjchaft bey dem Churprinzen Marggraf Joachim Friedrich um deffen en Prinzepin feierlich anhalten laſſen. Am erſten Aoventfontage den 27ſten Nov ſolte das Beiloger zu Haderöleben vor fich gehen. Marggraf Joachim Friedrich reiſete deswegen mit der Foniglichen Braut und feiner Gemalin dahin ab, und das Beilager ward glücklich volljogen q). 0 Diefes neue Band It dem Haufe Brandenburg in den damaligen öffentlichen Der churfuͤrſt — ein neues Man hatte vorzüglich auf die Niederlande und dw N 11 ſchen reiche; an N andere Tafell gefegt worden, und Bieweil m) Saftitius, Cernitius. u Dreyhaupt. eng: 65 fich mit der Königl. Crönung eben fang verzo⸗ 0) Haftitius. gen, ſo iſt dieſes Tages nicht mehr dann eine ») Haftitius. Mahizeit gehalten vnd vf den Abent mit dem Tan ⸗ Naftitius. Hert Abel kann wol nicht erweiſen, tzze beſchloſſenn wordenn, dag unſer Churfuͤrſt ſelbſt in Daͤnnemark geweſen. 1597. —— begraͤbniß. 1598» Kranken Heren Vaters zu Berlin an. _Den sten Januar um 3 Uhr des ‚Morge 8 288 3 Th. 7 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Ungarn zu fehen. Der Katfer ließ zwar die in dem vorigen Reicheabſchiede beſchloß ſene Geſandtſchaft nach den Niederlanden abgehen. Es ward aber hierdurch nichts fruchtbarliches ausgerichtet, weil Die vereinigten Provinzen von keinem Vergleich mit Spanien wiſſen wolten, der fie im irgend einer Verbindlichkeit‘ gegen dieſe Krone ers hielt. Die anftoffenden Reichslande blieben dahero noch beſtaͤndig allen Beforgniffen ausgefeßt. Noch meit mehr war auf der Geite von Ungarn zu befürchten. dem die Tuͤrken Raab und Ariga erobert, kam Wien felbſt in die Gefahr, belagert | zu werden, Dies beftimmte den Kaifer, einen Reichstag nach Regenſpurg auszu⸗ ſchreiben. Unſer Churfuͤrſt befehligte von feiner Seite den Adam von Schlieben; den Heine von Pfuel, den Iſaac Kracht, Abraham von Bellin, Johann Koͤp⸗ pen den jüngern, Seicdrich Bruckmann und Andreas Lindholz, dahin abzureifen, ‚Sie muften erft nach Anfpach gehen, um dem Hofe des Marggrafen Georg Fries drichs diejenigen Entſchluͤſſe mitzurheifen , "welche der Churfürft, als das Haupt des brandenburgifchen Haufes, in den Neichsangelegenheiten genommen. Don da reis feten fie nach Regenfpurg ab. Doch der — erlebte den —— wars m # Ä | En 1a! Gegen das Ende des Jahres meldeten fich bey dem Johann Georg ui) die einen jeden wegen feines tebens beforgt machten. Ein auf die Bruft gefallener Schnu⸗ — — a TER Zen VE Pe pfen verurfachte eine ftarfe Engbrüftigkeie, die bey dem Churfürften, der bereits über — 72 Jahr alt war, gefährliche Folgen drohete. Da fich diefe üble Umftände beftändig vermehrten, und der Herr felbft das Ende feines bebens vermerkte, Tieß er ſowol ſei⸗ nem Churprinzen dem Verweſer des Hochitifts Magdeburg, als auch feinen Grauen - Töchtern der verwirweten Churfürftin von Sachfen und denen Herzoginnen. von Joms mern, die-er noch insgeſamt wor feinem Ende fprechen wolte, ſchleunige Na a ‚geben. Die Herzogin Erdmuth langte zuerft 1598 in Berlin an. Der Ehurprin brach ſchleunig von Hadersleben auf, erhielt zu Zinna neue Nachricht von dein. ſchlech⸗ ten Zuſtande ſeines Herrn Vaters, und langte den zten Januar sum Troſt des ſehr traf auch Herzog Johann Friedrich von Pommern und die verwitwete von Sachſen Sophia nebft ihren Prinzen ein, fanden aber den Churfuͤrſten ſo ſchwach, daß er kaum mehr reden fonte. Er hatte die ganze Zeit feines‘ Lbens fi 1 —— ſeinem Wahlſpruch: alles nach Gottes Willen, nachzukommen. Ere fich dahero, auch, willig in deffen Willen, da ihn den gten San. zwiſchen 7 und g = des Morgens der, Tod auflöfete, nachdem er 72 Jahr und 4 Monate alt geworden, und eine zahfreiche Nachkommenſchaft bis ins dritte Glied gefehen. Der verblichene feich» nam des Churfuͤrſten ward herrlich beffeider in den Sarg gelegt, und in ber, Schloß — kirche in einem ſchwarzen hoͤlzernen Schrankwerk bis zur Beerdigung aufbehalten. Tag und Nacht hatte dabey die —— Leibwache die ——— Jedermann aber, Beh r) Saftitius. A + A | a a 2 az — — —— Fe — — SR Churfürſt Johann Georg. 289 Ber den landesvater noch zu ſehen kuſt hatte, zugelaſſen. Taͤglich ward im ganzen fans de mit allen Glocken zu dreienmalen um 12 Uhr eine Stunde lang gelaͤutet. Endlich "erfolgte die Beiſetzung der Leiche den iſten Febr, deren Feierlichkeiten uns Angelus mit Folgenden Worten beſchrieben hat s): „Erſtlich gingen neun von Adel drey vnd drey in Trauerkleidern, vnd die angeſichter verdeckt, alsı) Hunert von Zerbſt, Friedrich von Bernheim, Friedrich von der Hagen, 2) Hand von Waldaw, Valtin von * der Liepe, Chriſtoph von Halberſtadt, 3) Joſt von Arnimb, George von Re dern, Arnt Klodt. Dieſen folgete Johannes Fabricius, Capellmeiſter, mit ei⸗ "nem fehrwargen $eichereuße,, dem folgeten 200 Schuͤler in fangen Trawrmaͤnteln, hat⸗ ten Sindel umb die Hütte, und gingen bey jhnen auff jeder- feiten ein Schulmeiſter in Trawrkleidung, hinter den Schülern folgeten zugleich auch die Muficanten und In⸗ ftrumentiften. Darauff gingen die Predicanten aus beyden Stedten Coͤln vnnd Bers Jin. Nach jhnen die Stifftsperfonen vnd Prediger, je dren in einem Glied, als er Thumbprobſt. "Er. Sebaſtianus Miüller und der Decanus, 2) D. Poly carpus Leyſer, Churfuͤrſtlich Sechfifcher Hoffprediger, D. Simon Gediccus, Churfuͤrſtlich Brandenburgifcher Hoffprediger, D. Jacobus Faber, Fürfklicher Pommeriſcher Hoffprediger, 3) Ehriftuphorus Pelargus fuperintendens Mar- “chiae generalis, M Martinus Noßlerus und M. Hieronymus Prunnerus, Churfuͤrſtlich Brandenburgifche Hoffprediger. Dieſen folgten die Trometer und Heerpaucken, daran die Fahnen ſampt dem Wapen, worin der rote Adler und Sees | pter gemahlet vnnd ſeind die Trometen mit ſchwartzem Tuch vberzogen geweſen. Nach denen folgeten die Chur» vnd Fuͤrſtlichen Marſchaln drey, als Bernt von Arnimb, Hoffinarfehal, Friedrich von Watzdorff, Dietrich von Holtzendorff. Vnd harte der Hoffmarfchal, fo in der mitten.ging, einen ſchwartzen Marfehalftab in der Hand. "Nach den Marſchaln folgeten alle Hoff und fand Jundern, fo nicht zu Dienfte vers votdnet, darnach der anwefenden FZürften, Graffen vnd Herrn Marfchaln vnd Jun⸗ ern. Diefen folgeren’fieben Fahnen, in einer jeden ein Wapen, vnd nach jeder Fahn ‚ein Gauf fo beffeider, an welchen drey Wapen, wie das an der Fahnen, Eines an der Siirn, und an jeder Huͤfft eins. Die erfte Fahne ifk die Blutfahne, trug Henrich Schwartzenholtz, Rittmeiſter. "Das Roß führeten, Leuin von der Schulenburg, Werners Sohn, vnd Arnt Spar. Die andere Fahre, darinne das Burggraff "thumb Nürnberg Wapen, trug’ Cafpar von Loͤben Rittmeifter. Das andere Roß fuͤhreten Balten Barfuß und Joachim von Holgendorff. Die dritte Fahne, dar⸗ "in des Hertzogthumbs Eroffen Wapen, trug Iſaac Kracht, Dbrifter. Das drits te Roß führeten Benne Friedrich Brand und Henning von Arnimb, Jacobs "Sohn. Die vierde Fahne, darin das gange Pommerifche Wapen, trug Chriftoff "von Sanne Dbrifter. Das vierde Roß führeten Lenin von der Schulenburg, Als brechts Sohn, und George von Blandenburg. Die fünffee Fahne, darin des Her; | rn | be s) Baftitius. Angelus. — Paallg. preuß. Geſch. 3Th. Ds 1508, 1598. 290 3 Amt Beuthen an den caffubifchen Grenzen ward ihe zum Witthum verſchrieben. Sie ftarb 15 Tage nach ihres Gemals Tode zu Wollin den 4ten Nov. 1618, m ‚Sophia geboren zu. Zechlin 1568 den bten Jun. um 9 Uhr des Abende. Sie — den zoften April 1582 zur Vermaͤlung ab, und vermälte ſich den 22ſten April 1582 zu Dresden mit dem nachmaligen Churfuͤrſten Ehriftian ı von Sachfen, und befam Coldis, Rochlitz, Leusnich und andere Orte an der Mulde zum Witthum.Sie war fehr eifrig lutheriſch, und beftätigre nach ihres Gemals Tode ji u Eintrachtsformul mit alfer Strenge, Ihren Herrn Bater befam fie noch an feis ‚nem Sterbenstage zu ſehen. Sie gieng felbft zu ‚Dresden den zten Dec, 1622 mie * ab, und ward in Freiberg begraben den 28ſten J Jun. 1623 0): 5 Die dritte Gemalin unfers Churfücften war Elifabeth 7 eine Tochter FuͤrſtJ Joa⸗ J him ( Ernſts zu Anhalt und der Agnes einer gebornen Gräfin von Barbi. Sie war „geboren ben ısten Sept: um 5 Uhr. des Morgens 1563. Sie vermaͤſte ſich mit un⸗ ſerm Churfuͤrſten auf dem Schloß Peglingen den sten Oct. b) | 1577, und, ift die Stammurter der heutigen brandenburgifihen finien in Sranfen-geworden. Diefe Vermaͤlung brachte das Haus Anhalt mit dem Churhauſe Brandenburg in genaue - Verbindung. , Mittewochs nach Matthaͤi 1577. erthellte der. Churfuͤrſt feinem Herrn ©: wiegervater die Grafſchaft Lindau zu einem eblichen Mannslehn,. erließ ihm aber ille ti tterliche lehndienſte. Sie ward den sten Jan. 1598 Witwe, und brachte nach des fürften Tode auf ihrem Witwenſitz Croſſen noch einen Prinzen zur Welt, Im Jahr ‚3606 Fam fie auf den Einfall,. ihren Halbbruder Fürft Auguft von Coͤthen zu heira⸗ ‚ten. Weil ihr aber der brandenburgifche Hof hierin zuwider war, gieng fie von Croſ⸗ a Bu Sc | fen nach Amberg. Ihre uͤbrigen Herren Bruͤder hielten eine ſolche Vermaͤlung vor unerlaudt, woraͤber es zu vielfachem Briefwechſel kam. Endlich faſte das Haus An⸗ „halt in dieſer Sache zu Deffau den sten Nov: 1606 folgenden Schluß: „Bon Gors tes Gnaden, Wir Johann George, Chriſtian, Rudolph und Ludwig. ... Ger bruͤdere, Fuͤrſten zu Anhalt, Grafen zu Ascanien, Herrn zu Zerbft und Berns burg hiermit vor uns, allen unſern Nachkommenden Fuͤrſten, Fuͤrſten zu Anhalt, und. Erbnehmen, und gegen” iedermännigtich urfunden und. befennen hiermit, — wir abermahln durch die Gnade des allerhoͤchſten Gottes heute dato allhier zu Deſ⸗ ſau gluͤcklich angelanget ‚in Gemuͤth und Meynunge, die Publica in unferm Fuͤrſtli⸗ chen Haufe Anhalt concernivend und dem unterthaͤnlgen, auch ſeider unfer Anweſen⸗ heit angelegenes Wohlgefallen, in gebuͤhrliche Berathſchlagungen zu ziehen und zu vor abſchieden, und erftlich nicht die geringfte Sache des Hochgebohrnen Fürften Heren Auguſti, Fuͤrſten zu Anhalt vorhabende Heyrathsſache, dem gradu nach, in Gortes ‚Wort verboten, ermeffen, und in verfelbigen von uns kind inde unterfchiedliche Ver⸗ "wahrungen und Wexel / Schreiben, Antwort und Gegenantwort erfolge, Wir aber mit a) Leurbinger. Haftitius. Cernitius. Rentſch. Renſchel. ) Hübner in feinen genealogiſchen Stammtafeln ſagt, vielleicht nach dem gregorianiſchen Ca: ſender, den ı6ten Oct. 1598. 1598- 26 3% 7 Hauptft. Neuere Gefthichte von Brandenburg. mit Ihrer 268. gefaſter Meynung und Erklaͤrung im geringſten nicht friedlich und eins ⸗ ftimmigfeyn Fonnen,- oder nochmals zum höchften vor noͤthig erachtet, : daß Ihro bp, von berfelben abgemahnet ; So haben wirühiemit. die ſes Punets halber nunmehro eins haͤllig verglichen, und ein grava und comminations Schreiben unter unſern Handen uͤnd Seereten conſigniret an Ihro 60. abgehen zu laſſen, darneben auch den Hochge⸗ bohrnen Fuͤrſten Herrn Chriſtian Fuͤrſten zu Anhalt, unſern freundlichen und ge⸗ | Testen Herrn Brudern und Gevattern mit unterſchiedlichen Credenz Schreiben zu ber bollmaͤchtigen und freund / bruͤderlichen zu vermögen, daß Ihro Ubd. mit der auch Hoch ⸗ gebohrnen Fuͤrſtin und Frau Eliſabeth, Marggraͤfin und Churfuͤrſtin zu Branden⸗ burg Witben/ gebohrne Fürſtin zu Anhalt, unſer freundlich und vielgefiebten Frau Schweſter und Gevatterin, wie dann mit dem aud) Hochgebohenen Fürften, Herrn Chriſtian ‚und Herrn Joachim Ernften, Marggrafen zu Brandenburg, unſern freundlich ‘geliebten Herrn Gevartern bey diefer Nauszöge naher Amberg, wo Ihro &bd. anzutreffen, zu unterbanen und zu unterteden, daß folche vorftehende, und In Gottes Wort verbotene Heyrath, von Ihro E6d, möge unterfaget und verwehret wer⸗ den, und darnach dero darauf erfolgte Antwort, es noch für rathſam erachtet, an des Ehurfürften zu Brandenburg $6d. anſehnliche abfehiefung zu thun, dieſe vorhabende Heyrarh Fürft Auguſti bbd. zu, unternehmen, unfers Gewiſſens und bey manniglich, daß wir damit nicht eins ſeyn Fonnen, entſchuldiget zu ſeyn 2c.,, Diefe Wermälung „gieng auch wirffich niche vor ſich / ohnerachtet Fuͤrſt Auguſt fon manches in diefer Abſicht verwendet hate; ſondern die hurfürftfiche Witwe Fam nach Croſſen zuric, wo fie 1607 den 25ften Sept. zwiſchen 3 und 4 Uhe Nachmittags geftorben ift, und B . Die legten waren a. 33. Chriftian geboten zu Berlin 1581 den 3often Jan. Abende zwiſchen 4 und au Bey feiner, Taufe, die dem a6ften Febr. geſchahe, gieng es ſehr herrlich zu. Die ' Heren - Befehreibung liefern wir in einer Anmerkung d). Es war ihm von feinem | | —— | Vater .e). Eernitiue. Haftitius. Rentſch. ‚Ben: und Nacht die Wache gehalten. Des. fchel. Bundling. Leuthinger. Herrn von Moſers anhältifeher Staat. - Herrn Lentz an⸗ haͤltiſche Hiſtorie. Cernitius ſetzt den Tag ihres Todes auf den 2aften. Sept. Ich glaube, daß es ein Druckfehler iſt. ) Haftitius hat dieſe Feierlichkeit mit folgen: den Worten beſchrieben: Sonnabends für Oculi in der Faſten iſt H. Auguſtus Churfuͤrſt zu Sach⸗ fen mit feinem Gemahl und Sohn H. Chriſtian Von allen anweſenden Herren ftatlic) und prächtig zu Coͤllen an der Sprew eingeholet worden. Und find die Buͤrger beider Staͤdte Berlin und Ellen famt den Spandoiſchen vom Coͤpenick⸗ ſchen Thor an bis zum Schloffe in voller ruͤſun⸗ ge im einzuge geſtanden, und haben beyde Tag fol © en Tages ift M. Ehriftian auf online der: Bane: gehalten. Montags und Dienſtags darnach iſt ein ſtatlich vingrennen gehalten, auf welchem man viel und mancherley ſchoͤne tiones, Ritterſpiel und inſtrumenta publica geſe⸗ ben. und gehoͤret, und. ſonderlich iſt A, Chriftian zu Sachfen mit. Graf Joſt von Barby und vier andern von Adel, fo ihnen auf den Dienſt gewart, ‚ftatlih aufgezogen in guͤldener "Kleidung mit Sturmhauben, und guͤldenen Leuen Köpfen an Schultern, Ellenbogen und Kniehen, Sonften an Armen und Beinen mit Fleifchfarben Karte: Een, als wenn ſie blos geweſen, angerhan. Wie man die Heydniſchen Kempfer pflegt re © Fig) ; nven⸗ ward zu Berlin den zıften Det. begraben c). Sie hat 7 Kinder todt, m aber I | getaufft; und iſt nad) Mittage ein Fechtſhul auf hyurflrſt Johann Georg — Vatet die Neumark Faͤrſtenthum des Burggrafthums Nürnberg oberhalb des Gebirges. 297 ausgefeßt, durch anderweitige Verträge erhielt er aber das Durch feine Semalin Maria, Herzog Albrecht Friedrichs von Preuffen Tochter, die er ſich zu Plaffenburg ven zoften April 1604 ehelich beilegte, iſt er der Stifter des noch jest blühenden baireuthifchen Stammes geworden. Er gieng zu Baireuth 1655 dden zoſten May zwiſchen 9 und 10 Uhr Vormittags mic Tode ab. 0 Magdalena, geboren zu Berlin den zten Fan. 1582 des Morgens nad) 4 Uhr. Beyn ihrer Taufe, die den gten Febr. geſchahe, war Herzog Julius von Brauns ſchweig mit feiner Gemalin und jungen Herrfchaft, Herzog Moritz zu Sachfen, Serʒog Wolfgang und Philipp: Gebrüvere zu Braunfehweig- Örubenhagen + in Berlin gegenwärtig gewefen. Im Jahr 1597 bewarb fich tandgraf Ludwig von Secſſen um ihre Perfon. Den sten Febr. 1598 langte ein hefifcher Gefandree in Berlin an, und: brachte von der churfürftlichen Witwe dem tandgrafen einen hc. 2 SER r und find die Muſici und Inſtrumentiſten in einer güldenen Arche Nohe oben mit einem gefchnißten güldenen Dache, daß man fie nicht hat jehen Fün: nen, fürhergegangen. Auf welcher ein kleiner Kna⸗ ‚be, am ganzen Leibe aufder bloffen Haut mit fleiſch⸗ farben Kartecken bekleidet, mit Flügeln, Bogen, Köcher und verbundenen Augen, wie der Eupido ‚gemalt wird, an einer groſſen eiffernen Stange fe: hende geweſen, und haben 2 Kleine Knaben mit hönen weiſſen Strausfedern angelegt, güldenen Augen und Schnebelein wie die Täubelein die Ar: he gefürt, in welcher, wenn der H gerandt und getroffen, man lieblichen muſiciret, und find etli he Tauben. heransgelaffen, deren jede einen hoͤl⸗ Krum, eil an der Bruft und Kehle und ſchwartze dent Ehurfl. zu Sachfen H. Auguft ꝛc. fo beym Ehurfl.. zu. auf dem Trometerftul geftanden, zugeflohen, und hat ſich auf feine Zoblenmüße ge: feßet, die andere ift F. Sophien M. zu D. fo H. Ehriftien zu Sachfen verlobt war, zugeflo⸗ gen, ſich bey ihr aufs fenfter gefeget und fich greiffen laffen. Die andern find vom Gefchrey des Volks verfchäucher und haben fich hin und wid; der auf den Dächern geſetzt. In diefem King: rennen haben M. Joachim Sriedrich zu B. - der Adminiftrator des Erzſtifftes Magdeburg, Fuͤrſt Joachim Ernſt zu Anhalt, und Churt von Yenim Hoffmarſchalck, allen andern Ringren⸗ nern Widderpart gehalten. Des Mitwochs dar; nad) hat man einen Fuß Turnier über die Balgen gehalten, und ift abermalH. Ehriftian zu Sach: fen mit dem Grafen zu Barby in einem Schiffe P.sllg. preuß. Geſch. 3 Th. prächtigen Wagen mic 6 Pferden zum Geſchenk zurück, Den sten Fun, erfolgte inde nachflienende gehabt, ift die erfte das mit ſchwarzen und gehlen Kartecken beffeidet, wer; ches von gülden Zindel ein Sigel gehabt, und hin: ter ihm der Eleine Knabe, fo zuvorn Eupido ge: weien, mit einem langen grawen Barte und ſpi⸗ Ben Hute von ſchwartzen und gehfen Kartecken als der Steuermann ftehende, aufgezogen, und find die Cantores und Inſtrumentiſten gleichergeftale alfo gekleidet fürher gegangen fampt andern vielen von Adel, die mit-ihnen in Turnier ſich haben gebrauchen laſſen. Es ſind auch die Balgen al: fenthalben vol Schöffe gewefen, welche, als fie - alle zugleid) gegen einander turniret, find anges zündet und abgangen. Donnerstag darnad) auf den Abendt hat man um 10 Uhr ein ſchoͤn Feuer: werk angezundt, weiches etliche taufend Schüffe hatte, in der Geſtalt einer viereckigten Veſtunge, mit Soldaten befeßt, die alle voller Schlöffe gewe⸗ fen, und haben die Büchsmeifter viel luſtige Poſ⸗ fen mit ſtechen, fechten in allerley Weren, diealle voller Schöffe, als wärens feurige Männer und Roſſe gewefen, getrieben, auch felbige in Kugeln aus dem Wafler fahren laſſen, welche, wenn fie in die Höhe fommen, ‚graufam Feuer um fich geworf: fen, welches faft bey zwey Stunden gedauert. Am Freytage ift der Ehurf. von Sachfen widder auf: gebrochen, und hat Ihm der Churf. zu B. nebenft den andern Herren das Öeleite gegeben, und find die Sachfen fo vollmächtig abgeſchieden, daß et: liche von den Pferden geftürgt, und wegen des groffen Geſoͤffs bald darnach Haben muͤſſen das Maut zuthun. „ Sonft hat davon Philipp Agri: cola Isleb. eine eigene. Befchreibung drucken laſſen. Pp 1598. 298 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, 1598, das Beilager zu Berlin in Gegenwart des Marggrafen Georg Friedrichs und der ki übrigen Perfonen des churbrandenburgifchen Haufes, doch wegen der damaligen Hof und tandestrauer ohne befondere Luſtbarkeiten. ‚Sie Bach den sten May des Morgens nach 2 Uhr 1616 zu Darmſtadt. | 15. Soachim Ernſt. Er ward 1583 geboren. Die Schriftfkefler ſ * * ber den Tag feiner Geburt ftrittig. Haftitius ſetzt den 1oten May, Leuthinger den sten Jun. Angelus den roten Jun. Rentſch und Renſchel ven uten Jun. Cernitius aber den iꝛten Yun, um 9 Uhr Vormittages. Den ızten um, em⸗ pfieng er die Taufe. Sein Herr Vater beſtimmte ihm anfaͤnglich die ‚geiftfichen Würden, welche Prinzen feines Haufes zu bekleiden pflegten. Er ließ ihn zum Nachfolger im Herrmeifterefum Sonnenburg wählen, und gab ſich auch Mühe, ihn zum Nachfolger im Hochftife Magdeburg wählen zu laſſen, wenigſtens fagte man damals, daß in diefer Abficht dem Ludewig von Lochau von dem Churfürften die Stelle eines Domprobfts in Brandenburg verfihafe fer: Die Vorſicht be⸗ ſtimmte ihn aber nach) dem Tode feines "Herrn Vaters zum regierenden Herrn über das Fuͤrſtenthum des Durgsraftiume Nürnberg unterhalb des Sebirges. Er vers fobte ſich den 22ften Syun. ı612 mit Sophia, des Grafen Hans George von Solms zu Leybach Tochter. Den 22ften Auguſt ward der Heiratsbrief ausge⸗ fertiget, und den sten Detober die Bermälung zu Anſpach vollzogen. Durch dies fe Gemalin iſt er der Stammvater der jegigen anfpachifchen kinie geworben. & ſtarb den 25ften Febr. 1625 vor ıı Uhr Bormittag. 16. Agnes, geboren 1594. Haftitius giebt nach dem alten Cafender den sten Zul, Leuthinger und Angelus nach dem neuen den ısten Zul. als ihren Geburtstag. an. Cernitius hat zwar den ızten Jul. nebft Renſchel und Rentſch angege, ‚ben, es mag folches aber vielleicht ihr Tauftag geweſen ſeyn, auf welchem Herzog Georg von Brieg und Marggraf Ihachim Friedrich nebſt ihren Semalinnen in Berlin gegenwärtig waren. Sie vermälte fich zum erflenmal 1604 an Herzog - Philipp Zulium von Pommern. Als folcher den. 6ten Fehr. 1525 verſtorben, ſchritte ſie, nach Herr Abels Bericht, zur zweiten Ehe mit Franz Carl Herzog von Sachfen: Lauenburg 1628, und verftarb 1629, 17. Friedrich, geboren 1588. Haftitius und Angelus geben den isten Merz als feinen Geburtstag, den ızten April aber als feinen Tauftag an. Eernitiug, Rentſch und Renſchel Hingegen behaupten: daß er den 22ften Merz früh um 1 Uhr geboren ſey. Ex trieb zu Frankfurt an der Oder und zu Tübingen die Wiffenfchaften, durchreifere Franfreich, England, Schottland und die Nies derlande. Am Jahr 1604 ward er zum Nachfolger im Herrnmeifterehum Sum nenburg gewählt, und nach Martins Grafens von Hohenfrein und Vierraden Tode 1610 den ızten Jul. als Herrmeifter zu Sonnenburg eingeführet, ftarb aber daſelbſt an der Schwirdfucht den 1gren May um 7 Uhr des Morgens 1611, und if zu Cuͤſtrin in der Pfarrkirche beim Altar begraben worden. 18. Eli⸗ ‚Churfürft Johann Georg © 7 299 . Eliſabeth Sophia, geboren 1589 den aten Zul. zwiſchen 10 und ır Ur Vor— mittags. Haftitius und Angelus haben den zten Zul. zum Geburtstage anger Sofeßt. Sie ward: den zoften Jul. getauft, und vermäfte fid) 1613 den 27ſten Yun. an den Zürften Janußium Radzivill Herzog in Birza, Dubinfi, Slazeo und Kopyl, Großfeldherrn von Litthauen. Nach deſſen Tode aber den a7ften Febr 2628 an Herzog Julium Henrich von Sachſen⸗Lauenburg, ſtarb aber 1629. hi; Mage Sybille, geboren 1590 in dee Mitternacht vom roten auf den aoften Haftitius ſetzt wieder den gten Det. an. Sie ward den gren Mov. nach N — Calender getauft, und vermaͤlte ſich den ı2ten Der. 1610 an Herzog Johann Chriſtian von Liegnitz, und ſtarb den sten Merz, oder beſſer den oten Merz, ‘ nach altem Calender, nach 10 Uhr Abends 1625 zu Brieg. 20. George Albrecht, geboren ı5yr den zoften Nov. um 6 Uhr des Morgens, nicht aber, wie Rentſch fagt, den sgten Nov. den zoften Nov. wurde er getauft, den Sten May 1614 ward. er zum Herrnmeiſter in Sonnenburg erwählt. Den ısten ; . N. 1615 befam.er bie Rndedlatieen, woran er den ıgten Nov. dieſes Jahres h verftarb, und zu Cuͤſtrin den zıten Jar. 1616 beerdiget wurde, “21. Sigismund ‚ geboren 1592 den zoften Nov. zwifchen 2 und 3 Uhr des Morgens, Er ward den roten Der. getauft, bey welcher Gelegenheit bis zum 14ten Der. groffe > Seterlichkeiten vorgiengen e). Er half nachher, der wuͤtenden Peft ohnerachtet, mic m groſſer lebensgefahr zwiſchen Schweden und Polen den 26jährigen Waffenſtillſtand vermitteln, und ward hievor von denen preußifihen Landſtaͤnden befchenft. Im⸗ gleichen führete er bie Statthalterfchaft im Herzogthum Eleve, und ftarb zu Eleve unvermaͤlt 1640, nach Rentfch und Renſchel ven often April, nach der ihm ge⸗ — leichenpredigt vom Levin Pouchen den zoften April. Sein erblaßter Körper wurde den 12ten en Merz 1642 zu Königsberg in Preuffen in der Dombirche © Beigefeßr. u 22. Johannes Fam 1597 den ızten Jul, um 4 Uhr des Morgens zur Welt, und ward den gten Sontag nach dem Dreieinigkeitsfeſte getauft. Ex widmete ſich ven Krie⸗ gesdienſten ſowol bey den Kriegesvölfern feines Bruders des Marggrafen Joachim Ernſts, als auch bey dem kaiſerlichen Heer, worin er auch den izten Sept. 1627. auf dem n Schioffe zu Steinberg in Holftein geftorben. _ Sein Körper ward den 22ften Yan. 1628 in Culmbach zur Gruft beftattet. 23. Johann Georg wurde 30 Wochen nach feines Heren Vaters Tode zu Eroffen * 1598 den aten Aug. zwiſchen 6 und 7 Uhr des Abends geboren, und den uten Sept. getauft. 1627 warb er nebft Herzog Henrich von Sachfen: Lauenburg drey Ne gimenter zu Roß und zu Fuß zum Beſten des Faiferlichen Hofes, und farb in öfters reichiſchen Kriegesdienften zu Creilsheim den z7ften Jan. 1637 unvermält. SaBER, 1 Ve 30 $. 1224 e) —* ift eine eigene Befchreibung zu Srankfurs am Mein 1593 an Licht getreten. 1598. 3003 % 7 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Branenbung. 1598. 9. 0124 Be. So: Der Esufirf Johann Georg hatte ein — und ernſthaftes — ra —* Seine zuletzt erhaltene graue Haare machten ihn fo ehrwuͤrdig, daß, auf des Könige mütheberhaf, von Daͤnnemark Rah, Churfuͤrſt Chriſtian ı von Sachfein viefem feinen Schiwieger fenheit. vater die Oberitelle zu laflen vermocht worden: ı Sein wohlgebaueter Koͤrper genoß der dauerhafteften Gefundheit, fo daß er bis zu feinem Todeslager Feine heftige Krankheit ansgeftanden. Cr erhielt feine Gefundheif durch farfe Leibesuͤbungen auf Neifen, fons berfich aber auf der Jagd, welche feine Hauptergöglichfeit war... Aug dieſer Urfache hielt er fich mehr auf feinen Jagdſchloͤſſern, ſonderlich Neglingen, als in Berfin, auf, öhnerachtet er den Foftdaren Schloßbau fortfegen, und die Vorderfeite zu Ende bri fieß. Wenn er auswärtigen Befuch befam, pflegte er, zum Vergnügen feiner She } befonders Jagden anzuftellen. - Er jehwächte feinen Körper nicht durch übermäßiges Trinfen, wovon er wirklich ein Feind war. Sein Hof gehörete unter Die erſten in Deutfehland, wo man aufhörete, in ſtarkem Trinken eine Ehre zu fuchen. Die bran⸗ denburgifchen Geſchichtſchreiber merfen daher als etwas fonderbares an, wenn ſie bey Hofe trunkene Leute beobachteten. Es kam ſolches nur zur Zeit fremder Beſuche vor, denn der Churfuͤrſt konte keinen dem Trunk ergebenen Bedienten um ſich leiden. Eben ſo war er aller uͤbermaͤßigen Kleiderpracht feind, und verdachte es allen, die ihren fei⸗ nen Geſchmack oder ihre Achtung vom Kaufmann holten, und aus der Hand des Schnei⸗ ders erwarteten. Er wuſte beſſer, wozu man Geld mit Vortheil brauchen ſolte, und dies machte ihn wirthſchaftlich. Die Gefchichte legt ihm daher den Namen einesiguten Hauswirths bey. : Da er die eingeriffene Berfchwendung unter derNegierung feines Herrn Vaters verabfcheucte, fo mufte beim Antritt feiner Regierung eine merkliche Beränderung feines ganzen Hofftaats erfolgen. Sonderlich fonteier die Juden nicht leis den, und erbeftrafte ven Lippold, weil er felbigen als das Hauptwerkzeug der übeln Bers waltung des Staatsfehages unter der vorigen Negierung anſahe. Er liebte dagegen die. Miffenfchaften, die er mit freigebiger Hand unterftügte, wovon die hohe Schule zu Frankfurt mehr als einen Beweis erhielt. Er ehrete ſie dadurch, daß er die Rector⸗ würde auf derſelben annahm. Er beſaß ſelbſt fo viel Einſichten, daß feine, Raͤthe öfters bezeugten, feine Borfehläge wären die gruͤndlichſten. Er regierete auch wirklich durch ſich ſelbſt, und ſahe, fonderlich in Kammerfachen, alles mit eigenen Augen. Er llebte das Geld, um folcyes mic Ehren ausgeben zu koͤnnen, und feine Säfte Fonten aus ihr tet Aufnahme niemals ſchluͤſſen daß ihr Wirth ſparſam fen. - Wenn er auf der einen Seite fic) nicht unrecht hun ließ, fo verfchafte er auf der andern einem jeden die ſtreng⸗ fie Gerechtigkeit. Hierum flehete ihn einsmals ein Bauer mit dem beigefügten: Bewe⸗ gungsgrunde an, weil er ein churfuͤrſtlicher Unterthan fey. Und wenn du ,, antwot⸗ tete der Churfuͤrſt, „ein Heide oder Tuͤrke wäreft, folte fie dir wiederfahren, geſchwei⸗ „ge da du mein Unterthan bift.,„, Das Haus derer Borcken erfuhr, daß der Churs fürft eben fo gerecht vor ſich, ala wider fich fen. Aus tiebe zu feinen Unterthanen fuchte er fein Sand in beftändiger Nuhe zu erhalten. Seinen eigenen Muth hatte er bereits | | ;ö Ra NER 2 Churfuͤrſt Zohan Geor o x Us 301 im ns RR gezeiget. In der Belagerung von Wittenbergunterftügte 1598. erden Kaiſer Carl 5, als folder, die Veſtung in nähern —— zu nehmen; fich derſelben ſo viel möglich, näherte, und, wegen der Gichtfehmerzen, den einen Schen kel in einer Binde führen mufte. Die Belagerren brannten auf fie ein groß Geſchuͤtz 108, deſſen Kugel zum Gluͤck vor des Kaiſers Pferd niederftel, und einen folchen Staub erregte, daß Feiner den andern fehen konte, und viele fehon, wegen des tebens des Kais fers, in Sorgen ſtanden. Johann Georg brachte aber den Kaifer unbefchädiger zu⸗ ruͤck/ der ihn zum Nitter ſchlug, und bey dem damaligen Churfürften Joachim 2 fol gendes Zeugniß ablegte: „Euer lieber Sohn hat ſich in währendem Kriegswefen ganz ruͤhmlich bezeuget: in ſeiner Verwaltung hat er folche Vorfichtigkeit und Weisheit, ges bürlichen füglichen Ernft, Befcheivenheit und Treue in Kriegshändeln und Rachſchlaͤ⸗ gen, Geſchicklichkeit in allen Sachen gebrauchet, daß feine Dignität und Anfehen bil g fuͤr eine Belohnung feiner Tugenden’ von und gehalten wworden.,, Der Churfürft Zohann Georg hielt fich auch beftändig in guter Bereitfchaft, und nebft ver Jagd war ein geſchicktes Feuerwerk ſein groͤſtes Vergnuͤgen. Er wolte aber niemals den Degen ohne Noth zucken, und hatte vom Kriege folgende Meinung: „Er hätte zu kriegen zwar Feine Beliebung, Fäme es aber, und brächte ihm jemand in den Sattel, folte er wol Mühe Haben, bis er ihn wieder heraus brächte. „, Doch blieben die brandenburgifchen Kriegevölker nicht ohne Erfahrung. Sie fochten gegen die Türken, gegen die Parten der Guiſen, vor den Gebhard Truchfes von Waldburg im Eölnifchen, und vor den churfuͤrſtlichen Enkel im Strasburgiſchen. Wenn fie nicht allemal gluͤcklich fochten, ſo muß man die Schuld auf andere dazu kommende Urſachen legen. Unſer Churfuͤrſt ſuchte ihren Muth durch Vorſtellung der altbegruͤndeten Ehre maͤrkiſcher Kriegsvoͤlker aufzumunfern. Brandenburg ſcheinet unter feiner Regierung , befonders im der coͤl⸗ niſchen und ſtrasburgiſchen Sache, zu wenig gethan zu haben. Man muß aber auch zugleich die Entfernung dieſer Hochftifter, die damalige eingefchränfte Macht des berlinifchen Hofes, die Uneinigfeit der proteftantifchen Stände unter ſich, und die Menge der Feinde, gegen welche zu fechten war, in Ueberfegung ziehen. Die hohe ' Meinung anderer Hofe von des Churfürften perfönlichen Eigenfihaften erfegten das, was feiner Macht fehle: Philipp 2 von Spanien und Portugall hatte ihn in Bes ftallung genommen. Henrich 3 und' 4 von Frankreich bedieneten fich feiner Huͤlfe. Eliſabeth von England ſtand mit ihm im Briefwechſel. Der Prinz von Oranien und die vereinigen Niederländer fürchten feinen Beiftand. Friedrich 2 und Chris ſtian 3 von Dännemarf waren feine beften Freunde, und der letztere heiratete feine Enfelin. "Sein Berragen gegen Henrich, Stephan und Sigismund von Polen | erhielten: ihm feine in Abficht auf Preuffen erhaltene Vortheile. Der Faiferliche Hof konte an feiner behutfamen Aufführung nichts ausfegen.' Sogar der Kaifer von Ma⸗ roceo hielt ihn hoch, und die Einwohner von Kiga ſowol als die Venetianer bewars ben fich um feinen Beiſtand. Mit denen Negenten von Preuffen, Pommern, a Braunfchweig, Anhalt, Magdeburg, Sachſen war er nahe vers Pp 3 wandt 1598, 302 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. wandt und vertraut. Mecklenburg, Anhalt Churſachſen trugen ihm die Vor⸗ mundſchaft des Landes und ihrer Prinzen auf. Sonderlich war Churfuͤrſt Auguſt von Sachfen fein Herzens Freund. Deftere Umarmungen und freundſchaftliche Kuſſe bewiefen die Vertraulichkeit beider) Churfuͤrſten. "Sie wolten ſich nicht einmal durch den Tod trennen laſſen, und befohlen fogar, bey eines jeden Fünftiger Beerdigung des andern Bildniß mit ins Grab zu ſetzen. Bey denen Lutheranern ſtehet das Anden⸗ ken unſers Churfuͤrſten ſonderlich im Segen. Er hat die Eintrachtsformul mit vor fertigen), und mit: allem Eifer in feinen fanden einfuͤhren laſſen. Er war gegen die Reformirten ungemein aufgebracht. Krell wurde ein Märtyrer dieſer Kirche, und der Churfuͤrſt ſoll fich, mach der Leichenpredigt, die. ihm Noͤsler gehalten, haben ver⸗ lauten laſſen: Ich habe zwar auch eine Univerſitaͤt im Lande, und halte fie vor ein groſſes Kleinod, und iſt mir ſehr lieb. Aber wenn ich wuͤſte, daß meine Theologen und Profeſſores alda ſolten calviniſch werden, ſo wolte ich, daß das Collegium und die Univerſitaͤt ſtuͤnde und brennte im: Feuer Tichterloh. > Ich, wolte ſehen, daß ich den Schaden vergaͤſſe und verſchmerzte. ,Ob aber der damalige Eifer gegen die Refor⸗ mirten der Sache der Proteſtanten überhaupt, und dem Churhaufe Bran insbefondere, vortheilhaft gewefen, if eine andere Frage. Frankreich, Cöln und das Stift Strasburg hätten bey mehrerer Einigfeic der. proteftantifchen Kirchen als fem Bermuthen nach bey proteftantifchen Herren erhalten, und die Papiften übers haupt fehüchtern gemacht werden Eönnen, mit fo öffentlicher Gewalt zu verfahren, als das Haus Defterreich unter Rudolphs 2 Regierung bewies. Jedoch fehlte es ‚auch unter diefer Regierung dem Haufe Brandenburg nicht an Gelegenheiten; theils feine echte zu beveftigen, theils mehrere zu erhalten... Unter Johann Georg Famen die tänder Joachims 2 und des Marggrafen Johanns von Cuͤſtrin wieder zuſammen, wozu noch Beſeckow und Storckow gebracht wurden. - Die Nechte des Churhauſes auf Preuffen wurden theils durch polnifche Belehnungen, theils durch; die Heirat Marggraf Johann Sigismunds mit ver preußifchen Prinzeßin beveſtiget. Eben diefe Heirat verfchafte dem Churhauſe nachmals die Erbfolge in der jülichfchen Berlafs fenfchaft. Der Kaifer beftätigte dem Churfürften das Necht, daß man von feinen Urtheilsſoruͤchen ſich nicht weiter berufen ſolte. Er ertheilte dem Churhauſe das Erb⸗ folgsrecht in dem Herzogthum Braunſchweig und Luͤneburg. Die Erbvertraͤge zwi⸗ ſchen Sachſen, Brandenburg und Heſſen wurden, ſo wie diejenigen, welche das Haus Brandenburg mit Pommern geſchloſſen, beibehalten, und bey dem letztern alle Widerſetzung von Seiten Pommerns dadurch entfernet, daß man den Herzogen die Nachfolge in einigen brandenburgiſchen Ländereien auf den Fall zuſtand, wenn fie die Marggrafen von Brandenburg überleben folten. Die ftrittigen Nechte über die. Grafſchaft Lindau wurden vom Ehurfürften dadurch auffer Streit: gefeßt, daß er diefe Grafjchaft dem Haufe Anhalt’ zu sehn reichte. Das Hochſtift Magdeburg blieb in feiner Wahl noch immer ben brandenburgifchen Prinzen. Das Ordensca⸗ pitel zu Sonnenburg fieng jest gleichfals an, feine Herrnmeiſter aus dem churfuͤrſt⸗ = fichen x v > | Ehurfürft Johann Georg. 303 lichen Haufe zu erwählen. Sonderlich aber gereichte es dem Churhaufe Branden 1598, burg zu erheblichem Vortheil, daß die bifchöfliche Würde in den Sandesftiftern Ha⸗ velberg, Brandenburg und Lebus aufgehoben, und ſelbige auf immer mit Ron Ehure —— RnB verknuͤpft worden ſind. m ge 12 De Asfkhaffumg der bifchöflichen Würde in den — Brandenburg, Branden⸗ — und Lebus noͤthiget mich, meiner einmal gemachten Einrichtung nach, die Dingen Geſchichte diefer tandesftifter in einem dreifachen Anhange durchzugehen. Ich nenne sus find land: folche mic Fleiß tandesftifter, weil fie niemals dem Neich ohne Mittel unterworfen ges fifter: - wefen. Ruͤhren die Stiftungen des Biſchofthums Brandenburg und Havelberg Hleich vom Kaifer Otto dem Groffen her, fo hat folcher in diefem Stück doch nicht als Kaifer, fondern als Herzog von Sachfen, zu welchem Lande er vie Eroberungen der jenfeits der Elbe gelegenen wendiſchen Provinzen veihnete, vorgenommen. Es geſchahe folches zu einer Zeit, da Otto jenfeit ver Elbe vejten Fuß zu behalten gedach⸗ te. Die Gefchichte belehret ung aber, daß bis auf die: Zeiten Albrecht des Bars —J Chriſtenthum Feine tiefe Wurzeln in dieſen Gegenden faſſen Fonnen. Dieſer Herr und feine Nachfommen find eigentlich die wahren Stifter des Biſchofthums gemefen. ie gaben ſolche begabt, und da bisher die Bifhöfe von Brandenburg und Havel berg faft nichts als den Namen diefer Stifter im Beſitz gehabt, jo har ihnen die Freis gebigkeic ver Marggrafen: von Brandenburg Einfünfte und Rechte verfchaft. Die Marggrafen von Brandenburg haben alſo weit mehrere Verdienſte um diefe Biſchof⸗ thuͤmer, als der Herzog von Sachſen Kaiſer Otto der Groſſe. Haben gleich die Biſchoͤfe in den nachfolgenden Zeiten von den Kaiſern allerhand erhebliche Rechte, als das Muͤnz / und Zolleecht erhalten, fo ift es doch mehr als zu befandt, daß die Freiges bigfeit der Kaifer fich nicht an unmittelbare Reichsſtaͤnde gebunden. Hat nicht ber. Bifchof von Olmuͤtz das Muͤnzrecht, hat es nicht die Stadt Hildesheim? Vieler anderer mittelbarer Reichsglieder zu geſchweigen. Die Biſchoͤfe haben zwar dieſe und andere erhebliche Rechte ausgeuͤbet; kann man aber davon den Schluß auf eine Landes⸗ hoheit machen, die den Inbegrif nicht einiger weniger, fondern aller Negierungsrechte enthält? Das Sitz · und Stimmrecht auf Reichstaͤgen wurde in den ‚älteften Zeiten, da die Stände mehr Nathgeber der Kaifer gewefen, als daß ihre Einwilligung zur KReichsregierung nothwendig war, aud) wol von mittelbaren Neichsgliedern ausgeüber. Die Abtheilung der Neichäglieder in mittelbare und unmittelbare ift gänzlich verfchies ben von der Abrheilung der Neicheftände und folche, die Feine Neichsftänve find. So bald das Stimmrecht mit mehrerer Kraft verfnäpft worden, wurde an die mitrelbas en Difchofe wenig weiter gedacht. Wenn fie ja noch) zuweilen auf Neichstage berufen wurden, oder erfihienen, fo gefchahe folches faft nur aus der bloffen Abficht, denen Kaifern Gelver zu bewilligen. Kaifer Friedrich 3 und Maximilian ı brauchten Huͤlfs⸗ fummen, und befümmerten fic) wenig darum, ob. felbige von mittelbaren oder unmits telbaren Reichsgliedern bewilliget wurden. So oft aber die fandesprälaten auch ers x ſchi e⸗ * 1598. Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ſhienen / ſo geſchahe ſolches dech meiſtens mit Widerſoruch ihret landesherren der Chu fuͤrſten von Brandenburg. In denen entworfenen: Reichsanſchlaͤgen ſind zwar die drey brandenburgiſchen Biſchofthuͤmer ebenfals aufgefuͤhret. Es iſt aber zugleich bes kandt, daß der arme Kaiſer Sigismund alles in das Verzeichniß der Reichsanl bringen lleß, was Geld zu geben nur irgend einige Hofnung machte. Und dieſes ſehr unrichtige Verzeichniß hat man doch nachmals bey der Entwerfung der folgenden zum Grunde gelegt. Man rafte in ſelbiges wol gar ſolche, die nicht einmal zum Reiche gehoͤreten/ herein, warum ſolte man mittelbarer Reichsglieder geſchonet haben? St dieſes nicht ſeit Aufſe tzung dieſes Verzeichniſſes vor die Hauptunrichtigkeit gehalten wor⸗ den? Dies hatıja verurſachet, daß ſo viele in dem Verzeichniß ſtehende Glieder von ihren bandesherren auẽgezogen find, weil die angeſetzte Anlage der mittelbaren ſchon in der Anlage derer unmittelbaren enthalten, unter welcher kandeshoheit jene ſtehen. Eben diefes ift auch von dem Churhauſe Brandenburg, in Abficht der Biſchofthuͤmer Bran⸗ denburg, Havelberg und Lebus, geſchehen. Die Geſchichte lehret vielmehr daß die Bifchöfe von Brandenburg ihre Obliegenheit und theure Pflichten ſelbſt ‚erkannt; die Huldigung abgelegt , auf Landtägen erſchienen, zu Landesabgaben fich ziehen laſſen, die churfuͤrſtlichen Gefege angenommen, ihre oberfte Gerichtsbarkeit: nicht verkennet, und fich als wirkliche tandesunterchanen aufgeführer haben. Wenn alſo gleich die ehe» maligen Biſchoͤfe ſich von den Kaiſern mit denen aus ihrer Milde erhaltenen Vorzuͤgen | ehemals belehnen faffen, die jedoch niemals eine tandeshoheit ausgemacht, ſo Fonte ſol⸗ ches doch) den Rechten ihrer bandesherren niemals nachteilig feyn. Ich habe dieſes nich deswegen angeführer, als 0b die brandenburgifche kandeshopeit uͤber dieſe Stifter noch heutiges Tages beftritten werde, fondern blos denen Zweifeln zu begegnen, die meinen tefern gegen Die Unterwuͤrfigkeit der ehemaligen Bifchöfe unter die brandenburgifche Landeshoheit einfallen koͤnten ). - Ich. habe aber noch eine andere Urfache, die mic, von der Mittelbarkeit. diefer Stifter überhaupt zu reden, bewogen hat. Ich werde: dadurch) meines; Erachtens entſchuldiget, warum ic) mich bey denen folgenden Einfchals tungen nicht gar zu fange aufhalte. Was die Biſchoͤfe als Bifchöfe in Adficht ihres geiftfichen Amts gethan, gehet mir in der Staatsgeſchichte fo wenig an, als was fie als Eigenthuͤmer derer: ihnen: zuftehenden Guͤter verrichtet, wofern folches Feinen Eins fluß in die allgemeine fanvdesgefchichte hat. Ich will nur die Reihe diefer andesprälas | ten und das von ihnen befandt machen, "was ber allgemeinen Gefchichte der Mark Brandenburg mehr ticht geben kant. nn N NM Shweder Theatr. Praet, D. 2. sed. 7. 6, 17. pı 457. Be u Ko, Ma SARRSR Erſter er ee Jos a ——— — —— Erſter Anhang. li | den male Biſchoͤfen von Habelberg. Ben tree tere ” LIES, $. 126, 5 SE 538 on denen älteften gewiſſen Bewohnern ber uͤberelbiſchen Mark rat Chriſtenthum 32 denburg den Sennonen konte das Chriſtenthum nicht ganz unbekandt ae ſeyn a), obgleich folches in der damaligen Berfaflung diefes Volks alle 0 mögliche Hinderniß: fand. Denen darauf folgenden Bewohnern denen Wenden fi fehlte es ebenfals nicht an aller Gelegenheit, die fehren von Chriſto zu hoͤ⸗ ven; obgleich diefe Gelegenheiten fich nur fparfaın ereigneten. Seit Carls des Groffen Zeiten aber fanden fich folche häufiger. Diefer Prinz fuchte durch Eroberungen das Chris ſtenthum zu erweitern, oder durch das Chriftenehum feine Eroberungen auszudehnen. Allein die Bereinigung ‚der einen Abficht mit. der andern verhinderte den Zweck, den man ſich vorgefest. Man fehichte zwar fonderlich aus Corvey Apoftel zu ven Wen⸗ Den, aber dies waren meift ungeſchickte Männer, die mehr auf die Nahrung von dem Altar bedacht waren, als dem Altar dienten. Ihr Geis machte ihre Lehre verhaft. ‚Des groffen Carls Nachfolger bis auf Henrich den Vogelſteller waren zu ſchwach, an die weitere Ausführung der Entwürfe diefes groffen Kaifers zu denken. Es hatte das Ä her das Hochſtift Hamburg, welches nachmals nach Bremen gekommen, ſich Feiner ſonderlichen Vortheile davon zu ruͤhmen, daß ihm Earl der Groſſe die oberſte Aufſicht in geiſtlichen Sachen derer Kirchen unter den Wenden angewieſen. Wenn gleich Carl der Groſſe Deutſche aus dem Elſaß, wie man zum Beiſpiel die Harlunger anzugeben ‚pflegt ‚ in diefe Gegenden gebracht, fo waren ihrer doch lange nicht genug, um denen Eingebornen das Gleichgewicht zu Salten, Und vielleicht lieſſen die legtern nach Carls Zope nicht viel unter fich übrig. Henrich der Vogelſteller folgte den Entwürfen dies ſes Carls mit genauen Schritten. Er brauchte gegen die Wenden ſeine Heere, und noͤthigte ſie durch ſelbige, das Chriſtenthum anzunehmen, von welchem ſie, durch den Dienſt derer unter fie ausgeſchickten Geiſtlichen, unterrichtet wurden. Es hatte aber damit keinen Beſtand, und ihre Bekehrer waren ſelbſt daran ſchuld, deren Geitz ihnen unerträglich geworden: Sie entledigten ſich derſelben durch ihre Ermordung; zugleich erboten fie ſich aber, neue Apoſtel anzunehmen, die ſich durch ein untadelhaftes Bes zeigen a) Unfere allgemeine Gefchichte Band ı. P.allg. preuß. Befch.3 Th. Dg 706 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, geigen mehr Zufrauen erwecken Fönten. · Otto der Groffe brachte endlich durch Verraͤ⸗ teren einen groſſen Theil der jenſeit der Elbe liegenden Staaten unter den Fuß, und übergab die Oberaufficht derfelben dem Marggrafen Gero, einem der geöften Feld» herren feiner Zeit. Weil das Chriſtenthum allemal der Hauptvorwand der deutfchen Kriege gegen die Wenden gewefen, fo mufte fic) alles fo. weit zu demfelben bequemen, als des Dttonis Waffen reichten. Der Kaifer ſowol als fein Statthalter Gero er⸗ kannten vollfommen, daß weder die Oberherrfchaft der Deutfchen noch das eingeführte Chriſtenthum auf fichern Stügen beruheten. Die Mittel, wodurch beides bewirket worden, waren Betrug und Gewalt gewefen. Der Haß der Wenden gegen die Deutfchen war durch) diefe angewandte Mittel mehr vermehret als vermindert worden Man mufte auf Anfehläge finnen, folchen nach und nach zu heben, und bie Neubelehr⸗ ten an ihre deutſche Herrſchaft, und die Neueroberten an das Chriſtenthum anzuge⸗ woͤhnen. So lange die Wenden das Heidenthum nicht vergaſſen, war die Oberhert⸗ ſchaft der Deutſchen niemals geſichert. Sobald die Unterwuͤrfigkeit dieſes Bolfs auf⸗ gehoben war, verließ es auch das Chriſtenthum, und fiel, in Abſicht der Retiglon auf feine vorige Denkungsart. Die gemachten Eroberungen ſolten durch die Einfuͤh— rung des Chriftenthums, fo wie biefe durch die Waffen der Sieger, unterflägt werben. Man erfannte, daß die meiften Befehrer feldft unbekehrte feute waren, und daß es des nenfelben bisher mehr um bie Haabfeligfeiten der Menden, als ihre Geelen zu thun geweſen. Ihr unchriſtliches und unbarmberziges Bezeigen, ihre Haabſucht und andere Unanſtaͤndigkeiten hatten bisher den Fortgang des Chriſtenthums unter denen Wenden groͤſtentheils gehindert. Sie brauchten Aufſeher ihres Wandels, die in der Nähe waͤ⸗ ten. Es fanden ſich überdies zu wenige Arbeiter, die ſich in dieſe Erndte ſchickten. Man muſte daher an Schulen denken, wo junge feute ſowol die gehörigen Amts» als Heiligungsgaben zum Apoftefamte befommen koͤnten. Beides glaubte man zuerhalten, wen man dem Mufter Carls des Groffen in dem Bekehrungsgeſchaͤfte der — folgte, und mitten unter denen Neubekehrten Biſchofthuͤmer anlegte. 127. Stiftung des Otto der Groſſe mit Seriehttung des Biſchofthums Havelberg — biſchofthums Havelberg. fang. Er fertigte den Stiftungsbrief zu Magdeburg im Jahr 946 den gten May aus, und zog dabey den päpftlichen Botſchafter Marini, den Erzbifchof Friedrich von Mainz nebft andern Biſchoͤfen, feinen Bruder Brung, und fonderlich feinen Statt hafter Gero zu Rathe. Er führete zwar feinen brennenden Eifer vor die Ausbreitung des Chriftenehums als den einzigen Bewegungsgrund diefr Stiftung an, Eine und eben diefelbe Handlung wird aber manchmal durch mehrere Urſachen veranlaffe. Man erfannte, daß die Biſchoͤfe allen ihren Schuß von denen Deutſchen erwarten muften. Ihre eigenen Vortheile beftimmten fie folglich, die Vortheile ver deutſchen Oberherren zugfeich aufs forgfäftigfte wahrzunehmen. Otto beſchenkte das neue Stift Havelberg mit Ginfünften aus feinen eigenthümlichen Gütern, und ernannte fein Schloß zu Has - velberg zum Sig der hohen RE Er widmete ſolche unferm Erldſer und der SB J io I —— a —— — Erſter Anhang. Bon den ehemaligen Bifchöfen von Havelberg. 307 Jungfrau Maria. Er beftimmte diefem Bifchofthum folgende Grenzen: Gegen Mors gen vom Urſprung der Peene bis zu ihrem Ausflug in die Nordſee. Gegen Abend die. Elde von ihrein Urjprung, bis folche bey Dümiß in die Elbe fälle. Gegen Mir ternache vie Oſtſee, oder, wie der Theil dieſer See damals hieß, die rügifche See. ; Gegen Mittag folte ver Strumefluß , welches nicht fowol der Rhinfluß, wie wir fonft geglaubt/ fondern die Stremme, welche auf alten Plato zu bey Milau im Mag deburgiſchen in die Havel fällt, die Grenze diefes Stifrsfprengels machen. Es folte, mach feiner erſten Einrichtung, im Geiftlichen unter dem Erzbiſchof von Mainz ftehen. der Kaiſer diefes Stift aus feinem Eigenthum, wohin er augenfcheinlich die denen | den entzogenen Gegenden rechnet, nicht aber aus Faiferlichen Kammergütern ers richtet; fo hat er alſo hiebey nicht ſowol als Reichsoberhaupt, ſondern vielmehr als Ei⸗ genthumsherr verfahren, und diefes Stift nicht zum ummittelbaren Reichs » fondern landſtift gemacht. Die Berathung mit einigen Reichsſtaͤnden Fonte geſchehen, ohne daß ihre Einwilligung eben nothwendig war, eben fo, wie der papfiliche Botfchafter, der ohne Streit Fein Neichöftand war, zu Nathe gezogen wurde. Die ganze Errichtung dieſes Stifts iſt ohnedies nicht auf einem feierlichen Neichstage, fondern nur in Mag; debug, bey gelegentliche Gegenwart einiger Neichsftände ſowol, als anderer dahin nicht gehörender Perfonen, behandelt worden. Der König überlegte nicht die Frage: Ob Stifter ‚angelegt werden folten? fondern, wo felbige am gefchickteften anzubringen wären? und zog daher, theils in folchen Angelegenheiten, theils in denen wendifchen ‚Gegenden Eundige teure, wohin, auffer dem päpftlichen Borfchafter und einigen Erz⸗ - amd Bifchöfen, vorzüglich Marggraf Gero gehörere, zu Rathe. Da die Eintheilung Am Kirchenfprengel ſich nicht allemal nad) den Eintheilungen in Staaten und Provinzen richten kann; fo kann aus dem Umftande, daß in geiftlichen Dingen diefes Stift deuts ſchen Bifchöfen unterworfen worden, auch nicht einmal mit einigem Schein etwas ges folgert werden. Da der Stifter Otto den havelbergifchen Kirchenfprengel ausdruͤck⸗ lich nur von aller andern geiftlichen Gerichtbarkeic losfpricht s fo fiehet man wohl, daß er zwar die Nutzungen derer dem Stifte gefchenften fändereien an daſſelbe abgetreten, ſich aber ſelbſt alle weltliche Hoheit und Oerichtbarfeit, wegen des ihm zuftehenden Eis genthumsrechtes, vorbehalten habe. Ob nun gleich noch andere unumſtoͤßliche Gründe vorhanden find, wodurch Die tandfäßigfeit diefes Stifts klaͤrlich dargethan werden kann; Fo haben wir an dieſem Orte uns nur auf die Beleuchtung derer Umſtaͤnde einfchrenfen müffen, die, bey Gelegenheit ver Stiftung felbft, entweder vor die Unmittelbarkeit oder tandfäßigfeie dieſes Stifts angeführer zu werden pflegen. FREE $. 128. Rn Erzählung derer Bifchöfe diefes Stiftes Havelberg werde ic) mich genau an 3 le Stifrögefchichte binden, die der Herr Hofrath Lentz mit vieler Arbeitſamkeit zu⸗ ſammen getragen hat, aber nur dasjenige daraus anbringen, was zu meinem Zwecke dienet. Der erſte Biſchof von Havelberg war Erg ' Q 42 Udo ’ Biſchoͤfe. Biſchof Udo. 308 3h.7 Hauptſt. Neuere Geſchichte dom Brandenburg · Udo. Die Schriftſteller nennen ihn auch wol Oudo, Dudo, Tudo, Nach denen Beiwoͤrtern, die fich ver Kaifer von ihm bevienet, muß er aus anfehnlichem Haufe entfproffen ſeyn. Er trat das Stift gleich bey deffen Errichtung 546 an; und fand anfänglich im GSeiftlichen unter der Aufficht des Erzbifchofs von Mainz. . Der Kaifer fand aber nachher vor nöthig, zum Beſten derer unter ven Wenden geftifteten thimern ein eigenes Hochftift im Magdeburgifchen 968 anzulegen. Diefem unterwarf er auch das Stift Havelberg, obwol anfänglich weder der Erzbifchof von Mainz noch der Bifehof von Halberftadt mic diefer Einrichtung zufrieden war. Der Kaiſer trieb ſei⸗ ne Entwürfe duch, und befahl unferm Udo 969, dem Erzbifchof von —— Albrecht, ſich zu unterwerfen. "Bis 982 lebte Biſchof Udo in ziemlicher Ruhe: Hildericus. Erich, Gottſchalck. aber die alten Chriſten ſelbſt gegen die aus dem wendiſchen Volk zum Chriſtenthum uͤbergetretenen eine ausnehmende Verachtung ſpuͤren lieſſen, und ihnen nicht beſſer als Hunden begegneten; fo erfolgte 982 unter der Regierung tes Otto 2 ein Aufſtand und Abfall ver Menden vom Chriſtenthum. Im Jahr 983 uͤberrumpelten fie den 2gften oder 2often Zum. die Stadt Havelberg, bieben die dortigen Chriſten mieber, und leg⸗ ten die Stiftskirche in die Aſche. Vermuthlich ftarb damals Bifhof Udo ven Tod feiner Mitbrüder, denn er foll von einigen zum Heidenthum zuruͤck getretenen beuten ermorbet fern. Die Wenden wurden zwar in einer Schlacht an der Tanger über ⸗ wunden, fegten aber den Krieg unter der Regierung Otto 3 bis 987 fort, in welcher ganzen Zeit das Stift entweder gar keinen Bifchof gehabt, oder der hiezu ernannte ift den Namen nad) nicht. einmal befandt. ' Im Jahr 990 ward der Kries —— vieler tebhaftigfeit gefuͤhret. Während welchen ſichh Rn Hildericus 992 als havelbergiſcher Bifchof finder. Der —— — * mit den Wenden ließ ihm durch die ganze Regierung des Otto 3 wenige Ruhe, in feinem Stifte Amtsverrichtungen auszuüben." Umter Henrich 2 waren vie Wenden Foiferliche Bundesgenoffen gegen PR —* —2— — * — muſte. Ihm folgte —— Erich, welcher bereits: 10s9 fh in biefer Wirte jeiget, Da die magder burgifche Jahrbeſchreibung bey Meibom ihn den gen Bischof zu Havelberg nennet; fo mag, wie ich’ bereits angeführer, nach Udonis Ermordung ein Unbefandter diefe Wuͤrde geführet haben. Unter ihm giengen die Kriege: der Wenden mit den Deuts ſchen, vie unter Conrads 2 Regierung ftanden, wieder an. Erich tn dieſem Kriege fein teben befchloffen haben. Sein Nachfolger ee Gottſchalck zeige füch zuerft 1045, unter welchem das Cheiſtenhum ſehr abwech⸗ ſelnde Schickſale hatte, woran ſowol innerliche Unruhen der Wenden zu der Zeit, da Henrich 3 in Deutſchland regierete, als auch ihre Kriege mit den Deutfchen unter Henrich 3 und Henricy 4 fihuld waren. Es vermehrete fich dieſes Elend, an wel⸗ chem Bifehof Gottfchalef nothwendig Ancheil gehabt "haben ‚muß, daburd), daß der Papſt und die Sachfen Henrichs 4 Regierung zum Mufterseines zerruͤtteten Staats gemacht. Da man nicht weiß, was der — hiebey vor eine Rolle gefpielers ſo zei⸗ gr * Er — 837 — ie er Pe Teig» + A — ‘ * ep — — NE TE Be Sl — — dr me Sr 2 y 2 7 > 72 Y u > J NE 8 — * F Erſter Anhang · Von den ehemaligen Biſchoͤfen von Havelberg. 309 get ſchon dieſer Umſtand, daß er von keiner ſonderlichen Erheblichkeit en 1085 | ſoll er mit Tode abgegangen ſeyn. Von ſeinem Nachfolger a Wichmann, den andere Wienand nennen, weiß man noch weniger; u ‚eben ſo wenig kann man die Zeit angeben, wenn nach ihm nich HGexzilo zum Stift gekommen. Das weiß man, daß es vor 1096 heſchehen Zu feiner Zeit regierete König Henrich über die Wenden, Henrich 5 aber in Deutſch⸗ land. Gegen den erften machten zwar inter andern die Einwohner von Havelberg einen Aufſtand, wurden aber.moz belagert, und, um ſich von dieſer Belagerung zu „befreien, "gezwungen, dem Könige Henrich alle Treue zu verfprechen. Der Staat dieſes Prinzen war mit den Rügen in einen blutigen. Krieg verwickelt.» Die legtern gien⸗ ‚gen mit den Chriſten fo übel um, daß ıno ein Kreutzzug gegen fie vorgenommen wer⸗ ben folte, Biſchof Hezilo füchte,. nebft andern Geifflichen, in einem Schreiben die Chriſten in Niederſachſen, Frankreich und Lothringen aufzumuntern; befonders weil die heidniſchen Wenden vie ihnen in die Hände fallenden Chriſten dern Pripegala, einem ihrer Gösgen, aufjuopfern gewohnt waͤren. Sein Nachfolger ı Bernhard iſt blos bisher Dadurch befand worden, daß man finen Tod bey: dem Sabre ms bemerkt findet. Damals folgte demfelben >: Heymonober Hemno/ welcher dem Stifte aber nur bis 1120 vorgeſtanden. Dem da er in diefem Jahre geftorben, folgte Gumpert im — — der aber nf ſchen uns mit Tode % Ver oh u "Bis hieher ſahe es mit * Bifehbfen * — Flägfich aus. Sie muſten erft Gemeinden ſammlen, und dfters verfiel der ganze Genuß ihrer Muͤhwaltung Durch einen Krieg mit den Wenden und durch die damit verknuͤpften Berfolgungen ver ‚Ehriften. Die Neubekehrten traten dfters zuruͤck/ und bewieſen hierdurch, theils, sie ſchlecht fie unterrichtet, theils, wie wenig fie zum thaͤtigen Chriſtenthum angeführet worden. Die Biſchoͤfe ſelbſt hatten keinen ruhigen Wohnſitz, und, die Wahrheit zu geſtehen, ſo waren es mehrentheils Biſchöfe nur dem Mamen nach, deren Kirchenſpren⸗ gel aber meiſtens von ſolchen — * wurde die ſie als — — Vorſteher —* —* ra — aa ur NICH 239. | Anfelm: 4 —* — in welcher die ss des Stifte . ER — verbeſſerten. Man hat ihn vor einen gebornen Marggrafen gehalten, und bald vor Albrechts des Baͤrs Bruder, bald gar für deſſen Sohn ausgeben wollen. Bei⸗ des ſcheinet erweislich faljch zu fenn. Es muthmaſſet aber der Here Hofrath Lens, daß er aus dem Geſchlecht der nördlich fächfifchen Marggrafen, aus dem Haufe Sta De, und ein Bruder Marggrafi Henrichs 2 gemefen, der Albrecht des Bärs Schwes ſter Adelheid zur Gemalin gehabt. Die petersbergifche Jahrbeſchreibung nenner ihn ausdruͤcklich den zweiten Bifchof vor Havelberg. Es kann dieſe Zahl ohnmöglich ans ders ẽverechtfertiget u als wenn man annimmt, daß der Verfaſſer auf die bis⸗ a 243 herige Wichmann. Hezilo. Bernhard. Heymon. Gumpert. Anſelm. go Th? Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. herige Beſchaffenheit des Biſchofthums geſehen. Der erſte Biſchof Udo konte ſich bis⸗ k ber ganz allein feiner Stiftskirche bedienen, alle feine übrige Nachfolger. bis auf: den Anfelm waren, die Wahrheit zu geftehen, Hirten ohne Heerden, Prieſter ohne Kir chen, Bifchofe ohne Untergeiftliche,, Diener der Kirche ohne Verrichtung, Beamte ohne Einkünfte. © Sie waren nur dem Namen nach Biſchoͤfe, und verdienen faſt nicht mic gezahlt zu werden. Uber unter Anfelm änderten fich diefe Umftände fehr merk, lich, ob er gleich anfänglich ebenfals wenig Einfünfte und wenige Verrichtungen in feinem Stift gehabt. Er verdiente in der That, Biſchof zu ſeyn, denn man muß das ihm zum groffen Machruhm fagen, was man von einem jeden Bifchof mit Recht folte fordern koͤnnen. Eriwar ein Mann von anfträflichen Sitten und ganz fonderbarer Gelehrſamkeit. Dieſe Eigenfchaften machten ihn überall beliebt und brauch ⸗ bar, Er ſtand bey denen Katfern feiner Zeit in ausnehmendem Anfehen, an deren Höfen er fich meiftens aufzuhalten pflegte. Mic dem Erjbifchof von. Magdeburg Norberto, einem Mann, der eine ſtrenge Sittenlehre liebte, ſtand Anfelm im be fen Vernehmen, obwol deffen Härte vielen unerträglich ſchien. Als ver Heilige Ot⸗ to zum andernmal nach Pommern abgieng, um das Bekehrungsgeſchaͤft daſelbſt fort zuſetzen, fand er 129 um die Stadt Havelberg ein vor ihn betruͤbtes Schaufpiel, weil man dafelbft viele Fahnen aufgerichtet, und dem Goͤtzen Herumwit gu Ehren ein Feft feierte. Otto bezeigte darüber dem Herrn diefer Stade Wirifind feine Bekimmer niß. Dieſer aberigab ihm zu verſtehen, daß der heilige Norbert das Volk zu fehr gepfaget, und es dadurch zu der Verzweiflung gebracht, lieber zu fterben, als die ta ften zu fragen, die feinen Schultern zu fehwer fey. Dem Volk ward auf das beweg ⸗ fichjte vom Heiligen Otto zugeredet, von feinen Greueln abzuftehen, es verſprach aber folches nur unter ‘der Bedingung, wenn es ein anderes Oberhaupt befame. Gelbft die Stadt Magdeburg war mic Norberto nicht allerdings zufrieden, woruͤber er fr wol als der Bifchof von Meiffen: und unfer Anfelm Biſchof von Havelberg in leib⸗ und tebenögefahr gerieth. Den als diefe die Domfirche in Magdeburg, die ſie vers unreiniget zu feyn glaubten, 1129 wieder einweihen wolten, entflund darüber in der Stadt ein term. Sie muften fich alle drey nebft dem magdeburgifchen Domprobft unter das Dach) der Kirchen flüchten, wurden daſelbſt eine Zeitlang eingefchloffen gehal⸗ ten, und von dem Pöbel befchuldiget, daß fie Altäre erbrochen, und Ueberbfeibfel der _ Heiligen daraus entwendet. Enblich aber: legte fich die Wut des zufammengelaufenen Haufens, und. diefe Geiſtlichen kamen wieder in Freiheit. Demohnerachtetaber führte Anſelm doch nachher bey denen Domherren feines Stifts Havelberg den von dem heiligen Norbert geftifteten Prämonftratenferorden ein. Anſelm befand ſich 1133 in dem Gefolge Kaifer Lotharii 2 in Rom. Im Jahr 15 Famen griechifch -Faifers liche Gefandten auf den Reichstag nad) Merfeburg, um Lotharium zu einem Biinds niß gegen den König von Sicilien Rogerium zu bewegen. Dieſer ſchickte nebft dem Probft Eilbert von Goslar unſern Bifchof nach Conftantinopel, um mit ven Grie⸗ chen ſowol dieſer Sache wegen, ale auch wegen der Neligionsverfchiedenheit der. mor⸗ gen⸗ — TE Erſter Anhang. Von den ehemaligen Bifihöfen von Havelberg. 311 genlaͤndiſchen und abendlaͤndiſchen Kirche zu handeln. Hier hielt ſich unſer Biſchof meiſtens ein Jahr lang auf, und zeigte ſich daſelbſt als einen brauchbaren Staatsmann und geſchickten Gottesgelehrten. Er lernte bey dieſer Gelegenheit viele griechiſche Ges lehrte kennen, mit welchen er über die ſtrittigen Religionspunfte fowol öffentliche als beſondere Unterrebungen hielt. Befonders befprach er fich auf Verlangen des griechis ſchen Kaifers öffentlich mit dem damaligen Erzbifchof von Nicomedien. Man ruͤh⸗ met zwar, ‚er. habe denfelben fo in die. Enge getrieben, daß folcher endlich fich auf den Schluß einer allgemeinen morgenländifchen und abendländifchen Kirchenverfammlung bes, rufen muͤſſen. Mir feheinet es aber wahrfcheinlich zu feyn, daß der feine Grieche durch gar zu heftige Widerfeglichfeit den Staatsabfichten feines Kaifers nicht; hinder⸗ lich feyn wollen. Indeſſen hat Anfelm diefe Unterredung nachmals dem Papft Eu⸗ genio 3 zugefehrieben. Es ift lobenswerth, daß er fich hierbey eines demuͤthigen Tis tels bedienet hat-b). Auch ſeine übrigen Gejpräche mit den Griechen find: noch vors * handen. Im Jahr inz6 Fam er von Conftantinopel bey dem Kaiſer zu Goslar an, und ftattete bey feldigem feinen Bericht ab. Wirikinds Söhne Hatten indeffen aufs neue feine Domkirche zerfiorer. Allein bald darnach gieng diefem Stift ein neuer Gtäcsftern auf. Die Mark Brandenburg fam 1142 in die Hände Albrechts des Där. Dieſer wurde der neue Schöpfer derfelben, und er fowol als fine Nachkom⸗ men haben das Stift von neuem mit Einkünften verſehen, da folche zum Unterhalt des Biſchofs nicht weiter zufängfich waren, und deswegen Anſelm ſich auch meift am Hofe des Kaifers oder fonft aufhalten muͤſſen. Es wohnte derſelbe 1n47 und 1148 dem Creutzzuge gegen die Menden bey. Er reifte nachmals 1149 und zr50 in verfchiedenen Verrichtun⸗ gen nach Rom. Sonderlich brauchte ihn der Kaifer Friedrich ı in verfchtedenen Vers richtungen... Im Jahrıxs2 half er zwifchen dem Kaifer und dem Papſt Eugenio 3 zu Coſtnitz einen Frieden und Einigungsvergleich errichten. Im Jahr rıs3 ſchickte hm Kaifer Friedrich nach Conftantinopel, um vor denſelben des Kaifers Iſaaci Prinzegin Mariam zur Gemalin zu werben. Im Jahr 1154 ſchickte ihn der Kaiſer nach Kom, um nebſt dem Erzbiſchof Arnold 2 von Coͤln mic dem Papft Adrian 4 wegen ber Faiferlichen Krönung Unterhandlungen zupflegen. Weil nun in diefem Jahr Erzbiſchef Moſes von Ravenna mit Tode abgegangen war, fo beförderte ihn der Kaifer zu dieſem Hochftift ss an feinem Krönungsrage. In diefer Würde ſtarb Anſelm in dem Faiferlichen fager vor Mayland 1158. Seine Schriften zeugen von feiner Gelehrſamkeit, feine Dienfte von feiner geprüften Treue und Klugheit. Er er⸗ Fannte fehon zu feiner Zeit die Gebrechen der römifchen Kirche, und führte ſonderlich uͤber die mancherlen Orden bittere Klagen. Warum, fagre er, find in der Kirche Got⸗ tes fo viel Neuerungen eingeführee? Warum find in derfelben fo viel Orden entftans den? Mer Fann alle die Orden. der Geiftlichen zaͤhlen? Wen feßen die vielen Arten der Mönche-nicht in Berwunderung? Wem muß ſolches nicht ein Aergerniß verurfas dien? Denn kann man wol fo vielfache unterſchiedene Arten von Ausuͤbung der Reli⸗ i Be. ; | gion b) Anfelmas pauper Chriſti Hauelbergenſo Eccleſiae infufficiens Epilcopus. Walo. au © ah Hauptft. Neuere Gefchichte won Brandenburg. gion ohne das gröfte Aergerniß anfehen? Muß die chriftliche Religion nich: in 4 achtung gerathen, die ſo vielen Veraͤnderungen unterworfen? die durch. fo viele neuer⸗ fiche Erfindungen werfehree ? durch ſo viel neue Geſetze und Gewohnheiten zerruͤttet, und faſt jaͤhrlich durch Regeln und Sitten der Moͤnche veraͤndert wird. ch. Ich habe mit Fleiß bey dieſem merkwuͤrdigen Manne mich etwas aufhalten muͤſſen, um zu zeigen, daß ſolcher dem Stift Havelberg Ehre made, ohne weitlaͤufig anzufuͤhren, in was vor Urkunden fein Name vorfomme, Der — Sean song hat Be — was ſich von Ra nur fagen * * 130; * One der bisperige Siſchof von Havelberg rıss zum — Na befördert worden, folgte in Havelberg Biſchof Walo. Man gebe zwar mehrencheils vor, daß er um 1161 geftorben. Er lebte ‚aber noch wirklich 1770, welches vor dieſes Stife ein ſehr merkwuͤrdiges Jahr geworden. "Der Churfürft von Brandenburg Ot⸗ to beſchenkte in demfelben die havelbergifche Kirche mic den Dörfern Dalkowe, Drus⸗ done, dem halben Dorf Loffo ind mit denen in Withernote, Elodene und ey habenden Dienfken. Er eignete auch dieſem Stift einen Theil von feinen Gefällen, die ihm die in dee Mark fich anbauende Holländer zu entrichten hatten, zu. Die Un Funde des Marggrafen Otto enthaͤlt fonft verfchiedene merkwuͤrdige Umftände. Er ſchreibt ſich und ſeinem Vater Albrecht ausdruͤcklich die Wiederaufrichtung dieſes Bi⸗ ſchofthums zu, welche theils unter Anſelm, theils unter Walo geſchehen "Die Kai ſer haͤtten zwar ehemals dieſen biſchoͤflichen Sitz mit genugſamen Einkuͤnften freigebtg begnadiget. Aber die Barbaren hätten das Stift unterdrückt, fo daß es vor Feines mehr zu halten gewefen. Marggraf Albrecht und Otto hätten vemfelben aber das. Entwendete wieder zugeftellet, und die angeführten Stuͤcke aus ihrem Eigenthum ges ſchenkt. Es behielt fic) ver Churfürft aber ausdruͤcklich das Necht vor, daß die Stiftes unterthanen theils bey vorfallendem Veſtungsbau ſchanzen, theils Soldatendienſte übers nehmen ſolten. Er hat folglich hierdurch feine landesherrlichen Rechte genugſam ge⸗ ſichert. Nachdem nun auf die Weiſe vor den Unterhalt des Biſchofs geſorget, ſo ward die Domkirche von den heidniſchen Greueln wieder gereiniget, und aufs neue eingewei⸗ het. Der Erzbischof Wigmann von Magdeburg, Biſchof Walo von Havel ⸗ berg, Biſchot Wilmar von Brandenburg, / Biſchof Gerungus von Meiffen und Biſchof Evermod von Ratzeburg wurden bey diefer”feierfichen Handlung gebraucht, An dem Tage diefer neuen Einweihung beſchenkte auch Fürft Caſimir von Pommern die havelbergiſche Domkirche nicht nur’ ſelbſt mit verſchiedenen Doͤrfern, ſondern er; laubte auch allen feinen Unterthanen, ihre freigebige Hand gegen dieſes —9— auf zuthun > | ET A c) Quare tot nouitates in Eeclefia Dei funt? tur fcandalo? Immo quis non eontemnat Chri- Quare tot ordines in ea fürgunt? quis memo- ftianam Religionem tot varietatibus ſubiectam; rare queat tot ordines clericorum? Quis non tot ab inuentionibus immutatam, tot nouis le } miretur torgeneraMonachorum? Quis denique gibus et confuetudinibus agitatam, tor regulis non fcandalizerur? Et inter tot diuerfas formas ac moribus Monachorum ferme annuatim flu- seligionum diferepantium taediofo non afficia- &tuantem? Erſter Anhang. Bon dem ehemaligen Bifchöfen von Habelberg. 313 Pe Dahre 176 it — nicht nic Tode abgegangen. Sein Nato E02 175 VA ESIGTERRELGE NIBN Susbertus, — einige Schriftſteler nennen; —— — wurde das pommeriſche Kloſter Grobe 177 mir Praͤmonſtratenſermoͤnchen aus dem Stift Havelberg beſetzt· Er har zu Wiederaufbauung und Wiederherſtellung dieſes * ruͤhmlichen Fleiß angewandt, wie ſolches Kaiſer Friedrich ı 1179, oder richtiger 1176 2) meiner Urkunde ihm nachruͤhmet. In derfelben beflätiger der Kaifer alles, * die drey Ottones, Henrich 2 und Conrad 2 dem Stift geſchenkt. Man lernet Hugbertug. aus Erzählung dieſer Orte die Gauen kennen, welche in dein Kirchenfprengel des Stifts belegen waren. Weil aber alle dieſe Orte in den bisherigen Kriegen faſt gämjlich verwuͤſtet und zu Einöden gemacht worden, ſo erlaubte er dem Bifchof, bie Stadt Davelberg zu bauen, und feine Ländereien mit neuen Anbauern zu bevölfern, ſie moͤgen hergebracht werden, woher fie wollen. Der Kaifer fpricht alle diefe Orte blos dem Eigenthum des Biſchofs zu, und beſtaͤtiget auch dieſer Kirche dasjenige, was der⸗ ſelben von andern geſchenkt worden. « Er unterſagt ven Schirmvoigten, uͤber ihre Ge⸗ bühr etwas von dem Stifte zu fordern, und beſtimmt aufs neue die Grenzen feines pen Da dieſer Bifchof bis 1187 in Urfunden vorfomme, fo muß: er erft x Zeit, vielleicht. xıgr,. geftorben ſeyn. Sein Nachfolger: | Ellen rtus oder Lambertus zeigt ſich in den Urkunden bis 1206. Nach ihm 1 —— smart Hubertum als Biſchof an. Der Herr Hofrath Lentz | Slbod * Ellemberti ——— Nachfolger. Er war von Gehurt-ein Der von ‚Stendal. Im Jahr ꝛeos ſchenkte Churfürft Albrecht 2 dem Stift die ‚Borg: und Eowalle: Der Churfürft bezeugt in der deshalb. ausgeftellten Ur, kunde, daß fein, Großvater, Bater und Brüder zu Wiederherftellung diefes Stifts das meiſte beigetragen, wozu fie als Beſitzer der Marf Brandenburg allerdings berechs tiget wären. Unter den Zeugen werden verſchiedene ſlaviſche von Adel angeführet, welches einen Beweis abgiebt, daß verfchiedene ſlaviſche adeliche Häufer in der Marf ‚ggeblieben, und Nachkommen fortgepflanget haben. Biſchof Sibod wvar beim noch 1219 vor. Ihm folgte 5 Wilhelm. Zu feiner Zeit füben fi fich bie —— von Brandenburg S or hann 1 und Otto 3 mit Meiffen, Halberftadt und Magdeburg in einen erhebfis —1* Krieg verwickelt. Biſchof Wilhelm von Havelberg verfochte die Sache ſeiner erren, weil aber der damalige Biſchof von Brandenburg, Die magdeburgi⸗ )artey zu ns — * tafleny —* iogen, —— von —— Er ur — 4 BE. Fig nn {713 ‚und a) Herr Rect. a * F Urkunde in * March. &. 16 ©. 134. Es ſtehet da jivar das Jahr 1179, aber das war nicht das 25fte Jahr der RR Regierung — und had at, Kaiſerthums. —— P aalig preuß · Geſch.z The wg 2 np m, Kaifer Otto 4 und, —— 2 in Anſchen. Unter dem letztern kommt er Ellembert. Sibod. Wilhelm. Henrich ı von der Schulens burg. Henrich 2. 314 3Th · 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenbiirg: und Havelberg gegen einander zu Felde. In dieſer Unruhe nahm Biſchof ihheln J den von Brandenburg 1239 gefangen. Der Erzbiſchof von Magdeburg gieng zwar deswegen auf Davelberg 1243 los, ward aber bey der Brücke bey Plauen aufs-Haupt gefehlagen, "worauf 1244 der Friede erfolgte. Bifchof Wilhelm Hatte, die Stadt Witſtock an dem Ort, wo fie noch jegt fiehet , wieder aufgebauet. Im Jahr 1144 ward diefe Stadt mit Mauren umgeben, und ift der Wohnfig derer Bifchöfe von Ha⸗ velberg geworden. Um diefe Seit wish aber Gare oder: 12477. ap en ‚mit Tode abs gegangen feyn. 2213 ee. rd an - Henrich 1 vonder Shirkebing e); Kai in der biſchöfllchen Wuͤrbe/ ein Sopn des Ritters Werner von der Schulenburg und der Urſula Lamberti von Roretz Tochter. Sein Vater war im gelobten Lande zu Yeron'1229 den 2aften Och geftorben. Sein Bruder Bernhard hat das voruehme Gefchlecht derer‘ von Schw Ienburg fortgefegt. "Unter ihm giengen viele aus feinem Sprengel gegen bie Helden in Liefland 1236 zu Felde. Er verſahe die Stadt Witſtock 1248 im vlerten Jahr ſeiner biſchoͤflichen Würde mir guten Geſetzen, und gehoͤret unter die gelehrten Biſchoͤfe da er ſogar ein Buch von der geiſtlichen Keuſchheit und dem catholiſchen Glauben ger fiyrieben. Er Fann nicht laͤnger, als hoͤchſtens bis 1270, gelebt haben. . a =». Henrich 2 muß 1270 Biſchof geworden ſeyn, weil er 1275 im fünften’ Jahr fer ner Würde ven havelbergifchen Domherren die Kirche zu Wirftocfverfehtieen, Im Jahr 1277 fehenften die Marggrafen Otto und Albrecht von Brandenbur dieſem Stift vie Babis Im Jahr 1279 ward feine Domkirche von den Feinden aller Ziers tathen berauber und ausgebrannt, die Henrich 2 wieder einteihete. Die Marggra⸗ fen von Brandenburg ſuchten damals die Wahl Erichs im Hochſtift Magdeburg gegen den Bernhard von Wölpfe mit Gewalt durchzutreiben . Weil in dieſer Sa⸗ che die beiden marggräflichen finien mit einander ſelbſt niche einig, fo fehlen es vor die bramdenburgifchen Untertanen ofnmöglich, parteilos zu bleiben und doch fehwer, eine Partey zu ergreifen. Biſchof Henrich 2 fahe ſich daher bemüßiger, die Stifts⸗ Firche aufs neue wieder einzumeihen. Unter ihm ward 1289 das Klofter zum heiligen Grabe, bey dem Dorfe Techow, eine Meile von Pritzwalck, vom Marggrafen Ot⸗ to dem fangen: erbauet, welches von folgender Begebenheit veranlaffet worden ſeyn ſoll. Ein Jude hatte eine geweihete Hoſtie geſtohlen, und mit den Haͤnden zerrieben / wel⸗ che ſodenn blutig geworden. Der Jude grub ſolche zwar in die Erve, ward aber treus herzig gemacht, den Dre zu entdecken. Der Marggraf beftrafte des Juden Unthat, j und wurde durch eine Stimme som Himmel ermahnet, auf der Stelle der nen Hoſtie ein Eiftercienfer Jungfernkloſter zu erbauen Diefes Stift iſt — der Kirchenverbeſſerung, deſſen Einziehung ſich die damalige Aebtißin Anna von Qui⸗ tzow ſehr widerſetzte, als ein ee — beibehalten, und we in nd | gutem Stande. } ä ; Mur 2 ee Ki aa viſhof e) Nach Pfeffingers ——— — ©. Pr fort er ho joe 3 vBucof von Brandenburg geweſen ſeyn, wovon ſich aber Fein Beweis findet. 0 * 4% - m u or — * — * — — — Erſter Anhang. Von den ehemaligen Biſchoͤfen von Havelberg. 315 Bliſchof Hermann ſoll ein geborner Marggraf von Brandenburg geweſen ſeyn. PR Es macht aber den Geſchichtſchreibern viele Mühe, mic Sewißkeit zu beftimmen, wer. et von fein Vater geweſen· Vermuthlich war folches Marggraf Johannes ı und feine Frau er Mutter eine ſaͤchſiſche Prinzeßin, weil auf feiner Grabſchrift zur Rechten feines Haupts ein Adler, zur Unken ein Nautenfranz zu fehen iſt. Vielleicht ‚hatte ihn Marggraf Johann mit einer von Sandau erzeugt. Er mag 1290 erwählt, aber ſchon vor feis ner Einweihung 1291 verftorben feyn. Sein Nachfolger Zohann ı ward: 1291 bereits zu feiner Wuͤrde erhoben f). Er’verglich fich we⸗ Johann ı. hen derer Schaͤden ſeines Stifts, welche ſelbiges bey Gelegenheit des magdeburgiſchen FB Krieges erlitten, ‚mit den Marggrafen von Brandenburg. Er ſtarb 1304. Biſchof Arnolds Antrits und Sterbejahe ift nicht richtig zu beſtimmen. Ehen Arnold bies gilt von Biſchof Johann 2. Der päpftliche Stul hat ihn eingeſetzt. Er führte ein Johann 2. abeliches. XBappen ‚und muß alfo von vornehmer Abkunft gewefen ſeyn. Unter ifm - fland das Stift fo wohl, daß man diefem Bifchof den Beinamen des Gluͤcklichen beis legte. Er hat unter andern das Witſtocker Schloß treflich ausgebauet,, und ſtarb ungefehr 1310. | Biſchof Reinerus g) folgte ihm in der biſchoͤflichen Wuͤrde, und war unter an⸗ Reiner, dern 1313 bey den Feierlichkeiten zu Roſtock gegenwaͤrtig, die daſelbſt von. dem koͤnig⸗ lich dänifchen und churfuͤrſtlich ne Sof angeftellet wurden. Er pi 1316 den 28 Jan — Ei. Mae, 131. — — unter den aſcaniſchen und erſten — — Henrich z. grafen fein Stift, und ift nach feiner Grabſchrift 1323 den 26ften Sept. geftorben. ” Dietrich 1 Rothe, der nach ihm ans Stift gefommen, erhielt von den Grafen Dietrich Re; don Lindau die Stadt, Sroffen- Doffe. Er ſchrieb fich von Gottes Gnaden, ohne 9 des apoſtoliſchen Stuls dabey zu gedenken. : Kaiſer Ludwig 4 beſtaͤtigte ihm alle an feine" Kirche geſchehene Schenfungen 1337. Im Jahr 1339 trat er nod) einem | ‚srgen bie, RICK bey... Bis 1340 foll er dem Stift vorgeſtanden Augen.» Bur chard 1 von Bardeleben folgte ale Biſchof. Surf Ludwig bedienete —E g ſeiner als eines Raths. Er erlebte die unruhigen Zeiten, welche der Auftritt bes ve — falſchen Woldemars verurſachte. Er machte 13a9. ein Buͤndniß mit dem Biſchof Dietrich von Brandenburg, und Kae des falſchen Woldemars Anhänger gewe— J fe iu ſeyn, und ſtarb 1358 den ıgen Jan. Es folgte Burchard 2; ein geborner Graf von Lindau und Ruppin, Graf Ulrichs Burchard a Sehn und ein Brüder BO r a MR — — —— inar re von Ein J Dier Er Tr ; 2) Nicht aber 1288. g) In des Herrn Oelrichs Abhandlung von Bodding spp» p. 10, heiſt er Hilmar. 5) Wiſtſchal Monum. T. i p. 978. 316 3%7 Mauptſt. Näuere Geſchichte von Brandenburg Dietrich ' Dietrich) 2 Mahn, der 1370: Bifchof'geworden. Vielleicht gehörete er zu ei⸗ Dahn. nem abelichen Haufe, da er fichreines formlichen Aappens bedienete. Er ſchrieb fich zu allererſt von Gottes‘ und Des apoſtoliſthen Stuls Gnaden. Er war Marggraf Ot⸗ tonis zu Brandenburg Rath und Kanzler , dem er in feinen: Noͤthen gleich; anfangs lich mit Gelde beiſtand, und von dem er das Laͤndgen Bellin geſchenkt bekominen. Er weihete die Glocken und Kreutze, führte neue Geſetze in Erbſchaftsfaͤllen ein, und man will von ihm Blechmuͤnzen geſehen haben. Unter ihm entſtund 1383 das ſogenannte Wunderblut zu Wilsnack. Wir wollen, um die groſſe Blindheit damaliger Zeiten. zu zeigen, die Geſchichte dieſes Wunder bluts mit den Worten des Herrn Hofrath fen in einer en — — N ——— 2 erlebte eine neue Ber —— 5 Anno 1393 hatte ein RR Edel: cholomaͤi, da der groͤſte Zulauf von 2 —J mann Heinrich von Buͤlau das damalige Dorf Menſchen gemeiniglich war, darunter ſich auch Wils nack, bey einer zu den Zeiten üblichen Ber Geld gedingete Leute funden, die ei —* —* fehdung,; völlig in die Ache.geleget: Der Pfarr⸗ men und Reichen dieſe weite ef ‚nah herr. deg Orts Herr Johannes, (memoria eius. men, und ein bleyern eichen, Er in beneditione!) Tieß den Schutt der Kirchen ſtie mit drey gefärbten Flecken, am. aufräumen, die beenden Glockenſpeiſe und an⸗ tze geheftet, zuruͤck brachten, — dere Sachen zuſammen wieder heraus zu ſuchen. „da. geweſen waͤren, und ihrem Herrn — Er fand drey Hoſtien in einer Buͤchſe unverſehret, wirklich die Vergebung ihrer pi ten fo um der Kranfen willen mochten parat gehalten mitbrachteni Aber für was gehoͤ — übe worden feynaı Aber fiche da, die Hoſtien ſolten a ‚Betrüger,‘ fit: venia verbo, el oite ſagen als mir Blut befprenget worden feyn. Da war Herr Johannes, hatte eine Raa denn gleich ein Wunderwerf, welches fogfeich viel ſtey, die noch zur Wilsnack ſeyn A andere Wunder nach fich zug. Das Volk fam von eine Schale der Pilgramı trat, auf die Andere en allen. Gegenden dahin gelaufen, aber INB. werda: ſte der arme Sünder und Wallbruder ſo viel bin Fam, muſte auch file unſern Herrn Fohanı Schinken, Fleiſch, Drodt, Wache, non 7 nes, qui femper verfabatur in aceipiendo, was und Silber hinſchaffen, bi⸗ es ſo ſe mitbringen. di nibilattuleris, ibis, Homere, fo- daß es ihn in die Hoͤhe wippte. — Umdypa zu ras, hieß es hier. Das beſte war, er ließ ſich der Pſfaffe ein heimlich, Seil an der Waage J allerley Gaben gefallen, umd nerachtete enichts. Die gemacher, durch ch welche serden allbruder fo Ungarn ſchenkten und unterhielten ein ſo groſſes ge nieder zu halten —— bis der arme Schuber: Wachslicht, daß man es oben auf der, Orgel ans. ganz ausgeflöhet war, daß er ni * —J— zuͤnden mufte, weil es bis dahin reichte. Eng⸗ da er ihn denn endlich auf ſeiner | land, Dännemarf, Schweden, Norwegen, die Höhe wippen ließ. Dehite dan Polen, Ungaen kam herbey-welaufen , das Bart ae in die Schule * Wenn | ze) J derblut zu Wils nack zu verehren, zumal da Pa von der 3 d die Urbanus 6 das Jahr, darauf m. Febr. einen A el ö wat der arme Menfchfei aß fuͤr alle dahin kommende ertheifete. Ich find je 108, und er konte gehe, wo er hebgekor denfelben in des fleißigen Herrn R.Walthers zu Wie muß Herr —— nicht im Herzen Über Magdeburg Programmate de foeda et plusquam die einſaͤltigen und uͤnphilo ſophiſchen Zeiten gelac barbara ſuperſtitione Wilsnacenf p ıo. Wer haben? "Anno 1388 m. Mart. gab der Cardim war froher, als unfer Herr Johannes, daß ihm „Philipp de Alencon ſeinen bijehöflichen Seoem die Betruͤgerey fo auf einmal: gelung? Die Erz⸗ ——— — 1391 kam ‘and Bifchöfe von Magdeburg, Brandenburg, der Biſchof von S udolohus 3 au Havelberg und Lebus ftelleten eBenfals m. Wiart. mitfeinem Ablaßbriefe Be Eod. er darauf einen gemeinfchaftlichen Ablaßbrief dus) biſchof Albertus ein Stick von Arm der heiligen dert ich all. ſowol, als im Angelo p. 167 finde. Barbaraͤ nad Wilerad, und Indulgentien auf - Die Walfarten fiengen fi; zwifchen Oſtern und 40 Tage oben ein. Anno 1396 machte der nach⸗ Pfingften jaͤhrlich an, und waͤhreten bis * Bar; ſolgende — Diner ee — * Be Erſter Anhang Von den ehemaligen Biſchofen son Havelberg. 317 feiner dandesherrſchaft, da z iſche Haus gekommen. Er ſtarb 1385 53 — 13093 II. — ENT ar Tagen Hellmene; wie es mit dem Gelde gehalten wer⸗ den ſolte fo von den blechernen Zeichen fuͤr die Daugrimme eintief. Es’ ſindet ſich ſelbiges in udewig Keliqu. T. VIE, p. 298. Es ſtellten ‚aber bey dem groſſen Zufammenflaß von aller: Gr Senf au allerhand Arten von ehrlichen Leuten, die der gemeine Mann Spitzbuben nen net wie auf den Meſſen/ ein. Verwieſene und Verbannete waren da, die ſich zu nehren ſuchten Dieſe loſen Gaͤſte hatten wieder andere Griffe, als Herr Johannes, die Leute zu befihneugen. Das her niche nur Papft Bonifacius 9 Anno 1398 eine Bulle ausfertigte, daß ſolch Schelmzeug fich nicht daſelbſt finden laſſen folte, vid: Angelus he Johannes allein ſchon im Stan , die Leute gentig zu rupfen, ſondern der Biſchof Feste auch Bürgermeifter und Rath dahin, die Streitigkeiten unter den’ vielen Fremden zu entſcheiden, und die Policepfachen bey ſo groſſem Ueberfauf von mancherley Fremden zu beforgen, maſſen zu Bewirchung fo vieler ein- und auslän: biſchen Fremden von hohen und niederm Stande auch mancheriey Gafthöfe mit dieſeſn und jenem Bärhen, als Löwen) Hirſchen/ Gänfen und der: E no wurden. Es kam auch zu einem A Iffentlichen Jahrmarkte alhier, auf welchem Wache: bilder „Flache, Lichter, Wolfe, Pater noſter, Agnus Dei und dergleichen fieben Saͤchelgen in Khmerer Menge zu Kaufe waren, maſſen alle Winkel voll’ Aftäre waren, auf welchen geopfert werden muſte/ und das gute Wil⸗nack erhielt glei⸗ . des‘ echt mit den Witſtockern Cs kam gar darüber ein groſſer Pferdemarkt hieher, daß die heiligen Pilgrimme wieder nach Haufe reiten konten/ da ſie Herr Johannes ziemlich leichte zur Ruͤckreiſe gemachet hatte. Zu‘ Lüuͤbeck iſt auch ‚eine ſolche Betrugerey geſpielet worden, daß fie eine Mußeatenblume über die Hoſtie geklebet ge: habt welche das Blut Chriſti vorſtellen folte. Der bavelbergifehe Dechant LTudecus hat Auus 1586 eine eigene Hiſtorie davon geſchrieben, vid. -&udewig Religu. T:VIH. p. 286, worin er mel; det, die Leute wären jo häufig und dicke aus allen Orten und Mationen zufammen gelanfen, als wenn fle ihrer Sinnen und Verftandes beraubet, oder bezaubert und allerdings unfinnig geweſen wär zent. Mitten in ihrer Arbeit, auf dem Felde oder‘ in den Käufern wäre es ihnen plößfich md unver⸗ fehens angefommen, daß fie alles ftehen und lie⸗ gen lafen, und in geöfter Eile nach Wilsnad zu ⸗ af,“ da zu feiner Zeit die Mark Brandenburg an das luxembur⸗ den 2er Auguſt. HEBEN la % 132. ihrem Wunderblute gelaufen wären, hätten auch, was fie eben in der Hand gehabt bey der Arbeit, als Foreken, Gabeln, Schaufeln und dergleichen Inſtrumenta in grofler Anzahl mit ſich gebracht, int 4% Tirları serie. Has 74 IHN 112 34 in 32 Sich wu ‚und es Herr Johannfen da gelaffen. Diefer Wind: beutet wufte denn den Ankommenden weiß zu ma- hen, was fein Wunderblut vor ihrer Zeit far Mi⸗ racula gethan, wie viel Kranke geſund geworden wären, Todte waͤren Tebendig, Stumme redend, Taube hoͤrend geworden, und dergleichen mehr. Aber aller Ding eine Weile, Johann Fuß machte der Paucke ein Loch." Er polterte und lermte gewaltig darwieder, und hieß es Alles, da es zu ſchlimm ward, in einem Befondern Tractat Lug und Betruͤgerelen. Man finder in feinen Opp. Tit fol 154 fq fok 160 davon zu leſem Er hatte in einer beſondern Differtation, "ı) in Thefi, Chrifti fideles 'hedie non debere quic- quam localiter er vifibiliter ſuper terrantexiftens pro fanguine Chrifi venerari, 2) in Hyporheß, rübeum :liud apparens quod in Wilmack mon- ftratur, non nifi avarorum‘facerdotum meidas cum efle, ° Das war deutlich ‘genug fürs rate and ıste. Jahrhundert. Ein Bürger aus Pra fam mit einer lahmen Hand nach Wilenad, u wolte vom heiligen Blut alda curiret ſeyn, ſchenkte auch der Kirchen ſogleich eine ſilberne Hand zum voraus. Die Hand des Boͤhmen aber war lahm und blieb lahm. Indeſſen mochten die Pfaffen denken, er ware wieder fort, und fieng einer ein groß Gepraͤhle auf der Canzel von diefer durch das Wunderblut curirten Hand an, "zeigte auch "eine dafür geopferte ſilberne Hand. Der arme Pra⸗ ger war noch da, und eben in der Kirche, der reckte feine lahme Hand in die Höhe, und rief voller -Unnmehs aus?" DO Pfaffe, wie kannſt du doch fo greulich Fügen ? "Eiche da, meine Hand iſt noch lahm, wie vor dern. Und dergleichen Voͤcke paßirten häufig mit unter. Inzroifehen brachte die Hiſtorie bey der Wiederkunft des ar⸗ men MWenſchen nach Prag den dortigen Erzbiſchof Sbinkow oder Zincko dahin, daß er in einem darüber gehaltenen Synodo den Predigern aufers legte, fie folten des Sontages von der Canzel als fen Leuten verbieten, daß feiner mehr zum heilis gen Blute nach Wilenad reiſete. D. Johann Wünfchelberg fihrieb ums Jahr 1400 ebenfals Öarwider. Die Sache wurde immer verbächti- ger, und Fans auch auf den Coftniger ımd Ba⸗ felee Conciliis vor, da denn die Wallfahrten das Nr 3 — 4 Johann von Johann von Wepelitz Wepelitz. es 218 8 Th 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburgs "+" en Ole hin wol erlaubt wurden ‚nur es ſolte keine Abgoͤt⸗ terey dabey getrieben werden, ohne welche es doch niemals abgehen konte. Anno 1444 gingen ſchar⸗ fe, Difpute zu Leipzig, Meiſſen und anderer Orten wider. diejen Öreuel vor , weiche der mag; —— — Mag; Heinrich Tacken zu Burg fortſetzte, und Duͤringen und Kannemann zu ſeinen Gegnern hatte, vid Garzaus p. 200 ſq. Anno 1446 ſtreuete zwar Papſt Sugenius 4 gleich, fals eine Bulle fuͤr die Wallfahrten nad, Wils: nad aus, es mochte ihm aber die Sache doch bes denklich fuͤrkommen, zumal da ſo viel dawider ge⸗ redet und geſchrieben wurde. ‚Ex fiel alſo auf ein Expedieng „und ſchrieb an die Biſchoͤſe von va⸗ veiberg und Luͤbeck, es ſolte allezeit eine gewiß und wirklich conſecrirte Hoſtie Über, die drey blu: tigen geleget werden, damit es den Leuten folcher: geftalt-an.einem wahren obiecto adorationis nicht fehlen moͤchte, wenn es ja mit den drey darunter fiegenden nicht feine Richtigkeit haben ſolte, vid. Lu⸗ dewig Rel. VIIL 364. Vorſichtigkeit genug, damit das Spiel nicht gar verderbet wuͤrde. Eod.an. ſchrieb Mag: Henrich Tacken an feinen Eribiſchof Frie⸗ drich, deſſen andere Hand er, gleichfan war, und bat.inftändig, dem unbandigen Laufen nach Wils⸗ nack ernftlichen Einhalt zu thun, wegen des ab: görtifihen Wefens, fo da getrieben würde. Er that Anno 1444 Vorftellung an den Biſchof von Ha⸗ velberg, an Marggraf Friedrichen, an den Domprobſt zu Brandenburg, aber alles verge⸗ bens. Die Welt war, mit, eitel Wunderblut von der, Mark überfirömet. Er reifete 1445 jelber zum Bifhof von Brandenburg nad) Ziegeſar. Eins half fo wenig, als das andere. Man fand fein Conto dabey. Proprius commodus war die Haupt: perfon im Spiel, da mochte M. Cacken ſchwatzen und fehreiben. was er nur, wolte. Surdis narra, batur fabula, vid, beandenburgifche Stiftshir fiorie.p. st..., Chron. Magd, ap..Meibom. T. Il, p- 350. Anno 1447. gab Papſt KTicolaus 5 wie⸗ derum einen Ablaßbrief, ehe man um fich fahe, über die confecrirte Hoftien heraus, und meinete, nun ſey doch alle Bedenklichkeit gehoben „. wie ſol⸗ hen Herr R. Walther in vbgedachtem program-, mate p. 12 und der Herr Canzler in feinen Religu. T. VIIL p. 366 angebracht hat. Er befam aber Anno 1450 doch wieder Anſtoß in feinem Herzen, ob die Karte wol falich feyn möchte, und fhrieb alfo an den damaligen Biſchof Arnold zu Luͤbeck, daß er die Wunderbluts⸗Hiſtorie nochmals unters rt u sohe & wurde bereits 1385 Biſchof. Der Kaiſer Sigis⸗ mund ließ ihn nebſt andern Ständen 1388 nach Trient kommen, um uͤber den Zu⸗ ur rn. ; I ul doch ur Tadel 69 Sl BR ſuchen folte,, Cdenn der Bifhof von Havelberg war fchon gleich, anfangs da geweſen, und he diejelde angefehen, . vid. Ludewig Rel.T+ V) Ps 356.) Der Luͤbecker fihrieb an den: : gen, Biſchof Conrad allhie, und vermahnete ihn, dem Aberglauben doch einmal zu ſteuren, da es auf lauter Intereſſe Damit abgezielet ſey. Die er⸗ furtiſchen Doctores vegeten ſich auch wider den aberglaͤubiſchen Gottesdienſt, und ich wuͤnſchte, daß der jetzige P. Gordon die Zeit alda und feine Philoſophie dagegen gehalten haben möchr te. Anno 145: am der päpftliche Legatus Nico⸗ laus de Eufa nad) Halberſtadt/ und der hatte bald dem Faſſe den Boden ausgeftoffen, indem er die viele erfundene. blutige. Hoſtien in Deuriche land deteftirte, und folche Erpveßiones brauchte, die man ſich von ihm nicht: haͤtte vermutben fol _ fen. Er fpricht deutlich: Corpus Chrißi glori- ficatum, fanguinem glorificatum in venis glori+ ficatis penitus in terris inuifibilem habere cen⸗ fendum eft pro catholica fide, Diefe ‚Bulle ift vor ‚allen andern werth, daß fie in des Herrn Rs Walchers Programmate zweimal gelefen werde, Erzbischof Seiedrich zu Magdeburg ließ diefe Bulle feinem Eyeentorialbefehl mit einverleiben, dazu ihn Eufanus und fein Domherr Taden vers mocht hatten. Das Diploma hat -D, Becmann in Oratione feculari mit angebracht. 7. Es fehien aber den Bilhöfen von Havelberg und. Dans denburg diefe Verordnung nicht profitable, daher fie ſich zu Rom darüber: beſchwereten, und durch Geld die vorige Freiheit, mit ihrem Wunderblute die Leute zu aͤffen, wieder erhielten. Der Streit waͤhrete zwiſchen dem Erzbiſchof von Magdeburg und dem Biſchof von Havelberg re ferner. hin, darüber denn der berühmte Bußpres diger Eapiftranus an ben Iudicem Rotae Rom; ſchrieb, die Sa | werden, und ward. noch immer pro und contra darüber difputivet, fo daß Anno 1500 noch vier Cardinaͤle Ablaß nach Wilsnack ſchickten, welches denn ſonder Zweifel durch Geld ausgewirket ſeyn mochte. Endlich Anno 1552 hieß es wie Bey den Höpel : Jungen in 2.: Mein Krahm geht gar aus und machte endlich der ‘Prediger Ellefeld der Be trügerey ein Ende. Die Poffen hatten 169. Zah: _ re, und aljo lange genug gewähret. Ich mag’ meine Leſer mit der aberglaͤubiſchen Materie nicht, — weiter * J —9— — | * einmal abzuthun, und ein En⸗ de daraus zu machen. Es wolte aber kein Ende Erfter Anhang. Bon dert ehemaligen Bifchöfen von Habelberg. 319 ſtand der märfifchen Sande zw rathſchlagen. Er bauete zu Witſtock die Schloßea⸗ pelle/ und verwandte vieles an die Domkirche zu Havelberg. Er war ſelbſt ein ſehr brauchbarer Gelehrter, und gieng 1401 den 2ıften Febr. mit Tode ab. Sodenn kam Otto von Rohr zur biſchoͤflichen Würde, welcher die unruhigen Zeiten in der Otto von Mark Brandenburg eben fo wohl/ als fein Vorfahr, fühlen muſte. Da zur Bes Rohr. ruhlgung Diefes landes der Kaifer Sigismund dem Bufggrafen Friedrich von Nuͤrn⸗ berg vie Statthalterfchaft der Mark übertragen, erfannte der Biſchof denfelben mie Vergnuͤgen, verfiel aber Darüber in die Zeindfchaft derer von Adel; welche nunmehr nicht weiter. im Trüben fifchen durfeen, und aus dieſer Urfache dem Burggrafen fich nicht unters werfen wolten. | Cafpar edler Herr von Putlitz und Dietrich und Hang von Quitzow ſchickten ihm fogarxgrz eine Kriegserflärung in nachfolgenden Worten zu: „Unſer Dienſt, wuͤrdige Here von Havelberg, dat uns ift to weten ‚geworden, dat gy ju ock ſetten > geillen van vnſen Herrn dem Könige von Ungarn, und vallen to dem Burggrafen/ des wie ju doch nicht to gloffen. Wey wer et, dat wi dat verführen, da Ay des. wil⸗ len hadden, fo müfte gy unfer Frindſchapt dervme entberen, und wie müften dat juve darvmme anvallen, dat wy vor gı dat hebben füllen en Tiven fehriven mic diefen vor⸗ gefigel, dat wy ums alle brucken in diefer Tye. ,„,„ Wir haben aber. bereits im erften Bande Diefer Gefehichte gezeiget, wie ſich der Burggraf nicht nur bey der ihm aufge⸗ tragenen Statthalterfchaft gegen den unruhigen Adel glücklich erhalten, fondern. auch das Churfürftenthum eigenthuͤmlich überfommen und beruhiget habe. Der Bifchof: Otto war nachmals des Churfürften me ‚ und machte 1421 ein Zen mie Mag⸗ deburg und BIRNEN, und — * den ıgten San: 1427. rum rt 9; 133+ s geiedrich Kruͤger wird als ſein Nachfolger een: & war ein —— — Main, der den Bürherfchag am Dom zu Davelberg ziemlich vermehret, iſt aber ben Krüger. reits dor feiner Einweihung 1427 den zten April mic Tode ‚abgegangen. | ' Eben Biken 5 erzaͤhlet man von ſeinem Nachfolger Dohann 4 von Beuſt, der 1427 den 16ten Sept. verſtorben Dar viele Diefe Johann 4 (een une mit 4 aͤhlen pflegen, ſondern gleich, nach dem Otto von Rohr, von Beuſt. | Barzäor 17 Ber akar, Wer son eat ober Römipt eisen mehr davon lefen will, fin: det es hauptfachlich in mehr erwehntem Walıhe riſchen Programmate, im Angelo p. 167, im Steinii Epitome hiftor. und in den Lude wigi⸗ ſchen Religu. T. VIII. p. 286 fq. E 348 iq. im 143 fegq. p. 200 204. Cranzii Van: ‚car Leuthinger p:33:\258.1,$abeir Ori. in. et Annal Miln. ad a 1444. Wer, den einen Autorem wicht hat, hat wol den andeen. Mich eckelt, der Poflen weiter zu gedenken vors erſte, indem doch noch am Ende hin den Ausgang berichten ** Als die Pfaffen es Anno 1481. derh churfuͤr ffichen Landeshauptmann allzu färtimm " machten, daß fie manchen unfchuldigen Menfchen 4 ‚Curt weder ehrlich, OR ——— faffen , noch; ihm, die Beichte hören, ward der Churfuͤrſt endlich der Poſſen uͤberdruͤßig, und antwortete jenem auf ſei⸗ ne Querelen: Man muß ſich des Teufels wehren mit dem heiligen Creutz. Wir wollen nicht lange jemand unbegraben *— laſſen. Man ‚finder. mot Leute die ſie begraben, iſt es doch der neun fremden Suͤnden eine, der es nicht thut und ver⸗ mags,, Wie that Sebaſtian Sediendorf, da er im fterben war ju Eulmbach, und der- Bifchof Interdict darlegte? Er ließ die Todten dem Pfarcheren ins Haus tragen, wolte er den Ge⸗ ftanf nicht leiden und die folgende Beſorgniß, er muſte fie wol begraben laſſen, fo muß man im letzten Ende jeden Beichte hören ir. vid. P. Schäfer p. 57. 220 18 Th. 7 Hauptſt. Neuere Sefchichte von Brandenbiig: —— Conrad von | Conrad als Bifchofivon Havelberg angeben·Er war von Geſchlecht einer von Lintorf. Wedigo Gans Lintorf. Man beſchreihet ihn als einen milden freudigen Herrn / der beſonders um der Frauen Dienſte willen verſchiedene Schenkungen verrichtet. Schon iger am Hie⸗ ronymitage verſchrieb er ſich gegen den Chutfuͤrſten daß, wenn ihn ver Papſt beftäs tigte, er mit feinem Stift, deſſen Schloffern, Städten und Landen ſich zum Marge i grafen und deflen Exben halte wolle,; wogegen ihm der Marggraf allen Schuß vers forach.. · Denen Bürgern von Witſtock ſchenkte er zu ihrem Pfingfktanzplaße den dor) tigen Roſenplan. Anno 1438 anf Exaudi wird er in einer Urkunde Biſchof von Ha⸗ velberg und brandendurgiſcher Rath, genennet. Im Jahr 1444 muſte er als chur⸗ fuͤrſtlicher Rath einige Streitigkeiten zwiſchen der Aebtißin von Quedlinburg und der Stadtobrigkeit beilegen. Im Jahr 1446 wurden vom Papſt Eugeniv 4 die Kirchen zu Brandenburg und Havelberg, Pramonftratenferorvens, auf — drichs Anſuchen, in foͤrmliche Cathedralkirchen verwandelt, und dem Biſchof von Le⸗ bus / ſolches in Stand zu ſehen aufgetragen · Im Jahr 1456) muſten hin derſchie⸗ dene von Adel eine Urpfede ſchwoͤren, da ſie wegen gebrochenen en. gehalten wurden. Im Jahr 1458 wolte er mic dem Churfürften zu Felde gehen, um ven mecklenburgiſchen Raͤubereien Einhalt zu thun. Mit dem Erzbifchof Friedrich von Magdeburg verfiel er wegen des wilsnackſchen Wunderbluts in Heftige Streitig⸗ keiten. Jener wollse die Wallfahrten nach Wilsnack abgeſchaft dieſer beibehalten wiſſen. Sie belegten ſich einander mit dem Bann, und waͤren — — nen Krieg gerathen. Im Jahr 1460 gieng er mit Tode ab.” Wedigo Gans edler Herr von Putlitz ward nunmehr Biſthof Dieſer edler Herr von Praͤlat machte viel Aufſehen, war ein junger dem Trunk ergebener Herr, guter ka 105 Redner und wackerer Soldat." Er führte ſchon unter dem vorigen Biſchof Völker ge⸗ gen diejenigen an, welche das tand mit Befehdungen und Pladereien rückten. Nach angetretener bifchöflichen Wide wurde ihm 147raufgetragen, darüber zu halten, daß fein mörfifcher Unterthan unter fremde Gerichte gezogen wiirde. Sonderlich hatte er mit den Herjogen von Mecklenburg wegen ver Grenzen vielen Streit. Bald hats AR m teidiefe, bald jene Partey Vortheile, wobey aber beiverfeitige Dbrfer mit Raub und Brand verheeret wurden. Der Herzog von Mecklenburg ließ ihn einmal zum Streit ausfordern / und als folcher nicht · erſchlen Pottete er feiner mic den Worten: Wo Blift nu de Koͤſter van der Wilsnack Doch der Blſſchof zeigte "nachher fine Uns kunft mit Rauben und Plündern. Er fehonte dabey weder Kirchen noch Klöfter, und etöftere ſich damit, „daß er fie, wenn fie entweihet worden, doch, wieder weihen fünte,,, Als er einmal mit den Papenbröcer Bauren Streit bekam, trieben ihn folche,. da er eben micht viele Leute, bey ſich Hatte, mit Steinen und Berfjeugen der landwirth⸗ ſchaft unter den Morten zum Dorfe hinaus: ‚fo muͤſte mah ihm die Caſel anlegen. * Bey ſeinem Betragen war es kein Wunder, daß man mit allem ein Geſpoͤtte —* was die Geiſtlichen angieng. Der Biſchof hatte hiebey noch ein anderes Ungluͤck, d er fi ie mit —* — MEI 2 er eine "ae brau die a J R— rer hi 46 FU Hit NE ‘ Hi an \ ‚geben , y 24 de x — Erſter Anhang. Bon den ehemaligen Bifhöfen von Havelberg. 321 geben verlor, Der auf eine ſolche Art an einer wehrloſen Perſon begangene Mord hins derte ihn, nach denen Kirchengefegen, geiftliche Handlungen zu verrichten, und noͤ⸗ " thigte ihn, zu diefem Zweck einen Weihbifchof Hermann anzunehmen. Biſchof Wedigo aber blieb’ jedennoch immer bey feiner Hige. Er machte auf ven Vorkauf der Waffermühlen zu Witſtock Anſpruch, und kam darüber mit diefer Stadt in Streit, Die Bürgerfchaft Fam zuſammen und in die Waffen, und wolte die bifchöfliche Burg ſtuͤrmen. Auf die Vorftellungen des bifchöflichen Befehlshabers aber, der vom Thor⸗ hauſe an der Brücke alle die Gefährlichkeiten hererzaͤhlte, welche die Bürger, fich und den ihrigen hiedurch zuzögen, ward alles wieder ruhig: Demohnerachtet Tieß der Bir ſchof von der Plattenburg und andern Häufern alles Gefhäs auf das Witſtocker Schloß bringen, und wolte die Stadt in Brand fehüffen. Weil aber ver Wind ſtets nach der Burg zuwehete, unterblieb die Abfeurung des Gefchiges, aus Furcht, daß die Flamme das Schloß ergreifen möchte. Jedoch find ſowol einige Bauren, die das SGecſchuͤtz über den Mühlendamm auf die Burg zu bringen bemüher waren, als: auch ein Bürger in diefem serm etfihlagen worden. Churfürft Johann trat endlich ins Mittel, kam 1480’ perfonlich nach Witſtock, und verglich diefe Streitigfeit 1482, Er bat auch 1472 Krieg mit dem Stift Brandenburggeführer. Auch in den Krieg, den das Haus Brandenburg mit Herzog Hans von Sagan wegen des Herzogthums Croß fer führete, war unfer Bifchof verwickelt. Er ward aber 1477 den gten Zul. bey Srankfurt von faganfchen Neutern gefangen, und nad) Sprottau gebracht. Als er aber 1000 Ducaten Loͤſegeld entrichtet, ward er nach einigen Monaten wieder auf - freien Zuß gefegt. Der Ehurfürft Johann trug + Friegerifchen Prälaten 1478 auf, nebft dem fandeshauptmann ver alten Mark‘ ilhelm von Pappenheim, das fand vor den häufigen Straffenräubereien ficher zu ftellen. Beide zogen die Bürger aus dem altmärfifchen und priegnigifihen Städten an fih, und giengen auf dies jenigen los, welche fich verdächtig gemacht haften. Funfzehen Raubſchloͤſſer wurden damals erobert und von Grund aus zerflöret. Die Vornehmſten von denen, die man ſchuldig befand, verloren ihre Köpfe, und doch war. Diefes noch nicht hinreichend, die völlige Sicherheit zu bewirken. Er gieng jederzeit geharniſcht. Bifchof Wedigo war auch 1476 bey dem prächtigen Einzuge Erzbifchofs Ernſt von Miagdeburg gegenwärs tig. Er ſtarb endlich auf dem Schloffe Plattenburg ven z3ften San. 1487. T $. 134. J Bufloı von Alvensleben war fein Nachfolger. Ludolph von Alvensleben Buflor von und Anna von Buͤlow waren feine Eltern. Durch feine Gelehrfamfeit Harte er ſich Alvensleben. die Würde eines Doctors beider Nechte erworben, Dem Churfürften. Johann war er feine Erhebung zur biſchoͤflichen Würde ſchuldig. Er ſprach 1490 den Fritz von der Schulenburg und Tiedecfe von Luͤderitz zu Salzwedel, auf Verlangen des Bifchofs Zohann von Hildesheim und Verden, vom Kirchenbann los, worein fie der Bis ſchof von Verden deswegen erfläret hatte, weil fie den Ludolyh Verdemannen von Dfterwalde gefänglich weggefuͤhret Hatcen, Die alte Mark gehörte zum Theil uns pP. allg. preuß. Gefch. 3Th. ©; ter Dtto 2 von © Koͤnigsmark. Johann 5 von Schlabern⸗ borf, Hieronymus Schals von ran Bramſchuͤtz. 322 3The 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ter den Kirchenſprengel des Biſchofthums Verden. Im Jahr 1492 entſtund eine — Wallfahrt nad) Sternberg im Mecklenburgiſchen wodurch der wilsnackiſchen eb niger Abbruch geſchahe. Er iſt den 12tem Det. 1493 aus der Welt gegangen. 2 Otto Avon: Königemark ward vier’ Tage nach des vorigen Tode erwaͤhlet. Den Tag vor Michael 1494 ward er vom Biſchof Dietrich von Lebus eingefuͤhret. Es iſt naher falſch, wenn einige folches bey dem Jahr 1500 beibringen. Im Jahr ww den zofien Auguſt gieng ex bereits mit Tode ab. Dohann 5 von Schlaberndorf, der auch die Höchfte Wirte in * — — ſich erworben, ward den 29ſten Auguſt asor gewaͤhlet, und den 23ften San. 150ʒ in ſein Stift eingefuͤhret. Der letzte Graf von Lindau und Ruppin, - Wiegmann, ſtand unter feiner Vormundſchaft. Zu feiner Zeit gieng mit dem Doms capitel eine wichtige Veränderung vor. Bisher hatte die Domfirche nur ein Klofter geheiſſen. Die Domherren hatten, als Mönche des Prämonftratenferordens, einen Prior uͤber ſich, müften fich wie Mönche kleiden, und in einem gemeinfhaftlichen Speifefaal ihre Mahlzeit einnehmen. Papft Zulius 2 aber fprach ſie von allen Diefen Drdensregeln los, machte fie denen Domherren zu Magdeburg gleich, und verſtattete ihnen befondere Wohnungen und Küchen. Es ftellte jedoch das Domcapitel eine Bew ficherung aus, daß diefe Veränderung denen bisherigen Nechten des. fandesherrn ums ſchaͤdlich feyn jolten So oft der Ehurfürft oder feine Räthe und Diener auf den Dom zu Havelberg kaͤmen, fo folten fie nach wie vor auf der Domprobſtey freye Wohnung und Zehrung haben. Im Jahr astı ließ der Biſchof das Geberbuch und die veſtgeſetz⸗ ten Regeln vor fein Stifedruden. Er wohnete den Nitterfpielen zu Neuruppin ben. Als die märfifchen Landſtaͤnde ‚gegen die Stade Nuͤrnberg Hülfe verwilligten, ver⸗ ſprach er/ 12 Meuter dazu ſtoſſen zur laſſen. Die Geſchichte ruͤhmet ihm nach, daß er ein rechtſchaffener Geiſtlicher geweſen fleißig die heilige Schrift geleſen ſeine canoni⸗ ſche Singſtunden ſelbſt abgewartet, und mit ſeinen Domherren einen Vers um den an⸗ dern gebetet habe. Er war ein Vater und Verſorger der Armen, fuͤhrete jedoch zu⸗ gleich einen anſehnlichen Hofſtaat, und hielt einen woplbefeßten Marftall, Den 1aten ing. 1520 gieng er zu Grabe. F Das Domcapitel wählte zwar hierauf den Georg von Blumenthal — ſchof. Weil man aber hiebey die Empfehlung des Churfuͤrſten, als Landesherrn, 4 abgewartet, ſo wolte dieſen Georg der Churfuͤrſt Joachim ı nicht erkennen, ob ihn wol Papft Leo 1o bereits beftätiget hatte, Der Erzbifchof Albrecht von Mainz und Magdeburg unterftügte die Nechte feines Bruders. des. Churfürften ſo wohl, daß Georg von Blumenthal endlich zuruͤck trat, und dafür die Anwartſchaft auf das Biſchofthum Lebus erhielt, wo er, fo wie auch im Stift Nageburg — ger worden. ı Zum Stift Havelberg beförberte ver Churfürft Soachim u den Hieronymum von Gramſchuͤtz, einen Liebling des Hofes, der bereits Bifhofvon. Brandenburg war. Wir wollen unter den Bifchöfen von Brandenburg von ihm mit mehren handeln. Churfuͤrſt Joachim führere ignaszıden Abend vor Laurentii, in Be⸗ glei⸗ — Erſter Anhang. Bon den ehemaligen Bifchöfen von Habelberg. 323 gleitung vieler Herren: und Ritter, unten den Bedeckung einer groffen Anzahl Reuter, mic Derler Pracht in Witſtock feibft ein, Der neue Biſchof von aavelberg bat fich aber in dieſem Stife bald. darauf einen Coadjutor zum Gehuͤlſen aus, wozu Buſſo von Alvensle⸗ ben ernannt wurde, Bey diefer Gelegenheit jtellte Das Domcapirel-den-aiften Jun. 1522 eine Urkunde aus, In derfelbengeftund es, Daß, weil die Zinfen und Einkünfte ihrer Kicche unter der Landeshoheit, Herrfchaft, Gerichtbarfeit und Schuß der Churfürften von Bran⸗ Denburg belegen, und weder fienod) ihre Unterthanen ben ihren Öürern ohne dieſen Schutz bleiben Eönten, dem Churfürften aber viel daran liege, daß der jedesmalige Biſchof ein Mann fen, aufdeflen Treue man Rechnung machen koͤnte; ſo folte es Fünftig bey Befegung der bis fchöflichen Würde fo gehalten werden, wie es feit den Zeiten Bifchof Conrads, und ſolg⸗ lich feit dem Regierungsantritt der hohenzolleriſchen Churfürften, üblich gewefen, und niemand Bilchof erden, als der vom Churfürften hiezu ernannt werden. Bald darauf gieng Sieronymus von Bramfehüg den 2gften Det. 1522 mit Todeab: = 9 Buffo von Alvensleben, der bisherige Eoadjutor, mar jein Nachfolger. Geb⸗ Buſſo 2 vog hard von, Alvensleben und Sypolita von Buͤlau brachten ihn 1468 zur IBelt. Seine Alvensleben. Geſchicklichkeit brachte ihm die hoͤchſte Wuͤrde in der Rechtsgelahrheit und die Stelle eines Domprobfts in Brandenburg zuwege, worauf er erſt Coadjutor, denn Biſchef von Ha⸗ velberg wurde. Im Jahr 1528 zog er mit 140 wohlgeruͤſteten witſtocker Bürgern dem Churfuͤrſten zu Huͤlfe, als Nico laus von Minckwitz die Stadt Fuͤrſtenwalde gepluͤn⸗ dert hatte. Doch der Zug gleng nicht weiter, als bis nach Berlin. Denn nach vierzehen Tagen hatte dieſer Krieg ein Ende, und. die zuſammen gezogenen Voͤlker giengen auseinans ders Unter ihm ward vom Churfuͤrſten Joachim 2. 1539 die Kirchenverbeſſerung einge⸗ ſͤhret, Biſchof Buſſo von Alvensleben blieb jedoch unwandelbar bey den altdaͤterli⸗ chen Auffatzen der catholiſchen Religion, und bewies ſich jederzeit als ein heftiger Ver⸗ echter dieſer Kirche. Er ſtarb endlich zu Witſtock Freytags nach Cantate im Ma nat May 1548, und ift, fo wie fein Vorfahr, zu Witſtock begraben. . Vielleicht, wirkte er den Schußbrief Kaifer Carls s vor das Stift aus, ‚der ben zoften Sept, 1545 in Bruͤſ⸗ fel ausgefertigrt worden. Es folgte, Oo m nn nn i Bat et) 20 Pape op $. 135. j it ” us \ Sriedrich Marggraf von Brandenburgein Soßnbet Churfuͤrſten Joachims 2 Friedrich von Brandenburg und. Magdalenaͤ von Sachſen, geberen den ızten Der. 1330, marggraf von Er hatte eine Exziehung,genoffen, die feiner Geburt gemäß war, . Im. rzten Jahr feines, Drandens Alters befuchte er die hohe Schule zu. Frankfurt an der Eder, und legte. ich da eibſt burs. mit vielem Ruhm auf die nörhigften Wiſſenſchaften. ‚Schon den .ıgten Ful. 1548-wärd er, auf Ernennung feines Herrn Vaters, zum Biſchof von Havelbertg erwähle. Unter ihm ward die Rirchenverbefferung in Diefem Stift völlig zu Stande gebracht. Schon 1547 war er zum Coadjutor bes Erzbifchofs von Magdeburg und Biſchofs von Halberſtadt Marggraf Johann Albrechts erwaͤhlet. Da nun diefer den izten May 1550 verſtor ⸗ ben, verzoͤgerte anfaͤnglich der. Papſt die Beſtaͤtigung unſers Sriedriche, Die jedoch 551 er Erzbijchef von Magdeburg erfolgte, worauf er 1552 auch das Biſchoft hum Hals berſtadt erhielt. Im Merz dieſes Jahres nahm er vom Erzſtift Magdeburg Beſitz, und da er nach einigen Monaten nad) Halberſtadt abgegangen, ſtarb er daſelbſt gleich nach feiner Einführung den zten Oct. 1552, Bald giebt man bie Peſt, bald ein gar zu ei ge brauchtes Bad, bald ein empfangenes Gift, bald ein verfto —— — zur ür ſache feines Todes an. Es wurde ſolcher anfänglid) geheim gehalten, nachnrals ward fein Köre per im hoben Chor der halberſtaͤdtiſchen tage vieler Pracht zur Erde beftats sis. 8 2 tet, Joachim Friedrich. 324 3Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. | tet, und ihm ein koſtbares von Stein ausgehauenes Ehrendenkmal geſetzt, wo fein Bild niß in Lebensgroͤſſe zu ſehen, welches mit vielen ſinnreichen Bildern und Schriften k) gezierer iſt Unter andern ſtehet an der einen Seite der Teufel, und ſchreibt die Sünden auf, auf der andern die Barmherzigkeit, welche Die Schrift entzwey reißt. ‘Er muß eineprächtige Hofe haltung gehabt haben, da felbige blog dem Stift Magdeburg in den 25 Worhen feiner dortigen Regierung 22000 Gulden gekoſtet. Nach diefes Heren Tode wurde zwar 1553 Georg von Blanckenburg von dem Churfürften Joachim 2 zum Stiftshauptmann von Zavelbergz auf Zeitlebens beftelle. Es verglich fich aber 1354 der damalige Ehur- prinz mit diefem Georg von Blanckenburg dahin, daß felbiger, mir Beibehaltung des Ehrennamens eines Stiftshauptmanns, gegen anderweitige Bortheile,das Stift dem Enfel - des Ehurfürften Joachims 2 und älteftem Prinzen Johann Georges, Marggrafen Joachim Sriedrich abtrat. Es war diefer Herr den 27ſten "Tan. 1546 vonder liegnigifchen Prinzeßin Sophia geboren, und alſo nur 7 Yahr-alt, da er das Biſchof⸗ thum Havelberg erhielt. Sein Here Vater unterzog fich daher ber Bormundfchaft mit vielem Ruhm. Zu feiner Zeit ward 1550 das Wunderblut zu Wilsnack von dem evangelifehen Prediger Joachim Ellefeld zerftöret, deffen Anfehen Derrus Conra⸗ di, ein Mann von den ausfchweifendeiten Sitten, bisher zu behaupten gefucht haste. Toschim Sriedrich ward auch 1555, unter der Vormundſchaft feines Herin Waters Biſchof von Lebus, und 1566 Erzbifchof von LTagdeburg, von welchem letztern Stift er 1567 Befiß nahm. Dieſer iſt der legte Bifchof von Havelberg geweſen. "Denn unter ihm wurde veftgefeßt, | fein Biſchof von Havelbergg weiter er⸗ tift unmittelbar von einem jedes maligen Chur⸗ waͤhlt oder geſetzt werden, ſondern dieſes afı fuͤrſten von Brandenburg, jedoch mit Beibehaltung des hochwuͤrdigen Domcapis tels, regieret werden folte. Als daher 1594 auf dem oberfächfifchen Kreistage zu Leipzig die Landſtifter fowol, als die Grafihaft Ruppin, als unmittelbar angefegt werden wollen, legten die churfürftlichen Geſandten dagegen einen Widerfpruch ein, und als 1598 Joachim Sriedrich feinem Heren Bater im Ehurfürftenehum Branden⸗ burg folgte, fo ift feit der Zeit weiter Fein Biſchof von HZavelberg mehr gemwefen, und durch den weftphälifchen Frieden ift diefe Einrichtung auf ewig beftätiger worden, Das Hochwürdige Domkapitel ift aber bis jego, zum Beften der brandenburgifchen adelicyen Häufer, beibehalten. Unter Sriedriche 2 Regierung iſt demfelben ein befon- | deres Gnadencapitelsfreug ertheilet worden. Diefes Kreug ift von Golde, purpur emails lirt, und in acht Spitzen auslaufend. Auf der rechten Seite ſiehet man den koͤniglich preußiſchen fehwarz emaillirten goldgekroͤnten Adler, mit dem Donnerſtrahl im weiſſen Felde, und auf den vier Ecken die koͤniglichen Namensbuchſtaben F.R. Auf der andern Seite aber die Patronin gemeldeten Domcapitels, nemlich die Mutter GOttes, das Yes ſuskind auf beiden Händen haltend. Die Herren des Stifts fragen ermähntes Zeichen an einem weißgewäfferten und purpurberandeten Bande, und Sasjenige Kreutz, welches. ihnen auf den Rock geftickt wird, iſt von purpurrother Seide und weiß eingefaße G9rr erhalte ſaͤmtliche hochwürdige Mitglieder des Domftifts im Segen! | Ä hy Neben-dem Titel diefes Herrn ſtehen folgen: et vmbra ſumus, fola falus adhaerere Deo, ſunt de Worte: Quid valet hie mundus, quid gloria, , caetera fraudcs. anno 1558, Vigilate, quia ne- guidue triumphus, poft miferum fürmus, puluis feitis diem neque horam, ai | we A ag Zwei⸗ — — * | | — J— 325 = Zweiter Anhang. Biſchofthum Brandenburg BRETT IE TEE NE TRIER PETERS PN | $. 136, Ä | 7 DO 9% cr Kaifer Otto ı pflegte feine Entwürfe allemal ganz auszuführen. Er Stiftung des volte das wendifche Volk zum Chriſtenthum bringen, und zu diefem Mittelbaren > Behuf die unter ihnen zu gruͤndende Kirchen gewiſſen Bifchöfen unter: Be Bi; werfen. Da er nun in diefer Abficht auf vereinen Seite des Strume⸗ burg. fluſſes das Bifchöfehum Havelberg errichtet hatte, fo ward ‚auf der ‚andern: Seite an die Stiftung eines andern Bifchofthums gedacht. Die Schriftfteller geben mehren theils die Stiftung des Biſchofthums Brandenburg früger, als die Stifrungsurfuns de felbft, an. Es kann wol feyn, Daß Henrich der Vogelfteller und nach ihm Otto der Gxoffe fehon zeitiger an ‚die Errichtung des Bifchofchums Brandenburg gedacht, fo oft fie nemlich-in den damaligen Kriegen mit denen Wenden zu vefter Gründung des Chriftenchums in diefen Gegenden Hofnung hatten. Es Fam aber die Sache erſt 949 zu der Zeit zum Stande, als der Kaifer Otto weiter als jemals in feinen Kries gen gegen die Menden gekommen war. Der Kaifer bedienere fich hierbey ebenfals des Raths derer, welche bey Stiftung des Bifchofthums Havelberg gebraucht wors den, nur daß hier nebft dem hamburgifchen Erzbiſchof Adaldag noch andere vorneh⸗ me Hofleute gebraucht worden. ‚Borzüglich gefchicht des Marggrafen Gero in der, Urkunde Meldung, in deſſen Marggraffchaft auch diefes neue Bifchofchum feinen Stiftes forengel befommen ſolte. Die Stiftskirche wurde zur Ehre unfers Heilandes und des Apoftels Petri in der Stadt Brandenburg errichtet, Ditmar zum .erften Bifchof beftellet, feine Einfünfte aus denen unbeweglichen Gütern Ottonis vefigefest, und feinem Kirchenfprengel die gehorigen Örenzen beftimmt. Es waren folches gegen Mors gen die Dder, gegen Mittag und Abend die Elbe, gegen Mitternacht die Provinzen Umeri, Riaciani und Daßia, nur daß einige Zehnten dieſer Gegend dem Kloſter, welches Dtto in Magdeburg geftifter, vorbehalten find, Man fieher, daß zum Kir, cheniprengel dieſes Stifts, auffer dem gröften Theil der zwifehen der Dder und der Elbe belegenen Marfen, noch ein anfehnliches von Churfachfen, Anhalt und der Lauſitz gehöret habe. Die fo wohlangegebene als verſchwiegene Bewegungsgruͤnde zur Errich⸗ tung Dicfes Stifts waren eben diefelben, welche die Stiftung des Biſchofthums Has velberg veranlaffet Hatten. Es wurde * Biſchofthum Brandenburg ebenfals im | | 83 geifts Birhof Dit war Ä Dodolin. volemar. F ‚eben in der Stadt. Der Biſchof flüchtete daher nebſt feinem Beſchuͤtzer Marggraf J 326 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. geiſtlichen anfaͤnglich der Aufſicht des Erzbiſchofs von Mainz übergeben, bis es nach⸗ her den Exabifjof von Magdeburg zum Vorſteher im Geifichen bekam. les, was ich im vorigen Anhange von der Mittelbarkeit des Stifte Havelberg beigebracht, gilt ; aus eben den Gründen von ber dandſaͤßigkeit des Bifchofthfums Brandenburg. Ich darf mich daher, weil ich eine Staatsgefhichte zu liefern verfprochen, nicht ® allen Handlungen der Bifchöfe von Brandenburg aufhalten, fordern muß mich begnügen, nebſt der Folge dieſer Bifchöfe blos dasjenige zu erzählen, was einigen Ein uß in die Geſchichte des ganzen Landes hat. Sch werde mich in dieſer Gefchichte vorzüglich an ‚Die von dem Heren Hofrach Lent gelieferte brandenburgifche Stiftshtſtorie halten, icke als zugleich aber auch die Urfunden hieben zu Rathe ziehen, welche ſowol Here Gericht Herr Delrich ans ticht gebracht, . — — PET, Du “ pe „1% Da die Zeit der Stiftung dieſes Biſchofthums ſtrittig iſt, fo darf man fich verwundern, wenn fich die Schriftfteller darüber nicht vereinigen Eonnen, wer der ers POT: F % fie Bifchof gewefen. Die Stiftungsurkunde giebt den Ditmar an. Vielleicht war er ſchon vorher. an einer in der Stade Brandenburg erbaueten chriftlichen Kirche be⸗ ſtellter Geiſtlicher, an welcher vielleicht vor ihm noch) ein anderer bereits gearbeitet hat⸗ te. Wenn man aber die Entwürfe der Errichtung des Bifchofchums von der wirk⸗ lichen Stiftung unterfeheider, fo ift dieſer Ditmar der wirkliche erfte Bifchof geweſen, von dem wir aber übrigens Feine Nachrichten weiter haben. Ihm muß ohngefehr 969 Dodolin gefolger feyn. Da der Kaifer 967 das Hochftift Magdeburg errich⸗ tet hatte, und der erſte Erzbiſchof Albrecht eingefuͤhret werden ſolte, ſo wurde auch dieſer Dodolin vom Kaiſer angewieſen, dem neuen Exzbifchof die gehoͤrige Unterwut⸗ figkeit anzugeloben, worin auch Erzbifchof Hatto von Mainz einwilligte. Er wird von Zeitgenoffen ausdrücklich der zweite Biſchof genennet, und ward ohngefehr 980 von feinen eigenen Leuten erdroffelt. Als bald darauf die Wenden 982 das Chriſten⸗ thum mehrentheils alle wieder abſchworen, und zugleich den Deutſchen alle jenſeit der Elbe beſetzte Plaͤtze abnahmen, ward auch 983 den iſten Jul. um ı Uhr Rachmittag die Stadt Brandenburg von den Wenden eingenommen. Damals rig man ven vor. drey Jahren verftorbenen Dodolin wieder aus feiner Gruft heraus, plünderte fein Sterbegeräthe, fo daß der, welcher bey feinem teben von den Heiden viel ausgeſtan⸗ den, auch nach feinem Tode Feine Ruhe Hatte. Es gefchahe folches unter feinem Nachfolger — Volemar.Es befand ſich dieſer dritte Biſchof Gen dieſem wendifchen Einfall Dietrich und der Beſatzung einige Stunden, ehe der Ort uͤbergieng, fort, und hie— durch entſtund in ſeinem Stift ſowol, als bey ſeiner Stiftskirche eine graͤuliche Ber⸗ wuͤſtung. Sn der biſchoͤflichen Kirche ward der alte heidniſche Gotzendienſt wieder her⸗ geſtellet, das Kirchengeraͤthe gepluͤndert, die Geiſtlichen gefangen, und alles, was * — ’ u. — * er N — — — — Pe AR re un) a! 3 —* Tu IE RR E Pr 1 ar — Zweiter Anhang. Vom Bifchofthum Brandenburg. \ 327 ſich widerſehzte niedergeſtoſſen. Die übrigen Schickſale diefes —— * anbelande, — unausgemacht, wenn Wigo Biſchof geworden. Er muß es aber bereits vor 1004 gina Rom. R PR ſich die Deutfchen auf die Friedensſchluͤſſe mit den Wenden und auf die vaben gethanen Verſprechungen niemals verlaffen Fonten, fo gab der Kaifer Henrich 2 dem Biſchof Wigo und ſeinem Stift die Freiheit, ſich ſelbſt einen Stiftsboigt zu waͤhlen. Es war ſolches um fo nöthiger, da nach verſchiedenem Wechſel der Oberherrſchaft über: die Stadt Brandenburg zwiſchen den Deutfchen und Wenden, dieſer Ort endlich ‚in den Händen der letztern —— Es ſcheinet, daß er 1018 zu Grabe gegangen⸗ — —— Ezilo, bisheriger Abt im Kloſter Ilſenburg/ ward in dieſem Jahr zum Be? ſchof von Brandenburg ernannt: Er ſtarb in dieſem Dt, und ward in der Doms Ficche begraben. Sein Nachfolger war Luſſo, zu deffen Zeit die Wenden mit den Polacken Kriege führeren, * mals aber ſich mie diefen gegen die Deutfihen — Mierislaus 2 polniz ſcher Oberherr bekam Hierdurch freie Hände, im Jan. 1030 einen Kriegszug bis gegen ‚die Saale zu unternehmen. Mehr ald 100 Dörfer zroifchen der Elbe und Saale wurben'eingeäfehert. Ueber gooo Ehriften gefangen weggeſchlept, unter welchen fich auch unſer Bifchof befand. Man ſchonete ver Altäre nicht, alles ward mit Mord er⸗ —J fuͤllet und mit Blut beſudelt. Der Feind eignete ſich auch die vornehmſten Kloſter⸗ frauen mit bewafneter Hand zu, und der Tod war die beſte Erleichterung ihres Uns glaͤcke. Andern ehrbaren und ſchwangern Frauen gieng es nicht beſſer, wofern nicht das feindliche Schwerd und Spieß gegen ſie mitleidiger war. Den Greis, den Ge⸗ brechlichen, den Sterbenden, den Saͤugling konte der Umſtand nicht ſchuͤtzen, daß er zu aller Gegenwehr unfaͤhig. Kurz die Noch und der Jammer der Chriſten wurde noch um ein merkliches vermehret, da nach einigen Unterhandlungen mit den Wen⸗ den, die der Kaiſer Conrad 2 1032 und 1034 zu Werben angeſtellet Hatte, der Krieg zwiſchen den Deutſchen und Wenden noch weit hitziger bis zum goslarſchen Frie⸗ | densſchluß 1039 angieng. Es folgten hierauf innere Kriege der Wenden unter fich, die wieder mit den Kriegen der Deutſchen abwechfelten, daher man auch von denen brandenburgiſchen Bifchöfen in dieſen Zeiten wenig mehr als den Namen angemer⸗ em * Dies gilt von Tancward der 1051 das Moͤnzrecht Gifte | DZohann, einem Schottländer, der um 1064 gelebet, nach Ioland geſchickt, und 1006 erſchlagen worden. Andere halten ihn vor einen mecklenburgiſchen * und rechnen ihn nicht hieher, moͤgen auch wol hiezu Grund haben. —* Dietrich I, der 1068 ans Stift gefommen, und Dietrich 2, der 1070 zu diefer Würde gelanger fern fol, Dieſer kat auf der eBeefarnmlung, der deutfchen in zu en unter —— 4 1076 den Papft Gregorium 7 abſetzen. als Wigo. Ein Luſſo. Tancward. Johann. Dietrich L Dietrich 2 328 3 Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Bolcmar 2. Herbert. Rudolph. Sambert. Wiger. Wilmar. Siegfried marggraf von Branden⸗ Burg. Bolemar 2 oder Bolchard ver gluͤckliche und wunderthärige, welcher bis 1068, — zu Hildesheim, nachher ums Jahr 1068 Duff von Brandenburg Herbert oder Hartbert, der vor ıor zur Wuͤrde gekommen, und noch 111g gelebet. Ludolph lebte zu den Zeiten des magdeburgiſchen Erzbiſchofs Norberti, der den Praͤmonſtratenſerorden geſtiftet hat, und dem zu | if | gefallen das Stift Brandes burg ebenfals diefen Orden angenommen, da bisher die Domherren —— ge⸗ ne * * zur Zeit des letzten wendiſchen Königs Henrichs, und fehrieb ich noch von Gottes Gnaden, ohne des apoftolifchen Stuls dabey zu fen | Nachfolger ſch aben zu sehen Sein Lambertus, bisheriger Abe zu Ilſenburg, reifte ohngefehr 1136 nach Kom, ward aber auf der Ruͤckreiſe auf dem Berge Pafal von Mördern 113g im San. erſchla⸗ gen, und and) daſelbſt begraben. F Wigerus, bisheriger Probſt zu U. & Sr. in Magdeburg, ein Praͤmonſtra⸗ tenſer, Fam 1138 zur bifchöflichen Würde. Im Jahr 1139 beſtaͤtigte er die Sri u | = [4 4 4 2 z heiten. Da zu feiner Zeit bie überelbifchen tande an Albrecht den Bär — ſo wird es unter ihm in dieſer Geſchichte mit einmalticht. Im Jahr ira7 gieng er nebſt Anſelm von Havelberg und andern gegen die Wenden zu Felde, und xı57 half er bie E Stadt Brandenburg dem wendiſchen Prinzen Jaſſo entreiffen. In diefem Ort machte er, nachdem die vorige Petrificche verwuͤſtet worden, die Gotthardskirche zur Doms firche, die nachhero den Namen des Apoftels Petri führere. Er zerflörete Die Gbgen Bilder, und ward vom Marggrafen Albrecht dem Bär Hierinnen unterſtuͤ , : ’ 7 ie Au der Kirchenverfammlung zu Pavia erklaͤrete er fich 1160 durch den a deburg vor den Papft Victor 4 gegen Alerander 3. Er foll fogar einen Kreugzug nach ven gelobten fande unter Kaifer Conrad 3 gethan, und den zen Jan. 1160 fein teben befchloffen haben, worauf man feinen Körper in der Capelle des Schl denburg begraben. pelle des Schloffes Bran⸗ Wilmarus war der rechte Wieberaufbauer des Stiftes Brandenburg. Denn zu feiner Zeit ward fein Kiechenfprengel durch viele neue Anbauer, die Marggraf Ab brecht ins tand 509, ſehr bevölkert, Der Marggraf verle — a m | gte das Domcapitel wieder in die Burg, und dieſer Albrecht ſowol als Marggraf Dito 1 find bey dieſem Stift durch ihre Schenkungen die rechten Wiebererbauer und neuen Stifter des Biſchofthums ——— — obgleich auch Kaiſer Friedrich... rı6r dem Stift Bran⸗ enburg alle deſſen Beſitzungen beſtaͤtigte. Der Biſchof Wil ha be. Ihm folgte in dieſem Jahr ſchef Wilmar gieng Ta Gra⸗ Siegfried ein Sohn Marggraf Albrechts des Baͤrs. Im Jahr rıss mag er noch nicht den geiſtlichen Stand erwaͤhlet haben, nachher ward er Chorherr im Kloſter | U. 8. Gr. zu Magdeburg. Als der Erzbiſchof Hartwig ı von Bremen den ınien Oct. Zweiter Anhang. Dom Biſchofthum Brandenburg. 929 Dit 116g: berftorben, kamen der bremifche Domdechant und diefer Siegfried auf die — Wahl. Sie wurden aber beide, auf Betrieb des Herzog Henrichs des Löwen, zuruͤck gefegt, und ber Domprobſt Balduin erwaͤhlt. Im Jahr 1173 beivies das Stift Brandenburg gegen die marggräflichen Schenfungen fich dadurch dankbar, daß es dies fen Siegfried zum Bifchof erwählte, Dagegen zeigte unter dieſem Heren Marggraf Dity ı dem Stife Die ganze Fülle feiner Freigebigkeit. Unter Siegfried fam Petrus Waldus in dieſe Gegenden, wodurch deffen Lehren auch hier befande wurden. Nach—⸗ dem der Erzbifehof von Bremen Baldırin mie Tode abgegangen, wurden abermals Berthold und unfer Siegfried im Zwiejpalt erwaͤhlt. Der Biſchof von Branden⸗ burg ward zwar in Rom als ein Spieler und uͤppiger Weltmann beſchrieben, demohn⸗ erachtet ſtand ihm jetzt Herzog Henrich der Löwe bey, fo daß er xıgo wirklich das Hoch⸗ ſtifft Bremen davon trug, in welcher Würde er 1194 geſtorben. Dadurch, daß Sieg fried das Ergbifchofehum Bremen erhalten, war das ee Brandenburg er⸗ Tediget, welches hierauf an Balderamum gekommen, der vorhero Probft u. &:, Fe. gewefen. Er mag bie Bifchöfliche Würde bis 1192 geführer Haben. Alexius, der ihm folgte, und diefes Nachfolger Winricus, der aber vielleicht gar nicht her gehoͤret, fanden in ihrem Kirchen ſprengel noch vieles zu befehren. Der legtere wird fogar in den nachmaligen biſchoͤfli⸗ hen Uefunden, worin man deren Vorfahren gedacht, nicht mit angegeben. Vielleicht IE Hierzu Anlaß. Mit mehrerer Richtigkeit als ven Win: | kann man * Norbertum anführen, der vielleicht ſchon 1195 Biſchof detsefen. . Er hat die Auer bis 1206 vorgeftanden. Unter * haben die Pipfie 1206 den Bifchbfen als —* Vorrechte zugeſtanden. Balduin war ſein Nachfolger, der 1207 — da er — geweſen. Er ſoll 1217 den ziſten May mit Zr abgegangen feyn. In diefem Jahre finden ſich bereits Urfunden vom Bifchof Siegfried 2,_ der darin feine nöchten Vorfahren in folgender Ordnung Nnführer, Wilmar, Siegfried, Balderam, 'Aler, Norbert und Balduin. Er ; muß 1221 aus der Welt gegangen feyn. Mach feinem Tode folgte eine ftricrige Wahl, da einige Ludolph von Schwanebeck, andere ven Probſt Wigmann aus dem Kloſter ME. Br zu Magdeburg haben wolten. Der Erzbifehof Albrecht von Magdeburg fie die Sache an den Papft gelangen, der, mit Berwerfung beider gewählten, Gernandum Domherrn von Magdeburg und Domdechanten von Brandes burg zum Biſchofthum beforderte. Er muß das Stift 1222 angetreren haben, In dem Kriege der Marggrafen von Brandenburg mie dem Erzbiſchof Albrecht von Magdeburg: mag er die Partey feines Wohlthäters des Erzbiſchofs gehalten haben. Dies war vielleicht die Urfache, daß Bifchof Wilhelm von Havelberg mic ihm in Krieg verfiel, worin Gernandus 1239 gefangen wurde. Er mag bis 1241 gelebt has P.allg. preuß, Gefch. 3 Th. =, ben, Balderam Alexius. Winricus Norbert. Balduin. Siegfried 2. Gernand. 330 38%: 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ben, und wird tagen feiner Gelehrfamfeit und guten tebensart gelohf. Tom folgte: Rutger. Rutgerus, bisheriger Schofafticus. im Stift Magdeburg. Unter‘ en J | ftand-1247 das Wunderblut zu Belis, und 1249 das Wunderblut zu Zedenic Im Jahr 1252 mag Rutgerus geſtorben ſeyn. Otto. Otto kam hierauf zum Biſchofthum, der bis 1263 gelebt haben mag. Jon folgte: Henrich z von Henrich I von Oſthern, deſſen Vater Conrad und Mutter Margavetha.ger oſthern. heiſſen Andere wollen ihn aus dem. ſchulenburgiſchen Haufe herleiten. Bis 1276 fommt fein Name in Urkunden vor. — Gebhard. Gebhard zeige fich zuerft 1278, Im Jahr 1281 machte ihn Marggraf Otto der tange zum Statthalter in Boͤhmen, da. er aber mit dem Kirchenſchatz zu Prag uͤbel umgegangen, alles Gold, Silber und Edelgeſteine weggenommen, und verſchiedene Kloͤſter zerftöret haben foll. Noch in dieſem Jahre ward ihm die, Statthalterſchaft abs genommen, und dem Biſchof von Prag, Tobia, übergeben. Im Jahr 1284 that er eine Neife nach Wälfchland, und 1287 wohnete er der Verſammlung der aan in Würzburg bey. Im April diefes Jahres iſt er aber mit Tode abgegangen. Heidenrich. Heidenrieus war ſein Nachfolger, welchem vielleicht 1290 Volradus. Volradus in der biſchoͤflichen Würde nach einer zwiſtigen Wahl: sfalgt. In | Jahr 1301 war er. noch am Leben. Mach ihm foll ein gewiſſer Johann 2. Johannes 2, der aber noch ſtrittig ift, dem Stift bis.1303 vergefianen Sun In Diefem Jahre aber ward Friedrich von Friedrich von Plauen Biſchof. Im Jahr 1312 wurde ihn nebſt andern Seift Piauen, fichen aufgetragen, die Guter der Tempelherren dem Johanniterorden einzu Im Jahr 1313 war er mit auf dem Turnier zu Roſtock. Er ſtarb 1316 den: Pre d. 139. Zohann 3 von: gohann 3 von —————— Er erlebte die Beränderung, daß * Mark Bran⸗ Tuchheim. denburg an das baieriſche Haus kam. Er gieng den sten Auguſt 1324 mit Tode ab. Sein Nachfolger ſoll en 2 von... Henvich von Barby geweſen ſeyn, der —* die päpfkliche Deftäcigung nicht * 7", Halten „und gegen dieſen ward ohngefaͤhr 1329 Ludwig von Ludwig von Neuendorf gefest. Er war 1324 im Zwieſpalt zurn Biſchof vom —— Halberfkadt erwaͤhlt. Weil er aber dafelbft vor Herzog Albrecht von Braunſchweig ‚nicht durchdringen konte, ward ihm vom Papſt das. Biſchofthum Brandenburg er⸗ theilet. Wegen des in Berlin ermordeten Abts in Bernau hatte er viel zu thun, bis — endlich der darüber ergangene Dann aufgehoben wurde. Das Stift. war unter ihm in groſſen Schulden, und ward über diefes von Straffenräubern fehr geplaget, daher unſer Bifchof 1339: mic vielen andern gegen diefelben fich zu Luͤbeck in ein — ließ. Im Jahr 1346 mag er und fein Nachfolger is Stephan .. Stephanus I 2347 die Welt verlaffen haben. Denn | o Va Zoelter Anhang. · ¶ Vom Biſchofthum Brendenburg. 331 — Dietrich 3 von ver Schulenburg kommt ſchon 1348 im Urkunden vor. Er Dietrich 3 von Tebte zu dee Zeit, da der falſche Woldemar vie Mark gerrürtete, Er hielt es wenige Ochulenburg. ſtens anfaͤnglich mic dem rechten fandesheren, worüber fich der Papft auch befchwerete) daß er feinen Bann niche ausführen helfen wolte. Im Jahr 1349 machte er mit dem Biſchof Burchard von Havelberg ein Bündnig. "Nachher war er des letzten Marge grafen Ottonis Nach, von dem er fich auch 1369 als Bürge für eine Schufoverfehrets bung gegen Johann von Anhalt brauchen ließ. Als fodenn das fand an das luxem⸗ burgifche Haus kam, war er bey’ Earl Fin guten Anfehen, dem er 1374 zu Tanger⸗ muͤnde aufwartere, und in die Einverleibung der Mark mic dem Königreich Boͤh⸗ men auf dem fandtage einwilligte. Er ward zugleich Farferlicher Nach mit einer Bes foldung von 100 Marf. Am Jahre 1380 hielt er eine Zufammenfunft der Geiftfichen feines Kirchenfprengels, wo man 28 Säge beftünmte. Als Sigismund die Marf verließ, ernannte er 1383 unfern Biſchof zu feinem Statthalter oder Vorſteher des fans des. Im Jahr 1388 ward er vom Sigismund nad) Trient als brandenburgifcher landſtand berufen, um von dem Zuftande der Mark Bericht zu erftatten, "worauf das land an Marggraf Jobſt von Maͤhren verfegt ward. "Damals aber giengen die Uns ruhen hieſelbſt recht an. Auch unfer Bifchof befam folche zu fühlen, da 1393 die Fürs ften von Anhalt während ver Krankheit des Biſchofs im tande Ziefar übel Haus hiel⸗ ten, jedoch durch geiftlichen Zwang feines Nachfolgers, die verurfachten Schäven zu erfegen, fich bewegen Tiefen. In dieſem 1393ſten Jahre ftarb Biſchof Dietrich ven 2sften April. Zu feiner Zeit hielten fich viele Waldenſer in der Mark auf, gegen welche 1397 eine ſchwere Verfolgung verhängt wurde. Vieleicht hat Ketzerangermuͤn⸗ de und die rg Ketzerdoͤrfer in der Mark von diefen feuten den Namen. | Henrich 3 von Bodendick Halfı1399 die Maͤrker mit den Magdeburger aus, Henrich 3 von ſoͤhnen. Im Jahr 1403 ſtellte er, ſo wie der Biſchof von Havelberg und Lebus, — nebſt andern tandſtaͤnden an die Grafen Henrich und Günther von Schwarzburg, damalige Statthalter ver Mark Brandenburg; eine Verſicherungsſchrift aus, und ſtarb 1406 bey Gelegenheit eines damaligen allgemeinen fandfterbens. | Henning von Bredow, Bertramd Bruder, beſchwerete ſich, daß die Mag Henning von deburger Feindfeligkeiten un feinem Stift ausäbren, geif darüber ſelbſt nebſt Die, Prrdor. trich von Quitzow 1408 zu den Waffen, und bekam bey Glynecke, nahe ben Zies für, 100 Magdeburger gefangen, die er gefänglich auf das Schloß Ziefar fegte. Das ihnen abgenommene Panier foll noch jest in der Pfarrkicche zu Neu» Branden: burg aufbehalten werden. Hingegen ward unfer Bifchof feloft vom Johann von Treskow, mit Zuziehung Wiprechtd von Barby, gefangen. Man brachte ihn auf das Schloß Muslo. Sie muften aber nachher diefen Frevel mit Erlegung vieles Geldes büffen. Als in damaligen unruhigen Zeiten Hans von Quitzow 1408 ins Mecklenburgifche fiel, hatte ver Bifchof, unter Unführung feines Hauptmanns Jo⸗ hann Hoppenrode demſelben Huͤlfsvoͤller gegeben. Doch blieb der letztere hiebey gegen ber Herzog Ulrich von Mecklenburg auf dem Platz. Henning lebte anfaͤng⸗ Sta lich 332 3 Ch. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte vom Brandenburg. lich mit denen von Quitzow in gutem Bernefmen. Die Häufer derer von Bredow und derer von Quitzow waren nahe verſchwaͤgert. Beide hatten eine Zeitlangıdie Statthalterfihaft des tandes gefuͤhret. Marggraf Jobſt Hatte folche nachher aber dem Herzoge Johann von Mecklenburg aufgetragen. Dies ſcheinet der Grund des gu⸗ ten Bernehmens mit denen von Quitzow und feines Unwillens gegen Mecklenburg geweſen zu feyn. Im Jahr 1409 ward Suantibor von Pommern und Caſpar Gans Edler Herr von Putlig Statthalter, bis Jobſt ızu mit Tode abgieng, Die Mark fiel veiever an Kaifer Siegmund, und diefer ernennete den. Burggrafen Fries drich von Nuͤrnberg zum Statthalter. Dieſes ftund dem von: Putlig nicht an, der ſich ben feiner Ankunft 1412 aus allen Kräften nebft andern: von Adel: widerſetzte, ſich an Pommern hieng, und des Burggrafen Völker auf dem Cremmerdamm in die Flucht ſchlug. Da aber frifche Soldaten 1413 aus Franken anlangten, legten ſich siefe von Adel, worunter auch das Haus derer von Bredow war, zum Ziel. Uns fer Bifchofs Bruder Bertram befam die Anführung einiger Bölfer des Starthalters; Denen übrigen ſtand folches nicht an, und ſonderlich fuchte ſich Caſpar Gans von Putlitz an unſerm Bifchof zu reiben. » Doch Hennings Hauptmann Dans von Rs der überfiel ihn in der Dorfe Dalgow bey Spandow,. nahın ihn gefangen, und brachte ihr über die Havel nad) Ziefar , wo er etliche Jahr in Beſtrickung blieb. Der Biſchof Henning von Bredow aber gieng noch in diefem Jahr 1413.mir Tode ab. 140 Ba e * J $. Z 1 Ze — — FIRE Johann von Johann 2 von Waldow folgte ihm. Ich halte ihn vor eben den, welcher Waldow. fich ſchon vorher als Probſt von Berlin bekandt genug gemacht, und ſonderlich durch feine Treue gegen den Burggrafen von Nürnberg Friedrich, ben der Befignehmungder hatte. Eben dies mag ihm den Weg zum Bifchofthum gebahnet haben Da 1414 die berufene Kirchenverfammlung zu Eoftni gehalten wurde, fo gieng er. in Perfon mit 7 Pferden dahin ab. Im Jahr 7416 war er aber bereits in die Mark zuruͤck ge⸗ kommen, woſelbſt er den zu Zieſar gefangen ſitzenden Caſpar Gans edlen Herrn von Putlitz dem Burggrafen uͤberlieferte, welcher denſelben, gegen Abtretung der Stadt Lenzen, auf freien Fuß ſetzte. In Coſtnitz hatte der Biſchof unterdeſſen dem An⸗ drea, Cantor des Stifts Lebus, feine Stelle zu vertreten, aufgetragemn. Als aber der bisherige Burggraf Friedrich 1417 daſelbſt mit dem Churfuͤrſtenthum Branden⸗ burg belehnet werden ſolte, gieng unſer Biſchof perſoͤnlich wieder dahin ab, und hatte die Ehre, von dem neuen Churfürften Friedrich ı die Beſtallung eines Raths zu be⸗ kommen, und der Belehnung beizuwohnen. Er ward nachher zu Allen Staats ſachen gezogen. Unter andern wohnte er zu Coſtnitz dem 1418 in der Sache des Herzogs Friedrichs von Defterreich gehaltenem Fuͤrſtenrecht bey. : Im Jahr 1420 murde er als Zeuge gebraucht, als der Kaifer Sigismund in ven Streitigkeiten Polens mit dern deutfihen Orden einen richterlichen Ausfpruch that. In eben dieſem Jahr vers sichtete ex die Taufhandlung bey der churfürftlichen Prinzeßin Dorothea im grauen Statthalterſchaft in dee Mark Brandenburg diefes Herrn Zutrauen ſich verdienet R ER u — u © r | Zweiter Anhang. Dom Biſchofthum Brandenburg. 333 Kloſter Geſchicklichkeit und Treue erwarben ihn 1421 auch das Biſchofthum Lebus. Der Churfuͤrſt behielt noch immer alle gegen ihn tragende Gnade bey. Ex bebienete ſich feiner ngaz, nach Abgang- der fächfifchen Churfuͤrſten aus anhältifchen Stamm, fei ne Anfprüche auf Churfachfen erweislich zu machen. Er ließ durch ihn unter andern die polnifchen Staatsfachen behandeln, und unter feiner Aufſicht feinen zweiten Prin⸗ zen Friedrich nach Polen bringen. Als daſelbſt 1423 bie Königin Sophia gefrönet wurde, war bey biefer Handlung unfer Bifchof Johann von Lebus Häffleiftender Di Bier. Es gieng aber derfelbe in biefem Jahr mic Tode ab. Friedrich von Graͤfeneck iſt im Biſchofthum age nicht fowol des Geis von Sohanns. Nachfolger, als vielleicht fein Vorfahr geweſen. Es hatte diefer Friedrich — von Graͤfeneck ſich bey dem Sigismundo in Gnade geſetzt, und eine Abtey in Un⸗ garn erhalten. Am Jahr 14n war Biſchof Eberhard von Yugfourg, ein Grafvon Kirchberg, geftorben. Die Wahl fiel Hierauf einmürhig auf Anfelm edlen Herrn - von Nenningen aus Schwaben, Selbiger jtand aber dem Rath in Augfpurg nicht. an, welchem zu Gefallen der Kaiſer Sigismund durch den Papſt den Fries deich von Graͤfeneck zum Biſchof von Augſpurg machte. Es verurfachte folches zwiſchen beiden Mitwerbern einen langwierigen Streit. Ich halte davor, daß, ſol⸗ chen zu beendigen, der Kaifer dieſen Friedrich von Graͤfeneck 1413, nad) dem Tode Biſchef Hennings von Bredow;, zur bifchöflichen brandenburgifchen Würde befoͤr⸗ dern wollen. Denn in diefem Jahr ift die einzige Urkunde von ihm als Bifchof von - Brandenburg, nad) des Heren Becmanns anhältifehen Gefhichte, den Tag nach Dfingften ansgefertiger worden. Vielleicht aber hielt der damalige Burggraf Fries drich bey dem Kaifer Sigismund vor den Johann von Waldau an, der ein Ein zoͤgling und in den kandesangelegenheiten ausnehmend brauchbar war. Sigismund mag ſolches erkannt, und dem von Graͤfeneck das Biſchofthum Brandenburg aus dem Sinne gebracht haben, weil ſelbiger noch immer ſich zum Stifft Augſpurg Hop Hung gemacht. Uber zufegt fehlug auch diefe fehl, Auf Papf Martins 5 Veran⸗ laſſung müfte ſich ſowol Anfelm als Friedrich der Anfpräche auf das Biſchofthum Augſpurg begeben, worauf jener. zu Blaubaiern, diefer in Ungarn geftorben iſt. Ich fege alfo in dem Biſchofthum Brandenburg als ‚den “ungegweifelten Nachfolger des Johann von Waldau den | Stephan 2, der von einigen als eines Bbecherẽ Sohn aus Stendal —— Stephan 2 wird, Die Meinung ift wol daher entftanden, weil er den Zunamen Bodecker ge — fuͤhret, woraus andere Rodecker machen wollen. Es iſt aber das Haus der Bode⸗ cker nicht ganz unbekandt, da Nicolaus Bodecker Biſchof in Schwerin und An⸗ dreas Bodecker Dechant ver Stiftskirche in Merſeburg geweſen. Nach einem Bes siehe im Meibom ſoll der Biſchof von Brandenburg Stephan 2 Rodecker bereits 1422 eingefuͤhret ſeyn. Im Jahr 1423 verrichtete er die Trauung der churfuͤrſtlichen Prinzeßin Margaretha und Herzogs Albrecht von Mecklenburg zu Tangermünde, * den Hußitenunruhen hat ſein aan rag vieles ausſtehen Bf. Unter ihm ent⸗ 334 3% 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. — entftand eine Wallfahrt nach der Marienkirche zu Brandenburg, weil auch Gier AR Hoftie von den Stichen eines Juden Blut vergoffen haben ſoll. Im Jahr 1442 ver glich er fich mit dem Churfürften Friedrich 2nebſt andern Prälaten und der maͤrki⸗ fehen Landſchaft über die Grenzen der geiſtlichen Gerichtsbarkeit. Als 1443 der Chur⸗ fürft die Bruͤderſchaft U, & Fr. oder den Kettenträgerorden von Brandenburg errichs tete, hatte Biſchof Stephan 2 vorzüglich, daben zu thun. Unter ihm: fieng aber ver Ehurfürft an, fich über den häufigen Kirchenbann zu beſchweren. Die Wunderbluts⸗ Biftorien wurden auch befonders. von dem magdeburgifchen Domherrn Henrich Tr cken ſehr in Zweifel gezogen. ° Auf Anfuchen des Ehurfürften Friedrichs wurde 1446 vom Papſt Eugenio 4 die Domfirche zu Brandenburg, ſo wie die von Ha⸗ velberg, welche bisher Praͤmonſtratenſerordens geweſen, in eine foͤrmliche Cathedral⸗ kirche verwandelt. Im Jahr 14 48 ward er vom Churfuͤrſten nebſt andern zum Rich⸗ ter über diejenigen Einwohner von Berlin beſtellt, die ſich einen Aufſtand zu Schu⸗ den kommen laffen. Bey der Errichtung der hoben Schule zu Greifswalde har er nicht nur auf päpftlichen Auftrag eine Unterſuchung anſtellen muͤſſen, ob dieſelbe mit binlänglichen Einfünften verfehen, fondern felbige auch beſtaͤtiget. Er wird als ein gelehrter Herr befehrieben, der die Ausgabe verfchiedener Bücher beforge, und zugleich vor das. Aufnehmen feines Stifts bemühet gewefen. Er ftarb den ısten Febr. 1459. Dietrich 4 Dietrich 4 von Stechau folgte in der bifchoflichen Wurde. Er har 14618 von Stechau. nen Platz zur bifchöflichen Wohnung in dee Altſtadt Brandenburg erkauft, aus weh eher nachher die berühmte faldernfche Schule entſtanden. Im Jahr 1465 war er bey dem Einzuge des magdeburgifchen Erzbiſchefs Johanns, eines Herzogs von Baier, gegenwärtig. Der Ehurfürft Ernft von Sachſen ließ durch ihn ein Kind aus der Zaufe heben. Die von ihm ausgeftellten Urkunden reichen biszum Jahr 1472. Nach feinem Tode hatte das Domkapitel einen neuen Bifchof erwaͤhlet, ohne dem Churfuͤr⸗ ften Alberto davon Nachricht zu geben, dem doch ala kandesherrn das Ernennungs recht zuftändig. Der Sache abzuhelfen mufte der neuerwaͤhlte Bifihof auf das durch die Wahl vermeintlich erhaltene Recht Verzicht thun, fich von dem Churfürften von neuem ernennen, und nach volzogener Wahl des. Eapitels beftätigen laſſen, woruͤber 1472 eine Öffentliche Urfunde, in Gegenwart. des Churfürften, abgefaſt wurde. Es iſt folche in Abſicht der churfürftlichen Rechte zu wichtig, ‚als daß fie nicht im einer An⸗ merfung Platz verdienen folte a). Auf diefe Yrt ward a) In nomine Domini amen. Tenore pre- fentis publici Inftrumenti cunctis iHud intuen- tibus pateat euidenter et fir notum, quod anno a natiuitate Domini millefimo quadringentefimo feptuagefimo fecundo, indidtiorre quinta, die vero dominica, quae fuit deeima nona menfis Iulii hora vefperarum vel quafi, Pontificatus fanttifi- mi in Cbrifto patris et Domini noftri, Domini Sixti diuina prouidentia papae quarti, anno eius Ans fecundo, inmei notarii publici teftiumque infra feriptorum ad hoc fpecialiter vocatorum et ro- gatorum praefentia, perlonaliter conititurus illu- ſtriſſimus princeps et Dominus, Dominus Alber- zus Marchio Brandenburgenfs:, Sacri Romani Im- perii Archicammerius, erprinceps Elettor, Sreri- nenfis, Pomcraniae, Caſſuhorum ac Slauor um Dux; Burggrauius Noribergenfis et Rgiae Princeps, publice propofuit et dixit quatenus quis poft de- —— Be J * 3 füae fa&tae in aliquo non derogare ſed non mi- Biseiter Anhang. Vom Biſchofthum Brandenburg. Arnold von Burgsdorf Biſchof von Brandenburg. Es wohntederfelbe dem Arnold von prächtigen Einzuge des magdeburgifchen Erzbiſchofs Ernft Herzogs von Sachfen Burgsdorf. bey, und gieng den ızten Jun. 1485 mit Tode ab, ** 2 — Po X deceſſum felicis Recordationis Reuerendi in Chri⸗ patris et Domini, Domini Theodorici quon- dam Epiſeopi brandenburgenſis pie Defuncti Do- mini de capitulo Eceleſiae Brandenburgenſic ad pr et celerem noui paftoris artipuif- _ ionem, antequam obitus praefati Epi- ipfi innotuiffet, quo autem audito fenfif- Zu eleftionem fie precipitanter factam fibi et fuo iuri ac diuturnae obferuationi praeiudicialem, ex quo fibi admetiretur ante electionem nomina- tionem et nominandi habere poteftatem, vigo- re cuius ele&io fieri deberet ſuper illo quem gra- ia ſaa nominaret, vel.vnusquisque Marchio andenburgenfis princeps elector pro tempore exiftens quolibet tempore cum fe facultas offer- vet poteftatem nominandi haberet unde gratia ſua appellaffetet prepofitum ac capitulum didtae - Ecclchiae Brandenburgen. coram fe Tangermund.. trans albeam vocaffet, ipfis grauamen fuum ac ationem, factam intimando proteftatusque exprefle per tractatus in huiusinodi cau- n'capitulo habendos eidem appellationi nus eam profequi vellet fi amicabilis comoofitio non interueniret et inter cetera attemtafler can- dem eleäionem factam fore renuntiandam et ndam.quo fa&to .nominare veller, vti ei princeps et Dominus, Dominus ieus, quondam Marchio brandenburgenf: germanus ipfius pie defun&tus peregiſſet, iuxta — — de nouo eligere deberent ue modum fecundum nominationem pre- illu en ‚Qui per. venerabilem Albertum Cli- ‚zzingk modo praepofitum Berlinenfrum eo tem· —— patefactam nouiſſimum pie defandtum elegiſſent, quem di- Fearer Hals feriptis fais et. per ditum Al- bereum Klirzingk oretenus nominaffet quibus pracpolitis prepofitus et capitulum ibidem pre- fentes rogaflet infra octo dies proxime fequen- ‚ses deliberare, et eum infra eundem terıninum ; denburg cum eis vellet conftitui, ſuper his. neuolerefpondere. Quoderfadlumeft, prout jemadmodum Eyo Notarius infra feriprus de his omnibus ab. codem principg prememo- rato ac aliis fide dignis fufficienter ſum infor- matus. Quo termino prefato adueniente, et di- &to Domino prineipe Marchione Alberso in vr· J Me oecafione iftius grauatum et huiusmodi 33) | | Joa⸗ be Brandenburgen. perſonaliter eonſtituto ſuper aliis mediis et attemtationibus per prefatum Do- minum principem eidem Capitulo prepoſitum eft, aprepofito er capitulo per plebanum Noue Ciuitaris Brandenburg. Concapitularem de con- fenfu omnium vnanimiter refponfum quodpre- pofitus ele&tus eflet, pronus ele&tionem in per- fona ipfius factam capitulo refignare, quemad- modum- etiam factum eſt in prefentia domini- Marchionis prefati, Et ex quo idem praepeofitus ad tantam dignitatem fufcipiendam fuerat ido- neus et eidem principi ad prefulatum gratus, et non perfona dicti prepofiti (ed tantum electio fic precipitanter facta, iuxta prenarrata difplicuit, fua gratia in melius di&tae ecclefiae Brandenbur- genfss deliberato animo fuper iure fuo et diuti- na obferustione vti Marchio Brandenburg, et ſa- cıi Romani Imperii prineeps Ele&or prememo- ratum prepofitum in prefate Ecclefiae Branden- *** Epiſcopum er paftorem nominauit et erga Capitulum vr ipfum prepofitum iuxta füi nominationem de nouo eligeret, inftitit, quod ‚et deliberato animo, bona voluntate er concor- diter eft peratum, Et idem Capitulum coram eodenrprincipe ipfum nominatum, quemadmo- dum illum, qui fuper ſui nominationem per omnes dominos de Capitulo ibidem perfönaliter prefentes aflumtus, et ele&tus extiterat, vripfius gratiae- et ipforum Epifcopum prefentarunt, ipfum et ecclefiam ſuam Brandenburgenfem vna cum omnibus et fingulis fpiritualibus et fecula- - ribus ipfius fubditis eidem principi commendan- do intime rogantes vt eundem literis promo- torialibus coram fanttiffimo domino noftro apo- ftolieo er ceru Cardinalium in negotio confir- mationis obtinende et vt in annatis perfoluen- dis vltra taxam antiquam prefar.e ecclefise, non grauaretur gratia ſua Libere promotum digna- retur, Ad quae omnia prefatus dominus prin- ceps beneuole reſpondit eorum petitioni an- nuendo, Adiieiens ipfam et Capitulum ipfius ac dioecefis, yna cum fubditisfpiritualibus er fe- | eularibus vti fideles ſuos fübditos generofe ha- bere commendatos, füper quibus omnibus et fin- gulis fepefatus princeps fibi a me notario publi® co infra feripto ynum vel plura publicum feu publica fieri petit Inftramentum feu Inftrumen- | ta tot quod forent neceflaria, Alta ſunt haec in quadam aula Epifcopali in vrbe — gen/. Soahimvon Bredoͤw. Hieronymus Schultz von Gramſchuͤtz. 336 3Th. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Joachim von Bredow war ſein Nachfolger. Unter ihm wurde 1506 durch eis ne Bulle Papft Zulü: 2, verordner, daß, auf Anfuchen Eyurfürft Joachims von Brandenburg, deſſen Borfahren das Biſchofthum gertifter, und mit Einkuͤnf⸗ ten verfehen, das Domcapicel von Brandenburg, fo wie von Havelberg, von al ten Berbindfichfeiten des Praͤmonſtratenſerordens losgezaͤhlet fen, die älteften 16 don ihnen als ordentliche Canonici feculares gehalten werden, und die Übrigen und nad) darin folgen folten. Diejenigen, welche den Prämonitratenferorden nich ahren laſſen wolten, möchten fich in andere Klöfter begeben. Man finder jedoch nicht, daß folches von einem einzigen geſchehen. Unter ihm waren die Ablaßbriefe noch * gemein und ſo uͤbertrieben, daß ſolches nothwendig in die Augen fallen muſte. alle Schriftſteller geben feinen Tod bey dem Jahr 1506 an. Saf 5 Da aber feine Urkunden bis 1so7 reichen, ſo Fann fein Nachfolger wol micht eher zur Bifchöflichen Wurde gelom⸗ men foyn. $. Dorfe, wird zwar von einigen vor eines Bauten Sohn ausgegeben. Da er aberiein adeliches Wappen geführer, und feine Vorfahren das Schulzenamt in Gramſchuͤtz erblich befeffen, fo muß er wenigftens aus einem guten buͤrgerlichen Haufe enefproffen ſeyn. Er pflegte fich eines gevierten Schildes zu bedienen, in deffen erſten und vier ‘ten Quartier, die kreutzweis über einander gelegte Schläffel des brandenburgiſchen Stifts befindlich, das zweite und dritte war wieder gerheilet. In dem obern Theil zeigte fich ein faufendes Einhorn, in dem unterm der Fuß eines geflügelten Thieres mit der Klaue. Auf dem Schilde ruhete zur Nechten die mit zwey Bifchofeftäben unter, fegte Biſchofsmuͤtze. Zur tinfen ein feitwärts gefehrter Helm, und auf demſelben ein hervorwachfendes Einhorn. Seine Gelehrſaimkeit, fein wohlberedter Mund, feine gute: febensart bahnte ihm aber den Weg zu feinem Gluͤck weit ftärker, als fein Herfoms men. Er war anfänglic) Pfarrhere zu Cotbus, und der heiligen Gottesgelahrheit Doetor. Hier lernete ihn der Churfuͤrſt Joachim ı Fennen. Schon 1506 bedienete er ſich ſeiner in Staatsſachen, da er durch ihn mit dem polniſchen Prinzen Sigis⸗ mund, damaligen Statthalter von Schleſien, ein Buͤndniß gegen die Straſſenra ber. ſchloß. Rach dem Tode des Bſſchofs von Brandenburg Zoachims von Bro dow ward Hieronymus, auf churfürftliche Ernennung, 1507 zum Bifchof erwaͤhlet, ind noch in diefem Fahr vom Julio 2 beftätiget, und feit dem zeigte er ſich als einen guten Kenner und Befoͤrderer der Öelehrten, -gefälligen Hofmann, der auch beim ſtaͤrk⸗ ften Trunf eine beredte Zunge behielt, und alle feine Schritte nach dem Bortheilen feis nes Herrn abmaß, Er zeigte fich aber auch als einen gefchickten Staatsmann. Er fitis Geörgio de Waldenfelr, milite Martbia Min genf. Anno Indi&ione die menſe hora et ‚pontificatu quibus füpra prelentibus ibidem "venerabilibus ‚ffrenuis ac validis viris domi- "nis, Lobanne Sradis deerstorum dotori in $e- Bufen, et Alberto Klirzing in Berlin praepo- de Schulenburg, Bernhardo et Iohanne fratri- bus dictis de Bredew .nec non Conrado Schla- bernderf teltibus dd praemiſſa "vocatis et Te- quißtis, ig er er Den E aa 1, — en — Hieronymus Schulz von Gramſchuͤtz einem im Glogauiſchen legenden Zweiter Anhang. Vom Bifchofthum Brandenburg. 337 wurde des Churfuͤrſten Joachims ıgebeimer Nach und. Gevatter. Er begleitete dens ſelben auf das angeſtellte Tournier nah Neuruppin: Als 1510 die Syuden gefegnete Hoſtlen gemishandelt, ließ er die letzteren in ſeine Behauſung bringen, und befoͤrderte die Beſtrafung der Juden nach aller Strenge. Im Jahr 1512 hielt er eine Zuſam⸗ menkunft der Geiſtlichen feines Kirchenſprengels zu Zieſar. Im Jahr 1514 war er bey dem prächtigen Einzuge Albrechts des Erzbiſchofs von Magdeburg. In diefem Jahr foll der Papft Leo 10 dem Churfürften das Patronatrecht über die beiden Domprobs fteien von. Brandenburg und Havelberg zugeeignet haben, Im Jahr 1515 war er des Churfuͤrſten Geſandter bey des Königs: von, Daͤnnemark Beilager zu Copenhar gen. Im Zahriısız. verfprah'er, 18. Reuter gegen die Nuͤrnberger ins Feld zu ſiel⸗ len· Da Luther in dieſem Jahr den Ablaß anzufechten anfieng, fo gab er davon uns ferm Biſchof, zu deſſen Kivchenfprengel er gehörere, und mit; dem: er bereits einen Briefwechſel gefuͤhret haben mag, Nachricht, - Hieronymus fand die Säge Luthers nicht anieecht; Weil der Ablaß aber zum Vorcheil des Erzbiſchofs Albrecht, eines brandenburgiſchen Prinzen, verkuͤndiget wurde ,. fo wuͤnſchte er, daß der darüber ans gefängene Streit nicht noch groͤſſer gemacht würde. : Er fehiefte deswegen den Bifchof von Lehnin an Luthern ab, und erſuchte denſelben, Die aufgefegte Erklaͤrung und Vers theidigung der Säge gegen den Ablaß nicht öffentlich. befandt zu machen. Luther nahm fich zwar anfänglich vor, zu gehorfamen, weil aber feine Widerſacher nicht fehwiegen, antwortete, er denfelben 1518... Der Bifchof fahe zwar völlig ein, daß Lu⸗ thers vorgetragene kehren gegründet waͤren, richtete ſich aber nach den Geſinnungen des Churfuͤrſten Joachims und ſeines Bruders Erzbifchofs Albrechts, und ward darüber Luthers Heftigfter Feind. In diefem Jahr verglich unfer Bifchof die Fürften von Anhalt⸗ Zerbſt micdenen von Walwitz. Im Jahr 1519 mufte er auf Befehl Papfts Leonis 10, mit Beiltand der Aebte von Lehnin und Zinna, den Churfürften und feine beiden Prinzen einſegnen. Er begleitete Joachim 1 auf ven Wahltag, und - befand ſich unter den Wahizeugen, Auf diefer Reife beſprach er fich mir Luthern zu Wittenberg, und fuchte denjelben von der Fortfegung der Kirchenverbefferung abzus Bringen. Im Jahr 1520 war er brandenburgifcher Gefandter bey der Krönung Carls 5. Im Zahr.ısar begleitete er den Churfürften und feinen Prinzen auf den merk würdigen Reichstag nach Worms. Hier gab ſich der CHurfürft erhebliche, obwol vergebliche Muͤhe, Luthern auf andere Gedanken zu bringen, der aber ſodenn geaͤch—⸗ tet wurde Unſer Biſchof unterſchrieb ven Reichsabſchied. Wenn er dieſe Handlung nicht als brandenburgiſcher geheimer Rath vorgenommen, ſo iſt ſie entweder ohne Vorwiſſen des Churfuͤrſten geſchehen, oder es hat ſolcher, aus beſonderer Freundſchaft gegen den Biſchof, fich Dagegen nicht oͤffentlich geſetzt, wie es doch bald darauf geſcha⸗ he, als der Biſchof von Lebus ſich eben dergleichen unterfieng. Man nahm es in den vorigen Zeiten ſo genau nicht, wenn auch mittelbare Stände den Reichstag beſuchten. Im Jahr 471 war, damit ich ein Beiſpiel gebe, ſogar die Stadt Stendal auf ven Reichstag ‚berufen, ohnerachtet fich wol niemand einfallen laͤſt, diefen Ort unter die Pallg. preuß. Geſch. 3Th. Un un Distrih z Bon Harden⸗ Kerg. Matthias von Jagau. n 338 Be: 7 Hauptft. Neuere Gefehichte son Brandenburg, unmittelbaren Reichsſtaͤdte zu zählen. Die Freundſchaft des Churfuͤrſten gegen ums ‚fern Biſchof war ohne Schranfen. Nach dein Tode des Biſchofs von Havelberg Johann von Schlaberndorf hatte das Stift im vorigen Jahr einmuͤthig den Georg von Blumenthal gewählter, der auch bereits die päpftliche Beftätigung erhalten. Weil man aber es darin verfehen, daß man die vorläufige churfuͤrſtliche Ernennung nicht abgewartet, fo eignete fich Soachim ı die Befesung des Biſchofthums Havelberg zu, trieb feine Nechte durch, und uͤbertrug unferm Hieronymo auch) das Biſchofthum Ha⸗ velberg; den der Churfuͤrſt ſelbſt in dieſem Jahr mit gewafneter Hand daſelbſt ein⸗ führte. Hieronymus ließ ſich hierauf den Buſſo vun Alvensleben vum —— wählen ; ſtarb ven often Det. 1522, und ward zu Wittſtock begraben. Bi: Dietrich) 5 von Hardenberg, ein Sogn Hermanns von — und. ner von Saldern, Fam Hierauf zur Bifchöflichen brandenburgifchen Wuͤrde. Zu feiner Zeit nahm der König Chriſtian 2 von Dännemarf 1523 das in Brandenburg noch; aufbehältene fegte Bildni des ehemals heidniſchen Gögen Triglafs mit ſich weg: Da Sachfen ſowol ‚als Anhalt die: Kirchenverbefferung angenommen, und hiedurch . die bifehöflichen brandenburgifchen Einkünfte ſehr gefehmäfert worden,’ fo vermehrte diefer Umſtand den Haß diefes Biſchofs, den er ohnedies gegen —— ee Er ſtarb aber zu Ende bes Be 1526, — 390,0 again, % re ee — Matthias von Jagau, ehemaliger Probſt zu — ward hierauf 1527 Biſchof von Brandenburg. Dieſer Herr ‘ward immer mehr und mehr von der Nothwendigkeit und Richtigkeit der lutheriſchen Kirchenverbeſſerung —— ſich gleich hlebey, fo lange Joachim ı Tebte, ſehr behutſam aufführen mufte, · Im Jahr 1533 wohnte er den Feierlichkeiten in Berlin bey, die wegen der glücklichen Wier derfunfe des Churprinzen Joachims 2 aus dem ungarifchen Feldzuge angeftellee wor den. Nachdem aber dieſer Prinz die Negierung-angetreten, ließ der Bifchof feine Ges neigtheit zur Kicchenverbefferung fo deutlich merfen, daß Lutherus ſelbſt von ihm das Urtheil fällere: Ach! Gott gebe ung dergleichen Bifchöfe mehr. Im Jahr iszg reichte Matthias von Jagau am Tage Allerheiligen zu Spandow dem Churfürften Joachim 2, feiner Frau Mutter und dem ganzen Hofſtaat das Abendmahl des HErrn unter beiderley Geſtalt. Den folgenden Tag. empfieng ſolches der Rath beider Städte von Berlin, nebft vielen andern aus der Gemeinde zu Berlin, aus den Händen ums fers Biſchofs. Er befprach fich bey; Gelegenheit der Taufe des anhaͤltiſchen Prinzen Bernhards mir Luthero 1440 zu Deſſau. Er beſtaͤtigte in dieſem Jahre mit den redlichſten Ausdruͤcken die von dem Churfuͤrſten bekandt gemachte Kirchenordnung, und als Joachim 2, die Kirchenverbeſſerung durchgehends im Lande einzuführen, Bevollmaͤchtig⸗ fe ernannte, ſo war unſer Bifchof bey diefer Kirchenunterfuchung 1441 ebenfals gegenwaͤr⸗ tig. Ohnerachtet ſich nun anfänglich fein Domcapitel zu Annehmung des Luthers thums nicht gleich bequemen wolte; fo wirkte fein Beifpiel und Ermahnen doch fo viel, daß endlich 1544 In dem Dom zu Brandenburg die 9* und der —— einge⸗ | ſtellet = RUN. Smeiter Anhang. · Vom Bifchofthum Brandenburg. 339 ſtellet würde, ob marı gleich die Altäre und die Bilder felbft zum Andenken beibehielt. Die bey der ganzen Kirchenverbefferung bewieſene Nedlichkeit und Behutſamkeit dieſes Biſchofs verfchaften ven Nusen, daß ohne Widerfpruch, ohne lerın und Aufſtand folche in der Mark Brandenburgizu Stande fam. In eben diefem Jahre gieng unfer Bis fehof mit Tode ab. Es) ward folches dem Churfuͤrſten vom Domcapitel berichtet, web ches ſich die Berweferfchaft des Bifchofthums ausbat. Der Churfuͤrſt verfprach, der Fünftigen Wahl entweder ſelbſt beizumohnen, oder doch zu derſelben Bevollmächtigte abs zuſchicken/ twelche Diejenigen ernennen folten, auf 2 man —* der Wahl zu ſehen. | ren verzog fich aber bis 1546. Damals ward : DZoachim geborner Herzog von Münfterberg in Sciefi en zum Biſchof ernens Joachim her J und vom Domcapitel gewählt. Er war geboren 1503 5). Seine Eltern waren 2. von Muͤn Herzog Earl ı von Miünfterberg und Anna geberne Herzogin, von Sagan. Seiner 8 Frau Mutter wegen hatte er nebft feinen Herren Brüdern einen Anfpruc) auf Eroffen. Sie lieſſen aber denfelben 1537; zum Vortheil des Ehurhaufes Brandenburg, gegen 3000 Rthlr. und die Berficherung fahren, daß Herzog Joachim fünftig entweder das Bis ſchofthum Brandenburg oder Lebus bekommen ſolte. Im Jahr 1538 wandten fich die miünfterbergifchen Prinzen zur proteftantifchen Kirche. 1546 ward er wirklich zum Biſchof von: Brandenburg erwählet, und vom Churfürften Mirwochs nach Thumä bes ſtaͤtiget. Der Churfürft fage darin: ¶ Wann dann aus der Regiftratur unferer Eangeley zu Befinden, daß die Bifchdfe der Mark zu Brandenburg von Alters ihre Confirmatio⸗ - ned über die annata und concordata Prineipum von Unfern Aneltern und Vorfahren _ genommen, und. folches auch numals nad) Gelegenheit der Zeit und kaufte billig alfo gehal⸗ ten würde, haben Wir Uns demnach die Refolution berührtes Capitels, als ordentlich und zichtig gefchehen, gefallen laffen # + Uns und Unfern Nachkommen an Hoheit und Schuß berührten Stiftes unfhädlich., Weil ſich num der Bifchof beſchwerete, daß die Bifchöflichen Gefälle nicht richtig einfämen; ſo befahl der Churfürft 1552 Freitags nach Eantate bey Strafe der Pfändung, den Ruͤckſtand in Bernau: zufammen zu bringen. Dey alle dem wurde der gute und fromme Bifchof feines Stifts uͤberdruͤßig, und legte die bifchöfliche Würde 1s6o nieber. Er gieng nach Breslau, wo er cbenfals Domprobft war, ftarb dafeldft auf der Albrechtögaffe in Herzog Hanſens feines Bruders Haw fe den 2öften. Der, 1662, 1. und ward den 6ten Jan. des folgenden Zahres zu Muͤn⸗ fterberg begraben. Als ihm in feiner Testen Krankheit ein Prediger mic Troft zuſprach, und dabey’den fürftlichen Titel und Namen brauchte, fagte der Herzog Joachim: „Wenn ihr Prediger und Kirchendiener mit Fuͤrſten und Herren von Gottes wegen redet; fo folle ihr die geoffen Titel und Namen, Hofr Weile und andere Welrgebräuche ſparen und unterwegens laſſen; ich weiß, Gott lob, von weswegen ihr mic mir redet, nemlich von deswegen, ber Da ſaget: qui vos audit, me audit; wer euch höret, der. höret mich. ,, Nachdem Herzog Joachim das Stift Brandenburg 1560 nebſt der bifchoflichen Würde niedergelegt, mochte fi) zwar * Wolfgang von Barby darauf Rechnung gemacht A haben, » Nach einigen XV. Kal. Febr, nache andern den ıgten December. 340 3%. 7Haupeft: Meuere Geſchichte vom Brandenburg, haben, weil vemfelben, auf des Churfürften Moritz von Sachfen Vorbitte, ſchon 13se die Bertröftung dazu ertheilet worden 5" ‚aber: das: —— wählte; . — des Churfuͤrſten, deſſen damaligen Churpringen 10: \ Johann Ge; Marggraf Johann Georg von Brandenburg, der * ſofort daß, chutfaeſt org marggraf ſiche Wohnſchloß Zieſar in Beſitz nahm, und dagegen den Biſchofshof in der Altſtadt kr in Brandenburg 1561 dem churfürftlichen Mundſchenk Wichard von Bardeleben ſchent⸗ te, von dem er 1567 an Matthias von Saldern verfauft wurde, deffen Witwe nach⸗ ber eine Schule daraus geftiftet Hat. Marggraf Johann Georg machte: ſchon 1565, die Einrichtung, daß auch diefes Stift kuͤnftig beftändig mic dem Churfuͤrſtenthum vereiniget bleibemfolte:. Im Jahr 1569 wohnte er dem tandrage und der Verſamm⸗ fung der markiſchen Geiftlichen zu Berlin-wegen feines Stifts bey, und folgte feis nem Herrn Vater Joachim 2 in der —* Würde 1571, * ihm ward win Ehurpring Et 7 Joachim Marggraf Doachim Friedrich von — der feßte —— der bi⸗ Friedrich ſhlca⸗ Würde, der ſich 1572 gegen beide Staͤdte Brandenburg ſehr freigebig er⸗ marggraf von Branden; les, Im Jahr 1576 gieng die ehemaliger berühmte Marienkirche ein, daraus und Y; Burg, Davon ein jeder zur nehmen anfieng, was ihm beliebte. Im Zahr 1594 widerſprachen des Churfürften Geſandten auf dem oberfächfiichen Kreistage zu Leipzig derMeinung, daß die Biſchofthuͤmer Brandenburg, Davelberg und Lebus, die Grafſchaft Rup⸗ pin und die Herrfchaften Vierraden und Schwed jemals unmittelbar geweſen. Als endlich Churfuͤrſt Johann Georg 1598 mic Tode abgieng, und demſelben Joachim Friedrich in der churfuͤrſtlichen Würde folgte, ward die bifchöfliche Wuͤrde von Bran⸗ denburg nicht weiter beſetzt, fondern auf immer mit dem Churfuͤrſtenthum vereiniger. Das hochwuͤrdige Domcapitel, deren jegige ſaͤmtliche Mitglieder die Vorſicht mit allen Arten von Gluͤck uͤberſchuͤtten wolle, iſt ſeit der Zeit bis jetzo beibehalten und von dem jetzigen Könige Friedrich 2 1755, in Betrachtung, daß ſelbiges aus ſolchen graͤflichen und adelichen Perſonen beſtehet, von deren Vorfahren dem koͤniglichen und churfuͤrſt⸗ * —— lichen Haufe ſehr erſpriesliche Dienſte geleiſtet worden, ein beſonderes Gnaden / und Capitelskreutz demſelben ertheilet worden. Dieſes Creutz iſt von Golde, violet emal⸗ lirt, und laͤuft in g Spitzen aus. Auf: der rechten Seite ſiehet man in der Mitte ein goldenes rundes Schild mit den koͤniglichen Mamensbuchſtaben F. Ba auf der find Een Seite aber des brandenburgifihen Domeapitels Wappen :' Zwehy filberne Schlüfß ſel Petri und Pauli kreutzweiſe gelegt/ im rorhen Felde· In den vier Winkeln des Kreutzes erſcheinet der koͤniglich preußiſche goldgekroͤnte ſchwarze Adler mit ausgebrei⸗ teten Fluͤgeln, und auf demſelben eine goldene Krone. Die ſaͤmtlichen Herren Cano⸗ nici und Minores tragen erwehntes Zeichen an einem violet und paille ee — aan aber zum Unterſchied ein feldigem Bande aͤhnliches — “auf den Rock geheſtet. ana 2 | * Ge En ’g Drit⸗ | 2AURTAIALAT LITE — ee — Anhang Siſcoftbm Lebus. EEE ER TOR TROTZ — $. 2a. —44 Gar zu eben der Zeit, da die märfifchen Bißchofehiimer Brandenburg Stiftung des , e hey und Havelberg: geftifter worden, wurde auch der Grund zu dem Bir — ſchofthum Lebus gelegt. Der polniſche Regent Miecislaus ließ ſi Fe : durch die Dambrowka, eine böhmifche Prinzegin „ die er. zur Gemas fin ns ; ns, 965 die hriftliche Religion anzunehmen. Ex führte diefelbe in feinem ganzen fande ein, und errichtete 966 und 967 verſchiedene Biſchofthuͤmer, uns ter denen er auch in der Stadt Lebus, die zu Zeiten Henrichs des DVogelftellers eine ſehr ſtarke, reiche und. volkreiche Veſtung war, und die man von dem Klofter Feubus in Schleſien wohl zu unterſcheiden hat, ein Bifchofthum veſtſetzte. Zu feis ner, Zeit giengen die polnifchen Befigungen durch die Neumark bis an die Oder. Es haben aber die erſten Biſchoͤfe, welche ohnftreitig zum polnifchen Staat gehöres tem, nicht in der heutigen Neumark, fondern in roth Reuſſen ihren Wohnſitz ge⸗ habt. Dies iſt wol die eine, ‚ warum man fo wenig juverläßiges von denen Alteſten Bifchöfen von Lebus anbringen Fann. Unter denen Schriftftellern, die von dieſem Stift befonders gehandelt, ift der Herr Doctor Auguſt Benedictus Michae⸗ lis noch unſtreitig der vornehmfte, und wir wollen uns in Erzählung der Bifchöfe haupt⸗ ſaͤchlich an deſſen Gefchichte halten. Nur diefes muß ich vorläufig anmerfen, daß, weil das Biſchofthum Lebus weder von Kaifern geftifter, noch von den Kaifern jemals etwas zu behn getragen, folches auch niemals mit einigem Schein echten unter. Die winieielbaren Relche ſtiſter gezaͤhlet werden koͤnne. ira de > Dinoynthus ift der erſte Biſchof von Lebus, deſſen die polniſchen Schiftftel Hiachnthus. fer erwehnen/ und der von dem Cardinal Aegidius, im Namen des Papſts Jo⸗ hann 13, beſtaͤtiget worden ſeyn foll. Es finder: daher die Meinung derer gar nicht ſtatt, welche den heiligen Albrecht, ohne auch nur wahrſcheinliche Gruͤnde anzufüßs ven, zum erften Bifchof von Lebus machen, Nach andern foll. - Stephan ver erite Bifchof von Lebus gewefen ſeyn. Man mag. biefen vers Stephan. muthlichen Rachfolger Hiacynthi vielleicht aus dem Grunde vor den erſten Biſchof auceben/ weil einige Schriftſteller die Stiftung dem polniſchen Monarchen Boles⸗ Uus3 lay Arnold. Otto. Bernhard. Gaudentius. Cyprianus. Laurentius. 342 3Th.7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. lao Chrobri zuſchreiben. Es kann ſolches in ſofern richtig feyn, wenn man annimmt, | daß unter dem Miecislag.ı die Stiftung des. Biſchofthums noch fehr hen 4 geblieben, wozu Boleslaus die letzte Hand gelegt. - Arnold wird nur von einigen in die Neihe der Bifchhfe gefeßt, und Otto, ein vermeintlicher Bruder Albrechts des Baͤrs, ich weiß nicht, aus welchem Grunde, unter die Bifchöfe von Lebus gerechnet. - Um diefe Zeit 1133 fieng man fehon Am, das Biſchofthum Lebus als ein in geHlüßpe Sachen dem Erzftift Magdeburg unterworfenes Stift anzufehen. | Bernhard ift gewiß 1147 Biſchof von Lebus geweſem Als Vladislaus der Speichler mit ſeinen Bruͤdern zerfallen hielt es dieſer Biſchof mit den juͤngern Prinjen, Gaudentius wohnte 1180 dem gegen die Straſſenraͤuber gehaltenen — Reichstage zu Lanczicz bey. Zu feiner Zeit hielt der Cardinal Peter, auf Befehl Papſts Coleſtin 3, Kirchenzuſammenkuͤnfte in den polniſchen Stiftern, um ver⸗ ſchiedene Misbräuche, ſonderlich in Abſicht * unerlaubten Umgangs * : Seiftligen mit Frauenzimmer, abzufchaffen. 4 Cyprianus / der erſt Abt von St. einceni in Breslau RR Der Papft Innocentius 3 gedenkt feiner 1198 in feinen Briefen. Er foll, nach dem Bericht pofnifcher und fchlefifcher Gefchichefihreiber, 1207 vom Biſchofthum Lebus an das Biſchofthum Breslau gefommen, und bey dem letzteren bis 1207 Biſchof geblieben ſeyn. Es fanden die Bifhöre von Lebus mie Schlefien dams in der gem Verbindung. Denn als nach Vladislai des Speichlers Tode deſſen Söhne durch Hüffe des Raifers das fand Schleſien erhielten, ward die heutige Neumark ebenfals zu diefem Sande gefihlagen. Wegen des biſchoͤflichen Wohnfiges und anderer in Po⸗ In zuſtehenden Guͤter blieben die Biſchofe aber auch Reichsſtaͤnde von Pa RR 145. J Laurentius lebte zu ſehr unruhigen Zeiten. In Polen ſtritten ſi $ veeſhic⸗ ne Prinzen um die Oberherrſchaft/ und dies mag ihn bewogen haben, feinen Sig‘ aus } Polen nad) Goͤritz, einem Dorf in der Neumark, im fternbergifchen Kreife, zu verlegen. Doch) aud) hier war es nicht ruhig. Der Er biſchof von Magdeburg machte auf die Stadt Lebus, laut einer Schenfung Königs Philipp und Kaiſer Ot⸗ to 4 von 1208, Anſpruch. Weil auch die polnifche Beſatzung von Lebus die. bisher üfters beläftiget, fo ward diefer Der 1209 vom Marggtafen Albrecht 2 von Brandenburg und Marggrafen Conrad von der Laufig belagert, der zum Entſatz anruͤckende Vladislaus Lasconogus gefihlagen, und Lebus erobere, doch bald dar⸗ auf von den piaſtiſchen Herzogen von Schleſien wieder beſetzt. Im Jahr r2uo beerbte Marggraf Albrecht 2 den Marggraf Conrad von ver Lauſitz, und bekam deſſen An ſpruͤche auf Lebus. Im Jahr 1213 Faufte er dem ſchleſiſchen Prinzen Henrichs des Baͤr⸗ tigen Sohn, Boleslao, feine Rechte auf Lebus ab, von dem er auch die Übrige neue Mark erhandelte. Da aber Boleslaus ı noch in dieſem Jahr verſtarb, konte das Haus Brandenburg damals den Beſitz nicht erlangen. Laurentius leiſtete 1220 dem eflen u 7* Fr “ 3 Dritter Anhang. Vom Bifchofthum Lebus: 243 erſten Bifchof Ehriftian von Preuffen bey Beveftigung der Stadt Culm huͤlfliche Hand. Im Jahr 1227 war er auf dem Neichstage, wo Svantepolk von Pom⸗ mern den polnifchen Lefeo den Weiſſen ermordete. Die Urfunden, die feiner orweh⸗ ‚nen, gehen befonders von 1221 bis 1234. In diefem Jahr fehenkte Henrich ver Bär tige von Schlefien und Eafimir von Polen dem Stift verfehiedene Güter. Wenn a | Conrad, der bis 1216 gelebet haben foll, und Werner von der Schulenburg Bifchöfe von Lebus geweſen, fo muͤſten felbis ge vielmehr vor als nad) Laurentio diefe Wuͤrde bekleidet haben; es fey denn, daß eine alte Handfehrift richtig ift, nach welcher zween Laurentii, dererfte bis 1204 vor Con⸗ rad und Werner, der andere nach ihnen gewefen, Denn nach) den Urfunden kommt Henrich Lim Jahr 1235 als Biſchof vor, und die bisher bekandten Urkunden, die feiner erwehnen, reichen bis 1244. Zu feiner Zeit fchtendieMarggrafen Sohann ı und Otto 3 nebſt dem Erzbifchof von Magdeburg ihre Anſprüche auf Lebug geltend | * machen. Sie belagerten 1238 diefen Ort, mögen ihn auch erobert haben, muſten "aber, theils wegen eingeriffener Zwoiftigfeiten unter fich, theils wegen der ſtar⸗ fen Macht Heurichs des Bärtigen von Schlefien, der den Verkauf feines Alteften Sohnes Boleslai nicht genehmigen wolte, wieder verlaffen. Die in Schleſien eins | dringende Macht ber Tartarn — zur Zeit dieſes Biſchofs alles in ae: Diels ward Im Wilhelmus ı bis 1446 fein unmittelbarer Nachfolger. Nanckerus von ver Schulenburg, den Herr Michaelis mie dem Werner Conrad. . Werner. Henrich 1. Wilhelm 1. Nanckerus. Schulenburg vor eine Perſon hält, zeige ſich 1248 auf der Kirchenverſamm⸗ fung, die der päpfiliche Botſchafter Jacob nach) Breslau ausgefihrieben. "Sn. eben Hiefem Jahre überließ Herzog Boleslaus der Kahle von Schlefien, Henrichs des Frommen Sohn, denen Marggrafen von Brandenburg Johann ı und Otto 3 96 gen eine Geldſumme Lebus und die Neumarf. Da aber einige Schriftſteller diefe Verträge bey dem Jahre 1250 und 1252 anbringen, fo kann es wol feyn, daß die Marg⸗ grafen anfänglich nur diefe Gegend als ein Unterpfand, nachmals aber als ein völliges Eigenthum befommen haben. Seit diefer Zeit find alfo die Bifchöfe von Lebus unter der landeshoheit der Marggrafen von Brandenburg gewefen, Wilhelm 2 von Bredow kommt in den Urfunden von 1255 bis 1285 vor. Sei⸗ —— ner wird bald in den maͤrkiſchen, bald in den polniſchen Angelegenheiten gedacht, von Bredow. - Die Polacken nennen ihn zuweilen Volimir. Unter ihm ward, vermöge eines Ver⸗ gleiche mie dem Erzbifchof von Magdeburg Conrad 2, der den zıflen Merz 1276 getroffen worden, die Wiederanrichtung und Aufbauung der Stiftskirche zu Lbus, des Wohngebaͤudes der Domherren und ver Domprobftey beſchloſſen. Conrad 2 zeigt ſich von 1287 bis 51299 in den Urkunden, folglich muͤſten wol die Conrad 3. von andern angegebene, Nicolaus, der 1273, und — Johann, Niecolaus. Johann. Friedrich. Stephan. Apezko. Johann. EN Bank. — 344 38.7 Hauptfi Neuere Gefthichte vom Brandenburg. Johann, der von 1274 bis 1280 diefe Würde bekleidet haben foll, wegfallen, * fern nicht wieder vor Wilhelm 2 ein’ anderer Conrad bereits —A —— gegen kommt tete yo Friedrich als Bifchof von Lebus in einer ehe 1305 —2* el; © ©tephanus , der in der maͤrkiſchen Gefchichre fo berügme, wie Herofkrat,.ift Nach Abgang der anhältifchen Churfuͤrſten von Brandenburg vergab Kaifer rg die Mark Brandenburg an feinen Sopn Ludwig ven aͤltern. Dem Papft ſtund fol ches nicht an,’ weil der Kaifer, feinen Kronenftreit durchaus. nicht ſchlechterdings dem Ausſpruch des. heiligen Vaters uͤberlaſſen wolte. Dieſer erklaͤrete 1324 den Kaiſer in den Dann, unter andern deswegen, weil ſolcher die Mark ſeinem Sohn gegeben, Bifchof Stephan ließ die Bannbulle in feinem Kirchenfprengel- anfchlagen. Da vie Stade Frankfurt fehon vorher mic ihm wegen der Zehnden Streit Hatte, fo widerſetzte fie fich auch, anjetzt dem Bifchof. Davor lockte, auf Anftiften des Papfts, Stephan 1325 die Polacken nebft denen damals noch heidnifchen Litthauern ins fand, welche daſelbſt 1326, fonverlich im Sternbergifchen, graͤulich wüteten, ‚über 140 Dörfer abbrannten, und auf 6000 Menfchen als Sclaven mit fich fortſchlepten. Wir von ihren Graufamfeiten im erften Bande unferer Gefchichte Nachricht gegeben, Mit Hüffe ver Böhmen jagte man 1327 den äufferen Feind zum tande heraus. Nun fiens gen die Frankfurter an, fich auch an ihrem innern Feinde dem Bifchof Stephan: zu rächen. Sie zerſtoͤreten den Dom zu Goͤritz, und hielten den Biſchof ſelbſt ein Jahr lang gefangen. Nachdem er aber 1328: auf freien Fuß gefommen ‚ı brachte er die Stadt Frankfurt in den Kirchenbann, in welchem der Drt 28 Jahr geblieben. ) Er hatte da⸗ mals nicht übele tuft, fich in ver Stadt veſtzuſetzen, und die Marienkirche zur Dom⸗ kirche zu machen. Aber der Kaiſer verbot 1330 der Stadt, ihn aufzunehmen, Im Jahr 1333 wohnte Stephan der Krönung Caſi mir 3 von Polen bey olleb * | bis 1345 bey der bifchöflichen Würde. Apaezko oder Albrecht, den die meiſten Shhriftſteller pr wie —* ish u ſten Bande gethan, mit dem vorigen Stephano verwechjeln, und folhen Stephan a Pezfo benennen, war noch 1345 Domberr und Offieial in Breslau; — ward aber 1346 Biſchof von Lebus. Nach ihm mag Johann, der 1350 und 1356 in polniſhen Geſchaſten af Diff von Lu angegeben wird, und Henrich Banß, nich Brand oder Brantzk im Zolebbau —— dieſer letztere von denen Marggrafen unterſtuͤtzt ſeyn. Im Jahr 1354 verglich er = mit dem Marggrafen. Der Bifchof Tieß feine Forderungen auf Droffen und Fuͤr⸗ ftenfelde auch auf die Marienkirche von Frankfurt: fahren, er erhielt dagegen 12000 Mark Silber, halb an baarem Gelde, die andere Helfte in Tiegenden Gründen. Das mals find die Städte Lebus und Fürftenmwalde an das Stift gekommen. Im Jahr 1355 war er bey dem Kaiſer in Prag-und zu Nürnberg, 1356 zu Nürnberg. und Mes, 1359 in Berlin, 1360 folgte er mehrencheils dem Hofes Er ward feit der Zeit =. > A — — — 2 — I Tefthen Tochter Anna 1353 erzeugt hat, warb nunmehr Bifchof, „und komm nig, Dritter Anhang. Vom Bifchofthum Lebus 345 Zeit zu den meiften fandesangelegenheiten gezogen. In einer Urkunde von 1365 wird ee auch Henning genannt, und ftarb 1367. In dieſem Jahr folgte Peter. Es ift noch flrittig, ob er aus dem Gefchlecht derer von Oppeln ober. Peter vou bon Oppen geweſen. Im Jahr 1368 verſprach König Cafimir von Polen ; ihm die Oppen- in Polen abgenommene Güter wieder zu verfhaffen, deffen feichengepränge er 1370 for tool, als der Krönung Ludwigs von Ungarn beiwohnete. Nachdem das bifchöfliche Wohnſchloß i in Goͤritz eingeäfchere war, wohneten die Bifchöfe auf einem Berge vor Lebus in einem fehlechten Gebäude. _ Uber auch diefes ward 1373 ven den Faiferlichen Kriegsvölkern, bie in die Mark eingefallen, eingeaͤſchert, und zween Domherren nebſt 300 Stiftsunterthanen gefangen genommen. Peter entfchloß fich daher, finen Wohn⸗ fiß nach) Fuͤrſtenwalde zu verlegen. Im Jahr 1374 wohnte er dem merfwürbigen Sandtage des Kaifers zu Tangermünde mit bey. Er foll endlich nach einer Hands ſcheiſt, Die ich) befige, 1375 mit Tode abgegangen ſeyn. .. 146% Wenzel, ein Sohn Herzogs Wenceslai von Siegnit ‚ —— Caſimiri * t ſchon 1377 in Urkunden ver. Im Jahr 1378 widerſetzte er ſich einer paͤpſtlichen Scha⸗ tzung der polniſchen Stifter. Nach dem Tode des Biſchofs Prebislai von Bres⸗ lau wolte der Kaiſer Wenzel einen Herrn von Duben zu dieſem Stift befördern. Aber die Domperren hatten unfern Wenzel Bifchof vom Lebus erwaͤhlet. Er fehrieb fich, daher noch 1381 Bifchof von Lebus und Verweſer des Stifts Breslau. Im Zahr 1382 ward er endlich wirklich Bifchof vor Breslau, wogegen er das Stift Ler bus aufgab. Im Jahr 1409 folgte er feinem Herrn Bruder Ruperto in der Regie⸗ zung des Herzogthums Liegnig. Im Jahr 1417 legte er das Biſchofthum Breslau zu Coſtnitz nieder, und farb 1420, Nachdem er 1382 die bifchöfliche Wuͤrde des ka Lebus niedergelegt, folgte Johann von Kitlitz, Hisheriger Domherr. Dlugoſſus hat ihn Adam von Zohan von Kitlitz genannt. Er. ward 1388 von dem Sigismundo nach Trident berufen, um FÜ denen Berathſchlagungen über die märfifchen Angelegenheiten beizuwohnen, und mag 1) mit Tode abgegangen ſeyn. Johann Böhme harte mit den Grafen von Lindau und Ruppin Streitige Johann Boͤh⸗ keiten ‚ bie aber 1400 abgethan wurden. In diefem Jahr ift er auch geitorben. a | Johann von Borsnitz lebte zu der efendeften Zeit in der Mark Brandenburg. Johann von Die neue Mark ward 1402 dem deutfihen Orden überfaffen, und die übrigen Mars Bersnis. fen befam 1421 der Erlöfer Friedric) von Nürnberg. Unfer Johann war ebenfals auf der Coſtnitzer Kirchenverſammlung, und 1417 bey der churfuͤrſtlichen Belehnung Friederici 1 gegenwärtig. Am Zahe 1406 foll er wegen des Difchofgeldes mit dem Abt zu Himmelftädt fonderliche Händel gehabt haben. Als 1416 der Erzbifchof von Gneſen das Primat von ganz Polen erhalten, fo mufte fich der Bifchof wegen feiner pulnifchen Sändereien nachmals von demfelben weihen laffen. Er ward 1420 zu einem ungarifchen Stift befördert. Zu Lebus folgte ihm — Pallg. preuß. Geſch.3Th. Xx Jo⸗ 3246 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Johann von Johann von MWaldau der ältere, bisheriger Bifchof von. Brandenburg 1421, —— der einer der groͤſten Staatsleute ſeiner Zeit und ein treuer Rath des Churfuͤrſten Friedrichs . — Die ſer ſchloß ihn in den Frieden mit Pommern ein. Er ward auch in das Buͤndniß auf⸗ genommen, welches Brandenburg, Magdeburg, Sachſen⸗ Lauenburg und ‚der Bifchof von Havelberg gegen die Straffenräuber ſchloſſen. ch werde immer mehr und mehr beftärft, daß er das Biſchofthum Brandenburg neben dem von Lebus beibehalten habe. Der Churfürft brauchte ihn 1422, einen andern Prinzen nad) Polen zu bringen, Dafelbft wohnte er 1423 der Krönung der polnifchen Königin Sophia bey. ; Endlich farb er 1423. Johann von Johann von Waldomw ver jüngere, des vorigen Bruder, wurde auch 1423. fin — Bar Nachfolger. Unter diefen beiden legten Bifchofen war ihr Better, auch Johann von - - MWaldorw genannt, Stiftshauptinann, dem man Schuld gab, daß er die Bifchöfe zu vielen Schmaufereien und unzähligen Ausgaben verführer habe. Mach des letztern 1424 erfolgtem Tode machte diefer Hauptmann eine Anforderung von soo Öulden an das Stift, die er auf Kriegesrüftung hatte verwenden müffen, und verlangte von dem Domeapitelderen Bezah⸗ fung. Als folches nichts davon hören wolte, brauchte er Gewalt, nahm Lebus in Beſitz, und wolte folches nicht eher räumen, bis er fein Geld erhalten. Das Capitel hatte indeffen eine Wahl fürgenommen, die auf den Dechanten Peter von Borgsdorf ausgefallen. Der Churfürft aber hatte den leg BER Chriſtoph von Chriftoph von Rothenhan, nicht Roth, wie einige meinen, zum Biſchof vor Nothenhan. geſchlagen. Er war des Lucas von Rothenhan auf Rentweinsdorf und St und der Felicitas von Redwitz Sohn, ein Bruder des nachmaligen Bifchefs Anton von Bamberg. Er hatte fich geoffe Wiffenfchaften und die hoͤchſte Wirde in der Gottesge⸗ fahetheit erworben, und war auf wälfchen hohen Schulen mic dem Marggrafen Ludwig von Mantua des Churfürften Schhwiegerfohn in Bekandtfchaft gefommen, der ihn dem Churfuͤrſten Friedrich aufs Fräftigfteempfolen. Auf dieſes Anfuchen ließ ihn der Papft fich gleichfals gefallen. Der Streit des Capitels mit dem Hauptmann von Waldow machte dem erftern des Churfürften Beiftand unentbehrlich. Es nahm alfo den von Ro⸗ thenhan an, und ber friedfertige Dechant ward mit einer Summe abgefunden. Der neue Biſchof ward von dem Ehurfürften in den wichtigften Staatsangelegenbeitengebraucht, und dfters an Kaifer und Reich verſchickt. Er ward 1427 in den Frieden zwifchen Branden⸗ burg und Pommern namentlich eingefhfoffen. 1431 beſtimmte die bafelfche Kirchenver⸗ ſammlung, daß die Bifchöfe von Lebus Fünftig in geiftfichen Dingen unter dem Erzftift Önefen ftehen folten. 1434 mufte fein Stift bendem Einfallder Hußiten entſetzlich lei⸗ den, weil diefe glaubten, daß der Bifchof den Churfürften bauprfächlich zum Kriege gegen - die Hußiten verleitet Härte. Sie pluͤnderten Lebus und Fuͤrſtenwalde aus. In die ſem Jahre begfeitere er feinen Bruder Anton, als folder vom Stift Bamberg Beſitz nahm. Im Jahr 1436 vermittelte er die Grenzſtreitigkeiten des Koͤniges von Polen mit dem Hochmeifter des deutſchen Ordens, ſtarb aber bald darauf kurz vor Michael im Jahr 1436, _ Und nun folgte endlich durch eine anderweirige Wahl der Ste dechant Peter — — Fee 1575 u Eeenire. Eon) a ae Deitter Anhang: Dom BifihofthumLbw. "947 Peter von Borgsdorf, und ward den gten Jan.14375u Baſel beſtaͤtiget. Der _ Peter vor Ehurfürft von Brandenburg brauchte ihn als feinen Gefandten in Polen. Er gieng Dorgeöort. aber bereits 1439 mit Tode ab, und foll zu Pödelzig begraben feyn. Conrad Krom bisheriger Domproft, ein Weftphäler, Fam hierauf zum Biſchof Conrad Krom thum, und ward vom Erzbifchof von Gneſen beſtaͤtiget. Er ſtand dem Stift bis an feinen Tod 1443 vor, und iſt zu Fuͤrſtenwalde bey dem groffen Eingange beim Thurm begraben. 147 Sohann Dehr, Dyhr, oder, wie fich das Geſchlecht jetzt ſchreibt, Dyhrn, bisheri / Johann som ger Domherr zu Meiſſen und Erzdiacon ver Lauſitz. Der Erzbiſchof von Gneſen beſtaͤ⸗ Dyhrn. tigte ihn. Seine Grenzſtreitigkeiten mit dem Abt von Zinna wurden durch die Vermitte⸗ fung des Churfuͤrſten gehoben. Zu ſeiner Zeit Fam 1444 die Neumark wieder an die Chur⸗ fürften von Brandenburg. 1446 mufte er, aufpäpftlichen Auftrag, die Anftalten mas chen, daß die bisherigen Praͤmonſtratenſerkixchen zu Brandenburg und Havelberg wie der als ordentliche Domfirchen eingerichtet würden. Denızten April diefes Jahres legte er den Grund zu der neuen Domkirche zu Fuͤrſtenwalde, da die alte zu Ziten der Hußiten eingeaͤſchert worden. Cr ftarb den agjten Zul. 1455, und befam in der Domfirche zu Lebus ein meßingenes Grabmal. | ! Friedrich Seffelmann, der Rechte Doctor, aus Culmbach in Franken gebürs Friedtich Ser; ig, bisheriger Probſt zu Lebuß, ward nunmehr Bifchof. Er hat denen dreien Churfürften ſlmann. Friedrich 2, Albrecht und Johann als Kanzler Dienfte gefeifter, auch das Biſchofthum dergeftalt vermehrer, daß man ihn den andern Stifter deffelbennennet. 1465 half er den Erʒbiſchef Johann von Magdeburg, einen baierifchen Prinzen, einführen. 1469 gieng er als churfuͤrſtlicher Gefandter nach Polen, wo König Caſimir auf dem Neichsrage zu Peterkow den Chutfürften'von Brandenburg mic den Herzogen von Pommern auszus föhnen fich bemühere. Zugleich mufteer damals vor den Ehurprinzen Johann um eine polnifche Prinzeßin anwerben, obgleich aus diefer Vermälung nichts geworden, weil der | r vinz bald darnach mit Tode abgleng. 1470 war er auf den Reichstag nach Regen⸗ yurg geſchickt, 1471 beftärigte er, in Vollmacht des Papftes, ven Vergleich des Herrnmei⸗ 5 der Balley Brandenburg mit Conrad von Brunsberg Großprior von Deutſch⸗ land. 1472 machte er eine päpftliche Bulle befandt, daß die Maͤrker vor fein geiftfiches Gericht auffer landes geladen werden ſolten. Aus feinem damals gebrauchten Titel fichet man, daß er vom Churfürften Albrecht zum oberften Sandesrichter 2) beftellet worden. 1474 ſchickte ihn Churfuͤrſt Albrecht mir einem groffen Gefolge nach Polen, vor den churfuͤrſtli⸗ chen zweiten Prinzen Friedrich) um die polnifche Prinzeßin Sophiam, König Caſimirs Tochter, anzuhalten. 1476 begleitete er den Erzbifchof Ernſt den feinem Einzuge in Mag⸗ deburg. Als nachher Churfürft Albrecht nach Franken adgieng, und die märfifche Re⸗ - gierung feinem Churprinzen Johann überließ, ward diefer Bifchof zu deſſen vornehmſtem . Rarhverordnet. Am Jahr 1482 brauchte ihn Marggraf Johann, als verfelde mit dem 3: 2 Her, a) Diet Apoftolicae fedis gratia Epifcopus wilegiorum iluftsifimi Prineipis, Domini Al- Eubucenfs , index et conferuator iurium et pri- berri, Marchionis Brandenburgici, 248 3%. 7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Herzog Zohann von Sagan einen Vergleich wegen Eroffen zu fehlieffen ſuchte. Ends lich ſtarb er im Jar 1483 den zıften September, nachdem er auf finem Sterbebet⸗ te den eiborius von Liborius von Sthlieben, der Rechte Doctor und Domberrn von Lebus, dem Eu Schlieben. pitel aufs nachdrücklichfteempfohlen. Es ward felbiger zum Bifchof erwaͤhlt, ſtuͤrzte aber \ durch feine Pracht das Stift in fehwere Schulden. Er ſtarb am Dftertage 1486 zu Berlin, ward aber nach Fuͤrſtenwalde abgeführet, und in dafigem Dom begraben. Ludwig von Ludwig von Burgsdorf, der folgende Bifchof, lebte nicht länger als bis 1489. Burgsdorf Einige haben zwar den Johann von Blanfenfeld als feinen Nachfolger, doch ohne. genugs famen Demeis, angeben wollen. Jedoch die beften Nachrichten wiflen nichts von ‚Ihm, ſondern erzaͤhlen, daß, nach Liborii Abſterben, das Domcapitel den Dechanten Guͤnthern von Buͤnau, einen gelehrten und tugendhaften Praͤlaten, waͤhlen wollen. Aber ein chur⸗ fuͤrſtliches Schreiben empfahl den Dietrich von Dietrich von Buͤlow auf das nachdruͤcklichſte. Ohnerachtet nun dieſen letztern nie Buͤlow. mand im Capitel, als Thomas Seſſelmann, Fannte, ſo ward im doch das Biſchofthum zu Theil. Günther von Buͤnau ward nachher Bifchof von Samland in Preuffi Das Stift Lebus verlor hieben nichts. Dietrich von Buͤlow, nicht aber von Bredow, wie ihn Haftitius falſch nennet, war ebenfals ein ſehr gelehrter Herr, der mit den groͤſten Gelehrten einen Briefwechfel unterhielt, und vieles zur Aufmunterung zu den Wiſſenſchaf⸗ ten verwandte. Auch in Staatsſachen wurde er gebraucht. 1494 half er einen Vergleich zwiſchen Herzog Henrich dem juͤngern von Braunſchweig und Luͤneburg und der Stadt Braunſchweig zu Stande bringen. 1504 gerieth er mit der Stadt Frankfurt in Weite⸗ zungen. Dieſe hatte einen von Adel. weller ſich einiger franffurtifchen Waaren mit Ge⸗ walt bemächtiger, von feinen Gütern abholen, und demfelben am zweiten Dfingfktage, ber Vorbitte des Bifchofs, der deſſen Vetter war, ohnerachtet, den Kopf abfchlagen laſſen. Unſer Biſchof brachte es bey dem Churfuͤrſten deswegen dahin, daß der Stadt die peinliche Gerichtsbarkeit genommen wurde. Er ſelbſt belegte den Ort mic dem Kirchenbann. Doch muß ſolches nicht lange gedauret haben, denn 1506 konte ſchon die Einweihnng der hohen Schule zu Frankfurt vorgenommen werden. Hiebey ſtellte unſer Biſchof, als Kanzler des neuen Mufenfißes, eine Hauprperfon vor. Der 26jte April ward zu der Feierlichkeit angeſetzt, da Churfuͤrſt Joachim ınebft feinem Bruder Albrecht einen oͤffentlichen Eins zug hielt, und von dem Bifchof empfangen ward, Dieſer hatte die Ehre, am folgenden Tas ge Albertum inder St. Marienkirche zum Priefter zu weihen, wobey Joachim von Buͤ⸗ low, des Biſchofs Vetter, eine Rede, dieſer aber das Hochamt hielt. Nach der Tafelritte der Churfuͤrſt nebſt Albrecht und Biſchof Dietrich nach der Gertrudenkirche, wo er die Perſonen der hohen Schule aufs gnaͤdigſte empfieng, ſodenn gieng der Zug nach der Haupt ⸗ firche, bey welchen der erſte Rector Conrad Wimpina zwifchen dem Churfürften und Alberto, der Ordinarius Blankenfeld aber zwifchen dem Biſchof und dem Johanniter⸗ ritter von Diesfau giengen. Hier verzichtete der Bifchof die Einweihung Durch Ueberrei⸗ Sung des Scepters an ben Nector und der Facultätefi egelc an die Dechanten. Nachdem ee zuvor — J ———— — Se m * Ti AL u BR? — en N or Dritter Anhang. Vom Bifchofthum Lebus. 349 zuvor eine Rede gehalten, darin er ort gedankt, und die hohe Schufe zu der anmwefenden fuͤrſtlichen Derfonen Gnade empfohlen hatte. Die Feierlichkeit ward durch eine Abendmals zeit geendet, über welcher der Bifchof die Geſellſchaft mit gelehrten Gefprächen unterhielt. Er war bey dem’ Turnier zu Neuruppin, und. ıs13 auf dem Landtage zu Branden⸗ burg gegenwärtig, wo er zum nürnbergifchen Kriege 10 Neuter abzuſchicken verfprach. 1514 befand er fichin des Churfürften Gefolge, als felbiger feinen Bruder Albrecht nach Halle begleitete. 1516errichtete er eine Eheftiftung zwifchen feines Bruders Stephan von Bülow Tochter Elifabeth und Hanfen von Arnim. In den darüber verfaften Urfuns den fchreibt er fich blos von Gottes Gnaden, ohne des apoftolifchen Stuls zu gedenken. Biss > ber hatte das Stift noch in Polen Güter gehabt, die von einigen Schriftſtellern das fand Apta genennet werden, in der Thataber die Stadt Dpathau nebſt der umliegenden Ges gend ausmachten. Beil jelbige aber gar zu vielen Nachfiellungen unterworfen, fo entfchloß ſich der Bifchof 1518, fie für 45000 rheinifche Gulden zu verfaufen. Für das erhaltene Geld brachte das Stift nicht lange hernach die Herrſchaften Befefom und Storckow von Ul⸗ rich von Bieberftein pfandsweife an fich. 1521 ward das Stift Lebus zuden deutfchen Reichsanlagen gezogen, weil es aber beftändig landfäßiggewefen, fowiderfprach nicht nur der Churfürft, fondern auch felbft der Bifchof diefer Neuerung. Dietrich) von Buͤlow farb den iſten Det. 1523, und ward in der Saeriften zu Fuͤrſtenwalde zur Erde beſtattet. a U SL . 148. Georg von Blumenthal folgte nunmehro im Biſchofthum Lebus. Er war vor⸗ Georg von 12 [2 her Doctor der Rechte, Dechant zu Lebus, und vielleicht auch Domherr zu Havelberg ges Blumenthal. weſen. 1520 hatte ihn das havelbergifche Domcapitel ſchon zum Bifchoferwählet, und war auch bereits vom Papft beftätiget, weil folches aber, ohne die Benennung des Churfürften abzuwarten, geſchehen, fo mufte er damals dem Hieronymo von Gramſchuͤtz weichen, und mic der Anwartfehaft auf das Biſchofthum Lebus zufrieden ſeyn. Er ward auch nach ber nicht nur Biſchof von Lebus, fondern auch von Ratzeburg. Cr begleitete feinen Churs fürften auf dem fogenannten perlebergifchen Zuge, der dem verjagten König Ehriftian 2 bon Dännemarf zu gute vorgenommen ward, aber fruchtlosablief. Als 1527 der Herrs meifter von Thuͤmen ven Caftellan zu Meſeritz feindlich angefallen hatte, fo forderte der König von Polen deswegen eine Genugthuung, inzwifchen Fam es endlich zu einer guͤtli⸗ ehen Unterhandlung, bey der fichder Bifchof als churfürftlicher Gefandter einfand. Im Jahr 1528 befam George einen gefährlichen Streit mit etlichen von Adel. Er hatte ſchon einige Zeit vorher mit einem geroiffen Seren von Birckholz in Zwoiftigfeit gelebt. Diefer wiegelte Niclafen von Minckwitz auf Sonnenburg und Otten von Schlieben auf, welche mit ohngefehr 60 Reutern Fuͤrſtenwalde uͤberrumpelten. Der Bifchof hatte noch das Gluͤck, verkleidet zu entfliehen, und beydem Ehurfürften, ver ebenzu Grimnitz auf der Jagd war, anzufommen. Dieſer ſchickte fofort einen Theil von feinen Bolfern nach Fuͤr⸗ ftenwalde, und es wurden überhaupt 24000 zu Fuß und 6000 Neuter aufgeboren, “aber Minckwitz hatte den Ort fehon vor ihrer Anfunfe verfaffen. Nun verffagere der Churfuͤrſt zwar darauf den von Minckwitz als einen Störer des allgemeinen tandfriedens Ir 3% bey 350 3%.'7 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ben demrömifchen Konige Ferdinand, deffen lehne mann er war. Doc) da er fußfällig um Gnade anhtelt, fo ließ; der Churfürft auch die Klage wieder fallen. Im Fahr 1sgobes gleitete Bifchof Georg den Ehurfürften auf den Reichstag nach Augfpurg, doch nur als fein Rath und Landſaſſe. "Und ob errgleichin dem Fuͤrſtenrath feinen Sitz zuweilen nahm, fo that er doch biefes nicht als Bifchof von Lebus ſondern als Biſchof von Rasgeburg; wie er ſelbſt den Churfürften, auf deſſen Befragen, benachrichtigte, womit diefer auch zufrieden war. 1533 fand er fich bey den folennen Einzuge Ehurfürft Joachims 2 zu Berlin mit ein. 1535 half er des Churfürften Gemalin Hedwig aus Polen abholen, und 1545 verrichtete ee auf deffen Befehl eine Geſandſchaft in Polen. Daß er auch 1545 den Reichstag zu Wrmd beſucht Habe, erhellet aus der Unterfchrift des damaligen Reichsabſchiedes. Zu feiner Zeit Y ward die Kiechenverbefferung in der Mark Brandenburg eingeführer, welcher ev ſich aber bis an feinen Tod widerſetzte. Es erfolgte derſelbe den zyten Sept. 1550. Johann von. Sohann von Hornburg, der nunmehr zurbifchöflichen Wirdegelangte, war vor⸗ Hornburg. her Doctor der Nechte, Domprobft zu Brandenburg, Domherr zu Hildesheim) und nach einigen Nachrichten auch Domherr zu Halberftadt, Minden, Merfeburg und Naumburg, imgleichen Prodft zu Walweck. Cr war ein Gönner ver Gelehrten, und als fich die kehren der Frankfurter hohen Schule 1552 wegen der Peft nach Lebus begaben, genoffen fie von ihm viele Güte. Der Kirchenverbefferung hat er fich nicht weiter widerfegt. Er überließ fein Pfandrecht auf Beſeckow und Storckow dem Marggrafen von Cuͤſtrin, und ſtarb 1555 ven gten Jun oder nach "andern Nachrich⸗ ten ben oten San. oder den 6ten Jul. Nunmehr neigte ſich das Biſchofthum zu En 20 Dennerle ia Race Er Fe Marsgraf Marggraf Joachim Friedrich, feiner Tugend ohnerachtet, zum Verweſer des Joachim Stier Biſchofthums Lebus angenommen, dem fein Here Vater Marggraf Johann Geor⸗ re ge, als Bormund, allen Beiftand feiftere. Zu feiner Zeit wurde veftgefegt, daß fünf burg» tig das Biſchofthum jederzeie mit dem Churfürftenehum vereiniget bleiben, das Doms capitel aber eingehen folte. Es erfolgte diefes wirklich 1598, da Marggraf Joachim Friedrich nach dem Tode feines Heren Vaters die churfürftliche Würde antrat "0 .149. — 6 Kal Alte biſchoͤfli⸗ Da fich die Abtheilung in Kirchenfprengel nicht allemal nach der Abtheilung der che gewalt hat weltlichen Regierungen richten konte; fo fand folches auch in der Mark Brandenburg ———— ſtatt. Die Grenzen des Kirchenſprengels von Habelberg breiteten ſich auch in Pom⸗ mern und Mecklenburg aus. Brandenburg erſtreckte ſeinen Kirchenſprengel in das Anhaͤltiſche, Saͤchſiſche und Lauſitziſche. Lebus Hatte Kirchen in Polen unter ſich Aber es gehdreten auch einige maͤrkiſche Kirchen unter ven Kirchenſprengel auswärtige Bifchdfe. Die Bifchöfe von Pofen, Cammin, Berden und Halberftadtbartendie Aufficht einiger märfifchen Kirchen. Die Kirchenverbefferung aber änderte folches ab, ſo wie alle drey märfifche Biſchofthuͤmer aufhoͤreten, da Joachim Friedrich die chur⸗ fürftliche Regierung antrar, von welcher wir nunmehro unſere Leſer unter⸗ richten müffen. re C:} DE 727° Der Fa DAR ‘ — — Der neuern Geſbiht von Brandenburg Achtes Hauptſtuͤck. Von der Regierung bes Churfuͤrſten Joachim Friedrichs, TEEN BERRL S-, in RE, NT I , — He N: audi! NG m —MV 1) ee $. m. RN Nach der Mitte des 1öten Jahrhunderts beftand das gefamte Haus Joachim FE Beandenburg nut noch in wenigen Perfonen. Der Churfuͤrſt Srtedeihe er⸗ Sohanın Geurg war. wirffich der einzige, der ducch feine zaf "* reiche Nachfommenfchaft drey marggräfliche tinien geftiftet hat. - I Die jegige Haupt» und Churlinie ward durch deffen älteften Prin⸗ 3 zen Soachim Friedrich fortgefegt. Er war das einzige Kind von A feiner Fran Mutter Sophia, einer gebornen Herzogin von Liegnitz, ‚die auch neun Tage nad) feiner harten Geburt mir Tode abgieng. Halbtodt erblickte : Joachim Friedrich die Welt den 27ften Jan. um 5 Uhr Nachmittags 1546. Der Sebrauch von Malvafier und andern ftärfenden Sachen mufte ihm das faft verlorne ‚eben wiebergeben. Da auch die Sohne aus der zweiten Che Johann George ſehr zeitig ſtarben; ſo blieb Joachim Friedrich lange Zeit die einzige Hofnung des ganzen Hauſes. Sein Herr Vater wendete daher alle moͤgliche Sorgfalt auf ſeine Erziehung. Da es an dem Hofe des Churfuͤrſten Joachims 2 zu rauſchend hergieng, ward uns fer Prinz zu Zechlin unter ven Augen feines Herrn Vaters erzogen. Selbiger hatte vor ihn den Thomas Hübner aus Berlin kommen laffen, welcher, wegen feiner Rennen in der Jateinifchen und griechifihen Sprache, zugleich aber wegen feiner Stärs ke in den ſchoͤnen Wiſſenſchaften, zum lehrer des jungen Herrn verordnet wurde. Bey P. allg. preuß. Befch.3 Th. - BR) dem * 354 3°. 8 Hauptſt. Neuere Geſhichte von Brandenburg dem ftarfen Aufwand des damaligen churfürftlichen Hofes Joachims 2 nahm Johann Georg alle Gelegenheiten in Acht, die ihm und feinen Nachlommen die noͤthigen Einfünfte verfchaffen Fonten. Als daher fein Herr Bruder Friedrich Erzbiſchof von Magdeburg, Bifhof von Havelberg und Halberftadt 1552 den sten Detober in dem letztern Stift verftorben, und hierauf Churfürft Joachim 2 den Georg von - © Blandenburg zum Sciftshauptmann von Havelberg auf ebenszeit ernannte; fo brachte der damalige Churprinz Johann Georg nicht nur das Domeapitel von Ha⸗ velberg dahin, daß felbiges 1553 feinen älteften Prinzen Joachim Friedrich, im zten Jahr feines Alters, unter des Herrn Vaters Vormundſchaft zum Biſchof erwählte, fondern es ward auc) der Stiftshauptmann durch einen Vergleich vermocht, gegen ans derweitige Vorcheife und Beibehaltung des Chrennamens eines Stifte hauptmanns, den Joachim Friedrich als Biſchof von Havelberg zu erfennen. Eben dieſen Marggras fen Joachim Friedrich wählte auch das Domcapitel zu Lebus 1555, nach den Tode des Bifhofs Johann von Hornburg, zu ihrem Stiftsverwefer. Weil folcher aber erft im gten Jahr feines Alters war; jo führere deffen Here Vater auch in dieſem Bi⸗ fehofehum die Bormundfchaft mit aller Klugheit. Als 1564 der Herrmeiſter von Sons nenburg, Thomas Runge, verftorben, ward vom Marggrafen Johann von Cuͤ⸗ ftrin Zoachim Friedrich nebſt dem Franz Neumann zum neuen Herrmeifter vorges fihfagen. Es traf aber den leßtern die Wahl. Der erfte gieng hingegen 1565 an ben. Hof des Kaifers Maximilians 2; und befand fich eben 1566 bey dem Faiferfichen Heer in Ungarn, als, nach) dem Tode des Marggrafen Siegmunds, das Domrapitelbon ' Magdeburg ihn zum Erzbifchof erwaͤhlte. Im Jahr 1567 nahm er den gten Yan, von der erzbifchöflichen Wohnſtadt Halle, wo er den ısten Yan. einen fandtag hielt, Beſitz, verſprach aber in feinem Wahlvertrag, diefe Würde auf den Fall niederzulegen, wenn das Churfürftenehum an ihm gelangen folte. Der Kaifer Marimilian 2 ver fprach den neuen Erzbiſchof wirflich zu belehnen, der fich um fein Hochſtift dadurch ver⸗ dient machte, daß er die 20 Jahre lang verſchloſſene Domkirche zu Magdeburg erdf⸗ nen, darin die enangelifch-Tutherifche tehre predigen, und das Abendmahl unter beis derley Geftalt auscheilen ließ. Am Jahr 1563 ließ er Anſtalten zur Schiffahrt auf der Saale machen. Er feßte die Kirchenverbefferung in den Klöftern des Erzſtifts Mag⸗ debug auf dem fandrage zu Magdeburg den aöjten Jun. 1570 fort, und gieng ans dern Seiftlichen mit feinem beherjten Beifpiel vor, da er in diefem Jahr den sten Jan. zu Cuͤſtrin mit Marggraf Johann Prinzeßin Catharina ſich vermälte, und felbige, unter vielen Sreudensbezeigungen zu Wolmirſtaͤdt, Magdeburg und Halle, in ſein Hochſtift brachte, Noch in dieſem Jahre uͤbernahm er nebſt Sachſen den ızren Sept. die Verwaltung der mansfeldifchen Orte der verſchuldeten vorderortifchen graͤflich mansfeldifchen inte. Im Jahr 1571 entſchuͤttete er ſich der betruͤbten Pflicht, ſeinen Herrn Großvater den Churfuͤrſten Joachim 2, und ſeinen Herrn Schwiegervater J Jo⸗ hann von Cuͤſtrin zu ihrer Gruft zu begleiten. Well durch des erſtern Tod ſein Herr Vater die churfuͤrſtliche Regierung uͤberkommen, fo ward nunmehro Joachim Friedrich Churprinz von Brandenburg. _ | $. 151, X j Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 2 355 < keiten IST, - 57 Bubiefer Zeit Fam nicht nur die Schiffahrt auf der Saale zu Stande, und der und durprin;, Erzbifehof von Magdeburg loſete Sandau und Jerichow von denen von Saldern, lichen jahre. und Ummendorf von denen von Werdern wieder ein; fondern es fiel auch) das Schloß. Sommerfchenburg, nach des Chriftoph von Steinbergs Aöfterben, ihm wieder zu, ‚Er genehmigte die gefchloffene Exbverbrüderung zwiſchen Brandenburg und Pommern. Den sten Nov. 1572 war der ältefte Prinz Kohann Sigismund geboren. Der 1573 neu erwählte König von Polen, Henrich von Valois, Fam ven zten San. 1574 mit 3000 Pferden und 300 Maulefeln.nach Halle. Joachim Friedrich) Holete denfelden nebft dem Pfalzgrafen Eafimir und dem Zürften von Anhalt ver der Stade ein, ber gleitete ihn bis in das nene Gebäude, oder die jegige Nefivenz, die dem Könige in ber Zeit feines Dafeyns zur Wohnung angewiefen wurde. Ihm fihenfte der Konig soo ‚Kronen zu einer goldenen Kette, daher alle Goldſchmiede Tag und Nacht an felbiger zu Halle arbeiten mujten, damit fie nach vor des Koͤniges Abreife fertig würde. Henrich ward den gten Jan. auf der Moritzburg herrlich bewircher, und ihm bis zu feiner Ab⸗ reiſe den zıten Yan. zwar mit aller Höflichkeit begegnet; er muſte aber auch zugleich das . Misvergnügen bemerfen, welches Joachim Friedrich über die vorher, hauptfächlich auf Henrichs Veranlaſſung, gefpielte Parifer Bluthochzeit bezeigte. Den ten Sept. Meß der Erzbifchof eine Anzahl Bürger aus Halle, Neumark und Glaucha in der Macht vor Mansfeld fügen, um das Schloß ſamt der Stadt einzunehmen. Weit ‚auch an diefem Drte Cyriacus Spangenberg in einigen tehren dem Lutherthum nicht gleichförmig geblieben; fo wurden am Neuenjahrstage 1575 etliche Hundert Bürger aus ‚Halle und ven Borftädten aufgeboten, die aud) die Stadt und das Schloß einnahmen, und Spangenbergs Anhänger veſtmachten. Spangenberg felbit aber hatte fich vor ‚eine Hebamme ausgegeben, und war glücklich davon gefommen. Dem Joachim ward in dieſem Jahr feine Tochter Anna Catharina geboren. Er ſelbſt überließ die Rechte feiner Gemalin auf Befefow und Storkow dem Churhauſe Brandenburg, welches mie dieſen Herrſchaften Hierauf vom Kaifer Maximilian 2 beliehen wurde. Im Jahr 1576 beſchickte er ven Reichstag zu Regenfpurg, und gab ſich auf demſelben alle Mühe, wegen feines Hochftifes Magdeburg die Faiferliche Belehnung zu erhalten. Da ihr ‚aber der Papft nicht beftätiget, und er geheiratet hattes fo waren ihn die Papiften hiers in zuwider, und der Tod des Kaifers vercitelte vollends alle deshalb gehabte Hofnung. Demohnerachtet ſetzte Joachim Friedrich feine Stifreregierung ruͤhmlich fort. Der Schloßbau zu Wolmirſtaͤdt ward in dieſem Jahr geendiger. Die Eintrachtsformuf, welche in diefem Zahre zu Torgam entworfen und 1577 in Klofterbergen berichtiget wurbe, befihäftigte ihn, um folche im Hochftift einzuführen, um diefe Zeit auf eine merfliche Art. Hierauf half er durch feinen Gefandten Otto von Ramin die Stadt Danzig mit dem neuen Könige Stephano ausſoͤhnen. Den ı6ten December ward ihın fein Prinz Johann Georg geboren. Im Jahr 1578 den z7ften Febr. wurden feine Geſandten zur Mirbelehnung über Preuſſen gelaffen. Im Jahr 1579 Fam, durch) J Ver⸗ 356 3 Th. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Vermittelung feines Herrn Vaters und des Sandgrafen von Heſſen, der merkwuͤrdige eislebiſche Vertrag, an welchen feit einigen Jahren gearbeitet worden, zwiſchen Churs fachfen und vem Erzftife Magdeburg, über die fächfifchen Nechte auf: die Stade Magdeburg, das Burggrafthum und die Grävefchaft zu Halle, zum Stande. Hiew auf hielt Marggraf Jvachim Friedrich am 26ften October mit 2100 Pferden, in Ges fellfehaft vieler Fuͤrſten, einen prächtigen Einzug zu Magdeburg , und ließ fich in dies fer Stadt hufdigen, welches bisher in 65 Jahren nicht gefchehen war: "Die Krrungen, welche fich zwiſchen ihm und dem Domcapitel von Magdeburg ereignet hatten, wu den, unter Bermittelung feines Herrn Vaters, 1580 den gten Sul: durch einen guͤtli⸗ hen Vergleich gehoben, da dem Erzbifchof ſchon vorher den rzten Febr. fein Prinz Au⸗ guft geboren worden, fo wie Albrecht Friedrich ven zgften April 1582 zur Welt Fam, Er befüchte den merkwuͤrdigen Reichstag in Augſpurg, auf welchem den 2often Febr, der neue Calender Papfts Gregorii 13 befande gemacht wurde, den aber die Protes ftanten nicht annahmen. Hiefeloft wolte er zwar wegen feines Hochſtifts Magdeburg das Sig, und Stimmrecht ausüben, fand aber erhebliche Hinderniffe. Er nahm das augfpurgifche Staubensbefäntniß an, hatte fich vermäle, und feine päpftiiche Beſtaͤ⸗ tigung erhalten. Dies waren die Gründe, welche die catholifchen Geiftlichen, beſon⸗ ders Salzburg, anführeten, um ihm das Stimmrecht und den Borfig auf der geiſt⸗ fichen Fürftenbanf zu beftreiten. Der Kaifer fiel Salzburg bey, fo fehr fich auch bie Proteftanten feiner annahmen. Rudolph 2 verlangte, dag Joachim Friedrich vorjegt feines Herrn Vaters Stimme, als churbrandenburgifcher erfter Gefandter, führen, Salzburg aber die erfte Stimme auf. der geiftlichen Fürftenbanf ablegen folte, Joachim Friedrich) behielt fich die Nechte feines Hochftifts vor, hat aber nachmals die Reichsräge nicht weiter befucht. Denen Grafen von Mangfeld ſtand die wegen ihrer Schulden von Churfachfen und Magdeburg veranlaßre Verwaltung ver Graf fehaft nicht an. Sie hatten deswegen am Faiferlichen Hofe allerhand Bewegungen ges macht, und machten auf die Neicheunmirtelbarfeit wegen ihrer Herrfehaften Anfpruch. Endlich aber legten fie fic) zum Ziel, und Graf Hoyer von Mansfeld befannte in eis ” ner Urkunde vom 6ten un. „daß dem Ersftift Magdeburg die Tandesfürftliche Ho⸗ heit, Steuer, Folge und andere landesherrliche Rechte über die Grafſchaft Mansfeld, fo weit fie magdeburgifch Lehn, zuftehe.,, Die Eintrachtsformul und deren Verthei⸗ digung hatte bisher unfern Erzbifchof und deffen Gottesgelehrte befchäftiget. Eben dies fes Buchs wegen ward im Jan. 1583 von churpfaͤlziſchen, churbrandenburgifchen und herzoglich braunfchweigifchen Gottesgelehrten und Raͤthen ein Gefpräch zu Qued⸗ linburg gehalten. Die aus der Eintrachtsformuf entftandene Zerruͤttungen veranfaffes ten den Joachim Friedrich, eine Anzahl geiftticher und weltlicher Raͤthe zu bevollmaͤch⸗ eigen, im ganzen Hochitife Magdeburg eine Kirchenunterfuchung vorzunehmen. Vor⸗ nemlich waren diefe Neligionsireungen dem zur proteftantifchen Kirche üßergerretenen und neuvermaͤlten Er biſchof von Chin, Gebhard Truchſes von Waldburg, unge mein nachtheilig. Weil unfer Prinz bier ein neues DBeifpiel eines proteſtantiſchen ! J und | Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 357 und vermaͤlten Erzbiſchofs hatte; fo wäre es ſelbigem zwar angenehm geweſen, went ſich Gebhard bey der erzbifchöflichen Würde erhalten haͤtte. Es fihlug aber nachmals folches aus denen Urfachen fehl, die wir bereits in der vorigen Regierung angezeiget has ben. Indeſſen wurden dem Churpringen den ıgten April 1583 die Zwillingsfinder Soacyim und Ernſt geboren, fo wie ihn den ı6ten Nov. 1534 die Geburt feiner Toch⸗ ter Barbara Sophia erfreuete, | ER J— $. 152. Joachim Friedrich ſorgte in ſeinem Hochſtift durch gute Geſetze vor die genaue Fortſetzung. Ausübung der Gerechtigkeit. Henrich König von Navarra ließ ihn ebenfals um feinen Beiftand gegen die Guiſen anfprechen, und erhielt ſchon damals die befte Vers teöflung. Die Irrungen, welche zwifchen ihm und der Stadt Magdeburg über die klirchlichen Einrichtungen diefes Orts und andere weltliche Rechte entftanden waren, wurden durch die Bermittelung feines Herrn Vaters 1585 glücklich gehoben. Er woh⸗ Mmete1sg6 der Zufammenfunft verfchiedener proteftantifchen Churfürften und Füriten in Cuſtrin bey, und übernahm nach dem Tode Joachim Ernſts Fuͤrſten zu Anhalt die Mitvormundfchaft Aber deffen Prinzen. Im Jahr 1587 den 2gften Auguſt Fam fein jüngfter Prinz Chriſtian Wilhelm zur Welt. In eben diefem Jahr war er perfoͤnlich zu Naumburg, wofelbft die Erbverträge zwifchen Sachen, Brandens burg und Heffen beftätiget wurden. Er wohnte auch der Zufammenfunft des Koͤ⸗ migs Friedrichs 2 von Dännemarf mic vielen deutfchen proteftantiichen Fürften, die zu Lüneburg angefteller worden, bey, woſelbſt nicht nur eine Fünftige Bermälung wiſchen feiner Tochter Anna Catharina mit dem koͤniglich dänifchen Prinzen Chris ſtian vorläufig verabredet, fondern auch, dem König Henrich von Navarra zu gur, befchloffen wurde, fich deffelben durch Gefandten und Kriegsvolfer anzunehmen. Zu beiden wirkte der Erzbifchof nach allem feinen Vermögen, obwol die proteftantifchen Kriegsvölfer in Frankreich nicht viel fruchtbarliches ausgerichter haben. Am Herbft Diefes Jahres reifere diefer Prinz zu feinem Vetter und Schwager Marggraf Georg Sriedrich nach Anfpach, und befprach fih mit demfelben megen der Fünftigen Exrbs folge in deſſen Staaten, auf den Fall, daß Marggraf Georg Friedrich Feine Erben nach fich laffen ſolte. Es befand ſich derſelbe in fehlechten Geſundheitsumſtaͤnden, das ber folcher um fo weniger Anftand nahm, unſern Joachim Friedrich zum Erben des Herzogthums Jaͤgerndorf zu ernennen, ſo wie ſeine uͤbrigen Lande und Rechte, nach ſeinem unbeerbten Tode, dem Churhauſe ohnedies zufallen muſten. Es beſchaͤftigte ſich auch 1588 der Erzbiſchof, Die Irrungen beizulegen, welche ſich zwiſchen der Stadt Nuͤrnberg und feinem Vetter hervorgethan. Er hatte auf dieſer Reiſe feine Gema⸗ lin und beide äftefte Prinzen beyfich. Die letztern fehiefte er von da aufdie hohe Schu⸗ le der Stadt Stradburg. Seine Gefandten wurden von dem neuen Könige von Polen Sigis mundo zur Milbelehnung über Preuſſen gefaffen. Im Jahr 1589 ließ er die Domfirche zu Halle, welche feit der Kirchenverbeflerung gefchloffen gewefen, zum Gebraud) der Evangelifchen eröfnen. Er beſchickte die BegräbnißfeierlichFeit Yy 3 Her⸗ 3 — 11 338 3% 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte vom Brandenburg, Herzogs Zulii von Braunfchweig, und war bey der Heimfuͤhrung der Gemafinbep fen Nachfolgers Herzog Henrichs Zulii zu Wolfenbüttel 1590. gegenwärtig. Der neue König von Frankreich hatte fich auch bey ihm um frifche Hilfe gegen die eifrigen Gatholifen beworben, Er teifete dieferwegen zum Churfürften von Sachfen Chris ſtian L, wo an verfchiebenen Drten die ernfthaften Berathfchlagungen mit den Jagd⸗ luſtbarkeiten abwechfelten. ‘Der Erfolg feiner Unterredungen zeigte ſich befonders auf der Verſammlung, welche im Febr. 1597 zu Torgau gehalten wurde, und welcher unſer Erzbifchof beiwohnete. Hier befehfoffen viele proteftantifche Herten, ein Heer zum Dienft Henrichs 4, unter Anfuͤhrung Fuͤrſt Chriſtians von Anhalt, abs fehicken. Hiezu ließ Joachim Friedrich ebenfals feine Kriegsvölfer ftoffen. Weil Diefes Heer aber, wegen auffenbleibenden Soldes und nicht gefchehener tieferungen, zum “ Fechten wenig $uft begeigte, ermahnete es der Exzbifchof, fo wie der Churfürft on Brandenburg, mehr auf Ehre und guren Namen, als auf die genaue Erfüllung def fen zu fehen, was ihm verfprochen ſey. Es war aber dieſen Völkern folches ein ler diger Troft, und ber damals erfolgte: Tod des Ehurfürften Chriftiand von Sachfen eine mitwirfende Urfache, daß viele fic nach Haufe fehneten. Joachim Friedrich hatte kaum im September Nachricht, daß diefer fein Schwager toͤdtlich Frank ſey, als er ſogleich auf das geſchwindeſte nach Dresden eilete; er fand denſelben aber bereits auf der Bahre. Er muſte dahero nach einiger Zeit abermals eine Reiſe nach Dres⸗ den antreten, um vor ſich und feinen Herrn Vater dem verſtorbenen Chriſtian ı bey deffen Beerdigung die letzte Pflicht zu leiſten. Noch in diefem Jahr beſchloß er, feis | nen älteften Prinzen Marggraf Johann Sigismund mic der vermuthlichen Erbin von Preuffen und derer clevifchen Staaten, der preußifchen Prinzein Anna, zu verloben, welche Feierlichfeit auch in Berlin wirklich vor fich gieng. Im Jahr sg brachte er Juͤterbock und Dame, fo die von Klitzing, von Cardinal Alberti Zeiten ber, wiederkaͤuflich befeffen und inne gehabt, wieder ans Erzſtift. Cs haften nem⸗ fich diefelben die Unterchanen mit neuen Auflagen und Frondienften fehr beſchweret, fo daß deshalb viele Klagen bey dem Adminiſtrator wider fie eingelaufen waren. Nun gefchahe es, daß die Marggräfin Catharina, unfers Herrn Gemalin, ihre Ders wandte die verwitwete Herzogin Barbara von Brieg in Schleften befuchte, und auf der Nücfreife bey dem von Klising zu Dame ein Nachtlager halten wolte. Es ließ ‚aber derfelbe vorgeben, als wenn er nicht-zu Haufe fen, und ihe folches unter diefem Vorwande abfchlagen, daher fie ihre Einkehr in einem Bürgerhaufe in der Stade ne men mufte. Wie aber die Fürftin folches fehr ungnädig aufnahm, ſo reißte fie ipeen Gemal, daß er die von Klising von Dome und JZuͤterbock vertrieb. J—— Br | Beſchluß. Es reiſete Joachim Friedrich, auf Rath der Aerzte, wegen eines Schadens anm Arm ins Carlöbad. Der Kaifer Rudolph 2 ließ ihn durch feinen Gefandten Ladislaum Popel von Lobfowig von der bühmifchen Grenze dahin begleiten, und auf Faiferfichen Befehl mufte des Erzbifchofs Tafel von der umliegenden Gegend mit Wild # Churfürft Joachim Friedrich. 359 Wildpret und andern Nothwendigkeiten 6 Wochen fang bedienet werden. Auch aus dem benachbarten Sachfen ward vieles zu feinem Gebrauch nad) dem Carlsbade ger t. Hier bekam er die erfte Nachricht, daß fein Prinz Johann Georg von dem proteſtantiſchen Theil der ftrasburgifchen Domherren zum Biſchof diefes Stifts ges wählet worden, daß aber zugleich die catholifchen Domherren ihre Stimmen dem Cars dinal Carl von Lothringen gegeben. Der Graf von Mansfeld, den das protes ftantifche Domcapitel abgefchickt, Überbrachte die feierliche Nachricht nach) Halle. So erfreulich folche immer feyn konte, fo verurfachte fie doch unſerm Joachim Friedrich unendliche Mühwaltung und Koften. Auf fein Anfuchen erfläreren fich verfchiedene proteſtantiſche Höfe, feinem Prinzen Beiftand zu Teiften. Es beftund derfelbige aber bey denen meiften in bloſſen Vorftellungs und Empfehlungsfchreiben. Selbſt der churbrandenburgiſche Hof fand nicht vor rathſam, feinen Enfel weiter als durch Schriften zu unterflügen. Der Erzbiſchof von Magdeburg aber und fein Vetter Marggraf Georg Friedrich befihloffen, die Wahl des brandenburgifchen Prinzen mit Hülfe ver Stadt Strasburg durch ein Heer geltend zu machen, das Fuͤrſt Chri⸗ ftian von Anhalt anführen folre. Der Krieg nahm wirklich feinen Anfang, aber noch vor Ende dieſes Jahres warb er durch einen Faiferlichen Herold unterbrochen, ber beiden Theilen, die Waffen aus den Händen zu legen, befahl. . Im folgenden Jahr % 1583 ließ zwar bey allen Unterhandlungen der Erzbifchof die Nechte feines Sohnes übers all, wo es nöthig, vorftellig machen. Es kam aber zu einem Waffenftillftand unter beiden Parteien, während welchem der Befis Strasburg felöft gerheilt blieb. Joa⸗ chim Friedrich Hatte nunmehro völliges Licht bekommen, wie die Papiften in» und auf ſerhalb Deutichland gegen die Proteſtanten zu Werke giengen, und wie fie von der fehlechten Eintracht der Proteftanten einen Bortheil nach dem andern zogen. Um folches aufs Fünfcige zu verwehren, hielt er 1584 vor ganz nochwendig, die Proteſtan⸗ ten in eine nähere Verbindung mit einander gebracht zu ſehen. So gut Jutherifch dieſer Herr auch immer war, fo erfannite er doch die Nothwendigkeit, mit denen Res formirten in Freundfchaft zu ftehen, und gegen die Gatholifen zuſammen zu haften. Der Kaifer bekuͤmmerte fich feloft fehr wenig um Negierungsgefchäfte, und feine Staates bedienten lieſſen fich durch einen DBerfolgungsgeift treiben. Man hielt deswegen vor gut, mit dem Könige von Frankreich Henrich 4 in gutem Vernehmen zu bleiben. Nur gezwungen war diefer Herr zur catholifchen Religion übergetreten; und weder Pro⸗ teftanten noch Eatholifen glaubten, daß fein Herz die fehrfäße annähme, zu denen ſich fein Mund befannte. Churfachfen war damals gegen die Neformirten viel zu fehr aufgebracht, als daß man von vemfelben glauben Fonte, es würde jemals einen Schritt thun, davon die Meformirten eben fowol als die Lutheraner Vortheile has ben -Fönten. Der Churfürft Friedrich 4 von ver Pfalz unterzog fich daher der Bes treibung der öffentlichen proteftantifchen Angelegenhriten. Er veranfaffete eing Zus fammenfunfe lutheriſcher und reformirter Stände zu Heilbron, wohin unfer Erg bifchof den D. Eafpar Brandner als feinen Gefandten abſchickte. Durch denfelben willigte 360 3 Th. 8 Hauptſt Neuere Geſchichte von Brandenburg. willigte er in den Schluß, vor Abſtellung ver deutſchen Religionsbeſchwerden in keite Gelvabgaben zu willigen, und den, König von Frankreich mit anfehnlicher Geldhulffe zu unterftügen. Das letztere ſchien unferm Erzbiſchof um fondchiger zu feyn, da HR rich 4 in denen juͤlichſchen Angelegenpeiten von erheblichem Gewicht war. Auf diefe fegtere hatte dee Erzbiſchof jest fein Augenmerk zu richten, da fein Ältefter Prinz Jo⸗ h hann Sigismund nunmehr wirflich fein Beilager mit der Fünfrigen Erbin der juli fchen Staaten, mit der preußifchen Prinzegin Anna, zu Königsberg volljog. De Erzbifchof wohnte diefer FeierlichFeit —* ſeinen Prinzen Johann Georg, feinen £ Kanzler Zohann von Loͤben und duch Albrecht von Schlieben als feinen Geſand ⸗ ten bey, welchen er. ein Gefolge von mehr ald 400 Pferden mitgab. Der maͤnn ⸗ fiche Stamm dee Herzoge von Juͤlich fand wirklich auf dem Fall, und der Erzbifhef fand um fo viel nöchiger , feine Aufmerkſamkeit bey den jülichfchen Angelegenheiten zu verdoppeln, da er voraus fahe, daß auffer feiner neuen Schwiegertochter noch mehrere auf die juͤlichſche Verlaſſenſchaft einen Anfpruch machen, und fonderlich vie. Catholis fen den Anfall dieferanfehnlichen Staaten feinem Prinzen, als einem proteftantifchen Herrn, nicht gonnen würden. Da nun 1595 der neuvermälte Zohann Sigismund mit feiner Gemalin aus Preuffen in Deutfehland angelanget war, fo übernahm fir netwegen und zum Vortheil feines andern Prinzen. Johann Georgs Joachim Sriv drich manche Reife. Er befprach fich in Anſpach mic feinem Vetter Georg Frie⸗ drich , der ihn in dem Herzogthum Jaͤgerndorf nochmals zum Erben einfegte, Au “ Heidelberg wohnte er der Verſammlung verfehiedener deutfchen Fürften bey. Er be ⸗ füchte den wuͤrtembergiſchen Hof in Stutgard und die Stadt Strasburg. Noch in biefem Jahr Hatte er die Ehre, ten König von Dännemarf Chriſtian gain Ber lin zu fprechen, und das Gluͤck, von feinem. Exbprinzen einen Enfel Georg Wi helm zu fehen: Im Jahr 1596 hatte ihn der König von Dännmerf, feiner Krönung in Eopenhagen beizumohnen, eingeladen. Er reifete diefem zu Folge nebft feines malin, dem Erbpsingen Johann Sigismund und deffen Gemalin auch feiner Prim -· zeßin Anna Catharina mit einem Gefolge von 600 Pferden dahin ab. Unterwegens vereinigte er fich mit der churbrandenburgifchen Gefandrfehaft, davon umfers Erbe ſchofs Brüder: Marggraf Ehriftian und Joachim Ernft die Häupter waren, und welche ebenfals, aufler andern Standesperfonen, ein Gefolge von 400 Perfonen hat ⸗· ten. Dieſe ganze Gefellfchaft ward eingeſchift, um auf der Oſtſee überzufahren. Es überfiel fie aber ein unglaublicher Sturm ‚ und fie famen insgeſamt in die Gefahr, von den Wellen verſchluckt zu werden. Jedoch die Vorſicht erhielt diefe Prinzen, welches eben diejenigen gewefen, wodurch das fi amtliche Haus Brandenburg nach allen finn heutigen Linien fortgepflanzet worden. Sie ftiegen in Coppenhagen ans fand, wo Bed der König fie mit 1300 Perſonen in dem prächtigften Aufzuge, unter dem Donnerdes fehweren Geſchuͤtzes von der Veſtung und den Schiffen, empfieng, und ihnen zu Eh⸗ ven ein Feuerwerk abbrennen ließ, welches eine errichtete Schanze vorftellete: Bey dieſer Gelegenheit fand der König Joachim Friedrichs Prinzeßin Anna Catharim 2 a I = * a J — u a — CS 4 | Churfuͤrſt Joachim Seidrih. 361 fö liebenswuͤrdig / daß folcher 1597 durch eine anfehnliche Gefanbefchafe um dieſelbe zur Gemalin anhalten ließ. Das Beilager war auf den z7ften Nov. zu Hadersleben angefest. Zoachim Friedrich reiſete mit feiner Gemalin und ver Fönigfichen Braut dahin ab, und das Beilager ward glücklich vollzogen. Die Freude der vornehmen 5— ward jedoch durch den kraͤnklichen Geſundheitszuſtand des Churfuͤrſten von Brandenburg Zohann Georgs gemindert, da ſich ſolcher immer verſchlimmerte und endlich toͤdtlich zu werden anfieng. Es reiſete bey dieſen bedenklichen Umſtaͤnden der Churprinʒ Joachim Friedrich bey dem uͤbelſten Wege und Wetter nach Zinna zuruͤck. ier fand er den traurigen Boten, daß ihn fein Here Vater noch gerne vor feinem Tode Stechen indehte. Er feßte alfo 1598 feine Reife nach Berlin fort, und langte den sten 1598. An. zum Troſt feines ſchwachen Herrn Vaters in Berlin an. Er empfieng von dem⸗ elben noch Unterricht und Segen. Der den Sten Jan. vorgefallene Ton des Chur⸗ fürften Zohann Georgs machte ihn aber zum vegierenden Heren der Churmarf 154. * Wir wollen einen Blick auf die damaligen regierenden europaͤiſchen Höfe thun, Damaliger am uns von denen Umftänden zu unterrichten, welche die Staatsleute damaliger Zeiten arm ui Belebten, und deren Kentniß in der ganzen Negierung Joachim Friedrichs vieles ticht. ewähret. Weber Spanien und Porfugal herrſchte zwar noch der befandte Philipp, da folcher aber ebenfals in diefem Jahre verftarb, hatte er feinem Sohn Philipp ſei⸗ er nicht aber zugleich feinen Geift verfaffen. Portugal befeufjetees bereits, iter dem Titel eines eigenen Neichs wirklich eine ſpaniſche Provinz geworden zu feyn. Spanien ſelbſt ſahe, daß fich der neue König von Gänftlingen, dem Herzoge von Lerma und deſſen Anhang, regieren ließ, worüber man nicht allerdings zufrieden war. Henrich 4 König von Frankreich feste zwar fein Königreich durch den mir Spa⸗ nien zu Vervins geſchloſſenen Frieden in Ruhe, und zeigte durch den Schutzbrief, den er den Hugenotten ertheilte, oder durch das bekandte Ediet von Nantes, daß diejenigen richtig urtheileten, welche ihm noch immer einen Hang zu feiner vorigen Res Tigion zufchrieben. Er bewies hierdurch, daß, ob er gleich ein Neugläubiger unter den Catholiken fey, er doc, niche den Vorſatz habe, den Verfolgungsgeift feine voris gen Glaubensbrüder fühlen zu Taffen, der fonft den Neubekehrten fo eigen zu ſeyn pflegt. Er flöffete vielmehr auch auswärtigen Proteftanten die Hofnung ein, daß er fie gegen die Unterdruͤckung der Catholifen zu ſchuͤtzen bereit ſey. Sonderlich legten ihm Die Staatsvortheile Frankreichs zur Pflicht auf, Die groffe Macht des Haufes Defterreich, fpanifcher und deutfcher kinie, nach allem feinem Vermögen zu brechen. Aber alles diefes Eonte ihn bey eifrigen Catholiken nicht beliebt machen, und man mufte in beftändigen Sors gen ſtehen, daß Sean Chaſtel wieder aufſtehen, oder an feiner ſtatt von denen Jeſuiten, Die den Koͤnigsmord eines öffentlichen und heimlichen Ketzers zu vertheidigen ſich erfrech⸗ ten, ein neuer Boſewicht hervorgebracht twürhe, welcher den Streich vollführen möchte, den jener unvollendet Taffen muͤſſen. An England herrſchete noch die in ganz Europa P. allg. preuß. Geſch. 3Th. 35 gefuͤrch⸗ 1598. 362 3 Th. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. gefürchtete oder geliebte Königin Elifabeth. Sie vereitelte noch immer alle gegen fie gemachte Entwürfe der Spanier mic männlichem Muth. Die Proteſtanten wuͤnſ⸗ — ten, ihre Lebensjahre noch ſehr verlängert zu ſehen, weil fie ſich von ihrem vermuchlie chen Nachfolger Jacob König von Schotland, der damals kaum feldft zu regieren angefangen, die ſchoͤnſten Worte und die fehlechteften Thaten verfprachen. Die vers einigten Niederländer verfochten ihre Freiheit gegen Spanien fowol als gegen den Erzherzog Albrecht und die Infantin Iſabella, welhen Spanien die Oberherrſchaft der Piederlande fo aufgetragen hatte, daß es fich des Nückfalls diefer Sande genugſam verfichert hielt. Da die fpanifchen Voͤlker ſich bereits in deutſche Sachen gemifcht, und befonders in der firasburgifchen Angelegenheit den Vortheilen des Churhauſes Brandenburg vollig. zumider gehandelt ; jo war die Freundſchaft derer Mächte, die ſich heimlich oder. öffenclich gegen Spanien erfläreten, dem Haufe Brandenburg une entbehrlich, Auf das befte Vernehmen mie Daͤnnemark Fonte der neue Churfärf um fo mehr fichere Rechnung machen, da er ganz neuerlich des neuen Königs Chris ſtians 4 Schwiegervater gervorden. In Schweden giengen Händel vor, die die biur tigften Auftritte zu verfündigen fehlenen. Der catholifche König in Polen Sigis⸗ mundus 3, der in Schweden feinem Vater Johann in der Regierung gefolget war, folgte den Anfchlägen des päpftlichen Botſchafters Malaspina, einem unbändigen Nas the und feinem eigenen Befehrungsgeifte genauer, als feine eigene Vorthelle folches zus lieſſen. Hingegen hatte feines Vaters Bruder Herzog Carl von Sudermanland bey den meiften Einwohnern des ſchwediſchen Staats, In welchen auch die Geifklichfeie einen eigenen Neichsftand ausmacht, fich dadurch beliebt zu machen gemuft, daß er das lutherthum gegen alle Neuerungen der vorigen und jegigen Negierung zu verteidigen ſich entfhloffen, und faft in allen Stücken dem Könige zuwider war, gegen den die meiften Schweden Fein gutes Zutrauen hatten. Sigismund merkte die Abfichten feines Vettern, die nichts weniger, als die Föniglich ſchwediſche Krone auf fein Haupt zu befommen, betrafen. Der König fing gegen diefen feinen Better einen Krieg an, melchen er aber fehfecht ausführere. Das Churhaus Brandenburg Fonte hiebey Feine Marten ergreifen, da die Vortheile der Proteſtanten überhaupt felbiges auf die Seite Carls, und die preußifchen Angelegenheiten auf Sigismunds Seite zogen. In Rußland gieng um diefe Zeit ber legte Czaar aus dem alten Regentengeſchlecht Feodor Ivanowitz mit Tode ab; und da deflen Bruder Demetrius bereits zu Uglitz ermordet worden, fo wuſte des verblichenen GSzaaren Schwager Boris Feodorowitz Sudenom Hinlängliche Mittel, fich auf den rußifchen Thron zu fehwingen. Well aber na En, Gudenow Feinde befam, und es zweifelhaft ward, ob der rußifche Prinz Demetriug wirklich ums Sehen gekommen, oder ob nicht vielmehr ſtatt feiner ein anderer fein eben hergeben muͤſſen; fo entſtanden nachher in dem ruß ſchen weitläufigen Staat Die blu tigften Auftritte, welche dadurch vermehret wurden, daß Polen und Schweden fich in die inneren Angelegenheiten Lieflands miſchten, und, vor ihre Sta ÄEeh und Dei zen daraus Vorthelle zu ziehen, ſich Muͤhe gaben. Dieſe rußifihe Angelegenheiten Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 363 fonsol, als ſonderlich das, was in Schweden vorgieng, beſchaͤftigten alle Aufmer 155g, ſamteit des polnifchen Königs Sigismundi und feiner Groffen, ohne jedoch Preuß fen auffer Acht zu laſſen. Da in. dem Herzogthum dieſes Namens ſowol Albrecht Friedrich der Blöde, als auch deſſen Bormund Marggraf Georg Friedrich, ohne männliche Erben waren; fo hätten einige Polacken, zu ihrem eigenen Vortheil, dies ſes fand gerne dem Churhaufe Brandenburg entzogen, dem die Folge dieſes tandes, vermöge der bisherigen Mitbelehnfchaft, zuftand. Gonderlich glaubte Zamoiski, bey bein Könige Sigismund, durch deffen Beförderung zur polnifchen Krone, ſolche Derdienfte zu haben, daß er fich wol Hofnung machen fünte, das Herzogthum Preufs fern zu erhalten. In Ungarn ward noch immer der Krieg gegen den tuͤrkiſchen Große ſultan Mahomed 3 fortgefese. In Italien fahen faft alle herrſchende Staaten auf das mächtige Spanien, und richteren fich gröftentheils nach deffen Willen, wobey ‚ber Papft Feine Gelegenheit vergbfäumere, die Vortheile feiner Kirche zu befördern, und - denen, die nicht dazugehöreten, Abbruch zu thun. Die catholifchen und proteftars . tilchen Schweizer genoffen einer tiefen Ruhe, welche fie auswärtiger Angelegenheis ten wegen aufzuopfern Feine fuft harten. | —— | $. 155. In Deutſchland regierete noch immer Rudolph 2, ver ſich mehr um feinen Yon Deut: Marftall, um feine Sternwarte und Schmelztiegel, als Regierungsgefchäfte befümmers land. te, deffen Faiferlicher Hofrath dadurch freie Hände befam, Gerichtsbarkeiten auszuüben, die eigentlich) zum Kammergericht gehöreren, und ſonderlich feinen Eifer durch häufige gerflärungen gegen die Proteſtanten zu bezeigen. Das, was bereits unter der vos rigen Regierung von den alenfchen, cölnifchen, ſtrasburgiſchen, augfpurgifihen, wuͤrtembergiſchen und baadenfchen Handeln erzählet worden, zeigte zur Gnuͤge, was die Proteftanten, fonderlich die Reformirten, noch ferner zu befürchten Hacten. - Ru⸗ dolph 2 fieß fich vollig durch fine Staatsbediente, nach) den Entwürfen des ſpani⸗ ſchen Hofes, leiten. Ob er gleich keine Kinder hatte, fo misgoͤnnete er doch feinem leiblichen Bruder Matthia die Nachfolge in dem deutfchen Neich, und wünfchte felbige vielmehr feinem ſehr hart catholifchen Vetter Ferdinand, aus der Graͤtzer kinie, zu verſchaffen. DieCatholifen überhaupt ſahen die erhaltenen Vortheile der Proteſtan⸗ ten mit Misgunft an, und. befchtwereten ſich, daß die letzteren theils mir Einziehung ver Kirchengüter, theils in ver Michtbeobachtung des geiftfichen Vorbehalts, welchem feßtern die Proteftanten doch beftändig widerfprochen Hatten, dem Religionsfrieden nicht nachlebten. Vorzüglich Teugneten fie, daß die Reformirten diejenigen Vorthei⸗ Je mit genüffen Fönten, welche den Verwandten des augſpurgiſchen Glaubensbekaͤnt⸗ niffes, vermoͤge des gefchloffenen Kirchenfriedens, zuftändig waren. Die Proteftans ten, welche die Güftigfeit des, geiftlichen Vorbehalts noch immer anfochten, beſchwe⸗ reten fich, daß in ungähtigen $ällen ihnen von den Catholiken zu nahe getreten würde, _ und der Falferliche Hof zu ihrem Nachtheil gar zu viel Parteilichkeit öffentlich bezeige. Sie theilsen ſich aber leider feit der verfertigten Eintrachtsformuf unter einander ſelbſt. 8 "92 Einige 364 3%. sHuptfl Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1598. Einige Lutheraner waren nicht abgeneigt, gegen die Meformirten mic denen Cat ⸗ liken gemeinfchaftliche Sache zu machen, wogegen andere mit den Reformirten gegen die Catholifen zufammen zu halten für rathſam befunden. Zu denen erflerngehöreteber ehurfächfifche Hof. Und da Brandenburg fich von den Reformirten in Abfiche des guten Vernehmens nicht trennen wolte, ſondern vielmehr bereits zu Heilbronn mit Churpfalz und andern an einer nahen Vereinigung gearbeitet, und dabey dem Churfuͤr⸗ ften Friedrich 4 von der Pfalz die Führung der proteftantifchen Sachen, welche ſeit der Kirchenverbefferung der Churfürft von Sachſen beforger, nicht misgönnete; fo äu ferte fich feit diefer Zeit zwifchen Sachfen und Brandenburg eine Kaltſinnigkeit, ohn⸗ erachtet beide Häufer nahe verwandt, nachbarlich gelegen, und einer Religion zugethan . waren. Die auf dem Fall ftehende jülichjche Erbſchaft verminderte die zeicher fo glück, fich beftandene-Freundfehaft beider Höfe. Sachſen fieng jest, zum Machtheilder Pro⸗ teſtanten überhaupt, an, fich immer mehr und mehr an das Haus Defterreich zu Hal sen, wogegen Brandenburg gegen Pfalz, Heflen, Anhalt, Braunjchweig, Pom⸗ = wir * mern, Mecklenburg, Holſtein, Wuͤrtemberg und Baaden ⸗Durlach eine guoffe Vertraulichkeit bezeigte. ee — 56. | — und ſonderlich Vor allen andern muͤſſen wir uns den Zuſtand derer erheblichſten Prinzen des des hranden hrandenburgiſchen Hauſes bekandt machen, weil ſolcher in der ganzen Reglerung Joa⸗ a chim Friedrichs goffen Einfluß hat. In Preuſſen vegierete Albrecht Friedrich, In abficht der aber, weil.er blödfinnig geworden, feinen nächtten Better und Mitbelehnten zum Preuſſene, Bormunde bekommen hatte. - Albrecht Friedrichs Söhne waren bereits verſterben, und nunmehro wol alle Hofnung vorbey, noch mehrere Kinder zu befommen. Es war | ausgemacht, daß ihm Georg Friedrich nachfolgen mufte, wofern derfelbe feinen Tod erlebte. Weil aber diefer Umftand mislich, und Georg Friedrich ſelbſt Feine Kinder hatte, das Churhaus aber bereits die Mitbelehnung auf Preuffen erhalten; fo Eonte man fich alle Hofnung machen, daß von rechtsiwegen das Herzogthum ruf u fieng mit der Churmarf Brandenburg vereiniger werden würde: Bey alle dem aber war man bereits unterrichtet, daß einige misgünftige Poladen, und ſonderlich der viel⸗ vermoͤgende Zamoiski dieſer rechtmaͤßigen lehus folge Hinderniſſe in den Weg zu legen ſuchen wuͤrden, die man bey Zeiten aus dem Wege räumen muͤſte; ohne vorjeßt des Umftandes zu erwehnen, daß des neuen Churfuͤrſten Joachim Friedrichs Herren Bruͤ⸗ der. mic ihm auf den gemeinfchaftlichen Beſitz der Regierung des Herzogthums Preuffen ſich Rechnung machen mochten. » | RE 2 der ſraͤnti⸗ Der bevorſtehende unbeerbte Todesfall Marggraf Georg Friedrichs war eben Komm laͤnder, fals im Erwegung zu ziehen. Hiedurch fiel nicht.mur das ganze Sürftenthum des Bürgs grafthums Nuͤrnberg oberhalb und anterhalb des Gebirges und die ehnsherrlichkeit vieler oͤſterreichiſchen Guͤter, ſamt allen dazu gehörigen echten und DBorzügen, der e sl Cpurfinie wieder heim; fondern das von Georg Friedrichs Vater wohlerworbene, vonder Derwochum Fägerndorf in Schleſien war bersies dem neuen Epurfürften ai 3 — Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 365 Friedrich zum unſtreitigen Erbtheil verſchrieben, der ſolches auch ſeinem zweiten Sohn 1598. Sohanmn Georg zur Abfindung zugedacht harte. | Mach bevorftehenvden erfolgten Ableben Georg Friedrichs beruhete alfo das ganze der Neumark, 8 randenburg auf denen Soͤhnen des verſtorbenen Churfuͤrſten Johann Georgs > deren Nachkommen. Dun hatte zwar dieſer Herr vor feinem Tode feinem aͤlteſten Prinzen die Churwuͤrde, das Erzkaͤmmereramt ſamt denen Marken, auffer der Neumark, verfehrieben, welche letztere der zweite Prinz Chriſtian erhalten folte. Weil aber biefe Abſonderung der Neumark dem legten Willen des Churfürften Albrechts, den wir im vorigen Bande mitgerheilet, durchaus zuwider; fo glaubte der neue Churfürft Joa⸗ him Friedrich nice verbunden zu ſeyn, feinem Bruder Chriftian die Neumark abs zutreten, befonders da nach Fünftigem Tode Marggraf Georg Friedrichs fich eine an derweitige Gelegenheit darbot, dem legten Willen des Churfürften Albrechts gemäß, vor feine zweh nächiten Bruͤder Regierungen in Franken errichten zu koöͤnnen. » Chur faͤrſt Joachim ı hatte zwar bereits ebenfals die Neumark, zum Vortheil feines jüngern - Prinzen Johann von Cuͤſtrin, von denen übrigen Marken abgefondert, aber es war folches mit vollfommener Einwilligung feines älteften Sohnes Joachims 2 gefheben, der, wenn er gewolt, fich allerdings der Abfonderung der Neumark, laut dem legten Willen des Churfürften Albrechts, Härte widerfegen-fonnen. Da Johann von Cuͤ⸗ fein ohne männliche Erben verftorben war, und die Vorſicht auf diefe Weiſe die Vor⸗ theite des Churhaufes Brandenburg beffer beforgee, als Joachim > ſelbſt gethan; ‚fo ‚war es dem neuen Churfürften Joachim Friedrich nicht zu verbenfen, wenn er diejer nigen Nechte behauptete, die ihm, als Exftgebornem, ſowol das Grundgefeg des Reichs die güldene Bulle, als auch das Grundgefes des Haufes Brandenburg der letzte Wille - des Churfürften Albrechts, einraͤumeten. Kt; Auch des neuen Churfürften Prinzen find nicht auffer Acht zu laſſen. Der intun der huͤlichſchen wehrige Cpurprinz Johann Sigismund hatte ſich mit der-älteften Tochter der clevi⸗ kübſchaft, chen Prinzegin Mariaͤ Eleonoraͤ, Anna, vermäft. Der churbrandenburgifche Hof hielt davor, das alles Erbrecht, was Maria Eleonora auf die Staaten und Rechte des Herzogs von Jülich hätte, auf ihre ältefte Tochter Anna fallen muͤſte. Wenn ift aber eine Erbſchaft anfehnlicher Staaten erlediget worden, wo nicht mehrere davon Vor⸗ theile zu ziehen gefucht? Eben dieſes war in Abſicht der Fünftigen julichfchen Erbfol⸗ ge, theils von Sachfen, theils von den Schweftern der Maria Eleonora, zu befors gen. Der neue Churfürft muſte alfo fehon zum voraus, die Nechte feiner Schwiegers tochter & ——— beſorgt ſeyn. * a | ohann George, der zweite Prinz des neuen Churfür { des biſchof | RR ; Ban Difoehun Orkaebing * Me ee —B Ph fein Gegner der Cardinat Earl von Lothringen harten den Beſitßz des urs. Stifts getheilet, ohne zu wiſſen, wer fünftig deu Pias allein behaupten wiirde. Chur⸗ Fürft Joachim Friedrich muſte daher darauf bedacht ſeyn, die Rechte dieſes feines Sohnes fo weit zu unterſtuͤtzen, als es die Vorthelle feines Churhauſes zulieſſen. Gr — Bi ein A 366 3 %h. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1508. beſchloß jedennoch ſchon damals, daß, fo bald Jaͤgerndorf nebſt denen dazu gehoͤrigen Herrſchaften an ihn fallen folte, ſolches diefem feinem zweiten Sohn Hans Geor und deffen Nachkommen zu ihrer Abfindung zu Hinterlaffen. a nnd erzbiſchof⸗ Nach dem Wahlvertrage, den Idachim Friedrich als Erzbifchof'von Magde⸗ vn Mag hurg eingegangen, hatte et verfprochen, die Regierung diejes Hochftifts niederzulegen, fo bald er feinem Heren Vater im Churfürftenrhum folgen würde. Das Domkapitel hatte aber durch einen anderweitigen DBergleich, welchen es mit feinem Heren Bater und mit ihm errichtet, fich anheifchig gemacht, auf dieſen Fall Feinen andern, als einen Prinzen des churbrandenburgifchen Haufes zum Erzbiſchof von Magdeburg zu er “wählen. Der Churfuͤrſt Joachim Friedrich mufte alſo aufmerkſam ſeyn, daß ans jetzt diefer Vergleich in die Erfüllung kaͤme. a — $. 137. t me Be Erſte hands So bald alfo CHurfürft Johann Georg verblichen, ward dieſer Todesfall für * —* tool, als der Reglerungsantritt des neuen Churfuͤrſten Joachim Friedrichs denen andern fürften. Hoͤfen ſowol, als überall in dem tande befandt gemacht, und nachdem alles bendthigte | wegen ber Landestrauer beforget worden, ließ der neue Herr alle Anftakten jur Beerdi⸗ gung des Heren Daters vorfehren, welche auch den ıften Febr. vor fich gieng a). Den uten Fan. nahm er in feinem Wohnfchloß zwiſchen 9 und ıo Uhr Vormittages von den Einwohnern ſeiner Wohnftädte vie Huldigung ein, wobey Hieronymus Schlick Graf zu Paſſau und Herr zu Meisfirchen dem Churfürften das bloſſe Churſchwerd "vorgetragen, und der Kanzler Johann von Loͤben im Namen des Churfürften das Wort gefuͤhret. Den ı6ten Febr. laugte der Biſchof von Strasburg Marggeaf gu hann Georg mit 40 Pferden in Berlin an, dem den ıoten Febr, ein heſſen ⸗ darm⸗ ftädtifcher Geſandter mit 24 Pferden folgte, um im Namen feines Herrn die feiers liche Anwerbung um des Churfürften Schwefter Magdalena zu thun. Den 27ften diefes Monats veifete ver Churfürft bey noch ſehr rauher Witterung nach Bran⸗ denburg und andern Staͤdten in der alten Mark ab, um daſelbſt die Huldigung einzunehmen, welche nach und nach) im ganzen Stande abgeleger wurde. Den z7ften Merz ward auf churfuͤrſtlichen Befehl durch Chriftoph Pelargum, Jo⸗ hann von Loͤben, Jacob Colerum und Matthäum Lupold eine Kuchenunterſu— hung in dem Dom zu Berlin vorgenommen. Weil bey damaliger Theurung wegen der Ausführung des Getraides zroifchen dem Adel und denen Staͤdten ſich Streitigkel⸗ "ten ereigneten, fo ließ Joachim Friedrich der Armen wegen die Ausfuhre auf einige Zeit verbieten. Den sten Jun. ward des Landgrafen von Heffen Ludwigs Beilager mit der Prinzeßin Magdalena in Berlin gefeiert, _ Weil aber der Hof damals noch imn tiefer "Trauer, fo gab diefes Gelegenheit, daß Feine ſonderliche fuftbarfoisen badeıy vorgiengen, auffer daß ein Schifftreit auf der Spree angeſtellet wurde. Der Ehurfürft gab mit freigebiger Hand diejenigen Koften her, welche auf diefes Beilager verwendet wurden. Erunterzog fich fodenn denen allgemeinen Neichs und Sandesangelegenheiten b), | NEE. 7 re — Da a) Cernitius. b) Baftitius. Cernitius. zz Churfuͤrſt Joachim Friedrich, > > v 367 Dau gehötete vorzüglich der damals verſammlete Reichstag zu Megenfpurg, wo 1598. a als Faiferlicher Bevollmächtigter erſchienen. Johann Georg hatte Reichstag zu folchen bereits durch eine anſehnliche Geſandtſchaft beſchickt. Joachim Friedrich ſchick⸗ Regenipurg. te, nach angetretener Negierung, folcher neue Beglaubigungsfchreiben und nörhige Boll machten zu, wodurch fie in den Stand gefegt wurde, alles dasjenige beforgen zu helfen, was man, zum Beften des gefamten Neiche, noͤthig zu ſeyn glaubte. Man bewilligte dem Kaifer gegen die Tuͤrken eine anfehnliche Geldhuͤlfe, die innerhalb drey Jahren bezahlet werden ſolte. Ueberdies ſtund man auf den Nothfall ſogar eine eilende Huͤlfe zu. Es ward beſchloſſen, daß der Deputationstag, welcher, zu Folge des vorigen Reicheabſchiedes, zwar zu Speier angefangen, aber nicht fortgefeßer worden, wieder in den Gang gebracht, und darauf von der Verwaltung der Nechtspflege, von der Münze und andern Sachen gehandelt werben felte. Cs ward auch die Hilfe vor die an die Miederlande angrenzende Neichsftände, fo zwar vormals bereits befchloffen, aber . wicht geleiftet worden, abermals anbefohlen c). / | | Kürz nach) geendigtem Neichötage erklärete der Faiferliche Hofrath die Proteſtan / Gegen Aacheu ten in Machen wirklich in die Neichsacht, Die Vollziehung derfelbigen war denen wird die acht Ehurfürften von Coln und Trier und dem Herzoge von Juͤlich aufgetragen. Man Rs" wolte den Untergang der Proteſtanten dieſes Orts gewiß machen. Zu dem Ende tward hinzugefüget, daß, wenn diefe Macht noch nicht Hinreichte, die Stadt zum Ger horſam zu bringen, fo folte Erzherzog Albrecht, Herr der fpanifchen Niederlande, zum Beiftand angenommen werben. Cs zogen alfo ſelbſt Eaiferliche Befehle dem Reich alles das Efend zu, was von der Eintücung fremder Kriegsvdlfer nochwendig entſte⸗ ben mufle, ob man gleich vie fpanifchen Soldaten mit dem Namen ver burgundi⸗ fehen Kreisvölfer bemäntelte. Die guten Bürger in Yachen fahen aber Faum den Ernſt, fo ergaben fie fich in der Guͤte. Dun gieng in dem Ort alles nach den Wunſch der Papiften. In Kirchenfachen ward alles in den vorigen alten Stand gefeßt, als wenn eine Reichsſtadt nicht befugt fen, eine Kirchenverbefferung vorzunehmen. Der nen Proteftanten ; die jege die Ungehorfamen hieffen, wurde eine ftaufe Geldſtrafe auferlegt, und bis zur Bezahlung derſelben die Aufhebung der Acht verſchoben Z). = Die Härte, womit die Catholifen in Aachen zu Werfe gegangen, machte die Zuſammen Peoteftanten ſehr aufmerkfam. Der Churfürft von der Pfalz Friedrich 4 ſchrieb kunft der prer in diefer Abfiche eine Zufammenfunfe der Evangelifchen nach Frankfurt aus, € ——— * beſchickte dieſelbe unter andern unſer Churfuͤrſt. Man zog hieſelbſt das Verfahren der er - Catholifen gegen die Proteftanten in Ueberlegung. Man widerfprach, daß in Geld⸗ fachen auf dem Reichstage durch die Mehrheit der Stimmen etwas ausgemacht werden fünte, zumal da in dieſem Jahre die Veſtung Raab an die Chriſten übergegangen war, | md folglich die Tuͤrkengefahr ſich entfernet hatte, Beſonders aber beſchwerete man | fh, das fremde Kriegesvölfer ins Reich gezogen würden. Verſchiedene Bedenklich⸗ keiten der zu Frankfurt verſammleten Proteſtanten verurſachten jedoch, daß alleg ar 15 br & 1 vor Reichsabſchied von 1598. Khevenhuͤller Ann. ) Noppũ Aachner Chrouit. — — J ug 3%. 8 Haupft. Neuere Geſchichte voh Brandenburg, I 1598, ' vor der Hand noch bloſſe Entwürfe blieben, die aber nachmals erhebliche Folgen ge 9 habt 2). | i | | Ä — * | — $. 158. u | J Der curfuͤſſt ¶ Der Churfuͤrſt Joachim Friedrich von Brandenburg war indeſſen mie ſeinem r Georg Frier T Heren Bruder Marggrafen Chriſtian, über die Guͤltigkeit des legten Willens feines drich machen Herrn Vaters, in Irrungen gerathen. Nach dem Grundgefeg des brandenburg den geraiſchen eben Haufes, welches Churfürft Albrecht in feinem legten Willen gemacht, muſten ei, alle zu denen Marken gehörige Provinzen ungetheilt nad) dem Recht ver Erſtgeburt bei⸗ ſammen bleiben. Churfuͤrſt Johann hatte ſich auf das genaueſte darnach gerichtet. Churfuͤrſt Joachim ı war aber, mit Einwilligung feiner Herren Söhne, davon abs. gegangen, und hatte vor den jüngften derſelben in der Neumark eine eigene abgefonderte. Regierung gewiffermaffen errichtet. Churfürjt Joachim 2 hatte ebenfals, mit Ges nehmhaltung feiner Söhne, die Neumark und einige andere Stücke vor einen feiner jüngern Prinzen ausgeſetzt, ohnerachtet ſolches niemals in die Erfüllung gegangen, weit ihn nur fein ältefter Prinz überlebte. Churfürft Johann Georg hatte ſich durch dieſe Beifpiele verleiten laffen, die Regierung der Neumark und einige dazu gefchlagene Stüs cke vor feinen zweiten Prinzen Chriftian auszufesen. Sein erfigeborner Sohn Joa⸗ chim Friedrich Hatte aber zu diefer Einrichtung feine Einwilligung ausdruͤcklich verfagt, Ohnerachtet nun die famtlichen brandenburgifchen Räthe dem Johann Georg vors geſtellet, daß eine Verordnung, die den Hausgrundgefegen zumider, ohne Genehmhals tung feiner Herren Söhne ohnmöglich gültig feyn Fonne; fo hatte er doch feinen letzten - Willen, obwol verfiegelt, dem Kaifer zur Beftätigung zugeſchickt. Es war zwardiefe Faiferliche Beitärigung erfolgt, als ſich aber der neue Churfürft darüber beim Kaifer Rudolph 2 beſchwerete, fo erfolgte in einem Handfchreiben vom ten Merz die Fais ſerliche Erflärung: „daß diefe Beftätigung nur fo weit gefhehen, als die vaͤterliche Berordnung an und vor fich zu Necht beftändig, und daß ber Kaifer die ausdrückliche Bedingung gebraucht: jedermänniglich an feinen Rechten unbefchadet.,, - Churfürft Joachim Friedrich blieb alfo bey dem vom Ehurfürften Albrecht errichteten Haus⸗ grundgefeß nicht nur aufs genaueſte ftehen, fondern wolte felbiges nochmals erneuert wiſſen. Er überlegte biefe vor das gefamte Haus Brandenburg ausnehmend wichtige Sache mic feinem Herrn Vetter dem Marggrafen Georg Friedrich. Der Ehurfürft "und der Marggraf, Diefe zwey zu der Zeit allein lebende tegierende Herren der branden⸗ burgifchen Staaten, lieſſen deswegen durch ihre gefchicteften Staatsbedienten zu Ge⸗ ra im Voigtlande einen Aufſatz eines Hausgrundgefeges machen, welches dasjenige zum Grunde legte, das Churfürft Albrecht, als zu feiner Zeit einziger vegierender Herr aller dem Haufe Brandenburg zuitehenden laͤnder, errichter harte. Jin April 1599. des folgenden xsggften Jahres kam Churfürft Joachim Friedrich und Maragraf Georg Friedrich in Magdeburg perfonlich zufammen, woſelbſt den zgjten diefes Monats das zu Gera gemachte Hausgeumdgefeß genehmiget, unterſchrieben und unterfiegelt worden. J Weil 9 Londorpiu Ad, Publ T “3 p. sı2. * = an —* — EEE vr — "A — Churfuͤrſt Joachim geideich | 369 Weil vurch daſſelbe die jetzige churfuͤrſtliche, die jetzige marggraͤflich brandenburg ⸗ bai⸗ 1599, reuthiſche und jegige marggeäflich brandenburg / anfpachifche tinien ihre Lande und Rechte angewiefen bekommen, die Rechte des Churhaufes Brandenburg auf das Hers zogthum Jaͤgerndorf auffer Streit gefeßet, und viele andere höchft wichtige das Ges £ ſamthaus Brandenburg betreffende Verordnungen veſtgeſtellet worden; ſo halte ich mich voͤllig verbunden, die Urkunde ai wie ich jeiche im Sinich f) gefunden, meis nen .. vorzulegen, “ —X 159. Wir von Gottes Gnaden Joachim Friederich des heyligen essen Reichs Deren voͤlli⸗ Er — und Churfuͤrſt, und von deſſelben Gnaden wir Georg Friederich, Ge⸗Ler inhalt. vettern und Marggrafen zu Brandenburg, in Preuſſen, zu Stettin, Pommern, der Caſſuben und Wenden, aud in Schlefien zu Croſſen und Jaͤgerndorf Her zogen, Durggrafen zu Nuͤrnbergk und Fürjten zu Rügen ic. vor Uns und Unfern - Erben und Nachfommen, Churfürften und Marggraffen zu Brandenburgk, befennen und thun Fund offentlich mic diefem Briefe, gegen jedermänniglichen, die ihn fehen, hör ten oder fefen, als GOtt der Allmächtige die Gemuͤther der Menfchen felbft dermaffen geſchaffen, daß fie insgemein und zufoͤrderſt, je tapferer diefelben, Jhrem Herkommen nach, gearthet, je mehr fie dahin gedenfen und trachten, tote fie beneben Ihrer Seelen Heyl und Seeligkeit, auch in dieſem zeitlichen Leben nicht allein ihnen und den Ihrigen groſſen Wohl: und Ehren : Stande vor andern erwerben, ſondern auch wie fie ſich und die Ihres Namens, Standes und Schildes, bey Ihren, aus Gottes gnädigen Seegen, durch fie ſelbſt erlangten, oder durch Ihre Bor» Eltern uf fie geftammeten Hoheit, Di | gnitaͤt und Würden, fort und fort, fo fange es immer menfchlich und möglich, erhalten, und zu noch weitern Ufnehmen mehr Gelegenheit an die Hand bringen. Inſonderheit aber allen fünftigen Abfall und Derringerung, folches Ihres hohen Standes, und was entweder mit Schwächung oder Zertheilung Ihrer Gätter und Vermögens, dadurch die Hoheit und Würde eines Gefchlechts nicht erhalten werden Fan, oder in andere Wege darzu Anlaß und Urſach geben fonte, verhüten mögen. Welcher angebohrnen Affection nach, zu Erhaltung und Aufnehmung Königlicher, Churfürftlicher und anderer Häufer, auch die eingepflangte Liebe der Eltern gegen den Kindern, wenn fie es gleich gern anders ſehen und verortnen wolten, zum offtermahls veftringiret und eingezogen werden muß, daß demnach auch wir ingefambt, und ein jeder infonderheit, einen guten Theil’ dergleis chen ingenaturten Affection bey ung gefpüret, und dahero Uns norhwendig erinnert, daß nicht allein bey eglichen andern vornehmen Häußern und Gefihlechtern, fondern auch in Unferm Chur» und Färftfichen Hauße, durch Unfern Uhr» Anheren Churfürft Alber- zum Achillem Gerinanicum loblicher Chriftfeeliger Gedächtnis, als eingigen Regen⸗ ten F) Neichsarchiv Part. Spec. cou Fortſ & 46f. Bas Staatsrechtslericon Th. 4 &. 553 f. Hiftorifches Sendfchreiben vom el. Fuͤrſtenamt im löblichen ee Kreiſe, Beilage ı ©, 77 f. D. allg. preuß. Geſch. 3 Th. Aaa 1599, 370 3 Th. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. een und Herrſcher aller des Churs und Fuͤrſtlichen Hauſes Brandenburg au; und feute, Pacta, Sagung und Bereinigung vor Alters zu dem Ende hochvernünftig aufe gerichtet, darmic die Gefchlecht und Häufer in beffern Wohl» Stande erhalten und allem Abfall und Verringerung, wie oben erwehnet, vorgebauet werden möchte, tie ſich denn ben folchen loͤblichen Vornehmen, ſowohl Unfer Hauß als andere genoffen und gedeylich empfunden, auch fand und Leuthen zum Beften kommen iſt, derowegen weil jeßiger Zeic tie Laͤuffte nicht gelinder,, fondern beſchwerlicher werden, und umb fo viel mehr dahin forgfältig zu fehen, damit Unfer Hauß bey ohnedas obliegenden ſchwehren Sachen und. Geſchaͤfften, die doch demfelben, ob Gott will, werben zu mehrer Weiterung dienen, nicht in Abfall fommen, und das, was wohlmeinend angefangen, muͤſſen erfißen laſſen. So haben wir alle Wege einmuͤtig dafuͤr geachtet, des Churfürft Alberti Achillis Vers ordnung, welche auch Kanfer Friedrich der dritte ufm Neichstage in aller Stände Ver⸗ ſammlung mit derfelden Vorwiſſen, Bewilligung und Vollwort confirmiret hat, wie ingfeichen mit Vorbewuſt, Confens und Vollwort Ihrer G. Sohne, gemachet ift, von Uns und unfern Nachkommen, von nun an zu ewigen Zeiten zu halten, wie bann dies ſelbe pro Pacto, pro ftatuto Familiae, quod tranfiit in formam Contradtus, ja weit diefelbige bergeftalt , wie angezogen, ——— pro pragmatica — ——— et lege publica zu achten, welche dann dieſes Inhalts: daß, ob wohl Ihre Hochſeelige ©. und Dero Gebrüdere gewilliget gehabt, daß Ihr G. und 8.8. Herr Vater, Churfuͤrſt Friedrich der erfte, als primus Acquirens in ven Märfifchen fanden, Zweine regier sende Herren, doch gleichwohl auf gewiſſe Maß, verordnet, fo folten doch hinfuͤro, weil nunmehralle, des ganzen Chur» und Fürftlichen Haufes Brandenburgs kand und few the, an ro Hochfeelige Gnad allein Fommen, und diefelb deren einziger Negent und _ Herrfcher worden, alle Märfifche Sande, ohne einigen Unterfcheid, zu ewigen Zeiten, mit der Chur Brandenburgf unire feyn, und alle mit einander, darunter dann niche weniger die Neumark als andere Sande begriffen, weil dieſelbe Die Zeit, wie auch hie bevor, der Churfürften zu Brandenburg gewefen, und gleich andern fanden Churfuͤrſt Alberto die Erbhuldigung geleifter hat, durch den erſtgebohrnen und ältiften Sohn, den Ehurfürften zu Brandenburg, als einen einzigen Herrn vegieret werden. Sn: Branfifchen Fuͤrſtenthuͤnbern aber, haben Ahr ©. conftituiret und verfehen, daß zweine tegierende Herrn feyn folten, immaffen daffelbe alles Ihrer Gn. Verordnung weiter _ ‚ausweifet, welches dann nicht allein zu Werke gerichtet worden ift, fondern es hat auch Churfuͤrſt Johannes loͤblicher Chriftmilder Gedächtnüs, es bey demfelben gelaffen, und. ift ſowohl in Franken allewege dabey verblieben, als auch von Unfern Marggraff Geor⸗ ge Friderich Groß Heren Vattern und Kern Vattern Marggraf Friedrichen und Marggraf Georgen, beyde loͤblicher Chriſt ſeeliger Gedaͤchtnuͤs, überdies noch ausdruͤck⸗ lichen eonfirmiiret, erneuert und beſtaͤttiget, Und ob wohl Unſer des Churfuͤrſten in Gott ruhenden Eltern und Groß⸗ Here Vater Joachimus primus et ſecundus etzlicher maſ⸗ — 4 — — en ct * EEE — fen von Churfuͤrſt Alberti Verordnung abgeſchritten, fo haben doch Ihre G. ©. und 6, 8, beyderſeits dieſelbe in —— confirmiret und beſtettiget, indem Churfücft Ioa- chi mus i Churfuͤrſt Joachim Friedrich, "> 371 - ehimus primus ſelbſt geſatzt, daß es alſo zu ewigen Zeiten ſolte gehalten werden. Chur⸗ - fürft Ioachinus ſecundus aber hat nicht allein ſolche des Herrn Groß-Vattern und Battern Willen wiederholen, fondern auch ſelbſt geftanden, daß folche hochbetheuerte au rechten geſchwornen Endes ftatt angelobre värterliche Berträge allewege in Ihrem Werth amd Beftand veftiglich- und unverruckt bfeiben, amd denſelben hierdurch, (durch Ihr G. mit Dero Söhnen willkührlich getroffene Bergleichung) nichts benommen feyn foll, dann es ift ihe Gnaden und £bden beyderfeits gefchehene und vorgenommene Deränderung mie ‚gutem Wiffen und Willen der Söhne, wie erwehnet, zugangen, und weil es in derfels ben Willen und Willfühe geftanden, und fonften von niemanden twieberfprochen oder eefochten worden; fo hat zwar folche wilkuͤhrliche Berwilligung, illisconfentientibus ſed non pofteritati koͤnnen präjudiciren, daß Sie darwieder nicht haben mögen hans deln. Es ift aber durch Ihrer tbden Marggraff Johanſens loͤbl. Chrififeel. Ges ‚würds Abſterben (dann Churfürft Ioachimi fecundi Verordnung niemal zu Werke gerichtet worden, auch nur ex certo capite gefchehen, wie der Buchſtabe ausweiſet) die Neumark wieder an die Chur kommen, und. priorem et priftinam Naturam - ex confuetudine longiffima et difpofitione Alberri, lege publica confirmata, acquiſitam wiederum erlanget, daß in derſelben Mark /als in einem Pertinenz·Stuͤck der Chur und derſelben Landen, auch nur der primogenitus ſoll und müfte ſecundum praeſeriptum modum et formam füccedendi ab A’berro, fuccediren, zudem ift ‚auch nicht allein in Ihrer Gnaden Derordnung, fondern auch in deinfelben, fo von Un⸗ ſerm des Churfürften Herrn Vattern loͤblicher Gedaͤchtnuͤs vorgenommen werden wollen, ‚Die Befferung der Chur Brandenburg vor die Urfache berührrer Aenderung praͤſuppo⸗ niret, da doch) die erdfnete kandfchaften, Comptereyen und Cloſter, fo bey Churfürft‘ Toachimi primi et fecundi Regierung dazu kommen mögen, fich mit vem Corpore conſolidiret und vor Pertinenz+ Stück nicht unbillig, weil fie unter der Chur gelegen, ‚und dahero verliehen werden, zu achten fern. Wie denn auch Ehurfürft Alberti Ver⸗ ordnung unter andern mitbringer, daß alle Landfihaften und andere Herrlichfeiten der Chur Brandenburg unirt und einverleibe feyn und bleiben follen, dahero dann nicht unzeitig, was fowol disfalß als. durch die Stifft vor Beflerung erfolgt feyn mag, nie mands, als dem regierenden Churfürften gebührte, ſonderlich weil auch die onera, fo sein Churfuͤrſt tragen muß, nicht gelinder oder geringer, fondern gröffer worden, und dem ganzen Churfürfilichen Hauß Brandenburgk und allen veffelben Gliedern, Lehn⸗ ‚deuten und Unterthanen daran zum höchften gelegen, daß der Chur- Standt bey feiner Reputation, Hoheit und Würde erhalten, und ber jedesmal regierende Churfürft ſowohl dem Roͤmiſchen Reich als Unſerm eigenen Hauſe zur Zier und Ehren ſolchen Seinem hoben Standt, nicht weniger als andere Churfuͤrſten ver Nothdurfft nach führen, darne⸗ ‚ben auch, als das Haupt denandern Fuͤrſten des Hauſes Brandenburgk, uf zutra⸗ ‚gende Nothfälle and andern bevorftehenden Ungelegenheiter, mit Nath und Thar defto beffer und reicher benfpringen könne, welches aber bey Bertheilung, und vornehmlichen, da ohne das die Chur Brandulungt mit groſſen a Schulden »taft beſchweh⸗ ; Yaaz. ret 1599. „72 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg. i vet und dermaffen uͤberhaͤuffet ift, daß die Unterthanen eines Theils auch bie jaͤhrliche Penfiones, vielweniger die Capital⸗ und Hauptſummen in der verfaſten Ordnung nicht abfragen mögen, dahero dann ein vegierender Churfürft von Ihnen deſto weniger Huͤlff und Handbietung zu gewarten hat, derowegen wir, der Churfürft, getrungentlich, Uns fers Herrn Vatters Ehurfürft Johans Georgen 6: bevor gehabte Difpofition wis derfprochen und nicht einwilligen fonnen, fondern auf Ehurfürft Alberti Achillis Ger- manici obberuͤhrter Verordnung beftanden, und ob wir zwar nicht zweifeln, mann Ihre ©. Unfer in Gott ruhender geliebter Herr Vatter länger bey teben blieben wäre, wie wir dann Sr. Hochfeeligen Gnaden daffelbe von Herzen gegönnet, es hätten Dies feld fich, auf tweitere Erinnerung, wohl der uralten Verordnung nach bequemet, weil fonderlich alle diejenigen ‚ fo von Ihro ©. in diefem Werf von Nitterfchaft, Raͤhten und Staͤnden der Chur Brandenburg in groſſer Anzahl zu Rathe gezogen, einmuͤthig und einhellig dahin geſchloſſen, und ſolchen Schluß Ihren Gn. in Schrifften unter Ih⸗ rer eigenen Handt · Subſeription uͤbergeben haben, daß kein Exempel zu finden, daß ohne Willen der Soͤhne in Unſerm Haufe in Contrarium wäre difponirer worden, daß auch ohne Unfern, als des älteften Confens, nichts beftändiges zu verordnen, je⸗ doch weil Ahr Gm. derfelben Difpofition, wiewohl verfchloffen, von der Kayferlichen Majeftät nicht deftoweniger Hat beftärtigen und confirmiren laſſen, diefelbe Eonfirmas tion aber nicht allein fecundum ſubiectam materiam zu regufiren, fondern auch cum illa claufula exprefhiffima ſaluo iure tertii, wie fich die Roͤmiſche Kay ferliche Majeftät Unfer allergnädigfter Herr, deffen in jenem eigenen Handfehreis ben gegen Uns dem Churfürften ſub dato den Eilfften Martii des: abgelauffenen Acht und Neungigften Jahres allergnedigft erflärer, gefchehen iſt, und alfo wir, der Churfürft, aus Gottes Gnaden durch Vorſehung des heyl. Roͤmiſchen Reichs Satzungen die Churfuͤrſtliche Wuͤrde und Hoheit nach Abſterben Unſers in Gott ruhenden geliebten Herrn Vatters erlangt, auch vigore und Inhalt Churfuͤrſt Alber⸗ ti hochvernuͤnftiger und anderer Verordnung und Unlon der gantzen Chur Brandem burg md dazu gehhrigen fand und feuthen einiger Negierer und Herrfcher feyn, fo- { haben wir nicht unzeitig erwogen, allen kuͤnftigen Irrungen, ſo etwa aus Churfuͤrſten Ioachimi primi et ſecundi Willkuͤhrlichen Vergleichungen und Unſers gnaͤdigen ge⸗ liebten Herrn Vatters, weyland Churfuͤrſt Johann Georgen Vornehmen, nicht al⸗ lein jetzo, unter Unſern freundlich geliebten Brüdern und Söhnen, ſondern auch ind kuͤnftige zu Abfall und gänglicher Ruinirung Unfers Hauſes entftehen koͤnten vorzu⸗ bauen, und es dahin zu richten, daß es bey Churfuͤrſt Alberti Achillis Verordnung, ſowol in der Chur⸗ Brandenburg, als Francken von nun an, zu ewigen Zeiten vers . bleiben foll, welches wir Marggraf George Friedrich umb mehrer Erhaltung teillen, des Charfuͤrſtlichen Haufes Brandenburgs Reputation und Hoheit, Uns auch nicht zuwieder ſeyn laſſen, ſondern aus ob eingeführten Urfachen, gleichfals für zutraͤglich ‘erachtet, und darumb uf vorgehende reiffe Berathſchlagung haben wir ſaͤmbtlich Uns fers Eltern und Uhr» Anheren Eyuefürft Alberti ‚Achıllis Germanici oft beruͤhrte Ber Churfuͤrſt Joachim Friedrich, 373 Verordnung hiermit nochmals erneuern, erklaͤren, beſtetigen und confirmiren wollen. Thun ſolches hiermit in Krafft dies Brieffes wiſſendlich und wohlbedaͤchtig, haben Uns acch deſſen, als die zwein einzige regierende Chur» und Fuͤrſten des Hauſes Branden⸗ burg alſo endlich mit einander freundlich verglichen, und wollen, daß nunmehr hin, fuͤhro und zu ewigen Zeiten, ſolcher ietzo angezogenen Difpofition und Verordnung von Unſern freundlichen lieben Söhnen, Brüdern und Vettern, auch allen derfelben Ers ben und Nachkommen, vnverhindert gelebt und nachgefegt werde, aljo und dergeftalt, daß nehmlich anfangs und vor allen Dingen, Unfere freundlich geliebte Söhne, Brüs der und Bettern, in Gottesfurcht und nach feinen heyligen Gebotten und Willen leben, und fich aller Fuͤrſtlichen Chriftlichen Tugenden befleißigen, in deren fanden und inhas benden Dithen die reine wahre Evangelifche tehre, Augsburgiſcher Eonfeßion, wie dieſelbe Ranfer Carln ven Fünfften aufm groffen Reichs Tage Anno taufend fünffhuns dert dreyßig Überreicher worden, Unfere auc) gnädige Herrn Großvätter, Vetter und Vatter, Weyland Churfürft Joachimus ſecundus und Johannes Georg, wie aud) Marggraf Georg hochfeligen Gedächtnis bey Ihrem feben, und wir die Zeit Unferer Regierung bishero durch Gottes Hülff bewahret, ohne Papiftifche, Calvinifche over ER andere Irrthumb, und fonderlichen Kirchen, Schulen und Univerfitäten dafür rein ers halten, und da fich einer eines andern und wiedrigen unterftehen wolte, follen die ans dere denfelben davon abeweifen, und folcyes Feines weges verftatten. Dann, aud) lu- ſtitiam manniglichen gleichmaͤßig adminiſtriren, die Reverſen den kandfchafften geben, und die getreue gehorfame Unterchanen, die albereit bey der Herrſchaft gar viel gethan, in guädiger fehuldiger Acht haben, diefelben mie neuen Auflagen nicht befcehwehren, ſon⸗ dern damit, wie billig, verfchonen, und fie bey Ihren Freyheiten und alten Herbrins ‚gen gnädiglich bleiben laſſen, auch darbey fehüßen und. handhaben, fo werden unfere freundliche liebe Söhne, Brüder und Vettern und Ihre Nachkommen daher um fo viel mehr Gottes gnädigen und reichen Seegen befinden, auch" zeitliches und ewiges Aufnehmen und Wohlfarth erlangen. Was dann ferners Unfere Chur» und Fuͤrſten⸗ thumb auch fande und Leuthe betrifft, wollen wir und ein ieder infonderheit, fo lange der Allmächtige Ihm das teben friften wird, welches zu feinem gnaͤdigen vätterlichen Willen ſtehet, derfelden unfer Inhabenden fanden, und da uns die Goͤttliche Allmacht mehr befcheret, regierender Herr feyn und bleiben, Nach Unfern eins oder des andern Todt aber feßen, ordnen und wollen wir, daß es darmit. nachfolgenter geſtalt unter⸗ ſchiedlich gehalten werden ſoll. Nehmlichen, wann wir Joachim Friedrich, Marggraff zu Brandenburg, Chur⸗ fuͤrſt ꝛc. kuͤnftiger Zeit nach Gottes Willen mit Tode abgingen, daß alsdann Unſern Eltiſten Eheleiblichen Söhne Marggraff Johann Sigiämunden und feinen Mäns lichen Ehelichen Leibes Exben, abſteigender Lini, ob er deren nad) feinem toͤdtlichen Abgangck hinter Ihm verlieſſe, oder in Mangel derſelben dem andern Unſern Aeltiſten Sohn, und alſo in Ewigkeit, der Gulden Bulle nach, allwege dein Churfürften die — und Chur Brandenburgk, wie die in Ihren Creyſſen begriffen, fe wohl Re Aaa 3 alte, 1599. 1599. 274 3% 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Alte, Mittel, Ucker und Neumarck, als auch die Priegnig, Graffſchafft Rup⸗ pin, Sande zu Sternbergck, Herrſchafften Cottbuß, Peig, Zoffen, Stordau, Befefau und andere darzu gehörige Derter, wie ingleichen die Biſchoffthumben Bran⸗ v * — — „u » denburgck, Havelbergck, Lebus (es wurden dann diefelbige zu Unferer jüngern Sf | ne Deputat gebraucher) mit allen Ihren tanden, teuthen, Schloffen, Staͤdten, Wild⸗ bahnen, Zollen, Geleydten, Gerichten, Mannfchofften, teenfchafften, Inſonderheit Werningeroda, Dernburgck, Schwedt und Vierraden, wie auch andere Obrig⸗ keit, Freyheiten und Gerechtigfeiten und allen andern Zugehoͤrungen, Geiſtlichen und Weltlichen, auch alle die fande, Städt und Schlöffer mir Ihrer aller und ever Eh⸗ ven, Würden, Nugen, Renthen, Pachten, Zinfen, Guͤlten, Herrlichkeit und pertinentien, die zu der Marck zu Brandenburgef kommen und bedacht ſeyn, ſambt dem Herzogehumb Eroffen und allen erlangten Anwartungen nachfolgender Fürftens ehumben, als Pommern, Meclenburgk, Holftein, Anhalt, Braunſchweig Luͤneburgck und dergleichen, welche zuvorn zum Theil von der Chur Brandenburgf zu Sehen gangen, vor einem Theil zuftehen und bleiben, doch ſollen wir, oder Unfere Succeffores in der Chur, ſchuldig ſeyn, da folcher berührter anwartender Fuͤrſtenthuͤm⸗ ber eins oder mehr Fünfftig an die gedachte Chur Brandenburg Fommen, ‘Einem jebs wedern der andern Fuͤrſten und Marggraffen zu Brandenburgf, die mit gewiffen fans ben, Leuthen oder Stifften nicht verfehen, und doch ihres Unterhalts- oder Deputats halben uf die Chur und Mare Brandenburgk gewiefen und gehörten, eine leidliche erträgliche Recompens zu machen, was aber Pommern und Mecklenburgck betrift, da bleibt daffelbig ohne einige Erftartung dem iedesmahls regierenden Churfürften vors aus. Hiergegen was Uns Marggraff Georg Friedrichen zu Brandenburg beruber, Nachdem des Hochgebohrnen Fürften Unfers freundlich lieben Bettern Sohn und Ges vatters Herrn Albrecht Friederichen Marggraffen zu Brandenburack in Preuffenae, Herzogs von Weylandt Kayſer Maximiliano fecundo erlangte Rejtiturion und derſel⸗ ben Erflärung unter andern vermag und in ſich hält, dag Sr. $. auf ven äufferften Fall, und woferne nach aller i$ lebender Marggraffen tödtlichen Abgang, Eeine Männe liche teibes / Lehens Erben mehr vorhanden feyn würden, alsdann und ehe nicht zu Ih⸗ ven verlaffenen Neichs / tehnen und Negalien die Geſambte Hand und kehns+ Folge ges ſtattet werden folle zc. alles fernern Inhalts angeregter Kayferlichen Erklärung zudrae a ga den neun und zwangigften May, Anno Zaufend Fünffhundert Siebensig Eins datirt, fo follen wenn wir nechfigedachter Marggraff Georg Friedrich zu Brandes burgck, Fünfftig nad) Gottes gnaͤdigen Willen, ohne Männliche teibes lebendige Er⸗ ben verjtüchen, Unſere Fuͤrſtenthumb und fande des Burggraffrhumbs zu Nuͤrnbergck unter» und oberhalb des Gebuͤrges mit allen feinen Schloffen, Städten, Mannſchaff⸗ ten, Lehenſchafften, Wildtpahnen, Zoͤllen, Geleyten, Gerichten, Obrigkeiten, Ges rechtigkeiten, Herrlichkeiten und aller andern Zugehoͤrung, Geiſtlicher und Weltlicher, mic allen Ehren, Wuͤrden, Nutzungen, Renthen, Zinſſen, Guͤlden, allermaſſen, wie wir bishero daſſelbe als Reichs⸗ Lehen innen gehabt, nichts ausgenommen, Unſern des Chur i | Churfürft Joachim Friedrich, | 375 Churfuͤrſten freundlichen lieben Brüdern, und Unfer Marggraff Georg Friedrichs Bettern, nehmlich Marggraff Ehriftian und Marggraff Joachim Ernten , oder da fie Unfern Tode nicht erleben, Ihren Jedes Altiften Männlichen Ehelichen Leibes-Er⸗ ben, abfteigender linie, oder in Mangel derſelb den andern Ihren nechften Brüdern und tehens Agnaten hinnach folgen und zugeben, alfo und vergeftalt, daß in folchen Unfern Fuͤrſtenthumb des Burggraffthumbs zu Nuͤrnbergck, den altväterlichen Ber: trägen und fonderfich Churfürft Alberti oberwehnter Difpofition nach, iedesmal mehr nicht als zwein regierende Herren feyn, welche daffelb unfer Fuͤrſtenthumb ſambt allen inhabenden geifilichen Gättern, Stifftern und Cloftern durchs Looß auf zwein gleiche Theil unter fie eheilen, und welches Theil Ihr jedem durch das Looß zufälle, er folches vor feinem Theil unweigerlich annehmen, innen haben und behalten foll, ohne maͤn⸗ nigliches Einrede oder Verhinderung, doc) follen alle Bergwergke, die man in beyden fanden, untersund oberhalb des Gebürges, ietzunder hat, oder hinfuͤhro gefunden würden, auch das Kayſerlich Sande» Gericht des Burggraffihumbs Nürnberg nechfiges dachten Unfern zweyen freundlichen lieben Vettern Marggraff Ehriftian und Margs graff Joachim Ernſten, oder derfelben Männlichen Ehelichen teibes» Erben oder Ges Brüdern, wie obgemeldt, fo diefelben zwey Theil in Francken und Gebuͤrge innen ha ben werben, und ihren männlichen teibess Lehens ⸗Erben gleich zuftehen, uf daß fie dies ſelben neben ihren fanden und keuchen defto baß handthaben, fhügen, ſchirmen und ers halten mögen. Wir ftatuiren und wollen auch, was wir Marggraff Georg Friedrich kuͤnfftig fonften vor legten Willen, Ordnung und Teſtament hinterlaffen, daß alle Un⸗ ſere freundlich geliebte Vettern darwieder nicht handeln, noch daffelbig iemand anders ju thun geftatten, fondern deme allerdinges gemäß zu geleben und nachzufommen fehuls dig ſeyn follen. - Was” aber das Herzogthumb Preuffen anlange, ſoll daſſelbig nach Unſern und Unfers freundlichen lieben Vettern, des iegigen blöden Herzogen Albrecht Friedrichen, Marggraff zu Brandenburg ze. eödelichen Abgangf, und fo fern Unfer Feiner eheliche Männliche teibes lebendige Erben hinter fich verlaſſen wuͤrde, vermoͤge Königlicher Belehnung, Unfern freundfichen lieben Vettern, Marggraf Joachim Fries drichen, Churfürften, oder wenn ©. $. Unfern "Tode nicht erlebt, deſſelben Sopn Marggraff Johann Sigismunden als den Aeltiften, oder wenn der oder feine Ers ben nicht mehr wären, alsdann dem iedesmahl folgenden und regierenden Churfürften verbleiben. Und dieweil wir Unfer Hertzogthumb Jaͤgerndorff wopfgedachten Unferm freundlichen lieben Bettern, dem ietzigen regierenden Khurfürften und deſſen freundfis chen lieben Söhnen, uf gewiffe Maaß übergeben, darauff mehr wohlernandter Churs fürft folch Unfer Hertzogthumb aniego ferner derſelben freundfich geliebten Sohn, Herr Sohanns Georgen, Marggräffen zu Brandenburgf, Adminiſtratorn hoher Stift Straßburgk aus fonderlichen Vaͤtterlichen Willen, weil er gfeichwohl der ander ges bohrne Sohn it, über das Depurat, als ein Voraus Erblich und eigenthuͤmblich eins geraumer, Go foll es hinfuͤhro hey S. 8. und derfelben Männlichen teibes: Lehens⸗ Erben verbleiben, aber mis Feinen Schulden beſchwehret werden, und va gleich von B ge⸗ 1599: 1599. 376 3%. 8 Haubffl Neuer Geſchichte von Brandenburg, | gedachten Herrn Admilniſtratorn fein Maͤnnlicher tehens +» Erbe vorhanden wäre, doch von Churfuͤrſtlichen Haufe Brandenburgf, Maͤnnlichen Standes nicht geriffen, fons dern derfelben tint einen wiederumb eingethan werden. Und fol fonften mic Führung des Churfürften und andern Marggraffen zu Brandenburg Tituls auch Schild und Helms, fo wohl der Erb Huldigung halber, wie dieſelb durch die zur Regierung ges tretene Chur» und Fürften des Haufes Brandenburgf von den Unterthanen mit Als ters hero genommen, desgleichen welchergejtalt, allewege ein vegierender Churfuͤrſt die Beſtaͤtigung von der Roͤmiſchen Kayferlichen Majeftär und ven Churfürften von Sein. und aller feiner Erben, Bruder, Ihrer Erben und Vettern wegen, ſaͤmbtlich nehmen foll, bey Ehurfuͤrſt Alberri Achillis Germanici obbefagter Beroronung verbleiben, Und nach dem wir Marggraff Joachim Friedrich Churfuͤrſt, vor Gott dem Allmächtigen mit vielen Söhnen gnädiglicy gefegnet, darneben auch Unfer gnädig geliebter Herr Vat⸗ ter Marggraff Zohanns Georg Ehurfürft zu Brandenburgk, Hochlötlicher Chrifte fecfiger Gedächtnäs, neben Uns noch Steben Söhne Hinterfaffen, und aber, wie vor gehört, weyland Churfürft Alberti Achillis Difpofition und Ordnung nach, mehr nicht, “als drey regierende Herrn, nemlic) in der Marck ein Churfürjt, und hie auf fen bey dem Fuͤrſtenthumb des Burggraffthumbs zu Muͤrnbergk zwein Fürjten und Marggraffen ſeyn, von welchen foͤrder die anderen Ihre Gebrüder oder Bertern, fo mit Sand und teuthen oder geiftlichen Stifften nicht verfehen, jährlich mit einem gemwiffen - Deputat verforger und bedacht werden ſollen. So wollen folchemnach wir der Chur fürft alle Unfere freundlich geliebte" Brüvdere, fo lange Sie, wie jtzt gemeldt, niche verſorget, nach) geftalt und Gelegenheit jedes Alters zur Nothdurfft Fuͤrſtlich unterhal⸗ ten, da aber einer oder mehr fein vollfomlich Alter, als achtzehen Jahr, erfüller, als— dann jedweder derfelden, fo lange er, wie gehoͤrt, mit gewiflen Landen und feurhen, oder Stifften nicht verfehen, jährlich Sechsraufend Thaler zum Deputat reichen und folgen Taffen, haben auch über das bewilliget und verfprochen, Bewilligen umd verfpres chen auch hiermit und in Krafft diefes Brieffes, daß wir, weil die zwey Aeltiſte Unſere Gebrüder Marggeaff Chriſtian und Marggeaff Joachim Ernſt in den Fraͤnckiſchen fanden, wie obgemeldt, fuccediren, ber andern Unferer Brüder einen an flat des Des putats zu dem Meifterthumb in dee Marck BrandenburgE (doch mit ausdruͤcklichem Vorbehalt der Protection und Hoheit) zu befüdern, darneben auch nichts deſtoweniger Unfere Söhne und Nachfommen in ver Marck ohne Abgang oder Zuſchoß der andern Unferer tegierenden Gebrüder und dero Succeſſorn, in Franden und ufm Gebirge mit obgemeldten Deputaten verforgen, welchen ſich auch hinführo Unfer Altifter Sohn und alle folgende Churfürften zu Brandenburgf, fowohl gegen Ihnen dann andern Unfern Söhnen, als auch) Unfern Brüvern, die Klerinnen, wie vorsund nachfteher, _ mic Shrem Unterhalt auf die Chur verwieſen, gemäß zu erzeigen ſchuldigk. Hiegegen unfere des Churfürften beyde Gebrüdere und Unfere Marggraff Georg Friedrichs Vettern, Marggraff Ehriftian und Marggraff Foadyim Ernft und derſelben Sue ceſſores, fo obgemeldter maffen zu den Fraͤnckiſchen Fuͤrſtenthumben und fanden des | 2 N - Burg Churfürft Joachim Friedrich. 977 Burggraffthumbs zu Nürnbergf, unter / und oberhalb des Gebürges, gelangen und 1599, ſuccediren auch pflichtig feyn follen, daß ein jedweder Seine Söhne und Nachkommen, in feinem angehörigen Theil Landes, darinnen fie gebohren feyn, Fürftlichen Stande gemäß unterhalte, ſich auch forder, nach Gelegenheit der Zeit und Säuffte eines ges wiſſen entfchlieffe und verordne, was einem, wann er achzehn Jahr feines Alters com⸗ pliret, jährlich zum Deputat zu reichen, immaffen auch einem jeglichen Churfuͤrſten unbenommen feyn foll, das Deputat, fo von feinem Eltern Sohn, welcher in der Ehur fürccediret, den andern Brüdern zu geben feyn wird, nach Gelegenheit und Ans zahl dee Perfonen zu mindern und einzuziehen, und weil gleichwohl diefer Zeit, der juns gen Herren, fo in der Chur und Mark Brandenburgf mie dem Deputat verfehen werden follen, aus Gortlichen mildreichen Seegen eine ziembliche Anzahl, und fich des Churfuͤrſten töden diefelben alle, bey jSigen der Marck obliegenden angezogenen hoben Defchwerden, zu unterhalten, wie oben difponiret, zum höchften beflagt, fo haben wir Marggraff Georg Friedrich dahero, uf ſolch feiner $. freundliches Anfuchen, und zu mehr rerer derfelben Erleichterung endlich gefchehen laſſen, und es dahin gefteller, wann es nehm⸗ lich Eünftig nach Gottes Willen zu Falle fime, daß vorgemeldte Unfere beyde Vettern Marggraf Ehriftian und Marggraf Joachim Ernſt, obgefegter maffen, zur Regierung Unferes Fräncfifchen Fuͤrſtenthumbs, unter / und oberhalb des Gebürges, gelangten, und darauf zwein derfelben jüngfte Bruͤder, ald Marggraff Johanns, und Marggraff Jo⸗ hanns Georg, ieder achtzehn Jahr feines Alters erfüller, daß Sie Unfere beyde Vettern, Marggraff Ehriftian und Marggraff Joachim Ernft, und alfo Ihr jeder, folcher Ih—⸗ rer beyder jüngften Brüder einen, fo lange er im teben und mit eigenen fanden, Leu⸗ then oder Stifften nicht verfehen wäre, (dazu noch des Churfürften &bven oder deffels ben Suceeffores Ahnen alle Beförderung zu thun) mic Fürftlichen Unterhalt zu verfors gen, aber nad) deflelben eines oder deſſelben Abſterben, am deren ſtadt weiter andes te derfelben Gebrüder hinnaus in Francken zu fich zu nehmen, und zu unterhalten nicht ſchuldig feyn, fondern bey obberwehnter unterfchiedficher difpofition gänglichen verblei⸗ ben fol. Doch foll, wie wir ingefambe weiter verordnet, ein ieder Unfer Sohn, Bru⸗ Der und Better und alle verfelben Nachkommen, ehe einer oder der andere zur Regie⸗ zung oder dem geordneten Deputat gelaffen, fehuldig feyn, fich folgendergeftalt zu res derfiven. Wir von Gottes Gnaden N. N. Marggraff zu Brandenbure, in Preuf fern 30. Herzogk, hirmit vor Uns, Unfere Erben und Nachfommen, öffentlich urfuns den und befennen, Nachdem weiland Unfer älter Uhr: Anherr Churfürft Alberzus Achilles. Germanicus loblicher Chriſtmilder Gedaͤchtnuͤe, fub dato Eöln ander Spreu, am Mittwochen S. Matthiä Anno Taufend Vierhundert Siebengig Dren, eine Bers ordnung gemacht, welche auch von Kaifer Friedrichen dem dritten in offenen Reiches tage confirmiret und beftättiget ift, wie es in Unferm Chur» und Fürftlichen Haufe mit der Succeßion und fonften von nun an, zu ewigen Zeiten gehalten werben foll, und darauff die durchlauchtige hochgebohrne Fürften, Here Joachim Friedrich des heiligen Römifchen Reiche Ertz · Cammerer und Churfürft, und Here George Friedrich bey- + P.sllg. preuß. Geſch. 3 Th, Bbb de 1599- a8, 3 Th. 8 Hauptft. Neuere Sefchichte von Brandenburg. de Marggraffen zu Brandenburgf 36. folche Ihrer Gnad. hochvernünfftige Verord⸗ nung Sub dato N. N. erfläret, erneuert wiederholet und beftättiget, deren Anhalt wie dann nicht allein genugfamb berichtet, ſondern denfelbigen auch wohl eingenommen und verftanden, fo gereden, geloben, verfprechen wir, aus vechter guter Wiffenfchaft und eigenen Bewegnäs, in Betrachtung, daß folches Unfern gangen Haufe und zu deſſen Erhaltung vernuͤnfftig, treulich und wohlgemeint ift, vor Uns, Unſere Erben, Stamm und Nachkommen bey Unfern Fürftlichen Würden, Ehren und Treuen, an eines vechs ten geſchwohrnen Eydes ſtatt, folche Ordnungen, und wie Ihre Gnaden und $6d Unfer ‚gnädiger freundlich geliebter Herr Vater, Bruder und Vetter, diefelbige erfläret, in allen ihren Stücken, Punckten, Artieuln und Inhaltungen ſtett veft und unverbrüchlich zu halten, und mit denen Sachen, Handelungen oder Raͤthen, wie die jemand erdacht oder erfunden, oder hernacher immer erdenken, oder erfinden koͤnte oder moͤchte, dawie⸗ der nimmer zu ſeyn, oder zu thun, oder geſchehen, gethan zu werden, noch das je⸗ mand von Unſerntwegen zu thun befehlen, verhaͤngen oder geſtatten, weder mit noch ohne Recht, Geiſtliche oder Weltliche Richter oder Gerichte, in keinerley Weiſe, und ob jemands darwider ſeyn ober thun wolle, fo wollen wir dargegen bey Uufern freundli⸗ chen lieben Brudern und Vettern, den Churfürften und Marggraffen zu Brandenburgf fo Ehurfürft Alberti Verordnungen und Unfers Herrn Vattern, Brudern und Ders tern Grflärungen nach); leben getreulich umbtretten, und mit fanden, feuthen und al fen Unferm Vermoͤgen ernſtlich bey einander ſtehen und halten, ohne einige Erception, wie die Nahmen haben mögen, alles getreufich und ohngefaͤhrlich. Zu Uhrkund ſteter fefter unverbrüchlicher Haltung, haben wir obgemeldter N. N. an diefen offenen Brieff Unſer Secret » Anfiegel hengen laſſen, und uns wiſſendlich und wohlbedaͤchtiglich mit eigenen Handen unterfihrieben, Gefchehen und gegeben ꝛc. Weiter haben Wir Uns mit einander freundlich dahin vereinigef, daß wir, der Ehurfürft, Unſere Töchterund - Schweftern, fü viel deren noch Tediges Standes feyn, bis Sie zu Ehelichen Heyrathen befördert, nothduͤrfftig unterhalten wollen, ‚aber wann Fünfftig Unfere Brüder, Marge graff Chriftian und Marggraff Joachim Ernſt zu Brandenburg obgemeldter maß fen zu fand. und feuchen Fommen, follen Sie Ihren Töchtern, die Sie, Unfere Gebris der, ehelichen erzeugen möchten, felbften nothwendige Unterhaltung zu verfchaffen und fie auszufteuren ſchuldig ſeyn, und alfo hinführo in Ewigkeit die gebohrne Töchter und Sräufein in der Mark allewege von dem jedesmal regierenden Churfürften, die gebohr⸗ ne Töchter und Fräulein aber im Fürftenehumb des Burggraffchumbs zu Nuͤrnbergk von den regierenden Herren jedes Orts, in welchem Theil Landes ſie gebohren, alimen⸗ tiret und ausgeſteuret, auch mit dem Heyrath⸗Guth dieſer Unterſchiedt gehalten, daß nehmlich einer jedweden gebohrnen Tochter und Fraͤulein aus dem Hauſe Brandenburgk zum Heyrath / Guth mehr nicht, als in der Chur und Mark Bran⸗ denburgk zwantzigtauſend Gulden Landes Wehrung, im Fuͤrſtenthumb des Burggraff⸗ thumbs Nuͤrnberg aber zwoͤlfftauſend Gulden, ſambt ziemblicher Ausfertigung nach derſelben Wuͤrden und Ehren (doch kein Land und keuth) gegeben werden, und daß ſich hier⸗ \ Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 379 hlergegen jede Tochter, ehe Sie ehelich beygeſchlaffen hat, nach aller Nothdurfft, Wär terliches, Muütterliches und Bruͤderliches Erbes nach allem Herkommen verzeihen follen. Ferner nachdem auch in Churfürft Alberti Achillis Diſpoſition unter andern verord— net, daß Fein regierender Herr, von Land, Leuten, Schlöffern oder Guͤttern zc. ichtwas zu vergeben, oder zu uhrthatt, zu verfegen oder zu verfauffen, fondern allein mit dem, was er zu den fanden bringet, oder Ahme nach Angefällen oder Seiner Gemahlin Hey rath⸗ Guth zuftünde, feines Gefallens zu handeln, Macht haben flle, Taffen wir es das bey gleichfals billig berußen. Es follen aud) Unfere Söhne, Gebrüdere und Vettern, Feiner weil wir im geben feyn, dem andern Schuldt machen, welche die aber machen wuͤr⸗ de, foll er ſelbſt die nach Unfern Tode von feinen angebührenden Theil Landes oder Des putat ohne Hülff oder Entgeltnuͤs der andern bezahlen. Was aber wir, der Churfuͤrſt, vor Schulden verliefen, oder noch in unferm teben machten, durch uns felbft oder un fere Befehlichhaber, diefelben werden von unferer hinterlaffenen Erbfchafft und dem für cedivenden Churfürften billig abgerragen, unfere Marggraff Georg Friedrichs verlaß fene Schulden aber werden von den regierenden Heren in Francken entrichtet und alfo hierin den -altvätterlichen Verträgen nachgangen, wie wir dann daffelbige hiermit bey⸗ derſelts wollen cavirt und verfehen haben. Aulangend beyderfeics Beftungen, Nachdes me in dee Marf und Chur Brandenburgk albereit drey, als Eüftrin, Spandau und Peitz , {m Fuͤrſtenthum des Burggraffthums Nürnberg aber zwo, als nehmlich ufm Gebürge die Beftung Plafjenburg vorhanden, und wir Marggraff Georg Fries drich unlaͤngſt dem Haug Brandenburgk zu Ehren, auch unterhalb des Gebuͤrges die - Beftung Wilßburgf erbauer, fo foll es hinfuͤhro und zu ewigen Zeiten ben folchen fünff unterfehiedlichen Beftungen bewenden, und darüber Feine mehr ufgerichter, fondern die jeßigen defto mehr in baulichen Würden und Weſen erhalten werden, es wäre dann Sache, daß es in Francken des tandes Nug und Nothdurfft fonderlichen erfordert, fo foll uns Marggraff George Friedrichen und unfern Nachfommen noch eine Veftung zu bauen unbenommen ſeyn. Dann der Artholert und Munition halben fambt als lem dem, was zur Beftung und Wehren gehört, ordnen und feßen wir infonderheit, was von folchen Sachen in der Mark Brandenburgf, daß es daſelbſt, dasjenige aber, ſo wir Marggraff Georg Friedrich in Unferm fand und Veftungen, unter und ober, halb des Gebürges, fo wohl auch in Unferm Hofflager uud Zeughauſe zu Onolgbach, und alfo jedes Dres, ſonderlichen hinterlaffen und verordnen werden, verbfeiben. Go foll es auch, fo viel die Verwahrung aller Privilegien von Bullen, Handveften und ans - bern vornehmen Briefen belanget, bey hoͤchſtgedachtes Churfürften Alberti Difpofition beruhen, aufferhal6 daß wir Marggraff George Friedrich an ftadt unfers Schloffes Cadelsburgk (dahin Hievor die Verwahrung folcher Brieffe unterhalb des Gebuͤrges ge ordner) hiermit unfer Haug zu Onolsbach oder Veſtung Wilßburgk darzu benandt und deputirt haben wollen. Nachdem dann überdis in mehr beruͤhrten Churfürft Als berti Difpofition unter andern auchfolgender Punckten halber norhdürffrige Vorſehung gerhan worden, nehmlich wie e8 mit den verftorbenen Fürften und Marggrafen zu 5 Bbb 2 Bran⸗ 159% Der hurfürk Nimmt fich der p roteſtanten “N. 1599. 380 3 Th. 8 Hauptfl Neuere Gefchichte von Brandenburg. Brandenburgf hinterlaffenen Söhnen und Töchtern Bevormundung, fo wohl ihr det Töchter Alimentation und Aus’ Steuer halben gehalten werden foll, desgleichen welcher geftaft die regierende Churs und Fürften gedachts Haufes Brandenburgf, fambe ans dern ihren Brüdern und Vettern einander treulich meinen, und durch was Mictel und Austragf die Jrrung und Mißverftände, fo fich je zu Zeiten zwifchen Ihnen zutragen, zu entfeheiden feyn möchten, Item daß fich unter denfelben Feiner ohne des andern Rath, Vorwiſſen und Willen in neue Bindnüs oder Fehde begeben follen, fo laflenwir eö ben folcher hochernandtes Churfürften Alberti Achillis gethanen wohlmeinenden Vers ordnung und Yusträge, wie nicht wenigers der zwifchen den dreyen Käufern, Sachſen, Brandenburg und Heffen aufgerichteren Erbverbrüderung gleichfals bewenden , doch weil in dieſer Unfer jegigen Vergleichung die jährliche Deputat, fo vor diejenigen Unfes te Söhne, Brüdern und Gevetteen (melche mit fand und feuthen nicht verfehen) in ver Marek albereit nach Gelegenheit beſtimbt, in Francken aber unters und oberhalb des Gebürges Unfer Marggraff Georg Friedrichs zu Brandenburg nechften Succefforn, Fünfftig fonderlichen zu machen vorbehalten, fo wohl auch das Heyrath» Guth der Fuͤrſt⸗ lichen Fräufein nach Gelegenheit jegiger Zeit und täufften an der Summa etwas mehr als zuvor erhöhet worden, füll es bey folcher Unfer jegigen Verordnung gelaffen, und als ſo Hierinnen Hochernandts Churfürft Alberti Difpofition in andere Wege nichts benoms men noch zuwieder verftanden werden, Und deffen zu wahrer offener Urkund auch fteter Haltung und Befräfftigung aller obgefehriebenen Puneten und Artieuln, fo haben wir obbemeldte Joachim Friedrich Churfürft, und Georg Friedrich, beyde Marggraf⸗ fen zu Brandenburg ꝛc. vor uns, Unfere geliebte Brüdern, Söhne, Bertern und Nachkommen, Churfürften und Marggraffen zu Brandenburgf, Unſer jeder feinen Daum» Ningk aufgedrucer und mit eigenen Handen unterfchrieben, bis Fünfftig daſſel⸗ big originalicer verfertiget, und mit jedes anhangenden Regal» Infiegeln und Subfeription, wie ſich gebührer, beftetiget werde, Gefchehen und geben zu Magdeburgk ven Neun and zwangigften Aprilis Anno Taufendt fünffhundert Neuntzigk Neun, ,, | $. 160. Auf diefer merkwuͤrdigen Zufammenfunft der beiden regierenden Herren bes bran⸗ denburgifchen Haufe zog man aber auch die allgemeinen Angelegenheiten der Protes ftanten in veife Ueberlegung. Das Haus Defterreich Hatte fich zwar mic dem Herzoge von Wirtemberg verglichen. Der Herzog erhielt durch eine Gelofumme das Recht, daß er und feine Nachfolger ihre kande nicht mehr von Oeſterreich, fondern unmittel⸗ bar vom Kaifer und dem Neich zu lehen nehmen dürfen: Doch hatte fich hiebey das Erzhaus ſowol vor die fpanifche als deutſche kinie die Nachfolge auf ven Fall ausbe⸗ dungen, wenn alle männliche Nachkommen’ der Herzoge von Wuͤrtemberg ausgeftors ben feyn würden. Dur weiß ich nicht, ob.nad) erlofchenem ergherzoglichen Mannſtamm auch den weiblichen Öfterreichifchen Nachkommen diefes Necht zuftändig fer. Bey dem allen aber harten ſich die Befchwerden ver SProteftanten nicht vermindert, fons dern Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 381 dern gemehret. Die Spanier und Niederländer hatten in dem niederrheiniſchen 1599. und weftphälifchen Kreife abermal viel Muchwillen ausgeuͤbet. Jene führten unter andern zu Weſel die Uebung des catholifcyen Gottesdienſtes wieder ein. Beide Kreife ftellten dieferhalb eine Berfammlung zu Coͤln an, aber ihre Abgeoroneren hatten bey bem fpanifchen Felöheren Franz von Mendoza, Admiral von Eaftilien, nichts auss gerichtet. Dies gab Gelegenheit, daß der fränfifche, oberrheinifche, niederrheis nifche, weftphälifche und niederfächfifche Kreis zu Eoblenz fich verglichen, denen bedrängten Kreifen neun Roͤmermonate zu Hülfe zu gebeit. Doch dies Verfprechen ward von einigen aus Neigung für Spanien, von den meiften aber aus Furcht ſchlecht beobachtet. Aus eben diefen Urfachen befchloß man, auf den Fall weiterer Beleiviguns gen blos in den Schranfen der Vertheidigung und guͤtlicher Handlungen zu bleiben. Die leßteren wurden auch mic den Holländern, infonderheit wegen der auf dem cle⸗ viſchen Boden erbaueten Schenfenfchang, vorgenommen, aber durch alle diefe Mittel nichts ausgerichtet. Beide vegierende Herren des brandenburgifchen Haufes fahen, wie ben diefen Umftänden eine nähere Bereinigung der Proteftanten unumgänglich nos thig fen, und erfüchten von Magdeburg aus den Churfürften von ver Pfalz, als Borfteher der Proteftanten, eine Zuſammenkunft famtlicher evangelifchen Reiches - glieder zu veranlaffen, um die letzthin zu Frankfurt zu Papier gebrachte nähere Vers Bindung derfelben zur Vollziehung zu bringen. Friedrich 4 Churfürft von der Pfalz folgte diefem Rath. _ Es verfammleten ſich daher im Julio zu Friedberg in der Wet⸗ terau abgefchichte Räche von Churpfalz und Ehurbrandenburg, von Pfalzgraf Phis lip Ludwig, Marggraf Georg Friedrich, Henrich Julio und Philip Sigismund Herzogen von Braunfchweig, Doris, Ludwig dem Altern, Ludwig dem jüngern Sandgrafen zu Heffen, Ernſt Friedrich Marggrafen zu Banden, Franz Herzogen ' zu Sachfen » Lauenburg, Johann dem äftern Grafen zu Naffau: Dillenburg für fich und im Namen anderer wetterauifchen Grafen und Gottfried Grafen zu Oet⸗ fingen. Unſers Ehurfürften Gefandter war Zoachim Hübner. Ohnerachtet ſich nun Sachfen theils aus Haß gegen die Reformirten, theils weil folches das Vorſte⸗ heramt der Proteftanten, ohnerachtet Churpfalz eine Höhere Stelle Hatte, verlangte, ſich auf diefer Zufammenfunft nicht eingefunden, fo ward doch den zoften Sul. ein Schluß gemacht. "Man fegte unter andern veft, daß die Mehrheit der Stimmen in freiwilligen Gelobewilligungen nicht binden; daß die Erfänntniß über die Religionsftreis figfeiten in der Stadt Aachen von den, Proteftanten dem Kaifer nicht heimgeftellee fen; daß eine jede Reichsſtadt, gleich andern Ständen, das Recht habe, fich zu einer andern Religion zu wenden, und daß es nicht erlaube fey, fremdes Kriegsvolf in das Reich zu führen g). DEREN | Ich muß noch eines Umftandes erwehnen, der bey der perfönlichen Zufammens und hilft de kunft der zween regierenden Herren des Haufes Brandenburg zu Magdeburg vor, ——— —9 — ſchen ſachen gefallen. Es wurden nemlich von ihnen mit dem magdeburgiſchen Domcapitel die berathen. Bbb 3 Re⸗ Laͤnichs Reichsarchlv Part. Spec, p. 260, 335 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1599. Regierungsangelegenheiten diefes Hochſtifts in reife Ueberlegung gezogen. - Unfer Chur⸗ fürft harte, kraft feines. Wahlvertrages, den er bey voriger Uebernehmung des Hoch⸗ ftifes Magdeburg eingegangen, verfprochen, die Stiftsregierung niederzulegen, ſo⸗ bald er die churfuͤrſtliche Regierung angetreten. Das Domeapitel hatte nachher aber ihm und dem verſtorbenen Churfuͤrſten Johann Georg verſprochen, keinen ——— | als einen Prinzen des brandendurgiſchen Haufes zum Nachfolger in der erzbifchörle chen Würve zu erwaͤhlen h). Auf beiven Theilen ward das Verfpreihen genau erfüle _ let. So bald durch ven Tod Johann George unfer Joachim Friedrich zur churfuͤrſtli⸗ ‚hen Regierung gelanget, ergrif das Domcapitel von Regierung Landes und beute des Erz⸗ ſtifts Magdeburg ven Beſitz. Bender hierauf im vorigen Jahr angeftellten Erzbiſchofs⸗ wahl fielen die Stimmen aufunfers Churfürften jüngften Pringen, den vor Magdeburg _ ſehr merkwürdig gewordenen Ehriftion Wilhelm, aus. Weil ſelbiger aber damals erft acht Jahr alt war, fo ward bey feiner Wahl die Bedingung hinzugefüger, daß das. Domcapitel, bis er das ein und zwanzigfte Jahr erreicher haben würde, die Regierung führen, und er einen gewiflen Wahlvertrag eingehen folte j). Beides völlig einzurich⸗ ‚ten, befprachen fich Churfuͤrſt Joachim Friedrich und Marggraf Georg Friedrich in dieſem Jahr mic dem Domkapitel zu Magdeburg, welches eine Geſandtſchaft nach Prag abfehiete, um die Faiferliche Beſtaͤttgung vor Marggraf Chriſtian Wilhelm einzuholen. Der Ehurfürft ließ folche fo wohl unterftügen, daß auch die Beſtaͤtigung wirklich erfolgte k). BE | — Er laͤſet ſcch Vor ſich ſelbſt Hatte Joachim Friedrich ohnedies das Belehnungsgeſchaͤft über belehnen, die vom Neid) ſowol als dem Königreich Böhmen zu Lehen gehende Sande und Rechte am Faiferlichen Hofe zu beforgen. Die Peit, welche im vorigen Jahr ſowol in Boͤh⸗ “men als in der Mark Brandenburg wuͤtete, hatte ihn Bisher verhindert, dieſe Su ehe zu berichtigen. Jetzt aber giengen des Churfürften Gefandten nach Prag, und - empfiengen vom Kaifer Rudolph 2 die Belehnung derer churfürftlichen ande und Rech⸗ te, die ſowol von dem Reich, als auch von dem Königreich Boͤhmen kehensfhice waren). Ä ER NS und fücht Zwifchen dem Könige von Polen und Schweden Sigismund und deffen Vet⸗ ne zu ter Herzog Earl von Sudermannland hatten fich Über die Regierung des Königreichs ’ S chw eden ſolche Irrungen geaͤuſſert, daß bereits in dem vorigen Jahr zwiſchen beiden die Thaͤtlichkeiten angegangen waren. Denn Sigismund wolte durch feine perfönfts che Gegenwart in Schweden alles nach ſeinem Willen einrichten, und war bey Cal⸗ mar ans fand getreten. Der Herzog ſtellte ſich ihm aber mit gewafneter Hand ent⸗ gegen. Anfänglich fehien das Gluͤck zwar den letztern nicht zu unterſtuͤtzen, aber nad) der Schlacht bey Stangebro veränderten fich die Umftände augenfcheinlich. Der Rs nig mufte einige Neichsräthe, welche aus Miövergnügen über den Herzog aus Schwe⸗ den entflohen waren, an feinen Vetter ausliefern. Anſtatt aber nach Stockholm zu Ä — gehen, 5) Luͤnich Spieil. Eeclef. Th. ı Fortfeg. im Anhang ©. 53. 3) Ebendafelöft ©. 44 f. k) Herr geheime Nach von Dreyhaupt Hiſtorie des Spaltreifes ©, 225. H Cernitius Churfuͤrſt Joachim Friedrichh 383 „gehen, und den dahin verlegten Reichstag mit zu halten, gieng Sigismund wieder 1599. zu Schiffe nach Polen, und ließ die ſchwediſchen Reichsſachen in der aͤuſſerſten Ver⸗ virrung. Churfuͤrſt Joachim Friedrich gab fich zwar die groͤſte Mühe, denſelben ‚mit feinem Better wieder auszuföhnen. Uber alle feine Vermittelung war fruchtlos, die aufgebrachten Gemücher zu befänftigen. Die fehwedifchen Stände chaten zwar in diefem Jahr ſowol zu Joͤncoͤping als zu Stockholm ihrem Könige Sigismund, als auch deſſen älteftem Prinzen Vladislao folche Vorſchlaͤge, welche fie zu Woftelkung ih⸗ rer buͤrgerlichen und kirchlichen Beſchwerden vor gut hielten. Der Koͤnig wies aber zu ſeinem eigenen Schaden dieſelben mit Verachtung ab. Herzog Carl eroberte hier⸗ auf Calmar, und bemaͤchtigte ſich von Finnland. Im Jahr 1600 hatte er auf dem 1600. Reichstage zu Lincoͤping alles auf ſeiner Seite. Die Sache der gefangenen Reichs⸗ raͤthe ward darauf unterſucht, und Guſtav und Steen Banner, Erich Sparre und Thuro Bielcke muſten ihre Koͤpfe hergeben. Man uͤbertrug uͤberdies dem Herzoge Carl von Sudermanland aufs neue die Verwaltung der ſchwediſchen Regierung. Alle dieſe Weiterungen, die unſer Churfuͤrſt, obwol immer vergeblich, zu hemmen ſuchte, waren hauptſaͤchlich ungluͤckliche Folgen der Verſuche, die in Schweden ein⸗ "mal eingeführte evangeliſche Kirche zu unterdruͤcken m). BE TOLL: In Deutfchland mufte man änfiche Auftritte beſorgen weil der taifteliche Hof Su denen derer Proteftanten Befchwerden fo wenig abhalf, daß fülche vielmehr täglich vermeh⸗ deutſchen reli⸗ gions angele⸗ reet wurden. Catholiſcher Seits fochte man bereits die Guͤltigkeit des geſchloſſenen genheiten - Meligionsfriedens an, und fuchte die aufgehobene geiftliche Gerichtsbarfeit durch aller band Wege wieder einzuführen. Davor fahen wenigftens die Proteftanten den neuen ‚gregorianifchen Calender an. Hieher vechneten fie die Schärfung der Eive in Be⸗ lehnungen evangelifcher Lehnsleute und in Aufſchwoͤrung neuer Geiſtlichen. "Dies . "glaubte man darin zu entdecken, daß man am Faiferlichen Hofe verfchiedenen die behne verſagte, und daß die päpftlichen Borfehafter ſich wieder eingufchleichen fuchten. Die Eatholifen machten befonders den Neichsftädten das in dem Religionsfrieden gegrüns dete Recht fireitig, eine Kirchenverbefferung einzuführen. Gegen evangelifche Stäns de wurden Nechrshändel, ſowol beim Kammergericht, als auch befonders am Faiferfis chen Hof, verhängt, wenn folche gleich vem Buchftaben des Neligionsfriedens wivers ſprachen. Der Hofrath des Kaiſers trieb, nach der Meinung der Proteftanten, fer ‚ne Gerichtsbarfeit zu weit, die nicht erhalten Eonten, daß bey dem Rammergericht auf die Gleichheit der Beifiger von beiden Religionen gefehen, und ein Präfident gefeßer “würde, der das augfpurgifche Glaubensbekaͤntniß annaͤhme. Den evangelifchen Praͤ⸗ Taten vermweigerten die Catholiken das Sitz / und Stimmrecht. - Man fieng an, die Proteftanten ihres Gottesdienſtes wegen von Ehren und Aemtern auszufehlteffen, und ihnen fogar ehrliche Begräbniffe zu verfügen 7). Alles. m) Cernitius Typotii Relatio hiftorica de m) Londorpii Alta publ. T.3p. 359. Caraffa vegno Sueciae et bellisciuilibus atque externis, . Germania facra perturbata et reflituta p-39, 1600. 384 3 Th. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Alles dieſes bewog den Churfuͤrſten von der Pfalz, auf den 27ſten Zar. eine ſchickt er nicht Verfammlung dee Proteftanten zu Frankfurt anzuftellen. Churfuͤrſt Joachim gefandte nad) Rranffurt, Friedrich verfprach. in einem Schreiben an Churpfalz vom gten San. wo möglich, diefe Zuſammenkunft zu beſchicken, und bat ſich wenigitens die Mitcheilung deffen aus, was man befchlieffen würde, im Fall feine Bevollmächtigte zur vechten Zeit nicht ers ſcheinen fönten. Weil nun von ‚churbrandenburgifcher Seite niemand erfhienen, fo Eonte ein vorhabendes genaueres Bundniß nicht zum Stande kommen, weil befons ders Heſſen wegen der Erbverbrüderung mie Brandenburg ohne den Ehurfürften ſich in nichts einlaffen wolte. Man befchloß indeffen den gten Fehr. bey dem Reichsdepu⸗ fationstage auf alles aufmerkfam zu feyn, was die Religion nur betreffen koͤnte. Wenn jemand Zürfenfteuer verwilliger hätte, fo ſolte folche berichtiget werden. Wenn folches ‚aber wicht gefchehen, wolte man ſich gegen die Eintreibung derfelden gemeinfchaftlich ſchuͤ⸗ Sen. Gegen die am faiferlichen Hofe ſchwebende Rechtshaͤndel folten. Borftellungen an den Kaifer ergehen, und überdies in der ſtrasburgiſchen ſtrittigen Bifchofsfache durch den Herzog von Wuͤrtemberg Verſuche angeftellet werden, ob folche nicht guͤtlich beigeleget werden Fonte. Mir Frankreich fich vor der Hand zu tief einzulaffen ward bes denklich gefunden. ‘Die bey Gelegenheit der niederländifchen Unruhen bedruͤckten Stäns de folten mir Geld umterftüßer werden. Es ward in den Neligionsfachen, in Errich⸗ tung neuer und Erklärung. alter Gefege und in den freiwilligen Steuern, welche auss - wärtigen Königreichen aus Mitleiven gefehehen, beſchloſſen, nicht: zuzugeben, daß fols wohl Aber nach Speier. che durch die meiſten Stimmen entſchieden wuͤrden. Endlich ward Margaraf Georg Friedrich erſucht, von dieſen Schlüffen dem Churfürften Joachim Friedrich Nadys richt zu ertheilen 0). - IR. Mr In eben diefen Angelegenheiten warb unfer Churfärft von dem Churfürften Fries drich 4 von der Pfalz in Berlin befucht, und hierauf im Det. eine nene Verſamm⸗ lung der Proteſtanten von Churpfalz zu Speier veranlaſſet. Es beſchickten ſelbige ‚die Churfuͤrſten von der Pfalz und von Brandenburg, der Biſchof von Strasburg Margsraf Johann Georg von Brandenburg, ber Pfalzgraf Johann, Marggraf Georg Friedric) von Brandenburg, Herzog Henrich Julius von Braunſchweig, Marggeaf Ernft Friedrich zu Banden, Herzog Barnim von Pommern und Graf Ssohann von Naſſau. Unſers Churfürften Devollmächtigter war der Doctor und Rath Arnold von Raygen. Hier wurden die an dem Faiferlichen Hofe ſchwebende Rechtshaͤndel wider das Stift und Stadt Strasburg, Neuburg, Würtemberg, Banden, Coͤln, Aachen, Speier, Weil, Raffen, Wimpfen, Erfurt, Ge⸗ rolseck, Andlau und viele andere in reife Ueberlegung gezogen, und das von dem kai⸗ ferlichen Hofrach geäufferte Verfahren als der Urfprung und Brunnguell aller bi hero im Reich wider die Evangelifchen fürgehenden Bedrängniffen erkannt und einmüthiglich dafuͤr gehalten, daß folches als ein gewiſſes ohnfehlbares Mittel, die evangelifchen Stände, ja das ganze roͤmiſche Reich deutfcher Nation, uns ſers 0) Kondsrpii Ada Publ. Th. 3 ©. 560. Luͤnichs Reichsarchiv Part, Spec. p. 263. | Churfuͤrſt Joachim Friedrich 385 ſers geliebten Vaterlandes, um alle ihre von dero loͤblichen Vorfahren auf fie 1600. ‚gelangte Libertät und Freiheit zu bringen, mit nichten zu gedulden, fonderh Si alle nüsliche und erfpriesliche Wege denfelben entgegen entbauen. Man beſchloß daher den zoften October, diefes durch ein Schreiben an den Katfer zu bes wirken. Damit folches von mehrerer Wirfung fen, verfprachen die anmwefenden Stäns | de, fich um die Mitunterſchrift mehrerer abwefenden zu bewerben, und beſonders wol⸗ “te fich unfer Churfuͤrſt dieferhalb bey Holftein, Mecklenburg und Dettingen Mühe geben. Soperin wurden etliche proteftantifihe Stände, worunter auch der Churfürft von Brandenburg war, bevollmächtiget, in eben dieſer Angelegenheit den Kaifer durch Geſandte zu beſchicken. Was auf den Fall, daß folches nicht Fruchtete, ferner vorzunehmen, folte auf der nächften Zufammenfunft befchlofien werden. Wegen der Tuͤrkenhuͤlfe blieb es bey dem vorigen Entfehluß. In der ſtrasburgiſchen Sache flattere der Marggraf Johann Georg von allen Bemühungen, die er ſowol ſelbſt, als das Haus Brandenburg in diefer Sache angewendet, Bericht ab. Selbiger über, ‚Hab eine Ausführung, daß diefe Sache nicht fowol ihn allein, als auch das ganze Neich und die Religion überhaupt angienge. Man erfannte folches einmuͤthig, und befchloß befonders dieferwegen, fich in einem Schreiben an den Kaifer gegen das Verfahren des Faiferlichen Hofrachs zu befihweren, und auch dieſerhalb fehriftlich Durch den Franzüfis fchen Geſandten Jacob Bongarfium an die Krone Frankreich zu wenden. Auf der fünftigen Zufammenfunft ſolte näher unterfücht werden, ob die ſtrasburgiſche Bir ſchofswahl gegen den lothringiſchen Earl mic Gewalt durchzufegen, oder lieber unter der angebotenen baierifchen und pfälzifchen Vermittelung zum gärlichen Vergleich zu fihreiten ſey; fo daß Sranfreich hiebey zugleich, nicht zwar als Unterhändfer, fondern als Beiftand und Handhaber zu gebrauchen. Den Bifchof Johann Georg und den ihm anhangenden Theil des Domcapitels mit Geld zu unterftügen waren die Abgeſand⸗ ten fowenig, als zu anderer Geldhuͤlfe bevollmächtiget, und iſt daher vor gut befun⸗ den, auf der Fünftigen Zufammenfunft diefer und anderer Sachen wegen genugſame Berhaltungsbefehle mit zu bringen p). UNE — — — ‚136%, RR 2” 7% Oftfriesland entftund eine neue Gelegenheit, daß die deutfchen Länder die Das reich lei—⸗ noch immer fortdaurende niederländifche Unruhen empfunden. Die Grafen von Oſt⸗ det bey den feiesland waren mit ihren tandesftänden, und fonderlich mie der Stadt Emden, in wichtige Streitigkeiten verwickelt, Die Spanier nahmen fich der Grafen an, dar ben. gegen die Holländer die Stände und die Stadt vertheidigten. Nach dem Tode des alten Grafen Edzardi ſetzte deſſen Sohn Enno diefe Irrungen mir gröfferer Heftigkeit fort, welches fowol die Spanier als Holländer bewog, die genommene Parten defto eifriger zu verfechten. Der Kaifer ließ fich deswegen aufs neue angelegen feyn, zwi⸗ fhen Spanien und den Miederländern die Ruhe wieder herzuftellen. Cr glaubte is | iezu p) Londorpius Th. 3 ©. 572. Luͤnichs Reichsarchiv Part: Spec. p. 265. , r P. sllg. preuß. Geſch. 3 Th, ' ce 4 986° 3%. 8.Hauptfl euere Geſchichte von Brandenburg. 1600, biezu mehrere Hofnung, als jemals, zu haben. Weil die fpanifchen. Niederlande nunmehr an Erzherzog Albrechts und der Anfantin- Iſabella eigene Herrjchaft ges fommen, fo vermurhete man, daß aud) die vereinigeen Niederlande fein’ Bevenfen finden würden, fich derſelben ebenfals zu unterwerfen. Aber ſowol die Muͤhe der kai⸗ ſerlichen Geſandten in dieſer Sache, als auch die Hofnung der Spanier ſchlug fehl. Die vereinigten Staaten fahen im Geift voraus, daß diefe Abfonderung von Spa nien nicht Tange Beftand haben würde, und entfchloffen fich, den Krieg tapfer fortzus ſetzen. Mori, nachmaliger Prinz von Oranien, befochte wider den Erzherzog dem. - erheblichen Sieg bey Neuport, und die Beunruhigungen der Deutfchen Grenzen von Seiten der Spanier fowol als. der Holländer wurden eben ſowol fortgefeßt, als es vorher gefchehen. Die daraus entftehende Befchwerungen rührten meiſtentheils von Keligionsftreitigfeiten her, worein fich die Spanier, auf Begehren des catholifchen Theils, und. die vereinigten Niederländer, auf Anfuchen der Proteſtanten mi⸗ Br ſcheten q). Der churfuͤrſt ans Neichsdeputationstag zu Speier ‚ der in dieſem Jahr endlich zu Ende kai, —— He Eonte dagegen ebenfals Feine hinlängliche Mittel ausmachen. Joachim von Wins kionacae. terfeld auf Sandau und Frauendorf, Hauptmann des Sandes Sternberg, und Arnold von Reyger auf Gladebeck, D. Kämmerer und altmärfifcher —— richtsrath waren von Seite; bass Ehurfürften Gefandten auf tn Be gewefenr). _ und ‚verliert Weil nun die ine beider Theile täglich zunahm, fo befchäftigte folches drey — unſern Churfuͤrſten ausnehmend, der zu dieſer Zeit durch verſchiedene Todesfälle betruͤe bet wurde. Zu Dresden gieng ſein Prinz Joachim mit Tode ab. Albrecht ſtarb 16or. ihm zu Ende des Jahres in Berlin, und 1601 ward auch der dritte churfuͤrſtliche Sohn Auguſt zu Grabe getragen 5). Joachim Friedrich ließ ſich aber durch feinen nn nicht abhalten, ſich der öffentlichen: Angelegenheiten anzunehmen. — Beſchickt die Er hatte mit dem Koͤnige von Daͤnnemark ſowol, als mit dem — Jo⸗ ne hann Adolph von Holftein, Biſchof von Luͤbeck, laut dem Verſprechen, welches Kanten zu er den Proteſtanten zu Speier geleiftet, die Beichwerben. der Proteftanten in Ue⸗ Friedberg. berlegung gezogen, und von beiden Die Berficherung erhalten, daß fie ihre Einwilligung zu allen den Maaßregelm geben wolten, welche die Proteftanten ergreifen würden. Uns ſer Churfuͤrſt fehiefte daher feine Kanimergerichtsräche Chriſtoph von Behren auf Behren und den Doctor Johann Koͤppen den jüngern auf Wrangensdorf als ſei⸗ ne Sefandten auf die von Churpfalz berufene Zufammenkunft der Proteftanten nad) Friedberg in der Wetterau. Auſſer feinen und den churpfälzifchen Bevollmächtig- ten waren hieſelbſt auch Sefanbee vom Marggraf Johann Georg Bifchof von Stras⸗ - burg, vom Pfalzgraf Johann, vom Marggrafen Georg Friedrich von Brandes bung, ‚ von denen Herzogen Henrich) Julio und Philipp Sigismund von Braun⸗ fehweig, 4) Londorpi, Sleidani Contim, r) Reichsdeputat lonsabſchied von 1600. s) Cernitius. a — * — Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 387 ſchweig, vom Marggrafen Ernſt Friedrich von Baaden, vom Herzog Franz vor 1601 Sachſen⸗ Lauenburg, von ven wetterauiſchen proteſtantiſchen Grafen und von dem Grafen Gottfried von Dettingen erſchienen. Alle diefe Herren bevieneten ſich bereits, um ihre Einigkeit in dem Neligionsgefchäft zu bezeigen, des Namens der cors teipondirenden Stände, Denzren Febr. faften fie einen Schluß wegen der Nechtehändel gegen die Proteftanten am Faiferlichen Hofe. Man verglich fich, das fehon vorhin beliebte Borftellungsfehreiben ſowol, als Gefandte von Churpfalz, Churbrandenburg, Georg Friedrich zu Brandenburg, Henrich Zulio zu Braunfchweig und den wetterauis ſchen Grafen an den Kaifer abzuſchicken, welche den 26ften April zu Beraum in Böhmen fich verſammlen, und nach) Prag abgehen foften. Man verband fich, bey dergleichen befchwerlichen Nechtshändeln unerfchrocfen für einen Mann zu ftehen, vie dahin eingefchlagene Eaiferliche Befehle ohne Vorwiſſen der Übrigen nicht anzunehmen, vielweniger gegen einander felbft dergleichen Rechtshaͤndel zu erregen. Man wolte auf alles Betragen der Catholiken genau Acht Haben, beſonders aber die Meinung: derer papiftifchen Stände erforfchen, welche fich ebenfals gegen die Nechtshändel am Fais ferlichen Hofe misvergnuͤgt erzeigten, um nachmals diefe Befchwerden an die ſaͤmtli⸗ hen Churfürften bringen, um eine gemeinfihaftliche Neichsfache daraus machen zu Fonnen. Man wolte auch andere Stände zu vermögen fuchen, fich ebenfals ſolchem unbefugten Betragen männlich zu widerfegen, und fich dagegen aller Nechtswohlchaten und Berufungen zu bedienen. Keiner der correfpondirenden Stände folte dem Kaifer entweder abfonberlich, oder auf Reichs / und Kreistägen Hilfe bewilligen, bis er feinen Faiferlichen Hofrath in behoͤrige Schranken gebracht. Der Faiferlichen Neichsacht und deren Ausführung wolte man fich gemeinfchaftlich mic Ernft widerſetzen. Ein jeder folte fich daher in guter Bereitfchaft halten, nicht ſowol dem Kaiſer Trog zu bieten, als vielmehr gegen unbillige Gewalt ſich zu ſchuͤtzen, und die Neichsfreiheit aufrecht zu erhalten. Wolte der Kaifer die durch die Mehrheit der Stimmen bewilligte Hülfes - gelder mit Gewalt beitreiben, ſo wolten die-correfpondirenden Stände fich gemeinſchaft⸗ lich) dagegen fegen, und nicht weiter zugeben, daß dergleichen Hülfe durch Mehrheit der Stimmen ausgemacht werde. Auf Fünftigem Neichstage wolte man gemeinfchafts Sich auf die ordentliche Kammergerichtsunterfuchungen dringen, und zugleich bis auf gütliche Vergleichung die bereics ſonſt ſchon vorgetragene Religionsbefchwerden aufs neue vorbringen. Ein jeder wolte in feinen eigenen kanden veftfeßen, tie viel Zinfen von erborgten Geldern zu nehmen erlaube fey, und davor forgen, daß, wenn ein Unters than unter vielen Herrfchaften begätert, am einen Ort viel, am andern aber weniger re Güter liegen habe, derfelbe deswegen nicht gleich vor die Reichskammer, als obers ſten Richter zu ziehen, und alfo feinem kandeöheren die erſte Erkaͤntniß benommen 0 | RER Der Vormund des Herzogs von Preuffen Marggraf Georg Friedrich Harte und ſucht die bereits ein hohes Alter erreicht. Churfürft Joachim Friedrich war deſſen nächfter ** in Cec2 | | * Ders ſichern. ) Luͤnichs Reichsarchiv Part, Spec. pr 269. * 388 38h. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1601. Verwandter und Mitbelehnter. Ihm gebuͤhrete daher die unſtreitige Nachfolge auf den Fall deſſen Ablebens. Um num hierin Feine Hinderniſſe zu haben, ſchickte er auf den damaligen. polnifchen Reichstag eine anfehnfiche Gefandrfchaft ab, die bey dem Könige und den Ständen auffer Streit feßen folten, daß ver Churfürft oder feine Nachkommen auf erfolgten Tod Georg Friedrichs fowol die Vormundſchaft des blöden Herzogs als auch die völlige Regierung über SPreuffen fogleich antreten möchte. . Ihn unterftügten die Föniglich daͤniſchen, churfuͤrſtlich pfaͤlziſchen und ſaͤchſiſchen, herzoglich preußi⸗ ſchen, heßiſchen, wuͤrtembergiſchen und mecklenburgiſchen Botſchafter im Namen ihrer Herren. Der Koͤnig von Frankreich empfal ebenfals die Sache ſchriftlich Der Koͤnig Sigismund ernannte gewiſſe Bevollmaͤchtigte, die zwar mit denen branden⸗ burgiſchen Geſandten in Unterhandlung traten, aber zugleich Bedingungen vorlegten, welche einzugehen die letern Feine Vollmacht harten. Unter andern verlangte man pol nifcher Seits eine gröffere Freiheit der catholifchen Religion im Herzogthum Preuß ſen, eine Aenderung in den Berufungen von preußifchen Ausfprüchen an den Foniglis chen Hof) und daß die kuͤnftigen Herzoge die polnifche Reichsfteuer mit tragen, ‚auch die Quarte, die man jährlich auf 30000 Ducaten technete, nach Rawa liefern ale Die Gefandten hergegen wolten von dem mic Alberto ı aufgerichteten Vergleich, und von denen nachgehends erteilten Privilegien nicht abweichen, erbofen fich jedoch, ein für allemal 200000 Gulden zu erlegen. Weil aber die Polacken fich damit nicht vers gnuͤgten, und der Reichstag indeffen zu Ende gegangen * * ward bie pn * * andern Zeit verſchoben 153753339 de 16 Die erbitter Die Ketigionsffreitigfeiten gaben den Spaniern ſowol als Nieberländeen: — zung be ider re mer mehrern Muth, allerhand Gewaltthaͤtigkeiten auf dem deutſchen Boden vorzumeh⸗ ligionspar⸗ teien hat uͤbele nen. Unter andern bemaͤchtigte ſich Graf Moritz nachmaliger Prinz von Oranien folgen, der Grafſchaft Moͤrs, welche ihm die legte Gräfin Balpıngis) obwol ohne Vorwiß fen ihres dehnsherrn des Herzogs von Cleve, vermacht hatte x). Die Mittel, welche einige Stände vorfehrten, die Verbitterung beiderfeitiger ee — Religionsgeſpraͤche zu heben, waren nicht hinlaͤnglich. endEanduch Der Herzog von Baiern und Pfalzgraf von Neuburg Hatten zwar aus * bie ee het Pe Abſicht zu Megenfpurg eine Unterredung einiger catholifchen und futherifchen are — aehosen wer; Geiftlichen veranlaſſet. Man konte ſich aber gleich über die erjte Frage: ob die heifige 4 den, Schrift die einzige Negel in Glaubensſachen fey, nicht vergleichen. Alle Mühe war alfo vergebens, und die Irrungen häuften fich vielmehr zuſehends, ſo daß man befuͤrch⸗ ten muſte,daß die Sache zum Innern Kriege aueſchlagen moͤchte. Anderwoͤrts war es bereits wirklich fo weit gekommen y). In Schweden In Schweden behandelte Herzog Carl von Sudermanland ſeinen Better den verurſacht fie König Siegmund von Schweden und Polen bereits in — feindlich. * n) Hrn Lengnich Geſchichte Sigiem. aha ©) Tefepenmacher Annal, Edit, Dicm. p. 367 ) Thuanus L. 22. Tanneri und Aunnli Relat. Colloqu, Rarish, Se Ts * | : Churfuͤrſt Soachim Friedrich. > ° - 389 ſcchwediſchen Neichsftände waren’ Aufferft aufgebracht, und feßten 1602 dempolnifchen 1602. 9 Alteften Prinzen fogar die feßte Friſt, fich im Konigreiche Schweden einzufinden, ob gleich nicht wahrjcheinlich war, daß der Vater Sigismundus denſelben dahin abgehen — Jaffen wuͤrde, weil er voraus fehen Fonte, daß hiedurch ſeine ſchwediſche Krone auf pas Haupt feines Sohnes Fommen würde 2). un. . * Churfuͤrſt Joachim Friedrich wuͤnſchte zvar, daß es zu dergleichen Weiterun⸗ Churpfalz i gen in Deutfchland nicht kommen möchte. Beil aber das Betragen des Faiferlichen —— Hofraths gegen die Proteftanten je länger je aͤrger wurde, ſo behielt er noch immer näher zu vers mit. den andern correfpondirenden Fürften, welche, auf churpfaͤlziſches Ausfchreiben, binden. zu Heilbronn und wieder zu Friedberg fich verſammlet Hatten, alle Bertraulichkeit bey, Churpfalz führete unter diefen correfpondirenden Fuͤrſten das Vorſteheramt. Aber dies war eben die Haupfurfache mir, warum Churfachfen ſich nicht bewegen fieß, an denen Berfammlungen und Schlüffen ‚der correfpondirenden Stände Theil zu nehmen. Der Gegenftand der Berathſchlagungen war noch immer derfelbe. Die denen Prote⸗ ſtanten erregten Rechtshaͤndel am Farferlichen Hofe, die Achtserflärungen gegen diefels ben vom Faiferlichen Hofrath, die unausgemachten Neligionsbefchwerden überhaupt, und die Gültigkeit der Mehrheit der Stimmen, wenn es aufs Geldgeben anfam, bes wogen den Churfuͤrſten von der Pfalz, ſo wie die Einfuͤhrung fremder Voͤlker ins eich, die correſpondirenden immer mehr und mehr zu einem Schutzbuͤndniß unter ſich aufzumunterm. Noch zur Zeit aber wolce folches dem Friedrich 4 nicht recht gelin⸗ gen, und Churfuͤrſt Joachim Friedrich hielt infonderheic dafür, daß bey dieſem fehr wichtigen Unternehmen alle mögliche Behutſamkeit zu brauchen ſey a). - Er ließ vielmehr bey dieſen bedenflichen Zeiten feine getreuen Landesſtaͤnde vers Derchurfaͤrſt ſammlen, um mit denenfelben dasjenige zu überlegen, was zum wahren Wohl feines la Haofes und feiner Unterthanen gereichen fonte. Die Schlüffe diefes gehaltenen fandta, ges, die zum Beſten aller Unterthanen abzielten, wurden hierauf bekandt gemacht und — — — A Anm often Sept. diefes Jahres gieng des Churfürften erſte Gemalin Cathari⸗ Verliert feine na mit Tode ab. Weil nun Joachim Friedrich mic ihr in der vertraulichſten Zärg gemalin. lichkeit gelebet, fo mufte ihn biefer Todesfall freilich ausmehmend betrüben, da er obs nedies damals wegen feines Prinzen Marggraf Johann Georgs groffe Sorgen hatter). Denn zwifchen diefem Herrn und dem Herzog Carl von Lothringen war die ſtrit⸗ Neuer krieg 2 - tige ftrasburgifche Biſchofswahl fo wenig vertragen, Daß es vielmehr zwifchen beiden — Stras: = Gegnern anjeßt zu neuen THätlichfeiten kam. „Der Marggraf Johann Georg mod» ; te vielleicht fich auf den Beiftand, wo nicht aller Proteftanten, doc) wenigftens des ter correfpondirenden Stände, Nechnung machen. Allein aufter Wuͤrtemberg und der Stadt Strasburg fanden die übrigen Proteftanten allerhand Bedenken, ſich fer ner dffenelich anzunehmen. Die neuerlich angefommenen lothringfchen Kriegsvölfer RER | | Eee. z hatten Cypotii Relatio de regno Sueeiae er bellis ciuilibus atque externis. 0) Adtain Londorpio Ih. 3 b) Cernitius. *) Cernitius. 1602, Berfchiedene ‚ proteftanten treten näher zuſammen. 1603. 390° 3%. 8Hauptſt Neuere Gefchichte von Brandenburg. hatten ihm faft alles bis auf das Schloß Dachftein abgenommen. Der churbran⸗ denburgiſche Hof erkannte mehr als zu wohl, daf die lothringſche Parcen wirklich die. ftärkfte fey, und biele nicht rathſam, fich felbft zu tief in dieſe Sache zu verwickeln. Die Gegend, wo der Krieg geführet wurde, mar ‘zu abgelegen, und wenn Chur⸗ brandenburg ein ſtarkes Heer vor feinen Prinzen hätte ins Feld ftellen wollen ‚fobäre man dadurch denen fpanifchen Völkern einen offenen Weg nach Deutfchland eröfnet, worauf diefelbigen nur zu warten fhienen. Ganz Deutfchland wäre vermuthlich dars über in die Waffen gefommen, und man fahe alles das Elend voraus, welches norhs wendig daraus erwachfen müffen, daß beide gegen einander. erbitterte Neligionsparteien aus diefee Sache nachher einen Religionskrieg ervegten. Es fehlete denen Proteſtan⸗ ten niche fowol Macht als Eintracht d). . 164. ; Alles dieſes bewog den Churfuͤrſten, alle gewaltſame Mittel aue zuſchlagen, ſei⸗ nen Prinzen gegen ſeinen Gegner zu unterſtuͤtzen. Churpfalz dachte anders, und wuͤnſchte ein völliges Schutzbuͤndniß gegen die Catholiken zum Stande zu bringen. An diefer Abficht berief Friedrich 4 die correfpondirenden Stände 1603 nach Heidelberg. Hier ward den ızten Febr. wirklich ein Schugbündniß gefchloffen, und mit dem Nas men der heidelbergifchen Correfpondenz belegt. Churpfalz, Marggraf Johann Georg von Brandenburg Verwejer des Stifts Strasburg, Pralz- Zweibrit cken, Marggraf Georg Friedrich von Brandenburg, Heſſen und Baaden-Durz lad) wurden die Häupter diefes Bundes, welcher die erheblichſten Folgen nach fich 309. Unfer Churfürft enthiele fich mit Vorbedacht diefer Zufammenkunft, unter dem Bor wande, meil Ehurpfalz diefelbe, ohne fich darüber erft mit ihm befprochen zu haben, ausgefchrieben. Man entfchloß fich von Seiten der Bundesgenoffen, den Marggras fen gegen Lothringen mit Gele gu unterftügen, ohnerachtet der Churfürft Joachim Briedrich ausdrücklich erfläret, daß, weil er dergleichen Ausgaben für fruchrlos hielt, er hiezu nichts beitragen werde. Man wolte den Marggrafen auch auf dem nächften Reichstage ben feinem Sig: und Stimmrecht zu erhalten alles anwenden, und dieſer Sache wegen mit der churbrandenburgifchen Gefanprfchaft auf Fünftigem Neichstage zu Nathe gehen. Moritz tandgraf von Heffen»Eaffel übernahm, auch Frankreich zum Vortheil des Marggrafen zu bewegen. Die Bundesgenoffen hatten aber damals noch die Hofnung, daß unfer Churfürft diefer Vereinigung beitreten, und durch feine Vorſtellungen auch feinen Schwager den tandgeafen Ludwig von Helfen» Darmftadt zum Beitritt bewegen werde. Allein dieſe Hofnung blieb unerfüller. tandgraf Mo⸗ riß that zwar nachher zu mehrerer Berftärfung diefes Bundes eine Reife nach Frank reich. Es fehien den Bundesgenoffen folches um fo viel nörhiger, als nach nem Tode der unvergleichlichen Elifabeth ihr Nachfolger der grosbritannifche Jacob nicht zu viel verfprach. Aber Joachim Friedrich) entzog fich nicht nur ſelbſt einem Bündnig, welches auf einen Innern Krieg / ſondern brachte auch BR Dringen Sobanm Bi, | #) Condorpius adha 9 3 Churfuͤrſt Joachim Friedrich. | 391 | Geevorg dahin, daß folcher aufs neue in einen Waffenftillftand und in guͤtliche Unter, 1603. handlungen mit feinen Gegner willigte e). ! In andern Gegenden des Neichs vermehrten fich Hingegen die Srrungen. Graf Oftfriefiiche Enno von Oſtfriesland verfuhr gegen die Städte Norden und Emden mit offenbas ſachen. rer Gewalt, und wirkte gegen die Ießtere die Faiferliche Acht aus. Die Holländer + Famen zwar der Stadt zu Hälfe, und nörhigten den Grafen zu einem Bergleich im Hang, wodurch die Faiferlichen Vollſtreckungsbefehle aufgehoben wurden. Weil aber die Faiferlichen Bevollmächtigten in dieſem Stuͤck widerfprachen, und der Graf von ben Vergleich abgieng, fo wurden die Streitigkeiten immer fortgefegt, und den pros teftirenden fandesftänden mit vieler Gewalt begegnet. Der Kaiſer ließ durch feinen Bruder Erzherzog Matthiam einen Reichstag zu Den reichstag Regenſpurg Halten. Unſer Churfürft befchiefte venfelben durch Gefandte. Es was zu Regenfpiirg: zen felbige Joachim von Winterfeld auf Sandau und Frauendorf, Hans vonder u Schulenburg, Werners feel. Sohn, auf Begendorf, Friedrich Bruckmann der Rechten D. und Simon Ulrich Piftoris auf, Seiſelitz, alle Raͤthe. Cs ward 1 auf demſelben eine Tuͤrkenhuͤlfe begehrer, von einer an den Erzherzog Albrecht in den Niederlanden und an die vereinigten Provinzen wegen der NReichsbefchwerden abzus ſchickenden Gefandefchaft gehandelt, und Die Berwaltung der Öerechtigfeit, das Reichs⸗ Muͤnz / und Anlagewefen in Ueberlegung gezogen. Beſonders Fam auch die emdifche Unruhe vor, und man befchloß, daß der Kaifer nach) Befinden die Achtserklaͤrung ges gem Emden ergehen und befand machen laffen, und darauf mir wirklichen Vollſtre⸗ ckungsmitteln verfahren möge. Auf diefem Neichstage aͤuſſerte fich) das Misvergnuͤ⸗ gen der Proteftanten auf eine fehr merfliche Art. Der Zwiefpalt beider Neligionss arteien zeigte fich in allen Berathfchlagungen, auch fogar bey Verwilligung der Tuͤr⸗ fenbäffe. Bey Gelegenheit der emdiſchen Sache Fam auch die baadenfche und andere "mit vor. Die Proteftanten führten gegen das Verfahren des Faiferlichen Hofraths groffe Klagen, zogen deſſen Gerichtsbarkeit in Zweifel, und behaupteten, daß Neichss gerichtsfachen eigentlich dem Kammergericht allein zuftünden 5). Auſſer den deutfchen Neichsfachen ließ unfer Churfürft auch wegen der ungezwei⸗ und fucht feine felten Nachfolge in Preuffen mir Polen Handeln. Er ließ deswegen eine Gefandrfehaft ns auf den polnifchen Reichstag abgehen, die ebenfals durch Dännemarf, Churpfalz, fern. Churfachfen, Marggraf Georg Friedrich von Brandenburg und ven tandgrafen von Heſſen unterftügt wurde. Den 6ten Febr. legten die churbrandenburgifihen Ges ſandten ihre Werbungen im öffentlichen Senat ab, auf welche nachher die Gefandren der übrigen mit ihrer Borfprache folgten, Der König ließ diefe Sache durch einige Bevollmaͤchtigte behandeln, aber der Neichstag gieng zu Ende, ohne daß man fich über die Bedingungen vereinigen Fönnen. Obgleich die Unterredungen noch etliche Tage fort, gefeßet wurden, fo folgte doch vor die churbrandenburgifihe und herzoglich preußi⸗ fihe Geſandte ven ısten Merz Eeine andere, als folgende Abfertigung; „daß man die BT Sache, e) Luͤnich Part, Spec, p. 276» Pf) Reichsabſchied. | 392 3 Th. 8 Hauptft. Neuere Gefchichte von Brandenburg. 1603 Sade, in Hofnung, alsdann einen gefälligen Schluß zu treffen, Eünftigen Reichstag abermals vornehmen wolte. Inzwiſchen ſolte dem churfuͤrſtlichen Hauſe von Pr — N}, J J bisherigen Recht nichts abgehen, und auf-ven Fall, daß ver jetzige Herzog und Berwe ⸗ fer George Friedrich vor der Zeit mit Tode abgienge, die Regierung durch einheimis ſche Negimentsväche, fo wie fie zu Anfang der Bloͤdigkeit Herzog Albrecht a beftellet gewefen, geführet werden. „, 2). | 1 165. Ber Georg Stier Das tebensende Marggraf Georg Friedrichs, y des teten — * erh drich in Stanz ſeiner inte in Franfen, näherte fi) immer mehr und mehr. Bor feinem Ende lieffen — ſich beim Kloſter Sultz ſieben Adler von. verfehtedener Groͤſſe ſehen. Der Marggraf verbot, nach ſolchen zu ſchuͤſſen, weil er ſie vor die Anzeige der Ankunft ſeiner jungen Vettern hielt, Den 26ſten April erfolgte ſein wirklicher Tod, wovon der Churfuͤrſt ſogleich benachrichtiget wurde. Da wir die Geſchichte derer brandenburgiſchen Prin⸗ zen ver aͤltern fraͤnkiſchen inie, welche dieſer Georg Friedrich beſchloß, unfern ter fern noch nicht mitgetheilet; fo feheiner fich zwar Hier dazu eine bequeme Rn zu Auffern. Weil aber hiedurch der Faden der Negierungsgefehichte des Ehurfürften 09 chim Friedrichs nur zerriffen würde, fo wollen wir denſelben fortfegen, und nad) dep fen Beendigung die Gefchichte der nunmehro ausgeftorbenen ältern fraͤnliſchen tialer als einen Anhang zu der Gefchichte Koachim Friedrich®, beibringen d). Die marggras Nunmehro waren durch den Tod Marggraf Georg Friedrichs erhebfiche Sub - her ten erlediget: Durch den gerafchen Grundvergleich, der zu Magdeburg beftätiget Einſt nehmen worden, folte das Fuͤrſtenthum des Burggrafthums Nuͤrnberg wiederum in die fans den geraſchen per oberhalb und unterhalb des Gebirges gerheilet, und jene Marggraf Chriftian, vertrag an . dleſe Marggraf Joachim Ernſt, unſers Churfuͤrſten Bruͤder, als regierende Herren, vor ſich und ihre maͤnnliche Nachkommen uͤberkommen, wogegen dem Churfürften die, Regierung der ganzen Mark Brandenburg nach allen ihren Provinzen und fanden verbleiben, und ungerheilt, nach dem Necht der Erfigeburt, auf deffen männliche Nachkommen fallen folte. Nunmehro fahe Marggraf Chriftian wohl ein, daß er durch die völlige Ueberlaffung deflen, was fein Herr Vater tm letzten Willen ihm zuges dacht, an unfern Churfürften, mehr gewonnen, als verloren. Er gerieth zwar mit feinem Heren Bruder Joachim Ernft, ben Gelegenheit diefer fraͤnkiſchen Erbſchaft, in einige Mishelligfeit, es wurde aber felbige durch die Vermittelung Furt Chriſtians von Anhalt, des brandenburgifihen Ehurprinzens Johann Sigismunds und der ' churfuͤrſtlich brandenburgiſchen Närhe in anderthalb Tagen zu Anfpach gluͤckſich ge hoben, und allen zu beforgenden Unruhen dadurch vorgebauet. Mearggraf Chriſtian, der nunmehr die baireuthiſchen Laͤnder uͤberkam, und Marggraf Joachim Ernſt, welcher jetzt Herr des anſpachiſchen Antheils wurde, ſchloſſen daher mir dem Churs fuͤrſten Joachim Friedrich und ſeinen Herren Soͤhnen, die f ch ſamuch dem Des graͤb⸗ 8) Herrn Lengnia perupsiche Berichte u unter — 3. ad h. 4. b) Rentſch. Cernitius. — Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 393 graͤbniß Marggraf Georg Friedrichs beizuwohnen, nach Franfen begeben, einen 1602. Bergleichy wodurch fie das 1598 zu Gera gefchloffene uud 1599 zu Magdeburg beſtaͤ⸗ tigte Hausgrumdgefeg völlig annahmen. Weil diefer Bertrag die dren heutigen regies wenden tinien des Gefamthaufes Brandenburg eigentlich gegründer hat, fo wollen wir ſelbigen unfern Sefern nicht vorenthalten 7). DM „Wir von Gottes Gnaden Joachim Friedrich, des Heiligen Nömifchen Reiche Deſſen inhalt. »Cämmerer und Churfürft, und vondeffelbigen Önaden, wir Ehriftian und Joa⸗ ‚chim Ernſt Gebruͤdere, Marggraffen zu Brandenburg, in Preuſſen, zu Stettin, - Pommern, der Caffuben, Wenden, aud in Schlefien zu Croſſen und Zar gerndorff Herzogen, Burggraffen zu Nürnberg und Fürften zu Rügen zc. befennen und thun Fund öffentlich mic dieſem Brief allen denen, die ihn fehen, hören oder leſen, obwohl auf Abfterben Wenland des Durchleuchtigen Hochgebohrnen Fürften ; Herrn Sohanns Georgen, Marggraffen zu Brandenburg, des Heyligen Römifchen Reichs Erg: Caͤmmerers und Ehurfürften Ic. Unfers gnaͤdigen freundlichen lieben Herrn Darters, Chriſtſeeligſter loͤblichſter Gedächtnüs, der Landes» Theilung halber, fich zwi⸗ fehen uns, dem Ehuefürften und Uns, obgenandten beyden Gebrüdern allerhand Differens tien erhalten, daß wir demnach in Erwegung vieler Umbftände betrachtet, wie durch dergleichen Zertrennung brübderlicher Gemuͤther viel Gefahr verurfacher, auch unfern und Unfers Ehurfürftlichen Haufes Brandenburg Abhäßigen Gelegenheit gegeben wer⸗ ve, in mehr Wege, Uns zum Verderb vielerhand Praeiudicia zu aftendiren, durch welche Hochermeldt Unfer loͤblich Hauß aud) Teichtlich gar in Untergang und Zerrüctung bey diefen ohne das gantz “gefährlichen Zeiten gerathen möchte, da es ingegen durch freundliche brüderliche treue Zufammenfegung in Hoheit und Würden erhalten, und wach Erempel Unſerer Hochlöblichen Bor Eltern je mehr und mehr zu allen erſprißli⸗ xhen Ufnehmen gefordert und gebracht werden Fan, derentwegen und ald weylandt der auch Hochgebohene Fürft, Here George Friedrich), Marggraff zn Brandenburg, ‚in Preuſſen, zu Stettin, Pommern, der Caffuben, Wenden und in Schler fien zu Zaͤgerndorff Herzog, Burggraff zu Nürnberg und Fürft zu Rügen, Unfee freundlicher lieber Better, Schwager, Bruder und Gevatter, auch gnädiger Here Vetter, Chriſtmilder Gedächtnüs, nach dem Willen des Almaͤchtigen, mit Unfer al der und zwar gemeines Vatter⸗ Landes, des Heyligen Rümifchen Reichs, Chriftlicher Evangelifcher Religion, Höchften Schaden und groffen Hertzleydt, aus dieſem zergaͤng⸗ Tichen zeitlichen Jammerthal Todes verblichen, dahero S. L. und ©. Hinterlaffene fand und teuche, des Burggraffthumbs zu Nürnberg, unter und oberhalb Gebürgs, ſich an Hochermeldt Unfer Hochlöbliches Haus Brandenburg erledigt, dag wir Uns nach gnugſamen Bedacht durch Unterhandlung der Hochwirdigen, Hochgebohrnen Fürften, Unſerer freundlichen geliebten Söhne, Gevattern, Vettern, Oheimben Herrn Johanns Sigismundi, Heren Johanns Georgen poftulirten Aominiftratoris des Stiffts J | Stras⸗ i) Künich Part. Spec. Cont. 2. Fortſetzung ©. 45. P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. Dvd % 1603. * 4 3%. Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Strasburgk, Bender Marggraffen zu Brandenburg in Preuffen ze. Herkogene. und Herrn Chriftiani, Fürften zu Anhalt, Grafen zu Afcanien und Herrn zu Zerbft und Berneburgf ir. aller Irrungen gänslichen und zu Örund verglichen und vertragen. Und weil zwiſchen Uns dem Churfürften, und Marggraff George Friedrich zu Brans denburgf ic. 8. zu Gerau Anno Taufend fünffpundere Neunsig und Acht die Norhs durfft, wie es von nun an zu eroigen Zeiten, in Unferm hochloͤblichen Churhauſe folle gehalten werden, durch unfere allerfeits vornehme geheimbde Raͤthe auf Anftruction nnd Vollmacht bedacht, zu Papier gefaft, und uf Ehurfürft Alberti Achillis hochloͤblicher Gedaͤchtnuͤs Diſpoſition alles gegruͤndet, welches hernacher Anno Neuntzig Neun zu Magdeburg bey Unſer des Churfuͤrſten und Unſers ſeeligen Vettern &: Perfönlichen Zu⸗ ſammenkunft revidirt und unter dato den Neun und zwantzigſten April im ſelben Jahr Uns beyden Gebrüdern communiciret worden ifl. Und aber diefelbige Handlung und Berfaffung, (ob fie wohl nicht allerdinges avtentiſiret) alfo gewandt, daß fie auf Chur⸗ fürft Alberti Difpofition, wie angegogen, fundiret und allen Zerungen clare Maß gies bet, wie dann diefelbige von Worten zu Worten alfo lautet: Wir von Gottes Gnas den Joachim Friedrich u.few. ()) So Urkunden und befennen wir der Churfürft, daß folches Unfer unwandelbahrer Will, _Gemüch und Meynung fey, wir wollen auch ‚allen demjenigen ftett, veft, Fuͤrſtlich und unmiederrufflich nachkommen, und infonders heit Marggraff Chriftiani und Marggraff Joachim Ernſts L. & Eraffe des alt väterfis ehen Herfommens, und berührter Gerauiſchen Verfaffung das Burggraffthumb Nuͤrn⸗ berg und. die darin begriffene Sande, unters und oberhalb Gebuͤrges ſambt allen ihren Pertinentien, Eins und Zubehörungen, allermaffen fie Ihre-£d. Unfer in Gott ruhender ‚Better innen gehabt, hiermit, wie es am beftändigften gefchehen foll, überlaffenhaben, Ihr 2. £d. follen diefelde von Uns und Unfere Männliche eheliche teibes. Lehens Erben oh⸗ sie Unfere und der: Unfrigen, wie auch Derofelbigen Nachfommen einige Verhinderung geruhiglich nugen und gebrauchen, wir wollen und follen auch den jüngern. Brüdern, wie auch Unfern freundlich geliebten Schweftern, alles dasjenige williglich reichen, ges ben und folgen laffen, was beruͤhrte und von Worten zu Worten inſerirte Handlung mit bringet. Dargegen verſprechen und zuſagen wir Marggraff Chriſtian und Marg⸗ graff Joachim Ernſt, daß wir ebenmaͤßig ſchuldig ſeyn ſollen und wollen, allem dem⸗ ſelbigen Fuͤrſtlich nachzuleben, was von Puncten zu Puncten in obberuͤhrte Handlung verfaſſet, bedacht und zu Pappier gebracht und uns communiciret, auch von Wordten zu Wortten oben inſeriret iſt, immaſſen wir dann daſſelbige alles hiermit bey Fuͤrſtlichen Ehren, Treuen und Glauben wollen beliebt, acceptiret und angenommen haben, Und obwohl wir beyde Gebrüdere, und wir Marggraff Ehriftian infonderheit, auf dato die Neumark angefprochen, daß wir ung doc) derfelbigen Anſprach hiermit wuͤrcklich und gaͤntzlichen aus wohlbedachten Gemuͤth und rechter Wiſſenſchafft auch angedeuten Urſa⸗ chen verziehen und begeben haben, und ſolche Unſerm freundlichen geliebten Herrn Bru⸗ dern dem Churfuͤrſten zu Brandenburgf und ©. f männlichen Leibes / ehens / Erben an (*) Es ift diefe Urkunde bereits denen Leſern, ihrem ganzen Inholt nach, mitgerheifet worden, — Churfürft Joachim Friedrich. 395 er, "a der Chur geruhiglichen laffen, von Uns, Unfern Erben und Nachkommen ungehin 1603. dere, Wir wollen auch, da Ahr ven von Jemand deffentwegen angefochten würde, bey derfebigen getreulichen umbtreten, und alle drey Gebrüdere vor einen Man ftehen, wie ingfeichen Unfer jüngften Brüder iven fven als Marggraffen Johanſen und Marge graff Johanns Georgen nach erfuͤllten achzehn Jahren zu Uns in Francken nehmen und unterhalten, wie cavirt und verſehen, die andern Bruͤder aber dahin weiſen und anmahnen/ daß fie ſich dieſer Unſer Bruͤderlichen Vergleichung, und was zu Gerau verfaſſet iſt, durchaus bequehmen, dawieder weder thun noch handeln, und ſollen alle Irxrungen, Speen, Zweyſpalt und Gebrechen auf allen Theilen hiermit und in Krafft dieſes offenen Brieffes, gaͤntzlich und zu Grunde verglichen, caßiret und aufgehoben ſeyn, auch ſolcher ferner in Ungutte im geringſten nicht gedacht werden, wir wollen eins ander treulich und ufrichtig meinen, Wir die Züngere Ahr !hden Churfürften als den äftern, und das Haupt in Unferm Hauß, brüberlich refpectiren und ehren, und inges ſambt bey des Haufes Brandenburgk Wohlfart und gedeylichen Ufnehmen bruͤderlich halten, wir ingefambt und ein jeder infonderheit verzeihen uns auch, aus wohlbedachten Gemuͤth aller und jeder Ereeptionen, Action, Behelff und Wohfthaten ver Nechte, ſo zu Hinterziehung diefer unfer brüderfichen Vergleichung, Zufage und Contracts in Nech« ten erfunden und ausgeſatzt, und infonderheit der Exception Laefionis, Beneficii Re- ftitutionis in integrum, Redudtionis ad arbitrium boni viri, Minörennitatis, Renunciationem generalem non valere nifi fpecialis praecefferit , und aller andern und jeden rechtlichen Behelffen und Wohlthaten, wie die Nahmen haben mö⸗ gen, Feine überall ausgeſchloſſen, und folches thun wir aus rechten Wiffen und eigener Bewegnuͤs, freywillig in der beſten Form des Nechtens und gang Fräfftiglich, zu uw und fetter, veſter und unverbrüchlicher Haltung Haben wir der Churſuͤrſt, Chriſtian, Zoachim Ernſt, Gebruͤdere, nicht allein diefe verbindliche, ſtetwehrende Vergleihung gedoppelt fertigen laſſen, mit eigenen Handen unterfehrieben, und unfern groffen Regal⸗ Siegeln und Daumb / Secreten vollzogen, ſondern auch unſere freundlich geliebte Soͤh⸗ ne und Vettern, Gevattern und Oheimben, Herrn Johann Sigismunden und Herrn Ssohann Georgen poſtulirten Adminiſtratorn des Stiffts Straßburg beyden Marg⸗ graffen zu Brandenburg sc, und Herrn Chriſtian Fuͤrſten zu Anhalt, freundlich und vetterlichen vermocht, daß von Ihren 8. & t6d. als Unterhaͤndlern und Zeugen derglei« Sen erfolge iſt. Gefchehen und geben zu Onoltzbach ven Eilfften Tag des Monaths Juny nad) Chrifti unfers einigen Erloſers und Seligmachers Geburt im taufend Sechs⸗ ran und dritten Jahre ꝛc. Joachim Friedrich Chriftion Marggraff Joachim Ernft Ehirfauͤrſt. zu Brandenburg. Marggraff zu | Hanß Sigismundt. Johanns George. Brandenburgk. 166. Durch Marggraf Georg Friedrichs Tod war auch das ——— Jaͤgern⸗ Eben dadurch — denen ana Luͤbſchuͤtz, —— Beuthen und andere Zube file Iägern; dorf an den körum churfuͤrſten. 396 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1603, hoͤrungen an unſern Churfuͤrſten gefallen. Des verſtorbenen Marggrafen Vater Georg der Fromme hatte ſolches alles vor ſein eigen Geld, mit koͤniglich boͤhmiſcher Genehm⸗ haltung, auf die Art an ſich gekauft, daß er ſolche als eigenthuͤmliche Erbſtuͤcke mit der Freiheit beſitzen ſolle, dieſelben nach eigenem Gefallen wieder zu veraͤuſſern, und. damit als ſeinem Eigenthum zu ſchalten und zu walten. Georg verließ Ya mit feinen Zubehörungen feinem einzigen Prinzen Georg Friedrich, und —— daß, wenn ſolcher unbeerbt verſtuͤrbe, dies land an das Churhaus Brandenburg kom⸗ men ſolte. Marggraf Georg Friedrich ſicherte daher noch bey feinem leben in feinem: Bermächtniß unferm Churfürften dieſe Erbſchaft auf ven Fall, daß er verfterben wuͤr⸗ de, und erlaubte dem Churfuͤrſten, bey Gelegenheit des: > gerafchen Vertrages, : mit diefem Herzogthum Jaͤgerndorf feinen zweiten Prinzen Johann Georg abzufin So bald num der bisherige Herzog und regierende Herr von Jaͤgerndorf ann Georg Friedrich mit Tode abgegangen, Fonte der Lehnsherr Kaifer Rudolph 2, als König von Böhmen, unter feinem Schein des Rechten unfern Churfürften an ber, wirklichen Befignehmung des erblichen Herzogthums Jaͤgerndorf und derer dazu ge⸗ hoͤrigen Herrſchaften hindern. Joachim Friedrich ergrif ſolche daher mit allem Recht, ließ die Huldigung in dieſem Lande vollziehen, und die Landesregierung beſtellen und handhaben k) Wegen Preuſ⸗ Durch eben dieſen Todesfall fiel unſerm Churfuͤrſten Joachim Friedrich auch fen aber wer⸗ das unſtreitige Recht zu, ſowol die Vormundſchaft über Albrecht Friedrich den nn | een. den in Preuſſen zu übernehmen, als auch die Regierung diefes landes zu führen, Er macht. war des Herzogs von Preuffen Albrecht Friedrichs nächfter Vetter und. ——— Die Freundſchaft und Verwandtſchaft mit Albrecht Friedrich Herzoge von Preuſſen bekam ein neues Band, da unſer Churfuͤrſt ſich entſchloß, in dieſem Jahr mit deſſen dritter Prinzeßin Eleonora ſich zu vermaͤlen. So ungezweifele aber auch feine Gerecht ⸗ ſame immer ſeyn konten, ſo ſuchte Polen doch bey dieſer Gelegenheit, da man ſeine Rechte nicht beſtreiten konte, wenigſtens ihm neue Bedingungen aufzubuͤrden. Die⸗ ſes verzögerte die Beſitznehmung von Preuſſen auf einige Zeit, obgleich der chur⸗ brandenburgifche Sefandte Joachim Hübner fich alle Mühe gab, diefe Sache am koͤniglich polniſchen Hofe zu berichtigen. Indeſſen wolte unſer Churfuͤrſt auf alle Fälle fich in gehörige Bereitſchaft fegen. Man Fonte nicht voraus- fehen, wozu. die. Sache noch fommen würde. Es befchloß daher Joachim Friedrich, den Vorſatz, den fihon, fein Here Vater gehabt, die Stadt Driefen mir einigen Beveftigungsiverfen zu vers ſehen, ins Werf zu ftellen. Er ließ alfo wirklich daran arbeiten, zumal man nicht voraus fehen Fonte, wie ber Rürs der Poladen mit den Schweden in der eine, lau⸗ fen moͤchte Die k) Henelii ab Hennenfeld Ann. Sileſ * de Iaegerndor ffenfis —— fübditis eum Sommersberg T. 2. fer. rer. Silefi p 570. Geor-. ve legitimum Dominum recognofcentibus et gius Frid-ricus fatis concefht improles. Vnde Homagium lubenti Animo praeftantibus, quidem Fifum, vt loachimus Fridericus Ele&, Brandent. iufto- Tisulo pofl«fionem Ducatus h Kar Bengnich I. c. Cernitius. Churfuͤrſt Joachim Friedrich. > 397 >, Die Kriegsvölker Sigismundi fehlugen fich mit dem Heer feines Vettern Carl - 1603. von Sudermanland noch) immer in Liefland herum. Der Feldherr der erftern Chod⸗ Die Schwe⸗ kiewitz war zwar nicht ungluͤcklich, demohnerachtet aber verfielen feine Sachen in —* — * Schweden ganz und gar, Denn als fein Erbprinz DBladislaus, dem Verlangen einige. ber ſchwediſchen Stände gemäß, in. diefem Königreich. ſich nicht eingefunden hatte, fo ward auf dem Neichstage zu Norcöping 1604 Sigismund und feine Nachkommen 1604. auf ewig von der Erbfolge der. ſchwediſchen Krone ausgefehloffen, und diefelbe feinem Halbbruder Herzog Johann angerragen. Weil viefer folche aber abgelehnet, fo warb fie auf das Haupt Herzog Carls von Sudermanland gefest, und demfelben vor fich und feine männliche und weibliche Nachkommen verſichert. Dieſer Schluß zog in der Folge langwierige blutige Kriege zwifchen dem Könige Sigismund 3 von Polen und nunmehrigem Carl 9 König von Schweden auch beiderfeitigen Nachkommen unter abwechfelnden Borrheilen nach ſich. Ye In Deutſchland wurden ebenfals zwifchen Proteftanten und Catholiken die Die corre Sachen. iminer mislicher. _ Einige der-legteren machten zu Heidelberg einen Entwurf er eines Bundes, in den alle Proteſtanten, ſowol Lutheraner als Reformirte, ohne “ zur Beibels Unterfchied.gelaffen werden folten. Die gemeinfchaftliche Neligionsverficherung, haupt, berg einen fächlich aber eine Bertheidigung wider die Faiferlichen Hofrathsausſpruͤche, waren die bund, Hanptgegenftände der, Bereinigung. Die Bundesgenoffen wolten unter fich ein eiges nes Gericht errichten. Churpfalz folce darin den Vorſitz haben, und die Beifiger fols ten von den vornehmſten Bundesgenoflen beftellet werben, Es waren folches Johann Dfalzgraf von Zweibrücken, Marggraf Chriftian von Baireuth, Marggraf Joa⸗ chim Ernſt von Anſpach, Landgraf Morig von Heffen-Caffel, Marggraf Fries drich von Banden Durlad), Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt, die proteftantifchen wetterauifihen Grafen und die proteftantifchen Reichsſtaͤdte. Auch die Holländer folten, um deſto nachdruͤcklichere Hülfe zu erlangen, im dieſes Buͤndniß gezogen wers den. Der Entwurf diefes bejondern Gerichts hatte mit den chambres miparties in Sranfreich, deren fich die Hugenotten bedieneten, einige Aehnlichkeit. Chur⸗ pfalz wurde der Vorſitz bey dieſein Gericht, nicht fowol in Abſicht auf das alte pfäls | ziſche richterliche Amt, ſondern vielmehr deswegen eingeraͤumet, weil ſolches unter den Bundesgenoſſen, ſo wie unter allen Proteſtanten in Deutſchland damaliger Zeit, die vorſitzende Stelle gehabt. Die Catholiken wurden durch dieſes Buͤndniß ſehr auf⸗ merkſam. Sie hielten deſſen Einrichtung vor ein Unternehmen, wodurch die Prote⸗ ſtanten ſich von allem Gehorſam gegen die Reichsgeſetze und von aller Reichsgerichts—⸗ barfeit 108 zu machen füchten. Unſer Churfürft, ver in diefem Jahr feine Schwefter dem der chur⸗ Agnes an den Herzog von Pommern Philipp Julium zu Berlin vermälte, fand fürft nicht bei groffes Bedenfen, diefem Buͤndniß beizutreten. : In Niederdeutfchland war die Ge" fahr vor die Proteftanten nicht fo groß, als in Oberdeutfchland. Hier find beide Religionsverwandte ju fer unter einander vermiſcht. Es giebt mehrere Mindermächs tige, die ſich der Gewalt des Faiferlichen Hofes und der benachbasten Spanier mehr ' Dod 5 aus⸗ 358 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1604. ausgeſetzt ſahen, als die proteftantifchen Staͤnde in Niederdeutfchland, welche mehr vere Macht, der Gewalt zu widerftehen, in. Händen Haben. Ohnerachtet alfo des‘ Churfuͤrſten Heren Brüder Ehriftian und Joachim Ernſt ver heidelbergifchen Con vefpondenz beigetreten, fo fand Joachim Friedrich vor fich Feine dringende Urfache, in fo weit ausfehende Berbindungen einzutoilligen 72). DEE un ee Wi ’ | Ah | Er Endticher ver Die ftrasburgifche ſtrittige Wahlſache hätte den einzigen Grund abgeben koͤn⸗ —— nen, unſern Churfuͤrſten feines Sohnes wegen in dieſes Buͤndniß zu ziehen. Allein frrictige wahl, es ward die Sache, auf Joachim Friedrichs Verlangen, durch wuͤrtembergiſche Vermittelung endlich) in der Guͤte beigeleget. Nach verfchiedeneh deswegen zu Zabern und Nancy gepflogenen Unterhandlungen ward der bisherige Wahlſtreit ven 22ften No⸗ vember in Hagenau gänzlich verglichen. Marggraf Johann Georg ließ alle feine Rechte und Anfprüche auf das Biſchofthum Strasburg, zum Vortheil feines Geg⸗ ners Herzog Carls von Lothringen, fahren. Dagegen erhielt er von demfelßen vor diefen feinen gänzlichen Abftand 130000 Gulden und eim jaͤhrliches Einkommen von 9000 Gulden, welche aus den Stiftsaͤmtern, die dieffeits: des Rheins belegen, gehos ben werden folten. Zur Verficherung der richtigen Abtragung diefer Jahrgelder wur den die Stiftsämter diffeits des Rheins auf 30 Jahr dem Herzoge von Wiürtember unterpfändlich eingeraͤumet. Der Stadt Strasburg. verfihrieb der Bifchof Cal 800000 Gulden, und räumte ihr zum Unterpfande Marlenheim / das lLandſchuldheiſ⸗ fenamt und andere Städe ein. Denen 8. evangelifchen Domherren wurden gewiffe Einkünfte auf die nächften 15 folgende Jahre verſichert, und auf diefe Weiſe die Ir⸗ sungen im Bifchofehum Straßburg völlig und gänzlich entfehieden.‘ Im ganzen ber trachtet erhielten bie Catholiken über die Proteftanten im Stift Strasburg eben den Sieg; welchen fie vorhin im Erzftife Eöfm befochten m). —— Die proteſtan © Dies muthigte fie auch anderwaͤrts an, mic Gewalt ihre Entwuͤrfe auszufuͤhr | ten in Pader⸗ m; ur usa Garn werden Srolfchen dem Bifchof und der Stadt Paderborn ; welche Teßtere fich bisher als eine unterdruͤckt. Reichsſtadt aufgeführee, waren alte Irrungen. In der Stade waren über die Hälfte - Bürger evangelifch. Die übrigen catholifihen Bürger Tieffen fich aus Haß gegen die andere Neligionspartey mit dem Biſchof in Unterhandfingen ein‘, fich ſolchem zu unterwerfen, und von ihm Beſatzung einzunehmen. Die Proteftanten widerſetzten fich zwar diefem Beginnen, und verlieffen ſich auf hefifchen Schus. Aber der Bir ſchof überrumpelte die Stadt, und verfuhr darin gegen die Proteftanten mie ausneh⸗ mender Strenge. Sonderlich erfuhr ſolches der evangelifche Buͤrgermeiſter Wi⸗ chard. Man begegnete demfelben in feiner Verſtrickung ausnehmend hart, Es wur den ihm Heiffe Bierheven in den Hals gegoffen, nachmals ward er gar enthauptet und geviertheilet. Die Zolge eines folchen Betragens war eine immerwachfende Verbitte⸗ rung der Proteftanten gegen die Catholifen 0). er u Wo⸗ n) S.ondorpiusTh.3 ©.966. Meier. Lond. Suppl. 25. 1. Canichs Reichearchiv Th. — 0) Van Messern niederlaͤndiſche Geſchichte L. 25. Thuanus L. 131. all m) Londorpius Th. 1.2 - | Churfürft Joachim Friedrich, 399 Wofern aljo jemals nöthig gewefen, daß ein Kerr von guten Staatsräthen bes 1604. ? dienet würde, fo war es wirklich die damalige bedenkliche Zeit. Es hatte. zwar dem Der churfuͤrſt Churhauſe Brandenburg bisher hieran überhaupt nicht gefehlet. Die vorigen Chur: — ad fürften hatten immer gefchicfte, treue, verſchwiegene, vebliche Männer gehabt, deren fEaatsrathe: NRaths fie fich in Staatsfachen bedienen Formen. Aber bisher war derer zu einer Zeic verfammlung. eine gar zu geringe Anzahl: geweſen. Seit dem Tode Marggraf Georg Friedrichs waren aber die Staaten des Churfürften vermehret, und die Anzahl der Gefchäfte ahnt bey dieſer bedenflichen Zeit fo zu, wie ihre Wichtigkeit. Der weiße Churfürft Joa⸗ - him Friedrich fand: daher vor nöthig, eine beftändige geheime Rarhsverfummlung mit genugfamen geſchickten Männern zu befegen. Da bisher ein und der andere Staats, - mann, aller Gefchicklichkeit und Treue ohnerachtet, aus menfchlicher Schwachheit des beften. Anfchlages verfehlen koͤnnen, fo verhofte der Churfürft mit Necht, daß eine Verſammlung mehrerer Staatsleute weniger als-ein und der andere irren koͤnte. Diss ber hatte faſt ein jeder Staatsbedienter nach feinen Einfic ichten jich einen Entwurf ge: macht, den fein Nachfolger in der beſten Abſicht cheils veränderte, theils mic einem neuen verwechfelter Uber eben diefe Veränderungen waren dem Staat, im. ganzen betrachtet, meiftens nachtheilig, weil darüber ſelten ein entworfener Plan ganzausges führet werden Fonte, und dieſes zog wieder Veränderungen in andern Gefchäften nach ſich, mit denen der verworfene Plan einige Verbindung gehabt. Eine Berfammlung von geheimen Staatsräthen aber ift als eine einzige moraliſche Perfon anzufehen,, die, weil der Abgang eines Mitgliedes ſofort durch ein anderes erſetzt wird, nicht abſtirbt, die eine jede Sache nach allen ihren möglichen Seiten weit genauer betrachten kann, als ein einzelner Menſch, die-folglich einen geſchicktern, dauzrhaftern Entwurf machen kann, und nicht befürchten darf, daß folcher wenigftens zum Theil unausgeführet bleibe, Nach und nach wird in-einer folchen Verſammlung das juͤngſte Mitglied durch die uͤbri⸗ gen in Staatsfachen unterwieſen, und erhält durch Die Erfahrung eine gewiffe Stärke und Fertigfeit, lauter ſolche Maaßregeln in Vorſchlag zu bringen, die insgeſamt den ges machten Hauptplan erleichtern umd befordern, Des Churfürften Einrichtung mufte Daher nothiwendig dem Haufe Brandenburg den erheblichften Vortheil bringen. Man Bat aus diefer Urſache folche nachher beftändig beibehalten. Die erften Männer, weh che der Churfuͤrſi wuͤrdig hielt den 2aſten Dec. in dieſe geheime Rathsverſammlung einzufuͤhren, und zu ſeinen wirklichen Staatsraͤthen zu erklaͤren, waren Hieronymus Graf Schlick, der Kanzler Johann von Loben, Chriftoph von Wallenfels, Hies ronymus von Diefau, der Vicekanzler Chriftoph von Beneckendorf, D. Fries drich Brucmann, Simon Ulrich Piſtoris und Joachim Hübner, Dieſen "Männern und ihren Nachfolgern in diefer Wuͤrde ift das Churhaus Brandenburg. groͤſtentheils die Hoͤhe ſchuldig, auf welches ſich ſolches geſchwungen, da ſich Chur⸗ fuͤrſt Zoachim Friedrich und alle feine Nachfolger ihres vereinten, weiſen, und auf eis nerley Haupt weck abzielenden Raths bejtändig bediener haben. Ich wünfchre, daß ich im Stande wäre, meinen tefern alle Dig groffen. Namen vorlegen zu Fonnen, bie fo ruͤhm⸗ 1604, 1605. 400 3%. sHauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ruͤhmlich und gluͤcklich feit diefer Zeit das Wohl der brandenburgifchen Staaten befors get haben. Vielleicht bin ich Eünftig einmal im Stande, das ganze Verzeichniß der wirklichen geheimen — — von Joachim BARON — bis auf unſere Zeiten zu liefern p). en Unter andern zeigte fich der Nutzen diefer Cirtichrudg gleich Durch Geitfäing; Ge⸗ Macht einefeße: Im Jahr 1605 ward eine Kleiderordnung vor die churbrandenburgiſchen Um kleiderord⸗ nung, terthanen bekandt gemacht. Da die kaͤnder des Churfuͤrſten in denen Kuͤnſten noch lan⸗ ge nicht ſo hoch geſtiegen, daß man Sachen, die der Pracht erforderte, im Lande ſelbſt verarbeitete, fo muſten ſolche mit ſchweren Koſten erſt aus andern Ländern angefehaft twerden, ohne daß wir den Fremden was anders, als baares Geld, davor liefern Fon ten. Der Nacheifer in übermäßigem Pracht und der Verſchwendung mufte daher viele Unterthanen in die betrübtefte Armuch fhürgen, und es war heilfam, die Freiheit der Einwohner, deren fie fich zum eigenen Schaden bedieneten, durch die Kraft der lan⸗ desherrlichen Geſetze fo lange einzufchränfen , bis der Staat überhaupt reicher geworden. Ein unermüderer Fleiß aller im tande wohnenden Einwohner , fonderlich des Acker⸗ manns, des Handwerfers und des Künftlers ift vermögend, einen armen Staat mit Reichthum zu verfehen, wenn ein austräglicher in⸗ und ausländifcher Handel ben u beitern ihre Mühe verlohnt g). und befördert Um alſo auch dei brandenburgifchen Handel in die Höhe zu bringen, fie fh die ſchiffahrt. der Churfuͤrſt Feine Koften gereuen. Nach genugfamer Unterfuchung fand man noͤthig, Pulverver: der Schiffahrt aufzuhelfen. Zoachim Friedrich hatte fich ſchon hiedurch im Hochftife Magdeburg unfterbfich verdient gemacht, daß unter feiner Regierung der Saalſtrom ſchifbar gemacht, und die Schiffahrt auf dieſem Fluß in Gang gebracht worden. Der fich daraus Auffernde Nugen ermunterte dieſen fobenswirdigen Negenten, auch) in der Mark Brandenburg ver Schiffahrt immer mehr und mehr aufzuhelfen. Es geſcha⸗ be folches durch nr esucn y die ſonderlich zu —— —— — tar) REEL IN: rer — > ea sahen wer Die Neligionsangelegenheiten waren aber noch beſtaͤndig ein wichtiger Segenftanb an in derer Befchaftigungen des churfuͤrſtlichen geheimen Raths. Die berufene Pulverver⸗ ſchwoͤrung in England machte einen jeden Proteſtanten auch auſſer Großbritannien zittern. Eine Rotte Böſewichter hatte daſelbſt den verruchten Anſchlag gefaſt, den König Jacob ĩ, fein Geſchlecht, das Ober» und Unterhaus mit Pulver in die fuft zu ſprengen. Ein dunfler Brief, deſſen Verſtand der Koͤnig errieth, gab zur Entdeckung dieſes abſcheulichen Vorhabens die erſte Gelegenheit. Man machte den gottloſen Gui⸗ do Fawlkes vor dem verdaͤchtigen Keller veſt, ehe er noch, fein Bubenſtuͤck ausführen Fonte; man fuchte die Mitverfehwornen auf, und zog fie zur Strafe s). Aber diefe er⸗ ftaunfiche That machte bey denen Proteftanten in Deutſchland um ſo gtoͤſſern Schre⸗ cken, p) —— 4) Ebendaſelbſt. r) Ebendaſelbſt und Gedieci Leichenpredigt ©, 68. 5) Confpiratio Sulphuren ; die unter Könige Jacobi Werfen ſtehet. em * Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 401 &en, da ihre Glaubensbruͤder ſchon hin und wieber von den Catholifen fee hart der 1605.) bandele worden. Niema's war die Einigkeit ver Proteftanten uncer fich feloft noͤthi⸗ ger, als jego, und doc) fielen Hin und wieder Mishelligfeiten vor, die die Gemuͤther trenneten. BR ö Der Herzog Henrich Julius von Braunfchweig war mit der Stadt diefes Der hurfück Mamens zerfallen. Die legtere hatte, vor erhaltenem Huldebrief, ihrem unftreitigen ht die tandesheren, Fraft einer 1535 befommenen Freiheit, nicht huldigen, noch zu Aufbrin — — gung dee Tuͤrkenſteuer auf dem Landtage ſich verſtehen wollen. ‘Der Herzog ſuchte ven Ort Bald zu Äberrumpeln, bald belagerte er denſelben förmlich, worüber allerhand Rechts⸗ handel, theils bey dem Neichsfammergericht, theils bey dem Faiferlichen Hofrath ers wachen find z). | Die marpurgifche Erbfchaftsftreitigfeit Hatte aber noch mehrern Einfluß in die und den marı- Schickſale der Proteftanten, Philipp der Großmuͤthige landgraf von Heffen hatte prrgiihen alle feine vier Söhne mit abgetheilten fanden abgefunden, obgleich der ältefte, wegen Er — | feiner Bemühung, den Vater aus der Faiferlichen Gefangenfehaft zu befreien, am reich? beizulegen. lichften bedacht worden. Auf die Weiſe entftunden eigene Regierungen für Wilhelm | in Eaffel, für Georg zu Darmftadt, für Ludwig zu Marpurg, und für Philipp zu Rheinfeld. Philipp von Rheinfels war fehon 1583 ohne Erben geftorben, und in deffen Sünder hatten fich die dren übrigen tinien getheilt, Im Jahr 1604 war Georg son Heflen-Marpurg ohne Erben abgegangen. Mach) deffen letztem Willen folten Caſſel und Darmftadt fich gleich theilen. Caſſel ſolte Marpurg, und Darmftadt folte Gieffen Haben. Keiner folte, bey Verluſt der Erbfehaft, den letzten Willen am fechten, oder eine Neligionsveränderung in dem ihm angefallenen Antheil vornehmen. Beide Erben handelten gegen diefe Verordnung, Moritz tandgraf von Caffel, der einzige Sohn Wilhelms, führete in Marpurg die reformirte Religion ein. Darm⸗ ftadt aber behauptete, daß diefe Erbſchaft nicht in Staͤmme, fondern in Häupter ges theilee werden mäffe, da Georg ı von Darmitadt drey Söhne, Ludwig 5 zu Darm⸗ ftadt, Philipp zu Burbach und Friedrich zu Homburg verlaffen Hatte. Darm⸗ ftadt brachte feine Sache ben dem Faiferlichen Hofrath an, und hat feit dieſer Zeit es bes fländig mit dem Haufe Defterreich gehalten, welches darin feinen Vortheil gefunden, die Streitigkeiten der beiden heßiſchen Hauptfinien beftändig zu unterhalten. Heffen Caſſel wolte dagegen, nach ven hefifchen Hausverträgen, die Streitigfeit durch eins mal veftgefeßte Austragerichter entſcheiden laffen, und die Urtheile des Faiferlichen Hofs raths nicht anerfennen, woräber folches aber ven Kaifer zum bittern Feinde bekam. Ehurfürft Joachim Friedrich gab fich vergebliche Mühe, fowol die braunſchweigi⸗ ſchen ats hefifchen Angelegenheiten zum friedlichen Ende zu bringen, ob er gleich feine eigene Hausangelegenheiten mit fehweren Koften betreiben mufte x), esse Weil Meiboms braunſchweigiſche Handel. Retmeiers braunſchweigiſche Hiſtorie Th. 2S. 1098f. u) Acta Marpurg. P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. Eee 1605. Schluͤſ mit Bergen, Johann Wilhelm, verfterden würde, und mit diefem Herrn, megen deſ⸗ hr „Holland einen fen öfters merflicher Verruͤckung des Berftandes nichts rechts anzufangen war ; fo mu huͤlfsvertrag, eine Vollmacht aus, dem churpfaͤlziſchen Schutzbuͤndniß beizutreten. Die Sieben 402 3%. Haupiſt. Neuere Sefchichte von Brandenburg. Weil er nicht vorher fehen Fonte, wen der letzte Herzog von Juͤlich, Cleve une fte der churfürftfiche Hof auf Mittel denken, wie er feinem Heren Sohn auf den Tos desfall den ungezweifelten Befig der julichfchen Erbſchaft gewähren koͤnte. Chur al; hatte ſich bereits in feinen Neichsangelegenheisen mit den vereinigten niederlaͤndiſchen Provinzen in ein Vertheidigungsbündniß eingelaffen. Der Churfürft von Brandens burg Joachim Friedrich und deffen Churprinz Johann Sigismund ſtellten daher Ren ten Jan. zu Eöln an ver Spree an den churfürftlichen ehemaligen Obriſten und geheimden Nach Otto Denrich van ver Bylant Freyherrn von Reith und Brembt vereinigten Staaten ernannten ihren Statthalter Grafen Moritz von Naſſau, den Grafen Wilhelm Ludwig von Naſſau, den groffen Staatsmann Zohann von Ok denbarnevelt und ven Albrecht Joachimi, mit ven churpfähifchen und churbran⸗ denburgifchen Bevollmächtigeen Volrad von Pleffen und Otto Henrich. Freiherru von Rieth in Unterhandlungen zu treten. Durch diefe Männer Fam den 25ften April endlich der Huͤlfsvergleich zur Nichtigkeit. Die vereinigten Staaten folten in denen Jahren 1605, 1606 und 1607 jährlich 100005 deutfihe Gulden erhalten, davon 50000 Churpfalz, feinem Verfprechen gemäß,. 250000 aber Churbrandenburg bezahlen, und letzteres innerhalb zweien Monaten über die Zahlungsfriften ſich erflären folte- Dagegen gelobten die Generals Staaten, auf Verlangen des Ehurfürften von der Pfalz und des brandenburgifchen Churprinzen Zohann Siegmunds, ein Heer zu Pferde und zu Fuß, zur Verjicherung des zu ergreifenden Befiges, in die julichfchen Erbſchaftslaͤn⸗ der einruͤcken und fie durch felbiges bey dem Beſitz gegen jedermann. auf alle mögliche und dienliche Art fehügen zu laffen x). > er und verlobt Ueberdies hielt, ver Churfürft von Brandenburg Joachim Friedrich * haupt⸗ ‚Einen enkel CEheorg Wil⸗ A in ſaͤchlich der Fünftigen jülichfehen Sache wegen ,. vor varhfam, mit dem, Churfürften von der Pfalz in gutem Vernehmen zu bleiben, und deflen Vortheile näher mit denen Vortheilen des. brandenburgifihen Haufes zu verbinden. Von beiden Churfürften kamen daher zu Gelnhauſen Sefandte zufammen, die unter andern ‚eine Heirat zwi⸗ fihen dem brandenburgifchen Prinzen Marggraf Georg Wilhelm , unfers Churfürs fien Enkel, und der dritten Prinzegin Friedrichs des Churfürften von der. Pfalz Eli⸗ fabeth Charlotte verabredeten. Dieſe Unterhandfungen wurden hierauf zu Heidek berg fortgefegt, und zum erwinfchten Schluß gebracht y). 4 . 169. OR: ET Erhaͤlt endlich ¶ Vor allen andern beſchaͤftigte den Churfuͤrſten aber die preußiſche Angelegenheit. die pormund Sorge Rechte zur Vormundſchaft feines: bloͤden Herrn Schwiegervaters und der vor fhaftliche Re⸗ sierung in Preuſſen. mundſchaftlichen andesregierung ſowol, als zur ungezweifelten Nachfolge im Beſitz des Herzogthums Preuſſen waren fo klar, daß dagegen mit keinem Schein Rechtens etwas einge⸗ x) Luͤnichs Reichsarchiv Part. Spec. Cont. II. 9) Cernitius. A Cyhurfuͤrſt Joachim Friedrich . 403 eingeivehbet werden konte. Demohnerachtet aber füchte der polnifche Hof bey dieſer Gelegenheit neue Vortheile zu ziehen. Der Churfürft war allerdings berechtiget, feis ne Haren Anfprüche mit Gewalt geltend zu machen. . Wennaber iſt wol auch der glück lichſte Krieg ohne bejammernswuͤrdigſte Folgen vor Unterthanen geführer worden? Co —— lange alſo nur noch irgend eine Ausfiche fich zeigte, ohne Blutvergieffen zu feinen Rech⸗ ten zu Fominen ; fo ließ der Churfuͤrſt hiezu Fein Mittel unverfucht. Das Geld, -wels ches der Krieg gefreffen Haben würde, wuſte Joachim Friedrich fo wohl anzuwenden, daß er endlich ohne Blutvergieſſen feine Abfichten glücklich erreichte. Ex ließ zu dem Ende durch feine Geſandten auf dem damaligen polnifchen Reichstage zu Warfchau nichts unverfücht, und brachte auch endlich bey dem Könige ſowol als den Reichsftäns den es dahin, daß ihm die Verweſung des Herzogthums Preuffen und die Bormunds fehaft des blöden Herrn eingeräumet wurde. Die Belehnung blieb aber jedoch bis zu anderer Zeit verfchoben, damit dem polnifchen Hofe ja Feine Gelegenheit entgienge, den Ehurfürften weiter zu nutzen 2), Es hatte freilich diefe Unterhandlung groſſe Koften verurſachet. Joachim Friedrich fand daher vor nöthig, durch einen Befehl vom seen Zum. feine märfifchen tandftände zu verſammlen, aber auch von feinen ge treuen märfifchen Ständen durd) den Kanzler Johann von Lüben eine Zufteuer von 300000 Thalern den-27ften Jun. zu verlangen, weil folches allerdings vor das Land weit erträglicher war, als wenn folches in einen blutigen Krieg verwickelt worden waͤ⸗ re. Hiedurch fahen ſich die brandenburgifchen Unterthanen von perfönfichem Zuzug und andern Foftbaren Ausruͤſtungen, von Durchzuͤgen, Mufterplägen, Einfällen und andern unzehligen Ungelegenheiten glücklich verfchonet, Die fie bey ausgebrochenem Kries ge gewiß wuͤrden haben erfahren müffen a). Die Herren Marggrafen von Baireuth und Anfpach hätten wohl gethan, wenn fie in diefer ganzen preußifchen Angelegens heit mit unſerm Churfürften, als dem Haupt ihres Haufes, gemeinfchaftlich zu Werke gegangen wären. Weil man aber die allerdings ſchweren Koften fcheuete, fo mufte ‚ber Churfuͤrſt allein die preußifche Belehnumgsfache treiben und zu erhalten’ fuchen b). Weil ihm num der König von Polen die tandesregierung diefes Herzogthums zuerfannt, fo veifete er nebft feiner Gemalin dahin ab. Den gten Dit. ward er von der Bürgers ſchaft der Hauptftadt, diefich mit 8 Fähnfein auf dem Haberberge in völliger Ruͤſtung bes fand; feierlich eingehofer ; fo wie auch die Abgeordneten der Städte ihm entgegen gekom⸗ men waren. Das Gefolge des Churfürften ſelbſt beſtund in wenigen Perfonen. Erhielt ſich bis zum zoften Detober in Königsberg auf, und befchäftigte fih mit der Eins richtung der Negierung. Er fihrieb unter andern einen Landtag aus, und reifete an dem bemeldeten Tage mic einem Fleinen Gefolge wieder nach feinen Heutfchen Staa» ne). N IND bir — Eee 2 | | Polen . x) Herrn Kenanich Sefchichte von Preuffen unter Sigism. ad h: a. p. 362. | . a) Keren D. Belrichs Beiträge zur begndenburgifcehen Geſchichte ©. 206. 5) Limnaͤi Ius Publ. T. 4 p. 801 ſq. c) Erläutertes Preuflen T. 3 Ps 395. 1695. 160% 404 3%. 3 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. | Polen Hatte zu verfchiedenen Sachen Geld noͤthig. Der Krieg gegen Schwe⸗ Rußiſche bege- dert ward nicht nur in Liefland fortgeſetzt, fondern auf der rußifchen Seite Harte bendeiten. 2606. fich groffe Veränderungen geäuffert. Der Czaar Boris Gudenow hatte das Uns glück, daß ein Gericht entftund, als wer der ermordet geglaubte rußifche Prinz Des metrius noch amteben ſey. Griska Utropeja, ein verlaufener Mönch, fieng an, deffen Perfon vorzuftellen, fand ben verfchiedenen vornehmen Polacken Anhang, und war ſchon das vorige Fahr in Rußland eingebrochen. Er wiirde vielleicht wenig aus⸗ gerichtet haben, wenn nicht Peter Feodorowitz Bosmannow den Czaar Boris Gudenow in diefem Jahr mir Gift aus. dem Wege gefehaft hätte. Feodor Boriſſo⸗ witz beftieg zwar den Thron feines Vaters, aber nur auf kurze Zeit. Denn der Ders räther Bosmannom richtete deflen Heer vor Krom zu Grunde, und erflärete fich ofe fentlich vor den vermeinten Demetrium. Eben diefe Parrey ergrif Michael Soltifow, wiegelte das Volk zu Moskau auf, woräber Feodor gefangen, und auf Demetrit Befehl erwürget wurde, Diefer beftieg munmehro den Thron, verlor aber gleichfals vie Zuneigung der Ruſſen, da feine Aufführung den eingeführten rußifchen Sitten und Gebräuchen gar nicht gemäß war. Baſilius Zusky machte einen Anſchlag, ihn aus dem Wege zu räumen, Fam aber darüber in die Aufferfte Gefahr, den Kopf herzu⸗ geben. Weil jedoch der fogenannte Demetrius fortfuhr, ſich polnifcher Sitten zu bedienen, und befonders die Ruſſen 1606, bey Gelegenheit feines Beilagers mit Mas tin Gorgona, des Woimoden von Sendomir Georg Mnisceck Tochter, zu viels fältigem Misvergnägen reigte, fo zettelte Bafilius Zusky mit feinen beiden Brüdern einen Aufftand an, in welchem Demetrius, Peter Bosmannow und viele andere von dem Hofſtaat das feben verloren. Mir dem polnifchen Srauenzimmer wurde uͤbel umgegangen ‚. die Großfürftin aber, die ſich in der erften Wut verſteckt, nach Beraus bung ihrer ‚Roftbarfeiten nach Jaroslaw ins Gefaͤngniß gebrachte. Baſilius Zuss ky, oder wie ihn andere nennen, Suisky, folgte nunmehro zwar, weil er von feis ‚ner Mütter wegen das nächfte Recht zum Throne Hatte, in der Wire eines Czaars, weil aber der Ruf entftand, daß ſich Demetrius tem Blutbade durd) die Flucht ent⸗ zogen, ſo ließ fich feichtlich aus der Rachfucht der Polacfen alles das Uebel voraus⸗ fehen, was nachher Rußland viele Jahre Hinter einander auf eine faft unerhoͤrte Art betroffen hat. Hiedurch fiel die Hofnung Sigismundi weg, eine ftarfe Huͤlfe gegen. die Schweden in Liefland zu erhalten d). — Potnifhe ans ⸗Er hofte aber vom Ehurfürften von Brandenburg, der wegen der vor 100 Jah⸗ ruhen verhin ren geſchehenen Stiftung der hohen Schule zu Frankfurt eine Aubelfeier halten Taf dern die beleh⸗ nung mit Preuſſen. fen e), eine anſehnliche Gelohülfe zu erlangen, wenn die preußiſche Lehensſache zur völligen Richtigfeit gebracht wäre. - Es war diefes eine Haupturfache, warum et auf den 7ten Merz einen Reichstag nach Warfchau anſetzte. Der Adel im Herzogrhum Preuſſen glaubte bey dieſer Gelegenheit groſſe Freiheiten zu erlangen, und hatte aus | | RN ig diefer d) Hofmanns Sammlung ungedruckter Nachrichten T, 2 p. 47% | e) Ada Iubilaea Francof. publisa, : Churfürft Joachim Friedrich. 405 diefer Abſicht den Dtto von der Gröben nad) Warſchau geſchickt, und zu den Reis 1606, ffoften aus den fandfaften zu Bartenflein und Oſterode Geld zu nehmen erlaubt. Auch unſers Churfürften Gefandten langten zu Warfchau an. Die Abgeordneten aus. dem polnifchen Preuffen Hatten in ipren Berhaltungsbefehlen den Auftrag, für das Churhaus Brandenburg wegen ver preußifchen tehensempfahung mit Beibehal⸗ tung der alten Verträge mit Polen und der Freiheit des fandes alle Sorge zu tragen. Diefem Auftrag zu Folge bat den ı2ten April in einem Gehör Niewieſczinsky, ein pommerellifcher andbote, den König, die tehensfache mit dem Churfürften von Bran⸗ denburg zur Enpfchaft zu bringen, zugleich aber. fuchte er vor den Adel des Herzogs thums mit dem im polnifchen Antheil gleiche Freiheiten auszumirfen, und ihm Durch feine Vorfprache das Necht zu verſchaffen, von den Ausſpruͤchen feines tandesheren ſich auf das polnifche Tribunal zu berufen. Endlich verlangte derſelbe vor die Ritterſchaft Bevollmächtigte, um deſſen Befchwerden zu unterfuchen.. Der König erfannte die - Billigfeit der churbrandenburgifchen Belehnung , ſahe aber zugleich, die Unbilligfeit desjenigen ein, was der pommerelliſche tandbore vor die Rittetſchaft des Herzogthums Preuffen geſucht. Er ließ daher durch den Unterkanzler Mninsfy auf diefen Antrag antworten, daß er dem Adel des Herzogthums Preuffen ohne Nachtheil feiner eigenen Nechte weber die Berufung an das polniſche Tribunal, noch. die Freiheiten der Ein gefeffenen des polnifchen Antheils verftatten Fonne, Es bliebe dem Könige ‚vor dens felben nichts. weiter zu thun übrig, als beim Churfürften von Brandenburg Bow fprache vor denfelben einzulegen. Uebrigens ward weder in Reiches noch) preußifchen “ Angelegenheiten etwas heilfames befchloffen, fondern der Neichstag endete fich den ıgten - April wegen Uneinigfeit der Stände ohne allen Nusen. Es Fam vielmehr in diefem Staat fo weit, daß gegen den König felbft eine Verbindung gefchloffen wurde, welche man in Polen einen Rokoß zu nennen pflegt. Diefes waren die Urfachen, warum die preußifchen tehensangelegenheiten auch in diefem Jahr vom churbrandenburgi⸗ ſchen Hofe nicht beendiget werden konten f). ug | Ben en a2 i $. 170, In Deutichland gaben die Religionsangelegenheiten und die Beſchwerden gegen Mit dem kai— den Faiferlichen Hof faft zu gleichen Unruhen Gelegenheit. Selbſt die Prinzen des — —— Erzhaufes. Oeſterreich waren mit des Rudolphs 2 Nachlaͤßigkeit in der Regierung reihifhen des ganzen Reichs ſowol, als feiner Erblande, unzufrieden. Insbeſondere zeigte ders prinzen unzu⸗ ſelbe zu wenigen Eifer, die kaiſerliche Wuͤrde feinen Brüdern oder Vettern zu ven ſrieden. ſichern, welches doch jederzeit eine Hauptabſicht in dem Betragen der oͤſterreichiſchen Kaiſer geweſen, und ſich ſogar auf Haus vertraͤge gruͤndet. Die damals lebende Prin⸗ zen. Oeſterreichs beſorgten daher, daß endlich ihr Erzhaus durch Fahrlaͤßigkeit des Kaiſers um den groͤſten Theil ſeines Anſehens und ſeiner Vortheile kommen moͤchte. Dieſerhalb verbanden ſich des Kaiſers Brüder, Matthias und Maximilian, nebſt def ſen Eee 3 ) Kern er pseußifche Geſchichte unter Sigism. ad h. a. Erlaͤutertes Preuffen T. 3 p. 395. 396. | : 1606, Derchurfürft beſchickt den churfuͤrſtentag zu Fulda. Streit der re⸗ ligionsver⸗ wandten in der werthei⸗ miſchen und donau⸗ werthſchen ſa⸗ che. 486 38. 8 Hauptft: Neuere Geſchichte von Brandenburg. fen Bertern Ferdinand und Maximilian Ernfk, dag fie veft zufammen halten, Mat⸗ thia, als dem Haupt des Haufes, beiftehen, das gute Bernehmen mit der Kröne Spas nien beffer aufleben laſſen, fich mit dem Erzherzog Albrecht in ven Niederlanden verein gen, und alle Mittel anwenden wolten, um für den Matthiam die Kaiferkrone zu ers halten. Die überhand' nehmenden Neligionsftreitigkeiten machten dem Erzhaufe bie meifte Beforgniß, daß folche kuͤnftig feinen Vortheilen nachteilig feyn möchten ER Eben diefer wenige Eifer des Kaifers, fich der Gefhäfte anzunehmen, vermochte auch die Churfürften, eine Zufammenfunft in Fulda zu Halten, um auf Mittel zu finnen, denen zu beforgenden Unruhen vorzubeugen.“ Da Böhmen zu diefen Zeiten die Churfürftentage nicht befuchte; fo waren auf dieſer Berfammlung nur ſechs Churfuͤr⸗ ſten durch Geſandte etſchienen. Joachim Friedrich Hatte ven JIdachim von terfeld nd Simon Ulrich Piſtorius dahin abgefertiget. Weil aber die drey geiſt⸗ fichen Churfürften entholifch, Pfalz, Sachfen und Brandenburg aber Proteftans ten waren; fo verurfachte Die gleiche Zahl der Stimmen von beiden: Keligionsparteien ſowol ungfeiche Abfichten, als auch fehr entgegen gefeßte Maagregeln. Beſonders un⸗ tetredeten ſich die drey geiſtlichen Churfürften, wider Die heidelbergiſche Correfpondeng ein Gegenbuͤndniß zu machen, Die Irrungen beiverfeitiger Religionsverwwandten wur⸗ den alſo hierdurch mehr vermehret, als vermindert, beſonders da noch andere Unmftäns de dem Fünftig auszubrechenden Feuer mehrere Nahrung verfchaften bh). Die Strafen von Loͤwenſtein hatten mit einer Erbtochter der Grafen von Ber heim deren tändereien erheiratet. Weil ſolche aber groͤſtentheils wuͤrzb urgi e ke güter waren, ſo 509 der Bifchof dieſelben ein, und wolte fie den proteftantifchen fen von Löwenftein Wertheim nicht einräumen. Dieſe riefen bie — | Stände zu Hülfe, die ihnen auch zugefagt aber fehlecht gehalten wurde. Demohners achtet ſuchten die Grafen gegen den Biſchof Gewalt mit Gewalt zu ae. und hiel⸗ ten ſich in verfchiedenen leichten Treffen ungemein tapfer f), > Die meifte Verbitterung verurfachte ohne Streit dasjenige, was mit werth vorfiel. Als dieſe Reichsſtadt die Kirchenverbeſſerung einfuͤhrte, hatte ſie unter andern das unter ihrer Gerichtsbarkeit ſtehende Kloſter zum heiligen Kreuz bey der ca⸗ tholiſchen Religion gelaſſen. Mur war dem Abe nicht erlaubt, einen feierlichen Um⸗ ‚gang durch die Stadt, fondern nur uns Klofter zu halten. Um diefe Zeit fiel es dem Praͤlaten ein, mit allen Feierlichfeiten, die in der roͤmiſchen Kirche üblich, durch die Stadt zu ziehen. Er füchte und erhielt von dem Faiferlichen Hofrath hiezu die Erlaub⸗ niß, ohne alle Einwendung einen Umgang durch die Stadt zu halten. Er zeigte ſolche bey der Gelegenheit eines Begräbniffes eines catholifchen Bürgers dem Stadtrarh vor. So wenig aber der Fatferliche Hofrath auch" berechtigee zu ſeyn fehien, eine ſolche Er⸗ er; zu ertheifen; fo fieß man, aus Ehrfurcht gegen den Kaiſer vor dismal dem Abe g) Rünichs Reichs archiv Part. Spec, Cont. 2. b) Londorpius Th... Meyers Kondorpii Suppl. Th. 1. rn —— Tab, Gen, "366, Imhof — brocer. imeũ ex edit, Köbleri L. 8 ey 84 Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 407 Abt ſeinen Willen. Dieſes Nachgeben der; Obrigleit machte den Praͤlaten kuͤhner. Er wolte am Mareusfeſte eben ſo feterlich durch die Stadt ziehen. Der Stadtrath that alle Gegenvorſtellungen, wogegen der Abt vom kaiſerlichen Hofrath neuen Befehl ers hielt und aufzeigte, ihm den Umgang ohne Widerrede zu verſtatten. Die meiſt pro⸗ teftantifche Buͤrgerſchaft erkannte das unregelmaͤßige Betragen des Praͤlaten. Ob nun gleich der Stadtrath alle Thaͤtlichkeiten unterſagte, ſo laͤſt ſich doch das gemeine Volk, bes ſonders in geojien und Reichsſtaͤdten, nicht leicht baͤndigen. Als der Umgang erfolgte, kam es zu einem Auflauf und zu Thaͤtlichteiten. Man mishandelte den Abt, ſeine Be⸗ gleiter und Heiligthuͤmer, und noͤthigte den erſtern, nach feinem Kloſter zuruͤck zu Feb ren. Hieruͤber beflagte fich folcher am Faiferlichen Hofe. Der Hofrath nahm fich noch immer deffelben an, befahl der Stadt, die fünftigen Kreußgänge bey Strafe der Acht nicht zu hindern, und trug dem Herzoge von Baiern Marimilian, aller Gegenvors ftellung des Raths ohnerachtet, auf, ‚den Abt in feinem Vorhaben zu fehügen, und wegen deſſen, was bereits vorgegangen, eine Unterfuchung anzuftellen. Deſſen abger ordnete Raͤthe fanden fich 1607 wirklich in Donaumerth ein. Hieruͤber entſtand in der Stadf ein neuer ferm, und weil ſich dabey die Bürger mit Schimpfreden, obgleich niche mie Thäclichfeiten, vergangen; fo erfolgte von Geiten des Faiferlichen Hofraths die wirkliche Uchtserklärung gegen diefe Neicheftadt. Die Unterhandlungen, die vor Bekandtmachung derfelden angeftellet wurden, Famen nicht zum Schluß. Die Acht ward darauf wirflich fund gemacht, und die Vollſtreckung derfelben dem Herjog von Baiern aufgetragen. Dieſer verſaͤumte feinen Augenblick, eine Stadt in feine Ge: wvalt zu bringen, die dem baietifchen Haufe fehon längft anftändig gewefen, Der Ort “ fühe fich gezwungen, dem Herzoge die Thore zu öfnen, welcher fie feit der Zeit afs feis me wirkliche landſtadt zu behandeln anfteng. _ Cr machte fofore in Maag und Gewicht Aenderingen. Doc; die etgeblichfte Deränberung betraf den proteftantifihen Got, tesßienft, da.alle evangeliſche Kirchen denen Gefuiten und andetn cathlifchen Geift fichen eingeräumet twurden. Keine Sache hätte zwifchen Proteftanten und Catholis ken mehr Berbitterung machen Fonnen, als diefe. Aber auch bey Feiner Sache hatte tet dem - Gerichtbatfeit in Reichsſtreitigkeiten zuſtehen wolten; fo nimmt er fich doc) eines ca⸗ thofifchen Unterthanen ‚gegen deffen evangeliſchen Sandesheren in einer unbefugten Sache an. Weil die Fatferlichen Hofrathsbefehle, die weder von Billigkeit noch Recht unterſtuͤtzt waren, die leidende Buͤrgerſchaft zur Verʒweiflung bringt und Thaͤtlichkeiten veranlaffet; fo maßt ſich diefer ganz catholiſche Hofrath das Hecht an, bie Stadt zu ächten, und ihren gefährlichften Nachbar, den Herzog von .Balern in diefe Sache zu mifchen,. der auch der Gelegenheit wahrnimmt, die Stadt um ihr groftes Kleinod, um ihren otteedtenft und ihre Reichsunmittelbatkeit, zu bringen. _ &o unerträglich die ganze Behandlung diefer Sache denen Proteftanten überhaupt ſeyn mufte, fo wehe dadurch dieſer fonft anfehnlichen unmittelbaren Neichsftadt gefehahe; ſo fanden doch einige Reichs⸗ der kalſerliche Hofrath mic fo wenig Recht und Maͤßigung verfahren, als hier. Ohn⸗ rac ſelben die Proteſtanten ſowol, als andere Staͤnde, noch keine ordentliche 1606. 1607. 408 3° 8 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1607. Reicheſtaͤnde insbefondere Hiebey zu Flagen Urſach. Gonverlich war der ſchwaͤbiſche Kreis hoͤchſt unzufrieden, daß die Vollſtreckung der Acht gegen eine zum ſchwaͤbiſchen Kreife gehörige Reichsſtadt dem Herzoge von Baier überragen worden, da ſolches ein Hecht des Kreisausſchreibeamtes, und daher den Freisausfchreibenden Fürften des ſchwaͤ⸗ biſchen Kreiſes, die Ausfuͤhrung der Reichsacht haͤtte uͤberlaſſen werden ſollen. Man erkannte die Abſicht des kaiſerlichen Hofraths gar wohl, daß ſolcher den Herzog von Wuͤrtemberg mit dieſem Geſchaͤfte nicht beladen, weil ſolcher als ein Proteftant, der auf die Reichsſtadt Donawerth fein Auge hatte, nicht fo hurtig und eifrig zu Werke gehen wuͤrde, ald der Herzog Marimilian von Yaiern. Der ſchwaͤbiſche Kreis bezeigte daruͤber fein Misvergnuͤgen auf dem Kreistage zu Ulm kl). Der churfuͤrſt Ein ſolches Betragen derer Catholiken gegen die Proteſtanten machte auch uns —* —* ſern Churfuͤrſten ſehr aufmerkſam. Er hatte ſchon laͤngſt beſchloſſen, ſeinem jweiten org mit Ja: Prinzen Marggraf Johann Georg und deſſen männlichen Nachkommen das Secop gerndorf ab. thum Jaͤgerndorf mit feinen Zubehörungen zu ihrer Abfindung einzuräumen. ea that folches wirklich, damit dies Gefchäfte bey den Staatsbedienten Kudolphe 2 nicht Hinderniffe finden koͤnte. Cs ward alfo das Herzogthum Fägerndorf mit feinen Zubehoͤrungen nunmehro dem Marggrafen Johann Georg und feinen Fünftigen männs lichen Erben, jedoch. unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, eingeräumet, daß. nach des ren, Abgang diefes Erbſtuͤck des hurbrandenburgifchen Haufes, laut dem gerafchen Grundgeſetz, an daſſelbe wieder zuruͤck fallen moͤchte. Der Churfuͤrſt vergaß alfo pie bey nichts, was nur dienlich war, das wohlerworbene Herzogthum Jaͤgerndorf mie denen dazu gehörigen Herrfihaften bey feinem Churhaufe zu erhalten . | Verliert ſeine _ Dagegen büfke er feine noch junge Gemalın die preußif.he Prinzeßin zweite gema: i | n lin. | 29 Bi ' de Prinzeßin Ceonora ein. Er hatte fie auf das zaͤrtlichſte geliebet, und ward von ihr mit einer ge flen Hoch⸗ achtung verehret. Aber felbit die Liebe bereitete der Churfürftin das Grab, „Sie faın den 22ften Merz mit. einer Prinzeßin Maria Eleonora nieder. Dies aber koſtete der Mutter nad) 9 Tagen felbft das Leben. Die Churfürftin farb den ziſten Merz, und berfeßte dadurch ihren hinterlaffenen Gemal in die Aufferfte Pereäir TE Errichtet die. (8 zerffreuete folcher feine Betrübte Gedanken durch die lobensmwurdigiie Defehafs Iacimschat: eigung, davon fein ganzes faud den erbeblichften Nußen sieben fülte. Uuf feine Kos fche fuͤrſten⸗ a, TEN el — —0 ſchule. ſten ward zu Joachimsthal, nahe bey Neuſtadt ⸗Eberswalde vor die Sandesfinder eine Fuͤrſtenſchule von Grund, auf gebauer, und ſowol mit tüchtigen lehrern, als auch mit anfehnfichen Einkünften verfehen.. Bey Einweihung diefer. fandesichufe jow Eye der dazu gehörigen Kirche, . welche den 2aften Auguſt vor fich gieng, befand fic) der Churfuͤrſt perfonlich gegenwärtig... Inden folgenden Zeiten ift dieſe Joachimsthalſche Särftenfehule nach Berlin verlegt, und hat ſeit ihrer Stiftung bis auf unſere Tage der Kirche und dem Staat viele wuͤrdige Glieder zubereitet 2). — | | | - Die k) Ada publica, die diefer Sache wegen herausgefommen. 7) Eeenitius, Hr, von Sonmersber * m) Cernitius. Ihre Grabſchrift ſtehet im Alten und Neuen Berlin. m) Cernitius. 1 ‚ ” Neichstag nach Negenfpurg aus. Unſer Churfuͤrſt ſchickte ebenfals feine Gefandten 4 Churfürft Joachim Friedrich. 209 Die preußifche Belehnungsſache lag den Chuufürften ebenfals am Herzen. Der 1607. König Sigismund 3 hatte auf den May einen Reichstag nach Warſchau ausge In Poten fhrieben, und die Berichtigung der preußifihen Sache zum Reichstagsgeſchaͤfte ge reg made. Daher hatte auch das polnifche Preuffen feinen Abgeordneten aufgetragen, leidiger, ſich zu bemühen, daß dieſe Sache mit Vorbehalt der alten Verträge, des Föniglichen tes benrechts, der Freiheit ver herzoglichen Unterrhauen, der Berufung an den Foniglichen Hof und einer ungefränften Uebung der römifch- catholifchen Neligion völlig zu Ende gebracht werden möchte. Unſer Churfürft hatte ebenfals Gefandte auf diefen Reiches tag abgehen laffen. Aber die durch den gemachten Rokoß erregte Unruhen in diefem - Reich hatten bereits zu tiefe Wurzeln gefchlagen. Die Misvergnägten übten fehon uͤberall Gewaltthaͤtigkeiten aus. Sie vergriffen fic) fogar, gegen das Voͤlkerrecht, an denen nach Warſchau veifenden brandenburgifchen Geſandten, und erfihlugen den ©efandrfchaftsfeererair. Sie giengen fogar fo weit, daß fie den 23ſten Jun. den Koͤ⸗ nig des Neichs verluftig erfläreten, den Thron vor erledige ausgaben, und die Anhäns ger des Monarcyen als Feinde des Daterlandes anfahen. Die Urheber diefer Auss fhweifungen waren der Woywod von Krafau Zebrzydowsfi, der Woywod von Nas wa Grudzinsfi, der Caftellan von Pernau Strabowski, der litthauiſche Schens fe Zohann Radzivil und Johann Felir Herburt. So bald ver König folches er⸗ fuhr, ließ er die Anhänger des Rokoß für Reichsfeinde ausrufen, und denen, foim Unges horſam verharren würden, die Strafe des Meineides anfündigen. Dies war zugleich eine Genugthuung vor dasjenige, was den brandenburgifchen Gefandten begegnet. Aber die innerlichen Unruhen Hinderten doc) den König, auf dem Reichstage die preußifche Belehnungsfache zu Ende zu bringen. Es kam fogar zwiſchen ihm und den Anhaͤn⸗ gern des Rokoß zum Kriege. Die letzteren wurden zwar den bten Jul. bey Guzowo gefchlagen, fie Famen aber im September mit einem frifchen Heer zum Vorſchein, und legten die Waffen nicht eher, als bis im folgenden Jahr, aus den Händen 0). - 4 a ! Faſt gleiche Folgen befürchtete man in Deutichland zwifchen den beiderfeitigen Cr beſchickt Reltgionsverwandten. Der Kaifer Rudolph 2 fehrieb der Tuͤrkenhuͤlfe wegen einen — — auf dieſe Berſammlung. Sie war aber wegen der Verbitterung beider Parteien vols fer Zwiſtigkeiten. Man ftritte unter andern über die Frage, ob die Berathfchlagung derer Punfte in der Ordnung vorgenommen werden müfte, als der Kaifer folche bey Erbfnung des Neichstages vorgelegt. Eine andere Streitfrage betraf die Geld» und Hülfsbewilligungen, bey denen man zweifelte, “ob folche durch die Mehrheit ver Stims men befehloffen werden koͤnten, fo daß alle Stände dazu gehalten wären. - Endlich lies fen von denen meiften evangelifchen Ständen 1608 gemeffene Befehle bey ihren Reiches 1608. tagsgefandten ein, darauf zu dringen, daß vor allen Dingen Donawerth in ven voris gen 0) Kerr Lengnich ad h. a. und Cernitius. Plallg preuß · Geſch. 3Ch Fff 410 38h. 8 Hauptſt. Neuere Gefihichte von Brandenburg. 1608, gen Stand gefegt, denen öfterreichifchen Unterthanen die gehemte Religionsausuͤbung, nach Inhalt der darüber aufgerichteren Vertraͤge, geſtattet, der Kirchen» und Landfrie⸗ den aufs neue bevefliget, und das gute Bernehmen der Stände des Deutfchen Reichs wieder hergeftellet werden müfle, ehe man fich entfchläffen Eonne, neue Hülfe zu ber willigen. Hieruͤber zerfehlug fich aber die ganze Reichstagsverſammlung fruchtlos, ohne daß die Proteſtanten zu Erledigung ihrer Beſchwerden einige Hofnung erhalten haͤt⸗ ten, ohnerachtet ſolches um ſo viel noͤthiger ſchien, da man catholiſcher Seits die Guͤltigkeit des Religionsfriedens in öffentlichen Schriften in Zweifel zu ziehen angefan⸗ ‚gen. Ein zu Dillingen von einem Jeſuiten herausgegebenes Buch p) vermeinte fols ches aus dem Grunde zu behaupten, weil der Religionsfrieden ohne des Papits Eins willigung gemacht fen, ohne welchen doch in Religionsfachen nichts gültiges gefehloffen wer⸗ den koͤnne. Die Catholifen erkannten zwar auf dem Neichstage die Billigkeit der Forderung der Evangelifchen, den Neligionsfrieven zu erneuren; aber fie verlangten, daß die Proteftanten vorher alle feit dem paffauifihen Vertrage an fich gezogene geifts Jiche Guͤter und dem geiftlichen Vorbehalt zuwider an fich gebrachte Stifter wieder Gens ausgeben folten N): | Verſamm⸗ Von dieſer Zeit an aͤuſſerte ſich das Mistrauen ————— Religlonsverwand ⸗ — ten gegen einander oͤffentlich, und ein jeder Theil fieng an, wider den andern ſich in fürften zu Kriegsverfaſſung zu feßen. Die correfpondirenden Fürften kamen auf churpfälzifches Aſchhauſen. Ausfchreiben zu Afchhaufen in Franken zufammen, und Fehrten dafeldft Anftalten zu ihrer Bewafnung vor. Sie verglichen fich, zufammen eine Summe von 300000 Gulden aufzubringen, um hiermit vor der Hand die benoͤthigten Ausgaben beftreis ten zu koͤnnen. Man verglich fich darüber, was ein jeder Bundesgenoffe zu dies fer Summe beitragen folte. Sie ernannten fogar bereits den Fürften Ehriftian von Anhalt, damaligen Statthalter in der Oberpfalz, zum Feldherrn ihrer Fünftigen Kriegsvoͤlker r). Churfuͤrſten⸗ Dieſe bedenklichen Sctöfe Andi. die Churfuͤrſten — daß ſelbige ebenfals tag zu gulda. nochmals zu Fulda ſich verſammleten. Churfuͤrſt Joachim Friedrich beſchickte dieſen Churfuͤrſtentag durch den Thomas von Kneſebeck, feinen Nach und Hauptmann der - alten Mark, und ven geheimen Rath Simon ifvich Piſtorius. Weil aber die Herren Churfürften in ihren Meinungen eben fo getheifet, als die übrigen Neichsftäns de, waren, fo Fonten fie ſich wegen der Mittel, das Reich vor einem inneren Kriege zu fichern, nicht vereinigen; da zu eben der Zeit unter den Prinzen des Erzhaufes De fterreich ſelbſt Thaͤtlichkeiten ausbrashen, Die wir aber unter der Tiegierung des folgen, den Churfürften erzählen wollen s). Fl — Denn Churfuͤrſt Joachim Friedrich, welcher in biefem Jahr bie Kirchenges —— braͤuche, die im Dom zu Berlin ſeit ven Zeiten Joachims 2 noch uͤblich waren, in den 2) —— war: Compoſitio pacis. r) Londorpii Alta Publ. T.ı. Becmanns q) Lehmanns Ad. Pac, Relig. T. ı p. 253. anhälsifche Gefhichte Ih. 2. Caxraffa Germ, Boldafti Reihshändel p 946. Londorpius T,ı facra perturb. et reftit. p+ 37. Bhevenhüller Th, 8. | s) Buders Sammlung ungedruckter Schriften, | Churfürft Joachim Friedrich. 411 ben übrigen Kirchen aber abgeſtellet worden, bier ebenfals abſchafte, erlebte die Haupt 1608, bewegungen nicht, welche dem Vaterlande den ungluͤckſeligen dreißigjaͤhrigen Krieg zus gebraͤuche ab— gezogen haben 7). | geftellet. Er befand fich den ızten Zul. mit feinen Herren Söhnen Johann Georg und Der churfuͤrſt Ernft zu Storfow, und war diefen Tag ungemein aufgeweckt. Gegen Abend mel, firdt. dete er feinem $eibarze Doctor Johann Müller; er beforge, daß er feine alte Plage, nemlich die von Blehungen herrührende Beängftigungen, wieder befommen wiirde. Nach Mitternacht Flagte er, daß ihm gar nicht wohl wäre. Es ward ihm gerathen, zu meh rerer Pflege nach Berlin abzureifen. Man mufte den Herrn aber erft dazu bereben, weil er fich, die neuen Waffergebäude zu Steinfurt zu befehen, vorgefegt hatte. Er beitieg alfo den ıgten ul. mit dem Grafen Hieronymo Schlick und feinem seibarze ben Wagen, Kaum war er des Morgens vor die Stade Storkow gefommen, als er in die Worte ausbrach: er wolte 100 Thlr. darum geben, wenn er ſchon in Berlin: wäre, Nachher fang er mit feiner Neifegefellfchaft verfihiedene tieder mit groͤſter Ans dacht, gefalteren Händen und gegen Himmel erhobenen Augen. Sodenn fagte er: er wolte verſuchen, ob er fchlafen koͤnte. An der erften Fähre überreichte ihm ein berlis niſcher Zimmermann eine Bittſchrift, worin er fich beſchwerete, daß fein Schwager zu Fuͤrſtenwalde erfihlagen worden. Der Ehurfürft ſchlug darüber die Hände zuſam⸗ men, und brach in die Worte aus: Lieber Gott, wie wird das Todtfchlagen und die Hurerey fo allgemein, Gott muß das fand flrafen. Als er hierauf ohngefehr drey Viertelmeilen weiter gefahren, und nicht weit von Coͤpenick angelanget war, fehrie er auf: Hilf GOtt, wie gefehicht mir. Der Graf Schlick fahe fich nach im um, und hoͤrete nochmals aus feinem Munde die Worte: Ach GOtt Hilf mir! Diefe aber was - ven auch die legten Merfzeichen feines lebens, denn in Demfelben Augenblick gab er, vom Schlage gerühret, feinen Geift auf. Man führete feinen erblaften Körper fos gleich nach Berlin weiter fort, und ließ feinem hinterfaffenen älteften Prinzen und nunmehrigem Churfürften Sfohann Sigismund die Nachricht durch eilende Boten nachſchicken. Es war der neue fandeshere eben auf einer Neife nach Preuſſen begrifs fen. Der groffen Beränderung ohnerachtet feste folcher feinen Weg weiter fort, und die wichtigen Angelegenheiten des Herzogthums lieffen ihm nicht zu, dem Begraͤbniß feines Heren Vaters perfönlich beizumohnen. Doch befahl er feinem indeflen von ihm beftellten Statthalter Adam Gans Freieren von Putlitz, die Beforgung der Bes ftattung zur Gruft zu Übernehmen. Die Beifegung des churfärftlichen beichnams in das Erbbegraͤbniß zu Berlin gefehahe den ten Sept. mit allen anftändigen Feierlich⸗ feiten. Dach einer Verordnung, die der erblaßte Herr den rzten April des vorigen Jahres auf einem Täflein eigenhändig unterfehrieben, und zur Nachricht in das Erbbegräbniß fegen Iaffen, ward fein Sarg auf die Särger feiner beiden Gemalinnen gefegt 2): * 2 ‘ . 173 #) Cernitius. an fiehet,, die folgendergeftalt u #) Cernitius. Gediccus Leichenpredigt, Ale „Joachimus Fridericus, Marchio Brandeburgicus und Neu Serlin ©. 56 und 57, wo auch feine ex antiquiffima comitum a Zollern a in 2 ARE eitur 1608. Der hurfürft Eeine erfte gemalin, -D. Auguftum defun&tum. 412 3 Th, 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. * 173. * — Unſer Churfuͤrſt war noch Erzbiſchof von Magdeburg, als er ſich vermäfte, vermaͤlt ſich. Andreas von Holzendorf hatte unter denen magdeburgifchen Domherren zuerſt das Herz, fich zu verehligen, und Joachim Friedrich trat unter allen Erzbiſchoͤfen zuerft in den Eheſtand. Aber er befam auch) deswegen von Seiten ver Catholifen vie Widerſacher, ob es ihm gleich auch nicht hierin an Nachfolgern fehlte. 8 N Seine erfte Gemalin war Catharina, eine Tochter Marggraf Johanns von Cuͤſtrin und Catharinaͤ, geborner Herzogin von Braunfchweig- Lüneburg, gebor ven den oten Auguſt 1549, und vermäle den sten San. 1570 zu Cuͤſtrin. feitur Anno Chrifli 1546 Ianuarit die 27 circaho- ram quintam vefpertinam, Patre lohanne Geor- gio Electore; Matre Sophia, Friedrici LI, Ducis Lignicenfs filia, none polt partum die mortua. Infans vtero extraftus vix ſemiuiuus, vino lotus Maluatico, aliisque aquis preciofiflimis recrea- tus, aegre in vitam reuocarus.elt. Adolefcens vixit aliquandiu in Aula MaximilianiII_ Impe- ratoris, cuius caftra fecutus, militauitin Pnga- ria. Anno Cbrifli 1570 nuptias Cujtrini cele- brauit cum Catharina, Iohannis patrui March. Brand. filia. Circa haec tempora Magdebur- gum ingreffus. Adminiftrator Archi- Epifcopa- tus illius et Pıimas Germaniae defignatus eft: Quam prouinciam cum auftoritate et dignitate fumma fuftinuit, vsque ad annum 1598, quo in Elc&oratu füccefir patri. Hoc autem vltimo vitae ſuae decennio, quo gubernauit Marchiam, princeps fuit, curis qua publicis, qua priuatis fufque deque affidtus. Poft mortem Marchio- nis Georgüi Friederici, Ducis Prufliae, Ducatum illum ad fe pertinere videns, nullis pepereit fümpyibus, vr eo potiretur. Alia alibi per le- gatos adıniniftrata funt, de quibus annales ali- quando loquentur publici-. Anno integro non- dum elapfo tribus filiis aetate et indole fioren- tibus orbatus eft. Anno 1602 Catharinae con- ingis mortem deplorauit intimitus, Hinc ad vota fecunda tranfiit, in motrimonium ducens Heleonoram Dueiſſam Pruffise, quae eripfa, poft annos tres eum femifle die a partu nono expi- rauit, Ex Catharina priore coniuge filios ſuſce- pit feptem: D.D. Iohannem Sigismundum Ele- ctorem Brandenburg. D.D. Iohannem Geor- gium Ducem Silehae in Iegerndorff etc. D. D.D. Albertum Fridericum defuntum. D. D. Erneflum ge- mellum alteram, D.D. Chriftianum Wilhelmym poitulatum Adminiftrarorem Archi- Epifcopa- tus Magdeburgici Vrimatem Germaniae Filias res: Annam Carharinam nuptam fhriftiano IIII. Regi Daniae, Barbaram Sophiam nondum elo- Da ihr catam. Tertia in ipfo vitae limine extincla eſt. Ex pofteriore: Mariam Heleonoram. luſtitiam fubditis adıniniftrauit aequabiliter, in eoque la- borauit, vt ſummos cum infimis pari iure reti⸗ neret, Furta, latrocinia, adulteria, ftupra, ho» micidia feuere compefeuit. Temperantism vni- ce coluit. Ad arcendum luxnm leges condidit famptuarias. In aquaedudtibus conftruendis non ai voluptatem inanem et oftentationem vanaın fed ad vfum refpexit publicum, vt dene- gotiatione commoda profpicerer ciuibus, Re- ligionis femper fuit retinentiffimus. Paulo an- te fapremum diem aedem Cathedraleın Co- loniae a ceremoniis nonnullis ſuſpectis repurga- si curäuit, eamque reliquis in Marchia Ecelefiis conformem reddidit, cum prius ludum illuftrem, in Valle loachimica ipfius aufpiciis extructa ape- ruillet. Tandem Deo fie decernente, venit ſum- ma dies, et ineluttabile fatum. Nam XVII. Iulii cum in curru hymnos facras eanendo, ho- ras matutinas transmififfet, ex inopinato ma- le fe habere dicens, fimulque complicatis ma- nibus, animam fuam Deo deuote commen- dans, motu, fenfa ac refpirstione in mo- mento amifis, repente concidit, vnde A- poplexia fortiffima fublatum fuiffe conflat. Itaque ferme fine vllo mortis fenfa, viram hanc aerumnofam placidiffime exuit, animam- que fenilem mollis exoluit fopor, quae in cum mox abiit locum, vbi infirmitatem excepit ſa⸗ nitas, luctum hilaritas, mortem immortalitas, vitam aeternitas, expectans in eleftorum refür- retione carnem hofpitam ae domum ſuam, qua cum fatiabitur beatitudine infinita Vixit Prin- ceps ex incomparabili pietate laudatiffimus An- nos LXII. Menfes V. Hebdomadas III. Obiit Anno Chrifti 1608. Aetatis Climadterico dupli- v ridiem, ci multis fatali Iulii die XVIIL paulo ante me- Nicephorus optimum decedentis Prineipis Epitaphiumt » Succeffor Bonus. Herr — er vn Churfinft Joachim FScidrih, 413 Herr Bater der wirthſchaftliche Johann 1571 mit Tode abgegangen, ſo erbte fie unter 1608. andern Reichthuͤmern zwar Beſekow und Storfow , uͤberließ folche aber ihrem Herrn Schwiegervater, zum Beſten des Churhaufes. Sie war dem Lutherthum eifrig zw gethan, und ließ verſchiedene Bücher aufs neue auflegen, und war zu Erbauung vie⸗ ler Kirchen aus ihren Mitteln behülflich. Die Domkicche zu Halle, die Schloßkir⸗ che zu Wolmirſtaͤdt, die Hoffirche in Rothenburg, die Kirchen zu Eolbig, Caps puth, Tempelhof und andere genoffen, fo wie viele Gottesgelehrte, ihre Wohlthas ten. Sie befüchte Kranfe und Schwangere, auch Kindbetterinnen oͤfters perſoͤnlich, amd fieß aus der von ihr angelegten Schloßapothefe vielen die noͤthigen Geſundheitsmit⸗ tel reichen. Sie feßte ein eigen Gebetbuch auf, und ließ folches für ihre Kinder dru⸗ een. Gie that verfehiedene Reifen zu ihren Verwandten und andern fürftlichen Pers fonen, und kam auf einer Reiſe nad) Coppenhagen 1596 ven ıgten Yuguft auf der Oſtſee in tebensgefahr. Sie war erwas hitzig, und ließ fich nicht ohne Strafe befeis digen. Sie farb am viertägigen Fieber, wozu andere Zufälle gefommen, zwifchen 8 umd 9 Uhr Abends den often Sept. 1602, und ward den ıgten October in der churfürftlichen Gruft beerdiget x). Ihre Kinder find: | 1. Sohann Sigismund, geboren zu. Halle den sten Nov. y) 1572 um 7 Uhr Nachs Deren kinder. mittags. Da er im Churfürftenehum gefolget if, fo wollen wir im folgenden von ihm mweitläufiger Handeln. _ 2. Anna Catharina, geboren, nicht, wie einige wollen, den 6ten Zum. fondern den 26ften fun. zroifchen ı und 2 Uhr in der Nacht, oder, wie Angelus fagt, zroifchen ıı und ı2 Uhr in der Nacht 1575. Am Jahr 1587 beſtimmte fie ſchon Kos nig Friedrich 2 von Dännemarf auf der Verſammlung zu Lüneburg zu feiner Schwiegertochter. Deffen Prinz König Chriftian 4 fahe fie zu Berlin und bey Ge legenheit feiner koͤniglichen Krönung 1596. Auf diefer Reife nach Coppenhagen muſte fie den ıgten Auguſt ven heftigften Sturm auf der Oftfee ausftehen. Im Sabre 1897 gieng die formliche Verlobung mir König Chriftian 4 im Auguft ind den arften Nov. das Beilager zu Hadersleben vor fi. Sie ſtarb zu Coppen⸗ hagen den 29ften Merz um ı Uhr Nachmittag 1612. ‚3. Johann Georg, geboren, nicht den 6ten oder 26ſten, fondern den 16ten Der. 1577 um 4 Uhr Nachmittag zu Wolmirftädt. Am Jahr 1583 ward er mit feinem älteften Bruder dem Churprinzen auf die Hohe Schule nach Strasburg geſchickt, und daſelbſt 1592 den zoften May von dem evangelifihen Theil der Domherren zum Biſchof gewaͤhlet. Weil aber ver catholiſche Theil feine Stimmen dem Car⸗ dinal Earl von Lothringen gegeben, fo Fam es darüber zum Kriege, der 1593 durch einen vorläufigen Vergleich beigeleger worden. Sm Jahr 1594 war er feities Herrn Vaters Geſandter auf des Churprinzen Johann Sigismunds DBeilager. Weil Fff3 der x) Cernitius. Rentſch Renſchel. Sim. SGediccus hat in der Leichenpredigt feines Bedicci Keichenpredigt, wo auch, fo wie im Alten Herrn Waters umd feiner Frau Mutter den gtem und Neuen Berlin, ihre Grabſchrift zu leſen. November zu feinem Geburtstage angefeit. x 1608, 414 3%. 8 Hauptft, Neuere Geſchichte vom Brandenburg, der Faiferliche Hofrath bey aller Gelegenheit zeigte, daß er feinem Gegner Carl von Lothringen wohlwolte, fo ließ er ſich in die Verbindungen der correfpondirenden Zürften ein, und beſchickte als Mitglied derſelben von 1599 bis 1602 ihre Verſamm⸗ lungen. In dieſem legten Sahe brach der Krieg mic feinem Gegner wieder aus, und ward ihm alles, bisauf Dachftein, wieder abgenommen. Im Jahr 1603 kam es zum MWaffenftillftande, und auf Nach feines Herrn Vaters nach verfihiedenen Unterhands lungen zu Zabern und Nancy 1604 zum Hagenauer Vergleich, in welchem er das Stift feinem Gegner gegen 130000 Gulden und 9006 Gulden jährlicher Einfünfs te abtrat, und zu feinem Herrn Vater nach der Mark reifere, der ihm 1606 das Herzogthum Jaͤgerndorf zu feinem Unterhalt anwies, wovon er auch 1607 Beſitz nahm. Im Jahr 1608 war er zu Storkow mit feinem Herrn Vater den Tag vor feinem Ableben zufannmen, den er auch) zur Gruft begleiten half. Im Jahr 1616 den zıften Jul. ward er zum Herenmeifter von Sonnenburg erwählee. Weil er die reformirte Religion angenommen, und felbige in Schlefien einführen wolte, befam er darüber einen Nechtshandel bey dem fehlefifchen Dberame. Im Jahr ısız wurden ihm die Herrfchaften Dderberg und Beuthen, der Föniglich boͤhmiſchen + Kammer zum Beften,; abgefprochen. Er Tieß fich aber unglücklicherweife 1618 in den dreißigjährigen Krieg einflechten, bey deſſen Anfang er eine Hauptperfon vors ftellee. Er ergrif in demfelben die Partey des zum König in Böhmen gewählten Churfürften von der Pfalz Friedrichs 5. Als folcher aber 1620 die Schlacht auf dem weiffen Berge bey Prag verloren, fo gerieth ver Marggraf darüber in die Fais ſerliche Acht, welche vor ihm erhebliche Folgen hatte. Der Kaifer beraubte ihn nicht nur des Herzogthums Jaͤgerndorf, welches er dem Fuͤrſten von-Lichtenftein fihenfte, und auf die unbilligfte Art fowol dem Marggrafen, als auc) deffen Peins zen Ernft und den gefamten Haufe Brandenburg entzog, fondern aus Furcht vor dem Kaifer ward auch das Herenmeifterchum 1621, mit churfürftlicher Geneh⸗ migung, vor erlediget erfläret, und diefes Amt dem Ordensfenior Adam von Schlier ben indeffen zu verwalten aufgetragen. Er wehrete ſich gegen feine Feinde bis an feinen Tod. Diefer erfolgte zu Leutfch in Siebenbürgen ven 2 Merz 1624, und ward den 33 Merz zu Caſchau fürftlich begraben. Es wird ſowol Fünftig in der Erzählung des Dreißigjährigen Krieges, als der Gefchichte des Herzogthums Jaͤ⸗ gerndorf von dieſem Prinzen mehr vorfommen. Er hatte fich den zten Jun. 1610 mit Eva Chriftina, Herzog Friedrichs zu Würtemberg Tochter, vermält, wels che 1657 mit Tode abgegangen. Seine Kinder waren: | a) Katharina Sybille, geboren zu Zägerndgrf den 24ften Sept. 1611, ſtarb den ııfen Merz 1612, | — b) Georg, geboren zu Jaͤgerndorf ven ziſten Jan. 1613, ſtarb den roten Nov. 1614 in Berlin. ut | c) Albrecht, geboren den ioten Auguſt 1614, ſtarb 1620, — d) Ca⸗ Churfuͤrſt ZJoachim Friedrich. Als .d) Catharina Sybille, geboren zu Berlin den ııten Oct. 1615, gieng. aber gleich den folgenden Tag wieder mit Tode ab, in 57 Ernſt, geboren zu Fägerndorf den igten Jan. 1617, war eine Zeitlang Srcatthalter dee Mark Brandenburg, und ftarb ohne Erben den 24ften Sept, 2642, ohne daß er jemals fein värerliches Erbe hätte wieder erhalten Fonnen. 4 Auguft, geboren zu Halle vom ı6ten auf den ızten Febr. zwifchen 12 und ı Uhr in der Nacht 1580. Mach dem Heren Abel ift ee Domderr des Hochftifes Stras⸗ burg gewefen. Es ſtarb aber diefer hofnungsvolle Prinz, da er vom dänifchen Hofe zurück gefommen, und eben nach Frankreich und Italien auf Reifen gehen © wollen, zu Berlin ven zaften April Fury nach 8 Uhr des Morgens 1601 an ber Aungenſucht. 5. Albrecht Friedrich, geboren zu Halle den 2often April 1582. Er legte ſich mie vielem Eifer auf die Kenntniß der Gröffen, der Tonfunft und der Mahlerey, ftarb © aber zu Berlin 1600 den sten Der. zwifchen 3 und 4 Uhr Nachmittag. * Joachim, ein Zwillingskind mit feinem folgenden Bruder, ward geboren zu Hals le den ızten April 1583. Er farb aber zu Dresden den roten Jun. 1600, als er bey dem dortigen Hofe einen Beſuch ablegte. Sein Leichnam ward den 22ften Jun. mit groffem Gepränge von Dresden abgeführer, und in dem churfürftlichen Erbbe⸗ —* zu Berlin nachher beigeſetzt. Ernſt ward mit ſeinem vorigen Bruder Joachim auf einen Tag in Halle gebo⸗ ar den ızten April 1583. Als 1602 feine Frau Mutter mit Tode abgieng, war er eben auf Neifen, daher er ihrem teichenbegangniß nicht beiwohnen koͤnnen. Im Jahr 1610 foll er fich, nach Abeld Bericht, unter allen Prinzen des brandenburs gifchen Haufes zuerft zur veformirten Kirche gewandt Haben, obwol andere diefen Umftand vom Marggrafen Kohann Georg von Jaͤgerndorf berichten, der ſchon © 1605 die. reformirte Religion angenommen haben fol. Im Zahr ı6rt ward er zum Herenmeifter von Sonnenburgerwählet, und ift auch. Statthalter der jülichfchen er gewefen. Er farb aber bald nee den igten September 1613 zu rin. 8. Barbara Sophia , geboren zu Halle den ı6ten Nov. oder, wie Gediccus in des nen ihrem Vater und Mutter gehaltenen teichenpredigten fagt, den 23jten Nov. 1534. Sie war ſchon vor dem Tode ihres Herrn Vaters verlobt, und vermaͤlte fich wir lich zu Stuttgard den sten Nov. 1609 an den Herzog Johann Friedrich von Wuͤrtemberg und ſtarb 1636 den ı3ten Febr. 9) Eine Prinzegin, die aber in der Geburt verftorben, von welcher Gediccus in der ihrem Herrn Vater gehaltenen Leichenpredigt und deſſen Grabſchrift Erwehnung thut. so) Chriſtian Wilhelm; geboren zu Wolmirſtaͤdt den 28ſten Aug. um 8 Uhr des Abends 1597. Den ıgten Sept. empfieng er die Taufe. Nachdem fein Herr Vater ‚bie churfuͤrſtliche Regierung angetreten, ward dieſer Prinz, feiner Jugend ohngeach⸗ ‚tet, im Ana 1598 zum Erzbiſchof von Magdeburg gewählt, doch) fo, daß das Doms 1608. 416 3%. 3 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, 1608, Domeapitel bis zu feinem zıften Jahr die Stiftsregierung behalten folte. Im Jahr 1608 ward er in diefes Stift eingeführet, Wir werden von den wichtigen Begeben⸗ - heiten feiner Stiftsregierung in der Geſchichte des Herzogthums Magdeburg aus > fügrficher reden. In dem dreißigjährigen Kriege war er ebenfals eine Hauptperfon, in welchem er geächtet, und der Erzherzog Leopold Wilhelm ſowol, als Herzog Auguſt von Sachfen ſich um fein Stift bewarben. Bey der ungläcklichen Erobes rrung der Stadt Magdeburg ward er 1631 verwundet und gefangen, und bald nach Weolmirſtaͤdt, bald nach Wolfenbüttel, bald nach Ingolſtadt gebracht. Von da kam er nach) Wien, und endlich nach Neuſtadt in Defterreich, wo er den 2often Merz 1632 zur. catholifchen Religion uͤbertrat, woruͤber unter feinem Namen ſowol dee Wahrheitsfpiegel, als auch die Verteidigung deſſelben, ans &icht - fan. Der Marggraf erhielt durch feine Neligionsveränderung feine Freiheit, und bewohnete die brandenburgifche Herrſchaft Seefeld in Oeſterreich. Nach dem 1632 geſchloſſenen Prager Frieden behielt ver ſaͤchſiſche Prinz Auguſt das Hochſtift Magdeburg, ſolte aber dieſem Marggrafen aus den Einkuͤnften des Erzbiſchofthums jaͤhrlich 12000 Rthlr. bezahlen, ſtatt deren in dem weſtphaͤliſchen Frieden 1648 bie + Stiftsämter Loburg und Zinna zu ſeinem Unterhalt ausgeſetzt wurden, die ihm auch 1649 wirklich eingeraͤumet wurden. In der Mark Brandenburg war er mit dem Amte Zieſar abgefunden, und in Boͤhmen beſaß er das Amt Neuhaus und andere Guͤter. Er wohnete zuletzt meiſtentheils zu Zinna, und konte gegen fein tes bensende nicht mehr vernehmlich ſprechen. Wenn er in dieſem Zuſtande ermahnet wurde, wieder zur proteſtantiſchen Kirche zu treten, ſchuͤttelte er den Kopf, und machte ein Kreutz uͤber das Geſicht. Endlich ſtarb er den iſten Jan. 1665. Sein Koͤrper ward nach Boͤhmen gefuͤhret und daſelbſt begraben. Er hat ſich dreimal vermaͤlt. Seine Gemalinnen waren: TEST CH - A) Dorothea Herzog Zulii zu Braunfchweig Tochter, vermält 1615. „Sie ftarb 1649. Ihre Tochter wr 0% | — Sophia Eliſabeth, geboren den 22ften Jan. 1616. Sie vermältefich denig Sept: 1638 an Herzog Friedrich Wilhelm 2 zu Sachfen» Altenburg, und ſtarb den ‚sten Merz 1650. 3; ME B) Barbara Eufebia, oder, wie fie andere nennen, Barbara Elifabeth, des Grafen Jaroslai von Martini, Eonigl. böhmifchen Oberburggrafens Tochter, und. verwitwete Gräfin von Wuͤrben, vermäfe den ızten Febr. 1650. Sie ftard zu Prag im Yun. 1656 ohne Kinder. en Be C) Maximiliana geborne Gräfin von Trautmannsdorf verwitwere Gräfin von MWaldftein, die ſich in Prag mit ihm vereheligte, aber ihm ebenfals feine Kindergebar. Andere ge: Dach dem Tode der erften Semalin, die feines Großvaters Bruderstochter geweſen, malin. vermälte ſich Joachim Friedrich zum zweitenmal mit einer gebornen Marggräfin von Brandenburg Eleonora, des Herzog Albrecht Friedrichs des Blöden von Preuf fen und Mariaͤ Eleonoraͤ gebornen Herzogin von Eleve Tochter, fo daß unfer Ser | . Fünf Churfuͤrſt Joachim Friedrich. 47 fuͤrſt und fein aͤlteſter Prinz Johann Sigismund zwo leibliche Schweftern, der Sohn 1608. die ältere und der Vater die jüngere zur Gemalin hatte. Sie war geboren den ızten Aug. 1583. Nach ihrer erften Erziehung Fam fie frühzeitig an ven berlinifchen Hof, wo fie unfer Churfürft auf eine fo vorcheilhafte Weife Eennen lernte, daß er fie 1603 den 23ften Dt. zur Gemalin ſich antrauen ließ. Sie ſtarb aber neun Tage nach gehaltenem Kindbette den ziſten Merz 1607, und ward den ı6ten April in der churfürftlichen Gruft beigeſetzt. Ihre einzige Tochter war Maria Eleanora, geboren zu Berlin den z2ften Merz und deren “ Bormittags zwifchen 9 und 10 Uhr 1607. Sie vermälte ſich 1631 an Pfalzgraf Lud⸗ kochter. wig Philipp zu Simmern, und far den sten Febr, 1675 2). Cdhurfuͤrſt Joachim Friedrich war ſchwach zur Welt gekommen, und hatte manchen Churfuͤrſt Anftoß in feinen Gefundpeitsun:ffänden. Er erhielt aber feinen Körper durch Nuͤchternheit, Serge Keufchheit und Gelaſſenheit bis zu einem ziemlichen Alter. Thomas Hübner fein tehr m. gemüche; meiſter hatte ihm nicht nur Wiffenfehaften, fondern auch eine tiebe vor die Gelehrten Übers eigenfchaften. haupt, beigebracht. Er verehrte feinen behrer noch, damals, da er bereitöregierender Herr ‚geworden, und gab ihm Dadurch das befte Zeugniß, wie wohl er mit feinem Unterricht zufries den feyn fonne. Er vergalt vemfelben die gehabte Muͤhe auch damit, daß er deffen Sohn Gods him Hübner, einen gefchickten Mann, in die Derfammlung des geheimen Staatsrathe . aufnahın. Er bewies die tiebe zu den Wiffenfchaften theils bey Gelegenheit der erften Jubel feier, welche wegen der Errichtung der Frankfurter hohen Schule angeftellet worden, theils durch die nuͤtzliche und freigebige Stiftung ver jachimsthalſchen Fuͤrſtenſchule. Nach ſei⸗ nem Wahlſpruch: Die Sottesfurcht ift der Weisheit Anfang, ſchaͤtzte er diejenigen am höchften, welche fich einer ungeheuchelten Gottesfurcht befleißigten. Er war, fonderlich ans fänglich, eifrig lutheriſch, fo daß er nicht nur die evangelifche Wahrheit indem Hochftift Magdeburg ohne alle Menfchenfurcht durchgehends einführte, und mir freigebiger Hand den Bau vieler Kirchen beforderte,fondern er. gab fich auch alle mögliche Muͤhe, die Eintrachts⸗ - formal im Hochftife Magdeburg einzuführen. Ach muß aber gefichen, daß er immer mehr und mehr erkennen lernte, wienorhwendiges fen, mit ben Reformirten gegen die Catholi⸗ fen zufammen zu halten. Ex war fo wenig ihr Verfolger, daß er vielmehr diefelben gegen die tömifche Kirche zu ſchuͤtzen bemuͤhet war. Dies war die Haupturſache, daß der berlini⸗ e Hof unter ihm mie dem Churhaufe Pfalz, dem vornehmften ver Meformirten in tichland, in groffer Vertraulichkeit lebte. Daß man ihn, blos feiner Religion wegen, das Sig, und Stimmrecht, das er als Erzbiſchof von Magdeburg zu führen befugt war, verweigerte, und das, was mit feinem Prinzen Ssohann Georg in Strasburg vor gefallen, lehrete ihn, wie noͤthig die gute Eintracht aller Evangelifchen gegen die Ca⸗ tholifen ſey. Weil unter feiner Regierung der Kaifer Rudolph2 durch feinen Hofrath fowol, als durch fremde Kriegesvölfer, die Proteftanten uͤberall zu drucken anfieng; fo na glaubte 2) Sch Habe mich hiebey des Rentfch, Renfchels, Cernitii, Herrn von Dreybaupts, Kern Abels und anderer Nachrichten bedienet. P.allg. preuß. Gefch. 3 Th» Ggg | 1608. 418 3 Ch. 8 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. glaubte Joachim Friedrich, daß blos zufammengefeste Kräfte ver Evangelifchen ein Mircel feyn Fonten, die Gegenpartey ineinigen Schranken zu halten. Es fihienen ihm aber die Bemühungen des churpfälzifchen Hofes, die Proteftanten in die Waffen zu brins gen, gar zu hitzig, und feine Staatsabfichten lieſſen ihm fo, als die Umftände, durch die er wegen Jaͤgerndorf mit dem Haufe Defterreich, und wegen Preuffen mit Polen verbun⸗ den war, nicht zu, die Sache mit der proteftantifchen Correfpondenz fo weit zu treiben, ala folches Churfuͤrſt Friedrich 4 von der Pfalz wünfchte. Er warin den Waffen nicht ganz unerfahren, und hatte fich an feines Herrn Groß + und feines Heren Baters Hofe in Tur⸗ nieren zuweilen wohl fehenlaffen. Er hatte auch in feiner Tugend ſich in dem Faiferlichen Feldlager gegen die Turfen aufgehalten. Als Erzbifchof von Magdeburg hatten feine Kriegsvölfer, fowol zum Beften des Königs Henrichs 4. von Frankreich, als auch feir nes Sohnes des erwählten Bifchofs von Strasburg, fich im Felde gezeigt; aber als Churfuͤrſt ſuchte er allen Krieg forgfältig zu vermeiden. Ohnerachtet das Betragen der Polacken, in Abſicht ver preußifchen tehensfache, ihn zum Kriege wohl berechtiget haͤt⸗ te; fo hielt der Churfürft doch vor beffer, dasjenige mit freigebiger Hand in Polen aus zahlen zu laffen, was ihm auch der glücklichfte Krieg doch würde gefoftet haben. Die Ehre, ein Sieger zu heiffen, fehlen ihn zu theuer zu fen, wenn fie mit dem Blut und den Drangfalen der Unterthanen erfauft werden muſte, fo Tange noch irgend ein ander gelinder Mittel, zu feinem Necht zu gelangen, ven Krieg entbehrlich machte. Seiner Eugen Staatsfunft ift das Haus Brandenburg vieles ſchuldig. Durch den gefchloffes nen geraifihen Vertrag erhielt er nicht nur die märfifchen Staaten völlig beiſammen, mit welchen er die Sandesftifter Havelberg, Brandenburg und Lebus auf ewig vers einigte, fondern unter ihm Fam auch) das Herzogthum Jaͤgerndorf an fein Churhaus, ohnerachtet er wider feinen Vorſatz Gelegenheit gab, daß folches von dem Haufe Oeſter⸗ reich dem Ehurhaufe wieder entriffen wurde, indem er feinen zweiten Prinzen mit dies ſem Herzogtum abfand. Zu feiner Zeit waren die regierenden Prinzen noch zu arm, ihren nachgebornen Söhnen fo anfehnliche Summen anzumeifen, daß folche ſich und die Shrigen ſtandesmaͤßig davon hätten erhalten Fonnen. Dies machte das Mittel, fie mit abgetheilten Regierungen abzufinden, faft unentbehrlich. Beſonders ift es denen Bemuͤhungen unfers Churfürften auch zu verdanfen, daß das Herzogthum Preuſſen weder in andere Hände gerathen, noch mit andern neuen kaften beſchweret worden, obs wol folches die Abſicht des polnifchen Neichs nad) dem Tode Marggraf Georg Fries drichs gewefen. Der Todesfall diefes letztgemeldeten Prinzen war von ver Vorſicht eben auf die bequemfte Zeit veranſtaltet. Cr verhinderte die Abfonderung der Neu⸗ marf von denen übrigen brandenburgifchen Staaten, und gab Gelegenheit, daß die jesigen baireuthifchen und anfpachifchen tinien entffunden. Hier erachte ic) es Zeit zu ſeyn, die Geſchichte der Marggrafen von Brandenburg in Franken älterer tinie, meinen keſern in einem Anhange vorzulegen. US, An⸗ R*5 a 419 EEREEREEETRRTIRR EEE ERI Anbang von denen brandenburgiſchen Marggrafen in Franken aͤlterer Linie. d. 0 175 ie Marggrafen von Brandenburg in Franken älterer Llinie, ſtammen von Nothwendig⸗ zween erwachſenen Prinzen des Churfuͤrſten von Brandenburg Albrechts geſchlechts⸗ Achilles ab. Um aber ihre Geſchichte deutlich vorlegen zu koͤnnen a), hats kafel. te ich vor nöthig, erſt folgende Gefchlechtstafel zu entwerfen, und darauf diejenigen Prinzen zu bemerken, die vom Churfürften Friedrich ı bis auf die drey — der jetzi⸗ gen drey regierenden linien des Hauſes Brandenburg gelebt haben. Churfuͤrſt Friedrich ı, ſtarb 1440. Zohann Friedrich 2, Albrecht Friedrich der Fette, der Alchymiſt, Ehurfürft, fe.ı47r. Churfuͤrſt, fl. 1486. fi. 1463 ohne ſt. 1464. c * maͤnnliche Erben. Johann. Eraſmus. Rudolph, ſtarb 1469. ſtarb jung. arb 1432 ohne Erben. Friedrich, Wolfgang, Johann, Friedrich, Albrecht, Siegmund, Georg. ſtarben jung. Churf.ſt. ER, ewigen ſt. i466. ſt. 1495. flur47g. . 1536. y Wolfgang, Joachim ı Churfürft, Albrecht Erzbiichof von. ft. jung. ſtarb 1535. Mainz und Magdeburg, Cafimir, Georg, Albr. Friedr. Johañ, Friede. Wild. Joh. Friedr. Sum: ft. 1927. ſt. 1543 . fl.1568. ſt. jung. ſt. 1526. fl.1536. fl.1563. Albr Albr. precht fl.1550. ſt.iz01. fh, 1528, Albrecht, Friede. —* * ſt. 1528 I Muss. Ming. riedr. Albrecht, Albrecht, Albr. griedrich, - Georg Sriedr, arben jung. arb: 618. "Joachim, Sohann von r ir r c — N “ Churfürft, Cuͤſtrin, Albrecht, Friedrich, ſtarb J ſtarb 1571. ſtarb 1580, ſtarb 1586, —J Georg, Friedrich, Albrecht, Georg, Paul, Siegmund, ” Ehurfürft, Erzbifchof von ftarben alle jung. Erzbifchof von farb isgg. 2 Magdeburg, Magdeburg, ‚| fl. 1552. ft. 1566. Moach. Friedr. Ge.Albr. Joh.u. Albr. Ehriftian, Joach. Ernſt, Friede. Ge.Albr. Siegmund, Sohann, Soh. Se. Ehurfürft, ſt. 15570 Zwillinge, Stifterder Stifter der ſt. 1611. ſt. 1613. ſt. 1640. ſt. 1627. ſt. 1637. ſtarb 1608. ſtarben heutigen bay; heutigen an⸗ Stifter der jung, reuthiſchen fpachifchen Ehurlinie. Linie. Linie. Ggg 2 $. 176. 0) Rentſch und Benfehel auch Herr von Jung haben mir hier vorgearbeitet. 420 3 &. 3 Haupiſt. Neuere Veſchichte von Brandenburg. m — - Pr 4 * 3965: | 6 >) Des ſtifters — der Sufte ber älteren finie der Matgorafen fm Sranfen, — wird um diefer linie Unterſchiede feines Sohnes, der eben dieſen Namen führet, im der Gefchichte der Als rer tere genannt, Er war ein Sohn Churfürft Albrechts, ver den Beinamen des — * | chen Achilles fuͤhrete, welcher ihn mit feiner zweiten Gemalin Anna, Churfuͤrſt Friedrichs von Sachſen Tochter, erzeuget hatte · ¶ Im Jahe 1460 den tn Mah erblickte er die Welt. Unter andern Eigenſchaften, welche er von feinem Herrn Bar ter ererbet, war befonders die Leibesſtaͤrke und Tapferfeit fein Eigenthum. Unter als. len feinen fürftfichen Zeitgenoffen Eonte ihn niemand an teibesftärfe übertreffen. Sein kriegeriſcher Here Vater hatte dieſen Prinzen in dein Waffen erzogen. Albrecht ivar durch den Tod feines aͤltern Bruders Churfuͤrſt Friedrichs 2 1471 alleiniger regierende Herr der brandenburgifchen Staaten geworden. Damit nun insfünftige durch gae zu viele Theilungen die Macht feines Haufes nicht gefchwächt werden möchte, fo mache, fe er 1473. das merfwürdige Hausgrundgefeß, und. verordnete darin, daß nach. feinem: Tode fein Churprinz Marggraf Johann vor ſich und feine Nachkommen, nach Erſt⸗ geburtseecht, die zur Mark Brandenburg gehörige Provinzen allein Haben, das Fuͤr⸗ ſtenthum des Burggrafthums Nuͤrnberg aber durchs Loos unter feine-beiden Prinzen Friedrich. und Sigismund getheilet, und weiter auch hier keine Teilung verſtattet werden ſolte, wie wir bereits im vorlgen Bande dieſen merkwuͤrdigen Hausvertrag mit⸗ getheilet haben. Noch in eben dieſem Jahr ſorgte der Herr Vater ſchon vor unſers Friedrichs anſtaͤndige Vermälung. — Er hielt beim Könige Caſimir von Polen um " peffen Prinzegin Sophiam zur Gemalin diefes feines Prinzen an. Die Unterhands fungen wurben bis 1475 fortgefeßee, und in dieſem Jahr vom Churfürften der Bifchof von Lebus mit einem anfehnlichen Gefolge nach Polen abgeferriger, und ber Heirats⸗ brief. Sonnabends vor Allerheiligen berichtiget, auch dabey ausbedungen, daß die wirkliche Zufanmengebung zu Poſen 1479 Sontag nach tichtmeß geſchehen folte. "Om Jahr 1475 begleitete Marggraf Friedrich feinen Herrn Vater nach Landshut auf das Beitager Herzogs Georg von Baiern mit der polnifchen Prinzefin Hedwig. Er ritte der Prinzeßin Braut am weiteſten entgegen, und hatte ein Kleid von ſchwarz und gran an / das auf den Ermel mit Buchſtaben geſtickt war. An ſeinem Hut war ein Federbuſch mit einem koͤſtlichen Heftlein beveſtiget. Nach bet Trauung war Marg- graf Friedrich des Kalſers und der Braut Vortaͤnzer. Nachher tanzte er ſelbſt mie Pfalzgraf Philips Gemalin, ‘und begleitete ſodenn den Bräutigam ins Brautgemach. Bey dem feierlichen Kirchengang des folgenden Tages führte er nebft dem Pfalzgrafen Philip die churſaͤchſiſche Prinzeßin, und trug dieſen Tag einen kurzen ſeidenen Rock. Der. halbe Theil ſeiner Ober» Unter⸗ und Beinkleider war mit ſchoͤnen groſſen Perlen beſetzt. Nach der Tafel tournirte er mit einem Ritter, Exbitzer genannt. Er und ſein Pferd waren mit rothem Saminet beffeider, und das letztere mit einem Federbuſch und einem koͤſtlichen Heftlein gezieret. Zehen Edelknaben in rother ſeidener Kleidung liefen neben — her. * Ge trafen fo —* * —— * * * ch 0 ER ya ar! ib tu dm Ga "UM Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franfen, älterer Knie. 421 von den Pferden ftachen. Nachher reiſete er mic feinen Eltern nach Franken zurüc, mo fich fein Herr Vater, der die Neglerung der Mark Brandenburg feinem äfteften Prinzen aufgetragen hatte, ordentlich aufzuhalten pflegte. in gegen bie Marf aus gebrochener Krieg mit Pommern fowol, als mic dem Herzoge Johann von Sagan nörhigte jedoch ven Ehurfürften, zur Beſchuͤtzung und Beruhigung diefes Landes 1477 nach dee Marf zu gehen, wofelbft er fich bis 1479 aufhielt. Marggraf Friedrich bes gleitete ihn dahin, und that die Feldzuͤge gegen Pommern mit, bis folches fich zum Frieden bequemte, und das Churhaus ben feinen Rechten auf Pommern laffen mufte. In diefem legten Jahr ward die Vermaͤlung Marggraf Friedrichs in Pofen und das Beilager mit der polnifchen Prinzeßin Sophia in Frankfurt an ver Oder gluͤcklich vollzogen. Die dadurch errichtete Verwandtſchaft mie Polen Hatte in der Folge vor die Nachkommen unfers Friedrichs und das gefamte Haus Brandenburg erheblichen Nusen, fowol in Abſicht Preuffens, als des Herzogthums Jaͤgerndorf. Im Jahr 1481 befüchte er mit 78 Pferden das Tournier zu Heidelberg, welches die rheinifche Ritterſchaft dem Pfalzgrafen Philip zu Ehren angeftellet hatte. Als 1482 das Her zogchum Eroffen mic feinen Zubehörungen dem Haufe Brandenburg unterpfändlich eingeräumet wurde, wurden hierauf auch feine Rechte verfichere. Der Ehurfürft feiers te diefen Frieden in Anſpach, wo die Neichericterfchaft in Franken einen prächtigen Turnier hielt, auf welchem Marggraf Friedrich, der kaum von einem Turnier aus Stutgard zuruͤck gefommen, den einen Theil, fein Herr Bruder Marggraf Sigis⸗ mund aber den andern Theil der Streitenden anführete. In eben diefem Jahr Hiele der Churfürft zu Schwabach ein Nitterrecht, dem Marggraf Friedrich auch beiwoh⸗ nete. Am Jahr 1485 ward abermals zu Anfpach ein fehr feierliches Turnier gehals ten, wobey fich Marggraf Friedrich fo wohl verhielt, daß ihm von einem Grafen von Hohenloh , weil er 10 Ritter vom Pferde gerennet, der Stechdanf überantwors tet worden. Im Jahr 1486 gieng aber fein Herr Vater auf dem Wahls und Reichs tage zu Franffurt mit Tode ab, vor deffen Beftattung zur Gruft unfer Marggraf ebenfals rähmliche Sorge trug. A Durch diefen Todesfall entftunden wirklich in dem Haufe Brandenburg drey Wird regie⸗ recgierende Linien. So wie die Länder der Churmarf an den Churfuͤrſten Johann EN, gefallen, fo fiel das Fürftenthum des Burggrafthums Nürnberg unterhalb des Gebir, * ges, oder das Fuͤrſtenthum Anſpach, an unſern Marggrafen Friedrich; das Für ftenthum des Burggrafthums Nürnberg oberhalb des Sebirges, oder das Fürftenthum Baireuth abersan feinen Heren Bruder Marggraf Sigismund, Alle drey feßten fich durch einen brüderlichen Vertrag 1486 auseinander, und nahmen von denen famts lichen Unterthanen theils die unmittelbare Huldigung ein, theils Tieffen fie fich die Treue der Unterthanen auf den Fall verfprechen, wenn nach Abgang einer oder der andern li⸗ nie ihre tänder an fie oder ihre Nachfommen fallen wirden. Im Jahr 1487 reifete Marggraf Friedrich mic feinem Herrn Bruder Marggeaf Sigismund mit 450 Pfer Ögy 3 | | den — 422 3%. Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. den auf den Reichstag nach Nürnberg, woſelbſt fie ven 2gften April eintrafen. Sie gaben beide ein prächtiges Gaftmal ber- Mörd in des Toͤpplers Garten, welches wie in dem vorigen Theil diefer Gefchichte bereits befchrieben haben. Den zten May ers folgte die Faiferliche feierliche Belehnung der brandenburgifihen Prinzen, welche mie Sachſen und Heſſen hieſelbſt ihre Erbvertraͤge erneuerten. Bey den Reichstagsun⸗ terhandlungen ſolte Marggraf Friedrich, ſeinem Alter nach, den Platz zwiſchen den beiden Herzogen von Baiern Albrecht und Georgen nehmen, weil es damals üblich, daß die Prinzen aus den Churhäufern, die ſelbſt nicht Churfürften waren, dem Alter nach faffen, ohne auf den beftimten Rang ihrer Chuchäufer zu fehen. Marggraf Fries drich behauptete auch feinen Platz, des Misvergnügens der baierifchen Prinzen ohn⸗ erachtet. Das Neich bewilligte dem Haufe Defterreich gegen ven ungarifchen Kb⸗ nig Matthiam eine Huͤlfe. Die hiezu eingelaufene Gelder nahm zum Theil unfee Marggraf Friedrich in Nürnberg in Empfang. Im Jahr 1488 wohnte er dem Kriegszuge der Neichsvölfer gegen die Niederländer perfönlich bey, welche den roͤmi⸗ fehen König Maximilian gefangen genommen hatten. Marggraf Friedrich hatte 600 Pferde in feinem Gefolge. Der Ernft, den das Neid) zeigte, nörhigte die Ems pörer, Maximilian auf freien Zuß zu ftellen, weil folches aber unter harten Bedingun⸗ gen gefehahe, warb der Krieg gegen fie bis 1489 fortgefegt. Friedrich fomol als Margs graf Sigismund waren in diefem Jahr auf dem Neichetage zu Frankfurt, und bes willigten dem vom Matthia verjagten Kaifer eine Hülfe; und als diefer Srrungen we⸗ gen Unterhandlungen zu Linz gehalten wurden, wohnte denſelben Marggraf Friedrich im Damen feines ganzen Haufes bey. Im Jahr 1491 war er nebft feinem Bruder Si⸗ gismund auf dem Neichstage zu Nürnberg, wo dem Kaifer wieder Hülfe bewilliget wurde. Im Jahr 1492 hatte Herzog Albrecht von Baiern Regenſpurg eingenom⸗ men. Dagegen bot der Kaifer die ganze Neichsmacht auf, über die er. unferm Marg⸗ grafen Friedrich die oberſte Feldherrnwuͤrde auftrug, ohnerachtet der Herzog feine Ans ſpruͤche durch Schiedsrichter, unter denen auch Marggraf Friedrich ſeyn folre, ent feheiven laſſen wolte. Den zweiten Pfingfttag Fam der Feldherr mic mehr als 400 ges ruͤſteten Neutern und 100 Wagen auf dem Mufterplage im Leichfelde an, wo fich nach und nach) ein Meichsheer von 22000 Mann verfaminlete. Hier ward ihm das Reichspanier von den Eaiferlichen Bevollmächtigten, durch vier Grafen, vier Nittern und ven Botfchaftern von vier Reichsſtaͤdten überliefert. Aber Herzog Albrecht ber quemete fich zum Frieden vor Ausbruch der FZeindfeligfeiten. Er gab Regenfpurg an das Reich zuruͤck, welches der Reichsfeldherr Marggraf Friedrich im Namen des Kais fers in Befis nahm. Noch in dieſem Jahr befuchten beide regierende Marggrafen in Sranfen ven Neichötag zu Coblenz, Die auch 1493 durch Gefandte dem Begräbniß des. Kaifers Friedrichs 3 beiwohneten. Am Jahr 1495 ſtarb Marggraf Siegmund von Baireuth den zöften Febr. 5) zu Anfpach im Tedigen Stande, ven Marggraf Fries drich zu Heilsbronn beerdigen ließ. Nunmehr ward diefer, nach der väterlichen Vers ord⸗ b) Andere ſagen den azften Febr. Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 423 ordnung, der einzige vegierende Herr des ganzen Furftenthums des Burggrafthums Nürnberg ober» und unterhalb des Gebirges, nachdem er jetzt auch von dem Bai⸗ reuthiſchen Befis nahm. 9. 178. Nunmehr Fonte unfer Marggraf feinen eigenen fowol, als denen Neichsangeles Hierauf von genheiten einen erheblichen Nachdruck geben. Es zeigte ſich folches auf dem fehr merkwürdigen Reichstage zu Worms 1495, den er perfönlich befüchte, und wo auf dem ganzen fuͤrſtenthum des burggraf—⸗ fer denen erheblichſten Reichsſachen auch er nebſt feinem Herrn Bruder dem Churfuͤr⸗ thums Ruͤrn⸗ ſten Johann die feierliche Reichsbelehnung erhielt. Den Reichstag zu Lindau ber berg in Frans ſchickte er 1496, fo wie den Reichstag zu Worms 1497 durch Gefandte. Er übernahm als Freisausfchreibender Fuͤrſt des fränfifchen Kreifes nebft dem Bifchof Henrich Groß. von Bamberg die Eintreibung derer vom Reich bewilligten Huͤlfsgelder, und Tieß die Säumigen auspfanden. Dielleicht gab diefes zu den Irrungen Gelegenheit, in die er mit einigen fränfifchen Edelleuten verwickelt wurde. Sie nöthigten ihn, das Schwerd zu zucken. Er belagerte und eroberte das Schloß Guttenberg. Die fich darauf befindliche woiderfpänftige von Adel hatten fich die Nacht zuvor mit der Flucht ges rettet. Der Marggraf ließ hierauf feine Bölfer auseinander gehen. Weil aber Mo⸗ tig von Öuttenberg das Schloß Schellenberg bey Weiden befeste, fo nahm Fries drich auch diefen Ort, fo wie andere vefte Plaͤtze, ein, die er fehleifen fieß. Weil er num fich der Bauren um Hof bey diefer Gelegenheit bedienet hatte, fo füchten und ers hielten fie vor diesmal die Befreiung von der Türfenfteuer 1498. Die Serungen mit dem Adel verurfachten auch Streitigkeiten mit dem Bifchof von Bamberg Henrich. Diefer mafte fich jegt des Schloffes Streitberg an. Mach vielen Unterhandlungen Fam biefe Sache zum gütlichen Vergleich. Den in diefem Zahr zu Freiburg gehaltes nen Reichstag beſchickte Marggraf Friedrich durch eine Geſandtſchaft. Im Jahr 1499 gieng Ehurfürft Johann von Brandenburg mit Tode ab. Deffen ältefter Prinz Soachim war zwar nur 15 Jahr alt, und hätte bis zum ıgten Jahr unter ver Vor⸗ mundfchaft unfers Marggrafen, als feines nächften Vetters, ftehen follen. Dieſer aber entfchlug fich diefes ihm zuftehenden Nechts, meil er zu des jungen Herrn Geſchick⸗ lichfeit das gröfte Zutrauen hatte. Er eröfnnete darüber dem Churfürften von Mainz feine Gedanfen, welcher ebenfals der Meinung war, daß, dem Sinn der güfdenen Bulle unbefchader, Joachim die Regierung Übernehmen Fönte, nur daß ihn Marg⸗ oraf Friedrich bis zum ıgten Jahr in Churfachen unterftügte. Da gleich bey dem Kegierungsantritt der neue Churfürft fich in der Mark gegen die Straffenräuber und Sandfriedensbrecher fehr ſtrenge bewies, beſchwerete fich zwar der zur Unordnung gewoͤhn⸗ te damalige Adel bey unferm Marggrafen , daß Joachim adeliches Blut vergieffe. Als aber der Churfürft feinem Better auf die Mittheilung diefer Beſchwerden die wahre Befchaffenheit der Umftände meldete, fand Marggraf Friedrich gegen deffen Betragen nicht das mindefte einzumenden. Cr bemuͤhete fich vielmehr, auch anderwärts den um ruhigen Adel zu bändigen. Ditmar von Ydelipfen, ein Rath des Herzogs Erichs des Fortſetzung kiner regie⸗ rung. 424 3% 8 Hauptft. Neuere Gefihichte von Brandenburg. © des ältern von Braunfihweig, war dem tandgrafen Wilhelm dem micclern von Hefe fen ins fand gefallen, und‘ verwüftete folches mir Naub und Brand. Der Herzog wolte auf des fandgrafen darüber erhobene Klage nicht hören. Wilhelm ver miclere ſchloß daher mic unferm Friedrich ein Buͤndnißz, der ihm 4000 Mann Fußvolk c), die wegen ihrer ſchwarz und weiß geftreiften Kleidung die Buntroͤcke d) hieffen, zu Huͤlfe ſchickte. Dagegen machte Herzog Erich mie Wilhelm dem reichen von Heffen ein Buͤndniß. Dem unerachtet tichteten die Völker unſers Marggrafen und feines Buns | deögenoffen doch im Braunſchweigiſchen fo viel Schaden an, daß Herzog Erich ſich zum Vergleich bequemen muſte. Der vom vorigen Kaiſer errichtete ſchwaͤbiſche Bund war durch die Streitigfeit der Graubuͤnder mic den Coſtnitzern in einen Burgen aber ſehr blutigen Krieg mit denen ſchweizeriſchen Eidgenoſſen verwickelt worden. Der Marggraf ſchickte in demſelben erſt feinen älteften Prinzen Eafimir gegen vie Schwei⸗ zer ins Feld. Nachher übernahm er feloft das oberfte Feldherrnamt des ſchwaͤbiſchen Kreifes, zugleich aber bemühete er fich e), zwiſchen beiden Theilen einen Frieden zum Stande zu bringen, der auch bald hierauf erfolgte, — Wr $. 179. 0 Unfer Marggraf befuchte hierauf den merkwuͤrdigen Reichstag zu Augſpurg 1soo in Perfon. Er ward nebjt feinem Better Churfürft Joachim ı vom Kaifer Maris milian ı feierlich belichen. ‘Die Neichefreife wurden hier ordentlich eingerichtet. In dem fränfifchen Kreife ftand dem Marggrafen Friedrich das Mitfreisausfchreibeamt zu. Beſonders ward dem Kaifer ein Neichsregiment an die Seite gefeßt, von welchem unfer Marggraf ebenfals Beifiger geworden, Er ließ daher durch feinen Gefandten Appel von Seckendorf bey demfelbeh 15or alles beforgen, / was zum Beſten des Reichs gehörete. Der Kaifer fand ſich durch) daſſelbe zu ſehr eingefchränft, und ward darüber misvergnügt. Dies reißte die Nuͤrnberger an, in ihrer Anmaſſung gegen die burg⸗ gräflichen Rechte öffentlich Gewalt zu brauchen. Seit 1394 war darüber zwiſchen beis den Theilen mit der Fever geftritten worden. Verſchiedene Höfe ſuchten zwar diefe Irrungen beizulegen, fonderlich hatte ver Churfürft von Sachſen noch in dieſem Jahr eine Zufammenfunft in Erfurt veranlaffer. Allein eine ungluͤckliche Begebenheit mach⸗ te folche fruchtlos. Marggraf Friedrich hatte zu Behauptung feiner Nechte durch fei- nen Prinzen Caſimir, fo wie die Stadt Nuͤrnberg, Völker zufammen gezogen. Dieſe geriethen Sontags nach St. Veit 1502, über den Schuß der Kirchweihe zu Af⸗ hulterbach, an einander. Herr von Mentfch giebt folgenden Bericht von der Sa⸗ he: die Nürnberger wolten auf die Kirchweihe zu Afholterbach mit 300 Mann zies ben, und lieffen ven Marggrafen Cafimiv zum Hohn entbieren: er folte Fommen und einen Kirchweihbrey mit ihnen effen. Diefes nahm der Fürft vor eine Beſchimpfung auf, und ruͤſtete bey noch fpäter Nacht feine Völker beſtmoͤglichſt. Zu Nürnberg £heilete man inzwifchen vor dem Rathhauſe Pulver aus, und gerieth durch Unvorfich- tigfei D An Piftorit Ser. ex edit. Srrunii T. 2 p. 568 wird nur von 1000 Mann zu Fuß gedacht, gkeit 4) saallifche hiſtoriſche Sammlung ©. 334 . ©) Piftorius in Scr. ex edit, Serunis pı 598. Anhang son den brandenb. Marggrafen in Srartfen, äfterer Linie, 425 digkeit Feuer in die Pulvertonnen, welches nicht geringen Schaden verurſachte. Man Härte wol mic diefem Unglück zufrieden ſeyn, und es vor eine Warnung annehmen koͤn⸗ nen; fo beſtund aber ter hitzige Sinn, und eilete, die Bitterkeit zu vermehren. Es war Nachricht eingelaufen, Marggraf Caſimir ftehe mic soo Neutern zum Kirchweih⸗ hutz in der Nähe, darum eilete man an nuͤrnbergiſcher Seite, befehligte nicht al⸗ fein die zum Kicchweihfehug verordnete Völker, fortzuräcen, fondern noch goo Mann zur Unterfiägung. Allein es kam Marggraf Caſimir über fie, fehlug 328 fauter fris ſche und hurtige nuͤrnbergiſche Bürger tobt, und jagtedie übrigen wieder in die Stadt, welche hernach am armen Landvolk fich zu rächen unterftanden.,, Dervon Bircken hat aber eine etwas veränderte Nachricht geliefert. Ex fagt: „es fiel Sontags nad) Sr. Veit zu Afholterbach, einem ber dem Wald, etwa zwo Meilen von der Stadt Nuͤrnberg gelegenem Dorfe, eine Kirchweihe ein. Weil nun die Nürnberger wuften, daß Marggraf Friedrichs Herr Sohn Maragraf Eafimir in der Nähe viel Volks verleget Hatte; fo lieſſen ſie, um die zur Kirchweihe veifende Perfonen zu beſchuͤ⸗ Ken, nicht allein 300 Mann zu Zug Sonnabends vorher ausziehen, fondern auch 00 Bürger zum Norhfall in Bereitfchaft ftehen. Der brandenburgifche Hauptmann brachte zwar folches bald in Erfahrung, Weil ihm aber die bereits ausgezogenen Voͤl⸗ ter zu ſtark waren; fo wolte er ſich an dem Ruͤckenhalt reiben. Zu ſolchem Ende fühs tete er 1600 Mann, als goo zu Fuß und g00 zu Noß, über den Wald, und ließ bey dem Lichtenhof das Dich wegtreiben, um die nürnbergifchen Bürger herauszulocken, welches auch) erfolgte. Ungeregte 800 Bürger fielen mit 6 Felofchlangen, wiewol zu ihrem Unglück, heraus. Denn als die Brandenburgifchen in ven Wald zuruͤck wi⸗ hen, die Nuͤrnbergiſchen aber allzu hitzig nachfegten, wurden fie von jenen umringet, und bey 300 erfchlagen. „ Diefer Vorfall fowol, als die daraus entſtandene Folgen, baß fich die Nürnberger deshalb am Landvolk zu erhofen fürchten, wurde dem Churfürs ſten, als Haupt des brandenburgifihen Haufes, berichte. oachim zog feinen Herrn Bruder hierin zu Rache, und entſchloß fich, feine Herren Vettern in Franken beim Kaifer vertreten zu helfen. „ Dies gefchahe wirklich) bey Gelegenheit derer gegen die Paiferlichen Berfüche, unumſchraͤnkt zu regieren, gehaltenen Churfürftentage. Mar fimilian ließ zwar durch den Marggrafen Caſimir 1503 fich erbieten, einen Reichstag zu halten, und die nirnbergifche Streitigkeir guͤtlich zu vertragen. Weil aber der Kaifer ſich hierin nicht uͤbereilte; fonfieg der Churfürft um die Befchleunigung dieſer Sache ferner Anſuchung hm. | % u. 380, Doch ein netter weit wichtigerer Krieg machte, dag Marggraf Friedrich den Kai⸗ und deren fer wieder völlig auf feine Seite befam. Nach Abgang der baiern / landshutifchen be ſchluß. Unie ſuchte das Churhaus Pfalz deren kaͤnder der baiern⸗muͤnchenſchen Unie zu ent sehen. Darüber Fam faſt das ganze Reich in die Waffen. Marggraf Friedrich und fine Soͤhne Caſimir und Georg ergriffen 1504, fo wie der Kaifer, die Partey des x Hauſes Baiern Miinchen. "Pfalz fuchte bohmifche Huͤlfsvolker an fich zu ziehen; "PD. elle. preuß. Geſch. 3 Th. Hhh aber 426 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte vom Brandenburg. >> aber der Marggraf überfiel diefelden bey Regenſpurg, hieb 1600 Mann nieber, Fu beutete verfihledene Fahnen und Standarten, und jagte den Neft nach Boͤhmen zuruͤck. Seine Völker plünderten das Klofter zu Waldfachfen, buͤßten aber bey Ebenet, Won⸗ fidel und Kemnat gegen die dreimal ftärkere pfälzifche Mache, viele Mannſchaft cin. „ or ‘> TE ' v Endlich ward diefer Streit 1505 auf dem Neichstage zu Coͤln, wo fich der Marggraff perfönlich einfand, vertragen. Der Kaifer wolte einen Roͤmerzug vornehmen, Fr aber Marimilian 1506 an diefem Zuge durd) die Benetianer gehindert wurde; fo hlelt er deswegen 1507 einen Neichstag zu Coſtnitz, ven unfer Marggraf durch Geſandten bes ſchickte. Hier wurden die Anſpruͤche auf die baiern⸗landshutiſche Erbſchaft aus dem Grunde vertragen. Der Marggraf bekam vor aufgewandte Koſten und Schäden Frey⸗ ftadt nebſt den Kiöftern Seeligenpfortund Marienberg. , Marggraf Friedrich mach⸗ se in diefem Jahr Mitwochs nach St. Dionyfius einen Theilungsvererag —— m, Jo⸗ nen Söhnen Caſimir, Albrecht, Johann, Georg, Friedrich, Wilhelm, X hann Albrecht und Gumprecht, in Abſicht ver fränfifchen tande. Mit den Bes netianern kam es 1508 zum Kriege, in welchem Marggraf Friedrich nebſt ſeinen drey _ erwachfenen Prinzen, Caſimir, Georg und Johann, 2000 Mann Fuß volt und soo Reu⸗ ter mit groffen Koſten dem Kaiferzuführte. Diefes Jahr wolte es zwar dem Kaifer nicht gluͤcken. Denn obwol der Marggraf bis Roveredo vorgedrungen, ward er doch von den Reichsvölfern-nicht unterſtuͤtzt. Aber in dem folgenden Feldzuge 1509 brachten bie zu Cambray verbundenen Mächte dieſen Sreiftaat in groffes Gedränge. , . Marggraf Friedrich unterließ nicht, indeſſen in feinem tande allerhand fehöne ‚Ordnungen adzus faffen, befonders fieß er bey Baireuth den groffen Zifchteich graben, welcher noch bis jeßt der brandenburgifche Weyher genannt wird. Er befuchte 1510 den Neichstag zu Yugfpurg. Im Jahr ısu wurden von ihn alle Anſtalten gemacht, die Stadt Nuͤrn⸗ berg mit Gewalt anzugreifen, und der Churfürft Joachim wolte ihn dabey unterſtuͤ⸗ Sen. Uber als die Stade den Exnft ſahe, gab fie friedlichen Maaßregeln Gehör, Er hatte das Vergnügen, daß in dieſem Jahr fein Prinz Albrecht zum KHochmeifter des deutfchen Ordens gewähle wurde, ber 15t2 von biefer Stelle Befig nahm. . Friedrich aber befürchte den Neichstag zu Trier und Coͤln perfonlich, und trat, bey. damaliger Verlängerung des ſchwaͤbiſchen Bundes, mit in denfelben ein. Dach diefer Zeit aber verfiel er in eine Schwermuth, die ihn, fich der Negierung ferner anzunehmen, unfaͤ⸗ dig machte. Seine beiden Söhne Caſimir und Georg unterlieffen zwar nichts, dieſe Gemuͤthsſchwachheit ihres Herrn Vaters zu heben. Weil folche aber mehr zu- als abs nahm, und fonderlich Feine Frauensperſon vor ihm mehr ficher war; fo muften fie fich entfehlteffen, denfelben in den Regierungsangelegenheiten zu unterfhügen. Der Kaifer Maximilian übertrug wirklich ısı5 dieſen beiden Prinzen die Sandesregierung, welche feit der Zeit den Herrn Vater nach Plaffenburg brachten, ihm aber mic aller Ehr⸗ furcht und Siebe begegneten. In feinem hohen Alter verlor er faft gänzlid) das Geficht. Marggraf Caſimir führete ihn feit diefer Zeit faft beffändig an der Hand ins Tafelger ⸗ mad), und von da wieder ins Wohnzimmer. In diefem Zuftande brachte Marggraf Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, aͤlterer Linie. 427 Friedrich ſein Leben in ſtiller Ruhe zu, bis ihn endlich der Tod den aten April 1536 auföfte; worauf er zu Heilbronn in das marggräfliche Erbbegraͤbniß beigefegt worden. — * & ift bereits vorhin erwehnet, daß fon 1473 au feiner Bermälung mit Hed⸗ Sontags vor Hedwig ward die Bermälung auf den Sontag nad) dichtmeß 1479 beſtimmt. Die Zufammengebung gieng auch) in dtefem legten Jahre zu Poſen vor fich, und das Bei⸗ lager ward zu Frankfurt an der Oder vollzogen. Diefe feine Gemalin gieng mit ihm in iger Jahre 1536 Dienftags nach Judica mit Tode ab. Sie gebar folgende Kinder: Elifaberh kam 1480 den zoſten Jun. zu Cadolsburg zur Welt, /iſt aber fon i in — verſtorben. = Marggraf Safimir, geboren 148r dert Aſten Sept. nach 6 Uhr des Morgens. it werden von diefem Prinzen fogfeich mit mehrerem reden. > Margaretha nn Be 1483 zu Onolzbach den zoren Jan. Die Unterhandlun ⸗ „gen, fie mie dem Grafen Sohannv von Zips nachmaligem Könige von Ungarn zu ver⸗ mälen, find nicht zum Stande gefommen. Sie iſt ohnvermält mit Tode abgegangen. ' * Georg der Fromme, geboren zu Anſpach 1484 den gten Merz in der Nacht zwi⸗ ſchen und 2 Uhr. Wir muͤſſen von ihm im folgenden ausführlicher reden. s. Sophia , geboren 1585 den soten Merz früh zwifchen 2 und zühr. Am Jahr — kamen die Unterhandlungen ihrer Heirat mit Friedrich Herzog von Liegnitz zum Stande, und der Heirarsbrief ift in diefem Jahre zu Crakau nach dem Sons "tage Jubilate ausgefertiger. Diefe Bermälung bat zu einer fehr nutzbaren Bertraus lichfeit des Haufes Brandenburg mit denen Herzogen von Liegnig Gelegenheit ges geben. Den szten Febr. 1519 voll;og fie das Deilager zu Liegnitz. Sie ſtarb 1537 nicht den ı6ten, fordern den raten May. H 6, Anna, geboren 1487 den sten May zwifchen 2 und 3 Uhr Vormittags, _ Sie ven maͤlte fih an Wenceslaum Herzog Caſimirs von Tefchen Sogn. _ Der Heiratss brief iſt Sambstag nach Bifitationis Wlaridzsıgausgeftellt. Im Jahr 1524 ward fie bereits Wire, gebar aber nach ihres Gemals Tode den nachmaligen Herzog von Zefchen, Wenzel Adam. Die Zeit ihres Todes ift unbefandt. +. Barbara, geboren 1488 den ziſten Sul, ift aber in der Jugend wieder —— 8. Mbrecht, geboten 1490 den ızten May um ro Uhr Vormittags zu Anſpach. Da er 1568 den zoften Merz als erfter Herzog von Preuſſen geftorben, fo werden wir von diefem berühmten Herrn in der SDR von Preuffen mie mehrerm handeln, 9. Friedrich, geboren 1491 den ızten Sun. 5) zwiſchen 8 und 9 Uhr Vormittags, "if aber jung wieder verftorben. Vielleicht aber ift er gar nicht auf der Welt gewe⸗ fen, wie ſolches Here von Jung zu behaupten ſcheinet, und auch aus der Gedaͤchtniß—⸗ tafel zu Heilbronn, wo der Herr Bater nur mit 9 Söhnen abgemalt zu ſehen, erweislich - gafeyn fcheiner, bis vor biefen Friedrich ein wa Beweis geführet werben Fan. 10, Jo⸗ ) Renſchel ſagt den izten may. Seine gemu⸗ wig König Caſi mirs in Polen Tochter gearbeltet ſey. In dem Heiratsbriefe 1475 lin und kinder. 438. 325. 8 Hauptſt. Neuere Öefchichte von Brandenburg. 10. Zohann, geboren 1493 auf Paffenburg. dengten Jan. um 2 Uhr Bernie Er ward frühzeitig zu denen Waffen angeführet, und dienete ſchon 1508. im Kriege gegen die Venetianer. Nachher that er viele Feldzuͤge in Deutichland und Ita⸗ lien in kaiſerlichen Dienſten mit. ‚Darauf gieng er mit dem Enfel des Kaiſers Earl, mit welchem er auferzogen worden, nach Spanien. Zum Zeichen d achtung machte ihn dieſer bald barauf zum Unterfonige in Valencia. Es derte auch Carl ſelbſt ſeine Heirat mit ſeiner Stiefgroßmutter der bekandten dama ⸗ ligen Witwe Ferdinandi Catholici, Germana de Foix. Ganzer ıs Jahr hatte. Diefes junge Frauenzimmer einen alten abgelebten Herrn zur ‚Ehe gehabt ‚ und es . war fein Wunder, daß fie fich.in die Arme eines Prinzen warf, den Geburt, Ab ter, Annehmlichkeit, Tapferkeit und der Stand eines Unterföniges von ihrer würdig machten. Die fpanifche Infantin Iſabella, König Philips 2 von Spanien Tochter; bat fich Dadurch nicht zu erniedrigen geglaubt, da fie nachmals den Erzherzog Albrecht von Oeſterreich heiratete. Bayle und feines, gleichen find daher mit dem gröften Necht widerleget worden, welche in Erzählung. dieſer Vermaͤlung Fehler über Fehler gehäuft, und ſonderlich in Abſicht der verwitweten Königin eine Unanſtaͤndigkeit in dieſer Ehe behauptet haben c). Da Marggraf Johann in Urkunden von 1507 und 1516 feinem Bruder Georg vorgeſehzt ſtehet D), fo vermuthe ich aus dieſem Umftande, daß er anfänglich dem geiftlichen Stande ges widmet gewefen. Carl, der 1519 zum Kaifer gewählet wurde, brachte dieſen Herrn 1520 mit. fich nach Deutfchland. - Aber des Marggrafen Johanns Glück ‚brachte ihm Neider zuwege. Doch nür ein einziger fpanifcher Grand hatte das Herz, ſich dffentlich folches merken zu laffen. Der Prinz war zu beherjt, als daß er folches, ohne. öffentliche Mache zu nehmen, hätte. leiden wollen. Nach damaliger Are ließ er feinen Feind zum Zweikampf herausfordern. Cs geſchahe folches dadurch, daß er ihm feine fange mit den Worten zuſchickte: er. wolte feinen Streit nicht als ein Meuchelmdrder, fondern als ein ehrlicher Mann ausmachen. Denn zuvor. hatte ihm der Spanier heimlich nach) dem eben getrachtet. Diefer nahm kaum den Spieß in die Hand, als er aus deffen ungemeiner Schwere von der Stärke deffen urtheilete, mit welchem er zu thun befäme. Er fehnte daher den Zweifampf damit ab: daß er zu anderer Zeit bey beſſerer Gelegenheit zu erfcheinen fich vorbehielt. Der Marsgraf aber fand ſich zu rechter Zeit auf dem beftimmten Kampfplas ein, und erwartete, in Gegenwart unzähliger Zuſchauer, feinen Feind. Mit feinee _ ſchweren Lanze gieng er indeffen fo feicht um, als wenn er nur damit friefte. Weit aber fein Gegner gar nicht zum Vorſchein Fam, fo gieng er, mit dem Zuruf des Volks Begleiter, triumphirend nach Haufe. Die Tapferkeit Fonte aber diefen Prin⸗ ‚zen vor denen heimfichen Nachſtellungen nicht ficher ftellen. Er ftarb unvererbt an beigebrachtem Gift 1526 zu Valenza, umd ward daſelbſt in. der *s—— 9 — D. —E Beitraͤge zur brandenburgiſchen Geſhicht⸗ S. 189 #) ‚Kerr von Jung in Miſs T.ı p. 341. — N er „ * ——— Pr 9 —— en Fa 2 ar * er r win ru — Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie, 429 begraben, 10, auf jeine Verordnung, auch feine fehwere fanze als ein ewiges Sie⸗ gesdenfmal auf fein Grab geſteckt worden. 1. Elifabeth, geboren 1494 den 26ften Merz zwiſchen 12 und ı Uhr Mittags zu Dnohbach. Sie vermälte ſich ısıo mit Ernft Marggrafen von Baaden, Chris ſtophs Sogn, wie der Heiratsbrief ausweiſet, voelcher in diefem Jahr am Mits - woch.den heiligen letzten Pfingftfeiertag zu Liebenzellerbad ausgefertiger ift. Im Dahr isıg iſt fie mit Tode abgegangen, und zu Stutgard begraben worden. 12. Barbara, geboren 1495 den 24ften Sept. früh um s Uhr. Sie ift nicht 1526, ſondern erſt 1528 an den fandgrafen Georg zu Leuchtenberg vermälet, wie folches der Heiratsbrief erweislich macht, der 1528 Montags nach Walpurgis ausgefer tiget worden. Im Jahr 1552 gieng fie im Carlsbade aus ver Welt. v3. Friedrich, der zum Unterfchied feines Herren Vaters gleiches Namens der Juͤn⸗ gere hieß, iſt geboren zu Onolzbach ven rzten San. 1497. Er ergrif anfänglich den geiftlichen Stand, und ward Probft zu Onolzbach und Wilzburg, Domherr zu Mainz, endlich Domprobft zu Würzburg. Weil er aher 1519 bey der Bir ſchofswahl zu Würzburg übergangen worden, gieng er in Faiferliche Kriegsdienſte. Er ift unter allen Pririzen feines Haufes der erſte gewefen, welcher Lutheri Kits ehenverbefferung angenommen, und in die fränfifchen brandenburgifchen Laͤnder „gebracht. Er beftellte zuerft den Caſpar Löhner zum Prediger in Hof, der ſchon 1525 dem Papſtthum fich widerfeger hat. Er ließ fich aber nachher von der Gegen partey wieder gewinnen, und bezeigte auf dem Neichstage zu Augſpurg 1530 vor die = römifche Kirche vielen Eifer. Marggraf Friedrich der Jüngere ſtarb auf einem Zuge des Kaiſers gegen Frankreich zu Genf den zoften Auguft 1536. - 24. Wilhelm, geboren den zoſten Jun. 1498. Anfänglich) ward er an dem Hofe Königs Ludwigs in Ungarn erzogen. Er trat aber nachher, auf Anrathen feis ner Herren Brüder, in den geiftlichen Stand, und ward frühzeitig Domherr zu Mainz und Coͤln. Weil ver König Caſimir von Polen fein Better und Herjog - Albrecht von Preuffen fein Bruder, fo ward er von denfelben dem Erzbiſchof von Riga Thomas Schöning fo wohl empfohlen, daß derfelbe ihn zu feinem Coad⸗ jutor annahm. Als daher der Erzbifchof 1529 verftorben, folgte unfer Wil⸗ helm demſelben 1530 in der erzbifchöflichen Würde, und nahm 1531 davon Befig. Die Stade Kiga, die fich ihm anfänglich widerſetzte, huldigte ihm endlich 1547, und trat ihm die geiftlichen Güter ab. Die erwinfchte Nuhe wandte er dazu an, die Glaubensverbeſſerung, die er feloft angenommen, in feinem Hochſtift einzufüßs ven, Dies vermochte ihn auch, fehon bey feinen tebzeiten 1556 den Herzog Chris ſtoph von Mecklenburg zu feinem Coadjutor anzunehmen, ob er gleich vorher 1546 dem Orden in Liefland verfprochen, foldyes nicht zu chum. Die Heermeifter im Liefland hatten fehon fange die völlige Unterdrückung der Erzbifchöfe von Kiga ber ſchloſſen. Sie wolten nunmehr ihre Abfiehten erreichen, und nahmen zum Haupt vorwande ihres Betragens den Umſtand an, daß er theils eigenmächrig, wider’ das 63 H Ab⸗ 430 3 Th. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Abkommen zu Wolmar, ſich einen Eoadjutor angenommen, theils unfer der Hand mic Polen und Preuffen unter ver Decke liegen folte, Liefland ven Polacken im die Hände zu fpielen. Hieruͤber befam er mit den KHeermeiftern Henrich von Galen und Wilhelm von Fuͤrſtenberg einen offenbaren Krieg, worin er zu Ko⸗ denhaufen belagert, gefangen und auf ein ganzes Fahr in einer nicht eben feinem Stande gemäffen Haft gehalten wurde. Der König von Polen und ver Herzog von Preuffen aber machten alle Anſtalt, ihn mit Gewalt zu befreien. Der romi⸗ fehe König Ferdinand trat jedoch ins Mittel, und brachte es dahin, daß 1557 der - Erzbiſchof durch den Paswalifchen Vergleich wieder in Freiheit gefegt wurde, Doch gleich darauf fiel der Ezaar Zvan Baſilowitz 2 1558 in Liefland ein, und verheerete das fand ſowol in diefem, als in dem folgenden 1559ſten Jahre auf die erbärmlichfte Weife, bey welcher Gelegenheit auch der alte Heermeiſter Wilhelm von Fürftenber in die Öefangenfchaft geführet wurde, unter deffen Nachfolger Gotthard Kettler in diefen Gegenden eine Hauptveränderung vorfiel. Der Bis fehof von Defel Johann von Muͤnchhauſen überließ einen Theil von Liefland dem Könige Friedrich von Dännemarf. Reval und die efrhifche Ritterſchaft ergab fich dem Könige Erich von Schweden. Den Ueberreft von Liefland trat Gotthard Kettler, mit Vorbewuſt und Einwilligung Marggraf Wilhelms, weit ohnedies von Deutfchland aus Feine Hülfe zu hoffen war, 1561 an den König von Polen Sigismund Auguftab, nur daß der Heermeifter Curland und Sem⸗ gallen, als ein von. Polen zu Lehn gehendes Herzogthum, vor fich behiele. Der Erzoifchof Wilhelm mag fich um diefe Zeiten meiftens in Preuffen aufgehalten haben, alwo er auch 1563 den sten Febr. geftorben, und in dee Fünigsbergifchen Domficche begraben, nachher aber den 25ften Auguft, in Gegenwart polnifcher Geſandten, zu Riga fürftlich beigefeger ſeyn foll 7). | ch 15. Johann Albrecht, geb. den2o Sept. k)ı499. Im 22ften Jahr feines Alters ward er zum Bifchof von Plogfo in Polen erwähler. Er hielt fich aber damals bis ins vierte Jahr in Rom auf. 1523 nahm ihn fein Better der Kardinal Albrecht, Erzbifchof von Mainz und Magdeburg und Bifchof von Halberftadt, zum Coadjutor in Mag⸗ deburg und Halberftadt an, welches auch der Papft beftätigte. Weil der Cardinal Albrecht fich meift in Mainz aufhielt, jo war Johann Albrecht deſſen Statthalter in Magdeburg. Er war mit aufdem Neichstage zu Augſpurg 1530. Nach dem Tode des Cardinals folgte er demſelben 1545 in der wirflichen Regierung des Hoch⸗ ſtifts. Wie werden daher in der Gefchichte von Magdeburg und Halberftadt von feiner Regierung mit mehrerem fprechen. Um den Schaden einigermaffen zu verguͤten, welchen er im ſchmalkaldiſchen Kriege erlicten, hatte ihm der Kaifer 2000 Ducaten jährlicher Einfünfte aus dem ſpaniſchen Stifte Salamanca anges | voies 5 Bon ihm handeln Schursfleifch Diff, de ordine Enfifererum, Steubyczti Liuoniae de- ſeriptio. Gvagnini defcriptio Linoniae, Bredenbachius io biftoria beili Liuonici p. 226 . k) Renſchel ſagt den roten Sept —— Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, aͤlterer Linie. 431 wieſen. Die Gichtfehmerzen hatten ihn nicht nur lahm gemacht, fondern auch ganz abgezehret. Er ſtarb Sonnabends vor Exaudi den ızten May )) 1550 auf der Mo⸗ zisburg an Halle, und ward Mitwochs hernach im der Schloßcapelle St. Mariä Magdalenaͤ begraben. Er verblieb bis an fein Ende eifrig catholifch, und fuchte auf alle Art das Papftchum in der Stadt Halle, wiewol vergeblich, wieder einzus führen, hatte auch) einen fo groffen Haß gegen die Lutheraner, daß er fich, weil er wegen feiner lahmen Füffe nicht gehen Fonte, Sontags auf einem Seffel unter das Schloßthor tragen ließ, Achtung gab, wer von feinen Hofbebienten aus denen lutheri⸗ ſchen Kirchen Fam, und diefelben unter vielem Ausſchelten mit einem Stecken fchlug. „16. Friedrich Albrecht, geboren 1sox den zoſten Der. zu Plaffenburg, gieng aber ‚In feiner Jugend bereits mit Tode ab. 17. Gumbrecht, geboren zu Onolzbach den ı6ten Jun. m) 1503. Er trat in dem geiftlichen Stand, ward Domherr zu Bamberg und Würzburg, und nachher in denm legten Stift auch Probft, welches er auch) zu Chamburg gewefen. Er reis ſete mic feinem Bruder Johann Albrecht nah Rom, und ward daſelbſt beim 5 Papft Peg 10 Kammerherr. Als 1527 unter dem Papft Clemens 7 Rom durch hie Faiferlichen Kriegsvölfer erobert wurde, gerieth er bey diefer Gelegenheit in die Gefangenſchaft, und wurde nach Neapel abgeführet 7), woſelbſt er wieder in Frei⸗ heit kam, und 1528 mit Tode abgieng. Br 182. Marggraf Caſimir, der aͤlteſte Sohn Friedrichs des Altern, war geboren zu Caſimir Onolzbach 1481 den 27ſien Sept. um 6 Uhr Vormittags, und bekam von feinem kommt zur mütterlichen Großvater diefen Namen. Schon frühzeitig ward er in die Bruͤderſchaft n der Jungfrau Marin des Schwanenordens, welchen Churfuͤrſt Friedrich 2 geftifter, und Churfürft Albrecht auch in Franken eingeführee hatte, aufgenommen. Indem Kriege der Schweizer mit dem fchwäbifchen Bunde dienete er unter feines Herrn Baters Fahnen. 1502 fehlug er die Nuͤrnberger in die Flucht. Er gieng hierauf an des Kais ſers Hof, der durch ihn denen über feine Negierung misvergnuͤgten Churfürften zu vers ftehen gab, daß er nächftens einen Reichstag halten wolte. 1504 dienete er im baieris fihen Kriege, daher ihn fehon diefes Jahr der Kaifer Marimilian ı zum Churfürften von Mainz vorfihlug. In dem Kriege des Kaifers gegen die Venetianer 1508 ward er als Generaleommiffarius gebraucht. Im Jahr ısıs unterzog er fich nebft feinem Bruder Georg, auf Erlaubniß des Kaifers, der Regierung des Fürftenthums ben den Eränflichen Umftänden feines Herrn Däters, dem er beftändig mic vieler kindlichen tiebe begegnete, und felbigen an feiner Hand zu und an die Tafel begleitete. Im Jahr 1517 wurden alle Anftalten vorgekehret, die Rechte des brandenburgifchen Haufe ge gen Nürnberg mit Gewalt zu behaupten. Es fam aber damals nicht zu Thaͤtlichkei⸗ ten. Hingegen befuchte Caſimir nebft feinen Brüdern Friedrich dem jüngern und | Johann Rentſch fügt, et ſey den ten May geſtorben, und Renſchel, er ſey den ziten begraben worden. mw) Rentſch ſagt den i6ten Jul; n) Buders Sammlung ungedruckter Schriften ©; Say. ' * — Welche er bis an jeinen tod führer, 432 3%. Hauptſt. Neuere Geſchichte vom Brandenburg, Johann Albrecht ven letzten Reichstag des Kaifers Maximilians zu Augſpurg, woſelbſt er fich mit des Katfers Schweftertochter, einer Prinzeßin des baierifchen Hers zogs Albrechts, Suſanna den z4ften Auguſt vermälte. Mach dem Tode des Kal⸗ fers ernannte ihn der fpanifche König Earl zu feinem Gefandten auf dem Wahltage. Er nahm in deffen Namen den NWahlvertrag an, und befam von dem neuen romi⸗ fehen Könige den Auftrag, die in Oberdeutfchland liegende öfterreichifchen Erblans de in Pflicht zu nehmen, und bis zur Ankunft Carls 5 deſſen Nechte zu beforgen. Im Jahr 1520 half er die Erbverträge feines Haufes mir Sachfen und Heffen erneuern. Freiftadt und andere bey Gelegenheit des baierifchen Krieges erhaltene Drte trat er war wieder an das Haus Pfalz ab, erhielt aber dagegen erliche Flecken und Dörfer an den egerifchen Grenzen. Cr war bey der Faiferlichen Krönung, und nebft feinem “ Bruder Johann, dem Unterfönige von Valencia, auf dem merfwürdigen Neichstage zu Worms 1521 gegenwärtig, wwofelbff er von dem neuen Kaifer die Lehne empfieng. Auf dem Neichstage zu Nürnberg 1522 ward er mic zu dem Ausſchuß der Stände ges jogen, bie die Reichstagsgeſchaͤfte berathen ſolten. Die Unruhen, die Franz von Si⸗ fingen erregt hatte, machten verſchledene Fuͤrſten gegen die überhand nehmende Macht des Adels fehe aufmerkſam. Der ſchwaͤbiſche Bund gieng gegen denfelben ins Feld, welchem unfer Diarggraf mit 600 Pferden 3523 zu Hülfe zog. In diefem Kriege ward unter andern Thomas von Afperg heimgefücht, und die adelichen Raubſchloͤſſer auf dem Gebirge, worunter Guttenberg, Sparneck, Stodenrothe, Wolfftein und andere geweſen, geſchleift. Franz von Sickingen ward feloft bey der Belagerung feines Schloffes fo gefährlich verwundet, daß er bald darauf verftorben. ——— Im Jahr 1524 Half Marggraf Caſimir die Reichs / und Refigionsfachen auf dem Reichstage zu Nuͤrnberg perſonlich berathen. Weil die Kirchenverbeſſerung Lutheri der Hauptgegenſtand damaliger Zeit war; ſo ſchrieb Caſimir ein Religionsgeſpraͤch aus, auf welchem er 23 ſtrittige Artikel denen Geiftlichen zur Unterfuchung vorlegen wolte. Es ward aber faft nichts ausgemacht, weil die meiften berufenen Prälaten, Aebte und andere Geiftlichen zu erfeheinen aus dem Grunde Bedenken trugen, weil von Reichs wegen, über Glaubensſachen zu jfreiten, verboten war, Sie überfchickten je⸗ doch eine gedruckte Beantwortung der vorgelegten Arrifel. Der entflandene Bauten Erieg machte wielmehr ganz andere Maafregeln in Neligionsfachen nothwendig. Was in deinfelben unfern Marggrafen betroffen, will ich mit denen Worten des feel, Herrn Mentfch erzäplen: „Als 1525 der Baurenaufruhr auch den fränfifchen Kreis und das nürnbergifche Burggrafthum beunruhiget, und auf 200 Schlöffer, Klöfter und Amt⸗ häufer zu Grunde gerichtet, hat ſich M. Caſimir (indem der Bruder M. Georg auf fer tandes gewefen, ) ‚beider Fuͤrſtenthuͤmer ernftlich angenommen, die Zuſammenrot⸗ tirte verfolgt und nach Haufe gejaget. Weil auch fonderlich die hennebergifche Graf⸗ ſchaft Hart mitgenommen witebe, wo die Unterchanen ihren Herrn, Grafen Wilhelm, r zwar nicht gänzlich verjager, aber zu einem Bergleich genoͤthiget: darinnen er ihnen alles fren, > Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, alterer Linie. 433 ledig und los gegeben, was GOtt der Allmächtige gefreiet hats fie hingegen ihm gelos bet, daß fie fich gegen ihn als einen chriftlichen Bruder halten wolten; fo iſt M. Ca⸗ fimie dem Grafen zu Huͤlf gezogen, den er wieder ins Regiment gefegt, nachdem er mit Ehurfachfen fich vereinbaree und Meiningen eingenommen. Worauf er ben Oſt⸗ heim auf 8000 ertappet, denen er die Wehren abgenommen. Bareuth wurde inzwi⸗ fehen von einem Kupferfchmid aufgewiegelt, der denen Bürgern vieles von der Suͤßig⸗ Feit der Freiheit vorgeſchwatzet, und mit einem Eide befräftiger, daß Caſimir todt fer, Er habe mit feinen Augen gefehen, wie man ven fürftlichen Körper nach Heilbronn in das Erbbegräbniß abgeführer. Es fen alfo eben jetzo die gelegene Zeit, fich dem bes fihwerlichen Joche der Dienftbarfeit zu entziehen. Dieſer Sirene hoͤreten erfiche Buͤr⸗ ger, unter denen Conrad Biedermann ein Meſſerſchmidt, Johann Todtfchinder, Sohann Königsheim, George Eck, Johann Preufinger ein Ber, Zohann Hemmel und Friedrich Worm waren, mit Begierde zu ihrem Untergange zu, und traten wirklich auf feine Seite. Dieferwegen fendete der tapfere Marggraf etliche treue Männer nebft feinem Herrn Bruder Heren Marggraf Johann Albrechten nach Plafs fenburg, und verftärfte die Befagung. Er felöft aber eilete mit unterhabenden Voͤl⸗ Fern denen in 16000 ſtark verfammleten Rebellen an der Aiſch, Tauber und Main entgegen, ſchlug felbige, feste den verjagten Bifchof Conrad wieder in Würzburg ein, und nahm 1484 Bauren gefangen, nachdem er Heren Marggraf Friedrichen Doms probſt, den die Bauren aufeinem Schloffe belagert hatten, befreiet. Er nahm Schwein⸗ furt und Bambergein, in welchen Städten die Rebellen Unterſchleif hatten. Er fehlug die, fo die Neuſtadt an der Aiſch belagert hatten, hinweg, und ließ zu Lenckersheim und Ipsheim denen Berbrechern theilsdie Köpfe abfchlagen, theils die Finger abhauen. Nach diefem zog er auf Kisingen, welches er, weil die Nebellen daſelbſt ihre Schlupf winkel hatten, mic eben ver Gefchwindigfeit eroberte, und weil felbige feinem Befehl nicht gehorchen wolten, ſondern ihm zuentbosen: Sie wolten ihr nicht anfehen; fo lieg er 85 Rädelsführern die Augen ausftechen, und 70 enthaupten. Diefer Schreck brachte die übrigen zum Gehorfam. Da er nun aufdiefe Weife das unterländifche Fuͤrſtenthum beruhiget, fo wendete er fich nach dem Gebirge. Er ließ zu Culmbach diejenigen, fo fein Here Bruder bisher gefänglich hatte einbringen laffen, zur Verantwortung ziehen, und beftrafte vierzehen von Bareuth, Culmbach und Pegnitz am eben. Bon hier gieng er nach) Bareuth, und fieß einem Keffelfliker nebft einigen andern Bürgern gleis ches Urtheil wiederfahren. Zu Wonfidel ließ er zwar 14 zum Tode verurtheilen; es ‚wurde aber diefes Urtheil nur an der Hälfte vollftrecket, die andere Hälfte erhielt durch die Guͤtigkeit Marggraf Georgs, welcher das Negimene mit dem Herrn Bruder ges meinfchaftlich führete, das teben.,, DMoc) in eben dieſem Jahr erhielt fein Bruder Marggraf Albrecht, gewefener Hochmeifter des deutſchen Ordens, den oͤſtlichen Theil von Preuffen, als ein weltliches Herzogthum, vom Könige von Polen Sigismund zu behn. Caſimir ward Hiebey zum Mitbelehnten, fo wie der Marggraf Georg, ans genommen. Er machte 1526 in feinem ande eine Verordnung, wie es in der Neligion P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. Jii | folte 434 3%. 8 Hauptft. Neuere Gefchichte von Brandenburg, folce gehalten werben, die aber weber papiftifch noch evangelifchzunennen. Denn ob ee gleich niemals die behren Lutheri dffentlich angenommen ; fo wolte er doch Fein Verfolger der Evangelifchen ſeyn. Es iſt Myconii Nachricht, daß er die evangelifche sehre ordent⸗ lich abgefehworen, fehr unguverläßig, und befonders die daraus gezogene Folge nicht hip fend, daß er daher gar Fein Gluͤck im Kriege weiter gehabt, und fein Herz eingeſchrumpft ſey. Auf dem Neichstage zu Augſpurg warer mit unter denen, die des Kaifers Perfon vorftells ten, fo wie er auch auf dem Reichstage zu Speier als einer derer Fuͤrſten vorkommt, die zum: Neichsregiment gehdreten. Als Beifiger des damaligen Reichsregiments befchickte er noch den Reichstag zu Eslingen. Er felbft hatte nach dem Tode des König Ludwigs ohne Haut die Partey des Erzherzogs Ferdinand ergriffen, als folcher nunmehr zum Könige von Boͤh⸗ men und Ungarn erwaͤhlt, in dem letztern Reiche aber Johannes Graf von Zips von einigen Ständen zum Koͤnige angenommen war. Cr befand ſich daher nicht nur 1527 bey Ferdinands böhmifiher Krönung gegenwärtig, ſondern ward auch von ſelbigem zum Feldherrn in Ungarn ernannt. Aber bier ſtarb er zu Ofen ; welches er. in Ber fig genommen hatte, an der rothen Ruhr den zıften Sept. von wo fein, ie — Ber in das Erbbegraͤbniß nach Heilbronn gebracht worden. 9. 184. Seine gema⸗ Schon ſeit 1503 wurden Unterhandlungen gepflogen, unſern Marggrafen Caſi mir N: mie Sufanna ‚ einer baierifchen Prinzeßin, zu vermälen. Ihr Barer war Herzog. - Albrecht von Baiern, und ihre Mutter Cunigund eine Tochter Kaifer Friedri * und Maximilians ı Schweſter. Im Jahr 1516 fertigten alle Prinzen des bra hurgiſchen Haufes, dieſer Heirat wegen, ein Bedenken aus. Endlich erfolgte das Bar fager 151g auf dem Neichstage zu Augfpurg, und die Neuverlobten wurben von dem Eardinal Albrecht Churfürften von Mainz und Marggrafen zu Brandenburg ehelich zuſammen gegeben. Der Kaifer, die vornehmften Stände und die freinden Geſandt⸗ fihaften wohneten diefer FeierlichFeit bey, Sie vermälte fich nach Caſimirs Tode an. | ‚ben Churfürften von der Pfalz, Dtto Henrich, und ſtarb 1543 den. 24ften April an. Tage Georgi zu Neuburg, ward aber zu München begraben. Die mit dem Marge grafen Caſimir erzeugte Kinder waren: Ä | und finder, 1) Maria, geboren ısıg den zıten Dit. Cie vermälte. fich den zoten Yun. 1537 zu Ereildheim an Churfürft Friedrich 3 von der Pfalz, und flard 1567. 2) Albrecht, von dem wir fogleich mir mehrerm reden werden. 3) Catharina, geboren 1520, iſt aber jung wieder verftorben. 4) Eunigumd, geboren 1524. Sie vermaͤlte fich den zien Febr. 1557 an Margnf Carl von Banden, und gieng 1557 mit Tode ab. 5) Öriedrich, geboren 1525, der aber in * Jugend wieder verflonen $. — Marggraf Albrecht, ein Sohn nr Caſimirs und Sufannävon Baier, | reg IF geboren zwiſchen 4 und 5 Uhr Nachmittags Freitags nach Oeuli den 2gften Diez 1522, Da diefer Prinz zu feiner Zeit eine der groͤſten Rollen geſpielet⸗ » N e8 noͤthig, von ihm Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 435 ihm ausführlich zu reden. Die Welt bat ihn bald mit dem Beinamen des Kriegers, bald mit dem Beinamen des deutfchen Atcibiades belegt, und beide Namen find fehr tref⸗ fend. So wie er durch feine Heldenthaten den erften verdienet; fo Fam er darin dem Alcibindes gleich, daß er weder in Tugend noch Lafter mittelmäßig blieb. Da ihm bereits 1527 fein Herr Vater verftorben; fo übernahm deffen Bruder der fromme Margs graf Georg die Erziehung diefes jungen Vettern. Er ließ ihn duch Vincentium Dpfopkum, Chriftian Piftorium und andere in allen nörhigen Wiffenfhaften uns terrichten, und Georg felbft gab fich alle erfinnliche Mühe, ihm die Gottesfurcht nach dem Begeif der evangelifchen Religion beizubringen. Seine Feinde ſelbſt Iaffen ihr vor einen gelehreen Heren gelten, und ſowol das herrliche fied: Was mein GOtt will, das gefcheh allezeit 3., deſſen Verfaſſer, nach einigen Nachrichten, unfer Als ee brecht feyn foll, als auch verfehiedene kurze Gebete, deren er fich in feinen Feldzuͤgen bediener 0), und endlich fein erbauliches Ende, find Beweiſe, dag auch die Mühe, ihn zu richtigen Begriffen eines thätigen Chriftenthums zu bringen, nicht fruchtlos geweſen; ob er wol in den meiften Fällen den Trieben der Sinnlichkeit und einer ungezaͤhmten Hitze folgte, befonders da er in denen dftern Feldzügen gar zu häufige Mufter des uͤblen Verhaltens, das fich in tägern zu Auffern pflegt, vor fic) fahe, und dadurch verderbt wurde, Denn dadurch gewohnte er fich zum Fluchen, Schwören, unmäßigen Trins ten und Ausfchweifungen bey Frauenzimmern. Seine Freigebigfeit gegen die Sols daten wurde Verſchwendung, fein Much Tollkuͤhnheit; und gegen Ueberwundene war er hart ohne Mäßigung. So fihildert ihn Thuanus und andere p). Während der Bormundfchaft feines Herrn Vetters, der fo wenig feinen Tod wuͤnſchte, daß er fich >. vielmehr wegen feiner Erziehung alle Mühe gab, ward die Kirchenverbefferung in dem Fuͤrſtenthum des Burggraftfums Nürnberg eingeführee. Albrecht ward 1537 auf die Verfammlung nach Zeig mitgenommen, wo die Käufer Brandenburg, Sachfen und Heſſen ihre Erbverträge beftätigten und erneuerten. Kaum war er aber zu feinen vogtbaren Jahren gekommen, als er auf eine Theilung der änder des Fuͤrſtenthums deung, welche ſodenn 1541 auch erfolgte, und wobey die kaͤnder oberhalb des Gebirges unferm Herrn zufielen. Kurz vor diefer Zeit fponnen fich mit feinem Herrn Better allers | band Irrungen an. Albrecht Hatte auf der Verfammlung zu Worms am Fronleich⸗ namsfefte einem feierlichen Umgange der Päpftler beigewohnet, und den römifchen Koͤ⸗ nig Brian dabey begleiter. Hieraus entftand fogar der Ruf, daß folcher wieder | * Jia zum ’ 0) Dahin gehören feine Neutergebetlein, wor⸗ fa et immoderata liberalitate militis gratiam fibi unter fein gewoͤhnlichſtes, wen er ſich zu — coneilians, et turbida ferocitate terrorem de fe ze folgendes gemefen: ‚omnibus iniicjens, caetera temulentus et con- Das walt der HErr JEſus Eheift, tumeliofuset erudelis; planeque de eo appreba- WMit den Bater, der Uber uns ift, tumeft, ebrietatem violata femel et exafperata Wer ſtaͤrker ift, als diefer Mann, stletitis: habsoe Der fomm und thu ein Leid mir an! comitem. Nam cum frequenti ebrietate exire de poteftate füa longo vſu confueffet, fiebat, vt p) ThuanusL. 13 p.m. 240%. Albertus vio- infaniae confuerudine durata immanitas etiam lentus et acer praefentia fere ſectabatur, profu- fine vino in illo valeret, 436 3 TH. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg: zum Papſtthum zu treten &uft habe. Dieſes Fränfte den alten Georg, ohnerachtet dee Huf des letztern ohne allen Grund geivefen. Auf der andern Seite machte Albrecht feinem Better wegen der geführten Vormundſchaft und gemachten Theilung allerhand Verdruß. Uebelgeſinnte Nathgeber auf beiden Seiten vermehrten diefe Streitigkeiten fo fehr, daß man fogar befürchtete, daß es zwiſchen beiden zum Kriege kommen möchte, Um folchen zu vermeiden, forderte Georg feinen Vetter Albrecht, ohne jemandes meis teres Mitwiffen, zum Zweifampf in einem bitteren Schreiben heraus. : Er warf dem legtern darin Unwahrheiten und Unarten vor, und erbot fich, feinen grauen Bart mit Albrechts gelbem Milchhaar zu meffen. Zum Glück ward der polnifihe Edelfnabe, der das Ausforverungsfchreiben überbringen fülte, als er eben im Begrif war, zu Pfer⸗ de zu fleigen, aus Unvorſichtigkeit von einem andern Edelknaben erfchoffen. Das Schreiben kam der Gemalin Marggraf Georgs und feinen Raͤthen in die Hände, wel che ven alten Herrn auf andere Gedanken brachten, fo daß das Schreiben nicht wirklich abgefehickt wurde. Im Jahr 1542 beſchickte Marggraf Albrecht die Neichsräge zu Speier und Nürnberg. Im Jahr 1543 farb der Marggraf von Anſpach Georg der Fromme. Weil num derfelde einen einzigen minderjährigen Prinzen Marggrafen Georg Friedrich nad) fich ließ; fo unterzog ſich Marggeaf Albrecht, als deſſen näche ſter Better und Mitbelehnter, der Mitvormundſchaft des Prinzen und feiner $änder in Franken ſowol, als in Jaͤgerndorf. Es Fam alfo die ganze nicht zu verachtende Stärke des Fuͤrſtenthums des Burggrafthums bey Marggraf Albrecht wieder zuſam⸗ men, und da.er auch Jaͤgerndorf verwaltete, fo war er nicht fo arm, als ihn Arnold vorzuftellen fücht, obgleich die groſſen Kriegsruͤſtungen fowol, als die ausgelaffene Frei⸗ gebigfeit gegen die Soldaten, ihn freilich in Schulden flürzten. Es war alfo fein Wunder, daß er theils von Mori von Sachfen 5000 Guͤlden jährlicher Jahrgelder annahm, theils nachher feinen Beduͤrfniſſen mic den Gütern feiner Nachbarn zu Hälfe zu kommen ſuchte. Auch das Äbrige in Arnolds Erzehlung von dem Saftern dieſes | Herrn ſcheint zu uͤbertrieben zu feyn. $. 186, Vergleichung In der folgenden Zeit ward unſer Marggraf eine ſo erhebliche Perſon im Reich, wiſchen ibm und hatte mit dem Churfuͤrſten Moritz von Sachſen fo viel zu thun, daß es ſich wol und churfürft Moris von Sachſen. der Muͤhe verlohnet, zwiſchen beiden Herren eine Vergleichung anzuſtellen. Arnold im teben des Churfuͤrſten Moritz von Sachſen bat ſolches mit folgenden Worten ges than q): „Beide waren von groffen und Durchleuchtigften Eltern entfproffen, und haben ihrer Borfahren herrliche Wappen und Siegeszeichen gehabt, und ob. fie wol an Adel und Vorireflichfeit ihres Stammes faft gleich waren, fo waren fie doch an Ge walt und Anſehen einander ziemlich ungleih. Churfürft Moritz hatte fehr groffe und reiche Landſchaften, deswegen war er auch viel anfehnlicher und an dem Vermögen viel mächtiger, Marggraf Albrecht aber Eonte, feines wenigen Landes und feiner ſehr groſſen DO. 248 ſ. ——— Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 437 groffen Schulden wegen, nicht fo viel ausrichten, daß auch daher Ehurfürft Moritz ihm fein Unvermögen mit etlichen jährlichen Einfünften erleichterte. Bey beiden war eine groffe Hige und heftige Begierde zu Eriegen. Gleichwie fie nun diefelde von Nas tur überfommen hatten, alſo beftatigten und ergänzeten fie hernach diefelbige durch ftete Uebung ihres Vorhabens. In dieſen aber waren fie einander ungleich, daß Margs graf Albrecht von Sugend auf dem fiudiren obgelegen, und daffelbige als eine gute Hülfe zu den Kriegskünften mit in das Feld gebracht: hergegen war Churfürft Mo⸗ riß des ſtudirens unkundig, und wufte nichts mehr, als daß er leſen und fehreiben Fons te; jeboch übertraf die Scharffünnigkeit und gute Natur in Churfürft Moritzen Mary graf Albrechts Wiffenfchaft, daß, ob er wol nichts ſtudiret, dennoch durch die Vor⸗ £reflichkeie feiner Natur Marggraf Albrechten fehr weit vorgieng. So war auch das Gemuͤthe bey Churfürft Moritzen gröffer, als bey Marggraf Albrechten. Denn Churfuͤrſt Moritz ift in Feiner Schlacht gewefen, in der er nicht allezeit feinen Staat - männlich und. beherzt vertheidiget; Marggraf Albrecht aber Hingegen nicht allein feis ne Haufen verloren, fondern auch ihm felbft durch die Flucht gerathen hatte, And obgleich bey beiden eine hohe Freundlichkeit und groffe Leurfeligfeit vorhanden war, fo befanden fie fich doch bey Churfürft Moritzen viel veichlicher, weil er die Erinnerung und Rathfchläge der Seinigen ‚mit einer groffen Sanftmuth hoͤrete, und denfelbigen folgete. Es hielt Churfürft Moritz auch viel auf die Neligion, und. diefes bewies er oftermals, ſowol in feinen öffentlichen Rachfchlägen, wenn es die Sache voraus erfor derte, als auch in feinem gemeinen Thun und Vorhaben. Marggraf Albrecht aber war beides in der Neligion und görtlicher Gerechtigkeie ſehr nachläßig. Die Bereds famfeit befand fich bey Marggraf Albrechten erwas vortreflicher, als bey Churfürft Moritzen, weil er nicht allein von Jugend auf dazu angewehnet war, fondern auch durch feine Hofleute, welche das Lob einer Beredfamfeic hatten, darinnen täglich geüs ber wurde, Churfuͤrſt Moritz war in Reden kurz und mwohlgefaft, jedoch alfo und dermaffen, daß er darinnen eine Anzeigung einer groffen Weisheit und eines hohen Ver⸗ ftandes fehen und blicken ließ. Marggraf Albrecht aber Hatte eine ſtarke Stimme, war weitläuftig, und redete aus einer weiten Bruft und aufgetriebenen Seiten, doch brauchte ex fich in feinen täglichen Worten nicht einer anmuthigen Art. Churfürft Moritz aber Hatte eine feharfjinnige und mic einer fonderbaren Ernſthaftigkeit vermifchs te Art zu reden, wenn fie aber beide die Sachen der Ihrigen verhöreten und erforfches ten, waren fie nicht widerwaͤrtig, fondern fehr glimpflich. Die Gerechtigkeit, Sits famfeit und tiebe gegen gelehrte teure befand fich bey Churfuͤrſt Moritzen mehr, als bey Marggraf Albrechten, ob er gleich fudiret Harte, Denn er begabete die Univers fitäten mit herrlichen Stiftungen, und machte fie fehr reich. Ueber diefes richtete er in feinen fanden auch etliche Fürftenfihulen auf, in welchen die Knaben feiner Städte beides erzogen, und in allerhand freien Kuͤnſten treufich unterwiefen wurden. Herge⸗ gen wandte Marsgraf Albrecht nicht allein das geringfte auf gelehrte feute, fondern bes leidigte und ſchmaͤhete fie vielmehr, indem er ihnen hin und her ihre Collegia abbrannte | 3 und 438 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte won Brandenburg)" und gänzlich verwuͤſtete. Churfuͤrſt Moritz war den tiebesfachen in etwas ergeben, Marge graf Albrecht aber machte es hierin undim Trunk ganz ſchaͤndlich "Zevochift Marggraf Albrecht Hierinnen mehr zu entſchuldigen, weiler Fein eigen Weib gehabt, da hergegen Churfuͤrſt Moritz eine fehöne, fromme und züchtige Gemalin Hatte. Weil er aber ein junger vollbluͤtiger und higiger Here war, und wegen. der ftetigen Kriegsverrichtun⸗ gen immerdar und auch öfters gar zu weit von feiner Gemalin abwefend ſeyn mufte, fo fiheinet es, als wäre er hierinnen nicht fo gat groß zu ſchelten geweſen. Beide beflif fen fich zu Friedenszeiten auf Die Jagd, doch alfo, Daß fie dadurch ihren armen Unter thanen nicht etwan Befchtwerung, oder denfelbigen einen Schaden zufügeten, Ueber diefes war auch bey Churfuͤrſt Moritzen eine tapfere Hurtigkeit und eine groffe Bow fichtigkeit in allen feinem Vornehmen zu fpüren; da Hingegen Marggraf Albrecht feine Sachen alfo anftellete, daß man daraus mehr eine Dummfühnheie, als einen Ders ftand urrheilen Fonte. Die Länge ihres Leibes war mittelmäßig, ohne daß Churfürft Moritz etwas hagerer war, hergegen aber hatte Marggraf Albrecht ſtarke Gliedmaſ⸗ fen, eine breite Bruft und ſehr breite Schultern; doc) machte die Gleichheit der Glie⸗ der Churfürft Moritzen in allen Dingen viel gierlicher und annehmlicher, als Marge graf Albrechten. Ehurfuͤrſt Moritz Hatte ein etwas vörhliches, jedoch ſchwarzbrau⸗ nes Augeficht, welche Geftalt an einem Helden vornemlich gelobet und erfordert wird. Marggraf Albrecht aber war voller Sommerfproffen, welche ihn doch nicht verſtelle— ten. Ein jeder hatte einen vollftändigen Bart. Churfuͤrſt Migrig einen geldigen, Marggraf Albrecht aber einen rothen. Churfuͤrſt Moritzens Augen funfelten, und “ waren voller Flammen, und wenn er einen ohngefehr anfahe, fo wandte er fie nicht. eher von demfelbigen ab, bis der andere, gleichfam als dutch den Blitz feiner Augen verlegt, die feinigen unterſchlug; Marggraf Albrecht Augen aber waren nicht Heller, als fie foriften insgemein zu ſeyn pflegen. Marggraf Albrecht ließ. bisweilen dag Haar ſehr fang wachfen, Churfuͤrſt Moritz aber ließ: fein Haupt befcheeren, und trug kurze amd fraufe Haare. Es war in Wahrheit bey beiden eine folche Geftalt des feibes, wel⸗ che nicht zu verachten war, jedoch war Churfuͤrſt Morig wegen feiner Hurtigkeit und feines freundlichen Gefichts viel fehöner anzufehen. Ich Habe von vielen vornehmen. $euten, auch ton denen, fo ihm nicht fo gar wohl wolten, ſehr öfters gehöret, wenn fie ihm entweder reiten, oder einher gehen fehen, fo habe die Höflichkeit feiner Sit⸗ ten und der Wohlſtand feines Leibes alfobald zu verftehen gegeben, daß er ver Kern eis nes hereiſchen Mannes waͤre. Und in Wahrheit, feine tapfere und grosmüchige Hels denthaten bezeugen fatfam, daß feine Natur, fowol dem feibe, als dem Gemuͤthe nach, recht heroifch und ganz fonderbar gewefen fey. Ich habe dieſe beiden Fuͤrſten ſelbſt ges fehen, wie fie ſowol zu Friedens + als zu Kriegeszeiten nicht allein ſehr freundlich, fons dern auch ganz brüderlich gelebt haben, Und weil Churfürft Moritz viel veicher war, als Marggraf Albrecht, bezahlete er ihm jährlich 5000 rheiniſche Gulden, damit er feine Voͤlker defto beſſer unterhalten koͤnte. Als fie aber einmal in die Uneinigfeic ges viethen, fo find beide einer des andern Derderben gewefen. Churfuͤrſt Moritz hielt | Ä gänze Eh ne — Anhang. von den brandenb. Marggrafen in Sranfen, älterer Linie. 439 gänzlich dafür, er hätte an Marggraf Albrechten einen ſehr ſtarken Nückenhalter, den er durch feine Freigebigkeit und vertrauliches Leben ihm hochverbunden gemacht. Viel⸗ weniger meinte er, daß es gefehehen koͤnte, daß er einer derjenigen Diener feyn wuͤrde, welche ihn mit Haß und Neid belegten. Aber er wurde in feinem Wahn betrogen, und erfuhr hernach, daß ex nicht allein nicht fein treuer Freund, fondern auch fein ärge fer Feind worden war: Hieraus nun kann man fehen, wie unbeftändig der Menſchen Mille fen, und was für groffe Feindfchaften in einem leichten Augenblicke aus groffer Freundſchaft heraus wachfen fonnen. Und weil dieſes unter den gemeinen teuten gar - leicht zu gefchehen pflegt, fo ereignet fich doch folches in Wahrheit noch vielmehr zwi⸗ fihen ven Häufern vornehmer Potentaten. Denn weil diefe viel mächtiger find als ans dere, und daher an Anfehen einander nicht, weichen und nachgeben wollen, fo können fie fich auch) kaum einer beftändigen und gewiffen Freundſchaft verfichern, Derowegen foll man ja wohl und fleißig: zuſehen, was ihn einer für Freunde erwähle, und daß er nicht fo bald fich fein Gemuͤthe dahin verleiten laſſe, diejenigen dafür auf / und anzu nehmen, ba beffer wäre, daß er fie nimmermehr gejehen, als ſehr gelicber Hatte. Denn es iſt in dee Welt nichts fchanölichers, als ein ſolcher, der aus einem Freunde ein Feind worden. Denn deinem Feinde haft du niemals geglauber, aber wenn du einem Freun⸗ de beine geheimen Nathfchläge vertraueft, und er dein Feind wird, fo hat er fehr groffe und die beften Bortheile und Gelegenheiten, dir zu fehaden. Daß aber Churfuͤrſt Mo⸗ ritzens und Marggraf Albrechts Freundſchaft einen traurigen Ausgang haben werde, Hat ein abfeheuliches Ereinpel für etlichen Jahren gleich zu vorher angezeiget. Ich ers zähfe zwar daſſelbige nicht, weil es einem vielleicht als ein erdichtetes Werk vorfommen koͤnte, wenn es nicht fehon jedermann befandt, und durch vornehmer Leute Anfehen und Ausfage wäre beftätiget und befräftigee worden. Als Ehurfürft Moritz ohnge⸗ fehr zu Torgau: Faſtnacht hielt, und. nach feiner Gewohnheit Marggraf Albrechten unnd feinen Bruder Herzog Auguſten dazu eingeladen hatte, begab ſich diefes an einem Tage: As Marggraf Albrecht, feinem Gebrauch nach, fich voll Wein getrunken hats ge, amd Ehurfürft Moritz mir feinem Bruder bey ihn an der Seiten faß, und von unterſchiedlichen Sachen mit einander redeten, Fam eine Jungfrau, und feßte fich zwi⸗ ſchen Marggraf Albrechten and. Churfürft Moritzen nieder. Da Herzog Auguſtus, der fie zu allererfi fahe, und über der Geftalt des Gefpenftes erſchrack, erinnerte den Bruder, er ſolte mit ihm aus dem Tafelgemach gehen, denn es ahnete ihm nichts gus tes, und er koͤnte nicht länger da bleiben. Darauf fahe Churfürft Moritz dieſelbige auch, erſchrack darüber, und fprach zu Marggraf Albrechten ; was habe ihr für eine Jungfrau? Der antwortete ihm: laſſet fie mir figen, und fluchte über diefes noch hef⸗ tig über diefelbige: Da aber die beiden Fuͤrſten von Marggraf Abrechten Abſchied nahmen, verſchwand bie Jungfrau auch. Marggraf Albrecht bewegte ſich hierüber gar nicht, fondern blieb fißen, ließ etliche von del zu fich Holen, und brachte die Nacht, wie er angefangen hatte, vollends mit Trinken zu. Dieſes war ein erfchreckliches Ans zeigen der Zweitracht, welche unter diefen Fürften entftehen folte. Deun eine folche Defchaffenbeit hat es in allen Dingen, daß dasjenige, was nicht mic Gottesfurcht und . | mit 440 3%. 8 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. mit einem aufrichtigen Gemuͤthe angefangen wird, weder lange beftehen, noch endlich, einen gluͤcklichen Ausgang haben koͤnne. Marggraf Albrecht war von Jugend auf in pen freien Kuͤnſten und guten Sitten. fehe wohl unterwiefen worden, und hatte ſowol bey den Seinigen, als andern eine groffe Hofnung und Vermuthung eines frommen Fuͤrſtens erwecket, damit er auch fowol fein teben, als aud) die Sitten zugleich in feis ner Jugend defto leichter vollfommener machen möchte, begab er fich an Kaifer Carls Hof, allda hat er ſich dermaffen verhaften, daß ſich alle über ihn verwundere haben, daher gewann ihn der Kaifer ſelbſt fehr Tieb, und wurde den auswärtigen Nationen fehr angenehm. Als er aber zulegt der anderer Beiwohnung hindangefegt, indem er gleichſam im Gemüche nur nach Kriegesruhm brannte, zog er die deutſchen Soldaten in feine Geſellſchaft. Weil aber diefe Art Leute mehrentheils gottlofe und ganz laſter⸗ haftig zu ſeyn pfleget, fo nahm Marggraf Albrecht ihre Sieten in Eurzen dermaffen an, daß er an einem unerbaren und fehändlichen teben Eeinem nichts bevor gab. Da er nun in einem folchen eben verharrete, fo muſte er auch einem folchen Ausgang des: tebens empfinden, welcher dergleichen Art Leute zu begleiten pfleget. Denn nachdem er in dreien Felofehlachten war uͤberwunden und. aller feiner Länder. beraubet worden, muſte er ganz erbärmlich ſich in das Elend begeben, und als ihm fat niemand aufnehs men wolte, ftarb er endlich in dem fünf und dreißigften Jahre feines Alters bey feinem Schwager, dem Marggrafen von Banden, welcher ihn mehr aus Barmherzigkeit, als eines einzigen feines Derdienftes wegen an feinem Hofe aufgenommen. Wir bit, ten den allmächtigen Gott, der die Gemüther und Herzen der Fürften regieret und fuͤh⸗ vet, auch die Fuͤrſtenthuͤmer zu betätigen pfleget, daß er die Gemuͤther der Fürften durch feinen heiligen Geift zum Frieden entzünden, und den Seelen dieſer beiden Fürs ften das ewige Sebein geben wolle! ,, Wir wollen uns aber nunmehr näher um Ar brecht3 Handlungen befünmern, und fehen, wie weis Arnold fein Gemälde dem Ur⸗ bifde gleich gemacht, ji | | ER $. 1.187: Ani a alle Er iſt anfaͤng⸗ Marggraf Albrecht bezeigte anfaͤnglich allen Eifer vor ven Dienſt und die Vortheile lich Cars s des Kaifers Carls 5. Er führte vor diefen Prinzen 1544 2000 wohlgeruͤſtete Dferde ak freund gen Frankreich ins Feld. Er beförderte deſſen Vortheile auf dem Reichstage zu Speier, dem er perfönlich beitohnere, fo wie 1545 auf dem Neichstage zu Worms, den er durch Gefandte beſchickte. In diefem Jahr fuchte er die Mirbelehrung tiber Preuffen von Polen. Im Jahr 1446 errichtete er aus dem Franciscanerkloſter zu Hof eine fehe brauchbare Schule, wie er denn auch aus den Kloftereinkünften jaͤhr⸗ fich 2000 Gulden Renten ausgefegt, um dadurch theils Die Gehalte ver Schullehrer zu verbeffern, theils armen Leuten unter die Armen zu greifen, die den Wiſſenſchaften ob» fagen. Dies entkraͤftet Arnolds Ansſpruch von feiner fehlechten Siebe zu denen Ger lehrten. Den sten May diefes Jahres Fam er auf dem Neichstage zu Regenfpurg an.. Hier nahm ihn der Kaiſer gegen: die fehmalfaldifchen Bundesgenoffen in feine Beftallung als Kriegsrath und Feldherrn. Er fieng hierauf an, Werbungen anzuftels fen, und entſchuldigte fein Betragen gegen Ehurfachfen und Heſſen damit: daß fol ches . Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 441 ches wit den Erbvertraͤgen nicht ſtritte, weil der Kaiſer in denſelben foͤrmlich ausge⸗ no ſey. Die von ihm verſprochene 3500 Reuter, davon im Hortleder ein ziem⸗ lich genaues Verzeichniß ftehet, wurden wirklich angeworben, und, fo wie fie zufoms men gefommen, an verfehledenen Orten gemuftert. Den ısten. Sept. ftieß er zum ‚Heer des Kaifers. Don feinen mitgebrachten teuren überließ er 1500 dem rümifchen Könige, 2000 behielt er unter feinem Oberbefehl, fo das Wilhelm von Grumbach unter ihm Befehlshaber war. Wider Vermuthen fingen aber die ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen die Feindfeligfeiten zu erft an, und hatten in diefem Feldzuge vieles Gluͤck, bis Mori von Sachfen des damaligen Churfürften tänder angrif. Dies nöthigte die Bundesgenoffen, zurück zu Eehren, woruͤber Moritz in ziemliches Gedraͤn⸗ ge geriech. Um —— etwas luft zu machen, ſchickte der Kaiſer den Marggrafen Albrecht am gten Jan. 1547 von Heilbronn mit 2000 Reutern und sooo Mann Bußvolfab. Hiermit ftieß er zu Herzog Moritz in Chemnitz und hielt mit der News teren einen prächtigen Einzug. Seine Reuter wurden anfänglic auf die Dörfer vers legt, nachher aber in die Stadt gezogen, auch feine nachruͤckenden Fußvoͤlker in die Vorſtaͤdte verlegt. Im Kriegsrath verhinderte er die Abbrennung der Vorſtaͤdte, und es ward beſchloſſen, den Feind aufzuſuchen. Vor ſeinem Aufbruch erfolgte aber ein gefaͤhrlicher Streit zwiſchen ſeinen Reutern und denen daſelbſt ſtehenden ungariſchen Voͤlkern, den er und Churfuͤrſt Moritz mit ſchwerer Mühe erſt ſtillen muſte. Hier⸗ auf brach er mit ſeinen Kriegsvoͤlkern, welche den Vorderzug ausmachten, nach Roch⸗ litz auf. Eine unbedachtſame liebesbegebenheit ſtuͤrzte ihn hieſelbſt ins aͤuſſerſte Un— gluͤck. In Rochlitz wohnete des verſtorbenen Herzogs Georgs von Sachſen Schwie⸗ gertochter, eine junge Witwe, die man einer freien tebensart beſchuldigte, welche aber dem damaligen Churfuͤrſten Johann Friedrich aͤuſſerſt ergeben war. Beide Umſtaͤn⸗ de noͤthigten den Herzog Moritz, unſerm Albrecht die Warnung zu geben: wenn du wilſt mein Schwager werden, ſo will ich es dir nicht wehren, aber ſiehe zu, daß es nicht zu unſerm Schaden geſchehe. Marggraf Albrecht antwortete: wenn ich zu ihr kom⸗ me, will ich ſchon daran denken. Den 6ten Febr. gieng er mic feinem Heer aus Chem: nitz ab. Bey feiner Neuteren führten 1200 Mann tanzen, die andern aber hatten nur Schweinsfuͤſſe und Handrößre, welche ihrer Waffen wegen ſchwarze Reuter genenner wurden. Die Iegtern führte Johann von Affeburg an, diertanzenträger befehligte der Marggraf ſelbſt. Aufler den zooo Neutern und 5000 Fußknechten führte er 15 groffe Stücke bey fich, davon eins immer pfündiger, als das andere war. Den feiner Ankunft in Rochlig nahm ihn die Herzogliche Wirwe mit der äufferften Berftellung und . Freundlichkeit auf, zog ihn zur Tafel, und vermochte ihn durch eine freie Aufführung dahin, daß er ihr zu Gefallen täglich Gaſtmale anftellte, und die Nächte durch mit tanzen zubrachte. Die Witwe entdeckte alles dem Churfürften, fogar wie die Schild⸗ wachen des Nachts ausgeftellet waren. Den ıften Merz, als eben der Marggraf vom Trunf und Tanz ermuͤdet mit feinen Befehlspabern noch im tiefen Schlaf begras ben war, wurben feine Wachen aufgehoben, : ‘Der Feind erfuhr von ihnen das Loſungs⸗ P. allg. preuß. Geſch. 3Th. RE wort, 442 3%. Hauptſt. Neuere Gefhichte von Brandenburg. wort. 400 Reuter mit Feuerröhten bewafnet machten den erften Anfall. Der Marge graf eilte fofort feinen ftreitenden Leuten im Stadtthor zu Hälfe, und trieb den Feind zuruͤck. Hierauf zog er fich mit einem Haufen Reuter, welcher nicht bereits abgefehnits ten war, ins freie Feld, unterließ aber, das Schloß zu befegen, ohnerachtet ein Theil feines Fußvolks ſich in der Stadt noch) rifterlich wehrere. Er vor feine Perfon eifte wieder in den Platz, und ließ Pulver austheilen. Zum Unglück kam in daffelbige Feuer, und diefer Abgang verurfachte, daß das Fußvolf weder zur Stade heraus kommen und zu den Neutern ftoffen, noch fich genugfam i in der Stadt gegen Die Feins de wehren Fonte. Dieſe waren bereits in die Haͤuſer eingenommen, "und fehoffen aus alten Fenftern, fo daß die marggräflichen Völker weder auf dem Markt ‚ noch auf den Straffen ficher waren. Albrecht fuchte ſich zwar noch mit einigen leuten durchzuſchla⸗ gen, weil der Ort aber mit vielen hohlen Wegen umgeben, die ver Feind bereits alle befeßt hatte, vward er bald von Neutern umringet, und nach ver herzhafteſten Gegen⸗ wehr vom Herzog Ernſt von Braunſchweig gefangen genommen. Seine Fußvoͤl⸗ fer wurden hierdurch fo niedergeſchlagen, daß fie Rochlitz den Feinde völlig uͤberga⸗ ben. Er felbft forgte in einem Schreiben davor, daß man feiner gefangenen teute ſchonen, und fieniche mit dem Schwerd verfolgen folte. Es wurden hieranf Diefelben ges plündert, entwafnet, und muften fehwören, "innerhalb 4 Monaten nicht zu dienen. Unter andern hatte in dieſem Gefechte tandgraf Chriftoph von Leuchtenberg, der um ter dem Marggrafen dienete, eine ſtarke Wunde bekommen, woran er Furz darauf zu Altenburg mie Tode abgleng. Der Marggraf ſelbſt ward gefangen nach Gotha ge bracht. Jedermann geftund, daß, wenn ihn Herzog Morit unterftüßt, und ihm nur die ungarifchen leichten Reuter zu Huͤlfe geſchickt haͤtte, der Sieg ganz gewiß in ſeinen Haͤnden geweſen waͤre. Die Feinde bedieneten ſich dieſes Vortheils ſo gut als fie konten, und nahmen unter andern Hof und Wonſiedel ein. Es waͤhrete aber ihre Freude nicht fange. Der Kaifer Fam mit der ganzen Macht nad) Sachſen, wel⸗ ches ihm nach der Schlacht bey Muͤhlberg, ſo wie der Churfuͤrſt ſelbſt, in die Haͤn⸗ de fiel. Der gefangene Churfuͤrſt muſte hierauf den Marggrafen Albrecht auf freiem Fuß ftellen laſſen. Diefer kam fodenn zum Kaifer nach Halle, der ihm zur Schad⸗ loshaltung das Amt Königsberg abtrat. Er befuchte hierauf ven Reichstag zu Aug ſpurg, auf weichen 1548 das befandte Anterim vom Kaifer vefigefegt, und die Stadt Magdeburg geächrer wurde. Im Jahr 1549 ward er zu Brüffel vom Kaifer mit dein Amte Königsberg befiehen. Im Jahr 1550 befihickte er den Reichstag zu * ſpurg. Er ſelbſt kam, aus Freundſchaft gegen den neuen Churfuͤrſten Moritz, dem⸗ ſelben mit 300 Reutern in der Belagerung von Magdeburg zu Huͤlfe. Er ließ ſofort den sten Nov. bey der Elbe oberhalb Buckau eine Schanze aufwerfen, die er ſtark befeßte, weil feine teute von dem ausfallenden Feinde fchon vieles gelitten hatten. Den Herzog Georg von Mecklenburg betraf das Unglück, daß er von den Magdeburs gern in einem Ausfall gar gefangen wurde, mit welchem unfer Marggraf den igten Sept. 1s5t. währender Gefangenfhaft eine untietetun im freien — hielt. So of i = ee a — — Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie, 443 oft der Churfuͤrſt Moritz fich nicht felbft im fager befand, führere Marggraf Albrecht nebſt den Eaiferlichen Bevollmaͤchtigten Lazaro von Schwendi den Oberbefehl Über die ganze Belagerung. Gegen ben letztern machten die Soidaten wegen nicht erfolgter Bes hlung einen Aufftand. So bald Marggraf Albrecht die Gefahr vernommen, ließ er feine eigene Neuterey ausrücken, um dem Feinde alle Gelegenheit zu benehmen, von diefem Zufall Vortheil zu ziehen. Die übrigen Soldaten wurden zufammen ‚gerufen. Der Marggraf redete fie mit groffer Befcheidenheit und gelinden Worten an, und vers fprach ihnen auf das heitigfte, daß der ruͤckſtaͤndige Sold innerhalb wenig Tagen bezah⸗ dee werden folte, wodurch er. felbige- wirklich zue Ruhe brachte. In der folgenden Mache ließ er die Anftifcer der Meutmacher gefangen nehmen, einige davon in der _ Elbe erſaͤufen, andere aber fofort auffnäpfen. Dieſes Beifpiel wirkte wirklich fo viel, doaß hierauf ein jeder Soldat zu feiner Pflicht zurück kehrete. Gegen das Ende des Yahres ergab ſich die Stadt, die weder Churfuͤrſt Moritz noch Marggraf Albrecht zu Gerunde zu richten willens gewefen, fondern vielmehr der vom Kaifer unterdruͤckten Frei⸗ . beit Deutfchlandes und der evangelifchen Kirche ſich anzunehmen entfehloffen. Bei den gieng es befonders nahe, daß ihnen Carl 5 währender Belagerung bey Strafe der Acht anbefohl, das Interim anzunehmen. Albrecht zog ſich nachher, da er ſchon sehe unglücklich geworden, die magdeburgifche Belagerung fehr zu Gemuͤthe, und fagte einemals: „Mein Prediger hat oft geprediger : alle die vor Magdeburg ziehen, die feyn des Teufels, und werden wenig Gluͤck haben, denn fie verlieren den Glauben ‚ und betruͤben den heiligen Geift. Er ift warlich unfer Prophet gewe⸗ fen. Denn Herzog Georg von Mecklenburg, Herzog Moritz, Marggraf Fries drich, Biſchof Walwitz, Wolf Schlegel und viele andere find todt. Ach bin vom fand und feuten verrrieben, Tebe zwar noch, aber weiß nicht, wie fange. Ich meine, Magveburg Hat Gott an uns gerochen. Er fen mir doch wiederum einmal gnädig! „, Auch ter gegen den Churfürften von Sachſen Johann Friedrich von ihm geführte Krieg hat ihn gereuet. — | RE ER Ede | RER EAN | | Man hat dem Marggrafen Albrecht fehufd geben wollen, daß er blos aus dem Wird aber Triebe zum Kriege, und weil ihm der Kaiſer feine im fehmalfaldifehen Kriege gelei⸗ Eee ſtete Hülfe nicht genugfam belohnet, des Kalfers Feind geivorden ſey. Es hat aber wirklich nicht an erheblicheren Gründen gefehlet. Das Faiferliche Betragen ſchien fos wol dee evangeliſchen Religion, als auch der Freiheit der deutſchen Neicheftände deöchſt gefährlich. Moritz wolte folche eben fo wenig, wie Marggraf Albrecht unters \ Brücken laſſen. Hiezu Fam die vertrauteſte Freundfchaft, die zwifehen diefen beiden Herren ſtatt fand. Albrecht uͤberließ dem Churfürften Moritz das erworbene Amt Königäberg vor 60000 Gulden, und ließ fich mie demfelben ſowol, als mit verfchies denen andern Neichsftänden und dem Könige von Franfreich Henrich 2 in ein geheis mes Bündniß gegen den Kaifer ein. Er fingan, die fihleunigften Kriegszuruͤſtun⸗ gem zu machen, nur blieb es jedermann ein Näßel, was folche veranfaffer. Er ſelbſt his; ff 2 antwors 444 3%. Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ‚antwortete denen Neugierigen: wenn er wüfte, daß fein Hemd von feinen Gedanken oder Gemuͤthsmeinungen Nachricht hätte, wolte er es von fich werfen. Dännemarf befürchtete, daß feine Zurüftungen diefes Königreich angiengen, und der Kaifer war der Meinung, daß feine Völker für England gegen Frankreich geworben. wären, Auf einmal entwickelte fich 1552 die ganze Sache durch die Kriegeserflärungen dee Bun⸗ desgenoffen. Beſonders führte Marggraf Albrecht in der feinigen alle Beſchwerde gegen den Kaiſer an. Er rechnete dahin: 1) die tridentinifche Kirchenverſa und deren Verhalten. 2) Die blos zum Vortheil des Kaiſers und blos: zur verderbli⸗ chen Schatzung des Reichs gehaltenen Reichstaͤge. 3) Daß die Reichsraͤthe nicht mehr frey, ſondern mit allerley Ueberſetzung und Parteilichkeit unterſpickt waͤren. 4) Daß das Neichefiegel, beſchwerliche Anlagen zu machen, in fremden Haͤnden, auch die Aus fertigung langſam und in«fremden Sprachen geſchehen. 5) Daß man ven Deutfchen verbiete, in fremde Dienfte zu treten. 6) Stände verpflichte, wider das Haus Oe⸗ frevreich und Burgund niemals auf irgend eine Weife zu dienen, und ihnen hiedurch die Reichshuͤlfe gegen das Haus Defterreich benehme; fie aber dem Haufe verbunden und zugeeignet worden. 7) Unterchanen habe man geftraft, weil fie ihrem eigenen tandesheren gedienet. Parteiloje zur Gelohülfe vor den Kaifer gezwungen. 9) Rechts⸗ Händel über Reichslande, ohne das geordnere Neichsgericht,, durch andere entſcheiden laffen. 10) Daß man den Ständen-verbiete, ihr Bildniß auf Münzen zu ſchlagen. 11) Den Reichsftädten die Näche abfege. 12) Freund und Feind mit fremdem Kriege volf befchwere. 13) Gegen verdiente Stände ſich undankbar beweife; und 24) flatt aller Abfchaffung diefer Befchwerden die Stände mit Entfehuldigungen und Exbieten einzufchläfern füche. - Zulegt ermahnte er alle Neichsftände, den Bundesgenoſſen beis zutreten, weil felbige nicht, Fremden, ‚abfonderlich den Tuͤrken, das Reich indie Haͤn⸗ de fpielen wolten, noch, wie das Gerücht gieng, eigennuͤtzige Bereicherung) ſuchten, fondern blos der Reichsfreiheit fich annehmen müften. Alle, die fich ihnen widerſetzen würden, wurden mit Feuer und Schwerdt bevrohet. Das war aber dem Albrecht Fein Hehl, daß er. der Geiftlichen Gewalt, jedoch ohne Schaden der Stiftung und des‘ Adels, ſchwaͤchen wolte. Er hielt redlich fein Wort; Er vereinigte fich nebft feinen- auf 20000 Mann fich belaufenden Bölfern mic dem Churfürften und übrigen Bundesgenoß fen zu Rothenburg. Er erfuchte dur) feine Schreiben die ‚Städte Nördlingen, ſchwaͤbiſch Hall, Rothenburg an ver Tauber und andere ſowol, als auch Die Reiches ritterſchaft, fonderlich in Franken, unter der Bedrohung, Feine Entſchuldigung gelten zu laffen, an einer Sache Theil zu nehmen, die das gemeine Wohl fo nahe betreffe. Er Half Rothenburg, Duͤnkelſpiel, Noͤrdlingen, Donawerth und Augſpurg erobern, und war, nebſt dem Churfuͤrſten von Sachſen und dem Herzog von Meck⸗ lenburg, ein Hauptanfuͤhrer der verbundenen Macht. Als nach der Eroberung von Augſpurg die uͤbrigen Bundesgenoſſen in Tyrol einbrachen, muſte unſer Marggraf denenſelben den Ruͤcken zu ſichern ſuchen. Er nahm daher Helfenſtein in Beſitz, und belagerte die Stadt Ulm, die ſich mit ſchweren Summen loͤſen muſte. Hierauf durch⸗ ſtreif⸗ — * Nr * si * —— * ei Anhang von den brandenb, Marggrafen in Franken, älterer Linie, 445 ſtreiften feine Völker das Gebiet. des Deutſchmeiſters. Ste rückten ins nuͤrnbergi⸗ ſche Gebiet, eroberten Lichtenau, legten faft das ganze nuͤrnbergiſche Gebiet in die Aſche, und belagerten die Stadt vom gten May bis zum 22ften Gun. Hier langten vom Marggrafen Johann von Eüftrin 2000 Mann Hülfsvölker in des Marggrafen ‚fager an. Ueberall wurden ungeheure Summen erpreßt, und die Stadt Nirnberg endlich gezwungen, - einen Dergleich einzugehen, daß fie der Bundesgenoffen Parten ers geeifen, und an den Marggrafen 200000 Gulden nebft etlichen Stuͤcken Geſchuͤtz und 400 Eentner Pulver, auch über dieſes 19833 Gulden vor die fchuldige Brandfchas Sung etlicher nuͤrnbergiſcher Aemter, an ſtatt ver aufgelaufenen Kriegeskoften, bezah⸗ fen wolle. Aus dem kager vor Nürnberg Fündigte er dem Bifchof von Bamberg und Wuͤrzburg den Krieg an. Da er die Stadt Forchheim mic Gewalt erobert, und fich von den Einwohnern 30000 Gulden Brandfchagung verfprechen laffen, auch fich eis niiger andern Aemter benächtiget, fo wurden dadurch die Bifchöfe von Bamberg und Wuͤrzburg gendthiget, mit dem Marggrafen auf fehe harte Bedingungen fich zu fegen. Bamberg trat an ihn folgende Aemter ab: Nifen; Burffonftadt, Maineck, Kupferberg, Leigaft, Ludwig + Schuraaft, Vilſeck, Potenſtein, Holfeld, Weiſchenfeld, Neideck, Vorchheim, Neunkirchen, Herzogaurach, Unter⸗ und Ober⸗Hoͤchſtett, Obern Schönfeld und Wachenroth, mit allen zugehoͤri⸗ gen Unterthanen, Schugverwandten, auch ihren Schlöffern, Städten, Dörfern, Weilern, Höfen, Mühlen und Muͤhlſtetten, Lehenſchaften und Lehenleuten Edel und Unedel, und ingemein allen andern zugehörigen Negalien, Rechten und Gerechtigfeis ten; und über diefes find noch alle Lehen, fo Bamberg in marggräflichen tändern ges habe, mebft noch, 80000 Gulden an baarem Gelde verfproghen worden. Das Stift Würzburg bewilligte 220000 Gulden Daar zu entrichten, und über dieſes noch 350000 Gulden von Marggraf Albrechts Schulden über ſich zu nehmen. Cs hatte alſo Marg⸗ graf Albrecht blos waͤhrend der nuͤrnbergiſchen Belagerung uͤber 10 Tonnen Goldes und 20 Aemter theils wirklich erhalten, theils verſprochen bekommen. In der Zeit wurde von den uͤbrigen Bundesgenoſſen die Ehrenberger Clauſe erobert, und damit Heſſen geſichert wäre, und zugleich die kaiſerlichen Voͤlker aus den Niederlanden in Deutſchland nicht einbrechen Fonten, ward von fäntlichen Bundesgenoffen die Belages rung von Frankfurt am Main beſchloſſen. Der Churfürft Moritz ſperrte den Ort auf ber einen Seite ves Mains, Marggraf Albrecht aber auf der andern Seite diefes Fluffes ein.. Während diefer Belagerung aber Fam der paſſauiſche Vertrag glücklich zum Stande. Mur Marggraf Albrecht glaubte dabey zu Furz zu kommen, weil feine vors theilhaften Verträge darin nicht beftäriget worden. Es Fränfte ihn, daß er feine Abs fiche gegen die geiftlichen Fuͤrſten nicht gänzlich erreichen Fonnen. Frankreich that alle mögliche Berfprechungen, ihn auf feiner Seite zu behalten, da deffen übrige Bundes— genoffen fich mit dem Kaifer ausgeſoͤhnet. Marggraf Albrecht ließ ſich wirflich mit diefer Krone in neue Berbindungen ein, und brach mit feinen Völkern aus dem fager gegen Mainz auf. Viele Völker der uͤbrigen Bundesgenoffen giengen zu ihm über. —X | er REk 3 Das 446 3%. 8 Haıptit. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Das ganze Regiment des von Reiffenberg folgte ihm mic fliegenden Fahnen nach, und gab fogar auf den Churfürften Moritz, der es davon abzuhalten fuchte, Feuer, Der Marggraf nahm hierauf die Städte und Stifter am Oberrhein, Mainz, Speier und Worms in Befiß, verjagte überall die Seiftlichen, und ließ fich von dem Biſchof von Worms eine anſehnliche Summe Geldes verjprechen. Der Churfürft von Trier ſuchte vergebens bey dem Churfürften von der Pfalz an, dag felbiger als Reichsver⸗ weſer, wegen Marggraf Albrechts Fortſetzung des Krieges, die Stände des Reiche berufen ſolte. Demohnerachtet befeste der Marggraf die Päffe am Rhein -und an der Mofel, und gieng durchs Luxemburgiſche nach Lothringen in die Gegend,von Meg ab. Das Kammergericht nahm diefe Gelegenheit in Acht, die Verträge des Marge grafen mit Bamberg, Würzburg und Nürnberg zu vernichten, die fich auch gleich darauf einiger an den Marggrafen abgerretener Plaͤtze wieder bemächtigten.. Albrecht warb vom Kaiſer ſowol als Frankreich geſchmeichelt, und er mufte notwendig zwei⸗ felhaft werden, welche Partey er ergreifen ſolte. Weil nun Henrich 2 feinem Ber ſprechen nicht nachkam, die zugeſagten Huͤlfsgelder nicht auszahlte, und das Heer des Marggrafen zu verleiten ſuchte, in franzöſiſche Dienſte zu treten, fo ſchloß endlich Albrecht mit dem Kaifer zu Diedenhofen einen Bererag,. worin Earl 5 ſeine im Krie⸗ ge gemachten Verträge beftätigte, und Die vorigen Bernichtigungen wieder aufhob. Nun verwechſelte er die franzoͤſiſche weifle Feldbinde mir der kaiſerlichen. Die Franzofen wolten ihn zwar angreifen. , Er kam ihnen aber zuvor, fehlug den Herzog d’Aumale und befam ihn nebft vielen andern gefangen. D Aumale ward zur Verwahrung nach Plaſſenburg gebracht, der Marggraf Albrecht aber vereinigte ſich mit dem kaiſerli⸗ chen Heer, welches jege Metz belagerte. Hier ſchlug er derer Franzofen Anfälle auf ihn mehr als einmal gluͤcklich ab Demohnerachret ward 1553 die Belagerung fruchtlos aufgehoben, und hiemit hatte alles Glück unfers Marggrafen ein Ede. nun. §. 189. | Et zerfält Denn Bamberg, Wirzburg und Nürnberg wolten die durch ihre Verträge —— an ihn abgetretene Lande zurück haben, weil der Kaiſer durchs Kammergericht fie von Mori, und ihren Verbindungen losgeſprochen. Der Marggraf wolte feine erhaltene Vortheile ie Sg nicht fahren laffen, weil der Kaifer die Vernichtigung wieder aufgehoben, und dage⸗ und Leuten Verjagt, gen die einmal gefchloffene Vertraͤge beſtaͤtiget habe. Das Kammergericht unterſtuͤtzte des Marggrafen Gegner, und befahl denen Benachbarten an, ſeinen Rechtsſpruch zu vollſtrecken. Der Kaiſer, der die Unruhen in Deutſchland zu erhalten ſuchte, um vielleicht Fünftig einen Borwand eines neuen Krieges zu haben, trat den Ausſpruch des Kammergerichts bey, und entſchuldigte ſich gegen die Vorftellungen des Marggras | fen damit, daß er damals, als.er fich mie dem Marggrafen ausgefohner, fich in die F Zeit fehisfen müffen. Doc) verordnete er-einige Stände, die Sache guͤtlich beizule⸗ gen. Albrecht fand die von. feinen Gegnern angebotene Bedingungen, fonderlich zu. Heidelberg nicht annehmlich. Er grif nach feiner bigigen Denfungsart zu den Waf⸗ fen⸗ TE NE Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 447 fen, worüber es in Franken zu mörderifchen Thärlichfeiten Fam. Denn nach det Aufs Hebung der Belagerung von Met befand fich Albrecht mit feinem beften Volk im Srierfchen. Denen übrigen, dienach Haufe giengen, ward aufgegeben, ſich auf Fünftis ges Frühjahr zum Dienft des Kaifers wieder einzufinden. So bald nun Bamberg ſich derer abgetretenen Aemter, vermöge des Urtheils des Rammergerichts, zu bemächs i tigen anfteng, fo Fonte fich der Marggraf von der Nechtmäßigfeit dieſes Betragens um fiweniger überzeugen, da Carl 5, aus Faiferlicher Macht, Gewalt und Vollkommen⸗ heit, die Verträge Marggraf Albrechts mic den Stiftern Bamberg und Würzburg fo beftätiget, daß Albrecht dieferwegen niemand im heiligen rümifchen Neich, weder in noch auffer Nechtens, Feine Nede noch Antwort gar mit nichten zu geben fchuldig fen ſolte. Deswegen auch alle und jede darwider angefangene oder noch Fünftige echtshaͤndel abgefehaft, vernichtiget und aufgehoben worden. Der Marggraf Fam daher aus Trier nach dem Fraͤnkiſchen, überfiel zu Dommerfchfelden den zten April - 6 Fahnlein Fußknechte nebft 300 Neutern, welche Würzburg dem Stift Bamberg zu Huͤlfe ſchickte, entwafnete diefelben, und noͤthigte fie zu dem eidlichen Verſprechen, nicht weiter gegen ihn zu dienen. Auf dieſe Nachricht flüchtere ver Bifchof von Bam⸗ berg nebſt feinem Eapitel nach Forchheim. Bamberg ergab fich den ı6ten April, und das Schloß Altenburg, wo eine ziemliche Befagung und groffer Borrarh ſich be⸗ + fand, auf Bedingungen an unſern Marggrafen. Diefem Beifpiel folgten andere Aem⸗ ter und Städte, worunter auch die Stadt Schweinfurt gehoͤrete. Ueberall ließ der Soldat Fußftapfen der Grauſamkeit zurück, und überall wurden groffe Brandfchaguns gen erpreſſet. Diefe neue Unruhe in Deutfchland verurjachte uͤberall Aufmerkfams keit. Weil man beforgt war, daß der Kaifer unter der Decke liege, und fich vielleicht“ dieſes Umſtandes bedienen wolte, feinen Prinzen mit Gewalt auf den deutfchen Thron zu erheben, und das zu rächen, mas Churfürft Moritz nebft feinen Bundesgenoffen gegen ihn gethan, fo war alles in Furcht. Der Kaifer Hatte fich zu vertraut mit Als brecht unterredet, und diefer feine Kriegsvölfer unter dem Vorwande beibehalten, daß folche dem Katfer dienen würden. Der Churfürft Moritz Hatte auf die Ermahnung an den Marggrafen, die Waffen niederzulegen, eine unfreundliche und beiffende Ant wvort erhalten. Das Churhaus Brandenburg Fonte mit feinen Abmahnungen eben fo wenig ausrichten. Alles diefes bewog den romifchen König, Churfuͤrſt Moritz son Sachſen, Herzog Henrich von Braunſchweig, die Erzbiſchoͤe von Mainz und Trier, die Bifchöfe von Bamberg, Würzburg, Eichftädt, Burggraf Hen⸗ rich von Meiffen, die Stadt Nürnberg und andere fränfifihe Stände, ein Buͤnd⸗ niß gegen den Marggrafen in Eger zu fehlieffen, und den Feinden deffelben Hülfe nach Franken zu ſchicken. Ohne über diefe Macht zu erſchrecken, füchte er in feiner Tas pferfeit das einzige Mittel, fich der Einigungsverwandten zu erwehren. Er fiel ins Miürnbergifche, und erfegte die Neuteren diefer Stadt. Seine Soldaten zünderen - Altdorf und Lauffen an. Da die Thore verfchloffen waren, fo muften ſowol Menfchen. IE; als Vieh verbrennen. Kurz diefer Krieg wurde von beiden Theilen ohne Menſchlich⸗ | | keit ee ne are 448 3%. 8 Hauptſt. Neuere Gefehichte von Brandenburg. keit geführet. Sodenn gieng er zu der Zeit, da feine Feinde Schweinfurt befagen ten, durch Thüringen und Halberjtadt ins Braunfehweigifche, um dore feine Freunde und Bundesgenoffen an ſich zu ziehen. Die Stifter Magdeburg und Hals berftadt muften ihm ben diefer Gelegenheit Kriegsſteuer bezahlen. In Braunfchweig 309 er den Herzog Erich von Braunfchweigs KRahlenberg ſowol als verfchiedene von Adel an fich,; denen Herzog Henrich von Braunfchweigs Wolfenbüttel ihre Gu⸗ fer eingezogen. Selbſt die Stadt Braunſchweig gehörte zu feinen Fteunden. Chur⸗ fuͤrſt Moritz beforgee vom Kaifer das ärgfte. Ex fing wiederum an mit Frankreich Unterhandlungen zu pflegen, die den Kaifer felbft betrafen. Der Marggraf war zwar durch Ehurfürft Moritzens tande ohne alle Befchädigung gezogen, demohngeachtet wurs de der feßtere das Haupt derer, , welche jenen zur Ruhe zwingen wolten. Moritz folge te mit feinen Kriegsvlfern dem Albrecht auf dem Zuffe nach. Dieſer hatte 4000 Keuter und so Fahnen Fußknechte; der Churfürft aber, der ſich mit dem Herzoge Henrich von Braunſchweig vereiniget, 5000 Reuter, war aber fhwächer am Fuß, volk. - Beide brannten vor Eifer, durch eine Schlacht das Schickſal Deutfchlandes zu entfcheiden. ‘Den gren Sul, ward folche bey Sievertöhaufen geltefert. Des Marggrafen Reuterey brachte anfänglid) den Feind zum weichen, den jedoch Johann von Wulfen wieder zum ſtehen brachte. Die Sieger waren zu ficher und zu zerſtreuet im Nachfolgen. Hiedurch verloren fie die erhaltenen Vortheile, und wurden gefchlar gen. Nun befam das Fußvolk des Marggrafen die ganze feindliche Macht auf den Hals, und mufte endlich derfelben ebenfals weichen, ob fie fich gleich heldenmuͤthig ges nug gewehree. Man fagt, daß die marggräflichen Volker Speck auf ihre Kugeln ge laden hätten, welches dem Gegentheil die Wunden ungemein verfchlimmerte. Der Sieg, den die Feinde überden Marggrafen befochten, war fehr blutig. Herzog Heitz rich "von Braunſchweig büfte zween Prinzen ein, Herzog Friedrich von Lüneburg blieb auf dem Pas, der Churfürft Mori ward fo verwundet, daß er drey Tage nach diefem Treffen mit Tode abgieng. Es büfferen 300 von Adel und Kriegsbefehls⸗ haber ihr feben ein, und man rechnete der Todten überhaupt auf beiden Seiten auf 4000 Mann. Der Marggraf war mit genauer Noth der Gefangenfchaft entkommen. Er flüchtete nach Hannover zu feinem Bundesgenoffen Herzog Erich, ſammlete das ſelbſt feine zerſtreueten Völker, und gieng von da wieder nach Braunfihweig. Aus denen in der Schlacht erbeuteren Urkunden erhielt man wirklich vieles ticht, daß der ee — Raifer mit unter der Dede Tiege, ohnerachtet Doctor Geld deſſen Abfichten zu recht ⸗ ‚fertigen ſucht. Kurz vor-dem Treffen waren Faiferliche Gefandten angelanget, welche Frieden gebieten folten. Sie giengen aber nach der Schlacht, ohne etwas auszurichten, zurück. Der Marggraf reifete nach der Mark Brandenburg, um fich mir dem Chur⸗ fuͤrſten Joachim 2 und Marggraf Johann zu beſorechen. Der erſte bot ihm zu Grimnitz feine Bermittelung zum Frieden an, und wolte fich nicht weiter mit ihm eins laſſen. Johanns Gemalin wolte ihn nicht einmal fehen, da fie eine Schwefter.derer beiden bey Sievertshauſen gebliebenen Prinzen war. Die Bemuͤhungen der eu | k Ye: lin E ——— = Ba IE Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. | 449 finie beim römifchen Könige, den‘ Albrecht Ruhe zu verfchaffen, waren vergebens. Den dem nenen Churfürften von Sachſen Auguſt ward mehr ausgerichtet, und zwis demſelben und dem Marggrafen Montags nach Mariaͤ Geburt ein Frieden in der Stadt Brandenburg'gervoffen. Albrecht gieng wieder nach Braunfchtveig, und wurde vom’ Herzog Albrecht in Preuffen mic Geldeunterftüge. Mit demſelben warb der Marggraf im Hannðverſchen und Mecklenburgiſchen friſche Völker, und fegte den’ Krieg mit feinen Feinden fort. Nichts aber wolte ihm weiter.gelingen. - Herzog Henrich von Braunſchweig nöchigte feinen Vetter Herzog Erich, zu einem Vergleich, und Tieferte dem Maärggrafen den 12ten Sept. bey der Stade Braunfihweig ein neues : Treffen. ‚Der Marggraf verlor das Feld und feine beſten leute, unter denen. fein Feld⸗ marſchall Claus Berner auf dem Page blieb. Doch büfferen auch manche anfehnlis ehe Leute auf der Seite des: Herzogs ihr feben: ein. Albrecht flüchtete hierauf nach ver Stadt Braunfchweig, und gieng von da nach feinen fränfifchen fanden ab, dem nis Henrich. dahin folgte. Seine Feinde, der Hochmeifter des deutfchen Ordens Wigand Biſchof von Bamberg, Melchior Biſchof von Würzburg, der Bifchof von Eichftädt und die Staͤdte Nürnberg, Windsheim und Rothenburg an der Tauber, denen Herzog Henric) von Braunfchweig mit einem Heer zu Huͤlfe kam, feßten den Krieg gegen den Marggrafen in Franken ftandhaft fort. Sie hats zen die Stadt Huf erobert, und die Veſtung Plaſſenburg eingeſchloſſen. Marggraf Albrecht verlor deswegen doch nicht den Mur. Er eroberte Hof zuruͤck, und kehrte in Sranfen alle Anftalten vor, der Uebermacht feiner Feinde fich zu entſchuͤtten. Aber feine Feinde brachten es dahin, daß er den ıften December in die Reichsacht erklaͤret wurde. Auch dieſes ſchlug feinen Much nicht nieder; und ohnerachtet ihm ein Ort nach dem andern abgenommen wurde, ſetzte er doch den Krieg noch 1554 fort. Viele glaubten, daß ihn der Kaiſer unter der Hand mis Gelde unterſtuͤtze. Aber Albrecht, hatte auch andere Mitrel. Er ließ den Herzog dꝰAumale gegen ein töfegeld von 60000 Kronen auf freien Zug, und warb davor in Sachfen Völker. "Mit denen fuchte er das belagerte Schweinfurt zu entſetzen. Es ſtand ihm aber ver Mangel der tebenss mittel im Wege. Doch feine Feinde zogen ihm nach, Es kam bey diefer Stadt zur Schlacht, darin die Feinde abermals fiegten, und dadurch des Marggrafer Sache ganz ju Grunde richteten. Albrecht mufte ſich num endlich aus feinem tande entfernen, und _ folches fo, wie aud) den Antheil feines minderjährigen Vetters Georg Friedrichs, des nen Feinden zur Beute überlaffen. Diefe nahmen von allen Drten Befis. Acht Tage nach ver Niederlage ben Schweinfurt kam auch die BVeſtung Plaſſenburg in ihre Ge⸗ walt, welche — nachher — lieſſen. $. 190, VBergeblich harten fich die Eaiferlichen Bevollmächtigten, einen Waffenftillftand zu bewirken in Rothenburg bemuͤhet. Der Marggraf Fam ſelbſt zum Churfuͤr⸗ ſten/ und erſuchte denſelben um Huͤlfe gegen feine ums Der ———— "P.allg. preuf. Geſch. 3Th. gl Hof Seine letzten begebenheiten und ſein tod. 450 3%. 8-Hauptfi. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Hof ermahnete ihn aber zur Ruhe, und zeigte ihm die vom Kaifer zu Bruͤſſel ausge⸗ fertigte und dem churfuͤrſtlichen Hofe zugeſchickte Urkunde, daß ſeine Sache zu Rothen⸗ burg vorgetragen werden ſolle. Albrecht ließ ſich auch die fernern Unterhandlungen gefallen. Churfuͤrſt Joachim und Marggraf Johann von Cuͤſtrin erſuchten daher in einem Schreiben den roͤmiſchen Koͤnig, Mitwochs in den Oſterfeiertagen ſeine De: the nach Rothenburg abzuſchicken, wohin ver Churfürft feinen Churprinzen J George zu ſchicken, Marggraf Johann von Cuͤſtrin aber: perfonlich zu reifen wil Ins. wären. Der römifche König bewilligte folches in feiner Antwort von Presburg, doch unter der Bedingung, dem Marggrafen in der Zeit Feine Werbungen zu verflatten;. und auf den Fall, daß ein Vergleich nicht zum Stande käme, die Acht gegen ihn volle ziehen zu helfen. Beide brandenburgifche Brüder hatten auch deshalb an ven Kaiſer gefehrieben, welcher, auf ihr Anſuchen, aus Bruͤſſel den Einigungsverwandten bes, kandt machte, daß Marggraf Albrecht feine Sache auf gewiffe Schiedsrichter, wor⸗ unter Marggraf Johann von Cuͤſtrin befindlich, auszufegen fich erboten habe. ‚Der, Churprinz Marggraf Johann Georg fowol, als auch Marggraf Johann von Cuͤ⸗ ſtrin, kamen wirklich zu Rothenburg an, und gaben fich alle mögliche Mühe, bier fen Krieg zu beendigen. Allein das Gluͤck und die Macht der Einigungsverwandten hatten wenigftens eben fo viel Schuld, als des Marggrafen Albrechts Geſinnungen, daß alle ihre Unterhandlungen fruchtlos abfiefen, obwol ein jeder Theil die Schuld von. ſich abzumälzen fuchte. Das gefamte Churhaus ließ fodenn eine Schrift befande mas chen, worin es öffentlich zu verftehen gab, daß die fränfifchen Einigungsverwandten gegen den Marggrafen Albrecht viel zu weitgegangen. Aber Earl 5 beftätigte endlich die Achtserflärung des Kammergerichts, und befahl allen Neichsftänden, folche volls ſtrecken zu helfen. Sein eigenes Betragen, da er die Derträge des Marggrafen mic, Würzburg, Bamberg und Nuͤrnberg bald aufgehoben, bald beftätiger, nachdem es der Vortheil feines Hofes erfordert, hatte Die Brandfackel angeſteckt. Die Einigunges verwandten rubeten nicht eher, als bis fie dein Marggrafen alles fand abgenommen, - und ihn, folches mit dem Rücken anzufehen und ins Efend durch Lothringen nach Franke reich zu gehen, gezwungen, wo er aber nur gemeine Zeichen der Gaftfreiheit genoß. Eben fo gieng e8 vielen von denen, die ihm im Kriege Dienfte geleiftet, worunter Wilhelm von Grumbach befindlich, welchem Melchior Zobel Biſchof von Wuͤrz⸗ burg alles Seinige nahm. Beide, Grumbach und der Biſchof, trieben ihre feis denſchaften ſo weit gegen einander, daß, aus dieſer Urſache, beide daruͤber ein un⸗ glückliches Ende nahmen. — hatte an dieſem Kriege ein perſoͤnlicher Haß der ſtreitenden Parteien vielen Antheil, und eben deswegen ward von beiden Thei⸗ len derſelbe ohne Maͤßigung, ohne Beobachtung des allgemeinen Wohlſtandes, und oh⸗ ne Menfchlichfeit geführet, auch von beiden Seiten parteilofe Mirftände und ihre fans pe nicht verſchonet. Selbſt der Churfürft von Brandenburg und feine Staaten muͤſ⸗ fer damals gelitten haben, weil Maragraf Albrecht den Churfürften Joachim mit in das Verzeichniß derer geſetzt hat, welche von den Einigungsverwandten in dieſem Kriege is, ver⸗ — En ae u 2 = * Fr ee a * * — J——— — Teer ur na re Ay TEE TEE II en = Ylyt "eier * — Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, aͤlterer Linie. 451 vergewaltiget worden.” Auf den Neichstage zu Augfpurg 1555 nahmen ſich die regie⸗ renden Hetren in der Churlinie fowol, als auch) die erbvereinigren Häufer, der fränfi- ſchen Sachen an. Es war folches um fo viel nörhiger, da fich die Einigungsverwand⸗ ten fogar, die laͤnder des minderjährigen Georg Friedrichs, welche von ihnen eben, fals ſehr mitgenommen waren, an denſelben herauszugeben, weigerten. Damit nun dieſe gerechte Klagen zu keinem neuen Kriege Anlaß geben möchten, fo verfprach der roͤmiſche König, folche unterfuchen und guͤtlich beilegen zu laffen. Auf dem Reichstas ‚ge zu. Regenſpurg 1556 fuchte das geſamte Haus Brandenburg ebenfals die Heraus gabe derer von den fraͤnkiſchen Einigungsverwandten eingenommenen fande in dem Burgs grafthum Nuͤrnberg, und die Wiedererfegung des darin verurfachten Schadens zu bes wirken. Es unterftägten alle brandenburgifche Prinzen zugleich das Anfuchen Marg⸗ graf Albrechts, um vor fich und feine feute von dem rümifchen Könige ein ficheres Seleite zu erhalten, um nad Deutſchland wieder zuruͤck zukommen. Weil Ferdis nand einen neuen Ausbruch der Unruhen gerne verhindern wolte, fo ward dem Albrecht - feine Ruͤckkehr erlaubt, der fich Kierauf bey feinem Schwager dem Marggrafen von "Baaden zu Pforzheim einfand, und mit feinen Gegnern in einen beiffenden Schrift: wechfel fich einließ· Der römifche König flug den Weg gütlicher Vermittelung vor, und hiele vor das befte Mittel, die dem Marggrafen entriffene ande einem dritten Uns . parteiifchen als Verweſer, bis zur rechslichen Entfcheidung der Sache, einzuräumen. Hortleder hat eine Menge hieher gehöriger Urfunden. Aber der Marggraf Albrecht erlebte das Ende diefer Unterhandlungen nicht. Er ſtarb den gten Jan. 1557 bey feis nee Schwefter in Pforzheim an einer ungewöhnlichen und ſchmerzhaften Krankheit. So druͤckt ſich wenigftens Cammerarius aus. Vielleicht Hat er gar Gift befommenr). Latomus giebt vor, daß er an der kaͤuſeſucht geſtorben. Ohnerachtet nun ein: groffer Herr, in Abfiche feines Körpers und deren unterworfenen teibesfchwachheiten vor den geringſten Menfchen Feine Vorzüge befißet, auch genug Beifpiele vorhanden, daß meh—⸗ rere Gemwaltige der Erde, worunter man unter andern Philipp 2 zu zählen pflegt, hier, ‚an geftorben; fo hat fich doch, Latomus fehon laͤngſt dadurch der Unzuverlaͤßigkeit vers daͤchtig gemacht, ja davon bereits überzeugende Proben gegeben, daß er denen Evan⸗ F geliſchen das uͤbelſte nachzureden ſich bey allen Gelegenheiten bemuͤhet. Marggraf Albrecht ſoll zwar um die englaͤndiſche Prinzeßin Maria angehalten haben; er ſtarb jedech unvermaͤlt, und verließ den Anſpruch auf feine kaͤnder dem Sohn des Marg⸗ grafen Georgs des Frommen, dem Marggrafen Georg Friedrich. Ich wiirde meinen beſern die nähern, tebensumftände dieſer beiden Prinzen fogleich vorlegen, wenn ich mich nicht verbunden hielte, die erbaulichen letzten Stunden des Margs rafen Albrechts aus dem Bericht eines Augenzeugen und Gortesgelehrten D. Ja⸗ cob Herbrandts einzurüden, um nichts wichtiges vorbey zu laffen, was dieſen fons derbaren Herrn angehet. J — re Al ⸗ $, 191 r) von Ludwig Rel. T. 5 p. 381 2 38%. 8 Haupif Neuere Geſchichte von Brandenburg. x RNIGE Herbrands Bericht ift in folgenden Worten abgefaßt: —— m Albrechts langwierige Krankheit vermaffen uͤberhand genommen, daß die Doctores der Arzeney, welche ſtets um feine F. Gn. geweſen, wohl vermerket, daß er es nicht lan» ge mehr treiben würde, haben fie ihn durch Mittel» Perfonen vermahnen laffen, daß er feine Sache zu Gott dem Herrn folte richten, darauf er unerfchrocfen geantwortet: num merke ich, voie es um mich ſtehet. Darauf am Donnerftag nechft verſchienen, voelcher ift der te Syenners, Nachmittag; als es ein Uhr geſchlagen, bin ich zu. ſei⸗ net ©. in das Schloß hie zu Pforzheim beruffen, alda ein Sehe und Vermahnung aus Gottes Wort zu thun. Als ich nun zu feiner $. ©. in die Stuben, darinnen er auf einem Seftel faß, kommen, ftund fein Cantzler vor ihm, und zeiget mie an, dieweil fein gnädiger Herr etwas ſchwach, fo hätte fein F. On. mich erfordern laffen, daß ich dieſelben aus Gottes Wort tröften und vermahnen folte. Da hab ich die Worte Chris : fir: Shut Buſſe, und glaͤubet an das Evangelium, für mich genommen, und daraus die $ehre von der chriftlichen Buß, worin diefelbige ſtehe und welches der einige Weg zum ewigen teben fen, auch Bermahnung zu Erfänntniß herglicher Neu und bLeyd der Sinvden, nach den Gott Gnad gab, getrieben. Daben eingeführet, neben andern Zuſagungen des Evangelii von Chrifto und feinem Verdienft, wie man auch folches durch den Glauben theilhaftig werde, und ihm ein jeder-zueigenen und nuͤtz machen fols fe, den Spruch aus dem Propheten Ezechiel, da Gott der Hetr alfo fagt; Wo ſich aber der Gottloſe bekehret von allen ſeinen Suͤnden, die er gethan hat, und haͤlt alle meine Rechte, und thut recht und wohl, fo ſoll er leben und nicht fterben. Es ſoll aller feiner Uebertretung, die er begangen hat, nicht ‚gedacht werden, fondern foll le⸗ ben um der Gerechtigfeit willen, die er thut. Meineft on, daß ich. Gefallen habe am Tode des Gottloſen, (ſpricht der Herr) und nicht vielmehr, daß er ſich bekehre und le⸗ be? das iſt, ſelig werde, und alſo ewiglich lebe. Und darauf zu Beſtaͤtigung ſolcher gnadenreichen und troͤſtlichen Zuſagung Gottes das Erempel des befehrten Uebelthaͤters am Creutz angezogen, welchen der Herr Chriſtus, nachdem er feine Sind und Glaus ben befannt: und fprach: Zwar wir find billig in diefer Berdammnig, dann wir em⸗ pfahen, was unfere Thaten werth find, und nachmals weiter: Herr gedenfe an mich, wann du in dein Reich Fommeft, abſolvirt und fagt zu ihm: Fuͤrwahr, heit wirft du mie mir im Paradieß ſeyn. Item den tröftlichen Spruch Ehrifti von der uͤberſchweng⸗ lichen Siebe Gottes gegen uns, feinem Verdienſt und Glauben, da er fagt: Alſo hat Gott die Welt gelieber, daß er feinen einigen Sohn gab, aufdaß alle, die an ihn gläus ben, nicht verloren werden, ſondern das ewige teben haben. Dann Gott hat feinen _ Sohn nicht gefandt in die Welt, daß er die Welt richte, andern daß bie Welt durch ihm felig werde. Wer an ihn gläuber, der wird nicht gerichtet, wer aber nicht gläus bet, derift ſchon gerichtet, dann er gläubet nicht an den Nahmen des eingebohrnen Sohnes Gottes. Hab auch dazumal angezeigt Urſachen der Krankheit und allerley Creutz und Truͤbſal, Be neben: andern dieſe, * — der apa uns das. durch nun 7 a BE De — en, ER * — SE Anhang von den brandenb. Diarggrafen in Franken, älterer Linie. | 453 durch zur Buß und rechten Erkaͤntniß auch hertzlicher New und Leyd der Sünden reitze, damit wir nicht alſo unachtſam in Suͤnden dahin gehen, und zuletzt darinnen verdamt werden; "wie dann ©. Paulus davon fihreibet, da er alfo fagt: Dann fo wir uns Ei ſo wuͤrden wir nicht gerichtet, wann wir aber gerichtet werden, fo werden wir vom Herrn gezüchtiget,; auff daß wir nicht ſamt der Welt verdamt wer ‚den. Darauff fein F. Gn. zur Gedult in diefer Krankheit und Schmergen vermahnet, ‚mit fonderlicher ‚Erinnerung, daß fie Gottes gnaͤdigen und väterlichen Willen gegen Ihn erfenne, auch mit Danckbarkeit auff und annähme, daß er biefelbige, dieweil fie ‚offtermals in höchfter Gefahr feibs und febens geweft, nit etwa plöglich unter den Feins den habe laſſen umkommen, fondern vielmehr auff dem Bett unter ven Seinen, da er fein Suͤnd möche erfennen, und aus Gottes Wort getröfter werden, fich alfo zu ihme ui ſchicken. Bey diefer Predigt find die zween Doctores Medicinaͤ Johann Lang und Georgius Renz, fein Cantzler Chriſtopff Straß und fein Commiffarius Bartho⸗ lome Hartung geweſen. Nach Vollendung der Predigt ſagt ſein F. G. daß ſie die Dredigt gern gehoͤret, und wohl leyden moͤcht, auch ihr Sachen ſchon zu Gott geſtelt, begehrt darauff das Hochwuͤrdig Nachtmahl unſers Herrn Jeſu Chriſti zu Staͤtcke ſei⸗ nes Glaubens, wie es Chriſtus ſelbſt hat eingeſetzt, (dann dieſe Wort alle braucht ‚fein Gnad) zu empfahen. Dieweil aber mir ſolches zuvor nicht war angezeigt, und derhalben weder den Kelch, noch anders, ſo darzu gehoͤrig, zu mir genommen, gieng ich hin, und holte daſſelbig. In mittler weil, als ich hingegangen, hat fein F. ©. Iaffen erfordern. den Durchläuchtigen und Hochgebohrnen Sürften und Herrn, Heren Ci Marggraffen zu Banden und Hochberg ie. meinen gnaͤdigen Herrn, verglets chen feinen Oberften, auch andere feine Diener von Adel, hart aber dazumal fonft mie feinen welclichen Geſchaͤfften fich bemühen wollen. Als num die Seinen, nemtich Ja⸗ cob von Osburg ſein Oberſter, Fritz ſein Oberſter, Fritz von Tuͤngen zum Sot⸗ ‚tenberg, ‚Ehriftoph Straß Cantzler, Bartholomeus Hartung Commiſſarius, DZohann von Altheim Caͤmmerer ꝛc verſamlet, und ich auch wieder hinein kommen, da fieng F. ©. an, und ſagt: ich weis wohl, daß ich ſterben muß, darum habe ich euch zuſammen beruffen laſſen, daß ihr mir vor Gott am juͤngſten Tage, und auch hie vor vor aller Welt Zeuchniß geben, daß, wie wohl ich hoch und ſchwerlich von vielen bes Teibiger; und von meinem fand und teuten vertrieben bin, dennoch von Hergen verzei⸗ be und vergäbe, allen denen, ſo mich je beleidiger haben, und fonderlich denen, ſo auffs beftigfte wieder mich gehandelt, auff die Gnade Gottes, daß mir Gott auch alle meine - Sünde verzeihe und-vergebe, dann Heut will ich ſterben, wie ein teutfcher verjagter Faͤrſ und ein frommer Chriſt, das von Gott zu erlangen, ſprechet mit mir und fuͤr mich ein Vater Unſer. Das redet er im Beyſeyn oberzaͤhlten Perſonen und auch meis ner, wie wol von wegen der Krankheit und Schmertzen fo uͤberhand genommen, et was fehwerlich, aber doch mic fehr groffer Dapferfeit, nit ohn viel Säufgen und Thraͤ⸗ nen der Seinen. Doch hoͤreten wir es heortzlich gern. Nachdem wir nun von dem Gebet, daß wir zu Gott für fein F. G. urn auffftunden, fieng ich an, etwas von ur £ til za Eim 454 3%. Hauptſt. Neuere Sefihichte von Brandenburg. Einſetzung und Gebrauch des Herrn Nachtmahls zu fagen, darauff er feine Suͤnde und Glauben öffentlich für alle bekannt, und fagte darzu, er koͤnte für Schmergen nicht - fonders viel reden, da antwortete ich, ©. F. ©. folten nur zufehen, daß es Ernſt waͤ⸗ ze mic der Neu und keid über die Sünde und Glauben an Chriſtum, fagt er wieder, um: Herz und Mund foll ein Ding ſeyn. Hierauff habe ich ihm die Abſolution ges forochen, und folgendes die Bermahnung zum Nachtmahl, ‘auch das vorhergehende Ge⸗ bet aus unfer Kirchen» Ordnung verlefen, und darnach die Worte der Stiftung Jeſu Chriſti recitirt, da ſagt fein F. ©: num ſey Gore gelobet, daß darzu kommen, und ich die Stunde erlebet, daß ich den teid und Blut meines Heylandes empfahen ſoll; Bars auff ichs ihm auch habe gereicher. Als nun folches alles ordentlich und chriſtlich, ſampt der Danckfagung und Gebeten verrichtet, wolt ich von ©. Glirkaub nehmen, und erbot mich gleichwohl darneben, wann fie meiner begehrten, wolte ich mich gutwillig erzeigen, auch gern erſcheinen. Da begehrt fein F. ©. ich wolt vollenddableiden, und ben ihm big zum Ende verharren, wie auch von mir befchehen. "Darauf fieng ©, ©. an und ſagt: ich fehe wol, Die Doctores haben mich verlaffen, num merke ich wol, wie die Sachen befchaffen feyn, und ferner zu meinem gnädigen Herrn Marggraf Carln x. (welches F. ©. unterdes, daß ich das Nachtmal reichet, ins Gemach Fommen) Ueber Bruder, behüte dich Gott, ich bitte dich, du molleft dir meine Schwefter laſſen be⸗ fohlen feyn, dann ich als ein verjagter Fürft kann nicht viel Teftament machen. Dat nach zu feinem Oberften: Oberfter, es muß gefchieden feyn, und behuͤte "euch Gott, darauff der Oberſt antwortet: Gnädiger Herr, ich hof zu Gott, es ſoll beſſer werden. Zu feinen von Adel und andern Dienern wandte er ſich beyſeits, wie er im Säffel faß, und fprach ihnen mis etlichen gnädigen Worten zu: Was er ihnen sufagt , ſolt Pe, ihnen, ob Gott will, gehalten werden. Dis alles hat ſich bis auf 4 Uhr gegen Abend verlaufen, indem wurden die zween Doctores Medieind wiederumpinein berufen, welche ihm das Apoflema oder Gefehwer, fo ihm zu unterſt auff dem Rücken entſtan⸗ den, und den vorhergehenden Tag auffgefehlagen, durch ven Balbier auff und wieder⸗ um gegen ver Nacht haben zubinden laſſen. Die folgende Nacht hab ich in der Kam⸗ mer neben dem Gemach, da fein F. ©. innen war, geruhet, hat er vor Mitternacht viel und mancherley geredet und gefagt, auch neben andern von feiner Krankheit, und {ft munter und wohl auff geweſt, nad) Mitternacht aber ftille und ruhig bis Morgens gegen Tage, nad) dem es fünff gefchlagen, fteng es fic) an mic ihm zu ändern, und wurde gang ſchwach, da wurde ich wiederum hinein beruffen, Famen ihm erliche Ohmach⸗ ten, doch kam er fein wieder zu ſich felbft, als man ihn Kraffewaffer und tabumg an firiche. Da wurden beruffen hoch und vielgedachter mein ©. F. und Here, Mary graff Earl sc. der Oberſt, Canzler, auch andere mehr von Adel, &. F. ©. und nei⸗ en le ed Eu ren ern, nes G. Heren Marggraff Carlens Diener. Fing ich an viel ſchoͤner und troͤſtlicher Sprüche aus H. Schrift, zu folchen Sachen dienftlich, mir furger Auslegung und Erinnerung, nachdem ort Gnad gab, zuerzählen, als nemlich diefe folgende: Luc . Des Menſchen Sohn iſt kommen zu ſuchen und ſelig zu machen, das verlohren iſt; iTi⸗ ER EEE u en © Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 455 Er, Timoth. . Das ift gewislich wahr, und ein theuer werches Wort, daß Syefus Chriſtus kommen ift in die ꝛe. ı Joh. 2. Meine Kindfein, folches fehreibe ich euch, RE 5 auff daß. ihr nicht fündiger, und. ob iemand fündiger, fo haben wir. einen Färfprecher ben dem Bater Jeſum Ehriftum ,. der gerecht ift, und derfelbige ift die Verfühnung (ine Suͤnde, nicht allein aber für unfere Sünde, fondern auch der ganzen Welt, Roms s. Was wollen wir dann hierzu fagen: Ift Gott für uns, wer mag wider uns ſeyn, welcher auch ıc. In welchem Sprud) S. Paulus erweifer, daß Gott der himliſche Bater nicht mit uns zoͤrne, ſondern uns zu Gnaden wolle auff / und anneh⸗ men, nicht wider ung fen, noch uns verdammen wolle, ſondern vielmehr ſelig machen, dann darum hat er auch feinen eingeboßenen Sohn laffen Menfch werden, Tode und ‚ Marter fenden, daß er und durch und in ihm wolle gnädig feyn, die Sünde vergeben, und fehenfen das ewige leben, wann uns der Teuffel anflaget von wegen unfer Sünde, haͤlt uns für, Gottes Negifter und Schuldbuch, das Geſetz, welches uns von wegen der - Sünde und Uebertretung verdammet, Dieweil wir es nicht gehalten, darzu uns dann auch unſer eigen Gewiffen uͤberzeuget, alſo daß nichts da iſt bey uns dann lauter An⸗ klagen, zittern und verdammen, ſo ſollen wir uns mit rechtem wahren Glauben, hertz⸗ llchem Bertrauen und kindlicher Zuverſicht an den Herrn Chriſtum Halten, und uns auff fein Verdienſt bitter leyden und Sterben. und Aufferſtehung, auch Himmelfahrt verlaffen, daß er uns dadurch Gott, ſeinem und auch unſerm himmliſchen Vater ver⸗ et habe, daß er. uns um deffelbigen willen zu Gnaden auff / und annehmen wolle, für gerecht halten und fprechen, alle, die fo in feinem Sohn durch rechten unges F —— Glauben erfunden werden. Joh. 10. Meine Schaafe hören meine Stim⸗ * me, and ich Fenne fie, und fie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige feben, und fie werden. nimmermehr umfommen, und niemand wird fie mir aus meinen Händen r reiffen. ‚Der Bater, der ſie mir gegeben hat, iſt gröffer dann alles ‚ und niemand Fann fie aus meines Batters Hand veiffen 2. Der Tode iſt da, will uns mit feinem F graͤulichen Anblick erſchrecken, fo fperret die Hölle ven Rachen auf, und will uns vers ſchlingen. Der Teuffel feyret auch nicht; Wider dieſe unfere Argfte Feinde tröfter ung Ehrifius, daß, ob wol wir für unfere Perfon ihnen zu ſchwach feyn, fo will er doc), ſo fern wir fein Wort mit Glauben annehmen, und ihn daraus lernen erfennen, mit feiner gnaͤdigen Hand und heiligen Geiſt veſt ob uns halten, daß ſie uns von ihm nicht ſollen abreiſſen, wie Paulus auch ſaget: Wer will uns ſcheiden von der Liebe GOttes, (damit er. uns liebet in Ehrifto feinem geliebten Sohn), Truͤbſal, oder Angſt? ꝛe. Aber in dem allen überwinden wir weit, um des willen, ber. uns geliebet hat. Dan I ic) bin gewiß, daß weder Tod noch) teben, weder Engel noch Fürftenehum, noch Ges x walt /weder Gegenwaͤrtiges noch Zukuͤnftiges, weder Hohes noch Tieffes, noch keine Ercatur, mag uns feheiden von der Siebe Gottes, die in Chriſto Jeſu ift unferm HErrn. Diefe Sprüche alle habe ic) nad) einander, allgemächlich mic Furzer Erinnerung, wie jetzt gemeldet, erzähler, auch Darneben angezeiget, wie dazu gehöret ein rechter wahrer £ BR mit welchem man bie Zufagung von Chriſto, feinem Vedienſt und Guttha⸗ ten 456 3 Ch. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 2 ten ergreiffen und ein jeder ihm zueignen müffe, wie dann gefchrieben ftehet goh 1: Wie viel ihn (Chriftum) aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an feinem Namen ‚glauben. Welche nicht von dem Geblüt, "noch von’ dem Willen des Zleifches, noch von dem Willen eines Mannes, fondern von Gott ge⸗ boren-find. Darauf habe ich nun unterweilen ©. F. ©. gefraget: Ob fie aud) das. von Herzen glaube? Antwortet er: Nicht anders; und redet es auf Latein,’ Non aliter. Darnach habe ich weiter von Ueberwindung des Todes und Auferſtehung von den Tobten, durch Ehriftum uns erworben, Troftfprüche angezeigt, damit feine Gnad zu ruͤſten, ſtaͤrken und tröften wieder den Todt. Wiewol ich mic der Wahrheit fagen mag, daß ic) Fein Zeichen habe Fonnen merfen, daß er fich darob entfegete ober fuͤrch⸗ tete, wiewol es natürlich ift, . und fonderlich folgende Spruͤche aus dem Evangelio Jo⸗ hannis erzähle: Ssoh. 5. Warlic) ich fage euch, wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich geſandt hat, der hat ꝛc. Joh. iu. Ach bin die Aufferſtehung und das teben ꝛc. Habe aber damals gefraget: ob ©. 3. ©. das glaube, und in ſolchem Saw ben durch Gottes Gnade wölle vharren bis ans Ende und alfo abfterben? "Antworter feine 3. ©. Warum nicht? Sonderlich aber Habe ich das gemerkt, daß, fo oft ih ein Zufagung oder Bertröftung aus Gottes Wort herfür gebracht, welche von dem ewis gen eben fagt; fagt ©. 3. ©. allweg Antwort darauf, und betet mit biefen Worten: das verleihe uns Gott. Nachdem num diefes alles, in maffen jest gemeldt, ſich ver⸗ lauffen, ſtreckt er den linken Arm zweymal aufeinander aus und zog ihn wieder au ſich Da ich nun das fahe, merkte ich wohl, daß der Todt vorhanden, ſprach berofalßen ; ai ihm (wie zuvor etliche mahl von mir befchehen) mit verftändlichen hellen Worten: Er ſpolte feine Seel in die Hände feines einigen Heylands und Seeligmachers Jeſu Chriſti befehien, der fie auch erloͤſet Hätte, "und erkaufft mic feinem Blutvergieſſen, fie auch das mit gereiniget und abgemwafchen von allen Sünden, und ihr erworben das ewige geben. Darauf er unverfehens, weiker gleich in legten Zügen, doch ſehr heimlich, ; alſo/ daß nur fein Commiſſarius und ich, dieweil wir am naͤchſten Hart an ihm ſtunden, merken möchten, antwortet mit diefen Worten: Cs ift fehon allesgefchehen. Und alsbald hub er ſeine Haͤnde auf, ſchlug ſie zweymahl auf einander zuſammen, ſchloß auch in einan _ der und ſagt: HErr IJEſu. Weiter redet oder thaͤt er nichts, das ich hab koͤnnen ſe⸗ ben, verſtehen oder merken, ſondern fieng alsbald ohn alles Mittel darauf an, im Seſ⸗ ſel ſitzende zu ziehen, verwendet ſich aber ganz und gar nichts, weder mit Haͤnden noch Fuͤſſen, oder ſonſt ichtzet, ohn daß er fein Haupt auff die rechte Seiten ein wenig, wie er faß, neiget. Iſt auch alfo allgemächlich, nicht anders dann wie ein Sichtlein, aus» gelofchen, gleich einem Schlaffenden zog er den Achen, und thaͤt den Mund ein wenig auf und zu, und behielt auch ſtets alfo die Hände, wie er fie zufammen gelegt, beſchloſ ſen bis ins Ende, als betete er. Hat alſo in den Händen der Seinen (welche ihm, dieweil er im Seffel faß, fein Haupt gehalten) feinen Geift, welchen er dem Hrn Chriſto befohlen, gar fanft und ftill, ohn alle heßliche oder fiheußliche Geberd, wie font etwa bey den Sterbenden zu fehen, aufgeben, und iſt ans * Jammerthal om rg 4 a ——— BE 7 Ei Al > ge “ >. ce 5 * — En a Leg —— eG ——— —* Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 457 am Freytag zu Mittag um ır Uhr den Sten Tag des Jenners verfchieden. Indem er nun alfo in Todesnörhen und Zügen, tie ießt angezeigt, Tage, vermahnet ich diejeni ‚gen, fo zugegen, daß fie feine Seel dem allmächtigen und barmherzigen Gott und Bars ter aller Gnaden, und unſerm einigen gefreuen Nothhelffer, Mittler und Fuͤrſprecher aller derer, fo in Aengſten und Noͤthen feyn, dem HErrn JEſu Chrifto in fein gnaͤ⸗ dige Hand befehlen, daß et fie zu feinen göttlichen Gnaden wolle aufnehmen, und fpras een mir einander ein: Vatter Unfer. Bey ſolchem Ende find gewefen (welche folches alles in maflen wie erzählt, gehört und gefehen haben) mein ©. F. und Herr, Marggraf Carl zu Baaden und Hochbergr, der Oberft Jacob von Oßburg, meines gnädigen Herrn Hoffmeifter Melchior von Schaumburg, Marggraff Albrechts Töblicher Ges dächenig Eanzler Ehriftoph Straß, Friedrich von Thuͤngen auf dem Sottenberg fin $. ©. Commiffarius, Bartholomäus Hartung, Johann Altheim ©. 3. ©. - Eämmerer, Bat von Rieppur Haußpoffmeifter, Ruprecht von Remingen. Don Edlen Knaben, Hand Sad, Schlefinger; Dietrich von Schonaweiß, Preuß; - George von Simmern, Simon von Wallenrodt. Meifter Hans Balbierer, Heinrich Hertzog Scherer. Iſt nahmahls am Sonntag, welcher war der rote Tag des Jenners Nachmittag um ı Uhr, mit groffer Solennität und Proceß von Fürften, Adel und ganzer Bürgerfchaft, auch mit gotefefigem Gefang und Predigt, zu Troft der Seinen, ehrlich und chriftlich zur Erden beftatter, und in die Pfarrfirchen, S. Mis chael genanne, zu Pforzheim begraben. Darzu ift auch fommen der Durchläuchtige Hochgebohene Fürft und Herr Herzog Friedrich Pfalsgraff beym Rhein zc. und feiner 8..©. Ehgemaht Marggraff Albrechts loͤblicher und feliger Gedächtnig Schwefter. Der Batter der Barmherzigkeit und Gott alles Troftes verfenhe ihm und ung allen eine Fröliche Auferſtehung zum ewigen teben, durch feinen lieben eingebohrnen Sohn, un⸗ ferh einigen Heyland und Seligmacher Jeſum Ehriftum, welchen ſampt dem H. Geiſt wahren GOtt fen tob, Ehr und Preiß, immer und ewwiglich, Amen,,, ir | BnoNer Aue 9 _ Marggraf Georg, ein Sohn Friedrichs des äftern, und der polnifchen Prim Marasraf zegin Sophia feste das Geſchlecht der Marggrafen in Franfen fort. Er war in Georgs ju: Onolzbach nad) ı Uhr des Morgens den aten Merz 1484 geboren. Da fein Herr gend und erfte verrichtungen, Bruder Cafimir fräßzeitig zu ritterlichen Uebungen eine tuft bezeigte, fo war Margs graf Georg dagegen mehr vor die Wiffenfchaften eingenommen. Er lernete die fateis nifehe Sprache fertig reden, und fuchte ſich vor allen andern die Gefchichte voriger Zeis ten befandt zu machen. Fruͤhzeitig ward er an den Hof des Königs Vladislai nach Böhmen gefchiet. Da folcher feiner Mutter Bruder war, fo forgte er vor feine Aufs erziehung, wobey fich der Marggraf des Königs und feiner Hofleute Achtung erwarb. Im Jahr 1504 gieng er nach Franken zurück, morauf er theils im baierifchen Kries ge, theils 1508 im venetianiſchen Kriege vor das Erzhaus Defterreich unter den Fah—⸗ nen feines Heren Vaters fochte. Hierauf wandte’ er fich wieder an den Hof Vladis⸗ P.allg. preuß. Geſch. 3Th. Munm lai, 458 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. lai, Königs von Böhmen und Ungarn, melcher ihm anfehnliche Güter in Ungar | ſchenkte. Er erlaubte ihm, Warasdein und etliche verpfändere Herrfchaften einzuld⸗ fen, die Georg durch feine Heirat vermehrte, aber nachmals meiftens, theils ihrer Entfernung, theils der -befländigen Türfenfriege wegen wieder verkauft hat. Des Heren Vaters betrübte Gemuͤthsbeſchaffenheit noͤthigte ihn, zsıs nad) Franken zu ges ben, wo ihm und-feinem aͤlteſten Bruder Cafimir die Beforgung der tandesregierung anvertrauet wurde, Der Herr Bater blieb feit der Zeit in Plaſſenburg und obwol die Söhne, auf deſſen Verlangen, den Ort feines Aufenthalts verändern, und ihm im Ktofter Heilsbronn eine Hofhaltung einräumen wolten, fo unterblieb folches doch wegen ber viefen Einwendungen, die der Abt diefes Klofters dagegen vorbrachte, Marggraf Georg arbeitete nachher. mündlich und ſchriftlich, feinem alten Vater Bes griffe vom der Wahrheit der evangelifchen Lehre beizubringen, welches auch, nad) dem Bericht des Herrn Schulm, gut von ftatten gegangen. Die-tandesregierung mufte Georg feinem Herrn Bruder meiftens allein überlaffen, weil ihn König Vladislaus wieder nach Böhmen berief. Er gieng 1516 dahin ab, und übernahm bie durch den festen Willen Vladislai ihm anvertrauere Stelle eines Mitvormunds und. Oberhofs meifters des. jungen Königs Ludwigs ohne Haut. Als felbiger hierauf in Prag ger kroͤnet wurde, trug ihm unfer Marggraf das Schwerd vor. Wegen der Erziehung, die Georg dem Könige Ludwig gab, find verfchredene Nachrichten. Einige fagen, daß er allen möglichen Fleiß darauf verwandt. Die böhmifchen und ungariſchen Schriftfteller aber wollen feine Mühwaltung nicht loben. Sie fehlieffen aus. der Unan⸗ ftändigfeit der Sitten des Königs, aus feinem Hang zum Müßiggang und Wolluſt auf ſeine Erziehung, und glauben, daß die ſchwaͤchlichen Geſundheitsumſtaͤnde des Ku nigs daher geruͤhret, weil er in der Jugend zu zärtlich gewöhnet, und nicht alle Speis fen vertragen zu lernen angehalten worden. Aber die Schuld ber ſchwaͤchlichen Ge⸗ ſundhelt kann ohnmoͤglich dem Marggrafen aufgebuͤrdet werden. Es ſtand gar nich i in. deſſen Bermögen, dem von Geburt an fehwächlichen Herrn eine dauerhaftere Natur zu verfchaffen. Er würde es vielmehr zu verantworten gehabt haben, wenn er nicht vor deffen Geſundheit und leben aͤuſſerſt beſorgt geweſen, ſondern durch ſtaͤrkere beibesuͤbun⸗ gen und härtere Speiſen ihm den geringſten Schaden zugefuͤget hätte: Es iſt wahr, daß die Tugend in uns liegt, und daß eine Erziehung, folche fichtbar und thätig zu mas chen, vieles beiträgt. Wenn man aber der Erziehung die firliche Bildung eines Mens ſchen allein zuſchreiben will, ſo muͤſſen nothwendig alle uͤble Beiſpiele, alle die Bilder einer laſterhaften Auffuͤhrung entfernet werden koͤnnen, die ſich in das Gemuͤth eines jungen Menſchen nur gar zu leicht einpraͤgen. Aus dem eigenen Wandel Marggraf Georgs kann man allerdings den Schluß machen, daß er, ſeine tugendhafte Geſinnung auch dem Könige Vladislao mitzutheilen, nichts untetlaſſen haben werde. Ohne aber, daß ich nöthig habe, die Fähigfeiten des Königs zu unterfüchen, fo laͤſt fich das Uchle in der Denkungsart Ludwigs fehr leicht aus denen verworrenen Umftänden feiner Zeit, aus denen Damals herſchenden — Sitten ſeiner Hofleute, die ei Georg von a a N — e ———— > — ES et Te ET > — ee DE —* ah hi U "2 ve. Zee Wr 8 Ar * nei, ER N * * IE di ——— er VL ——— — Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, aͤlterer Linie. 459 ihm zu entfernen nicht Macht genug hatte, herleiten. Solten aber auch wol lLeiden⸗ haften den Dubravium und Iſthuanffium verleitee haben, aus einem Religionshaß Bas Andenken Georgs zu beſchmutzen. Vielleicht! denn der Marggraf befam fruͤh⸗ zeitig einen Geſchmack an Luthers evangelifchen Lehrſaͤtzen, und die böhmifchen fo ‚wol als ungarifchen Schrififteller behaupten, daß er die Ausbreitung derſelben in beis den Koͤnigreichen nach allem Vermögen befoͤrdert habe, ohnerachtet der König vor dies ſelbe nicht fonderlich eingenommen. Sein mitregierender Here Bruder Marggraf Ca⸗ fimir gab ihm indeffen Nachricht, daß an einer Erbvereinigung zwifchen dem Burg⸗ grafthum Nürnberg und dee Oberpfalz gearbeitet würde. Er ließ ſich ſolches gefals len, und beide Brüder vollzogen diefe Erbvereinigung Mitwochs nach) Catharinen 1517 mit Pfalzgraf en , Pfaljgraf Friedrich und den unmuͤndigen Pfal;grafen Hen⸗ rich und Philip. - Dagegen traten 1526 beide Marsgrafen die in dem baierifchen Kriege eroberten Orte Freyftadt und vie Klöfter Seligenpforten und Marienberg an den Churfürften Ludwig von der Pfalz, auf deſſen inftändiges Anhalten, gegen die Abtretung anderer an den egerifchen Grenzen gelegenen Dörfer und Flecken ab. Die Herzoge Hans von Oppeln und Valentin von Ratibor hatten indeffen ven Marsgrafen Georg fo lieb gewonnen, daß fie demſelben die Erbfolge in ihren Fuͤrſten⸗ thümern verfchrieben, wenn fie ohne teibeserben abgehen folten. Auch der neue Kais fer Carl 5 ſchaͤtzte ihn anfänglich Hoch. Da die benachbarten Stände in Franken die Gerichtsbarkeit des Faiferlichen Landgerichts und andere burggräfliche Rechte anzufechten ſuchten, wurden durch einen Faiferlichen Befehl vom sten April 1521 diefe Nechte aufs fer Zweifelrgeftelle. Unſer Marggraf nahm auch an der damaligen brandenburgis fihen Belehnung Theil. Ex bemühete fich ferner, den Krieg beizufegen, welcher zwi⸗ ſchen feinem Bruder dem Hochmeifter in Preuffen Albrecht und feinem Better dem Könige Sigismundo in Polen entftanden war. Er reifere daher in Perfon ſowol⸗ nach Preuſſen, als an ven polnifchen Hof, und brachte es, mit Zuziehung des Fais 2 Gefandten und des Herzogs von Liegnitz, dahin, daß vor der Hand ein vierjähs riger Waffenftillftand belicber wurde. Die durch verfehienene von Adel geftörte Ruhe ö in Deutichland Half er wieder Herftellen, da er nebſt feinem Herrn Bruder Cafimir 3522 dem fehwäbifchen Bunde und denen Maaßregeln beitrat, die derfelbevor gut fand, be Betragen der Adelichen einen Zügel anzulegen. Weil ver Nach zu Breslau fich der Kirchenverhefferung unterzogen, und zum Beſten ver Armen viele Klöftergürer ans gewendet, fo ftellten die Mönche darüber bey dem Könige Ludwig fo bittere Klagen an, daß. die Herzoge Caſimir von Tefchen und Friedrich von Liegnig, die Stade mit Gewalt zu überziehen, befehliget wurden. Aber Marggraf Georg von Brandes — burg wuſte die Sache dahin einzuleiten, daß die Ausfuͤhrung dieſes Befehls erſt ver⸗ ſchoben, und nachmals ganz abgewendet wurde. Er bemuͤhete ſich auch, ſeinen Herrn Bruder Caſimir von der Nothwendigkeit der Kirchenverbeſſerung in den fraͤnkiſchen fanden 1523 zu überzeugen. Diefer berief daher 1524 Dienftag nad) Bartholomäi die —— landesgeiſtlichen/ Montags nach Matthaͤi ſich in Onolzbach zu verſamm⸗ Mmm 2 le N, 460 3%. sHauptft. Neuere Geſchichte vom Brandenburg. fen, und mit denen margsräflichen geiftlichen und weltlichen Räthen aus den neuen und a ſtrittigen Sehren und Büchern einen Auszug zu machen, und daruͤber zu rathſehlagen. Aber diefe ganze Zuſammenkunft zerſchlug fich fruchtlos, weil nur wenige erichienen, und diefelben überdies nicht einig waren. Marggraf Cafimir befahl daher, bis auf die Fünftige allgemeine Kirchenverfammlung Gottes Wort lauter und vein zu predigen, und dabey fich alles Zanfens zu enthalten. Hiedurch hatte die Kirchenverbefferung in den fränfifchen fanden einen Fortgang, und beide regierende Herren Brüder erkläs reten fich zu Saalfeld gegen den Landgrafen Philip von Heſſen dahin: fie wolten ſich in allem, das die Ehre Gottes berrift, als chriftliche Fuͤrſten erzeigen, und, ſo viel Gott Gnade verleihet, dazu fördern helfen, was dem göttlichen Wort und dem hei⸗ figen Evangelio gemäß, dadurch) uns die wahre Rechtfertigung Gottes aus dem Glaus ben durch die Verheiſſung in Chriſtum unfern Erlöfer und Seligmacher aufferhalb un. ⸗ ſerer Werf und Eeremonien, Gott fey ewig Dank und ob! nun wiederum offenbar worden. Georg fegte feine Bemühungen noch immer fort, feinen Bruder mit Polen . zu vertragen. König Ludwig bejlätigte niche nur die ihm verfprochene. Erbfolge in Dppeln und Ratibor, fordern auch dasjenige, was mit Jaͤgerndorf vorgegangen. Diefer König harte dem Marggrafen ſelbſt angerathen, ſich in Schlefien anzukaufen, und die anerfauften Sande als eigenthünnliche Erbſtuͤcke mir der Freiheit zu befigen, fols che nach eigenem, Öefallen wiederum zu veräuffern, und damit gänzlich als mit feinem Eigenthum zu ſchalten. Diefes bewog den Marggrafen, feine meiften Güter in Uingarit los zuſchlagen, und fich vor das daraus gelöfete Geld von denen von Schellendurf das Hers zogthum Jaͤgerndorf zu erfaufen. Die Schwefter des letzten Herzogs von Jaͤgern⸗ dorf, Barbara, war die eigentliche Erbin diefes Landes geweſen. Sie hatte fich an einen von Schellendorf vermaͤlt. König Vladislaus überließ diefes Land feinem Oberkanzler Johann von Schellendorf anfanglich als ein Mannslehn, nachher aber als ein Weiberlehn. König Ludwig-willigte in den Verkauf diefes fandes an dem Marggrafen Georg, der nach bezahfter Kaufſumme den Befiß davon ergrif, vondem Könige die Belehnung und die Freiheit empfieng, damit, als mic einem Erbfande, nach feinem Willen zu verfahren Er nahm auch unter den fehlefifchen Fürften Sitz und Stimme. Nach) feiner Gefinnung ließ er auch hier Gottes Wort lauter und rein zu ehren anfangen. Auf dem fehlefifchen Fürftentage zu Grotfau war er mie unterdes nen Bevollmächtigten, die des Königs Perfon vorftellten. Im folgenden Jahr 1525 befprach er fich mit dem D. Luther zu Wittenberg, -reifete ſodenn nach Preuffen, and endlich an den polnifchen Hof. Er ward überall, mit vieler Achtung empfangen ; und durch feine Fuge Unterhandlungen, in welchen ihn ‘der Herzog von Liegnitz gluͤcklich unterſtuͤtzte, kam endfich ein Vergleich zwiſchen dem Könige von Polen und dem Mary grafen Albrecht zum Stande. Der legte ließ den deutfchen Orden fahren, und bes hielt Preuſſen als ein von Polen zu Lehn gehendes Herzogthum bey. Dieſes warb nachher zů Crakau mit groffen Feierlichkeiten beftätiger, Unſer Marggraf Georg ge⸗ noß baden den Vortheil, daß fein Bruder Caſimir und er nebſt ihren männlichen Rach ⸗ —— kommen — — * — Kin. 4 — — Zr vo | Anhang von den brandenb; Margarafen in Franken, älterer Linie. 461 kommen zu Mitbelehnten angenommen wurden. Der in Franken ebenfals ausgebro⸗ chene Baurentrieg ward durch die Tapferkeit feines Bruders 1526 gedämpft. Marge graf Georg ficherte fich in diefem Stuͤck auf das Fünftige durch feine Gnade. Denen Gefangenen, die in der Theilung auf feinen Antheil gefommen, ließ er Gnade vor Hecht wiverfahren, und machte fich diefe Unglückjelige auf beſtaͤndig verbindlich. Er ſuchte auch feinen Herrn Bruder Cafimir hiezu zu: bewegen, und fehrich an ihn, daß folches fein Vortheil mit fich brächte. Sollen die Bauren alle erftochen werden, als wol von Nöthen feyn will, wie fie nicht anders wollen, wo nehmen wir andere Bauren, die uns nähren, her? Es war wirklich. Zeit, daß diefe Unruhe ein Ende nahm. Denn die Mache der Türfen breitere uͤberall Furcht, und ihr Gluͤck Schrecken aus. Als Solymann Ungarn anfiel, übernahm der Marggraf Georg den Oberbefehl aller in Boͤhmen, Schlefien und Mähren zufammengegogenen Krieges völfer, und ließ feine eigene Mache dazu ftoffen. Aber ehe er fich noch mit feinem Könige Ludwig vereinigen Fonnen, fiel das unglückliche Treffen bey Mohatz vor, mo AR dee ungfückliche Monarch in einem Moraft erſticken mufte, Georg widerfeßte fich war mit feinen Bölfern dem Sieger fo viel, als möglich, und befegte die haltbaren Paaͤtze, aber er legte zu Ende des Feldzuges feinen Oberbefehl nieder, weil ihn andere a gt Sachen abriefen. In denen fränfifchen tanden wolte Marggraf Caſimir nicht mehr die Kirchenverbefferung, wie bisher geſchehen, begünftigen. Georg fehrieb deswegen an die Raͤthe fowol, als an. feinen Herrn Bruder Sambftag nach Bonıfarii aus Jaͤ⸗ gerndorf die beweglichſten Vorftellungen. Der letzte ließ hierauf Mittwochs nach Fran⸗ eiſci einen tandtag halten, worin das Neligionsgefchäft unterſucht wurde, - Der Schluß ac war weder den Mümifchen noch den Evangelijchen anftandig, weil man weder von der erſten ganz abgieng, nod) der letztern vollig Beifiel. Marggraf Georg war damit fo wenig zufrieden, daß er vielmehr auf einem anderweitigen fandtage, auf Birten ſei⸗ ner Unterthanen, das Papſtthum ganz abzufchaffen beſchloß. Der Tod König Lud⸗ wigs legte ihm noch andere Befchäftigungen auf: Die Böhmen Hatten, ohne Bow wiffen der fehlefifchen Stände, den Erzherzog Ferdinand zum Könige gemähler. Uns fer Marggraf, der nebft dem Herzoge von Liegnitz damals Oberhauptmann des Kindes war, ließ daher einen Fuͤrſtentag, Mitwochs nach Barbaraͤ, in Leobſchuͤtz, und als fo in feinem Eigenthum, halten. Man befchloß, fich zwar Ferdinand zu unterwers fen, aber eine Verſicherungsſchrift zu fuchen, daß folches denen fehlefifchen Ständen wicht nachtheifig feyn ſolte, auch dem neuen Könige die tandesforderungen zu eröfnen. Er war felbft einer, der deswegen vom Lande nach Prag abgefertiget wurde. Hier | wohnete er 1527 deffen Krönung bey, und als folcher die Huldigung in Breslau em» pfieng, war Georg auch nebft vielen andern vornehmen Herrfehaften gegenwärtig. Er empfieng felbft das tehnn wegen Jaͤgerndorf, und die Betätigung aller feiner darauf habenden Nechte, Ferdinand war auch zum Könige von Ungarn, aber im Zwie⸗ ſpalt, gewähler. Andere Ungarn hatten ſich an Johann Grafen von Zapolia Wo woben von Siebenbürgen, und diefer an die Tuͤrken gehänger, Gegen diefe fuchte J— Mmumm3 Ferdi⸗ 462 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg . Ferdinand auf einem ſchleſiſchen Fuͤrſtentage Huͤlfe/ die ihm auch bewilliget wurde Marggraf Caſimir ward zum oberſten Feldherrn der oͤſterreiſchen Macht in Ungarn angenommen, nachdem er, bey der römifchen Kirche veſt zu verharten, verfprochen. Georg ward fowel hiedurch, als durch die vom Caſimir erhaltene Nachriche, daß den a nen Evangeliſchen ein groſſer Krieg bevorftände,; und, da er in den Händen des Chur⸗ fürften: Joachims L von Branderiburg einen eifrigen Papiften, eine Urfunde mit dies Jen Siegeln erblickte, fehr aufmerkſam gemacht, wozu nachher das vom Otto von Pack ausgebreitete Gerücht Fam, daß zu Breslau gegen die Proteftanten ein ſtarkes Buͤndniß geſchloſſen ſey. Gleich darauf gleng Marggraf Caſimir in Ungarn mic En ARE — Tode ab. Georg legte daher die bisher befleidere Stelle eines fehlefifchen Oberhaupt ⸗ manns nieder, und verfügte fich in feine fräntifchen kande, deren Regierung, fo wie die Bormundfchaft über Caſimirs minderjährigen Prinzen Albrecht, dadurch ihm ww gefallen war, [2 $ 193. Er übernimt Auf der Reife nach Franken beſprach ſich Marggraf Georg: mit dem — an — — ſten von Sachſen zu Coburg über die Neligionsangelegenheicen. Sie faſten den — Fan Schluß, den Kaifer von der Rechtmäßigkeit und lauterkeit ihrer Handlungen zu benach⸗ gziſch fraͤnti⸗ richtigen, auch durch Gottesgelehrte gewiffe Glaubensartifel entwerfen zu faffen. In ſchen lande. ihren fanden wolten fie die Kirchenverbeſſerung durch eine Kirchenunterfuchung öffentlich einführen, und fich hieran durch nichts in der Welt hindern Taffen. Mit dieſem her zhaften Entſchluß langte der Marggraf in feinen fränfifchen fanden an. Selbſt der Lerm, der durch die Eroͤfnung des Otto von Packs von einem zu Breslau gegen bie Evangeliſchen geſchloſſenen Bündniffes 1528 in Deutſchland erreger wurde, Eonte unfern Prinzen von feinem Entſchluß nicht abwendig machen. Die catholifchen Fuͤr⸗ ſten mochten von feiner Herzhaftigkeit und Beſtaͤndigkeit noch nicht gehug unterrichtet feyn. Sie hatten fi) verglichen, unfern Georg entweder in ihr Buͤndniß zu ziehen, oder durch Churmainz, Churbrandenburg und Henneberg iur Parteiloſigkeit zu beftimmen. Aber die Gefehwindigfeit des tandgrafen von Heffen machte, daß bie Gatholifen die Ausführung ihres, Entwurfs fahren laſſen muften. Der Marggraf hielt Dienſtags nach Invocavit einen Landtag, wo, auf Anſuchen der Stände, die durch⸗ gängige Einführung der Kirchenverbefferung und Abfchaffung derer bey dem Papſtthum 7 weft beharrenden Geifklichen, bis auf ſehr wenige Stifter, befchloffen wurde, Die Bis fehöfe in Franken fahen durch die Ausführung diefes Landtagsſchluſſes fich in ihrer geiſt⸗ lichen Gerichtbarkeit geſchmaͤlert; der ſchwaͤbiſche Bund merkte, daß er ſich Fünftig von dem Marggrafen Feine Hülfe mehr verfprechen Fönte; ſonderlich aber buͤßte der Papft das meifte ein. Der letztere fuchte ihn zwar durch ein Schreiben von feinen Unterneh ⸗ nungen abzumahnen; Georg hatte aber das Herz, das päpfkliche Schreiben unerbros ‚chen nach Rom zurück zu fchiefen, und. ven heiligen Vater allen Gehorfam aufzukuͤn⸗ digen, ohnerachtet er wol einfahe, was folches vor Folgen haben koͤnte. Mitwochsnach dem Grant: verglich er j ch mit der Stade Nürnberg zu Schwobach über .s eine 5* IR Anhang son den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 463 - eine Öfeichformigkeit in fehren und Kirchengebraͤuchen. Seine und die nürnbergifchen Gottesgelehrten muften zu dem Ende gewiffe Artikel auffegen, ‚die bey der Kirchenums erfuchung, ſowol des Gebiets der Stadt Nürnberg, als des Burggrafthums zur Nichts ſchnur dienen folten. Hierauf gieng die Kirchenunterfuchung im ganzen Fuͤrſtenthum des Burggrafthums Nürnberg, und die Einführung der Kirchenverbefferung vor fich, ohnerachtet einige papiftifche Geifkliche, ſonderlich der Probft zu Langenzenn, fich eif— zig widerfeßten. Weil hierdurch) nun den Bifchöfen an Einkuͤnften und Anfehen vieles abgieng; fo fuchten felbige den Marggrafen überall verhaßt zu machen. Wiegand von Redwitz Biſchof von Bamberg verflagte ihn beim ſchwaͤbiſchen Bunde, und bewog den König von Böhmen und Ungarn Erzherzog Ferdinand, den Marggrafen von feinem Vorhaben, worüber derſelbe genugfam feinen Unwillen bezengte, abzumah⸗ ‚nen. Dem fchwäbifchen Bunde antwortete der Marggraf in einem an Cafpar von Kaldenthal, gemeinfihaftlichem Bundsrichter, geftellten Schreiben, „daß der Bunds⸗ ichter, auf Anſuchen des Bifchofs von Bamberg, ohne weitere Unterfüchung an ihn - begehret, von feinem Vorhaben, der Pfaffen Beiſchlaͤferinnen abzuſchaffen, abzufaffen,. gleich als 06 die Beftrafung der Hurerey wider den fandfrieden und Bundeseinigung Hiefe, da zu wuͤnſchen wäre, daß fein die Bifchöfe hätten folche Lafter geftraft, und nicht, wie an theils Orten gefehehen, noch dazu darum Geld genommen. _ Es fey alſo der Bundsrichter nicht. befugt, dein bambergifchen Begehren nach, in Kraft der Bun⸗ 5 Beseinigung ihm hierinnen bey Strafen zu gebieren.,, Auch dem Könige Ferdinand: x i ‚antwortete ev mit vielem Nachruf, „wie die Bifchofe bisher ihrem Amte fein Genuͤ⸗ ge gethan, groß Ergerniß in tehr und Leben bey dev Cleriſey in feinen fanden durch ihre Fahrlaͤßigkeit einveiffen laffen, und datın auch Fein allgemein Concifium, zur Verbeſſe⸗ tung der Religion und Geiſtlichkeit, bisher von Rom aus zu erhalten geweft; alfo habe er als ein chriftlicher Fuͤrſt, deme nicht nur obliege, vor feiner Unterchanen zeitliche, ſondern auch ewige Wohlfahrt zu forgen, feinem Ambt und Gewiffen notwendig, ein Genuͤgen tun müffen ; hoffe darmit vor GOtt und Kayferlicher Majeftär beſtehen zu koͤnnen. Ueber das habe er nichts anders gethan, als feines Herrn Bruders Marggraf Caſimirs A. 1526 ſchon ergangene Kirchenordnung erläutert. Unbey beflagie er noch Biefes, daß feine Feinde dem König fälfchlich Hinterbracht, als brächte er aus feinen tanden in bes Koͤniges die fogenannte neue und falfche behre; da er fich doch Feiner fols chen bewußt, noch vielweniger beipflichte 5 dahingegen alles, was ben ihm gefehrer und geprediget würde, augenfcheinfich mic dem Elaren Wort Gottes überein kaͤme., Ends. fich fehloß er dieſes Schreiben mit folgenden bedenklichen Worten: „Hat Chriſtus um fer Heyland und Seeligmacher nicht übrig feyn mögen oder wollen, um feines Evange⸗ Jüchen Predigens willen als ein Derführer und in andere Wege geläftere zu werden ; wars um folte es ung andern, die feiner reinen und unbefleckten Sehre umd Predigt anhangen, anders gehen, foll boch der Jünger nicht über den Meifter, und der Knecht nicht über feinen Heren feyn. ,, Zum Glück war der Kaifer und deffen Bruder König Ferdinand An zu gtoffe Kriege verwickelt, als daß fie Die Fortſetzung des Evangelii Kindern konten. Georg 464 3%. 8.Hauptft. Neuere Sefchichte von Brandenburg. Georg brachte vaher die Kirchenverbefferung zu Stande," und berachfchlagte fich dark ber mie Churſachſen theits fehriftlich, theils dutch Gefandten. Hingegen verbot erde nen Wiederräufern alle Berfammlungen und öffentliches kehren. Er befuchte 1529 den Reichstag zu Speier perfbnlich, und that anfänglich mie denen uͤbrigen Evangelifchen gegen alle nachtheilige Schlüffe Vorſtellungen. Da folches ohne Nusen war, legten die Proteftanten einen feierlichen Widerſpruch dagegen ab, der im Neichsrach öffent, lich verfefen wurde. Diefen Widerfpruch unterzeichnete aud) der Marggraf. eine - Geheimfchreiber halfen die Berufungsfchrift vom Reichsabſchied an eine Kirchenverſamm⸗ fung auffegen, davon einer auch unter denen Gefandten ſich befand, welcher an den Kaifer mit der Berufungsfehrift abgefertiget wurde. Der Marggraf berathfehlagte fich auch nachher mit feinen Glaubensgenoſſen fehriftlih und durch Gefandte. Er be⸗ fehickte die Zufammenkunft derfelben zu Rotach, wo fein Gefandter einen Entwurf eis nes Buͤndniſſes auffegte, über deſſen Berichtigung zu Schwobach gehandelt werden ſolte. Churſachſen wolte ſich aber mit denen Zwinglianern nach Heſſens Meinung nicht einlaſſen, und wolte ſich deshalb mir Georg zu Saalfeld beſprechen. Dieſer ſchickte elnen Geſandten dahin. Es ward zwar eine andere perſoͤnliche Zuſammenkunft beider Herren zu Naumburg veſtgeſetzt; aber auch diefe Fam nicht zum Stande. Endlich befprach ſich Georg mie Churfachfen zu Schlaig, wodiefer jenen Gewog, die Zwinglianer und alle vom Buͤndniß auszufchlüffen, die nicht dieı7 aufgeſetzte ſchwobacher Artikel annähmen. Als nun die Zufammenkunft der Proteftanten zu Schwobach geſchahe, verlangten die hurfächfifchen und die Gefandten Georgs, daß alle Bundesgenoffen diefe 17 ſchwo⸗ bacher Artikel anuehmen ſolten. Darüber aber zerſchlug ſich die Unterhandlung, und man ſetzte nur eine andere Zuſammenkunft zu Schmalkalden veſt. Der Kaiſer hatte ‚Indeffen die an ihn abgefchickte Geſandtſchaft nicht gnaͤdig aufgeno mmen. Georg ließ auf dieſe Nachricht ſich von Raͤthen und Gottesgelehrten belehren: wozu man ſchreiten ſolte, wenn der Kaiſer etwas unbilliges gegen die Proteſtanten vornehmen wuͤrde. Und doch konten ſolche zu Schmalkalden uͤber ein Buͤndniß nicht eins werden, weil Sachfen und Georg noch immer darauf beftanden, diejenigen davon auszufehfüffen, welche die 17 Artikel nicht annehmen wolten. Auch) die Zufammenfunft zu Nuͤrnberg beſchickte Georg durch Gefandte. Hier nahmen die Anwefenden die Schwobacher Arrifel an. Des Marggrafen Gefandte trugen auf eine abermalige Abſchickung an den Kaifer und an den König Ferdinand an, wobey fie vorfehfugen, die Befehle vor die Abgefandten fo gelinde, als möglich, abzufaſſen. Als aber folches, auf die Borftellung der Nuͤrnberger, unterblieb, gaben Georgs Gefandte ven Rath, an den Kaifer we nigftens ein ehrerbietig Schreiben zu ſchicken, um dadurch das widrige Anbringen ihrer Feinde abzuwenden, und ſich zu erbieten, wegen ihrer Religion Bericht zu thun , und Verhoͤr zu leiden; damit man hiedurch den Kaifer vielleicht zu Annehmung der Wahr⸗ heit bringen möchte. Diefer Vorſchlag ward beliebt, und ein Entwurf eines folchen Schreibens verfaft, welches aber nicht-abgefchickt worden, weil Earl 5 bald ſelbſt dar⸗ auf nach Deutfchland fam. Endlich ward hier zu Nürnberg auch die Frage aufger won ⸗ 1 - a N —— Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 2 465 worfen: ob man des Kaifers Gewalt mit gutem Gewiffen fich widerfegen dürfte, Die marggräflichen Gefandten erfläreten fich hierauf: daß Georg fich wider den Kaifer nicht zu wehren gebenfe, worüber folche mic denen hefifchen wieder in ziemlichen Wortwech⸗ fel gerierhen. Es Fam alfo auch das Buͤndniß nicht zum Stande. | $. 194. Während der Zeit fehrieb der Kaifer in ziemlich gnaͤdigen Ausdruͤcken einen Reichs / Seine verrich⸗ tag nach Augſpurg aus. Der Marggraf beſchloß, denſelben perſoͤnlich zu befuchen. tungen auf Da er fich durch fein Verhalten auf dieſem Neichstage den Beinamen des Frommen und des Bekenners erworben; fo müflen wir von feiner Aufführung auf dieſem Neichstage ſpurg ausführlic, fprechen. Che er noch dahin abreifete, muften feine Gottesgelehrten ihr Dedenfen über folgende Fragen auffegen: Was iſt ein rechter wahrhafter Gottesdienſt? Was giebts hierbey vor Misbräuche ? Und wo find die letztern in der heifigen Schrift und in den Büchern der Kirchenväter verworfen? Georg ließ durch ein Kirchengebet um einen glücklichen Ausgang diefes Reichstages bitten; verordnete, wie in feiner Ab⸗ weſenheit die Negierung und Kirchenſachen beftelle werben folten, und langte den roten May mit einem anfehnlichen Gefolge in Yugfpurg an. Unter vielen andern Adelichen, Gelehrten und Predigern Hatte er den Herzog Georg von Muͤnſterberg, den landgra⸗ fen Georg von Leuchtenberg, den Grafen Berthold von Henneberg, den Grafen Friedrich von Schwarzenberg, den Herrn Adam von Wolfftein, Andreas von Haufen, Sigismund von Bifchofswerder, Otto von Flans, Georg von Strach⸗ wis, Carl von Braun, Zoachim von Schweinichen, Balthafar von Schlieben und viele andere bey ſich. Er fellte gleich mit feinen übrigen Glaubensgenoſſen Be rathſchlagungen an, und weil man befchfoffen, dag Philippus Mielanchthon ein all gemeines Glaubensbefäntni der Evangelifchen verfertigen folte, fo übergab er dieſem Sotteögelehrten die 17 ſchwobacher Artifel, welche auch wirklich bey dem augfpurgis ſchen Staubensbefäntnig zum Grumde gelegt wurden. Er reifete dem Kaifer ben ſei⸗ ner Ankunft entgegen. Als bey Diefer Gelegenheit der päpftliche Borfchafter der Der ſammlung ven Segen gab, und der Kaifer nebft denen Catholiken dabey auf die Knie fielen, blieb der Marggraf aufrecht fliehen. Der Einzug Carls 5 geſchahe am Abend vor dein Sronleichnamsfefte. Es muthete derſelbe den Proteſtanten in feiner Woh⸗ nung zu, Daß fie am folgenden Tage dem Zefte beiwohnen, und fünftig, wie esbisher gefehrhen, durch ihre evangeliiche tehrer in Augſpurg nicht mehr predigen laſſen ſolten. Unfer Marggraf antwortete im Namen der übrigen, daß fie folches gegen ihr Gewiffen hielten; fonft aber fich als gehorfame Stände aufführen würden. Da der Raifer durch den König Ferdinand fein Verlangen wiederholete, antwortete Georg, daß ihre Pres diger Das Sautere Wort Gottes ohne alles Gezaͤnk vortrügen, welches ihnen nicht verboten werden koͤnte. Ferdinand ward heftig, und erflärere fich, daß alle dieſe Vorſtellungen bergebens wären, weil der Kaifer bey dem veften Entſchluſſe bliebe, daß alle Stände dem Fronleichnamsfeſte beiwohnen, und denen evangeliſchen Lehrern das Predigen verboten D.sllg. preuß. Geſch. 3Th, | Nun ſeyn 466 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. feyn fol. Georg ward dadurch zu folchem Eifer gebracht, daß er fofort ficherkläreter er wolle lieber gleich nieberfnien, und fich durch Henkers Hand den Kopf abfchlagen laſ⸗ fen, ‚ehe. er Gott und fein Wort verleugnen, und einer irrigen tehre beipflichten wolte. Den Kaifer brachte diefer gefegte Muth zum Nachdenken, fo daß er fich verkauten ließ: nicht Kopf ad, nicht Kopf ab. Er gab den Proteſtanten bis auf Morgen Bedenk⸗ zeit. Un dieſem merkwuͤrdigen Tage erſchien der Marggraf mit dem ſaͤchſiſchen Chur⸗ prinzen vor dem Kaifer, und — die Urſachen vor, warum fie Gewiſſens wegen dem Feſt nicht beiwohnen koͤnte. Man fordere ſolches von ihnen als einen Gottesdienſt, da⸗ mit ſie nur dasjenige, was dawider bisher in ihren Kirchen gelehret worden, durch ih⸗ re That widerrufen moͤchten. Solche feierliche Umgaͤnge waͤren bisher von ihnen un⸗ terlaſſen, weil ſie Gott nicht befohlen, und die Zerſtuͤmmelung des Sacraments der Schrift zuwider. Die evangeliſchen Predigten aber waͤren dem goͤttlichen Worte ge⸗ maͤß, und weder ketzeriſch noch aufruͤhriſch, und ihnen folche auf andern Neichstägen nicht vermwehree werden. Weil auch das Gerücht gieng, daß einige harte catholifche Geiſtliche dem Kaifer den Nach gegeben, die Protejtanten auf ven Saal zu fordern, und denn greifen und koͤpfen zu laſſen, fo ließ fich der Marggraf vor feine. Perſon in folgende merfwürdige Worte heraus: „Unuͤberwindlichſter Kaifer, gnaͤdigſter Herr! Nachdem ich im Namen des Churfuͤrſten zu Sachfen und der andern evangelifchen Fürften bishero geredet, Fann ich aus dringender Noth nicht unterlaffen, €. Faiferlichen Majeflät auch vor mich mein Gemuͤth zu eröfnen. Es wird E. Faiferfichen Majeſtaͤt nicht unwiſſend feyn, wie hoch ich, ohne Ruhm zu melden, um das Haus Oeſter⸗ reich mich verdient gemacht, was beftändige Treu ich in allerley Wegen demſelben er⸗ wieſen, was Gefahr ich ohne Schen deswegen auf mich genommen: ja wie ich deswe⸗ gen mein Leben und Gut gewaget, immaffen mir deffen männiglich Zeugniß geben muß, gefehtweige jetzt meiner Vorfahren chriſtmilder Gedaͤchtniß, hochanſehnlicher Dienften und Treu, fo fie gleichfals €. Faiferlichen Majeftät Borfahren in den ofterreichifchen und ungarifchen Kriegen eriviefen: und begehre.ich noch ‚heutiges Tages, in die Fuß⸗ ftapfen derfeiben zu treten, und verſpreche E. Faiferlichen Majeſtaͤt, daß hinführo dem Haufe. Defterreich und E Faiferfichen Majeftät ich nach Aufferftem Vermoͤgen zu Dienft flehen, und diefelbe in Werk erzeigen will: wo anders in Neligionsfachen nichts. von mir begehret wird, das wider Gott und fein Wort laufen möchte. Bitte demnach uns terthänigft, €. Faiferliche Majeftät wolle viefes alles allerguädigft erwegen, und den töfterungen und Verlaͤumdungen der Widerwaͤrtigen nicht ſo weit Glauben geben, daß ſie fich wider mich verhegen laffen wolten.. Dann in diefer Sache, die Sort betrift, werde ich durch unwiedertreiblichen göttlichen Befehl dazu bewogen, den kaiſerlichen Deereten, Befehl und Begehren mich zu widerfeßen, es geheauch, wie es wolle: Dies weil gefehrieben ftehet: man muß GOtt mehr gehorchen , dann den Menfchen, Dar⸗ am wegen des Defäntniffes diefer Lehr, welche ich für die Stimme des Sohnes GOt⸗ fe3 und die ewige und unfehlbare Wahrheit mit gewiffen Grund erfenne, trag id) nicht —— auch die Lebensgefahr, welche (wie ich — uns ER gedrohet wor⸗ den, \ halten ſolten. —— — — — Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 467 den, auszuftehen, und meinen Kopf darzulegen. „ Der Kaifer hoͤrete ihn gnädig ar, und antwortete: weil der feierliche Umgang ein Gottesdienft, fo wolte er fich des Ges horſams der Proteftanten verfegen. Wegen des Predigens der evangelifchen lehre aber ihre Meinung fehriftlich annehmen. Aber der Marggraf erfchien fo wenig als ans dere Proteftanten bey diefem feierlichen Umgang. Das Schreiben wegen der Pres diger wurde aufgefeßt, und den ızten un. dem Kaifer Übergeben. Marggraf George -Hofprediger Johann Rurer betrat an diefem Tage die Canzel in der Catharinen⸗ kirche, und hatte fehe viel Zuhoͤrer. Georg enzfhuldigte folches damit, daß es nich aus Ungehorfam gegen den Kaiſer geſchehen, ſondern weil er deſſen Einwilligung vermus eher, da der Kaifer das in diefer Sache übergebene Schreiben angenommen. Carl ernannte einige Bevollmächtigte zur Unterhandlung mit den Proteftanten wegen des Predigens ihrer fehre. Georg fügrete im Namen feiner Glaubensgenoſſen das Wort, und Coleſtin Hat die von ihm bey diefer Gelegenheit gehaltene Rede aufbehalten. Es fiegten endlich die Proteftanten in dieſem Stück, nur daß ſich der Kaifer vorbehielt, die Prediger zu benennen, und daß diefelben ſich alles Schmähens und täfterns ent⸗ 195. Der Reichstag wurde den 2often Jun. mit einer Meſſe eroͤfuet. Churfuͤrſt Jo⸗ Fortſetzung. hann von Sachſen muſte Amts halber dabey erſcheinen, und ward, nach eingehoitem Bedenken der Gottesgelehrten, vom Marggrafen Albrecht begleitet. Dieſer widet⸗ ſprach, daß er der Meſſe nicht als einem Gottesdienſt beiwohne, und nahm im Chor der Kirche ſeinen Platz ein. Als er ſich zum Opfer dem Altar naͤherte, konte er ſich ſo wenig, als der Churfuͤrſt von Sachſen, des tachens enthalten. Man befchloß, die Neligionsfache am erften vorzunehmen. Bey der zwoten Sitzung am Johannis⸗ tage erfuchten die Jroteftanten den Kaifer, nach der Predigt ihr Glaubensbekaͤntniß überreichen und verlefen zu dürfen, mit vieler Freimüchigfeie. Darunter befand fich auch Marggraf Georg. Nach einiger Weigerung erhielten fie dazu des Kaifers Er⸗ faubniß. Georg unterfehrieb das Glaubensbekaͤntniß, welches den 2sften Furt, übers reicht und verkefen wurde. Die Roͤmiſchen lieſſen folches widerlegen, und Carl 5 verlangte den steh Auguſt, daß die Proteftanten die Widerlegung annehmen folcen. Marggraf Georg bewies fich aber fonderlich ſtandhaft. Die Sache ward einem Ausſchuß zu guͤtlichen Unterhandlungen aufgetragen. Bon proteftantifcher Seite war unfee Georg und fein Rath Sebaſtian Heller hiezu ernannt. Aber die Unters tzand lungen zerfchlugen fich fruchtlos. Heller war voller Furcht, und Melanchthon und Brentius nebft ihm machten den Marggrafen, ber gern recht thaͤte, anfänglich zwei⸗ felhaft. Es muß ihm aber Spalatin und andere zufegt das tob beilegen: er habe ſich befonders im Ausſchuß chriftlich, beftändig und wohl verhalten. Die Churfürften von Mainz und Brandenburg gaben ſich zwar die erſinnlichſte Mühe, ihn von der evangelifchen tehre abzubringen. Sie bedroheren ihn unter andern damit, daß, im MWeigerungsfall, der Kaifer leichtlich darauf verfallen koͤnte, ihm die Vormundſchaft \ ' Nun za Als 468 3%. 8 Hauptft, Neuere Geſchichte von Brandenburg. Albrechts feines Bruders Sohns, und dadurch zugleich Die Helfte des Fuͤrſtenthums des Burggrafthums Nuͤrnberg zu entziehen. Sie boten ihm im Gegentheil alle Fais ferliche Onade und den Oberbefehl gegen Die Türfen an. Seine Herren Brüder Margs graf Friedrich und Johann Albrecht vereinigten fich in dieſem Anfuchen mit den beis den Churfürften. Er antwortete aber den ibten Jul. Es ſen fäntlichen hohen Au⸗ verwandten nicht verborgen, daß er von Jugend auf dem roͤmiſchen Stul ſey ergeben geweſen, allein da er num erfannt das groffe Verderben in der römifchen Kirche, fo babe er nothwendig feinen Sinn ändern müffen. Sie felöften folten nur) gevenfen an die Grauamina, welche das ganze roͤmiſche Neich wider den Papft und die ganze päpftliche Eferifey auf dem Neichstage zu Nürnberg erft Eürzlich ven päpftlichen fegas ten übergeben. Was vor Geldſchneidereien folche bishero getrieben. Was die Deuts ſchen Zürften, und fonderlich ihr Herr Großvater Churfürft Albrecht, von dem rs mifchen Clero habe leiden muͤſſen; davon koͤnten noch feine Briefe zeugen, die er deswegen gefehrieben, und welche noch) aufgezeiget werben fünten, weil fie fein Herr Bater Marggraf Friedrich in Händen habe, Es fey ferner befande, was vor böfe, hochmuͤthige und fafterhafte Paͤpſte bishero vegieret. Es liege ihm auch ftets im Sinn, was Cran⸗ zius von dem Hochmuth Bonifacii 8 erzähle. Was dann ferner die fehre der roͤ⸗ mifchen Kirche anbetreffe, fo fey mit gründlichen und unumſtoͤslichen Argumenten Bishero gewiefen worben, daß fie neue irrige Meinungen angenommen, und von det alten und lautern apoftolifchen tehre abgefallen ; allein diefe fey incorrigibel, und vers folge die Befenner der Wahrheit des Evangelit mit Feuer und Schwerd. Was ihren Sortesdienft anbelange, fo fen folcher vor Aberglauben und abgörtifches Wefen zu halten, zumal in denen Punkten von Berehrung der Bilder, Anrufung der Mutter Chriſti und ans derer Heiligen. Endlich fagte er: vor meine Perfon werde ich ohnveränderlich. Chris fti und feiner Apoftel ehren durch des heiligen Geiftes Beiſtand folgen, und habe das gegen laͤngſtens alle zeitliche, irdifche und wergängliche Guͤter dieſer Welt, "viele Menfchen mit Berluft ihrer Seligkeit fo hoch achten, lernen veracheen. Die Ewig⸗ keit aber, und daß mir ewig wohl ſeyn möge, iſt die einzige Abficht meines tebens und aller meiner Handlungen. „ 8 blieb alfo ver Marggraf beftandig. Die Proteftars tert hatten eine Vertheidigung ihres Gfaubensbefäntniffes auffegen laſſen, die er eben fals unterfehrieb, und als der Churfürft Zyacyim ı von Brandenburg die härteften Bedrohungen gegen die Proteftanten bortrug, wovon der Kaifer felbft urtheilete: es wäre darin etwas unrecht und zu viel gewefen, fo hatte Marggraf Georg die Zufrie⸗ denheit, daß Jvachim bey des Marggrafen Marfchall Georg von Seckendorf aufab lerhand Art feine Hige und Ausdruͤcke entſchuldigte. | ra $. 196. Beſchluß. Auch die Biſchoͤſe vnon Bamberg und Würzburg brachten gegen ihn beim Rats . fer Klagen an, und erhielten von ihm den Befehl an den Marggrafen, fie Flaglos zu ſtellen. Aber Georg fehlte fein Berragen damit, daß ihm als Landesherrn das Kits chen⸗ Pr ee eu O — Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, aͤlterer Linie. 469 chenrecht zuſtaͤndig ſey. Die Biſchbfe haͤtten ihr Amt als geiſtliche Hirten ſehr ſchlecht bisher verwaltet, und es ſey unbillig, daß fie fo groſſe Einfünfte aus feinen fanden zie⸗ hen folten. Ben dem allen fuchte man ihn noch immer zu gewinnen. Der baaden⸗ ſche Canzler Behus und Georg Truchfed thaten ihm, wiewol vergeblich, Vorſchlaͤ⸗ ge zum Vergleich. Als endlich der den Evangeliſchen ſehr beſchwerliche Reichsabſchied verfaſſet worden, und ſich wegen deſſen Annehmung ſo viele Schwierigkeiten fanden, Fam Vehus und Truchſes den 2rften Sept. ben ſpaͤtem Abend noch einmal zum Marggrafen. Sie fuchten ihn zu bereden, daß er wenigftens die Proteftanten duch feine vielvermoͤgende Vorftellungen zu Annehmung des Neichsabfehiedes bewegen moͤch⸗ te. Er zeigte ihnen aber die Gründe, warum feine Partey in diefen Abfehied nicht willigen koͤnte. Er verfprach jedoch, mit feinen Glaubensgenoſſen die Sache zu übers fegen, und nach dem Gewiffen einen Schluß zu faffen. Er gab fofort hievon denen Proteſtanten Nachricht. Den folgenden Morgen ward darüber in feiner Wohnung durch Bevollmächtigte Rath gepflogen, und befchloffen, die Gründe den Faiferlichen Abgeordneten vorzulegen, warum fie den Reichsabfehied nicht annehmen koͤnten. Bon diefem Schluß lieg Georg die Faiferlichen Abgeordneten benachrichtigen. Cr fieß fich auf diefem Neichstage oft vernehmen: GOttes Wort wär nicht ſchwer, wenn der Eis gennuß nicht wär. Er bezeigte uͤberhaupt bey allen Gelegenheiten einen bewundernss würdigen Much. Ben verfihiedenen Gelegenheiten, fonderlich ben der feierlichen lehns⸗ empfaͤngniß der Herzoge von Pommern und dem daben von dem Ehurfürften Joachim vorgenommenen Widerfpruch, unterſtuͤtzte der Marggraf wegen der gefuchten Belchs nung der Fürften Partey. Er befchmwerete fich bey allen Neichsftänden, daß ihm der Kalſer wider alles Necht und Billigfeit verfehiedenemal feines Bruders Cafimird mins derjährigen Prinzen abgefordert, und fich dabey des Vorwandes bedienet, wie er in andere Wege verforgt und erzogen werben folte; daß der Kaifer hieben auf die erbliche Theilung der brandenburgifch fränfifchen tänder gedrungen, und daß ihn König Fer⸗ dinand aus Religionshaß zum ruhigen Befig der Herzogthuͤmer Ratibor und Oppeln nicht kommen laffen wolle. Ben dem allen aber behielt ver Kaifer gegen den Marggra⸗ fen die gröfte Achtung, fo daß auch Georg mit zu dem Ausfchuß gezogen wurde, darin man die Berathfehlagung der erheblichften NReichsangelegenheiten vortrug. Endlich reis fete er mic dem Ehurfürften von Sachfen von Augfpurg ab, Tieß aber den Johann von Seckendorf und Sebaftian Heller zurück, denen er anbefahl, mic den ſaͤchſi⸗ ſchen Abgeordneten in alten gemeinfchaftlich zu handeln. Nach feiner Zuruͤckkunft ließ er ein Danffeft, wegen der auf dem Neichstage zu Augfpurg genoffenen göttlichen Gna⸗ de halten, und zum Andenken eine Schaumünze s) prägen. 2 | | | 197. | n — Weil der Kalſer gleich nach dieſem Reichstage die roͤmiſche Koͤnigswuͤrde vor fer Georgs fer⸗ nen Herrn Bruder zu Coͤln zw erhalten ſuchte; fo reiſete unſer Marggraf, auf Vers nere vegie; 2 Men z ER! fangen kungsſachen. 2) Aufser einen Seite ſiehet man die Bruſte andern das brandenburgiſche Wappen mit den Bilder Beorgs und Albrechts mit der Umſchrift: Worten: Verbum Domim; manet in aeter- Si Deus pro nobis, quis contra nos; aufder num 470 3%h.8 Hauptſt. Neuere Geſchichte son Brandenburg... fangen des Churfürften von Sachſen, dahin ab, um auf alles Ache zu geben, wodurch den Evangelifchen zu nahe getreten werden koͤnte. Die Verſammlung der Proter ftanten zu Schmalkalden beſchickte er durch Gefandfe, die aber den Entwurf eines Buͤndniſſes nicht unterfchreiben wolten. ‚Eben diefes geſchahe auch nicht auf einer ans derweitigen Zufammenfunft zu Schmalkalden 1531, obſich gleich fonft Marggraf Georg erklärete, vor die Wahrheit ver evangelifchen tehre teib und Leben, Haab und Gut, fand und teute zu laſſen. In einem anderweitigen Schreiten an Churfachfen und Heflen jeigete er, daß die gefchloffene Erbvereinigung fie ohnedies zu einer gegenfeitigen Hilfe und Beiſtand verbinde, ohne daß er aus wichtigen Urſachen dem Buͤndniß beis treten dürfte. Seine länder lagen wirklich hiezu zu gefaͤhrlich. Defterreich und Baiern waren zu mächtig, ‚der ſchwaͤbiſche Bund noch im Stande, die Furcht, die Vormundſchaft des minderjäßrigen Vetters zu verlieren, fehr gegründet; und was war nicht von den Churfürften von Mainz und Brandenburg, in Abſicht aller Hausan⸗ gelegenheiten, zu beforgen, wenn er dem. fehmalfaldifchen Bunde beigetreten wäre? Die fränkischen Biſchoͤfe fingen ſich wirklich bereits wieder zu regen an. Sie belange ten ihre bey dem ſchwaͤbiſchen Bunde, welcher, zur Unterfuchung diefer Angelegenheit, eine Zuſammenkunft zu Nördlingen veſtſetzte. Marggraf Georg erfuchte Churſach⸗ fen, fich ſeiner anzunehmen, welches zwar, swegen des ausgefchlagenen fchmalfaldis fchen Bundes, fein Misfallen bezeigte, aber doch) durch Geſandte zu Nördlingen ſich des Marggrafen annahm. Hie brachte Georg auf die Befchufdigungen der Biſchoͤſe zur Antwort bey, daß fich diefelben, fonderlih Bamberg, unvechtmäßiger Weiſe einer geiftlichen Gerichtbarkeit in feinen fanden anmaßten; daß fie ihr bifchöflich Amt nach⸗ läßig verwaltet, und ſchwere Irthuͤmer und groß Aergerniß bey den Geiſtlichen in ehe und teben hätten uͤberhand nehmen laſſen; daß er, als tandesherr, deswegen ein Einfes ben haben müffen, und daß er auf den Ausfpruch einer allgemeinen unparteiifchen Kir⸗ chenverſammlung fich beriefe, und deren gerechten nach den Ausfprüchen der heiligen Schrife abgefaſten Schlüffen er fich unterwerfen wolle. Die Bifchofe meinten zwar, daß diefe Berufung nicht gültig, weil bie fehwäbifchen Bundesgenoffen ſich in allen Stuͤcken den Yusfprüchen des gedachten Bundes unterworfen, - Weil demfelben aber in diefen Sachen der Marggraf unmöglich einen Ausſpruch einräumen koͤnte, fo müfte er erwar⸗ ten, was wan weiter.gegen ihn unternehmen wolle. Ex. befehickte auch die in dieſem Jahr angeftellten Religionsverfammlungen zu Schweinfurt, Nuͤrnberg nd Frank furt , und ließ durch Bevollmaͤchtigte den erften Neligionsfrieven zu Nürnberg 1532 unterzeichnen. Auf feine Vorſprache ward der Stade Freiberg in Sachfen die Einfühs rung der Kirchenverbefferung verſtattet. Er gieng hierauf nach Jaͤgerndorf ab, und gab ſich viele Mühe, die boͤhmiſchen und mährifchen Brüder zur Bereinigung mit denen deutſchen Evangelifchen zu bringen. In diefem Jahr war am Montage nach Pal⸗ marum ber letzte Herzog Hans von Oppeln geftorben. West folte foiches an unfern u Marggrafen Georg Herzog von Ratibor und Sägerndorf fallen. Er hatte aber mie dem Könige Ferdingnd 1 einen Vergleich eingehen müffen, daß er Oppeln und Mr en | | —— tibor, Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 471 tibor, gegen Erlegung einer Summe, die einige auf 130000, andere aber auf 183333 Dücaten angeben, wieder ausliefern wolte, jedoch) mit Beibehaltung feines Rechts auf Beuthen und Oderberg. Er beſchickte ven Reichstag zu Regen ſpurg durch Gefandte, Im Jahr 1533 ließ er. eine wollftändigere Kirchenoronung von feine tande verfertiger, Nachdem er felbige in Jaͤgerndorf durchgeſehen, ward ſie durch ein oͤffentliches Aus⸗ ſchreiben bekandt gemacht, und hiedurch faſt durchgehends die noch uͤbrig gebliebe⸗ nen papiſtiſchen Gebraͤuche abgeſchaft. Die wenigen papiſtiſchen Kloͤſter ſind auch in der folgenden Zeit nach und nach verbeſſert worden. Es war wirklich vor ihm ein Gluͤck, daß der ſchwaͤbiſche Bund ſich endlich trennete. Der roͤmiſche König ſuchte zwar 1534 die Erneuerung deffelben zu. bewirken, und ſchrieb dieferhalb in gnädis gen Ausdrücken auc) an unſern Marggrafen. Dieſer legte aber in einem Antwortſchrei⸗ ben die Bedingungen zum Grunde, wenn der in dieſem Jahre geſchloſſene cadanſche Vergleich, nach welchem der Religionsfrieden genau beobachtet, und die Rechtshaͤndel des Kammergerichts gegen die Evangeliſchen abgeſchaft werden ſolten, genau befolget wuͤrde. Im der That war jedoch dein Marggrafen nicht unlieb, daß dieſes Buͤndniß, welches ihm bisher fo manchen Verdruß verurſacht, nicht wieder erneuert wurde. Am Jahr 1534 machte das Anerbieten Papfts Paul 3, eine Kirchenverfammlung zu Mans tuag zu halten, neue Sorgen. Der päpftliche Botſchafter Vergerius überreichte ihm das paͤpſtliche Einladungsſchreiben perſoͤnlich zu Onolzbach. Er begegnete dem⸗ ſelben mit Achtung, und beantwortete des Papſts Schreiben mit Hoͤflichkeit. Er war aber ſo wenig geneigt, ſich dem paͤpſtlichen Stul aufs neue zu unterwerfen, daß er viel⸗ mehr in einer kund gemachten Eheordnung die ganze Gerichtbarkeit uͤber ſtreitige Ehe⸗ ſachen ſich zueignete. Frankreich Hatte ausfprengen laſſen, daß der Kaifer die Pro⸗ teſtanten mit Krieg uͤberziehen wolle. Carl 5 ſuchte ſolches Vorgeben durch ein eigens haͤndiges Schreiben an unſern Marggrafen von ſich abzulehnen, und erbot ſich zu allem Guten. Weil aber Georgs Bruder Marggraf Friedrich in Franken kalſerliche Wer⸗ bungen anſtellte, und ihm auch ſonſt manche Unruhe und Verdruß erweckte, fo war unfer Marggraf daruͤber doch) in groſſer Beſorgniß. Jedoch auch dieſe verſchwand, als Marggraf Friedrich die angeworbene Mannſchaft im Fruͤhjahr 1535 aus Deutſchland zu dem Heer des Kaiſers abfuͤhrte. Die ſtrittigen Grenzen in der Oberpfalz wurden Durch einen Vergleich berichtiget. Die Seete dee Wiedertaͤufer wurde glücklich ge⸗ daͤmpft, und der Tod des Churfuͤrſten Joachims ı von Brandenburg gab Hofnung, Das mit dem Churhaufe der Religion wegen unterbrochene gute Vernehmen wieder hers geſtellet zu ſehen. Marsgraf Georg ſuchte naher den neuen Churfärften Joachim 2 und deffen Bruder den Marggrafen Johann von Cuͤſtrin zum Vortheil der evange⸗ liſchen behre einzunehmen. Der letztere nahm dieſelbe auch oͤffentlich an, und der Chur⸗ fuͤrſt zeigte zur Genuͤge, daß er ebenfals zu wanken anfieng. Marggraf Georg beſchick⸗ te indeſſen den Reichstag zu Worms, ſo wie die 1536 zu Frankfurt gehaltene Ber ſammlung der Proteſtanten, durch Geſandte. Eben dieſes geſchahe 1537 bey der Zu⸗ ſammentuuft der Cvangeliſchen zu Schmglkalden. Die darauf verfertigte —— 472 3° 8:Hauptfl. Neuere Geſchichte von Brandenburg. der Artikel, welche auch feine Gottesgelehrten unterſchrieben, wurden vom Marge grafen zwar angenommen, ohne jedoch dem ſchmalkaldiſchen Bunde beizutreten. Er zeifete hingegen nebſt feinem Vetter Albrecht auf die Zufammenfunft der Häufer Sachſen, Brandenburg und Heflen nad) Zeig, und erneuerte die Exbverträge. Er ſahe es gern, daß in deinfelben der Papft nicht weiter, wie bisher gefchehen, aus⸗ genommen wurde. Mit dem Ehurhaufe Brandenburg warb die gute Freundſchaft voͤl⸗ fig wieber hevgeftelle, welche Marggraf Georg dazu anwendete, um den Ehurfürfken Joachim 2 immer weiter und. weirer zu Annehmung der: evangelifchen tehre vorzube⸗ zeiten. Die Beiforge wegen des zu Nürnberg 1538 gefchloffenen heiligen Bundes der Gatholifen ward durch den 1539 gemachten Stillftand, den Churpfalz und Chur brandenburg zu Frankfurt vermittelt Hatten, wieder gehoben... Da Churfürft Joa⸗ chim 2 von Brandenburg jest Öffentlich zur Jutherifchen Kirche übererar, ward von unſerm Marggraf fein Hofprediger Jacob Stratner nah Berlin geſchickt, und bey - Einführung der Kirchenverbefferung in dee Mark Brandenburg müglich gebraucht; Diefer Churfürft Hofte, obwol vergebens, 1540 die flreitigen Kirchen durch Religionss gefpräche vereiniger zu fehen, denn, Die Deswegen zu Hagenau und Worms gehaltene Zufammenfünfte, welche Marggraf Georg durch Geſandte befchickte, blieben ohne Nutzen. Auf der legten war auch Marggraf Albrecht gewefen, und hatte zum Miss vergnügen feines. Bormunds den rümifchen König bey dem feierlichen Umgange am Sronleichnamstage begleitet. Beide Prinzen Famen durch übelgefinnete Rathgeber in noch mehrere Irrungen, die fo weit giengen, daß Marggraf Georg feinen Better vor die Klinge forderte. Da aber durd) einen Zufall das Ausforberungsfchreiben Georgs Gemalin und feinen Nähen in die Hände Fam, unterblieb diefe Sache; womit Marg- graf Georg felbft, nachdem fein Zorn ſich gelegt, wohl zufrieden war. Diefe Ir⸗ zungen wurden endlich auf dem Neichstage zu Regenfpurg 1541 aus dem Örunde gehos ben. Beide Herten wohneten bemfelben perfonlich bey, und verglichen fich, unter Bermittelung des Churfürften von Brandenburg, ber die Theilung der fränfifchen tänder. So wie dem Albrecht das Bareuthifche zufiel, fo wurde unferm Georg das Anfpachifche zu Theil. Man fuchte auf dieſem Neichstage beide Religionsver⸗ wandten nach einem gewiffen DBereinigungsentwurf zu vergleichen. Der Marggraf - ſchickte denfelben an den D. Luther zur Beurtheilung, damit nichts zum Nachtheil der Wahrheit eingegangen werden möchte. Er willigte fogar in die Abſchickung einer Sefandefchaft an D. Luthern ein, der aber zu feiner Einwilligung fich durch nichts ber wegen ließ. Auch den Reichstag zu Speier beſchickte Marggraf Georg 1542 durch eine Geſandtſchaft, und ließ durch felbige ſowol die Neligionss als andere Reichsange⸗ fegenheiten beforgen, Sonderlich muften feine Gefandten auf der Unterfuchung des Kammergerichts, welches denen Evangeliſchen bisher vielen Verdruß gemacht, beſte⸗ hen und erklären, daß, wo diefe Unterfuchung nicht vor fich gienge, der Marggraf mes der zu beffen Unterhaltung etwas: beitragen, noch deffen Gerichtsbarkeit erfennen wuͤr⸗ de. Die übrigen Proteſtanten unterflüsten dieſes Begehren fo ſtandhaft, daß end⸗ ' lich — Anhang won dert brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 473 lich die Unterſuchung beliebet, und dazu unter andern Marggraf Georg bevollmaͤchti⸗ get wurde. Er ſchickte daher feine Geſandten nach Speier, weil aber die Catholi⸗ fihen dieſes Unterfuchungsgefchäft bis zur Ankunft des Kaiſers zu verfchieben fich bemuͤ⸗ beten, fo kamen die marggräflichen Gefandten — Sache zuruͤck. Georg ließ aber 1543 zu Nuͤrnberg auf dem Reichstage ‚ den er durch Geſandte beſchickte, dies fe Unterfuchung ‚angelegentlichft erinnern, und erhielt dadurch, daß endlich folche den aften Det. wor fich gieng. Seine Gefandten beobachteten jedoch gleich anfänglich, daß die catholifche Parten diefes Neichsgericht mehr in feinem alten Weſen zu erhalten, als zu vi ern ſuche. Sie ſtunden daher mitten in einer Sigung auf, Iegten einen Wis * ein, und giengen ab. Hiedurch kam die ganze Sache abermals ins Stecken. Hiezu Fam, daß die Geſandten des Marggrafen, ftatt der erwarteten neuen Verhal⸗ eungebefegte, 1 —* en von dem Tode ihres Heren erhielten. = ER BR TIRTE . Marggraf Georg hatte Bereits 1533 einen Tegten Willen aufgefegt, Weil er aber Sein to. * hie Zeit noch sn die Geburt eines Sohnes erfreuet wurde, ſo ‚abe er fich gend» thiget, 1543 den sten an. in feiner legten Verordnung manches zu ändern, worin er auch feiner Güter in Ungarn erwähnet, Daher er damals noch einige befeffen haben muß. Sonderlich ernannteer darin feine legte Gemalin zur Obervorminderin und fans desregentin, und verließ, auf den unbeerbten Todesfall feines Sohnes, alle feine Staa⸗ fen und Anfprüiche dem Churhaufe Brandenburg. Hierauf ſtarb er zu Onolzbach den reten Dec. 1543, und ward in dem marggraͤflichen Eröbegeäbniß i in der era che zu Heilsbronn feierlich beerdiget. Seine Regierung iſt eine der merkwuͤrdigſten in Franken — und er hat Er hat uͤber⸗ viele Denkmale feiner Weisheit und Froͤmmigkeit nad) ſich gelaſſen. Hieher rechner aus — re⸗ man billig ſeine Befehle zur Sabbathsfeier, wegen guter Verwaltung der Kirchenguͤ⸗ Be -ter, wegen Erhaltung der Kirchen und Schulen u, f w. Er hat den Grund zu dem berühmten Gymnafio im Kloſter zu Heilsbronn durch Anrichtung einer Tareinifchen Schufe gelegt. Er machte zu Onolzbach den Anfang mie Errichtung eines geiſtli⸗ chen und Ehegerichts, welches nachher fein Sohn Georg. Friedrich zum Stande ges bracht hat. Er lebte ſelbſt ordentlich, und gab feinem Hofe und ganzem fande ein loͤb⸗ liches Beifpiel. Seiner Unterthanen zeitliche und geiftliche Wohlfahrt war der einzige Augenmerk feiner Regierung. Alle Morgenftunden widmete er, nach gehaltenem Ge bet und efung der Bibel, den Negierungsgefihäften. Die übrige Zeit verftrich unter der leſung guter Bücher. In feinen Ergögungen maͤßigte er fich, haffete alle, die übermäßig dem Trunf ergeben waren, und füchte in allen Stüden die > Hauptpflichten eines regierenden Fürften zu erfüllen. Dieſer Here hat fic) dreimal vermaͤlt. Seine erfte Gemalin war Beatrir, ei⸗ Georgs erſte ne Tochter Graf Bernhards von Frangipani und Modrus und Wirwe Johannis gemalin. Corvini, welcher letztere Graf von Liptau genennet wird, und ein Sohn des Koͤnigs P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. Ooo von 474 38%. 8 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. von Ungarn Matthiaͤ Eorvini gewefen, Die meiſten Schrifefteller haben fie unrecht vor eine Schwefter Könige Matthiaͤ und eine Witwe Graf Bernhards von Frangis pani ausgeben wollen 7). Als Marggraf Georg an dem Hofe des Könige Vladis⸗ lai in Ungarn fich aufhielt, ſchrieb Vladislaus bereits am Tage Allerheiligen 1508 von Presburg an den Marggrafen Friedrich den Altern, und verfprach, dieſe Ders mälung am Feſt der Erfeheinung Ehrifti 1509 auf folgende Bedingungen zum Stande zu bringen, daß Marggeaf Georg feiner Gemalin Güter nicht verkaufen, noch fie wider ihren Willen aus Ungarn zu reifen noͤthigen wolle. Beiden Eheleuten folte von denen Unterthanen der Gemalin Güter, gemeinſchaftlich gefchworen werden. Beatrix behielt fich das Necht vor, aus venenfelben milde Stiftungen zu machen, und .. dienten zu bedenken. In dieſem Jahr 1509, nicht aber, wie verfchledene fagen, den aten May 1506, mag das Beilager zu Dfen, in Gegenwart des Könige Vladislai, volljogen worden ſeyn. Es ſtarb aber diefe erfte Gemalin in Kindesnoͤthen zugleich mit dem Kinde, mie man meint 1524, und folglich ohne Leibeserben. Andere gema Die andere Gemalin Marggraf Georgs war Hedwig, Herzog Carla ı u Muͤn⸗ üb fterberg und Annd von Sagan Tochter. Sie war geboren zu Deld den roten Jun. 1508. Der Heiratöbrief ward ausgefertiget zu Oppeln 1525 am Feſt ver Erfeheimng Chriſti, an welchem Tage auch auf dem Schloſſe zu Oppeln die Vermaͤlung vor ſich gieng. Sie ſtarb in Liegnitz den 28ſten Nov. 1537 Donnerstags, oder, nad) andern, Dienftag, und ward in der Johanniskirche daſelbſt beerdiger, wo ihre Grabſchrift noch zu fehen iſt, nad) welcher fie noch vor dem asften Jahre ihres Alters verſtorben waͤre. Ihre Kinder waren u): Deren finder. D Anna Maria, geboren zu Jaͤgerndorf 1526 am Tage der unſchuldigen Kindlein fruͤh zwiſchen 4 und 5 Uhr. Seit 1542 ward an einer Heirat zwifchen ige und dem Herzog Ehriftoph zu Würtemberg, Ulrichs Sohn, gearbeitet. Der Heirats⸗ brief iſt den igten Dec. 1543 ausgefertiger, und die Bermälung 1544 den ızen Febr. vollzogen worden. Sie ſtarb 1589. | 2) Sabina, geboren 1529 Mitwochs vor Pfingften zwifchen 7 und 8 Uhr Vormittags. Im Jahr 1547 den ıoten Dec. ift ihr Heiratsbrief zu Augfpurg ausgefertiger, das Beilager felbft mit dem vamaligen Churprinzen nachmaligem Ehurfürften von Bram denburg Sohann Georg erfolgte zu Anſpach 1548 den zzten Fehr. Sie gieng den aten Nov. Eurz vor ı2 Uhr Mittags 1575 x) mit Tode ab, Dritte gema⸗ Die dritte Gemalin des Marggrafen Georgs war Aemilia Herzog Henrichs zu * Sachſen Tochter, eine Schweſter der Churfuͤrſten von Sachſen Moritz und Auguſt. Er ſoll mic ihr bereit den izten Aug. 1532, oder, nach andern, 1533 den ıgten Hug. zu e) Her von JungMife. T.ı p.344f. Amber Hemerol. und Aelurius in Glaciegr. p. 514 ha⸗ fien handelt von ihm die Prüfende Geſellſchaft ben ihren Tod auf den azften YZov. Rentſch und Vol. 2. P. 5 p. 42. Benfchel aber auf den 2gften YZov. angefeßt, u) Sinapit Olsnogr. Per p.13, Wahr x) Durch einen Druckfehler ift ©. 294 dieſes dorf Legnigifche Merkwürdigkeiten ©. 150 f. Bandes das Jahr ihres Todes 1574, flatt n7g Thebefis Ann, Lignic, ad a, 1531. Polius in angefegt. 8 — — Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, Alterer Linie. 475 zu Freyberg das Beilager gehalten haben. Here von Jung bemerft aber, daß 1533 und 1534 Unterhandlungen wegen diefer Heirat gepflogen find. Man hat Schaumuͤn⸗ gen von ihe, worauf fie fich 1534 der Worte bedienet: Gott giebt, als ichs hoffe; und ısao: Gott vermag alle Dinge. Ihr Gemal trug ihr die Obervormundſchaft und fandesregierung bey der Minderjährigkeie ihres Prinzen Georg Friedrichs auf, wobey fie fich Elug, tugendhaft und gottesfürchtig betrug, und die evangeliſche Reli— gion im ihrer Neinlichfeic zu erhalten gefücht. Im Jahr 548 Hatte Marggraf Albrecht an einigen Orten, fonderlich zu Heilsbronn, papiftifche Gebräuche eingeführer ; ‘aber fie hat noch vor dem paffauifihen Frieden das Papftchum in denen noch übrigen Kloͤ⸗ ſtern abgefchaft. Sie ftarb 1591 nach Herrn Abels Bericht. Ihre Kinder waren: V Sophia, geboren zu Onolzbach 1535 den 23ſten Merz. Sie vermälte ſich an Kinder drit Herzog Henrich zu Liegnig. Der Heirarsbrief ift ausgeftelle zu Eger Dienftagter ehe. nach Biti 1560, und das Beilager ward den sten November in dieſem Jahr, nach Rentſchens Bericht, vollzogen. Thebeſius bringt aber eine Urkunde Herzog SHenrichs vom ibten Sept. 1560 bey, worin er dem Rath in Liegnitz bekandt > macht, daß Churfürft Auguft zu Sachfen, Churfuͤrſt Joachim 2 von Brans denburg und Marggraf Johann von Cuͤſtrin, als verordnete Vormuͤnder, nebſt der verwitweten Marggraͤfin Aemilia und dem Marggrafen Georg Friedrich, ihm die Marggraͤfin Sophiam ehelich verſprochen, worauf er den Tag Martini, oder den zıten November zum Beilager in Liegnitz angeſetzt habe. Den soten Nov. wäre Georg Friedrich von Anſpach mic feiner Gemalin Mutter und Schweſter, und einem Gefolge von 300 Pferden in Liegnitz eingezogen. Noch denfelben Abend, fey die Trauung gefchehen, und vom zıten Movember bis zum ı6ten die Feierlich⸗ feiten fortgefegt. Sie ftarb den zaften Febr. nach dem neuen Calender 1587, und ward Donnerftags nach Mifericordias Domini in der St. Johanniskirche zu Lieg⸗ nitz beerdiget. Weil ihre Grabſchrift die Zeiten ihres Sebenswechfels genau beſtimmt, ſo wollen wir ſolche aus Thebefio und Wahrendorf beibringen, „Sophia gebors ne Marggräfin zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der Caſſuben und Menden Herzogin, Burggraͤfin zu Nürnberg und Herzogin zu Schlefien, zu > Liegnig und Brieg, 3. F. ©. Herzog Henrichs Semalin, find geboren zu Ohußboeck nad) Chriſti Geburt im 1535ften Jahre den 23ſten Jan. haben das Fuͤrſt⸗ liche Beilager gehalten zur Liegnig 1560 den ırten Nov. find felig entfehlafen ven 22ften Febr. nach dem neuen Eafender zwifchen 15 und 16 Uhren 4 1587, haben ih⸗ res Alters erreichet 52 Jahr, 21 Tage. 2) Barbara, geboren 1536. im Klofter Himmelfron, Weil fie bloͤde gewefen, bekam fie anfänglich im Kloſter Heilsbronn, hernach in Himmelskron ihre Wohnung angewieſen, und ſtarb unvermaͤlt 159: im Junio. ) Catharina Dorothea, geboren 1538. Sie ward an Henrich den aͤltern Reuſ⸗ fen von Plauen Burggrafen zu Meiffen vermäle. Der Heivarsbrief ift Donner u 00: ſtags ) Nach Thebeſio und andern den aaften Jan. Marsaraf Georg Frie⸗ drichs jugend. 476 3 Th. 8 Hauptſt. Neuere Sefchichte von Brandenburg. ſtags nach Mariaͤ Geburt 1551 zu Onolgbach auegefertiget. Die Bermälung folk erſt dent zten Febr. 1556 erfolgt feyn. Sie verftarb zu Theufingen in Böhmen « 1604 den gten, ober, nach Herrn Abel den iten Jan. und ward 1607 zu Plauen bey ihrem Gemal beigeſetzt. er — ae ae 4) Georg Friedrich, wurde zur unbefehreiblichen Freude des fandes geborent, ‚und folgte feinem Herrn Vater in der Regierung nach, daher wir von ſelbigem fogleich mit mehrerm veden muͤſſen. 1 Se * ** Marggraf Georg Friedrich ward geboren ven sten April 2) nach Uhr Nach⸗ mittags 1539. Man hat ihn, weil er zu vielen tanden gefommen, und gut hausges halten, den Beinamen des Reichen gegeben. Sein anſehnlich groſſer Körper, noch mehr aber ſein ungemeiner Verſtand, verſchaften ihm ſowol im ganzen Reiche, als auch bey auslaͤndiſchen Monarchen und Staaten, ein vorzuͤgliches Anſehen. Den zoften April 1539 ward er getauft. Sein Herr DBater befahl dem Prediger Moninger: „er folte den Prinzen recht taufen, damit er fromm werde, „. Er giengerftins fünfte Jahr, da fein Herr Vater Georg der Fromme das Zeitliche verließ, Aufferdem An⸗ fpachifchen erbte er von demfelben ſowol das Herzogthum Jaͤgerndorf, als auch deffen Anfpräche auf andere fehlefifche Särftenthümer. Nach dem letzten Willen feines Bas ters übernahm feine Fran Mutter die Obervormundfchaft, ohne daß jedoch von der Bormundfchaft fein nächfter Vetter Marggraf Albrecht der deutfche Krieger, fo lan⸗ . ge folcher Iebte, ausgefchloffen werden konte. Eben diefes letztere verwickelte den Margs grafen Georg Friedrich in die unangenehmften Umftände. Da Albrecht anfänglich des Kaifers Partey zum Nachteil der ſchmalkaldiſchen Bundesgenoffen hielt, fo fühs tete derfelbe auch in dem anfpachifchen Antheil das fogenannte Interim ein. Weil aber Albrecht bald darauf, in Geſellſchaft einiger andern proteftantifchen Stände, den Kaifer und die benachbarten catholifchen Stände mit Krieg: anfiel, fo nahm die verwitwete Marggräfin Yemilig diefe Gelegenheit in Acht, das fand von allen paͤpſtli⸗ chen Gebraͤuchen wieder zu reinigen, Weil aber: Marggraf Albrecht in’ dieſem Kriege zu viel Habſucht gezeiget, und. den paſſauiſchen Vertrag nicht genehmigen wolte; ſo gerieth er hierüber in weitlaͤufige Kriege und in die Reichsacht. Seine Feinde begnuͤg⸗ ten ſich nicht damit, daß fie fich derjenigen kaͤnder bemächtigten, welche ven Marggra⸗ fen Albrecht zuftändig waren, und worauf dem Marggrafen Georg Friedrich die Erb⸗ folge zufam, ſondern fie verheereten auc) den anfpachifchen Antheil,; nahmen venfels ben zum Theil in Beſitz, und lieffen die Beftungswerfe von Plaffenburg nieverreiffen. Der römifche König Ferdinand unterzog fich auch, als oberfter Bormund, der Nies gierung in den fehlefifchen tanden. Weder die gänzliche Verjagung des Marggrafen Albrechts, noch) die groffen Bemühungen des Churhaufes Brandenburg, Fonten dem Marggrafen Georg Friedrich eine Genugthuung verfchaffen. In feiner Jugend ges rieth x) Schulin im Leben des Marggrafen Georgs ſagt unrichtig den eten April, — Eee —— Anhang von den brandenb. Marggrafen in Sranfen, älterer’ Linie. 477 rieth er in groſſe tebenögefahr. Auf einer Reiſe nach Prag war er in einen Teich ge⸗ fallen, worin er haͤtte umfommen müffen, wenn nicht fein Evelfnabe George von Ging vom Pferde gefprungen und ihm errettet. Diefer treue Diener erhielt nachmals die Belohnung feiner Treue, da ihm die durch das Abfterben derer Foͤrtſchen ledig gewor « dene Güter Mark Befen und die Amtmannsſtelle zu Cadolsburg ertheiler wurden, In Schlefien Hatte der römifche- König, als fein Obervormund, 1553 die Herzogthuͤ⸗ mer Oppeln und Ratibor unferm minderjaͤhrigen Georg Friedrich abgenommen; und die auf den Herzogthuͤmern haftende Gelder auf das Herzogthum Sagan vers li Ten 200; | 168 Endlich trat Georg Friedrich: 1556 im ıgten Jahr feines Alters die Negierung Er trit die des Fürftenehums Anfpach an: Die Religionsangelegenbeicen befchäftigten ihn zum regierung an. allererſten. Da unter feinem Herrn Vater die Kirchenunterfuchungen durch die Bir - fe aufgehöret, fo theilte er fein Land im verſchiedene geiftliche Kirchenfprengel, errichtete ein Chegericht , und: ordnete in allem Städten: und Flecken Schulen an. Auf feinen Befehl folten Fünftig die Dbergeiftlichen ihre Pfarcherren jährlich unterfüchen, womit auch dem ioten Nov. der Anfang gemacht worden. Schon im Det. reifte der Marg⸗ graf nach Schleſien ad, und nahın ſowol Jaͤgerndorf mic deffen Zubehörungen, als auch das ihm verpfändete Sagan und die Herrfchaft Sorau in Beſitz, und erhielt darüber von der Krone Böhmen die Belehnung. Kaum war er mit der Einrichtung der dortigen Negierung fertig, fo machte der Tod feines Vetters Marggraf Albrechts feine Ruͤckreiſe nach Franken nothwendig. Hiedurch war ihm das Bareuthifche ebenfals zugefallen. Auf dem Neichstage zu Regenfpurg, den Georg Friedrich durch Ges fandte befihiefte, war ſchon darum angehalten worden. Er hatte auch wirklich am Sontage Deuli den: arften Merz mit 200 Pferden von Baireuth Beſitz ergriffen, und der Faiferliche Bevollmächtigte Graf von Schlick Hatte ihm den zgften.die Landes⸗ zegierung des baireuthifchen Antheils übergeben. Er hatte aber mie den Feinden Marge graf Albrechts noch vieles auszumachen. Der Marggraf lieg daher durch den Chur⸗ fuͤrſten von Brandenburg bey dem neuen Kaifer Ferdinand ı zu Frankfurt 1558 um ‚die Erfeßung des von dert Feinden Albrecht erlittenen Schadens anhalten. Der uns glückliche Tod Melchior Zobels Biſchofs von Würzburg erfeichterte die Unterhand⸗ lungen. Kaifer Ferdinand Hatte bereits die Entſcheidung diefer ganzen Sache auf fich genommen, und hiezu einen Fürftentag zu Wien angefest, den unter andern Marge geaf Georg Friedrich durch Gefandte beſchickte. Das Haus Brandenburg verlange te vor ihn, als tehnsfolger Marggraf Albrechts, eine völlige Genugehuung von den fränfifchen Einigungsverwandren, Endlich ward den 6ten Det. guͤtllch verglichen: daß die Einigungsverwandten an Maragraf Georg Friedrich und das Haus Bran ⸗ denburg im fieben Jahren 175000 rheinifche Gulden in der Stadt Rothenburg ander Zauber bezahlen folten, "welches Geld das Haus Brandenburg zu Wiedererbauung feinee Beftungen, oder wie es ſonſt wolle, anwenden koͤnne. Dagegen bewilligte das u.“ 900 3 Haus 478 3°. 8 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg, Haus Brandenburg, alle Anfprüce und Forderungen der Rriegsbefchädigungen hal⸗ ber, fallen zu laffen, und ber Verträge Marggraf Albrechts mic ven Bifchöfen und der Stade Nürnberg ſich gänzlich zu begeben. Beide Theile ſolten fich Fünftig dem Sandfrieden gemäß verhalten, und ihre gegen einander habende Nechtshändel, die die fen Krieg angehen, fahren laſſen. Herzog Henrich von Braunſchweig und der Burggraf von Meiffen folten in diefen Vertrag, wenn fie folchen annehmen wolten, mit eingefhloffen feyn, oder ihre Anfprüche an das Haus Brandenburg durch dem Weg Rechtens fuchen. Die Einigungsverwandten lieſſen die Forderung des zu erhes benden Ruͤckſtandes bis auf 3000 Gulden fallen. Das Haus Brandenburg verfprach; alle zu Handen Fommende Urfunden dem Stife Bamberg wieder zuzuftellen. Beide Theile folten durch diefen Vergleich völlig und gänzlich verglichen ſeyn, und der ven Einigungss verwandten auszuftellende Berficherungsbrief diefes Friedens vom Churfürften Joachim und Marggraf Johann, derjenige aber, fo an Churbrandenburg würde ausgeftels. let werden, von den Bifchofen und Capiteln von Bamberg und Würzburg und ver Stadt Nuͤrnberg unterzeichnet werden. Diefem Vergleich war Marggraf Georg Friedrich den nunmehrigen völligen und ruhigen Befig aller zum Fürftenthum des Burg grafthums Nürnberg gehörigen kande fihuldig. Er hatte aber fein auf Sagan und Sorau haftendes Necht, auf Eaiferliches Berlangen, den Bifhof von Breslau Bals thafar von Promnitz, gegen Exlegung einer Summe Geldes, überlaffen. Nunmehr so Tief er mic der allgemeinen Kirchenunterfüchung im ganzen fande den Anfang mas chen, und die nöthigen Anftalten vorkehren, die Veſtung Plaſſenburg noch haltbarer zu machen, als fie vorhin gewefen. Er reiſete hierauf nach Berlin zum Churfücften Soachim 2, und in beffen Gefellfchaft nach Eüftrin zum Marggrafen Johann, weis ehe beide ihm in feinen fränkifchen Angelegenheiten treulich beigeftanden hatten. An dem letztern Ort vollzog er fein Beilager mit des Marggrafen Johanns Prinzegin Eli fabeth. Im Jahr 1559 befuchte er den augfpurgifchen Reichstag perfonlich, und ſccloß mit dem Bifchof von Bamberg einen beftändigen Vergleich wegen des Kreisaus⸗ fihreibeamts in Sranfen. Im Jahr 1560 füchte der Papft Pius 4 die Proteſtan⸗ ten bey ihrer damaligen Uneinigkeit über das geänderte und ungeänderte augſpurgiſche Slaubensbefäntniß zu Annehmung der tridentinifchen Kirchenverfammfung zu bewes gen. Unſer Marggraf befihickte daher die Zufammenfunft der Proteftanten zu Naum⸗ burg durch Gefandte, und trat denen Schlüffen derfelben 1561 bey. Ex ließ im Bai⸗ reuthiſchen nunmehro ebenfals mit der Kirchenunterfuchung den Anfang machen, und war zufrieden, daß bey Gelegenheit der Wahl Maximilians 2 zum römifchen Könige die Proteftanten ven Ausſpruch der Kirchenverfammlung 1562 völlig ausfchlugen. Im Baireuthiſchen wurden ebenfals 1563 zu einer allgemeinen Kirchenunterfuchung von dem Marggrafen verfchiedene Bevollmächtigte ernannt, und das Stift Gumberti zu Anfpad) in diefem Jahr verändert. Die vom Wilhelm von Grumbach und feinen Anhängern in Würzburg vorgenommene Gewaltrhätigkeiten machten ihm, als kreis⸗ ausſchreibendem Fuͤrſten in Franken, viele Bemühungen, welche nachher noch immer | | ver Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie 479 vermehret wurden, da der 1564 zur Regierung gefommene nene Kaifer Marimilian 2 die fandfriedensbrecher zu beftrafen ſuchte. Denn da fich der Herzog von Sachſen⸗ Geotha ihrer 1565 annahm, fo ward auf dem Neichstage zu Augfpurg 1566, dem Gevorg Friedrich in Perfon beiwohnete, der gothaifche Krieg befchloffen, wozu auch der fränfifche Kreis Huͤlfsvoͤlker bergab, bis 1567 die Eroberung von Gotha den Fries den nach fich zog. Den in diefer Angelegenheit zu Negenfpurg gehaltenen Reichstag und zu Erfurt gehaltenen Kreistag befchickte er durch Gefanbten. Wegen der Stadt Kitingen hatte er mic dem Stift Würzburg Streitigkeiten befommen, welche 1568, derer Unterhandlungen ungeachtet, nicht beendiget werben Fonten. Der Tod des Hers zogs Albrecht von Preuffen, dem fein Sohn Albrecht Friedrich in diefem Lande nachfolgte, machte unfern Marggrafen vor feine Nechte aufmerkſam. Er bemühete fich zu gfeicher Zeit vor die Dortheile des Churhaufes Brandenburg in diefer Sache, fo daß, als 1569 die feierliche Belehnung Albrecht Friedrichs vor ſich gieng, nicht nur Marggraf Georg Friedrich, fondern auch die Churlinie von Brandenburg zur Mitbelehnung gelaffen vourde. Den Reichstag zu Speier befihickte er 1570 durch Ges fandte. Nach des Churfuͤrſten Joachims 2 von Brandenburg ıs7ı erfolgtem Tode hatte er ala Mitbelehnter fowol an der Einnehmung der Huldigung, als auch der Mitbe⸗ lehnung des neuen Churfürften Johann Georgs Antheil. Er gab zu der neuerrichs teten Erbverbrüderung des Churhauſes Brandenburg mit Pommern feine Einwilli⸗ gung. Den Gelegenheit der niederlaͤndiſchen Unruhen wolten zwar ſowol in dieſem, als in dem folgenden 1572ften Jahre verfchievene böhmifche Reuter, wider die Reiches verordnungen, ohne genugfame Sicherheit durch Franken ziehen." Der Marggraf verweigerte aber als Kreisoberfter, zur Sicherheit diefes Landes, dieſen Bölfern den Durchzug. Er gab auch wegen befferer Beobachtung der Sabbathsfeier und anderer | ‚göttlichen Gebote gefchärfte Befehle. Der 1573 erwählte neue König von Polen Hen⸗ rich von Valois entfernte fich 1574 vom Thron, als die brandenburgifchen Prinzen eben die Belehnung über Preuſſen zu erhalten gedachten. $.._ 201. Die preußifchen Angelegenheiten wurden nunmehro vor unfern Marggrafen ein Erhättdievor: Hauptaugenmerk. ‘Der Herzog dieſes tandes Albrecht Friedrich war in eine Bloͤd⸗ ges ' finnigfeit verfallen, die wirklich fo fehr zunahın, daß er Dadurch, die Landesregierung zu — greufin. führen, verhindert wurde. Er brauchte einen Vormund, und niemand, als unfer WMarggraf Georg Friedrich Fonte ſich hiezu mit Recht angeben, da er wirk— | lich der nächfte tehnsverter war. Dies nöthigte ihn zu einer Reife nach Preuſſen. Unterwegens beſprach er fich aber mit dem Churfürften von Brandenburg über diefe Angelegenheit. Man mufte aber nothwendig erft die polnifche Wahl abwarten, ehe die Vormundſchaftsſache völlig berichtiger werben fonte. Zum Ungluͤck fiel folche 1575 dr zwiſtig aus, und; um keinen von den Kronwerbern zu beleidigen, wartete Georg | Friedrich nach feiner Zurückkunft ab, wer den Platz behalten wuͤrde. Stephanus was 480 3%. 8 Hauptft, Neuere Gefthichte von Brandenburg: war hurtiger, als fein Gegner der Kaiſer Maximilian 2, und ward wirklich 1576 zum Könige gefronet. Der Kalſer hielt zwar noch in diefem Jahr einen Reichstag zu Ra genſpurg, welchen der Marggraf durch Gefandte beſchickte. Mrarimiktan 2 gieng aber auf vemfelben mit Tode ab, wodurch nunmehro aller Streit wegen der polnifchen Krone ein Ende Hatte. Denn Rudolph 2, der im deutfchen Reich die Regierung antrat, und von welchem das Churhaus Brandenburg die Belehrung empfieng, Fons ce denn Anſoruch feines Vaters auf Polen nicht fortſetzen und doch wolte fich die Stade Danzig dem neuen Könige Stephano noch nicht unterwerfen, ward aber davor von demfelben belagert. Stephanus wuͤnſchte Ruhe in-feinem Reich, und wolke fich der Freuudſchaft des Haufes Brandenburg verfichern. Die mic diefem Könige vorges nommene Unterhandlungen, dem Marsgrafen Georg Friedrich die Vormundſchaft über Preuffen zuverfihaffen, giengen alfo glücklich von ſtatten. Es Tangten den ziſten May polnifche Gefandten in Anfpach an, die dem Georg: Friedrich die vormundſchaftli⸗ che fandesregterung antrugen. Der Marggraf fertigte felbige den z5ften Yun. wieder ab, und ließ fie durch einige Gefandten nach) Polen begleiten, welche Ießtere Danzig mit dem Könige wieder ausfühnen halfen. Georg Friedrich machte nunmehro Ans ſtalten zu feiner Abreiſe. Er beſtellte ven Friedrich Erbſchenk vonLimpurg zu feinem Sandrichter und den Erfinger von Rechenberg zum Vorfiger der fandesregierung. Cr empfahl befonders feine Deutfche Staaten der Borforge des CHurfürften von Bram denburg, und brach 1578 den 2ten Fan. von Anſpach mie 20 Wagen und z00 Reu⸗ tern auf. Unterwegens befprach er fich mit dem Churfuͤrſten Johann Georg. Den öten Febr. Fam er. bey Warſchau am, und ward durd) 1000 Polacken eingehofer. Der Kronmarſchall Opolinski that die Anrede, und mufte ihn einladen, denen Faſt⸗ nachtsfuftbarfeiten beizumohnen. Den zıten Febr. ward der Marggraf auf einem Für niglichen Schlitten zum Könige, und feine Gemalin zur Königin abgeholet, und mit einem prächtigen Gaftmal und Ball bewirthet. Die Unterhandlungen wegen der fehns empfangung wurden bis zum z7ften Febr. fortgefegt. An diefem Tage erfolgte folche mit groſſen FeierlichFeiten unter freiem Himmel vor der Stadt bey dem Barfuͤſſerklo⸗ ſter, wo der Plag mit rothem Tuch belegt, und vor den Monarchen ein Föniglicher Thron aufgerichtet war. Der König überreichte dem Matggrafen, als Bormund des blöden Herzogs Albrecht Friedrichs und zugleich als wirklichem Herzöge von Preuß fen, die Fahne, welche Die Öefandten des Churfürften und des Churprinzen von Bram denburg, zum Zeichen der Mitbelehnung, an den äufferften Enden anfafferen. Als aber zu Anfang des Merzmonats der Marggraf und feine Gemalin eben nach Preuſ⸗ fen abreifen wolten, verſtarb die letztere zu geoffem Seldwwefen Georg Friedrichs. Er Tieß ihren Körper nach Königsberg bringen, und daſelbſt beerdigen. In Preuſſen ward von ihm die Negterung durch ein dffentliches Ausfchreiben vom zsften Merz übers nommen, den ızten April ein tandrag gehalten, und die fandesregierung eingerichtet, Der Marggraf nahın nunmehr im ganzen fande die Huldigung ein. Im Frühlinge iszg relſete er, da die Preuſſen die Eintrachtsformul angenommen, mac) — | and Anhang von den brandenb, Marggrafen in Franken, älterer Linie, 481 and zuruck Unterwegens verlobte er fich mit der Prinzeßin Sophia von Braun⸗ ſchweig, mit welcher er nachher den zten May das Beilager zu Dresden hielt. Bey der Heimführung dieſer Gemalin ſtattete Churfürft Auguſt von Sachfen mit 1000 —* Pferden zu Plaſſenburg bey unſerm Herrn einen Befüc) ab. Cr ſelbſt reiſete bald „sed Guͤſtrow/ und befprach fich daſelbſt mit dem Könige von Dännemarf, befuchte er den wuͤrtembergiſchen Hof in Stutgard. Im Jahr 1580 ließ pw er rachtsformul in feinen deutfchen fanden einführen. Cr muſte abermals reifen. Zuvor umterredete er fi ch aber wiederum mit dem Könige von Dinnemant in Holftein, und denn Itgte cr im Det. zu Königsberg in Preufe fen on. Hieſelbſt unterzog er ſich der Regierung 1sgr mit vieler Sorgfalt. Er ſorgte vor die Ausbeſſerung der Schiffarth auf dem Pregelfttom, ; ließ mehrere Wirchshäufer auf denen landſtraſſen anlegen, und denen Wirthen in denen Waldungen fand zum Feldbau anweiſen/ und durch niederlaͤndiſche neue Anbauer, ſonderlich um Marien⸗ werder / viele Moraͤſte und Suͤmpfe austrocknen und urbar machen wozu verſchiede⸗ ne —* durch eine dreijährige Freiheit und’ Eihräumung zw, drey und mehrerer ifen Landes angereigee wurden. "uch in feinen fraͤnkiſchen fanden wurden auf chen und Schulen groffe Summen verwenden, under verbefferte denen daran ftehens den Bedienten ihren Gehalt. Er ftiftere zwo Armenſchulen, jede vor 24 Knaben, und machte vor 40 andere eine Stiftung von 15 bis 20 Gulden. Den ıgren Zul, ward das Gymnaſtum zu Heilbronn gefliftet, und 1582 den sten April am Geburtstage des Marggrafen eingeweihet 100 Knaben ſolten mir Speife, Trank,‘ Büchern und Kleidern frey unterhalten werden. Bor 60 auf hohen Schulen befindfiche feute wur den jedem 40 bis, 60 Gulden jährlich ausgefegt. Mit dem polnifchen Preuffen ſtell⸗ te er 1582 Untethanpfungen wegen Annehmung des culmſchen Rechts, das ihr herzoge fichen Antheil galt, an. Der König von Polen verlangte die Annehmung des neuen gregorianiſchen Calenders in Preuſſen, welchen die Proteſtanten in Deutſchland auf dem Reichstage zu Augfpurg, den der Marggraf durch Geſandte beſchickte, nicht ans nehmen wolten. In Preuffen waren des blöden Herzogs Gemalin ſowol als einige don Adel mit feiner lobüchen Negterung unzufrieden, weil fie lieber felöft das Heft in den Händen hätten behalten wollen. Sie ſuchten mit Fleiß Beſchwerden hervor, und berlangten auf dem Landtage zu Königsberg, daß die Einfünfte des famländifchen Bifchofe Wigands, weicher feiner Kirchenftveitigfeiten wegen, auf Anrathen einiger zu Herzberg in Sachſen verfammferen Gortesgelehtten, von dem Marggrafen feines Amts entfeßet worden, nicht zu den herzoglichen Einfänften gefchlagen wuͤrden. Sie begehreten, daß die Aemter nicht mie Fremden befegt würden, die Klagen der Unterthanen gehoͤ⸗ tet, und feine neue Schakung aufgelegt werden ſolten. Als num der Marggraf den Ungrund diefer Beſchwerden darthat, vergaffen einige von Adel die ſchuldige Ehrfurcht ſo ſehr, daß fie ſich an den polnifchen Hof wandten. Der Nath ver alten Stadt Königsberg Hatre einen marggräflichen Bedienten eingezogen, und fich fonft 1583 ums gehorſam bezeiget, davor derſelbe 20000 Ducaten Strafe erlegen ſollen, und ihm nach⸗ "P.allg. preuß. Geſch. 3Th. Ppp her 482 „3 Th. 8 Hauptſt. Neuere Öefchichte von Brandenburg. * her die Guͤter eingezogen, aber auch endlich auf Vorbitte wieder gegeben worden. Dia Iandesherrlichen Einkünfte und deren Derbefferung waren ein Hauptvorwurf des zu Saalfeld in Preuffen den arten Nov. 1584 gehaltenen Landtages. In diefem She fieng er an, das Wohnfhloß zu Königsberg beſſer auszubauen, welches in 10 Jahren zu Stande kam. Aber ver Marggraf wartete deffen völfige Ausbauung in Preuffen niche ab. Denn die von Adel fuhren fort, ihm den gröften Berdruß zu machen. Sie konten es nicht vertragen, daß er ſtrenger als Herzog Albrecht und Albrecht Friedrich regie⸗ tete, und daß man auch Yusländer zu Bedienungen beförderte. Sie machten es fo arg, daß vom Marggrafen der Friedrich von Aulack und Nicolaus von Ereugen, als ungehorfame Unterthanen, 1585 geächtet wurden... Aulack gieng nach, Polen, um den König Stephanum in diefe Angelegenheiten zu verwiceln.. , Aber die Borftelluns gen des Marggrafen hielten den König davon ab, und Georg Friedrich behauptete fein Anſehen gegen die Misvergnägten. In Eurland war zwiſchen den Königen von Dännemarf und Polen ein Streit wegen des Stifes Pilten entſtanden. Unfer Marge graf Half diefe Irrungen glücklich beilegen. Er bezahlete dem dänifchen Hofe für feine Anforderung an das Stift 30000 Thaler, und vor Dies ausgelegte Geld befam er das Pfandrecht auf Pilten auf Zeitlebens, welches er auch in Befig nahm. Endlich rei⸗ ſete er 1586 aus Preuſſen, wo er ſich auf ſieben Jahr aufgehalten, nach Deutfchland zuruͤck, und langte ben aıften Jun. in feiner, fränfifchen Wohnſtadt ‚wieder an, wo er die aus dem Würzburgifchen vereriebene Evangelifche aufnahm, und die vorn sie Bergwerke, fonperlich auf dem Fichtelberge, wieder anbauen ließ. —— $. 202. Sreorg Frie⸗ Der Tod des Königs Stephani gab zu einer neuen 1 zwiſtigen Königswahlin = * — len 1587 Anlaß. Georg Friedrich muſte wegen ber geaͤchteten von Adel noch immer einen feäntis ſehr behutfam verfahren. Er beſprach fi fich daher mit dem Ehurfürften von Brandes Khon wohnfig. hurg zu Cuͤſtrin, der ihm verfprach, die Misvergnügten in feinen Staaten nicht zu dulden, auch) folches bey andern evangelifchen Ständen auszuwirken. Zu ver Erneues zung der Erbvertraͤge zwifehen Sachfen, Brandenburg und Heffen in Naumburg Hatte der Marggraf Geſandten geſchickt. Er hatte auch ſeine ſtreitige Rechte gegen die Stadt Nuͤrnberg noch immer verfechten laſſen. Schon 1583 war der Rechtsſoruch bey dem Kammergericht vor ihn ausgefallen. In dieſem Jahr wurde folcher beftäriger, und der Marggraf ift feit der Zeit in dem Beſitz der angefochtenen Gerechtfame geblieben, obwol die Stadt Nürnberg die Befugniß ſelbſt noch immerfort gerichtlich beſtritten. Sonft nörhigten ihn feine fehlechten Geſundheitsumſtaͤnde, ſich des Waffers zu ı Baaden in dee Schweiß zu bedienen. Nach feiner Zuruͤckkunft beſuchte den kraͤnklichen Marg⸗ graf, der 1578 die Veſtung Wilzburg in Franken anlegen ließ, der brandenburgi⸗ ſche Churprinz und Verweſer des Hochſtifts Magdeburg Joachim Friedrich, nebft ſeiner Gemalin und beiden aͤlteſten Prinzen, um ſich mit ihm uͤber mancherley Ange⸗ iegenheiten zu beſprechen Die Streitigkeiten mit Nuͤrnberg, die preußiſchen Um gele — Anhang son den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 483 gelegenheiten und die polnifche Belehnung waren vorzügliche Gegenftände ihrer Berath⸗ ſchlagingen. Die Irrungen mit der Stadt Nürnberg wurden beigelegt. In Preuſ⸗ fen hatte Georg Friedrich feine Einwilligung gegeben, daß die beiden in dieſem Sande Bisher gewejenen Biſchofthuͤmer nicht weiter befegt, und deren Einfünfte rheils zu beffes ger Unterhaltung der fünigsbergifchen hohen Schule und anderer Geifttichen, theils zu Anfegung dreier Fürftenfchulen angewendet werben folcen. Weil die Einwohner in Preuſſen nach ihren verfchiedenen Gegenden drey Sprachen reden, fo daß die, wels che gegen Deutſchland zu wohnen, der deutfchen, die, welche gegen Polen zu woh⸗ nen, der polnifchen, und die, welche gegen Litthauen wohnen, der litthauiſchen Sprache ſich bedienen, fo ward vor die Deutfchen die Fürftenfchufe zu Saalfeld, vor die Polacken die zu Lyck, und vor die Litthauer die zu Tilfit angeleger. Weil auch der ſchwediſche Prinz Sigismundus in dem polnifchen Kronenftreit über feinen Geg⸗ ner Erzherzog Maximilian die Oberhand behalten, und diefer fich von der Krone los⸗ ſagen müffen, fo war die Belehnung über Preuffen bey Sigismundo zu erhalten noth⸗ wendig. "Georg Friedrich und das Churhaus ſchickten alfo 1589 auf den Warſchauer Reichstag Geſandte. Die geaͤchteten preußiſchen von Adel ſuchten zwar auf demſelben das polniſche Reich auf ihre Seite zu ziehen. Es ward aber auf ihre ungegruͤndete Kla⸗ gennichegehörer. Der König ertheilte vielmehr dem Georg Friedrich die Belehrung, und dem Churhaufe Brandenburg die Mitbelehnung über Preuffen. Der Beftungsbau zu Wilzburg ward fowol, als der in Baireuth und Anfvach angefangene Schloßbau, fortgeſetzt. Da fonft die legten ihrer Linie die fandeseinfünfte zu ihren Ergeglichkeiten zu verbrauchen, und das fand mie Schulden beſchwert zu hinterfaffen pflegen, fo war Georg Friedrich Hierin weit anders gefinnet. Cr mag ſchon damals mie dem brandenburz giſchen Churprinzen die nöthige Abrede wegen der Fünftigen Erbfolge in feinen Staa⸗ ten genommen und ausgemacht haben, daß zween Prinzen aus dem Churhauſe fich in feine fränfifchen tänder theilen, und davon einer Baireuth, der andere Anfpach ber fommen folte. Der doppelte Schloßbau an diefen Orten beweifer das. Dem Chur prinzen folte aber Jaͤgerndorf zufallen. Auch vor die Sicherheit Frankens war Georg Friedrich beforge. Er wies abermals diejenigen böhmifchen Reuter zuruͤck, welche durch diefen Kreis nach denen Niederlanden gehen wolten. Der Faiferliche Hof, der König von Navarra und viele Deutfche Chur; und Fürften fehickten verfihiedene Geſandtſchaften an des Marggrafen Hof nad) Anſpach, um ihm ihre Angelegenheiten _ “ gurempfehlen. Das Anſehen Georg Friedrichs zeigte fih auch dadurch, daß Pfalz⸗ graf Earl; als Obervorfteher feiner Kammer in feine Dienfte trat, und zween Herjoge von Braunſchweig nebft einem gefürfteten tandgrafen von Leuchtenberg an feinem Hofe fich aufhielten. Beſonders warb ſowol wegen der Verwaltung der jülichfchen Sande bey ven fehlechten Gemüchsumftänden des dortigen Herzogs, als auch über bie dem Könige von Frankreich zu Teiftende Hülfe gehandelt. Die Gefandten des letztern wurden 1590 abgefertiget; und allem Vermuthen nach hat der Marggraf zu der Hülfe das ſeinige beigetragen, welche in diefem Jahr von andern proteſtautiſchen Furſten Ppp 2 Ä nach 484 3%. 8 :Hauptfi.,MNeuere Geſchichte von Brandenburg. 1. nach Frankreich geſchickt wurde. Auf ſeinen Befehl wurden die Prediger in euſ⸗ fen vermehret, und der, Wall um die Stadt Anſpach ausgebeſſert. Wegen —* pn kenhuͤlfe, die der Kaiſer verlangte, befprach.fich der Churfürft von Coͤln, Herzog Ernſt von Baiern, der nebſt dem kandgrafen von Leuchtenberg 1591. nach Anſpach gefommen, mit Georg Friedrich. Es erhielt derfelbe auch einen Zufpruch vom Hers zog Wilhelm von-Baiern, der. feine Gemalin und, beide Prinzen Maximili Albrecht mitbrachte. Am meiften aber lag ihm, das. Wohl des brandenburgifchen * Hauſes am Herzen. Er vergnuͤgte ſich uͤber die Nachricht, daß Marggraf Johann | Sigismund durch feine Verlobung mit einer preußifchen Prinzeßin feine Rechte auf Preuſſen noch mehr geſichert, und neue Rechte auf die juͤlichſche kuͤnftige Erbſchaft exworben. Die Nachricht, daß fein anderer Vetter Johann Georg 1592 zum Bir ſchof von Strasburg erwählet worden, war ihm ebenfals ſehr erfreulich. « Er nahm mit deffen Bater dem Churprinzen Joachim Friedrich Die Abrede, dieſe Wahl gegen den. von denen catholifchen Domherren gewählten Karl von Lothringen mic aller Macht zu unterftägen. Er ließ wirklich zum Dienft des proteftantifchen Bifchofs 300 Mann. nad) dem Elſaß abfuͤhren, und feheuere hieben Feine Koſten. Als ſelbſt zu Ende des Jahres. ein Waffenſtillſtand beider, Gegner: in. Deutfchland zum Stande Fam, ſo war er nicht abgeneigt, den Krieg nach-Lothringen zu fielen, welches aber nach reifer Ueberlegung unterblieb.. Es gieng ihm indeffen der Zuſtand der Prote⸗ ftanten ſehr nahe, welche von jegt an Überall mit ungezaͤhmter Freiheit gedruͤckt wur | den, und wovon das Faiferliche, Urtheil gegen die Proteftanten in Aacken 1593 ein bes trübtes Beifpiel gab... Leber Die mannigfaltigen Religionsbeſchwerden wolten die vor⸗ nehmſten proteftantifchen Höfe fich 1594 zu. Deilbronm befprechen.. Der König von Frankreich fehien durch feine Gefandten, die auch nach Anſpach Famen, denen Pros 24 teftanten Much-einzuflöffen, und viele deutfche Fuͤrſten, die den Marggrafen befuche ten, fahen ihn als einen Pringen,on, ber. in den proteſtantiſchen Angelegenheiten von geoffem Gewicht ſey. Ex, reifete wirklich perſoͤnlich auf die Zufammenkunfe nach Heil⸗ bronn, woſelbſt über, die Mittel gerachfihlages wurde) dem Verfahren der Catholi⸗ ken, ſonderlich am kaiſerlichen Hofe, ein Ziel zu ſetzen. Er beſchickte in dieſem Jahr ſowol das, Beilager feines. Vettern Johann Sigismunds in Preuſſen, als auch des Königs von Polen Sigismundi durch) Geſandte. Durch: eine andere Geſandtſchaft beſchickte er den Reichstag. zu Regenſpurg, und ließ durch dieſelbe zun den Rathſchlã⸗ gen derer Proteſtanten mitwirken, Im Jahr 1sq beſprach ſich der Matggraf mit dem Churprinzen von Brandenburg: Ibachim Friedrich, der ihn zu Auſpach be⸗ ſuchte, uͤber die Haus⸗ und Reichsangelegenheiten. Er ſicherte demſelben durch eine Schenkung, von. Todes, wegen, die kuͤnftige Erbfolge in Jaͤgerndorf. Er ſetzte auf der Zufammenfunft der Proteſtanten zu Heidelberg fine Bemuͤhungen/ zum Beſten der Proteſtanten, for Zu dem Kronungefeſt Ehriſtians vom Daͤnnemark ſchickte er 1596. eine Geſandtſchaft ab. Im Jahr 1597 ließ er zu Golderonach ein⸗ ſcharfe Rechtsunterſuchung gegen Diejenigen teure vornehmen, die ſich, Gold machen & u zu Anhang son den brandenb. Marggrafen in Franken, älterer Linie. 485 zu konnen, ruͤhmeten. Er ließ feine Kriegsvoͤlker zu denenjenigen ftoffen, welche ver- fränfifche Kreis dem Kaifer gegen die Türken zu Hülfe ſchickte, und als Kreisoberfter hielt er auf dem Gebirge über diefe 1000 Pferde die Mufterung. NR SIE §. - 203. Der den gten Jan. 1598 erfolgte Tod des Churfuͤrſten Johann Georgs von Ende feiner Brandenburg, deffen Begräbnig der Marggraf Georg Friedrich durch) Geſandte bes kesierung. ſchickte, gab ihm zu hoͤchſtwichtigen Berathfchlagungen Anlaß. Er hatte in diefem Jahr nie Grafſchaft Schwarzenberg als fein Lehn eingezogen, und die Grafen zu Ca⸗ fell beliehen, auch den Reichstag zu Regenſpurg durch Gefandte beſchickt. Er nahm fich) feit diefer Zeit derer ben Gelegenheit ver niederländifchen Unruhen befonders von den Spaniern bedruͤckten Neichsftände in Weftphalen durch Gefandte an den Kai⸗ fer und andere Mitftände treulich an. Weil die Umftände der Proteftanten beſtaͤn⸗ dig mislicher wurden, ſo wohnte er der Zuſammenkunft derfelben zu Frankfurt bey. Befonders aber zog er mit dem neuen Churfürften von Brandenburg Joachim Fries Drich die Angelegenheiten feines Haufes in Ueberlegung. Sie waren die damaligen einzigen regierenden Herren aller dem Haufe Brandenburg zugehörigen Staaten, da die Gemuͤthskrankheit Albrecht Friedrich8 des blöden in Preuffen ihm mic dahin zu zählen verhinderte. Der Ehurfürft und unfer Marggraf fieffen alfo durch Geſandten zu Gera ein wichtiges Hausgrundgefe verfertigen, worin fie den Tegten Willen des ehemaligen Churfücften Albrechts von Brandenburg nicht aus den Augen liefen. Unfer Marggraf fahe nunmehro wohl ein, daß er ohne Erben mit Tode abgehen wuͤr⸗ de: Um alſo vie Zergliederung der märfifchen Provinzen, und folglich ver Macht des Churhauſes, zu verhindern, ward beliebet, daß der Churfürft Joachim Friedrich > amd feine Nachfommen, nach dein Neche der Erftgeburt, die Churmark Brandens burg nebſt allen Fünftigen anfallenden Staaten allein befigen, : nach dem Tode Georg Friedrichs, als nächtter lehnsvetter, die fandesregterung in Preuſſen Haben, auch das Herzogthum Zaͤgerndorf mir der Erfaubniß erhalten folte, damit feinen zweiten Prinzen Sohann’ Georg und deffen Nachkommen, ohme jedoch dadurch den Rechten —6 Churhauſes einen Nachtheil zuzuziehen, abzufinden. Die brandenburgiſchen Staaten in Franken aber ſolten auf dieſen erfolgten Todesfall getheilet, und den bel⸗ den nächiten Brüdern des’ Churfürften, den Marggrafen Ehriffian und Soachim Ernft r vor ſich und ihre Nachkommen eingeraͤumet werden, anderer erheblicher Um⸗ fände zu gefehweigen. Der Marggraf reifere Hierauf 1999 perforfich nach Magde⸗ burg, und unterzeichnete dafelbft das zu Gera entworfene Hausgrundgefg. Er half dafeloft mir dem Churfürften die magdeburgifchen Angelegenheiten berathen, und ſchickte ine Gefandten nach Prag, ben der Belehnung des Churfürften die geſamte Hand zu nehmen. Bon Magdeburg aus erfüchte er ven Chutfürften von ver Pfalzy' zum Beften ver Proteftanten eine Zuſammenkunft auszufchreiben. Er ſelbſt verfügs te fich aber nach Luͤneburg, wo er den Herzog Henrich Julium von Braunfihiveig a | Ppp 3 und - E02 486 3% · s Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, und den fandgrafen Moritz von Hefjen, welche in Irrungen gerathen waren, auds einander fegen half. Mach feiner Zuruͤckkunft kamen venetianiſche Gefandten an fer nen Hof, welche fih um Tuͤrkenhuͤlfe bewarben. Das Verhalten ver Catholifen gegen die Proteftanten in Deutfchland zeigte aber dem Marggrafen nähere Gefahr. Er befuchte daher die Zuſammenkunft der evangelifchen Stände 1600 zu Frankfurt, und übernahm hiefelöft den Yuftrag, von denen Schluͤſſen diefer Verſammlung ven Churfürften von Brandenburg zu benachrichtigen, welches er auch ins Werk ſetzte. Ein fich zeigendes Geſchwuͤr feste ihn zwar in folche Lebensgefahr, daß er auch an ſei⸗ nem Aufkommen felbft zweifelte, und durch Verfertigung feines letzten Willens fein Haus beftelle. Die Vorficht wolte aber. diefen Herrn, zum Beſten ver Evangelis ſchen, noch eine Zeitlang erhalten. Cr nahm ſich auch wirklich der Neligionsfachen eifrig an, und ſchickte auf die Zuſammenkunft der Proteflanten nach Speier feine Gefandten. Auf einer andern Verfammlung zu Friedberg in der Wetterau, wo fich gleichfals 1601 feine Geſandten einfanden, wurde von denen Proteftanten belies bet, daß nebft andern auch unfer Marggraf durch eine Gefandefchaft dem Kaifer ihre mannigfaltigen Meligionsbefchwerden vorftellen folte. Es fanden fich von denen vereis nigten niederländifihen Staaten Gefandte an feinem Hofe ein, mit welchen er die juͤlichſche Erbfehaftsfache und fandesvegterung diefer Provinzen in Ueberfegung zog. Er ließ auch das. Anfuchen des Churfürften von Brandenburg in Polen um die Verſi⸗ cherung der rechtmäßigen Nachfolge in Preuffen auf feinen Todesfall unterftügen, und nahm 1602 an allem Theil, was auf Zufammenfünftender Proteftanten zu Heilbronn und Friedberg befehloffen wurde, Cr war nicht abgeneigt, zu einem nähern Schugs buͤndniſſe derfelden mitzuwirken, welches befonders ſowol der Sache des evangelifchen Biſchofs von Straßburg, der mit feinem Gegner einen neuen Krieg bekommen hatte, ein mehreres Gewicht geben, als auch in den jülichfchen Angelegenheiten, wegen wel⸗ cher. ſich brandenburgifche und pfalz-neuburgifche Geſandten bey ihm eingefunden, Nutzen ſchaffen koͤnte. Dieſes Schutzbuͤndniß Fam 1603 den raten Febr, zu Heidel⸗ berg wirffich zum Stande, und ward mit dem Namen der heidelbergifchen Corre⸗ ä ſpondenz belegt. Unſer Marggraf ward eins der Häupter der Berbundenen, und hofte hiedurch unter. andern feinem Vetter dem evangelifchen Bifhof von Strasburg ers Heblichen Vortheil zu verfihaffen. Seine Gefandten auf dem Neichstage zu Regen⸗ ſpurg hielten auch wirklich mit denen übrigen: correfpondirenden Fürften getreulich zus fünmen, allein die Proteſtanten verloren unſern Marggrafen zu einer Zeit, da ſie an ihm eine Hauptſtuͤtze zu haben vermeinten. Ba 204. | — Sein tod und Denn Georg Friedrich hatte ſchon ſeit einigen Jahren Feine dauerhafte Geſund⸗ begraͤbniß · heit genoffen. Sein heranräckendes Alter machte dieſe Umſtaͤnde noch übler, und der Marggraf fahe ſchon feit einiger Zeit feinem Ende beherzt entgegen. Er erflärete fich darüber felbft, Daß er des tebens far wäre, und wohl zur Ruhe zu kommen begehrere, Den * Anhang von den brandenb. Marggrafen in Franken aͤlterer Linie. 487 Den sten April befand er fich fo ſchwach, daß alle Hofnung zu feinem Auffommen | d. Er bereitete fich mit vieler Andacht zu feinem Ende, und ftarb am Fals ten Brande den zöften April zwifihen 9 und 10 Uhr Vormittags 1603. Er hinterlief den Nachruhm eines gerechten, frommen und Die Gelehrten liebenden Fürften, ver fich der Proteftanten männlich angenommen, und zu der Hoheit des brandenburgifchen 3 vieles beigetragen. . Man wufte an ihm faft nichts weiter mie Wahrheit zu tadeln, als daß er mit unzähligen andern Fuͤrſten eine gleiche Suche zur Jagd gehabt. Sein erblaßter Körper ward. den’ısten Jun. in das marggräfliche Erbbegräbnig nach Heilbronn gebracht, und von vielen fürftlichen und geäflichen Standesperfonen beis derley Gefchlechts, und Gefandten vieler Reichsftände, bis zur Gruft begleitet. Un⸗ fer andern war ſelbſt der Churfürft von Brandenburg Soachim Friedrich nebft fer nen Herten Brüdern Ehriftian und Joachim Ernft, und Söhnen Johann Sigis⸗ mund und Johann Georg perfönlic gegenwärtig, Im Gefolge des Churfuͤrſten befanden fih Hieronymus Schlick Graf zu Paſſaw, Johann von Lüben auf Blumberg Canzler, Adam Hand von Berg, Burkhard von Arnim. Hofmars fall, Rath und landvoigt in der Uckermark, Albrecht Schlieben geheimer Nach, Thomas von Kneſebeck Rath und Hauprmann der alten Mark, Burkhard vor Arnim Rath und Hauptmann zu Corin und Gramtzow, Hans von Rochow auf Zuͤllichaw Hauptmann zu Zuma, D. Chriftoph von Bendendorf Vicefanzler, Hans Georg von Schierftädt Stallmeifter; die Kammerjunfer Maximilian von Koben, Wolf Dietrich) von Haack, Claus von Röder und Anton von Pannes wis. Carl von Birckholtz, Iſaac Kracht Oberfter, Hauptmann zu Zechlin, Witſtock und Lindow, Jacob von Arnim Stallmeifter, des Churprinzen, Wichs mann von Rochow, Ludwig von Ploͤſchwitz, Hans von Golnitz. Unter vie fen andern war bey dein Begräbnig Graf Wilhelm von Mansfeld, Peter von Bomsdorf, Wolf Philipp von Brandt, Friedrich von dem Berg, Ludolph von Alvensleben, Albrecyt von Parthein, Peter von Steinwehr, Henrich von Güntheröberg, Siegmund und Hans Eitel Truchſes von Wetzhauſen, Hans Georg und Albrecht von Luͤchow, Hand Cafpar von Wallenrodt, Al brecht von Eglofſtein, Sebaftian von Parthein, Albrecht von Brand, Hans Philipp Fuchs, Hans Philipp Hund, Georg Ludwig von Brandftein, Joa⸗ chim von Damis, Hans Zoachim von Warnftädt, Siegmund von Dobeneck Hans Ernft von Haugwis, Wolf von Bippach, Johann von Linfingen, Caſ⸗ par von Glafenapp, Chriſtoph Siegmund von Byla, Henridy von Starfches del, Michael von Berg, Jacob von Warnftädt, Ludwig Veit von Fuchs, Dietrich Truchfes von Werhaufen, und viele von dem Haufe Seckendorf gegens wärtig, deren Gefchlechter dem Churhauſe Brandenburg häufige und erfpriesliche Dienfte geleiſtet. - Der Marggraf Georg hatte Feine teibeserben verlaffen, ohnerachtet er zweimal Erfe ge vermält gewefen. Seine erfte Gemalin war Elifabeth, eine Tochter Marggraf Jo⸗ im bare 488 3%. 8 Hauptſt. Neuere Geſchichte vom Brandenburg, ·/ hanns von Cuͤſtrin, der felbige mit der braunfchweigifihen Prinzeßin Catharina erzeugt haste. Sie war geboren den zoften Aug. 1540: Ihr Heirarsbrief ift in Ci ſtrin ausgefertiget Montags nach) Johannis des Täufers 1558. In eben diefem Jah⸗ re ward den zgften December zu Cuͤſtrin die Bermälung mit unſerm Marggrafen Georg Friedrich vollogen. Sie ſtarb ohue Erben 1578 den gran Merz ohnweit Warſchau auf ihrer Reife nach Preuffen , und ‘ihre Gebeine wurden zu Koͤnigsberg in Preuffen ven zaften Merz beigefegt. | — ar Andere gema⸗ Die andere Gemalin war Sophia Herzog Wilhelms von Braunſchweig und fin ° ineburg Tochter. Ahr Heiratsbrief ift zu Annaberg den zuften April 1579 auss gefertiget. - Das Beilager ward. den zten May zu Dresden vollzogen. - Sie ftarb zu Nürnberg den raten Jan. 1639, und ift daſelbſt den zgjten May in der Laurentius⸗ firche beigefeßt. —— u Piano Seit dem Tode Marggraf Georg Friedrichs war alfo das Haus Branden⸗ burg in drey regierende Linien getheilet. Wir müffen aber die Gefchichte ver Chur⸗ | linie, in welcher nach Spoachim Friedrichs Tode Johann Sigis. Ä ' mund folgte, fortſetzen. N N — —— Dar A X au 328 2 44 ne Der neuern Geſchichte vom Brandenburg Neuntes Hauptſtuͤck. Von der Regierung des Churfuͤrſten Johann Sigismunds. P. allg. preuß. Geſch. 3Th. au Ehurfürft Johann Sigismund. \ 9. 2085. mals; aberheutiges Tages halten die Gelehrten von der Sterndeu⸗ > teren nicht fo viel, als in vorigen Zeiten geſchahe. Am Jahr 1572 den gten Too. Fam in der Caßiopea ein neuer Stern zum Vorſchein, ver mit dem Daneten Jupiter an Gröffe und Glanz verglichen ward, auf einer Stelle ftehen blieb, nach und nach wieder abnahm, und endlich nach 16 bis 15 Monaten: wieder. vers ſchwand. Mac) Leuthingerd Bericht hatte ſich ein eben folcher Stern in der Caßio⸗ pea zur Zeit des Kaifers Otto des Stoffen fehen laffen; und dies hätte fehon den Wahn derer widerlegen Fünnen, welche denſelben als eine Borbedeutung wichtiger Dinge ans ſehen sollen. Er war weder, nach dem frommen Witz einiger Schriftſteller, die Seele des in der Pariſer Bluthochzeit ermordeten Coligny, noch der Stern, welchen die Weiſen im Morgenlande geſehen, und der bey der letzten Erſcheinung das Ende der Welt vorbedeutet. Weil er an eben dem Tage erſchien, an welchem um 7 Uhr Nach mittags Marggraf Johann Sigismund feine Eltern, den damaligen Verweſer des Hochſtifts Magdeburg Joachim Friedrich) und deſſen Gemalin Catharina, zu Halle durch feine Geburt erfreuete; fo nahm man davon Gelegenheit, ihn den brandenburs giſchen Gluͤcksſtern zu nennen. * Man drückte hiedurch mehr dasjenige aus, was mar — als was man eben mit Grund vorher ſehen konte. Sobald der junge Prinz der N 12 Sorge lie Sternkunde iſt von den Gelehrten jetzt höher getrieben, als vor⸗ Johann Sir 492 3°. 9 Haupiſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg: Sorge des Frauenzimmers entzogen werden Fonte, nahm ihn fein Here Großvater dee Churfuͤrſt Johann Georg zu ſich an feinen Hof, und befchäftigte fich felöft mic ru Erjiehung. . Hier befam er die erften Begriffe, die ein Menfch, ein Ch Ehrift, ein / Prinz ih einprägen muß. Macher nahm ihn fein Herr Bater Joachim eiedrich zu fich. Der Prinz begleitete denjelben 1588 auf feiner Reiſe nach Anſpach, und ward. von da mit feinem Bruder Johann Georg auf die hohe Schule nad) Strasburg g ſchickt. Weil das Haus Brandenburg alle feine Hofnung auf des Churfürften hann Georgs Nachkommen feste, fo dachte man frühgeitigan feine Bermälung. Man 309 dabey die Staatsvortheile feines Haufes zu Nathe, und Marggraf Zohann Si⸗ gismund reifete im ıoten Jahre feines Alters 1591 nach Preuſſen ab, um ſich m Hof in Koͤnigsberg perfönlich bekandt zu machen. Nach) feiner Zuruͤckkunft Donnersftags in der dritten Adventswoche 1591 zu Berlin init Anna, ber. älteften? | —* ter des Herzogs Friedrichs von Preuſſen, verlobt, und hiedurch ſowol Die anftrei e Nachfolge in Preuſſen geſichert, als auch die Rechte auf die Fünftige juͤlichſche ſchaft, die der Braut Mutter 4) gehörete, erlangt: Am Jahr 1592 ward en lobung überall befandf, und der Marggraf, welcher 1593 feinent Heren Vater verfpros chen, fich durch nichts von der evangelifchen Wahrheit abwendig machen zu Taffen, teifete 1593 im Febr. mit 300 Pferden, worunter 160 Reiſige befindlich, nach Preuß - fen ab. Seine Frau Mutter gab ihm bis Stettin das Geleite. Er kam den i7ten Merz zu Königsberg an, und ward auf fürftliche Koften von den Bürger pr eingehofet. Im Jahr 1594 ward den zoften Det. fein Beilager zu Königsberg in Preuſſen erwuͤnſcht volljogen. Beide Neuvermälte langten 1595 in der Mar wies der. an. Der Churfürft Johann Georg empfieng fig zu Cuͤſtrin mir einem. anfehns lichen Gefolge und vielen Freudensbezeigungen , und ließ ihnen zu Ehren ein fi liches Feuerwerk ‚abbrennen. . Im ct. dieſes Jahres ward Marggraf Sohann | 19187 - mund mit dem Könige von Daͤnnemark Chriftian 4, der nebft andern Fuͤrſten den berliniſchen Hof beſuchte, bekandt. Den zten Nov. am Tage ber Abreiſe dieſes — — Monarchen brachte feine Gemalin den aͤlteſten Prinzen zur Welt, der den ibten Noo. in. der Taufe, den Namen Georg Wilhelm befam. Es befanden ſich damals in Ber⸗ lin viele vornehme Herrfigaften, denen zu Ehren den ı7ten und ıgten Nov. ein Rings rennen gehalten wurde, bey welchem unter andern Marggraf Johann Sigismund feine Geſchicklichkeit zeigte. Am erften Tage gefihahe ver Aufzug in ſchwarzen am andern in rothſeidenen Kleidern mit ſilbernen Borten. Hierauf reiſete der Marggraf zu feinem Herrn Vater nach Halle, woſelbſt er 1596 die Kinderblattern glücklich übers ‚fand, und hierauf mir feiner Gemalin, Eltern und älteften Schwefter zum Krönungss feft des Königs von Dännemarf, Chriſtians 4 nad) Coppenhagen abreifete, und bey diefer Gelegenheit den ıgren Yuguft auf der Dfifee durch) einen. heftigen Sturm in Lebensgefahr Fam. Im Jahr 1597 den ten Jan. begleitete er den um das Chur⸗ haus 0 Diefe — Maris Eleonora war diefes Jahr mit ihren beiden aͤlteſten Prinzefinnen "nach ihren vaterlichen Landen abgereijet, ' —— 2 * > u er > Sn) Eee er — BE ‚ — Ehurfürft Sohann Sigismund. 493 haus wohlverdienten Rochum Grafen von Lynar zur Gruft; und ala feinem Herrn Großvater den 12ten Zul. fein Prinz Johann geboren worden, befand er ſich bey deſ⸗ fen Taufpandfung den 24ften Zul: nebft feiner Gemalin zu Berlin gegenwärtig. Er wohnte den zrften Nov. dem Beilager feiner Schwefter mit dem, Könige von Dännes marf zu Dadersleben bey, floge aber auf die Nachricht der toͤdtlichen Krankheit feines Heren Großvaters wieber nach Berlin ‚ den er Auch noch beim eben antraf. Nach⸗ dem aber der. Churfuͤrſt den gten Jan. 1598 mit Tode abgegangen, folgte er deſſen Leiche den ıften Febr. Nunmehro uͤberkam fein Herr Vater Joachim Friedrich die Regierung des Churfuͤrſtenthums Brandenburg, und unfer Marggraf Sohann Si gisimund w ward dadurch — von Brandenburg 6). §. 206. Sein Herr Vater räumte ihm nunmehro Zechlin zum Wohnſitz ein, und orb Seine chur⸗ 8 einen anſehnlichen Hofſtaat an. Er ward ſeit der Zeit zu den wichtigſten Be⸗ rag rathichlagungen mit gezogen. Im Jahr 1599 begab er fich an den Hof feines Herrn e · Schwiegervaters nach Preuſſen, um daſelbſt wegen der kuͤnftigen Folge des Churhau⸗ ſes Anſtalten vorzukehren. Hier blieb er bis 1602, da er nach Berlin kam, und dem brandenburgiſchen landtage beiwohnete. Cr gieng aber nochmals nach Preuſſen ab, ohnerachtet damals in Koͤnigsberg eine anſteckende Seuche herrſchte. Mann kann far Henn, daß er gleichſam feines Vetters Georg Friedrichs Statthalter in dieſem Lande 2 heweſen. Auf deſſen Anrathen wohnete er dem preuß ſchen Landtage zu Heiligenbeil mit bey. Am Jahr 1603 reiſete er durch die Mark nach Franken, um mit feinen n Better Georg Friedrich die Angelegenheiten feines Haufes, ſonderlich in Ab⸗ ficht Preuffens und Polens, in Ueberfegung zu ziehen. Er fand aber diefen Herrn bereits auf feinem letzten fager. Nach) deſſen Tode wohnete er feinem Begräbniß bey, Und Half den Churfürften feinen Herrn Vater, und deſſen Brüder die Marggrafen Chri⸗ ftian und Joachim Ernſt, wegen der Nachfolge in ven fränfifchen fanden den 22ften May auseinander fegen. Als tiefe Herren das xraſche Hausgeſetz annah⸗ men, unterzeichnete ſolches auch unſer Churprinz den uuten Jun. Nunmehro wurden e Sorgen wegen der Fünftigen Nachfolge, ſowol in Preuffen, als in den juͤlich⸗ m Staaten, vermehret, welche ihn 1604 befchäftigten. Im Abficht der julichfchen Angelegenheiten fehloß er 1605 den 25ften April mit den Holländern einen Huͤlfsver⸗ gleich, und, um mit Churpfalz in gutem Vernehmen zu bleiben, ward die zu Gellen⸗ haufen verabrevete Verlobung feines Älteften Prinzen mic der churpfälzifchen Prinzeßin Charlotte in feiner Gegenwart zu Heidelberg volljogen. Im Sul. 1608 reifere er abers 1608. mals nach Preuffen ab, Er war nody nicht in Königsberg angelanget, als er durch teitende Boten die betruͤbte Nachricht erhielt, daß den ıgten Jul. 1608 fein Herr Vater uns vermuthet mit Tode abgegangen fig. Hiedurch fiel die Regierung des Churfürftenehums aanmpenburg ſowol, als des Werzogtgums Preuffen, auf feine Schultern re). Dag3 er 207. b) Cernitius. ) Ebendaſelbſt. 404 3 © Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1608. #° | $. ‚207. va Zuftand von Es gefchahe folches zu einer Zeit, da faft ganz Europa in Kriegsflammen ftand, Europa als er pie auch daſelbſt auszubrechen im Begrif waren, wo es noch ruhig zu feyn ſchien. Porz OU tugall wurde des ſpaniſchen Jochs immer mehe und mehr Aberdräßig, und fein Ober⸗ & hert der König von Spanien Philipp 3 trauete diefem Staat ſelbſt nicht viel gutes zu. Die Regierung diefes Prinzen in Spanien Tag völlig auf den Schultern feines tieblings des Herzogs von Lerma. Die Unterchanen erkannten folches fo wohl, daß der König auch einmal einen Zettel unter feinem Teller mit der Auffchrift fand: Phi⸗ lipp / ehedem König von Spanien und Fndien, anjego bey dem Herzoge von Ler⸗ ma in Dienften. Es fand ſich dieſe Krone bereits zu ſchwach, die ſich Iosgeriffene nie⸗ derländifche Provinzen zuriick zu erobern, und jagte doch noch faft eine Million feiner fleißigften Einwohner, weil fie von den Mauritaniern abflammeten, ausdem Sande. Henrich 4 von Frankreich harte zwar aͤuſſerlich Ruhe, fo wie er aber auf Mittel dachte/ Spaniens und Oeſterreichs Uebermache zu brechen, ſo fannen die Eiferer unter denen Catholiken darauf, fich diefes Prinzens zu entledigen, der immer in dem Ver⸗ dacht blieb, daß er feinen vorigen Glaubensgehoffen und deren Lehren im Herzen beipflichte. Doch festen die Proteſtanten auf ihn fowol als den grosbritannifchen König Gar cob viele Hofaung, welcher letztere aber ſolche ſchlecht erfüllee Hat: Die vereinigten Niederländer beiviefen mehreren Much, die Proteftanten zu unterflügen. Es ward eben damals zwiſchen ihnen und den Spaniern an Beilegung des bisher geführten Krieges | gearbeitet, ‚und e8 war Hofnung, daß, wenn diefe Unterhandlungen zum ' Stande Fämen, die Holländer noch freiere Hände haben würden, ihren Bundess und Glaubensgenoffen, worunter fich der. neue Churfürft von Brandenburg befand, aufjuhelfen. Auch auf Dännemarf Fonte der churbrandenburgiſche Hof vieles rech⸗ nen, da der König Chriſtian 4 fein Schwager war. Mir Early Könige von Schwe⸗ den eine Vertraulichkeit zu unterhalten verhinderten damals die polnifchen Angelegens beiten. Denn ver hurbrandenburgifche Hof mufte wegen Sreuffen die Freunds ſchaft Sigismunds 3 Königs von Polen beizubehalten ſuchen, der. aber gegen feine eis. genen Unterthanen, die einen Rokoß gemacht hatten, fowol als gegen Rußland zu Felde lag. In dieſem legtern Staat fuchten noch immer Betrüger bie falfchen Deme⸗ trii den Czaar Baſilius Zusky vom Thron zu ſtuͤrzen, fo wie ſich die Polacken diefes Umſtandes bediengten, die Grenzen ihres Staats, auf Koften Rußlands, us zubreiten. In Deutfchland befand fich alles in groſſer Gährung. Mit dem Kaifer Rudolph 2 waren ſeibſt die Prinzen feines Erzhauſes unzufrieden. _ Sein Hofrach hatte durch Härte und unbefugtes Betragen bie Proteſtanten aufs aͤuſſerſte gebracht. Die gegen ſie ergangene Verordnungen, ſonderlich aber in der donawerthiſchen Sa⸗ che, folglich aͤuſſere Gewalt, hatte in dem Einigungswerk der Lutheraner und Refor⸗ mirten mehrere Wirkung, als die pflichtmaͤßige Liebe, die das Chriſtenthum anbefiehlt. Viele lutheriſche Staͤnde hatten ſich, wenigſtens in Abſicht der Duldung und gemein⸗ ſchaftlichen Huͤtfe, mit den Reformirten vereiniget. Die zu Heidelberg geſchloſſene Corre⸗ Churfürft Sohann Sigismund. — 495 Correſpondenz, gegen welche die Catholiken bereits ein Gegenbuͤndniß zu errichten am 1608. gefangen, bewafnete beide Theile, die nur auf Gelegenheit zu warten fchienen, die Waffen gegen einander zu brauchen, und ber neue Ehurfürft von Brandenburg er lebte das Ungluͤck, daß der Krieg zwifchen beiden Theilen unter feiner Regierung wirks Ach zum Ausbruch gefommen. Aber nicht alle proteftantifche Höfe in Deutfchland waren eines Sinnes. Manche fieffen fich noch) immer, aus Religionshaß gegen die Reformirten, lieber auf die catholiſche Seite lenken, als daß fie durch ihren Bei⸗ fand die Bortheife ver Neformirten hätten unterſtuͤtzen wollen. Andere lieſſen fich durch Die Vortheile ihrer Hausangelegenheiten bewegen, es lieber mic dem Faiferlichen Hofe, als ihren Glaubensgenoffen, zu halten. Sachfen war darüber eiferfüchtig, daß Churpfalz fich des Vorfiges unter den Proteftanten unterjogen. Der Befig diefes Vorzuges, der bisher bey Sachfen geweſen, machte, daß man fich nicht ent fehlieffen Fonte, felbigen nicht mehr zu haben, und man brauchte das kurherchum zum Dorwande, felbiges dem Haufe Pfalz nicht zu gönnen. Die auf dem Fall ftehende julichfche Erbſchaft, welche: die correfpondirenden Fuͤrſten Brandenburg und Pfalz⸗ Neuburg nicht wolten entziehen laſſen, war vor Sachſen ein neuer Bewegungegrund, ſich lieber in dieſer Angelegenheit durch den Faiferlichen Hof Vortheile zu verfehaffen, als durch einen Beitritt zur Vereinigung der Evangelifchen der Religion überhaupt neue Sicherheit und Vortheile zu gewähren. Das Haus Heffens Darmftadt ließ fich durch die Gtreitigfeiten mit dem Haufe Heſſen⸗Caſſel, der Herzog von Braun ſchweig⸗ Wolfenbüttel durch die Jrrungen mie der Stade Braunfchmweig, und der Graf von Oſtfriesland durch die Zwiftigfeiten mit der Stade Emden bewegen, lie ber die Parten des Faiferlichen Hofes zu halten, als den Maaßregeln anderer Prote⸗ ſtanten beizutreten. Das Churhaus Brandenburg wurde durch Feinen Verfolgung geiſt gegen die Meformirten getrieben, und nahın fich derjelben eben fo wohl, als ver Lutheraner, an. Beide hatten bisher in der ſtrasburgiſchen Bifchofsfache ihren gu⸗ ten Willen dem Ehurhaufe gezeigt, fonderlich fehlen Churpfalz deffen Vortheile bey der Fünftigen jülichfchen Erbſchaftsſache um fo mehr unterftägen zu wollen, da der nunmehrige brandenburgifche Ehurpring George Wilhelm mit einer churfälzifchen ‚Pringeßin bereits verlober worden. Der neue Churfuͤrſt Johann Sigismund erkann ⸗ te gar wohl, daß der Faiferliche Hof, die catholifche Parcey und Churſachſen ihm ven Anfall derer anſehnlichen juͤlichſchen Exrbfehaftsftaaten, nach dem bevorftchenden Tode des letzten Herzogs, eben fo wenig, wie bisher, gönnen würden. Diefes war ein Hauptbewegungsgrund, mit denen in der heidelbergifchen Correfpondenz ftehenden pro⸗ ‚teftantifchen Fuͤrſten ein gutes Vernehmen zu unterhalten. $. 208. Wir roiffen bereits, daß der neue Churfuͤrſt Johann Sigiemumd eben auf eis Der churfaͤrſt ner Reife nach Preuffen begriffen gewefen, als er vom iddtlichen Hintritt feines Herrn ne? Baters benachrichtiget worden. Er fand aber bey den damaligen Umſtaͤnden, ſonder⸗ lich 1608, 496 3%.9 Hauptſt. Neuere Gefchichte von Brandenburg. lich da kurz vorher feine Fran Schwiegermutter Maria Eleonora. geftorben, und das durch ihre Rechte ihrer Alteften Prinzeßin Anna, Johann Sigismunds Gemalin, nachgelaffen, vor gut, feine Reife fortzufegen. Den Befis der Churmarf Bran— denburg Fonte niemand in Zweifel ziehen, und der neue Regent Eonte fichauf die Treue der maͤrkiſchen Untertanen völlig verlaffen. Er trug deswegen den Adam Gans eben Heren von Putlitz auf Putlig, Wolfshagen und Wittenberg die Statthal⸗ terſchaft der Mark Brandenburg und die in diefem Sande nothwendigen DBeforgungen Sein bruder Chriſtian Wil helm trit die regierung von Magdeburg an. auf. Durch) die Bemühungen diefes Bevollmächtigten ward auch alles gehörig beforgt, und dem Churfürften von allem treue Nachricht gegeben. Aufonderheit ward den zten Sept. der verftorbene Churfürft zur Gruft befkattet d). ER Gleich darauf nahm des Ehurfürften Bruder Chriftian Wilhelm son der Re⸗ gierung des Hochſtifts Magdeburg Beſitz. Ex hatte diefelbe wegen feines jungen AL ters bisher dem Domcapitel zu führen, nad) feinem Wahlvergleich, uͤberlaſſen müffen. Da. er aber jet das zıfle Jahr feines Alters erreichee hatte, fo Eonte er fich nunmehro der Regierung felbft nach eben dieſem Wahlvertrage annehmen. So bald er im Sept. wegen ber tiefen Trauer in, aller Stille nach Halle gefommen, übernahm er folche aus den Händen des Domeapitels, hielt den z7ften diefes Monats einen fandrag, und ließ fich den zgften huldigen. Der Herr geheime Rath von Dreyhaupt behauptet zwar, daß der Churfuͤrſt Johann Sigismund damals mit in Halle geweſen, und von der Stadt Halle bey diefer Gelegenheit ein abgerichtetes graues Pferd verehret befommen habe, Vielleicht ift aber folches ein anderer Bruder des Erzbifchofs, nemlich Johann Des churfuͤr⸗ ſten erſte ver; richtungen. Georg Herzog von Jaͤgerndorf geweſen e). En Deun der Ehurfürft befand fich damals ohnſtreitig in Preuſſen. Er war ben gen Auguſt mit einem Fleinen Gefolge in Königsberg angekommen, und hatte wes gen der tiefen Trauer alle Feierlichkeiten bey feinem Einzuge dafelbft unterfage. Von bier aus ließ er den fehmerzlichen Verluſt feines Herrn Vaters und feinen Negierungss antritt denen Höfen fehriftlich befandt machen. Cr fihickte denen märfifchen Staͤn⸗ den die Berficherungen ihrer Freiheiten und Firchlichen Verfaffung zu, fonderlich aber bemuͤhete er fich, die von feinem Herrn Vater an ihn geftorbene Nechte auf Preuffen auffer allem Zweifel geſetzt zu hen. Er berichtete daher feines Heren Vaters Ableben und feine Nachfolge in der Negierung vorzüglich dem Könige von Polen Sigiemundoz, und that zugleich die Anfuchung, daß ihm ſowol die vormumndfhaftliche Regierung dies - | fes Landes, als auch die Belehnung darüber gereichet wuͤrde. Weil nun der König eben einen Reichstag nach Warſchau ausgefchrieben hatte, ſo gab er im feinem Bei⸗ leids » und Gluͤckwuͤnſchungsſchreiben dem Churfuͤrſten zu verſtehen, daß er die preußi⸗ ſchen Angelegenheiten dem Gutachten der Reichsſtaͤnde uͤberlaſſen wolte. Es haͤtte die⸗ fer Weirläuftigkeit nicht gebraucht, da des Churfuͤrſten Rechte ohnſtreitig waren. Je näher aber das Chuthaus Brandenburg dem völligen Befis des Herzogthums Preuſ⸗ ſen kam, je mehrere Schwierigkeiten wurden demſelben in den Weg gelegt, die man PS aber d) Cernitius. e) Herrn von Dreyhaupts Gefchichte des Saalkreiſes. a | Churfuͤrſt Johann Sigismund. 292 aber nach und nach gluͤcklich uͤberſtieg. Vor diefem nach Warſchau ausgefehriebenem 1608, Reichstage ward von denen polniſch⸗ preußifchen Ständen ein tandtag zu Graudentz ges | Halten. Hier fanden fic) auch Abgeordnete der Rittetſchaft aus dem Herzogthum Preuſ⸗ ferrein. Sie erfuchten die polniſch ⸗ preußifchen Stände, bey den jegigen Umftänden Sich ihrer alfo anzunehmen, daß ihre bisherige Gebrechen geändert, und fie bey dem Ges muß der alten Freiheiten gefehliget werden möchten. Die Meinung der meiften polniſch⸗ preußiſchen landſtaͤnde gieng dahin, daß man ſchlechterdings dem Entſchluß der Pola⸗ cken beitreten folte, nur daß einige hiebey vor noͤthig hielten, dieſe Sache ohne fernern Aufſchub zur Endſchaft zu bringen. Die Abgeordneten von Elbing und Danzig rede⸗ ten befonders dem Churfürften und feinem Recht das Wort, und fahen es für hoͤchſtge⸗ fährlich an, wo man dem brandenburgifchen Haufe, welches nicht nur vor ſich, ſon⸗ dern auch wegen feiner Verwandtſchaft mit den vornehmften Käufern in Deutfchland maͤchtig wäre, das sehn entziehen wolte. Indeſſen ward denen von den polniſch preufe ſiſchen Ständen auf den Reichstag Abgeordneten unter andern der Auftrag gegeben, vor die Rechte der Ritterſchaft des herzoglichen Preuſſens fleißige Sorge zu tragen. Don dies fem Entſchluß ward die Ritterſchaft des Herzogthums Preuffen benachrichtiget. Dieſen Reichstag mufte unfer Churfürft nothwendig in Preuffen abwarten, weil fo vieles dars auf ankam, ohnerachtet die deutſchen Angelegenheiten immer bedenflicher wurden f). ——— | * $. 209. 005 Denn hier brachen in den kaiſerlichen Erblanden öffentliche Unruhen aus. Des Die ſtreitig⸗ Kalſers Rudolphs 2 Bruder Matthias hielt als Statthalter in Ungarn einen Reichs⸗ — je tag zu Pregburg. Unter dem Vorwande, den Tuͤrken defto beffer widerftehen zu Fon (ie, nen, brachte er ein Buͤndniß zwiſchen den ungarifchen und öfterreichifchen Ständen gumege, Er ftellete fich, als 06 er denen herumſchweifenden Heiducken ein Heer enges > gen ftellen muͤſte, beachte 20000 Mann zufammen, und gieng damit gerades Weges durch Mähren, wo er einen groſſen Anhang hatte, auf Prag los. Der Kaifer fuchte in der geöften Beflärzung ſowol bey den deutſchen Neichsftänden, als bey ven Böhmen Huͤl⸗ fer Bene aber waren theils zu langſam, theils mie Rudolph 2 unzufrieden, und alles, was fie thaten, beftand in gütlichen Vorftellungen bey Matthia. Die Böhmen waren der Religion wegen uneins, und die Proteftanten ‚ welche die ſtaͤrkſte Partey ausmach⸗ ten, wolten vorher die bündigften Berficherungen vor ıhre Neligtonsfreiheiten haben. Der Kaifer fahe fich dahero genöthiger, durch die Vermittelung des päpftlichen Geſandten und Feiner Bertern, mic feinem Bruder einen Vergleich zu treffen. Er mufteihm varin Un⸗ > garen, Defterreich und Mähren abtreten; auch verfprechen, ihm bey den boͤhmiſchen Andſtaͤnden die Erbfolge zu verfchaffen, und dem Matthia fehon das Ehrenwort eines beſtimmten Königs von Böhmen zu verftatten. Hiedurd) glaubte Matthias fich den Meg zur römischen königlichen Wuͤrde gebahnet zu haben. Er ward zwar anfänglich in Oeſterreich mit Freuden angenommen. Da er aber den Proteſtanten ihre Religions⸗ uͤbung Cernitius. Hetrn Lengnichs Geſchichte von Preuſſen. Heallg. preuß. Geſch. 3 Ch. Nr 498 3%-9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1608, uͤbung verbot, verweigerten ihm biefelben bie Huldigung, und griffen zu den Waffen, Auch die Ungarn wolten Matthiam nicht anders, als nach neuer Verficherung ve proteffantifchen Religion, annehmen. Sie fowol, als die Einwohner von Mähren thaten bey ihm ſehr nachdruͤckliche Vorſtellungen vor die Defterreicher, Hier war es 1609. wirklich zum Kriege gekommen, und es wurden bereits 1609 einige leichte Treffen geliefert, Bringen die Endlich ward den Defterreichern die Berficherung ihrer alten Religionsfreiheit ertheiler, ne Den Böhmen machte. man folche zwar anfänglic) fehmwer. As fie aber mirgewafnetee den zumege, Hand auf das Schloß zu Prag kamen, undfich alles zu einem innerlichen Kriege anfieß, | auch von verfchiedenen Churfuͤrſten und Fürften vor fie Fuͤrbitten anlangten, willigte der Kaifer in ihr Verlangen. Auch die Protejtanten in Schleften Hatten zum Beften der Religion mit den Böhmen eine genaue Verbindung getroffen, und ſich gegenfeitig mit 1000 Reutern und 2000 Zußfnechten Hülfe zu leiften verfprochen, wo ihre Religion gefränft würde. Dies brachte auch den Schlefiern und denen Einwohnern ver Graffchaft Glatz die Verſicherung der Religionsfreiheit zuwege. Es geſchahe ſolches durch Gnadenbriefe, die deswegen Majeftätsbriefe genannt wurden, weil fie unter dem groffen Majeftätsim fiegel ausgefertiget worden. Es ward den Böhmen, den Schlefiern, den Mähren durch diefelben ihre Neligionsfreiheit dergeftalt beftätiget, daß alle und jede, die das aufs neue überreichte Glaubensbefäntniß annahmen, feinen ausgefchloffen, ihre chriſtliche * Religion, nach Inhalt des Bekaͤntniſſes, frey an allen und jeden Orten zu uͤben, ein Unter⸗ eonfiftorium und die Academie zu Prag, wie auch ihre eigene Beſchuͤtzer zu haben, auch der. Herrn, und Nitterftand fowol, als. die, Prager, Kuttenberger und alle andere Städte ſamt und fonders über die Kirchen, die fie allbereits im Beſitz haben, noch mehrere in Staͤdten, Dörfern oder anderswo aufzubauen befugt feyn, und niemand, auch nicht Bauersleute, weder von ihren Obrigfeiten, noch andern geiftlichen und weltlichen Standesperfonen zu der gegenfeitigen Religion mit Gewalt, oder fonft gedrungen werben follen. Zum Unglück aber war in diefen Gnadenbriefen nicht deutlich) genug ausgedrückt, ob auch mittelbare und unter der Geiftlichfeit gefeffene Städte ebenfals das Necht, neue Kirchen zu bauen, haben folten. Beide Neligionsverwandte machten darüber entgegen, | ftehende Erflärungen, die zu dem Ausbruch eines des, unfäglichften Krieges zuerft Ans laß gegeben, worin auch die brandenburgifchen Staaten, wie wir fünftigfehen werden, - mehr als zu viel gelitten haben. Dies hat mich bewogen, vor dem Urfprung dieſer nachmaligen Unruhen vorläufig meinen fefeen gehörige Nachricht zu ertheilen,g), > $. 210, Dem hurfürs Inzwiſchen hatte der polniſche Reichstag zu Warſchau den ısten San. feinen fen wird die Anfang genommen, den Churfürft Johann Sigismund durch Gefandten beſchickte. vet yet AD ut DS ver 2 — #4 u RT ET EEE ET ———— — - — ee ee — 9 Dieſe thaten den zten Febr. im Namen ihres Herrn ſowol um die Vormundſchaft des sefprochen. bloͤden Herzogs Albrecht Friedrichs, als auch um die Belehnung mir dem Herzogthum Preuffen Anſuchung. Den roten diefes Monats unterſtuͤtzten dieſe Sache die föniglich dans ° ) Du Mont Corps Diplom, T. ı und 3. Khevenhüller Ann. T.zund 8. Goldaſt ds ‚ gno Boh, Beilage N. 96. Londorpius Ad, Publ, Tı x. A J Churfuͤrſt Johann Sigismund, | 499 doaaͤniſchen, churfuͤrſtlich pfälzifchen und fächfifchen, herzoglich würtembergifchen und land» 1609. gräflic) heßiſchen Geſandten Durch ihre Vorſprache. Zu gleicher Zeit wurden die Abgeord« neren ber Kisterfchafe des Herzogthums gehöret. Sie verlangten, daß fo Tangeder Herzog Albrecht Friedrich am geben, die Landesregierung durd) gewiſſe unter dem Könige von Po⸗ - Jen stehende Regenten verwaltet, nach deſſen Ableben aber das Lehn, mit Einwilligung der Attterſchaft und Beibehaltung ihrer Freiheiten, dem Ehurfürften gereicht werden möchte, Die Abgeſchickten der herzoglich preußifchen Städte aber erfuchten den König, daß dem Ehurfürften ſowol die vormundfchaftliche Landesregierung, als auch die Belehnung über Preuffen, ertheilt werden möchte, Damit fie von dem Churhauſe, deflen Regierung fie bereits gewohnt, unddasihrer Rechte und Freiheiten-Fundig fey, nicht abgefondert würden. Si⸗ , - gismundz nahm alles zu veifer Berathſchlagung an die Reichsftände.. Nach deren Gutz 5 achten ward dem Churfürften die Vormundſchaft feines blöden Herren Schwiegervaters und die Sandesregierung wirklich anvertrauet. Wegen der Belehnung aber folte auf dem kuͤnf⸗ tigen Neichstage weiter beratbfchlaget werden. Zu Unterfuchung der Beſchwerden der Rit⸗ „terfchaft und der Städte wurden von dem Könige gewiſſe Bevollmächtigte,ernannt, welche deren Grund oder Lingeund auf dem nächften preußischen Landtage unterfuchen, nach Befin⸗ den abthun, oder an den König berichten folten 6). | ar Fi >, Churfürft Johann Sigismund, der alfo die wirkliche Regierung in Preuſſen beibe- und nach feis Thiele, hatte jetzt einige Zeit gewonnen, nach) Deutfchland zureifen, und die dortigen Sachen ner zuruͤck⸗ An Yrdnuna zubringen. Er gieng alfo den often Merz mit einer Fleinen Begleitung nad) kunft aus der der Mark Brandenburg ab. Hier ließ er fich in Perfon von feinen Wohnftädten, imgleis Mast 3 chen su Spandau und Eüftrin, in feinen Beftungen, vom Kriegsvolf, Sandftänden und Linz ceerthanen die Huldigung leiften, Er ernannte Bevollmächtigte, an feiner ſtatt die Huldi- gung in denen übrigen Städten einzunehmen, weil ihn die preußifchen Angelegenheiten wies deer dahin abzureifen nörbiaten. Nachdem er alfo nur die nothwendigſten Sachen berichtiger, eilte er wieder nach Preuffen zurück, und langte den izten April zu Königsberg ans). Die föniglidye Abgeordneten, unter welchen der Biſchof von Ermeland und der Woy— eingeräumt,. 4 wode von Marienburg Die vornehmften waren, langten den ıöten May in der Hauptſtadt x des Her zogthums an. Den ızten Nachmittags eröfneten fie aufdem Eneiphöfifchen Rath. hauſe denen Sandftänden ihren Auftrag. _Den zıften kamen fie mit dem Churfürften in die Schloßkirche. Weil aber bald nad) ihrem Eintritt rin Stuͤck Mauer aus einem Pfeiler fiel, befürchteten fie mehreres Ungluͤck, und retteten fih aufdas fchleunigfte wieder heraus. Den 4ZIul. endigten fie ihr Geſchaͤft damit: Daß fie, in Gegenwart der Landſtaͤnde, auf dem grofs fen Saaldem Ehurfürften die Landesregierung beftätigten. Sie hatten wahrgenommen, daß diejenigen von Adel, die fic) bisher in Schriften und Worten der hurfürftiichen Regie— rung widerfegt, Unmwahrheiten gebraucht und fchädliche Abfichten geheget. Es wurden da« ber felbige angehalten, dem Ehurfürften öffenelich Abbitte zu hun; worauf die Föniglichen Bevollmächtigten ihren Abſchied nahmen, und der Landtag bald darauf befchloffen wurde k). ee Nunmehr erhob fih Fohann Siegmund nad Deutſchland zuruͤck, woſelbſt ihm durch Ihm fallen den Tod Martins; des legten Grafen von Hohenftein märkifcher Linie, die Herrfchaften Schwed uns Schwed und Pierraden zugefallen waren. WVBiierraden ju. — Jedoch eine weit wichtigere Erbſchaft war ihm den 25 Merzdurch den unbeerbten Todes⸗ Stammtafel fall des legten Herzogs von Eleve, Johann Wilhelms, eröfnet J). Um nun diedarüber der herzoge entftandene Streitigkeiten deſto deutlicher einzufehen, müffen wir folgende Gefchlechtstafel von Cleve u. naothwendig unfern Leſern vorlegen, Rn : - Krro Eleve, 5) Herr Kengnich 1. e. Cernitius und Erlauchtes Preuffen T.2 p. 297. k) Erlauchtes Preuſſen T, 2 p. 397 und 398. Herrn Abels Otantsgefchichte, — a A —— a a Ka a ur soo 3%. gHauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, 169. Cleve. Teifterband, | Mark. Balduin, Nachkomme rt Be i des Helias und der Beatrix. A — Et T Ludwig, Eberhard, Robert, Graf von Cleve. Graf von Cleve, Graf von Teiſterband. N c * * er — — a Luthard. ran Graf v. Zeifterd. — ee — F — J J raf v. Altena. — Er — — Satbuin. | Dalduin. 177. * Oito. re Arnold, CTochter N. xWalger. un nr 2 Adolph. et Dietrich. ak m o N) a: — Conrad, Denrich Gerbrand, | —— — — — Glraf von Culemburg. Adolph. oh Shendor, Arnold. Ansfried, ı ——— — *derlletzte. —— — Arnold, Theodor. < Eberhard, ee) °s 4 Graf von der Marf. ä! _ —— e ——— — " Sheodor, Are Z Arnold, — Er A: 5 | i tammvater. E| — —— * Be von. il | imburg und . — Theodor, Adolph. * Otyrum. 94 Theodor. Engelbert. “ Theodor, Eberhard, 4 Theodor. Engelbert, i. „A — — w —— J *Serhard " elifaberb, Otto, Theodor, Johannes, de Penoys. f [a v — — — — Joh.v. Arckel. Irmengard. Margaretha. — Eberhard, Nenn — * Herr von Aremberg n EIN? Graf von Cleve. Gerhard, Graf zu der Mask,” T Adelph 1, Herzog von Ceve und Graf zu der Mark, Fra) Johann 1, Adolph von Ravenſtein. a Philipp ſt 1528. J a sr * Johann 2, Engelbert, Graf zu Nevers, 7 1 Cark 4 4 4 Franz, ä [ r * N > Rn Franz, 1, Henrierre Ludwig Gonzaga. & | „Johann 3. | $ Roh, Fri Be * * 4 „od. Friedr. Churf. zu Sachſen. Sybille, SUN H gs 2 Albr. Friedr. Herz. v. Preuſſen. Maria Eleonora, Inna, Magdalena, 4J — 2Gemal: Phil. Ladw Gemal: Joh. Pfalz⸗ | Doh . Siegm. Churf. v. Brandenb. Anna, Palgr. v. Reuburg. el au X — * Georg Wilhelm. Wolſang Wilhelm, uagut e . von Neuburg. von Sulzbach. SH J Churfuͤrſt Johann Sigismund. goĩ — Berten. Ravensberg. Juͤlich. Geldern. 1609, IE OR B | * 2 : a. ; —— | int | " - E i A 2 } 3 d ® = Ense? Ser 2 Be. _ Oraf von Bergen: u “ ir Re Bien 3+ — oh, . Engelbert, Herrmann von I a. 4 — En - Eatvelle, Gerhard 4 Oito ı, "Henrich, Margaretha. ! ———— 9 ab ara * * Wilhelm 4. nei ar | Hermann. Wil —* — gr a — F ) in } * ET Ludwig. Walram. re Be R12 099. ur + r v. e en. —D——— Be Gem x Ar = ® „ Otto 2. Bi htm 6. Reinhold x — — re Gerhard u Reinhold wi. ä 1 ER 3 - Bilhelmy. | m ———— Bernhard. Otto 3 | Bi | | — ti | Margaretha. —9— | Gerhard, { . Withem 2 Marie. L. > 2 Be sh | — nal c i — > Wilhelm, Wilhelm g, Reinald. Johanna, . Herzog von Bergen. Gemal: Johan En A 4 von Arckel. — En, e NETTE I e * Adolph, — Svehann Egmond. Marie. * E Sobert, Gerhard, | Fer. & Wiilhelm. Wirb Mei | —— "art —— Seitfaberh, Sybille, Zoh. Wilhelm, ſtarb i575. farb jung, Gemals; N Philipp Marg⸗ der leßte, graf von Banden. farb 160m 3) Earl von Defterreich | Marggraf von Burgau. J. au 1609; Die ſuͤlichſche erbſchaft wird erledigt. 502 3Th. » Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. or j m RUN | $.. 2u. TEE Es betrafdiefe Erbfihaft bie Herzogthuͤmer Juͤlich, Eleve, Bergen, die Grafſchaf—⸗ ten Marf und Ravensberg, die Herrfchaften Ravenſtein, Breskeſand und Win: 4 nenthal, ohne derer erheblichen Rechte und Anſpruͤche zu gedenken, die damit verknuͤpft waren. Ob wir gleich die ausführliche Geſchichte dieſer Länder unſern Leſern erſt kuͤnf⸗ tig vorlegen koͤnnen, ſo muͤſſen wir jedoch, um die Gruͤnde derer einzuſehen, die ſich zu dieſer reichen Erbſchaft berechtiget hielten, ein und das andere aus der Geſchichte vor⸗ ausſetzen. Alle bemeldete kande waren anfänglich nur Grafſchaften und Herrſchaften, die aber lange fo groß nicht gewefen, als fie nachmals. wurden. Ein jedes davon hatte feine eigene Herren, bie ihr fand durch Kauf, durch Pfandrecht und andere Foftbare Mittel, auch durch Heivaten und Erbfhaften, mic mehren Erbländern — und dadurch zu vorzuͤglicher Macht und Auſehen kamen. Dies bewog bie Kaiſer, Standeserhebungen vorzunehmen. Wilhelm Herzog von Juͤlich und Iergen ward 1339 vom Kaifer Ludwig 4 p und 1356 vom Kaiſer Carl 4 zum Herzog. di efer $ kai * erklaͤret; fo wie Adolph von Cleve vom Kaiſer Sigismundo auf ver coffnisifcjen Kirchenverfammlung zum Herzog von Cleve ernannt worden, Der letztere befaß auch die Grafſchaft Mark, und machte, mit Genehmhaltung ſeiner fandeaftände, ı 18 Die, £ ausdräcfliche Verordnung, daß feine Länder Fünftig ewig beifammen Steben, Anbrnid, — dem Recht der Erſtgeburt, auch auf ſeine weiblichen Erben fallen ſolten · ¶Dieſes Grund» — geſetz iſt nachher beſtaͤndig beobachtet, und öfters durch Eidesleiſtungen beſtaͤtiget wor ⸗ den. Nach und nach waren alle gemeldete Sande unter zwey Herren, nemlich Wil⸗ helm Herzog von Jülich und Bergen, und Johann 2 Herzog von Cleve und Gras fen von der Mark, gefommen. Dieſe befchloffen 1496 eine Hetrat unter ihren Kin -· dern. Johann 3 von Eleve folte die julichfche Prinzegin Mariam zur Gemalin — men, und mit ihr Juͤlich, Bergen und Ravensberg zum Heiratsgut bekommen. Zugleich wurde verordnet, daß alle diefe Sande ewig ungetheilt beifammen bleiben, und, nach dem Recht der Exfigeburt, auf den Todesfall der männlichen Nachkommen, auf 3 die aͤlteſte Tochter fallen ſolten · Diefer- Ehevergleich war auch verſchiedentlich von den E Kaifern beſtaͤtiget. Hieducch kamen alfo ısır, nachdem Tode Herzog Wilhelmsvon Juͤlich alle deſſen Staaten an feinen Schwiegerfohn Johann 3 Herzog von Cleve. | Ohnerachtet nun alle diefe ändern, in fo weit fie Lehne waren, eben die Beſchaf / fenheit harten , die feit undenflichen Zeiten bey andern in diefen Gegenden befindlichen tehnen ftattfand, daß nach Abgang der maͤnnlichen Nachkommen auch die Töchter nd deren Erben zur Nachfolge gelaffen wurden, fo hatte doch der Kaifer Friedrich 3 den 8 zöften un. 1483 dem Herzoge Albrecht von Sachſen die Anwartfchaft auf Juͤlich 3 und Bergen auf den Fall ertheilet, wenn durch den Tod Her;og Wilhelms oder auf a andere Weiſe diefe tande dem Neich anfallen. würden. .. Ohnerachrer nun Herzog Wil ⸗/ helm hievon gar feine Wiſſenſchaft hatte, fo_beftätigte doch Kaifer Marimilian ı ve ⸗ nen beiden füchfifchen Brüdern Albrecht und Ernft 1486 die Anwartſchaft auf Zi I lich und Bergen, unter der Bedingung, wenn nach Abgang der männlichen ‚Erben \. = % '% * * dieſe — A * x * — — BE — ER ARE A Fr ze rn Churfinft Zohan Sigiemmd.“ © 503 dieſe nder eröfrtek wuͤrden. Dies bewog den Herzog Wilhelm von Juͤlich und den Herzog Zohann von Eleve, ohne Abbruch aller ihnen ohnedies zuftehenden und feit undenklichen Jahren beobachteten Erbrechten, zu mehrerer Sicherheit und zum Ueber⸗ fluß blos ihre Nechte gegen Sachfen auffer Zweifel zu ſetzen, den Kaifer Marimilian von der wahren Beſchaffenheit diefer tehne zu unterrichten, und 1508 den Zreiheitsbrief von demſelben zu erhalten, daß Herzog Wilhelms Prinzeßin Maria ofnfreitige Er⸗ Bin von Juͤlich und Bergen fern ſolte. Eben diefer Kaifer Maximilian ı beftätigte ‚nicht nur unter dem. ten May 1509 eben diefes Erbfchaftsrecht der Maria, fondern “ hob auch aus rechtem Wiſſen zum’ gemeinen Beften, aus eigener Bewegung und-Fals ferlicher Macht, alle Anwartſchaften auf, die Jemanden durch ihn und feinen Vater Friedrich) 3 auf Zuͤlich und Bergen ertheilee worden. Eben diefer Kaifer verfprach in einer Urfunde vom ısten Zul. 1516 dem Herzog Johann 3 von Jülich, Eleve und Bergen auf das hHeiligfte, daß er ohne des Herzogs Zuthun und Wiedererſtattung das Hals Sachſen wegen der erhaltenen Anwartſchaft fo zufrieden fteilen wolle, daß folches ſich dieſer Anwartſchaft gänzlich begeben ſolte. Noch in eben diefem Jahr trug rk die Vollmacht auf, an feiner Statt den Herzog Johann und feine Gemalin Mariam mir Zuͤlich und Bergen zu belehnen. Aus ver Ehe Jo⸗ hanns az von Eleveund Mariä von Juͤlich und Bergen war ein einziger Sohn Wil⸗ helm und drey Töchter erzielet. Eine davon, Sibylla, hatte den letzten Churfürften von Sachſen, aus erheftinifcher tinie, Johann Friedrich geheiratet. Die zweite Ars Na ift eine Zeitlang Henrichs 3 Königs von England Gemalin gewefen; die dritte - Aemilia aber unvermälc geblieben. Mach dem Tode des Vaters folgte alfo deſſen eins jiger Prinz Wilhelm der Neiche 1539 in allen von feinen Eltern auf ihn gebrachten Staaten. Er vermälte ſich mit Darin, des nachmaligen Kaifers Ferdinand ı Toch⸗ ter. Der Kaifer Carl 5 ertheilte ihm zum Ueberfluß 1546 aufs neue die Beſtaͤti⸗ gung des Rechts, daß in feinen Staaten auch deffen Töchter zur Regierung und Nachfolge gelangen folten. Kaifer Yerdinand ı beftätigte,1ssg, Mearimilian 2 1566, Rudolph 2 1580 den Ehevergleich von 1496 und zugleich die feit langer Zeit eins geführte Erbfolge, nach dem Necht der Erfigebure. Nun Hatte Herzog Wilhelm ver Reiche zween Söhne Earl Friedric) und Johann Wilhelm und 5 Töchter: 1) Ma⸗ riam Eleonoram, Herzogs Albrecht Friedrichs von Preuffen Gemalin, 2) Ans nam, Philipp Ludwigs Pfafgrafen von Neuburg Gemalin, 3) Magdalenam, % Palzgraf Johanns von Zweibrück Gemalin, 4) Sibyllam, die anfänglich an Phi⸗ lipp Marggrafen von Banden, nachher an Earl Marsgrafen von Burgow vermaͤ⸗ fet worben, und s) Eliſabeth, die, ehe fie mannbar geworden, fehon verſtarb. Bon Biefen Kindern ftarb Carl Friedrich 1575 zu Rom unvermält. Der zweite Prinz Johann Wilhelm verließ daher den geiftlichen Stand, und beerbte feinen Herrn Bar ter in allen Staaten. Als aber fehon vorher 1572 die Prinzefin Maria Eleonora mit Albrecht Friedrich von Preuffen verlobt wurde, richtete man den Ehevergleich, denen alten Verträgen von 1418 und 1496 vollfommen gemäß ein, fo daß ihre Eltern bes 1609. 1609- 504 3%. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Gesiige und. Seffoffenz „san Wir Herzsg Wilhelm-ımd Darin Geryagin zu Juͤlich, Cleve ic. Feine Männliche Erben lebendig hinterlaſſen würden, oder die, fo wir laffen, fürter Feine Erben verlieſſen, alsdann follen unfere Fuͤrſtenthumb Juͤlich, Cleve und Bergen, die Graffſchafft Mare, Ravensberg und. andere Herrlichkeis ten, ſampt alten Guͤtern, Eins und Zubehörungen, an- und zufälligen Gerechtigkeiten mit fanden und Leuten, wie wir oder unfere Männliche Erben das gebraucht oder haͤt⸗ ten gebrauchen mögen, am gedachte unfere eltefte Tochter, Fräulein Maria Eleono⸗ hiebevor erlangten und beftetigten Kayferlichen Privilegiums, kommen und vererbet ſeyn Vnd do der Falk gefchähe, daß beede unfere geliebte Söhne, Earl Friedrich und Jo⸗ hann Wilhelm ohne teibes Erben verſchieden, und alfo dann obbemelte unfere Fur⸗ ftenthumb und lande an unfern geliebten Eidam Herzog Albrecht Friederichen und um fere elteſte Tochter Maria Leunora und jhre Erben Fommen und fallen wuͤrden. Iſt fürter abgeredet, daß auf ſolchen Zall, durch ung Herzog Albrecht Friedrichen, oder unſere Erben und Nachfommen zu und neben den 25000 Goldguͤlden zu einer jeden, der andern unfer Herzeg Wilhelms dreyer Töchter Heyrathgut 200000 Gofogülden, oder derer rechter Werth für alle Gerechtigkeit, fo ihre Ubden an allen verlaffenen landen Haben möchten, vergnuͤget werben follen u. f w. ,, - Man fam nachher diefem Ehever⸗ gleich treulich nach. Denn als 1574 die zweite Prinzeßin Anna mit dem Pfaljgrafen Philip Ludwig von Neuburg verlobt ward, hieß «s in deſſen Ehevergleich: „Wo sinfere gefiebtefte ältefte Tochter auch ohne eheliche Leibes Erben, dafiir Gott der Al mächtige ſeyn wolle, mit Tode abgehen folre, iſt abgeredet, daß vielberuͤhrtes une Sräufein Anna, ale nach Frau Marin Leonora bie eltere, oder derſelben eheliche feis bes Erben in derfelben unfer eltern, Tochter oder derſelben abgeftorbenen leibes Erben Fußſtapfen treten, und alles dasjenige an Landen und teuten, Fahrnuͤß und andern, für | big und Exben ſeyn follen, als wie vorgemelte Frau Maria Leonora oder ihre eheliche teibes Erben hatten feyn follen, oder gewefen wehren. „ Hierauf hat die Anna fr wol als der Pfalzgraf, die von allem wohl unterrichtet waren, eine Urfunde eigenhäns dig unterfehrieben und befiegelt, wo fie fich nichts, als auf den in dem Ehevertrage be⸗ ſtimmten Fall votbehielten. Ehen fo hielt man es bey der Verlobung der dritten Prin⸗ sein Magdalena mic Pfalzgraf Johann 1579 und der vierten Sibylla mit dem Marggrafen Dhilip von Baaden 1589. Zum Ungtüc war die Maria Eleonora 2608 dem aten Jun. zehn Monat wor ihrem Bruder dem legten Herzog Johann Wil⸗ helm mic Tode abgegangen, und hinterließ nun Tochter, davon die ältefte Arına mit dem Churfürften von Brandenburg Johann Sigismund. vermäle war, und dems felsen ven Georg Wilhelm und andere Kinder geboren hatte, Endlich gleng Johann Wilhelm 1609 den 2sften Merz nach, langwieriger Seibes- und Gemuͤtheſchwachhelt zu Grabe m). | ") Eefhenittächer Ann, Iuliae otd. ra, unfers zufünffiigen Eidams Herzog Albrecht Friedrichs Gemahl, und jürer ben | der Adden Erben, ob fie die mit einander zeugen werden, krafft und Inhalts Darüber J x * ⸗ Ar a ce Churfuͤrſt Johann Sigismund. 505 RR $. 212. 1698 Man hatte diefem Todesfall fhon zu lange entgegen geſehen, und die von ihm Dier erh: verlaſſene Erbſchaft war viel zu groß, als daß folche nicht die Begierden vieler Herren BR Pt Härte vege machen follen, die Zeit genug hatten, ſich auf Gründe und Maaßregeln zu ber. ad beſcſinnen, was ihnen anftändig zu verlangen, und, fo viel ihnen möglich, davon an ſich zu ziehen. Manche ſchaͤmeten fic) niche, ſelbſt ohne Schein des Nechtens blos ihre Vortheile zu Rathe zu ziehen, Andere brachten fo viel Gründe vor, als fie auftreiben Eonten, und verlangten theils einzelne Stücke diefer Erbſchaft, theils auch alles zufams men, was ber Iehte Herzog Johann Wilhelm verfaffen Harte. n Die Spanier hatten ein Auge auf diefe Länder, teil fie ihnen fehr gelegen wa ⸗ Sie ſtehet den ren. Der Beſitz derſelben ſchloß die vereinigten niederlaͤndiſchen Provinzen faſt gaͤnz⸗ Spaniern, lich ein, und dadurch waͤre es ein leichtes geweſen, die Utrechter Verein uͤber den Haufen zu werfen. Sie hatten ſich ſchon eine Zeit her in denen Staaten des letzten ‚Herzogs aller Freiheit bedienet. Sie wuͤnſchten, ſolche beibehalten zu koͤnnen. Sie ſahen voraus, daß folches nicht gefihehen wärde, wenn folche einen mächtigen Herrn - "befämen, der noch überdies der evangelifchen Religion zugerhan ſey. Ohnerachtet fie mit denen Holländern in diefem Jahre den befandten zwölfjährigen Waffenſtillſtand getroffen; fo glaubten fie jedennoch, daß noch eine Zeit Fommen werde, worin fie fich der fieben vereinigten Provinzen wieder bemächtigen koͤnten. Sie wünfthren daher dieſe Erbſchaft einem ihnen geneigten catholifchen Herrn in die Hände zu fpielen, oder wenigſtens folche getheift zu fehen, und bey beiden Umftänden fo viel Vortheile, als moͤg⸗ lich, zu ziehen. Von denen catholifchen Neichsftänden mufte man ebenfals befuͤrch⸗ ten, daß folche, aus Neligtonseifer, diefe wichtige Erbfchaft keinem proteftantifchen Heren, fo gegründet auch immer deffen Recht feyn mochte, gönnen würden. Es har ben auch nachher fowol die Spanier, als die catholifchen Neichsftände, alle ihre Kaͤfte angewandt, diefe Erbſchaft ihren rechtmäßigen Erben zu entziehen. J Anm allermeiſten war von dem kaiſerlichen Hofe zu befürchten, der zu Rudolphs 2 ſonderlich dem = Zeiten feine eigene Hausvortheile mit Recht und Billigfeit verwechfelte, und feinen Nu—⸗ kaiſer, an, gen mit der Gerechtigkeit vor eine und diefelde Sache hielt. Er erfannte zwar, daß er Feinen Schein des Nechtens zu allen diefen tändern habe, umd doch waren fie zu weit Täufig, als daß er folche zu befißen nicht gewuͤnſcht hätte. Der Faiferliche Hof verlangte ausprücklich von dem Vicefanzier Levin von Ulm), daß er alle Spigfündigfeiten auffordern folte, um dem Kaifer einen Weg zu zeigen, zum Befig der julichfchen Erb» fehaftsftücte zu fommen. Was war es Wunder, daß diefer groffe Rechtsgelchrte feis ne Feder feil machte, und ein Bedenken ausftellte, welches der Abficht des Kaifers vollfommen gemäß wär? Zum Glück wolte fich hiezu Fein anderer Weg äuffern, als ber erftaunendefte Misbrauch des Faiferlichen oberrichterlichen Amts. Rudolph 2 folte fich des Vorwandes bedienen, daß auf diefe Erbſchaft viele zugleich Anſpruch mach⸗ ten. RT RR € 1 147% [#7 x ud J we — 8 ee), $ * un Pe — „er J vr a) Lünich feript. ſelect. P. allg. preuß, Gefch. 3Th. | 838 506 3Th. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1609. ten. Dies folte ihm Gelegenheit geben, ſich der ganzen Erbfchaft zu bemächtigen, s und bis zur rechtlichen Erfäntniß die Bermaltung der Regierung und der Einkünfte zu behaltın. Es war natürlich, daß diefer Nechtshandel, wegen der Menge derer, bie darauf Anfpruch machten, und ihrer Gründe ſich faft verewigen würde... In Diefer Zeit folte der Kaifer einem der Streitenden, der der Sache-müde und an einem glück, lichen Ausgange verzweifelte, feine Anfpräche abfaufen. Es. wäre zu vermuthen, daß man folche eben nicht zu hoch anſchlagen würde. Der Richter würde hierauf von felbs ften ermeffen, vor welchen ftreitenden Theil das Urthel ausfallen müfte. Wäre der Kaifer einmal im Befis, fo Fönte er fich der fpanifchen Huͤlfe fowol, als des Beiſtan⸗ des der Papiften bedienen, um allen Klagen über die Ungerechtigkeit eines. folchen Urs thels abzuhelfen, und alle Gegenbemühungen fruchtlos zu machen. Die Gefchichte kann in der That wenige Beifpiele anführen, wo man auf eine folche unerhörte Art ſelbſt das heilige Amt eines Richters in einer fo ‚wichtigen Sache zu feinem Vortheil misbrauchen wollen. Bey alle dem war die Perfon des Kaifers, noch mehr aber der fiheinbare Vorwand zu befürchten, unparteiifch zu Werke zu gehen, und vor alle, Die da Anfpruch machten, auf eine gleiche Art zu forgen. Wir wollen aber dieſen verhaßs ten Vorwurf verlaffen, und von denenjenigen fprechen, die ihre Anfprüche mit einigen Gründen zu unterftägen füchten. Einige darunter machten nur auf einzelne Stücke Anfpruch. | Die Hollaͤn⸗ Die Holländer, oder, beffer zu fagen, die Provinz Geldern, verlangte einige ee Päge, als Lymmers u. f w. unter dem Schein, daß ſolche von den bisherigen Hers eheite. ten diefer Erbſchaft nur als ein Unterpfand befeffen worden. Man erbot ſich, das dar⸗ auf haftende Geld zu erlegen, und die in Anſpruch genommene Güter alfo wieder ein, zulöfen. | * Manderſcheid Der Graf von dee Mark und Manderſcheid und der Herzog von Bouillon ze on hielten fich blos zu der Grafſchaft Mark bercchtiger, und vermeinten, daß diefe Graf⸗ araffhafe ſchaft als ein Mannslehn an fie, als Schwerbmagen, kommen muͤſte, dafievon Eber⸗ Mart Haben. Hard Grafen von Arnburg dem jüngern Sohn Engelbertög Grafen von der Mark, in gerader Linie abflammten. EN Der herzog Der Herzog von Nevers und Mantua Carl Gonzaga verlangte ; in Abſicht von Mantua giebt fich ala Herzogthums Eleve und ver Graffchaft Mark, mit zur Theilung gezogen zu wer» miterben yon den, weil er mütterlicher Seite in gerader linie von Engelbert dem jüngern, Sohn Cteve und der des Herzogs von Eleve Johann ı, abſtamme. Mark an. ehe „Die beiden jüngften Schweſtern des letztern Herzogs, Magdalena Pfalzgräfin und Burgau don Zweybruͤck und Sibylla Burggräfin von Burgau, wolten mit ihrer noch leben⸗ —* hung den Schwefter Anna Pfalzgräfin von Zweybruͤck, vermöge des Gnadenbriefes, wel⸗ — — chen Kaiſer Carl 5 denen Toͤchtern des Herzog Wilhelms ertheilt, in denen behnen zu theifen, gleichen Theilen erben, in den Exrbgütern aber folten auch die Rinder der verftorbenen älteften Schweiter, der preußifchen Herzogin Maria Eleonora, in die Stelle diefer ihrer Murter treten, und alfo zur Miterbfchaft gelaffen werben. Das u # % i — 3 Ki + N = Ei Nr 4 — Churfuͤrſt Johann Sigismund. 507 Das geſamte Haus Sachſen gab alle dieſe kaͤnder vor rechte Mannslehne aus, 1609. und verlangte, nach der von den Katſern Friedrich 3 und Maximilian ı erhaltenen Sachſen wit Anwartfehaft, nad) nunmehro abgegangenem Mannsſtamme, wenigftens in Zuͤlich ſie ganz haben. und Bergen, zu folgen. Die erneftinifch > ſaͤchſiſche linie aber berief ſich noch übers Dies auf ven Ehevergleich, der bey Gelegenheit der Heirat des Churfürften von Sachs fen Johann Friedrichs mit Sibylla des legten Herzogs Vaters Schweſter getroffen worden, um als Erbe der ganzen Verlaſſenſchaft angefehen zu werden. Wolfgang Wilhelm Pfalsgraf von Neuburg hielt fich gleichfals auf die ganze Eben dies ver. Berlaffenfchaft berechtige. Denn obwol alle dazu gehörige Länder eigentlich rechte langt Neu: rg Mannslehne wären, fo habe der Begnadigungsbrief Kaifer Carls 5 darin in fo fern eis Bu ne Yenderung getroffen, daß die Schweftern des legten Herzogs und ihre inännliche Libeserben zu dieſer Erbfehaft fähig erklaͤret worden. Weil nun die aͤlteſte Schweſter, die preußiſche Maria Eleonora, den Erbſchaftsfall vor ihre Perſon nicht erfebet, auch Feine männliche teibeserben hinterlaffen habe; fo müfte, nach dein carolingifchen Gna⸗ denbriefe, dieſe ganze Erbſchaft auf die noch lebende pfalz / neuburgiſche Annam und ihren älteften Sohn ven Pfalgrafen zu Neuburg Wolfgang Wilhelm fallen. Der Ehurfürft von Brandenburg Johann Sigismund verlangte aber eben und Branden- - fals, daß feine Gemalin Anna und deren Prinz; Georg Wilhelm als allgemeine Erz burg. ben der ganzen Berlaffenfehaft angefehen wuͤrden. EB 02 0.7 028, Das Churhaus Brandenburg gründete feine Anforderung auf folgende Stücke: Brandenbnes A I. Mile diefe känder wären ihrer erfien Beſchaffenheit nach, nach Frankenrecht, page iwelches bereits lange vorher beobachtet worden, ehe Die Feßnögefege in Italien zuſam⸗ year. augcic, mengefragen worden, zu beurtheilen. Diefer Befchaffenheit nach koͤnten die ehne nach ter dieſe lande Frankenrecht, wie Erbſchaftsſtuͤcke veräuffert, und durch letzte Willen vermache wer, erben Finnen. den. Es Fonten in denfelben forol Mannsperjonen als Frauenzimmer folgen, doc) JJ fo, daß die erſtern den leztern und der ältere dem jüngern vorgienge. Die franzoͤſi⸗ ſchen und niederländifchen gröffere und Fleinere ehe wären von dieſer Defchaffens heit. Die clevifchen Erbſchaftsſtuͤcke harten ) ohne Streit. ehemals" zu Nieder⸗ deutſchland gehörer, und ob fie wol nachher zum weſtphaͤliſchen Kreife gefchlagen worden, fo wäre ihnen dadurch doch die feit undenklichen Zeiten eingeführte Beſchaf⸗ fenheit nicht benommen worden, die auch darin beftändig fatc gefunden. 2) Darum babe a) in Eleve Beatrir, Dietrich Herrn von Cleve und der Beatrix Gräfin von Teuſterband einzige Tochter, die Herrſchaft Eleve ihrem Ehemann Elia Grajo zu äugeheiratet. Daher folgte 1368 dem Grafen Johann von Eleve feines Bruders Dietrichs und Margarethen von Geldern einzige Tochter Margaretha, die an Adolph Grafen von ver Marf vermäle war, und deren Sogn Adolph 5. Sie hät te zwar gleich ihren Bater Dietrich beerben follen, überließ aber freiwillig ihrem alten 2 | Sss 2 un⸗ 2) Ein Verzeichniß der Deductionen hat Ditmar in Not, ad Tefibenmacher Ann, Inlige ete. und Zünich in Biblioth. Deduct. 1609. 508 3%. 9 Haupt, Neuere Geſchichte von Brandenburg. unbeerbten Better das fand, und behielt fich blos den Anfall vor, den ‚auch ihr Sohn erhielt, weil die Margaretha, als Bruderstochter, dem von Arckel, der ein Schwer fterfohn Johannis gewefen, mach Lehnrecht vorgieng. Darum verglichen fich die beiden Brüder Adolph und Engelbert, Grafen von Eleve und ver Mark, fo wie es 1318 gefehehen. Darum gedenfet Sigismundi tehenbrief tiber Eleve 1417 überhaupt der Erben und Nachfolger für und für. Dies erweifet Adolphs Herzogs: von Eleve Bereinigungsvergleich von 1418. Pfalz: Neuburg Habe folches felöft erkannt. In dem über die mit Eleve vereinigte Herrfchaft Gennep vom Kaifer Carl 4 ertheilten tehndrief von 1356 fen der weiblichen Lehnsfolger ausdruͤcklich gedacht. Endlich fo habe Theodoricus Graf von Eleve 1229 mit feiner Gemalin Mechtild die Herrſchaft Dynß⸗ lacken erheiratet. Alles dies, fagt Brandenburg, erweife, daß im Elevifchen die Töchter unftreitig haben folgen Fonnen. b) Eben dies kann von der Graffchafe Mark erwieſen werden. Als Kaifer Ludwig 4 den Grafen Engelbert von ver Mark wegen feiner Empörung in die Acht erflärete, beliehe er mic der Grafſchaft Theodoricum Grafen von Eleve und feine eheliche teibeserben, worunter allerdings auch die Töchter zu verftehen, befonders da Theodoricus Feine männliche Erben harte. Theodorici Tochter Margaretha brachte diefe Grafichaft ihrem Gemal Adolph 4, des jeßigemels deten Engelbertö von der Mark Sohn, zum Hetratsgut zu. Der Margarethe Sohn Adolph 5 mufte deswegen, laut den brüderlichen Verträgen, feines vor ihm verftorbenen Bruders Engelbertd Tochter, die an den Grafen Johann von Naſſau vermält war, ihr Erbrecht mit. einer damals ungeheuren Summe von 18000 Goldguls den abfaufen. Das Recht der Töchter zur Nachfolge in der Mark fonne auch durch die groffe fändervereinigung des erften Herzogs von Cleve Adolphs und durch die haͤu⸗ figen Berzichtleiftungen und Vorbehaltungen der clevifchen Prinzeftnnen erwieſen wer⸗ den... c) Da NRavenftein in Brabant belegen, fo ift dadurch zugleich bewieſen, daß auch Töchter darin zur Nachfolge fähig find. d) Bon Bergen und Ravensberg laſſe fich folches ebenfals dartfun. Dem Ydolph 4 Grafen von Bergen folgte feine einzige Tochter Margaretha, die an Henrich Herzog von Limpurg vermält war, ohnerachtet fie ihrem Better Engelbert Erzbifchof von Coͤln auf Zeitlebens gegen ans fehnliche Jahrgelder die Regierung des tandes freiwillig überließ, dem fie und ihr Sohn Adolph auch folgte, ohnerachtet der Graf von Altena und der Marf ein männlicher ©eitenverwandter war. Es gefchahe folches nicht aus Gnade des Kaifers, weil eine ſolche Gnade zum Machtheil der tehnsvettern, die einmal berechtiget find, nicht Mag greifen Fann. Einem andern Grafen. Adolph von Bergen folgte feine Tochter Marz garetha, die an den Grafen Otto von Ravensberg vermäfer war, und diefen beiden Eltern die Tochter Margaretha, welche Bergen und Mavensberg ihrem. Gemal Gerhard von Juͤlich zubrachte. Der legte wurde vom Kaifer Ludwig den Baiern befehnee, welches daher gefchahe, weil feine Gemalin die Faiferlichen Hoflehnsdienſte nicht verrichten Fonte. Sie ward jedoch 1349 von Carl 4 beliehen. Endlich brachte Maria, Wilhelms Herzogs von Zulich, Bergen und Grafen von Ravensberg Churfürft Johann Sigismund. | 509 Tochter, alle dieſe tänder ısıı ihrem Gemal Johann 3 Herzog von Cleve zum Hei⸗ vatsgut zu. e) Juͤlich ift ehemals mit Geldern und Zütphen unter einem Herrn verknuͤpft geweſen, welche letztere Laͤnder ohnfireitig auch auf Töchter fallen Fonnen. Daher konte Reinhold, der Tegte Herzog von Geldern und Jülich, diefe Länder feis ner Schweſter Johanna Mann Zohann von Ardel im legten Willen vermachen. Aus diefem Grunde machte Arnold von Egmond wegen feiner Mutter rechimäßigen Anfpruch auf das Herzogthum Juͤlich, nur daß deffen Sohn Adolph durch feinen Aufftand gegen den Vater fich diefes Nechts verluftig machte. Die Herzoge,von Juͤ⸗ lic) und Bergen haben den vierten Theil des Herzogthums Juͤlich an die Grafen von Blankenheim völlig abtrecen Eonnen. Als die letztern ausgejtorben, fahe der Kaifer folchen vor erledige an, und erlaubte den Herzogen von Juͤlich, denfelben wieder zu ihr ren Staaten zu fchlagen. Der Kaiſer Maximilian ı erfannte ſelbſt in der an Sach⸗ fen gegebenen Anwartſchaft, daß er Jülich eben fo, als Geldern, vor ein fand er⸗ fenne, worinnen die Töchter zur Nachfolge fommen Fonten.- Als der Kaifer Ru⸗ dolph 1273 dem Grafen Wilhelm von Juͤlich die Schtöffer Leidenberg, Eafter und Woring zu sehn gab, gejchahe folches vor feine männliche, und nad) deren Abgang weibliche teibes Erben. In denen Belehuungsurfunden vor die Herzoge Gerhard und Wilhelm von Jülich gefchieher derer tehenserben überhaupt Meldung, worunter. nach Befchaffenheie diefer dehn allerdings auch die Töchter gehören, welches Neuburg gegen Sachfen ſelbſt geftanden. 3) Es Fann die Lehensfaͤhigkeit der Tochter in diefen landen auch durch Familien und Eheverträge und Faiferliche Urfunden dargethan werden. Denn fo bat Adolph ı Herzog von Eleve 1417 und 1418 mit feinen kandftänden, in Abficht Eleve und ver Marf veſtgeſetzt, daß nach Abgang des Manusſtamms die ältefte Tochter und deren Erben von Erben zu Erben zu ewigen Zeiten folgen, und den andern Schweftern Abfindung thun folte, als das reblich und gewöhnlich iſt. In Abſicht Zuͤlich, Bergen und Ravensberg erkannte ſolches Marimilian ı, da er den sten Febr. 1496 des damaligen Herzogs Wilhelms Töchter in diefen fanden vor lehensfaͤhig erflärer. Als am Tage Eatharind 1496 die Heirat zwifchen Johann 3 von Eleve und Maria von Juͤlich von beiverfeitigen Vätern gefchloffen wurde, fo en ver Marin ihres Baters Sande zum Heiratsgut angewiefen, und felbige mit den clevifchen Staaten fo vereiniget, daß die Maria und ihre feibeserben felbige allein ha⸗ ben, ihre etwa noch folgende Schweftern aber geiftlich werden, oder mit Gelde abges fünden werden foltem, ohne daß in Abficht der teibeserben die Nachfolge blos auf die männlichen eingefchränft worden. Diefe wichtige Verordnung haben die Kaifer Ma⸗ ximilian 1.1498, -1508 und 1509, Ferdinand ı 1559, Maximilian 2 1566 und Ru⸗ dolph 2 1580 ausprücklich beftätiger. Selbſt Carls 5 Verordnung von 1546 hat ihr tem eigentlichen Berftande nach nichts neues beftimmen, fondern blos durch die Wor⸗ te: wie es feine Vorfahren gehabt, beſeſſen und gebraucht, das alte Recht beftätigert sollen. Die Eheverträge zreifchen Churfuͤrſt Johann Friedrich von Sachfen und der cleviſchen Prinzegin Sibylla von 1526 ſowol, als ihre Berzichtleiftung von 1327, J Sss 3 worin 1609. 1609. so 3%. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, worin die Worte ftehen: fo foll aledenn uns Frauen Sibyllen unbenommen feyn, was. eine ältefte Tochter, nach Gewohnheit der Häufer Jülich, Cleve, Mark und Kavensberg, bildigerblich ererben full, „,. beweifen eben Dies. daher fich auch die era neſtiniſche tinie darauf besieher, und Ehurfürft Chriſtian ı von Sachfen in einem an den Marggrafen Georg Friedrich von Lebus ven ızten Auguſt 1590 abgelaffenem Schreiben eingeftehet, daß alle dieſe Länder keinem, als der preußifchen Marin Eleo⸗ nora, ald der nächften Erbin, zugehoͤreten. Auch Neuburg bat geſtanden, daB diefe Fuͤrſtenthuͤmer und tande durch Heirat vereiniget und zuſammen gebracht worden; daß diefen uralten Landesverbuͤndniſſen die nachher aufgerichtete ſaͤchſiſche Ehevergleiche keine Hinderung chun Fünnen; daß aus den Erb und tandverträgen von 1496 erfheine, wie bereits fihon Damals (alſo vor dem carolingifchen Freiheitsbriefe) mic Bewilligung und Berfprechen der ganzen tandfchaft Die Berordnung gemacht, „daß nad) Abgang der Erben Mannsgefchlechts jederzeit nur die ältefte uͤberlebende (diejes letzte Wort ift in feinem Hausvertrage befindfich) Tochter in den untheilbaren fanden folgen folle. ,,. Da’ Juͤlich, Bergen und Navensberg mit Eleve und Mark auf ewig vereiniger wor⸗ den, fo haben Jene wenigftens ſeit der Zeit eben die Natur befommen, die dieſe gehabt, folglich daß nach abgegangenem Mannegefchlecht Die Tochter, nach dem Necht ver Erſt⸗ geburt, folgen koͤnnen, fo daß allemal bie ältefte mie ihren keibeserben die andern und! deren Nachkommen ausfchlieffen. Eben dieſes ſetzen auch die Exbverträge mic Preuß) fen von 1572, mit Neuburg von 1574, mi Zweibrüd von 1579 und mit Burgau von 1589 veſt, daß erſt die Söhne Wilhelms, und wenn die Feine Erben verlieſſen, die aͤlteſte Tochter und deren leibeserben, und wenn bie nicht mehr wären, bie andere Tochter und neven Seibeserben u. fi ww. folgen folten. 4) Das Recht ver Tochter, in dies fen fanden zu erben, ergiebet fich auch aus denen häufigen Vorbehaltungen der Prin⸗ zeßinnen an tanden und Leuten, in dem Fall zu folgen, wenn die männlichen Mache kommen abgeftorben wären. So machte es Margaretha Gemalin des Herzogs Wil⸗ helms von Bayern 1433, Eliſabeth Gemalin Graf Henrichs von Schwarzburg: 1430, Helena Gemalin Herzogs Henrich von Braunfchweig 1436, Catharina Ger malin Arnolds Herzogs von Geldern 1466, Anna Gemaſin Königs Denrichs 8 von England 1539, Sibylla Gemalin Fohann Friedrichs Churfürften von Sach⸗ fen 1527, Maria Eleonora Gemalin Friedrich Albrechts von Preuffen und ihre Schweſtern Anna und Magdalena. _ 5) Die Kaifer haben diefen bey 300 Jahren beobachteten Gebrauch, Daß auch Die Töchter Ichnefähig gewefen, gewuſt und dadurch beftätiger, daß fie folche und ihre Gemals, fo oftfie gefolgt, belehnet Haben. 6) Auch die Landeslehne im juͤlichſchen fallen auf die. Töchter, wenn Feine männlichen behnfoi⸗ ger mehr da find. Endlich 7) ift eben diefe Wahrheit, Daß in diefen Staaten auch die Töchter erben fonnen, bereits von vielen Rechtsgelehrten angenommen und erkannt worden Segen diefe allgemeine Fähigkeit der Töchter, in diefen fanden nachzufolgen, mache man zwar verfchiebene Einwendungen. Dahin gehoͤret: ) daß in einigen behnsurkun⸗ den der Sehnserben gedacht wird. Ob aber gleich in Denen meiſten befonders aͤltern | / tchenss Churfuͤrſt Johann Sigismund, st lehensurkunden entweder gar Feiner Erben, oder nur der Erben überhaupt, ober der feis ‚beserben gedacht wird, fo erfennet man doch hieraus, daß unter denen fehenserben in ‚denen Gegenden, wo der Franken Lehnrecht gilt, ebenfals die Töchter zu verſtehen ‚find, befonders da mehrentheils die Worte dabey fliehen; „ſo viel die Kaifer ihnen von ‚Recht und Billigkeit wegen leihen follen und mögen, diefelbe von ihnen und dem Reich ‚au rechten fürftlichen lehn zu haben, zu befigen und zu gebrauchen, wie folcher Fuͤrſten⸗ thum,/ Herrſchaften und sehen Recht und Gebrauch ift. „, 2) Wenn das Wort, Fuͤr⸗ ſtenlehn, vorkommt, fo iſt ſolches mic dem Wort, rechtes Mannslehn, nicht zu verwechſeln,/ denn es giebt in Deutſchland überhaupt, befonders aber in Niederdeutſch⸗ land, viele Fuͤrſtenlehne, worin doch die Töchter zur Nachfolge berechtiget find. Ueber⸗ dies wird folches noch näher beftimmt durch die Worte: „als folcher Fuͤrſtenlehn Hecht und Herkommen ifi;,, wodurch ein jeder angewieſen wird, die vorläufige Unterfüchung ‚der Frage anzuftellen: Iſt in diefem Zürftenlehn Recht und. Gewohnheit, daß auch Toͤchter zur Nachfolge kommen koͤnnen, oder nicht? 3) An der einzigen Lehnsurkunde ‚von 1425 wird Adolph Herzog von Juͤlich vom Kaifer Sigismundo zu Dfen belies ‚ben als der nächfte Erbe von Schild und Mannsgeſchlecht. Ohnerachtet diefe Urkunde aufferhalb dem Neich zn Ofen erſchlichen und ein Irthum dabey vorgegangen feyn muß, „weil fie von andern Lehnsurkunden ganz abweicht; fo. fehließe fie doch die Nachfolge der Toͤchter nicht aus, und redet nicht von der Mochwendigfeit, daß blos Mannsperfonen ‚nachfolgen füllen, fondern iſt fo zu verfiehen, ‚daß eine Mannsperfon einem Frauens ‚zimmer vorgehe, befonders da hier wieder die Worte vorkommen; als folcher Fürftens lehn Recht und Herfommen ift. Daher tft auch in Feinem nachfolgenden tehnsbrtefe der Ausdruck: als nächiter Erbe von Schild und Mannsgefchlecht, weiter gebraucht, „ba ohnedies felbft der tehnshere zum Machiheil derer, die zur Nachfolge berechtiger find, bie Natur des lehns nicht ändern Fann. Wenn fogar in tehnsurfunden der männlichen ‚tehnserben gedacht würde; fo fihließt doch dieſer Ausdruck, nach der Meinung der bes ſten tehnsrechtsiehrer, die Töchter von der Nachfolge eines tehns nicht aus, worin fie zur Nachfolge einmal berechtiger find. 4) Die allgemeine Lehnsvermuthung, daß nur Mannsperſonen im tehn nachfolgen Eonnen, gilt in denen Gegenden nichts, wo, nad) der Franken Recht, auch die Töchter. an der tehnsfolge Theil Haben. 5) die Verord⸗ nung des longobardifchen tehnrechts, Daß die Töchter von der Nachfolge ausgefchlof fen find, welche ohnedies nur von den gewöhnlichen tehnen handelt, kann hier nicht ans geführee werden, da in diefen behnen durch altes Herfommen, Hausverträge, väterlis „che Verordnungen und Faiferkiche Beftärigungen die Toͤchter zur Nachfolge berechtiget find. 6) Die Einwendung,. daß, fo oft Töchter in diefen tehnen zur Nachfolge kom⸗ | ‚men, folches allemal nur eine Ausnahme von der Regel gewefen, und aus befonderer Faiferlicher Gunft und Gnade geſchehen, findet um fo weniger ftatt, da nicht zu begrels fen, daß die Kaifer fo viele Jahrhunderte her und fo oft, als im diefen Landen ges ſchehen, den Töchtern ein Lehn aus. Gnaden würden gegonnt haben, wenn fie folches in fo vielen Faͤllen hätten einalgben und. an Mannsperfonen vergeben koͤnnen. 7) Die \ Frei⸗ 1609, 1609. m s12 3 Th. gHauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Sreipeitsbriefe Maximilians ı von 1508 und Carls 5 von 1546 haben nicht erſt Thchs tern ein neues Necht ertheilt, ſondern nur das ihnen zuftehende Recht beftäriger und auffer Zweifel gefegt. 8) Die Beifpiele, daß Arnold 3 Graf von Cleve feines Bru⸗ ders Theodorici Tochter Aleida vermälte Gräfin von Holland 1200; weiter’ Engel bert Erzdifchof von Coln Adolphs 4 Grafen von Bergen Tochter Margaretham vermälte Herzogin von Limburg 12185 denn Johann feines Bruders Theodorici Io Tochter Margaretham vermälte Gräfin von der Mark 1328; ferner Adolph feines Bruders Engelbertd Tochter vermälte Gräfin von Naſſau in der Graffehaft Mark; und endlich Adolph Herzog von Bergen, des Wilhelms Herzogs von Juͤlich T er Johannam vermälte von Arckel nad) dem Tode ihres Vetters Neinoldi in Juͤ ⸗ lich ausgeſchloſſen, find alle vor ber Zeit vorgefallen, ehe in der kändervereinigunig das Erbrecht der Tochter, nach) Ordnung der Erſtgeburt, völlig auffer Zweifel geſetzt worden. Nach Frankenrecht gieng ohnedies ber Sohn der Tochter, der Bruder der Schweſter, der Vetter des Bruders Tochter, die Mannsperfönen dem Frauenzimmer, der ältere dem jüngern vor, Hierzu Famen in befondern Fällen gewiſſe Verträge, und ben allen denen angeführten Beifpielen lAft fich noch ein befonderer Grund angeben. Arnold 3 von Cleve war nicht Thevdorici 4 Bruder, fondern weffen Sohn und der Adelheid Bruder, und mufte daher der Schwefter vorgehen. Engelberts Bruders Schweſter Margaretha überließ demfelben, sie bereits oben gezeiget, aus befondern Urfachen auf 2) Auf das eingeführte recht der erſt⸗ geburt, Zeit tebens die Regierung, Theodorici 10 Tochter Margaretha überließ ebenfals freiwillig, unter dem Borbehalt ver Nachfolge, ihrem abgelebten und unbeerbten Bas tersbruder Johann die Regierung. Daß die Tochter Engelberts die Regierung ihres Vaters Bruder Adolph überlaffen mufte, ruͤhrte aus befondern brüderlichen Verträgen von 1362 und 1380 her, und muſten diefer vermälten Gräfin von Naſſau vor den Abs ftand ihres Nechts 18000 Ducaten bezah et werden. Endlich fo hat Adolph Herzog von Bergen der Johanna von Arckel Unrecht gerhan, und bereits, wie oben ange⸗ führet, von Sigismundo den kLehnbrief erſchlichen; daher auch) Maximilian ı inder an Sachfen ertheilten Anwartſchaft felbft geftcher, daß in Juͤlich die Töchter zur Nachfolge berechtiget find, Es ift hiebey noch zu bemerken, daß, was dieſe und jene Erbtochter aus befondern Urfachen und Verträgen gethan und gehandelt hat, andern an ihren wohlhergebrachten Rechten nicht nachtheilig ſeyn koͤnne. | $. 214 II. Das brandenburgifche Haus gründet fein Necht ferner auf das in dieſen Landen ftattfindende Recht der Erfigeburt. Nach) demſelben folge dem Vater der erfts geborne Sohn und deſſen eheliche teibeserben, wenn folche nicht mehr vorhanden, der zweite Sohn und deflen eheliche teibeserben u.f w. Wenn Feine Söhne und ihre Nach- kommen mehr vorhanden, die erfigeborne Tochter und ihre Leibeserben, und wo die icht da wären, bie zweite Tochter und ihre Leibeserben u.f.w. Die erfte Linie fehließt fo lange die andere vollig aus, als mur irgend jemand aus ber erften Linie vorhanden iſt. Das > Churfürft Johann Sigismund. 513 Das erfigeborne Kind erhält das Necht, allen übrigen vorzugehen, glei; in feiner Ges burt; und iſt zu Erhaltung diefes Rechts nicht nötig, daß folches erft zum wirklichen Defis gelanger fey. Geſetzt, daß es alfo vor dem wirklichen Befiß geftorben; fo vers laſt es feine Nechte der Erſtgeburt fofore feinen Nachkommen, fo daß in diefem Fall das Großfind alle Vettern ausſchließt. Dieſes Recht ift x) feit undenklichen Jahren in denen fändern, wo Frankenrecht gilt, eingeführer, und hat daher auch in den juͤlich⸗ fihen Erbſchaftsſtuͤcken ftatt gefunden. 2) Auch das gemeine lehnrecht iſt in den gröfe feren Sehen diefem nicht zuwider. Es ift 3) daffelbe durch den Herzog Adolph von Eleve 1418 mit Genehmhaltung der Stände in denen damals vereinigten Ländern auss druͤcklich veſtgeſetzt, und ſeit der Zeit genau beobachtet worden. 4) Bey Gelegenheit der Bereinigung der jülichfchen und elevifchen Staaten wurde 1496 am Tage Cathas rinaͤ in dem Ehevergleich eben diefes Necht der Erſtgeburt vor männliche und weibliche feibeserben zum Grunde geleget, welches nachher von denen Kaifern Marimilian ı und Ferdinand ı beftätiger worden. 5) In der 1559 von Ferdinand ı erfolgten Ber flätigung Heift es ausdrücklich: „daß die Lande, fo lange vie Succeßion feiner (Herzog Bilhelms) Kebden Erben von ihrer Pofterität in abfteigender Linie weren würde, unirt und gänzlich ungetheilt bleiben follen, ,, wodurch zugleich erfläret wird, wie der Sreigeitsbrief Carls 5 von 1546 recht zu verftehen fey, wenn gleich die Worte deſſelben nach dem gemeinen Wortgebrauch der männfichen Erben Erwehnung thun. Auch Mas rximilian 2 und Rudolph 2 haben die Bereinigung der fäntlichen Staaten und das eingeführte Erbrecht der Exftgeburt dadurch beftätiget, daß fie den Ehevergleich von 1496 gencehmiget. 6) In dem Ehevergfeich der clevifchen Prinzeßin Sibylla mic Chur fürft Johann Friedrich von Sachfen von 1526 und ifrem Verzichtbriefe von 1527 liegt das Necht der Erftgeburt zum Grunde. ben diefes ift 7) in denen Ehevergleis hen der Herzogin von Preuffen, der Pfalzgräfin von Neuburg, der Pfalgräfin von Zweyhbruͤck und der Marggräfin von Baaden zum Grunde geleget worden. 8) Die nachgebornen Töchter Haben aus dieſem Grunde auf die Erbfolge Verzicht thun müß fen, fo lange die Erfigebornen und ihre teibeserben vorhanden wären, und fich bios, wenn folche nicht weiter vorhanden, das Recht zur Erbfolge vorbehalten, fo ihnen, als ben älteften Töchtern, gehöret. | Man wendet zwar dagegen ein, 1) daß das Necht der Erſtgeburt zum Nachtheil des ehnsherrn nicht hat eingeführee werden fonnen. Da aber die Toͤchter in dieſen Sanden zur Nachfolge fähtg geweſen, und bereits das Necht der Erfigeburt nach fraͤn⸗ kiſchen Rechten eingefüßret, auch im dergleichen kehnen vaͤterliche Verordnungen zu techtbeftändig, fo war die Faiferliche Genehmigung damals nicht nöthig, als diefes Recht der Erſtgeburt durch Hausverträge beftätiget werden. Die Sehensherren haben diefe Verträge gewuſt, 2 bis 300 Jahr ang geduldet, folche auch theils überhaupt bey der allgemeinen Beftätigung der Nechte diefes Haufes beftätiget, theils ift folches insbeſon⸗ dere von Marimilian ı, Serdinand ı, Marimilian 2 und Rudolph 2 gefehehen, da fie den juͤlich⸗ und clevifchen Ehevergleich von 1496 beftätigerhaben. 2) Die Eins P. allg. preuß ˖ Geſch. 3 Th. Ttt wen⸗ 1609. R 1609, 514 3 Th. 9 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg, wendung, daß ſeit Adolphs Zeiten, folglich feit 1418, Feine Tochter in ven clevifchen fanden zur Nachfolge gefommen, ift fehe unerheblich, weil ver Fall nicht vorgefommen, daß die männlichen Erben gefehlet haben, dieſe aber nochwenig vorgehen muften. In⸗ deffen haben fich die Töchter in ihren Berzichtleiftungen auf den Fall des Abgangs der männlichen Nachkommen und ihrer teibeserben jederzeit die Nachfolge, nad) Erſtge⸗ burtsrecht, ausdrücklich vorbehalten. 3) Der Einwurf, daß die preußifche Maria Eleonora den Tod ihres Bruders nicht erleber, und folglich Die pfalz⸗ neuburgifche Anna, als nunmehrige ältere Schwefter, nach dem Freiheitsbrief Carls 5, folgen muͤſſe; die Churfärftin Anna von Brandenburg aber zur Erbfolge nicht berechtiget ſey, weil ihre Mutter Maria Eleonora nur hiezu das Necht uͤberkommen hatte, d4 ferne fie den Ball überleben würde, iſt ungegruͤndet. Der Zuſatz, daferne fie ven Fall erleben würde, ift von den neuburgifchen Sachwaltern erdacht und nirgend bes findlich, ftreitet vielmehr gegen alle Hausgefege und deren Beftätigungen, worin viel mehr nicht nur die erfigeborne Tochter, fondern aud) alle deren Leibeserben zur Nach⸗ folge bevechriget find, wie denn folches befonders in dem Ehevergleich der Maria Eleos nora ausdrücklich beftimme if. Hierdurch iſt Die zweite Tochter fo lange ausgefchlof fen, bis von der erften Feine feibeserben weiter vorhanden find, und in der Verzichtlei⸗ fung der Maria Eleonora behält fie fich das Erbrecht ausdruͤcklich vor fich und ihre teibeserben, nach dem Necht der Erfigeburt, mit folgenden Worten vor: alfo, daß wir. oder unfere Erben und Nachkommen aufferhalb jege angedeuteren Zalls u. f w. Sn dem neuburgifchen Ehevergleich zeigen ſolches folgende Worte ausdruͤcklich: Sonſt wo⸗ fern dieſelbe unſere geliebte aͤltere Tochter auch ohne Leibeserben abgehen ſolte, daß viel⸗ beruͤhrte unſere Tochter Fraͤulein Anna oder jhre eheliche Leibes⸗Erben in der⸗ ſelben unferer Altern Tochter oder dero abgeſtorbenen Ehelichen Leibes⸗Erben Fuß⸗ ſtapffen treten, und alles dasjenige an fanden, Leuten, Fahrnuͤß und andern fähig und Erben feyn follen, als wie vorgedachte Frau Maria Eleonora oder ihre Cheliche Leibes Erben hätten feyn follen oder gewefen wären. Die neuburgifche Anna ſoll al⸗ fo blos zur Nachfolge in zweien Fällen kommen, davon der erftere ift, wenn Maria Eleonora ohne Leibeserben verftorben, der andere aber, wenn feine von der Maria Eleonora Leibeserben mehr vorhanden wären, davon aber Fein Fall erfolget if. Es ftehet eben diefes in dem zweibruͤckſchen Ehevergleich. Mirgend wird erfordert, daß Maria Eleonora den Fall erleben müffen. Dies würde vielmehr dem Weſen der eins geführten Erſtgeburt widerfprochen haben. Vielmehr muß demfelben gemäß die Toch⸗ ter aus der erften Linie einem Sohn aus der zweiten vorgehen, Selbſt Carls 5 Frei heitsbrief beftimme die Altefte Tochter zur Nachfolge, und da das Kind in die Stelle der Mutter trit, und die Mutter vorftellet, fo hat hiedurch Carl 5 zugleich die Nach⸗ folge der brandenburgifchen Churfürftin nad) dem Tode ihrer Murter. veſtgeſezt. So verſtehet Die goldene Bulle das Necht der Erſtgeburt, und hat es nicht anders verſte⸗ hen Fünnen, In allen Neichen, two das Recht der Erfigeburt eingeführet iſt, ſchluͤſt die Tochter der Erfigebornen die Nachgeborne und ihre Erben aus. 4) Der Einwurf: daß Churfürft Zohan Sigismund. 8 daß die Worte im neuburgifchen Heivatsvergleich: „wenn die Herzogin in Preuffen 1609. zur Nachfolge fommen würde, ſolte die Pfalzgräfin von Neuburg das beſtimmte Geld s . erhalten, ,, ausdrücklich beftimmen: Maria Eleonora muͤſſe ſelbſt zur Nachfolge Fommen, ift nichtsfagend. Er flreitet teils mit der Natur des Rechts der Erfigeburt, theils mit. dem Sinn derer, die den Vergleich gemacht, theils auch mit denen übrigen Ausdrücken des neuburgifchen Heiratsvergleiche. 5) Der Einwurf, daß die new Burgifche Prinzepin Anna und ihr Sohn Wolfgang Wilhelm der brandenbur⸗ giſchen EHurfürftin Anna und ihrem Sohn Georg Wilhelm um deswegen vorgehen müffe, weil jene mit dem Erblaſſer um einen Grad näher verwandt, finder da nicht flatt, wo das Necht der Erſtgeburt gile, dent in dieſem Fall fehfüft die erfte Linie alles mal die folgenden aus, und wird dabey nicht auf den nähern Grad, fondern die ältere Kinie gefehen. 6) Eben fo fiehet es mic dem Einwurf aus, daß nicht nur in Manns Ichnen, fondern auch in folchen, two die Töchter zur Nachfolge gelaffen werben, die Mannöperfonen allemal den Frauensparfonen vorgiengen, und daher ein Schwefterfohn der Schwefter Tochter ausfchlieffe. Denn diefes Fann in kehren, wo nad) dem Recht ji der Erſtgeburt gefolget wird, nur in dem einzigen Fall ſtatt finden, wenn die Mannes vs perſonen mit dem Frauenzimmer ſowol der linie, als dem Grade nach gleich verwand F find. Hingegen ſchlieſſet die Schweſtertochter der erſten Linie den Schweſterſohn der rn jweiten tinie allemal aus. Hiezu Fommen die ausdrücklichen Hausverträge, welche 3 der Altern Schwefter und ihren feibeserben den Borzug vor denen nachgebornen Schwe⸗ fern und ihven Seibeserben ausdruͤcklich beſtimmen. * $. 215. ng II. Der dritte Hauptgrund, worauf die Ehurfürftin von Brandenburg ihe 3) Aufden echt auf die ganze juͤlichſche Verlaſſenſchaft Herleitet, beſtehet in dem 1572 gefehloffe —* nen Ehevergfeich Maria Eleonoraͤ und des Herzogs von Preuſſen Albrecht Frie⸗ anne drichd. Denn in demfelben beftunmt der Herzog von Juͤlich Wilhelm ausdruͤcklich und mit Haren Worten, daß auf den Fall, wenn feine Söhne Carl Friedrich und Zohann Wilhelm ohne Erben abgehen folten, alsdenn alle feine Sande und deren Zubehdrungen auf feine erfigeborne Tochter und ihre teibeserben , ob fie die mit Hers zog Albrecht Friedrich zeugen würde, vermoͤge des von den Kaifern beftärigten Rechts, erbfich fallen, und feinen Herzog Wilhelms uͤbrigen Töchtern ein gewiffes Geld ausges zahlet werden ſolte. Durch die ehelichen leibeserben, fo Maria Eleonora mic Her zog Albrecht Friedrich zeugen wuͤrde, iſt allerdings ihre ganze Nachkommenſchaft vers ftanden, fo daß diefelbe ihren nachgebornen Schweftern und deren Nachkommen vorge ben folte. Es wird Feines Unterſchiedes unter männlichen und weiblichen keibeserben He Maria Eleonora gedacht, und weil alle ihre Nachkommen beiderley Gefchlechts den Vorzʒug haben folten, fo ward auch Feines Geldes gedacht, das die weiblichen Nach⸗ - Formen der Maria Eleongra, fo wie die übrigen Schweftern, befommen folten. Zohann Wilhelm Herzog von Sachſen, ein Sohn des gewefenen rg \ — Ttt 2 ann wer — VE Die Ya — een —— * —— en — nee, * * — — > iz j — | 1609, 5 * 3Th. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. hann Friedrichs und der cleviſchen Sibylla, war bey diefem Ehevergleich der Un⸗ terhaͤndler. Der Kaiſer Maximilian 2 ſchickte, auf Erſuchen, Philipp den aͤltern Freiherrn von Winneberg Reichshofrathspraͤſidenten als ſeinen machthabenden Ge⸗ ſandten ab, dem Schluß dieſes Ehevergleichs beizuwohnen, den auch der Kaiſer geneh⸗ migte. Solche Hausvertraͤge regierender Herren aber muͤſſen als Grundgeſetze heilig beobachtet werden. Beſonders ſind Kinder ſchuldig, ihrer Eltern Verordnungen zu beobachten. Es war dieſer Ehevergleich um deswillen fo eingerichtet, weil das Recht der Erſtgeburt jederzeit des Haufes und des Landes Beftes zum Grunde hat, und man. befonderd Ehevergleiche fo vorcheilhaft einzurichten pflegt, als möglich. Man hat zwar auch bey dieſem Ehevertrage Einwendungen: ı) Es werde zwar der teibeserben der erſt⸗ gebornen Tochter überhaupt, nicht aber ihrer Tochter, gedacht, und in tehnsfällen verftehe man unter den feibeserben ordentlicher Weife nur die männlichen Erben, Aber eö hat der Ehevergleich mit Fleiß das Wort feibeserben gebraucht, um dadurch die gans ge Nachfommenfchaft ver Maria Eleonora augzubrüden. Der Wortverftand von $eibeserben gehet auch auf Töchter, und muß in folchen tehnen, die auch auf Töchter fallen fünnen, beibehalten werben; befonders da hier der ehelichen feibeserben gedacht wird, welcher Beifaß bey männlichen behnserben ganz unnoͤthig wäre. In chen, wo die Töchter ebenfals folgen Fonnen, werden folche fogar unter dem Wort beibeslehnser⸗ ben, ja wol gar unter dem Wort männliche Leibeslehnserben verftanden, welches bes fonders in diefen fanden ſtatt finden muß, wo fogar in Faiferlichen Freiheitsbriefen die Worte vorfommen: Erben von Erben zu Erben ewiglich; und hiernach müffen fogar die Ausdruͤcke ausgeleger werden, welche in Carls 5 Freiheitsbrief vorfommen. Das Haus Neuburg bat gegen Sachſen felbft fich darauf gegründet, daß der Ehevergleich Sibyllaͤ dutch das Wort $eibeserben auf die männlichen Nachkommen nicht eingefehränft werben Fonne. Beſonders ſiehet man fölches auch aus folchen Ausdrücken, die ein erbs fich behn anzeigen, als: Kommen und: vererbet ſeyn; fähig und Erben feyn fol len, als wie vorgemelde Frau Maria Eleunora, oder ihre Eheliche Leibeserben hätten feyn follen oder geweſen wären. Es wird fogar in dem preußifihen Eher vergleich der Ausdruck Nachkommen, imgleichen Erben gebraucht, woraus genugfam erhellet, daß man auch die Töchter ter Maria Eleonora unter dem Wort cheliche lei⸗ beserben verftanden habe. 2) Die Einwendung, daß zum preußifchen Ehevertrage des Kaifers Genehmigung nicht gefommen, iſt unerheblich und überdies falfh. Sie gehet das Recht eines dritten an. Des Kaifers Genehmigung hiezu war nicht einmal noͤ⸗ thig, theils weil die väterlichen Berordnungen in tehnen, die auch auf die Töchter fallen, verbindlich find; theils weil nichts neues oder zum Machrheil des tehnsheren darin verord⸗ net, fondern vielmehr alles, der Beſchaffenheit diefer tehne, den Landes und Hausvertraͤ⸗ gen und den Faiferlichen Freiheitäbriefen gemäß, eingerichtet vourde ; theils weil dadurch das tehn nicht auf einen Fremden, fondern auf die erftgeborne Tochter und deren keibesers ben gebracht wurde, welchen es ohnedies zuſtand. Ueberdies aber hat der Kaifer ja ſeinen Geſandten dabey gehabt, und auf deſſen Bericht ſchrieb er unter dem sten April 3572; Churfürft Johann Sigiemund. 517 J 1572 daß er den Schluß diefes Ehevergleichs gerne gehöret, und et folchen, wofern man es vor noͤthig hielt, genehmigen wolle. 3) Die Einwendung, daß man fich in dieſem Ehevergleich auf den Faiferlichen Freiheitsbrief berufe, und folcher aljo nach Carls 5 Freiheitsbrief auszulegen, und folglich nur die Tochter des Herzogs Wilhelms und ihre männlichen Erben zw verſtehen fen, findet nicht ſtatt. Es heift in dem Eher _ vergleich: im Kraft Faiferlichen Privilegiums, woraus eben nicht folgt, daß, da vers ſchiedene Faiferliche Freiheitsbriefe vorhanden, hier eben der verftanden werde, welchen Carl 5 ercheilet. Herzog Wilhelm hat vielmehr auf den neuern, gnädigern und feis nen Abſichten mehr gemäffen Freiheitsbrief Ferdinands ı gefehen, welches um fo mehr aus der ganzen Abficht des Ehevergleichs erheller, worin die ganze Erbfchaft der erſtge⸗ bornen Tochter und ihren teibeserben, fo fie mit Herzog Albrecht Friedrich erzielen würde, angewiefen werden ſolte. Denn von diefem Umftande ift in Carlö 5 Frei⸗ heitsbrief nichts befonders beſtimmt. In Ferdinandi aber werden die gefchloffenen $ändervereinigungen und das Necht der Erfigeburt, die 1496, der Befchaffenheit Dies fr änder gemäß, eingeführet find, beftäriget, und auf die ganze Nachfommenfchaft Herzog Wilhelms, fo lange diefelbe vorhanden feyn würde, ausgedehnet. Wolte man fagen, daß durch die Ländervereinigung das Necht der Erſtgeburt eben nicht einges fuͤhret ſeg weil auch viele zugleich etwas ungetheilt befigen koͤnten, fo findet doch fols ches in einer ewigen Verein nicht ſtatt, zumal folcher $änder, die feir undenklichen Zeiten nur von einer Perfon regieret voorden, befonders da Ferdinands Freiheitsbrief ſich auf den Ehevertrag von 1496 beziehet, wo ausbrüclich das bereits übliche Recht der Erſtgeburt buchftäblich beibehalten worden. Geſetzt der preußifche Ehevergfeich ziele auf mehrere Freieitsbriefe, fo folge daraus noch nicht, daß er aus den, den Carl sgegeben, allein zu erklären fey. Doc) aud) in Carls 5 Freiheitsbriefe fteher der Erbfolge der Churfürftin Anna nichts im Wege. Denn in demfelben wird unter dem Wort, die Tochter, auch die Enkelin, welche letztere auch die erſtere vorftellet, befonders in einem Fall verftanden, wo das Necht der Erftgeburt ftatt finde. Carls5 Freiheitöbrief kann den Hausverträgen und andern Faiferlichen Begnadigungen um fo weniger widerfprechen, da Herzog Wilhelm, der folchen fuchte, feinen Enfelinnen durchaus nichts vergeben Fonte, noch wolte. Endlich fo- ift der Fall in Carls Briefe gar nicht berüßret, wenn Maria Eleonora vor ihrem Bruder verfterben, aber eine Tochter nachlaffen folte. 4) Willman fagen, Herzog Wilhelm habe feinen nachges bornen Töchtern ein Necht, welches ihnen aus Carls Freiheitshriefe zuftändig, nicht vergeben Fonnen, fo findet auch diefes nicht ſtatt. Wilhelm handelte einem Recht ges mäß, welches ihm nad) den Hausverträgen und den von undenklichen Zeiten her beob⸗ achteten Gewohnheiten zuftand. In Carls 5 Freiheirsbriefe wird in der That nicht bes ſtimmt, daß die nachgebornen Töchter der erftgebornen Tochter weibliche Nachfommen ausfchlieffen folten. Geſetzt aber, jedoch uncingeftanden, daß ſolches wirklich gefchehen wäre; fo hatte Herzog Wilhelm den Sreiheitsbrief gefucht, und es ftund bey ihm, ob et ſich der darin enthaltenen Verordnung bedienen wolre, da ohnedies in erblichen Schs | Zıt 3 i nen 1609. s18 3 Th: 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1609. nen dem Bater, nad) ber Meinung einiger Rechtslehrer, freifteßet, zum Nachtheil feiner teibeserben etwas veſtzuſetzen. Herzog Wilhelm handelte aber fonft den kaiſerli⸗ chen Freiheitsbriefen gemaͤß, da er die Nachfolge ſeiner erſtgebornen Tochter und ihren leibeserben beiderley Geſchlechts verficherte, indem ſolches Ferdinandi ı Freiheitsbriefe gemäß war, und vom Maximilian 2, folglich vom Oberlehnsherru, genehmiget wur⸗ de, ohnerachtet deſſen Genehmigung nicht einmal noͤthig gewefen. Wolke man fich vollends des falfch angenommenen Satzes der neuburgifchen Sachwalter bedienen; fo koͤnte man überdies eben fo, wie fie gegen das Haus Zweybruͤck gethan, fehläffen: weil Herzog Wilhelm das Privilegium ausbrachte, wodurch die Töchter die kehnsfär higleit erft erhalten, deren fie fonft nicht fähig gewefen, und. alfo folche behne, fo viel die Lehnsfaͤhigkeit der Töchter betrift, gleichſam für neue tehne gehalten; ſo Hat er dan in gar wohl eine gereiffe Urt in der Erbfolge vorfchreiben Fonnen. A $. 2216. 4) Auf die = IV. Die Churfuͤrſtin Anna beruft fich ferner auf die Ehevergleiche ver neubur⸗ — giſchen Prinzeßin Anna vom 27ften Sept. 1574, worin beſtimmt wird, daß nach Zoe, dem Tode ver Söhne des Herzog Wilhelms die erfigeborne Tochter Maria Eleono⸗ ra die Nachfolge haben, und ſodenn ver Pfalzgräfin Anna und ihren Erben ein bes ſtimmtes Geld auszahlen ſolte. Würde aber die erfigeborne Maria Eleonora ohne eheliche teibeserben verfterben, alsdenn folte die Anna und ihre Kinder in Sie Stelle der verſtorbenen erfigebornen und ihrer verftorbenen Kinder rücken, und der ganzen Verlaſſenſchaft fägig und Erben feyn, als wie vorgemeldte Frau Maris Eleonora oder ihre eheliche feibeserben hätten ſeyn follen, oder geweſen wären. — 5) und der V. Eben diefes ift in denen Ehevergleichen der zweybruͤckſchen Magdalena vom — * iſten October 1579, und ber baadenſchen Sibylla von 1589 beſtimmt, und folglich Wilperms, in der ganzen Nachkommenſchaft Herzog Wilhelms die Erbfolgsordnung fo veſtgeſetzt, daß die Verlaſſenſchaft 7) auf deſſen männliche Erben, 2) auf die erftgeborne Tochter und deren feibeserben, 3) auf die zweite Tochter und deren keibeserben, 4) auf die drit ⸗ te Tochter und deren teibeserben, 5) auf bie vierte und letzte Tochter und deren keibess erben fallen jolte; daher Feine von den folgenden zur Nachfolge berechtiger ift, bis die - erftgeineldeten ausgeftorben. RR O)Auf der VI. Ueberdies haben die neuburgiſche Anna und zweybruͤckſche Magdalena juͤngern toͤch⸗ bey fuͤrſtlichen Ehren und Treuen feierlich Verzicht gethan. Die neuburgiſche Anna ter verzicht⸗ Briefe, 9* hat ſolches zu zweienmalen gethan, woraus aller Verdacht des Mangels eines rechten Wiſſens und reifen Raths wegfaͤllt. Das erſtemal leiſtete ſie und ihr Gemal Philipp Ludwig Pfalzgraf von Neuburg Verzicht 1574 uff alle und jede Erbgerechtigkeit, Fo⸗ derung und Anſpruch zu den väterlichen Fuͤrſtenthuͤmern, Graffſchafften und Herrlich feiten, und behielt fich nur blos vor, daß auf den Fall die erfigeborne nach dem Abs gange Wilhelms männlicher Erben ihr das beſtimmte Geld entrichte, und wenn bie erſtgeborne ohne. eheliche keibeserben verfterben folte, fie auf den Fall, als die zweite, nebft- Ä ‚ihren Churfuͤrſt Johann Sigismund, 519 ihren leibeserben in die Stelle der erſtgebornen und ihrer feibeserben ruͤcken ſolle. Eben diefes gefchahe in der zweiten Verzicht vom 2sften Jul. 1575. Ueberdies hatte Herzog Wilhelm den zıften Merz 1574, auf Verlangen des Haufes Neuburg, die nachdem Ehevergleich der Maria Eleonora an die neuburgifche Anna zu bezahfende 200000 Ducaten erhöher, daß alfo der Verzicht nicht einmal umſonſt, fondern gegen eine ans fehnliche und noch erhoͤhete Geldſumme geſchahe. Die zweybruͤckſche Prinzegin Mag⸗ dalena bat auf gleiche Art, mit Genehmhaltung ihres Gemals, den zoften Dec. 1581 die Verzicht geleiftet. Der Gegentheil wendet zwar ein, ı) daß die jüngfte Tochter Si⸗ bylla, als fie 1601 mie Carl von Burgau zur andern Ehe fihritte, Feine Verzicht leiften wollen. Aber man hatte derfelben auch eigentlich zur Erhaltung des Rechts nicht bedurft, und die Unterlaffung der Verzicht giebt Fein Necht, fondern erhält nur das, was man hat. Sihbylla war aber verpflichtet, mitdenen ihr beftimmten Ehegeldern und ber einmal gewöhnlichen Erbfolgsordnung zufrieden zufenn. Das der Maria Eleonora und ihren feibeserben zuftehende Recht Fonte durch Mangel des Berzichts nicht geſchmaͤlert werden, befonders da die Beftimmung der Erbfolge auf die rechtmäßigfte Art von einem Vater geſchehen. Sibylla hatte ja bey Gelegenheit ihrer erſten Vermaͤlung die Verzicht geleiftet, und überdies ftard fie noch) nachher ohne Erben. Da nun nach der värerlichen Derordnung vom zıften Merz 1574 dasjenige, was eine feiner Töchter zu fordern haͤt⸗ te, auf den Fall ihres unbeerbten Todes nicht an die Übrigen Schweftern fallen, fons bern dem Sandesnachfolger verbleiben ſolte; fo ift das Vorgeben von Pfalz⸗Neuburg unerheblich, daß die Sibylla ihre Rechte ihm übertragen habe. 2) Die Einwendung, daß die neuburgifche Verzicht nur nad) der wahren Beſchaffenheit ver Sache gefchehen, ift Feine eigentliche Einwendung, da die rechte Befchaffenheit der Sache, laut Ferdis nandsı, Diarimilians 2 und Rudolphs 2 Begnadigungsbriefem und denen Hauss verträgen von 1418 und 1496, darin beftand, daf die ältefte Tochter Maria Eleono⸗ ra mit ihren Seibeserben beiderley Geſchlechts zur Nachfolge berechtiget gemwefen. 3) Wolte man fagen, daß die Verzicht nur der erſtgebornen Tochter, nicht aber ihren Exben zu gut Fame, fo verfteher es fich von felöft, daß folches mit nichts erwieſen werden kann. 4) In der neuburgifchen Verzicht vom 2sften Zul, 1575 ift der Vorbehalt der Erbfol⸗ ge. nicht, wie man vorgeben will, bfos auf den Fall gefchehen, wenn die männlichen Er⸗ ben Herzog Wilhelms abgiengen, fondern auf diefen Fall hat fich die Anna blos die Geldſumme vorbehalten, die fandesnachfolge aber auf den Fall, wenn, nach Abgang der männlichen Erben, auch die Maria Eleonora und ihre eheliche teibeserben vers florben wären, 5) Wenn gleich die neuburgifche Prinzeßin in diefer ihrer Verzicht von 1575 der erfigebornen nicht namentlich erwehnet, fo beruft fie fich doch darin auss druͤcklich auf den Ehevergleich von 1574, worin buchſtaͤblich der erftgebornen Tochter ges dacht if. 6) Die Verzicht, fo die Anna und juͤngern Schweſtern gethan, foll, nach neuburgifcher Meinung, ihren Söhnen gegen Carls 5 Freiheitsbrief keinen Nachs theil verurſachen koͤnnen. Da aber die Berzichrleiftungen von den Müttern vor fich und ihre Erben, da bie legtern noch nicht ihr Daſeyn gehabt, mit Genehmigung ihrer Ser | | mals, 1609. 1609, 520 3%. 9-Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. mals, in einer Sache, die von ven Müttern herruͤhret, ben fuͤrſtlichen Treuen md nach erhaltener anderweitigen Schadloshaltung gefehehen; fo find die Söhne derer Ber zicht feiftenden Mütter allerdings hieran verbunden, befonders da folche nach Carls 5 Freiheitsbriefe aus dem Grunde Fein Recht Haben koͤnnen, weil nach demfelben die Söhs ne erft alsdenn zur Sandesfolge kommen folten, wenn von den Schweſtern feine mehr am geben, und zur Zeit des Erbfalls noch wirklich die drey jüngern Schweftern am fer ben waren. 7) Man wendet zwar nod) ein, daß man zur Zeic der Verzichtleiftung von Carls 5 Freiheitsbriefe keine Wiffenfchaft gehabt. Es ift folches aber ſehr uns wahrfcheinlich, da der nenburgifchen Anna Bräutigam, die vornehmften bandſtaͤnde und der Braut Vater gegenwärtig gewefen. Zudem ſtehet in den Verzichtleiftungen, die bey fürftlichen Ehren und Treuen, und alſo an Eides ſtatt gefchehen, daß folche aus wohlbedachten Much, rechter Wiffenfhaft, und nach genugfamen deshalb em⸗ pfangenem Rath und Berichte vor fichgegangen. 8) Gegen die Einwendung des Hau⸗ ſes Pfalz Neuburg, daß die Berzichtleiftung blos auf den Fall gefchehen, wenn die erfigeborne Schwefter nachfolgen und der Anna das ausgemachte Geld bezahlen wiirde, umd daß diefes von Feiner Nachfolge der Tochter von der erfigebornen Schwefter zu vers ftehen ſey, ftreiten die ausdrücklichen Worte ihres Ehevergleichs: „Sonft wofern uns fere Eltere Tochter auch ohne Eheliche beibes » Erben mit Tode abgehen folle, daß un⸗ fere Tochter Anna, als die nad) Frauen Marien Eleonoren die Eltere ober Ihre teibes» Erben, inderfelben unferer Elteren Tochter und Dero abgeftorbenen Ehelichen tes bes» Erben Zußftapffen treten, und alles an fanden und Leuten, Fahrniß und andern, fähig und Erben feyn follen, allergeftalt wie vorgemeldte Frau Maria Eleonora oder Ihre leibes / Erben ſeyn follen, ober geweſen wären ,, P). - Woraus auch die beantwor⸗ tung der ge: gengründe hergenoinmen wird. ’ he), MI 3. ee Alle diefe Gruͤnde find völlig Hinlänglich, die Nechte der Churfuͤrſtin Anna und ihrer Nachkommen auffer Zweifel zu fegen, weil alle übrige, die einen Anſptuch mach» ten, entweder gar Fein Recht hatten, oder dieſe Sande vor unfkreitige Mannslehne hiel⸗ ten, ober vor folche, Die zwar eigentlich ordentliche Mannslehne wären, wo aber durch beſondere Begnadigungen vom Kaifer diefer und jener Tochter das Erbrecht ertheilet wor⸗ den, und wobey man die Einführung ver Erſtgeburt in Zweifel ziehe. Diebrandenburs gifchen Gruͤnde find hinreichend, denen Anfprächen des Churhauſes Sachſen, der erneftis nifchen fächfifchen tinte, des Haufes Pfalz; Zweibrück, der Burggräfin von Burgau, der Grafen von Manderfiheid, der Herzoge von Bouillon und des Hauſes Nevers zu begegnen, und diefelbe gründlich zu widerlegen. Selbſt das Haus Pfalz Neuburg ift, Die Wahrheit zu fagen, durch diefe Gründe von allen Anfprüchen entblöft, nur daß es hauptfächlich aus dem Freiheitsbriefe Carls 5 q) von 1546 die Nechtmäßigfeie feines Anſpruchs zu behaupten gedenkt. Es giebt folches vor, daß zwar alle Diefe Lande ordents p) Synopfis et breuis affertio iuris Eledt, in g) Er ftehet unter andern in Luͤnichs Keiche; Ducatus Cliuiae etc, Berol. 1655. archiv Part. Spec. von Pfalz p. 685. Churfürft Zohann Sigismund. 521 eeiherweiſe Mannslehne wären, jedoch hätten die Kaiſer, ſonderlich Carl 5, aus 1609. Gnaden denen Schweſtern des letztern Herzogs die lehensfaͤhigkeit ertheilet, Doch fo, daß von ihnen die Erbfolge nur auf ihre männlichen Nachkommen fallen folte. Weil nun Maria Eleonora nur Töchter verlaffen, fo müfte das Erbrecht nunmehr auf die g: jweire Tochter Anna, welche männliche Nachkommen erzielet, fallen. ESs fehler aber dem Haufe Brandenbirg nicht an Gründen, wodurch diefeg Sonderlik Vorgeben widerleget wird. Cs leugnet folches, daß diefe fande jemals eine andere Ber auch gegen ſchaffenheit gehabt, als die denen Lehnen, nach Frankenrecht, zuſtaͤndig, nach) welchem end 5 frei: auch) die Tochter zur Nachfolge fähig find. Es behaupter, daß das Necht der Erfiges IR | burt in denenfelben unumjtoslich gewiß fen, und daß die Faiferlichen Freiheitsbriefe nichts, f als neue Beftätigungen diefes ſchon vorhin begründeten Nechts, enthalten, und nur zu > mehrerer Sicherheit ertheilet worden find, ohne daß darin einiges neueres Necht aus Geanaaden ertheilet worden. Das Haus Brandenburg gefteher überdies nicht ein, daß der Freiheitsbrief Carls 5 feiner Erbfolge im Wege ftehen koͤnte. Denn ı) handele folches nur von denen fanden, fo von dem römifchen Neich zu Lehn rühren, und bes R treffe daher Feine andere zu diefer Erbfchaft gehörige Stüde. 2) Esfen dieſer Freiheitsbrief Dr - durchaus nicht die erſte Quelle der Erbfolgsfaͤhigkeit der Toͤchter. Man muͤſſe daher 3) den Freiheitsbrief Carls 5 nicht vor den einzigen Entſcheidungsgrund dieſer Erbſchaft aanſehen. Weil 4) dieſe behne niemals rechte Mannlehne geweſen. 5) Der Freiheitsbrief enthalte zwey Fälle, davon der erſte dieſer fey: wenn Herzog Wilhelm Feine maͤnnli⸗ hen teibeserben überfäme, oder diefelben nachgehends über Furz oder lang ohne eheliche eilbeserben abgiengen, daß alsdenn, fo Fein männficher eheleiblicher Erbe mehe vorhan⸗ ben, biefe Sande und feute auf Herzog Wilhelms eheliche Töchter kommen follen u. f. w. Und diefer Fall habe fich wirklich zugetragen. Die männlichen teibeserben Herzog Wil⸗ helms waren abgegangen, folglich mufte des Teßten Herzogs erftgeborne Schweſter, — oder/ welches den Rechten nach gleichviel, ihre ſie vorſtellende Tochter, nicht aber Her⸗ | 09 Wilhelms jüngere Töchter zur Nachfolge Fommen, Der andere all, der in Carls 5 Freiheitsbrief veſtgeſetzt iſt, wird in folgenden Worten enthalten: „oder da der⸗ ſelben feine dazumal am eben wären, und aber von einer oder mehr eheliche gebohrne bibes Erben vorhanden wären, alsdenn auf diefelben Herzog Wilhelms Töchter nach⸗ gelaffene Eheliche Männliche feibes Erben, fo derfelben Zeie im teben feyn, die ande kommen oder ihnen folgen und zuftehen follen, und in ſolchem Fallihnen und ihren cher lichen männlichen $eibes Erben von uns oder unfern Nachkommen am Neich guädiglich verliehen werden füllen. „ Diefer zweite Fall feet ausdrücklich zum Grunde, daß bey Abgang des legten männlichen „Erben Herzogs Wilhelms Feine feiner Töchter mehr am $eben wäre. Es waren aber 1609, als Johann Wilhelm mie Tode abgieng, noch wirklich drey Töchter am beben, folglich ift dieſes der Fall nicht, welcher fich wirk, lich zugerragen, und den ſich Pfalz Neuburg gegen Brandenburg zu Nu machen Eonte. 6) Carl 5 kann ohmmöglich diefe Lande als männliche Sehne angefehen haben, und gefegt, dafs folches gefchehen, fo Hat er durch dieſen Irthum feinem, der nach der P. sllg. preuß. Geſch. 3 Th. Yun wah⸗ 522 3Th. 9 Hauptft. Neuere Gefchichte von Brandenburg, x — kr 4. 1 ze * 1509. wahren Beſchaffenheit diefer Sehne, nach) Landes und Hausvertraͤgen und nach denen - Freiheitsbriefen verſchiedener anderer Kaifer zur Nachfolge berechtiger gewefen, einigen Nachtheil verurfachen koͤnnen. 7) Der wahre Verftand des Freiheitsbriefes Carla 5 muß dahero anderwärts, und fonderlich aus Ferdinands ı nachher ertheilten Briefen, erkläret werden, worin der männlichen nicht gedacht wird. 8) Gefegt aber, welches das Haus Brandenburg jedoch niemals eingeftehet, daß durch diefen Freiheitsbrief Earlö 5 nur. die männlichen Erben, welche zu den Zeiten des Erbfalls fehon da gewe⸗ fen, zur Erbfolge berufen würden, fo hatte doch die ältefte Schwefter Marin Eleo⸗ nora von ihrer älteften Tochter Anna 1609 wirklich bereits männliche Erben am fe ben. Der brandenburgifche Churprinz Georg Wilhelm war den zien Nov. 1595 und der zweite Prinz Joachim Siegmund den ızten Febr. 1603 geboren. Diefe mus ften alfo, weil fie aus der erjten Linie abitammeten, und ihre Mutter Anna nad als len Rechten in die Stelle ver Marin Eleonora gerreten, nothwendigerweife vor allen andern zur Erbſchaft gelaffen werden, befonders da Carls 5 Freiheitsbrief nicht insbes fonbere eines Sohnes, fondern überhaupt der männlichen Leibeserben erwehnet, wozu auch allerdings die Enfel gehören 7). | — Es iſt uͤberhaupt bey dieſer ganzen juͤlichſchen Erbſchaftsſache zu merken, daß, wenn die aͤlteſte Schweſter Maria Eleonora den Tod ihres Bruders Johann Wil⸗ helms erlebet haͤtte, vielleicht niemals dem Churhauſe Brandenburg das Erbrecht fo ſchwer gemacht worden wäre,. als da nach ihrem Tode ihre äftefte Prinzeßin Die Chur fürftin Anna in die Stelle der Mutter getreten. . Dasjenige, was wir von den braits denburgifihen Gründen beigebracht, fiheinet mir hinlaͤnglich zu feyn, meinen $efern von denenjenigen einen Begrif zu machen, worauf fic) die Churfürftin frügte. Wir wollen anjego die Geſchichte des Churfürften fortſetzen. EM — 2— Kaum hatte ver letzte Herzog Johann Wilhelm den egſten Merz auf ſeinem dndeh Wohnſchloß zu Duͤſſeldorf die Augen geſchloſſen, fo ſehte ſich der Churfuͤrſt Johann sen fih, ge Sigismund von Brandenburg, im Namen ſeiner Gemalin Anna, der älteften gen en Tochter der erfigebornen Schwefter des legten Herzogs, auf eine in den Rechten ges Sefig der gan gründete Yet in den Befig der Erbſchaft. Schon den gten April ergrif folchen in Ger zen erbſchaft. genwart eines. beftätigten Notarii und gehoͤriger Zeugen der Churfürftin Gevollmaͤch⸗ tigter Stephan von Hartenfeld auf dem Schiffe zu Cleve und in andern Städten. Eben diefes gefehahe den sten April zu Duͤſſeldorf und in mehreren Orten durch Ans heftung des churfürftfichen Wappens und andern ben folchen Gelegenheiten nöthigen und gewbhnlichen Handlungen. Don denen Übrigen, welche auf diefe Erbſchaft Anfpruch machten, war aber auch der Pfalsgraf von Neuburg Wolfgang Wilhelm aufmerk⸗ ſam, den Befig einiger zu dieſer Erbſchaft gehöriger Orte im Namen feiner Frau Muss ter, der zweiten Schwefter des Erblaſſers, Anna, und vor fich ſelbſt zu erlangen, | Weil ) Synopũs et breuis affertio juris domts Klect. Brand, in Docatas Cliuiae etc, Berol, 1656; x — u. ve, A en 2 iu) — —— — — —* ar DE a a F < 5 ® SER * Se Shurfürft Johann Sigismund. 523 Weil ſich nm nach und nach auch) die übrigen zu melden anfiengen, welche zu dieſer Erbſchaft entweder ganz oder zum Theil berechtiget zu feyn glaubten, und befonders dem Kaifer und feinem Hofrarh gar nicht zu trauen war, fo bemuͤheten fich viele proteſtan⸗ tiſche Stände, Ehurbrandenburg und Pfalz Neuburg, die auffer ihren übrigen Rechtsanfprüchen nunmehr auch ven Befis vor ſich Hatten, zu einem vorläufigen Ver⸗ gleich unter fich ſelbſt zu bewegen. Landgraf Miorig von Heffen: Eaffel ward Hiers auf cheils mündlich, cheils fehriftlich von Churbrandenburg, Pfalz Neuburg und benen landſtaͤnden derer zur Erbſchaft gehörigen Staaten erfucht, die Unterhandlungen über fich zu nehmen. Man verſprach fich von deſſen Ehrlichkeit und Eluger Einfiche und gutem Willen nicht zu viel. Er ftellte eine Zuſammenkunft beider beſitzhabender Fürften den 22ften May zu Homburg an der Höhe an, welche von Seiten Bran⸗ denburgs Marggraf Ernft, den der Churfürft zum Statthalter ver juͤlichſchen Erb⸗ ſchaft ernennet hatte, von Seiten Pfalz Neuburg aber der Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm beſuchte. Weil aber beide Theile Anftand nahmen, in eines der vorgefchlas genen DBergleichsmittel zu willigen, fo ward eine neue Zuſammenkunft auf den zuften May nach Dortmund beftimme, und durch Moritzens Bemuͤhung daſelbſt endlich den legten May zwiſchen beiden beſitzhabenden Fuͤrſten ein vorläufiger Vergleich s) zum Stande gebracht. Vermoͤge veffelben folten beide Häufer als nahe Verwandten bis zum fernern gütlichen oder rechtlichen Austrage zufammen halten, und ſich friedlich mit eins ander betragen. Keinem Theil folte an feinem Rechte, fowol in Anſehung des Befis ges, als der Befugniß felbft erwas benommen feyn. Beide folten zuſammen die fürff- liche Witwe abfinden, das Begräbrig des legten Herrn beforgen, die Urkundenbehaͤlt⸗ niſſe verfiegeln, den kehnleuten zu Empfahung ihrer Sehne Aufſchub geben, Reichs / und Kreistäge beſchicken, und Furz alle Iandesherrliche Nechte ausüben. Es wurde dieſer vorläufige Bergleich von beiden Theilen genehmiget, auch den tandftänden und übrigen Unterthanen befandt gemacht, welche auch ohne alle Wiverfeglichkeit am ıdten Zum, beide Sürften für ihre Herren erkannten. In denen Städten Düffeldorf, Weſel, Reeß, Emmerich, Duisburg wurden beide Statthalter mit fliegenden Fahnen und grofs fen Feierlichkeiten eingeholet. Nach Duisburg wurde ein tandtag ausgefchrieben, wo am 14ten Sul. von denen Beſitz habenden Fürften die Freiheiten der Unterthanen beftätiget, und von denen gefamten Ständen das Handgeluͤbde bis zur völligen Hufldigung angenoms . inen ward. So afticflich dieſes alles vor das Sand felbft ausfiel; fo hatten doch andere . Mitiwerber fich bereits ben dem Faiferlichen Hofrath gemeldet. Rudolph 2 wolse dem Devenfen des Lenin von Ulm zu feinem Vortheil nachkommen, und alfo weder bie Defisergreifung ver Häufer Brandenburg und Pfalz- Neuburg vor rechtmäßig ers kennen, noch den dortmundſchen vorläufigen Vergleich beftätigen. Unter dem Vor⸗ wande, daß er Dberlehnsherr und unmittelbarer Nichter aller freitenden Theile fey, hielt er davor, daß die befigende Fürften denen Verboten und Borladungen feines Hofs raths Folge leiſten müften. Er befchloß, die Landeseinkünfte erheben und verwalten zus | | Uuu 2 laſſen, Laͤnichs Reichsarchiv Part, Spee, von Brandenburg p69, du Mont T.5 Aizema T,» 160$. 1609, Eier werden son der corre⸗ pondenz, Frankreich 524 38. 9Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. Iaffen, und fich, bis zum Austrage der Sache, ſelbſt durch Bevollmächtigte der Re⸗ gierung zu unterziehen. Er ernannte den Prinzen von Hphenzollern und den Obri⸗ fien Hans Reinhardt von Schönburg zu feinen Bevollmächtigten, und, um feinen Abfichten noch ein mehreres Anjehen.zu verfchaffen, ward dem Bifchof von Strasburg und Paflau Erzherzog Leopold aufgetragen, als Faiferlicher erfter Bevollmächtigter fich der Negierung diefer Länder zu unterziehen. Der Eaiferliche Hofrath unterftund ich fogar, beiden bejighabenden Fuͤrſten fowol, als den Landſtaͤnden, anzubefehlen, bey Strafe ver Neichsacht dem Faiferlichen Vorhaben ſich nicht zu widerſetzen, und ihre Be⸗ ſatzungen und Kriegsvoͤlker abzuſchaffen. Es muſte ſogar ein kaiſerlicher Herold den zzften Zul. zu Duͤſſeldorf an ver Canzley und am Rathhauſe allerhand kaiſerliche Ber fehle anfehlagen, und der Erzherzog Leopold nahm fogar, durch Verrätheren des von Neſſelroth, das Schloß Juͤlich ein, und befegte es mit Völfern, die, zur Vollſtre⸗ dung der Eaiferlichen Abſichten, ins fand gerückt waren. Erzherzog Albrecht in den Niederlanden machte uͤberdies gar fein Geheimniß daraus, daß er die Falferlichen Voͤl⸗ ker in den jülichfchen Erbſchaftsſtuͤcken mit aller Macht unterftügen würde. Die bes fishabende Fürften wolten fich.aber durch das unbegrändere Berragen des Faiferlichen Hofes nicht fofort vertreiben laffen. Sie lieffen den ıften Auguſt die Faiferlichen an⸗ gefchlagenen Befehle auf eine feierliche Arc herunter nehmen, und volderfprachen dem ganzen Betragen des Faiferlichen Hofraths in einer öffentlichen Schrift, die der beſtaͤ⸗ tigte Notarius Peter Gans auf gehörige Art bezeugte. Ste bewiefen darin, daßdie Faiferlichen Befehle gegen alle gemeine Nechte und Neichsfagungen liefen, da allen, die fich zu einer Erbſchaft bevechtiget hielten, durch Bsfigergreifung denen Miterben vors zukommen, freiftünde, und der, welcher folche ergriffen, nochwendig bis zur ausges machten Sache im Beſitz gefehliget werden muͤſte. Beide Bevollmaͤchtigte der beſitzha⸗ benden Fuͤrſten, Marggraf Ernſt und Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm lieſſen ſich durch das Betragen des Faiferlichen Hofes um fo weniger irre machen, da fie wohl ein⸗ ſahen, daß das Verfahren Rudolphs 2 fo fonderbar fen, daß dabey weder Die corre⸗ ſpondirenden Fuͤrſten, noch die auswärtigen — Gr und Holland, * Zuſchauer abgeben koͤnten 2). $. 219. Die jülichfche Ssfpaftäfnde ward in ver That, net der Göhaiiherifihen | Begebenheit, das Hauptaugenmerk der correſpondirenden Fuͤrſten. Da die ſorgloſe Rs . gierung des Kaifers und das widerrechtliche Detragen feines Hofraths Feine Schranken und Holland mehr hatte; fo ward auf der Zuſammenkunft der correſpondirenden Fuͤrſten zu ſchwaͤ⸗ unterſtuͤtzt. biſch Hall den ioten May beſchloſſen, eine Geſandſchaft an ven Kaiſer zu ſchicken, und das Misvergnuͤgen uͤber ſeine Regierung ohnverheelt vorzuſtellen. Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt ward hiezu erſehen, und demſelben churpfaͤlziſche, churbrandenburgi⸗ ſche und baadendurlachiſche Geſandten beigefuͤget. Churfuͤrſt Johann — chickte Bopp — Beſchreibung des Landes Cleve door Everard van Reyd und continuatie door S. 192 f. Hiſtorie der Niederlandſe es Johann. van Sande. — | Churfürf Johann Sigismund. 525 ſchickte zu dem Ende den Siegmund von Goͤtze, und nach deſſen Wiederabforderung Dohann Köppen den jüngern nad) Prag. Niemals ift wol einem Kaifer mie meh⸗ zerer Freimuͤthigkeit die nackte Wahrheic ſo unter die Augen geftellee, als es damals ges ſchahe. Fuͤrſt Ehriftian jeigte dem Rudolph 2 fein und feiner Räche Berragen for wol, ald auch die Folgen, welche daraus entftehen koͤnten. Er machte denfelben fowol durch Vorſtellung deffen, was mit feinem Bruder Matthia und denen uhr vorgefallen und noch vorgehen Fonte, als auch fogar dadurch fehr aufmerffam, daß Ju⸗ lius Caͤſar jaͤmmerlich ermordet worden, weil er auf die vorhergegangenen Warnuns gen nicht Acht gegeben. Da der Fürft wegen der angebrachten Defchwerden gegen das Betragen des Hofraths, bejonders in der donaumwerthichen und juͤlichſchen Sache, Feine gewierige Antwort erhielt; fo fprach er mit der gröften Freiheit von denen Huͤlfs⸗ mitteln, welche die Proteſtanten kuͤnftig dagegen brauchen wuͤrden. Die correſpon⸗ direnden Fuͤrſten fertigten auch wirklich, wegen der juͤlichſchen Erbſchaft, den Fuͤrſten Chriſtian von Anhalt zu Ausgang des Octobers an den Koͤnig von Frankreich Hen⸗ rich) 4 ab. Kaum war ſolcher aus Frankreich zuruͤck gekommen; ſo gieng er, auf Erſuchen der beſitzhabenden Fuͤrſten der juͤlichſchen Erbſchaft des churbrandenburgi⸗ ſchen und pfalzgraͤflich neuburgiſchen Hofes, abermals zum Könige von Frankreich. Er reifete ven 4ten Derember über Strasburg nad) Paris, und ward mir vieler Hofnung zur bevorfiehenden Hülfe abgefertiger. Bon da gieng Ehriftian nad) denen pereinigten Niederlanden, und erhielt ſowol von den Staaten, als auch von dem Moritz von Oranien, das fichere Berfprechen des Beiſtandes. Bey feiner Zurück Funfe nach Duͤſſeldorf erfreuere er fowol das fand, als auch die Statthalter Marggraf Ernſt und Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm mit feinen Antworten. Henrich 4 hatte ohne⸗ dies ſchon lange zuvor Entwürfe gemacht, die öfterreichifche Uebermacht zu zergliedern. Dahin gehöreten vornemlich feine Einfälle, die ganze Chriſtenheit in einem allgemeinen groſſen Staat zu vereinigen, der funfzehn Glieder haben folce. Darunter ſolten fünf Erbfönigreiche, als Frankreich, Spanien, Großbritannien, Schweden und Savoyen feyn, welches letztere nebſt Mailand die longobardiſche Krone tragen ſolte. Die fechs Wahlreiche folten das Papſtthum, welches auch Neapel haben ſolte, das deutſche Reich, Polen, Ungarn, zu welchem Siebenbuͤrgen, Moldau und die Wallachey geſchlagen werben ſolten, Böhmen und Dännemgrf ausmachen. Vier Sreiftaaten folten feyn, der niederländifche, zu welchem die 17 Provinzen nebft denen jülichfchen Erbſchaftsſtuͤcken gerechnet wurden; der ſchweitzeriſche welchem auffer der Schweitz noch die Graffchaften Burgund, Elſas, Tyrol und Trident beizufügen; der venetianifche, zu dem man Sicilien fehlagen koͤnte; und der italienifche, der aus denen übrigen kleinern italienifchen Staaten zuſammen zu fegen wäre. Aus der + ganzen Einrichtung diefes Entwurfs ſiehet mar, was Franfreicy Defterreich zu ent⸗ ziehen ſuchte, und welche Staaten es durch Vortheile gegen das Erzhaus zu verbinden ſuchte. Henrich war viel zu klug, als daß er ſich einbilden koͤnnen, es wuͤrde fein Entwurf ig ‚gänzlich zum Stande fommen. Er gieng gerne davon ab, wenn nur Muu 3 + der / 1609. 526 3%. 9 Hmuptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1609. ber Hauptgegenſtand, Oeſterreichs groſſe Macht zu brechen, erreichtwurde. Erf he Defterreichs Begierde auf die julichfche Erbſchaft ein. So bald aber Branden ⸗ burg und Neuburg Much faßten, den öfterreichifchen Abfichten fich zu widerfegen, ließ fich folches Henrich gern gefallen. Gegen das Erzhaus hatten die Holländer gleis che Gedanken, und dies erleichterte des Fuͤrſten Chriftians Anfuchen. Die Statt halter der cleviſchen Erbſchaft ernannten noch in diefem Jahre diefen Fürften zu ihrem oberften Feldherrn, und befehloffen, alles anzuwenden, um die Aofichten des Kaiſers 1610, gu vereiteln. Frankreich, Holland und die Correfpondenz fehloffen daher endlich 1610, zum Beften der befighabenden Fürften, ein Buͤndniß. Den zten ebr. ward zu Hall in Schwaben von den einverftandenen proteftantifchen Fuͤrſten ihre bisherige Ders bindung erneuert, erweitert und noch genauer abgerevet. Man nannte folches die Hals Yifche Union. Auch der Churfürft trat, der jülichfihen Sache wegen, derfelben bey. Rebſt ver Wiederherftellung von Donaumwerth gieng hiebey die Hauptabficht dahin, Brandenburg und Neuburg bey dem Beſitz zu erhalten, ohne gegen bie Yufprüche von Sachfen und der jüngern Töchter Herzog Wilhelms von Eleve etwas nacheheile ges vorzunehmen. Die beiden Statihalter der Erbfchaft hatten bereits vorher zu Hall in Schwaben den rzten Kan. fih aufs neue verglichen, zufammen zu halten, die KHeichs» und niederländifche Belehnung zu fuchen, und den Herzog Johann Fries drich von Würtemberg, den Marggrafen Georg Friedrich von Baaden und den Herzog Adolph von Holftein als Schiedsrichter in diefer Sache anzunehmen, . die fich aber diefes Auftrags nicht unterzogen haben. Den 24ften Jan. erFlärten fich beide Start» halter dahin, daß die Befigergreifung denen pfalz / zweybruͤckiſchen Anſpruͤchen nicht nach» theilig feyn folte. Der Union trat den zaften Febr. der König Henrich 4 von Frank reich wirklich bey, und das Haus Pfalz hat denſelben nachher für den eigentlichen und erſten Rathgeber der LInion ausgegeben. Er feßte fich auch in der That in die fuͤrch⸗ terlichfte Kriegsruͤſtung. Der Kaifer, der von der Union und deren Abfichten durch ihre eigene Schreiben unterrichter worden, misbilligte folche nicht nur auf das höchftes fondern die Catholifen verdoppelten jest auch ihren Eifer. Sie erneuerten und ver ftärften ihre Verbindung zu Wirrzburg, wovon fie ven Herzog Maximilian von Baier zum Haupt ernannten, Dies ift die befandte Liga, die fich der Union ent gegen fiellte 2). y | E — 220. | Die beſitzha⸗ Ob nun gleich der König von Frankreich Henrich 4 mitten in feinen Zuruͤſtun⸗ —* — gen dutch die mörberifche Fauſt des Franz Ravaillac ums Leben kam, fo nahm doch der verwen, hülfe anderen, Krieg gegen die Faiferlichen Volker, die den Befiß an fich reiffen wolten, feinen Ans die kaiſerlichen fang. Die befißhabenden Sürften wurden von der koͤniglich Franzöfifchen Witwe for voͤller zuruͤck. wol als von den Holländern unterſtuͤtzt. Es fochten vor diefelben Franzoſen, Eng. länder, Niederländer und Deutſche mic ver gröften Eintracht. Ihr Feloherr Fuͤrſt Ehriftian von Anhalt brachte nebſt dem Prinzen Friedrich Henrich von Oranien die in 23 m) Luͤnich Ts du Mon T. 5. Kondorpius T. nm . — — RER Ehurfürft Johann Sigiemund, 527 in den Niederlanden gewordene Völker herbey. Zu Nimwegen wurbe das Fußvolk 1610. auf Wagen gefegt, und gegen die jenfeit der Maaß ftehende und daſelbſt übel hauſen⸗ pe Bölfer des Erzherzogs Leopold gefuͤhret. Die letztern befunden aus 4 Regimen⸗ term Reuter und einem Regiment Fußvolk. Diefe wurden von Ehriftian und Fries drich Henrich zu denen nod) aus den nächftbelegenen Beſatzungen der cleviſchen Erb⸗ 2 ſchaftsſtuͤcke einige Mannſchaft geſtoſſen, uͤberfallen, geſchlagen, zerſtreuet, und auf 600 Gefangene gemacht. Das Kloſter Reckum bey Maſtrich, wohin ſich 600 Fein⸗ pe gejogen, ward angeſteckt, und die Befagung mehrentheils darin verbrannt. Frie⸗ © drich Henrich ſchlug bey ſeinem Zuruͤckzuge noch den in des Erzherzogs Dienſten ſte⸗ genden Oberſten Berlo. Weil man der Stadt Coͤln, welche ſtarke Werbungen vor J genommen, nicht trauete, ſo wurde dieſelbe zur Entlaſſung ihrer Mannſchaft angemah⸗ 4 net: Den ezten Zul. gieng der Kriegsfeldherr Fuͤrſt Chriſtian mit einigen 1000 Mann ‚ > aus Duͤſſeldorf bey Steimlingähaufen über ven Rhein. Es fand fich bey ihm bald — darauf Prinz Moritz von Oranien mit 138 Fahnen Fußvolk und 3000 Reutern, 48 Säcuck groben Geſchuͤtz und 1000 Wagen Mund und Kriegsbeduͤrfniſſen bey Reeß ein. Dieſe geſamte Macht belagerte das Schloß Juͤlich. Den soren Auguſt ward ein 5 Yuflenwerf geftürmet und erobert, woben Fuͤrſt Chriftian ein Pferd unter dem Leibe, R der Statthalter der Stadt Grave aber Obriftwachtineifter Sedinsky den rechten Fuß verlor. Den ı4ten Auguft gieng durch Sturm ein anderer halber Mond an die Des lagerer über. Zuletzt ward den sten Sept. das Schloß eingenommen, und die erz⸗ - Berzoglichen Völker muften nunmehro das ganze fand räumen, und durchs Luxembur⸗ giſche nach) dem Elfaß abgehen, wodurch die befighabenden Fuͤrſten nunmehro in dieſer Erbfchaft zur Ruhe kamen. Leopolds Voͤlker machten zwar am Rhein und im El f neue Bewegungen, und mochten wol gegen den Marggrafen von Baaden /⸗Dur⸗ lach und andere proteftantifche Fuͤrſten ein Abſehen haben. Allein das Heer der Union, welches zum Vorthell der befishabenden Fuͤrſten, unter Anführung des Marge grafen Joachim Ernft von Anſpach, im Elfaß eingeruͤckt war, that ihnen durch) > Jeichte Treffen vielen Schaden, und trieben fie ziemlich in die Enge. Der Kaifer war war damit übel zufrieden, und trug dem Herzoge von Baiern, als oberftem Befehlss haber von der Liga, auf, fich der Union zu widerfegen. Cs ſchlug aber der Herzog Marimilian ı von Baiern diefen Auftrag aus, und es ward noch überdies zu Muͤn⸗ chen zwifchen der Union und Liga ein Bergleich getroffen, kraft deſſen nur das nörhige Rriegsvolf beibehalten, Feiner von dem andern beunruhiget, in der juͤlichſchen Streits Mb fache aber einem jeden freigelaffen werden folte, welchen Theil man ohne Verletzung per Neichögefege beiftehen wolte &L" N | 7, Der Kaifer Eonte die Vereitelung feiner Abfichten nicht verſchmerzen. Cr hielt Merkwuͤrdi⸗ mit einigen Churfürften und Sürften eine Zufammenfunft in Prag, wobey man das * zuſammen⸗ | en “mi unft zu Prag. 7 Befhäfte der römifchen Koͤnigswahl zum Vorwande brauchte. Bon den Proteftans ten erfchienen Churfachfen, Braunſchweig und Darmftadt perfonlich, welche durch ber — TE ee — — H Ebendaſelbſt und Friedenstrartäten zu Muͤnchen vom Ber. 1610, und »oppLe \6ng 3Th. 9 Hnuptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1610, beſondere und hauptfächlich fie felbft angehende Urſachen angetrieben wurden, mit dem Faiferlichen Hofe gemeinfehaftliche Sache zu machen. Das Haus Sachfen ſuchte ich beſonders in der juͤlich ſchen Sache durch den Kalſer Vortheile zu verſchaffen, und er⸗ hielt auf dieſer Zuſammenkunft die wirkliche Belehnung mit dieſen Landen. Weil aber ſolches unter der ausdruͤcklichen Bedingung geſchehen, daß ſie keinem andern an ſeinem Rechte nachtheilig ſeyn ſolte, ſo ſind die Vortheile ‚ die Sachſen dadurch erhalten, ſehr geringe. Der Herzog von Braunſchweig Henrich Julius ſuchte ſich dadurch ein Verdienſt zu machen, daß er in dem Ausſoͤhnungsgeſchaͤft zwiſchen dem Kaifer und feinem Bruder Matthia fich ſehr gefihäftig erwies. Es hat aber nachher der Ausgang erwieſen, daß e8 dem Kaiſer hieben Fein Ernft gewefen. Indeſſen wirkte der Herzog von Braunſchweig eine Achtserflärung gegen die Stadt Braunfchweig aus, ob ſol⸗ che gleich erſt im folgenden Jahr befandt gemacht wurde. Dem Haufe Sachfen zu ‚Gefallen wurden wegen der jülichfchen Erbſchaft Unterhandlungen mic der Union zu Coͤln gepflogen, welche ſich aber fruchtlos zerſchlugen. Die Reichsſtadt Coͤln verweis gerte ihren proteſtantiſchen Buͤrgern nicht nur die Ausuͤbung ihres Gottesdienſtes, ſondern glaubte auch berechtiget zu ſeyn, zu verwehren, daß ihre evangeliſche Einwoh⸗ ner ſich des Gottesdienſtes in nahe belegenen Orten, die zur juͤlichſchen Erbſchaft ge höreten, und fonderlich zu Muͤhlheim, bedieneten, worüber die befigpabenden Fuͤrſten mit dieſer Reichsſtadt in Streitigkeiten geriethen y). | | 70% | $ 221. Neuburg und Weit erheblicher war die Zwiſtigkeit, welche zwiſchen den Haͤuſern Pfalz⸗Meu⸗ Zweybruͤcken hurg und Pfalz ⸗Zweibruͤcken entſtanden. Beide waren ſchon wegen der juͤlichſchen — ——— Erbſchaft uneins. Hiezu kam anjetzt eine neue Urſache. Der Churfuͤrſt Friedrich 4 der churpfalzi: von der Pfalz hatte feinen Schwiegerſohn Johann von Pfalz⸗Zweibruͤcken in ſei⸗ ken vor nem Tegten Willen zum Vormunde feines minderjährigen Churprinzen Friedrichs 5 er⸗ mundfhaft ne. Nach dem Tode des Churfuͤrſten Friedrichs 4 aber hielt fich der Pfalzgraf von Neuburg Philipp Ludwig zu diefer Bormundfehafe um fo mehr berechtigen, weil er glaubs te, daß ihm als nächftem Seitenverwandten folche durch eine Verordnung der güldenen Bulle zuftünde. Er glaubte, daß ein Churfuͤrſt nicht berechtiget ey, die Bormunds ſchaft Aber feinen Churprinzen in dem legten Willen fo zu beftimmen, daß der durch die gülvene Bulle hiezu verordnete nächfie Seitenverwandte übergangen werden koͤnne. Man hätte einen Unterfchied zwifchen den eigentlichen Churfachen und andern Dingen machen, und fich auf denfelben Fuß vergleichen koͤnnen, wie folches ſchon vorher ver Ehurfürft von Brandenburg Johann Georg und der Herzog von Sachfen Al z tenburg Friedrich Wilhelm, ben Gelegenheit der Bormundfehaft des churſaͤchſiſchen Prinzen Ehriftiand 2, gethan. Hier war aber die Berbitterung ſchon einmalzu jtarf, Johann von Zweibrücken feste fic) in den Befig der Vormundſchaft, und erhielt 1611 einen gewierigen Faiferlichen Ausfpruch, "welchen jedoch Pfalz Neuburg aus als len Ludolph Schaubuͤhne B. 10. Lordorpius T. x. ng ii —— r — DR | I". mu re a * — 5 EN J F ar 1 > Churfuͤrſt Johann Sigismund. 529 len Kraͤften widerſprach. Dieſes ſowol, als weil Donawerth noch immer in haieri⸗ 1611. ſchen Händen blieb, und die kaiſerliche Acht gegen die Stadt Braunſchweig bekandt gemacht wurde, machte die Proteſtanten immer aufmerkſamer 2). | Hiezu kam dasjenige, was in Aachen vorfiel. In diefer Stade wurdedie.Gelds Die Brote: firafe von ven geaͤchteten Proteflanten mit einer folchen Schärfe eingetrieben, daß Kanten in Aa⸗ darüber ein neuer Aufſtand vorfiel. In demſelben machten fich die Proteſtanten wies nen ie der völlig von dee Stadt Meifter, verjagten die Jeſuiten, und ſchloſſen durch, Unters die oberhand. handlung der die juͤlichſche Erbſchaft im Beſitz habenden Zürften mit denen catholis fihen Bürgern einen Vergleich. Vermoͤge deſſen folten beide Theile gleiche Religions⸗ ‚freiheit und an den Narhsbebienungen gleichen Antheil haben. Der Nach widerfprach deinfelben, und wolte den Ausſpruch der Faiferlichen Bewollmächtigten erwarten, wels chen die Evangelifchen nunmehr als völlig unnöthig.anfahen a). ; ‚e m Die befigpabenden Fürften der juͤlichſchen Erbſchaft erfannten aus dem bisheri⸗¶ Juͤterbock⸗ 2 gem Betragen des Faiferlichen Hofes, was derſelbe bey. der fehlgefchlagenen Hofnung, ſHer vergleich iſt unwirkſam. fuͤr ſich ven Beſitz zu erlangen, nunmehr aus Haß gegen fie vor Sachſen zu thun im Stande fey. Die gewaltigen Zuräflungen des Erzherzogs Leopolds im Biſchoſthum Paſſau fehienen ihnen nichts gutes: vorher zu verfündigen. Marggraf Chriftian von Baireuth und die Landgrafen von Heffen Morig und Ludwig wuͤnſchten, als Uns terhändfer, noch beftändig, durch einige Befriedigung des Churhaufes Sachen folches & zu vermögen, die übrigen Vorthelle der Proteftanten überhaupt beforgen zu helfen, Weil fich die befiggabenden Färften in denen Unterhandlungen zu Coͤln durchaus: nicht verſtehen Finnen, Sachfen zum Mitbeſitz in die juͤlichſche Erbſchaft aufzunehmen, fo wurde ebem dieſer Sache wegen eine anderweitige Zufammenfunft zu Juͤterbock ‚auf den zten Febr. vefigefegt. Hier erfhienen der Ehurfürft von Sachſen, der Chur fürft von Brandenburg, der Marggraf-Chriflian von Baireuth, der fandgraf Ludwig von Heffen perfönlich,. der Kaifer, Pfa: Neuburg, tandgraf Morig von Heſſen⸗Caſſel und andere durch Gefandte.- Es ward hauptfächlich hieſelbſt von der Aufnehmung Sachfens in ven Micbefig der Erbſchaftslande und Rechte gehandelt, % Sachſen verfprach, aus feiner erhaltenen kaiſerlichen Belehnung feinen neuen Grund ‚gegen die Anfpräche ver Häufer Brandenburg und Pfalz Neuburg. herzunehmen, weil diefelbe ohnedies ihren Rechten unbeſchadet gefchehen, derfelben von Brandenburg und Pfalz Neuburg wiverfprochen, und von Ehurfachfen fogar an den Kaifer eine Urkunde ausgeftellet worden, Davon anjegt dem Churfürften von Brandenburg eine eigenhändig unterfihriebene Abfchrift gegeben werden folte, und worin. Sachſen gefte bet, daß die Belehnung unbeſchadet der Rechte ver übrigen gefehehen und angenommen Fey. Es verfprach auch Sachſen, niemals hinderlich, vielmehr jederzeit beförderlich zu fon, daß auch Brandenburg und Pfalz Neuburg wegen diefer julichfchen Erb⸗ — | fchaft . — 2) Ada bey Meyern T. x und Khevenhuͤller Th. 7. #) Noppii Aachner Chronik B. 2. Ludolph B. ır. - P-alg.preuß, Geſch. 3Th. MN 2 3 CH 1611. 36 3% 9 Hauptft. Neuere Gefchichte von Brandenburg. fehaft vom Kaifer die Belehnung erhielten. = Brandenburg fieß fich dagegen schälen daß Sachſen zum Mirbefig der Erbſchaft zugelaffen werde, doch nur unter denen Ber dingungen,» wenn jolches der jeßt abwefende Pfalzgraf von Neuburg und der Kaifee genehmige. Weil aber Pfalz: Neuburgs Bewilligung in diefen zu Juͤterbock den zıften Merz gefchlöffenen Vertrag, ohne welches doch hierin nichts geltendes im dieſer ‚Sache gefebloffen werden konte, fo wenig, als die Bewilligung der Churfürftin von Brandenburg Anna ; welche doc) die eigentliche Erbin diefer Berlaffenfchaft war,‘ erfolgte, Sachſen auch nachher die verfprochene Bedingungen nicht erfüllet; fo iſt auch diefes Haus niemals zum Micbefig der jülichfchen Exbfehaft gekommen, ſon⸗ dern Brandenburg und Pfalz» Neuburg find auch nach ver Zeit allein in dem Ber fig geblieben. Doch auch unter diefen gab felbft Die Gemeinfchaft des Befiges zu mans _ chen Zwiftigkeiten Anlaß.: Auf ven Zufammenfünften des Churfürften und des Pfalz⸗ grafen zu Cuͤſtrin und Königsberg Fonten folche noch nicht gruͤndlich gehoben werben b). Der faifer Der Raifer konte damals vor Sachfen nichts weiter thun, weil er ſelbſt in ei⸗ wird feiner erblande völlig entfeht: nen neuen Krieg mit feinem Bruder Matthia verwickelt wurde. Die fteuermärkis ſche tinie des Erzhauſes Defterreich war über Matthiaͤ Gelindigfeit gegen die Protes ftanten in denen Erblanden unwillig. Sie wolte ſich mit Ausſchlieſſung Matthiä einen Weg zur Kaiferwürde bahnen, und bebienete fich hiezu des Unwillens, den ber Kaifer gegen diefen feinen Bruder noch immer begte. Der Kaifer genehmigte die Maaßs regein feiner Vertern aus der fterrermärfifchen Linie. Anſtatt daß Erzherzog Leopold, Bifhof von Strasburg und Paffau, feine Kriegevölfer aus einander gehen laſſen follen , hatte verfelbe vielmehr im Stift Paflau 12000 Mann jufammen:gejogen, Er ſtellete fich zwar, “als ob feine Zuräftungen nod) immer die Berwaltung der jülichfchen Erbſchaft zum Grunde habe. Es zeigten fich aber feine Abfichten bald Elärer.: Seine - Voͤlker thaten dem Matthia in Defterreich- anfänglich allerhand Schaden. Nachge⸗ hends rückten fie in Böhmen ein, und bemächtigten ſich der Kleinen Seite der. Stadt. Drag nicht ohne Genehmhaltung des Kaiſers. Die ganze Sache ſchlug aber gegen deſſen Bermuthen aus. Matthias, der die hiebey habende Abſichten merkte, kam in der groͤſten Geſchwindigkeit nach Boͤhmen, noͤthigte die Bölfer des Erzherzogs Lens polds, ſchleunig die Flucht zu nehmen, und zwang ſogar ſeinen Bruder, ihm nun⸗ mehro auch die Regierung von Boͤhmen zu uͤberlaſſen, ohne etwas mehr, als feinen Wohnfis in Prag und gewiſſe Sahrgelver zu behalten c), | Ba —— Zuſammen⸗ Die Umſtaͤnde des Kaiſers wurden durch die heftigen Beſchwerden der Reichsſtaͤn⸗ funft ver Ro de noch misficher. Die Union ftellte auf der zu Rothenburg an der Tauber gehalter nen Zufammenfunft den Eaiferlichen Gefandten die donawerthiſche, jülichfche, coͤlni⸗ rhenburg. ſche, elſaßiſche und paſſauiſche Händel mit groſſer Freiheit vor. Sie erklaͤrete fich fogar öffentlich, daß, wenn der Kaiſer ihren Befchwerden nicht abhälfe, fie ſich ſelbſt Recht zu ſchaffen bemüßiget fähe d). | — Be —— * Mit 6) Luͤnlchs Reichsarchiv Part, Fpee son Sachfen, 4 — ) Bhevrenoͤller T.y, Meyer in Londorp. Suppl, Tt. Khevenhitler Churfürft Zohan Sigismund. - > - 531 FE Y y da a te —* — * Mit eben dieſem Muth begegneten dem Kaiſer die verſammleten Stände auf dem 6ir. ECbhurfuͤrſtentage zu Nuͤrnberg. Man erkannte hier die churpfaͤlziſche Vormund/⸗ und der chur— ſcchaft des Johanns von Zweibruͤcken, jedoch dem Recht eines dritten ohne Nachtheil. —— zu F Dieſe Verſammlung wurde ebenfals dadurch verurſachet, weil der Kaiſer bisher alle halte 8 Anftalten mit Fleiß vernachläßiger hatte, feinem Bruder Matthia den Weg zur roͤ⸗ 4 mifchen Föniglichen Würde zu bahnen. Es wurden von Nuͤrnberg aus Abgeordnete H an den Kaifer nach Prag geſchickt. Diefe fprachen mit groffer Freimuͤthigkeit von feis —— er a = ı« ZF, — N a en —— A N ————— Pe N er ‘ —* ib! I: — ner Nachlaͤßigkeit. Sie billigten nicht alles, mas ihm von feinem Bruder widerfaßs zen. ie verficherten, daß man ohne Einftimmung des Kaifers Feine römifche Kos ‚nigswahl vornehmen würde, doch verlangten fie, daß der Kaifer denjenigen namhafte “machen möchte, welchen er aus feinem Erzhaufe, auf das man hauptfächlich fehen wolte, hiezu am liebſten befördert fehen möchte. Endlich entſchuldigten fie fich, daß ‚fie. ihm den verfprochenen Beitrag noch nicht geleiſtet. Kaiſer Rudolph war bey allen dieſen Kraͤnkungen nicht ganz unempfindlich. Der Verluſt feiner Achtung und feiner ' Regierung fowol, ‚als daß ihn feine Hofraͤthe einer Begegnung blos ae ‚ die fo hart als — war, ae vehheifen feine Tage e). $. 222. Die nordiſchen Angelegenheiten waren vor unſern Churfuͤrſten indeſſen eben ſo Nordiſhe Er wichtig, woſelbſt das Kriegsfener überall ausfchlug, oder neue Flammen befam, wels gelegenbeiten.. ches ſich auch) leicht in Preuffen entzünden Fonte, da unferm Churfürften das preußi⸗ ſche lehnsgeſchaͤft noch immer ſchwer / gemacht wurde. Carl 9 König von Schweden "hatte nicht nur feine Krone noch gegen den König von Polen zu vertheidigen, fondern er zerfiel auch überdies mit dem Könige von Dännemarf Ehriftian 4, welcher letztere "unter andern glücklichen Verrichtungen auch Colmar eroberte. Der Hisige Carl fors derte den König von Daͤnnemark zum Zweifampf heraus, ohnerachtet die Zeiten längs ftens abgefommen waren, daß gefrönte Haͤupter ihre Streitigkeiten durch dieſes Mits ' ‚tel zu entfcheiden pflegen, und ohnerachter feine Geſundheitsumſtaͤnde fo fehlecht fich bes fanden, daß er auch noch in diefem Jahre aus der Welt gieng, und feinem Sohne Gu⸗ ſtav Adolph das Königreich Schweden und die Ausführung feiner Kriege gegen Daͤn⸗ nemark Rußland und Polen uͤberlaſſen muſte. Sigismund 3 und ſein Feldherr Zolkiewsky waren jedoch damals hauptſaͤchlich auf die rußifchen Angelegenheiten er⸗ bist, Baſilius Zusfy war fehon im vorigen Jahre in einem Aufſtande Ber Negies rung entfeßt, und hatte dadurch ein Zwiſchenreich eroͤfnet, welches dem rußifchen Staat um fo mehrere Gefahr drohete, da die Einwohner diefes Reichs, im Abficht ihr „zer Krone, in verfchiedene Parteien zerfplietert waren. Der ftärffte Haufen erflärete fi), des Königs von Polen Sigismundi Ätteften Prinzen Dladislaum zum Czaar anzımehmen. Aber Sigismund 3 verfäumte die befte Zeit, feines Sohnes Sache mit Racherud zu unterſtuͤten. Die Ehre, das belagerte Smolensko in feine Hände Xır 2 zu — Londorpius T. 1. 16. m 3%. 9 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. | zu bekommen / behielt ihn vor dieſem Platz unbeweglich. Er bemaͤchtigte ſich zwar in diefem Jahre auch dieſes Steinhaufens; anſtatt aber auf die Scadt Moscau los zuge⸗ hen und daſelbſt ſeinen Freunden kuft zu machen, gieng er nach Warſchau und war von dem Vergnuͤgen ganz trunfen, in feiner Wohnſtadt einen triumphirenden Einzug zu haften. Rußland ſchaͤmte fich, diefen Triumph dadurch zu erhöhen, daß man deſ⸗ fen Sohn über ic) zum Herrn machte, welcher die truͤbſeligen Umſtaͤnde eines benach⸗ barten Staats zu benutzen, und noch immer mit Wolluſt von Rußland Eroberungen zu machen fich vorgenommen. Vladislai Partey verminderte fich, und man bemächtigte ſich derer Polacken, die das Schloß in Moskau in Befis genommen hatten. ur ſpaͤt fafte endlich Sigismund den Entſchluß, feinem Prinzen das rußifche Reich zu Die preufir ſche beleh—⸗ vungs ſache verſchaffen. Er ſchrieb zu dem Ende einen Reichstag nad) Warſchau aus, neue Mittel zur Fortſetzung des Krieges gegen Rußland auszumachen f). Auf diefem Neichsrage folte auch die: ‚preußifche Belehnungsfache endlich ih Stande gebracht werden. Der König Sigismund meinte ſelbſt, daß, wenn e8 dar mit zur Richtigkeit wuͤrde gediehen ſeyn, der Krone nicht nur ein wirklicher Zuſchub, ſondern auch die Zuneigung vieler mit dem Hauſe Brandenburg verwandten Fuͤrſten koͤnte zuwege gebracht werden. Hochgedachtes Churhaus gruͤnde ſich auf eine Anwar⸗ tung und auf gewiſſe Vertraͤge. Die Regeln der Klugheit riethen, daß man deſſen Freundſchaft beibehalte, und die Gerechtigkeit verſtatte nicht, ſelbigem das Seine zu entziehen. Mur muͤſte man das, was bisher gekraͤnket worden, in feinen — Stand ſetzen, und wegen des angetragenen Vortheils eine ſolche Verfuͤgung machen, damit derſelbe * zum Privatnutzen verwendet würde, fondern dem gemeitten Weſen zu ſtatten Fame. Der Churfürft Johann Sigismund, der im Sept. aber nur auf kurze Zeit, felbft nebft feiner Gemalin nach Preuſſen gekommen war, ließ bey denen polniſchen Ständen daher durch Geſandten fein Beſtes beforgen. Die polniſch/ preuſ⸗ ſiſchen Staͤnde, welche er durch einen Abgeſchickten ſchriftlich erfircht , ihren andboten “auf dem Reichstage aufzutragen , dieſe Sache zu befoͤrdern, gaben ihm die beſten Bars ⸗ fprechungen. Als ſolche auf dem tandtage zu Marienburg darüber. flimmeten, wie ‚in der preußifchen Belehnungsfache ver Auftrag vorihte Abgeordnete einzurichtenwoäre, beklagte der nene eulmiſche Bifchof Matthias von Konnopat den Berfallder päpftlichen ‚Religion in Preuffen. Knechte, fprach er, worunter er die Evangelifchen verftund, . herrſchen überuns, und man über gegendie Catholifchen mehrere Härtedafelöft, als in England, aus. Wenn man das ganze fand durchreifer, fo finder man Feine catholi⸗ ſche Kirche. Diefer Umftand Hat bey den bisherigen Handlungen mit den churfürftfichen Abgefandten die meifte Schwierigkeit gemacht. Man folte fich in dieſem Fall billig dar» nach) richten, wie eg ehemals geweſen, da es nochgut um die catholiſche Kirche geſtanden. Die andetn adelichen Rärhe pflichteten diefer Meinung bey: Der pommerellifche Woy wode gieng gar foweit, daß man, nach feiner Meinung, dem Churfürften das tehn verfagen "folte, wofern ee den Catholiken ihre — Kirchen wieder einzuräumen, Schwie, rigkei⸗ f) Herrn Lengnichs Geſchichte von Preuffen adh. 4. Chirfinſt Johann Sigismund. 53. | Br: tigfeicen mache. Allein die groſſen Städte eiechen, die Sache nicht fo weit zu trei⸗ _ 16ır. F bir danit nicht der SPAR Anlaß —— moͤchte, das Herzogthum mit Macht behalten. J J Auf dem Keicherage ſelbſt war die ache Belehnungoſache ein wichtiger Ge⸗kommt zum ER eh der Berathfehlagungen, die auch. anjegt zur gänzlichen Nichtigkeit gelangte. ſtande. Araham Burggraf von Dohna, Johann Truchſes von Wetzhauſen und Joa⸗ | chim Hübner waren die Gefandten unfers Churfuͤrſten. Dieſe fuchtendenzoten Dit, vor das Ehurhaus Brandenburg die Belchnung. Sie übergaben zugleich: die von dem Adel und den Städten des Herzogthums an den König, an den Senat und an bie Ritterſchaft gerichtete Schreiben, welche eben deffelden Inhalts waren. Hierauf wur⸗ den aus dem Senat 8 und aus der landbotenſtube 32 Perſonen ernannt, ‚die mit den brandenburgiſchen Geſandten in Handlung treten ſolten. Man verglich ſich dahin: daß das fehn dem Churfuͤrſten Johann Sigismund gereichet werden, von ihm auf feine männlichen teibeserben, nach, dieſer toͤdtlichem Hintritt auf deſſen Bruͤder und ihre Sbhne ommen, und nach deren gaͤnzlichem Abgange der Krone Polen anheim fallen; der eft nebſt Verſtattung einer freien Ausuͤbung der roͤmiſch⸗ catholiſchen Re⸗ ligion zu ſolchem Gottesdienſt eine neue Kirche in Koͤnigsberg aufbauen, und ſie mit 2000 Gulden jährliche: Einkuͤnfte verſorgen, auch zur Erbauung einer andern bey den dortigen landesſtaͤnden befoͤrderlich ſeyn; den neuen Calender in dem Herzogthum eins fuͤhren; an den polniſchen Schatz jährlich 30000 Gulden, und fo oft in der Krone eis ne? e beivilliget würde, ‚eben ſo viel zahlen; zur Deckung ver preußifihen Seekuͤ⸗ R ſte bey erheifehiender Noth vier Schiffe auf eigene Koften haften; die Einſaſſen bey ® — — und Freiheiten ſchuͤtzen und handhaben; die Appellationes von Endurtheilen, daferne es eine Summe uͤber soo polniſche Gulden betraͤfe, an ven . Eöniglichen Hof verſtatten, und die vom Könige ertheilte ſichere Geleite guͤltig erkennen ſolte. Wie man hiemit fertig war, wurden die Bedingungen den. geſamten Reichs⸗ ſaͤnden vorgetragen, und dem Churfuͤtſten ward zur perſonlichen lehnsempfahung der sagte Mod, angefegt, obwol verfelben zween Landboten in fo weit: widerfprochen hatten, doaß ſie die Sache vorher an ihre Brüder zuräck nehmen woolten.-- Der Churfürft lang⸗ sgererftiden zsten zu Warſchau an, und ward vom Könige feloft, dem Prinzen Vla⸗ dislad und den anwefenden Senatoren dor der Stadt im freien Felde empfangen. ‚Der rer ward zur Belehnung beſtimmt, wozu den Chutfürften die Caftelläne von und Elbingen eintuden. ri Die Seterlichkeit folce auf dem Plage vor dem Bernhardinerkloſter ſbehen/ Die beleh⸗ woſelbſt eine Buͤhne von rothem Tuch, "auf welcher ein mit Gold geſtickter und Teppi⸗ nung erfolgt. chen ausgezierter koͤniglicher Thron ſtund, aufgefuͤhret war. Der König fegte ſich, in kdniglicher Kleidung/ mit der Krone, dem Scepter und Reichsapfel auf den Thron, da inzwiſchen die Woywoden von Poſen, Lerreic und Mafuren den Churfürften hofe ten, der beim gneſenſchen Exzbifchof abtrat, und durch fechs feiner vornehmſten Raͤ⸗ "the deu König um die lehne Fniend erfüchen fieß, Nach eingenommener Antwort folg⸗ e x — rn zu fi * ——— * 2 F % 53 ———— Se Een Mi = N = 1611. 1612. wird in "534 3 Th. 9 Hauptft. Neuere Gefchichte von Brandenburg. R ten Ihro Churfuͤrſtl. Durchl. zwifchen denen Woywoden von Jdofen und Lencic. Vor Ihnen giengen etliche polnifche Hofbedienten, der Fürft Nadzivil, einige Caftelläne und der Woywode von Mafuren; ; nad) Ahnen die Abgefandten von Dero drey Herren Brüdern und Dero anwefende Raͤthe. An der Stiege der Bühne wurden Sie von den Marfchällen empfangen, und nebft den Abgeſandten zum: Föniglichen Thron geführet, allwo Sie kniend die Lehnsfahne empfiengen, melche, zum Zeichen der Mitbelehnung, die Abgeſandten mit anfaften, auch fo lange hielten, bis der Churfuͤrſt den tehnseid, den der Krongrosfanzler vorfagte, auf der Tafel des Throns friend mie Auflegung zweyer Finger auf das Evangelienbuch geleiftet hate. Worauf der König den Ehurfürften umarmte, und ihn neben fich zur &infen auf einen Stuhl feßen Tieß. Bald hernach trat des päpftlichen Borfehafters Secretarius hervor, der im Namen des Papſts wegen der geiftlichen Güter im. berzoglichen SPreuffen einen Widerfpruch beibrachte „ welchen der Burggraf von Dohna mit diefen wenigen Worten: da fragen wir nichts darnach, beantwortere. Womit fich diefe Feterlichfeit endigte, nad) welcher der Churfürft zu Pferde flieg, und mic Vortragung der tehnsfahne nad) dem Pallaft des gnesniſchen Erzbifchofs Fehrete. Das Bernehmen des Ehurfürften und des Foniglichen Haufes war fo gut, daß fich der König des Churfürften Vater nannte, der. fich mit den-koniglis chen Prinzen gemeinfhaftlich ven Brudertitel beilegte. Hierauf reifere Sohann Si⸗ gismund vergnäge nach Preuffen ab. Fünf Meilen von Warſchau ftieffen 300 Solvaten, halb Hellebardirer und halb mit Zeuerröhren bewafnet, zu ihm, welchein Preuſſen angeworben waren, um den Churfürften bey feinem Einzuge in Warſchau zu begleiten, die aber zu fpät angefommen waren. Mit diefen hielt er einen; prächtigen Einzug durch die Ehrenpforten, welche vor ihn zubereitet waren, unter dem Donner bes ſchweren Geſchuͤtzes und täutung der Glocken in die Hauptftadt des. Herzogthume. Auf Johann Sigismunds Befehl ward im ganzen tande, unter Anſti umung des 3 ambrofianifchen tobgefangs, wegen endlich volljogener Belehnung, ein: Dantfeih gu Der hurfürft Im Merz 1612 fofgten ihm die Eöniglichen ernannten Bebotlindchtigten ac Rs nigäberg. Sie reifeten aber, ohne etwas ausgerichtet zu baten, wieder ab, weil die völligen befig Stände mit dem Punkt, der die catholifchen Kirchen betraf, unzufrieden fich bezeig⸗ geſetzt. ten. Sie kamen aber bald darauf wieder. Man verglich ſich wegen eines Platzes auf dem Sackheim, wo die catholiſche koͤnigsbergiſche Kirche erbauet werden ſolte wel⸗ ches nachher auch geſchahe. Das fand ward nunmehr von Polen an den Churfürften, feine Erben und Mitbelehnten verwiefen, wogegen folches nach deren völligen Abgan⸗ ge wieder an ‘Polen fallen folte, welches denn befehworen ward. Mac) der Abreife | ‚ber. foniglichen Bevollmächtigten nahm der Churfuͤrſt nach und nach vom ganzen ande die Erbhuldigung ein. Er ließ den. aten Sept. überall den neuen Calender ; doch mie der ausdrücklichen Erklärung, einführen, daß folches ‚Feineeweges. dem Papft zu Eh⸗ ven, oder feinem: Befehl zu Folge, ſondern allein dem Könige und dem Ehurfürften zu Gefallen aeſchahe. Er hatte eine Kleider / und Geſindeordnung in Preuſſen verfer⸗ tigen — 0 Chunflnfe Johaun Ciiemundı > 535 ‚tigen laſſen/ und feine Gefandten Johann Truchfes Hauptmann zu Fifchhaufen, 16, Euftach von ver Groͤben und der Fönigsbergifche Bürgermeifter D. Wilhelm mu⸗ ſten die Stände im polnifchen SPreuffen erſuchen, folche auch, der nahen Nachbars fehaft wegen, in ihrem Antheil einzuführen. Allein es hatten folche andere Sachen ze berichtigen. Unter andern beſchuldigte der marienburgifche Woywod die Städte, daß ſie durch ihre Tegtere Geſandtſchaft an den Churfürften die Erbauung einer Kirche in Königsberg zu hintertreiben bemuͤhet geweſen, konte aber fein Anbringen durch nichts beweifen. Auch gegen die letztern Neichsragefchläffe war das polniſche Preuß fen nicht zufrieden. Sonderlich befehtwerete man fich über das Verbot, die Waaren durch die Marf und Pommern nach Preuffen zu führen, da man doch. von je her die Freiheit gehabt, fich in ven ‚benachbarten fanden der Wege ohne Unterfchied zu bes dienen, auch weder Churbrandenburg noch Pommern diefe Neuerung gelaffen ans fehen würden, woraus allerfey Verdruͤßlichkeiten fich beforgen Tieffen, die wol gar zu Störung des Friedens ausbrechen koͤnten. Johann Siegmund fand aber in Deutſch⸗ land, wohin er fich aus Preuffen wieder verfügt Hatte, noch weit wichtigere Anger legenheiten 8). { i | Der War? 7 Gleich zu Anfang des Jahres war der Kaifer_ Rudolph 2 vor Sram mit Tode Deutfches abgegangen. ' In dem entſtandenen Zwifchenteich mäkhte der eine Reicheverwefer Chur⸗ dwiſchenreich ſachſen allechand Bewegungen, die dahin abzuzielen fehienen, den Mitbefig ver julich fehen tande, kraft des jüterbocfchen Vertrages, mic Gewalt zu ergreifen. Dies nöthigte die befißhabenden Fürjten, fich dagegen in gehoͤrige Berfaffung zu fegen. Der andere Reichsverweſer war Churpfalz, gegen welches aber Baiern einige Einwenduns gen machte. Ueberdies ftricte jich Zweibrücken und Meuburg bey ver Minderjährigs keit Friedrich 5 von der Pfalz, durch wen von ihnen das Verweſeramt verwaltet wers den müfte. Beide ſuchten fich zwar in Befis zu fegen, Pfalz⸗Zweibruͤck wurde aber von den meiften davor erkannt. Dieſer Neichsverwefer nahm fich auch der aachen, fihen Angelegenheiten an. Kaiſer Marimilian hatte noch) vor feinem Tode wegen des legten Aufſtandes an diefen Ort Strafbefehle ergehen laſſen. Mach feinem Tode fliftete aber Pfalz, mit Zuziehung des’ franzoͤſiſchen Gefandren, und der beiden befige habenden Fürften der juͤlichſchen Erbſchaft, zwiſchen dem catholifchen und proteftans tifchen aachenſchen Theil der Buͤrgerſchaft einen fehriftlichen Vergleich, von dem die = Jeßtern fich um fo mehr eine Beftändigkeit verfprachen, da die Inhaber der juͤlichſchen Sande eine Beſatzung in die Stadt Aachen gelegt. Brandenburg und Pfalz⸗Neu⸗ burg machten während diefem Zwiſchenreich Anftalt, denen cölnifchen Proteſtanten zu Gefallen das Dorf Mühlheim zur Stadt zu machen, um denen Catholiken, Lu⸗ theranern und Reformirten die freie Religionsäbung dafelbft zu vergonnen. Die Neicher . ſtadt Coͤln ſahe ſolches als eine Sache an, die ihr erſtaunenden Nachtheil zuziehen müfte, r A g) Here Lengnich l.c, Luͤnichs Reichsarchiv Pars Spee. von Brandenburg, Erlaͤutertes Preujfen T. ı und 3. + 161 ‘ Die wahlfai: fers Matehiä. 536 3%. 9 Hauptſt Meuere Geſchichte von Brandenburg. muͤſte. & beforgte, daß nach und nach begüterte: Bürger ihres Orts fich mit chreu Haabſeligkeiten nach Mühlheim begeben wuͤrden. Ohnerachtet Muͤhlheim zur julich⸗ ſchen Erbſchaft gehörere, und die beſitzhabenden Fuͤrſten als landesherren unſtreitig das Recht hatten, dieſem Ort die Stadtfreiheit gu ertheilen, ſo fuͤhrte die Stadt En doch eine alte Eaiferliche Begnadigung an, daß in einer gewiffen Entfernung um die Stadt, in welcher Mühlheim belegen, keine neue Stadt angeleget werden ſolte. Die befighabenden Fürften Fehreren fich aber an diefe Einwendung der Coͤlner um fo weni⸗ ger, da eine Eaiferliche Begnadigung, die mit den landeshertlichen Rechten eines drits gen ftreiter, von feiner Guͤltigkeit iſt. Sie festen alfo den Stadtbau zu Muhlhenm beſtaͤndig fort). Indeſſen verſammleten ſich die Churfuͤrſten auf * Wahltage ku — Verſchiedene Fuͤrſten kamen aber zu Heppenheim zuſammen, um ihre Gerechtſame, die fie bey Gelegenheit der Wahl haben koͤnten, in Ueberlegung zu ziehen. Der Chur⸗ fürft Zohann Sigismund beſchickte diefen Wahltag durch eine anfehnliche ar fehaft. Seine Wahlborfchafter waren Adam Gans Freißere von Putlig, ham Burggtaf von Dohna, D. Friedrich Pruckmann, Simon Ulrich 33 rius und Chriſtian von Bellin. Als dieſelben ihre Vollmacht aufzeigten, ſetzte Ehurmainz in derſelben zweierley aus. Mainz vermeinte, daß in der, Vollmacht der brandenburgiſchen Geſandte ihnen zugleich das Recht ertheilet werden muͤſte, andere zu ernennen, die ihre Stelle vertreten Fonten. Mainz verrierh bieben feine ges ringe Kenntniß in dergleichen Geſchaͤften. Niemals haben Geſandte das Recht, ande⸗ Churfuͤrſten den ne... den fi ſi e dem kuͤnftigen Kaiſer vorlegen wolten, genau re an ihre Stelle zu erneunen. Die brandenburgiſche Geſandtſchaft erwies folches, und man fund von diefer Forderung ab» Der Churfürft Hatte in feiner Vollmacht feine Urfache angeführet, warım er dem Wahlgeſchaͤft nicht perſoͤnlich beiwohne. Mainz glaubte, daß eine Entſchuldigung deswegen anzubringen noͤthig fey. Auch dieſes ſtreitet gegen die Rechte der Churfürften. Denn. da die guͤldene Bulle denen Churfürften die Erlaubniß gegeben, ihre, Stelle durch Gefandten vertreten zu laffen, fo ftehet es allerdings in dem Willen eines jeden Churfürften, ob er in Perfon zu er⸗ ſcheinen, oder Wahlbotſchafter abzuſchicken vor gut befindet. Die damaligen Angele⸗ genheiten in Preuſſen hatten dem Churfuͤrſten Hinderniſſe genug in den Weg gele ſelbſt der Wahl beizumohnen, under hatte alſo Entſchuldigung genug, wenn er folchenörhig gehabt härte. Wegen Churpfalz meldeten ſich bey dieſem Wahlgeſchaͤft⸗ ſowol Zwei⸗ bruͤck als Neuburg. Nach der guͤldenen Bulle hätte man in dieſer Sache Neuburg - ohnftreitig den Vorgang laſſen müffen. Demohnerachter aber wurde Johann von Zweibruͤcken zur Beſorgung des Wahlgeſchaͤfts von Seiten Churpfalʒ zugelaſſen. Die Beſchwerden uͤber die Regierung des vorigen Kaiſers gaben Gelegenheit, daß die uͤber⸗ b) Londorpius T- 1. Meiers Lond. Suppl. T. x, maldener⸗ Capit Harmon. Goldaſti | politifhe Reichshaͤndel. Mercurins Gallo- ee Th. 7. Schadäl Sleid, Cont, p. 4, Eu: dolphs Schaubühne. B. 12. — a — H J J = EEE NER vis u — — ET Are — 7 — Pe 2 } 3 en 7 ae ——— r * Im Churfürft Johann Sigismund. ' 537 überlegte; und viele neue Punkte herein brachten ; die in. denen vorigen Wahlverträs ‚gen nicht geftanden hatten, Ich will nur einige derfelben anführen, welche zum Der ſtande der folgenden Geſchichte etwas beitragen. „Die Churfürften, ,, heift es darin, „mögen die Wahl eines römifchen Königes, ſo oft fie es einem Kaifer zur Hülfe, oder fonft dem Heiligen römifchen Reich nothwendig oder möglich befinden, auch) bey lebzei⸗ ten eines Kaifers, mit, oder wenn diefelbige auf angelegte Bitte der Churfürften ohne erhebliche Urfache verweigert werden folte, auch) ohne eines regierenden Kaifers Eins willigung vornehmen. Was durch · die zwey Reichsverweſer waͤhrend dieſem Zwiſchen⸗ reich, laut der güfdenen Bulle, vermöge der Reichsordnung gehandelt worden, folder _ - rörmifche König genehm Halten. Er foll auch allen Reichsftänden fowol, als ihren Botſchaftern und Abgeſandten, fehleuniges Gehör und Abfertigung ertheilen, denenfels ben ihre behn und tehnbriefe wiederfahren laſſen; im wichtigen Sachen, fo das Reich - betreffen, bald Anfangs ver Churfürften Rath und Bedenken fich, gebrauchen ; infons derheit aber feinen geheimden und Reichshofrath mit Fürften, Grafen, Hetren und von Adel auch) fonften ehrlichen teuten, fo im Deutfchen Reich erzogen und geboren, darin beguͤtert, der Neichsfachen wohl erfahren, alfo beftellen, damit männiglic) eine fehleunige und unparteiiſche Gerechtigkeitspflege verwaltet werde. Dem Neichshofrarh foll er auch eine gewiſſe Ordnung und Verhaltungsbefehle vorfchreiben, die alten überfes hen, und bey nächfter Verſammlung der Churfürften zu ihrem Gutachten übergeben; denfelben auch jährlich, oder in zwey Sahren einmal, mit Zuztehung des Churfürften „von Mainz, als Erzfanzlers, -unterfuchen laffen, und fonderlich das jüngft zu Nuͤrn⸗ berg gefaſte Bedenken zur Foͤrderung der Gerechtigkeitspflege, in beſondere Obacht neh⸗ imen.,, Unter denen, welche ſich um die Kaiſerkrone bewarben, war des vorigen Fai⸗ fers Bruder Erzherzog Matthias unftreitig der erheblichſte. Bey denen Catholiken war diefer Herr in der Religion, ihrer Meinung nach, nicht eifrig genug. Dieſe wünfchten daher die Krone lieber auf dem Haupte Erzherzog Ferdinands aus der Graͤ⸗ Ber Linie zu fehen, ‚vor den fi) Spanien befonders bearbeitete, Frankreich hingegen wuͤnſchte die Kaiferwärde von dem Haufe Defterreich. ab, und an das Haus Baiern zu beingen. Es ſuchte daher den Herzog von Baiern denen Churfürften annehms lich zu machen: Doch diefer letzte Umſtand gab Gelegenheit, daß die Prinzen aus dem Erzhauſe Defterreich den Vortheil ihres Haufes allen übrigen Abfichten vor, zogen. Dur) ſpaniſche Vermittelung vereinigten ſie ſich insgeſamt unter folgenden Bedingungen: daß Matthias kuͤnftig mehreren Eifer in der Religion beweiſen, dage⸗ gen Erzherzog Ferdinand zu Matthiaͤ Vortheil ſich um die Krone nicht weiter bewers ben foltes). Der catholifche Theil der Churfürften war hierdurch der Erhaltung, feiner Aſichten aewiß, und vereinigte fich daher mit den protefrantifchen Stimmen zum s mung! Matthiaͤ, unter welchem die Proteſtanten wegen feiner bisherigen Den⸗ kens⸗ 5 Cernicius. Muͤldener Cap. Harm, Append,p.9. von Ludwig Comment: ad A. B. p, 212, Speners Staatsrecht L. 4 p. 277. pP. sllg. preuß. Geſch. 3Th. Yon, 15. 12. 538 37h.9 Haupiſt Neuere Seite, von ——— 612kensart, mehrere Ruhe, als unter der vorigen Negierung, ſich verfprachen. ) Es erfolgte alſo die Wahl dieſes Prinzen, der ſich a * me feiner Semalin * Frankfurt kronen ließ. — 224. { Der neue kai Uber die Proteſtanten fanden, daß, auſſer der Perſon des Kaiſers, Ai faſt bezeigt ſich nichts am kaiſerlichen Hofe geändert harte. Das neue Reichsoberhaupt ließ an Die bes Be bye ſitzhabende Fuͤrſten der juͤlichſchen Erbſchaft fofort, auf Anfuchen der Stade Coͤln, neigt, Strafbefehle ergehen, in Abficht der neuen Stadt Mühlheim alles in den vorigen | Stand zu fegen. An die Stade Yachen ergiengen ebenfals feharfe Befehle, den ale ten catholifchen Rath ſowol, als die Jeſuiten, völlig wieder herzuſtellen ‚und ine ligionsſachen alles, denen Berorbnungen des verftorbenen Kaifers gemäß, in den alten Stand zu ſetzen. Matthias vurchlöcherte hiebey fofort den Wahlvertrag, worin. et vers fprochen , die Handlungen ver Reichöverwefer zu genehmigen, da die in der Stadt Aachen gemachte Vergleiche von dem churpfaͤlziſchen Reichsverweſeramt beſtaͤtiget worden waren. Weil auch bald darauf der ſpaniſche Feldherr Spinola zum Kaiſer eine Reiſe nach Prag that; ſo muthmaßten die Proteſtanten hieraus ſogleich diejenigen uͤbeln Folgen, welche ſich nachhero genugſam gezeiget haben. Insbeſondere fanden die beſitzhabenden Fuͤrſten der juͤlichſchen Erbſchaft hiebey das meiſte Bedenken. Churſachſen ſuchte, es koſte was es wolle, den Mitbeſitz in dieſer Erbſchaft zu erhalten. Matthias nahm ſich der ſaͤchſiſchen Forderungen an, und ſetzte, ſolche geltend zu machen, eine Zuſam⸗ menkunft zu Erfurt vor alle diejenigen an, denen dieſe Sache angieng. Die beſitzha⸗ benden Fuͤrſten befürchteten in einen Krieg verwickelt zu werden, wenn fie in den ſaͤch⸗ ſiſchen Mitbeſitz nicht — * wuͤrden, und dieſe Einwilligung war doch gar zu ſehr ihren Vortheilen entgegen. Die Zuſammenkunft zu Erfurt zerſchlug ſich auch nachher in der That fruchtlos. Churbrandenburg war gar nicht daſelbſt erſchienen, und Neuburg ließ ſich durch nichts bewegen, zu dem ſaͤchſiſchen Mirbefig feine Einwilli⸗ gung zu geben. Es hatte zwar der Kaifer einen Reichstag nad) Regenſpurg ausge⸗ ſchrieben, und zu Beilegung der vielen Streitigkeiten in dem deutſchen Reich neues Hofnung gemacht. Uber die Union fand dieſelbe fo geringe, daß, weil die Liga ei⸗ nen Bundstag in Frankfurt hielt, fie ebenfals in dem Haag mit den Holländern 1613. 1613 ein Vertheidigungsbuͤndniß aufzurichten vor nöthig fand K). | — ©. De vegenfpurgifche Reichstag nahm feinen Anfang. Churfuͤrſt Johann Sis - Regenfpurg gismund von Brandenburg hatte den Abraham Zreiheren von Dohna, D. Fries zertiſen wirt. drich Pruckmann, Ehriftian von Bellin und Zohann Ernft von Schlieben ae ‚ feine Oefandten dahin abgefchickt. Der Kaiſer fuchte hauprfächlich-auf dieſem Reichs⸗ x tage eine Geldhuͤlfe zu erlangen. Die Proteftanten uͤbergaben auf demfelden ihre Beſchwerden wider den Neichshofrath, wider den oͤftern Neligionsfriedensbruch, und wider die Guͤltigkeit der meiften Stimmen in Religions» und Steuerfachen, befonders aber wider die Bernichtigung. des von Ehurpfalz errichteten —— in der ak. ig H Ludolph DB. 1, Aknbsepkas T.t 7 * * * il = we: 0 Churfürft Johann Sigiemund. 539 — Die Catholiken brachten ebenfals Beſchwerden an." Sie beklagten ſich, daß unter 1613. E dem Schein des augfpurgifchen Glaubensbekaͤntniſſes fich viele‘ andere Secten einfchlis " heny und dag man proteftantifcher Seits dem Religionsfrieden vielfältig zuwider ges - * habe. „Die zur Union gehoͤrige Proteſtanten wolten vor Erörterung ihrer Beſchwerden in Feine Berathſchlagungen ſich einlaffen, und enthielten ſich aller Raths⸗ gänge. Sie giengen fogar, nachdem fie einen feierlichen Widerfpruch gegen alle Reichs⸗ ſchluͤſſe eingelege, von Negenfpurg ab. Demopnerachtet ward von denen Catholis fehen allein, welchen von denen Proteftanten nur Churfachfen und Heffeh Darm⸗ ſtadt beigetreten waren, ein Neichsabjchied verfaſſet. Cs ward der Neligionsfriede darinnen zwar aufs neue beftätiger, aber auffer der Tuͤrkenhuͤlfe nichts weiter verords " net, fondern die wichtigften Dinge auf einen anderweitigen neuen Reichstag zu Mer enſpurg verwiefen, der jedoch Feinen Fortgang hatte /). | — J De nordifchen Sachen geriethen um diefe Zeit in ganzandere Umftände. Schon - Die nordi— & As grigen Jahre waren bie Ruſſen müde, ein Raub derer Polacken und Schwe⸗ ſchen angel den zu werben. König&igismund 3 bemuͤhete fih, die auf feinen Sohn Yladıg, 2riten ver Be. . al „ andern fid). llaum ausgefallene Wahl einiger Ruſſen geltend zu machen, fand aber nunmehro — — mehr Hinderniffe, als er vor der Eroberung von Smolensko gefunden haben wuͤrde. Zacob de la Gardie Feldherr derjenigen Kriegsvölfer, welche Schweden in Ruß⸗ laand hielt, bemuͤhete ſich dagegen, des Königs von Schweden Guſtav Adolphs Salbbruder Carl Philipp zum Czaaren in Rußland. zu machen. Allein es wolte ihm eben fo wenig gelingen. Die Ruffen füchten endlich unfer fich ſelbſt ein Ober⸗ haupt vor ihr zerruͤttetes Neich, und erhoben den Michael Feodorowitz Romanom ‚den Sohn des damaligen Patriarchen auf den ezaarifihen Thron. Zarusfi tummelte ſich zwar damals noch vor den jungen Demetrium, einen Sohn der Maria Gorgon⸗ na, in Rußland herum. Er hatte, als deffen Bormund, Caſan und Aftrafan eros bert; er warb aber bald zu Anfang der Negierung des neuen Czaaren ‚mit feinem Uns mündigen umd deffen Mutter gefangen. Zarusfi ward gefpießt, Demetrius erdrof “felt, und die Maria Gorgonna endigte im Gefängniffe ihr Leben. Nun hatte das. Haus Romanow aber noch mic den Polen und Schweden zu hun. Die Beſchaf—⸗ | fenbeit des Königes Sigismundi von Polen und die Berfaflungdes polnifchen Neichs iieſſen die Ruffen von diefer Seite fo wenig befürchten, daß fie vielmehr Smolensko E belagerten. Hingegen zeigte Guſtav Adolph von Schweden, ein ehrbegieriger Fries geriſcher Zürft, dem neuen Czaaren wichtigere Hinderniffe, feine Krone zu erhalten. Die Schweden fehlugen ven Beiftand, den fie dem vorigen Czaar Zuski erwieſen, mie der czaariſchen Krone um einen gleichen Preis an, und wolten ſich begahft machen. Sieruͤber brach in diefem Jahre zwifchen ihnen und dem Michael Fevdorowig ein blu—⸗ tiger Krieg aus. Um alle Kräfte dabey brauchen zu kͤnnen, fand Guftav Adolph = YyYy 2 vor * Ebendaſelbſt und Lehmann. x * 1613. Der hurfürft Krat vor die uhe auf der poluiſchen fei: te.» * 540 3 Th. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. vor gut, den Krieg mit Daͤnnemark, welcher unter feinem Dater ausgebrochen wat, — beizulegen. Er verglich ſich wirklich mie dem Könige Chriſtian 4 zu Sioͤred, ud befam alle verlorne Pläge von Daͤnnemark zurück, davor. er eine Million Thaler bes zahlte. Ä - —— — Unſer Churfuͤrſt ſahe mit Vergnuͤgen zwey evangeliſche Mächte wieder vereim⸗ get, da die Eintracht aus Deutſchland ſich immer mehr und mehr zu entfernen ſchien Diefer Umſtand nörhigte ven Zohann Sigismund, die Ruhe auf der preußifchen Seite, ſo viel moͤglich, zu beveſtigen. Er ließ zu dem Ende im September zwiſchen der Neumark und Polen eine Grenzbeſichtigung vornehmen, und beide Theile vergli⸗ chen ſich theils wegen einiger ſtrittlgen Örenzen , theils wurden neue Merfzeichen derer al- ten Grenzen aufgerichtet. Seine Gefandten, die in dieſem Jahr dem polnifchen Reichs⸗ tage beitvohneten, verlangten auf feinen Befehl, daßalles, mas im vorigen Jahr den vorigen Neichstaasfehluß gemäß von den Foniglich Polnifchen Bevollmächtigten im Her⸗ zogthum SPreuffen verabhandelt wäre, durch einen Reichstagefchluß beftätiget werden - möchte. Es geſchahe folches wirflicd) dadurch, daß alle 1609 und 1612 megen des Her Zwiſchen de sogehums Preuſſen ausgefertigte Urkunden denen Reichsgeſetzen einverleiber wurden. Merl aber die Föniglichen Bevollmächtigten in ihren Schriften die Meformirten von Bekleidung und Bedienungen der Ehrenämter gänzlich ausgeſchloſſen hatten, fo wider forachen diefem Umſtande, die damals aus Polen und Litthauen auf: dem Neichötage ‘anwefenden Evangeliſchen fhriftlich. Es fen folches ‚ fagten fie in ihrer Urkunde, we⸗ der mit dem Churfürften verabredet, noch auch von denen Neichsftänden begehret. Hierdurch fey die warfchauifche Neligionsvereinigung gefränfet, eine bisher ungewöhns liche Glaubensunterſuchung eingeführet, und die durch die fendomirifche Einftimmung zwifchen den gefamten Evangelifchen getroffene Eintracht jerriffen. ,„ Da das Churhaus nunmehr feine Nechte auf Preuffen fo gluͤcklich durchgefest, fo fahen unfers Churfuͤr⸗ ften Vettern in Franken, obwol zu fpät, ein, daß fie fich in dieſem Geſchaͤft zu ih⸗ rem eigenen Nachtheil von dem vorigen und jeßigen Churfürften abgefondert hätten. Sie hatten anfänglich dem Churfürften ven Befis von Preuſſen nicht alleine gegumnet, und die Churlinie alle fehwere Koften alleine tragen laffen, ‚die man, den Beſitz von Preuſſen endlich zu erlangen, aufwenden müffen. Weil mun in der. Tetern ethalte⸗ * nen polniſchen Belehnung nur des Churfuͤrſten und feiner Erben und Brüder, nicht aber der franfifchen Vertern, gedacht worden, fo fürchten diefe Teßtern durch Gefandte auf diefem polnifchen Neichstage in einem befondern Gehör die Mitbelehnung des preußifchen Herzogthums, waren aber nicht fo glücklich, Diefelbe zu erhalteenm). $. 226. be 1 Die beveftigte Ruhe in Preuſſen war dem Churfuͤrſten um ſo viel nothiger da nen beſttzern wegen der juͤlichſchen Erbſchaft neue Weiterungen ſich hervor thaten. Kaiſer Mat⸗ der ſuͤlichſchen tande brechen thias hatte nicht nur, alles Widerſpruchs der beſitzhabenden Fuͤrſten ohnerachtet/ das Ir . Haus m) Lengnichs Sefhichte von Preuſſen adh.a. Herr Oelrichs Beiträge zur brandenb. Kiftorie. a FEUER SAFE En Ehufluſ Johann Sigismund. — 541 Hau⸗ Sachſen wieder damit beliehen, ſondern zwiſchen Brandenburg und Pfalz⸗ 1613. Neuburg ereigneten ſich auch ganz beſondere Zwiſtigkeiten. Selbſt der gemeinſchaftliche neue ſtreitig⸗ Beſitz der ſtrittigen Lande wurde nach und nach eine eben ſo erhebliche Urſache derer keiten aus. Screitigkeiten unter einander, als die beiderſeitigen Anſpruͤche auf die Erbſchaft felbft. Brandenburg hatte ohnſtreitig den Beſitz zuerft ergriffen, und nur blos aus tiebe zur " Ruhe fich gefallen laſſen, durch den dortmundſchen Vergleich das Haus Pfalz Neyr zum Mitbefis zu laffen. Diefes letztere erfannte, daß das Churhaus Bran⸗ denburg vor ihm erhebliche Vortheile habe. Der bisherkge brandenburgifche Statt- Halter Marggraf Ernſt und der neuburgifihe Welfgang Wilhelm fonten opumög- = Kchiin allen Stücken, die die Regierung des fandes betrafen, gleiche Gedanken, gleis che Maaßregeln haben, da ein jeder von ihnen die Vortheile feines Hauſes immer zum 1 —— Hauptaugenmerk behielt, und glaubte, daß dersandere Theil ohne genugfaine Rechts⸗ 5 gründe zu dem Mitbeſitz gekommen ſey. Der brandenburgiſche Statthalter hatte > hieben freilich vor dem neuburgifchen Prinzen erhebliche Vortheile, Da fih Marge raf Ernſt zur reformirten Kirche gewendet, und der gröfte Theil der evangeliſchen %& | "Einwohner ber jülichfchen Erbſchaftsſtuͤcke ebenfals den kehren diefer Kirche beipflichrere, # F Lg x ir AR * Wolfgang Wilhelm von Neuburg aber lutheriſch war; ſo verſchafte dieſer Umſtand Bin Marggrafen Ernſt bey denen Landesſtaͤnden und Unterthanen mehr Zutrauen. = die Macht, von Pfalz Meuburg mie der Macht von Brandenburg damale in Vergleichung gezogen werden Eonte, fo muſte folches nothwendig bey dem erfteren ein Mistrauen unterhalten, dag Brandenburg feinen Anfprüchen ein.mehreres Gewicht ges ben, und diefes Haus die Streitigkeiten länger aushalten Fonne. Das, was in- Juͤterbock zwiſchen Brandenburg und Sachſen verabredet worden, war vor Pfalz Neuburg, wenn es in die Erfüllung gekommen wäre, weit unerträglicher, als vor Brandens burg, weil durch den ſaͤchſiſchen Mitbefig ein gar zu merfliches dem Haufe Neuburg abgegangen wäre, welches fonft wegen feiner andern Beſitzungen nicht fonderliche Eins . | Fünfte Hatte. Das Haus Neuburg glaubte zu bemerfen, daß diejenigen, welche fich bisher der befishabenden Fürften angenommen, mehr die Bortheile des Haufes Bran⸗ denburg, als des Hauſes Pfalz: Neuburg angelegen ſeyn lieſſen. Frankreich, Hol⸗ and und die Union mochten nun entweder hiebey auf Die mehrere Guͤltigkeit der brau⸗ Si ‚denburgifchen Rechtsanfprüche , oder. auf die gröffere Macht diefes Haufes fehen, ſo machte doch beides das Haus Pfalz Neuburg ungemein beſorgt. Deſſen Mistrauen J gebar Klagen, und es gedachte auf neue Maaßregeln, ſich derſelben zu entſchuͤtten. Man kam auf den Einfall, den neuburgiſchen Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm mie des Churfuͤrſten von Brandenburg aͤlteſter Prinzeßin Anna Sophia zu vermaͤ⸗ - — Ien. Der Ehurfürft Sohann Sigismund ließ ſich es nicht zumider feyn, denfelben - um Schwiegerfohn anzunehmen, und durch dies nahe Band der Verwandtſchaft alle amgleiche Gedanken von feinen guten Öefinnungen gegen das Haus Neuburg zu erftis fen. Und wer hätte nicht glauben follen, daß eine folche Vermaͤlung beide beſitz⸗ habende Fürften noch weit näher vereinigen würde? Ben alle dem aber hatte eben jr -Y9y 3 ige 1612. * 542 3%. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. ſes Mittel, das gute Vernehmen zu beveſtigen, ganz entgegengeſetzte Wirkung Der Pfalzgraf verlangte das ganze Recht des Hauſes Brandenburg auf die juͤlichſche Erb⸗ ſchaft zur Mitgabe. Es iſt zwar bekandt genug, daß die meiſten Prinzeßinnen ſelten ihre Gemals, ſondern meiſtens die Staatsabſichten heiraten muͤſſen, auf die ihre Ver⸗ maͤlung abzielet. Allein hier war der Preis zu koſtbar, um welchen der Pfalzgraf ſich mit der brandenburgijchen Prinzeßla verbinden wolte. Der Ehurfürft Fonte ſich nicht entſchlieſſen, die Rechte feines Hauſes auf fo anſehnliche kande, die er jo gegrüns det hielt, der Vermaͤlung feiner Prinzegin aufzuopfern, und zwar zum DBortheil des Haufes Neuburg, deflen Anfprüche nach feiner Meinung übel zufammenhienngen. Der junge Pfalzgraf hingegen hatte von feinen Rechten auf Die jülichfche Verlaſſenſchaft ganz andere Gedanken. Er ſahe ſolche aus einem andern Geſichtspunkt an, und ur⸗ cheilete, wie leicht zu erachten, von denen brandenburgiſchen Gerechtſamen andere, als der Churfuͤrſt. Er glaubte, daß er durch die verlangte Mitgabe nichts, als Ruhe ben demjenigen fich zu erhalten, bekaͤme, was ihm ohnedies zufäme, da doch Johann Sigismund die Forderung des Pfalzgrafen fuͤr viel zu unbeſchelden, viel zu eigennuͤtzig anſahe. Dieſes brachte beide Herren in einen hitzigen Wortwechſel, der um fo em⸗ pfindfichee werden mufte, da fie beide eigene Nechte gegenfeirig vertheidigten und bes ſtritten. Man raͤth fehon im gemeinen teben an, daß Fein Arzt feine eigene Krankheit heilen, und Fein Sachwalter feine eigene Sache vertheidigen muͤſſe. Ein Fremder vers ficht meine Sache mit Fälterem Ye und wenigern, oder vielmehr gar Feiner lelden⸗ ſchaft, als nur blos dabey nicht ganz Teer auszugehen: da ich im Gegentheil, durch die Zuverficht auf mein Elaves Recht angetrieben, den als meinen Argften Feind anfehe, der ſolches nicht fo deutlich einſiehet, als ich ſelbſt. Beſonders finder folches bey grop fen Herren ſtatt, deren Nechtsanfprüche weit wichtiger, die niemals gewohnt find, daß man ihnen ins Geficht widerfpricht, und denen die Gründe ihres Rechts allemal aufdee ſtaͤrkſten Seite, die Gründe ihrer Gegner aber auf der allerfchwächften Seite jederzeit vorgeleget worden. Johann Sigismund Churfürft von Brandenburg Tegte auf die Wagſchaale, worin ſich die Gründe feines Rechts befanden, und die nach feiner Ab⸗ ficht ohnedies vor der andern ein groffes Uebergewicht hatte, noch feinen churfuͤrſtlichen Stand, ſein erlangtes Alter und das Anſehen eines kuͤnftigen Schwiegervaters. In allen dieſen Betrachtungen ſchien ihm der fernere Widerſpruch feines kunftigen Schwie⸗ gerſohns ſo ausſchweifend, daß er daruͤber in Hitze und Wut gerieth. Von den Fol⸗ ger derſelben ſpricht Puffendorf 7) nur mit dunkeln Worten. Le Vaſſor und der groſſe Verfaſſer der brandenburgiſchen Denkwuͤrdigkeiten berichten aber, daß der Chun ft in einer Uinterredung von Diet Sache dem Pfalsgrafen ins Geficht geſchlagen. Be⸗ a) Puffendorf Be —J— Hunde eas prouincias srribaendumn fr t. poſtu⸗ hine fequenti anno Elector ad infpiciendas Iu- latum cum Elr&ori haud faris ode him vide- liacenſes prouincias profectus eflet, a Neobur- retur orto acri iurgio (guidam afyeriora unlga-- gico enixe compofitio negorii quaerebatur, ‚pro-. uere) Nesburgicus zgrani ofkenla ontracta difcef- pofito connubio fao cum Ele&toris filia Anne fit, haud obſeure vinditam minstus. Sophia eui dotis loco Brandenburgicum ius ad 0) Hiftoire de Louis XIIL T, 1, 7 — Pe Re TREE TEE — —— 7 J 8 — Ehurfirſ Aha Siam. 543 Betrachtungen über dieſen Vorfall wird bier Fein $efer von mir. verlangen. - Ich muß nur die Folgen beſchreiben, die derfelbe nach fic) gezogen. Man Fann fich von felöft vorſtellen, daß der Pfalzgraf eine Genugthuung verlangt habe, Der Ehurfürft Fonte - ſich nicht überwinden, folche auf eine in die Augen fallende Art zu geben. Cr hielt es ; für zu beleidigend , daß man ihm feine ausgebrochene Hitze ſo hoch anrechnen folte, daß er diefelbe irgend womit entfehuldigen ſolte. Kurz diefe Sache war gefchehen, und hatte üble Folgen. Die vorgehabte Heirar des Wolfgang Wilhelms mir des Churs fürften Prinzeßin gieng zuruͤck. Er wolte nun dem Ehurfürften nicht einmal trauen, das Schloß Juͤlich in Augenſchein zu nehmen. Der Pfalzgraf veraͤnderte ſeinen gan⸗ — zen Entwurf. Er verließ nach und nach ſeine gemachten Verbindungen, um neue ein⸗ zugehen. Nun fiel er darauf, durch Huͤlfe des Kaifers, der Spanier, der catholis ſchen Liga und ihres Dberhaupts des Herzogs von Baiern, zu feinem Zweck zu ges fangen. Er mächte auf dieſen Iegtern um fo mehr Rechnung, da deffen Bruder Erzbifehof von Coͤln und Biſchof von Lüttich war, und alfo der Machbarfchaft we⸗ gen ihn fehe leicht unterftügen Eonte. Wolfgang Wilhelm trat zur römifchen Kirche über, ob er wol anfänglich folches‘geheim hielt, um hiedurch alle eifrige Glieder diefer Religion zu feinem Beiftand -aufzufordern. Er vermälte ſich auch wirklich den zıten Nov. dieſes Jahres mic der baieriſchen Prinzeßin Magdalena, und dachte num an nichts, als gegen Brandenburg Rache zu nehmen, und mic fremder Hilfe folches | aus dem Befiß der jülichſchen Erbſchaftsſtuͤcke zu verdrengen p). $. 227. F 161%, a - f _ — —— — — Kap Alles diefes mufte bey dem Churfürften das gröfte Nachdenken verurſachen. Cs Maasregein, war gar nicht wahrſcheinlich, daß jest Neuburg zu. einem Dergleich geneigt feyn wür: DL era be, da es feine Rachſucht durch) feine ueuen Verbindungen befriedigen zu Fonnen hofte. — Der kaiſerliche Hof hatte ſchon laͤngſt gezeigt, daß man jetzt am allerwenigſten ſich auf ſeine unparteiiſche Rechtspflege Rechnung machen koͤnne. Die heimlichen Werbungen, die Neuburg in der Nachbarſchaft anftellte, gaben genugſam zu verſtehen, daß ſolches feine Anfprüche mit Gewalt durchjegen wolte.. Da die Sachen fo weir gefommen, fd war ber weitere ruhige neinfchaftliche Befig mehr zu wünfchen, als zu erivarten. Die Hechte des Haufes Brandenburg, und daß folcher zuerft ven Beſitz ergriffen, lieffen nicht zu, daß fich folches aus dem Beſitz fegen laſſen Fonte. Der Churfürft mufte aß fo feine. Sorgen bey diefer Sache verdoppeln. Er beſuchte feinen jüngften Herrn Bru⸗ der Marsgraf Ehriftian Wilhelm Erzbiſchof von Magdeburg zu Halle. Hier bes ſprach er ſich ſeiner Angelegenheiten wegen mit denen ebenfals dahin —— Marg⸗ rafen Johann Georg von Jaͤgerndorf, Marggrafen Joachim Ernſt von Ans ſpach und dem fandgrafen Moritz von Heſſen⸗Caſſel q). Man fand vor allen Din⸗ gen vor norhig ſich der Huͤlfe und des Beiftandes der Holländer zu verfichern, ei a araffa Ges in. Sack. ut, et reftit. Buffendor .& £ v Ser von har ZONEN, des Saalkreiſes. & 1613. Der Hurfürft 544 | 3 Th. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Btandenburg. weil Neuburg ſich an Spanien gewendet, fo muſten die vereinigen niederländie fehen Staaten ſich des Churfürften annehmen. Es lieffen jedoch die inneren Unrühen, welche darin zwiſchen denen Arminianern und Gomariften, oder Remonftranten und Eontraremonftranten entjtanden waren, darauf nicht gewiſſe Rechnung machen. Man muſte daher vorzüglich darauf gedenfen, Die tiebe und das vorzügliche Zutrauen der | Einwohner der jülichfehen Erbſchaftslande beisubehalten. Diefes geſchahe teils das durch, daß der Churfuͤrſt durch eine angefehene beliebte Perfon dieſelben regieren, und theils daß man denen Neformirten, die durch des Pfalzgrafen vorgenommene Aendes zung ihrer Religion wegen ehe beforgt geworden, die Berficherung einprägen mufte, fie würden unter feinem Herrn ficherer und gewiſſer bey ihrer Religion erhalten werden, als unter des Churfürften Negierung. Bisher hatte Marggraf Ernft ———— ſchaft von Seiten des Churfuͤrſten in denen cleviſchen fanden ruͤhmlichſt verwalten, Es war aber felbiger Frank nach Berlin gefommen, wo er nad) einem harten tage . von etlichen Monaten den ıgten Sept. nach dem alten Calender mit Tode abgieng, Seine Stelle zu erfegen ernannte der Churfürft feinen Churprinzen Marggraf Georg Wilhelm, der den ıften Det. durch) ein öffentliches Ausfehreiben zum brandenburgis ſchen Statthalter der julichichen Erbſchaftsſtuͤcke ernannt wurde r). Man konte von denen Unterthanen der juͤlichſchen Erbſchaft Hoffen, daß ſie ſich um fo viel mehr an dieſen Prinzen halten würden, da ſelbiger wegen feiner Frau Mutter der einzige Erbe der ganzen cleviſchen Verlaſſenſchaft und noch überdies der churbrandenburgiſche Hof öffentlich zur reformirten Neligion übergetreten war. Be Diefe Neligionsveränderung ift durchaus nicht durch, die Streitigkeiten mit dem . tric öffentlich Haufe Nruburg verurſachet worden, obwol has, was jeßo vorgegangen y Gelegenheit zur eformit; ten kirche, gegeben haben mag, daß der Churfürft fich offentlich dazu bekannte. Schon lange vor⸗ her war zu dieſer Veränderung wirklich der Grund geleget worden. Bor der von es frigen Lutheranern gemächten Eintrachtsformuf hielten fich Diejenigen, welche fich jeg ger Zeit Neformirte nennen, dffenclich. vor Mitgenoſſen des augfpurgifchen Glau⸗ benshefäntniffes, und nahmen folches befonders nach der Ausgabe an, Die Philippus Melanchthun nach Uebergebung derſelben an den Kaiſer en Auch nach Berfertigung der Eintrachtsformul, Durch welche fich die eifttgen Lutheraner von des nen Reformirten vorfeglich abfonverten, und welche doch niemals mit allgemeinen Beifall in allen Jutherifchen tanden öffentlich eingeführee worden iſt, wolten die Re | formirten doch nicht zugeben, daß fie dem augfpurgifchen Glaubensbefäneniß widers fprachen. Seit der Zeit war nicht nur die Trennung ver Lutheraner und Reformir⸗ ten erfolge, fondern die erften theileren ſich wiederum in Eiferer ihrer lehren, Die de nen Reformirten auch den Namen der Glaubensbruͤder nicht goͤnneten, und in folche, welche durch keinen Berfolgungsgeift getrieben die Reformirten nicht verketzern ſondern ihre Schwachheit dulden, und ihnen diejenigen Vottheile goͤnnen wolten, welche diejes nigen genoſſen, die zu dem augſpurgiſchen Glaubensbekaͤntniß ſich verſtunden. Dieſe letztern Kuaͤnichs Reichsarchiv Part. Spec. Cont, Fortſ. x p.'246, | — 7 ‘ en. . . x - $ [Ale “ E ——— Churfuͤrſt Johann Sigismund. | 545 feßtern handelten um fo viel gerechter, da der augfpurgifche Religionsfrieden nicht de, . nen ertheilet worden, welche die nachher gemachte Eintrachtsformul, fondern das aug⸗ ſpurgiſche Glaubensbekaͤntniß annahmen. Sie handelten um ſo viel billiger, da in endlich weislich eingerichtet, weil fie dadurch ihre Partey gegen die Catholiken vers ſtaͤrkten, und venenfelben fein Recht einräumeten, dieſe und jene unter dem Vorwan⸗ de vom Religionsfrieden auszufchlieffen, weil fie das augfpurgifche Glaubensbefäntnig nicht annaͤhmen. Anfänglich gehörete der hurbrandenburgifihe Hof zu den eifrig⸗ ſten Lutheranern. Es ward unter dem Churfuͤrſten Johann Georg und deſſen Churs prinzen Joachim Friedrich die Eintrachteformuf Öffentlich angenommen. Allein ſchon Sohann Georg hatte vor feinem Tode eine gelindere Denfungsart angenommen. Die Freundfehaft mie dem pfälzifchen Hofe, die Hülfe, die man den Reformirten in Frankreich Teiftere, die nahe Verwandtſchaft mit den anhältifchen Prinzen, welche — zum Theil zur reformirten Religion getreten waren, erweiſen, daß Churfuͤrſt Jo⸗ hann Georg zuletzt denen Reformirten nicht gehaͤßig geweſen. Joachim Friedrich hatte eben dieſe letztere Geſinnung ſeines Herrn Vaters, beſonders nachdem er Chur⸗ fuͤrſt geworben, angenommen; ohnerachtet feine Vertraulichkeit mit denen correſpon⸗ direnden Fürften, unter welchen fich zum Theil Meformirte befanden, erweifen, daß “er fehon als Verweſer des Hochftifes Magdeburg Feinen Berfolgungsgeift gehabt. Als Churfuͤrſt fuhr er fort, mir den Correfpondirenden vertraut zu feyn. Seine Freund» ſchaft gegen Pfalz und Holland nahm beftändig zu. Er verfobte fogar feinen Enkel an eine churpfälzifche Prinzeßin, die doch in der veformirten Religion erzogen wur ⸗ de. Churfürft Johann Sigiemund fonte daher auf feinem Todtenbette die Verficher rung geben, daß er in feines Vaters Glauben ftärbe. So bald diefer letztere Prinz jur Regierung Fam, verficherte ex die kandftände, bey der evangelifchen tehre beſtaͤn⸗ Dig zu verharren. Er ift auch dabey geblieben, ohmerachtet er nach angeftellter Prüfung ſich nicht vor verbunden hielt, alles insgefamt zu glauben, was bie Jutherifchen tehrer als Glaubensartikel beftimmt, vielweniger alles zu verdammen, was die Reformir⸗ ten behaupteten, ob er gleich auch niemals alle denen ehren beipflichtete, die die eifrigs fen Gorteegelehrten der reformirten Kirche vorgetragen. Schon 1608 war Fabian von Dohna 5) zur reformirten Kirche getreten, ohne daß ihm der Churfürft eine Stelle unter feinen Hofleuten verweigerte. Welcher Marggraf von Brandenburg dieſer lehre zuerſt beigepflichter, IAft fich nicht genau beftimmen. Mach einigen foll Marggraf Johann Georg von Jaͤgerndorf fehon 1605 2) fich hierzu befannt haben. Dach andern hatte zuerft Marggraf Ernft 16102) fich zu diefer Kirche gewandt. In eben — EN dies s) Abel Staatsgefchichte 76. 28.76 #) Gerechtfame der reformierten Religion in Schlefin. 2.1) ilax.· Euangel. p. 278. | D.allg. preuß. Gefch. 3Th. Bi allen Kivchen einige &shrer gefunden werden, die nach ihrem verſchiedenen Erkaͤntniß⸗ ‘grunde in einigen kehren oder in deren Erflärungen abweichen. Ihr Verfahren war 1613. 1613. 1614, 546 3%. 9 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. dieſem oder dem folgenden Jahre mag auch ſchon ver Churfuͤrſt einigen behren dieſer Kir⸗ che x) beigetreten ſeyn. Man muß aber hierin diejenige Zeit unterſcheiden, wo dieſe Prinzen öffentlich fich ald Glteder zu der reformirten Kirche zu halten angefangen has ber. Marggraf Ernft genog 1613 ſchon im Julid zu Berlin auf feinem Krankenbet⸗ te, in Gefellfehaft der Reformirten, das Nachtmahl des HErrn. Marggraf J Jo⸗ hann Georg wandte ſich in eben dieſem Jahre den 2ten Sept. öffentlich zur refor⸗ mirten Kirche, und es Fam davon unter feinem Namen eine Schrift heraus, von mel cher, nad) einiger Meinung, Piſtorius der Verfaſſer ſeyn foll. Endlich trat der Chur⸗ fürft Johann Sigismund ſelbſt den erften Weihnachtstag öffentlich zue reformirten Kirche, und genoß, nach den Gebräuchen derfelben, mit dem Marggrafen Johann Georg und so andern Mitgliedern das Abendmahl des HErrn, daher 100 Jahr dar⸗ auf den 2sften Dec. 1713 bie Reformirten ihre Zubelfeier im Dom begiengen, Der Churfürft hatte ein Glaubensbekaͤntniß fehriftlich auffegen laffen, worinnen er die wah⸗ ten Bewegungsgruͤnde feines Verhaltens und die eigentlichen Lehrpunkte angab, in wel⸗ hen er der reformirten Kirche beipflichte. Weil nun die lutheriſchen Prediger dawi⸗ ber fehr eiferten; fo gab der Churfürft den z4ften Febr. 1614 eine fharfe Verordnung heraus, worinnen er das Eifern mit Unverfiand verwies, jedoch einem jeden freiftelles te, feine tehrfäge fowol, als auch die Widerlegung der Meinungen des Gegentheils, mit Befcheidenheit vorzutragen. Der bisherige Hofprediger D. Gedireus gieng auf des Ehurfürften Warnung nach Halle, Willichius.nah Hamburg. Der General füperintendene Pelargus, und der Superintendene der alten Marf Schaller tra ten zur reformirten Kirche über. ‘Den ıoten May gab ver Churfürft fein Glaubens» befäneniß durch öffentlichen Druck heraus. Im Julio ward die Domficche zu Bars lin ven Reformirten allein übergeben. Denen lutheriſchen Predigern ertheilete der Churfuͤrſt die Erlaubniß, mit denen Reformirten ein Religionsgeſpraͤch zu halten. Sie verbaten- folches aber den zten Oct. und vereinigten fich den gten October, fo wie auch die landſtaͤnde thaten, bey ver lutherifchen Kirche und deren Lehren beftändig zu verbleiben. Der Churfürft wolte niemanden in Gewiffensfachen zwingen, und fo wie er felbft blos GOtt von feinem Glauben Nechenfchaft zu geben fich ſchuldig erkannte, fo war durchaus feine Meinung, daß ein jeder feines Glaubens Ieben folte y). Damit aber meine Leſer im Stande find, felbft zu beurtheilen, in welchen Stuͤcken der. Chur fuͤrſt Johann Sigismund und deffen Nachfommen der reformirten Kirche beige⸗ pflichtet, und daß man erfenne, wie diefer Herr niemals alle tehrfäge der harten Res formirten angenommen, und nie gänzlich von dem augfpurgifihen Slaubensbefänts niß abgewichen; fo will ich venenfelben das Glaubensbekaͤntniß des Sun — vorlegen 2). AN 228. x) Saminlung-alter ind neuer theologifcher Sachen vom Aa 32. 8,5 P: 726 ) Herrn Abels preußiſche Staatsgefhichte 2 Sammlung alter * neuer theologiſcher Sachen 1. €. :) Es iſt ſolches 1695 nebſt dem Colloqu. Lipf; von 1631 und der shornfchen Declaration von 1645 zu Nerlin wieder aufgelegt, & | en. = Churfuͤrſt Zohan Sigismund. ag { y 2. 228. 1614. „Nachdem der Durchleuchtigfte Hochgeborne Fürft und Herr, Herr Johann Glaudensbe⸗ - Sigismund, Marggraff zu Brandenburg, des heil. Roͤmiſchen Reichs Ertz Caͤm⸗ fartnis_des merer und Churfürft, in Preuffen, zu Juͤlich, Eleve und Berg, zu Stettin in Pommern, der Caffuben und Wenden, auch in Schlefien zu Croſſen und Zi gerndorf Herzog, Burggraf zu Nürnberg, Fuͤrſt zu Rügen, Graf vonder Marf, Ravensberg und Moͤrß, Herr zu Ravenftein Se. Churfuͤrſtl. Gn. ſich guädigft und chriftlich erinnere, was der heil. Geift beim Propheten Iſaia am 30 v. 8 aufjeichs nen laffen; Fürften werden fürftliche Gedanken haben und darüber halten. Und bey ſich gnädigft erwogen, daß unter allen fürftichen Confiderationen und Gedanfen freys lich die allererfte und norhwendigfte fen, weil doch Gott der Allmächtige a) die Könige zu Dflegern, und die Fürften zu Saͤugammen feiner lieben Kirchen verordnet, mit als fern Ernſt darob zu ſeyn und dahin zu trachten, damit das reine klare Wort GOttes allein aus b) dem Bruͤnnlein Iſraelis ohne alle menſchliche Satzung, ohn allen Sauers teig faljcher ivriger tehre, ohn allen Zufas und Abbruch in Kırchen und Schulen möge gelehret und geprediget, die heiligen Sacramenta aud) nach der Einfegung des Herrn Chriſti ohn Alle papiftifche Superftition und abgörtifche, oder von menfchlicher Andacht erdichtefe Ceremonien ausgefpendet, und aljo der wahre Gottesdienſt recht und wohl. allein nach Form und Norm’ der görclichen heiligen Schrifft möge beftellet, und auf die liebe Poſteritaͤt gebracht werden. Und über das Se. Ehurfürftt. Gn. bey fich gnädigft betrachtet, wieder mildreiche barınberzige Gott, welcher alleine Gewalt hat über der Menfchen Königreiche, und giebt fie, wen er will, Sr. Churfürftl. Gn. fo viel Fürs ſtenthuͤmer, fand und feute untergeben, und in ftolger Ruhe, wie die Schriffe redet, bis anhero väterlich erhalten, damit diefelben- vor allen Dingen nebens dem zeitlichen Schuß auch die geiftlichen Güter und Schäge durch das gepredigte reine Wort Gottes und rechten feeligen Brauch der heiligen Sacramenten zu ihrer Seeligkeit erlangen und behalten mögen: Als haben demnach Se. Ehurfürftt. Gn. durch Anregung des heiligen Geiſtes Ahr nichts Tiebers noch mehrers angelegen feyn Taffen, denn daß Sie in derofel ben Sande und fonderlich im geliebten Vaterlande Chur, und Mark Brandenburg, - was noch etwan von papiftifcher Superftition oder anderer menfchlichen ungebortenen Devotion in Kirchen und Schulen übrig verblieben, folgends gemäplig abgethan, und „alles nach der Richtfehnur göttlichen Worts und der apoftofifchen erften Kirchen, fo viel immer müglic) und von nöhten, angeftellet werde, und damic ja niemands zu Gedans fen ziehe, oder von Widerwaͤrtigen und Friedhaͤßigen ſich einbilden laſſe, als wenn Se. Churfuͤrſtl. Gn. etwas neues, oder was in Gottes Wort nicht ausdrücklich gegruͤndet, ‚anzuordnen und derofelben Unterthanen beizubringen entfchloffen, haben Se. Churfuͤrſtl. ‚Sn. zugleich jhre Churfürftliche Confeßion oder Glaubensbefäntnig hiemit publiciren Bis 2 wollen, a) Eſa. 49, 23. — b) Pf 6, 2. W.ı5,9. 16, 6. 1 Cor. 5, 7. Deut. i2, 32. Prov. 30, 6 Apoc. 22, 19. Eſa. 8, 10. Job. 5, 39. 1 Cor. 1,6, Dam. 4, 14. Kfa 32, 18. 614. 548 3%. 9 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg. er wollen, auf daß in der ganzen Chriftenheit c) kund und offenbar werde, daß Se. Chur⸗ | re fürftl. Gn. dem Könige der Ehren die Thore in ihren fanden weit und breit eröffnen, dem HEren die Ehre allein geben, die erfante göttliche Wahrheit ohne Scheu und Furcht aller Wiverfacher und Feinde Chrifti, wie diefelde inmer Nahmen haben, frey und ftandhafftig zu befennen, zu vertheidigen, und durch die Kraft und Beyſtand gott ficher Gnaden weit fortzupflanzen gnädigft gemeinet, aus Feiner andern Urſach, denn, wegen ernften Befehls Gottes, und nach loͤblichen Erempel frommer Könige und Fürs ften d) Zofaphats, Czechiaͤ, Joſiaͤ, Conftantini, Theodofti und vieler andern mehr, denn auch aus ſchuldiger Danfvarfeit gegen Sort, der die Wahrheit felber:ift, und zur Ehre feines Alerheiligſten Namens, auch zu Dero ey — Heil = und Seeltgfeit. Anfänglich und fürs erſte bekennen ſich Se Churfuͤrſt Sn. von — zu dem | wahren unfehlbaren und allein feeligmachenden Wort Gottes, wie daffelbige in den _ Schriften der heiligen e) Propheten und Apofteln in der heiligen Bibel verfaſſet, wel. ches aller Frommen einige Richtſchnur ift und feyn foll, Pfalm ug, 104, welches voll⸗ kommen und genugſam ift zur Seeligfeit, auch allen Religion; Streit zu unterfeheiden, und bfeibet ewiglich. Hernacher und zu den chriſtlichen und allgemeinen Haupt» Syms bolis, ats dem Apoftolifchen, Athanafianifchen, Niceniſchen, Ephefinifchen und Chalcedoniſchen, darinnen die Artickul Chrifttiches Glaubens Fury und rund bes griffen, und wider alte und neue Kegereien aus der Schrift genugfam bewehree und behauptet find. Den zu der Augfpurgifihen Eonfeßion,' fo Anno 1530 Kaifer Ca⸗ rolo 5 von den proteftivenden Fürften und Ständen übergeben, und nachmals in etli⸗ chen Punckten nothwendig überfehen und verbeſſert worden. Zu den andern Schriften, weil fie nicht allein von Menfchen, fo vieffäfeig i irten fonnen, concipiret, fondern auch viel Streitiges, oft Widriges und: göttlichen Wort nicht überall gemäß ſich darinnen enthaltet, wollen Se. Churfuͤrſtl. Sn. weder ſich ſelbſt noch ihre Tiebe Unterthanen mit Bedrängniß der Gewiffen verbinden faffen, weil doch alle Glaubens; Sachen einzig und allein auf das Wort Gottes müffen gegründet feyn, und Menfchen, Schriften nicht weiter, als fie mit dem Wort GOttes übereinftinunen, follen und koͤnnen angenommen werden f), wie Herr Lutherus felbft befenner: Die Schrifft aflein iſt der rechte tehrer und Meifter über alle Schrift und Lehr auf Erden. Item diefe Kanferin, die heilige Schrift, foll Herrfchen und regieren, "und alle andere, _ fie‘ Heiffen auch wie fie wollen, ihr unterthan und gehorfam ſeyn, follen nicht ihre Mei⸗ ſter und Richter, fondern nur allein fehlechte Zeugen, Schüler und Befenner feyn, es fer gleich der Papſt, Luther, Auguftinus, Paulus, oder ein Engel vom Himmel herab, es foll auch in ver Chriſtenheit keine — tehre geprediget noch gehoͤret wer⸗ den, e) Pr. 24, 7. 9% Pf. 115, 1. und 25, 2 Ä) Pf2,ı. ıRe.2,3 2Par. 19, 4. und 29, 5. und 34,8. Kufebius 1. 4. de vita Conflantini, Ambroflus in orat funebr. er e) 2 Tin. 3, 15.16. 17. Pfr nig. Eſa 40,8. Matth. 24,35. Luc. 3, 3% 1 Pek, 1, 25 f) Tom, ı Germ, Ien. p. 369. Tom. ı Wirt.p. 33. . ae — * * u Zn Tu Ba u N — entgegen, auch extenfionem exaequationem et ambeolitionem naturarum et Churfurſt ER Sigiömund. 3 549 | den, denn das reine lautere Wort Gottes oder ſollen Benbe lehrer und Zuhörer vers pie und verdammt. fegn. Belangend erliche Artickel chriſtliches Glaubens, daruͤber N viel Streits und Dis ° frutarin eine geraume Zeit hero durch Anregung des Störenfrieds bes höllifchen Geis ſtes in allen kanden erwecket worden, als von der Perfon des Heren Ehrifti , von ber Tauffe, vom heiligen Nachrmahl, von der Prädeftination, Verſehung oder Erwehs fung zum ewigen teben, befennen Sr. Ehurfürftl. Gn. hiemit öffentlich, daß fie im Artickel von der Perſon Chriſti von Herzen glaͤuben, wie in Chriſto zwo unterſchiede⸗ ne Naturen, die goͤttliche und menfchliche, alfo perſoͤnlich vereiniget und verbunden, “daß fie nun und nimmermehr mögen oder koͤnnen von einarider getrennet werden, und daß jede Natur ihre gewifle natütliche Eigenfihaften babe und behalte, aud) in der pers fönfichen Vereinigung, und dennoch eine wahre Communton und Gemeinfehafft ſey, alfo daß man recht und wohl von Ehrifto alles, was von GOtt, und alles, ‚was vort a ‚einem wahren Menjchen gejagt werde, reden fonne, als daß der Menfch Chriſtus fey von Ewigkeit g), nemlich nach feiner göttlichen Natur, daß der Sohn Gottes gebos ren ſey aus dem Saamen Davids nach dem Fleiſch, Roͤm. 1, 3; daß der HErr der Herrlichkeit gecreutziget; daß Gott geſtorben ſey nach dem Fleiſch; daß Chriſtus bey uns fen und bleibe bis ans Ende der Welt nach feiner unendlichen Natur, nach feiner 1614- 5— Majeſtaͤt und kraͤftigen Beyſtand, nicht aber nach der Natur, nad) welcher er gegen Simmel gefahren und von Tannen wiederfommen wird, welche ohne DBertifs * ä gung ihrer Eigenſchafft auch in der hoͤchſten Glory wejentlich nicht Fan überall feyn, Au⸗ Br: guftini Tract. 109 in Joh. fi — uͤberall ſeyn, nur der goͤttlichen Natur zugeſchrie⸗ ben wird, Pſalm 139, 6. 7. 8. 9. Jer. 23, 24. Actor. 17, 27... Stem daß Er unſer Miceler, unfer Hoherpriefter und unfer König fen und bleibe nach beyden Naturen. tem daß der HErr Chriſtus zwar nad) feiner angenommenen Menfchheit mit hohen und übernatürlichen Gaben gezieret und gefrönet worden, laut des gten Pfalms v. 6, | dennoch die menfchliche Natur nicht im die Gottheit verwandelt, noch derofelben vers e.. glichen tworden fen, welches der Eutychianifche Irrthum ift. Die Locutiones abftradtıuas, das ift folche Arc zu reden, die Gottheit Chris fi hat gelitten, die Menfchheit Chriſti iſt allmaͤchtig, uͤberall gegenwaͤrtig und der⸗ ‚gleichen, weil fie in der heiligen Schrift nicht zu finden, und den Haupt» Symbolis naturalium proprietatum, das iſt, eine Ausdehnung, Vergleichung und Abtilgung der Naruren und natürlichen Eigenfchaften auf dem Rücken tragen, wollen Se. Chur fuͤrſtl Gn. ausgefeger, und niemand zu derfelben ganz gefährlichen und hochärgerlichen Gebrauch gezwungen wiffen, in fondere Erwegung, daß weder die Orthodoxi patres, - noch Lutherus alfo gelehret, und daß durch folche und dergleichen loeutiones die Ars tickel chriſtliches Glaubens, wo nicht ganz und gar verleugnet; doch meiftentheifs verdunfelt =. und zweifelhaft gemacht, und viele merflichen bishero feyn damit geärgert worden, 345 3 Don N) Sch. 1,18. 5,8. 1Cor. 2, 8. 1 Per. 3, 18. und 4,1. Matth. 28,20. Mare. 16,19. Zi 1,9. Phil 3,10. 1614. 550 3 Ch. 9 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg, Von der heiligen Tauffe, als dem erften Sacrament des Neuen Teſtaments, gläuben und befennen Se. Churfürftl. On. daß diefelbe ſey wahrhafftig ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geift 5) ; und daß niemand in das Hims melveich kommen kann, es fey. dann, daß er wiedergeboren werde durchs Waſſer und Geiſt 1), nicht daß das Aufferliche Waſſerbad von Sünden wafchen und wiebergebähren koͤnne, fo wohl die Ungläubigen als die Gläubigen, fondern daß in folchem heiligen: Saerament die Gläubigen zu Kindern Gottes angenommen ducch das Blut Chriſti und den heiligen Geiſt von ihren Suͤnden abgewaſchen, und durch dieſes ſichtbare Zeichen des Gnaden⸗Bundes gleichſam durch ein gewiß Siegel verſichert werben ihrer Seeligfeit, "wie der Apoftel Petrus faget A): das Waſſer macht uns feelig in der Tauffe, die durch jenes (die Arcfa Moe) bedeutet, ift nicht das Abthun des Unflars am Seifh, ſondern der Bund eines gurem Gewiſſens mit Gott, das ift, wie es D. Luther’T'om. 9. Witt, p. 290 am Rande felbjt gloßwwer, itipulatio, daß Gore ſich uns mit * verpflichtet, und wir es annehmen, oder wie er anderswo von der Tauffe redet, iſt dieſelbe nicht allein ein Tedig Zeichen oder kofung unter den Chriſten, fondern ein Zei chen und ein Werk Gottes, darinnen unſer Glaube gefördert, durch welchen wir wies dergebohren werben. Wenn ich glaube, fehreibt er an einem andern Ort Tom. 2. Witt. p. 461 iſt mir die Tauffe nuͤtze, wiederum wenn ich nicht glaͤube, ſo iſt mie die Tauffe in Ewigkeit nichts nuͤtze. Denn alfo fage Ehriftus: Wer da gläuber und _ getaufft wird: Das ift das Wort Gortes, und wird alſo beftehen. Dieſem Wort "Gottes gläuben demnach) Se. Churfuͤrſtl. On. daß die heilige Tauffe allein müge und fromme den Gläubigen, die fich ihres Bundes mir Gort allegeit, auch) da fie etwann in fehwere Fälle gerathen, zu getröften haben. Dicht aber ven Unglaͤubigen, welchen dig Gnaden⸗ Zeichen fo wenig hilfft, als den Ungläußigen die Defchneidung, und daß derowegen der Gläubigen a... da fie die heilige Tauffe wegen unverhoffs ter ſchleuniger Tobtess Gefahr nicht erreichen Fonnen, Feines weges zu verdammen, weil der Sohn Gottes ſagt: Wer da glaͤubet und getaufft wird, der. wird ſeelig, wer aber nicht gläubet, der wird verdammet. Denn Herr Lutherus in feiner Kirchen⸗ Poſtille wohl gefchrieben: Es ift allegeiteinträchtiglich gehalten, daß ob jemand gläubte, und doch ungetaufft ftärbe, der würde darum nicht verdammet, denn es mag etwa der Fall fürfallen, daß einer glaube, und ob er wohl der Tauff begehrete, doch Durch den Todt übereilet würde, wie es bisweilen mit jungen Kindern gefchehen kann, vor, in oder nach der Gebuhrt, welche doch zuvor durch ihrer Eltern oder anderer Glauben und Gebeth Chrifto geopffert und Ihm befohlen feyn, welche Er auch, laut feiner Worte; laſſet die Kindfein zu mir Eommen, ohne Zweiffel annimt. Bis hieher Lutherus. Den Eroreifinum anlangende, welcher aus dem Papſtthum bey der Tauffe in der | Kirchen verblieben, halten Se. Churfürftl. Gn. dafür, weil derfelbe weder von Chris ſto befohlen, noch von den H. Apoſteln bey der Tauffe jemals gebraucher, auch eine abergläubifche Ceremonie ift, b bie Kraffe und Wirkung der H. Tauffe verkleinert, den b) Tit. 3,5. ) h 5. ——— Cap. v. ve 32. —— — —— — — Ewa en [" 9 X F — EEE — TEE , ‘ * * J — ——— * J x 5 “ = — 1 a R 5 f u. ’ ; e r ‘ Churfuͤrſt Johann Sigiöniund. 551 den Einfältigen Argerliche Gedanfen ihrer Kinder halben, als wenn dieſelbe leiblich be⸗ ſeſſen, verurſachet, und bey der erſten Kirchen, da noch die Gabe Wunder zu thun, und ſonderlich die Teuffel auszutreiben, gewaͤret, gar einen andern Gebrauch und Ef⸗ fectum gehabt, der HErr Chriſtus auch ausdrücklich bezeuget )), daß die böfen Geis fer durch Faften und Bethen, nicht durch, Eroreifinos, Menfchliche Befchwerung ausgetrieben werden, wie denn die H. Apoftel Paulus Ephef. 6 v. 13 und Petrug ı Cap. 5 v. 8. wenn fie einen Chriftlichen Ritter wider den Satan mit allerley Wafs fen ausrüften thun, des Eroreifmi mir Feiner Syllaben gevenfen. Aus folchen und. viel mehr Urſachen —— Billig einzuftellen, und bey den Nechtgläubigen gänzlich abs sefhafter fen. Im heiligen Abendmahl, welches das andere Sacrament im Neuen Teſtament, gläuben und befennen Se. Churfürftl. On. 72), - weil zweyerlen Ding daſelbſt zu finden: Die äufferliche Zeichen, Brodt und Wein, und der wahre feib Chrifti, fo für uns in den Todt gegeben, und fein heiliges Blut, fo am Stamın des heiligen Creußes vergofr - fen, daß auch auf zweyerley Weife diefelben-genoffen werden. Das Brodt und Wein ‚mit dem Munde, der wahre feib und das wahre Blue Chriſti eigentlich) mit dem Glau⸗ ben, und daß demnach wegen der Sacramentlichen Bereinigung in dieſer heifigen Action beyde zuſammen feyn, und zugleich ausgefpender und genommen werden, gleichwie das geiftliche Manna oder Himmelbrode des Worts geiftlich genoffen, und in dem Neich Chriſti, welcyes nicht von diefer Welt, alles geiftlich befteher. Alſo glauben Se. Churfürftl. Sn, daß das heilige Abendmahl 72) auc) eine geiftliche Speife der Seelen ſey, dadurch diefelbe erquicker, geftärfet und mit dem vereinigten teibe zur Unfterbliche keit gefpeifer umd erhalten vwoird. Bleiben demnach ſtracks ohne allen Zufas bey ven heiligen Worten der Einfeßung,- das Brodt fey der wahre keib Ehriffi und der Wein ‚fein heilig Blut, Sacramentlich, auf die Art und Weiſe, wie Gott die heiligen Sas -eramente Altes-und Neues Teftaments eingefeßet, und verordnet, daß fie ſeyn fichts liche und wahre Zeichen der unfichtbaren Gnaden, und der Herr Chriſtus felbft anges zeiget, Daß das heilige Abendmahl ein Zeichen, doch aber nicht bloß oder leer fen, des neuen Bundes eingefeget, zum Gedächtnig Chriſti, oder wie es der Apoftel Paulus Cor. 11 v. 26 erfläret, zu fteter Gevächtniß und Derfündigung feines Tod s, damit sed fey ein Troft- Gedächtnig, Dank Gedäcytniß, tieb+ Gedaͤchtniß. Und dieweil der Glaube gleichfam der Mund ift, dadurch des Herrn Chriſti ge⸗ ereutzigter Leib und fein vergoſſenes Blut empfangen wird, halten es Se. Churfuͤrſtl. On. beftändig dafür, daß den Unglänbigen, Unbusfertigen folches Sacrament nicht muͤtze, fie auch des wahrhafftigen teibes und Blutes Chriſti nicht theilhafftig werben, weil der Sohn Gottes, da er beym Johan. 6 v. 54 vom feeligen Gebrauch diefes Abendmahls redet, und rund ausfager: Wer mein Fleiſch iffet und trinket mein Blur, ber hat das ewige Leben, und zuvor v. 47. Warlich, warlic) ich fage euch, wer an mich — das ewigeseben; da Er denn zu verſtehen giebt, daß ſein heilig Fleiſch und D. Math. 17, it, ") dem. 1b, 4 634 n) Joh. 6, 54 1614, 1614. 552 3%. 9 Haupefl. Neuere Sefhihte von ne: und Blut mit dem Glauben müffe feelig genoffen werden. Und der Herr outherus —— Kinder» Catechiſmo bezeuget, Daß der recht wuͤrdig fen und wohlgefihicft, der den Glau⸗ ben hat an dieſe Worte: fuͤr euch gegeben, für euch vergoſſen, denn das Wort, Fir Euch, fordert eitel gläubige Herzen: Wie er denn anderswo auch fpriche: Wie wohl - das Sacrament eine rechte Speife iſt, Doch wer es nicht wimmme mit dem Herzen durch den Glauben, dem hilfe es nichts, denn es macht niemanden gaͤubig a fordert, daß er zuvor fromm und gläubig fen. — Die Ceremonien anlangend im heiligen Abendmahl fan ia nicht verleugnet den, daß der Stifter diefes Sacraments natürlich ungefänert Brodt, wie es dazumal bey den Juͤden in den Defterlichen Feyertagen im Gebraud) war, auch dieheifigen Apo⸗ fiel gemein Hausbrodt in ihrer Zufammenkunffe, und nicht eine fonderfiche Oblat oder Hoftien, wie man es nennet, genommen, welches auch über Hundert Zah in der Kir⸗ chen Chrifti gemwäret, bis zu den Zeiten Alexandri ı um das uote Jahr, oder, wie andere wollen, um das 6or Jahr Ehrifti, zur Zeit des Kaifermörders Phocaͤ. Dar⸗ um billig zu erwegen, ob nicht vielmehr auf die erſte Einſetzung, denn Menſchliche Ver⸗ aͤnderungen, auf die Weisheit Gottes mehr, denn ber Menfchen, , auch auf die Warheit der Zeichen mehr, denn auf den Schein zu ſehen, und ob nicht wie ein natuͤrlicher wahrhafftiger Wein, ſo gut er vom Weinſtock ausgepreſſet, alſo auch natuͤrliches und wahrhafftiges Brodt zu nehmen und zu gebrauchen ſey, ſonderlich um der Bedeutung, ſo von den Alten verzeichnet, und dahin der Apoſtel ſelbſt weiſet: ı Epr. 10, 17. Denn gleich wie das natürliche Brodt des Menfchen teib erhält, und wie im 104 Pſalm ges fehrieben, des Menfihen Herz ftärker, alfo ift der eib Chrifti eine geiftliche himli⸗ fehe Speife, dadurch die Seele genähret / seſpeiſet und zum ewigen geben — wird. Ob nun die Oblaten und Schein⸗Brodt auch die Krafft und Wirkung haben eis nes natürlichen Brodts, das da ſaͤttigen und ſtaͤrken kan, und ob die angeregte Bedeu⸗ tung dabey gelten moͤge, laͤſſet man Verſtaͤndige für fich ſelbſt urtheilen. Co fan auch feinestweges geleugnet werden, daß der Herr Ehriftus das Brode genommen und ges ' brochen, und nach dem Brechen alleverft ausgerheilet habe, wie denn’ foldhes nicht als fein von den drey Evangeliften Matth. 26. Mare. 14. Luc, 22. ausdrücklich geſetzet, ſondern auch vom Heiligen Apoftel ı Cor. 1. wieverholet wird, da er bezeuger, er habe alfo vom Herrn im dritten Himmel empfangen, daß er nemlich das Brodt genommen und gebrochen, und feinen Füngern gegeben habe, da denn Feine ravrorsyin Feine Wie⸗ derholung des vorigen, vielweniger eine wegirroreyia oder Redundantia, ein unndthle _ ges oder überflügiges Wort den heiligen Evangeliften und dem. heiligen Apoftet, ja dem heiligen Geift feloft zuzufchreiben, als wenn brechen nur ſo viel heiſſe, als austheilen, wie anderswo, weil da ja nich vergebens darauf gefeßer: Prachs und gabe. Wie denn das Brodtbrechen alfo nach dem Exempel Ehrifti und der Apoſtel gar viel Jahren in dem uͤblichen Gebrauch geblieben, daß auch die gantze Handlung des Abendmahls fractio panis, ein Brodtbrechen, per ſynecdochen oder excellen- tiam — — * —2** 2.5 Ze „ Ye * * — a a Fang 2 BB Be i = kn — DE EN en te ya ij — — + &hurfürft Johann Sigismund. 4 553 un genennek worden, wie zu ſehen Yctor. 2: v. 42. Zugefißtveigen ber fon» derlichen Bedeutung, daß gleichwie das Brodt für ven Augen der Communicantengebros «chen wird, alfo hab auch Chriſtus müffen gerödter werden, zu deffen ſtetswaͤhrendem Bildniß das Brodtbrechen im heiligen Abendmahl zu behalten, wie dahin der Apoſtel weiſen "a wenn er fpricht: das iſt mein feib, der für euch gebrochen wird. x Cor. ıı, 24. Demnach erachten Se. Churfuͤrſtl. Sn. daß hierinnen nicht auf der Päpfte uns Allee Klugheit, nicht auf die. alte Gewohnheit, nicht auf nienfihliche Auchoricät, ſon⸗ ‚bern auf des Herrn Chriſti ungeänderte erſte Einfegung mehr zu fehen, und die Vers richtung des heiligen Abendmahls allein auf die Form und Weife, fo der Herr Chris ſtus felsft, und aus feinem Munde die heiligen Apoftel mic deutlichen Worten fürge ſchrieben, folgend anzuftellen fey, und ob zwar ©e. Churfuͤrſtl. Gn. zu ſolcher Admi⸗ niſtration niemand mit Gewalt anzuhalten gemeinet, wollen ſie doch hiebey maͤnniglich in Gnaden zu bedenken anheim ſtellen, welches beſſer ſey, Chriſto oder dem Antichriſt, der Wahrheit oder falſchen Gewohnheit, der Goͤttlichen oder menſchlichen Weisheit, dem ausdruͤcklichen Befehl Chriſti, (hoc facite) oder der ſichern Freyheit der Welt zu folgen und zu weichen, ſonderlich weil Herr Lutherus ſelbſt Dom. 7. Witt.germ. P- 297. befennet: Es muß fein Saerament, ſoll es anders Chriſti Einſetzung und Erempel gemäß feyn, gehalten werden, es werde denn das Sacrament gebrochen und vom Priefter unter viele ausgetheilee. Item daſelbſt fehreibet er: Nun halte fie gegen ein ander, die Antichriften und Chriftum, dieſer, Chriſtus, bricht das Brodt, und giebt iedermann davon, jene brechens nicht, und geben niemand davon, behalten es allein, fie haben allein-einen Schein des Drechens erfunden, wo bleibt nun das Wort Chriſti: Das thut: Warum thun fie anders und wider Ehriftum? Und Tom. 2 Witt. £ 231. der Text Pauli, das iftmeinseib, der für euch gegeben wird, ift fchlecht zu verftehen vom Brechen und Austheilen über Tiſch, wie er auch fagt ı Epr. io. Das — das wir brechen, iſt der ausgetheilte feib Chriſti. Im Artickel von der ewigen Gnadenwahl ober Verſehung zum ewigen feben ers ud und befennen Se; Churfürftt. Gn. daß verfelbe der allertröftlichften einer ſey, darauf fich nicht allein die andern alle, fordern auch unfere Seeligkeit am meiften gruͤn⸗ det, daß nemlich Gott der Allmächtige aus pur lauter Gnaden und Barmhertzigkeit ohn alles Anſehen der Menſchen Wuͤrdigkeit, ohn allen Verdienſt und Werk 0), ehe denn der Welt Grund geleget worden, zum ewigen teen verordnet und auserwaͤhlet bat, alle, fo an Chriſtum beftändig glauben, wiffe auch und erfenne gar wohl die Seinen, und wie er fie von Ervigfeit gelieber, alfo ſchenkt er auch ihnen aus lauter Gnaden den rechrfchaffenen wahren Glauben und Fräfftige Beftändigfeit bis ans Ente, alfo daß . niemand aus der Hand Chriſti Seifen und niemand von feiner fiebe | ſcheiden 0) Eph. 1,6 Mauh. 10,22. un 24,13. Rom. 8, 29. 30,2." Tim. 2, ı9. Job. 10, 14. Job. 6, 29. Röm. 9, 18. 11, 7.9. Phil. 2, 13. Joh. 10, 28. Röm.g, 26. 38. Matth. 13, 42. 235,48. Job. 3,18. 36. Eſ. 13, 9 Ez. 18, 30 32. 33. 1Tim. 2, 4. 2Per. 3, 9 Matth. 10. * P.allg. preuß. Geſch. 3 Th. Yaaa' 1614. 1614. 554 38h. 9Hauptfl; Neuere Geſchichte vom Brandenburg. ſcheiden koͤnne, daß ihnen auch) alles, es ſey gutes oder boͤſes, zum Beſten gereichen muͤſſe, weil fie nad) dem Fürfag beruffen find. So hab auch Gore nach feiner firem gen Gerechtigfeit alle, die an Ehriftum nicht gläuben, von Ewigkeit überfehen, den⸗ felben das ewige höllifche Feuer bereitet, wie denn ausdrücklich gefchrieben ftehet: Wer an den Sohn nicht gläubet, der ift fehon gerichter, wer an den Sohn nicht gläuber, _ der wird das Leben nicht fehen, fondern der Zorn Gottes bleibet (ergo ift er zuvor ſchon) uͤber ihm, nicht daß Gott eine Urfach fen des Menfchen Verderben, nicht daß er Luft habe an der Sünder Todt, nicht daß er ein Stifter und Antreiber der Sünde fen, nicht daß er nicht alle wolle feelig haben, denn das Wiverfpiel durchaus in der hel⸗ Ligen Schrifft zu finden ift, fondern daß die Urfach der Sünde und des Verderbens allein bey dem Satan und in den Gottloſen zu füchen, welche wegen ihres Unglaus bens und Lingehorfams von Gott zum Berdamnißverftoffen. Item dag an nie⸗ mands Seeligfeit zu zweifeln, fo fange die Mittel der Seeligkeit gebrauchet wer den, weil allen Menfchen unwiffend, zu welcher Zeit Gott die Seinen Fräfftiglich bes zuffe, wer Fünfftig glauben werde oder nicht, weil Gott an Feine Zeie gebunden, und alles nach feinem Wohlgefallen verrichtet. - Hierentgegen verwerffen Se. Churfürftt. Gn. alle und jede zum Theil-Goteläfterliche, zum Theil gefährliche opiniones und Re⸗ den, als daß man in den Himmel hinauf mit der Vernunfft Elettern, und allda in einem fonderlichen Negifter oder in Gottes geheimen Canzley und Naht» Stuben erfors fehen müffe, wer da zum ewigen Leben verfehen fey oder nicht, da doch Gott das Buch des Lebens verfiegelt hat, daß ihn wohl feine Ereatur hinein gucken wird z Tim. 2. v. 19. tem dag Gott propter fidem praevifam, wegen des Gglaubens, fü Er zuvor erſehen, etliche auserwehfet Habe, welches Pelagianiſch, daß Er dem meiften Theil die Seeligfeit nicht gönne, welchen Er abfolute bloßhin ohne einige Ur⸗ fach auch.nicht wegen der Sünde verdammet, da doch der gerechte Gott niemand zur Berdamniß befchloffen, denn wegen der Suͤnde, und derwegen der Rahtſchluß der Berwerffung zur Verdamniß nicht ein abfolutum decretum, ein freiyer lediger Nahtfchluß zu achten, wie_der Apoftel von den verftoffenen Süden bezeu⸗ get P): Sie die Zweige. find zerbrochen um ihres Unglaubens willen. Item daß die Auserwehlten leben mögen, wie fie immer wollen, dagegen helffe de, nen, fo nicht erwehlet, fein Wort, fein Saerament, feine Frömmigfeit, da doch aus Gottes Wort offenbar g), daß fein guter Baum faule Früchte brin⸗ ge; und daß auch ung Gott erwehlet, daß wir follen feyn heilig und unftrafs lic) für Ihm in der Liebe, wie gefchrieben Ephef. 1.4. Und daß welcher ala ein edler. Rebe am Weinſtock Chriſti bleibet, viel Früchte bringe, wer aber nicht in ihm bleibet, weggeworffen werde, wie eine Rebe und verdorre, und man fammle fie, und werffe fie ind Seuer, und muß brennen, wie Ehriftus der Herr felbft geredet Joh. 15, 5: 6 ; — — ie Schließ⸗ p) Röm. ır, 20. 9) Math. 7, 16. . a KL er, > yet TEE a N —— Churfuͤrſt Johann Sigismund. 555 Schließlichen bekennen Se. Churfücftt: Gn. ſich zu der reformirten evangelis fihen Kirchen in diefen und andern Religionspunften, als welche fich auf Gottes Wort - 16144 allein fundiren,; und alle menfchliche Traditiones, fo viel möglich, abgefchaffet haben. . "Und obwohl Se. Churfürfti. Gn. zwar in ihrem Hergen und Gewiffen genugfarn ges ſichert, daß ſolch Bekaͤntniß Gottes Wort allerdinges gemeß und aufrichtig fey, auch nichts Tiebers erleben und wünfchen möchten, denn daß Gott der Herr aus Sauter Gna⸗ de und Barmhergigfeit derfelben getreuen Unterehanen mit dem licht 7) der unfehlbaren Wahrheit befeeligen und erfeuchten wolle, jedoch) weil der Glaube nicht jedermanns Ding ift 2 Thef. 3. v. 2. fondern ein Werk und Gefchent Gottes, und niemand zugelafe fen, über die Gewiſſen zu herrſchen, oder, wie ber Apoftel Paulus redet, ein Here ſeyn wollen ber ven Glauben, welches allein dem Herzenfündiger zuftehet, als wollen Se. Churfuͤrſtl. Gr. auch zu diefer Bekaͤntniß Feinen Unterthanen dffenrlich oder heim⸗ 33 fich wider feinen Willen zwingen, ſondern den Eurs und lauf der Wahrheit Gott als fein befehlen 5), weil es nicht an Nennen und fauffen, fondern an Gottes feinem Ers barmen gelegen, verhoffen aber gänslich, begehren auc) in Gnaden, und befehlen hie⸗ mit ernftlich, daß Unterthanen und andere, fo entweder die ftreittige Neligionsfache nicht verftehen ‚ oder noch zur Zeit nicht genugfam darin informirer feyn, des täfterns, Schmäßens, Diffamirens wieder die Orthodoros und Reformatos, die man aus lau⸗ teen Haß und Neid für Calvinifch mie vollem Mund ausruffen thut, gleichwie vor Zeiten Tertullianus in Apologetic von denen Ehriften gefehrieben: Oditur innocuis innocuum nomen ſich gänglich enthalten, mit den Schwachgläubigen, fo fie vermeis nen ſtarck zu ſeyn, Gedule tragen, nad) der Vermahnung des Apoftels Pauli z), und was fie ſelbſt nicht gefefen, noch bisanhero genugfam verftanden, nicht bald verfegern oder. verdammen;, fondern in der Schriffe mit Fleiß forfchen, das Urtheil heimgeben dem, ber da recht richtet 7), welcher auch wird ans Licht bringen, was Im Finftern verborgen ift, und den Naht der Herzen offenbahren, alsdann wird einem jeglichen von Sort lob wiederfaßten ꝛc. ı Eorinth. 4, 5. — 4 229. a ' } f Zu denen Maafregeln, welche der Churfürft Zohan Sigismund in Abfiche bes pfalzeneuburgifchen Verhaltens für gut befand, gehörete auch die Beibehaltung Der churfuͤrſt erneuert die erbeinigung des guten Vernehmens mit den erbvereinigten und erbverbruͤderten Haͤuſern. Es ver / zwiſchen Sach⸗ ſammleten ſich die Prinzen der Haͤuſer Sachſen, Brandenburg und Heſſen zu Naumburg. Sie erneuerten den zoften Merz ihre bisherige Erbvereinigung auf fol gende Art x): Von Gottes Gnaden Wir Johannes Georg. Herzog zu Sachfen, Erz⸗ Marſchalck, land / Graffin Thuͤringen, Marggraff zu Meiſſen und Burggraff zu Mag⸗ deburg; Johann Sigmund Marggraf zu Brandenburg, Erz, Cämmerer, in Preuſſen, zu Stettin, Pommern, ver Eaffuben und Wenden, auch in Schles ſien zu Eroffen und Zägerndorff Herzog, Burggraff zu Nürnberg und Fuͤrſt zu Ruͤ⸗ | Ri | Yaaa 2 gen, r) Job. 6, 29. Phil. 1,.29. Epheſ. 3, 8. 2 Eor. 1, 24. s) Rom, 9, 16 s) Bal. 4, 1. Am. i *,. u) Job. 5,29. ı Pet. 2, 2.3. x) Luͤniche Reichsarchiv Part, Spec, von Sachſen. jen, Branden⸗ burg und Heſ⸗ ſen. Ki — | a Se 556 38h. 9 Hauptſt. Neuere Gefihichte von Brandenburg. en, beede des Heil. Roͤm. Reichs Churfuͤrſten; Auguftus Johann Philips, Fri deich Sohann Ernſt der iuͤngere, Friedrich Wilhelm Albrecht, auch Sohanin | Caſimir und Johann Ernſt ver ältere, Gebrüdere und Vettern, Hertzegen zu Sachs fen, fand» Graffenin Thüringen und Marggraffenzu Meiffen; Ehriftion, Joachim Ernft und Johann Georg Marggraffen zu Brandenburg, in Preuffen, zu Stets tin, Pommern, der Caſſuben und Wenden, auch in Schlefien, zu Eroffen und Sägerndorff Hertzoge, Burggraffen zu Nürnberg und Fuͤrſten zu Rügen, Chris ftian Wilhelm Poſtulirter Exsbifchoff des Primars und Erg» Stiffts Magdeburg, als ein gebohrner Marggraff zu Brandenburg, Georg Albrecht, Sigmund md Hans Gebrüdere, auch Marggraffen zu Brandenburg; Und dann Morig, Lud⸗ wig, Philipps und Friedrich, Bruͤdere und Vertern, Sand+Graffen zu Deffen, Graffen zu Cagen Ellenbogen, Dies, Ziegenhain und Nidda: Bekennen in dies ſem Brief vor uns, unfere Erben und Rachfommen. © Als weyland die Hochgebohrne Fuͤrſten unfere Anheren, Väter, Vettern und Vorfahren, die Chur und Fürften der Häufer Sachfen, Brandenburg und Heffen, feliger und loͤblicher Gedächtnüg, vor langen Zahren eine freundliche und brüderliche Erbeinigung und Verſtaͤndniß, wie und: welchergeftalt Sie, Ihre Erben und Nachkommen ewiglich bey einander in freundlicher Einigfeit, ‚gutem Friede und ewiger Ruhe figen und leben, auch in verfelben Wieder wärtigfeit und Nöthen einander Rath, Huͤlff und Beyftand thun folten und möchten, vermacht, verbrieffet, verfiegele, gelobt und gefchworen haben, und fonderlic) der wey⸗ land Hochgebohener Fürft, Herr Friedrich Herzog zu Sachfen, des heil. Römifchen Reichs Erg ⸗Marſchalck, and: Graf in Thüringen und Marggraff zu Meiflen; Herr Johanns Marggraff zu Brandenburg , des heil. Römifchen Reichs Erg» Caͤm⸗ meter, zu Stettin, Pommern, der Caffuben und Menden Herzog, Burggraff zu Nürnberg und Fuͤrſt zu Rügen, beede Ehurfürften, Here, Albrecht und Here Johanns, Gevertern, Herzogen zu Sachſen, tand+ Graffen in Thüringen und Marggraffen zu Meiffen, Herr Friedrich und Herr Sigmund, Gebrüvere, Marge _ graffen zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der Eaffuben und Wenden Herzoge, Burggräffen zu Nürnberg und Fürften zu Rügen, Herr Wilhelm der ältere, Here Wilhelm der iuͤngere, Herr Wilhelm der tängfte, Graff zu Catzen⸗ Elnbogen und Dietz, alle drey band Graffen zu. Heffen, Graffen zu Ziegenhain uns Nidda, ſolche Fürftliche und ervige Erbeinigung wiederum erneuert, und berohalben eine Einigungs+ Berfchreibung aufgerichtet haben, welcher Datum ſtehet geſchehen zu Nuͤrnberg im 1487 Jahr auf Mittwochs feiner Himmelfahrt Abend, dieſelbe auch her⸗ nacher durch weyland die Hochgebohrne Fuͤrſten Herrn Johann Friedrichen, Herzo⸗ gen zu Sachſen, Ertz · Marſchallen, Landgraffen in Thuͤringen und Marggraffen zu Meiſſen, Joachim Marggraffen za Brandenburg, Ertz Caͤmmerern, zu Stets tin, Pommern, der Caſſuben und Wenden Herzogen, Burggraffen zu Nuͤrn⸗ berg und Fuͤrſten zu Ruͤgen, beyde des heil. Roͤmiſchen Reichs Churfuͤrſten, Hen⸗ rich und Johann Ernſten Herzogen zu Sachſen, tand / Grafen in Thüringen und Marge Churfürft: Johann Sigimund. L \ 557 Marggraffen zu Meiffen, George Hanfen und Albrechten Marggraffen zu Bran⸗ denburg, zu Stettin, Pommern, der Caffuben und Wenden Herzogen, Burg graffen zu Nuͤrnberg und Fuͤrſten zu Rügen und Philippſen, and» Grafen zu Heſ⸗ fen, Graffen zu Catzen Elnbogen, Die, Ziegenhain und Nidda, zu Zeits Mitt⸗ - woche nach Judica, nach Ehrifti unfers lieben Heren Geburt 1537 Jahrs, wieder, umb vorgenommen, verneuerf, und darüber gebührliche Erbeinigungs Berfehreisung aufgerichtet worden, und aber die ießtbenannten Chur / und Fürften von Sachfen, Brandenburg und Heffen feeliger und löblicher Gedaͤchtnuͤs alle in Gott mit Tod ads gangen und verftorben. Derohalben weyland die auch Hochgebohene Fürften, Here Yuguft und Here Zoachim, beide Churfürften, Johann Friedrich der Mitt⸗ tere, Johann Wilhelm und Johann Friedrich der jüngere, . alle Hergogen zu Sachſen, sand» Graffen in Thüringen und Marggraffen zu Meiffen, Here Zohanns Marggraff zu Brandenburg, zu Stettin ꝛc. Herzog, Herr Philipps der ältere fand» Graf zu Heffen, Graff zu Catzen⸗Elnbogen, zu Dies, Ziegens hain uns Nidda, Hand Georg und Georg Friedrich Marggraff zu Brandens burg, Sevettern, und Wilhelm, auch Ludwig tandGraffen zu Heſſen, folche freundliche und ewige Erbeinigung auch wieder erneuert, und deromegen eine Verfchreis bung auffgerichtet, welches Datum fteher gefihehen zu Naumburg Sonnabends nach Anvocavit, welcher war der neundte Tag des Monaths Martii nach Chriſti unfers lieben HErrn Geburt 1555 Jahr, . Welche hernachmals von den Weyland Hochgebohrs nen Fürften und Herrn, Herrn Ehriftian Herzogen zu Sachfen, Johann Geor⸗ gen Marggraffen zu Brandenburg, beeden Ehurfürften, Friedrich Wilhelm und . Sohannfen Herzogen zu Sachſen, tandgraffen in Thüringen und Marggraffen zu Meiffen, Georg Friedrich und Joachim Friedrich Marggraffen zu Brandenburg, in Preuffen Herzogen, Herrn Wilhelm, Ludwigen und Georg tandgraffen zu Heſ⸗ fen, Sraffen zu Catzen Elnbogen, Dies, Ziegenhain und Nidda, und Uns dem obgenanten Hans Sigmunden Churfürften, Marggraffen zu Brandenburg, Johann Caſimir und Johann Ernft Gebruͤdern, Herzogen zu Sachfen, und Moritzen land Graffen zu Heſſen, wiederumb renovirt, und derentwegen eine Verſchreibung auffgericht, welcher Darum ftehet, gefchehen zu Naumburg den 5 Yulii nach Chriſti unfers lieben HEren Geburt 1587 Jahr. Go haben wir obgemeldre Chur, und Fürs ften zu Sachfen, Brandenburg und Heffen, unferer Bor» Eltern, Väter, Ans herren und DBorfahren guten, freundlichen, getreuen und geneigten Willen, fo fie, wie gemeld, zufammengerragen, auch die Ehre, Nutz und Wohlfahrt, fo gemeldten un fern Häufern aus folcher freundlichen Einigung und Verſtaͤndnis gedyen ift, und Fünffs tiglich im viel Wege gedeyen und erwachfen mag, zu Hergen geführer und bedacht, und als ihre Erben und Nachfommen die obgemelote Erb» Einigung wiederumb verneuert, bes flätiget, verbrieſft, verfiegelt, gegen einander gelobt, und wir andern in vormaln nicht Pflicht gethan, wie fich gebuͤrt, geſehworen, und thun diß alles in und mic Kraft diefes Briefs in der allerbeften Form und Geftalt, fo das am allerbeften gefchehen foll, ® | Yaaaz N EOR 1614. 1614. 58 38 Gaupiſt. Meere Gerichte von Brandenburg. Fan und mag, und haben darumb dem Allmächtigen Gott zu: lob, der heiligen gemel⸗ nen chriftlichen Kirchen und dem heiligen Nömifchen Reich zu Ehren und umb gemei⸗ nes Nutzes, Fried, Ruhe und ewiger Einigkeit unferer fand und beute, und zufünftis gen guten Willens, und fonderlich von angebohrner Liebe und Freundſchaft wegen, wir uns alle mit einander eintraͤchtiglich und ungeſondert einer rechten ewigen Erb» Vereini⸗ gung vertragen, geeinet und-verbunden, vertragen, einen und verbinden ung auch das mit alfo gegenwaͤrtiglich zuſammen in Krafft dieſes Briefs, als hernach geſchrieben ſte⸗ het. Zum erſten, daß wir, unſere Erben und Nachkommen alle unfer leb⸗ Tage eins ander brüderlich, freundlich und gütlich mennen, ehren, fördern, verantworten, und unfer einer des andern Schaden warnen, und fein Beftes mit Worten und Werken ungefährlich und getreulich vornehmen follen und wollen, gleicher Weiß, als ob es uns fer jeglichen ſelbſt antreffe, ohne Gefährde. Wir follen. und wollen auch einander mit $eib und Gut, kanden und Seuten, getreulich beholfen und berathen ſeyn zu allen uns fern und jegliches Nothen, Kriegen und Geſchaͤfften ohne allerley Helfrede und Gefaͤhr⸗ de. Es foll auch unfer Feiner des andern Feind werden, umb niemands noch umb kei⸗ ner Sache willen, noch ihne befchädigen, oder befchädigen Taffen, oder. unfern. Mans nen, Dienern und Unterthanen, die in unfern oder andern fanden gefeffen feyn, dası nicht geftatten zu thun-in Feinerley Weiß ohne Gefährde, Geſchehen aber daruͤber eini⸗ gerley Zugriffe oder Beſchaͤdigung aus unferer eins oder aus andern kaͤndern von unſern Mannen, Dienern und Unterthanen, in des andern Heren fand, ſo follen unfer jeglis cher dem andern getreulich benftänbig und beholffen feyn, dem oder diefe, fo. folche Zus, griff und Befchädigung gethan häften, erftlich darzu zu bringen, daß. folche Schäden mie Eyden und Wiederthaten gekehret werben in vier, Wochen, nachdem nut wir des vermahnet worden, ohne Wiederreden und ohne alle Gefaͤhrde. Es ſoll auch keiner unſer Fuͤrſten vorgenant keinen Diener zu Dienſten noch ſonſten jemand in Verſorech⸗ niß nehmen, er ſoll ihne zuvor fragen, ob er nicht Fehde oder Unwillen zu dem andern Theil habe, und wuͤrde ſich das alſo befinden, ſo ſollen ſie ihn in keine Weiß auffneh⸗ men ohne der andern Willen ohne Gefaͤhrde. Erfinde ſich aber daruͤber an unſer Fürs ſten vorgenant eines oder mehr Dienft jemand, der wider den andern einigerley Spruͤch, Fehde oder Unwillen meynet zu haben, fo follen der oder die Herren Dero Diener, ber ober die-wären, oder zuftänden, zu Ehren und Recht gang mächtig. feyn, ohne Ges fehrde. Welcher Über das darüber niche zu folgen meynte, alsdann foll fich der Herr, bey dem er wäre, deß oder der zuffünde, an unferm und dem andern Theil getreulich über fie beholffen und berathen feyn, ohne alle Gefährde. Und auf das foll unfer Feiner. dem andern feine Diener oder Unterthanen, ins oder auffer fand gefeffen, der er zu Ehren und Necht mächtig were, nicht vergewaltigen, noch vergewaltigen laſſen, ohne Gefährde. Es foll auch unfer obgenanten Fürften Feiner des andern Feind, Aechter und Näuber in feinen fanden, Schlöffern, Städten und Gebieten, wiſſentlich und mit Vorſatz nicht haufen, begen, beſchirmen, noch dem einigerley zulegen, Forderung, Huͤlffe noch Rath thun, noch durch fein Gegwang und landwehr nicht kommen laſſen, heim⸗ gar —— ae = Churfürft Zohann Sigiemmd, 559 heimlich noch oͤffentlich, ober den Seinen geflatten, das zu thun In Feinerley Weiß, und ihnen auch Fein Geleit geben noch geben laffen, ohne Gefaͤhrde. Were aber, daß unfer eines Dann oder Unterfaffen, einer oder mehr, oder fonft jemand unter uns, in unfern fanden darüber befchädiget würde, und ſolche Raub und Nahme in des andern Sand, Schloß, Städte oder Gebiet fommen, und daß man demſelben Raub oder Nahme auf frifcher That nachfolge, oder in vierzehn Tagen darnach, und diefelben Nachfolger unfere Ympt» geuthe, Manne, Städte oder Unterfaffen, heifchen oder fors ‚dern, fo follen wir oder unfere Amt / Leute, Manne, Städte oder Unterfaffen, die alſo geheifchen und angeruffen würden, zu dem Befchädigten des Nechten helffen, daß die Nahme ohne Wiederrede gefehrt und wieder gegeben würden, und mach Rechten oder Gnaden Wandel darumb ergehen, ohne Gefaͤhrde. Auch follen und wollen wir in allen unſern fanden, Ampten und Gebieten ernftlich beftellen, daß man die Knechte, fo eigne Pferde haben, nicht haufen, hegen, enthalten, noch ihnen Fried noch Geleit geben noch haben follen, fie haben dann Herren in unfern fanden gefeffen, die fie verfprechen, oder. ihrer mächtig ſeyn. Würde es fich auch alfo machen, daß unfer einer dem andern zu folgen, heiſchen oder fordern würde, welcher das unter uns were, fo foll ihm der ans dere, der erforbert wird, von Stund an, nach) feinem beften Vermögen folgen und bes holffen ſeyn, und alsbald der Öeforderte des Herrn fand rührer, der ihn gefordert hat, der foll ihme ziemliche Nothdurfft an Eſſen, Trinken und Futter geben, fo lang bis das geändert wird, darum die Folge geſchehen ift, und als lang die Geforberten in derfelben Heren fand feyn, ohn Gefährde. Wolten auch unfere ehgenanten Fürften einer oder mehr, ober unfere Exben, einigerley Cinung und Buͤndniß mit jemands, wer der were, eingehen und aufnehmen, fo follen folche Einungen und Buͤndniß wider diefe unfere erwige Erb» Einigung, Uns, unfer Erben, unfer aller fand und teue zu thun, nicht ſeyn noch gefehehen, ohne Gefaͤhrde. Ob ſich das auch machen würde, wie das zukaͤh⸗ me, daß uns Fuͤrſten obgenant jemand, ter der were, an unfern Fuͤrſtenthumen, Hers ſchafften, Sand und teuten, inhabenden Gütern und Getechtigfeiten, wo mir. die jego haben, oder fünftig gewinnen, irren, engern, hindern, oder fich darein legen wolten und würden, fo follen und wollen wir vorgenante und unfere Erben, einander getreulich und einmütiglichen oder jeglicher befonder, welcher des ermahnet oder gefordert würde, beholffen, berathen und beyftändig feyn, derſelben unfer jegliches Lands Gerechtigkeit, Freyheit, Gewohnheiten und Herlichfeiten, als vorberuͤhrt, zu verhüten, zu handha⸗ ben, zu ſchuͤtzen, zu ſchirmen, zu vertheidigen, zu verantworten, gleich unfer jegiger ſelbſt Fuͤrſtenthumb und lande, fo offt und dick das Noch geſchicht, ohne Gefaͤhrde. Wuͤrde auch jemands, wer der were, unfer eines oder mehr Fürftenthumb, Herrfchaffs ten, Sande und feute überziehen, befchädigen, angreiffen und verunmilligen, oder ihme fein Schloß verlegen oder verbauen, wider denfelben follen wir andern alle, deme, den man befriegen wolte, wann wir dazu geheifcht worden, ohngefährlich mit aller unfen jegliches Macht, ohne Verzug, von Stund an, ohne Wiederred, und ohne Erkaͤnt⸗ nus, getrenlich beholffen feyn. Und foll die Huͤlffe der Neifigen halben gefehehen, auf | des 1614. 1614; v- s6o 38h. 9 Hauptſt Neuere Geſchichte von Brandenburg. des Helffenden Schaden, und des, deme die Hülffe gefhicht, Futter und Mahl, wan ann fie des Deftiegten taub derůht en ¶ Aber alles Fußrolt und Geſchug fall auf Des, der die Hüfffe thut, Koften oder Beſoldung geſchehen. Wolte auch jemands, es were Kos nig, Fürften oder Städte, oder andere, in wafferfen Stand und Weſen die feyn, einen ober. mehr unter ung befriegen, fo follen und wollen wir wider diejenigen, die das thäten, dem es unter ung noth würde, auch nach unfern beftem Vermögen beholffen feyn “ und zu täglichen Kriege zu legen. Und ob uns Johann Georgen Churfuͤrſten; Desgleis chen Augufto, Zohann Philippfen, Sriedrichen, Johann Ernſten dem jüngern Friedrich Wilhelm und Albrecpten, Johann Caftmirn und Johann Ernften dem ältern, Gebruͤdern und Gevertern, Herzogen zu Sachſen, ſaͤmptlich und fonderlich ‚oder unfere Erben das anginge, fo follen wir Marggraff Johann Sigismund, Churs fürft, aus der Mark Brandenburg zweyhundert Pferde, fünffgundert Knechte, und wir Chriftian und Joachim Ernſt Marggraffen zu Brandenburg, von unfern iego inhabenden fanden auch) zwenhundert Pferde und fünffgundert Knechte, und wir Mo⸗ ritz und Ludewig tandgraffen zu Heffen auch zweygundere Pferde und fuͤnffhundert Knechte ſchicken, und nemlich abermals der Reifigen und Zuß+ Kuechte Koſten Scha⸗ den und Unterhaltung halben, als obbemeldt iſt. Desgleichen ob das Uns Marggraf⸗ fen oder unfre Erben, ſaͤmptlich oder fonderlich anginge, follen wir Johann George Ehurfürft und Auguſtus, Gebrüdere, Hergogen zu Sachfen, zweyhundert fechzig Pferde und fiebenhunvdert Knechte, und wir die Herzogen zu Sachfen Gebrädere und Vettern, Altenburgifchen, Wenmarifchen, Coburgifchen und Eifenachifchen Theils, einhundert vierzig Pferde und dreyhundert Knechte, und wir Morigund Lud⸗ wig Gevettern, tandgraffen zu Heſſen, zweyhundert Pferde und fuͤnffhundert Knech⸗ te, alles auf Koſten und Schaden, wie obgemeldt, ſchicken. Ingleichen ob ſolches Uns fand» Graff Moritzen und Ludewigen, Gevettern oder unſere Erben, ſaͤmptlich und ſonderlich anginge, fo ſollen wir Johann Georg Churfuͤrſt und Auguſtus, Her⸗ zoge zu Sachſen, weyhundert ſechzig Pferde und ſiebenhundert Knechte, und wir die Gebrüdere und Vettern Herzoge zu Sachfen, Altenburgifchen, Weymarifchen, Eoburgifchen und Eifenachifchen Theils, hundert vierzig Pferde und dreyhundert Knechte, und Wir Marggraff Sohann Sigismund Churfürft zweyhundert Pferde und fuͤnffhundert Knechte, auch wir Chriftian und Joachim Ernft, Gebrůͤdere Marge graffen zu Brandenburg, 200 Pferde und soo Knechte ſchicken, alles auf Koften und Schaden, wie obſtehet. Und folches foll auch alfo unter den Fuͤrſten der gemelds ‚ten Häufer mit derfelbigen Hülffe, nach Anzahl gegen einander-unter ihnen felbft gehals ten werden. Würden aber zwey Häufer oder zween Fuͤrſten zu einer Zeit von andern befriegt, fo follen die andern ihre Hülffe unter Die befriegten nach Anzahl zugleich theis fen, und ob das, wie nechft gemeldet, nicht verfahen wolte, und fürder Huͤlffe noth ſeyn würde, beyzulegen, warn wir andere dann deſſen erinnert werden, darumb zur fammen fehicken, und uns darum mehr mit einander Benlegung zu thun, vertragen ohne Gefaͤhrde. Ob auch) einer minder beduͤrffen würde, ‚dann die nechftgemeldte Zahl, — Kühe Los, En ll a Eu a m DE A u EI oe — EEE * 7 | Churfuͤrſt Johann Sigismund. fo mag er auch minder fordern. Cs ſoll auch unſer Feiner des andern fand und feute, Schloß, Städte oder Voigtey wieder den andern nicht einnehmen, oder innen haben, vertheidigen, oder ihnen Hülff noch) Rath wieder den andern thun, in Feine Weiſe, ohne Gefaͤhrde. Es foll auch unfer feiner. dem andern Schloß, Städte, keut oder Manne, in welchen Würden, Stand oder Wefen die weren, im des andern fand oder Voig⸗ . seen gelegen, im Feinerley Weiß in Verſorechnis oder Vertheldigung nehmen, oder wieder ſolchen Herrn, in des Land oder Voigtey ſie gelegen weren, vertheidigen und verſprechen, oder ihnen keinerley Huͤlff, Rath oder Beyſtand thun, ſondern ſich dere gaͤntzlichen aͤuſſern und muͤßig gehen, ohne Gefaͤhrde. Waͤre es auch, daß unſer eines Unterſaſſen oder tardfaffen ‚ ‚einer oder mehr, innen oder auffer unfer fanden gefeffen, uns . wiberfegig und ungehorfam wären oder würden, fo polen und wollen wir einander ges treulich beholffen ſeyn, den oder diefelbe, die alfo widerfäßig wären, gehorfam zu mas chen. Und welcher unter uns Fürften den andern alfo umb Hülffe gefordert hätte, der ſoll fich ohne die andern Zürften mit dem oder denfelben Wieverfegigen nicht Frieden tichten noch fühnen, er ziehe denn die andern in folche Friedrichtung und Suͤhne, oh⸗ . ne Gefaͤhrde. Ob auch unfer einiger Fürft in des andern Zürften fanden, Sehen, oder fie und die Ihren Gülc oder Zinfen hätten, damit foll man fich halten nach lehen ⸗Rech⸗ ten, und einem jeglichen auch feine Guͤlt oder Zinfe folgen, und auch in folchem feinem tehen ungehindert laffen, ohne Gefährde. Es follen auch) alle unfere Amp» feute in al fen unfern fanden, niemand fein geleit gebenanders, dann nad) Anweiſung dieſer Eini⸗ gung. Wir follen und wollen auch) dieſe obbeſchriebene Einigung in allen unſern fans den, Ambten und Gebieten, oͤffentlich gebieten und verfündigen faffen, daß ſich ein jederman wiſſe darnach zu richten, und ſich mit Unwiſſenheit nicht entſchuldigen moͤge. Wuͤrde aber einige Hellung oder Zwietracht zwiſchen ung obgenandten Fuͤrſten oder un⸗ ſern Erben entſtehen, und unſer einer zu dem andern oder unſere Erben gegen einander, Schuld oder Spruͤch gewinnen, welcherley Weiß, und wohin ſich das zutragen moͤch⸗ te, das Sort fange Zeit verhüten wolte, fo follen die Fürften, die das berührer, oder ihre Erben, die oder den Fürften, zu dem fie zu fprechen haben, um Necht in ihren Hoff nachfolgen, und ihre edle und andere gelehrte Närhe, doch daß er derſelben Raͤ⸗ - she unter zwölffen nicht fegen, und fie ihrer Eyd und Pflicht, zu folcher Nothdurfft, der Rechten ledig zehlen, und fie zu dem Nechten mit fonderlicher Pflicht, wie fid) das gebuͤhret, wieder vereyden ſolle, und nachdem die klagende Parthey das erfordert, ſoll ihnen von den angefprochenen Partheyen in einem Monath ein Rechts» Tag beſcheiden, und alſo vor ihren Raͤthen, wie vorgeſchrieben ſtehet, zu Recht ſtehen, und in den nech⸗ ſten ſechs Wochen und dreyen Tagen, ob anders die Raͤthe ſolche Späne zwiſchen den Partheyen, in der Guͤtligkeit mit der Partheyen Wiſſen nicht hinlegen mögen, die Sa⸗ chen mit einem endlichen Urtheil entſcheiden laſſen, und was dafür Recht geſprochen wird, darbey foll es ohne ferner Weigerung bleiben, und-von beyden Theilen. aufgenommen, gehalten und vollführt, und foll fold)es darüber nicht verzogen werden. Es wäredank, daß fich die Sachen mit Gerichts» Drdnungen länger verzogen, darinnen doch Feine Ges P. sig. preuß. Geſch. 3 Th. Bbbb faͤhrde, 1614. 1614. 562 3%. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von ei fährde, noch unbilliger Verzug gebraucht ſoll werden, und der klagende Fuͤrſt ober - feih Anwalt foll mit allen denen, die er mir ihm bringt, doch daß er über 200 Pferde nicht | Habe, zu und auf den Nechts- Tag, und wieber an feine Gewarſame des angefproches nen Fürften, frey, ficher Geleyt haben, und ver Fuͤrſt, der angefprochen wird, foll darumb feinen Hoff legen in die nechften Schlöffer oder Städt, die er ben des Flagenden Zürften Landen hat, ungefährlich. Und ob unfer eines Fürften Mann ‚oder Diener, einer oder mehr, gu den andern Fuͤrſten zu fprechen gewinne, ſoll ihme derfelbige Fuͤrſt, der angefprochen wird, vor feine edle und andere gelehrte Raͤthe zu Recht kommen, und ihme in dreyen Monarhen Necht wieberfahren laſſen, ohne länger Verziehen, und foll zu dem Nechten darbey, und wiederumb bis an fine Gewarſame des angefprochenen Zürften Fried und Geleit haben, alles ungefährlich. Ob auch unfer eines Mann oder Diener, in welchem Stand over Weſen die fenen, zu des andern Herrn Mann ober Diener zu fprechen hätten, oder gewinnen, darumb foll ſich ein jeglicher an Recht ges mügen laffen, vor demfelben Herrn und feinen Raͤthen, des Mann oder Diener der . Antworter iſt. Treffe es aber Bürger und Bauren gegen einander, denen foll man mit Recht von einander helffen vor den Gerichten, darunter ein jeglicher Antworter ges feffen ift, und foll zu allem Rechten Fried und Geleit jedermann haben, ohne Gefaͤhrde. Wolt auch) unfer Fürften einer oder feine Erben unraͤthliche Kriege vor ſich nehmen, Darinnen wir andern ihnen zu Necht nicht mächtig wären, zu einem folchen ll unſer ein Theil oder feine Erben, den andern ober feinen Erben, der ſolchen Krieg vorneh⸗ nen wolt, diefer Einigung halber. Hl zu thun nicht pflichtig ſ jeyn. Wann aber ums fer einer des andern zu Recht mächtig wäre, ſo foll.er ihme ohne Wegerung helffen, ims anaffen vorberührer iſt, getreufich und ohne Gefaͤhrde. Auff daß auch der Kauffmann - 4 und ein jeglicher anderer mit. ihrer Haab aus und ein in unfern fanden und Öebieten ficher feyn, ihren Kauffmann: Schaß und andere Händel ungehindert treiben, und wir dieſelben unfere Lande in folchen Fried wiederſetzen und bringen moͤgen, als ſie vor Zei⸗ zen geweſen ſeyn, fo ſollen und wollen wie und unſere Erben unſern Ampt⸗ leuten und Staͤdten in ihren Eyd geben und empfehlen, daß ſie die Straſſen durch und in denſel⸗ ben unſern Fuͤrſtenthumen und fanden beſtellen und rein halten, daruͤber wir ſie auch handhaben, ſchuͤtzen und verthedigen ſollen, wie das noth ſeyn wird, ohne Gefaͤhrde. Geſchehen aber daruͤber einigerley Zugriff oder Beſchaͤdigung aus oder durch eines unſere lande in des andern Lande, von unſern Mannen, oder Unterſaſſen, oder jemand anders, fo ſoll unſer einer dem andern, dem es noth ſeyn wird, getreulich beyſtaͤndig und be⸗ holffen ſeyn, und mit ganzem Ernſt dazu thun und gedenken, den oder die ſolche Ueber⸗ griff haͤtten gethan, darzu zu bringen, daß ſolche Namen wiedergekehrt und bie Bes fihädiger darum geftrafft und gerechtfertiget werden. Wäre es dann umb die Befehls diger alfo bewand, daß die in unfer eines fand gelegen, wir darben gekffen, und doch an dem Dre zu ſchwach wären ,. fo daß unfer einer allein fie zu der. Kehrung nicht zwin⸗ gen möchte, fo follen die andern, wann fie darumb vermahnet werden, mit ganzer Macht, oder wie das die Nechdurfft erfordert, auf ihren eigeen Koften und Eben⸗ theuer e: heuer Huͤlff und Folg darzuthun, daß folche Befchädiger zur Rechtfertigung gebracht, 4 auch zu Wiederfehrung aller Koften und Zehrung bezwungen und nach Nechtligfeit bes h ſtrafft werden, ohne Gefährde- Ob auch jemand, wer der were, unfer eines Fuͤrſten ner, Mann oder Unterfaß, vor des andern Zürften Gericht verladen wiirde, wann * der Fuͤrſt, des die geladenen oder geforderten weren, ſie abforderte und begehrte, ihme die vor ſein Gericht zu weiſen, fo ſoll derſelbe Fuͤrſt, des das Gericht iſt, die abs geforderten weifen, und der Zürft, deß die Beklagten feyn, ſoll forderfich Recht dem Kläger von dem Beklagten, nad) laut diefer Einigung wiederfahren laffen, ungefähr, lich. Wir obgenanten Fuͤrſten follen und wollen aud) allen unfern Ampt» teten, wo wir die in unfern Fuͤrſtenthumben, auf unfern Schlöffern, Städten oder anderswo has ben, gebieten, ernſtlich und veſtiglich diefe unfere brüderfiche und freundliche Einigung aufzunehmen, und zu Gore fehweren laffen, die alſo vollkomlich und aufrichtig zu Hals ten, Tauc der Form des Ends in dem Anno 1555 den ızten Martii allhie aufgerichtes “ten Beyabſchied begriffen, welche Eyde dann von neuen jetzo wiederumb von unſer aller⸗ wegen durch einen jeden Fuͤrſten in ſeinem Lande genommen und verneuret werden ſollen. Und ob unſer Amptmann, einer oder mehr abgienge von Todeswegen, oder von uns entſetzt wuͤrden, welche wir an derſelben ſtatt dann ſetzen, der oder dieſelbigen Ampt⸗ leute ſollen in obgeſchriebener maſſen geloben und ſchweren, als dann die Vordern ges than haben, in ven nechften vierzehn Tagen nach dem Tag, als der oder. die abgefeße worden, oder weren, und diefelben Eyd durch unfer jeden aljo von unfer. aller wegen voürklich genommen werden, ohne Gefaͤhrde. Were es auch, daß unſer obgenanten Fuͤrſten einer oder mehr von Todes wegen abgingen, das Gott lange friſte, ſo ſoll der oder die lebendig blieben weren, der abgegangenen Kindern und Erben, die er hätte oder . gewinne, getteulich beholffen und berathen ſeyn, daß fie bey allen Ihren kanden und feuten, Ehren und Wuͤrden bleiben, als auf fie geerbt und gefommen iſt und tvere. Und auf ſolches, daß diefe unfere Erbeinigung von unfern Erben ewiglich unzerbrochen gehalten werde, fegen und ordnen wir, daß Hinführo alle unfere jedlichs männliche, ehes mit allem ihren Inhalt, wann er des von den andern allen, oder eines Theils unter ihnen erinnert wird, geloben und ſchweren foll, ohne allen Verzug und Beheiff. Doch - nehmen wir in diefer Einigung aus die Roͤmiſche Kayferliche Majeftät unfern allergnäs digſten Heren, feine Rayferliche Perjon und Würden. Alle diefe obbefchriebene Stuͤ⸗ fe, Punckten und Articul haben wir obgenante Fürften einander bey unfern Fuͤrſtlichen Hand gegebnen Treuen, Würden und Ehren gelobt, gereder, und leiblichen mit aufs gereckten Fingern zu Soft gefihworen, ſtet, veſt und unverbrüchlich zu halten, follen denen nach ihrer fchlechten Form, Worten und Inhalt getreulich nachfommen, ohne einigerley Behelff, Eintrag und Auszug, fonder alle arge liſt und Gefährde. Und deß alles zu mehrer Urfund, ewiger Bekaͤndtniß und ſtetiger Beveftigung, haben wir — Herzog — Georg und Marggraff Johann Sigmund beyde Churfuͤr⸗ Bb b b 2 ften ; > J RS Churfuͤrſt Johann Sigismund. - > 563 Tiche beibs ⸗ Lehns "Erben, fo fie vierzehen Jahr alt worden, dieſe unfere Ecrbeinigung und wollen die auch nicht articuliren, noch die anders auslegen oder verſtehen, fondern 1614. 1614. — 564 3%. 9 Hauptſt Neuere Geſchichte som Brandenburg. ften; Wir Auguftus, Johann Eafimir und Johann Ernft Gevettern Herzoge zu Sachſen; Ehriftian, Joachim Ernſt und Johann Georg Marggraffen zu Bram denburg, Moritz und Ludwig Geverrern fand Graffen zu Heffen, vor-Uns, unfere Erben und Nachfommen, unfer Infiegel mit gutem Wiffen an diefen Briefe, als die⸗ fer Zeit vegierende Herzogen zu Sachen, Marggraffen zu Brandburg und tandı Grafr fen zu Heffen, Hängen laſſen, darzu auch mit eigenen Händen unterfchrieben, und wir . oͤbgemeidte Johann Philipps, Friedrich, Johann Ernſt der jüngere, Friedrich Wilhelm und Albrecht Gebruͤdere und Gevettern Herzoge zu Sachſen, Marggraff Chriſtian Wilhelm, Georg Albrecht, Sigmund und Hanß, auch Philipps und. Sriedrich and» Grafen zu Heffen, als noch zur Zeit nit regierende Herzogen zu Sachſen, Marggraffen zu Brandenburg und tandgraffen zu Heffen, zufügen und verfprechen, gleichergeftalt daß alles, vote obgemeldt, veftiglich zu halten, und. die Hulfl, wann wir zu Der Negierung fommen, zu Teiften, ohne Gefaͤhrde. Und haben derent⸗ halben, beneben gethanem Eyd, uns mit eigenen Handen unterzeichnet, alles Das treulich zu haften, das in diefem Briefe von uns gefchrieben ftehet, ohne Sefähene, Nach⸗ dein aber auch Land / Graf Moritz zu Heſſen, wegen eingefallener Verhinderung, die fer Erbeinigungs + Berneuerung perföhnlich nicht beymohnen fonnen, und derentwegen ©. tiebden Raͤthe, Otho von Starſchedel auf Redern, Hermann von Berſabe und Reinhard Scheffern beyder Rechten Doctorn, anhero abgefertigt, als haben Dies felbige folche Erbeinigung , wie die jego allenchalben wieder verneuert und. auf Pappier gebracht worden, an ſtatt ©. Liebden unterfchrieben und befiegelt, darnach auch die Haupt » Driginaliohne diefen Anhang auf Pergament verfertigt, und won Geiner lieb⸗ den felbften fo wohl als von obgenanten Chur» und Fürften unterzeichnet und vollzogen wröverbrüde kung völlig „ums ſtande. worden. Geſchehen zu Naumburg den 29 Monats» Tag Martii nach Chriſti um ſers lieben HErrn Geburt im 1614 Jahr. 23° a Bi: —— und bringt die Den zoſten Merz verglichen fie. ſich ; wie es Fünftig unter ihnen auf Erbverein⸗ und Erbverbruͤderungsverſammlungen gehalten werden ſolte y). Endlich ſchloſſen alle drey Haͤuſer an eben dieſem Tage die groͤſte Erbverbruͤderung, die jemals im Reich ge ⸗ macht worden. Sachſen und Heſſen waren ſchon laͤngſt verbruͤdert. Eben dieſelben hatten auch das Haus Brandenburg ſchon lange vorher in die Erbverbruͤderung auf⸗ zunehmen beſchloſſen, nur harte man bisher nicht eins werden Fonnen, was Bran⸗ denburg auf den Fall des Aofterbens Der Häufer Sachfen over Heffen erden, und wie Sachfen nebft Heffen in die brandenburgifche Erbſchaft, wenn Diefes Haus gänzlich) erlöfchen würde, fich cheilen folten. Jetzt aber wurden alle diefe Sachen glück Sich verglichen, und ich halte dieſe Erbverbruͤderungsurkunde in vieler Abſicht für viel gu wichtig, als daß ich folche meinen tefern vorenthalten koͤnte 2.0 mn Koͤnichs Reichsarchis Part. Spec. Cont. 2 p. 391, - 2) Ebendafelbft Part. Spec, von Sachfen-. 154. Be a nr ch he Churfurſt Johann Sigismund. 565 Won Gottes Gnaden Wir Johann Georg Hertzog von Sachfen, Ertz / Mar⸗ 1614. ſchall, Landgraf in Thüringen, Marggraff u Meiſſen, Burggraff zu Magdeburg, mr ent su Brandenburg, Er&. Cämmerer, in Preuffen, zu Stettin, Pommern , der Eaffuben und Wenden, auch in Schlefien zu Eroß fen Herzog, Burggraff zu Nürnberg und Fuͤrſt zu Rügen, bende def heiligen Roͤ⸗ mifchen Reiche Churfuͤrſten; Auguftus, Zohann Philippus, Friedrich, Johann Eernſt der üüngere, Friedrich Wilhelm und Albrecht, Johann Eafimir und Zo— hann Ernſt der ältere, ‚Gebrüdere und Vettern, Herzoge zu Sachſen, fand: Grafs fen in Thüringen und Marggraffen zu Meiffen; Johann Sigismund Churfuͤtſt, Marograff zu Brandenburg, in Preuffen, Stettin, Pommern, ver Eaffuben and Menden, auch in Schlefien zu Croſſen, Ssägerndorff Herzog, Burggraff zu Nuͤrnberg und Fuͤrſt zu Rügen, vor unfern freundlichen Tieben Herrn. Schweher, Vatern und Bertern; Albrecht Friedrichen Marggraffen zu Brandenburg, Her zog in. Preuffen, Ehriftian, Zoachim Ernft, Johann Georg Marggraffen zu Brandenburg, in Preuffen, auch Schleſien zu. Eroffen und Jaͤgerndorff Her zogen, Chriftian Wilhelm poſtulirter Adminiſtrator des Primats und Ertz Suffıs Magdeburg, als ein gebohener Marggraff zu Brandenburg, und George Albrecht, Siegmund und Gohanns, gleichfals Marggraffen zu Brandenburg; Und dann _ Moris und Ludwig, Philipps und Friedrich, Landgraffen zu Heſſen, Graffen gu Katzen ⸗Ellenbogen, Dies, Ziegenhuin und Nidda ꝛc. Bekennen für uns, alle amfere Erben und Nachkommen oͤffentlich in diefem Briefe allen feuten, die ihn feben oder hören fefen. Nachdem Unfer, der Chur und Fürften zu Sachfen und Heflen Ureltern umd Vorfahren löblicher und feliger Gedaͤchtniß, von undenklichen Jahren, {ich ‚mit allen ihren gegenwärtigen und zufünftigen fanden, Chur. und Fuͤrſtenthumben, mie gnädigften Confens und Bekraͤfftigungen weyland der Romiſchen Kapfer und Könige, ‚gufaınmenverbrüderte, auch Unfer, der Chur-umd Fürsten zu Brandenburg Ureltern, Joblicher Gedaͤchtniß, fich vor dieſer Zeit gleichergeftalt in Diefelbe der Häufer Sachien amd Heffen, hergebrachte Erbverbrüderung begeben und eingelaffen, darzu alle drey E Sachſen, Brandenburg und Heffen , in befondere Erbvereinigung, vor lans / g ger Zeit hero mit einander herkommen, Immaffen deßhalben auch fonderliche Sigill und Briefe zwifchen ihren liebden allerſeits aufgerichtet, und noch vorhanden feyn, daß wir uns dem.allen zu Folge, Gott zu tob und Ehren, und fonderlich wegen jegiger täuffte und vorftehenden des Heil: Reichs Gelegenheiten, umb gemeiner Wohlfahrt willen, mit wohlbedachtem Much und gutem Nach unferer Raͤthe, Manne und der Unfern, durch angebohene tieb, rechter Treu, und fonderlicher Freundfchafft willen, auch mit fonders Jicher Erlaubniß und Gunſt des Allerburchteuchtigften, Großmächtigften und Unübers windlichſten Fürften:und Herren, Herrn Matthiaͤ Kom. Keyſers, unfers gnädigften _ Lieben Heren,, "Uns, unfern fanden, und den Unſern zu Fried, in dem. beften erblic) berbrübert, guͤtlich vereinigt, zufaminen gethan, und geſetzt, und gegen einander Auf⸗ und Uebergebung gethan haben; Berbrübern, vereinen und thun uns zufammen, ger Bbbb 3 gen⸗ 1614. | 566 3 Th. 9 Hauptft. Neuere Geſchichte von Brandenburg, genwärtiglich in und mit Krafft diefes Briefö in der allerbeften und beftändigften Form, Meis und Maaß, als folches iure publico militari, und fonft zu Rechr geſchehen kan und mag, mit allen unfern Churfürftenchumben, Fuͤrſtenhumben und Herrſchafften, lehn, Angefaͤllen, Anwartungen und Pfandſchafften, mit allen unſern Landen und tem ten, die wir jego haben, ober hernachmals gewinnen mögen, alfo esgefchche, daß der Allmächtige Gott Tange zu verhüchen geruhe, daß unſere einige vorgenandte Parten, oder unfere teibes Lehns Erben, nad) uns hinführo von Erben zu Erben fhürben,. „und. von Todes wegen abgingen, ohne männliche ebeliche rechte Leibes und Lehns Erben, daß als⸗ dann derſelben abgangenen Churfuͤrſtenthumb, Fuͤrſtenthumb und Herrſchafften, tehn, Angefällen, Anmwartungen und Pfandfchafften, mit fanden und teuren, Erben, Eigen, Kleinodien, Schulden und Gülte, Geſchuͤtz und zugehörige Artollery, auch aller ans derer fahrender Haab, nichts ausgefchloffen, ‘beweglich oder unbeweglich, die wir jes gund haben, oder wir oder unfere feibes tehns Erben noch gewinnen würden, in aller maaffen, wie folgt, auf die andere Chur» und Zärften, und alle ihre leibliche behus Erben gänzlich und gar zu erbeigen, in aller maaflen, als die von natürlicher angebohr⸗ ner Sipfchafft, nach Eenferlichen Recht, gefeßten Rechten und löblicher Sandesgewohns heit, _ererbt und angeftorben wären, gefallen, und erblich bey ihnen und ihren Erben, - als rechten Erbherren, bleiben follen: Nemlich und unterſchiedlich, da es Gott der Almächtige alfo ſchickte, daß ſich die Fälle an Uns dem tandgrafen zuträgen, ſo follen die Chursund Fürften zu Sachfen, an unfern tanden und leuten zwey, und das Haus Brandenburg den dritten Tpeil ererben. Wo fich aber die Fälle nach Gottes Willen alfo begeben, daß das Haus Brandenburg ledig verfiele, fo follen die Chur und Fuͤrſt⸗ lichen Häufer , Sachfen und Heffen, unſer der Chur» und Färften za Branden⸗ burg, verlaffene fande und. teute zugleich erben, und unter dem Theil, welcher alas denn auf Heffen fallen wird,. die Dignicär der Chur mic begriffen ſeyn; Jedoch haben wir die Chur» und Fürften zu Brandenburg uns ausdrücklich bedinget und vorbehals ten, daß von folchen unfern fand und beuten der Ort fandes, fo auf jener Seiten der Oder gelegen, uemlich die Meue Mark und fand Sternberg, desgleichen auch die lehnſchaft über die Häufer Loͤckenitz und Vierraden ſambt derſelben zugehörigen Guͤ⸗ teen, fo viel der über die Maͤrkiſche Land + Grenze in Pommern gelegen, fo lange die Herzogen zu Pommern und derofelben männliche: Erben für und für: im teben hievon ausgezogen feyn, und in diefe Erbverbrüderung nicht gehören, bie übrige fande aber alle auf Sachfen und Heffen fallen follen. Wo fich aber die Fälle, Gottes gnädis gem Willen nach, alfo zuträgen, daß fich das ganze Chur ⸗/ und Fuͤrſtliche Haus Sach⸗ ſen verledigte, fo ſollen an allen ver Chur / und Fuͤrſten zu Sachſen jetzigen und zus kuͤnfftigen Landen und Leuten, nichts ausgenommen, die Chur / und Fuͤrſten zu Bran⸗ denburg einen, und die Landgraffen zu Heſſen zwey Theil, unter welchen wey Theis len, die Dignität der Chur mit begriffen ſeyn folle, zu erben Haben. Dieweil aber ei nig Mannsbild aus uns obgenannten Chursund Fürften, oder unſern rechten ehelichen leiblehns Erben bey teben iſt, ſollen die andern ſolcher Erbſchafft ſich nicht gebrauchen, A u A — r er Churfuͤrſt Johann Sigiemund. 567 ſondern denſelben gernbiglich, ohn alle Irrung und Eintrag, ben feinen Landen, Leu⸗ ten und Regiment bleiben laſſen, behuͤlfſich ſeyn, ſchuͤtzen und ſchirmen, wie hernach geſchrieben ſtehet, getreulich und ungefährlich. Und har jegliche Parten der andern Partey auf foldye Brüderfchafft, DBerfammlung, Auf / und Uebergebung aller ihrer * Mannfehaffe, fie feynd Grafen, Herren, Ritter oder Knecht, Burgmann, Voygte, Amtleut und Bürger, und gemeiniglich Burg, Städte, fand und Leute, eine rechte Erbhuldigung, immaffen fie als ihrem rechten Erbherren, nach löblichem Herfommen und Gewohnheit, zu leiſten pflegen, thun laſſen, nemlich mit ſolchem Unterſcheid ob geſchehe, daß ihre Herrſchafft eine ohne männliche rechte eheliche keibes tehns Erben mit Tod abgingen, daß fie dann der andern unter uns Parteyen, ‘als ihrem rechten nas | tärlichen Erbherren gehorfam feyn und gewarten, fie aufnehmen und dafür halten fols len und wollen, immaffen alles vorgefchrieben ſtehet, ohne alles Gefaͤhrde. Und wel⸗ ehe unfere Städte, von allen Seiten ung verbrüderten Herren, alfo Huldigung gethan haben, die follen deß zu Bekenntniß und Sicherheit ihre Briefe, mir ihrer Stadt gewöhnlichen Inſiegel beveftet, darüber geben. In dieſer unferer Bruͤderſchafft iſt auch nemlich beredet, ob unſer ein Theil ohne Maͤnnliche eheliche beibs Lehns Erben ab⸗ gingen, alſo daß ihr Churfuͤrſtenthumb, Fuͤrſtenthumb und Herrſchafft at die andern, die noch im feben wären, nach Laut dieſer Bruͤderſchafft, Fame, daß wir und. unfere Erben, alsdann alle des abgegangenen und verftorbenen Churfürflenthumbs, _ Furftens thumbs und Herefchafften, Mannſchafften, fie feyn Grafen, Herren, Ritter, Knech⸗ te, Burg Mann, Bürgere, und gemeiniglih Burg, Städte, tand und feute, geifts fich und weltlich, ben allen ihren Rechten, - Ehren, Würvden, Freyheiten, allen guten. Gewohnheiten und Herfommen bleiben laſſen, und fie getreulich dabey ſchuͤtzen, ſchir⸗ men und handhaben und behalten füllen und wollen, daß wir uns auch, ob. fie das bes gehren feyn, gegen ihnen auf ziemliche und ehrbare Form verjchreiben füllen. Es fols len auch alle unfere Voygte und Ambtleute, die wir allerfeits jetzund haben oder here - nach) feßen werden, geloben und leiblich zu Gott fchweren, wann ein Chur / oder Fürfts licher Stamm Sachſen, Brandenburg und Heſſen, das Gott nach feinem tob gnaͤ⸗ diglich verhüten wolle, ohne männliche tehns Erben abginge, daß fie fich an niemand anders, dann an die andere Churrund Fürftlichen Käufer, männliches Gefchlechts, mit. denen Schlöffern, Veſten und Ambten, die ihnen befohlen ſeyn, oder. befohlen werden, und mit allen ihren Zugehorungen, es fen fahrende Haab oder anders, allent- halben, wie oben erklaͤret, getreulich halten, gewarten, ihnen damit gehorfam und unterchänig ſeyn follen und wollen, gleicherweife und in aller Maaffen, als fie ihren Herren, die fie zu den Schlöffern und Aembtern geſetzet hätten, gethan ſolten haben, ohne allen Verzug, Eintrag und Gefaͤhrde. Dergleichen Eid ſoll auch einem jeglichen, wes Stande er fen, der von uns den Chur und Fuͤrſten von Sachſen, Branden⸗ burg und Hefien lehn trägt ſo offt einer behn empfängt ihme in feine Lehns Pflicht gegeben werden, wie die Haubt und Ambtleute, als obberuͤhret, ſchweren ſollen, und ſolches ſoll in einem jeglichen lehnsbrief geſezt, und mir. deutlichen Morten ausgedruckt | | werden. 1614: 1614. 568 38%. Hauptſt Neuere Sefehichte von Brandenburg. werden. Und fo aud) in unfern der Ehursund Fuͤrſten Sachſen, Brandenburg und Heſſen Städten ein neuer Rath aufgehet, und beftättiger, oder auch in denfels x Bigen Städten ein neuer Bürger foll aufgenommen werden, foll in der Rathsbeſtaͤtti⸗ gung ausgedrückt, auch dem neuen Bürger in feinem Eid und Pflicht eingebunden wer⸗ den, dieſer Erbverbrüderung Auf und Uebergebumgen, auch ven Fällen nad), wie obs ſtehet, treulich und ohne Wegerung, fich mir ihren Städten und Bürgern, gegen ven Fürften / Stämmen, männliche Geſchlechts, welche nad) Abſterben des andern bleiben würden, als die getreuen Unterthanen, wie oben vermeldet, zu halten. Es follen auch alsdann die Chur» und Zürften, auf welche der abgangenen Ehurfürftenrhumb, Fürftens thumb und Herrfchafften, nad) laut dieſer Brüderfchafft und Berfammlungen, kommen wären, nach eines jeden zugefallenen Antheil derſelben Boigten, Ampt+teuten, Schloß fen, Schultheiſſen und Geleits, teuten, wer die weren, redliche Ausrichtung und Be⸗ zahlung thun, was man ihnen, nad) laut ihrer Fündlichen und reblichen Rechnungen, die man von ihnen auffnehmen und hören foll, fehuldig wird, auch ohne alle Gefaͤhrde. Were auch, daß dieſelbe abgangene Parthey umb jhrer oder ihrer lande Nutz und Noth wegen Schloß, Guͤlt oder Guͤter verſetzt hatten, oder ſonſten ſchuldig weren, wann ſol⸗ che Verſetzung und Schulde kundlich und wiſſentlich gemacht wird, ſollen die andern unter uns an die des abgegangenen Churfürftenthumb, Fürftenthumb und Herrfchafften, fand und feute, nach laut diefer Brüderfchafft, alſo kaͤmen denjenigen, denen die Verſatzung geſche⸗ | ben, und denen man ſchuldig were, nach lauf der Brief darüber gegeben, ober wie ſolche Verſatzung und Schuld genugfam Fündfich gemacht wären, unverruͤckt und gaͤntz⸗ fich halten, und nach) eines ieden zugefallenen Antheil Bezahlung thun ohne Gefährde, Unfer jegliches Hanf, auf die des andern Churfuͤrſtenthumb, Fürftenehumb und Herrſchaff⸗ * ten alſo kaͤmen, fol auch der abgegangenen Teftament, ob fie anders Teſtament geſetzt hätten, ohn allen Eintrag handhaben, darzu helffen und thun, daß es auf das redlichſte nach des abgangenen legten Willen und Begehrung ausgerichtet werde. Doch foll daffelbe des letzten Herrn, fo von demſelben Haufe abgangen, Teftament, die Summa dreyfp fig taufend Guͤlden nicht übertreffen, und auch mit Feinen Schlöffern, Städten noch Dörfern, fondern ausfahrende Haab gemacht und gefest feyn. Und 06 folche Sum⸗ ma des Teftaments auf Schlöffern, Staͤdten Maͤrckten oder Doͤrffern verſchrieben oder gemacht were, ſo ſoll doch die angehende Parthey an die Erbſchafft, wie vorge⸗ ſchrieben ſtehet, ſolcher Schlöffer, Städte, Maͤrckten oder Dörfern, darauf die Sum ⸗ ma des Teſtaments vermacht were, Macht haben, umb folche Summa, die alfo in vorgeſchriebener Maß darauf zu Teſtament geſchaft iſt, wiederabzulöfen. Es iſt auch in dieſer unſerer Bruͤderſchafft und Verſamlung vornemlich bedingt, ob einige unter uns vorgenannten Parthenen alſo ohne eheliche männliche rechte Leibs⸗ Lehens ⸗Erben abgin⸗ gen, und doch Toͤchter, Schweſtern oder andere Fraͤulein aus demſelben Hauſe geboh⸗ ven, eine oder mehr hinter ſich verlieſſen, die zu der. H. Ehe noch) nicht ausgefgt noch berathen weren, daß alsdann die andern Partheyen auf die des abgegangenen Churfürs ſtenthumb, Fürftenchumb, Herrſchafften und standen, immaffen wie vorgeſchrieben ſte⸗ het, — 1,0% z * — — ET — * r 5 er NEE ET ARTE — —— ” F ern * eg u DEREK a 4 ’ 4 x = — u. - 3 — bet, ; berftorben weren, dieſelben Tücher, / Schweſtern oder Par als viel deren ‚weren, jegliche befonder mit vier und zwantzig taufend Guͤlden Rheiniſch Ehe Gelds, und ſonſten allen andern Fuͤrſtlichen Aus ſetzungen/ ausſetzen und berathen ſollen, in allermaſſen als die abgeſtorbenen Fuͤrſten davor in vergangenen Zeiten ihre Schweſtern " amd Töchter gewöhnlich ausgefteurer und berathen haben, und wo der Fürft, der alfo bder legte unter einer Parcheyen verftürbe, nicht mehr dann ein Sräufein deſſelben Stam⸗ mes verlieffe, foll verjelben die Summe ihrer Heimfteuer gebeflere werben mit viergig tauſend Guͤlden: Wo fie aber der mehr verlieſſen, fo ſoll ihnen die gebeſſert werden, ihr jeglicher mit zwantzig taufend Guͤlden, und ihnen fürder Feine Beſſerung noch we⸗ gen väterlicher, muͤtterlicher oder bruͤderlicher Erbſchafften, Legitima oder anderer As gefaͤlle, was mehr zu reichen zu geben oder folgen zu laſſen ſchuldig ſeyn, ſondern ſie ſollen mit oßberüßrten Sinnmen aller ihrer Forderung, fo fie zu haben gedaͤchten, al ienthalben vergnuͤget und abgerichtet ſeyn und bleiben, und ſich hieruͤber Feiner Succeſ⸗ ſon oder anderer Anforderung an den Haͤuſern Sachſen, Brandenburg und Heſ⸗ | fen anmaffen in keinerley Weife oder Wege. Wo aber.die verlaffene Fräulein ihrer - weren eine oder mehr, wie vorgeſchrieben ſtehet, nicht ehelich worden, das doch in ihrem Willen ftehen folle, dieſelben folldte Parthey, an welche die tand und feur verfallen, in ihrem Frauenʒimmer fürftlich unterhalten, oder aber, wo ihr nicht gelegen ſeyn wolte, in und ben deffelben Ehurs und Fürften Hoffhaltung und Frauen» Zimmer zu feyn oder zu bleis ben, in anderer Wege mit nothoürffriger Unterhaltung und Leib ⸗ Geding, als jährlich) vier taufend Güfden, verfehen und verforget werden. Ob auch nach des letzten Fürften Abgang etliche Fürftin Wirtiben, fie weren deffelden legten verftorbenen Zürften oder anderer Fürften veffelbigen Stammes, als der Parthey diefer Erbverbrüderung, ver⸗ wand, ihr weren ein oder mehr nad) feinem Todt im feben, die dann auf folchen der verſtorbener Churfürftentgumd, Fürftenehumen, Herrſchafften, Schlöffern, Staͤd⸗ ‚ten, Maͤrckten, Dörfern, tanden oder teuten, DBerfchreibung, Verweifung oder Vers maͤchtniß ihres Heyrath⸗Guts, es were Haupt Steuer oder Morgengab, vote das genannt-were, hätten, dieſelben und. ihr jeglichen ſoll bey ſolcher Verſchreibung, Ver⸗ weiſung und Vermaͤchtniß geruhiglich bleiben‘, der genieſſen und gebrauchen, nach laut ber Driefe, ihnen von ihren Gemahlen darüber gegeben, und von der angehenden Par⸗ cheyen darbey geſchuͤtzt, geſchirmet und getreulich gehandhabet werden, ohne Gefaͤhrde. Und ob ſolche Wittibe ihres Heiraths / Guts, Morgengab oder Leib⸗Geding nicht vers macht oder verweiſet were, ſollen die angehenden Partheyen fie gebuͤhrlich nach Redlich⸗ keit verweiſen, und fie dabey ſchirmen und handhaben, in allermaſſen, als ob das von ihren Gemahlen verwieſen und verfehrieben were, auch ohne Gefährde. Mir obgenans te Fuͤrſten, noch Feiner unferer Erben nach uns, follen und wollen in diefe unfere Bruͤ⸗ derſchafft hinfuͤhro nimmermehr ichtes legen, geſprechen noch chun, daß dieſe unſere Brüderfchäfft, Auff» und Uebergab in einigem Stück fränfen, hindern oder darwieder enn möge, in Feine Weis, ‚jondern wir follen und wollen alle Punckt und Articul’ ders ſelben unfere Bruͤderſchafft, wie die hinfuͤhro und hernach von uns geſchrieben ſtehen, Prallg preuß. Geſch. 3Th. Ceee gaͤntz⸗ I614. 1614, 570 3% Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. gänsfich und ftet Halten, in Feine Weis darwieder thun oder Fommen. Da auch uns R ter vorgenanten dreyen Käufern Sachen, Brandenburg und Heffen eines nach dem Willen Gottes abſtuͤrbe, und deffelben hinterlaffene Lande und Leute unter die zwey überbliebene Häufer, immaſſen ais obftehet, vertheifet würden, fo follen diefelbigen zwey uͤberbliebene Käufer nichts defto weniger in diefer Erb⸗ Verbrüderung gegen ein ander ewiglich verharren, Und als num unfer jegliche Parchey der andern Churfür ſtenthumb, Fuͤrſtenthumb, Herrſchafft, Land und leute, nach fans unſerer Bruͤderſchafft, rechter Erb iſt, fo ſollen wir und unfer jeglicher dem andern getreulich mit fanden und _ Leuten verholfen feyn, unfer jeglicher auch des andern tand und feute, Mann und Die ‚ner, ihre Güter und Haab gleich feinen eignen fanden, Leuten und Haab helffen, weh ⸗ zen, fehügen, ſchirmen und vertheidigen wieder männiglich, warn und wie dick dad immer Noth gefehicht, ohne Gefährde. Es follen auch unfer jeglicher Parthey Schloß, Beftung und Städte der andern Parthey offen feyn, fi) dar aus und einzubehelffen in allen ihren Noͤthen wieder allermänniglich, auch ohne alles Gefährde, Und wir Fuͤrſten und alle obgenanten follen und wollen unter ein; ander dazu getreulich beholffen and fürderlich feyn, daß dieſe unfere Brüderfchafft und Sammlung beftättiger werde von unferm allergnädigften. Heren dem Kayſer und ung jeglichen Chur / und Fürften bes fondere Beftärtigungs+ Brief darüber werben geben. Und daß diefe unfere erbliche Bruͤderſchafft, gütliche Bereinigung, Zufammenfegung, Aufrund Ubergab in allen Stiden, Punckten und Articuln diefes Briefs von uns allen und allen unfern Erben und Nachkommen ftet, gang und unverbrochen follen gehalten werben, haben Wir Johannes Georg. Herzog von Sachfen und, Johann Sigismund Marggraff zu Brandenburg, bende Churfürften; Auguftus, Johann Philipp, - Friedrich, 304 hann Ernft der iuͤngere, Friedrich Wilhelm, Albrecht, Johann Cafimir und Johann Ernſt der ältere, Gevettere und Gebeivere, Herzogen zu Sachſen; Jo⸗ hann Sigmund Churfürft und Maragroff zu Brandenburg vor unſern Vettern Ale brecht Friedrichen , Marggraffen zu Brandenburg, in Preuffen Herzog ze. Chris ftion, Joachim Ernft, Zohann Georg Marggraffen zu Brandenburg, Chris ſtian Wilhelm, Voftulieter Erzbiſchoff des Primars und Ersftiffts Magdeburg, als ein gebohrner Märggraff zu Brandenburg; und George Albrecht, Sigmund und Johannes, gleichfals Marggraffen zu Brandenburg, und dann Morig, Ludwig, Philipps und Friederich Land» Grafen zu Heſſen, unfer einer dem andern Hand in Hand in freuen gelobt und zu Gott gefthworen, Geloben und fehweren das auch gegen sohrtiglich in und mit Krafft diefes Briefs, und es follen unfere jeder Parthey namliche Sehens: Erben, Fürften zu Sachfen, Brandenburg und Heſſen, diefe Erbverbruͤ⸗ derung, warn deren einer oder mehr. vierzehn Jahr alt, auch geloben und fehweren, sole von Alters Herfomen. Und haben das zu wahrer Urfund und mehrer Sicherheit, wir obgenante beyde Churfürften, Sachfen und Brandenburg, desgleichen wir Au⸗ guftus, Johann Caſimir und Zohann Ernft Gebrüvere und Vettern, Herzge zu Sarhfen, Chriſtian, Joachim Ernſt und Sohenn Georg, Marggraffen zu | 3: Are 12 OR . i — — rg“ —————————— EEE nt Cunfünft Zohan Siciemunn = > gmr © Brandenburg, und wir Moritz und Ludivig Sandgraffen zu Heffet vor uns und 167 4 e unfere allerſeits rechtliche maͤnnliche lehens⸗Erben, als dieſer Zeit regierende Chur⸗ >. md Fiieften der Häufer Sachfen, Brandenburg und Heffen unfer Anfiegel wiſſent⸗ 2. Jich an diefen. Brief laſſen hängen, uns auch mit eigenen Händen unterfchrieben,. und pie Zohann Philipp, Sriedrich, Johann Ernſt der jüngere, Friedrich) Mil Helm, Albrecht Gebrüdere und Vettern Herzoge zu Sachen; Chriſtian Wilhelm & und Georg Albrecht, Sigmund und Johann Marggrafen zu Brandenburg, Phis ndpps und Friedrich Sandgraffen zu Heffen, als noch zur Zeit nit vegierende Herren, E zufagen und verfprechen gleichergeftalt, das alles, wie obbemeld, auch veftiglich. zu hal⸗ E ten, und haben berohalben neben gethaner Eides⸗Leiſtung ung mit unfern Händen auch uunterzeichnet. Geſchehen zu Naumburg den dreyßigſten Monaths/ Tag Martii nach Chriſti unſers lieben Herrn Geburth, im ſechzehenhundert und vierzehenden Jahr, ,, F = d. 2 3 I. In den juͤlichſchen Erbſchaftsſtuͤckken brachen die Unruhen wirklich aus, fo wie Die neuen un⸗ man beſorgt hatte: Der Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm wolte den brandenburgi⸗ ln * 5 ſchen Ehurprinzen, feiner Jugend wegen, zu keinen Regierungsgeſchaͤften ziehen. Als hahnne jener mie feiner neuen Gemalin in Duͤſſeldorf angelanget, zeigte ſich das gegenſeitige veranlaſſen die Mistrauen dadurch, daß beide Statthalter zu ihrer Beſchuͤtzung verſchiedene Wachen ——— beſtellen lieſſen. Der Pfalzgraf, welcher nach Bruͤſſel abzureiſen willens, wolte in sen, dem Schloß Juͤlich einfprechen. Weil man von brandenburgiſcher Seite hiebey nichts gutes beforgte, ward dem Befehlshaber des Orts fehriftlich aufgetragen, auf feis ner Hut zu feyn. Selbiger fehlug auch wirklich dem Pfalzgrafen den Eingang in dies ſes Schloß ab. Der brandenburgifche Prinz war nunmehr in Duͤſſeldorf nicht weis “ter ficher, und ließ fich daher von der Befaßung in Moͤrs zoo Mann Hälfsvölfer ſchi⸗ = den. Es langten diefe aber zu feiner Sicherheit nicht zu. Er gieng alfo den sten May über Weſel nach Eleve ab. Der Befehlshaber in Juͤlich konte fich auf feine Befasung nicht vollig verlaffen. Sie war nur 200 Mann ftarf, wovon nur die Hälfs fein brandenburgifihen Pflichten fand. Er zog daher noch 200 Mann aus der Nach⸗ boarſchaft an fich, und ließ an den Beftungswerfen arbeiten, um defto feichter im Stans de zu ſeyn, den Ort vor beide befißhabende Fürften zu erhalten, worüber zwar Brans denburg, nicht aber Pfalz Neuburg fich zufrieden begeigte. Hierdurch fahe ſich der Befehlshaber gendrhiget, denen in neuburgifchen Pflichten ftehenden Soldaten von der Beſatzung anzudeuten, ſich aus Juͤlich nach Duͤſſeldorf zu ziehen. Die Hollaͤn⸗ der bemuͤheten ſich zwar, dieſe Unruhen vor ihrem rechten Ausbruche zu ſtillen, und erſuchten die Konige von Frankreich und England, den Churfuͤrſten von der Pfalz uund den Ersbifchof von Coͤln, ihre Vermittelung mit ihnen zu vereinigen. Auf die Nach⸗ ‚ zieht, daß Wolfgang Wilhelm Kriegevölfer werbe, fehlugen fie zu Wiederherſtel⸗ lung bes guten Vernehmens beiver befighabenden Zürften eine Zufumnenfunft zu We⸗ ſel vor, die auch wirklich im Junio befchieft wurde Die Holländer verfprachen das E.% Cece⸗ ſelbſt, * —* * m 23% Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, — 1614, — Floſt, Ihre Dötfer fogteich ans Jülich zu ziehen, ſo bald man wegen der Siehenfeit beider Prinzen gehörige Maaßregeln genommen. Die neuburgifchen Abgeſchickten be , ſtunden aber darauf, daß das Schloß Juͤlich in ven vorigen Stand gefeßt werden muͤſſe. Die Zuſammenkunft war alfo vergeblich, Neuburg feste feine Werbungen und die Böveftigung von Duͤſſeldorf mit Summen fort, die es vom Papſt, Baiern und den Ligiften erhalten. Wolfgang Wilhelm ſowol als Georg Wilhelm hi 1 i ‚ten nach dem Haag Gefandte. Jene beftunden darauf, daß die holländifche Befu- gung aus Juͤlich gezogen, und die Unterhandfungen zu. Weſel wieder vorgenommen werden möchten. - Die brandenburgifchen baten aber um holländifche Hülfe Die ‚vereinigten Provinzen verfprächen,. Juͤlich zu räumen, fo bald das Bernehmen zwi ſchen beiden befißhabenden Fuͤrſten wieder hergeftellet worden; im. entgegenſtehenden Fall fich fo zu verhalten, wie es Frankreich, England und die Staͤnde vorgufiv den wuͤrden. Auf die Nachricht, daß zu Brüffel ſtarke Zuräftungen gemacht win den, lieſſen die Holländer das Schloß Juͤlich mir nothwendigen Krieggsund Mund ⸗ beduͤrfniſſen verfehen. Die Könige von Frankreich, England und Spanien um Erzherzog Albrecht verfprachen zwar, ſich ins Mittel zu fehlagen. - Allein bey dehlege tern war es fein Ernſt. Churtoͤln ließ zwar-im Haag in Vorfchlag bringen, das Schloß Juͤlich entweder denen Händen des tandgrafen Moritz von Heffen, oder Fuͤſt Chriſtian von Anhalt, oder dem Prinzen Philip Wilhelm von Oranien zu uͤber ⸗ geben. Ehe man aber hierüber noch) zum. Schluß kommen fonte, brach ſchon eine ſtarke fpanifche Macht in Deutfchland ein. Der Kaifer harte-Ehurcöln uno oem Erjperzog Albrecht die Vollmacht ertheiler,. feine-Achtserflärungen 'gegen die Stadt: Yachen und Mirhlheim auszuführen. Dieſes gab dem Spinola den Vorwand, fir ne unterhabenden Völker im Auguſt vor Aachen zu führen,melches fich auch anihn , ergab, der fodenn denen Evangeliſchen alle Religionsfreiheit entzog . Hierauf befeßte - . er Düren, und zog die neuburgifihen Kriegsvölfer an fich. Brandenburg ließzwar: auch. Werbungen anftellen, und der Churfürftvon der Pfalz zog feine Bölferzu Bin lefeld zuſammen. Dies hinderte aber den Spinola nicht, Muͤhl eim, wo er den Walt durch soo Soldaten ſchleifen, und die Religionsuͤbung der Evangeliſchen abs ſchaffen ließ, Bercheim, Cafter, Grävenbrug, Orſow und Duisburg zu defer . gen. Bey Rheinbergen ließ er eine Schifbruͤcke fehlagen, und gieng über diefelbe auf Wefel los. Diefe Stadt hatte von den befishabenden Fürften Feine Befagung einneh⸗ men wollen. Sie entfehloß fich zwar anfänglich gegen die Spanier zur Gegenwehr, ließ ſich aber bald.auf andere Gedanfen bringen, und ergab fich auf Bedingungen. So bald die Holländer von dem, "was in Aachen und Düren gefehehen, von Brandens burg Nachricht erhaften, lieſſen fie ebenfals ein Heer bey Gravenwerth zufanmen zies ben. Hier erfuhr Morig von Dranien, daß die Spanier viele Paͤtze und ſon⸗ derfich Weſel, beſetzt. Er rückte daher im Sept. vor Emmerich, nahm den Ort. mit Bedingungen ein, beſetzte Rees, aller Bemuͤhung des Gegentheils ohnerachtet. Hier bezog er ein fager, und lieg vuech den Befehlshaber von Nimwegen * we. we = 7 34 R — ——— 2 Ze a de dr N A ie en ER J - — a 9 Pen aan Kan ze hr eh a y, Er , F — Ve Sole Be: churfuͤrſt Johaun Sigismund —16 BL — God), Genep und Ravenſtein mit hollaͤndiſchen Beſatzungen verſehen, wogegen ESrxpinola ſich in den Befig der Stadt Kanten ſetzte. Indeſſen trafen franzoͤſiſche Wiederherſtellung der Ruhe zu Kanten eine Friedenszuſammenkunft gehalten werden folches nach allem Bermögen zu hintertreiben. Er verlangte wor dem Katjer vie Ber⸗ 9 waltung der ſtrittigen Erbſchaft, bis der kaiſerliche Hof entſchieden haben würde, wem ſplche von Rechtswegen zuftehe. Man folce befonders nichts sum Nachtheil Sachſens 2. Beftimmen. Demohnerachtet kam bie Verfammiug zu Kanten zum Stande. Frank eich, England, Holland, »ie Union, der Erzbiſchof von Coln, der Erzherzog Albrecht und hie «- nahabenden Fuͤrſten ſchickten ihre Geſandten nach dieſem Ort, wo vaSaſahung herausgezogen war. Man erkannte, daß der gemeinſchaftliche Beſitz der Grund aller Streitigkeiten geweſen. Es ward alſo zum Grunde gelegt, daß zwar Beide Theile ihre Anſpruͤche, Titel und Wappen auf die ganze Erbſchaft beibehalten ſol⸗ tens dee Beſitz ſelbſt und die Einfünfte folten aber getheilet werben. Alle dazu ges — werden. Kein Theil ſolte ohne den andern ſeine Plaͤtze einem dritten einraͤumen, und ein jeder nicht mehr. als 50 zu Pferd und 100 zu Fuß zur teibwache behalten. Alle ſeit dem May errichtete Veſtungswerke folten gefchleift, und Feine nee angelegt, alle vers triebene geiftliche und weltliche Beamte und von Adel wiederhergeſtellet werden. Beide Theile folten an verfchtedenen Orten ihre Hofhaltung anlegen. Die Städte Juͤlich und Düffeldorf folten ver Veſtungswerke beraubt, und von den kandftänden von Juͤ⸗ lich und Cleve befege werden. Die. tänder folten fo getheilet werden, daß auf einen Theil das Herzogehum Cleve, die Graffchafe Marf und Ravenftein ; die Grafſchaft . Ravensberg und die in Brabant und Flandern belegene Herrfchaften, ‚auf den ans dern die Herzogthumer Juͤlich und Bergen mie ihren Zubehörungen fallen folten. Der Befiger jenes Theils folte zu Cleve, und dem dieſer Theil zufiele, zu Düffeldorf EIG — feinen Wohnfig haben, und durchs loos folte entſchieden werden, welchem der befighabens = den Fürften diefer oder jener Theil zugehören folte. Diefer Vertrag Fam den raten Nov. um Stande Brandenburg fowol als Pfalz» Neuburg genehmigten. venfelben. 7 Spinola machte aber Schwierigfeiten, die Dläge zu räumen. Auf ausbrüdlic ers daltenen fpanifchen Befehl ließ er 3000 Fußfnechre und 300 Reuter in Weſel sur Bes fagung. = Die übrigen Völker wurden in vcu Flichfihen Erbfehrerhten verlegt. 5 —* — — Pofssuugen wurden alſo auch nicht abgefuͤhret, obwol das Heer 2 as wein Felde un die laͤnder der fieben vereinigten Provinzen, die Winterläger zu bes > I glehen, abgeführet wurde. Die Spanier und Holländer erklaͤreten ſich zwar, den gantenfchen Vergleich gelten zu laffen, fanden es aber für fich viel zu vortheifhaft, in enen ſtrittigen fanden ihre Defagungen zu behalten; wobey Brandenburg ſowol als x Hal Neuburg Schaden haben muften. Ohnerachtet der brandenburgifche Prinz feit diefer Zeit feine Hofhaltung und Negierung in Cleve, und der Pfalzgraf Wolf⸗ Ba SE N Erer3 gang J—— - amdıengländifche Geſandten im lager ein, die es endlich dahin brachten, daß wegen J ſolte. Der angekommene kaiſerliche Geſandte der Graf von Hohenzollern ſuchte zwar boͤrige Plaͤtze, ſonderlich Juͤlich und Weſel, ſolten von fremder Beſatzung geraͤumet 161%: 74 3%. 9-Hatiptft. Meere Geſchichte von Biandenburg. 1614. gang. Wilhelm die feinige in Duͤſſeldorf behielt, ſo Fam doch der Vertrag zu we ten niemals zu feiner Wirflichfeit, und beide Regierungen fahen ſich durch) die fremden Befagungen ziemlich eingefchränfe. Die Union, bey der fich die Macht der ſpani⸗ fehen Waffen in ziemliche Achtung gefegt, hielt bey diefen Umftänden vor gut, nicht nur ihr Buͤndniß mit den Holländern zu beftätigen, fondern es ward von denen dar⸗ 615. 7 Defiuskichen Vundeaaenoſſen auch 1615 eine Zufammenfunft zu Mirnberg gehalten, der auch) churfuͤrſtlich brandenburgiſche Geſandten beiwohneten Man. fuchte hie⸗ ſelbſt Brandenburg und Sachſen wegen der juͤlichſchen Erbſchaft zu vertragen, konte jedoch damit nicht zum nahe kommen. AI dieſem Jahr bemaͤchtigten ſich die Holländer, welche gern einen freien "ss nach Yiederfachfen offen ber halten wolten, der Graffchaften Mark und Ravensberg. ze zorchahe fotches ai ter dem Vorwande, der Stadt Braunſchweig zu Huͤlfe zu fommen. hn der Todesfall Herzog Henrichs Julii von Braunfchweig einige Höfnung gemacht, daß e8 zwiſchen dem kandesheren und der Stadt diefes Namens zu einem Vergleich kom⸗ — men wuͤrde; fo vermehreten ſich doch die Weiterungen dergeftalt, daß der Herzog Frie⸗ drich Ulrich diefe Stadt aufs neue belagerte. Die Holländer aber und die Hanfees ftädte vermittelten endlich zu Steternburg zwifchen dem Herzog und der Stadt Bran⸗ ſchweig einen völligen Frieden. Hingegen ward den Faiferlichen Befehlen gemäß der neue Stadtbau zu Mühlheim gänzlich gefihleift a). 232. r 5 Marggraf Gleich zu Anfang diefes Jahres’ hatte des Churfuͤrſten Johann Sigismunds Ehriftian Bil Bruder der, Erzbiſchof von Magdeburg Chriſtian Wilhelm ſich mie einer braun⸗ heim vermält fih, und breiße ſchweigiſchen Prinzeßin vermäle, und blieb nichts deſtoweniger bei) der Stiftsregle⸗ erzbiſcheof. rung. Denn ob er wol nach feinem Wahlvertrage folche niebergeleget, fo hatte ihn doch das Domkapitel zu Ende des vorigen Jahres aufs neue zum Verweſer des Hode ſtifts erwähfer, und fich mit ihm wegen eines neuen Wahlvertrags verglichen D. In Berlin it © An Berlin entftand in Abweſenheit des Churfürften ein groffer term. Johann ein auſſtand . Sigismund hatte feinem Herrn Bruder dem Herjoge von Jaͤgerndorf Marggraf Jo⸗ hann Georg die Statthalterſchaft aufgetragen. Dieſer letztere Prinz ließ in der Wo⸗ che nad) Judica alle Bilder, Crucifixe, Altaͤre auch übrige Gedaͤchtnistafeln, fo wie den Taufftein aus der Domfirche mwegfchaffen, welche die Churfürftin in Berwahrung, genommen. Der damalige Caplan an der Peterskirche Peter Stuler Hatte ven Un verfland, um Putnfontage dawider mit einer ausgelaſſenen Hitze zu predigen. Den folgenden Montag entſtund ein Geruͤcht: man wolte in der Toigennon Macht diefen Drei diger veftinachen. Er flüchtefe daher noch denfelben Abend aus der Stadt. "oas yı-. meine Volk aber lief häufig zufammen, theils Stulers Haus zu ſchuͤtzen, theils des veformirten Hofpredigers Fuffelii und anderer Meformirten Häufer zu -fhärmen. Der Marggrof Johann Georg rilte zwar mit-einigen Trabanten und Bebienten fos — * | gleih - @) Puffendorf lc." Caraffa lc, Kondorpius T.ı. Meiers Lond. ſuppl. T. 2. Bw. dolphel.e. ı. b) Herrn von Dreybaupt Hiſtorie des Saalkreiſes P. 1. Churfuͤrſt Johann Sigismund. ER 575 gleich herbey,- den fern bey Zeiten zu ſtillen. Weil aber einer von feinem Gefolge mit 1615. | ber Piftole unter das Volk geſchoſſen, ſo ward dadurch Oel ins Feuer gegoſſen. Man laͤutete die Sturmglocke, und der Auflauf vermehrete ſich. Von beiden Seiten geſcha⸗ hen etliche Schuͤſſe, wodurch nach einigen zehn marggraͤfliche Bediente und drey aus der Buͤrgerſchaft erleget worden ſeyn ſollen. Nach anderer Bericht aber iſt dadurch niemand ums Seben gefommen. Die Stadtobrigkeit, ſonderlich der Buͤrgermeiſter Zahn, ſuchte vergeblich, den aufgebrachten gemeinen Haufen zu befänftigen. De Marggraf ward fogar mic einem Stein am Schenfel verlegt. Er gieng alfo wieber nach dem Schloffe zurück, da er bisher mitten unter dem ungeftämen Volke gehalten, und alle Mägigung gebraucht hatte, den ferm „su ſtillen. Der zufammengelaufene Haufen erbrach und pländerte hierauf wirklich Fuffelii Haus. Endlich) verlief fich fols her in der fpäten Macht. Es wurden zwar nachher viele deswegen gefänglich eingezos gen, und gegen fie eine Unterfuchung angeftellet. Der Eluge Churfürft ließ aber mehr Pe Gnade, als. Gerechtigkeit, fehen, und befanftigte dadurch die Gemuͤther wieder c). Er ließ nunmehr endlich am Faiferlichen Hofe die Belehnung mit feinen Reichs, Der qurfuͤrſt und boͤhmiſchen kanden beſorgen. Die juͤlichſche zwiſtige Erbſchaft war hauptſaͤchlich un ig R ſchuld daß Churfuͤrſt Johann Sigismund weder nad) dem Tode feines Herrn Bars boͤhmiſche leh⸗ ters Joachim Friedriche, noch) nad) dem Tode Kaifer Rudolph 2 die tehne bisher 1 empfangen. Er harte noch immer geglaubt, daß indeffen die juͤliſchen Erbfchaftsftreis tigfeiten beigeleget werden würden, damir er fodenn auch die Belehnung über diefe ande . zugleicherhalten koͤnte Dachdem aber folches Die neuern Streitigkeiten mit dem Haufe Pfalz; Meuburg vereirelt » fo füchte und erhiele ev wegen feiner fande, MNechte und _ ° NAnfpuche vom Kaifer Matthia die Belehnung, ſowol wegen je an ters, als auch wegen des Ießtverftorbenen Kaifers d). Deer Kaifer fehien nunmehto endlich den häufigen Klagen wider feinen Hofrat „ Der —* bbee zu wollen. Er ließ vor dieſes Gericht eine neue Vorſchrift verfertigen, und sig u man hatte wirklich Hofnung, daß in Deutfchland fich alles zur Ruhe bequemen wuͤr⸗ higen. de. Matthias wolte ſolche dadurch befördern, daß er fich Mühe gab, die Buͤndniſſe der Catholiken und Proteftanten zu trennen. Er that in diefer Abſicht 1616- der 1616. . ‚Union Borftellungen, fie zu Aufhebung ihres Bindniffes zu bewegen. Es ſchien ders ſelben aber bedenklich zu ſeyn, ſich eher zu trennen, bis die Evangelifchen zuverläßis gere Sicherheit wegen ihrer Religion erhalten hatten. Vielen Neligionsbefchwerden in Deutſchland war noch nicht abgeholfen. Es Famen ſogar neue, fonderlich in Defterreich, Böhmen und Schleften, vor, die ber Union, auf ihrer Hut zu bleiben, antiethen. e). Weil man aber doc damals weniger als jemals einen oͤffentlichen Bruch Der hurfürft beforgen durfte, ſo beſchloß der Churfürft, eine Reife nach Preuſſen zu thun; Fee Bag nachdem er bey dem churfächfifchen Hofe, der jülichfchen Erbſchaft wegen, eis nen Beſuch zu Dresden und zu Torgau abgeleget, und die Megierung der deutſchen Staaten fichern Händen anvertrauet hatte, In denen clevifchen Erb BE ar * | ſchafts⸗ e) Herr Kuͤſter Opp. March, St. ¶. 4) Cernitius. ©) Londorpius T. ı. In ir an fers Matthiaͤ anftehen Iaffen. Es merkte, daß einige Proteftanten damit umgiens | 1616. ee deffen Bruder der tandhofmeifter Friedrich, dieſe zwey wichtigen landesbedienungen zugleich bebienen Fonten, In Gegenwart zwey polnifcher. Bevollmächtigten u — Woywoden von Cracau ward den zıften Dec. die den Verträgen mit Polen gemäß zu Koͤnigsberg erbauete catholifche Kirche von dem Biſchof von Kaya eingeweiher ), 576. 3° 9 Haupt: Neuere Geſchichte von Brandenburg. ſchaftsſtuͤcken, deren Beſitz ihm theils nach dem Vergleich zu Tanten zuftand, cheils durch die hollaͤndiſchen Kriegsvoͤlker verſichert war, führte ver Churprinz Marggraf Georg Wilhelm die Statthalterſchaft, der ſich den 14ten Zul. dieſes Jahres zu Hei⸗ £ delberg mit des Churfürften Friedrichs 4 von der Pfalz hinterlaffenen Prinzeßin Eliv fabeth Charlotte wirflich vermäfte. Die Marf Brandenburg vertrauete der Chut⸗ fürft der Verwaltung feines Bruders Marggraf Johann George Herzogs von Jaͤ⸗ F pi 14 gerndorf an, ber in dieſem Jahr mit der Stadt Jaͤgerndorf wegen der Religi el⸗ nen eigenen Vergleich getroffen hatte. Der Churfuͤrſt ſelbſt langte ven 22ften € Sept. Vormittags um 9 Uhr in Königsberg in Preuffen an. In feinem Fleinen Gefolge befanden fich mehrencheils nur preußifche von Adel. Er unterzog fich denen Regie⸗ rungsgeſchaͤften diefes Landes mit groffem Eifer. Zum Vergnuͤgen dieſes Herrn war — der ſogenannte neue Graben in dieſem Lande eben fertig geworden, an welchem bisher - ſeit 1613 mit vielen Koften gearbeitet worden. - Den 27ften Nov. ward ein Landtag ers öfnet, auf welchem ſich Streitigfeiten über der Frage hervorthaten: ob zwey Brüder zugleich, nemlich Fabian von Dohna, der Amtshauptmann zu Brandenburg, und 62 1238. | — * Das haus Die Nachrichten aus Deutſchland aber wurden wieder ſehr bedenklich Das Oeſterreich Erzhaus Defterreich wolte eine römische Königswahl nicht gern bis auf den Tod Kats “ * r der Faiferkro: gen, zu ihrer Sicherheit die Kaiferfrone auf ein anderes Haus zu bringen. Die Bor: ne. theife der catholifchen Neligion hingegen erforderten, daß das Erzhaus bey dieſer hoͤch ⸗ ften Würde blieb, welchem ebenfals an der Erhaltung derfelben fehe viel gelegen war. Die Prinzen diefes Haufes wuͤnſchten fogar einen Nachfolger vor den Matthiam uns ter fich auszumachen, ‚welcher Nachfommen verließ, und alfo mehrere Zuver ſicht vers, fhaffen koͤnte, daß die. Kaiferfrone auch in der Zukunft bey dieſem Haufe erhalten wuͤr⸗ de. Die Brüder des Kaiſers Matthik, der Erzherzog Marimilian und der Erzhers 309 Albrecht in den Niederlanden fehienen zu diefen Abfichten zu ale zu fenn. Ge fest daß einer von dieſen Herren zum roͤmiſchen Könige gewählet wäre, fo hätte man doch bald ein neues Zwiſchenreich zu beforgen. Da beide Herren undererbf geblieben, ſpo ſchien diefer Umftand dem Erzhaufe in der Zukunft nicht genugfame Sicherheit zu. ges währen. Man beſchloß alfo, die roͤmiſche Fonigliche Würde dem Erzherzog Ferdi⸗ Hand von Graͤtz, aus der fteuermärfifchen Einie, zu verfchaffen, welcher nicht als fein genugfam mit Erben verfehen war, fondern noch überdies einen ungemeinen Eifer vor die Neligion und viele Thaͤtigkeit in der Finftigen Regierung verſprach. Diefen | Sa, | fell u ER “2 P) Eitäntestee Peeuffen T.3p. 537. Abels preufifche Stnatsgeficge." « * x Ad Porn aan " —— J — ———— rar a a ae u, Churfürft Johann Sigismund. — 577 ſolte der Kaiſer an Kindes ſtatt annehmen, ihn Die Nachfolge in den Erblanden ve» 1616. fihern, und dadurch den Weg zur Faiferlichen Würde bahnen. In diefer Abſicht hats - te Erzherjog Marimilian eine Reife nach) ven Niederlanden vorgenommen, um for _ wol den Erzherzog Albrecht, als auch die fpanifche linie zur Mitwirkung zu diefer Ab⸗ fiche zu bewegen. Als beibes bewirfet worden, ward Die ganz heimlich gefroffene Beranftals tung dem Kaiſer Matthia eroͤfnet. Anfaͤnglich fand derfelbe zwar hieben, auf die Gegen» vorftellung des Cardinals ‚Klefeld, allerhand Bedenklichfeiten, ward aber doch endlich bevedet, in die Abfichten- ver uͤbrigen Glieder feines Haufes zu willigen. Der König in Spanien Philipp 3 gedachte noch immer, durch Huͤlfe der deutſchen Linie und der Kaifer aus derſelben, diejenigen Anfchläge endlich werfftellig zu machen, woran ſeit Carla 5 Zeiten deutlich. genug gearbeitet worden. Der König fhloß daher mit dem Er herzog Ferdinand ein genaues Buͤndniß, und verziehe fich aller feiner Anfprüche, die er wegen feiner Mutter Anna, einer Tochter des Kaifers Marimilians 2, auf Böhmen, Ungarn und andere öfterreichifche Erblande machen fönte, doch nur zum Vortheil det männlichen Nachfommenfihaft des Erzherzog: Ferdinands. Hierauf leiſteten auch die Erzherzoge Mapimilian von Inſpruck und Albrecht in den Nieders landen auf die Vetlaſſenſchaft ihres Bruders Matthiaͤ Verzicht, Sodenn wurden die böhmifchen Stände dahin gebracht, daß fie den Erzherzog Ferdinand zu ihrem Könige anzunehmen befchloffen. Aber Ferdinand folte dagegen nicht nur die Maje⸗ ftätsbriefe aufs heiligſte beobachten, fondern mufte auch verfprechen, ben Lebzeiten des Kaifers fich Feiner Regierung anzumaffen. Auch die Schlefier nahmen unser diefen - Bedingungen auf dem gehaltenen Fürftentage diefen Prinzen zu ihrem Fünftigen Ober⸗ herrn 1617 an, welchen Schluß ihn Marggraf Johann Georg von Sägerndorf 1617. überbringen mufte, der aber dadurch nicht verhindern Fonte, daß ihm die Herrfchaften Oderberg und Beuthen nicht ab» und dem Könige zugefprochen wurden g). Der Ehurfürft von Brandenburg Zohann Sigismund war in diefer Zeie Der hurfürk noch immer in Preuſſen mit der dortigen Regierung befchäftige. Er -gönnete Be Sen aber den Unterthanen aller feiner Staaten das: gegründete Vergnügen, wegen ber vor Läuın feiten. 100 Zahren angefangenen Kirchenverbefferung Lutheri die erſte Jubelfeier feſtlich zu begehen. Man Hat angemerft, daß die Jahrzahl dieſer erften Zubelfeier in den Wor⸗ ten: lohann SiegMVnD ChVrf Verſt, enthalten ſey db). © 5 7234. “FAR OR Ä Indeſſen machte das Erzhaus Defterreich bereits alle Anftalten, feinen Zwef Wegen der in Abſicht der roͤmiſchen Föniglichen Wuͤrde Erzherzogs Ferdinands zu erreichen. Der kaiſerkrone J Kaiſer Matthias, der neugekroͤnte König in Böhmen Ferdinand und der Erzherzog En —* Maximilian thaten im dieſer Abſicht eine eigene Reife zum Churfuͤrſten von Sachſen reichs und der DZohann Georg, und es gelung ihnen, dieſen Prinzen wirklich zu ihrem Vortheil ein, ——— u ee 5 — ER V — an Zen 1 Su u a eu in . J * “ u rt 5 — — zu⸗ ) Londorpius T.ı. Khevenhuͤller Th. 8. Caraffa l.c. Memoires fur la vie et la mort ‘de Louife Iuliane p. 115. ° b) Cernitius. Andere glauben, diefe Juhelfeier fey wegen der - vor hundert Jahren erhaltenen Mark Srandenburg des Hauſes Aohenzolleen feftlich begangen, Polly. preuß. Gef 3Ch. Dovs 1617. 1618. 578 3 Th. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. | zunehmen. Ohne die Stimme diefes Churfürften machte Ferdinand fich nicht einmal Be; Hofnung, zum ruhigen Befig der Kaiferwürde zu gelangen. Durch den Beitritt des - churſaͤchſiſchen Hofes zu den Maaßregeln des Erzhaufes glaubte man die gröften Schwie⸗ rigkeiten üb.rftiegen zu haben. Es wurde bereits wirklich ein Churtag angefegt. Man hatte fich aber zu früh gefehmeichelt. Ferdinands Eigenfihaften, feine tiebe zu; einer unumſchraͤnkten Gewalt, befonders aber fein Haß gegen bie Proteftanten, und feine Meigung, die Abfichten Spaniens, welche viefe Krone gefaft, zu unterftüßen, was ten bereits ziemlich an ven Tag gefommen. Die Union zitterte, zum voraus, um ter den Seepter eines Herrn zu fommen, deffen Gefinnungen ihrer Religion den Un⸗ -tergang gefehwören. Sie mache wirflich den angefegten Churtag rücfgängig, ins dem Ehurpfalz und Churbrandenburg ſich nicht entſchlieſſen Eonten, ohne Noch eis ner. Wahl beizumohnen, von der fie fo nachtheifige: Folgen: beforgten, Die Union Fam vielmehr zu Heilbronn zufammen, und verband fich aufs neue, bey dieſen bes - benflichen Umftänden aufs genauefte zuſammen zu halten. Beide fuchten aber vergebens ‚zu Dresden den churſaͤchſiſchen Hof zur völligen Mitwirkung zu ihren Abſichten zu bewegen. Die vamalıgen Zeitumftände nöthigten den Churfürften von Brandens . burg Johann Sigismund, feinen Churprinzen Georg Wilhelm von der cleviſchen Statthalterſchaft ab- und an fein Hoflager zu berufen. Es Tangte derfelbe mit feiner Gemalin den zren Sun. 1618 wirklich zu Königsberg in Preuſſen an. Nun unters hielt der churbrandenburgifche Hof mic dem Ehurfürften von der Pfalz die genauefte - Vertraulichkeit über die Maaßregeln, welche ıman bey diefen Umftänden zum Vortheil ber proteftantifchen Kirche nehmen muͤſſe. Anfänglich befehlog man, den Herzog von Baiern Maximilian dem Erzherzog Ferdinand an die Seite zu flellen. Der Ehurfürft von der Pfalz war perfonfich nach München abgegangen, um bey demſel⸗ ben Vorfchläge zu thun, die Faiferfiche Würde von Defterreich auf das; Haus Baier zu bringen.: Aber. Herzog Maximilian trug vieles Bedenfen, ein Nebenbuhler des Erzhaufes zu werden. \ Er fchlug es ab, fich um die Kaiferfone zu bearbeiten... Viel⸗ leicht wuͤrde er ſeine Hausvortheile der catholiſchen Religion nicht ſo leicht aufgeopfert Haben, wenn er nur eine gegruͤndete Hofnung vor ſich geſehen haͤtte, dem ſchon damals uͤbermaͤchtigen Erzhauſe Oeſterreich einigermaſſen das Gleichgewicht Halten zu kͤnnen. Allein die Union ſchien ihm zu ſchwach, ſich auf fie genugſam ſtuͤtzen zu fonnen. Ei⸗ ne Macht, die aus lauter Bundesgenoffen zufammengefege iſt, kann nur. einen fehr ungeroiffen Beiftand gewähren. Holland hatte für fich genug zu thun, feine Freiheit ‚gegen Spanien zu behaupten, befonders da man noch nicht wiffen fonte, was die im neren Streitigkeiten unter denen fieben vereinigten Provinzen, die bey Gelegenheitder Religionsmeinungen entftanden waren, : und entweder vor den. Statthalter Moritz Prinzen von Oranien, oder den Verfechter der gemeinen Freiheit Sohann von Ol⸗ denbarnevelt und deffen Mitgenoffen übel ausfchlagen muften, vor ein Ende nehmen würden. Die Kirchenverfammlung zu Dordrecht war zwar zuſammenberufen, und ward auch wirklich eröfnet. Da man aber vorausfahe, daß fie mehr die Arminianer zu vetrdammen, als zu hoͤren gehalten werben würde, fo konte man von ihren Schluͤſ⸗ en u 2 | - Churfürft Johann Sigismund. 375 fen Feine Wiebetvereinigung der Gemuͤther hoffen. Auch unfer Churfuͤrſt Johann Sigismund von Brandenburg war zwar. als ein Mitglied der reformirten Kirche .. erſucht worden, dieſe Kirchenverfammlung zu beſchicken. Er that folches aber fo wes ng, daß er auch die harten zu Dordrecht von der Gnadenwahl gefaften Schlüffe nie, mals angenommen. Eben diefe Gefinnung haben des Churfürften Nachkommen beis behalten. Jacob ı König von England wolte feinen damaligen Kronprinzen durchs aus mic einer fpanifchen Prinzeßin vermält fehen, weil er Feine Proteftantin dama⸗ liger Zeit zu dieſem Endzweck für vornehm genug hielt, und diefer Schwachheit opferte Hätte dem Anfuchen bey Baiern, um die Kaifermürde fich zu bewerben, das meifke Gewicht geben koͤnnen, wenn folches hiebey, den Herzog Maximilian auf.alle Are zu unterſtuͤtzen/ ſich vorgefege hätte. Die Staatsvortheile des Ludwigs 13 erforderten folches augenfcheintich. Cs wolte aber derfelbe theils das Erzhaus Defterreich ben des nen damals in Frankreich ſelbſt mic des Königs Mutter entftandenen innerlichen Ir⸗ rungen nicht reigen, ſich in die inneren Angelegenheiten feiner Krone zu mifchen ; theils aber hatte diesmal die Religion zu vielen Einfluß in die Staatsangelegenheiten, fo daß man lieber Defterreichd Macht ferner leiden, als denen Proteftanten Nutzen ſchaf⸗ a a Fr . v —— ⸗ * R 1 X mu fie wol fonft gegen den Eriberzog Ferdinand in Abficht der Kaiferfrone zum Mitwerber - annehmen und ihm an die Seite feßen wolte. Die beiden Ehurfürften von der Pfalz a CE in, ek res Flärer Hatte, Feine gegründete Hofnung faffen, einen proteftantifchen Herrn auf den Thron zu erheben. Es fielen daher alle Gedanken, die man auf den Prinzen Morig von Oranien, Statthalter der fieben vereinigten niederländifchen Provinzen, auf Chriſtian 4 König von Dännemarf und auf Friedrich 5 Churfücften von der Pfalz geworfen haben mochte, bald wieder weg. Man brauchte einen Eatholifen, um viel leicht mit Hülfe ein oder des andern catholifchen Ehurfürften zu verhindern, daß Erz⸗ Berzög Ferdinand diefe Würde nicht erlangen möchte, Earl Emanuel Herjog von Savoyen, der fih bisher in denen Kriegen zwifchen Sranfreich und Spanien fo kluͤglich verhalten, und welcher gerne Montferrat mit feinen übrigen Staaten vereinis get hätte, fehien der Union biezu am allerbequemften zu feyn. Es wurden dahero mit demſelben verfchiedene Narhfchläge gepflogen. » Das Erzhaus hatte. davon Nachricht, und ſuchte daher des Erzherzogs Ferdinands Macht dadurch zu verftärfen, daß man die uns u garifchen Stände vermochte, ihm unter eben den Bedingungen, unter welchen er König don Böhmen geworden, auch die ungarifche Krone zu uͤberlaſſen, folglich die Protes flanten weder zu kraͤnken, noch fich bey Matthid tebzeiten in die Regierung zu miſchen 7). AR x S “ « $. 235. | Die Ungeduld aber, welche theils der Erzherzog Ferdinand hatte, Proben ſei— x nes Religionseifers abzulegen, theils die catholifche Geiftlichkeit, befonders die Je⸗ — ; | DODddd 2 Ä fuiten, i) Memoires de Lonife Iuliane, Londorpius’T, et 3. Vitrosio Siri Memoire secondite T. 4, * * 9 A ⏑— ee u RR ee IE ⁊ ee Fa . a an Ser 1618, 3 er die Vortheile feines Hauſes, feines Reichs, feiner Kirche auf. Frankreich allein fen wolte. Weil daher die Union bey Baiern nichts ausrichten konte, uͤberlegte fie, wer und Brandenburg konten, da beſonders Churſachſen ſich bereits vor Oeſterreich er⸗ Der dreißig⸗ jaͤhrige krieg gehet an. 1618, go: 3%. 9 Hauptft. Neuere Gefehichte von Brandenburg. fuiten in den Erblanden bezeigten, um von Ferdinands Eifer vor ihre Kirche Bors theife zu: ziehen, eröfnete endlich einen blutigen Schauplatz, auf welchem 30 Fahr lang: in Deutfchland Auftritte vorfielen, die unferm Vaterlande beinahe das Garaus ge⸗ mache hätten. Der Grund zu dieſem unfäglichen Kriege war fehon längft vorher durch | die Beſchwerden gegen die Regierungen Rudolphs 2 und Matthiaͤ und gegen das Betragen ihres Hofraths geleget worden. Der letztere hatte befonders gegen die Pro⸗ teftanten in Deutfchland fich einer wilfürlichen Macht angemaſſet, und in der That durch den Untergang der Proteftanten auch der Freiheit Deutfchlande das Grab’ zus bereite. Zum Ungluͤck hatten die catholifchen deutfchen Fuͤrſten dieſe Folge nicht er⸗ kannt, und ſelbſt einige proteſtantiſche deutſche Höfe ſahen mehr auf die Hilfe, bie fie von der Öfrerreichifchen Macht in ihren Hausangelegenheiten erwarteten, als auf das allgemeine Beſte ihrer Kirche. Diefe Umftände hatten bereits Deutfchland vor her bewafnet. Die Union und Liga waren auf alle Vorfälle bereits errichtet. Jene um ihre Glaubensbrüder überall vor der angedroheten Unterdruͤckung zu bewahren, dies fe um Die entgogenen Stifter und Kirchenguͤter wieder in ihre Hände zu befommen, und der mehrern Ausbreitung der proteftantifchen Kicche engere Grenzen zu feßen. Der. Bekehrungsgeiſt, den die an allen catholifchen Höfen damals herrſchende Jeſuiten in die Staatsabfichten aufs feinfte einzuflechren wuften, trieb fie an, eben fo willig alle ihre Kräfte zum Beſten ihrer Kirche darzubieten, als folches die Proteſtanten zu thun bemuͤßiget wurden, die fich in der äufferften Nothwendigkeit fahen, ihre Religion for wol, als die im Beſitz habende Kirchengüter mit Aufferfter Macht zu beſchuͤtzen. Es harte bisher nur an einer Gelegenheit gefehlet, die beiden gleich vortheilhaft vorkam, durch den Krieg ihren Mugen zu befördern. - So bald fich folche ereignete, brach das Kriegsfeuer aus, und fand in ganz Deutfchland Nahrung feiner Flammen. Die Abwechfelungen, welche das Gluͤck beide Theile fpüren fieß, da es den einen Theil bald. anlachte, bald verließ, verlängerte die Uebel, die ein Krieg nothwendig ben ſich führee. Mar erfchopfte fogar mit Vergnügen alle feine Kräfte, weil Freiheit und Re⸗ figion als Gegenftände angegeben wurden, die man verfechten muͤſte. Der gemeine Soldat glaubte feine eigene Sache eben fowol zu verfechten, als die Sache feines Herrn, dem er dienete. Er hielt ſogar dafuͤr, daß die Grauſamkeit, mit welcher er der Ge⸗ genpartey begegnete, verdienſtlich ſey, erwuͤrgete ſowol die Menſchen als das Vieh mit gleich kaltem Blut, und verwuͤſtete alles, was ſeine Haabſucht nicht genieſſen konte, damit es keinem andern zu gut kaͤme. Er verhinderte ſogar den Ackersmann und Hand⸗ werker, ſeine vor den Soldaten unentbehrliche Arbeiten fortzuſetzen. Die Felder blie⸗ ben unbebauet, und aus Mangel der Arbeit wurde der Bauer und Handwerker bemuͤſ⸗ ſiget, ſelbſt zur Sahne zu ſchwoͤren, um ſich von demjenigen zu ernaͤhren, was ben ſei⸗ nen Mitbuͤrgern vielleicht noch anzutreffen war. Die Preife aller Sachen fliegen auf eine unethörte Art, weil faft alles fich dem Kriege widmete, ein jeder verwuͤſtete, niee mand aber zus arbeiten fuft Hatte, damit nicht ein anderer dasjenige erndte, was er gefäet und gepflanzet. Dies war nicht die. einzige Urſache, daß die Münzen gefleigert wur⸗ den. * ba Sn ne IR ee a —— 6 — Churfuͤrſt Johann Sigismund. | 581 | den. Der Ungar, der Wälfche," der Spanier, der Franzofe, der Engländer, der Holländer, der Däne, der Schwede, ver Polack, die alle zu Deutſchlands Verderben herbey gerufen wurden, ſchickten das geraubte Geld nach ihrem Daterlande. VBieles verfcharrete der furchrfame Eigenthuͤmer, um ſich einen Nothpfennig aufzubes halten, den doch niemand genoß, weil deſſen Befiger noch vor Entdecfung feiner Schatz⸗ kammer, oft entfernt von den Seinigen, fein teben befchlieffen mufte. Der Mangel fand fich auch an denen Höfen ein. Man fahe ſich genöthiger, einen Krieg fortzufer gen, viele Jahre hintereinander zahlreiche Heere zu unterhalten, und ungemößnlich viel "auf Veſtungen und Staatsunterhandlungen zu verwenden, auch noch zu der Zeit, da bereits alle Einfünfte des Landes erfchöpfe und die Unterehanen verarmt waren, Fuͤrſten und Unterthanen ſuchten ihre Beduͤrfniſſe durch Steigerung des guten Geldes und durch Einfuͤhrung ſolcher Münzen abzubelfer, Die von erftaunend fehlechtem innern Werch waren. Deutſchland muß gewiß reicher als Peru fenn, da es fich nach allen diefen Uehefe; die 30 Fahr gedauert, wieder erholen Fonte: Mom ift nach feinen innerlichen Kriegen, die in den Triumviraten den Staat erſchuͤtterten, nicht weiter das der gan zen Welt furchrbare Rum geblieben. Frankreich und England haben zwar ebenfals fange bürgerliche Kriege ausgeftanden, aber es haben fich in diefen Staaten nicht fo viele fremde Völker getummelt, die deſſen Schäße gierig raubten, und geigig auffer landes fehlepten. Der langwierige Krieg, der nunmehr in Deutfihland ausbrach, war mehr als eine Kette verfchiedener Kriege anzufehen, als daß er ganz nur wie ein einziger betrachtet werden konte. Faſt ein jeder Fuͤrſt, fat eine jede Stadt wickelte in den allgemeinen groffen Krieg, der wegen Erhaltung oder Unterdrückung der Frey heit und der Religion geführer wurde, feine eigene Hausfriege, die er vielleicht niemals ! angefangen, wenn er folches, ben Gelegenheit des allgemeinen groſſen Krieges nicht uns geahndet thun zu koͤnnen, gehoft hätte. Doch felbft der groffe und allgemeine Krieg Deutfchlands enthielt drey auf einander folgende Hauptfriege, deren jeder feine eigene Urfachen, jeder fein eigenes Ende und Folgen hatte. Mur die Beranlaffung des fol "genden wurbe aus dem vorhergehenden genommen. Der bömifch +» pfälzifche Kriegmwar | der erfte, der am meiften Dberdeutfchland betraf. Auf den folgte der deutſch⸗ das nifche oder niederfächfifihe Krieg, welchen Niederdeutſchland am meiften empfand. Endlich brach der deutſch⸗ ſchwediſche aus, der nicht nur ganz Deutfchland verzehr⸗ te, fondern noch) überdies an Abwechfelungen des Glücks und der daraus entflehenden Dauer der Unruhen die beiden erftern übertraf. Die fänder, die dem churbranden⸗ burgiſchen Scepter unterworfen waren, oder die an das brandenburgifche Haus ohn⸗ ftreitig hätten fallen follen, oder die durch eine Folae diefes Krieges mic den branden⸗ burgifchen Staaten vereiniget worden (ud, haben alles erjchreckliche diefes Tang dam zenven blutigen und verheerenden Krieges mehr als zu fehr erfahren. Ohnerachtet der - brandenburgifche Hof vielleicht an den Urfachen diefes Krieges am wenigften Schuld hatte, fo war doch deffen noch unzufängliche Macht der Grund, warum derfelbe in dies ſein Kriege unendlich viel leiden muſte. | — Dodd 3 236. * 16018. | 582 3 Th. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 1618. 30 REIT ER UU Er bricht zus Der erfte Krieg von denen, die fi) zo Jahr hinter einander folgten, brach in ef — Böhmen aus, Ich werde von ſolchem nur in fo fern handeln, als er in der Folge 0, ber Öefchichte zu demjenigen-gehöriges tiche gewährer, was die brandenburgifcheit Staaten vorzüglich angehet. Das Königreich Böhmen und feine einverleibten fande batten, ſo wie andere fande des Erzhaufes Oeſterreich, allerhand Religionsbeſchwer⸗ den. Die catholiſche Cleriſey, die ſich auf die Gnade der kunftigen Regierung Erz⸗ herroga Ferdinands verließ, konte auf Matthiaͤ Tod nicht warten, ſondern hat in Schleſien und Böhmen,- fo wie anderwärts, den Proteftanten allerhand Eingriffe In Böhmen waren infonderheit über die neuerbaueren Kirchen‘ zu Kloftergrab und- - Braunau erhebliche Streitigkeiten vorgefallen. Die exftere Tieß man auf oberrichter- lichen Spruch niederreiffen, die andere verfieysta und dem Abt zu Braunau überges ben. Die Proteftanten hielten diefes vor eine Verlegung wa Majeftärsbriefs und anderer Rechte. Bon catholifcher Seite behauptete man hingegen, daß retın wmirtefs bare Unterthanen neue Kirchen zu bauen befugt wären, und daß die von den Prote⸗ ſtanten fich ſelbſt gefeßte Befchüger Fein Recht hätten, auf dem Grund und Boden der Geiftlichfeie Predigerftellen zu vergeben. Der Kaifer verlegte eben damals feinen Wohnſitz von Prag nach Wien, Aufferte aber vor feiner Abreife genugſam, daß er die Befchwerden der Proteftanten für unrechtmäßig halte. Die Beſchuͤtzer ver le tern beriefen ihre Glaubensbruͤder nach Prag. Der-Faiferliche Hof verbot die Zuſam⸗ menfunft, und doc) wurde fie gehalten. Die proteftantifchen Böhmen Flagten bey den fehlefifchen Ständen über ihre Bedruͤckungen, und baten, fie. beim. Faiferhchen Hofe, vertreten zu helfen. Auf einem Fürftentage zu Breslau wurde von den Schle⸗ fiern ein davon handelndes Schreiben an den Kaifer ausgefertiger, aber in Böhmen war bereits die Sache zu Thärlichkeicen gekommen. : Diele von: denen zu Prag ver⸗ ſammleten aus dem Herrn⸗ und Ritterſtande ritten auf das koͤnigliche Schloß, ud brachten bey der vom Kaifer hinterlaffenen Regierung ihre Klagen an. Giefanvenfein ‚Gehör, hatten fich aber auf diefen Fall bereits zubereitet. - Sie hatten ſchon auf ihren Zufammenfünften vorher Schlüffe gemacht, die fih auf einen alten böhmifchen Ges brauch gruͤndeten. Dieſem zu Folge warf man, mit Verſchonung des Adams von Sternberg und des Popels von Lobfowig, den Hofrichter Wilhelm von Slava⸗ ta, den Hofmarfchall Jaroslaum von Martinig, mitverordnete Statihalter von Böhmen, nebft dem Secretario M. Philip Platterus, ver vielleicht des Michna Stelle vertreten mufte, aus dem Fenfter ver Canzley 27 Ellen hoch in den Schloßgras - - ben berunsse. Yu Gluͤck joa diefer gefährliche Fall Eeinem einen beträchtlichen Scha⸗ den zu, ob man gleich aus denen Zweigen des unten ſtehenden Baumes und der lockern Beſchaffenheit des Bodens wohl einſiehet, daß ſolches ohne Wunder zugegangen. Die Härte ver Catholiken Hatte Verbitterung geboren. Dieſe machte aus einem Unfug der vorigen barbariſchen Zeit einen wohlhergebrachten Gebrauch, dem zu Folge man groͤblich ausſchweifte. Die Verſchuldung zog eine gegründete Furcht einer fihweren Ahnung 7 we TELRTZFRE * — J — TEEN x I “ir i * * — Eee u; ee ET — * XF “ ., u * * 7 a Zr) ’ | Churfuͤrſt Johann Sigismund. 583 nach ſich. Dieſes verurſachte Verzweiflung, und aus derſelben ruͤhrte ein Betragen her, das Feine Mäßigung mehr wuſte. Die misvergnuͤgten Böhmen beſtellten nun⸗ mehro ſelbſt die Regierung durch einen von ihnen geſetzten Rath von zo Perſonen. Sie verjagten die Jeſuiten, und geriethen mit ihrem Herrn dem Kaiſer in einen weitlaͤuf⸗ tigen Schriftwechſel Der Cardinal Klefel rieth zwar beftändig dem Kaifer Matthia glimpfliche Mittel an. Sie waren aber nicht nach Erzherzog Ferdinands Geſchmack. Diefer beinächtigte fich daher der Perſon des Cardinals, ſchickte ihn hei alich nach Ty⸗ rol, von wo er nachmals weiter nach Rom gebracht wurde. » Der Kaiſer fowol ale der Papſt fihienen darüber misvergnügt zu feyn. Sie wurden aber beide begütiger. - Der neue König Ferdinand und Erzherzog Maximilian demüthigten fich insbefondere vor beim Papſt, um dasjenige zu erhalten, was allem Vermuthen nad) vorher. fchon ausgemacht geweſen. Der gure Kaiſer muſte entweder fich gefallen laſſen, was ohne⸗ dies nicht weiter zu aͤndern, oder ſich in die Arme der misvergnuͤgten Boͤhmen wer⸗ fen. Es fiel ihm das letztere, wie die Rede gieng, wirklich ein, ohne ſolches wegen der ſich dabey ereigneten Schwierigkeiten auszufuͤhren. Nunmehr ruͤſteten ſich die Boͤh⸗ men, ihre Religion und ihren alten Gebrauch mir Gewalt zu vertheidigen. Sie ſetz⸗ ten fich überall in Kriegsverfaffung, und verlangten von Schlefiern, Lausnitzern und Mähren die bundesmäfige Dülfe Der Graf Henrich) Matthias vor Thurn befehligte ihre Kriegsvoͤlker. Der kaiſerliche Hof fehickte zwar den Henrich Grafen von Dampierre mit einigen Völkern nach Böhmen, die aber: unzulänglich waren, nachdem die Misvergnuͤgten Huͤlfe befommen, die ihnen Graf Ernft von Mansfeld “ zuführete, welcher auch Pilſen beſetzte. Die Kaiferlichen wurden zwar, auf Bes fehl des Erzherzogs Albrecht3 in den Niederlanden, unter der Anführung des Bo⸗ naventura Grafen von Buquoi mit 600 Mann verftärkt. Allein die Schlefier entſchloſſen ſich, unter der Anführung des Marggrafen Johann Georgs Herzogs von. Ssägerndorf einige auf ven Grenzen verſammlete Huͤlfsvolker zum Heer. ihrer Glau⸗ bensbrüder in Böhmen ftoffen zu laſſen. Ob die letztern gleich nur vertheidigungeweife gebraucht werden folten, fo bedieneren fich ihrer. die Bohmen doc) auch zum Angrif, und waren glüclich. Des Kaifers Völker behielten auſſer Budweis faſt Eeinen ber trraͤchtlichen Det im ganzen Königreich, und der Graf von Thurn machte Anftalc, durch Maͤhren in Defterreich-einzubrechen, und felbft vor Wien zu gehen k). 1618, EEE DES Der Ehurfürft von Sachfen, der in dem Gluͤck des Erzhaufes fein eigenes fuch- Verhalten ber te, wurde fehr gefchäftig, die ausgebrochenen boͤhmiſchen Unruhen durch guͤtliche Uns che terhandlungen beizufegen, welche zu Eger angeſtellet werden ſolten. Der Churfürft in Deutſch⸗ von der Pfalz und die zur Union gehörigen Fuͤrſten hegten ganz andere Gedanken, land. Es war ihnen nicht unlieb, daß das Erzhaus ſelbſt in ſeinen Erbſtaaten etwas zu thun befam, und, um ihre Macht zu vergroͤſſern/ wurden die Unterhandlungen mit Sa⸗ voyen weiter forrgefegt. Der Cpurfürft von Brandenburg Johann Sigismund — et hielt k) Londorpius T, 1, Meier &h.2.. Balbinus Epit. Li 16, Audolph B. ı9, Belli kaur Aquſtr. Nani Hiſt. Veneta L. 4. Bhevenhuͤller Th. _ 1618. 1619. 84. 3%. 9 Gauptſt· Neuere Geſchichte von Brandenburg. hielt ſich das ganze Jahr uͤber in Preuffen auf, ‚ohne jedoch etwas zu verfäumen, was ſowol zum allgemeinen Beſten ver Proteftanten in Deutſchland, als auch insbeſon⸗ dere zur Wohlfahrt und Ruhe der Mark Brandenburg gereichen konte. Er hatte da⸗ her durch feinen Obriſten Abraham Burggrafen von Dona den 22jten San. in Tre⸗ higow mit dem polnifchen Gefandten Adam Sandivogius Zarnkowoky wegen ver Handlung und Schiffahrr auf der Dder und Warteſtrom zwifchen ver Marf Bram denburg und dem polnifchen Reich einen merkwürdigen Vergleich getroffen. So vers gnuͤgt der Churfürft bey dem guten Vernehmen mic vem Könige Sigismund war, fo "wohl glaubte ſich auch diefer Monarch daben zu befinden. Die Tartarn hatten Strei⸗ fereien in Polen vorgenommen, und diefes Neich wurde noch mehr beſorgt, weil der Skinder Baffa eine ſtarke Anzahl tuͤrkiſcher Kriegsvoͤlker an der Grenze in Bereitſchaft hielt. Sigismund 3 war wegen eines Angrifs in Furcht, und beivarb ſich bey un⸗ ferm Churfürften um Huͤlfe. Weil aber ver Baſſa ohne Feindfeligfeiten wieder zu: rück gegangen, fo brauchte Johann Sigismund fich auf dieſer Seite in Feine Bereit ⸗ ſchaft zu ſetzen. Es war ſelbſt zwiſchen Polen und Schweden zum zweijaͤhrigen Waf⸗ fenſtillſtande gekommen, und der Churfuͤrſt ſahe ſich hiedurch im mehrerer Freiheit, mit: dem nordiſchen Helden Guſtav Adolph von Schweden eine groͤſſere Vertraulichkeit, als bisher, zu errichten. Den 24ften Auguft um 4 Uge des Morgens ſtarb der bidee Herzog von Preuffen Marggraf Albrecht Friedrich zu Fiſchhauſen. Der Tops fall diefes Prinzen, der ohne männliche Erben erfolgte, zog in Abficht der preußifchen Angelegenheiten Feine Folgen nach fih. Denn da fein Schtwiegerfohn unfer Churfürft Johann Sigismund ſchon zum voraus auf dieſen Fall bedacht geweſen, und bereits vor ſich die Belehnung und Regierung uͤber Preuſſen von Polen viele Jahre vorher erhalten hatte, fo war durch dieſes weiſe Verhalten bereits allen Veraͤnderungen klug⸗ lich vorgebeuget. Die Angelegenheiten in Deutſchland aber giengen dem Churfurſten ungemein zu Herzen. Den gten Det. reiſete, auf fein Gutbefinden, die Churfuͤrſtin ſamt dem Churprinzen Georg Wilhelm und deffen Gemalin aus Preuffen nach der Mark wieder ab. Der Churfürft folgte felbft den 14ten diefes Monats von Königs berg, kam aber bereits den zoften Dec. nebft feinem damaligen jüngften Prinzen in diefe preußifche Hauprftadr zurück, um das Begräbniß feines Herrn Schwiegervaters zu beſor⸗ gen. Er harte aber das Unglück, felbft vom Schlage gerühret zu werden, "wodurch er feit der Zeis eine ähmung einiger Glieder beibehlelt. Diefer Fränkliche Zuftand noͤthig⸗ te ihn auch, nach dem den sten Febr. 1619 erfolgtem Begräbnig des Marggrafen Als brecht Friedrichs bis zum ızten May in Königsberg zu verbleiben. Er bereifere unterwegens noch die Aemter diefes kandes, und nahm nachher feinen Weg über Dans zig, woſelbſt man ihn Den 22ften Jun. herrlich beivirchere. Hier ftarb ihm ſein Hof zwerg Juſtus Bertram, der Faum zwey Fuß hoch, fonft aber regelmäßig gebauet, von etwas altem doch gutem Anfehen und feinem Derftande und Sitten war, im ısten Jahr feines Alters. Der Churfürft ließ deſſen Gebeine nachher in der berlinifchen Domficche feierlich beerdigen. ch führe folches theils deswegen an, weil ſich der Chur, — | ffuͤrſt a 9 Pr vr I De Nr 0 u Aa —— — Sn 2 # — — — we 24 “a Churfuͤrſt Johann Sigismund, 585 fuͤrſt uͤber ven Tod dieſes Kieblings betruͤbet, theils weil man das Ende dieſes Menfchen 1519, als eine Vorbedeut ung des bevorftehenden Todes des Churfürften ſelbſt angefehen bat. Die Zuruͤckkunft Johann Sigismunds nach Deutfchland war um fo nöchiger, weil die ausgebrochenen Irrungen in diefem Staat durch neu dazu gekommene Umſtaͤnde ſich merklich) vermehret hatten.)). | 58 ——— Kaiſer Matthias empfand die in Böhmen ausgebrochenen Unruhen mit aͤuſſer / Der euer ſtem Misvergnuͤgen, und ſahe ſich auſſer Stand, blos feine Denkensart hiebey zu Ras Matthias the zu ziehen. Er ward dahin vermocht, den Grafen von Mansfeld in die Reichs, Rs * acht zu erklaͤren, ob er gleich leicht einſahe, daß. hiedurch das Uebel nicht gehoben wur⸗ ; de. Der Tod befreyete ihn zwar bald darauf vor feine. Perfon von allen weitern Unru⸗ hen. Aber eben diefer Tod hatte für feinen Nachfolger, für feine Erbländer und für ganz. Deutfchland beträchtliche Folgen. König Ferdinand machte zwar dem Obers - burggrafen und.andern catholifchen Rächen des Königreichs Böhmen das Ableben des Kaiſers und zugleich einige Friedensvorfchläge befandt. Allein er hatte einmal alles Bertrauen verloren. Seine Borfchläge wurden nicht angenommen, und die fächfis fehen Unterhandlungen zu Eger wurden ebenfals abgebrochen. * Ferdinand rächere fich dadurch, daß. er auch denen Forderungen der Böhmen Fein Gehör gab. Dies mach—⸗ te Erbitterung. Der Graf von Thurn brach in Mähren ein. Böhmen, Sch» fien, Mähren und die Laufitz ſchloſſen wirflich eine genaue Vereinigung, mit denen die. Defterreicher ob der Ens gemeinfchaftliche Sache machten. , Thurn drung bis in Defterreich durch), und berennete feloft Wien, fo daß auch Niederüfterreich ſchon ganz zu wanken anfieng. Weil aber der Graf Ernft von Mansfeld vom Grafen Bu⸗ uoi geſchlagen worden, und der Iegtere zum Entfaß von Wien herbeyeilte, auch fich mit ierre vereinigen wolte, zog fich der Graf von Thurn wieder nach Böhmen uuruͤck. Es hatte folches groffe Folgen, Denn Ferdinand erhielt dadurch nicht allein ° Miederöfterreich in feinem Gehorfam, fondern er Eonte hierauf defto ftärfer an feiner Erhebung auf den Kaiferthron arbeiten, obgleich Churpfalz, folches zu verhindern, ſich alle mögliche Mühe gegeben m). _ PER Churmainʒ feste den Wahltag zu Frankfurt an, und Ferdinand fand jetzt Dem Ferdi— keine fonderliche Hinderniffe, fich ſelbſt perfi oͤnlich daſelbſt einzufinden, nachdem er den Hand, a folger. ihm begegnenden englandifchen Geſandten mit bloffen Worten abgefpeifer harte. Chur⸗ fürft Sohann Sigismund hatte ven Wahltag durch Adam Gans Freiheren von Putlitz, den Kanzler D. Friedrich Brudmann, Chriftion von Bellin und Sa⸗ muel von Winterfeld , als feinen geheimen Raͤthen, beſchickt. Hier kamen zwey wich, tige Fragen vor. Die eine betraf die boͤhmiſche Churftimme. Die Stände diefes 1 Koͤ⸗ h Herrn Oelrich Beiträge zur brandenburgiſchen Hiſtorie. Lengnich ad h. a. Erläuters tes Preuſſen T.3. Cernitius m) Londorpius T.ı. Bellus B. 3. Caraffa. Balbinus. P. allg. preuß. Geſch. 3 Th. Eee e 1619, 586 3%.9 Hauptſt Neuere Geſchichte von Brandenburg, Königreichs behaupteten, daß Ferdinand fein Hecht, folche abzulegen. Habe, da er nicht im wirflichen Befi des fandes fen, fondern-man muͤſſe denen böhmifihen Ständen - erfauben, vor diefesmal dieſe Stimme durch Abgeordnete vertreten zu laſſen. Hinge⸗ ‚gen füchte Ferdinand zu behaupten, daß, da er einmal zum Koͤnige von Böhmen angenommen und geerdnet worden, fo ſey er der eigentliche einzige Beſitzer Böhmen amd der böhmifchen Chur und damit verknuͤpfter Wahlſtimme, die ihm durch die in dem Koͤnigreich entſtandene Unruhen nicht entzogen werden koͤnne. Er ſiegte auch wirklich in dieſem Stuͤck uͤber ſeine Gegner, da ſich beſonders der Churfuͤrſt von Mainz i als fein Freund bezeigte, welcher, als Borfiger im Churfürftenrarh, denen Sachen ‚ ein erhebliches Gewicht zu geben vermochte: Die andere Frage betraf den Umftand, 06 es nicht dem Neich zuträglic) fen, vor der deutſchen Kaiſerwahl die böhmiſche Königes wahl abzuwarten. Churpfalz, mit welchem die hurbrandenburgifchen Geſandten beſtaͤndig zuſammen hielten, waren dieſer Meinung. Uber man fahe davon vor Fer⸗ dinand gefährliche Folgen, wenn die Wahl aufgefihoben würde. Durch die meiſten Stimmen ward auch diefer Borfchlag verworfen. Mur Fam es auf Die Perfon an, die man wählen ſolte. Churpfalz hatte noch immer $uft, dem Könige Ferdinand einen mächtigen Gegner an die Seite zu ftellen. Er hatte anfänglic) einige Hofnung, feine Entwürfe auszuführen. Churcoͤln dachte wirflich von der Vergröfferung feines Hau⸗ ſes anders, als Maximilian Herzog von Bayern. Da Franfreich aber die öfters reichifche Partey ergrif, weil felbiges noch nicht die Hilfe’ vergeffen. Fonte, welche die SProteftanten denen Hugendtten geleiſtet, und befürchtete, daß die pfälzifche Macht | ‘vor fein Reich mehr, als die Groͤſſe Oeſterreichs, fehäplic werden fünte, fo fiel end» Tich die Wahl, durch das Gewicht der meiften Stimmen, vor Ferdinand 2 vortheil⸗ haft aus, der fich hierauf Frönen ließ. In feinem Wahlvertrage verſprach er unter andern neuen Puncten: Dicht zuzugeben, daß das Reichsverweſeramt und deflen Ges rechtſame famt allem, was dem anhängig, von jemanden befteitten werben foltes den Keichshofrath nicht allein mit öfterreichifchen Unterſaſſen zu befegen; den Erg und Erbämtern durch) die faiferlichen Hofaͤmter feinen Eingrif thun zu laffen; «Feine neue Zölle ohne churfürftliche Einwilligung einzuführen, und den Churfürften und deren Uns terthanen dabey die Zollfreiheit auszubedingen; ohne der Churfürften Einwilligung nichts vom Neich und deffen Einfünften zu veräuffern; und endlich diefen Wahlvertrag den Geheimen und Hofräthen, be Leiſtung ihrer Dienftpflicht, ernſtlich ERRSHORHDEN, damit fie folche vor Augen haben möchtenn). * Die Böhmen fieffen ſich aber durch die Kaiſerwahl Ferdinands 2 in ihren Ent⸗ wuͤrfen nicht ftören. Sie wiverfprachen allem dem, was zu Frankfurt zum Vortheil des Kaiſers geſchehen. Sie erklaͤreten ſich nebſt denen einverleibten Staaten wider die⸗ ſen Prinzen. Sie behaupteten, daß Boͤhmen ein bloſſes Wahlreich ſey, und daß | — 2 fich alles Rechts, daß er durch feine böhmifche Krönung zu Matthia Zeiten “) — CLondorpius T 1. Bellu⸗ oͤſterreichiſcher Lorbeerkranz B. 3 SER 68. Balbinus Epit. L. 16.5: — de rebus Suecicis L. x 6.12, ie . Be 0 da Fr * Churfürſt Johann Sigismund % |: Seiten erhäften haben mochte, auf vfelerlen Weiſe verluftig gemacht. Sie ftelleten hirklich eine neue Wahl an, die auf Friedrich 5 Churfürften von der Pfalz ausfiet. Diefer Prinz fehten ihnen zu ihren Abfichten am tuͤchtigſten zu ſeyn. Er beſaß ſelbſt anſehnliche Erblaͤnder. Der König Jacob ı von Großbritannien und Irland war fein Schwiegervater. Cr war das Haupt der Union, und fund mit den Holläns dern in gutem Vernehmen. Man glaubte, daß aller diefer Mächte Hälfe, nebft ver Mache der Böhmen und zugehoriger kanden, hinlänglich feyn würde, die Wahl ges nugſam zu unterſtuͤtzen. Friedrich 5 wagte bey dem allen vieles. Seine beften Freun⸗ de, worunter fonderlich ver Churfürft, von Brandenburg zu rechnen, widerriethen ihm wohlbedächtig, fich mit diefer Sache zu befangen, da fonderlich Ferdinand 2 ſich der Kalſerkrone verfichert Hatte. ” Allein ver Glanz einer, Krone überwog alle Borftellungen. Er nahm zu Waldſachſen die Wahlan, und ließ fic) zu Prag Frönen. Nach ver Kroͤnung kam er nad) Nürnberg, um denen Handlungen der Proteftanten, welche auf diefer Berfammlung der Union fich eingefunden hatten, deſto mehr Nachdruck zu geben, Allein die Gedanken derer, die diefe Zufammenfunft hielten, waren nicht übers einftimmend. Darin fam man überein, daß Fein fremdes Kriegsvolf in das Reich geführer werben folte. Dem Faiferlichen Gefandten gab man mit vieler Freiheit zu ers kennen, daß, vor Abhelfung der Befchwerden und vor vollig hergeftellter Sicherheit, der Bund ſich niche trennen, fondern folcher des Königs in Böhmen fich in fo weit anneh⸗ men würde, daß man ſich zwar in die boͤhmiſchen Händel ſelbſt nicht mifchen, aber Boch die churpfälzifchen Sande vertheidigen wolte. Der churbrandenburgifche Ge fandte von Bellin verfprach, durch feinen Hof bey Churfachfen alle Mühe anzuwen⸗ den, zum Vortheil der Proteftanten einen oberfächfifchen Kreistag zu erhalten. Zugleich ward befchloffen, an ven Herzog Marimilian von Bayern eine Geſandtſchaft abzuſchicken. Die Ligiften hatten fich ebenfals zu Würzburg verfammier, und ihr Haupt der Herzog Marimilian hatte fich mit dem Kaifer zu Miinchen unterrever, woraus die Union nicht viel gures fchloß. Die Geſandtſchaft der letztern hatte aber feine fonderlich vortheilhafte Wirfung. Ihr Anbringen war zum Theil fo drohend, daß die Ligiften fich noch in beffere Verfaſſung zu feßen vor nöthig Bielten. Da nun die "Union die Partey des Churfürften Friedrichs, die Liga aber die Partey des Kaifers zu nehmen im Begrif ftand, fo fahe man, daß daraus ein Krieg entftehen würde, der nach und nach fich durch ganz Deutfchland verbreiten koͤnte. Die Staͤnde des nieder; füchfifchen Kreifes dachten zuerſt an ihre Vertheidigung. Die Stifter in diefen Ges genden waren meift in ven Händen proteftantifcher Prinzen, und man wufte, daß die Catholiken darüber mißvergnügt waren. Damit diefe alfo abgehalten würden, ges gen die Stifter etwas zu unternehmen, befchfoffen die niederſaͤchſiſchen Stände zu Braunſchweig daß jeder von ihnen dreimal fo viel Soldaten ſtellen ſolte, als der Reichsanſchlag veſtſetze, und daß der braunſchweigiſche Fuͤrſt Chriſtian, Verweſer des Stifts Halberſtadt, dieſe Volker als Kreisobrifter- befehligen ſolte. An Ober⸗ ſachſen hielt man zwar auch zu Leipzig eine Verſammlung. Weil aber der Churfuͤrſt — Eeee 2 von 1619. 1619. 538 3 Th. 9. Hauptft. Neuere Sefchichte von Brandenburg. von Sachfen die Partey des Kaifers: hielt, ſo Eonten die Proteftanten zu feinem: vor theilhaften Schluß gelangen. Die Liga verließ ſich auf päpftliche,, fpanifche und lo⸗ thringiſche Huͤlfe, und hielt zu Erhaltung der catholiſchen Religion.vor noͤthig, dem Haufe Oeſterreich in der boͤhmiſchen Sache, beizuſtehen. Selbſt Frankreich vers forach dem Kaiſer Huͤlfe; hingegen verließ Jacob von Großbritannien feinen eigenen Schwiegerſohn. Der einzige Berhlem Gabor Fürft von Siebenbuͤrgen nahm ſich der Boͤhmen an. Er füchte König von Ungarn zu werden, und fand wirklich einie ziemliche Anzahl Anhänger, die mit Ferdinands Regierung eben fo: unzufrieden waren, als die Böhmen. Gabriel Bethlem brach daher in Oberungarn ein, und unters warf ſich meiftens diefes fand. Er ſchickte hierauf 12000 feiner feuce zur Berftärfung des Grafen von Thurn. Dieſer gieng nach einem nicht Ünglücklichen Gefechte gegen Buquoi und Dampierre wieder bis. in die Gegend von Wien. Die Kaiferlichen verloren zu eben der Zeit gegen den Grafen von Mansfeld alles in Böhmen, bis auf Budweiß und Crumlau. Zum Gluͤck für den Ferdinand 2 fiel Humanai ven Beth⸗ lem Gabor an, und diefes machte, daß die ungariſchen Bölfer jich vom Thurn wies der abjondern muſten. Humanai, ber des Raifers Bölfer in Oberungarn befebligte, _ war nemlich durch 10000 Mann verflärft worden, welche ver König — Sieg⸗ mund n ein Schwacen des Kalſers zu Dee gefehicht hatıe 0), A eng — Der churfuͤrſt Auſſer dieſen allgemeinen Reichs ſachen hatte noch immer der trante Churfärft von zuche den Fir Brandenburg vor den Kirchenfrieden in der Churmark zuforgen. Sonderlich war xhenfrieden in der Mark zuren die Prediger der Meuftodt Brandenburg fehr unglünpflich mit ihren anvertrauren Mfarrfindern umgegangen. Blos auf Betrieb der, Gottesgelehrten von Wittenberg, Ä ohne fich an das zu halten, was die geiftliche Kirchenrarhsverfammlung des fandeeheren - befohfen, hatten fie viele beute ihres Gefallens vom Nachtmahl des HEren abgewiefen, erhalten, sierung, Nies ver. vom Taufftein: verftoffen, andern aber in der beſondern Beichte die Gemiffen irre ges macht. , Ueber das. alles hatten fie fonderfich mic ihrem Superintendenten D. Joa⸗ chim Garcaͤus der ſich der beſondern Beichte nicht bedienen wolte, einen groſſen term angefangen. Der Churfuͤrſt ſahe ſich daher genoͤthiget, dieſes Betragen der Geiſt⸗ lichen der Neuſtadt Brandenburg, wodurch man zugleich ſich feiner eberſten * im Geiſtlichen widerſetzte, mit gehoͤrigem Nachdruck zu ſteuren pP) 7 Vee © Legt die ver Aber nunmehr fand’ auch der Churfuͤrſt Johann Sigismund feine Kräfte‘ * ſchwach/ die Regierung ferner zu führen. Seine Geſundheit war durch den Schlag, gang erſchuͤttert, der feine Glieder gelähinet Harte: Er. Eonte zwar noch den Namen eines Regenten führen, und: nie oft begnügen fich gefunde Prinzen damit, um nur in E ihrer Bequemlichkeit nicht geftöre zu werden? > Aber unfer Churfuͤrſt wolte auch nicht einmal zu regieren ſcheinen, wenn er nicht rc das Ruder des — fͤhren Fön. Be 6) —— Tr.A. Bellus B.3. —— Th. 9. meaer Londerp. Suppl. v ‚p) Herr Gercken Fragm, March. P. 1 p.1s5 (gg. ” Y E — ‚gieus, nafeitar Halae Saxonum 8. Nov. Anno 4 | Churfuͤrſt Zohan Sigismund. 589 Er übergab daher, nach dem Beifpiel der Churfürften Friedrichs 2 und Albrechts, die Regierung den 22ften Nov. feinem nächiten Nachfolger und Churprinzen Georg Wilhelm ertiche Wochen vor feinem Tode über q). Daß fein febensende dadurch verfündiget ſey, daß fich die fogenannte weiffe Frau in Berlin habe fehen laffen, ift ein bloſſes Gefchwäs. Es geher die Rede, daß, fo wie dem boͤhmiſchen adelichen Geſchlecht von Roſenberg eine gewiſſe Perchta erfcheis nen, und demſelben die veichtigften Begebenheiten vorherfagen foll, fo fol auch an denen tegierenden brandenburgiſchen Höfen zu Berlin und in Sranfen von Zeic gu Zeit eis ne weiffe Stau fich fehen laffen, wenn eine erhebliche Perfon mit Tode abgehet. We— nigſtens war man zu unfers Churfürften Zeiten von diefem Wahn eingenommen. Jo⸗ hann Bergius erzehfet, daß der Churfuͤrſt Johann Sigismund ſelbſt gefragt: ob man auch die weiſſe Frau wieber geſehen? Es ſagt dieſer Geiſtliche ferner: „Es hätte nicht allein dieſelben Tage, ſondern auch die ganze Zeit her⸗ in welchen der hoͤch⸗ fe GoOtt das Haus Brandenburg mic jo manchen Tobesfällen Heimgefucht, ein ſolch Geſichte in weiß leidtragender Geftalt auf dem churfürftfichen Haufe zu unterfchiedlichen malen: allerhand Standes und Alters, auch fürftlichen Perfonen, jedoch) ohne ſchaͤdli⸗ chen Schrecken oder jemandes Verletzung, fich fehen laffen. „ Es ift der Wahn von der Erfcheinung. der weiffen Frau fehon ziemlich. alt, und hat das Zeugniß weltlicher und geiſtlicher Perfonen von allerhand Neligionsparteien. Zum Gluͤck aber will fich die weiſſe Frau in den nenern Zeiten niche weiter fehen faffen, wenigftens würde man zü ünfern Tagen feinem auf fein bloffes Wort, daß er folche gefehen, Glauben beimeffen, und in einer richtigen Unterfuchung würde es fich auch finden, daß eine folche Erſchei⸗ nung entweber einen Betrug der Sinnen, oder wol gar einen Hang zur Unwahrheit, wo nicht noch böfere Abfichten, zum Örunde habe r). Ohne die weiffe Frau konte jes dermann fehon wiffen, daß Johann Sigismund feine Tage nicht viel höher bringen werde. Er ſelbſt hatte diefes erfannt, da er die Negierung feinem Churprinzen aufge tragen. Er befihloß wirklich fein leben in dem Haufe feines Kammerdieners Anton Freytags den 23ſten Der. nach 3 Uhr Nachmittags, im 47ſten Jahr feines Alters, in den Händen feiner Gemalin und in Gegenwart feiner Kinder s). ’ Die churfürftliche teiche wurde erft im folgenden 1620ften Jahre den sten Det. 1619, Sein tod 1620, mit anftändigem Gepränge in die churfürftliche Gruft beigefegt, und fein Sory mit > begraͤb⸗ niß. einer gehörigen Denkſchrift bezeichnet 2). \ | Eeee 3 $. 2399: 4) Eernitius, Toachime Friederico Principe Ele&ore Branden- *) Rohde in diff. de celebri Speätro, quod burgieo: Matre Catharina Marchionifla itidem yulgo die weiffe Frau nomimant, Regiom.1723. Brandenburgica: Auis Paternis; Iohanne Geor- sy Cersitius. gio, Elettore Brandenburgico,.et Sopbia, Iri- 2) Sie ift im alten und neuen Berlin ©. 57 derich II. Ducis Lignicenfis et Brigenfs Filia 5 2 fo ahgefafet: DO. M. S. IOHANNES Miternis vero Iohanne, Marchione Brandenbur: SIGISMVYNDYVS, Marchio Brardenbur- gico, Principe a prudentia et maynanimitate nunquam fatis laudatiflimo et Carbarina, Hen- 1572 Patentibus illuftsiffimis et optimis, Patre rici iunioris, Ducis Brunfiicenfis et * genfis Seine gem: fin Mi 590 3 Th. 9 Hauptſt Neuere Geſchichte von Brandenburg. ER | ir 5 Bereits 1591 wurde an der Verlobung des damaligen Marggrafen Johann Si⸗ gismunds gearbeitet, Die auch 1592 zum Stande fam. Im Sahr 1594 den 20 Oct. erfolgte das Beilager feloft mic der Anna des Herzog Albrecht Friedrichs von Preufs fen und der Mariaͤ Eleonoraͤ gebornen Prinzeßin von Jülich, Eleve und Bergen älteften Tochter. Sie war geboren zu Königsberg in Preuffen den zten Zul. 1576, und brachte ihrem Gemal nicht nur die Erleichterung des Beſitzes von Preuffen, for dern auch hauptſaͤchtich vas Recht auf die juͤlichſche Berlaffenfchaft zu. Sie verftarb auf dem churfürftlichen Schloffe zu Berlin um ı Uhr nach Mitternacht zwifchen dem often und zoften Merz 1625, da ihr Sohn Soachim Sigismund nod) auf dee Bahre ftand. Ihr Körper. wurde den 24ften Zum, mach Königsberg in Preuffen abgeführet, und daſelbſt in der Domkirche bey ihren Vorfahren boerdiget. genfs ſilia. Nuptias celebrauit Regiomonti Bo- ruflorum, cum Anna, Alberti Friderici, Mar- ehionis Brandenburgici et in Boruffia Ducis filia; Vidua nunc exiftente 20 Octobris veteris ftili “ Anni 1594. EX qua primum parens factus Ge- org Wilkelmum, Sereniflimum nunc in Electo - ratu Succefforem 3. Nov; Anno 1595 genuit, cu- ius thronum et profperitatem ftabiliat (upremum Numen in annos innumeros. Procreauit dein alios adhuc feptem liberos, ex quibus adhue in viuis Ioachim Sigismundus, Anna Sopbia, Fri- derico Vlrico, Brunfuicenfum et Luneburgen- fium Duci, nupra, Maria Eleonora et Carhari- na nondum elocatae, Humanis vero exemti funt tres inniores Agnes; Jobann Fridericus et Alberzus Chriftianus. Electoratu potitus eft An- a0 1608, 18 lulii: Succeffio Ducatuum Iulia- cenfis, Cliuiae, Montium et caeterarum terrarum ad ipfam deuolura eft menfe Martio Anni 1609. Hine varia infecuta bella. Maximum exarfit Anno 1610 partes $. Celſitud. tutantibus Gallia- rum at Magnae Brittaniae Regibus; Statibus item. vnitarum prosincjarum Belgii, magnoque nu: mero imperii Principivne et Statibus vnitis: Ex- pugnatum tum caftrum Iuliacum in quod frau- de irrepferant, qui fortunae ‘et Iuribus S Celfi- ad. inuidebant. , Pruffiae Ducamım per fe re- eognouit a Serenifl, Poloniae Rege et inclytis Regni ordinibus Warfauiae 16 Nov. Anno ı611. Lux quoque religionis purioris affulfit S. Celfi- tud. quam iu apud aniımum retentaın, confeien* tiatandem interpellante vt ſaepe coram pluribus etiam ab orthodoxia alienis faflus eft, publice profiteri coaftas fuit, Coena Domini ex Chri- fi iuſtituto cum panis fraftione, primo Colo- niae in templo SS, Triados 25 Nov, Anno 1613 i Die ercepta. Exinde varia in ipfum quaqua ver- um, infurrexere odia, labores et moleftiae tam ab hoftibus, quam ab omnibus intimis quae er A . \ J Ei + omnia excelfo et conftanti animo pertulit, con- tempfit. Diätae Vniteram Halae Sueuorum An- no ı610 interfuit, vt et alteri Naumburgenfs, menfe Martio Anno 1614, vbi foedera Vnionis, confraternitatisgue renouata, inter illuftrift, Domus, Saxonicam, Brandenburgicam et Haf- fiacam. Fatali tempore appropinguante, initio apopletico afbeitu teutatus eft in Beruffia Anno 1618. quo inparalyfin degenerante, eoguealiguo- ties recurrenre, tandem, vbi Deo ita,vilum, pia et placidiflima morte Berolini refolutus 33 Dec. Anno 1619, paulo poft koram tertiam pomeri- dianam, animam coeleftibus intulit in fumma femel agnitae religionis orthodoxae confkantia, fufpiriis, precibus et lachrymis ob peccata com- mifla, effafis, tantaque in meritum folius Chri- fi Redemtoris fiducia, vr votum adfimilemcor- poris et animi refolutionem velicuerit adftanti- bus, exemplum praebuerit vniverfis, _ Vixit »annos 47. menfem vnum, (dies quindecim: Rei- publicae gubernacula rexit annosvndecim, men- fes quinque, dies quinque, Princeps füpra mo- dum Ülementiffimus; etiam erga immerentes largus et beneficus, vt non tam präeefle quam prodefle defiderauerie omnibus: cuius guber- natio eo maxiınc fair confpieua, quod in eaadı fincerioris religionis cultam omnibus aditus eft patefaftus, quodque aurea pax, cum fummo fabditorum bono eam non interrupte exceperit,) Anima illuftr. S. Celfitud, cum ele&is omnibus gaudeo indubie fruitur Paraclifiaco. Oſſa vero molliter ad diem vsque reftitutionis omnium recubant, Vidua et liberi moeſtiſſ. P, P, a ı ae u aan - Churfünft Zohan Sigismund. 591 Die Kinder, welche der Churfürft mit diefer feiner Gemalin zeugte, waren: ») George Wilhelm, geboren zu Berlin 1595 den zen Nov, zwifchen 3 und 4 Uhr Nachmittags, worauf er den ıöten Nov. die Taufe empfing Wir werden von dieſem Prinzen, als dem folgenden Churfürften, im Fünftigem Bande mit mehs rerm handeln. : Eh ' 2) Anna Sophia, geboren 1598 den ızten Merz) zwiſchen 7 und g Uhr des Abends. Sie war anfänglich zur Gemalin Philipp Wilhelms Pfalzgrafens von Neuburg beftimmt. Es zerfchlug fich aber diefe Sache, und die Prinzeßin vermälte fich im September i617 mit Friedrich Ulrich Herzog zu Braunfchweig. Sie lebte aber mit diefem ihrem Geinal in unzufrievener Ehe, und hielt ſich die letzte Zeit zu Schoͤningen auf, wo fie eine Schufe ftiftere, die halb den brandenburgifchen Aandeskindern zu gut Fommen ſolte. Hier ſtarb fie ſchwermuͤthig den ıgten Decem⸗ ber 1650. > ; 3) Maria Eleonora, geboren zu Koͤnigsberg in Preuffen 1599 den uten No u um 5 Uhr des Morgens, Sie vermälte fich zu Stodhulm mir dem Könige von Schweden Guſtav Adolph 1620 den zsften Nov. und wurde bald darauf den agiten Nov. zur Königin von Schweden gefrönet. Nachdem aber der König 1632 bey Luͤtzen auf dem Bette der Ehren geftorben, ereigneten fich zwoifchen der vers wvitweten Königin und den ſchwediſchen Neichsrächen, befonders wegen vormund- ſchaftlicher Regierung der Königin Chriſtina, fo groffe Serungen, daß die erftere 1640 heimlich nad) Daͤnnemark entwich, woſelbſt fie fo guc aufgenommen wurde, he daß auch die Schweden daraus in der Folge vor ihr eigen Reich beforgt waren. Sie gieng aber mit gutem Willen dee Schweden endlich 1642 nach Preuffen, wo ihr die Stadt Inſterburg zum Wohnfis angewiefen wurde. Hier ftarb fie ſchwermuͤ⸗ thig den ıgten Merz 1655 x). » / | 4) Catharina, geboren 1602 den 2gften May um die Mittagszeit zu Königsberg im - Preuffen. Sie ward vermält mit Berhlem Gabor Fürften von Siebenbuͤr⸗ gen den zten Merz 1626 zu, Caſchau y). Mach deſſen Tode hatte ihr zwar. die | Pforte 9) Haftitius fast den ızten Merz. x) Bon ihr handeln die Dresoner Anzeigen vom Jahr 1750 No. 40 f. und Buders Samm⸗ lung ungedruckter Schriften ©. 600 f. . >) Ylicolaus Bellus hat im deurfchen Hel⸗ denſaal dieſe Vermälungsfeierlichkeiten ©. 469 f. fo beſchrieben: „Erſtlich find die Siebenbürgi: ſche Sefandten mit ungefehr 100 Pferdt zu Ber: lin ankommen: Iſt folgenden Tags die Ver: trawung geſchehen, bald darauff das Fraͤwlein mit den Sefandten fort in Ongaen gezogen. Zu wel: cher Hochzeit Kayf. 17. welcher die Braut durch Schleſien frey gehalten; auch geladen worden. Alß dann nun Berhlehem Gabor, Fürft in Sie⸗ benbuͤrgen, ſich nach Caſchaw, allda das Bey: fager mit der Chur⸗ Brandenburgifchen Prinz; jeßin Catharina anzuftellen, begeben, bat er das - felbften die Zubereitungen der Zimmer vnnd an⸗ dere Präparatoria jelbften anordnen vnd verrichz ten helffen, biß den ıgren Sebr. lauffenden 1624 der Geſandte auß der Wellachey mit 150 Pferde ſtarck angelanat, fo dei andern Tags in gehab⸗ fer Audients feine Praͤſendt, fo zwey flattliche mit föftlichen Schmuck gezierte Prerdt gewefen, vber⸗ antwortet. - Denn zıften Eiusdem feind ankom⸗ men die Sefandten vnterfchiedlicher Polnifcher Fürften, als des Bifchoffen von Erafaw , def Herzogs von Sbaras vnnd der Staroſta Gens domiria, von dem König in Polen aber feine, Bund ob wohl etliche Tag vorher von felbiger > 4 # 1620. und finder. 1820, 592 Pforte das Necht, ihren Gemal zu beerben, ertheilet. Sie ward aber von Freunden Th. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. und Feinden faſt um alle das ihrige gebracht. Sie vermälte fich zum zweitenmale mit nigt. Majeftät einer von Adel mit einem Schreiben an den Berhlebem auch angelangt: So hat er doch, weiln fein gebührender Titel nicht darauff ſtundte, daſſelbe nicht angenommen, ſondern mit diefer Bermeldung, dieweil ihm von der Römi: ſchen Kayfert, Mayeft, vnnd andern chriftlichen Potentaten der rechte Titel gegeben würde, ſo koͤnte er denjenigen, fo jhme henfuͤhro feinen vech- ten Titel entziehen wuͤrde, für feinen Freund er: Bennen , dem Erhibitori wieder zuruck ſtellen laf- fen. _Den.24 dito ift des tuͤrkiſchen Kayſers Ge⸗ ſandter, ein Baſcha, mit ſehr groſſen Comitatu ankommen, welchem der Fuͤrſt ſeinen offenen Leib⸗ wagen, etliche Vngariſche Herrn vnnd 500 auf faren mit. Copien entgegen geſchickt, vnnd aljo einführen vud begleiten laffen, fo mit Trommeln und Pfeiffen auff tuͤrkiſche Are eingezogen: fols genden Tag früh hat der Baſcha Audieng gehabt, vnd die Praefenten vberantwortet : die find gewe⸗ fen zwey sürfifche Roß, mit gang güldenen Vber: decken, darauff gingen 13 Männer, deren drey Goldſtuͤcken, drey Silberſtuͤcken, vnd die andern Sammer, Seiden vund allerhandt Föftliche wah: ren getragen. Zu Mittag hat der Furt dem Ba⸗ ſcha vnnd feinem Comitatui ein ſtattlich Panquet auff tuͤrckiſche manier, vnnd der Bethlehem darbey die Oberſtelle, woruͤber man ſich etlicher maſſen verwundert, gehalten, hat auch ſo wohl bey Empfahung dei Baſcha, als Zubringung ei: nes Truncks, in feines Keyfers Geſundheit, das Haupt nie entblöfet. Den 26 hat jhme der Beh: lehem, wein von der Princeßin ein Eurrier an: gelanget,, daß fie vnderwegs an den. Flecken krank darnieder lege, und drrobalden fo bald nad) Ex ſchaw nicht kommen koͤndte, Er darauff auch, ſonderlich weitn er ſtarck an Volck jey, mat groß— ſer vngelegenheit nicht warten durffte, wiederum abgefertiget. Den 27ſten ſind ankommen Ihr Roͤmiſcher Keyſerl Majeſtaͤt. Item der newe Koͤnigl. Majeſtaͤt in Vngarn vnnd Ihr Chur⸗ fuͤrſtl. Durchl. in Bayern Abgeſandte, in allem 500 Mann ſtark, welche der Fuͤrſt mit feinem Wa: gen vnnd feiner Leibquardien, jo lauter Poladen, einbegleiten laſſen, deß andern Tags hat ein je: licher abfonterlich bey dem Fürften Audient ge: habt. (da jedesmahls von jhrem Lofament, biß zu dep Fürften Pallaft, zu beiden feiten ſtarcke Quar⸗ dia, In Wehren geftanden.) he Keyſerl. Ma: jeſtaͤt Praͤſent iſt ein Güldene mit Demant ver: feßte Ketten von 10000 Reichsthalern: Ihr Koͤ⸗ Franz nigliche Mayeſtaͤt in Vngarn ein Kleinnod von 6000 Reichsthalern: deß Churfuͤrſt Durchl. in Bayern ein ſchoͤnes güldenes Handbecken mit eis nem jpringenden Brunnen gewefen, vnd hat der Chur? Sayrrifcye abgefandte im namen je Churs fuͤrſtl. Durchl. zu Eöln einen vbergüldten Sil⸗ bern Adeler, mireinem fünftlichen Schlaguhrmwerf gezieret, präfentivet. Als den Martii die Braut etwan eine halbe Meil vor die Stadt Caſchaw geruckt, ift der Fuͤrſt mit Sechs Tauſendt Pferdt fünffzehen hundert Heyducken in gautz blauer Lies berey , fauffhundert reusfche Muiguetier Roth⸗ weiſſer Lieberey, neben viel Herrn vnd vom Adel auß der Stadt jhr entgegen gezogen, biß beyde Theil auff dem Felde ein viertel Meilwegs von der Stadt, dafelbft viel Eöftliche Gezeiten auffger fhlagen gewefen, zufammen fommen, der Fürft - vom Noß, Sie aber vom Wagen geftiegen, da fie jhme die Hand gefüft, er ihr aber die lincke Hand gebotten, vnnd fie in ein ſchoͤnes mit roten Sammer vnterzogens Zelt geführt, vnd ein ſtund lang darin verharret. Die Princeßin (fo nicht: von grofer ftatur, doch fehe fehöner Geftalt vnnd leibhaffter Geberden von ı8 Jahrn) ift gleichfals mit einem herrlichen wol außgebutzten Comitat als bey 60 Koblwägen, alle von rotem Leder auff eine Manier zugerichtet, vor jedem 6 Pferdt, die Stangenreuter nicht auff den Roſſen, ſondern vor⸗ ne am Wagen ſitzent. Item 200 zu Pferd, alle in Roth Tuͤchener, mit ſilbern Schnuͤren verbrem⸗ ter Liberey, mit welcher die Kutſcher auch ange⸗ than waren, wie auch einem wohl außſtaffirten Adel angelangt. . Vnd werden def Ehur : dran denburgiſchen Marſchalcks mit ſich gehabte Klei⸗ der, ſo er in wehrender Hochzeit verwaͤchſelt vnd ſich darinnen ſehen laſſen, auff so000 Neichethas - ler aͤſtimirt. Dero Edelknaben Mäntel und Ho; ſen waren von ſchwartzem Sammet mit guͤldenen Porten verbrembt. Die Wameſer, von ſchwar⸗ gen Goltſtuͤck, zerſchnitten, und darunter Golt⸗ ſtuͤckene Camiſeln oder Hemmeter: Ingleichen der Laggeyen, doch ohne Maͤntel. Bey der Braut iſt inn jhrem Rot Sammeten mit Silbern ſchnuͤ⸗ ven auß vnd inwendig reichlich verbrembten War gen jhr Fraw Schweſter, deß Herzogen zu Braun ⸗ ſchweig Gemahlin, geſeſſen. Nachbem nun der Fuͤrſt mit der Princeßin wieder auß dem Gezelte gangen, iſt ſie in einen abſonderlichen hierzu be⸗ reiteten koͤſtlichen Rotſameten, durch vnnd durch mit Gold geſticktem Wagen: Ex aber zu Pferdt ER 3J 74 gr Be ar tan R 2 lan: u or Zugend anfehnliche Reifen. re ib ea nn 5 Franʒ Carl Herzog von Sachſen⸗ Lauenburg 1639, und gieng endlich den zuften Auguſt 1649 mie Todea. B — Zoachim Sigismund, ‚geboren den 2sften Jul. um 5 Uhr des Morgens 1603 zu " Berlin. Unter der Auffiche des Adams von Winterfeld vereichtete er in feiner Im Zahr 1624 ward er zum: Herrnmeiſter in Sons Nnenburg erwaͤhlt, ſtatb aber zu Berlin 1625 um Mitternacht zwiſchen dem 22ften und 2zften Febr. | | | 6) Agnes, geboren, nad) Eernitio, den ziſten Yug. in der Macht zwiſchen 12 uns Ur 1606, ac der Aufſchrift aber, die auf ihrem zinnernen Sarge in der Pfarr⸗ Firche zu Witſtock befindlich warb fie geboren in der Nacht vom ıflen auf denzten % - Sept. 1606. Sie farb zu Zechlin, wo ihr Herr Bater damals Hof hielt, den xzfen ba ae 2 #. I befindlichen Aufſchrift, an einem Steckfluſſe 2). ) Zohan Friedrich, geboren zu Zechlin 1607 den 17 Aug um 10 Uhr Vormittags, er flach ebendaſelbſt den ıften Merz gegen 8 Uhr des Abends 1608, und ward, tie rd EEE PORT E , RR 4 — ER feine vorige Schweſter / in der groffen Pfarrkirche zu Witſtock in einem zinnernen Sarge zur Erben beftattet 2). 8) Albrecht Chriftian, geboren zu Berlin 1609 den zten Merz um 3 Uhr des Mor⸗ h gens, ſtarb aber hoc) in eben dem Jahre den 14 May um s Uhr Nachmittags b). "gefeffen, und nechft vor dem Wagen mit dem Volk er “in fehöner Ordnung der Statt zugeritten, Es hat auch vnder andern der Fürft zwölff von rothem Sammet und mit Gold durchſtickten Vberzug ger zierte ſchoͤne Roß, dergleichen nicht bald gefehen worden, an der Hand fuͤhren laſſen, bis fie alfo ‚am Abend zu. Hofe angelanget. Folgenden Tags früh hat Herr von Schwargenburg, Ehurf. Br wgifcher mit der Princeßin ankom⸗ mener Sefandter, fein Audieng gehabt, vnnd ein von Amberftein zubereiteres mit etlichen Fleinodien end tariteten gefuͤlts Kiſtl. dem Fuͤrſten praͤſen⸗ tirt. Nach Mittag iſt in dem Fuͤrſtlichen Pallaſt, in Beyſeyn aller Abgeſandten, die Copulation he⸗ ſchehen, vnd darauff die Malzeit volbracht wor: den, vnder welchem Actu, wie auch die gantze Hochzeit vber, fo 8 Tage gewehret, ein groſſes ſchieſfen, allerhand Fewerwerk, Ringelrennen und dergleichen gehört nnd geſehen worden: Doch ſol⸗ ien etliche auff Ongarifche Manier zugerichtete und dem Teutſchen Frawenzimmer vorgefeiste Speifen mehr Luft zum auffitehen als zum Efien cauſirt haben. Es haben auch den erften Tage, nach der Mahlzeit, etliche vornehme Teutſche Emallieri ein ſhoͤne Ballet und Mafarata, auff Spanifche art, fo den Ungarn, als defien vn: ‚gewöhnlich, gar felgam gefchienen, gehalten. Vnd P.allg. preuß. Geſch. 3 Th. $. 240, als für Furzweil deß-Fürften mit einem andern Narren gegen einander durnirt, vnd die Langen gebrochen, ift ein Splitter def Berhlehbem Ga⸗ bors feinem ins Aug gefahren, davon er def an: dern Tags geftorben. Den andern Hochzeit Tag bat der Fürft der Braut eine verehrung von Klei⸗ nodien auff 200000. Reichsthaler weich gethan, die Präfenten, fo von allen Orthen heuffig ge: ſchickt worden, die werden zweymal höher, als die Hochzeit Speifen, geachtet. Bon Frank: reich, Engelland, Venedig und nach anbern eingeladenen ‘Potentaten und Reb, Pup. feind fei: ne Abgefandte erfchienen, vnd ift nach vollender Hochzeit der Fuͤrſt vber den Fluß Teyffa in Sie⸗ benbürgen vnd ein jeglicher wieder an feinen Dre verreifet. Es iſt zwar ein Spanifcher Abgeſand⸗ ter Herr Obriſter Auantagnio auch ſchon vnter⸗ wegs im hinreiſen geweſen, als er aber zu Ro⸗ fenberg 5 Tagreiß von Caſchaw deß Bethle⸗ hems Auffbruch vernommen, hat er ſich wieder gewendet, vnd dem Fuͤrſten das Praͤſent, zwey Kleinodier von 10000 Cronen, durch einen von Adel mit vier Perſonen nachge ſchickt., . x) Berliniſche woͤchentliche Relationes von 1753 ©. 774 f. und gar f. a) Ebendafeldft. 5) Alt und Veu Berlin ©, 59 Sfff ey Merz nicht 1607, wie Cernitius ſagt, fondern 1608, nach eben der auf dem Sarge pr 1620. 594 3%. 9 Hauptſt. Neuere Geſchichte non Brandenburg. 1620. Des churfürs ften leibes⸗ und gemüthg: sigenfshaften. i 240 ERDE. % — Der Churfuͤrſt Johann Sigismund hatte feinen Körper durch mancherley fer - besuͤbungen in beftändiger Thätigfeit zu.erhalten gefücht, Man weiß befonders, daf er - ein ſehr fertiger Schüge gewefen. Als er 1604 im April auf das Beilager feines Brw ders Chriſtians nach Culmbach verreifete, ſchoß er ohnweit Leipzig, im völligen Ja⸗ gen feines Wagens, eine weiffe terche im Fluge, worüber der dabey befindliche Dichter feiner Zeit, Friedrich Taubmann, ein eigenes Gedicht verfertiget hat. Einen groß fen Theil feines tebens brachte diefer Herr auf Reifen zu, die aber feine Geſundheit mehr ſchwaͤchten, als beförberten. Cr hatte fehr hitziges Blut, welches durch die faft durch⸗ gehends in Deutfchland noch herrſchende Gewohnheit des übermäßigen Trinkens in Wallung erhalten wurde. Dies machte ihn zum Zachzoen geneigt, der beſonders gegen feinen kuͤnftigen Schwiegerfopn Wolfgang Wilhelm Pfalzgrafen von Neuburg oͤbele Folgen hatte- Hieraus fiehet man auch, woher er zu Schlagflüffen und Lähmungen ver Glieder geneigt gewefen, die ihn in feinen beften Jahren ins Grab legten. Sein Ber ftand war durch geſchickte Lehrer zu Haufe fowol, als auf der. hohen Schule zu Strass burg, ausgebildet. Cr hatte denfelben dadurch verſchoͤnert, daß er ſich eine gute Kentniß der lateiniſchen Sprache erworden, in welcher er ſich wohl ausdrucken Eonte. Sonderlich hatte er feinen Verſtand angewendet, Die verfchiedenen Neligionsmeinungen zu unterfuchen. - Diefes hatte ihn geneigt gemacht, der. reformirten Kirche beizutreten. Alle Umftände beweifen, daß er nach und nach ſich dieſer Neligionsparten genähert, und alfo nicht blos, um hoffändifche Huͤlfe in der juͤlichſchen Erbſchaftsangelegenheit zu ers langen, ohne genugfamen Erfäntnißgrund diefer Kirche beigetreten. - Seine Religions veränderung zog ihm aber, befonders von Seiten der eifrigen Lutheraner, in und aufe ferhalb feinen fanden viele täfterungen zu, die er jedoch mit ausnehmender Großmuch ertrug. Cernitius hat befonders gezeigt, twie der Fortfeger des Sleidans, Schadäug, aus Neligionshaß gegen unfern Churfürften, die nothwendige Eigenfchaft der Parteilos figfeit eines Gefchichtfchreibers, gänzlich auffer Augen geſetzt. Unſer Churfürft ift übrigens der erſte Here aus dem hohenzollerifchen Haufe, unter welchen fich bie Macht des Churhaufes Brandenburg auf eine merkliche Art zu erheben angefangen. Der Befis der halben juͤlichſchen Exrbfchaft, befonders aber. die mic dem brandenbur⸗ gifchen Scepter vereinigte Regierung des Herzogthums Preuffen , fieng nunmehr an, denen märfifihen Angelegenheiten einiges Gewicht zu geben, obwol der unter ihm aus⸗ gebrochene dreißigjährige Krieg den Gebrauch deffelben noch hemmete. Wir würden nunmehro die Gejchichte des heutigen Königreichs Preuffen liefern mäffen, wenn fol che vor den dieſem Bande beftimmten Raum nicht zu weitläufig wäre. Wir wer den mit felbiger aber den Fünftigen 4ten Band Er SR “ anfangen, ua Anhang ne me 595 RERERREREEEFERERTIER TEE ve» rag Page. 1 ba di | * a von einigen . zum vorigen Bande gehörigen erheblichen LirFunden. wet KEN ErL Een Sa 21 20702727 2770270727 u Pi 6 241. a a die Urfunden die beſten Beweiſe in einer unparteiiſchen Geſchichte ſind; ſo Dem noch habe ich mir zur Regel gemacht, ſie nicht nur ſelbſt zu brauchen, ſondern —— RB auch diejenigen, welche ganze Länder angehen, meinen fefern, ihrem Inhalt follen rg hady, vorzulegen. Seit der Ausgabe des vorigen Bandes hat Herr D. Delvich, die urfunden ein- Biere der jegt in Stettin lebenden Gelehrten, Beiträge zur brandenburgifchen Ge "Pen. fhichte herausgegeben. Ich habe folche in dieſem Theile mit Nugen gebraucht, und werde mich derfelben auch inskuͤnftige bedienen. Weil nun in diefen Beiträgen auch verſchiedene ſehr merkwuͤrdige Urkunden vorfommen, welche die Uebertragung ver Mark Brandenburg an das hohenzollerifche Haus, die Erbfolge der Prinzen deſſelben, und bie erhaltenen Nechte auf das Herzogehum Croſſen betreffen, fo glaube ich, daß ich den übrigen Raum derer dieſem Bande gewidmeten Blätter vor meine fefer nicht nutz⸗ Barer anwenden kann, als wenn ich. diefe erhebliche Urfunden aus den Beiträgen der brandenburgifchen Geſchichte Hier anbringe. Ich Habe aber nur diejenigen herausges zogen, bie mir zu meinem Endzweck nothwendig gefehienen, ohnerachtet die Beiträge viel mehrere Urfunden enthalten, welche dieſes Werk beftändig ſchaͤtzbar machen werben. : Ar Ale Wier Sigismund von GOttes Gnaden, Roͤml. König, zu allen Zeiten Meh⸗ K. Gigie rer des Reichs, und zu Ungarn, Dalmatien, Ervatien, ꝛc. ꝛc. König. Bekennen mund belehnet andren kund und offenbahr mit diefem Briefe, allen die ihn ſehen oder hören Iefen, den marggra, wan wier fieder der Zyte, und Wier zu Roͤml. Künig erforn fin, allzyt betrachtet Haben, re ie daß unß und dem Heil. RReicherunbequemlich were, wo die Zahfe der ſyben Kurfürs granden, ſten, ſiddemahl die defjelben Richs vordrigen Glieder, und alß Beten Suͤle find, dar. burg ec. 1417. auf es gebuer ift, unerfüllee blieben folte, und wen wier den Hochgebohrnen Friedrich, MGrafen zu Brandenburg des Heil. Roͤm Reichs Erg» Cämmerer und Burg-Gras fen zu Nürnberg, unfern lieben Oheimen und Churfürften, fo redliche, vefte, bieder⸗ be, vernünftig und getrue in allen ſachen allzye erfant, und befunden, und auch ſolch gute gange und unzmweiffelich zuverſicht zu Ihm haben, das wier zu GOtt Hoffen, und gänglich getrüen, er ſy des furtreffenden Kurfürftenthums der Marck zu Brandenburg, finer Kure und zugehörung woll wirdig und werde, und möge die aud) redlich, vernünffte lich und rechtlich außrichten, verwefen, und um ung und das Riche verdienen darum die ER, Siff > vorgeen 596 Anhang von einigen zum worigen Bande vorgten Zole der Kurfürften wieder zu erfüllen, und. angefehen und gutlich betra tet, des Heil, R. Reiche, des gemeinem Hove, wier ytzund in der ern by dem Heil, Concilio, das dafelbft in einifeiten des Heil. Geifts gefamer ift, gegenwerti⸗ glichen halten, Ehre, nuges und beftes, und auch des jeßgemelten Friedrichs redligfeis te, veftifeite, biverbfeite, und vernunffte, und funderlig fin willig, unverdroßen, nuße und getrüe dienfte, die er ung und dem Reiche lange Zyt getan hat, teglich tut, und fürbas fun foll und-mag in fünfftigen Zyten, haben wier, alß wier in unfer Föniglicher Majeftate zu Eoftniß faßen mit wollbedachten mute, guten und einhelligen Rathe, Dies fer nachgefchrieben, unfer und des Reichs Kurfuͤrſten, Fürften , Geiftlicher und Wernt⸗ licher, Greuen, Edeler und Getruer den vorgedachten Fridrich zu den vorgebachten Kurfürftenedum ußerfohren, und in auch darzu gefordert, und geruffen und im alfo das vorgenante Rurfürftenthum, die Marcke zu Brandenburg, mit famt der Kure darzu gehoͤrende, und, fuft auch mit allen und jeglichen ihren Herlifeiten, Würden, Ehren, Res ‚then, Mannfchafften, Gerichten, Wildpannen, Zollen, Geleyten, Stedten, Schlo fen, Doͤrffern, Eckern, Wyſen, Hoͤltzern, Waßern, Wyern, Wunnen, — Landen, Luͤden, Zinſen, Guͤlten, Renten, Nuͤtzen, Guͤthern und Zugehörungen, wie. man den die mit ſonderlichen Worten benennen mag, nichts ußgenommen, als den das von un dem Riche zu gehen rührer, gnädiglic und mit folcher Zier Zeit, alß fich den das gebühret hat, uff.diefen tag, alß diefer ‘Brief gegeben ift, im nahmen der Heil. Drenfaltigfeit verliehen, was wier Ihn den daran von Gnaden und rechtswegen verli⸗ ben follen, die fürbag mehre im und feinen Erben von un und dem Riche zu Sehen zu haben, zu halten und zu meßen, alß den Kurpürften, und der vorgenanten Marche les ben, Rechte und Herfommen find, vom allermenniglich ungehindert, unß hat audy vor⸗ genante Friedrich gewoͤnlich Gelübde und Eyde darauf gethan, Unß und dem Reiche getreu, gehorſahm und gewertig zu feyn, und zu tund und zu dienen, alß den des Richs getruer Kurfürft finen rechten Herren dem Roͤml. Künig, zukünftigen Kayſer pflichtig zu fund iſt ohne alle Gefehrde, und diefer vorgeichrieben fache find. gezeugen, und haben ung die auch zu tunden geraten, die Ehrwürdigen Johans Ertz Biſchoff zu Nyge, Georg zu Paßaw, Naban zu Spire, Albrecht zu Regenspurg, Niclaus zu Mer feburg und Johans zu Lubus, Bishoff, und Johans erwehlter zu Brandenburg, und die Hochgebohrnen, Rudolf Herzog zu Sachfen und zu Lünenburg, Ernft und Wilhelm Gebrüdere und Heinrich, alle dry Pfaltz » Graffen by Rin, und Herzogen in Beyern, und Frivrih MGraffen zu. Myßen und fand Graffiin Doͤringen, unfere liebe Dheimen und Zürften, die Edlen Ludwig Graf zu Deingen, Graff Günther von Schwartzburg Herre zu Nanys, Eberhard Graf zu Nellenburg, Graff Conrad von Fryburg Herre zu Welſthen Neuenburg ;: Graff Hans von Lupffen, Landtgue zu Stulingen ꝛc. Albrecht von Hohenloe, Albrecht Schencke zu Landsberg, Herre zu Sydow, Houpt von Pappenheim, unfer und des Reichs Erb» Marfchalf, und viel andre unfer und des Reichs edel und getreuen, mit uhrfunde dies briefes:, verſiegelt mit unfer Runiglicher Majeftat Innſiegel geben zu Eoftniß nach Chriſti Geburth vier⸗ zehen Hundert Jahre, und darnad) in dem fieben zehenden: Fahre, an den achtzehenden sage Des Monarhs Aberellen (April) Unfer Riche, des Ungrifchen ꝛc. in den ein und drißigften und des Nömifchen 2c. in dem fiebenden ahren 2c, „7 u an sera nn Ad mandatum Dni Regis. I © Johes Kirchens. ge 243. — ——— gehoͤrigen erheblichen Urkunden. —— 597 ENERGIEN Ar 23.. Wir Siegmund. von Gotes Gnaden Roͤmiſcher König zu allen Zyten Mehrer Beſtallungs⸗ bes Reichs und zue Hungern, Dalmatien, Croatien Kunig, bekennen und tun Fund brief koͤnigSi— offenbahr mit diefem Brief allen den, die ihn fehen oder hören Iefen. Wann wir mit giemunds ganzen mentfchlihem Fleiße geneigt ſind, fried und. gnade gemeiniglich der Chriftenheit Per zu fchaffen. - Alſo fin wir auch willig und bereit des heyl. Roͤmſchen Reichs des Wuͤr— en in digfeit wir, an uns ‚genommen hant Sache zu, verforgen nad) allem -unfern Vermögen. Deutfchland Darumb mit wohlbedachtem Mute, gutem Rate und. rechtem Wiffen haben wir den Herengriedri: bochgebohrnen Fridrichen Marggraven zu Brandenburg vnd Burggrafen zu Nüren: den marggra⸗ berg, bes heiligen Römfchen Reichs Erg-Camerer Vnſern lieben Oheimen vnd Kur, fer und dur; fürften.degelben Roͤmiſchen Reichs in teutfchen Landen Vnſern Stathalter und Zürwe- ———— fer gemacht, geſetzt und geordnet. Machen auch alſo ſetzen und ordnen. In Vnſern ertheilet 1418. Stathalter und Fuͤrweſer in Kraft des Briefs und gebem Ihm davon unſer gantze und volle Gewalt und Machte zu ſchaffen, zu thun und zu laßen gemeiniglich und beſunder als. wir Selber. in allen Vnſern und des Richs Sachen und Geſchafften großen und klei— nen.in allen teutfchen Landen. Alfo daß er darin Bnfer vnd des Meichs Beſte, Nutze und Ere fürwenden und fehaffen folle nach feiner -beften Verſtantnuß, als er Vns denn ſchuldig und verbunden ift. Und was er alfo und in folcher Mafle fehaffen und ordnen wirdet, das wollen wir ftete und unverbredlic halten: davon verheißen und verfprechen wir bey unferm Runiglichen Worten, widder folche unfere Stathaltung „ Berwefung und Gewalt Feinerley Privilegia oder Brief zu geben, oder auch Borfchafft oder Gebotte da» wieder zu thun oder zu fenden, Damit der vorgenante Sriederich unfer-Stathalter und Verweſer in folcher.diefer unfer Drdnung nicht geirret oder gehindert möchte werden: ſun⸗ der, daß wir In allen obgenanten Stuͤcken unftrafbarlich und unverbrecklich biß uf utie fer Widderruffen belieben laßen wollen, die wir Im mit unfern Kuniglichen Bottſchaff⸗ ten oder. Brieffen verfunden follen. Alſo verheißen wir auch und verfprechen für Vnß und unfer Nachkommen an dem Nömifchen Reiche, was der vorgenante Friederich als fo. an unfer Stat anheben , tun, handeln und enden wirdet, daß wir das alles ftete, ver ſte und unverbreclich hanthaben und halten, und. dawidder in Feine Wyſe fun, oder tun laffen wollen. Mit Verkund diß Brief verfiegele mit unferen. Königlichen Mayeſtaͤtk Wiſiegel. Geben zu Schwebifchen Werde (Donaumerth) nad Ehrifti Geburt Bier⸗ zehnhundert Jahr und darnach in dem Adıtzehenden Jahre am nechſten Sontag nach Sanct Michels Tag Vnſer Riche des Hungarifchen 2c, in dem zwey und dreißigften und. des Römifchen: in dem Meunden Sabre. | ; | 8.) ä ER 0. 3,ad mandatum D. regis — — — nie! s | Johannes Gerſſe. —X 24 | 3 9 Bir Friderich von GOttes gnaden, Marggrafzu Brandenburg, des Heil. Rom. _ Churfürft Reichs E:6-Cämmerer und. Burggrave zu Nürnberg 2c. bekennen offentlich mit. diefem Friedrichs ı Beieve, daß Wir angefehen und erfand haben, daß nicht gewißers ift, dan der Tod, er und nichts ungewiſers, dan die Zeit des Todes, und nichts fo nottürftig, dan daß der Pr Menſch mit: gangen fleiße feine fache beftelle, daß er im gutem getrauen feine Geele GOtt antworten muͤge, und darumb zu gnediger Unfer Scheidung. und Unſer Seele GOtt zu antworten, ſo haben Wir mit gunft und guten Willen Unſer lieben Sune Sen. Johan⸗ fen und Hrn, Albrechten, Marggrafen zu Brandenburg ꝛc. Unſer gefchefte und lezten ar | Ffff3 Willen 598 Anhang von einigen zum’ vorigen Bande - Willen gethan und gefchaft, ſchaffen, ſchicken und thun mic guten berat und wolbedach⸗ tem Muhte, in Eraft dig Brifs als hernach von worte zu worte gefchrieben fteet. ER Des erften, daß Wir Unfer begrepnuße erwelt Haben, und erwelen in dem Elofter zu Hailsprunn, und daß diefelbe Unfer Begrepnüße in fehlecheer demütiger form ges fcheben folle, in leyneym tuch on gros hoffertig Pompey, die nicht vaft zu götel. Ere dienen; Item darnach, daß alle Unſere Herrfchaft, die Wir laffen, in folcher form ers ben follen auf unfere Sune, als Wir das vormals geordnet und geteydinge haben, und auch mic teydingen und fehriften geteydinge und verlaßen ift. 9%, :TSEER SPRRAE RBB. ‘tem, daß alle wißenelich fehulde auf Pfandfchaft oder funft von Unſern Erben guͤtlichen ausgericht und bezahlt werden follen,; Und umb dag Wir leider Unfern armen güten, Undertanen und auch etlich ander mit Steuren und andern fachen befchwere has ben, fehaffen Wir, daß Unfer Süne und Erben das in gedachtnus haben und den in gnedigen ſachen, nad) geftalt der fache, ergeßung thun und guten willen bemeifen ſuͤlle; Item Wir fhaffen, daß Unfer Gemahl und Süne ein ewige Meße gen Camberg in die Capelle ftiften füllen, alfo, daß ein Priefter Jerlich funfzig Gülden Gülte haben, und mwochentlich gelefen werden, und daß die Meße die Herrfchaft zu leypfen habe; Item Wir fchaffen, daß man Uns einen eroigen Jahrtag zu Hailsprunn beftellen foll, und auch Unferm Bruder Burggrafen Johanſen feel, einen Jartag und desgleichen Uns bei⸗ Den einen Jartag in dem Cloſter zu Culmbach, das von Linfern Eltern und Uns ge ſtiftet iſt; Item Wir fchaffen, daß man Ung Jartag beftelleu folle, in dem Stift zu Onolzbach, und daß Unfer Lieben Frauen Meße des Sampstags wochentlich in dem genanten Stifte beftellet und gehalten werde, als Wir die angefangen Haben, daß ſie nicht abgee, der Herrſchaf zu gnaden und feeligfeit. Item einen ewigen Gülden den Pfalter zu lefen in der Marterwochen; Item einen gangen guten Ornat von Samet oder beßer, mit einem guten Creuz, dabey ſolch Jahrtag foll beftale werden; tem Wir fhaffen, daß man die zwangig Gulden von Haingen von Dobnerfs feel. wegen aus⸗ richt der Kirchen zu Cadohburg. % I N Item Wir ſchaffen von ſolches Gelds und Lidlons wegen, als Wir von Ferkel und Hanſen Sneyder Unfern Knechten innen haben, daß man darumb Jartag beftelle, und ſolchs auf Unfer Seel nicht bleibe. Item Wir fchaffen, daß einer von Lietershaufen und etlichen andern von Unſer Herrfchaf und andern übernommen feyn worden, daß man den fernug tue; Item Wirfchaffen, daß Unfere Süne die von Dünckelfpühl der Sache erlaßen, warn Wir zu vor GOtt genglichen vergeben haben, wan fie von der Herrfhaf aud) übergeyffen fein worden; Item Wir ſchaffen, daß man Albrechten, Unſern Koch, bey feinen Garten zur Meuenftade bleiben laße, und ihm fein Korn Jerlich ausricht, nad) Inhalt feines Drives; Item Wir fchaffen, daß 400 hungerifch Gulden ausges richt werden zu einer ewigen Meße zum heil, Plute, die ein Unger dazu geben, und Eung Ebe in der Herrfchaf Mus eingenommen hat, und etwan viel Kupfers zu Unfer Sieben Frauen zu Berlin an Glocken, daraus Wir Püchfen ließen machen, daß das Unfer Süne Marggraf Friderich in der Marck ausrichten fol. Item daß man Une fern Tode Unfern Freunden kunde, GOtt für Uns zu pitten. Item, war man Kor hentruhding löfen will, daß man in der Söfung des Haubrgeldes foll fahren lagen 2006 Gulden, tem Wir (haffen, daß man dreyßig Mar Silbers zu dem Heiligthumb zu Plaßenberg von Unfern Silber geben, und Monftrangen vergülte Daraus machen foll, und einen Eentner Wachs. Item dreyßig Pfund Wachs gen Stampa. Item Wir wollen felbs Unfer teplich Geſinde, in Küchen, Cammer, Marſtal und Keller ade 4 richten gehörigen erheblichen Urkunden. 599 richten: und verfehen von Unſern Silbergefchier, Pferden und Gewande. Item Wir fchaffen auch 32. Gülden für in glasgen Zimne in das Elofter. And bey fulcher Unfer _ Schickung und legten Willen ſeynd geweſt, als Unſer getreuhender die Würdigen und Erbaren Unfer liebe getreue, Hr. Ulrich Apte des Elofters zu Hailsprun, Meifter Als - brecht, Pfarrer zu fant Sewalt zu Nürenberg, Hr. Johans Medlinger, Cor. Here zu Onolzbach, und Eonradt, Paumgarter zu Nürnberg. Zu Uhrkundt haben Wir Unſer Spnfiegel an dig geichefte bendfen heißen. Und Wir Johanns und Albrecht, Marggraven zu Brandenburg und Burggraven zu Nürnberg, befennen, daß fuld) ‚obgerürt Gefcheffte mit Unfern guten Willen und Verhängnüße zugangen und gefchehen ift, und wollen auch das gefreulic) vollziehen und dem nachkommen, on Geverde. Und zu Urfund Haben Wir Unfer Inſiegel zu des egen Unfers lieben Heren und Vaters Inſie-⸗ gel an dis Gefcheft pencten heißen. Gefchepen und geben zu Eadolsburg, am Sonfag ‚nach den heil. Creügtag Eraltatienis, nach Ehrifti Unfers Hrn, Gepurt vierzehen hun. dert Jahr, und darnach im vierzigften Jahre, 2c. » $. 245. Bon GHftes Gnaden Wier Johannes und Albrecht Gebrüder, MGrafen zu_ Ehurfürft Brandenburg und Burg» Grafen zu Nürmberg, befennen und hun Fund öffentlich, Sriedrichs ı mit dieſem Briefe, allen denen, die Ihn fehen, oder hören lefen. So alf der Hoch» — thei⸗ gebl. Fuͤrſt unſer lieber Herr und Vater, Hr. Fridrich MGg. zu Brandenbl. des Heil. — R. Reichs Erg: Cämmerer und Burg» Graffe zu Nuͤrmberg ſehliger bey feinem Leben ; die Hochgebl. Fürften unfere lieben Brüder Herren Fridrichen den ungern, und Hr. Fridrich den Aeltern MGrafen zu Brandenburg ꝛc. und Unß mit aller. unfer Wißen und Bollmort geordnet, gefegt und getheilet, wie Wier mit unfern Herrfchafften, Lane den und Leuͤthen, die Er gelaßen, und auff unß geerbet hat, nach feinem Tode figen, feyn und bleiben, und nemlich. wie unfer Bruder die Marek zu Brandenburg fambtli» chen haben, und nad) eglicher Anzahl Jahre, den die theilen follen, Das alles die Brie— fe darüber gegeben, Flärlic) innehalten und außweifen. Lind alß nun unfer lieber Herr und Bater von Todes halben abgangen iſt, dem GOtt genade, und Wier Brüder alle, alfo nad) Innhaltung der Ordnung etliche Zeit gefeßen und unß darnach gehalten, fo haben wier in der Zeit gelernet, eigentlich gemerfet und warhafftig befunden, daß ſolche Theilung, als er in und mit der Marek und den fanden darzu gehörend, zwifchen den genanten unferen Brüdern, Unß, Ihren und Unferen Erben, nicht nuͤtzlich ſey, davon ſehr beforglich it, daß Unß, allen unferen Erben und Herrfchafft groß Unmacht, Uns rath und Schade entftehen mögte, mo das in andre wenfe nicht gewandelt würde, und alßden die obgenanten unfere Brüder, Fridrich der Aelter und Fridrich der Juͤngere, der jegund zu feinen mündigen Jahren gefommen ift, mit unß in guthen rathe erfunden, und darum folhe,Theilung, Satzung und Ordnung unfers lieben Herren und Vaters . in etlihen Stüfen und Articuln zu wandeln, und auf andre weiſe zu bringen willig feyn, und ung darum brüderlichen haben angelanget und gegeben. Darum und von angebohrner liebe, brüderlicher Treue, erhöhung unfer Herrfchafft, beßerung der Lande und Einigkeit willen, der genanten unfer Brüder, und auch.alß wier berichtet feyn, daß niche fträflich oder unrecht, fondern löblich ift, daß man Gefege oder Ordnung, nach Erlauff der Zeit, Sachen und $eut, well verendern magte, haben wier durch unß und unſere erefliche Käthe zwifchen den genanten Fridrichen und Sriderichen unfern Bruͤ— dern, und mit Ihren und unfern guthen Willen, rechter wißen und gangen — 6» _ ⸗ 600 Anhang von einigeh zum vorigen Bande - beſprochen, betheidinger, bewilliget und. gefchaffer , wie fie und Ihre Erben” inf ie mit der Marcf ‚den Herrligkeiten nden und Leuthen dazu —*5 fi or. tern, feyn, figen und bleiben follen, daß alles wier aud) alfo befprechen, betheidingen, bewilligen, ſchaffen, fegen, ordnen und örtern in und mit Krafft des Briefes, inmaßen ernach gefchrieben iſt. uf | | d Zum erften, als MGr. Friedrich) der Yelter, nady unfers lieben Herren und Wa, ters fehl. Tode, und von feiner Ordnung wegen, das Erg Cammer Ambe des Heil, Röm. Reichs mit der Chure und aller ander feiner Wuͤrdigkeit gehabt und noch hat, fo foll er auch fürder, dag dieweil er lebt, und nach feinem Tode feine männliche $eibes Erben und Ihre Erbes Erben haben behalten, und fi), wie offe daß Noch gefchicht, gebrauchen, und darinnen thun, ‚alles das ſich von rechte und Aöblicher Gewohnheit, da⸗ von und dazu gebühret, ungehindert und ungeirret, von Mr. yi Fi Füngern, feinen Erben und Erbnehmen, Der fih auch) derfelben Kühre und der Wirdigfeit dazu gehörend, und was Er aber feine Erben daran, von unfers lieben Herren oder Vaters Hrdnung, oder fonft haben mögte, mit freyen Willen, wollbedachtem Muthe und gu⸗ chen Rathe, gänglichen auf MOr. Fridrich den Yeltern, fein maͤnnlich Leibes Erben und Erbnehmen, a und Ihn des williglichen vergnügt und ingereumt bat. | Ä Geſchehe aber, da GOtt vor fey, daß MGr. Sridrich der Aeltere ohne männliche $eibes Erben abginge, dan foll das Ertz Cammer -Ambt mit der Chur und aller Wür« - digkeit auff Mr. Fridrich den Füngern, oder ober nicht were, auf feine männliche Lelbes Erben kommen und fallen. | 2 Auch fo haben mwier beredet, daß unßer Bruder MGr. Fridrich der Aelter und feine mänfiche Seibes Erben und Erbnefmen die Neuͤen Marcke mit der Ufer und dem Lande zu Sternberg mit allen Schloßen und Städten darinne gelegen, mit Nahmen die Stade Brandenburg, Berlin, Coͤlln, Francfurth, Prenslau, Spandau, Rathenau, Nowen, Belis, Treuen Brizen Bernow, Neuenftadt,, Ebersival- de, Steaußberg, Wrietz an’ der Over, Münchberg, Miltenwolde, Templin, Neuen Angerunde, Lichen, Straßburg, Drogen, Reppen, Santa, Köpenicke, Srebbin, Saarmünd, Porftam, Bulen, Boltfau mit der neuen Mühlen, Krems men, Liebentvalde, Oderberg, Boißenburg, Ziechow, Greiffenberg, Stolpe, Weiffshagen, Zedenick, Zagaw, Friefack, Bollfow, Hohen Rowen, Mollen berg, Bredow, Bießdall, Sreyenwalde, Hufter Haufen, Mollroß } gandeberg, Lagow, Sunnenburg, und fonften mit allen andern Schlößern und Städten, benant und unbenant, und auch fonderlicy Die Zufprüche und Gerechtigkeit, Paſewalde und als ten Torgelaw und neuen Torgelaw, die Biſchoffthum, Biſchoffe, Abteyen, Abten, Probfteyen, Pröbften, Prälaturen, Prälaten, famt Johans Drdensheüfern und Compto⸗ teyen, und fünften mit allen Schlößern, Stadten und Dörffern, darinne gelegen, wie fie genennee oder ungenennet feyn, Feine ausgenommen, nemblidy den Bifchoffe, Thum Probft und Stiffte zu Brandenburg: dem Bifchoffe, Thum Probft und Stiffte zu ° Lubuß, dem Abt und Cloſter zu ®enien, dem Abe und Elofter zu Körin, den Abt und Elojter-zu Himmelpfort, den Meifter St. Johans Ordens, dem Probit und Klo⸗ ſter auf dem Berge vor Brandenburg, den Probft und Kiofter zu Bramb Pramw,. : dem Probft zum Berlin, dem Probft zu Bernow, dem Probft zu Neuen ’Angeruns de, den Probft zu Straßburg, den Probft zu Liebenwalde, den Pfarrer zu Franckf und andere Pfarre und geiftliche Sehen, benandt oder unbenant, die Jungfrauen, Pröb- fie und Klöfter zu Spandoiv, Fredeland, Prentzlow, Boitzenburg, a und Zede⸗ — gehoͤrigen erheblichen Urkunden... 6or Zedenick mit. allen andern geifilichen Perfonen, Ihre geiſtl. Sehen, und mit Allen den. Ihren und Ihren Guͤthern, das. Schloß Plauen mit dem Städtlein und allen feinen Zugebörungen, das Schloß Tupitz mit den Städtlein und allen feinen Zugehörungen, das Schloß Pisom, die Herrichafft, Schloß: und Stadt zu Cottbus, mit ihren Anz gefälle und-den andern, halben Theile, das Schloß und Stadt Cottbus, das Er Lu: tert innen hat, „und mit. allen Zugehörungen und mit allen Heyden, Hölgern, Wildbah« nen, Geleiten, Gezwengen, Waßeren, Weyden allen Herrligfeiten, Freyheiten, Gna« den, Gerechtigkeiten, Zöllen, Mühlen, Drbethen, mit Geboten und Verbothen, und, fonft mit allen. andern Zugehoͤrungen, geiftlichen und weltlichen Gerichten und Sehnen, benennet und unbenenner, auf jenfeit der Elbe und der Havel, und auch auff andern Enden und Dertern gelegen. "Die dan von Alter darzu gehöret und noch gehören , fie ſeyn fämtlichen darzu gebracht , gewunnen, gefaufft, und die noch darzu gewinnen, Faufs fen oder bringen, wie die Rahmen hatten oder haben ınögten, und auch fonderlich in —— im Lande zu Luſitz und ſonſt anderswo, alle andere Verſprechniße, Ver⸗ | chreibung und offen Schlößern, worin das belegen ift, haben, behalten und gebrauchen follen ‚ alles vor den obgenanten unfern Bruder Mr. Fridrich dem Juͤngern und feie en Erben und Erbnehmen, ungehindert. I Es foll aud) unfer Bruder MGr. Fridrich der Eltere und feine männliche $eibes. ben, den Graffen von Lindaw und Herren zu Reppin mit der Herrfchafft zu Lindaw ind Reppin, mit allen Ihren Zugehörungen und Gerechtigfeiten, und allem, das der par feine Borfahren bißhero inne gehabt, und noch inne haben, und ' ‚was er noch in Anfprachen hat, zu der Neu Marcfe haben und behalten, auch ohne alle Zufage, binder und miederfprache unfers Bruders MGr. Fridrichs des Juͤngern und feiner Erben und Erbnehmen, — — Wier haben auch beredt und beteidinget, daß unſer Bruder MGr. Fridrich der Aelter und feine männliche Leibes-Erben ſollen und muͤgen alle außwendige Lehne, Geift. lich und Weltlich, und ſonderlich die Graffihaftt NBernigeroda, und'was die‘ Graffen von Mansfeld, von Schwarsburg, Die von Barby, die von Regenftein, die von der Hoya, die von Cottbuß, die von Wefenbegef, die Schenken von Sydow, die von Dorftadt, die von Heinsberg, mit dem Erb: Cammer - Amt des Reichs, die von Bieberftein und. die von Torgaw und andre dergleichen auß der Marck beießen, die von der Marck Graffihafft zu Brandenburg zu Sehen haben, Sie ſeyn benanf ‚ oder unbenant, nach, Motthurfft verleihen, und ‚fh der zu Ihren Nuß und frommen - gebrauchen, a.ß einen Ehurfürften zuftehet und-gebühret; alles von dem genanten uns ſern Bruder MGr. Frivrich den Juͤngern und feinen Erben ungehindert. Auch haben wier beredt und befprochen , daß. unfer Bruder MGr. Fridrich der Elter und feine mänlicdye geibes - Erben und Erbnehmen die fünf Pfründe zu Stendall, die er von unferm Heyligſten Vater dem Pabit hat erworben, mit famt den beyden Als tarien jur Welßnack, die er auch von unfer aller lieben Herren und Vaters fehligen fein felbft und unfer Seelen feeligfeit wegen geftifftee hat, wie offt die Borledigen leihen fol» len und'müger, vor den obgenanten unfern Bruder MGr. Fridrich den Juͤngern und feinen Erben ungehindert. | Es follunfer obgenanter Bruder MGr. Fridrich der Xelter für fid) und feine maͤnn⸗ liche geibes- Erben, alle fein Kleinodt, von Hefftlein,, Berfponnen gülden Ringen, vergüldeten Knöpfen, und ſonſt an allen filberen Gefchirre, an Kannen, Flaſchen, Bes den, Schüßeln und Hauß:Geräthe, Kleider, Harniſch, Steh Zeug, Hengft: Pfer- Dell. preuß. Geſch. 3 Th. Gggg de, — 602 Anhang von einigen zum vorigen Bande de, Tepich, Umhaͤnge und mancherley Hande Zierung, auch mit Bettewande und’ Kık chen: Gejchirren, mie oder wo, und von wen die, der genante-unfer Bruder und fein Gemahl unfere liebe Schweſter zu einander hetten gebracht, gezeüger oder geworben, has ben und behalten, von dem obgenanten unfern Bruder Mr. Fridrich den Juͤngern und feinen Erben ungehindert, allein aufgenommen alles Bettegewandt und Küchen: Geſchirren, das zu dem Schloße Tangermünde gehöret, das foll darbey bleiben. Es foll aud) unfer Bruder MGr. Fridrich der Aelter und feine männliche Leibes Erben und Erbnehmen, alle Büchfen groß und klein, alle Öezelte groß und Flein, mit alter Jhrer Nathfchafft an Pulver, Steinen und andern Zugehörungen und notthürfftie _ ‚gen Sachen behalten, ungehindert vor vnſern Bruder MGr. Sridrich dem Jüngern und feinen Erben und Erbnehmen. u x —— 4 Auch haben wier betheidinget, ob unſer Bruder Mgr. Fridrich der älter Todes halben abgienge, und Kinder nad) ihnn liege, den Bormunden norh were, daß er den mag feinen nachgelaßenen Kindern auß feiner oder unfers Bruders Mr. Fridriche des jüngern Landſchafft, oder andere außer Landes der Marck, wer Ihn fonft eben und wie Ihm das nüße beduͤncket, Vormunder fegen nad) allen feinen Willen und Gutdinden, / Die alßden nach feinen Tode, ob des Noth geihehen, Sie redlichen Gevormunden und’ Vorſtehen möchten, alles ungehindert, vor unfern Bruder Mer. Fridri den jüngern, - feinen Erben und Erbnehmen, doch daß der Bormunder der Marek zu randenburg Feind nicht fen. . Wier haben auch beredt und betheidinger, und unfern Bruder Mr. Fridrich den Eltern darzu vermocht, daß er alle Schulde, die den von unferm lieben Herren ‚und Vater fehl. und von Ung Mr. Fohanfen auff Ihm und unfern Bruder Mor. Fridrich den jüngern, von der Marc wegen, geerbet, vorweifee oder fonft audy von Ihn beyden .obgenant, oder Ihrer einen von Kriegl. oder andern Sachen wegen ges macht, wie viel der, oder wie Die,zufommen feyn, in der Neumard, Ufer und Lan⸗ de zu Sternberg, und auff jenteit der Elben und Haveln und in ihren Zufchlegen, zu Ihm genommen und.die felbft oder feinen Erben und Erbnehmen, die außjurichten und zu bezahlen zu gefaget hat, alfo daß der Schulde unfer Bruder Mar. Fridrich der jüns ger gäanglich entlahden fen, außgenommen etliche Schulde, die hernach gefchrieben fte» ben, die unfer Bruder Mgr. Fridrich der jünger zu ſich genommen har und außrichten will; und auf daß unfer Bruder Fridrich der jünger deſſen Baß ſich einrichten und auß fehulden rechten möge, fo haben wir unfern genanten Bruder Mgr. Sridrich den Eltern dazu vermöget, der ſich auch umb brüderlicher Treu willen darinne willig erzeiger hat, - daß er ſolch Ehegeld und auch ander Geld, daß er mit feiner Gemahl, unfer lieben " Schwefter , das 7 Gulden machet, in Ihrer beyder Brüder und in Ihrer Sande nug und frommen g bracht hat, und daran han unfer Bruder Mgr. Fridrich der jünger Wiederſtattung woll fehuldig were, ſolcher Wiederftartung unferm obgenanten Bruder Mgr. Fridrich den jüngern und feinen Erben und Erbnehmen erlaffen, zugegeben, loß und ledig geſagt hat. Ra RN sa da Auch haben wir betheidinget und gelaßt , ob der obgenante unfer Bruder Mer, Fridrich der junger ein ehelich Gemahl nehmen wolte, daß Ihm alßden zu Heimfteur und Ehegelde zu foldyer ſeiner Gemahl gegebeit oder verfprochen würde, und was fie zu ihm bringet, das alles foll den genanten unfern Bruder Mgr. Fridrich dem jüngerm, feinem Erben und Erbnehmen allein bleiben, ohne alle ein Sprache des ehegenanten unters Bruders Mgr. Fridrichs des eltern, ſeiner Erben und Erbnehmen, alfa dag fie HE ame 0 on u FE N > Rehörigen erheblichen Urkunden. 603 darzu und darnach fein. Berorönung haben noch thun ollen, in feine Weifenohnge ‚fehede, warumb und alß wier unferm Bruder Mor. Fridtich dem eltern, feinen maͤnn⸗ lichen Seibes Erben und Erbnehmen die Neun Marck zu Brandenburg mit ihren Zuſtaͤn⸗ ‚den Derteen Landes und allen andern Zugebörungen, wie oben gefchrieben iſt, zu. geords ‚ner haben, und ſolche Sande und Nutzung etwas weiter und beffer feyn, dan die Alte Marek zu Brandenburg mic Ihren Zujtenden Dertern, Landes und ihren Zugehöruns gen, wie hernach begriffen iſt, Die. wier unfern Bruder Mar. Fridrich dem jüngeren zu« ‚georönet haben, ſolches haben wier darum gethan, und um des beften willen fuͤrgenom⸗ ‚men, dag unfer Bruder Mgr. Fridrich der ältere, feine Erben und Erbnehmen, die Ehure des heyl. R. R. mir ihrer Würdigkeit haben und verwejen tollen und müßen, daß in Noth iſt weiter Landes und Nutzung, dan unjerm Bruder Mgr. Fridrich dem jüne ‚gern und feinen erben und Erbnehmen, von folcher groffen Eoftenlicher Haltung und Zehe zung wegen, die dan unſer Bruder Mgr. Fridrich fein Erben und Erbnehmen auf ſol⸗ he Chur.» und Wuͤrdigkeit in geiſt und weltlichen Sachen, allenthalben und außer Lan⸗ des haben und thun-müffen, und auch ſonderlich darum, daß unfer Bruder Mgr. Fri⸗ drich der elter fein obgeſchrieben Ehegeld übergeben hat, das Ihm unſer Bruder Mgr. ridrich der juͤnger an ſolch Ehegeld Fein Wiederſtattung thun darf, und auch um des Willen, daß unfer Bruder Mar. Fridrich der juͤnger, wen er cin ehelich Gemahl nimbt, daß er ſolch ſein ehegeld alß den allein behalten ſoll, und unſerm Bruder Mgr. Fridrich den eltern, ſeinen Erben oder Erbnehmen Davon fein Wiederſtattung thun darff. 0. Wiederum haben wier obbenanten Fürften Mgr. Johans und Mor. Albrecht bes redt und beteidinger, daß unfer obgenanter Bruder Mgı. Fridrich der jünger, feine maͤnliche Seibes Erben und Erbnehmen, die Alte Marcf und Prignitz mit allen Ihren Zuſchlaͤgen, Dertern und diefen nachgefchrieben Schloßen und Städten, mit Nahmen Tangermuͤnd, Stendall und Alte Stadt Salgwedel, die Neu Stadt Salsmedel, Gardelege, Arneberg, Seehauſen, DOfterborg, Werben, Perleberg, Lengen, Pritzwalde, Kyritz, Havelberg, Ealte, Kesendorff, Arxleven, Arenborg, Flech- ting, Tylſen, Auloſen Langen Areldorne ,. Dfterwalde, Krumbefe, Uhlenhagen, Borchſtali, Potliſt, Wiltenberg, Meyerborg, Neuenhaufen, Freyenſtein, Stof- fenow, Kligigef die Horſt, Frederstorf,und ſonſt mit allen Schloͤßen, Städten, Mardten und Dörfern, Verſprechnuͤßen und allen andern offenen Schlößern, Stedten, Merckten dazu gehörend, benennet oder unbenennet, mit allen ihren Zuſchlegen, geiftz lichen und weltlichen Gerichten und Sehnen, mit dem Bifchoffe, Thum Probft und Stifft zu Havelberg, das Ländchen zu Bellin, das zu Der, Neu Marck unferm Bruder Mir. Fridrich dem altern und. feinen erben gehöret , und fürber auch daben bleiben foll, Prob» E> ‚ Probft, Jungfrauen Klöftern, mit dem Thum Probft, Dechant und Stiffte zu Stendall ; ‚außgenommen die fünf Pfründe, die dan oben gemeldet und. aufgezogen —* den Probſt und Capittel auff dem Schloße Tangermuͤnde, dem Probſt und Stifft zum heil. Geiſt vor Saltzwedel, die Comptorey zu Werben mit den Kloͤſtern Die⸗ Fa Dampke, Neuendorf, Ereuefehe, Heilig Grab. und Stepeniß, mit dem Stiffte zu Beifter und Probftey zu Seehaußen und mit. allen andern geiftlichen Perfo- nen, ihren geiftlichen Sehen und mit allen den ihren und ihren Güthern, mit allen Hays den, Hölgern, Wildbahnen, Geleiten, Gezwengen, mit dem See zu Pregern, mit allen andern Waffern , Wenden, mit allen Herrlichkeiten, Freyheiten, Gnaden, Ges ‚rechtigfeiten, Zöllen, Muͤhlen, Drbethen, mit Gebothen und Verbothen, und fonft mit allen andeen Zugehoͤrungen, uff Dießeit oe Elbe, -in der Alte Marck und Prignis, 1er a 389892 _ ar und vi 604. Anhang von einigen zum vorige Bande und auch auf andern Oertern und Enden gelegen, fie auch fämtlich darzu gebracht, ges wonnen, gekaufft, und die noch darzu gewinnen, Fauffen oder bringen, wie die Nahr men gelten, oder haben möchten zu ewigen Zeiten gebrauchen und behalten ſollen, alles vor den genanten unfern Bruder Mgr. Friedrich den aͤltern, feinen Erben und Erbnehs nehmen ungehindert; und alsden unfers Bruders Mgr. Fridrich des Altern jchulde, Aus» richtung und Bezahlung, in der Neumark, Uker oder im tande zu Sternberg, und in andern Dertern, auf jenfeit. der Elbe und Haveln und zu ihren Zuſchlegen, faſt viel höher und mehr ſeynd, dan in der Altemark und ihren Zufthlegen auf diſſeit ver Elbe, die dan unfer Bruder Mgr. Fridrich der jünger, für ſich und feine erben zu ihm nehmen, aufrichten und bezahlen follen. A Si Auch haben wier fonderlich beredf, und’ betheidinger , daß unfer ‚obgenanter Bru⸗ der, Mar. Fridrich der jünger, und feine Erben und Erbnehmen, zw allen andern ehe⸗ genanten Schulden, die fie dan in der Altemark und Prignig und diffeit ner Elbe, und in ihren Zuſchlegen fihuldig fein mügen, und wie die ihn auf feiner Seite , von unfers lieben Baters fehl. unfers Mgr. Johanſen Bormeilung, und nun auch von Pferden, Gefengniffe und von allen andern Sachen und Schaden, wie die von unfern Brüdern ob⸗ genennt beyden, oder ihr einem geſchehen oder zu’ kommen fein, diefe hernach gefchr ’ bene englibe Schulde, auch mit rechter wiffen und freyen Willen, zu fih genommen, und mit famt den andern allen bezahlen und außrichten foll und will, nemtich den Graffen von Ruppin 3800 Gulden, Heinrich von Bayern 800 Gulden und die Renthe, die man ihme von drenen Jahren Ichuidig iſt; Die Schulde zu Nürmberg taufend "Gulden, und Hanfen von Bredow 1200 Gulden. So foll auch unter obgenanter Bruder Mer. Fridrich der jünger, für fih und jeine Erben, Herren, Prälaten, Mannen und Städ« ten, in der Altemark und Prignig zu fagen, daß er in allen und ein jederman, in den ‚obgenanten feinen Dertern Landes, alle ihre Briefe, Gnade, Freyheit, Privilegia, gu⸗ then Gewohnheiten und Rechtigfeiten, die Ihm von unfern Bruder Mor. Fridrich dem ältern, und von allen feinen Vorfahren Mgrajen zu Brandenburg, verfiegelt, gegeben - und begnadet feyn worden, unverbröchentlich halten, und fie vabey bleiben laſſen wolle, und fie oder die ihren nicht verunrechten; inmaßen ven das, fein und unfer Bruder Mor, Fridrich der elter obgenant gethan hat, und in des feine verfiegelte Briefe gegeben, wer des begehren wird, ohne Gefehrde. Wir haben auch beredt und betheidinget, daß alle Sprüche, Schulde, Klagen und Gerechtigkeit, die die genanten unfere ‘Brüder, von der obgenanten unſers lieben Herren und Baters Ordnung, ober wovon fich die bißher auf diefen heutigen Tag erhaben, ges macht oder verlauffen haben, nichts ausgefchloffen, genglich hingelegt, geſinnet und freundlich bericht feyn ſollen, fo daß ihr einer gegen den andern oder feinen Erben, ned) eines Erben gegen des andern Erben, der nimmer mehr mit Gericht ‘oder ohn Gericht heimliche oder offenbahre, durch) ſich felbft oder anders jemand anheben oder fordern foll, oh Gefehrde. Ä A — Und auf daß die genante unſere Bruͤder, wier und alle ihr und unſere Erben, deſto freundlicher und eintrechtig ſeyn und bleiben mögen, alß daß unfer lieber Herr und Bas ter ſehliger auch geordnet, gefeget und gefchaffer hat, fo haben wier mit ihm und fie mit unß gewilligt, gelobet, geredet und gevollwort, daß in beyden ihren theilen, alle: ihre Schloß und Stedte, die jedwedern Theile angefallen ſeyn, ihr jeglich und ihren mänlis en Erben und Erbnehmen, gewarten und offen feyn follen, zu allen ihren Noͤthen, Kriegen und Gerchäfften, alß offe fie es bevürffen, gleicherweiße als dem felber, dem die Schloß und Städte, mit Ordnung zugefallen feyn, ohn gefehid. Auch * F — a m — ches Geſchlechts hinder ihm nicht lieſſen, fo ſollen alle —— gehoͤrigen erheblichen Urkunden. 605 Auch haben wir betheidinget, daß die obgenanten unſere Brüder, alle ihre Erben und Erbnehmen, einer dem andern, als offt das Noth gejchicht, getreulich und fleißiglich zu allen ihren Kriegen, Stößen, Nöthen und Gefchäfften, mit ihr felbft leiben, mit Vol ce, Zuzügen, zugefejfen, oder zu täglichen Kriege beholffen feyn follen, nie das dem andern | ‚aller müglich ift, oder ihm zu denfelben feinen Kriegen gehelffen, genugen und außgetra⸗ gen mag, ungefebrlich, wenn einer des von dem andern ermahnet wird, und alß balde der emahnet, des andern Bruders oder feiner Erben Sand berühret, und darin mit feinem Bolde und Zeuge font, fo foll der ander der ihn um Hülffe gemahnet bat, ihme und feis nem Bolde, Köfte und Notthurfft geben, alß lange derfelbe Krieg mehrer; were aber Sache, daß der genante oder fein Volck in folchen Kriegen Schaden nehme, folchen allen foll der genante felbft tragen und ide, und darum Fein Förderung gegen den andern has ben noch thun, in Feine Weife, und wurde in ſolchen Kriegen icht Schloß eins oder mehr ‚gervonnen, in welches genanten Fuͤrſten Lande das geichehe, und darin oder auſſer Landes . ‚were gelegen, demfelben dem man dan Folge thut, follen ſolche Schloß in des Lande fie lies ‚gen, oder auffer Sandes bleiben, uneinjprechlid von dem andern Fuͤrſten und feinen Erben und Erbnehmen, ohn gefehrde. AR | = Wenn auch bey den obgenanten unfere Brüder ihr Erben oder Erbnehmen, einer dem andern zu Dienfte, oder in ihr beyder Gefchäffte und Sachen, zu Felde fomme, was fie den gefangen, gewonnen, diefelbe gefangen, -follen unter ihnen getheilet werden nach Ans ‚zahl gewapender Leute. Es follen aud) der obgenanten unſer Bruder Feiner noch Ihre Erben, fein Schloß, Stadt over Guͤther auf einen Falle nicht vorfegen, in feine Weife ondern allezeit, ob es zu einem olchem feme, ewige Loͤſung der Herfchaffe daran bes San: oder das zu fode und vorfauffen. ; BEN TTS Mere auch, daß der obgenanten unfer Brüder ihr einer, welcher das were, oder ihre ‚erben, Schloß, Städte oder Güther, wie die genant weren, veriauffen wolt, dieſel⸗ ben Schloß, Städte oder Gücher foll er vor das KRauffziele, ein halb Jahr dem andern ‚Herren anbieten. Wolte den der ander Herren unfer Bruder, oder feine Erben, fo viel Geldes al andere Leuthe, drum geben, fo ſoll er ihm oder feinen Erben, deſſelben Kaufs für andern Leuthen günnen; wen auch Die vorgenante Zeit des Kauffs vorgangen were, “alß obgefchrieben ſtehet, und zu jeglicher Zeit der ander Bruder, zu den Schloßen, Städ« ten oder Güthern, er oder feine Erben, mit Kauff, mit Gelde alß obgefchrieben ift, nicht Fommen möchte, darnach der andere ehegejchriebene Bruder der alſo vorfauffen mufte, ‚oder jeine Erben Schloß, Stadt oder Guͤther, wenn er wolte vorfauffen; wolte auch ein Theil den andern nicht Borwiffen, er verkaufft ihn zu Schaden oder Unwillen, daſſelbe ſoll der da vorfaufft mit den rechten beiveijen, Daß ihne Noth darzu Dringe, daß er vor. Eauffen müfte, ohn allerley gefehrde. Were auch, daß der ehegenanter unfer Bruder Fridrich und Fridrich einer abging, und Söhne einen oder mehr hinder ihm nicht ließe, oder ob er Söhne ließe, gingen dan diefelben Söhne er. ab, alfo daß fie Erben männlis es Sande und Leute, und alle Guͤ— ther, wie die genandt, oder mo die gelegen feyn, auff den andern unfern obgenanten ges blieben Bruder und feine Erben gefallen und erben, die der oder die abgangen gelaffen has ben, von ung, unferen Erben und männiglich ungehindert, und uneinfprechlich ohn alles Gefehrde. sieffe auch derfelbe abgangene unfer Bruder, Töchter hinder ihm, und nicht Söhne, fo vorgefchrieben fteher, diefelben Töchter foll der 'genante unfer lieben Bruder, oder feine Erben, als ob es dazu feme, getreulich alß fein felbft Töchter oder Schweſter berathen und beftalten, ohn Gefehrde und Argeliſt Were aud), daß die genanten unfre | | 6598 3 | Bruͤ⸗ 606 Anhang von einigen zum vorigen Bande . Brüder, ihr einer oder Sie beyde, ‚oder ihre Erben, Töchter gewoͤnnen, und ihr einer oder * welcher unter ihnen, ſolche feine Töchter eine oder mehr, alle dieweil er noch ſelbſt im Le⸗ ben were, felbft berachen und beftalten wolt, zu der heyl. ehe, fo foll doch ihr einer, feiner Toͤchter einer, zu folcher ehelichen Beratdung und Beſtaltung über ri fl. Reinifcher Lan⸗ des were, nicht geben, achten noch vorfchreiben, umb des Willen, daß die Herrfchafft defto minder damit beichiverer und entrennet Dürffte werden, Auch welcher der obgenanten une ' fer Brüder einer, oder fie.beyde, oder ihre Erben fein ſelbſt, oder feines abgangenen Bru⸗ der Tochter eine oder mehr zu der heyl. Ehe berathen, außgeben und beſtalten würde, der ſoll von ihr und auch von ihrem ehrlichen Gemahl, dem Sie gegeben und zugepüger würs de, redlich vorzeichung Brieffe, mit bewerten infiegel, fo offt daß Noch geſchicht, fordern und nehmen, ebe fie ehelich beyichiaffen, ohn alles Gefehrde. Were auch daß die genanten unfer Bruder Fridrich und Fridrich biyde ohne menliche geibes Erben mit Tode abgins ‚gen, fo follen alßven die obyefchrichene Lande der Marck zu Brandenbl. mit famt der Chur und Wirdigfeit und Zugehörungen, auff ung Mor. Fohanfen und Mir. Mbreht und unfere menliche Leibes Erben, alß jegund die Lande zu Sranden und auf dem Bir« ge zugetheilet find, kommen und gefallen, von menniglid) ungehindert, auch folles desglei⸗ hen in obbefchriebenes Maffe mit den fellen der Lande zu Srancfen, und auf den Bir alfo auch gehalten werben, | | ee Und auf das follen und wollen die obgenante Brüder Fridrich und Fridrich und wier Johans und Albrecht, alle Mgrafen zu Brandenburg ıc. alle ihr.und unier mänliche us Seibes Erben, welche dan zu Zeiten im Leben jeyn, alle ihre und unfere gande, Herrlichkeit, i Gürher, Wildbahn, Gleid, Zölle, Geraht Pan, und anders, fämtlich zu Sehen empfahen, von dem Reiche, oder von weme die zu Lehen.rühren, und in ungejonderten Lehenen ſitze und bleiben: doch daß es mit den Fällen, zwifchen den genanten unfern Brudern und ih⸗ ren Erben gehalten werde, wie ob geſchrieben jtehet, ohn alles Gefehrde.. Auch follen die obgenanten unfer Brüder und wier, ihr und unfre Erben, ein jegli- cher fich fchreiben, Mor. zu Brandenburg und Burggr. zu Nürnberg, und auch die Was pen von den fanden, in Schilden, Helmen, Panern und Inſiegeln ſetzen, führen und ges brauchen. Und welcher zu Zeit. die Chure hat, der fol fi) einen Churfürften und des heyl. R. R. Ergcämmerer ſchreiben, und die genanten unfere Brüder Fridrich und Fri⸗ Drich, und wir Johanns und Albrecht, follen noch wollen mit niemands Eeinerley Bünde niffe eingehen, e8 fein dan die andern Brüder und ihre Erben darin auch begriffen, wol ten aber folche in folcher Buͤndniſſe nicht feyn, welcher fich den verbinder, der follin ſolcher Buͤndniſſe aflezeit, die andern feine Brüder, ihre Erben Sand undgeute außnehmen, wie der die nicht zu feyn, zu thun nod) zu belffen, in Feine Weiſe, ohn Gerebede .- Auch fol der ehegeuanten unſer ‘Brüder Feiner, feinen groffen nahmhafften Krieg noch merckliche Sache nicht anfahen noch machen, ohne Rath und Wiſſen des andern feines Bruders, es were den daß ihr einer zu Friegen genoͤthiget würde, fo mag er fich wehren und aufhalten nad) feiner Northurfft, dazu ihm den der andere fein Bruder inobgefchriee bener maffen helffen follen, ohne Wiederrede und Gefehrde. 2 L Es follen aud) die ehegenanten unjer Brüder und ihre Erben zu febben und Pi od nicht kommen; und ob fie nun zu fpähnen und zwietracht kaͤmen, ſo foll ihr jeglicher zwey feiner Raͤthe darzu geben und ordnen und Die alfzeir, fo offt daB Noth gefchicht, jen Rathenaw zu tagen ſchicken; und möchten fich die viere nicht geeinen , fo ſoll und mag jeglicher unfer obgenanten Brüder und ihre Erben einen Obman, auß des andern unfers 2E h Bru⸗ J — er re te > gehörigen erheblichen Urkunden. 607 Bruder oder feiner Erben Käthe Fiefen nehmen, und was dan die fünf oder der mehrer Theil under ihnen um folche ihre Spen und Zwietracht, nad) klage und Antwort im Rech⸗ gen erkennen nnd ausfprechen, ob fie ſich fonft gütlich nicht vertragen mügen, darbey foll es alßden bleiben, und von ihn und ihren Erben in obgeichriebener maße alfo gehalten werben ‚um des Willen, daß fie nichts zu beyderfeits zu Zwitracht, Angreiffung und Be⸗ ſcheidung kommen bedürfen, ohn Gefehrde. Auch ob der obgenanten unfer Bruder eins. Ritter oder Knecht, Man oder Unterthan,'geiftlich oder weltlich, binnen oder aüffer Lan⸗ des gefeßen, zu dem andern Herrn, oder zu feinen Ritter, Knechten oder Unterthanen, geiſtl. oder weltlichen Perfonen, zu Sprechen gewonnen, fo follen fich Ritter, Knecht und Man, wen dem andern Herren und feinen Rittern, Knecht und Mannen, vor deßelben ehrbahren Räthen, an Rechte begnügen laßen. Wäre es aber gegen feinen Unterthanen, ger und Baur ober geiftl. Perfonen, von den foll man ſich an Nechte bemigen laffen, an den’ Stadten und in den Gerichten, darin ein jederman geſeſſen und die geiftlichen do ‚fie des billig feyn, und folches nicht. ferrer ziehen, noch zu feinem Umwillen oder Feindſchafft darum zu kommen in Feine Weife. Were es aber’gegen einer gemeinen Stadt, von der ſoll man ſich an Rechte benügen laffen, vor ihren Herren und feinen erbahren Raͤthen, und uͤber ſolch ebgefchriebene Aufträge fol fein Herre des andern Herren unterthanen, . noch geiftlich oder weltlich, im Lande oder auffer Landes geſeſſen, nicht vergemwaltigen oder verunrechten ohn alles Gefehrde. Auch haben wier beredt, daß unfer obgenanter Bruder oder ihre Erben, ihr feiner dem andern nad) feinen Schlöffern, Stadten, Landen oder Leu⸗ een niche ſtellen, oder in feinen Gefehrde oder wieder des andern Willen, und ihm zu Schaden die nicht einnehmen foll, fondern es foll ihr jeglicher der andern Lande, Leuthe und Gürher, getreulig und fleißiglich fügen, fehirmen und handhaben alß fein eigen Land, Leu⸗ the und Guͤther, fo offt daß Noth geſchicht ohn alles Gefehrde, 7% Auch ſollen die ehegenante unfer Bruder und ihre Erben ‚einander gefreulich und, fleißiglich foͤrdern, und ihr einer den andern nicht hindern, weder mit Worten noch mit, Werden, heimlich noch offenbahr, fondern ob ihr einem icht aufferſteen wolte, darzu ſoll einer Dem andern getreulich beholffen, gerathen und fuͤrderlich fenn, gleicher Weife alß ob es ihm felbit zuftehen ſolte, ohn Gefehrde. Auch ob fich das mecht, wie das feme, daß. die obgenanten uniere Brüder, jemands, wer der were, von ihren obgefchriebenen Landen und Fuͤrſtenthume, oder allen-andern ihren Landen und Leuthen, mo fie die jegund haben, oder fürder geroinnen mögen, oder vor ihren Gerechtigfeiten, Würden und innehabenden „ Güthern, dringen oder noͤthigen wolt, dazu follen fie alle ihre Erben und Erbnehmen ans einander mit gangen Treuen beholffen, beyitandig und gerathen feyn, daß ihr jeglicher das bey bleibe, ohn alles Gefehrde. Auch um Lehen Bücher, Regifter und Schulvbücher, die ſoll man alle abfehreiben, und jeglichen Herren der eine Abfchriffe geben, daß ein jeglicher daben bleibe, das ihm zugeböret, Er - Auch follen alle gemeine Briefe zu dem Landen der Marcke gebörend, zu Branden⸗ burg, auff der Borgef, oder wo unfern Bruder Mgr. Fridrichen dem Eltern, das aller ebenft und bequerneft beduͤnckt ſeyn und bleiben, zu ewigen Zeiten, doch daß man den ans dern Herrn der Altemarck der Vidimus gebe, unter des Reichs Hoff Gerichts Inſiegel, oder ſonſt unter bewehrten Inſiegeln. Were aber, daß der Herre der Alte Marck over feine Erben, folcher Briefe allezeit zus ihrer Notthurfft leihen und fehicken, doch wen er oder feine Erben die genußt haben, fo follen Sie dielelben Briefe zu Stund wieder indie Beheltnife, darauß mar fie genommen ſchicken und antworten, unvorzögentlich, ohn alles Gefehede, und was bejondere Briefe zu jegliches Landen gehören, die foll und mag * jeg⸗ 3 } licher doß Anhang von einigen zum porigen Bande Hicyer ſelbſt behalten nach feiner Notthurfft und beſten, wie ipmgußbednidter;-andfolt alles Heiligehum und die Gefeße von Goloe, Silber und andern, darin das Heiligehum mit Zierheit gemacht, und jegund mit den Schloſſe und Stiffte zu Tangermunde ift, und hinfuͤhro darauff fomme, oder gemacht wuͤrde, auch alle Meßgewand, Bücher und andere Zier heit görtliches Dienſts daſelbſt, nu auff den Schloße und Stiffte zu Tangermunde und Beheltniffe, ewiglich bleiben, unverruͤckt und unverftöret, der Herrfchafftrund demsan« de zu ehren und zu Würde. Und ſoll ähnen allen gemein feyn, ohn alles Gefehrdes, Auch foll unfern Bruder Marckgraff Friedrich den ‘eltern Die Sandeberhe im, dr Neu Marck und ihren obgefchriebenen Zuſchlegen und. desgleichen unferm Bruder Mars Fridrichen dem jüngern die Landtbethe in der alten Marck und Prignitz, fo ihm die. am negften iſt, zugefagt, und die ihm hinfuͤrbas zugeſaget werden, außnehmen, einervonden andern ungehindert, Es follen auch Die: obgerianten unſere Brüder: Fridrich und Fri⸗ a drich figen und bleiben, in ſolcher Huldnuͤs mit allen ihren Sanden und Leuten als fie-biße hero gethau und. gefeffen haben, ohn gefehrde. Auch follen die obgenanten unfere Br dere und ihre Erben und Erbnehmen einer dem andern Quitbriefe nach Redligkeit und Notthurfftigkeit zu Orbethen oder andern Sachen geben. e Eee Was aud) jeglicher unfer obbenanten Bruder oder Ihre Erben oder Erben, nad) diefer Sagung und Ordnung Schulden machen würdet, die follen dem andern unfern Bru⸗ der und feinen Erben unſchaͤdlich ſeyn, und der ſie macht, er oder feine Erben, ſoll die ſelbſt bezahlen und außrichten ohn Gefehrde. Ob auch der obgenanten unfer Brüder eis ner oder fie beyde oder ihre Erben zu ihren Landen, die ihm alfo zugeordnet ſeyn, ichts fauffen, gewinnen oder fonft zu fich bringen würden, dieſelben gewonnen, gefaufften und zugebrachten Schloß, Stadte, tande oder was Das were, follen dem Herren, der fie alfo zu ihm gebracht hat, und feinem Leibs Erben und Erbnehmen, bleiben, ungehindert von dem andern Bruder und feinen Erben, gänglich ohn alles Gefehrde, Anfprach und ohn alle Vorkummerniſſe. Es ſollen auch unſer obgenanten Bruder ihr keiner, noch Ihre Erben, Feine Lehen Guͤther, keinen Geiſtlichen, Edelleuten, oder Bürgern noch andern nicht vereigenen ohn Willen und Willen des andern unfers Bruders oder feine: Erben, ohn alles Gefehrde. — ee Were auch, daß derfelben unfer Brüder einer Yhre Erben, welcher der were, eini« gerley Gefcheffte oder Gemechte chun würde, die die oben gefchrieben Gefcheffte, Gemech⸗ te oder Ordnung eins oder mehr in eingerley Weife verrückten oder krencken möchten, Dies felben nach gethan Gefcheffte follen Feine macht noch Frafft haben nach gewinnen, weder mit Gerichte noch ohn Gerichte, geiftlichen noch weltlichen in der Weife, fondern diefe ob» gefchriebene Gefcheffte, Ordnung Gemechte und Verbund niſſe, follen in ihren mechten und Kräfften feftiglich beftehen und bleiben , alß fie in diefen Briefe ‚begriffen feyn und: ges fhrieben ftehen ohn alles gefehrde. z La ee Auch haben wier beredet und betheidinget, daß die Theilung Drönung und Sa: Hung, die den der obgemante unfer lieber Herre und Vater Marck Graff Fridrich ſehl, zwifchen den obgenanten unfern Brudern Mar Graff Friedrich den Eltern und Mark Graff Friedrich den Juͤngern gefagt, gerhan und verſchrieben hat, gang abgethan ſolle fenn, und fürder, von ihm ihren Erben und Erbnehmen nicht fuͤrgezogen noch gebraucht foll werden, in Feine Weife, fondern es foll nun fürder bey ter obgeichriebenen Satzung und Ordnung bleiben, Die wir den zwifchen den obgenanten unfern Brüdern, ihren Erben und Erbnehmen in diefen Briefe gefaßt, betheidinger und verfchrieben haben, ohn alles gefehrde, Und das alles wie. oben. gefchrieben ſtehet und begriffen iſt, zu einem wahren N Uhr⸗ Sehdrigen erheblichen Ihfunden. 609 Uhrkunde, Haben wier obgenante Mark Graf Johans und Mark Graff Albrecht alß Theidingsleythe unfere Inſiegel wiſſentlich an dieſen Briefe henfen laffen. Geben zu Mühlhaufen, nach Ehrifti Geburth vierzehen Hundert Jahre, und darnach im fieben und vierzigiten Jahre, am Sonnabend nach des Heil. Ereüstags Erhöhung. $. 246. Ich George von Stein zu Goßen, Koͤniglicher Anwald in Nieder -Schlefien, Entſcheid zu zu Schweinitz, Hauptmann in Dberzund Nieder» Laufenig Voigt. Entbiethe den Camenz me > ehrbaren, wollmüthigen und ehrfamen ‚ weilen, nahmhaften Burgermeifter, Rarhman. 3" Croſſen. nen und gantzer Gemeine der Weichbilde und Städte Croßen und Bobersberg mei⸗ 00% ee —— uff den Tag zu Camentz durch die Raͤthe der Bollmachten Hochgebobrnen Fuͤrſten und Herrn; Herrn Ernft Churfürft und. Albrecht, Gebrüder, Hergogen zu Sachſen, Sandgraffen in Thüringen und mid) Georgen von Stein, als Königl. Ans - wald, zeither der Herrfchafft zu Brandenburg und Hergog Hanfen unter andern befes Dinge ift, daß Hergog Hanf, die fo ihm verwandt ſeyn, der Ende und Pflicht erlafe fen, desgleichen Die Herrichafft zu Brandenburg, die fo ihm verrvande feyn, auch thun “poll, - Und dann alle Koͤnigl. Mayt. Erbhuldigunge thun, und nach der Erbhuldigung an die Hereichafft zu Brandenburg auf einen Wiederfauf follen geweifet werden, und darauf fertige ih den Edlen Wohlgebl. Herrn Abraham y Burggraf zu Düringen, in vollkomner Mache, ſolche Erbhuldigung zu empfahen, und an ſtatt Königl, Mayt. uffs - Zunehmen, und auch an der Herrichaffe zu Brandenburg auf einen rechten Wiederfauf zu weifen, und fo ihr in obgefchriebener Weiſe der Eyde und Pflüchte erlaffen werde, aud) die Erbhuldigung Koͤnigl. Maytt gethan Hat, und audy der genandte Herr Abra- - ham an die Herefhafft zu Brandenburg auf einen Wiederfauf weifen würde, foller ihr ihm an ſtatt König. Mayt. gehorfam feyn, ſaͤmtlich felber in eigener Perfohn als Kös higl. Anwaldt fegenwärtig wäre, — Zu Urkund mit meinen Händen ufgedruckten Inſiegel verſiegelt. Gegeben zu Gu⸗ ben am Mittwoch nach Hyronimi Anno Domini 1482. | — he 1247 | WWir Johannes von & G. Biſchof zu Meißen, Dieterich von Schoͤnbeck, In eben der Ä Be ‚ Heinrich von Miltig Ritter, Yoh. v. Pack beider rechten Doctor und Ni⸗ fache. = tel von Käckeriß zu Wehlen, Rathe und Sendbothen des Durchlaucht. und Hochgebl. Fürften und Seren Hrn. Ernft, des Heil. Roͤml. Reichs Ertz⸗ Marrſchall und Chur fürften, und Herr Albrecht, Gebrüdere, Hergögen zu Sachſen, Landgrafen zu Dos fingen und Marggrafen zu Meißen ꝛc. unfern gnädigen Herrn, itzund her auf den Tag gen Camentz geſchickt zc. befennen und thun oͤffentlich mie dieſem Brief, daß wir aus fenderlichen Befehl, Gewalt und an ftatt unferer gnädigen Herrn in Beyweſen und Vollwort des Edlen Herrn Georgen von Stein, Heren zu Gofen, König. Anwald in Schlefien , Ober⸗ und Nieder »Laufiß Boige, von der Spein, zroytracht und Feh- de, wegen der damaligen Hochgebl. Fürftin, Frau Barbara, vormalen Königin in Boͤhmen, gebl. Marggräfin zu Brandenbl. und Hersogin zu Schlefien, Herr Al brecht Marggrafen zu Brandenbl. Churfürften, Herr Johanſen und Herr Friederi⸗ ‚en feine Söhne auch Marggrafen zu Brandenbl. zu Stettin, Pommern, der Caſ— fuben und Wenden Hergogen, Burggrafen zu Nürnberg und Fürften zu Nügen in P.slla. preuß. Gefh.3 Th. Hhhh Kegen⸗ 60°. Anhang-von einigen zum vorigen Bande Kegenwärtigfeit, vollwarten, wiflen und willen, Ihr Gnaden Vollmächrigen Sendber - ten und Raͤthen, nemlicy des Ehrwuͤrdigen in GOtt Bater, Herren und Reichs» Büihöfe fen, zu Lybuß Cantzlers des Wohlgebl, und Edlen Herrn Hanfen Braun von-Linday, Hr. zu Ruppin und Möckern, und des Edlen Herrn Otten Schenefen von Landsburg, Herrn zuin Tewoppck und Sydow des würdigen Herrn Eroßmanns Brandberger, Hrobſt zu Berlin, Herren Boßen von Alvensleben, Ritter Obermarfchall, und Siege mund vor Rottenburg, Sandooige zu Cottbuß, und Herr Liberius von Schlieben, Do⸗ ctor, Hannfen Gabelens und Albrecht-von Lipzk, Hauptmann zu Peitz, an einen, und den Hochgebl Fuͤrſten, Heren Johannſen Hertzogen in Schlefien und. von Sagan zu ° Croßen, Glogau, Freyſtadt 2. in Kegenwärtigfeit, vollwort, Willen feiner vollmach ⸗ tigen & .ndvoryen und Rathen, nehmlid) Herrn Apitius Calo, geiſtl. Rechte Licentiat, Cantzler Bernhard Gerſinck, Hofmeiſter, Hyeronimus Breytar Burgermeiſter und Johann Kappel Stadt⸗Schreiber zu Großen. Glogau am andern Theil betedingt, be ſprochen und ewig, bericht gemacht. haben, inmaßen wie hernach folgzt: Zam erſten, daß alle Fehde, Spein, Zwytracht und Krieg gantz aufgehoben und . abſeyn fürder eine Parthey Die. ander,mit den ihren getreulich meyne, frieden und freunde j lich halte, Feinen des andern Feind oder Befchädiger Hinforg mehr häufen, herbergen, noch feinen Vorſchub thun follen. Dergleichen auch zwifchen der Königl, Maytt. und | Marggrafen Johanſen gehalten fol werden, laut der. Berfchreibung gegeneinander zu . f Dlinis gegeben. Und nachdem ſich vorberührter Krieg und Speen, von wegen der Ge⸗ j rechtigkeit der gengndten unfer gnaͤdigen Frauen Barbara ꝛc. Weyland. Hergog Heine richs Seel. Ehel. Gemahl erftanden, begeben, und darum uff funfzigtaufend Ungar. Gul ⸗ den durch den Durchlauchtigen Färften und Herrn, Herrn Matthias, zu Hungarn; { Böhmen, Dalmatien, Eroatien Königen damit zu vergnügen, betediger und befpros °— chen , inmaſſen Koͤnigl. Briefe und Siegel darüber gegeben ausweißt, daß die genandf, unſer guädigen Zrauen und Herren Fr. Barbara ꝛc. Herr Albrecht Churfürften, Herr Hanf ımd Herr Friederich, ihres Vatern, Gebrüdern und ihre Erben, Marggraf zu Brandenburg, der Städte, Schloß, Weichbilde und. Laͤndgen, nehmlich Eroffen Schloß und Stadt mit famt dem Babersbergfchen Ländgen Zuͤllich, Schloß und Stade, Som merfeldt Schloß und Stadt mit famt aller Verichreibung, Brieffen und Siegel, Gerede tigkeit, die Hergog Hanf daran hat, mit allen und jeglichen ihren Zugehörungen, Marck⸗ ten, Dörffern, Borwerdern, Mühlen, Waßern, Seen, Fiſchereyen, Mannfchafften, Lehnſchafften, Geift-nnd Weltl, Gerichten, Dienften, Pflichten, Zollen, Geleiten zu Waßer und Sande, Wildbahn, mit aller andern Herrlichkeiten, Gerechtigkeit, Nutzbar⸗ keit, gar nichts ausgenommen, von dem Durchlauchtigften Fürften und Herren, Heren Matthias zu Ungarn und zu Böhmen Königs, an feiner Gnaden Erben und Nachkom⸗ men, Königen zu Ungarn und Boͤhmen, im Nahmen eines rechten Wiederfaufs, wie Mienerfaufsrecht und Gewohnheit it, ihme folche vorberührte. funfzig taufend Gulden Hungarifch, ohne allermännigliche SHinderniße und Intrag, Dieweil ihm diefelbe 0000 Gulden Ungariſch niche zur Genüge bezahfee und gegeben werden, mit Huldigunge ein» - nehmen, inne haben, befigen, genießen und nad) ihrem beften und. bequemften gebraus chen follen und mögen, ohne feiner andern Meynung, - anders dann wie die vorgenandfe Heerſchafft das gebraucht und gehalten habe, Doch foll unfer gnädigen Frauen und Heren - son Brandenburg verfchaffen, daß die von Croßen Rönigl. Maytt. Erbhuldigung wies - derum an die Hereſchafft zu Brandenburg auf einen rechten Wiederfauf geweifer were ⸗ den, Und want dee Durchl. Fuͤrſt und. Here, Herr Matthias zu Ungarn und B wg, nn gehbrigen. erheblichen. Urkunden. 6 . Rönig, oder-feiner Gnaden Erben und Nachkommen, Könige zu Böhmen, ſolche Staͤd⸗ 10, Schlöffer, Weichbilde und Ländchem; alles wie berührer , wieder abkaufen wolt, und die Haupt: Summa, nach lauf der Briefe, mit den betagten, verſeßenen, binterftelligen Zinfen. Der genandten Sr. Barbara ihren Batern Gebrüdern und ihren Erben Margs grafen zu Brandenburg zur Genuͤge ausgerichtet und bezahlt hat, welche Bezahlung zu . Eroßen oder Franckforth der eine geſchehen fall, alsdenn unt- nicht ehe folfen die genand» te Fuͤrſtin und Fuͤrſten und ihre Erben Marggrafen zu Brandenburg dem gemeldeten unſern gnädigften Herrn und Könige zu. Böhmen Erben‘, Nachkommen, oder wenn er zu Zeiten einem Könige zu Böhmen zu geben werde), die obgenandte Schloß, Städte, Weichbilde und Laͤndchen mir allen Zuhoͤrungen ohn alle Jurede und Wiederfprechen abs treten und überantworten, fo foldye Ablöfung geichehen foll, und genen einander verbun« digt werde; Alsdenn foll Die vorgenandte Fuͤrſtin und. Fürften von Brandenburg die ges ſchickten von der Ablölung von der Freyſtadt bis gen Eroßen, und von Eroßen wieders um bis’ gen dev Freyſtadt geleiten, und jo jolche geſchehe und ufgenommen wird, alsdenn ſoll Koͤnigl. Mayer. diejenigen, die die Bezahlung ufnehmen, mit ſamt dem Gelde biß ges gen Sranckfurth geleiten. Dieweil aber ſolch Wiederkauf und vollfommene Bezahlung und Bergnügung, wie obberühree, nicht geſchehen, follen die Inwohner Geiſt- und Weltl, erbare Bürger und Bauer zu folchen Städten, Schlößern, Weichbilden und Ländchen, gehörende der genandten Frauen Barbara ıc. Here Albrecht, Chur» Zürften, Herr Jo⸗ zu. und Friederichen, ihres Batern, Gebrüdere, und ihren Erben Marggrafen zu t vandenburg alle Wege gehorſahm und mit allen Sachen Wiederfaufg Weile gewär- ‚tig ſeyn, fich von ihnen nicht fegen noc) wenden, fondern fich halten und thun ſollen. - Darauf doch niemand anders mir Dienfteninachfolge, oder mit einerley andern Sachen und Belchwerungen beladen und bezwungen werde, und damit der Erbhuldigunge ‚Dies weil ſolch Wiederkauf nicht gefchicht , entbunden feyn. Ferner ift auch betediger „daß bey» den Theilen auf Dienftag nach Michaelis nehftfommen, zuguten zu fommen, gefchickt, die nechſten Tage hernach Die obgenandten Laͤndchen, Schloß» und Städfe, wie oben be, rührer, mit.allen und jeglichen Nuß bey und Zuhoͤrunge, unfer gnädigen Frauen, Frauen Barbaren ihrer Gnaden, unter Herr Albrechten Ehurfürften, Heren Johanſen und Herr Friederichen und ihrer Erben Marggrafen zu Brandenburg, oder wenn fie folche einzubeben und Huldunge zu empfahen bejehlen, von Herr George von Stain ꝛc. Koͤ⸗ nigi Anwald an ſtatt der Koͤnigl. Majeftät und auch von Herzog Hanfen wegen inzus nehmen, überanrworten, Huldunge thun laffen. Auch der Hochgebohrne Fuͤrſt Herzog ‚Hanf an die genandte Schloͤßer, Städte, Laͤndchen, Zinß, Renten und alien Zuboruns ‚gen, wie vorberühret ift, Gerechtigkeit hatte over haben möchte, ſich gaͤntzlich verzeihen, und aller Huldigunge ihm von derfelbigen Unterhänigen geſchehen zü verlaßen, und uf - den genandten Tag zu Sommerfeldt foll ver Königliche Anwald Herr von &tein geichiekt, und in feiner Gewalt haben, einen jeglichen beyder Partheyen der feinen unbeweglichen Guͤthern zweifften entwehret wäre, ihm des wieder mit Abitellung Ungnad der Herrſchafft in zugeben und’ zu überantworten. Desgl follen die Marggrafl. Anwalden vollen Macht und Befehls haben, alle Gefangene in diefen zwölf Dagen, fie feynd in unfers Herrn Marggrafen, oder der feinen Handen beſtrickt, die Sache ritterlich nach Erkaͤndtniß uns fer Gnädigften Heren von Sachfen in ihren Gefängniß gehalten, und nicht geſtadt zu feyn, und die gefhäßt feyn, und Schatzung nicht geben, ohne Schatzung, ledig und loß Anftatt unjer gnädigen Herren zu Brandenb. zu fagen, dergleichen in alle Maaße, wie itzund gemeldr, von Herzog Hanfen Anwaldten auch geſchehen foll, doch alſo, daß ein WR | ar TE jegli — 612 Anhang einiger erheblicher Urkunden zum vorigen Bande. jeglicher Gefangener, ehe denn er loß gezehlet wird, wo er den Wirthen des Legers Stel⸗ fung ſchuldig blieben wäre, zuvor ihr vergnuͤgen. Auch ob jemand an folder Loßſagung nicht Genüge haben will, jo foll unter gnäviger Herr Marggraf Johans, wenn er er— ſucht wird , fie jelber mit Hand und Munde loßfagen, auch toll er George von Stein, Herr zu Goßen, Königlicdyen Anwald, über den Vertrag und Betedung, wie vorſtehet, Konigl. Beribreibung, nach Inhalt einer übergebenen Notul der genandten Hochgebohrs nen Fuͤrſtin und Zürften, zwiſchen hie und Weynachten nachkommend von unfern gnaͤ⸗ digſten Herrn den Koͤnig zu Ungarn. und Böhmen ꝛc. des Dorffs Halben Geren ges nandt, Das Herzog Hank Greger unwuͤrden dus: vermeinter Gerechtigkeit, die er zu den Boberbergiſchen Landchen haben ſollt, geliehen und gegeben hat, und unfer gnädiger Herre der Marggraff geſchickten Raͤthe, Das ihn zu freyen vermeint wären, darum ſich denn diefe Tage und Sadje eine Richtunge hart wollen einigen , uf daß aber, daß forder Krieg und Wiederwilte den zuverſichtiglich daraus erwachfen möchte, vermieden bliebe, haben wir uns vom wegen U. G. H H. von Sachſen ſechshundert Gulden, desgleichen den Edten Heren George von Stein, Königlichen Anwald, 400 Gulden dazu geben ver williget, daß noir dem uf ſolchen Tag zu Sommerfeld zu thun geloben und zu fagen, doch jeder Theil der Parthey des am feine Herrſchafft gelangen laßen, zu verfuchen, die Su" “chen bequemlicher Weife zu entrichten. Es ift auch beredt, daß der Zinß iegt weder uf Michaelis vertäger, den Hauprleuten, die das Schloß inne gehabt, folgen ſollen, und die gnädige Herrn die Marggrafen follen auch Königlicher Majeſtaͤt oder feinen Anwald⸗ ten alle Regifter, Briefe und Privilegia, die fie haben, diefelbige Herrſchafft und Land belangende, laut des Bedings zu Öllmüßrgefchehen, übergeben. Es waren vielerley Ber fehreibung oder Privilegien, die unfer gnädige Herren den Marggrafen zu folchen einge» gebenen Schlößern und Städten behörende wären, die follen fie mit Willen die Röniglis che Majeftät oder feiner Gnaden Anwaldt bis zur Yuslöfung inne halten, und darauf foll Marggraf Zohannes Herzog Hanfen, und wiederum Herzog Hanf, Marggraf Hanſen, laut der Notel, gegen einander abgericht bemeldete Briefe gegeben , und follen ‚damit alle Parthin diefen Dingen verwandt aller Speen, Zwietracht, Irrens und Une willen gang und gar nicht und entfchieden feyn. * — Zu Urkund haben wir Johannes, Biſchoff zu Meißen, unſer Inſiegel, das wir andern unſern gnaͤdigen Herrn von Sachſen geſchickten nit gebrauchen, und ich Herr rt George von Stein, Herr zu Goßen, Konigl. Majeftat Anwald, auch mein Inſiegel wiſſentlich an Diefen "Brief gehangen. Geſchehen zu Camentz nach GOttes Geburth MCECC und darnad) im zwey und achzigften Jahre., BR an Ze — ——— ER & Vom fife Zum Beſchluß diefes Bandes muß ich noch von einer Nachricht Gebrauch machen, Brandenburg die ich fo eben erhalten habe. Der in der Gefchichte des Baterlandes fehrgefchickte Hear iſt eine gute Gercken wird uns eine eigene Stiftegefhichte vom Biſchofthum Brandenburg -liefern, gerbihte zu und felbige mit einigen hundert meiftens noch ungedruckten Urfunden-ermeifen. Es wa hoffen. ve: mir. frenlich lieber gewefen, wenn ich. folche in dieſem Theil bereits hätte brauchen fon sen; da folches aber nicht moͤglich, ſo will ich zum voraus Diejenigen meiner Leſer, wel⸗ de vom Biſchofthum Brandenburg ausführlich und genauunterrichter feyu wollen? auf dieſes Werf verweifen, Die Arbeiten des Heren Gercken preilen.. fih felbft. an. ER Br Regiſter & 2. gehen, Keichsftadt, Unruhen daſelbſt 244. kaiſerliches Urtheil darüber 278, evangeli⸗ ſche Vorſtellungen dagegen’ 279. es wird gegen dieſe Stadt die Acht vollzogen 367. daſelbſt bdekommen die Proteſtanten wieder die Oberhand 9. fie verlieren aber auch wieder alle ihre Reli⸗ gi J—— st 530 Mecife wird in Falkenburg eingeführet ‚138 Achtoerklaͤrung gegen die Stadt Braunſchweig wir: ©; tet Herzog Julius vom BIN aus 21528 Adiaphoriſten fommen au 10 Agricola, Johann, Churfürft Joachims 2 Oberhof: prediger 53. 58- defien Streitigkeiten mit D. fur then sg. widerruft bey den Gislebern feine Ber digungen wider D. Luthern 60. hält die mei- 6: Ken eehefäge des Snterims vor Mitteldinge 110. + ann aber den Beifall der andern Geiftlichen nicht erhalten 200 EA en Yaricola, Stephanus, unterſchreibt die ſchmalkaldi⸗ ſchen 4 { 6 nf Artife Ku von Alba Herzog, Faiferlicher General, behält den Landgrafen von Heſſen zu Halle in Verhaft 103 ‚errichtet das Blutgerichte in den Niederlanden 185 Albrecht, Cardinal und Erzbiſchof von Mainz und Magdeburg, hat die Aufſicht über die Erziehung -..8e8 Churfürften Joachims 2. 5 feine Antwort auf das Schreiben der Proteftanten wegen der. man: waniſchen Kirchenverſammlung ı7 ſtirbt 86° Albreche, Herzog von. Mecklenburg, vertheidiget Coppenhagen gegen Chriſtian 3 wo Albrecht, Herzog von Preufen, nimme die Lehre ..: der Proteftanten art 7 feine Meinung wegen der Vertheidigungsanſtalten der Proteſtanten 17 Ybreche, Maragraf von Baireuch, zieht nebſt dem Churfuͤrſten Mori, von Sachſen gegen den Kai⸗ fr 120. wird im den paſſauiſchen “Frieden einge⸗ ſWloſſen 123 ſetzt Die Unruhen fort 127 führe fich nit dem Kaifer aus i27 fein neuer Krieg 128 ver: ert die Schlacht bey Sievertshauſen 128 auch bey dach der vornehmften Sachen. Braunſchweig 129 wird in die Acht erkläret 124 wird vor allen Seiten angegriffen 137. muß, fein - Land mit den Rücken / anſehen, und: geht nach Frankreich 132 kommt wieder zurück 137 ſtirbt 138 Albvechr, Marggrafzu Brandenburg in Sranfen, deilen Jugendjahre 434 Vergleichung zwifchen ihm und dem Ehurfürften Mori von Sachſen 436 if anfanglich Karls 5 gröfter Freund 440 wird aber ‚fein heftigfter Feind 443 führe in einer Krieges erklaͤrung feine Beſchwerden gegen den Kaiſer an 444 laͤßt ſich mit Frankreich in Verbindung,ein 445 zerfällt auch mit dem Churfürfien Morig von Sachſen 446 feine legten Begebenheiten und Top 445 f. Allein, (fola) ſollen die churfuͤrſtlichen Geſandten Joachims 2 von Worms wieder mitbringen - '- ‚67 Amsdorf, Nicolaus, wird zu Naumburg zum Bir ſchof wider des Domcapituts Willen eingefeßer 78 Anhang, dev erſte von den ehemaligen Biſchoͤfen zu Havelberg 305. der zweite von dem Biſchofthum + Brandenburg 325 der dritte vom Biſchofthum Ler ‚bus 345 von den brandenburgiihen Marggrafen in Franken älterer Linie 419 von einigen zum-vos tigen Bande gehörigen erheblichen Urkunden 595 Anmerkung des Verfaſſers über den deurfchen Krieg des Churfürften Morig von Sachfen gegen den Sailer Carl 5 123 Anna Sydow, mit felbiger hat Churfürft Jog⸗ chim z einen vertraulidien Lingang 2195 Anfage im Reich, Streit darüver wird beigelegt 159 Anfelm, Bilchof von Havelberg; unter ihm verbeſ⸗ fern ſich die Umſtaͤnde des Stifts 309 fuͤhrt den Praͤmonſtratenſerorden in feinem Stifte ein: 310 ſtirbt im Faiferlichen Lager vor Mailand 311 Anwartſchaft des Hauſes Sachſen auf Juͤlich und Cleve wird vom Kaiſer aufgehobn 503 Arbilla, macht viel Lobeserhebungen von dem jun: „gen Churfuͤrſten Joachim 2 5 von Arneburg, Gräfin, natürliche Tochter des Chur: fürften Joachims 2 — Arras, Biſchof, kaiſerlicher Nach, ſoll die meiſte 86663 Schuld 195f. " Regifter | na Shut haben, daß der Landgraf von Heſſen zu halle in’ gefängliche Berhaft genommen worden 104 Yerikel, die ſchmalkaldiſchen werden übergeben“ 16 Afcbhaufen in Sranfen, dafelbjt kommen vie cor⸗ refpondirenden Fuͤrſten zufammen 410 Aufruhr der Bauten in Franken: a“ Aufltand in Berlin Auafpurg, Reichstag dafelbft 113 und 134 ‚der Ya gionsfriede wird dajelbft aeichioflen 135 Auafpurgifehe Glaubensbekantniß, was bey Berle; fung-dejfelben von Seiten Shurbrandendurgs vor Perſonen dabey zugegen geweſen 6 das veränderte: verurſacht groß Aufſehen 141 wer zu den Ber: : wandten deffelben gehöre 142 Auguft Herzog von Sachſen folge feinem Bruder Meorig in der Chur Sachen 128° vergleicht fich mit der erneftinifchen Linie 131 kommt mit einem an; fehnlichen Gefolge nach Derlin 222 heiratet eine Peinzeßin von Anhalt 254. ſtirbt gleich darauf 255 von Aulac, Friedrich, wird in die Acht erklaret 482 B. Baadenſche Angelegenheiten 282 Baſilowitz, Ivan 2, ſchlagt ſich mit feinen Nach barn herum 217 Baurenfrieg in Deutfchland 2 Bautzen, daſelbſt wird der Churfürft Joachim mit dem Herzogthum Croſſen vom roͤmiſchen Koͤnig be⸗ liehen 22 Belagerung der Stadt Magdeburg 114 Bergius, Sohann, feine Erzehlung von der weifien Stau zu Berlin EN 589 ° Berlin ‚_dafif wird ein Domftift errichtet 12. da; ſelbſt nimmt dev Schloßbau feinen Anfang sg wird fortgefeßt, und auch ein Zeughauß und ein Ger baͤude vor das Kammergericht erbauet 82 dafeldft wird ein Confiftorium errichter 85 Wechſelheirat dafelbit 86 daſelbſt laͤßt ſich ein Menfch ohne Arme fehen 86 es wird die Marienfchule angeleget 125 Landtag dafelbft 226 die Domfirche daſelbſt wird den Reformirten übergeben Bertram, Juſtus, Hofzwerg des Churfuͤrſten Io: harın Sigismunds, wird in der Kanes ngar Doms; kirche feierlich beerdiget 584 Beſeſſene zu Frankfurt an der Oder 12 zu se berg in Sachen Befizhabende Fürften der jülichichen Länder treiben die anruͤckenden Eaiferlichen Völker zuruͤck 526 ger rathen in Streitigkeiten mit ver Reichsftadt Cöln 528° 08 brechen unter ihnen felbft Streitigkeiten aus sr theilen fich in die Erbfchaft 57 Bethlehem Babor, Fuͤrſt von Siebenbürgen, nimmt fich der Böhmen an 588 Seylager Herzogs Henrich Julius von Brannfchweig mit einer danifihen Prinzeßin — 266 Brief uͤber den ſtreitigen Punkt wegen Ausnahme des Papſts bey der ernenerten Erbverein der Haͤu⸗ Biſchoͤfe zu Havelberg, wie ſie auf einander — h von Blandenburg, George, wird zum — 5 Feldherrn der Macht des Churfürften JZoahims2 s ernannt ı14 - ihm wird die Verwaltung des Stiftes a Havelberg überlaffen 2% 130. - von Blumenthal, Georg, Biſchof zn Lebus 349 m J ſeiner Zeit wird die Kirchenverbeſſerung in ee I Mark eingeführer. J — Wilhelm, kaiſerlicher Geſandter zu * in — Boͤhmiſche Unruhen 582 f. Verhalten der — nehinſten Proteſtanten in Deutſchland dabey 583 J Boͤhmen erklaͤren ſich wider Ferdinand 586 erwaͤ len Friedrich 5 Churfuͤrſten von der Pfalz * y: Könige T Böhmer orat.'de meritis A; C.in — J Bourbon, die Streitigkeiten diefes Hauſes it dem — von Guiſe 252 f. erſter König von Sranfre 9 mie: dieſem Baufe Astsfrrergi . em Brandenburg, dafelbfi- legt Kaiſer Orto ein geiftlis — yes Stift an 325 die Zeit der Stiftung iſt fireie — tig 326 die Folge der Bifchöfe 326 f. das Biſchof⸗ thum wird auf immer mit dem Churfuͤrſtenthum ‚Brandenburg vereiniger 340 befommt vom Koͤ— nig Friedrich 2 ein beionderes Capiteiereuß 340 Brandınburg, Churhaus, deffen Rechte auf Die julich: und cleviſche Erbſchaft 507 f. ſetzt ſich mit Pfalz Neuburg wider Willen des Kaiſers in Be⸗ fig der ganzen Erbſchaft 522 went ehe es den Eh: rennamen eines Herzogs in * en zu Croffen | angensmimen. : a 38 Brandenburgifche Maragrafen in‘ —— Linie, deren Geſchlechtstafel 419 Friedrich der Stifter derjelben 420 Cafimir fein SohnumdNadie folger 431 aufihn folget Albrecht 434 auf ihn felgt Georg 457 ferner Georg Friedric) 476 Braunſchweig Herzog Henrich wird verjagt 78 behaͤlt beſtaͤndige Gelegenheit, die innerlichen Un⸗ ruhen zum Ausbruch zu bringen 87 wird geſan⸗ gen genommen 88. kommt aus der: Gefangenfihaft zu Kalle an 1o2 verheert das Land um Mander burg 114 buͤßt in der Schlacht bey Sievertshau⸗ ſen feine beyden aͤlteſten Prinzen ein 128 nöthiget feinen Better zu einem Vergleich 129 — nen Feind bis in Franken Braunſchweigiſcher Krieg 78 indet daſelbſt 2 Brentius BETT Breslau, der Rath daſelbſt nimmt die Kirchenver— beſſerung an 459 fer Sachſen, Vrandenburg und Selen 19 Bucerus 62 Buch⸗⸗ TE ao ar $- Bochholser Probft zu Berlin - der vornehmſten "Sachen. Buchholzer, Georg, haͤlt am ı5ten Sontage nach Trinitatis die erſte evangeliche Predigt zu Berlin 48 53 und 54 von Bülow, Dietrich, Bifchof von Lebus, ift bey - Einweihung der hohen Schule zu Frankfurt als Kanzler | 348 Bund, der heilige, wird zu Nürnberg gefchloffen 40 diefem foll, Eraft £aiferlichen Befehls, Bremen beitreten k 42 Burggeafihun Magdeburg, Vertrag darüber 242 €. —— Calender, der gregorianiſche wird eingefuͤhret 245 Calvin, Johann 141 Eammergericht ‚ deffen hartes Detragen gegen die _ - ++ Proteftanten 40 fährt mit feinen Rechtshaͤndeln gegen Bremen fort 47 “ Earl, Herzog von Südermanland, defien Verwal: Ma des Königreichs Schweden 383 behandelt ſei⸗ nen Vetter feindlich 388. wird König von Schwer . Earl 5 römifcher Raifer ift in dem africaniſchen Krie⸗ ge gZluͤcklich ix laßt von Neapel aus ein hartes » Schreiben an die Proteftanten ergehen ı2 bezeigt >. fich, wegen des Krieges mit Frankreich, gelinde ger gen die Proteftanten 16 ſchickt feinen Vicekanzler Zeld nach Deutſchland 16 ſtellt ſich, als wenn ihm die Vermittelung des Churfuͤrſten Idachims 21005 e gen des Neligionsfriedens angenehm jey 38 befta; iget den geſchloſſenen Frankfurter Neligionsfrier den nicht 47 giebt den Reichsabſchied zu Regen⸗ nn ſpurg 67. kommt wegen Geldern mit dem Herzog Wilhelm von Eleve in Streit go langt aus Spa; . en | ſucht die Neichsftande zu einem ‚Kriege mir Frank⸗ weich zu bewegen 83 fehließt mit Dannemarf gFrie⸗ sen 83 ift glücklich wider Frankreich 84 nimmt die naumburgiſche Sache fehr hoch auf 87 bezeigt groß fen Unwillen wegen des-abgebrochenen Neligions: geſpraͤchs go mill die Proteftanten mit Gewalt wieder zum römifchen Glauben bringen 91 erhält . einen Sieg bey Mühlberg 97 will den Churfuͤr⸗ - fien von Sachſen Johann Friedrich enthaupten nv Fr : laffen 98 fommt nad) Halle im Magveburgifchen zor iſi zornig auf dem Landgrafen von Heſſen 103 erfläret die Stadt Magdeburg. in die Reichsacht 205 läßt das Interim aufſetzen 107 verlangt, daß fein Bruder Ferdinand die Würde eines römifchen Königes niederlegen foll 109 fücht das Interim nach aller Strenge durchzutreiben zur kommt nach Augſpurg, und bringt feinen Prinzen den Infan⸗ ten Philipp mit 13 läßt fi vom Churfürften Moritz von Sachfen hintergehen 118 wird beinahe —2 niien zu Genua an 91 zwingt den Herzog von Cle⸗ ve, daß er auf Geldern Verzicht thun muß 98 $ fich mit der .albertinifchen Linie und ſtirbt gefangen ı2r belagert Metz vergeben 127 legt die Regierung nieder - 136 Eafimie, Marggraf zu Brandenburg in Franken, tritt die Regierung an 431 Baurenfrieg unter feis ner Regierung 432 feine Gemalin und Kinder 434 Caßiopea, in derfelben kommt ein neuer Stern zum Borfchein 498 Catholiſche Kirche zu Königsberg wird eingeweihet 5 Cernitius, defien Meinung von dem Geburtstage Joachims 2 4 Chriſtenheit, die ganze, foll zu einem allgemeinen groffen Staat vereiniget werden 525 Chriſtenthum in der Mark vor Otto 3 365 Ehriftian Fürft von Anhalt geht mit einem Kries geshrer nach Frankreich 268 muß die Völker aus: einander gehen laffen 271 wird wiederum nach Straßburg als Feldherr geſchickt 276 f. Chriſtian 3 Herzog von Holftein wird König von Dännemarf 14 greift Juͤtland an ı5 führt die Kirchenverbeflerung in Dännemarf ein ° 16 Ehriftian 4 König von Dannemarf koͤmmt nad Berlin 283 laßt den Churfürften zu feiner Krö; nung einladen 285. heiratet des Churprinzen von Brandenburg. Prinzefin 27 Ehriftien Wilhelm Marggraf zu Brandenburg trite die Regierung des Erzftifts Magdeburg an 496 Ehurfürft von Sachen Idhann Friedric) tritt mis in den fhmalfaldifchen Bund 16 fein Vetter Mo: ' ritz fällt in feine Lander 96 wird gefangen 97 fol auf Angeben der ſpaniſchen Raͤthe öffentlich ents haupter werden 98. verliert die Churwuͤrde 100 - wird aefanglich nach Augfpurg gebracht 106 wird nebft dem Landgrafen von. Heflen nach den Nies derlanden gejchleppt 109 befommt feine völlige Frei⸗ heit nieder 131. will nad) Ehurfürft Morig Tode feine Rechte wieder hervor ſuchen 128 vergleicht 131 burfürftin,; Gemalin Joachims 2, thur einenges ' fahrlichen Fall ur: Churhaus Brandenburg nimmt den Ehrennamen eis nes Herzogs in Schiefien zu Croſſen an 3 Ehurmärkifche Stände bewilligen eine Geldfumme zur Belagerung der Stadt Mag eburg 114 Ehurprinz Johann Georg von Brandenburg wird zum Ritter gefchlagen 97 Ehurftinsme, die boͤhmiſche, wollen die Staͤnde des Königreichs bey Ferbinandsa Wahlvertreten 586 Churwuͤrde des Haufes Brandenburg beruhet eigent⸗ lich auf dem ehemaligen wendiſchen Königreiche 9 Churwuͤrde von Sacfen kommt an die albertinis ſche Linie 109 Chytraͤus faliche Beſchuldigung gegen den Churfürs ſten Joachim 3 48 Cleve, Herzog Wilhelm von, fucht fich bey Geldern i zu Begifer ——— * zu ſchuͤtzen go wird vom Kaiſer gezwungen dar⸗ auf Verzicht zu thun 81 Cleve und Juͤlich wird durch Heirath vereinigt 502 Eöleftin , Georg, wird Oberauffeher der Kirche in _ - der Neumark 197. fieht die, Urkunde von dem Ang: ſpurg ſchen Glaubensbefäntniß zu Mainz nach 221 Eölnifche-Streitigfeiten machen groß Aufſehen 88 Colniſche Religionsſachen 246 Erzbiſchof Gebhard Truchſes von Waldburg heiratet — Commendon, paͤpſtlicher Bothſchafter in Polen, wie ſich Sigismund wegen feiner Gemalin gegen felbigen erklaͤret 228 Eonfiftorium in der Marf Brandenburg wird an: eleg PER, päpftlicher Borhfhafter, hat eine Kirs henverbefferung verſprochen 66 Cope, Johann, ſtehet .in ‚fonderbarer Gnade Bey dem Churfürften Johann Georg 229 Eoppenhagen wird von Chriſtian 3 belagert und zur Uebergabe gebracht Correſpondirende Fuͤrſten kommen zuſammen 410 nehmen ſich der juͤlichſchen Erbſchaftsſache an 524 ſchicken den Fuͤrſten Chriſtian von Anhalt deshalb nad) Frankreich s25 machen ein Buͤndniß mit Frankreich und Holland 526 Eoftnig wird vom Hauſe Hefterreich unterdruͤckt 108° Crell wird nebft andern als Londes verbrechec ange ſehen 2760 Creuſig, deſſen Meinung von dem Geburtstage des Churfücften, Joachims 2 4 Croſſen Eommt an Brandenburg zı UNd 32 Eroffen und Sranffurt werden wegen der Schiffarth vergliihen 89 Cuͤſtrin wird beveftiget 85 thut den Ruſſen im Jahe 1758 Gegenwehr Euftein, nn Zufammenkunft dafelöft — an ass D. 5) — macht Frieden mit dem Kaiſer 8 giebt fich Mühe die fächfifchen Vettern zu vergleichen 131 Danzig wird mit dem Koͤni ge von Polen ausgeidh. met 239 Denkfhrift auf dem Sarge Shurfückt Sohann Siegmunds 589 Deputgtion⸗ tag zu Worms 165 zu Frankfurt 188- Deutfche Fürften ergreifen die Gelegenheit , fich bey ihren Rechten zu fühern % 123 Dietrich 2 Mahn, Biſchof zu Havelberg, fchreibt ſich zuerft von Gottes und des apoftolifchen Stuls Gnaden 31ð Difchmeir ‚ Lamprecht, wird Sretungeläiiter u Berlin 218 erinnert die Pandesftände, die Landes: fchulden zu bezahlen 226 Dodolin, Biſchof zu Brandenburg, hat weder in tehnem Beben noch nad) feinem Tode Nuhe 326 35. 4 aa zu Berlin‘ wird den Reformirten atten uͤbergeben — Domkirche zu Magdeburg , ; darin wird zum erftens mal lutheriſch geprediget 354 zu Halle wird den Lutheriſchen eingeraͤumet Bd Donauwerthſche Unruhe MWordrechr, Kirchenverſammlung daſelbſt FERN ri . Dresdner geſehrte Anzeigen werden wegen brandens burgiſcher Belehnungsfeierlic)keiten angefühter "32 Don Dreyhaupts Hiſtorie des Saalfreijes wird au⸗ gefuͤhret 8 Dreißigjaͤhriger Krieg gehet an 579 enthoͤlt drey auf einander folgende Hauptkriege, nemlich den ein den deutich ; daͤniſchen und en. deutſch⸗ ſchwediſchen 581 bricht zuer in Boͤh⸗ men aus J "582 — Johann, Biſchof von Lebus F 347 IB, — Eber deffen Meinung von dem einst Jon, chims 2 4 Ebert, Andreas, deffen Meinung, wie mit der vor⸗ zu Benefane“ zu ch geblich beſeſſenen Fiſcherin fahren AR ER, D. bat unannehmliche Vorſchlage —* Ehrenberger Klaufe wird vom Churfuͤrſten Mor von Sachſen erobert Zr} Einigungsverwandten in Franken, deren Strei⸗ tigkeiten mit dem geſamten Haufe Brandenburg werden beigelegt au fe — — wird verfertiget 237 und zu rind fterbergen völlig berichtiger Eiſenach Perſammlung der proteanigen Sir ſten daſelbſt Kistebifche Vertrag — zu Lentzen angelegt 38 Euefeld, Johann/ ein lutheriſcher fartherr zu Kiss nad 125 verbrennt die drey rothfleckigen Hoſtien 26 wird feines Amtes eutſetzet 126 Entwurf des Königs von Frankreich Henriche 4, die ganze. Chriftenheit in einen geoffen Staat J hringen Erbſchaftslande die jſuͤlichſchen werden se det Erbverbruͤderung der Haͤuſer Sachſen —* burg und Helen, über deren Erneuerung werden Unterhandlungen x gepflogen 18 wird wirklich er⸗ neuert J Erdmuth, Prinzehin von Brandenhurg, bar den Herzog von Pommern Erklärung des ——— Koͤnigs zum Vortheil * Proteftanten 71 Ernſt, Graf von —2 fuͤhret den misver⸗ gnuͤgten Boͤhmen Huͤlfe zu 583 wird in die Reichs⸗ acht erklaͤret 585 ESvan⸗ as = Li EAN a ar ne a er en a ———— — wen der vornehmſten Sacherr. &,. deren Sachen ſtehen in den Nieder: "TA as SE ya «7 . 4 v & " nn G lauden Se ur ei Hi ſteu Joachim und feinen Herrn Bruder mit Erof fen in Schlefien 22 foll auf Verlangen Carls 5 die _römifche. Rönigsreürde niederlegen 109_ läßt feine -_ Morik von Sach en Friedensvorſchlage 120 hält „einen Reichstag zu Regenſpurg -137 wird römijcher RKaiſer 140 macht dem päpftlichen Hofe feine an etretene Eaiferliche Regierung befandt 145 nimmt die Forderungen des Papfts fehr übel 146 fehreibt einen Neichstag nach Augfpurg aus 146 läßt ſei⸗ - nen Prinzen zum roͤmiſchen König wählen 155 verfällt mit dem Papft in Streitigkeiten __ 160 Ferdinand von Gräß, (Erzherzog aus der, fleuer: nmaͤrkiſchen Linie, wird zum römifhen Könige in Borſchlag gebracht. 576. findet viel Hindernille 578 „wird Kaifer 585 neue Punkte in feinem Wahlver⸗ trage i 586 Sifcherin, Gertrud, . giebt vor, fie fey eine, Dejefz -.fene ı2 die Gefchichte der Lohmannın hat damit viel Ahulıches —2* * Julyricus zerfällt mit Juſto Menio # 140 ladenkrie un RR 78 an Oder, hohe Schule dafelbft , wis derſett fid) am heftigſten D. Luthern 6 ſchlechter Zuſtand der * Schule daſelbſt 12 wird vom Edhurfuͤrſten Joachim 2 verbeſſert 12 zweeun Prin⸗ ‚zen von-Drandenburg ſtudiren dafelbft 13 es wer⸗ den gelehrte Maͤnner dahin berufen 14 der Chur⸗ ͤrſt ſchenkt ihr den Dom zu Stendal 125 Chur⸗ fuͤrſt Georg ſorgt vor ihr Aufnehmen 226f. Frankfurt und Croſſen werden wegen der Schiffart - „verglichen Br 89 Frankfurt am Main, Zufammenkunft der Prote: ſtanten dafelbft . * 368 Frankfurter Religionsfriede 41 warum ſolcher ohne Folgen geblieben 41 Frankreich trägt den Proteftanten ein, Bündniß an 31 verfpricht denfelben beiznftehen 41 macht ein Bundniß mitden Türken 8ı wird vor einen Feind der gefamten Chriftenheit erklären 83 deflen Ver⸗ - bindung mit einigen. Neichsfürften 117 giebt eine Kriegserklaͤrung gegen den Kaifer heraus 119 träge zur Erhaltung der Neichsfreiheit viel bey 123 Stiedrich,, Prinz von Brandenburg, folgt, in der etzbifhoflihen Würde zu Magdeburg 174 erhält die paͤpſtliche Beſtaͤtigung 118_mimme zu Halle die - Huldigung ein, 124 and) zu Halberftadt, 124 ſtirbt gleich darauf 124 wird dafelbft begraben Friedrich, der-Stifter der. ältern Linie der Marg— grafen in Franfen 420 wird regierender Herr von P, allg. preuß. Gefch. 3 Th. Zerdinand roͤmſſcher König, belehnt den Churfuͤr⸗ ee ſpuͤren 113 thut dem Ehurfürften. 13, 124, Anfpady 422 wird zum Reichsfeldherrn gegen Baiern ernenuet 422 bekommt das ganze Fuͤrſten⸗ thinn des Burggrafthums Nürnberg in Franken 3 Fortſetzung feiner Regierung 424 Beſchluß EN 05 ſtirbt 426 feine Gemalin und Kin: er 4 Friedrich 3 Koͤnig von Daͤnnemark kommt nahe neburg R 260 Friedrich 5 Churfürft von der Pfalz wird zum Kb nig in Böhmen erwähler ' 584 Sreiheitsbrief Carls 5 wegen der jülichfchen Erbfols ge, auf den bezieht ſich Churpfalz 520. ob er dem .. Haufe Brandenburg fehaden Eönne 521 Friedberg in der Wetterau, daſelbſt verſammlen ſich die Geſandten der Proteſtanten 381. 386 G. Garzaͤus, Joachim, will ſich der beſondern Beichte nicht bedienen 588 Gebhard Truchſes von Waldburg Erzbiſchof zu Coin heiratet 247 darüber entſtehen viel Unruhen 248f. wird in Bann gethan 249 flieht nad) Hulland 250 von da nach England 251 ftirbt zu Strasburg als Derhant des Domcapitels dafeldft 258 ; Gedicht auf den zweikoͤpfigten Adler 132* Geheimſchreiber wird vom Landgrafen von Heſſen aufgefangen SE 40 Geiſtliche Vorbehalt, Vorftellung dawider 137 Geldrifche Streitigkeit | 80 Georg, Marggraf zu Brandenburg in Franken, deſ⸗ fen Jugend und erfte Verrichtungen 457 deſſen Bemuͤhung, die Religionsverbeſſerung zu befoͤr⸗ dern 459 f. uͤbernimmt den Oberbefehl über die ‚beutfhen Völker gegen die Türken 461 wird vom „dem, Biſchof von Bamberg beim Kaiſer und beim ſchwaͤbiſchen Bunde verklagt 463 feine Verrich tungen auf dem Reichstage zu Augſpurg 465 er⸗ halt den Beinamen des Frommen und eines Bes fenners 465 feine Rede an den Kaifer 466 ſeine fernern Negietungsfachen 469 muß Oppeln und Ratibor an den König Ferdinand Überlaffen 470 f. fein Tod 473 feine.erfie Giemalin 473 feine andes- te Gemalin und Kinder 474 feine dritte Gemäalin 474. und Kinder von derfelben Tee}. Georg Friedrich, Marggraf zu Brandenburg in Sranfen, deffen jugend 476- tritt die Regierung an 477 erhält die vormundfchaftliche Regierung in Preuffen 479 empfängt die Lehr darüber zu Warſchau 480 errichtet zwey Armenſchulen und das. Öymnafium zu Heilsbronn 481 fihieft Ger- ſandte auf den Warfchauer Reichstag 483 das En: de feiner Regierung 485 fein Tod und Begraͤbniß 486 feine erfte Gemalin 487 feine andere Gema: \ lin 488 \ Georg Herzog von Sachſen ftirbe 3 Stil Gerak * Geraiſcher Housgrundvertrag Geſchiechtstafel der brandenburgiſchen arg in Sranfen älterer Linie 419 Glaubensbekaͤntniß des Ehurfürften 2 Blaubensbekäntniß des Ehurfürften Johann &i gismunds von Brandenburg - 547 Boldaft politische Reichs haͤndel 146 Gothaiſcher Krieg 171 Gortesgelehrten,, die proteftantifchen verlangen eine Hleihe Entfiheidungsmaht auf den Kirchenver: ſammlungen als die catholifhen Bifchöfe 113 von Graͤfeneck fiheint nicht wirklicher Viſchof Brandenburg geweſen zu ſeyn von Gramſchuͤtz, Hieronymus Schultz, wird Si fhof von Brandenburg 336 fehieft an D. Luthern, daß er feine Säge gegen den Ablaß nicht befandt machen foll 337 wird auch Biſchof zu Havelberg 338 Granvella, Eaiferlicher Bevollmächtigter go Gregorianiſche Calender eingeführt 245 — zwiſchen Polen und der Neu⸗ mark 540 Großottersleben daſelbſt wird das — uͤberfallen rı5 Namen derer von Adel, die dabey gefangen worden ı _ 115 * von Grumbach, Wilhelm * laͤßt den Biſchof von Würzburg Melchior Zobel ermorden 143 ſtoͤrt den Landfrieden 161 wird in die Acht erfläret 169 Gründe des Churhaufes Brandenburg aufdie jülich: ſche Erbfchaft 507 f. der erfte Grund 507 der ate Grund sı2 der dritte sıs der vierte, fünfte und ſechſte 518 Beantwortung der Gegengründe 520 Guiſe, ein maͤchtiges Haus in Franfreih, fucht das Haus Bourbon um die Krone zu bringen 252 - Bundling befihreibt das Danffeft im Brandenbur: giſchen wegen der erhaltenen — uͤber Preuſſen of. Guſtav König von Schweden fehläge die eibenn 3 9. Hackenſchuͤtzen von Goßlar erben angegriffen und meift niedergehauen 115 Haftitii Bericht, daß zu Spandow die evangelifche Wahrheit juerft geprediget worden 5ı feine Nach: richt, wie viel Volk Marggraf Johann dem Kai: fer zugeführet 93 Hagenow, dafelbft wird eine — — der roͤmiſchen und proteſtantiſchen Staͤnde gehalten 61 Halberſtadt Stift, bleibt bey einem brandenbur⸗ gifchen Prinzen 124 der Marggraf Friedrich nimmt die Huldigung ein und ftirbt gleich darauf 124 an feine Stelle wird der Iange Marggraf —— erwaͤhlet * im Magdeburgiſchen Darf fommt Kate Earl s an tor auch der Landgraf von Heſſen nebft * "andern Churfürften 102 von da geht das Eaiferlis che Heer wieder ab 105° dafelbft nimmt der Erz: biſchof Marggraf Friedric) die Huldigung ein 124 -fein Nachfolger und Bruder Sigiemund gleichfals 130 die Domfirche dafeldft wird den Lutheriſchen eingeraͤumet 3 Havelberg, Biſchofthum daſelbſt wird geſtiftet 3 was ihm vor Grenzen beſtimmt werden 307 wie die Biſchoͤfe auf einander folgen 307 f. mit den erften fieht es Eläglich aus 309 wie ſich die Um⸗ ſtaͤnde des Stifts gebeflert 309 f. dafelbft wird der Prämonftratenferorden eingeführet zro wird von dem Ehurfürften Otto mit Dörfern beſchenkt 312 die Domficche dafeldft wird aller Zierathen ber raubet und ausgebrannt 314 wird aufs | neue eitte geweihet 314 in dem weſtphaͤliſchen Frieden iſt auf ewig beftätiget worden, daß diefes Stift uns mittelbar vom Churfürften von Brandenburg rer gieret werden foll 324 dem Capitel daſelbſt iſt vom Friedrich 2 ein beſonder Gnitenc theilet von Heideck, Johann, will Magdeburg zu ET fommen 225 Heidelbergifche Hof will mit dem berliniſchen an dern Religionsfrieden arbeiten helfen NW liag- Heilbronn, Zufammenfunft der Proteftanten das ſelbſt 279 daſelbſt wird ein —— hg tet Heilige Bund zu Nürnberg unter. den Sue Heiligenbeil Landtag daſelbſt * hehallen I Held, D. des Kaifers Carls5 Vieekanzler 16 Henrich von Valois wird zum Koͤnig in Polen er⸗ waͤhlet 230 geht durch Halle 230 wird zu Frank⸗ furt an der Oder wohl empfangen 251 wird zu Cracau gefrönet 232 verläßt Polen wieder 232 wird von Jacob Clemens ermordet 268 Henrich 4 Koͤnig von Frankreich wird catholifch 278 macht einen Entwurf, die ganze Chriſtenheit in einen groſſen Staat zu vereinigen 325 teit zu der hallifchen Union 526 wird von Franz Ravaillae ermordet 526 Benrich von Sachſen folgt ſeinem Bruder Georg in der Regierung 43 Herbrands Bericht von den letzten Stunden des Marggrafen Albrechts von Brandenburg * Herzog Georg von Sachſen ſtirbt Heſſen, der Landgraf Philipp der Grosmuͤthige muͤhet ſich, den Churfuͤrſten zur Erklaͤrung fuͤr die Proteſtanten zu bewegen 10 ſchickt eine Abſchrift des Briefes an den Churfuͤrſten von Sachſen 1ꝛ verliebt ſich in die Margaretha von Sala 58 iſt mit in dem jchmalkaldiihen Bunde 95 f. fondert ſich mit feinem Volk ab, und ſucht feine eigene Lan⸗ der vornehmſten Sachen. ande zu decken 97 vor denſelben ſuchen zwey Churfuͤrſten Gnade bey dem Kaiſer auszuwirken ‚201 verfügt ſich nach Halle 102 thut dem Kaiſer - fußfällig Nbbitte 103 wird in Verhaft genommen 103 wird gefangen von Halle abgeführet 105 und gefaͤnglich nad) Nördlingen gebracht 106 wird nebft dem Churfürften von Sachfen nad den Nieder: landen gefihlept, und ſchlecht gehalten 109 die Landgrafen Moris und Auguft kommen nad) Ber: of jude des Churfürften Joachims 2 wird von den ———— auf oͤffentlicher Landſtraſſe aufge⸗ fangen 02 ‚von Aohenftän , Graf Wilhel:n, hurfürftlic) bran⸗ - s benburgifcher Gefandter zu Augfpurg 146 Holländer bemühen fid), die Unruhe wegen der jüs _ lichſchen Erbfehaftsiande zu ftilfen 571 laffen das Schloß Juͤlich mit nochwendigen Kriegs: und Mundbedärfniffen verfehen 572 laflen ein Heer ., bey Gravenwerth zufammen ziehen 572 fuchen et: was von der juͤlichſchen Erbſchaft an fich zu * gen 5o Sortleder vom deutfchen Kriege 78. 79. 80. 83 Buͤbner, Thomas, wird zum Lehrer des Prinzen Joachim Friedrichs beftellt — 353 Sugenotten bekommen die freie Religionsuͤbung in Frankreich 183 Jacob König von Grosbritannien erfüllet die Hof: nung der Protejtanten fchleche 494 von Jagau, Matthias, Biſchof zu. Brandenburg, deſſen gute Gefinnung vor dis Iutherifche Kirchen: _ ‚vwerbeflerung 338 werden aus Frankreich verwielen 279 Interim, welches von einigen das erſte genennet wird 63 laͤßt Kaiſer Carl 5 verfertigen 107 die Berfafler deffelben 107 wird in Berlin der Geifte lichkeit vorgeleget MAR 7. Joachim ı ift ein Liebhaber von der Worherfagung Begebenheiten 5 bat an dem Verfah⸗ ren D. Luthers ein Misfallen 7 iſt eifrig der cas tholiſchen Religion zugethan 8 wird zu Lehnin be: graben ? 10 Joachim 2; 3 feine Geburt und Erziehung 4 haͤlt viel auf Wahrfagung 5 wirdzu Staats : und Kries gesſachen gezogen 5 hält fih in dem Türfenfriege wohl 6 fein Betragen in Abfiht der Religion > als Churprinz 6 ‚feine Fran Mutter nimmt die gereinigte Lehre an 7 Zuftand der Sachen, da er j i die Regierung angetreten. 8 fein zwmeideutiges Bes _ “tragen ın Abficht der Religion 9 feine erften Vers richtungen 9 beforgt das Begraͤbniß feines Herrn Vaters zu Lehnin 10 muß eidlicd) angeloben, fid) ‚niemals für das Lutherchum zu erklären.ıo reiſet nad) Polen, feine zweite Bermälung zum Stan⸗ de zu bringen x2. bringt den berlinifchen Dom zum - Stande ı2 verbeffert die hohe Schufe zu Frank: furt an der Oder 12. 13. Jagdvertrag mit Magdes burg 14 Seine Bemühungen in den dänifchen Anz gelegenheiten 14 was er in Religionsangelegenheis ten gethan 16 er erneuert die Erbverträge mit Sache fen und Heſſen 18 ſchließt eine Erbverbrüderung mit dem Herzog von. Liegnig, Brieg und Mohr lau 21 erhält das Eigenthumsrecht auf Croſſen zt and auf die Herrſchaft Zoffen 32 wird mit den Neichss und böhmifchen Lehnftücken beliehen 32 fücht vor den römifchen König Ferdinand Tuͤrken⸗ bülfe 36 der Papft lobt feine Bemühung 37 des Ehurfürften fein Verhalten zwifchen beiderfeitigen Neligionsverwandten 39 bezeigt fein Misvergnü: gen über ‚das Verfahren des Cammergerichts ges gen. die Droteftanten 40 vermittelt den Franffurs ter Neligionsfrieden 4ı tritt der evangelifchen Re⸗ ligion bey 42 f. überlegt folches fehr veiflich 43 wird nicht durd) Luchers Anfehen dazu bewogen 44 auch nicht durch, das Berfprechen der Stände, feis ne Schulden. zu ‚bezahlen 45 feine Weberzeugung - von der Wahrheit der proteftantifchen Lehre 45 ſeine eigene Worte davon 47 fehreibt deshalb an den König von Polen feinen Schwiegervater 48 tritt der. evangeliſchen Kirche bey sı. genießt das Abendmal unter beiderley Geftalt zum erftenmale sı wird ein eigener Kirchenverbeflerer feiner Lan⸗ de 52 ſchenkt der hohen Schule zu Frankfurt ver fihiedene Kloftergüter 53 läßt.die erfte Kirchenords nung verfertigen 53. befandt machen 55 und im ganzen Lande einführen 57 forgt vor die Nechte feis ner Unterthanen 58. und vor feine Rechte auf Pom⸗ mern 58 ift mif dem Betragen des Landgrafen von Heſſen nicht zufrieden sg: wird noch mit unter die römifihen Mitglieder gerechnet 61 wohnet dem rer genfpurgifchen Reichstage perfönlich bey 62: fchicke an Luthern eine eigene Gefandtfihaft 63 ſeine Re⸗ de, an die Goktesgelehrten auf dem regenfpurgis ſchen Neichstage 64 nimmt ſich des. Herzogs in Preuſſen an. 68 forgt. vor feinen Vetter Herzog Georg in Franken 68. thut Vorftellung megen Her: zog Wilhelm von Braunſchweig 68 erhältdie Mit belehnung auf Pommern 68 wird zum oberften Feldherrn gegen die Türken ernannt 70 iſt wegen des Schickjals der Proteftanten beforgt go macht allerhand gute Einrichtungen in feinem Lande 82 beſucht den Reichstag zu Speier perfönlich 83 ziehe ‚feinen Bruder aus dem ſchmalkaldiſchen Bunde 84 will ſich nicht gegen den Kaifer einlaflen 95 bleibe bey der Parteilofigfeit 94 fein Verhalten nad) der Mühlberger Schlacht vor Sachfen 98. bemühet fh auch, den andern ſchmalkaldiſchen Bundesgenoflen Ruhe zu ſchaffen 100 fein Verhalten. in Abfiche Stiie des u dea Landgrafen von Heſſen ror haͤtte Ber den Biſchof von Arras mit dem entblößten Sollen J wehr niedergeſtoſſen 104 giebt ſich fuͤr Magdeburg viel Muͤhe 105 thut einen unglücklichen Fall 112 befucht den Reichstag zu Augſpurg aus bewegen⸗ den Urſachen nicht 113 muß ſich in die magdebur⸗ giſche Sache näher einlaffen 114 läßt die Hacken⸗ ſchuͤtzen von Goslar angreifen 15 bleibt bey neuen Verbindungen gegen den Kaifer parteilos ıı7 be: ſchickt die tridentinifche Kirchenverfammlung 117 thut vieles zu Belegung der Unruhen im Reich 124 ſchenkt der Frankfurter Univerfität den Dom zu Stendal 125 richtet die Marienfchule zu Ber: lin an 125 tritt der Stadt Magdeburg einige Rech: te wieder ab 130 hilfe beide fächfifihe Linien vers gleichen 137 Fann dent Margarafen Albrecht feine ' Ruhe verfihaffen 131 wird wegen der tridentinis ſchen Kirchenverfammlung beſchickt 133 nimmefih der franfifchen Sachen an 134 ſchickt eine Geſandt⸗ ſchaft nach Polen zum Vortheil ſeines Prinzen 138 f. beſucht den Churfürftentag zu Frankfurt am Main 140 durch feine Bemühungen werden die fränfis fihen Unruhen beigeleget 142. feine andern Landes; angelegenheiten 149 ſoll nebft Churſachſen die bre⸗ miſchen Streitigkeiten beilegen 1so hilft Magder burg aus der Acht 154 fucht Dannemarf und Swen: den zu vertragen 154 hilft Maximilian zum roͤmi⸗ . Shen König wählen 155 andere VBerrichtungen des Churfuͤrſten 164 erhält die Anwartfchaft auf Gru⸗ benhagen und Anhalt 166 fucht die Mitbelehnung auf Preuffen 166 bemühet fich, zwiſchen Daͤnne⸗ mark und Schweden Frieden zu fliften 167 fein Prinz Siegmund ſtirbt 170 ihm wird die Frbfol: "ge auf Pommern- verfi chert 171 erhalt die Mitbe⸗ lehnung auf Preuflen 177 ftellt deshalb’ ein Dank; ſeſt an 180 legt fein Glaubensbekaͤntniß öffentlich ab 182 verbietet, gegen die Proteftanten in Frank: weich und den Niederlanden zu dienen 185 hilft den Frieden zwifchen Dannemark und Schweden zum Stande bringen 189 vermält feinen Enkel 189 6. fein Tod 190 f. feine Gemalinnen und Kinder 192 » feine Leibes und Gemuͤthseigenſchaften 197 Joachim Friedrich Churfuͤrſt, ſeine erſte Jugend 353 und churprinzlichen Jahre 355 reiſet ins Carls⸗ bad 358 ſucht die Proteſtanten zu vereinigen 359 reifer nach Dännemarf, der Eöniglichen Krönung daſelbſt beizuwohnen 360 damaliger Zuftand von Europa 361 und von Deutfchland 363 und des brandenburgiſchen Haufes 364 erfte Handlungen | beim Antrite feiner churfürftlichen Regierung 366 macht mit dem Marggrafen Georg Friedrich den - geraifchen Hausvertrag 368 nimmt ſich der ‘Pro: teftanten an 380 hilft die magdeburgifchen Sachen berathen 381 läßt fich belehnen und fücht Schwe⸗ den zur beruhigen 382. ſchickt feine Gefandten nach Frankfurt, wohl aber nach Speier — drey Prinzen 386 ſucht die Nachfolge in Prei zu ſichern 387 haͤlt einen Landtag 389 verliert er ne Gemalin 389 beſchickt den Reichstag zu Regen: fpurg, und ſucht feine Rechte auf Preuffen zu ſchuͤ⸗ Ben ’391 es werden ihm wegen Preuffen Schwie⸗ rigkeiten geniacht 396 tritt dem heidelbergi ‚Bunde nicht bey '397: vergleicht: fich wege x ſtrasburgiſchen ftrittigen Wahl 598 "errichtet hf geheime Staatsrathsverſammlung 399 macht eine Kleiderordnung 400 - fücht die braunſchweigi Haͤndel und den marpurgiſchen Erbſchaftsſtreit guͤt⸗ lich beizulegen 401 ſchließt mit Holland einen Huͤlfsvertrag 402 verlobt ſeinen Enkel ae helm 402. erhäft die vormundſchaftliche Regie in Preuffen 402 aber die Deleßnung Üßer Drei fen wird wegen der polniſchen Unruhen verhindert 494 findet feinen zweiten Prinzen Hans George mit Jaͤgerndorf ab 408 verliert feine zweite Ge; malin 408 errichtet die Joachimsthalſche Fürften: fehle 408 in Polen werden feine ’Sefandten ber leidiget 409 beſchickt den regenſpurgiſchen Reichs⸗ tag 409 laͤßt die alten Kirchengebraͤuche im Dom zu Berlin abſtellen 4ro er ſtirbt 411 feine Gema⸗ linnen, die erſte 412 deren Kinder 413 andere Ge⸗ malin 416 deven Tochter 477 des Ehurfürften geiz: bes⸗ und Gemüthseigenfchaften 1 A17& 418 Foadıim Friedrich, Enkel des Churfürften Sa; chims 2, wird Ersbifcpof > zu — 170 nimmt Beſitz davon — Joachim Herzog von Monſterber wird pet zu Brandenburg Yorchimbchalfibe Fouͤrſtenſchule wird rein Johann Georg Ehurfürft, feine churprinzlichen Ber richtungen 215 Zuſtand von Europa beim Antritt feiner Regierung 216. laͤßt ſeinen verſtorbeuen Herrn Vater feierlich beiſetzen 219 treibt alle Zus den aus feinen Staaten 220 nimmt ſich der auss _ * gärtigen Angelegenheiten an z2r macht eine neue- -Erbverbrüderung mit Pommern 222 läßt einen Landtag zu Berlin halten 226 forget vor die Auf "nahme der Univerfität zu Frankfurt 227° erhält. die, Beftätigung der (Frbverbrüderung mit Poms mern 233 auch die Anwartſchaft auf Braunſchweig und Luͤneburg 233 beſpricht ſich mit dem Kaiſer zu Deesden 234 hilfe Rudolph 2 zum roͤmiſchen Kö: nig waͤhlen 235 unterſtuͤtzt in Polen die Partey des Hauſes Oeſterreich 235 vergleicht ſich mit dem adelichen Haufe derer Borcken 237 vermaͤlt ſich "zum drietenmal 238 erhaͤlt die Regierung von Prenffen vor Georg Friedrich 239 forgt vor das Muͤnzweſen 241 fein Betragen in den niederlaͤn⸗ diſchen Angele genheiten 243 vergleicht die Stadt , Magdeburg mit ihrem Erzbifchof 254 befchieft den- ii zu Wormis 355 wird Vormund — — ——— traͤge mit Sachſen und Heffen 259 ſchickt dem Koͤ⸗ te " nigevon Navarra KHülfswölker 261 läßt ſich das Recht de non appellando erneuern 264 erhält die Mitbelehnung auf Preufien 265 leiſtet Hen⸗ Een von Frankreich Huͤlfe 267 toird- Mitdore ? mund über Churfachfen 269 ſtellt über die Geburt "> des Prinzen Sigiemunds groffe Feierlichkeiten zu Berlin au 272 fickt dem Kaifer Türfenhülfe 280 » bekommt einen Urenkel den Georg Wilhelm. 284 beſchickt die Krönung Chriftians 4 von Dänny mare 285 fein Tod und Begräbnig 288 f. feine © &emalinnen und Kinder 293 bis 299 feine ee. und Gemütsbefhaffenheit Johann Marggraf von Cüftrin läßt: als ein Sun: 2 besgenoffe Sitz und Stimme nehinen _ 38 . Marggraf zu Brandenburg , von der fraͤn⸗ kiſchen Linie, wird: Unterkönig zu Beten in Spa⸗ dJuͤlichſche Sachen beſchaͤftigen den —— nien 428 ‚Johann Sigiemund Churfuͤrſt zu Brandenburg, deſſen erfte Jugend «491 geht auf die hohe Schule nach Straßburg, hierauf vermält er fih mit ei⸗ Prinzeßin von Breuffen 492: feine churprinz⸗ licheu ahre 493 ſchließt mie den Hollaͤndern ei⸗ nen Hülfsvergleich, und vermäle feinen Alteften = Prinzen mit einer churpfaͤlziſchen Prinzeßin 493 Wwie der Zuſtand von Europa beim Antritt feiner Regierung befchaffen 494 reifet nach Preuffen 495 feine erſten Verrichtungen als Churfürft 496 ihm wird die s Regierung von Preuflen zugefprochen 498 I —* fallen Schwed und Vierraden zu 499 ver⸗ Klangt die ganze jülichiche Erbfchaft so7 feine Grün: de dazu 507 fi nimmt nebſt Pfalz + Neuburg wis © der Willen des Kaifers von der ganzen Erhfhaft Beſitz 522 preußifche Delehnungsfache kommt zu: ‘ Stande 532 wird in den völligen Befig von Preufs fen gefeßt 534 findet in Deutfchland wichtige Ans gelegenheiten wegen der neuen Kaiſerwahl 535 ſor⸗ get vor die Ruhe auf der polniſchen Seite 540 ſoll den Pfalzgrafen von Neuburg ins Geſicht ge ſchlagen haben 542 nimmt Maagregeln wegen der a ee die Pfalz: Neuburg eingegangen 543 tritt öffentlich zu der reformirten Kirche 544 oufein Glaubensbekaͤntniß 347 er erneuert die Erb: vereinigung zwiſchen Sachfen, Brandenburg und Heſſen 555 bringt auch die Erbverbräderung voͤl⸗ ig zum Stande 564 es entftehen neue Unruhen in den jühchfehen Erbſchaftslanden 571 theilt fich mit Pfalz: Neuburg in die jülichichen Lande 573 empfängt die Reichs⸗ und boͤhmiſche Lehne 575 “ teifet hierauf nach Preuffen 575 laͤßt das Nefor: mationsjubilaͤum feiren 577 wird vom Schlage ge: ruͤhr t 584 ſucht den Kirchenfrieden in der Mark zu erhalten 588 legt die Regierung nieder 58 ein or Tod 1589 und: Begrabniß 589 feine Gemalin — + a der vornehmſten Bi A * der anhaͤltiſchen Prinzen 256 erneuert die Erbver⸗ und Kinder sg feine keibes · und Gemutseihen ſchaften 594 Jovius, Paul, ein welſcher Gefchichtfehreiber 73 Iſthuanffius wird angeführet 70. 73 und un Jude ftielt eine geweihte Hoftie Juden werden aus der ganzen Mark Dranbinbiih verjagt 220 Judenſchule zu Berlin wird von dem Poͤbel ges plündert "218 ah Timothens, churfuͤrſtlich — Geſandter Jungfrau, ein Geſpenſt fest ſich sroifdpen Albrecht en Brandenburgund Churfuͤrſt Morig von => 439 ur, defien Meinung von Churfuͤrſt Joachims 2 Geburtstage 4 Zuͤlichſche Erbſchaft *— erledigt en findet an Liebhaber ° fchen Ehurprinzen Sohann Stgismund ° 493 Zuͤlich, Schloß dafeldft wird mie Mund / und Kries ‚gesbedürfniffen verſehen E 572 Juͤterbock/ Kreistag dafelbft Er 114 Juůterbockſche Vergleich iſt unwirkſam BR * K. Kaifecliche Hof ſucht die ——— der — * und clevifchen Länder zu erhalten 505 will den dortmundfchen Vergleich wegen der juͤlichſchen Erb⸗ ſchaft nicht genehm haften 523 feine Völker wer⸗ den von den befigHabenden Fürften zurück u. gen 52 —— deſſen Serichtspflege wollen die Proteftanten nicht erkennen go die Vifitation deſ⸗ ſelben ift fruchtlos gr Basenellenbogen, Grafſchaft, Streitigkeiten dar⸗ über zwiſchen Heſſen und Naſſau un wird dem Haufe Naſſau zus gefprochen 1 Keller, D. Leonhard, wird als churfuͤrſtlicher —* ſandter nach Worms geſchickt Ketzerangermuͤnde, woher es dieſen Namen — bekommen haben "331 Birchenordnung vor die Mart Brandenburg 53 die verſchiedentlich angegebenen Verfaſſer derſel⸗ ben 53 Luthers freimuͤthige Gedanken darüber 53 wird befandt gemacht 55 iſt in drey Theilen vers faßt 56 bis 57 wird im ——— 57 u. zu Worms‘ übergeben Kirchenviſitation in der Marf Bigingen, Streitigkeiten uͤber dieſe Stadt‘ wiſct Brandenburg und Wuͤrzburg 479 Bleidirordnung wird in ber Mark Brandenburg gemacht 82 und 400 Kleſel Cardinal raͤth dem Kalſer gtimpfliche Mits teban: » "583 Sitiz Klofter Regiſter Kloſter sum heiligen Grabe, bey was vor Gele: genheit es geſtiftet 314 Aloſterleute verlaſſen die Mark $7 Knittelkrieg ie Böhlers Münzbeluftigungen Boͤnigsberg in der Neumark, Aufftand dere wird beſtraft Sönigsberg in Preuſſen, daſelbſt wird. bie u fche Kirche eingeweihet 576 von Konnopat, Matthias , Biſchof zu Culm, Bi den Verfall der päpftlichen Religion in Preuf 32 NE ‚öfters Bibl, brand, wird angeführet 85 \ 2. rk: ! Bebus, Stiftungdes Bifchofthums dafeldft 341 Fol: ge der Bischöfe diefes Stifs 341 f. Toll dem Erz: ftife Magdeburg unterworfen geweſen ſeyn 342 befomme verfchiedene Güter gefchenft 343 die Dis fchöfe kommen. unter die. Landeshoheit von Bran⸗ denburg 343 das Bifchofthum höret auf 350 Lentzen in der Priegnitz, daſelbſt wird der Elbzoll angeleget 82 Lengnichs preußifche Geſchichte 5* von Lerma, Herzog in Spanien 494 Leuchingers Meinung von Ehurfürft Joachims 2 Geburtstage 4 giebt vor, : daß Kaifer Maximi⸗ kian.ı jeine Enkelin an ven Churfürften ———— 2 habe verheiraten wollen Levin von Ulm, Vicekanzler, ſucht alle Spiafine digkeiten vor, um dem Kaifer die jülichfche Erb⸗ ſchaft zuzufpielen | Liefiand wird von den Ruſſen gedruͤckt 147 Ciga, ein Bündniß der catholifhen one ” Deurfchland Liegnitz, Herzog Friedrich, beſtaͤtiget die —* bruͤderung Limnaͤus, was er von deri Erbverbrüderung - Käufer Brandenburg, Sachfen und Heſſen vor: gegeben ıg* Lindau wird dem Haufe Anhalt als. ein re burgifcher Mannslehn überlafien Lüneburg, aufehnliche Zufammenkunft daſelbſt * Ligiſten verſammlen ſich zu Wuͤrzburg 587 Lippolt, ein Jude, kommt in Verdacht, als wenn er den Churfuͤrſten Joachim 2 mit Gift hingerich⸗ tet 192 ſucht ſich mit der Flucht zu retten 218 Kohmannin, deren Geſchichte hat mit Grethe Fi⸗ ſcherin ihrer viel aͤhnliches Lothringen, Vergleich mit demſelben 79 Auther predigt vor, dem Churfuͤrſten Jochim 2 5 fein Verfahren wird von Churfürft Joachim ı nicht - gebilliget 7 fol einen Fehltritt begangen haben 44 foll Sachen, die die Religion nicht angehen, ob: ne vorhergehende Erlaubniß des Hofes nicht fehreis — ben 45 deſſen freimuͤthige Gedanken uͤber die Kir⸗ chenorduung vor die Mark Brandenburg 53 und 55 deſſen Streitigkeiten mit D. Agricola 59 am ihn wird eine Geſandtſchaft abgefertiget 63 foll Bors fchläge thun zu Beilegung ftrittiger Punkte 65 ſchickt die Einrichtung des hurlächfiichen Kirchenraths an den Churfürften zu Brandenburg 85 fein Tod ward der Zeitpunkt eines ansbrechenden Krieges ı.7 ge Lübeck verfält in Weitläuftigkeicen mit Dänemark. .24 auch mit Schweden 5 macht: mit Dännemarf Friede 16 Kuͤneburg, die Stadt befommt Freiheit, ihr Sal in die Darf Brandenburg einzuführen. - 220 Magdeburg, Stadt, wird in die Heichsadt atld⸗ ret 105 blinder Eifer einiger Einwohner derſel⸗ ben gegen die Juden u zu Augſpurg wird aber die Bezwingung der Stadt berathſchlaget 113 de⸗ ren Belagerung 114 verläßt ſich auf auswärtige Huͤlfe 115 ergiebt ſich an den Churfürften Moritz und Joachim 2.116 errichtet einen: Vertrag mit Churfachſen wegen des Burggraftthums 242 in der. Domkirche dafelbft wird zum- erſtenmal luthe⸗ riſch geprediget sa Mogdeburg, Stift, bleibt ben einem Sranbenbuts giſchen Prinzen 124 Und 130 Magnus, Herzog von Holftein, deſſen Betragen zu Königsberg in Preuſſen ‚162 Majeſtaͤtsbriefe werden in den kaiſerlichen Erblan⸗ den gegeben = Neimburgs Befchuldigungen gegen den Chun r⸗ fuͤrſten Joachim 2 find falſch 45 von Mansfeld, Graf Volrath/ will Mendelutd zu Huͤlfe kommen —5 Mansfeld, Stadt und Schloß, wird von Aal ſchen Bürgern eingenommen _ Mianderfcheid, Graf, ſucht die Grafſchaft Mark aus der jülichfchen Erbſchaft zu erhalten ‚506 Mantua, Herzog Carl Gonzaga, verlangt mit zur Theilung der jülichfchen Erbſchaft gegogen au wers den ui * Marburgiſcher Erbſchaftsſtreit Mark Brandenburg fuͤhlt die Gewalt des Papfts thums unter. den fünf erften Churfürften aus dem bohenzollerifchen Haufe 4 Zuſtand derjelben beim Antritt der Negierung Joachims 2 8 und 9 bes kommt ein eigenes Confiftorium 85 Neligionsans gelegenheiten darinnen 109 die Stände der Marf ſchieſſen Geld zur magdeburgifchen Belagerung her 114 Kirchenftreitigkeiten in derfelben 13C Marggraf Ehriftian ıft der Stifter des bairenthis ſchen Haufes 296 f. Margsraf Georg Friedrich kommt nach Berlin * der vornehmſten Sachen. - im Herenmeiftertfjum - 28 arageaf Johann Georg wird Domprobft zu Srtrasburg 274 auch zum Biſchof dafelbft erwaͤh⸗ let 275 entftandene Unruhen darüber 276f. Marggraf Johann Sigismund wird im eilften Jahr feines Alters mit einer Prinzegin von Preuffen verlobt 274 vollzieht das DBeilager 280 fommt mit feiner Gemalin nach Berlin 283 Johann von Cuͤſtrin 9 führt in feinem Lande die Kicchenverbeflerung ein 16 wird zu dem 9 fehmalkaldifchen Bunde-eingeladen ı7 wird davon abgezogen 84 läßt Cuͤſtrin beveftigen 85 mache Kriegesräftungen 9x giebt nebft feinem Wetter Marggraf Albrecht eine Schrift deshalb heraus 92 was er im feine Fahnen feßen laffen 93 was vor Herren von dem brandenburgifchen Adel unter feinen Fahnen gedienet 94 ” widerfetst ſich dem Kai⸗ fer wegen des Interims 107 ſcheint mit dem mags deburgiſchen Kriege nicht zufrieden zu ſeyn 114 miſcht fich in den deuefchen Krieg 124 bekommt mit dem Bifchof von Pofen Irrungen 136 läßt das fogenante Eleine Jerufalem abbrechen, und ei: ne Säule daraus erbauen 138 feine Streitigfei: ten mit Polen 152 nimmt die polnifchen Gefand: ten mie vieler Höflichkeit auf 153 widerſetzt ſich > dem Durchzuge Erichs von Braunſchweig 163 iſt mie dem Betragen der Stadt Frankfurt nicht zufrieden 167 nimmt ſpaniſche Dienfte an 186 fei- ne Geburt, Erziehung und Regierung 202 tritt “ in den ſchmalkaldiſchen Bund 203 twird faiferlicher Rath und Feltherr 205 widerſetzet fih dem In⸗ terim 206 hilft den paffauifchen Vertrag bewirs ken 207 ſtiftet zwifchen dem Prinzen Julius von Braunſchweig und feinem Herrn Vater eine Ver⸗ ſohnung 208 fein Tod.und Begraͤbniß zıo f. ſei⸗ ne Semalin und Kinder zuı feine &igenfchaften. zrı Marggraf Siegmund ftirbt 170 Marggraf Wilhelm, Erzbifchof von Riga, geräth marggeaf Joachim Ernſt bekommt die Nachfolge 0 in die Kriegsgefangenſchaft 138 Marienſchule zu Berlin wird angelegt 125 von Martinig, Hofmarſchall in Böhmen, wird zum Schloßfenfter herausgeworfen Matthias, Erzherzog von Oeſterreich und Statt: halter von Ungarn, zwinget feinen Bruder den Kaiſer Rudolph zu einem Vergleich 497 entſetzet ſolchen völlig feiner Erblande 5320 wird zum Kai: fer erwählt 536 bezeigt fich gegen die Proteftan: ten abgeneigt 538 ftirbt in ben böhmifchen Unru⸗ ben - 585 Maximilian 2, defien Much bey einer der gröften Lebensgefährtichfeiten 157 wird zum römifchen Kö: nig erwählt 159 fein Streit mir dem Papft wird beigelegt 165 wird Kaifer nad) feines Vaters To; de 165 feine Streitigkeiten mit dem Papſt 174 582 _ deſſen Wahltag 209 will die polnifche Krone auf“ fein Haug bringen 233 wird felbft zum König in Polen erwähler, ift aber faumfelig 236. fein Tod — 237 Maerimilian, Erzherzog, will König von Polen wer⸗ den 257 wird gefangen 263 begiebt fich feines An⸗ fpruchs auf Polen 265 Märkel, Heinrich, ein Magdeburger, wird an vers ſchiedene fürfttiche Höfe geſchickt, um Beiftand zu erhalten. 116 Maͤrkiſche Stände befommen vom Churfürften Jo⸗ hann Sigismund die Verficherung ihrer Freiheis ten und kirchlichen Verfaflungen 496 Mecklenburg, Herzog Georg, haufet mit feinen Völkern fehr übel im Magdeburgifchen 114 wird - gefangen _ BETEN 15 Mecklenburg, Streitigkeiten ziwifchen dem Herzog und den Landftanden 25t Mediginus führer die meiländifchen Völker gegen die Türken 71,7% Melanchthon, Philipp, defien Math bedienet fich der Ehurfürft Joachim 2 bey Verfertigung der ‚ märkifchen Kirchenordnung 39 wird nebft dem Jo⸗ dann Pitorius und Bucerus zu einer Religions: unterredung ernannt 63 wird wegen ded Interims befragt 11o nimmt Veränderungen des augfpur: Hifchen Glaubensbekaͤntniſſes vor 141 Memoires de Guillaume du Bellai . 80 Menſch ohne Arme zu Berlin 86 Meyer, Marx, ein unruhiger Burgemeiſter zu Luͤ— beck, wird gefangen 15 Michael Feodorowitz Romanow wird zum Czaar in Rußland. erwähler 539 du Mont Corps Diplom, 79. 81. 83 Morig Herzog von Sachen, bricht in die churſaͤch⸗ ſiſchen Länder ein 96 bemaͤchtiget fich anfanglih faſt der gonzen hurfächfifchen Lande 97 bringt die Chur Sachſen an feine Linie 100 nimmt fich des Landgrafen von Heſſen an roıf. wird mit ber Chur Sachſen feierlich beliehen 108 feine Gefandten vers langen, daß fich der Papft der Kirchenverfamm: “lung unterwerfen foll 113 befommt den Oberbefeht zur Belagerung von Magdeburg ı74 fücht beyden Reichsſtaͤnden Geldfummen zur Belagerung 116 macht neue Verbindungen mit einigen Reichsfuͤr⸗ fien und mit Frankreich 1177 hintergehet den Kai: fer us bricht mit feinem Heer gegen den Katjer auf 120 belagert Franffurt am Main ı2ı über; giebt zu Paſſau die Befchwerden des Reichs gegen die £aiferliche Regierung ı2ı ftirbt gleich nady der Schlacht bey Sievertshaufen 128 Moris Landgraf von Heffencaffel, wird zum Mitt⸗ ler zwifchen Churbrandendburg und Pfalz » Neur burg. wegen der ftrittigen jülichichen Erbfihaft er: waͤhlet 523 Mo⸗ Re. Regiſter RR Prinz von Oranien, deffen. Sieg bey We 3 ’ Araley Hameth, Kaiſer von Marocco, ſchreibt an a Y hurfürfen Johann Georg von van Hrufeulus, Andreas, erregt Setigionsftreitigfeiten 130 Muſeulus Johann, verfehlttee den. gefegneten Kelch, worüber Unruhen entjtehen 182 Muͤhlberg/ Schlacht daſelbſt 97 WMuͤhlheim, ein Dorf, wird zu einer Stadt. ges * — der neue Stadebau wird auf — chen Befehl wieder geſchleift Münfterberg, Herzoge, machen Anfpruc) —— ſen ee ht Wlünswefen 147 . Miylius, evangelifcher, Orediger in Ausg, wird aus der be — 252 1. Namen der erſten wirklichen —— 7 Staatsraͤthe YLaumburg, dafelbft verſammlen fi fi ch die —— ten wegen des geänderten. augſpurgiſchen —* bensbe kaͤntniſſes Neuburg, Pfalzgraf, verlangt die ganze — 2 Erbſchaft 507 fest ſich nebſt Churbrandenburg in Beſitz der ganzen juͤlichſchen Erbſchaft wider —* len des Kaiſers Neumann, Franz, Heermeiſter zu Sonnebürg, * ſen Flucht 175; empfindet die Strenge des Marg⸗ grafen Johann von Cuͤſtrin 211 Neumark, deren Streitigfeiten mit Polen 152 Niederlande follen zum Reich gehören 108 bekom⸗ ‚men den-Namen des burgundifchen Kreifes 109 YLiederländer, werden zum Aufitande gereißet 185 ſieben fallen von Spanien ab 240 verfechten ihre Freiheit gegen Spanien 362 Niederſaͤch ſiſche Staͤnde, deren Schluß zu Se : weig 587 — ‚Erzbischof von Magdeburg, Stifter * Praͤmonſtratenſerordens 3io VNußkrieg Herzog Erichs von Braunſchweig * VNuͤrnberg, Reichstag daſelbſt Nuͤrnberger brauchen Gewalt gegen die — chen eh 424 Oeſterreich nimmt Maafregeln wegen der Kaiſer⸗ frone 576 macht alle Anftalten, feinen —— > ‚erreichen von Oppen RN den bifhöflichen Sig von Er nach Fuͤrſtenwalde 345 Oſiander geraͤth in Streitigkeiten 18. 125 Oftfeiesland Streitigkeiten daſelb i Landesherrn und den Landſtaͤnden m u Otto Churfuͤrſt von Brandenburg beſchenkt das ai Kavelberg mit Dörfern 312 bedingt ſich aber da Recht über die Stiftsunterthanen zu —— dienſten aus Otto der Groſſe, Koiſer, ſtiftet das Bisthum er velber 19. ri 306 a nie — Papſt, unter deſſen Vermittelung tird wiſhen dem Kaiſer und Frankreich Friede geſchloſſen ai iſt mit dem Kalſer nicht. zufrieden gr ſchreibt eine Kir⸗ chenverſammlung nad) Trident aus 84 trägt dem Kaiſer ein Bündniß an 88. verfpricht dem Kaifer ‚200000 Kronen und 12000 italiänifche Kriegs⸗ voͤlker 91. foll fich der Kirchenverſammlung unter⸗ werfen 113 ſucht Die Proteſtanten mit guten Ver: forechen zu Eürren 113 erfläret den Herzog von Florenz zum Grosherzog 1988 regotius ı3 2% den neuen Calender verfertigen von Pad, Otte, beſchuldigt den Churfüriten Er him, daß er an dem bresiauifchen RUE Theil genommen Paflau, daſelbſt wird Friede gemacht, 121 die. De dingungen deffelben 122 - Paul 4. Papft, deſſen unbefugte Sorderungen an dem Kaifer 145 und 146 ftirbe 148 Perenius General uͤber die ungariſchen Völker, nn veſtgeſetzt Perchta, ein Geſpenſt, ſoll Wi, von Kofenherg ebenh erfcheinen, und gewiſſe Beg eiten vorherſa⸗ Gl; - Pfalsgraf Johann Caſimir ſucht die Eiadir or⸗ ‚mul in der Pfalz abzuſchaffen Pfalz: Neuburg und Zweibrücken serfallen PR der hurpfälzifchen Vormundſchaft 528 wuͤnſcht die Proteſtanten naͤher zu N Pflug, Julius wird nebft D. kann Eck und & han Broperus zu einem Religionsgefpräch mit den Proteftanten ernennet 63 wird von dem Dom⸗ capitel zum Biſchof zu Naumburg erwaͤhlet 78 der Kaifer will ihn eingefeßt wiffen 87 Philipp König von Spanien legt vor feinen Vetter den Kaifer Ferdinand bey dem Papſt Vorbitte ein 146 Philipp 2 König von Spanien nimmt den Marg graf Johann von Cuͤſtrin in feine Dieuſte 186 ers nennt den brandenburgifchen Churprinzen Johann Georg zum geheimen Nath und Feldherrn 216 ſchlaͤgt die tärkifche Flotte bey Lepanto 217 ihm wird von den vereinigten, Niederländern der Krieg angefündiget 240 an po — â— — —— Es — * vornehmſten Sachen. Phosier, —— ſie la Untergange nahe ge; fommen 3 Piereo Soave =. 146 Pietro Soave hift.. del. Coneil. Trident. 8 Pius Papſt ſchickt Gefandte nad) Berlin 148 Platterus Secretair zu Prag, wird zum Such fenſter herausgeworfen Ponmiern , die Mitbelehnung a daffelbe el Churfuͤrſt Joachim 2 ontanus hift. geldr. 80, — — ſamwenemnſ⸗ daſelbſt 527 von da wird der kaiſerliche Sitz nach Wien verlegt 5 daſelbſt werden drey Eaiferliche Dediente zum Schloßfenfter herausgeworfen se ‚Prätorius, Abdias, ftirbt 228 Proteſtanten, deren Betragen in Abſicht der ihnen vorgefchlagenen Bündnifle mit Frankreich und Eng: land rı machen ein Bündniß unter fich wider die -Kammergerichtsurtheile ız machen den ſchmalkal⸗ diſchen Bund. 16-verwerfen die mantuanifche Kir: chenverſammlung 16 fangen an, ſich in die befte Kriegsverfaſſung zu fegen 17 zu ihrer Unterdrüs : ckung wird ein Bund gefchloflen 40 ſchicken Ge: fandte nach Frankreich 41 verfammlen fich zu Schweinfurt wegen der braunfchweigifihen Sache ... 80 widerfprechen dem nuͤrnbergiſchen Reichsab⸗ ſchiede gr Beforgniffe derfelben vor ven Papft und Herzog Heinrich 93 widerfpreshen der Kir: . Henverfammlung zu Trident 87 nehmen ſich des Churfuͤrſten von Coͤln an 83 halten eine Zuſam⸗ menfunft zu Frankfurt 89 fommen zu Worms zuſammen go hindern den Anfchlag des Kaifers auf Nördlinfen 96 werden zur. tridentinifchen : Kirchenverſammlung eingeladen ı17 find nebſt den > Katholifchen auf die Rechte ihrer Nachkommen be: dacht 123 erhalten den Reiigionsfrieden zu Aug: > > fpurg 135 thun Vorftellung wider den. geiftlichen Borbehalt 137 ihre Gottesgelehrten verfallen in Streitigkeiten 139 f. wiederholen ihre Borftellun: gen wider den geiftlichen Vorbehalt 146 werden = über das Verfahren der voͤmiſchen Kirche aufmerk: ' ſam 279 treten naͤher zuſammen 390 fuͤhren Kla⸗ gen gegen den kaiſerlichen Hofrath 391 entwerfen zu Heidelberg einen Bund 397 werden in Pader: born unterdrückt 398 Verſammlung derfelben zu Schwobach 464 erfuchenden Kaifer, zu Nugfpurg ihr Staubensbefäntnig verlefen zu dürfen 467 laß ‚fen eine Vertheidigung ihres Glaubensbekaͤntniſſes auflegen 468 wollen fih wegen ihrer Religions: beſchwerden zu Heilbronn befprechen 484 der Kai; fer Matthias bezeigt fich gegen fie ungeneigt 538 Proteftantifche Bölfer werden zum Beſten der Yu: ‚gonotten nad) Frankreich geſchickt 261 richten aber wenig aus 262 p * preuß. Geſch. 3Th. Pulververſchwoͤrung in England — von Putlig, Wedigo Gans Biſchof von Havelberg 320 feine Streitigkeiten mit dem Herzog von Meck⸗ lenburg und Papenbroͤcker Bauren * muß ei⸗ nien Weihbiſchof aunehmen 321 ©. | von Quitzow Dietrich, des —— Lieutenaut = R. Kavaillac, Franz, ermordet Henrich 4 König. in Frankreich 526 Raynald, deſſen Ungegründete Beſchuldigungen we⸗ gen der Religionsveraͤnderung Joachims ⸗46 Keformarionsjubildum wird in den brandenburgis fhen Staaten gefeiert. \ 577 Reformirre befommen die Domkirche zu Berlin. 546 RKegenfpurg, Neichstag daſelbſt ” 137. und 367 Reichsabſchied, nürnbergifiher, von 1542.79 re: ‚genfpurgifcher - 67 Reichstag zu Speier 69 zu Nürnberg 77. 79 und. go wieder zu Speier 82 zu Worms 87 Beligion, deren Veränderungen haben auf bie Stan; ten einen wichtigen Einfluß 3 Religionsangelegenheiten in der Mark 109 in Deutfchland 383 Religionsfriede wird zu Au fpurg geſchloſſen 135 wird von Cathofifchen fs sh 383 Keligionsgeſpraͤch zu Regenſpurg 90 zu Worms 139 fünnen die Verbitterung nicht heben .. 388 Reniſch ſetzt den Geburtstag des Churfürften Goa: chims 2 aufden gten Januar 1505 4 was derfels be von Marggraf Johann wegen Annehmung des Interims ſchreibt 206 * von Rieben, Achem, ſteht in Marggraf — Dienſten Riga ſucht gegen Rußland Huͤlfe bey Brunensung von Roggendorf, Graf, Feldherr des Königs a dinand, wird von den Tuͤrken geſchlagen '69 von Rotbenban, Chriſtoph, Bifhofzu Lebus 346 Röbel, Joachim, ein verſuchter Feldherr, ftirbe 227 Budolph 2 wird Kaifer 237 unterredet fich zu Bau⸗ Gen mit den beiden Churfürften von Sachfen und Brandenburg 239. deflen Nachlaͤßigkeit in der. Res gierung 405 will die juͤlichſche Erbſchaft an fich bringen 523 will die Länder. durch Statthalter walten laffen 524 ftirbt vor Sram a dafelbft werden prächtige Ritterfpiele * alten Ruſſen dringen in Liefland ein 147 erwaͤhlen ſich * Michael Feodorowitz Romanow zu ihrem Czaar Rymer Act. Angl. Kkkt S. Sr &. — auf derſelben fomme die Schiffarth zu Stan⸗ 355 Sehen: Banenburg; , Serungen zwifchen dem ve: gierenden Brüdern dafeldft 265 Sachfen hält fich zum Nachtheil der Proteffanten zu Defterreich 364 iſt eiferjüchtig über Churpfalz wegen des VBorfiges unter den Proteftanten 495 will die jülichfehe Erbfchaft ganz haben 507 Saldernſche Schule in der Altſtadt Brandenburg 334 und 340 Schnig Johann, Caͤmmerer des Cardinal Al: brechts, wird gehangen 45 Schiffarth zwiſchen Frankſurt und Croſſen wird verglichen 89 von Schilling, Jacob, geht mit t Bereimigungsvor: fihlägen in der Religion an den Ehurfürften von Sachen’ 60 von Schlaberndorf Bifchof zu Havelberg yon Schlieben, Euftah, muß die Vereinigungs: vorſchlaͤge zwilchen der roͤmiſchen und proteftanti; fehen Kirche in Meberlegung ziehen ‘60 von Aehluben, Liborius, Biſchof zu Lebus ſtuͤrzt das Stift in Schulden 348 Schmalfaloiiche Bundesverwandten find nicht ei⸗ nig 83 wollen von Wiedereinſetzung des Herzogs Henrichs zu Braunſchweig nichts wilfen 94 fu: chen den Churfürften Joachim 2 auf ihre Seite zu bringen 85 es werden ihnen von dem Churfürften Joachim Vergleichsvorſchlage gethan 94 ſchla⸗ gen ſolche aus 95 machen den Anfang zu Feindſe⸗ ligkeiten gs f. was fie vor eine Macht zufanmen, haben 96 Scm.ikaldifehe Bund wird errichtee 16 Schmalfaldifche Krieg nimmt feinen Anfang 95 Schönebed, dafelbft wird eine Verſammlung der erbvereinigten Käufer gehalten 20 vor Sommersberg Scr. Rer. Silef. 32 Schreiben des Churfürjten von Brandenburg an Churſachſen wegen des Türfenfrieges- 36 von Schwendi, Lazarus, ift Failerlicher Abgeord: neter bey der magdeburgifchen Belagerung 116 Scultetus,, feine Erzählung, daß den evangelifchen Predigern zu Juͤterbock übel begegnet 7 von Sekendorf behauptet, daß der Veitritt Joa⸗ chims 2 zur evangeliichen Kirche zu Coͤln an y Spree gefhehen fey Segure, Jacob, Abgefandter des Könige Serteichs von Navarra, kommt nad) Berlin 253 Seld, D. vertheidiget die Nechte des Kaiſers und Meiche rider den Papſt 146 Seffelmann, Friedrich, — zu Lebus vermeh⸗ ret das Bifhofehum 37 ‚322, \ * Regiſter a ar? N Siegfried, Marggraf zu —— as Pr ; ſchof zu Brandenburg und Erzbifchof zu Bremen 5 Siegmmd, König — iſt aufgebracht, daß man feine Tochter zur — Lehre verfuͤh⸗ re 47 ſtirbt — Siegmund 3. wird König von Polen 257 behaͤlt in Preuſſen die Oberhand 263 Sievertehauſen, hiebey wird ein hartes Treffen gehalten — —— Sigismund, Prinz und Ma von Brandenz burg, wird Erzbifchof zu Magdeburg und Biſchof zu Halberfiadt 130 wird den Polen * N folger empfohlen. * 138f. ‚von Slaveta, Hofrichter in Böhmen, wird zum Schfoßfenfter herausgeworfen Sleidanus Soleiman befommt Ofen $ Spandow, daſelbſt fol die nA Bahrher \ zuerſt in dem Brandendurgifihen verfündiger wow den feyn sı wird zu einer Beftung gemacht 138 Berathſchlagung wegen Beveftigung: * ee 582 ‚8. ne Spanien, deflen Zuftand unter Philipp 3 hat ein Auge auf Die julich⸗ und cleviſchen * der 05° Speier, Reichstag daſelbſt = , 3 « Spinola, fpaniicher General, nimmt Aachen ein, und entzieht den Evangeuſchen alle Religionsfrei⸗ heit 572 laͤßt den Wall um Muͤhlheim ſchleifen, und ſchaft die Religionsuͤbung der Evangeliſchen darin ab 572 will die eingenommenen un im Juͤlichſchen nicht raumen - 57 Stammtafel der Herzoge von Cleve 9f von Stechau, Dietrich, Biſchof zu Beahbenkiitgr: Fauft einen Platz in der Altftadt, woraus ** die ſaldernſche Schule entſtanden ven Stein, Friedrich, tritt feine Rechte auf die Herrſchaft Zoffen an Brandenburg ab 2134 "Stephan 2, Biſchof zu Brandenburg, wird als eis nes Böttchers Sohn aus Stendal angegeben . 337 Stephen, Biſchof zu Lebus, iſt in der maͤr kiſchen Geſchichte ſo beruͤhmt als Heroſtratus 344 Stephanus König von Polen, ſtirbt 256 ‚Sterndeuserey wird heutiges Tages nicht * Siternkunde wird jetzt hoͤher getrieben als vor fen Sterernburg, dafeldft wird der Vergleich oifchen dem Herzog von Braunſchweig und der Stadt Braunſchweig gefchloffen 574 Stifter, Magdeburg und Halberſtadt bleiben — brandenburgiſchen Prinzen 124 und 130 BEN... ———— 3 2 9 ea * ke der. voenchmnten Sachen. von —— Graf Ludwig, muß der Stadt Mag: deburg Vergleichsbedingungen antragen 115 Steasburg, Streitigkeiten dafelbft 251. ſtrittige Bi: fehofswahl dafelbft wird beiggleget 398 von der Steaffen, D. Ehriftoph, erfter Lehrer der Rechte auf. der hohen Schute zu Frankfurt, gehe ‚als churfürftlicher Gefandter nach Xugfpurg „113 ‚Streitigkeiten d des Kaifers mit dem Papſt „145 Stuler, Peter, Caplan an der Peterskirche zu Ber: fin, verurfacht durch eine hitzige Predigt einen ig daſelbſt 574 ER‘ Tide, Keinrich, ein magdeburgifcher Domherr, ziehet die Wunderblutshiſtorie in Zweifel 334 muͤnde bekommt die Handlungsrechte der Stadt Magdeburg 106 geraͤth mit Magdeburg in Streit 112 Thobefli Annal. Lign, werden angeführet ‘42 Theilung der juͤlichſchen Erbſchaftslande, wodurch fie veranlaſſet wird 571 kommt zu Stande 573 . von Thurn, Graf, bricht in Mahren ein 585 gebt: bis in die Gegend von Wien . 70988 Torgau daſelbſt werden fieben Adeliche enthauptet " 112 dafelbft wird an der Eintrachtsformul za tet. CTourenne ſucht in Deutſchland Huͤlfe vor den —* nig Henrich 4 268f. Teipentinifee —— dazu werden ‚die Proteſtanten eingeladen 117 wird von denſel⸗ ‘den verworfen 159 wird geendiget 1264 Triglaf, ein heidnifcher Goͤtze, deſſen Bildniß wird _ ‚aus Brandenburg vom König. von Dannemarf -weageführet 338 von Trotha Adam, geht mit Bereinigunäsvorfhläs gen in. der Religion an den aaa ee von Sad): fen 66 ſtirbt 167 Turnhaͤuſer, ein Soldmacher _ 231 Tuͤrkengefahr nimmt überhand 69 Türkenzug, Nachricht davon, unter dem Oberbe⸗ seht des Ehurfürften Soachims 2. 71 bis 76 u. V. Vergleichung zwiſchen Marggraf Albrecht uns Chur: fürft Morik von Sachſen | 436 Vergleich, ein vorläufiger ‚ zwifchen Churbranden: burg und Pfalz: Neuburg wegen der jülichidhen Erbſchaft 523 Vergleich mit Lothringen 79 Vicelius, ob er der Verfaffer des Entwurfs gewe⸗ fen, der dem ——— Joachim 2 uͤbergeben worden 62 ern ‚ der ‚geiftlihe, dawider geſchieht hen ellung Vorſtius, ein päpftficher Botſchafter, geht Deutſchland Udo, erſter Biſchof zu Havelberg 30 Ungarn, Zwieſpalt wegen der Koͤnigswahl hohe . nen Union, die halliſche 526 deren Kriegsheer — die kaiſerlichen Voͤlker im Elſaß in die Enge 527 komint zu Rothenburg zufammen 530 macht ein Vertheidigungsbuͤndniß mit Frankreich Unruhen in den juͤlichſchen Ebſchaftslanden veran⸗ laſſen eine Theilung der ſelben 571 Unruhen, innerliche, in Deutfchland 78 in’ * kaiſerlichen Erblanden 497 Urkunde wegen der Erbverbruͤderung zwiſchen Bram denburg und Liegnitz 27 wegen Brandenburg und Pommern’ 222 wegen des geraifchen Hausgrund: vertrages 369 wegen des Vergleichs der Brandens burgiichen Haufer zu Anſpach 393 wegen Erneue⸗ rung der Erbvereinigung zwifchen Sachen, Bran⸗ denburg und Heſſen 555 wegen der Erbverbrüdes rung vorgedachten Käufer 565 wegen Belehnung des Marggrafen Friedrichs mit der Marf Bran: denburg 595 über die Generalftatehafterfchaft in Deutſchland Herrn Friedrichs Margarafen und Ehurfürften zu Brandenburg 597 Churfürt Frie⸗ drichs ı Teſtament 597 he ger feiner Söhne 599 WW, Wahversrag bey der Wahl Kaifer Matthias” 537 Sapre derdinand 2 neue ea in demfelben 6 58 von Waldews, Sohann Biſchof zu Brandenburg, wird churfürftlicher ige 332 wird auch Biſchof von Lebus 333 Waldus, Petrus, — in die Brndenbunigen Gegenden 329 von Wallwitz, Johann, btandenburdiſcher Geſand⸗ ter. auf dem Reichstage zu Augſpurg 113 Walo Biſchof von Havelberg, zu einer Zeit wird das Stift mit Dörfern von dem Churfuͤrſten be⸗ ſchenkt 312 Wechſelheirat zu Berlin 86 von Wedel erhaͤlt Etlaubniß, ein Schloß zn Re Burg zu erbauen Weinleben, Sohann, Kanzler des Ehurfürften den chims 2 Weiſſe Frau in Berlin fol fich haben fehen af 589 Wenzel, Herzog zu Liegnitz, Bifchof zu Lebus, wird nachher Bifchof von Breslau 345 Kkkfa Wer⸗ — | r Regiſter der vornehmſten Sachen. Wernigeroda, daſelbſt langt Graf Albrecht von Stolberg aus feiner Gefangenſchaft wieder an 243 Werthheimiſche Streit mit Wuͤrzburg 406 Wias, Albrecht, Buͤrgermeiſter zu Frankfurt, wird vogelfrey gemacht 209 Wieneriſche Vertrag, mit demſelben iſt der kaiſer⸗ liche Hof zufrieden „145 Wigerus, Bifchof zu Brandenburg, feine Verrich⸗ tungen f 328 Wilmar, Bifchof zu Brandenburg, iſt der rechte MWiederaufbauer des Stifte ; 32 Wilsnadifche Wunderblut, darüber entfteht neuer Lerm 125 die drey rothfleckigen Hoſtien werden vom Ellefeld verbrannt 126 Wimpina widerfege fih D. Luthern 6 Wittenbergifche Gottesgelehrte kommen in. Ber: dacht, daß fie es heimlich mit den Reformirten halten 188 halten ſich allein vor die Befiger der Bibelausgabe — Wittenberg wird vom Kaiſer Carl 5 eingenommen 100 Ä Wolfenbüttel wird eingenommen ; 79 Wolfgang Wilhelm Pfalzgraf zu Neuburg tritt zur catholifchen Kirche 543 will den brandenburz - gifchen. Churpringen zu feinen Regierungsgeſchaͤf⸗ ten im Sülichfchen laſſen 571 Morms, Zufammenkunft dafelbft 61 Religionsges foräch daſelbſt 139 Reichstag dafelbft 188 Wunderblut zu Wilsnack, neuer Lerm deswegen 125 Geſchichte deſſelben 316 Wurtzen giebt Gelegenheit zum Sladenkriege 78 Würtemberg, deſſen Irrungen mit Defterreich 281 = erhält gegen eine Summe Geldes das Hecht, daß es nicht bey Defterreich, fondern bey dem Kaifer- 80 und Neich zu Lehn gehen dürfe x, Kanten, daſelbſt wird eine Friedenszuſammenkunft wegen der juͤlichſchen Unruhe gehalten 373 3. *— —— deſſen Streitigkeiten mit dem Zborotosz ' z r } 257 von dapolig, Graf, ſucht König von Ungarn zu - werden ; 461 Bere, deſſen Streitigkeiten mit dem Zamois⸗ e 257 dechlin, dafelbft hält Johann Georg als Churpring meieiſtens feine Hofhaltung 216 Zeitz, daſelbſt wird eine Zuſammenkunft der. drey ; ee Brandenburg, Sachfen und Heſſen belier P 20 | | — Zobel, Melchior, Biſchof von Würzburg 132 wird ermorbꝛe 143 Zoſſen, Herrſchaft, kommt an Brandenburg 32 Zuſammenkunft, merfwürdige, zu Prag. 527 zu Rothenburg ander Tauber 530 der Churfuͤrſten ‚zu Nürnberg - — bag Sweybrüden und Neuburg zerfallen wegen der. chure > pfälzifchen Bormundfchaft 2 zu Zwinglius, Ulrich, fänge im der Schweiz an ‚lehren ET Zwiſchenreich in Deutſchland 838. - Ende des dritten Bandes ET RR * Kann a1 sah He SEN LET ZE Be Age A A e “ ” ‘ " + ; . ® k En a h f n x ” | 4 * x x 5’ 24 = — * , % ’ " a / X — r * > 5 d x